{"id":5980,"date":"2025-10-17T14:58:58","date_gmt":"2025-10-17T12:58:58","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.gabriele-uhlmann.de\/?p=5980"},"modified":"2026-07-04T11:34:14","modified_gmt":"2026-07-04T09:34:14","slug":"grossmutter-hypothese-grossmutter-these","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.gabriele-uhlmann.de\/en\/grossmutter-hypothese-grossmutter-these","title":{"rendered":"Grandmother Hypothesis? Grandmother Theory!"},"content":{"rendered":"<p>Bild: &#8222;Gro\u00dfmutter und Enkelin&#8220; Ausschnitt aus einem Holzstich von Ludwig Richter (1803-1864)<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: none !important;\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/ac227f65dc774c44a0a2c636ffe53a47\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<h2 id=\"die-entdeckung-der-evolutionaeren-rolle-der-gro\u00dfmutter\">Die Entdeckung der evolution\u00e4ren Rolle der Gro\u00dfmutter<\/h2>\n<p>Der Sinn der Menopause sei, dass M\u00fctter schneller wieder schwanger werden k\u00f6nnen, wenn ihnen post-menopausale Frauen bei der Kinderpflege helfen. Dies war im Jahre 1998 die zentrale Aussage der Anthropologin Kristen Hawkes, die als Begr\u00fcnderin der Gro\u00dfmutter-Hypothese bekannt wurde. Auf diesen Gedanken kam sie bei Untersuchungen an dem Wildbeuter-Volk der Hazda in Tansania. Hawkes folgte damit der Auffassung, dass der evolution\u00e4re Erfolg einer Art von der Zahl ihrer Nachkommen abh\u00e4ngt. Mit ihrer Hypothese<sup id=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-1\" class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"1\" data-mfn-post-scope=\"0000000000000b1b0000000000000000_5980\"><a href=\"javascript:void(0)\"  title=\"Hawkes 2004\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-1\">1<\/a><\/sup><span role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"1\">Hawkes 2004<\/span> erregte Hawkes im Jahre 2004 zwar Aufmerksamkeit, es kamen aber schnell Zweifel auf, denn es gibt art\u00fcbergreifend neben einer hohen Populationsgr\u00f6\u00dfe auch andere \u00dcberlebensstrategien. Es hat sich insbesondere f\u00fcr uns Menschen gezeigt, dass eine hohe Kinderzahl sogar belastend ist und zu einer weltweiten \u00dcberbev\u00f6lkerung gef\u00fchrt hat. Der Verdienst f\u00fcr die Wissenschaft besteht nun r\u00fcckblickend vor allem darin, dass Hawkes das Thema als Erste aufs Tapet brachte und andere ForscherInnen inspirierte, daran weiterzuforschen.<\/p>\n<h2 id=\"warum-gibt-es-die-grossmutter\">Warum gibt es die Gro\u00dfmutter?<\/h2>\n<p>Im Jahre 2003 fragten Jan Beise und Eckard Voland erneut \u201eWarum gibt es Gro\u00dfm\u00fctter?\u201c<sup id=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-2\" class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"2\" data-mfn-post-scope=\"0000000000000b1b0000000000000000_5980\"><a href=\"javascript:void(0)\"  title=\"Beise\/Voland 2003\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-2\">2<\/a><\/sup><span role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"2\">Beise\/Voland 2003<\/span> und \u00fcberpr\u00fcften die Hypothese anhand von Kirchenb\u00fcchern aus dem 19. Jh. von der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Krummh%C3%B6rn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Halbinsel Krummh\u00f6rn<\/a>. Sie fanden \u00fcberraschenderweise eine erh\u00f6hte Kindersterblichkeit, wenn die v\u00e4terliche Gro\u00dfmutter mit im Hause lebte, salopp gesagt, wenn die Mutter ihre Schwiegermutter am Halse hatte. Die Sterblichkeit war sogar noch h\u00f6her, als wenn keine der beiden Gro\u00dfm\u00fctter mit im Hause wohnte. Die geringste Sterblichkeit war also gegeben, wenn nur die m\u00fctterliche Gro\u00dfmutter bei der Kinderpflege mithalf. Damit wurde deutlich, dass es nicht egal ist, welche Gro\u00dfmutter mit im Hause lebt. Die Anwesenheit der m\u00fctterlichen Gro\u00dfmutter hat einen positiven Effekt auf das \u00dcberleben ihrer Enkelkinder. Das ist der wahre evolution\u00e4re Grund f\u00fcr die Menopause. Kristen Hawkes These musste in dieser Weise modifziert werden und bekam nun politische Relevanz.<\/p>\n<p>Die korrigierte Gro\u00dfmutter-Hypothese f\u00fchrte weiter ein Schattendasein, weil die Evolutionsbiologie &#8211; wie wir noch sehen werden &#8211; sich nicht von der Vorstellung trennen wollte, dass die Schwiegermutter den Fortpflanzungserfolg erh\u00f6he, dies eingedenk der zunehmenden \u00dcberbev\u00f6lkerung. Die gro\u00dfm\u00fctterliche Leistung war und ist den \u201eHerren der Sch\u00f6pfung\u201c suspekt, zumal der Gro\u00dfvater nun au\u00dfen vor bleibt. So sehr die Herrschende Lehre die Gro\u00dfmutter-Hypothese zu ignorieren sucht, so gro\u00df sind aber auch die Zweifel an der Richtigkeit der positiven Bewertung der Schwiegermutter. Daher werden immer wieder Studien aufgelegt, die den Zusammenhang von Mutter, Gro\u00dfm\u00fcttern und Enkelkindern untersuchen.<\/p>\n<h2 id=\"warum-gibt-es-die-Schwiegermutter\">Warum gibt es die Schwiegermutter?<\/h2>\n<p>Die Frage muss nun zu vorderst lauten, warum es die Schwiegermutter gibt, wenn sie doch so sch\u00e4dlichen Einfluss auf ihre Enkelkinder aus\u00fcbt. Denn die Evolution selektiert nichts im gro\u00dfen Stil, was dem Nachwuchs auch nur ansatzweise schaden k\u00f6nnte. Das w\u00e4re ja das Ende aller Arten. Die Anwesenheit der Schwiegermutter deutet daraufhin, dass jemand in die Evolution eingegriffen hat, ohne die weitreichenden Folgen erahnen zu k\u00f6nnen. Und sie ist ein Anzeichen, dass es mit unserer Art zu Ende geht, trotz und wegen der \u00dcberbev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Eine Antwort auf die Frage kann nur die unabh\u00e4ngige, interdisziplin\u00e4re Patriarchatsforschung liefern, denn sie allein stellt bisher die Nat\u00fcrlichkeit der Schwiegermutter infrage, gerade WEIL diese so einen negativen Einfluss aus\u00fcbt: Die Existenz der Schwiegermutter ist an die Ehe gebunden und sie war seit dieser Erfindung sogar DIE Garantin f\u00fcr das Funktionieren der stets patriarchalen Familie, denn sie ersetzte die seitdem ausgeschlossene Gro\u00dfmutter m\u00fctterlicherseits sowie alle anderen Angeh\u00f6rigen der Mutter. Sie war nie ein Tausendsassa, sondern hat seit jeher nur ein Ziel: Die Sicherstellung der Vaterschaft ihrer S\u00f6hne. Ohne die Kenntnis seiner genetischen Kinder kann kein Vater Macht \u00fcber sie aus\u00fcben und auch nicht \u00fcber andere. Die Herrschaft der V\u00e4ter, das Patriarchat, muss daher die Mutter regelrecht gefangen nehmen. Zu Recht wird vom Gef\u00e4ngnis der Ehe gesprochen.<br \/>\nAufseherin war von Beginn an die Schwiegermutter, die sich im Alltag an der sexuellen Kontrolle der jungen Ehefrau, die sie eigentlich als Eindringling wahrnahm, beteiligte, und die sie misstrauisch be\u00e4ugte. In dieser <strong>Patrilokalit\u00e4t<\/strong> genannten Zwangslage lebten alle Frauen noch bis vor 100 Jahren, besonders wenn ihre Ehem\u00e4nner noch Bauern geblieben waren. Das war aber nicht immer so. Diese Lebensweise kam zuerst bei den viehnomadischen V\u00f6lkern auf, sie haben sie gewaltsam \u00fcber die Welt verbreitet und bis heute erhalten.<\/p>\n<p>In der Situation der Patrilokalit\u00e4t waren bzw. sind die jungen M\u00fctter den sexuellen Anspr\u00fcchen des Ehemannes schutzlos ausgeliefert. Die Ehefrau und Mutter hat ihren K\u00f6rper zur Verf\u00fcgung zu stellen, im Gegenzug wird sie mitversorgt. Ein gutes Leben hat sie nicht. Einerseits hat sie h\u00e4ufig Konkurrenz von Nebenfrauen, andererseits ist sie nur geduldet, weil es ohne sie nun mal nicht geht. Die Schwiegermutter versucht, ihre Schwiegertochter, die oft schon mit der Menarche verheiratet wurde, zu erziehen bzw. ihr ihre Kultur aufzuzwingen. Die von vorne herein gest\u00f6rte Beziehung der beiden f\u00fchrt zu enormem Stress der jungen Mutter und auch deren Kinder. Eine gestresste Mutter hat weniger Milch, wird h\u00e4ufiger krank und erleidet eher Fehlgeburten. Den Kindern geht es entsprechend schlecht. Dies best\u00e4tigt die Krummh\u00f6rn-Studie. Die eheliche Verpflichtung f\u00fchrt zu beinahe j\u00e4hrlichen Geburten, vielen sterbenden Kindern und auch nicht selten zum Tod der Mutter unter der Geburt. Seit der Durchsetzung der Ehe seit grob 8000 Jahren bekommen Frauen wesentlich mehr Kinder als sie unter nat\u00fcrlichen Bedingungen jemals bekommen haben. Das Patriarchat ist unmittelbar f\u00fcr die \u00dcberbev\u00f6lkerung verantwortlich. In L\u00e4ndern mit hohem medizinischem Standard ist diese Nebenwirkung seit 50 Jahren durch die Pille weitgehend abgestellt. In den meisten L\u00e4ndern aber ist Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung unerw\u00fcnscht, beleidigt sie ja die m\u00e4nnliche Potenz.<\/p>\n<h2 id=\"leben-in-matrifokalitae-unser-angeborenes-sozialverhalten\">Leben in Matrifokalit\u00e4t &#8211; Unser angeborenes Sozialverhalten<\/h2>\n<p>Im Gegensatz zu den patriarchalen Verh\u00e4ltnissen bekommt eine Mutter, die unter matrifokalen, also nat\u00fcrlichen Bedingungen lebt, deutlich weniger Kinder und auch nur etwa alle f\u00fcnf Jahre. Die Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy fand heraus, dass Stillen nach Bedarf, also rund um die Uhr, die Ovulation hemmt.<sup id=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-3\" class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"3\" data-mfn-post-scope=\"0000000000000b1b0000000000000000_5980\"><a href=\"javascript:void(0)\"  title=\"Vgl. Blaffer Hrdy 2000\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-3\">3<\/a><\/sup><span role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"3\">Vgl. Blaffer Hrdy 2000<\/span> Unter nat\u00fcrlichen Bedingungen sind kleine Kinder also eine wirksame Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung, ein logischer evolution\u00e4rer Schutz der enormen Investitionen in ein Menschenkind. Die Lebensweise, unter der die <em><a href=\"http:\/\/www.gabriele-uhlmann.de\/femalechoice.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">female choice<\/a><\/em> frei gelebt wird<sup id=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-4\" class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"4\" data-mfn-post-scope=\"0000000000000b1b0000000000000000_5980\"><a href=\"javascript:void(0)\"  title=\"vgl. Small 1995\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-4\">4<\/a><\/sup><span role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"4\">vgl. Small 1995<\/span>, hat auch weniger sexuellen Verkehr zur Folge<sup id=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-5\" class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"5\" data-mfn-post-scope=\"0000000000000b1b0000000000000000_5980\"><a href=\"javascript:void(0)\"  title=\"vgl. Uhlmann 2015\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-5\">5<\/a><\/sup><span role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"5\">vgl. Uhlmann 2015<\/span>. Automatisch ist damit eine konstante Bev\u00f6lkerungszahl sichergestellt. Das kleine Kind hat, weil es nicht schon als S\u00e4ugling von einem Geschwisterchen Konkurrenz bekommt, eine deutlich h\u00f6here \u00dcberlebenschance; im \u00dcbrigen auch die Mutter selbst. Zum \u00dcberleben tr\u00e4gt besonders auch die Hilfe der m\u00fctterlichen Gro\u00dfmutter und der Alloeltern, das sind die weiblichen und m\u00e4nnlichen Mitglieder der matrilinearen Sippe, bei.<br \/>\nWie wir es aus rezenten matrifokalen Gemeinschaften wissen, verhindert die Gro\u00dfmutter nicht die freie Sexualit\u00e4t ihrer Tochter, sondern sch\u00fctzt und unterst\u00fctzt sie bei Bedarf. So richtet z.B. die Mosuo-Mutter in ihrem Haus ein \u201eBlumenzimmer\u201c ein, wo die Tochter tun und lassen kann, was sie will, und theoretisch vor unerw\u00fcnschten \u00dcbergriffen gesch\u00fctzt ist. \u00dcbergriffe finden aufgrund der matrifokalen Sozialisation der M\u00e4nner auch gar nicht statt, womit Frauen doppelt gesch\u00fctzt sind. Die m\u00fctterliche Gro\u00dfmutter verhindert damit nicht eine h\u00f6here Kinderzahl, sondern sie dient <em>female choice<\/em>, die, wenn sie konsequent gelebt wird, erst bewirkt, dass die m\u00fctterliche Gro\u00dfmutter im Hause lebt. Die Hilfe der Gro\u00dfmutter ist also nur ein Teilaspekt des komplexen Schutzsystems Matrifokalit\u00e4t, das die Herrschende Lehre bis heute nicht verstehen will. Ihre Menopause ist jedoch ein schlagendes Indiz der Matrifokalit\u00e4t.<br \/>\nIn matrifokalen Gemeinschaften spielen im \u00dcbrigen die \u00e4u\u00dferen Bedingungen eine gr\u00f6\u00dfere Rolle. W\u00e4hrend es in der Altsteinzeit der Sammler\/Fischer\/J\u00e4ger nur eine sehr geringe Population auf gleichbleibendem Niveau gab, erm\u00f6glichte die Erfindung der Landwirtschaft in Subsistenz einen Anstieg der Population, die dann auf einem h\u00f6heren Niveau wiederum gleich blieb.<\/p>\n<p>Sarah Blaffer Hrdy konnte die korrigierte Gro\u00dfmutterhypothese problemlos in ihre eigene These, ver\u00f6ffentlicht in ihrem Buch \u201eMothers and Others. Evolutionary Origins of Mutual Understanding\u201c (2009), deutsch \u201eM\u00fctter und andere. Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat\u201c (2010), integrieren, ja sie war eine wichtige Basis. Dieses Werk ist eine umfassende, stichhaltige Begr\u00fcndung und Darstellung unserer nat\u00fcrlichen matrifokalen Lebensweise.<\/p>\n<h2 id=\"die-grossmuetterliche-geburtenkontrolle-schutz-vor-ueberbevoelkerung\">Die gro\u00dfm\u00fctterliche Geburtenkontrolle &#8211; Schutz vor \u00dcberbev\u00f6lkerung<\/h2>\n<p>Am 27.09.2017 akzeptierte die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Royal_Society\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Royal Society<\/a> eine Metastudie<sup id=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-6\" class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"6\" data-mfn-post-scope=\"0000000000000b1b0000000000000000_5980\"><a href=\"javascript:void(0)\"  title=\"Huber et al. 2017\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-6\">6<\/a><\/sup><span role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"6\">Huber <em>et al.<\/em> 2017<\/span> der anthropologischen Arbeitsgruppe Susanne Huber, Patricia Zahourek und Martin Fieder von der Universit\u00e4t Wien mit dem Titel <a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1098\/rsos.170544\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201aMit der eigenen oder der Mutter des Ehemanns im Haushalt zu leben, ist mit einer geringeren Kinderzahl assoziiert: eine kultur\u00fcbergreifene Analyse\u2018<\/a>. In ihrer Pressemitteilung teilte die Arbeitsgruppe der Studie (im Folgenden \u201eWiener Studie\u201c) mit:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eFrauen, die mit ihrer eigenen Mutter oder ihrer Schwiegermutter in einem gemeinsamen Haushalt leben, haben durchschnittlich weniger Kinder als jene, die nur mit ihrem Partner zusammenleben. Das haben evolution\u00e4re AnthropologInnen um Martin Fieder von der Universit\u00e4t Wien in einer interkulturellen Analyse auf Basis von Daten von \u00fcber 2,5 Millionen Frauen herausgefunden. EvolutionsbiologInnen gingen bislang vom Gegenteil aus.\u201c<sup id=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-7\" class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"7\" data-mfn-post-scope=\"0000000000000b1b0000000000000000_5980\"><a href=\"javascript:void(0)\"  title=\"UW 2017\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-7\">7<\/a><\/sup><span role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"7\">UW 2017<\/span><\/blockquote>\n<p>Dieser Befund will auf den ersten Blick so gar nicht zur Krummh\u00f6rn-Studie von Breise\/Voland passen, wonach das Leben mit der Schwiegermutter die denkbar schlechteste Konstellation ist und das Leben mit der m\u00fctterlichen Gro\u00dfmutter die beste. Doch Vorsicht, in der Wiener Studie geht es nicht um die \u00dcberlebenchancen von geborenen Kindern, sondern lediglich um die Zahl der Geburten einer Frau. Dabei relativiert die Wiener Studie die Leistung der m\u00fctterlichen Gro\u00dfmutter, ja sie scheint sogar die Schwiegermutter zu rehabilitieren, indem sie sie jetzt mit der m\u00fctterlichen Gro\u00dfmutter auf eine Stufe stellt. Am Ende z\u00e4hlt nun vor allem die Quantit\u00e4t, und nicht welcher emotionaler und gesundheitlicher Aufwand betrieben wurde, um diese Quantit\u00e4t zu erreichen. Dennoch sind jetzt beide Gro\u00dfm\u00fctter auf der Anklagebank. Es scheint mir, als solle hier die Kernfamilie aus Vater, Mutter und Kindern propagiert werden. Und es scheint, dass die Royal Society genau dies honoriert.<\/p>\n<p>In der Publikation der Wiener Studie wird Sarah Blaffer Hrdy &#8211; <a href=\"https:\/\/wahrscheinkontrolle.wordpress.com\/2016\/10\/14\/zum-artikel-stark-als-paar-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-april-2015\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">wie in der Vergangenheit bereits schon einmal<\/a> &#8211; falsch interpretiert:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eKaplan [\u2026] berechnete, dass ein Kind von der Geburt bis zum Alter von 18 Jahren einen \u00dcberschuss von 10-13 Millionen Kalorien konsumiert. Es ist weitgehend anerkannt, dass die Unterst\u00fctzung der Mutter ihren reproduktiven Output und das \u00dcberleben ihrer Kinder erh\u00f6ht (\u2026). \u00dcbereinstimmend damit formulierte Hrdy (\u2026) die Hypothese der gemeinschaftlichen Aufzucht: M\u00fctter sind in Gruppen eingebunden, in der <strong>nicht nur der biologische Vater<\/strong>, sondern auch eine Vielfalt an Individuen den Kindern Resourcen zur Verf\u00fcgung stellen.\u201c<sup id=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-8\" class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"8\" data-mfn-post-scope=\"0000000000000b1b0000000000000000_5980\"><a href=\"javascript:void(0)\"  title=\"UW 2017, S. 2; meine \u00dcbersetzung und Hervorhebung\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-8\">8<\/a><\/sup><span role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"8\">UW 2017, S. 2; meine \u00dcbersetzung und Hervorhebung<\/span><\/blockquote>\n<p>Erstens ist diese Darstellung verzerrend, denn Blaffer Hrdy hat die Ern\u00e4hrungsthese Kaplans nur am Rande erw\u00e4hnt, w\u00e4hrend sie die Gro\u00dfmutterhypothese von Kristen Hawkes &#8211; welche im Literaturverzeichnis der Wiener Studie \u00fcbrigens keinerlei Erw\u00e4hung findet &#8211; als zentralen Bestandteil ihrer These rezipierte. Blaffer Hrdy verfolgt keinerlei Kulturmaterialismus, sondern kommt der Logik der Notwendigkeiten, die unsere Physiologische Fr\u00fchgeburt nach sich zieht, auf die Spur.<\/p>\n<p>Zweitens ist diese Darstellung dahingehend falsch, als dass Blaffer Hrdy seit Erscheinen ihres Buches \u201eMother and Others\u201c offiziell <strong>nicht<\/strong> mehr davon ausgeht, dass der altsteinzeitliche Kindsvater mit in der Sippe bzw. mit seinen genetischen Kindern lebt. Ja, sie z\u00e4hlt ihn nicht einmal zum Kreise der Alloeltern! Ihr Buch \u201eMother Nature\u201c, das die Wiener Studie ebenfalls auff\u00fchrt, ist damit veraltet, was die Wiener ForscherInnen aber nicht ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Blaffer Hrdys Fehler war, ihre zentrale Aussage von \u201eMothers und Others\u201c in eine Fu\u00dfnote zu verbannen. Sie schreibt dort:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e<em>Ich geh\u00f6rte \u00fcbrigens zu denjenigen, die schon fr\u00fchzeitig davon \u00fcberzeugt waren, dass Menschenaffen zur Patrilokalit\u00e4t neigten. Ich \u00e4nderte meine Meinung im Verlauf der Arbeit an \u201aMutter Natur\u2019.<\/em>\u201c<sup id=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-9\" class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"9\" data-mfn-post-scope=\"0000000000000b1b0000000000000000_5980\"><a href=\"javascript:void(0)\"  title=\"Blaffer Hrdy 2010, Fu\u00dfnote 20, S. 448\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-9\">9<\/a><\/sup><span role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"9\">Blaffer Hrdy 2010, Fu\u00dfnote 20, S. 448<\/span><\/blockquote>\n<p>Aufgrund dieses zwischenzeitlichen, notwendigen Sinneswandels geriet das Buch \u201eMother Nature\u201c leider reichlich verwirrend und widerspr\u00fcchlich. Die Frage ist allerdings, ob die New York Times sonst ihre B\u00fccher derart gelobt h\u00e4tte, aber das nur am Rande.<\/p>\n<p>Blaffer Hrdy geht auf der Basis der Gro\u00dfmutterthese und der Tatsache der <em>female choice<\/em> (Small 1995) sowie ihrer eigenen anthropologischen Forschung von der Matrilinearit\u00e4t der Menschheit als einzig nat\u00fcrlicher Lebensweise aus. Sie schreibt in \u201eM\u00fctter und Andere\u201c:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eUngeachtet dogmatischer Verlautbarungen, wonach Menschen f\u00fcr gew\u00f6hnlich \u201aeine patrilokale Familienstruktur besitzen\u2019, weil \u201aS\u00f6hne in traditionellen Gesellschaften in der N\u00e4he ihrer Familien bleiben, w\u00e4hrend T\u00f6chter fortziehen\u2019, wird diese grundlegende Aussage \u00fcber die menschliche Natur nicht von Daten \u00fcber Menschen gest\u00fctzt, die tats\u00e4chlich als J\u00e4ger-Sammler leben.\u201c<sup id=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-10\" class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"10\" data-mfn-post-scope=\"0000000000000b1b0000000000000000_5980\"><a href=\"javascript:void(0)\"  title=\"Blaffer Hrdy 2010, S. 336\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-10\">10<\/a><\/sup><span role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"10\">Blaffer Hrdy 2010, S. 336<\/span><\/blockquote>\n<p>Die Wiener Studie ist nun eine Momentaufnahme der Gegenwart, die nicht geeignet ist die Verh\u00e4ltnisse vor \u00fcber 100 Jahren wie bei der Krummh\u00f6rn-Studie wiederzuspiegeln. Die Wiener schreiben:<\/p>\n<blockquote><p>\u201c\u00dcber alle L\u00e4nder hinweg lebt die Mehrheit der Frauen nur mit ihrem Ehepartner im Haushalt. Nur im Irak lebt die Mehrheit der Paare mit der Mutter des Ehemanns im Haushalt (53,15%), gefolgt von Pakistan (41,2%). In allen anderen untersuchten L\u00e4ndern liegt die H\u00e4ufigkeit des Lebens mit der Mutter des Ehemanns im Haushalt zwischen 1,5% (USA) und 20,5% (Rum\u00e4nien). Das Leben mit der eigenen Mutter der Frau im Haushalt ist die am wenigsten verbreitete Lebensform, die von 0,8% (Malawi) bis zu 17,2% (Thailand) reicht.\u201c<sup id=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-11\" class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"11\" data-mfn-post-scope=\"0000000000000b1b0000000000000000_5980\"><a href=\"javascript:void(0)\"  title=\"Huber\/Zahourek\/Fieder, S. 6; meine \u00dcbersetzung\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-11\">11<\/a><\/sup><span role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"11\">Huber\/Zahourek\/Fieder, S. 6; meine \u00dcbersetzung<\/span><\/blockquote>\n<p>Wie ist es dazu gekommen, was hat sich in den letzten 100 Jahren ver\u00e4ndert? Die sexuelle Kontrolle durch die Schwiegermutter spielte nach Gew\u00f6hnung an das Patriarchat und durch die religi\u00f6se Indoktrination eine immer geringere Rolle. Scheidung und Ehebruch wurden allgemein behindert bzw. ge\u00e4chtet. Derart \u201ebefriedet\u201c blieb das Paar auch ohne die Kontrolle der v\u00e4terlichen Familie resp. der Schwiegermutter beisammen, auch wenn in der Ehe Krieg herrschte. Mit der Industrialisierung und Landflucht sowie heute der modernen Mobilit\u00e4t zogen und ziehen Ehepaare immer \u00f6fter in andere St\u00e4dte fernab aller Gro\u00dfeltern. Die Ehe wird nun aus Verliebtheit geschlossen, wirtschaftliche Aspekte bzw. die Eheanbahnung durch die Eltern spielt nur noch eine sehr geringe Rolle. Paare verlassen ihre Elternh\u00e4user, um ausw\u00e4rts das materielle Gl\u00fcck zu suchen, sofern sie es nicht schon haben. So ist es kein Wunder, dass die Mehrzahl aller Paare nicht mehr in Patrilokalit\u00e4t lebt und die Soziologie um eine neue Lebensform \u201ebereichert\u201c wurde, die <strong>Neolokalit\u00e4t<\/strong>, bei der der besser verdienende Ehepartner den Wohnort bestimmt. Im weiter bestehenden Patriarchat ist dies meistens der Ehemann, was der Begriff jedoch verschleiert.<\/p>\n<p>Wir sehen an diesen Zahlen auch, wie sehr das Patriarchat \u00fcber die Welt verbreitet wurde und sogar, wo es herkommt, n\u00e4mlich aus viehz\u00fcchternomadischen Gebieten. Mit der Aufl\u00f6sung der Patrilokalit\u00e4t wurde das Patriarchat jedoch nicht beseitigt, sondern es zeigt sich daran im Gegenteil seine Versch\u00e4rfung. Es ist ideologisch gefestigt und durch die Isolierung des Paares mit seinen Kindern wird dieses abh\u00e4ngiger vom Staatspatriarchat, mit dem die Sache immer fester gezurrt wird.<\/p>\n<p>Die Wiener fanden, wie eingangs gesagt, heraus, dass die Anwesenheit einer Gro\u00dfmutter die Kinderzahl negativ beeinflusst. Die meisten Kinder bekamen diejenigen M\u00fctter, die alleine mit Ehemann und Kindern in der Wohnung leben. Es wurde allerdings nicht diskutiert, dass Gro\u00dfeltern, zu denen ja im \u00dcbrigen auch oft noch der Gro\u00dfvater geh\u00f6rt, oft keinen Sex in \u201eihrer\u201c Wohnung dulden, aber auch Paare die Anwesenheit ihrer Eltern als beim Sex st\u00f6rend empfinden. Eine Tatsache ist auch, dass die Frau bei Abwesenheit der Gro\u00dfeltern dem Ehemann schutzlos ausgeliefert ist, was die hohen Zahlen h\u00e4uslicher Gewalt veranschaulichen. Ohne Zeugen l\u00e4sst sich besser gewaltsam zeugen.<\/p>\n<h2 id=\"die-muetterliche-gro\u00dfmutter-das-unbekannte-wesen\">Die m\u00fctterliche Gro\u00dfmutter, das unbekannte Wesen<\/h2>\n<p>Die Wiener kamen nicht umhin, auch die Verh\u00e4ltnisse in matrifokalen Gemeinschaften zu beleuchten. Dass in \u00c4thiopien gefunden wurde, dass Kinder in matrilokalen Gemeinschaften, wo die m\u00fctterliche Gro\u00dfmutter immer anwesend ist, eine h\u00f6here \u00dcberlebenschance haben, wurde erfreulicherweise erw\u00e4hnt. Dies best\u00e4tigt den Befund von der Halbinsel Krummh\u00f6rn des 19. Jhs., auch wenn dort neben Patrilokalit\u00e4t die Neolokalit\u00e4t herrschte. Aufgrund des ungenauen Lesens des letzten Buches von Sarah Blaffer Hrdy und der Ignoranz gegen\u00fcber der nat\u00fcrlichen Matrifokalit\u00e4t muss sich die Wiener Arbeitsgruppe aber bankrott erkl\u00e4ren und sie tut es auch:<\/p>\n<blockquote><p>\u201cIm Vergleich zu ihrem Einfluss auf das \u00dcberleben von Kindern werden die Auswirkungen beider, der Anwesenheit der m\u00fctterlichen und v\u00e4terlichen Gro\u00dfmutter, auf die Fruchtbarkeit weniger gut verstanden. Die meisten Untersuchungen zu m\u00fctterlichen Gro\u00dfm\u00fcttern zeigen einen positiven Einfluss auf die Fruchtbarkeit ihrer Tochter (\u2026). In einer Metaanalyse fanden Sear &amp; Coall (\u2026) dagegen, dass nur in \u00fcber 30% der 39 untersuchten Studien die Anwesenheit der eigenen Mutter, aber in etwa 70% der Studien die Anwesenheit der Schwiegermutter einen pro-natalen Effekt hat.\u201c<sup id=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-12\" class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"12\" data-mfn-post-scope=\"0000000000000b1b0000000000000000_5980\"><a href=\"javascript:void(0)\"  title=\"Huber\/Zahourek\/Fieder, S. 2; meine \u00dcbersetzung\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-12\">12<\/a><\/sup><span role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"12\">Huber\/Zahourek\/Fieder, S. 2; meine \u00dcbersetzung<\/span><\/blockquote>\n<p>Was ist hier nun wieder los? Wieder wurde gelesen, was sie lesen wollten. Das Paper, das einen positiven Einfluss der m\u00fctterlichen Gro\u00dfmutter auf die Fruchtbarkeit, also die Geburtenzahl ihrer Tochter, postulieren soll, besch\u00e4ftigt sich ausschlie\u00dflich mit dem \u00dcberlebenchancen der Kinder und titelt: \u201eWho keeps children alive? A review of the effects of kin on child survival\u201c. Autorinnen sind Rebecca Sear und Ruth Mace. Die Untersuchung best\u00e4tigt im Grunde auch das Ergebnis von der Halbinsel Krummh\u00f6rn. Eine kleine Ausnahme unter vielen macht eine Untersuchung von Sear an Familien des Cheva-Volkes im b\u00e4uerlichen Malawi. Als Anmerkung finden wir dort: &#8222;Mgms borderline but significant at p&lt;.05 for girls only; mat aunts \u2212 in families where women own resources, + where men do; divorce \u2212\u201c<sup id=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-13\" class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"13\" data-mfn-post-scope=\"0000000000000b1b0000000000000000_5980\"><a href=\"javascript:void(0)\"  title=\"Sear\/Mace 2008, S.6, Tab. 2A\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-13\">13<\/a><\/sup><span role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"13\">Sear\/Mace 2008, S.6, Tab. 2A<\/span> Das bedeutet \u00fcbersetzt, dass sich die Mithilfe der m\u00fctterlichen Gro\u00dfm\u00fctter signifikant negativ auswirkt, aber nur grenzwertig, und nur bei einer Scheidung oder wenn die Mutter die Resourcen selbst verdienen muss.<br \/>\nWir haben es hier mit einer patriarchalen Gesellschaft zu tun. Die \u00dcberlebensrate ist f\u00fcr M\u00e4dchen schlechter, was auf deren Unterversorgung zur\u00fcckgeht, wie wir sie in vielen Kulturen vorfinden. Die M\u00fctter sind mitunter doppelt belastet, d.h. sie m\u00fcssen auf dem Feld arbeiten, weshalb eine Gro\u00dfmutter mithelfen muss. Dass f\u00fcr die \u00dcberlebensrate hier allein die m\u00fctterliche Gro\u00dfmutter verantwortlich gemacht wird, ist schon sehr bizarr, denn offensichtlich gibt es in dieser Kultur einen mutwilligen Gynozid, den allein das von M\u00e4nnern installierte System, aber nicht die m\u00fctterliche Gro\u00dfmutter zu verantworten hat. Was gibt es da nicht zu verstehen, au\u00dfer, dass wir uns dar\u00fcber erschrecken m\u00fcssen, in welchem Ausma\u00df Frauen zu Dienerinnen des Patriarchats gemacht wurden!<\/p>\n<p>Das andere Paper wurde ebenfalls von Rebecca Sear, diesmal in Cooperation mit David Coall, verfasst (2011): \u201eHow much does family matter? Cooperative breeding and the demographic transition\u201c. Wieder kommen sie zu \u00e4hnlichen Ergebnissen. Hier wird die Ausnahme erw\u00e4hnt:<\/p>\n<blockquote><p>\u201cV\u00e4ter und Gro\u00dfm\u00fctter sind nicht immer vorteilhaft f\u00fcr Kinder. Eine Studie fand, dass die Anwesenheit von V\u00e4tern die Sterblichkeit von M\u00e4dchen erh\u00f6hte (b\u00e4uerliches \u00c4thiopien: Gibson 2008); <strong>eine fand einen sch\u00e4dlichen Effekt der m\u00fctterlichen Gro\u00dfm\u00fctter<\/strong> (b\u00e4uerliches Malawi: Sear 2008); und zwei fanden sch\u00e4dliche Effekte der v\u00e4terlichen Gro\u00dfmutter [historische Studien in Deutschland und Japan: Beise 2002; Sorenson Jamison et al. 2002]. Famili\u00e4re Beziehungen k\u00f6nnen manchmal eher durch Konflikte als durch Kooperation gekennzeichnet sein.<sup id=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-14\" class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"14\" data-mfn-post-scope=\"0000000000000b1b0000000000000000_5980\"><a href=\"javascript:void(0)\"  title=\"Sear\/Coall 2011, S. 88; meine \u00dcbersetzung und Hervorhebung\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-14\">14<\/a><\/sup><span role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"14\">Sear\/Coall 2011, S. 88; meine \u00dcbersetzung und Hervorhebung<\/span><\/blockquote>\n<p>Widerspr\u00e4chen sich die beiden Papers grundlegend, so h\u00e4tten die AutorInnen das erw\u00e4hnen m\u00fcssen und sicher auch getan. Davon ist aber keine Rede, statt dessen beruft sich das neuere Paper auf die Tabellen des \u00e4lteren.<br \/>\nDie Wiener AutorInnen sehen den Unterschied zwischen einer m\u00fctterlichen Gro\u00dfmutter, die in einer neolokalen Familie mithilft &#8211; also zur Tochter gezogen ist &#8211; und einer matrilinearen Gemeinschaft, wo diese Gro\u00dfmutter immer anwesend ist, nicht deutlich genug. Vor allem haben sie das Ph\u00e4nomen nicht verstanden, dass die m\u00fctterliche Gro\u00dfmutter in matrifokalen Gemeinschaften mit einer geringeren Geburtenzahl assoziiert ist, sie aber nicht deren Ursache ist. Bedeutsam ist letztlich, dass sich sogar noch in der patriarchalen Familie ihr Einfluss \u00fcberwiegend positiv auf die \u00dcberlebensrate auswirkt. Der Grund daf\u00fcr ist ihr starkes Engagement f\u00fcr ihre Gene.<\/p>\n<p>Der bei FamilienpolitikerInnen beliebte Satz \u201eFrauen, die mehr Hilfe bei der Erziehung haben, bekommen auch mehr Kinder\u201c ist nat\u00fcrlicherweise falsch bzw. trifft keine evolution\u00e4re Aussage. Im Patriarchat ist eine hohe Kinderzahl aber gew\u00fcnscht, denn Kinder mehren den Reichtum, aber R\u00fccksicht auf die Gesundheit und die Gef\u00fchle der Beteiligten wird nicht genommen, auch nicht auf die Belastbarkeit von Mutter Natur. Sie hatte einst eine nat\u00fcrliche Geburtenkontrolle eingebaut, die dem Patriarchat jedoch zuwider l\u00e4uft. Das ist die <em>female choice<\/em>. Patriarchen wollen die lebenslange freie Wahl der Frau nicht akzeptieren und lassen die von ihnen selbst geschaffenen Ungereimtheiten ein \u201eR\u00e4tsel\u201c sein, mit dem sie sich sogar noch schm\u00fccken k\u00f6nnen. H\u00e4tten die Wiener AutorInnen sich mit den Entdeckungen von Sarah Blaffer Hrdy eingehend besch\u00e4ftigt und die unabh\u00e4ngige interdisziplin\u00e4re Patriarchatsforschung ber\u00fccksichtigt, h\u00e4tten sie beschreiben k\u00f6nnen, dass eine Frau unter diesen nat\u00fcrlichen Bedingungen ihre <em>female choice<\/em> lebt und DESHALB weniger Kinder bekommt als im Patriarchat. Ein gro\u00dfe Schw\u00e4che und keine St\u00e4rke der Wiener Studie ist also, dass sie dieses Problem mit dem einem Satz erledigt, dass es nicht verstanden sei.<\/p>\n<h2 id=\"patriarchat-die geburtenrate-steigt\">Patriarchat &#8211; Die Geburtenrate steigt<\/h2>\n<p>W\u00e4hrend also die Kinder mit einer m\u00fctterlichen Gro\u00dfmutter die h\u00f6heren \u00dcberlebenschancen haben, ist bei einer anwesenden Schwiegermutter die Geburtenrate deutlich h\u00f6her. Die Zahl der unter der Schwiegermutter verstorbenen Kinder wird durch die Vatermacht-bedingt erh\u00f6hte Geburtenrate \u00fcberkompensiert, womit die Gesamtzahl der \u00fcberlebenden Kinder steigt und damit auch die Zahl der Bev\u00f6lkerung. Damit sieht es so aus, als sei das System Schwiegermutter erfolgreicher. Aber die \u00dcberbev\u00f6lkerung gibt es nicht wegen der Schwiegermutter, sondern trotz der Schwiegermutter. Denn nach wie vor steigen die Weltbev\u00f6lkerungszahlen an, auch ohne Schwiegermutter.<\/p>\n<p>Die Studie l\u00e4sst zumindest hoffen, dass der Wunsch, das \u201egro\u00dfe R\u00e4tsel\u201c zu verstehen, auch irgendwann zu der Erkenntnis f\u00fchrt, dass es seine Richtigkeit damit hat, dass M\u00fctter bei ihren M\u00fcttern leben und dort auch ihre Kinder bekommen. Die Diskrepanzen nimmt die Wiener Arbeitsgruppe aber nur zum Anlass zur Sammlung von noch mehr Daten, n\u00e4mlich von 2 478 383 verheirateten Frauen zwischen 15 und 34 Jahren, anstatt sich mit dem Effekt der sexuellen Unterdr\u00fcckung der Frau auf die Bev\u00f6lkerungszahl zu besch\u00e4ftigen.<br \/>\nSie stellt keine \u00dcberlegungen an zu der Frage, wie w\u00fcnschenwert eine hohe Kinderzahl f\u00fcr Mensch und Natur eigentlich ist, ja es kommt mir so vor, als hielten sie eine hohe Kinderzahl f\u00fcr einen Segen.<\/p>\n<p>Was machen die Wiener also mit ihren Zahlen? Wie gehen sie mit der von ihnen rezipierten Literatur um? Wie lautet ihre Quintessenz aus all ihren Tabellen und Kurven?<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;\u2019Wir nehmen an, dass zwei Faktoren f\u00fcr dieses Ergebnis ausschlaggebend sind: Fortpflanzungskonkurrenz und Konkurrenz um Ressourcen zwischen M\u00fcttern bzw. Schwiegerm\u00fcttern und den T\u00f6chtern bzw. Schwiegert\u00f6chtern\u2019, so Fieder weiter. Eine Konkurrenz um Ressourcen sei auch deshalb sehr wahrscheinlich, da Datenmaterial aus einigen Entwicklungsl\u00e4ndern in die Analysen eingeflossen ist. Und Fortpflanzungskonkurrenz als Grund f\u00fcr die geringere Zahl an Kindern im Haushalt wird bei besonders jungen Gro\u00dfm\u00fcttern schlagend: Da sie selbst noch Kinder bekommen k\u00f6nnen und daher m\u00f6glicherweise eher ihr eigenes Kind als die Kinder ihrer Tochter oder Schwiegertochter gro\u00dfziehen wollen, scheinen sie in Konkurrenz mit ihnen zu treten\u201c<sup id=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-15\" class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"15\" data-mfn-post-scope=\"0000000000000b1b0000000000000000_5980\"><a href=\"javascript:void(0)\"  title=\"UW 2017\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-15\">15<\/a><\/sup><span role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"15\">UW 2017<\/span>.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit dieser Aussage, mit dem Begriff &#8222;Fortpflanzungskonkurrenz&#8220; wird suggeriert, dass die Schwiegermutter schon immer eine evolution\u00e4re Bedeutung besessen habe. Dass dem nicht der Fall ist, wissen wir jetzt. Es ist aber ein Faktum, dass es das Patriarchat ist, das mit der Unterdr\u00fcckung der <em>female choice<\/em> in die Evolution eingreift und die Schwiegermutter etabliert hat. Aber nicht die Schwiegermutter allein, sondern das Patriarchat gef\u00e4hrdet den Fortbestand der Art, die nicht nur gez\u00fcchtet, sondern zunehmend an die Technik angepasst und damit von ihr abh\u00e4ngig gemacht wird. Es steht und f\u00e4llt alles mit der Verf\u00fcgbarkeit der nat\u00fcrlichen Ressourcen. Es ist allerdings v\u00f6llig ungef\u00e4hrlich, die Ergebnisse der Studie ausgerechnet auf eine Ressourcen-Konkurrenz zwischen Mutter und Gro\u00dfm\u00fcttern zur\u00fcckzuf\u00fchren, also auf ein kulturmaterialistisches Problem. Konkurrenz belebt ja angeblich das Gesch\u00e4ft. Diese Denke folgt ganz dem patriarchalen Wachstumswahn. Und das muss die Royal Society nat\u00fcrlich ebenfalls honorieren.<\/p>\n<p>Das hei\u00dfe Eisen wird mit der Studie nicht angefasst, aber \u00fcberzeugen k\u00f6nnen die Schlussfolgerung auch nicht mehr. Die richtigen Schlussfolgerungen muss jeder f\u00fcr sich alleine ziehen. Und da das kaum jemand macht, wird es vorerst dabei bleiben, dass frei von der Leber behauptet werden kann, dass Menschen Patrilokalit\u00e4t bevorzugen<sup id=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-16\" class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"16\" data-mfn-post-scope=\"0000000000000b1b0000000000000000_5980\"><a href=\"javascript:void(0)\"  title=\"\u201ethat humans generally favour patrilocal female dispersal\u201c; Huber\/Zahourek\/Fieder, S. 6\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-16\">16<\/a><\/sup><span role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"16\">\u201ethat humans generally favour patrilocal female dispersal\u201c; Huber\/Zahourek\/Fieder, S. 6<\/span>, eine Halbwahrheit, die dringend der Aufkl\u00e4rung bedarf.<\/p>\n<p>Die Medien, die die Aussagen der Wiener Studie gar nicht verstanden haben und offensichtlich vollends verwirrt wurden, bringen sie mit Schlagzeilen unter die Leute, die allein die Schwiegermutter in ein schlechtes Licht stellen, damit aber nur auf den ersten Blick die Ergebnisse der Krummh\u00f6rn-Studie neu auflegen: \u201eWeniger Kinder durch \u201aSchwiegermutter-Effekt\u2019\u201c (<a href=\"http:\/\/science.orf.at\/stories\/2874226\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/science.orf.at\/stories\/2874226\/<\/a>), \u201eWeniger Kinder bei Schwiegermutter im Haus\u201c (<a href=\"http:\/\/www.krone.at\/595291\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.krone.at\/595291<\/a>), \u201cIst die Schwiegermutter im Haus gibt\u2019s weniger Kinder\u201c (<a href=\"http:\/\/www.20min.ch\/wissen\/news\/story\/Ist-die-Schwiegermutter-im-Haus--gibts-weniger-Kinder-30328267\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.20min.ch\/wissen\/news\/story\/Ist-die-Schwiegermutter-im-Haus&#8211;gibts-weniger-Kinder-30328267<\/a>)<br \/>\nDer Schwiegermutterkonflikt verkauft sich besser, und wir wissen heute aufgrund der hohen Zahlen h\u00e4uslicher Gewalt an Frauen und Kindern, dass die Familie kein guter Ort, sondern der gef\u00e4hrlichste Ort auf Erden ist.<\/p>\n<h2 id=\"die-menopause-bei-anderen-arten\">Die Menopause bei anderen Arten<\/h2>\n<p>Man glaubte lange, dass nur Menschenfrauen in die Menopause kommen, dann entdeckte man auch bei den Zahnwalarten, n\u00e4mlich Kurzflossen-Grindwalen, Kleinen Schwertwalen, Orcas, Narwalen und seit 2018 auch Belugas, dass die Weibchen in die Menopause kommen.<br \/>\n2023 wurde sie auch bei Schimpansen-Weibchen beobachtet, 2025 meldete die MPG diesen Befund auch f\u00fcr die Gorillas. Dass die Menopause der S\u00e4ugetiere noch so wenig erforscht ist, erkl\u00e4rt die Max-Planck-Gesellschaft mit dem Aufwand:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Die nach der Fortpflanzungsphase verbleibende Lebensdauer l\u00e4sst sich in freier Wildbahn nur schwer dokumentieren, da hierf\u00fcr detaillierte Informationen \u00fcber das Alter der Tiere sowie die Erhebung jahrzehntelanger Daten bei langlebigen Arten erforderlich w\u00e4ren. F\u00fcr die Dokumentation der &#8218;Menopause&#8216; (definiert als eine physiologische, dauerhafte Einstellung der Menstruation aufgrund des Verlusts der Eierstockfunktion) w\u00e4re zudem eine detaillierte Hormonanalyse notwendig.&#8220;<sup id=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-17\" class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"17\" data-mfn-post-scope=\"0000000000000b1b0000000000000000_5980\"><a href=\"javascript:void(0)\"  title=\"MPG 2025\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-17\">17<\/a><\/sup><span role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"17\">MPG 2025<\/span><\/blockquote>\n<p>Mit der Entschl\u00fcsselung des Genoms 2012 ist klar, dass nicht die Bonobo, sondern doch die Schimpansen unsere n\u00e4chsten Verwandten sind. W\u00e4hrend Bonobo aus ihrer m\u00fctterlichen Gruppe abwandern, tun das Schimpansenweibchen nicht. Wie wir leben die Schimpansen ein ein matrifokales Sozialverhalten. Dabei gibt es jedoch die Besonderheit, dass postmenopausale Schimpansinnen sich wenig oder nicht um ihre Enkel k\u00fcmmern, obwohl diese Phase ca. ein F\u00fcnftel ihres Lebens einnimmt. Dies ist jedoch kein Gegenbeweis f\u00fcr die Gro\u00dfmutter-Hypothese, wie manchmal postuliert, sondern zeigt, dass die Postmenopause der gemeinsamen Vorfahrinnen von <em>Homo Sapiens<\/em> und <em>Pan troglodytes<\/em> (Gemeiner Schimpanse) schon vor der Enkelf\u00fcrsorge evolviert worden war. Nur weil sie schon da war, konnte sich auch die Enkelf\u00fcrsorge mit der immer l\u00e4nger werdenden Kindheit herausbilden, was die &#8222;Huhn-oder-Ei-Frage&#8220; folgerichtig beantwortet. Die Bedeutung der postmenopausalen Hominidenweibchen f\u00fcr die Gruppe bestand mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit in ihrer Lebenserfahrung.<br \/>\nWenig \u00fcberraschend ist, dass auch die genannten Wal-Arten matrifokal um eine Urgro\u00dfmutter leben.<\/p>\n<h2 id=\"literatur\">Literatur<\/h2>\n<ul id=\"liste2\">\n<li>Blaffer Hrdy, Sarah: M\u00fctter und andere. Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat. Berlin 2010.<\/li>\n<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mother Nature. Maternal Instincts and How They Shape the Human Species. New York 2000<\/li>\n<li>Beise, Jan; Voland, Eckart: <a href=\"http:\/\/www.spektrum.de\/magazin\/warum-gibt-es-grossmuetter\/829410\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Warum gibt es Gro\u00dfm\u00fctter?<\/a> In: Spektrum der Wissenschaft 1|2003. S. 48-53.<\/li>\n<li>Engelhardt, Sacha C.; Bergeron, Patrick; Gagnon, Alain; Dillon, Lisa; Pelletier, Fanie: Using Geographic Distance as a Potential Proxy for Help in the Assessment of the Grandmother Hypothesis. Vom 07.02.2019 DOI:<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.cub.2019.01.027\">https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.cub.2019.01.027<\/a>, siehe dazu auch: <a href=\"https:\/\/derstandard.at\/2000097723454\/Forscher-finden-Beleg-fuer-die-Grossmutter-Hypothese\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/derstandard.at\/2000097723454\/Forscher-finden-Beleg-fuer-die-Grossmutter-Hypothese<\/a><\/li>\n<li>Hawkes, Kristen: Human longevity: The grandmother effect. Editorial. Nature 2004 (428):128-9. doi:<a href=\"https:\/\/dx.doi.org\/10.1038%2F428128a\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">10.1038\/428128a<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.nature.com\/nature\/journal\/v428\/n6979\/full\/428128a.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.nature.com\/nature\/journal\/v428\/n6979\/full\/428128a.html<\/a><\/li>\n<li>Huber, Susanne; Zahourek, Patricia; Fieder, Martin: \u201eLiving with own or husband\u2019s mother in the household is associated with lower number of children: a cross-cultural analysis. R.Soc.opensci. 4: 170544. 2017<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1098\/rsos.170544\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/dx.doi.org\/10.1098\/rsos.170544<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/rsos.royalsocietypublishing.org\/content\/royopensci\/4\/10\/170544.full.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/rsos.royalsocietypublishing.org\/content\/royopensci\/4\/10\/170544.full.pdf<\/a><\/li>\n<li>MPG 2025: Berggorilla-Weibchen h\u00f6ren lange vor ihrem Lebensende mit der Fortpflanzung auf &#8211; Nach der Geburt des letzten Nachwuchses leben weibliche Tiere noch lange. Online-Ressource der Max-Planck-Gesellschaft vom 13.1.2025 auf <a href=\"https:\/\/www.mpg.de\/25547012\/1013-evan-berggorilla-weibchen-hoeren-lange-vor-ihrem-lebensende-mit-der-fortpflanzung-auf-150495-x\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.mpg.de\/25547012\/1013-evan-berggorilla-weibchen-hoeren-lange-vor-ihrem-lebensende-mit-der-fortpflanzung-auf-150495-x<\/a><\/li>\n<li>Sear, Rebecca; Mace, Ruth: Who keeps children alive? A review of the effects of kin on child survival. In: Evol. Hum. Behav. 29,1\u201318. 2008<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1016\/j.evolhumbehav.2007.10.001\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/dx.doi.org\/10.1016\/j.evolhumbehav.2007.10.001<\/a><\/li>\n<li>Sear, Rebecca; Coall, David. 2011 How much does family matter? Cooperative breeding and the demographic transition. Pop. Dev. Rev. 37, 81\u2013112. 25.01.2011 doi:10.1111\/j.1728-4457.2011.00379.x<\/li>\n<li>Small, Meredith M.: Female Choices. Sexual Behavior of Female Primates. Cornell University Press (Oktober 1995)<\/li>\n<li>Uhlmann, Gabriele: <a href=\"http:\/\/www.gabriele-uhlmann.de\/femalechoice.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">female choice \u2013 unser unbekanntes Menschenrecht<\/a> online-Resource 2015<\/li>\n<li>(UW) Universit\u00e4t Wien Medienportal: (Schwieger-)Mutter im Haus: Weniger Kinder. Ver\u00f6ffentlicht am 25.10.2017<br \/>\n<a href=\"https:\/\/medienportal.univie.ac.at\/presse\/aktuelle-pressemeldungen\/detailansicht\/artikel\/schwieger-mutter-im-haus-weniger-kinder\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/medienportal.univie.ac.at\/presse\/aktuelle-pressemeldungen\/detailansicht\/artikel\/schwieger-mutter-im-haus-weniger-kinder\/<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<ul class=\"modern-footnotes-list modern-footnotes-list--show-only-for-print\"><li id=\"footnote-0000000000000b1b0000000000000000_5980-1\"><span>1<\/span><div>Hawkes 2004 <a href=\"#mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-1\" class=\"modern-footnotes-scroll-to-footnote\" aria-label=\"Back to reference 1 in text\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/div><\/li><li id=\"footnote-0000000000000b1b0000000000000000_5980-2\"><span>2<\/span><div>Beise\/Voland 2003 <a href=\"#mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-2\" class=\"modern-footnotes-scroll-to-footnote\" aria-label=\"Back to reference 2 in text\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/div><\/li><li id=\"footnote-0000000000000b1b0000000000000000_5980-3\"><span>3<\/span><div>Vgl. Blaffer Hrdy 2000 <a href=\"#mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-3\" class=\"modern-footnotes-scroll-to-footnote\" aria-label=\"Back to reference 3 in text\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/div><\/li><li id=\"footnote-0000000000000b1b0000000000000000_5980-4\"><span>4<\/span><div>vgl. Small 1995 <a href=\"#mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-4\" class=\"modern-footnotes-scroll-to-footnote\" aria-label=\"Back to reference 4 in text\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/div><\/li><li id=\"footnote-0000000000000b1b0000000000000000_5980-5\"><span>5<\/span><div>vgl. Uhlmann 2015 <a href=\"#mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-5\" class=\"modern-footnotes-scroll-to-footnote\" aria-label=\"Back to reference 5 in text\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/div><\/li><li id=\"footnote-0000000000000b1b0000000000000000_5980-6\"><span>6<\/span><div>Huber <em>et al.<\/em> 2017 <a href=\"#mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-6\" class=\"modern-footnotes-scroll-to-footnote\" aria-label=\"Back to reference 6 in text\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/div><\/li><li id=\"footnote-0000000000000b1b0000000000000000_5980-7\"><span>7<\/span><div>UW 2017 <a href=\"#mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-7\" class=\"modern-footnotes-scroll-to-footnote\" aria-label=\"Back to reference 7 in text\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/div><\/li><li id=\"footnote-0000000000000b1b0000000000000000_5980-8\"><span>8<\/span><div>UW 2017, S. 2; meine \u00dcbersetzung und Hervorhebung <a href=\"#mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-8\" class=\"modern-footnotes-scroll-to-footnote\" aria-label=\"Back to reference 8 in text\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/div><\/li><li id=\"footnote-0000000000000b1b0000000000000000_5980-9\"><span>9<\/span><div>Blaffer Hrdy 2010, Fu\u00dfnote 20, S. 448 <a href=\"#mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-9\" class=\"modern-footnotes-scroll-to-footnote\" aria-label=\"Back to reference 9 in text\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/div><\/li><li id=\"footnote-0000000000000b1b0000000000000000_5980-10\"><span>10<\/span><div>Blaffer Hrdy 2010, S. 336 <a href=\"#mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-10\" class=\"modern-footnotes-scroll-to-footnote\" aria-label=\"Back to reference 10 in text\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/div><\/li><li id=\"footnote-0000000000000b1b0000000000000000_5980-11\"><span>11<\/span><div>Huber\/Zahourek\/Fieder, S. 6; meine \u00dcbersetzung <a href=\"#mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-11\" class=\"modern-footnotes-scroll-to-footnote\" aria-label=\"Back to reference 11 in text\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/div><\/li><li id=\"footnote-0000000000000b1b0000000000000000_5980-12\"><span>12<\/span><div>Huber\/Zahourek\/Fieder, S. 2; meine \u00dcbersetzung <a href=\"#mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-12\" class=\"modern-footnotes-scroll-to-footnote\" aria-label=\"Back to reference 12 in text\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/div><\/li><li id=\"footnote-0000000000000b1b0000000000000000_5980-13\"><span>13<\/span><div>Sear\/Mace 2008, S.6, Tab. 2A <a href=\"#mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-13\" class=\"modern-footnotes-scroll-to-footnote\" aria-label=\"Back to reference 13 in text\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/div><\/li><li id=\"footnote-0000000000000b1b0000000000000000_5980-14\"><span>14<\/span><div>Sear\/Coall 2011, S. 88; meine \u00dcbersetzung und Hervorhebung <a href=\"#mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-14\" class=\"modern-footnotes-scroll-to-footnote\" aria-label=\"Back to reference 14 in text\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/div><\/li><li id=\"footnote-0000000000000b1b0000000000000000_5980-15\"><span>15<\/span><div>UW 2017 <a href=\"#mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-15\" class=\"modern-footnotes-scroll-to-footnote\" aria-label=\"Back to reference 15 in text\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/div><\/li><li id=\"footnote-0000000000000b1b0000000000000000_5980-16\"><span>16<\/span><div>\u201ethat humans generally favour patrilocal female dispersal\u201c; Huber\/Zahourek\/Fieder, S. 6 <a href=\"#mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-16\" class=\"modern-footnotes-scroll-to-footnote\" aria-label=\"Back to reference 16 in text\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/div><\/li><li id=\"footnote-0000000000000b1b0000000000000000_5980-17\"><span>17<\/span><div>MPG 2025 <a href=\"#mfn-content-0000000000000b1b0000000000000000_5980-17\" class=\"modern-footnotes-scroll-to-footnote\" aria-label=\"Back to reference 17 in text\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/div><\/li><\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild: &#8222;Gro\u00dfmutter und Enkelin&#8220; Ausschnitt aus einem Holzstich von Ludwig Richter (1803-1864) Die Entdeckung der evolution\u00e4ren Rolle der Gro\u00dfmutter Der Sinn der Menopause sei, dass M\u00fctter schneller wieder schwanger 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