{"id":4786,"date":"2021-07-12T19:12:51","date_gmt":"2021-07-12T17:12:51","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.gabriele-uhlmann.de\/?p=4786"},"modified":"2023-02-11T16:07:43","modified_gmt":"2023-02-11T15:07:43","slug":"patriarchat-und-gewalt-in-catal-hoeyuek","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.gabriele-uhlmann.de\/en\/patriarchat-und-gewalt-in-catal-hoeyuek","title":{"rendered":"Patriarchy and violence in \u00c7atal H\u00f6y\u00fck?"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/5ca4160dc67e4d6c96b0e14383e0043f\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><br \/>\n<a title=\"Stipich B\u00e9la [CC BY-SA 3.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/)], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_7.JPG\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"Ausgrabung in Catal H\u00fcy\u00fck - Ausschnitt\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/0\/04\/Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_7.JPG\/512px-Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_7.JPG\" alt=\"Ausgrabung in Catal H\u00fcy\u00fck - Ausschnitt\" width=\"512\" height=\"340\" \/><\/a><br \/>\nAusgrabung von \u00c7atal H\u00f6y\u00fck<br \/>\n<span style=\"font-size: 8px;\">Bildquelle: Wikimedia Commons<\/span><\/p>\n<h2 id=\"die-meldungen-in-der-presse\">Die Meldungen in der Presse<\/h2>\n<p>Nachdem \u00fcber Jahrzehnte keinerlei Spuren von Gewalt in \u00c7atal H\u00f6y\u00fck gefunden wurden bzw. nichts dar\u00fcber berichtet wurde und Matrifokalit\u00e4t ohne jeden Gegenbeweis mit einer erdr\u00fcckenden F\u00fclle von Indizien evident geworden war, ging am 17. Juni 2019 ein Forscherteam unter der Leitung von Clark S. Larsen (Ohio State University) mit einer Studie an die breite \u00d6ffentlichkeit, mit der der jungsteinzeitliche Siedlungsh\u00fcgel nun als elender Ort gepr\u00e4gt von patriarchaler \u00dcberbev\u00f6lkerung, Krankheit und Gewalt hingestellt wird.<\/p>\n<p>Das online-Magazin <em>Wissenschaft.de<\/em> schrieb unter dem Titel \u201eSt\u00e4dtische Probleme \u2013 schon vor 9000 Jahren\u201c:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAuch was das gesundheitliche Niveau in der Proto-Stadt betrifft, fanden die Forscher Hinweise auf einen Niedergang: Offenbar litten die Bewohner unter einer hohen Infektionsrate \u2013 konkret weisen bis zu einem Drittel der \u00dcberreste die Spuren von Infektionen an den Knochen auf. Vermutlich war dies auf die hohe Bev\u00f6lkerungsdichte und die mangelnde Hygiene in der engen Siedlung zur\u00fcckzuf\u00fchren. Die Untersuchungen der Baustrukturen zeigen in diesem Zusammenhang: In der Bl\u00fctezeit wurden die Wohneinheiten ohne Zwischenr\u00e4ume gebaut und die Bewohner kamen und gingen \u00fcber Leitern.<\/p>\n<p>In den durch Lehm verputzen Innenr\u00e4umen ging es wohl auch nicht immer gerade sauber zu: Die Forscher fanden Spuren von tierischen und menschlichen F\u00e4kalien. \u201aDie Bewohner lebten unter sehr beengten Verh\u00e4ltnissen, mit M\u00fcllgruben und Tierst\u00e4llen direkt neben einigen ihrer H\u00e4user. Es gab also offenbar eine ganze Reihe von Hygieneproblemen, die zur Ausbreitung von Infektionskrankheiten beitragen haben k\u00f6nnten\u2019, res\u00fcmiert Larsen. (\u2026)<br \/>\nDie Untersuchung einer Stichprobe von 93 Sch\u00e4deln aus \u00c7atalh\u00f6y\u00fck ergab, dass mehr als ein Viertel die Spuren geheilter Frakturen aufwiesen. Zw\u00f6lf waren sogar mehrmals Opfer geworden \u2013 mit zwei bis f\u00fcnf Verletzungen im Laufe der Zeit. Mehr als die H\u00e4lfte der Opfer waren dabei Frauen (\u2026)<br \/>\n\u201aWir fanden eine Zunahme dieser Sch\u00e4delverletzungen w\u00e4hrend der mittleren Periode, als die Bev\u00f6lkerung am gr\u00f6\u00dften und am dichtesten war\u2019, sagt Larsen. \u201aSomit k\u00f6nnte man interpretieren, dass die \u00dcberbev\u00f6lkerung zu erh\u00f6htem Stress und zu Konflikten innerhalb der Siedlung gef\u00fchrt hat\u2019, so der Wissenschaftler.\u201c (<a href=\"https:\/\/www.wissenschaft.de\/geschichte-archaeologie\/staedtische-probleme-schon-vor-9000-jahren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vieweg 2019<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Wie viele Frauen also wurden verletzt und wie viele mehrfach verletzt?<\/strong> \u00dcberlegen Sie kurz!<br \/>\n<span id=\"more-2027\"><\/span><br \/>\nWer den Text nur \u00fcberfliegt, zieht schon schnell mal aus so einer Meldung, dass die H\u00e4lfte aller Sch\u00e4del \u2013 also rund 47 \u2013 Verletzungen aufwiesen und zudem weiblich waren. Doch es sind der Formulierung zufolge ca. 24 (93\/4) Verletzte und davon wurden 12, also die ca. H\u00e4lfte, mehrmals verletzt. \u201eMehr als die H\u00e4lfte der Opfer\u201c sind weiblich \u2013 das k\u00f6nnten wieder mindestens 12 sein, was zur Verwirrung beitr\u00e4gt \u2013 , vielleicht sind es aber auch nur 6, wenn nur die mehrfach verletzten Opfer gemeint sind, wie es das W\u00f6rtchen \u201edabei\u201c suggeriert.<br \/>\nEs geht aus der Formulierung nicht hervor, wie viele Frauen verletzt waren, wie viele mehrfach verletzt waren und auch nicht, wie hoch der Anteil der Frauen in der Stichprobe \u00fcberhaupt war. Dazu sp\u00e4ter noch einmal.<br \/>\nEs w\u00fcrde mich interessieren, wie Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser, diesen Text im ersten Moment wahrgenommen haben, schreiben Sie mir bitte unten\u2026.<\/p>\n<p>Wie dem auch sei, mit diesem Paukenschlag wird alles vom Tisch gewischt, was bisher \u00fcber \u00c7atal H\u00f6y\u00fck bekannt war. Denn mindestens bis 2010 wurde nichts \u00fcber Spuren von Gewalt ver\u00f6ffentlicht, obwohl dies f\u00fcr das Gastgeberland T\u00fcrkei eine gro\u00dfe Freude gewesen w\u00e4re, ist doch schon die Ahnung von matrifokalem Leben in grauer Vorzeit ein Schreckgespenst f\u00fcr jeden Patriarchen.<\/p>\n<p>Ein anderes Magazin, <em>Der Standard.at<\/em>, titelte &#8222;9.000 Jahre alte Steinzeit-Stadt litt an modernen urbanen Problemen\u201c und schrieb u.a.:<\/p>\n<blockquote><p>\u2019Pflanzenanbau und Tierhaltung gab es von Anfang an, doch mit wachsender Bev\u00f6lkerung intensivierte sich auch die Landwirtschaft dramatisch\u2019, sagt Larsen. Der hohe Getreideanteil bei der Ern\u00e4hrung f\u00fchrte schnell zu typischen Zivilisationskrankheiten, darunter vor allem Karies: Zehn bis 13 Prozent aller gefundenen Z\u00e4hne von Erwachsenen wiesen entsprechende Sch\u00e4digungen auf.<br \/>\nUnd ein weiterer anatomischer Wandel ging mit dem Wachstum einher. Knochenuntersuchungen zeigten, dass die Bewohner von \u00c7atalh\u00f6y\u00fck mit zunehmender Ausdehnung der Siedlung immer mehr zu Fu\u00df unterwegs waren. Die Forscher schlie\u00dfen daraus, dass die Weide- und Ackerfl\u00e4chen im Laufe der Zeit weiter von der \u201aStadt\u2019 wegr\u00fcckten. \u201aWir glauben, dass die landwirtschaftlich ausgelaugte Umgebung und Klimaver\u00e4nderungen die Bev\u00f6lkerung dazu zwang, immer weitere Strecken zur\u00fcckzulegen, um die Siedlung versorgen zu k\u00f6nnen\u2019, meint Larsen. \u201aDas d\u00fcrfte letztlich auch zum Niedergang von \u00c7atalh\u00f6y\u00fck beigetragen haben.&#8220;<br \/>\n(<a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/2000105111331\/9-000-jahre-alte-steinzeit-stadt-litt-an-modernen-urbanen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berg 2019<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>In der Tat, wir wussten schon, dass \u00c7atal H\u00f6y\u00fck untergegangen ist. Und zwar aufgrund des dramatischen Klimawandels, der mit der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Misox-Schwankung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Misox-Schwankung<\/a> vor 8200 Jahren einher ging, was vor einem Jahr bekannt wurde (Roffet-Salque <em>et al.<\/em> 2018). Das k\u00f6nnen wir aber nicht der Matrifokalit\u00e4t anlasten und mit Patrilokalit\u00e4t hat das auch nichts zu tun. \u00dcberbev\u00f6lkerung ist ein relativer Begriff: Seit dem 12. Jtd. verloren nun sesshafte Menschen nach und nach das Wissen, sich durch Sammeln zu ern\u00e4hren und entwickelten den Garten- und Ackerbau, der etwa ab 9.500 v.u.Z. (Pr\u00e4keramisches Neolithikum) voll ausgepr\u00e4gt war. Die v\u00f6llige Abh\u00e4ngigkeit der Landwirtschaft von g\u00fcnstigem Wetter blieb \u00fcber 3000 Jahre lang unbemerkt, auch der damit einhergehende Anstieg der Bev\u00f6lkerung auf ein h\u00f6heres Niveau war kein Problem. Aufgrund des pl\u00f6tzlich eintretenden Klimawandels konnten sich die Menschen nicht mehr ausreichend ern\u00e4hren. Ohne eine globale Vernetzung, mit welcher Nahrung \u00fcber L\u00e4ndergrenzen hinweg geliefert werden kann, gab es keine Kompensationsm\u00f6glichkeit, au\u00dfer der Verlagerung auf tierische Nahrung (Roffet-Salque <em>et al.<\/em> 2018), was offenbar auch nicht genug war. Die Probleme, mit denen \u00c7atal H\u00f6y\u00fck zu k\u00e4mpfen h\u00e4tte, waren daher alles andere als modern.<\/p>\n<p>Wir wissen auch, dass die damals in den Steppen S\u00fcdrusslands beginnende Tierzucht das erste Patriachat nach sich zog. Es hat viele Klimafl\u00fcchtlinge gegeben, die die Tiere in die Steppe trieben (vgl. <a href=\"https:\/\/blog.gabriele-uhlmann.de\/patriarchat\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Uhlmann 2019<\/a>) und die wir als Indoeurop\u00e4er kennen. Heute ist die \u00dcberbev\u00f6lkerung ein Dauerproblem, dessen L\u00f6sung trotz immer neuer Erfindungen der Hochleistungslandwirtschaft suksessive in immer weitere Ferne r\u00fcckt. Denn das Patriarchat erzeugt nicht nur eine Bev\u00f6lkerungsexplosion, sondern es betreibt schweren Raubbau an den Ressourcen, so dass die Tragf\u00e4higkeit der Erde bereits \u00fcberschritten ist.<\/p>\n<p>Wir wussten auch schon lange, dass es erste Zivilisationskrankheiten gab, aber auch das ist nicht der Matrifokalit\u00e4t geschuldet und nimmt sich im Vergleich damit, was das Patriarchat zus\u00e4tzlich anrichtet, harmlos aus. Allein die Tatsache, dass der Doppel-H\u00fcgel 2200 Jahre Bestand hatte, beweist ein weitgehend intaktes Gemeinschaftsleben, ganz so, wie es bisher entdeckt wurde.<\/p>\n<h2 id=\"friedliches-catal-hoeyuek-alles-veraltet\">Friedliches \u00c7atal H\u00f6y\u00fck &#8211; Alles veraltet?<\/h2>\n<p>Als Jahrzehnte lange, skeptische Beobachterin der Ausgrabung habe ich immer damit gerechnet, dass so etwas kommt, denn ich kenne ja meine Pappenheimer. Die Herrschende Lehre arbeitet schon lange daran, die These von der Matrifokalit\u00e4t \u00c7atal H\u00f6y\u00fcks zum Einsturz zu bringen, die schon der erste Ausgr\u00e4ber James Mellaart (1961-1964) aufgestellt hatte. Ian Hodder, Grabungsleiter bis 2018, musste feststellen, dass sein mit Schimpf und Schande aus dem Amt geworfener Vorg\u00e4nger Mellaart mit seinen wesentlichen Aussagen Recht hatte. Es war sicherlich kaum m\u00f6glich, dies vor der t\u00fcrkischen Regierung zu vertreten und ein kurzzeitiger Grabungsstopp zwischen 2010 und 2012 l\u00e4sst vermuten, dass dies auch Konsequenzen hatte. Hodder entlie\u00df gro\u00dfe Teile des Teams, mit der Begr\u00fcndung, &#8222;<strong>es h\u00e4tte sich auf seinen Interpretationen ausgeruht, h\u00e4tte sich nicht gegenseitig herausgefordert oder h\u00e4tte die Annahmen, die f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich gehalten wurden, nicht als Herausforderung gesehen.<\/strong>&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.sciencemag.org\/news\/2010\/09\/hodder-cleans-house-famed-atalh-y-k-dig\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Balter 2010<\/a>, meine \u00dcbersetzung, meine Hervorhebung. Vgl. auch Farid 2014)<\/p>\n<p>Also Matrifokalit\u00e4t nicht als Herausforderung gesehen? Ein Aufruf zum Kampf gegen das, was nicht sein darf? Was hatte dieses Grabungsteam entdeckt? Hodder fasste es im letzten Grabungsbericht dieses Teams (Archive Report 2010) zusammen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEine weitere neue Perspektive betrifft die soziale Organisation in \u00c7atalh\u00f6y\u00fck. Wir haben lange angenommen, dass sie ziemlich egalit\u00e4r war, aber in den letzten Jahren haben wir \u201aGeschichtsh\u00e4user\u2018 identifiziert, die mehr Bestattungen enthielten und in Bezug auf Architektur und Installationen aufw\u00e4ndiger waren. <strong>Man h\u00e4tte erwarten k\u00f6nnen, dass von diesen speziellen H\u00e4usern mehr Kontrolle \u00fcber die Produktion ausging, reichere Bestattungen in ihnen gefunden w\u00fcrden oder ges\u00fcndere Menschen in ihnen gelebt h\u00e4tten.<\/strong> Aber je mehr Daten hereinkamen, desto klarer wurde, dass die Geschichtsh\u00e4user in keiner Weise etwas Besonderes waren, weder was Bestattungen noch Sorgfalt anging.<strong> Dies deutet darauf hin, dass Tendenzen zur sozialen Differenzierung in \u00c7atalh\u00f6y\u00fck stark ged\u00e4mpft waren.<\/strong> Von den vielen anderen neuen Erkenntnissen, die aufgelistet werden k\u00f6nnten, m\u00f6chte ich nur eine weitere erw\u00e4hnen, n\u00e4mlich, was das bioarch\u00e4ologische Team, das an den Skeletten arbeitet, die unter den Stockwerken von Geb\u00e4uden ausgegraben wurden, herausgefunden hat. <strong>Man h\u00e4tte erwarten k\u00f6nnen, dass die Einwohner von \u00c7atalh\u00f6y\u00fck von schlechter Gesundheit waren.<\/strong> Es wird oft angenommen, dass sich das Wohnen in Gro\u00dfsiedlungen negativ auf die Gesundheit der Menschen auswirkt. Und in der Tat weist die dichte Ansammlung von H\u00e4usern in \u00c7atalh\u00f6y\u00fck, die von ausgedehnten Abfallzonen umgeben sind, in denen menschliche und tierische F\u00e4kalien gefunden wurden, auf schlechte hygienische Bedingungen hin. Wir wissen auch, dass Ungeziefer weit verbreitet war. <strong>Es war also eine \u00dcberraschung, dass die Gesundheit der Bewohner bei einer Vielzahl von Untersuchungen tats\u00e4chlich gut war.<\/strong> Es scheint so, als h\u00e4tten sie eine M\u00f6glichkeit gefunden, den Unrat zu entsorgen (<strong>wir wissen, dass sie den Dreck einebneten und mit Kalkasche bedeckt haben<\/strong>), um die negativen Auswirkungen zu minimieren, und sie haben <strong>ihre H\u00e4user peinlichst sauber gehalten<\/strong>. Wir k\u00f6nnen nicht davon ausgehen, dass sie etwas von Krankheitserregern ahnten, <strong>aber ihre Praktiken haben es ihnen erm\u00f6glicht, gesund zu bleiben<\/strong>.\u201c<br \/>\n(Hodder 2010, S. 1; meine \u00dcbersetzung, meine Hervorhebung)<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Beschreibungen passten immer noch sehr gut zu einem Szenario mit hohem kulturellen Standard und Egalit\u00e4t, wie sie nur unter Matrifokalit\u00e4t anzutreffen ist, wo soziale Differenzierung aber nicht aktiv ged\u00e4mpft werden muss, sondern entsprechend dem angeborenen Sozialverhalten in Sippenverb\u00e4nden einfach nicht vorkommen kann.<\/p>\n<p>Die am 17. Juni 2019 ver\u00f6ffentlichte Studie stammt nun von einem v\u00f6llig anderen Team, das \u2013 oh Wunder \u2013 auch zu v\u00f6llig anderen Ergebnissen gekommen ist, wie wir oben schon gesehen haben. Mit ihr werden die Ergebnisse, die im Archive Report 2010 ver\u00f6ffentlicht wurden, im Grunde dementiert. Die Arbeit von 17 Jahren f\u00fcr die M\u00fclltonne?<\/p>\n<h2 id=\"2011-den-wildbeutern-aehnlich-zusammengelebt-keine-familien-nachweisbar\">2011: &#8222;den Wildbeutern \u00e4hnlich zusammengelebt &#8211; keine Familien nachweisbar&#8220;<\/h2>\n<p>Wie ich bei meinen weiteren Recherchen entdeckte, ist die Studie aber nur die Kr\u00f6nung einer Kette von Studien, die seit 2011 nach und nach erschienen und zun\u00e4chst von der Presse weitgehend unerw\u00e4hnt blieben, bis auf eine: Sie tr\u00e4gt den Titel \u201e\u2019Offizielle\u2019 und \u201apraktische\u2019 Verwandtschaft: Herleitung der sozialen und der Gemeinschaftstruktur aus dem Zahnph\u00e4notyp im neolithischen \u00c7atalh\u00f6y\u00fck, T\u00fcrkei (meine \u00dcbersetzung, im Original online:<a href=\"https:\/\/www.onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1002\/ajpa.21520\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> \u201cOfficial\u201d and &#8222;practical&#8220; kin: Inferring social and community structure from dental phenotype at Neolithic \u00c7atalh\u00f6y\u00fck, Turkey<\/a>).<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.livescience.com\/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Das Ergebnis der Studie<\/a> wurde im Online-Magazin <em>Livescience<\/em> (Jarus 2011) unter dem Titel \u201eKeine Familiengr\u00e4ber, nur Gemeinschaftsbegr\u00e4bnisse in uralter Siedlung\u201c (meine \u00dcbersetzung, Originaltitel: \u201eNo family plots, Just Communal Burials In Ancient Settlement\u201c) vorgestellt. An den Z\u00e4hnen aus Gr\u00e4bern in \u00c7atal H\u00f6y\u00fck konnten keine Merkmale festgestellt werden, mit denen Verwandtschaften h\u00e4tten nachgewiesen werden k\u00f6nnen.<br \/>\nDieses Ergebnis wirkt wie ein Salomonisches Urteil. Es wurden keine Kernfamilien \u2013 also Vater, Mutter und Kind \u2013 gefunden, aber das tut dem Team nicht weh, denn auf den ersten Blick l\u00e4sst es auch Matrifokalit\u00e4t unwahrscheinlich erscheinen.<\/p>\n<p>Ian Hodder zeigte sich dar\u00fcber erstaunt und befand, dass die Bewohner den Wildbeutern \u00e4hnlich zusammengelebt haben m\u00fcssten. Vielleicht tat er das in der Hoffnung, dass sich die Menschen die Steinzeit immer noch als patriarchales J\u00e4gerparadies vorstellen, wo M\u00e4nner mit Keulen die Frauen an den Haaren hinter sich herzogen. Vielleicht war das auch bewusst diplomatisch ausgedr\u00fcckt. Vielleicht denkt Hodder aber auch bis heute etwas anderes als das, was er verlauten l\u00e4sst. Ich hoffe, wir werden es irgendwann erfahren.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich kann es nichts anderes bedeuten, als dass die Menschen von \u00c7atal H\u00f6y\u00fck wie noch die altsteinzeitlichen Wildbeuter <strong>matrifokal<\/strong> gelebt haben m\u00fcssen, und zwar aus zwei Gr\u00fcnden:<\/p>\n<ol class=\"liste1\">\n<li>ist es der Menschheit angeboren, dass Kinder bei ihren M\u00fcttern aufwachsen und es ist unwahrscheinlich, dass die Kinder in \u00c7atal H\u00f6y\u00fck ihren M\u00fcttern weggenommen wurden. Zudem sind M\u00fctter nat\u00fcrlicherweise auf die Hilfe ihrer M\u00fctter, Schwestern und Cousinen angewiesen (<a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/magazin\/warum-gibt-es-grossmuetter\/829410\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gro\u00dfmutter-These, Beise\/Voland 2003<\/a>). Dieses hochsoziale Kontinuum ist das Erfolgsgeheimnis der Menschheit mit ihrer extrem langen Kindheit.<\/li>\n<li>legen patriarchale Familien stets besonderen Wert darauf, wenn m\u00f6glich zusammen bestattet zu werden. Hintergrund ist, dass der famili\u00e4re Zusammenhalt in Patrilinearit\u00e4t in besonderer Weise zum Ausdruck gebracht werden muss. Die Notwendigkeit dazu ergibt sich aus der Unnat\u00fcrlichkeit von Patrilinearit\u00e4t, die k\u00fcnstlich und gewaltsam hergestellt werden muss, indem die M\u00fctter in der Familie regelrecht in Geiselhaft genommen werden, wie ich es bereits <a href=\"https:\/\/blog.gabriele-uhlmann.de\/patriarchat\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">an anderer Stelle<\/a> dargestellt habe. Familien sind infolgedessen br\u00fcchig und das gilt es zu vertuschen und zu besch\u00f6nigen. Patrilinearit\u00e4t dient der Legitimation des Vaters und seines Erbes.<br \/>\nEtwas, das mit so viel Aufwand installiert wurde, wird nicht im Tod ignoriert, sondern zelebriert, um der Patrilinie einen Ort zu geben, wo sie ihre Geschichte hochhalten kann. Etwas Vergleichbares oder bildliche Kunst, die darauf hinweisen k\u00f6nnte, gibt es in \u00c7atal H\u00f6y\u00fck aber nicht.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ich vermute, dass Pilloud und Larsen vor allem nachweisen wollten, dass die Kinder mit den \u00e4lteren M\u00e4nnern engst verwandt waren, sie haben sicher die V\u00e4ter gesucht, aber ohne Erfolg. Was haben wir da also vor uns? Unter Matrifokalit\u00e4t leben die Onkel mit den Kindern ihrer Schwestern zusammen, aber das l\u00e4sst sich nicht unbedingt an den Befunden aus der Studie ablesen, es fehlt ein Mitochondrien-DNA-Abgleich (mtDNA). Die \u00c4hnlichkeit der Sippenmitglieder ist unter der gelebten <a href=\"https:\/\/blog.gabriele-uhlmann.de\/female-choice\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Female choice<\/a>, wie sie in Matrifokalit\u00e4t selbstverst\u00e4ndlich ist, geringer, weil die nur \u00fcber die Mutter blutsverwandten Sippenmitglieder genetisch voneinander weiter entfernt sind. Die Geschwister haben unterschiedliche V\u00e4ter. Der Onkel hat damit auch einen anderen Vater als seine Schwester, ist also relativ weit von seinen Nichten und Neffen entfernt, obwohl er ihre mtDNA teilt, die nur \u00fcber die Mutter vererbt wird. Gr\u00f6\u00dfere genetische Vielfalt und nicht Endogamie (Inzucht) ist typisch f\u00fcr Matrifokalit\u00e4t. Das ist der entscheidende Unterschied zum Patriarchat, wo immer eifers\u00fcchtig darauf geachtet wird, dass eine Frau innerhalb des eigenen patrilinearen Stammes heiratet und monogam lebt. Bei einer Geschwisterehe (wie z.B. bei den \u00e4gyptischen Pharaonen) sind dann immer nur zwei Genpools beteiligt, und zwar der des Elternpaares. Unter Matrifokalit\u00e4t w\u00e4ren immer drei Genpools beteiligt, der der Mutter und die der beiden V\u00e4ter. Aufgrund der chemotaktischen Inzest-Schranke kommt das so gut wie nie vor.<br \/>\nOb Hodder und sein neues Team dies alles vollst\u00e4ndig durchdacht und verstanden hatten?<\/p>\n<p>Die Studie gab damals Anlass zur Freude, best\u00e4tigte sie doch neuerlich Mellaarts Grundannahme. AutorInnen der Studie waren \u00fcbrigens die Odontologin Marin A. Pilloud und der Bioarch\u00e4ologe Clark S. Larson. Larsen gilt als Kapazit\u00e4t und war von 2001-2007 Chefredakteur eben jenes Magazins, in welchem die Studie 2011 ver\u00f6ffentlicht wurde, n\u00e4mlich dem <em>American Journal of Physical Anthropology<\/em> ! Beide arbeiten seit der Entlassung des alten Teams immer wieder mit Ian Hodder zusammen und geh\u00f6ren auch jetzt wieder, nachdem Hodder sein Amt zur\u00fcck gegeben hat und \u00c7iler \u00c7ilingiro\u011flu von der Universit\u00e4t Izmir neue Grabungsleiterin ist, zum Studienteam. Es wurde dann f\u00fcr 8 Jahre ruhig um dieses Thema bis zu jenem 17. Juni 2019.<\/p>\n<h2 id=\"2019-schwierigkeiten-mit-ueberbevoelkerung-gewalt-und-umweltproblemen\">2019: &#8222;Schwierigkeiten mit \u00dcberbev\u00f6lkerung, Gewalt und Umweltproblemen&#8220;<\/h2>\n<p>Ich erfuhr von der neuen Studie auf der Facebook-Seite der Zeitschrift <a href=\"https:\/\/www.aid-magazin.de\/startseite.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Arch\u00e4ologie in Deutschland<\/em><\/a>, wo der entsprechende Artikel der <em>Ohio State News<\/em> verlinkt war (wof\u00fcr hiermit gedankt sei!) und mit \u201eVor 9.000 Jahren, eine Gemeinschaft hatte mit modernen, urbanen Problemen zu k\u00e4mpfen. \u00c7atalh\u00f6y\u00fck hatte Schwierigkeiten mit \u00dcberbev\u00f6lkerung, Gewalt und Umweltproblemen\u201c titelte (meine \u00dcbersetzung, <a href=\"https:\/\/news.osu.edu\/9000-years-ago-a-community-with-modern-urban-problems\/?fbclid=IwAR0-tx1IurYIziXbZWGwZ9wpuLCGKYsuuDik4T8_7tVANaK40XH9Z8LIz_E\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Originaltitel<\/a>).<br \/>\nMir fiel dabei auch besonders der folgende Satz auf:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie Form der Verletzungen l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, dass harte, runde Objekte auf die Sch\u00e4del eingewirkt hatten \u2013 und Lehmkugeln in der richtigen Gr\u00f6\u00dfe wurden ebenfalls gefunden.\u201c<br \/>\n(Grabmeier 2019, meine \u00dcbersetzung)<\/p><\/blockquote>\n<p>Da erinnerte ich mich wieder, dass ja diese Lehmkugeln schon in den Neunziger Jahren gefunden worden waren, <a href=\"https:\/\/www.smm.org\/catal\/mysteries\/clay_balls\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">genauer gesagt Tausende davon<\/a>. Aufgrund fehlender Anzeichen f\u00fcr Gewalt waren sie ein R\u00e4tsel, aber das verschwieg die neue Studie. Sie wurden damals nur von manchen als Schleuergeschosse angesehen, auch als Sportger\u00e4te konnte man sie sich vorstellen, besonders aber als Kochger\u00e4te:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir sind nicht wirklich sicher, wof\u00fcr sie benutzt wurden. Wir denken, sie k\u00f6nnten etwas mit dem Kochen zu tun haben. Denn sie wurden mit Ascheresten gefunden. Hier k\u00f6nnen Sie Asche und Kohle sehen, die wahrscheinlich von dem Feuer kamen.\u201c<br \/>\n(<em>Roddy Reagan in <a href=\"https:\/\/www.smm.org\/catal\/mysteries\/clay_balls\/roddy\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">SMM 2003<\/a>, meine \u00dcbersetzung<\/em>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Arch\u00e4ologin Sonya Atalay wurde damals mit der Untersuchung der Kugeln betraut, die sie in 3 Kategorien einteilen konnte: Balloide, Minib\u00e4lle und sogar \u201ekomisch\u201c geformt, dies alles in den unterschiedlichsten Gr\u00f6\u00dfen.<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.smm.org\/catal\/media\/images\/mysteries\/clay_balls\/all_balls.jpg?w=349&#038;ssl=1\" alt=\"Lehmkugel aus Catal H\u00f6y\u00fck - Bildquelle: https:\/\/www.smm.org\"  border=\"0\" \/><br \/>\n<span style=\"font-size: 9px;\">Bildquelle: <a href=\"https:\/\/www.smm.org\/catal\/mysteries\/clay_balls\/sonya\/ball_types\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.smm.org\/<\/a><\/span><\/p>\n<p>Nun also sollen sie Wurfgeschosse sein, mit denen sich die Bewohner gegenseitig bewarfen und verletzten. Eine sehr steile These, denn es wurden der Studie zufolge auch nur geheilte Sch\u00e4delverletzungen gefunden. Niemand wurde offenbar mit einem Sto\u00df an den Kopf umgebracht.<\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte mir aufgrund ihrer Menge vorstellen, dass die Lehmkugeln als Bettw\u00e4rmer dienten. Denn die Winter waren kalt, so dass die Dach\u00f6ffnungen sicherlich nachts geschlossen werden mussten und es daher nicht m\u00f6glich war, nachts ein Feuer brennen zu lassen. Auf den <a href=\"https:\/\/www.smm.org\/catal\/mysteries\/clay_balls\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Abbildungen<\/a> sieht man, dass sie in den H\u00e4usern nicht wild herum lagen, sondern in Clustern ordentlich abgelegt waren. Sie k\u00f6nnten zum Aufheizen in die Feuer gelegt worden sein, was die Brandspuren erkl\u00e4rt. Sowohl f\u00fcr diesen Zweck als auch als Wurfgeschoss h\u00e4tten die BewohnerInnen genauso gut Steine nehmen k\u00f6nnen, haben sie aber nicht.<\/p>\n<p>Die Sch\u00e4delverletzungen insbesondere bei Frauen lie\u00dfen sich auch ganz anders erkl\u00e4ren, z.B. mit St\u00fcrzen von den zahllosen Leitern, \u00fcber die die H\u00e4user betreten werden mussten. Auch die begehbaren D\u00e4cher d\u00fcrften \u00f6fter nachgegeben haben, denn sie waren nur von lehmverst\u00e4rkten Flechtwerk abgedeckt. Sicherlich hatten die Frauen bereits damals eine gr\u00f6\u00dfere Arbeitsbelastung und mussten \u00fcber die Leitern schwere Lasten in die H\u00e4user tragen. Dass dabei viel passieren konnte, sollte kein Wunder sein, ebenso wie das damit verbundene hohe Infektionsrisiko. Dass nach einer D\u00fcrre hungernde Menschen geringere Abwehrkr\u00e4fte haben, ist auch nichts Neues, ebenso, dass sie aufgrund der allgemeinen Schw\u00e4che sich h\u00e4ufiger verletzten konnten. Dass die Frauen ihre Sch\u00e4del-Verletzungen \u00fcberlebten, zeugt aber dennoch von einer gro\u00dfen F\u00fcrsorge und auch einer gewissen Erfahrung, wie Wundinfektionen einzud\u00e4mmen sind. Auch die allgemeine Karies-Rate von nur 10-13% zeugt von Wissen, dass und wie Z\u00e4hne zu pflegen sind. Der Vergleich mit der Gegenwart zeigt, dass Larsen auch hier dramatisiert: <a href=\"https:\/\/www.derwesten.de\/incoming\/karies-ist-die-haeufigste-erkrankung-in-deutschland-id109385.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Laut der Kassen\u00e4rztlichen Bundesvereinigung der deutschen Zahn\u00e4rzte<\/a> hatte vor vierzig Jahren jeder Jugendliche im Schnitt sieben Z\u00e4hne, die an Karies erkrankt waren. Gehen wir mal von 28 sichtbaren bleibenden Z\u00e4hnen aus, ist das eine Rate von 25%, im Laufe des Lebens kamen dann noch die meisten anderen Z\u00e4hne dazu. Viele Menschen tragen heute Vollprothesen, und das, obwohl vor 40 Jahren bereits eine Erziehung zur Zahnpflege erfolgte und Fluorzahnpasten die Regel waren.<br \/>\n\u00c7atal H\u00f6y\u00fck war bei weitem nicht so ein gruseliger Ort, wie er jetzt hingestellt werden soll!<\/p>\n<h2 id=\"die-studie-unter-der-lupe\">Die Studie unter der Lupe<\/h2>\n<p>Noch am gleichen Tag begann ich damit, der Sache nachzugehen. Ich besorge mir nat\u00fcrlich immer die Originalstudien. Am von der Presse verlinkten Ort des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Peer-Review\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">peer-reviewten<\/a> Magazins <a href=\"https:\/\/www.pnas.org\/content\/116\/26\/12615\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PNAS<\/a> befindet sich jedoch eine Bezahlschranke (<em>Paywall<\/em>), und wir k\u00f6nnen nur das <em>Abstract<\/em> lesen. Eine kostenlose Version m\u00fcssen wir uns \u00fcber die Suchmaschine unserer Wahl suchen und gl\u00fccklicherweise werden wir auch <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/333828774_Bioarchaeology_of_Neolithic_\u00c7atalhoyuk_reveals_fundamental_transitions_in_health_mobility_and_lifestyle_in_early_farmers\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">sofort f\u00fcndig<\/a>.<\/p>\n<p>Ich fand die wesentlichen Aussagen von der Presse gut wiedergegeben. Die Sache mit den Sch\u00e4delverletzungen (vgl. oben) haben sie wie folgt ausgef\u00fchrt:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie Gemeinschaft von \u00c7atalh\u00f6y\u00fck zeigt ein erh\u00f6htes Ma\u00df an zwischenmenschlicher Gewalt, das durch geheilte Sch\u00e4del-Depressionsfrakturen bei 25 Personen der Stichprobe von 93 Sch\u00e4deln dargestellt wird (\u2026) Insgesamt sind etwas mehr Frauen als M\u00e4nner betroffen (13 gegen\u00fcber 10 bei Sch\u00e4deln mit eindeutiger Geschlechtsidentifikation). Zw\u00f6lf der 93 (13%) waren Mehrfachverletzte, die sich im Laufe der Zeit 2 bis 5 Verletzungen zugezogen hatten. Diejenigen mit den meisten Wiederverletzungen sind erwachsene Frauen.\u201c (Larsen <em>et al.<\/em> 2019, S. 7, meine \u00dcbersetzung)<\/p><\/blockquote>\n<p>Sie haben es also fertig gebracht, 93 Sch\u00e4del in die Studie aufzunehmen, von denen bei manchen das Geschlecht gar nicht festzustellen ist! So wird es simpel m\u00f6glich zu behaupten, dass etwas mehr Frauen betroffen sind. Das Ergebnis bedeutet nicht, dass mindestens 7 Frauen Mehrfachverletzte waren, sondern unter den 12 Mehrfachverletzten waren mehr Frauen, die besonders viele Verletzungen erlitten, es k\u00f6nnen also auch weniger als 6 gewesen sein. Eine einfache Liste h\u00e4tte geholfen, die Sache klar und deutlich zu machen, aber sie verstecken ihren Befund hinter unklaren Formulierungen. Leider fehlen auch jegliche Fotos von diesen Verletzungen.<\/p>\n<p>Ein \u00e4u\u00dferst bedeutender Absatz der Original-Studie jedoch wird erstaunlicherweise in der Presse weggelassen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAuf einer gr\u00f6\u00dferen regionalen Skala zeigt die Analyse der ph\u00e4notypischen Variationen der Z\u00e4hne aus \u00c7atalh\u00f6y\u00fck und von zwei anderen zentralanatolischen neolithischen Gemeinschaften \u2013 A\u015f\u0131kl\u0131 H\u00f6y\u00fck und Musular \u2013 eine allgemeine \u00c4hnlichkeit, was auf eine regional enger verwurzelte Variation hindeutet (60). Dar\u00fcber hinaus gibt es in \u00c7atalh\u00f6y\u00fck bei M\u00e4nnern ein Muster geringerer Unterschiede im dentalen Ph\u00e4notyp als bei Frauen, das die Wahrscheinlichkeit eines <strong>patrilokalen, ehelichen Aufenthalts<\/strong> dokumentiert (61) und was Auswirkungen auf Personenbewegungen, Muster des Genflusses und die Strukturierung der Bev\u00f6lkerung hat, basierend auf Frauen, die in die Gemeinschaft ziehen\u201c. (Larsen <em>et al.<\/em> 2019; meine \u00dcbersetzung, meine Hervorhebung)<\/p><\/blockquote>\n<p>Dies bedeutet, dass nun ein Patriarchat \u2013 und damit Familien \u2013 f\u00fcr wahrscheinlich gehalten wird. Das ist nat\u00fcrlich ein noch gr\u00f6\u00dferer Paukenschlag! Und dem musste weiter nachgegangen werden\u2026<\/p>\n<p>Die beiden Literaturangaben beziehen sich auf 60 = &#8222;Pilloud <em>et al.<\/em> 2018&#8243; und 61 = &#8222;K\u00f6nigsberg 1988&#8220;. Letztere beschreibt eine schon 30 Jahre alte Methode zur Interpretation von Messdaten, die anhand von Sch\u00e4deln nordamerikanischer Indianer entwickelt wurde und bis in die Gegenwart Anwendung findet. Ersteres aber ist brisant. Marin A. Pilloud, Clark S. Larsen und Kollegen hatten im Jahre 2018 an der j\u00e4hrlichen Konferenz der <em>American Association of Physical Anthropologists<\/em> teilgenommen und die obige Literaturangabe bezieht sich auf ein Poster (von zweien), das anl\u00e4sslich der Konferenz gestaltet wurde und bei <a href=\"https:\/\/scholar.google.com\/scholar_lookup?author=M.+A.+Pilloud&amp;title=Mobility+in+Neolithic+central+Anatolia%3A+A+comparison+of+dental+morphometrics+and+aDNA&amp;publication_year=2017&amp;journal=Am.+J.+Phys.+Anthropol.&amp;volume=162\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Google Scholar<\/a> verlinkt ist, sowie auf ein Abstract, das in einem Beiheft des <em>American Journal of Physical Anthropology<\/em> abgedruckt ist.<\/p>\n<h2 id=\"sekundaerquellenkritik-poster-1-von-2018\">Sekund\u00e4rquellenkritik &#8211; Poster 1 von 2018<\/h2>\n<p>Zur Fragestellung findet sich auf dem Poster aber lediglich folgende Angabe:<\/p>\n<blockquote><p>\u201cFr\u00fchere Analysen der Zahnmorphology und Ma\u00dfe (A\u015f\u0131kl\u0131 H\u00f6y\u00fck, Musular, and \u00c7atalh\u00f6y\u00fck) weisen darauf hin, dass eine patrilokale, eheliche Residenzpraxis betrieben wurde (Pilloud 2013), was sich auf die r\u00e4umlichen Bewegungen von Menschen und die Entwicklung strukturierter Gesellschaften im Laufe der Zeit auswirkt.\u201c<br \/>\n(Pilloud <em>et al.<\/em> 2018, meine \u00dcbersetzung)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Studie von 2019 beruft sich also auf ein Poster, welches nur plakative Angaben macht und sich damit wiederum auf eine andere Quelle, und zwar von 2013 beruft, die wir uns nat\u00fcrlich wieder beschaffen m\u00fcssen! Die Quelle ist Marin A. Pilloud, diesmal ganz alleine, die uns schon aus dem Jahre 2011 bekannt ist als diejenige, die keine Familiengr\u00e4ber finden konnte. Nach der Quellenangabe \u201eS. 221-222\u201c waren zwei DINA4 Seiten zu erwarten. Das erstaunte mich doch sehr und dem bin ich weiter nachgegangen, erwartete ich doch eigentlich, nun endlich eine gro\u00df angelegte Studie mit Aussagen \u00fcber die Zahl, das Geschlecht, den Fundort, Erhaltungszustand etc. der Z\u00e4hne und Angaben \u00fcber die verwendeten Methoden zu finden. Leider (oder nat\u00fcrlich?) ist diese Quelle nicht im Internet abrufbar.<\/p>\n<h2 id=\"primaerquellenkritik-supplement-von-2013-das-duennste-brettchen-der-welt\">&#8222;Prim\u00e4rquellen&#8220;kritik &#8211; Supplement von 2013: Das d\u00fcnnste Brettchen der Welt<\/h2>\n<p>Also habe ich meinen Universit\u00e4tsbibliotheks-Account ge\u00f6ffnet und in der GBV-Fernleihe-Datenbank danach gesucht. Die betreffende Zeitschrift ist bei mir vor Ort nur bis zum Jahrgang 1999 einsehbar, l\u00e4sst sich jedoch \u00fcber Fernleihe bestellen. Dies funktionierte aber nicht und lieferte die Meldung zur\u00fcck, dass ich das Heft ja in meiner Bibliothek einsehen k\u00f6nne. Darum musste ich mich pers\u00f6nlich auf den Weg in die Bibliothek machen, um das Problem dort einer Fachkraft vorzutragen. Es handele sich um einen nicht seltenen Fehler und ich k\u00f6nne es in der Fernleihstelle per Email melden, wo man mir helfen w\u00fcrde. Tats\u00e4chlich wurde der gesuchte Artikel nach ein paar Tagen von der Staatsbibliothek Berlin nach Braunschweig gesendet, der Fehler konnte aber nicht behoben werden. Die Dame am Ausleiheschalter, die ja einiges gewohnt ist, meinte \u201eoh, das ist aber d\u00fcnn\u201c und h\u00e4ndigte mir drei zusammengetackerte DINA4-Seiten aus. Seite 1 war das Deckblatt der Bibliothek. Seite 2 und 3 waren die Kopien mit dem Artikel. Jedoch \u2013 die Seiten waren 3-spaltig aufgebaut und der gesuchte Text begann auf Seite 2 erst in Spalte 3 ganz unten, letzte 8 Zeilen, und endete schon wieder auf Seite 3 in der Mitte der Spalte 1. Da hat Pilloud aber \u201eGl\u00fcck\u201c gehabt, dass der Text, eine Erg\u00e4nzung (Supplement) von vielen zu der zugeh\u00f6rigen Zeitschrift, der locker auf einer Postkarte Platz gefunden h\u00e4tte, nicht nur auf Seite 3 abgedruckt wurde!<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" height=\"300\" width=\"300\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4790 aligncenter\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/blog.gabriele-uhlmann.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/text.jpg?fit=300%2C300&#038;ssl=1\" alt=\"Kopien, 2 DIN A4-Seiten\" \/><\/p>\n<p>Der K\u00fcrze und Brisanz wegen kann bzw. muss ich hier den gesamten Text zitieren:<\/p>\n<blockquote><p>\u201c<strong>Eheliche Residenz im neolithischen Anatolien.<\/strong><br \/>\nMARIN A. Pilloud. Central Identification Laboratory, Joint POW \/ MIA Accounting Command.<br \/>\nDie neolithische Anlage von \u00c7atalh\u00f6y\u00fck, T\u00fcrkei (7400-5600 cal BC) ist bekannt f\u00fcr eine Bilderwelt mit weiblicher Symbolik, die dort entdeckt wurde, darunter die sogenannten G\u00f6ttin-Figurinen. Das Vorhandensein solcher Artefakte hat einige Forscher zu dem Schluss gef\u00fchrt, dass in \u00c7atalh\u00f6y\u00fck eine Art Fruchtbarkeitskult mit dem Weiblichen als zentraler Figur betrieben wurde. Diese Art der Verehrung gepaart mit der Tatsache, dass \u00c7atalh\u00f6y\u00fck ein fr\u00fches Zentrum der Landwirtschaft war, f\u00fchrte andere zu der Argumention, dass \u00c7atalh\u00f6y\u00fck eine matriarchale Gesellschaft gewesen sei. Jedoch, arch\u00e4ologische Untersuchungen des Ortes haben gezeigt, dass zwischen den Geschlechtern in Bezug auf Ern\u00e4hrung, Aktivit\u00e4ten und Bestattung sehr wenig Unterschied besteht. Die vorliegende Studie pr\u00fcft die Hypothese einer weiblich zentrierten Gesellschaft mittels einer Analyse des ehelichen Wohnsitzes basierend auf der Zahn-Metrik und -Morphologie. Die Daten wurden an erwachsenen Gebissen aus \u00c7atalh\u00f6y\u00fck sowie zwei weiteren neolithischen St\u00e4tten in Anatolien, A\u015f\u0131kl\u0131 H\u00f6y\u00fck und Musular, gesammelt. Die Daten von M\u00e4nnern und Frauen wurden innerhalb von \u00c7atalh\u00f6y\u00fck verglichen sowie zwischen den drei neolithischen Standorten, um die ph\u00e4notypische Variation der Z\u00e4hne zu bewerten.<br \/>\nInnerhalb \u00c7atalh\u00f6y\u00fck zeigen Varianz-Unterschiede in Bezug auf eine Variable, dass die Frauen mehr Variation in der Zahngr\u00f6\u00dfe aufweisen als die M\u00e4nner. Zwischen den drei Standorten zeigten Tests in Bezug auf eine Variable, der Zahngr\u00f6\u00dfe, gro\u00dfe Unterschiede bei den M\u00e4nnern, w\u00e4hrend die Frauen sehr \u00e4hnlich waren. Die Zahn-Morphologie identifizierte wenige Unterschiede sowohl innerhalb von \u00c7atalh\u00f6y\u00fck als auch zwischen den drei Standorten f\u00fcr Mann oder Frau. Basierend auf diesen Ergebnissen scheint es, dass die Frauen das mobilere Geschlecht waren, was mit der Erwartung einer patrilokalen Gesellschaft in Einklang steht.<br \/>\nGef\u00f6rdert durch Zusch\u00fcsse von der Ohio State University, American Research Institute in der T\u00fcrkei und National Geographic.\u201c<br \/>\n(Pilloud 2013, S. 221 f, meine \u00dcbersetzung)<\/p><\/blockquote>\n<p>Was sagt uns das? <strong>Erst einmal gibt es wieder Grund zur Freude<\/strong>: Unbeabsichtigt hat Marin A. Pilloud ihrer Logik nach den Nachweis gef\u00fchrt, dass die Menschen von A\u015f\u0131kl\u0131 H\u00f6y\u00fck und Musular deutlich matrilokal gelebt haben m\u00fcssen. Gr\u00f6\u00dfere \u00c4hnlichkeit der Z\u00e4hne der M\u00e4nner innerhalb eines Ortes und geringere \u00c4hnlichkeit in einem weiteren Raum bedeutet, dass die M\u00e4nner ortstreu seien, also patrilokal heiraten, aber nur, wenn f\u00fcr die Frauen etwas anderes festgestellt wird. Das war an diesen beiden Orten NICHT der Fall. Auch in \u00c7atal H\u00f6y\u00fck war das nur f\u00fcr die <strong>Zahngr\u00f6\u00dfe<\/strong> festgestellt worden, nicht aber f\u00fcr die Form, die <strong>Morphologie<\/strong> der Z\u00e4hne! In der Studie von 2019 wird aber behauptet \u2013 ich wiederhole: \u201e<em>Dar\u00fcber hinaus gibt es in \u00c7atal H\u00f6y\u00fck bei M\u00e4nnern ein Muster geringerer Unterschiede im dentalen Ph\u00e4notyp als bei Frauen, das die Wahrscheinlichkeit eines <strong>patrilokalen, ehelichen Aufenthalts<\/strong> dokumentiert<\/em>\u201c (Larsen <em>et al.<\/em> 2019, m. \u00dc., m. H.) Im Poster wird sogar behauptet \u2013 ich wiederhole: \u201c<em>Vorherige Analysen der <strong>Morphology und Ma\u00dfe <\/strong>der Z\u00e4hne (A\u015f\u0131kl\u0131 H\u00f6y\u00fck, Musular and \u00c7atalh\u00f6y\u00fck) deuten an, dass eine patrilokale, eheliche Residenzpraxis betrieben wurde (Pilloud 2013), welche Auswirkungen auf die Bewegungen \u00fcber den Raum und die Entwicklungen strukturierter Gesellschaften im Laufe der Zeit hatte.<\/em>\u201c (Pilloud <em>et al.<\/em> 2018, m. \u00dc., m. H.)<\/p>\n<p>Es sind in \u00c7atal H\u00f6y\u00fck nur Unterschiede in der <strong>GR\u00d6SSE<\/strong> gefunden worden und an den anderen neolithischen Orten nicht einmal das. F\u00fcr das viel bedeutendere Kriterium, n\u00e4mlich die <strong>FORM,<\/strong> weist \u00c7atal H\u00f6y\u00fck nur wenige, das hei\u00dft keine signifikaten Unterschiede auf. Damit handelt es sich hier um eine Falschaussage in dem Poster von 2018 und um eine \u00dcbertreibung (\u201eph\u00e4notypisch\u201c) in der Studie vom 17. Juni 2019.<\/p>\n<p>Da dem Text von Pilloud 2013 keine Tabellen beiliegen, d\u00fcrfen wir uns fragen, nach welchen Kriterien die Z\u00e4hne ausgesucht wurden. Wo wurden sie z.B. gefunden? Dazu keinerlei Angabe, auch nicht zur Anzahl der untersuchten Individuen.<\/p>\n<p>Marin A. Pilloud schreibt von \u201esog. G\u00f6ttinnen-Figurinen\u201c, was bereits eine klare, ideologische Absage an Marija Gimbutas und James Mellaart ist, und schlimmer noch, sie wischt mit einem rhetorischen Schachzug Matrifokalit\u00e4t vom Tisch, in dem sie von einem Matriarchat im Sinne von Frauenherrschaft, also von Ungleichheit spricht, von der insbesondere aber Marija Gimbutas nie gesprochen hat. Dass Matrifokalit\u00e4t die einzige Lebensform ist, die echte Egalit\u00e4t erm\u00f6glicht, wei\u00df Pilloud entweder nicht, oder sie WILL es nicht wissen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, und das habe ich leider erst jetzt bemerkt, dass sie zum Zeitpunkt dieser \u201eUntersuchung\u201c und insgesamt vier Jahre f\u00fcr das US-Verteidigungsministerium (Central Identification Laboratory, Joint POW \/ MIA Accounting Command) gearbeitet hat, dessen erzpatriarchale Gesinnung wir nicht ausf\u00fchren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Weil leider nicht immer nur Wissen erschaffen, sondern auch Wissen vorget\u00e4uscht wird, hat die Wissenschaftsethik 12 zu erf\u00fcllende Kriterien aufgestellt. Dies sind<br \/>\n1. Ehrlichkeit<br \/>\n2. Objektivit\u00e4t<br \/>\n3. \u00dcberpr\u00fcfbarkeit<br \/>\n4. Reliabilit\u00e4t<br \/>\n5. Validit\u00e4t<br \/>\n6. Verst\u00e4ndlichkeit<br \/>\n7. Relevanz<br \/>\n8. Logische Argumentation<br \/>\n9. Originalit\u00e4t<br \/>\n10. Nachvollziehbarkeit<br \/>\n11. Fairness<br \/>\n12. Verantwortung<br \/>\n(FH DO 2011, S. 15, <a href=\"https:\/\/www.springer-campus-it-onlinestudium.de\/w3lmedia\/W3L\/Medium112698\/9783868340341_Leseprobe.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">online, im PDF S. 3<\/a>)<\/p>\n<p>Menschen k\u00f6nnen sich auch irren, nicht nur JournalistInnen, auch Arch\u00e4ologInnen stehen unter Druck. Einerseits m\u00fcssen sie sensationelle Ergebnisse vorweisen, um Geld f\u00fcr den Fortgang einer Grabung einfordern zu k\u00f6nnen, andererseits sind die Geldgeber und Arch\u00e4ologen daran interessiert, dass die Grabungsergebnisse ihr Weltbild best\u00e4tigen, das ja immer ein patriarchales ist. Insbesondere die Grabungsgeschichte von \u00c7atal H\u00f6y\u00fck, das in der Zentral-T\u00fcrkei gelegen ist, ist ein Beispiel daf\u00fcr, wie schnell eine Grabung f\u00fcr beendet erkl\u00e4rt wird und missliebige Arch\u00e4ologen entfernt werden. Nach Hodders unspektakul\u00e4rem Abgang ist die Grabung wieder ganz in t\u00fcrkischen H\u00e4nden. Ein anderes Beispiel ist die Ausgrabung in Ephesus, wo dem \u00f6sterreichischen Team im Jahre 2016 aus politischen Gr\u00fcnden die Grabungslizenz entzogen wurde (<a href=\"https:\/\/science.orf.at\/stories\/2891594\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sciene ORF 2018<\/a>). Aber das nur am Rande.<\/p>\n<p>Das Poster 1 <em>Pilloud et al. 2018<\/em> wirft damit noch weitere Fragen auf.<\/p>\n<ol class=\"liste1\">\n<li>Unter &#8222;Materialien und Methoden&#8220; wird die Tabelle 2, die nur Daten aus A\u015f\u0131kl\u0131 H\u00f6y\u00fck, Musular and \u00c7atal H\u00f6y\u00fck enth\u00e4lt, falsch zugeordnet: \u201e<em>Data were collected on nuDNA from a subset of Individuals from Boncuklu und Tepecik-\u00c7iftlik (Table 2).<\/em>\u201c Die Daten zur nuDNA befinden sich jedoch in \u201eFigure 3\u201c. Ein einfacher Schreibfehler ist das nicht, sondern bereits Nachl\u00e4ssigkeit, und dies auf einem kleinen Poster, das eine Aussage von erheblicher Tragweite trifft. Der Satz l\u00e4sst ein zweites Mal aufmerken. Denn die \u00dcberschrift des Posters lautet \u201eMobility in Neolithic Central Anatolia: A Comparison of Dental Morphometrics and aDNA\u201c. Aber die Untersuchung der Z\u00e4hne aus \u00c7atal H\u00f6y\u00fck wurde <strong>NICHT<\/strong> durch eine DNA-Untersuchung abgesichert! Dies ist in gewisser Weise eine manipulative Gestaltung der Studie und ihrer \u00dcberschrift.<\/li>\n<li>Das Poster enth\u00e4lt insgesamt 3 Tabellen und eine Abbildung, die m\u00f6glicherweise schon 2013 von Marin A. Pilloud produziert worden sind. Hat es 4 Jahre gedauert, bis das Forscherteam, zu dem wieder Marin A. Pilloud geh\u00f6rte, damit auf eine Konferenz gegangen ist? Das Poster erweckt aber den Eindruck, als seien es v\u00f6llig neue Daten. Aber waren die Daten vielleicht noch so wenig aussagekr\u00e4ftig, dass sie weiter verwertet werden mussten oder gibt es einen anderen Grund? Denn das vorliegende Poster soll prim\u00e4r etwas anderes zum Ausdruck bringen. Wir lesen dort als Ergebnis (das ich abschreiben musste, weil das PDF des Posters kopiergesch\u00fctzt ist):<br \/>\n<blockquote><p>\u201eDiese Ergebnisse legen die regionale Entwicklung von Gemeinschaften nahe, die im Laufe der Zeit begannen, miteinander zu interagieren, was schlie\u00dflich zu gr\u00f6\u00dferen d\u00f6rflichen Siedlungen f\u00fchrte.\u201c<br \/>\n(Pilloud <em>et al. <\/em>2018; meine \u00dcbersetzung, meine Hervorhebung)<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>Pillouds \u201eStudie\u201c von 2013 hat, das zeigen nun diese Tabellen im Poster 1 von 2018 (wenn es tats\u00e4chlich diejenigen sind), gro\u00dfe Schw\u00e4chen, von der Tatsache abgesehen, dass allein das Kriterium der Zahngr\u00f6\u00dfe zu der brisanten Aussage herangezogen werden konnte. Da ist schon einmal die geringe Anzahl und das ungleiche Geschlechterverh\u00e4ltnis der untersuchten Individuen. Um Residenzregeln zu beweisen, m\u00fcssen gleich viele M\u00e4nner wie Frauen untersucht werden. (Dieser Fehler wurde schon bei den <a href=\"https:\/\/blog.gabriele-uhlmann.de\/das-massaker-von-talheim\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Untersuchungen am bandkeramischen Massaker von Talheim\/Neckar<\/a> gemacht, wo die Arch\u00e4ologin Ursula Eisenhauer ebenfalls Patrilokalit\u00e4t nachzuweisen versuchte, was ich ebenfalls entkr\u00e4ften konnte; vgl. Uhlmann 2012 und D\u00fcring\/Wahl 2014, S. 22 f).<br \/>\nAber es wurden hier 56 M\u00e4nner und 67 Frauen (Verh\u00e4ltnis 0,84) untersucht. Dass bei mehr Frauen auch mehr Unterschiede festgestellt werden, sollte uns nicht wundern. In A\u015f\u0131kl\u0131 H\u00f6y\u00fck wurden 11 M\u00e4nner und 14 Frauen (Verh\u00e4ltnis 0,79) und nur in Musular gleich viele, jedoch nur 3 M\u00e4nner und 3 Frauen untersucht und hier wurden auch die geringsten Unterschiede gefunden.<br \/>\nWir erfahren wie gesagt auch nichts dar\u00fcber, an welchen Stellen die Z\u00e4hne gefunden wurden, denn \u00c7atal H\u00f6y\u00fck ist viel gr\u00f6\u00dfer als A\u015f\u0131kl\u0131 H\u00f6y\u00fck und Musular. Durch gezielte Auswahl von weiblichen Z\u00e4hnen an unterschiedlichen Orten, w\u00e4re das Ergebnis leicht zu manipulieren gewesen. Wir erfahren auch nichts \u00fcber das mutma\u00dfliche Alter der \u201eFrauen\u201c zum Todeszeitpunkt und den Erhaltungszustand im Vergleich der Z\u00e4hne untereinander. Auch Fotos w\u00e4ren anschaulich gewesen.<\/p>\n<p>Der verwendete Datensatz ist leider auch nicht identisch mit dem aus der Studie von Pilloud\/Larsen 2011, bei der keine Familiengr\u00e4ber gefunden wurden. 2011 wurden 266 Individuen einbezogen, 2013 offenbar (wenn die Tabelle im Poster von 2017 tats\u00e4chlich aus dem Jahre 2013 stammt) nur 256. Als Untermauerung einer so schwerwiegenden Aussage ist diese Quelle <em>Pilloud 2013<\/em> v\u00f6llig ungeeignet und hat, obwohl auch sie in dem sog. peer-reviewten Fachmagazin \u201eAmerican Journal of Physical Anthropology\u201c ver\u00f6ffentlicht wurde, lediglich den Wert einer Zeitungsmeldung.<\/p>\n<h2 id=\"sekundaerquellenkritik-poster-2-von-2018\">Sekund\u00e4rquellenkritik &#8211; Poster 2 von 2018<\/h2>\n<p>Werfen wir noch einen Blick auf das <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/327537029_Dental_Diversity_and_Population_Movement_in_Neolithic_Central_Anatolia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2. Poster<\/a> (Philbin\/Pilloud 2018), das auf der Konferenz pr\u00e4sentiert wurde. Es geht darin wieder um Zahn-Untersuchungen aus den gleichen Orten, nur Tepecik-\u00c7iftlik fehlt. Die AutorInnen sind diesmal Casey S. Philbin und Marin A. Pilloud. Sie betonen in der rechten Seitenspalte, dass Clark S. Larsen Einfluss auf die Studie genommen hat. Es wurden zwei Hypothesen \u00fcberpr\u00fcft. 1. die neolithischen Gemeinschaften entwickelten sich regional, und 2. w\u00e4hrend des j\u00fcngeren Neolithikums gab es verst\u00e4rkten Kontakt zwischen den Siedlungen und einen Genfluss. Im Ergebnis h\u00e4tte sich beides best\u00e4tigt, alle Orte h\u00e4tten an Diversit\u00e4t zugenommen. Die Zunahme an Merkmalen deute auf eine Zunahme der Komplexit\u00e4t der Gemeinschaft hin. Die Studie diene dem Verst\u00e4ndnis, wie sich die Sesshaftigkeit \u00fcber Europa ausgebreitet hatte, mit Anatolien als f\u00fchrender Rolle.<br \/>\nDiesmal wurde kein Augenmerk auf das Geschlecht der untersuchten Individuen gelegt. Aus \u00c7atal H\u00f6y\u00fck wurden deutlich weniger Z\u00e4hne ausgewertet, n\u00e4mlich nur 137, w\u00e4hrend die Anzahl aus A\u015f\u0131kl\u0131 H\u00f6y\u00fck mit 39 etwas mehr war und Musular mit 7 gleich blieb. Diese DNA-Untersuchungen k\u00f6nnen also keine Patrilokalit\u00e4t beweisen, lediglich die Vermischung der Gene in der Region, was ja auch erwartet war.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen daraus ablesen, dass \u00c7atal H\u00f6y\u00fck eine starke Anziehungskraft aus\u00fcbte. Die Sogwirkung beweist, dass \u00c7atal H\u00f6y\u00fck \u00fcber einen sehr langen Zeitraum nicht so unwirtlich und so gewaltt\u00e4tig gewesen sein kann, wie es Larsen am 17. Juni 2019 verlauten lie\u00df.<br \/>\nDie Sogwirkung allein dem massenhaften Zuzug von Ehefrauen zuzuschreiben, ist nicht haltbar, auch h\u00e4tte es dann vor Ort einen permanenten M\u00e4nner\u00fcberschuss, also einen Heiratsmarkt, h\u00e4tte geben m\u00fcssen, wenn die M\u00e4nner nicht polygam gelebt haben. Das wiederum d\u00fcrfte angesichts der Bildsprache der Rauminstallationen in den H\u00e4usern kaum der Fall gewesen sein. Im Gegenteil, die Menge verbauter Bukranien (Rindergeh\u00f6rne), die wenn sie denn tats\u00e4chlich m\u00e4nnliche Tiere bzw. M\u00e4nner repr\u00e4sentieren, ist deutlich gr\u00f6\u00dfer als die Zahl der Frauenfiguren, neben denen sie angeordnet sind. Ich w\u00fcrde sie eher als Symbole der vielen Liebhaber einer Mutter ansehen. Es ist nachvollziehbar, dass die zugezogenen Frauen ihre Liebhaber vor Ort ausgew\u00e4hlt und getauscht haben. Aber deswegen muss frau ja nicht gleich heiraten, wie es so sch\u00f6n hei\u00dft.<\/p>\n<p><a title=\"Elelicht [CC BY-SA 3.0 (https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0)], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_EL.JPG\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/0\/08\/Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_EL.JPG\/512px-Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_EL.JPG\" alt=\"Catal H\u00fcy\u00fck EL\" width=\"512\" \/><\/a><br \/>\nInstallation aus \u00c7atal H\u00f6y\u00fck: Oben Urmutter in Geb\u00e4rhaltung, unten Bukranien. Neben dem Ofen erkennen wir Lehmkugeln.<br \/>\nRekonstruktion im Museum of Anatolian Civilizations, Ankara<br \/>\n<span style=\"font-size: 8px;\">Bildquelle: Wikimedia Commons<\/span><\/p>\n<p>Es d\u00fcrfte sich daher um den Zuzug ganzer Sippen oder Teilen von Sippen gehandelt haben, wobei vor allem die Frauen es attraktiv fanden, fortan in der Metropole zu wohnen und die Zuwanderung auch der M\u00e4nner ma\u00dfgeblich vorantrieben. Es m\u00fcssen sich daraus Vorteile f\u00fcr sie selbst ergeben haben, u.a., auf den ersten Blick, eine gr\u00f6\u00dfere Auswahl an M\u00e4nnern. Nat\u00fcrlich kann so der Eindruck entstehen, es h\u00e4tte sich um patrilokale Familienbeziehungen gehandelt. Mangelnde Vorstellungskraft und R\u00fcckw\u00e4rtsprojektion patriarchaler Verh\u00e4ltnisse f\u00fchren zu solchen Verlautbarungen. Auf der Basis der Beobachtung, dass in patriarchalen Gesellschaften darauf geachtet wird, dass Familienmitglieder gemeinsam bestattet werden, gehen Hodder, Larsen und Pilloud davon aus, dass von der Art der Bestattung auf die des sozialen Zusammenlebens geschlossen werden kann. Bei matrifokalen Gemeinschaften ist das aber nicht so einfach. So wissen wir aus dem matrilinearen V\u00f6lkern in Amerika, Afrika und Asien, dass die Kinder oft gar nicht wissen, welche Frau ihre eigene Mutter ist (Tazi-Preve 2017, S. 155f und 2018). Es gibt dann kein Wort f\u00fcr Tante, sondern nur das Wort Mutter.<\/p>\n<p>\u00c7atal H\u00f6y\u00fck war keine Ansammlung von Parallelgesellschaften, sondern ein echter Schmelztiegel. Wir k\u00f6nnen davon ausgehen, dass die Kinder auch von Nachbarsippen mitbetreut wurden und, wenn ein Kind Waise, also mutterlos wurde, nahtlos von anderen Sippen adoptiert wurde, was aus psychologischer Sicht sicher hilfreich war. Vielleicht war ja genau das der gr\u00f6\u00dfte Vorteil, den Kinder dort hatten, dies in der Zeit des Hungers nach der Misox-Schwankung. In gro\u00dfen sesshaften, matrifokalen Gemeinschaften ist demnach gar nicht zu erwarten, dass die m\u00fctterlichen Linien beieinander bestattet sind. F\u00fcr altsteinzeitliche, nichtsesshafte Wildbeutergruppen d\u00fcrfte dies anders gewesen sein, da die Gruppen wesentlich kleiner waren, nur aus einer Sippe bestehend, mit ca. 80-120 Personen und nicht wie in \u00c7atal H\u00f6y\u00fck mit mehreren Tausend.<\/p>\n<p><a title=\"Stipich B\u00e9la [CC BY-SA 3.0 (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/)], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_Restauration.JPG\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/7\/7b\/Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_Restauration.JPG\/256px-Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_Restauration.JPG\" alt=\"Catal H\u00fcy\u00fck Restauration\" width=\"256\" \/><\/a><br \/>\nRaum aus \u00c7atal H\u00f6y\u00fck: Unter den Schlaf-Plattformen wurden die Angeh\u00f6rigen bestattet. Rekonstruktion im Museum of Anatolian Civilizations, Ankara<br \/>\n<span style=\"font-size: 8px;\">Bildquelle: Wikimedia Commons<\/span><\/p>\n<h2 id=\"neue-verwandtschaftsstudie-von-2019-aehnlich-den-matrilinearen-Pueblo\">Neue Verwandtschaftsstudie von 2019: \u00c4hnlich den matrilinearen Pueblo?<\/h2>\n<p>Bei meiner Recherche entdeckte ich eine weitere 2019 erschienene, wesentlich n\u00fcchternere (<a href=\"https:\/\/www.mdpi.com\/2073-4425\/10\/3\/207\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">und auch frei im Internet abrufbare<\/a>) Studie eines v\u00f6llig anderen Teams polnischer, tschechischer, schwedischer und t\u00fcrkischer BiologInnen und Arch\u00e4ologInnen. Sie untersuchten 4 benachbarte H\u00e4user in \u00c7atal H\u00f6y\u00fck aus der sog. Mellaart-Phase VI A und konnten dort insgesamt 10 verschiedene Mitochondrien-DNAs (mtDNA) identifizieren, also im Schnitt 2,5 mtDNAs pro Haus. Insgesamt wurden 37 Individuen untersucht, und zwar zehn aus Geb\u00e4ude 96, sechs aus Geb\u00e4ude 97, f\u00fcnf aus Geb\u00e4ude 89, und 16 aus Geb\u00e4ude 80, wo nebenbei erw\u00e4hnt besonders viele Installationen gefunden wurden.<br \/>\nDavon waren viele Proben kontaminiert, so dass am Ende nur 10 Individuen ber\u00fccksichtigt werden konnten. Es waren 5 Kinder und 5 Erwachsene. Es konnten nur 3 weibliche Individuen eindeutig indentifiziert werden, davon zwei Kinder. Nach der DNA konnte kein Mann zweifelsfrei identifiziert werden, nach der Morphologie ist vermutlich nur ein Mann dabei.<br \/>\nKeine der mtDNAs kam in ein und demselben Haus mehrfach vor, aber in den 4 benachbarten H\u00e4usern fanden sich VertreterInnen von insgesamt 6 \u201eLineagen\u201c (U, K, H, W, N und X), die aber zu 10 verschiedenen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Haplotyp\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Haplotypen<\/a> geh\u00f6rten. Alle Erwachsenen geh\u00f6rten unterschiedlichen \u201eLineagen\u201c an.<br \/>\nIm Geb\u00e4ude 96 wurden eine Frau und 3 Kinder gefunden, die keine Verwandten ersten Grades waren. Dies wird wie folgt interpretiert:<\/p>\n<blockquote><p>\u201cDer Fall der im Geb\u00e4ude 96 begrabenen Personen ist besonders interessant, da vier verschiedene mitochondriale Haplotypen darauf hindeuten, dass mindestens vier verschiedene m\u00fctterliche Abstammungslinien in der Gruppe der Personen vorlagen, die in diesem bestimmten Haus beigesetzt wurden. Eine derart hohe Variabilit\u00e4t mitochondrialer Haplogruppen in einer Verwandtschaftsgruppe, insbesondere bei Kindern und Frauen, <strong>k\u00f6nnte durch die Patrilokalit\u00e4t erkl\u00e4rt werden<\/strong>. Unter der Annahme, dass das Haus als f\u00fcr \u00c7atal H\u00f6y\u00fck typische Struktur f\u00fcr 3-4 Generationen bewohnt war (\u2026) und von einer matrilokalen oder bilateralen biologischen Verwandtschaftsgruppe bewohnt wurde, ist die M\u00f6glichkeit unplausibel, vier Individuen zu finden, die unterschiedliche m\u00fctterliche Abstammungslinien repr\u00e4sentieren und die in Geschlecht und Alter zusammen passen. Zur Untermauerung dieser Interpretation sollten jedoch entweder die v\u00e4terlichen Abstammungslinien analysiert werden, die in den Y-Chromosomen-Daten widergespiegelt sind, oder es ist eine genaue Sch\u00e4tzung der Gr\u00f6\u00dfe der betreffenden Verwandtschaftsgruppe erforderlich. Da das Geb\u00e4ude 96 nicht vollst\u00e4ndig ausgegraben wurde (\u2026), wurden bisher nur zehn Personen freigelegt. Es ist nicht auszuschlie\u00dfen, dass sich noch mehr Verstorbene unter seinem Boden befinden.\u201c<br \/>\n(Chyle\u0149ski et al. 2019, S. 8)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Ergebnisse passen nat\u00fcrlich gut zu der ersten Studie Pilloud\/Larsen 2011 und es f\u00e4llt wohltuend auf, dass erw\u00e4hnt wird, dass die Ergebnisse mit den Daten der Y-Chromosomen abgesichert werden m\u00fcssen und zudem die Zahl der Untersuchten unvollst\u00e4ndig ist.<br \/>\nNicht ausschlie\u00dflich Patrilokalit\u00e4t, mit der sich ja Marin A. Pilloud viel zu weit aus dem Fenster lehnt, sondern auch andere Arten des Zusammenlebens werden erwogen, z.B. wird auch ein Vergleich mit den Pueblo Nordamerikas angestellt. Dass die Pueblo matrifokal waren, wird allerdings unterschlagen. Die Siedlungen der Pueblo dienten immer wieder als Vorbild bei der Rekonstruktion des Siedlungsh\u00fcgels.<\/p>\n<p><a title=\"Popular Science Monthly Volume 41 [Public domain], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:PSM_V41_D825_Terrace_houses_of_the_pueblo_indians_in_new_mexico.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/d\/d2\/PSM_V41_D825_Terrace_houses_of_the_pueblo_indians_in_new_mexico.jpg\/256px-PSM_V41_D825_Terrace_houses_of_the_pueblo_indians_in_new_mexico.jpg\" alt=\"PSM V41 D825 Terrace houses of the pueblo indians in new mexico\" width=\"300\" \/><\/a><br \/>\nPueblo-Terrassenh\u00e4user in New Mexiko<br \/>\n<span style=\"font-size: 8px;\">Bildquelle: Wikimedia Commons<\/span><\/p>\n<p>Es wird auch \u00fcberhaupt nicht in Betracht gezogen, dass Adoptionen h\u00e4ufig vorgekommen sein m\u00fcssen. Wichtig ist aber der Hinweis, dass es in Tepecik-\u00c7iftlik und Boncuklu H\u00f6y\u00fck starke Indizien f\u00fcr mitochondriale Verwandtschaft gibt. Auch das legt nahe, dass diese Orte noch keine Metropolen waren, sondern matrilinear gewachsene, geschlossene Gemeinschaften. Insbesondere Boncuklu H\u00f6y\u00fck wird als einer der genetischen Ursprungsorte \u00c7atal H\u00f6y\u00fcks vermutet (Chyle\u0149ski <em>et al.<\/em> 2019, S. 9).<\/p>\n<p>Matrilokalit\u00e4t und Matrilinearit\u00e4t ist unser angeborenes Sozialverhalten. Patrilokalit\u00e4t und Patrilinearit\u00e4t, also Patriarchat, ist keine nat\u00fcrliche Option f\u00fcr den Menschen, sondern es gibt daf\u00fcr immer einen unnat\u00fcrlichen Grund, und zwar wirtschaftlicher Art, und es ist nat\u00fcrlich nicht egalit\u00e4r. Die Entstehung eines Patriarchats ist an die Tierzucht in Herdenhaltung gebunden, und daf\u00fcr gibt es in \u00c7atal H\u00f6y\u00fck keine Anzeichen, lediglich Tierhaltung im kleinen Rahmen und Jagd sind belegt. Daher ist plausibel, dass die BewohnerInnen ihre gewohnte Freiheit weiterlebten, nachdem sie in \u00c7atal H\u00f6y\u00fck angekommen waren. \u00c7atal H\u00f6y\u00fck kann als Beleg daf\u00fcr herangezogen werden, dass Matrifokalit\u00e4t zu gr\u00f6\u00dferer Toleranz unter Fremden und zu starker Gemeinschaft f\u00fchren kann. Es spricht vor allem auch f\u00fcr meine These, dass matrifokal aufwachsende Kinder sich ihre wichtigsten Bezugspersonen selbst suchen und selber wissen, was und wen sie brauchen.<\/p>\n<p>Eine arch\u00e4ologische St\u00e4tte, die derart bedeutend f\u00fcr die Menschheit ist, weil sie die \u00dcberreste unseres matrifokalen Erbes bewahrt, sollte, wie jeder andere Forschungsgegenstand auch verantwortungsvoll erforscht werden. Verantwortung ist in einer Zeit von wieder erstarkender patriarchaler Ideologie ein immer wichtigeres wissenschaftsethisches Kriterium.<\/p>\n<h2 id=\"nachtrag\">Nachtrag<\/h2>\n<p>Am 14. April 2021 best\u00e4tigten t\u00fcrkische Forscher erneut die Matrifokalit\u00e4t jungsteinzeitlicher Siedlungen, u.a. \u00c7atal H\u00f6y\u00fck <a href=\"https:\/\/www.miragenews.com\/ancient-dna-hints-at-diverse-stone-age-543915\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zum Artikel im Magazin miragenews.com<\/a><\/p>\n<h2 id=\"literatur\">Literatur<\/h2>\n<ul id=\"liste4\">\n<li>Balter 2010: Michael Balter: <strong>Hodder Cleans House at Famed \u00c7atalh\u00f6y\u00fck Dig<\/strong>. Ver\u00f6ffentlicht am 2.9.2010<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.sciencemag.org\/news\/2010\/09\/hodder-cleans-house-famed-atalh-y-k-dig\">https:\/\/www.sciencemag.org\/news\/2010\/09\/hodder-cleans-house-famed-atalh-y-k-dig<\/a><\/li>\n<li>Beise\/Voland 2003: Jan Beise und Eckart Voland: <strong>Warum gibt es Gro\u00dfm\u00fctter?<\/strong> In: Spektrum online, ver\u00f6ffentlicht am 01.01.2003. <a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/magazin\/warum-gibt-es-grossmuetter\/829410\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.spektrum.de\/magazin\/warum-gibt-es-grossmuetter\/829410<\/a><\/li>\n<li>Berg 2019: T. Berg: <strong>9.000 Jahre alte Steinzeit-Stadt litt an modernen urbanen Problemen. In einer der ersten Gro\u00dfsiedlungen der Menschheit grassierten Krankheiten, Umweltzerst\u00f6rung und Gewalt. Abgerufen am 15.7.2019<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/2000105111331\/9-000-jahre-alte-steinzeit-stadt-litt-an-modernen-urbanen\">https:\/\/www.derstandard.at\/story\/2000105111331\/9-000-jahre-alte-steinzeit-stadt-litt-an-modernen-urbanen<\/a><\/li>\n<li>Chyle\u0149ski <em>et al.<\/em> 2019: Maciej Chyle\u0149ski , Edvard Ehler, Mehmet Somel, Reyhan Yaka, Maja Krzewi\u0149ska, Miros\u0142awa Dabert, Anna Juras and Arkadiusz Marciniak: <strong>Ancient Mitochondrial Genomes Reveal the Absence of Maternal Kinship in the Burials of \u00c7atalh\u00f6y\u00fck People and Their Genetic Affinities<\/strong>. In: Genes 2019, 10, 207; doi:10.3390\/genes10030207, Published: 11 March 2019<\/li>\n<li>D\u00fcring, Andreas; Wahl, Joachim: <strong>Agentenbasierte Computersimulationen als Schl\u00fcssel zur demographischen Struktur des bandkeramischen Massengrabs von Talheim.<\/strong> In: <a href=\"https:\/\/journals.ub.uni-heidelberg.de\/index.php\/fbbw\/article\/download\/44490\/37955\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fundberichte aus Badenw\u00fcrttemberg, Band 34\/2, Darmstadt 2014, S. 5-24<\/a><\/li>\n<li>Farid 2014: Shahina Farid: <strong>\u2018Proportional representation\u2019 multiple voices in archeological interpretation at \u00c7atalh\u00f6y\u00fck<\/strong>. In: Robert Chapman, Alison Wylie Material Evidence: Learning from Archaeological Practice, Routledge, 05.12.2014, S. 75f<\/li>\n<li>Grabmeier 2019: Jeff Grabmeier: <strong>9,000 years ago, a community with modern urban problems. \u00c7atalh\u00f6y\u00fck had overcrowding, violence, environmental troubles. <\/strong>Ohio State News, 17.06.2019<br \/>\n<a href=\"https:\/\/news.osu.edu\/9000-years-ago-a-community-with-modern-urban-problems\/\">https:\/\/news.osu.edu\/9000-years-ago-a-community-with-modern-urban-problems\/<\/a><\/li>\n<li>Hodder 2010: Ian Hodder: <strong>2010 SEASON REVIEW. A Decorated House Found at \u00c7atalh\u00f6y\u00fck. In \u00c7atalh\u00f6y\u00fck Archive Report 2010, S. 1-5<\/strong> <a href=\"http:\/\/www.catalhoyuk.com\/sites\/default\/files\/media\/pdf\/Archive_Report_2010.pdf\">http:\/\/www.catalhoyuk.com\/sites\/default\/files\/media\/pdf\/Archive_Report_2010.pdf<\/a><\/li>\n<li>Jarus 2011: Owen Jarus:<strong> No Family Plots, Just Communal Burials In Ancient Settlement<\/strong>. Live Science Contributor, ver\u00f6ffentlicht am 29.6.2011. Abgerufen am 15.7.2019<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.livescience.com\/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html\">https:\/\/www.livescience.com\/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html<\/a><\/li>\n<li>Konigsberg 1988: L. W. Konigsberg: <strong>Migration models of prehistoric postmarital residence.<\/strong> Am. J. Phys. Anthropol. 77, 471\u2013482 (1988).<\/li>\n<li>Larsen <em>et al.<\/em> 2019: Clark Spencer Larsen, Christopher J. Kn\u00fcsel, Scott D. Haddow, Marin A. Pilloud, Marco Milella, Joshua W. Sadvari, Jessica Pearson, Christopher B. Ruff, Evan M. Garofalo, Emmy Bocaege, Barbara J. Betz, Irene Dori, and Bonnie Glencross: <strong>Bioarchaeology of Neolithic \u00c7atalh\u00f6y\u00fck reveals fundamental transitions in health, mobility, and lifestyle in early farmers<\/strong>. In: PNAS June 25, 2019 116 (26) 12615-12623; first published June 17, 2019 <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1073\/pnas.1904345116\">https:\/\/doi.org\/10.1073\/pnas.1904345116<\/a><\/li>\n<li>Lauer 2019: C\u00e9line Lauer: <strong>Wie St\u00e4dte Gewalt erzeugen.<\/strong> Ver\u00f6ffentlicht am 25.06.2019, abgerufen am 15.07.2019<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/plus195816815\/Untergang-von-\u00c7atalhoeyuek-Wie-Staedte-Gewalt-erzeugen.html\" rel=\"nofollow\">https:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/plus195816815\/Untergang-von-\u00c7atalhoeyuek-Wie-Staedte-Gewalt-erzeugen.html<\/a><\/li>\n<li>Philbin\/Pilloud 2018: Casey S. Philbin and Marin A. Pilloud Department of Chemistry, University of Nevada, Reno; Department of Anthropology, University of Nevada, Reno: <strong>Dental Diversity and Population Movement in Neolithic Central Anatolia<\/strong>. Conference Paper, September 2018<br \/>\n= POSTER 2: <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/327537029_Dental_Diversity_and_Population_Movement_in_Neolithic_Central_Anatolia\">https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/327537029_Dental_Diversity_and_Population_Movement_in_Neolithic_Central_Anatolia<\/a><\/li>\n<li>Pilloud 2013: Pilloud MA. 2013. <strong>Postmarital residence in Neolithic Anatolia.<\/strong> In: American journal of physical anthropology Supplement S. 150, S. 221-222.<\/li>\n<li>Pilloud <em>et al.<\/em> 2018: Marin A. Pilloud, Mehmet Somel, Scott D. Haddow, Christopher J. Kn\u00fcsel, Clark Spencer Larsen, Mihriban \u04e6zba\u015faran, Omur Dilek Erdal, Douglas Baird, Jessica Pearson, Anders G\u00f6therstr\u00f6m, Jan Stor\u00e5, Mattias Jakobsson, G\u00fcl\u015fah Merve K\u0131l\u0131n\u00e7 F\u00fcsun \u00d6zer, Dilek Koptekin, Nihan Dil\u015fad Da\u011fta\u015f: <strong>Mobility in Neolithic Central Anatolia: A Comparison of Dental Morphometrics and aDNA<\/strong>. Conference Paper, September 2018<br \/>\n= POSTER 1: <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/327536930_Mobility_in_Neolithic_Central_Anatolia_A_Comparison_of_Dental_Morphometrics_and_aDNA\">https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/327536930_Mobility_in_Neolithic_Central_Anatolia_A_Comparison_of_Dental_Morphometrics_and_aDNA<\/a><\/li>\n<li>Pilloud\/Larsen 2011: Marin A. Pilloud, Clark Spencer Larsen: <strong>\u201cOfficial\u201d and \u201cpractical\u201d kin: Inferring social and community structure from dental phenotype at Neolithic \u00c7atalh\u00f6y\u00fck, Turkey.<\/strong> In: In: American journal of physical anthropology, S. 145, S. 519-530. First published: 17 May 2011. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1002\/ajpa.21520d\">https:\/\/doi.org\/10.1002\/ajpa.21520d<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1002\/ajpa.21520\">https:\/\/www.onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1002\/ajpa.21520<\/a><\/li>\n<li>Roffet-Salque <em>et al.<\/em> 2018: M\u00e9lanie Roffet-Salque, Arkadiusz Marciniak, Paul J. Valdes, Kamilla Paw\u0142owska, Joanna Pyzel, Lech Czerniak, Marta Kr\u00fcger, C. Neil Roberts, Sharmini Pitter, and Richard P. Evershed: <strong>Evidence for the impact of the 8.2-kyBP climate event on Near Eastern early farmers.<\/strong> PNAS August 28, 2018 115 (35) 8705-8709; first published August 13, 2018 <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1073\/pnas.1803607115\">https:\/\/doi.org\/10.1073\/pnas.1803607115<\/a><\/li>\n<li>FH DO 2011: Springer Campus IT Online-Studium in Zusammenarbeit mit der FH Dortmund 2011: <strong>Wissenschaftsethik: Qualit\u00e4tskriterien<\/strong>.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.springer-campus-it-onlinestudium.de\/w3lmedia\/W3L\/Medium112698\/9783868340341_Leseprobe.pdf\">https:\/\/www.springer-campus-it-onlinestudium.de\/w3lmedia\/W3L\/Medium112698\/9783868340341_Leseprobe.pdf<\/a><\/li>\n<li>Science ORF 2018: <strong>Arch\u00e4ologen d\u00fcrfen zur\u00fcck nach Ephesos<\/strong>. <a href=\"https:\/\/science.orf.at\/stories\/2891594\/\">https:\/\/science.orf.at\/stories\/2891594\/<\/a> Publiziert am25.01.2018<\/li>\n<li>SMM 2003: Mysteries of \u00c7atalh\u00f6y\u00fck 2003. Science Museum of Minnesota<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.smm.org\/catal\/mysteries\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.smm.org\/catal\/mysteries\/<\/a><\/li>\n<li>Tazi-Preve 2017: Mariam Irene Tazi-Preve: <strong>Das Versagen der Kleinfamilie. Kapitalismus, Liebe und der Staat<\/strong>. Opladen. Berlin, Toronto 2017<\/li>\n<li>Tazi-Preve 2018: <strong>Vereinbarkeitsdebatte. Wir m\u00fcssen Familie anders denken<\/strong>. Interview mit Mariam Irene Tazi-Preve von Anja Wasserb\u00e4ch am 06.02.2018. Stuttgarter Nachrichten.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.vereinbarkeitsdebatte-wir-muessen-familie-anders-denken.f0e056a4-6943-4975-8fab-6bdf47e97adf.html\">https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.vereinbarkeitsdebatte-wir-muessen-familie-anders-denken.f0e056a4-6943-4975-8fab-6bdf47e97adf.html<\/a><\/li>\n<li>Uhlmann 2012: Gabriele Uhlmann: <strong>Das Massaker von Talheim.<\/strong> In: Gabriele Uhlmann: Arch\u00e4ologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Fr\u00fchgeschichte. Norderstedt 2012<\/li>\n<li>Uhlmann 2019: Online-Ressource <a href=\"https:\/\/blog.gabriele-uhlmann.de\/patriarchat\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Patriarchat- Definition, Geschichte und Symptome<\/a><\/li>\n<li>Vieweg 2019: Martin Vieweg: <strong>St\u00e4dtische Probleme \u2013 schon vor 9000 Jahren.<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.wissenschaft.de\/geschichte-archaeologie\/staedtische-probleme-schon-vor-9000-jahren\/\">https:\/\/www.wissenschaft.de\/geschichte-archaeologie\/staedtische-probleme-schon-vor-9000-jahren\/<\/a> Ver\u00f6ffentlicht am 17. Juni 2019<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausgrabung von \u00c7atal H\u00f6y\u00fck Bildquelle: Wikimedia Commons Die Meldungen in der Presse Nachdem \u00fcber Jahrzehnte keinerlei Spuren von Gewalt in \u00c7atal H\u00f6y\u00fck gefunden wurden bzw. nichts dar\u00fcber berichtet wurde und&#8230;<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":4826,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[608,63,65,76,434,515,82,87,88,96,99,102],"tags":[122,582,216,584,587,586,381,123,583,585],"class_list":["post-4786","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-analysen-und-studien","category-anthropologie","category-archaeologie","category-familie","category-female-choice","category-interdisziplinaere-patriarchatsforschung","category-jungsteinzeit","category-matrifokalitaet","category-matrilinearitaet","category-patrilinearitaet","category-skandal","category-studie","tag-catal-hoeyuek","tag-catalhoeyuek","tag-gewalt","tag-knochen","tag-lehmkugeln","tag-odontologie","tag-studie","tag-ueberbevoelkerung","tag-umweltprobleme","tag-zaehne"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Patriarchat und Gewalt in \u00c7atal H\u00f6y\u00fck? 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