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	<title>Menschenrechte Archive - Gabriele Uhlmann</title>
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		<title>Buchbesprechung &#8211; Sorgerecht und väterliche Gewalt &#8211; Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 May 2026 13:25:37 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Cover: Sorgerecht und väterliche Gewalt &#8211; Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht) von Ilka Schnaars erschienen 2025 im Christel Göttert Verlag...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/buchbesprechung-sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt-ein-plaedoyer-gegen-die-gleichwertigkeit-der-elternschaft-von-mutter-und-vater">Buchbesprechung &#8211; Sorgerecht und väterliche Gewalt &#8211; Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/381d97b9871e447cbd1ef5d080caae60" alt="" width="1" height="1" /><br />
<img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-5284" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2026/04/Sorgerecht_Schnaars_Cover_500.png?w=200&#038;ssl=1" alt=""  /><br />
<span style="font-size: 12px;">Cover: Sorgerecht und väterliche Gewalt &#8211; Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht) von Ilka Schnaars <a href="https://www.christel-goettert-verlag.de/produkt/sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt/" target="_blank" rel="noopener">erschienen 2025 im Christel Göttert Verlag</a></span></p>
<p><strong>&#8222;Das Kind braucht keine Mutter, solange es einen Vater hat&#8220;</strong>.</p>
<p><strong>Diese Überzeugung ist nicht nur die der Leihmutterschaftsindustrie, der Erfinder der künstlichen Gebärmutter oder der Vaterrechtler. Sie ist im Kern die Haltung des Bundesverfassungsgerichtes (BVerfG), das im Jahre 2010 ein dementsprechend wirksames Urteil sprach, das für die Familiengesetzgebung wegweisend wurde. Zu dieser bedrückenden und zugleich wachrüttelnden Bilanz kommt die Juristin und Sozialpädagogin Ilka Schnaars, die mit ihren Fragen an das BVerfG eine nachhaltige Wende im gegenwärtigen Denken über das Elternrecht anmahnt.</strong></p>
<p>Die völlige Verdrehung der Tatsachen &#8211; als sei es die Mutter, die zu viel Macht habe und ihrem Kinde schade &#8211; ermöglichte es moralisch, den Vater als von den Gesetzen diskriminiert hinzustellen. In dieser Moral, so legt es Ilka Schnaars frei, hat sich das BVerfG von einem vorangegangenen Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) überzeugen lassen, nämlich, dass die Ungleichbehandlung von nichtehelichen und ehelichen Vätern eben jene Diskriminierung darstelle, und ihm im Namen der Gleichberechtigung auch gleiches Elternrecht zuzugestehen sei. Diese Haltung folgt der Überzeugung von der Richtigkeit der völligen Gleichbehandlung generell von Müttern und Vätern, welche wiederum von der verfassungsgemäßen Gleichbehandlung von Frauen und Männern abgeleitet wurde. War das Urteil nicht eine nicht zu beanstandende, ja sogar überfällige Herstellung von Gerechtigkeit? Ilka Schnaars zeigt, wie schädlich es sich in Wirklichkeit für Mutter und Kind ausgewirkt hat. Die verheerenden Folgen beweisen: es handelte sich um einen Kurzschlussgedanken, der sogar zum Fremdschämen ist. Denn ein Vater ist nicht einfach nur ein Mann mit Kind und eine Mutter ist nicht einfach nur eine Frau mit Kind. Die Differenzierung mag vordergründig fein oder gar belanglos für die Gleichberechtigung sein, doch in der Realität hat ihre Entdifferenzierung nicht nur für die betroffenen, alleinerziehenden Mütter und Kinder verheerende Konsequenzen, sondern für alle Mütter und Kinder, und damit auch perspektivisch für alle Frauen.</p>
<h2 id="leichtfertig-positives-vaterbild-des-bverfg">Das leichtfertig positive Vaterbild des Bundesverfassungsgerichts</h2>
<p>Mutter und Vater kommen auf völlig unterschiedliche Weise zu ihrem Eltern-Status: die Mutter durch die Geburt, der Vater durch das Gesetz. Blind für diese Realität, die nach Auffassung von Ilka Schnaars zu einer rechtlich ungleichen Gewichtung der juristischen Bewertung der Elternschaft von Mutter und Vater führen müsste, und auch blind für die zunehmende oft tödlich endende Gewalt der Väter gegenüber Müttern und Kindern ist das BVerfG dabei von einem ausschließlich positiven Vaterbild geleitet, von der Überzeugung der unendlichen Güte des Vaters und der vollkommenen Redlichkeit seiner Absichten, die er auf der Basis des Vaterrechtes ausüben können muss. Wer es nicht glauben will, Ilka Schnaars präsentiert die entsprechenden Gesetzeskommentare, die einen fassungslos zurücklassen.<br />
Der einfältige Vater-Mythos, der auch dem sog. Neuen Vater den Weg bereitet hatte, wurde niemals im großen Stil von der Realität bestätigt, und wird es auch niemals werden können. Was den Wenigsten nämlich bewusst ist, ist die Tatsache, dass die Institution der Vaterschaft allein auf der Macht über die Frauen beruht, wobei Männer Frauen zwingen müssen, sich ihnen unterzuordnen und anzupassen, damit sie von ihrer Vaterschaft überhaupt erfahren. Oberflächlich passiert das im Rechtsstaat nicht mit Gewalt, sondern mit der Gewalt des Gesetzes und der patriarchalen Tradition seit der unnatürlichen Entstehung des Patriarchats.<br />
Im Moment der Zerrüttung der Partnerschaft auf Augenhöhe erst wird die Gewalt spürbar und sichtbar. Keine Frau kann wissen, zu was sich der &#8222;Märchenprinz&#8220; und spätere Vater ihrer Kinder einmal entpuppt, sollte die Beziehung in Schieflage geraten. Die meisten Frauen schlagen im Namen der Romantik alle Warnungen in den Wind, ein traditionell erwartetes Verhalten, dass den Vätern, denen sie sich mit der Bekanntgabe der Vaterschaft ausliefern, in die Hände spielt.</p>
<p>Dass Frauen in der frühen Bundesrepublik auf Drängen des wachsenden Feminismus immer weiter von vaterrechtlichen Diskriminierungen und Unterdrückungsmechanismen befreit wurden, und wie dies nun zurückgedreht wurde, ist ein wichtiger Bestandteil der Recherchen zu diesem Buch, zeigen sie doch, dass wir schon einmal weiter waren und die neue Gesetzgebung zum Sorgerecht nicht auf der Basis von Unwissenheit oder gar einer deutlichen Besserung der Väter entstanden ist. Die von Ilka Schnaars gezeigten Folgen bestätigen nun auf drastische Weise die ununterbrochene Notwendigkeit der differenzierten Sicht auf Mutter und Vater.</p>
<h2 id="die-guten-gruende-der-muetter">Die guten Gründe der Mütter werden ignoriert und kriminalisiert</h2>
<p>Nicht nur alle Frauen, die ohne den Vater für ihr Kind sorgen wollen, &#8211; weil sie ihn z.B. kaum kennen oder weil er gewalttätig ist, &#8211; haben ihre guten Gründe, ein gemeinsames Sorgerecht abzulehnen. Daran muss Ilka Schnaars wiederholt erinnern, denn offenbar darf es nicht sein, dass Mütter Gründe haben; diesen Eindruck gewinnt man, wenn man die Gesetzesartikel im Vorher und Nachher vergleicht. Auch die Mütter, die sich einst entschieden hatten, mit dem Vater ihres Kindes zu leben, haben immer gute Gründe, wenn sie dem Vater keinen Anteil am Sorgerecht überlassen. Trotzdem sind Frauen, die das gemeinsame Sorgerecht ablehnen, eine sehr kleine Gruppe, wie Ilka Schnaars es ebenso betont, Boshaftigkeit ist kein Motiv für Frauen, dem Vater das Kind &#8222;vorzuenthalten&#8220;. Es wirkt vor allem der gesellschaftliche Druck, dass Mütter die Väter ins Boot holen, den sie selbst als &#8222;freien Willen&#8220; wahrnehmen. Man könnte zwar meinen, dass Menschen im 21. Jahrhundert sich einig darüber sind, dass keine Frau gezwungen sein sollte, mit einem Mann zusammenzuleben oder mit ihm Abmachungen über ihr Kind treffen zu müssen, wenn sie mit ihm nichts zu tun haben will. Dies kann sich auch nur nachteilig auf das Kind auswirken, das ist sogar juristischer Konsens. Aber ausgerechnet der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ist da aber anderer Meinung. Die Interessen und Rechte der Mutter sind demnach zweitrangig bis bedeutungslos. So sieht es nun auch das BVerfG und wähnt deshalb das Kindeswohl von der Mutter unabhängig, aber &#8211; und das ist bezeichnend &#8211; vom Vater unbedingt abhängig.<br />
Daher sind es nun auch die Familiengesetze selbst, die Druck auf die Mütter ausüben und daher die besten Gründe liefern, den Kindsvater niemals bekannt zu geben. Dies ist eine Schlussfolgerung, die übrigens immer mehr Frauen ziehen.</p>
<h2 id="blinder-fleck-des-egmr">Der blinde Fleck des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte</h2>
<p>Wie konnte es dazu kommen, dass der EGMR eine solche Haltung eingenommen hat, wohlbemerkt im 21. Jahrhundert? Ilka Schnaars entdeckte den fatalen Fehler im Dickicht der Geschichte dieser Familiengesetzgebung, den man nur mit unendlich viel Wohlwollen als &#8222;Denkfehler&#8220; bezeichnen kann. Sicher nicht nur auf Drängen von Vaterrechtlern wurden beide Augen zugedrückt. Schon Jahre zuvor, Ende 1997 hatte der Gesetzgeber eheliche mit nicht ehelichen Kindern gleichgesetzt, ein tatsächlich überfälliger Schritt, der von einer großen Mehrheit bis heute getragen wird, und uneheliche Kinder aus der Stigmatisierung holte. Der Gesetzgeber beließ &#8211; und das ist entscheidend &#8211; die Pflicht der Gegenseitigkeit der Sorge der Eltern aber exklusiv in der Ehe. Daher sind unverheiratete Eltern nur dem Kind gegenüber verpflichtet. Auf die große Bedeutung dieses Details, das der EGMR einfach &#8222;übersehen&#8220; hat, nagelt Ilka Schnaars das BVerfG mit ihren Fragen fest. Bekanntermaßen hat die unverheiratete Mutter für mindestens drei Jahre Anspruch auf den sog. Betreuungsunterhalt, weitere Ansprüche hat sie aber nicht. Die Ehe war deshalb lange ein besonderer Schutzraum, der derjenigen Mutter lebenslang finanzielle Sicherheit gewährte, die einen Mann zum sog. Familienvater machte. Jedoch wurde dieser Schutz wieder eingedampft, angefangen beim 2008 weitgehend gestrichenen Unterhalt nach einer Scheidung. Mit dem Urteil des BVerfG 2010 wurde die Bedeutung der Ehe für die Elternschaft marginalisiert und damit auch der Schutzraum der alleinerziehenden, also nicht verheirateten Mütter, so paradox es klingen mag. Denn nach der alten Gesetzeslage schützte sie ihre Nicht-Heirat vor dem Zugriff des Vaters auf ihr Kind und damit auf sie. Der Kindsvater kann seit der Entscheidung des BVerfG 2010 in jeder Konstellation Macht über Mutter und Kind ausüben, wo er vorher von der Eheschließung oder der Entscheidung der unverheirateten Mutter abhängig war. Dass das Vaterrecht Gewalt gegen die Mutter ist, wird dabei offensichtlich.</p>
<h2 id="sorgerecht-ist-institutionelle-gewalt">Das deutsche Sorgerecht ist Institutionelle Gewalt</h2>
<p>Mit dem Urteil setzte eine in der Bundesrepublik beispiellose Flut an Prozessen gegen Mütter ein, die nun nicht mehr verhindern können, dass ihnen der nichteheliche Vater das Sorgerecht vollständig entziehen kann, dies ohne, dass er dafür nachweisen muss, dass das Kindeswohl durch das alleinige Sorgerecht der Mutter in Gefahr sei. Ilka Schnaars hat aufgedeckt, wie es passieren konnte, dass diese neue und zugleich ewig gestrige Gewalt durch „Vater Staat“ &#8211; der Fachbegriff ist &#8222;institutionelle Gewalt&#8220; &#8211; zur alltäglichen Gewalt und Trennungsgewalt der Väter, die bekanntermaßen bis zum Femizid reichen kann, hinzutreten konnte. Sie beweist, wie das BVerfG selbst mit seinem Urteil das Grundgesetz, nach welchem die Mutter eigentlich besonderen Schutz genießt, konterkariert. Möglich war dies nur, weil es alle überdeutlichen Stoppzeichen und warnenden Expertisen einfach übersehen durfte.</p>
<blockquote><p>&#8222;Der Schutz, den Mütter gemäß Art. 6 Abs. 4 GG erfahren sollten, wird ihnen nicht gewährt, wenn die Gewalt vom Staat ausgeht, der die Interessen der Väter umsetzen will, statt die Mütter vor Übergriffen zu schützen&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup></blockquote>
<p>Deutlicher kann man es nicht sagen. Das Bundesverfassungsgericht als Hauptadressat des Buches wird daher nochmals auf der Basis wohlbekannter Studien daran erinnert, wie das Kindeswohl gefährdet wird, wenn das Wohl der Mutter aus dem Blickfeld gerät.</p>
<h2 id="kriminalisierung-verbrieften-rechts">Die Kriminalisierung der mütterlichen Ausübung ihres verbrieften Rechts</h2>
<p>Dass Mütter gute Gründe haben, dem Kindsvater das Sorgerecht vorzuenthalten und dies nichts mit &#8222;Macht&#8220; und &#8222;Dominanzverhalten&#8220; zu tun hat, lässt sich &#8211; das ist das bedrückende dabei &#8211; mit eben jenen Umfragen beweisen, die seinerzeit das Bundesjustizministerium (BMJ) in Auftrag gab, um das Verhalten von Müttern zu untersuchen, die das Sorgerecht nicht mit dem Kindsvater teilen wollen. Dabei ging es offenbar nicht um Verständnis, sondern um die Findung von Ansatzpunkten, wie die Gründe der Mütter entwertet werden können. Die Ergebnisse wurden vom BMJ dazu einfach von den Füßen auf den Kopf gestellt, und lieferten dem Gesetzgeber und den Vätervereinen das gewünschte Argument, die Entrechtung und, ja, letztlich die Versklavung der Mütter zu fordern und zu rechtfertigen. Blind für die Gewalterfahrungen von Müttern unterstellen auch das BVerfG und das BMJ den Müttern Machtgebaren, Boshaftigkeit, &#8222;Bindungsintoleranz&#8220; und eine willkürliche Entfremdungsabsicht. Mit dem Begriff der &#8222;Zustimmungsverweigerung&#8220; wird von BVerfG, BMJ und auch dem EGMR suggeriert, dass Mütter, die einfach nur von ihrem verbrieften Recht auf Verzicht<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup> des gemeinsamen Sorgerechts Gebrauch machen, eine strafbare Handlung begehen. Ihrer Empörung darüber gibt Ilka Schnaars mit ihren bohrenden Fragen an das BVerfG Raum. Auch wenn das BMJ eingeräumt hatte, dass diese Studie mit Vorsicht zu behandeln sei, verschwand diese Mahnung anschließend spurlos im Nebel der Rechtsfindungsbegründungen. Im Ergebnis darf der Vater einen Antrag auf das Sorgerecht stellen, selbst, wenn ihn die Mutter gar nicht näher kennt. Weil aus Sicht des BVerfG bisher &#8222;zu wenig&#8220; gemeinsame Sorge von den Müttern zugelassen wird, soll sich die Mutter nun mit diesem Mann einig werden, obwohl sie mit ihm gar nichts zu tun haben will.</p>
<h2 id="sorgerecht-wirkt-wie-zwangsheirat">Das Sorgerecht wirkt wie eine staatlich verordnete Zwangsheirat</h2>
<p>Es wirkt wie eine staatlich verordnete Zwangsheirat, sie sollen ein Paar werden, um ihre Elternschaft zu leben. Es ist Ilka Schnaars‘ Klarheit, mit der sie die Dinge auf den Punkt bringt, die dieses Plädoyer so überzeugend macht.<br />
Dem BVerfG war natürlich bekannt, dass schon bei der alten Gesetzgebung festgestellt wurde, dass ein Streit zwischen den Eltern dem Kindeswohl nicht zuträglich ist. Es ist schon eine Binsenweisheit, dass ein Gerichtsverfahren gegen die Mutter einen solchen Streit überhaupt erst auslöst, wenn er diesen nicht schon längst beweist. Dieser Widerspruch wurde aber vom Gesetzgeber vollständig ignoriert. Ein solches Verfahren darf nun einer Mutter, die gerade erst geboren hat, die noch stillt, zugemutet werden, ein Stress, der sich unmittelbar auch auf das Kind auswirkt. Diese empörende Behandlung von Müttern passiert im 21. Jahrhundert &#8211; auf dem Altar der Gleichberechtigung. Dass eine Mutter ihr Kind abstillen muss, damit der Vater das neue Recht auf &#8222;sein Kind&#8220; wahrnehmen kann, ist an Menschenfeindlichkeit kaum zu überbieten, und das sagt Ilka Schnaars auch in aller Deutlichkeit.<br />
Das Vaterbild des BVerfG ist &#8222;seltsam frei von Eigeninteressen der Väter&#8220;, wie sie es ausdrückt, der Vater erscheint dort als &#8222;<em>per se</em> gut&#8220;. Während nun das Bedürfnis des Vaters auf &#8222;sein Kind&#8220; oberste Priorität genießt, werden der Mutter keine eigenen Bedürfnisse mehr zugestanden. Es wird aber dem Kind ein Bedürfnis nach dem Vater angedichtet, dessen Erfüllung das sog. Kindeswohl erst herstelle. Ein Eigeninteresse der Mutter an Sicherheit und Ruhe für sich und ihr Kind ist aus Sicht des BVerfG offenbar irrelevant und schädlich. Dies steht zwar nicht explizit in den Texten, aber Ilka Schnaars schält diese versteckte Haltung meisterhaft aus ihnen heraus.</p>
<h2 id="das-primat-der-mutter-und-deren-diskriminierung">Das natürliche Primat der Mutter und deren Diskriminierung</h2>
<p>Die Autorin weist explizit darauf hin, dass selbst das heute noch geltende Recht eigentlich davon ausgeht, dass das Recht der Mutter das primäre ist, weil es auf der natürlichen Basis beruht, nämlich, dass sie es ist, die mit dem Kind schwanger ist, es gebiert, nährt und mit ihm vom Embryo an eine enge Bindung hat. Deswegen waren die nicht verheiratete Mutter und der Kindesvater folgerichtig in ihrem Elternrecht nicht gleichberechtigt. Die natürliche Abhängigkeit des Vaters von der Mutter, die damit nicht nur begründet ist, sondern sich außerhalb jeder Machtkategorie, also auch außerhalb von Diskriminierung bewegt, soll heute trotzdem unter Berufung auf Gleichberechtigung von Mann und Frau aufgehoben sein. Dabei, das ist wesentlich, wird Diskriminierung erst hergestellt, nämlich die Diskriminierung der Mutter! Das Vaterrecht ist ein juristisches Konstrukt, das sich nicht mit dem natürlichen Recht der Mutter vereinbaren lässt. Daher verletzt das geltende Familienrecht die Menschenrechte der Mutter und ist somit verfassungswidrig, das ist die logische Schlussfolgerung, die Ilka Schnaars dem BVerfG mit ihrer Analyse entgegenschleudert. Das BVerfG sollte eigentlich neutral sein, statt einseitig Vaterrechte zu vertreten, während es den grundgesetzlich zugestandenen Schutz der Mütter ignoriert, das ist der Kern des Plädoyers. Der Ausschluss des nichtehelichen Vaters vom Zugang zur elterlichen Sorge stellte nie einen schwerwiegenden Eingriff in das Elternrecht des Vaters dar.</p>
<h2 id="leihmutterschaft-versklavung-durch-sorgerecht">Leihmutterschaft und Versklavung durch das deutsche Sorgerecht</h2>
<p>Die heute geltende Gesetzgebung macht Frauen quasi zu Leihmüttern, noch deutlicher: Sklavinnen der Väter. Dieser Vergleich, den Schnaars zieht, ist zutreffend, weil Mütter heute nicht nur gegen ihren Willen, sondern sogar ohne Anhörung ihr Sorgerecht verlieren, nicht, weil sie ihrem Kind Schaden zufügen würden, sondern weil es das Familiengericht so beschließen darf, wenn der Vater einen entsprechenden Antrag stellt. Allein die Tatsache, dass sie den Kindsvater ablehnt &#8211; dies wohlbemerkt immer aus gutem Grund – wird nun häufig als Kindeswohlgefährdung wegen &#8222;Bindungsintoleranz&#8220;, so die Begriffsschöpfung der Vaterrechtler, ausgelegt. Jetzt haben Mütter keine faire Chance mehr, sich zu wehren und wie auch immer sie sich verhalten, es kann nur falsch sein: Wenn der Kindsvater einen Antrag auf Sorgerecht stellt, ist der Schaden für das Kind vorprogrammiert, entweder, weil das Kind mit Unterstützung der Mutter mit einem ihm fremden Mann eine Beziehung aufbauen muss, mit dem die Mutter spätestens mit Beginn des Prozesses zerstritten ist, oder weil es seine Mutter samt seiner Muttermilch verliert. Dies alles passiert, als wäre der Schaden, den der prozessbedingte Stress ausgerechnet in der sensibelsten Phase der Säuglingszeit anrichtet, nicht schon genug. Das Kindeswohl ist – nun wird es überdeutlich &#8211; zum Vehikel für das Vaterrecht mutiert. Im Namen des &#8222;Kindeswohls&#8220; wird das Kindeswohl <em>ad absurdum</em> geführt.<br />
Ilka Schnaars führt dazu in einem eigenen Kapitel den Nachweis, wie der Schlüsselbegriff &#8222;Kindeswohl&#8220; vorgeschoben wurde, um das reklamierte Wohl des Vaters durchzusetzen, das – der Anständige versteht jetzt – nichts als Machtgebaren und Gier ist, und das die einmal errungene Gleichberechtigung sogar rückgängig macht. Dazu erklärt sie nicht nur, was unter Kindeswohl zu verstehen ist, sondern auch, warum es vom Mutterwohl abhängt und deshalb vom Vaterrecht bedroht ist. Wie makaber das Urteil des BVerfG und die daran anschließende Familiengesetzgebung in Wirklichkeit sind, weist Ilka Schnaars am Begriff des Elternrechtes des Vaters nach, das in Beton gegossen zu sein scheint, dies, ob es ein geschriebenes Gesetz gibt oder nicht. Es begründet sich in der patriarchal geprägten Gesellschaft selbst, es ist eine Selbstreferenz, die die Natur der Mutterschaft und der exklusiven Mutter-Kind-Bindung einfach ignoriert. Es sollte klar sein, dass es kein Menschenrecht ist, ein Kind zu haben, aber es ist ein Menschenrecht, dass Mütter zum Vater ihres Kindes auf Distanz gehen können.</p>
<h2 id="rueckabwicklung-der-muetterrechte">Rückabwicklung der Mütterrechte auf dem Altar der Gleichberechtigung</h2>
<p>Schon 1968 hatte das Bundesverfassungsgericht anerkannt, dass das Elternrecht auch der Mutter des nichtehelichen Kindes zusteht. So bizarr das klingen mag, das musste tatsächlich erst einmal erkannt, erklärt und verankert werden, da &#8222;Frau und Recht offenbar eine zwielichtige Angelegenheit sind&#8220;, wie Ilka Schnaars es so treffend wie ironisch feststellt. Der alte, dem Patriarchat innewohnende Biologismus, dass das Kind dem Vater gehöre, während die Mutter nur das Gefäß seines &#8222;Samens&#8220; sei, wurde damals endlich per Gesetz entkräftet und damit dem Menschenrecht der Mutter und des Kindes nach Jahrtausenden Patriarchat Rechnung getragen. Schnaars erinnert notwendigerweise immer wieder daran, dass das BVerfG nun versucht hat, das Rad der Geschichte rückwärtszudrehen. Es zeigt sich uns auf erschreckende Weise, wie die feministische Forderung nach Gleichberechtigung von Mann und Frau jetzt gegen die Mütter gewendet wird, ein dreister Willkürakt des BVerfG, gegen den sich in großer Mehrheit die betroffenen Mütter empören, ohne dass sie gehört würden. Die Gesetzgebung beweist uns – das sollte eigentlich sowieso klar sein -, dass das Patriarchat allein durch die Gewaltherrschaft explizit der Väter über die Mütter begründet ist und nicht durch die zahllosen Auswüchse des Machismo und der Romantik, die doch nur Symptome sind, die den Motor aber am Laufen halten, solange die Frauen nicht in den Gebärstreik treten.</p>
<h2 id="Macht-durch-geschichtsvergessenheit">Macht durch aktives Vergessen weiblicher Geschichte</h2>
<p>Familiengesetzgebung ist kein &#8222;Gedöns&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup>, das zeigt sich hier wieder einmal deutlich. Da die Gruppe der alleinerziehenden Mütter bisher keine eigene Lobby hatte &#8211; leider auch nicht unter den bekannten Feministinnen &#8211; und sich entsprechende Verbände<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup> erst in den letzten Jahren formiert haben, wird es wohl noch eine Weile dauern, bis die unerträgliche Ungerechtigkeit auch von der Politik erkannt wird. Leider haben bereits einmal niedergeschriebene Erkenntnisse eine nur sehr kurze Halbwertszeit, sie werden einfach &#8222;vergessen&#8220;. Die Errungenschaften der Frauen, die Aufdeckung ihrer beklemmenden Geschichte im Patriarchat und der Kampf um die Gleichberechtigung werden vom Patriarchat durch Nichtbeachtung, Verdrehung und Instrumentalisierung wirkungslos gemacht. Sobald die Väter Rechte verlieren, die sie zusammen mit dem Patriarchat gewaltsam installiert hatten, nutzen sie die Geschichtsvergessenheit, um alles rückgängig zu machen. Ilka Schnaars wendet ihre Kritik auch gegen all diejenigen Frauen wie Männer, die behaupten, die heutige Familiengesetzgebung sei ein Schritt in Richtung Gleichberechtigung von Mann und Frau, insbesondere ein Fortschritt für die Frau. Sie zeigt auf bewegende Weise, dass das Gegenteil der Fall ist, und nicht nur sie bleibt in Fassungslosigkeit zurück, wie es möglich ist, dass Frauen für ihre eigenen Belange so blind sein können.</p>
<h2 id="wirkung">Wirkung</h2>
<p>Seit Inkrafttreten dieses menschenunwürdigen Familiengesetzes vor 13 Jahren standen Mütter hilflos da, wenn sie zu verstehen versuchten, was ihnen und ihrem Kind da angetan wird &#8211; wie es sein kann, dass Unrecht zu Recht erklärt wurde. Ilka Schnaars bringt jetzt &#8211; als erste Autorin überhaupt &#8211; Licht in den Nebel der Rechtsverdrehung und erklärt Schritt für Schritt, wie es dazu kommen konnte: Mit Feststellungen, die plötzlich nicht mehr galten, mit Aberkennung der Selbstbestimmung der Mutter und ihrer diskriminierenden Diffamierung durch das BVerfG selbst, sowie durch schrittweise Marginalisierung des Schutzes der unverheirateten Mütter, die schon einmal in der Geschichte der Bundesrepublik durch ihr alleiniges Sorgerecht frei waren.</p>
<p>So bedrückend die Fakten auch sind, Ilka Schnaars leitet sicher und verständlich durch den Dschungel der Rechtsentwicklung, die die so empörende Ignoranz des Bundesverfassungsgerichtes und des Gesetzgebers zur Schau stellt. Menschlich integer und mit einer gehörigen Prise Galgenhumor spricht sie aus, was einem dabei unweigerlich durch den Kopf geht. Das Buch ist nicht nur eine Botschaft an das BVerfG, ein dringendes Plädoyer, sondern es ist so spannend zu lesen wie ein Thriller, der leider keine raffinierte Fiktion ist, sondern ungeschminkt die gesetzgeberische Willkür und die dadurch entstandene, täglich erlittene Realität darstellt.</p>
<p><strong>Sorgerecht und väterliche Gewalt &#8211; Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht) von Ilka Schnaars <a href="https://www.christel-goettert-verlag.de/produkt/sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt/" target="_blank" rel="noopener">erschienen 2025 im Christel Göttert Verlag</a></strong></p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-5284" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2026/04/Sorgerecht_Schnaars_Cover_500.png?w=200&#038;ssl=1" alt=""  /></p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Schnaars 2025, S. 299</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zum fragwürdigen Begriff des &#8222;Verzichts&#8220; schreibt Ilka Schnaars in privater Korrespondenz: &#8222;Sie verzichtet damit auf Unterstützung&#8220;.</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;wie es Gerhard Schröder nach seiner Wahl zum niedersächsischen Ministerpräsidenten einmal ausdrückte</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;z.B. Die MIAs <a href="https://die-mias.de/" target="_blank" rel="noopener">https://die-mias.de/</a></div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/buchbesprechung-sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt-ein-plaedoyer-gegen-die-gleichwertigkeit-der-elternschaft-von-mutter-und-vater">Buchbesprechung &#8211; Sorgerecht und väterliche Gewalt &#8211; Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Female choice &#8211; unser unbekanntes Menschenrecht</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice-unser-unbekanntes-menschenrecht</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Apr 2021 15:50:25 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Bild: Mädchen am Brunnen, Ölgemälde von Jacob Becker (1810-1872) Da kommen die Mädchen aus der Stadt und holen Wasser, das harmloseste Geschäft und das nötigste, das ehemals die Töchter der...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a name="prolog"></a><br />
<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/f637bdf5bf4b471f8ea677092fa03bee" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Bild: Mädchen am Brunnen, Ölgemälde von Jacob Becker (1810-1872)</p>
<blockquote><p>Da kommen die Mädchen aus der Stadt und holen Wasser, das harmloseste Geschäft und das nötigste, das ehemals die Töchter der Könige selbst verrichteten. Wenn ich da sitze, so lebt die patriarchalische Idee so lebhaft um mich, wie sie, alle die Altväter, am Brunnen Bekanntschaft machen und freien, und wie um die Brunnen und Quellen wohltätige Geister schweben.</p></blockquote>
<p>Dies schrieb Johann Wolfgang von Goethe seinem Werther ins Tagebuch. Wir wissen, wie die Geschichte endet: Werther wird die Angebetete seines Herzens nicht bekommen, sie heiratet einen anderen und er bringt sich um.</p>
<h2 id="es-ist-die-Frau-die-waehlt">Es ist die Frau, die wählt.</h2>
<p>Dieser Satz, den ich 1998 in einer knappen Zeitungsmeldung gelesen hatte, war für mich eine Offenbarung. Er lieferte mir die Bestätigung für so viele flüchtige Erlebnisse, Gefühle, Beobachtungen und Haltungen, die mit der gesellschaftlichen Norm und meiner Erziehung nicht übereinstimmten. Im selben Jahr war der in der Zeitung erwähnte Artikel &#8222;Wie Weibchen Partner wählen&#8220; in der Zeitschrift &#8222;Spektrum der Wissenschaft&#8220; (1998/6, S. 72-77) abgedruckt (<a class="textlink" href="https://www.spektrum.de/magazin/wie-weibchen-partner-waehlen/824605" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/magazin/wie-weibchen-partner-waehlen/824605</a>). Darin wurde ausführlich und reich bebildert beschrieben, was über die sogenannte Weibchenwahl (auch &#8222;Damenwahl&#8220;) bei Tier und Mensch zu diesem Zeitpunkt bekannt war.<br />
Es war einst der Begründer der Evolutionsbiologie Charles Darwin, der die <b>Sexuelle Selektion</b>, wie er sie nannte, erkannte, aber nur wenige Wissenschaftler anerkannten seine These, weil sie im Viktorianischen Zeitalter allgemeine Empörung hervorrief. Bis heute beschäftigten sich nur wenige WissenschaftlerInnen damit. So verschwand das Thema auch wieder aus der Öffentlichkeit und nur Darwins These von der Natürlichen Selektion findet bis heute Beachtung. Die Sexuelle Selektion, auch <b><em>female choice</em></b>, wie sie in der Evolutionslehre nun bezeichnet wird, ist <b>kein Sonderfall der <i>Natürlichen Selektion</i></b>, wie es oft behauptet wird, sondern eine eigenständige Kraft, wie es Darwin schon sagte und es der Ornithologe Richard O. Prum (2017) erläutert hat. Sie steht noch <b>über</b> der Natürlichen Selektion, denn sie kann unmittelbar jede Generation spürbar verändern, während die Natürliche Selektion nur zu allmählichem Wandel führt und manchmal sogar zum Aussterben einzelner Arten oder gar ganzer Ökosysteme.<br />
Die <em>female choice</em> arbeitet also aktiv für das Leben, während die Natürliche Selektion das Leben immer wieder herausfordert, oft mit tödlichem Ausgang. Dass die Natürliche Selektion die Herrschende Lehre mit ihrem patriarchalen Dogma besonders interessiert, während die <em>female choice</em> ihr unheimlich geblieben ist, ist daher kein Wunder.</p>
<p>Darüber, wann genau die sexuelle Fortpflanzung entstand, herrscht noch keine Einigkeit. Die Zahlen bewegen sich zwischen 2 Milliarden und 300 Millionen Jahren vor heute. Spätestens im Erdzeitalter des Karbon war die Sexualität und damit die <em>female choice </em>voll entwickelt und hatte sich auf dem Globus durchgesetzt. Die biologische Forschung trug eine erdrückende Beweislast zusammen, nach der sie nicht mehr ignoriert und als &#8222;Sexuelle Selektion&#8220; oder &#8222;Mate Choice&#8220; (Partnerwahl) verschleiert werden konnte; Letzteres nicht zu verwechseln mit &#8222;male choice&#8220; (männliche Wahl, die zweitrangig oder auch nicht vorhanden ist). Die Anthropologie, die wie alle Wissenschaften stark von gesellschaftlichen Normen beeinflusst ist, musste zu dem Ergebnis kommen, dass nicht nur in der übrigen Tierwelt, sondern auch beim Menschen das weibliche Wahlrecht oberstes Naturgesetz ist. Die Reproduktion des Lebens unter weiblicher Ägide ist die Basis der Evolution. Dennoch wurde dieses Wissen bisher nur wenig verbreitet, steckt darin doch enorme Sprengkraft, auch für die Gesellschaft, so wie wir sie heute leben. Ja, es gibt sogar viele Wissenschaftler, die dieses Wissen hartnäckig ignorieren oder leugnen.<br />
Nehmen wir das beliebte Beispiel der Rothirsche. Als Platzhirsche, die mit ihren &#8222;stolzen Geweihen&#8220; eindrucksvolle, martialisch wirkende Rangkämpfe austragen, werden die Hirschbullen häufig als &#8222;Patriarch&#8220; oder als &#8222;Chef&#8220; bezeichnet. Aber auch der Hirschbulle kann sich nicht gegen den Willen der Hirschkuh mit ihr paaren und sie paart sich am Rande des Kampfplatzes auch mit anderen Bullen. Denn ein einzelnes Männchen hat keine Handhabe, alle Weibchen gleichzeitig unter Kontrolle zu bekommen. Hirschbullen kümmern sich auch nicht um die Ernährung ihrer Kinder oder bestimmen über sie; das aber macht letztlich einen echten Patriarchen aus. Dennoch ist der männliche Hirsch ein zufriedenes und sogar eindrucksvolles Tier. Es wollte doch auch niemand behaupten, dass die Hirschkuh dem Hirschenbullen Hörner aufsetzt, oder?</p>
<p>Welch überragende Bedeutung die Entdeckung der &#8222;wählerischen Frau&#8220; für die Menschheit hat, sollte sich auch erst in jüngerer Zeit herauskristallisieren, als ich 2007 den Patriarchatsforscher <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Bott_(Fernsehjournalist)" target="_blank" rel="noopener">Gerhard Bott</a> kennen lernte und er mir sein erstes Manuskript zu seinem Buch &#8222;<a href="http://gerhardbott.de/" target="_blank" rel="noopener">Die Erfindung der Götter</a>&#8220; (2009) zu lesen gab. Ich arbeitete zu dieser Zeit an einem Buch über die Blasenentzündung nach Sex bei der Frau und erkannte sofort den Wert seines Werkes für die Gesundung jeder Frau und sogar der gesamten Menschheit. Um ihn zitieren zu können, bemühte ich mich 2 Jahre lang, ihn zu bewegen, das Manuskript als Buch zu veröffentlichen, was mir schließlich gelang.</p>
<p>So, wie ich vor 1998, weiß noch heute kaum eine Frau, dass sie ein bestimmtes von Mutter Natur, der Evolution, vermachtes Wahlrecht besitzt, die <em>female choice</em>. Der folgende Foreneintrag im Internet, mit dem die Userin &#8222;petit_fleur&#8220; Hilfe sucht, weil sie immer nach dem Sex mit ihrem Freund eine Blasenentzündung bekommt, führt dies vor Augen:</p>
<blockquote><p>(&#8230;) Ich bin schon fast am Verzweifeln&#8230;ich kann doch nicht jedes Mal nach dem Sex ein Antibiotikum einnehmen?! Ich habe mich an alles gehalten &#8211; Wasserlassen nach dem GV, 2 Gläser trinken, keine übertriebene Intimhygiene, sogar eine Blasentee habe ich gekauft und getrunken. Wenn das jedes Mal kommt, wie soll es dann mit meinem Sexleben weitergehen? (Ganz zu schweigen von den Kosten, die das jedes Mal verursacht&#8230;) Muss ich ein Leben ohne Sex führen? Ich kann meinem Freund doch nicht zumuten, auf Sex zu verzichten. (&#8230;)<br />
<cite><a class="textlink" href="http://www.planet-liebe.de/threads/verzweifeln-wegen-blasenentz%C3%BCndungen.529788/" target="_blank" rel="noopener">Quelle</a></cite></p></blockquote>
<p>Diese Frau glaubt also, dass ein Mann ein Recht auf Sex hätte, womit sie tief in ein Dilemma gerät. Sie ist beileibe kein Einzelfall. Unter der Überschrift &#8222;Keine Lust mehr auf Sex Angst vor Blasenentzündungen&#8220; schreibt die Userin &#8222;ach_pustekuchen&#8220; in einem anderen Forum:</p>
<blockquote><p>Ich bin seit fast 3 Jahren mit meinem Freund (mein Erster) zusammen. Damals bekam ich direkt nach meinem &#8222;ersten Mal&#8220; eine heftige Blasenentzündung. Habe dann Antibiotika bekommen und dann war sie nach ein paar Tagen wieder weg. Dabei blieb es aber leider nicht. In den letzten knapp 3 Jahren habe ich immer wieder Blasenentzündungen vom Sex, teilweise jeden Monat mindestens eine. Ohne Antibiotikum gehen die auch nicht weg. Ich befolge auch alle Tipps, die man überall bekommt: nach dem Sex sofort auf die Toilette, Cranberries essen, jede Woche mindestens ein mal Blasen- und Nierentee trinken usw. Habe mich auf vor einem Jahr ca. dagegen impfen lassen. Trotzdem habe ich wieder Blasenentzündungen bekommen. Das wirkt sich mittlerweile bzw. schon seit längerem auf mein Sexleben aus. Ich habe nur noch panische Angst davor. Zumal ich es mir Arbeitstechnisch nicht mehr leisten kann, so oft krank zu sein. Ich habe keinerlei Lust mehr, denke nur daran, dass ich danach sowieso wieder ne Blasenentzündung kriege. Ich bin mit meinem Freund teilweise darauf umgestiegen, dass wir quasi Sex haben, aber ohne dass er eindringt. Dadurch geht es. Aber das ist auf Dauer auch keine Lösung und das gefährdet auf Dauer auch die Beziehung.<br />
<cite><a class="textlink" href="http://www.erdbeerlounge.de/forum/kummerkasten/keine-lust-mehr-auf-sex-angst-vor-blasenentzuendungen/" target="_blank" rel="noopener">Quelle</a></cite></p></blockquote>
<p>Darauf antwortet &#8222;bananee&#8220;:</p>
<blockquote><p>Oh man, ich verstehe dich so gut. Ich habe auch jahrelang mit Blasenentzündungen gekämpft. War auch mit meinem ersten Freund (der hat sich beim Arzt untersuchen lassen- war alles ok) fast 5 Jahre zusammen und ich habe nach jedem Sex eine Blasenentzündung bekommen. Nachdem ich alles aus der Schulmedizin und der Homöopathie versucht habe war ich mit den Nerven am Ende und das ging auch auf die Psyche. Ich hatte täglich Schmerzen. Ich musste auch monatlich Antibiotika nehmen, da ich nur damit die Blasenentzündungen wegbekam. Ich habe kein einziges Antibiotikum vertragen und mit einer heftigen allergischen Reaktion häufig im Krankenhaus gelandet. Der Urologe konnte wie bei dir auch nichts feststellen. Wie gesagt, nach paar Jahren wurde das bei mir auch psychosomatisch, da ich ja wusste, was passiert wenn ich mit meinem Freund schlafe. Er reagierte zum Glück sehr verständnisvoll und drängte mich zu Nichts. Mittlerweile bin ich 24 und ich hatte seit fast 3,5 Jahren keine Blasenentzündung mehr. Ich bin wieder seit 3 Jahren in einer neuen Beziehung und ich habe trotz viel Sex absolut keine Beschwerden mehr. Leider kann ich dir nicht sagen, was mir geholfen hat- ich weiß es einfach nicht.<br />
<cite><a class="textlink" href="http://www.erdbeerlounge.de/forum/kummerkasten/keine-lust-mehr-auf-sex-angst-vor-blasenentzuendungen/" target="_blank" rel="noopener">Quelle</a></cite></p></blockquote>
<p>Das Internet ist voll von solchen Einträgen, und hätte irgendein Arzt, irgendeine Pharma-Firma gegen die Sex-bedingte Blasenentzündung ein zu 100% wirksames prophylaktisches Mittel, wäre das ein epochaler Meilenstein der Medizingeschichte. Mittlerweile wirken auch die Antibiotika nur noch unzureichend bei Blasenentzündung, das Problem wird immer gravierender. Offiziell geschätzt leiden 25% aller Frauen darunter, und je patriarchalischer eine Gesellschaft ist, desto größer wird diese Zahl noch. Bei weitem nicht jeder Fall gelangt zum Arzt, daher ist die Dunkelziffer unschätzbar hoch. Zahllose Frauen müssen nicht mehr zum Arzt gehen, weil sie sich dem Sex völlig verweigern. Das Leid ist unvorstellbar groß, wird aber als &#8222;Honeymoon-Zystitis&#8220; verharmlost und mit einem Schmunzeln quittiert.<br />
Immer wieder berichten Frauen, dass sie mit einem neuen Partner entweder krank oder automatisch völlig gesund wurden. Offensichtlich spielt also die Wahl des Partners eine Rolle, und wie ebenfalls in den Foren nachlesbar, nicht, weil er sich nicht wäscht oder Bakterienträger ist, sondern aus &#8222;unbekannten Gründen&#8220;. Wir können davon ausgehen, dass eine Urmenschenfrau, die so etwas erlebt hätte, nicht lange überlegt und den betreffenden Mann fortan gemieden hätte. Aber in unserer patriarchalischen Gesellschaft hängen die Existenz der Frau und ihr Status eng mit ihrem Sexualleben zusammen.</p>
<h2 id="wasistmitfemalechoicegemeint">Was ist mit <em>female choice</em> gemeint? &#8211; Definition</h2>
<p>Beim Menschen ist die <em>female choice</em> durch das patriarchale System so undeutlich wie nur möglich gemacht, unter natürlichen Bedingungen ist sie aber deutlicher als bei allen anderen Tierarten. Unter der freien <em>female choice</em> gibt es keinen Zwang zum Sex, sondern jederzeit die freie Wahl</p>
<ul id="liste2">
<li>des Partners,</li>
<li>der Zeit,</li>
<li>des Ortes und</li>
<li>der Art</li>
</ul>
<p>von Sex. Unter frei gelebter <em>female choice</em> hat Sex beim Menschen <b>keine soziale Funktion</b>! Jeder Hintergedanke, z.B. schwanger zu werden oder dem Partner zu gefallen, würde sie bereits einschränken. Erst im Patriarchat müssen Frauen Sex einsetzen, um nicht aus ihrem Sozialgefüge, der Familie, der Partnerschaft bzw. ihrer materiellen Existenz herauszufallen.</p>
<h2 id="cfc"><em>Cryptic female choice</em></h2>
<p>Die <em>female choice</em> findet vor, während und nach dem Verkehr bewusst und unbewusst, &#8222;versteckt&#8220;, statt. Beim ersten persönlichen Kontakt analysiert eine Frau unbewusst die sog. chemotaktischen Signale eines Mannes. Hat er diese Prüfung bestanden, beginnt eine Frau sich für ihn zu interessieren, jedoch bleibt es nicht dabei. Bewusst prüft sie sein Aussehen nun genauer, seinen Geruch, sein Verhalten, seine Intelligenz und seine Worte. Wird alles für passend befunden, kann seitens der Frau freiwilliger Sex stattfinden, wann, wo und wie bestimmt sie ebenfalls.<br />
Während des Sex bewirkt die Erregung der Frau eine Veränderung der Schleimproduktion. Kommt es bei der Frau zum Orgasmus, werden die Spermien regelrecht angesaugt, und eine Schwangerschaft wird wahrscheinlicher. Gelingt es also dem Partner nicht, seine Partnerin zu erfreuen, zieht ihre <em>cryptic female choice</em> erste Konsequenzen. Das bedeutet natürlich nicht, dass eine Frau, die keinen Orgasmus hat, nicht schwanger werden kann.<br />
Nicht das schnellste Spermium gewinnt im Wettrennen, sondern die Spermien werden von der weiblichen Schleimhaut passiv transportiert und von ihrem sauren Milieu sogar angegriffen. Je weiter die Spermien angesaugt werden, desto kürzer ist die Einwirkzeit des sauren Schleims und desto größer sind die Überlebenschancen für die Spermien. Die überlebenden Spermien gelangen dann in die Eileiter, wo eine weitere Hürde auf sie wartet.<br />
Nicht das erste Spermium gelangt in die Eizelle, sondern dasjenige, welches sie hereinlässt (Vgl. <span class="x193iq5w xeuugli x13faqbe x1vvkbs x1xmvt09 x1lliihq x1s928wv xhkezso x1gmr53x x1cpjm7i x1fgarty x1943h6x xudqn12 x3x7a5m x6prxxf xvq8zen xo1l8bm xzsf02u x1yc453h" dir="auto">Fitzpatrick <em>et al.</em> 2020</span>). Das Spermium verschmilzt dann nicht mit dem Ei, sondern das Ei verarbeitet lediglich seine DNA, also das Gen-Molekül, das im Spermium enthalten ist. Beginnt die Eizelle sich danach zu teilen und wächst ein Embryo heran, prüft der weibliche Körper die Lebensfähigkeit des heranwachsenden Kindes und entscheidet, ob es zur Geburt kommen wird oder zu einer Fehlgeburt bzw. Frühgeburt. Die meisten Frauen wissen gar nicht, dass sie schon viele Fehlgeburten hatten, ja es kommt aufgrund der <em>cryptic female choice</em> zu mehr Fehlgeburten als zu Geburten. Nach der Geburt, bevor das Kind abgestillt wird, verhindert die <em>female choice</em> eine weitere Schwangerschaft.</p>
<h2 id="warum">Warum <em>female choice</em>?</h2>
<p>Ein möglicher Grund, warum die <em>female choice</em> in der Natur eine so große Rolle spielt, ist das höhere Investment, das die Weibchen bei der Fortpflanzung betreiben. Sie stellen dem Nachwuchs ihren Körper für sehr lange Zeit zur Verfügung und tragen die größte Arbeitslast. Dieser Aspekt ist leider oft der einzige, der angeführt wird und damit erscheint die <em>female choice</em> lediglich als eine Art Geschäft. Schon für Vögel, bei denen beide Partner an der Brutpflege beteiligt sind, greift dieses Argument nicht.</p>
<p>Immer wieder wird behauptet, der Sinn der <em>female choice</em> bestünde darin, dass die Frau einen starken Mann auswählen muss, der ihre Kinder am besten ernähren kann. Diese Behauptung beruht auf der falschen Annahme, dass es schon in der Altsteinzeit die Familie aus Vater, Mutter und Kind gab. Die <em>female choice</em> endet aber nicht mit einer Eheschließung, sondern sie bleibt der Frau lebenslang erhalten. Da ihre Kinder viele Jahre ernährt werden müssen, hätte das der falschen Annahme folgend bedeutet, dass eine Frau viele Jahre ihre <em>female choice</em> hätte unterdrücken müssen. In der Altsteinzeit tat sie dies jedoch nicht, sondern folgte dem lauten Ruf der Natur. Auch in der Realität des Patriarchats brechen viele Frauen aus. Die <em>female choice</em> ist eine mächtige Größe, die sich nicht vollständig unterdrücken lässt. Das Treuegelöbnis der Ehe wurde schon immer von beiden Partnern umgangen. Bei den Männern galten Eskapaden als Kavaliersdelikt, und man bedauerte sie dafür, wenn sie von ihrer Frau nicht geliebt wurden. Frauen blieb, wie dem Werther, oft nur die heimliche, unglückliche Verliebtheit oder die heimliche Abtreibung. Im Schnitt ist dennoch jedes zehnte Kind ein Kuckuckskind, das Ergebnis der heimlich ausgeübten <em>female choice</em>. Die Anthropologen nennen das &#8222;Gen-Shopping&#8220;.</p>
<p>Wir werden sehen, dass die frei gelebte <em>female choice</em> Bedingungen schafft, die einen Ernährer überflüssig machen. Die wahren Kriterien, die die <em>female choice</em> so bedeutsam machen, sind völlig andere. Die <em>female choice</em> ist auch keine rein persönliche Angelegenheit, vielmehr hat sie evolutionäre Tragweite:</p>
<p>1. Sie verändert das Aussehen und das Verhalten der Arten und bewirkt damit Vielfalt.</p>
<p>2. Sie sorgt für genetische Vielfalt und die Gesundheit der Population.</p>
<p>3. Sie verhindert eine Schwangerschaft in belastenden Fällen.</p>
<p>4. Sie sorgt für ein artgemäßes Zahlenverhältnis der Geschlechter.</p>
<p>5. Sie verhindert Überbevölkerung.</p>
<p>6. Sie führt zu Matrifokalität und damit zu größtmöglicher Solidarität unter den Sippenmitgliedern, zu Fürsorge und Kooperation.</p>
<p>Warum ist das so? Betrachten wir diese Funktionen im Einzelnen:</p>
<h3 id="av">1. Aussehen und Verhalten der Arten, Vielfalt</h3>
<p>Der Ornithologe Richard O. Prum beschreibt, wie die <em>female choice</em> bei den Vögeln die &#8222;Schönheit&#8220; der Männchen hervorbringt. Weibchen wählen ihm zufolge nicht nur nach chemotaktischen Erwägungen, sondern einfach nach persönlicher Vorliebe. Die Schönheit der Männchen scheint keinerlei anderen Sinn zu haben, als ein Weibchen zu beeindrucken. Das auffällige Gefieder enttarnt die Männchen aber auch und macht sie zu leicht zu entdeckenden Beutetieren. Die erst in zweiter Linie wirkende Natürliche Selektion wirkt dabei als &#8222;zusätzliche Stellschraube&#8220;. Die Färbung, der am ehesten die Gratwanderung zwischen Schönheit und gefährlicher Auffälligkeit gelingt, wird einer Art eigen.<br />
An Anolis-Leguanen auf den Großen Antillen haben Jonathan Losos und sein Team nicht nur die sog. Konvergenz erforscht &#8211; das ist das Phänomen, dass sich an verschiedenen Orten mit ähnlichen Bedingungen auch ähnliche Arten entwickeln &#8211; sondern auch entdeckt, dass die Evolution extrem schnell ablaufen kann, und innerhalb weniger Generationen völlig neue Arten entstehen können. Das zeigt, dass die <em>female choice</em> nach optischen Kriterien extrem flexibel reagieren kann, und eine Art nicht sofort vor dem Aussterben stehen muss, wenn sich die Bedingungen kurzfristig ändern.</p>
<p>Übertragen auf uns Menschen können wir sagen, dass auch eine Frau &#8222;schöne Männer&#8220; mit einem freundlichen Verhalten bevorzugt. Schönheit liegt dabei im Auge der Betrachterin und ist mehr als Optik. Im Patriarchat mit seiner rudimentären Form der <em>female choice</em> &#8211; wenn sie überhaupt gelebt werden darf &#8211; treten andere Kriterien wie Status und Vermögen hinzu, die bereits weitgehend von den natürlichen Eigenschaften eines Mannes abgetrennt sind. In dem Moment, wo die <em>female choice</em> aufgrund patriarchaler Zwänge und Werte nicht mehr frei gelebt werden kann und darf, sind die Grenzen zur <a class="textlink" href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2019/11/28/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung/" target="_blank" rel="noopener">MENSCHENZUCHT</a> überschritten.</p>
<h3 id="vg">2. Genetische Vielfalt und Gesundheit der menschlichen Population.</h3>
<p>Eine Frau, die ihre <em>female choice</em> frei auslebt, hat immer wieder neue Partner. Im Idealfall hat jedes ihrer Kinder einen anderen Vater. Die Chemotaxis selektiert dabei Männer, die besonders gut zu den Genen der Frau passen, d.h. sich unterscheiden. Eine starke Durchmischung der Gene und die exogame Sexualität &#8211; bei uns Menschen die matrilokale Ausübung der Exogamie &#8211; verhindern, dass zu häufig zwei Chromosomensätze aufeinandertreffen, die die gleichen Schäden aufweisen und daher nicht mehr kompensiert werden könnten. Die <em>female choice</em> verhindert in der Regel, dass Geschwister miteinander Sex haben. Im seltenen Falle einer Geschwisterliebe sind aber unter dem Idealfall verschiedener Väter statt zwei nun drei verschiedene Genpools an der Entstehung eines Kindes beteiligt, nämlich der der Mutter und die Genpools der beiden unterschiedlichen Väter.</p>
<h3 id="vs">3. Verhinderung von Schwangerschaft in belastenden Fällen.</h3>
<p>Bei starker Unterernährung und bestimmten Krankheiten aber auch bei extremer Arbeitsbelastung oder extremem Sport bleibt die Menstruation ganz aus und es kann keine Schwangerschaft zustande kommen. Sie würde die Frau lebensbedrohlich auszehren und auch für den Fötus stünden nicht genügend Nährstoffe zur Verfügung. Studien belegen, dass bei einem schlechten Ernährungszustand der Mutter die Wahrscheinlichkeit, ein Mädchen zu gebären steigt. Eine Ursache ist, dass männliche Föten die Schwangere mehr Energie kosten und daher häufiger von Fehlgeburten betroffen sind. Weitere Ursachen warten noch auf ihre Entdeckung. Eine empfängnisverhütende Wirkung hat aber vor allem das Stillen. Nicht das Stillen nach Zeitplan und auch nicht häufiges Stillen am Tage verhindert eine Schwangerschaft, sondern allein das Stillen rund um die Uhr, immer dann, wenn das Kind trinken möchte. Dies nützt rückkoppelnd Mutter und Kind, denn Mütter empfinden das Stillen, wenn es unbehindert stattfindet, als Steigerung des Wohlbefindens. Die Natur verlangt einer Frau also nicht ab, die Belastung mehrerer Kinder zur gleichen Zeit zu stemmen, und gestaltet ihre Arbeit zudem angenehm.</p>
<h3 id="zg">4. Artgemäßes Zahlenverhältnis der Geschlechter.</h3>
<p>In patriarchalen Gesellschaften gilt ein Mädchen wenig bis nichts. Der Vater bevorzugt Söhne, und eine Frau, die keine Söhne bekommt, wird dafür schuldig gesprochen. Eine patriarchalisierte Mutter bekommt solange Kinder, bis mindestens ein Sohn, der Erbe, geboren ist. Das sorgt zunächst für viele Töchter. Umgekehrt wird sie nicht absichtlich so viele Söhne bekommen, bis endlich eine Tochter dabei ist. Mädchen werden schlechter ernährt und in vielen Gesellschaften werden weibliche Föten heute abgetrieben, so dass mehr Mädchen im Kindesalter oder vor ihrer Geburt sterben als Jungen. Die <em>female choice</em> jedoch kennt keine Geschlechterdiskriminierung, allerdings kommt es bei einer schlechten Ernährung der Mutter häufiger zu Fehlgeburten, wovon männliche Föten stärker betroffen sind (siehe Punkt 3). Zudem sind bis zum Erwachsenenalter Jungen gefährdeter als Mädchen, und zwar aufgrund ihrer Konstitution und aufgrund ihres Verhaltens. Es werden also in der Natur etwas mehr Mädchen als Jungen geboren und erwachsen. Dies gleicht einerseits die (in der Natur allerdings geringe) Müttersterblichkeit aus, und ist andererseits in der Gruppe von Vorteil, weil Mädchen sich stärker an der Betreuung von Geschwistern beteiligen.<br />
Gerade entdeckt wurde die Strategie der Cryptic Female Choice beim Asiatischen Baumwollwurm, mittels vererbter Viren-RNA männliche Embyonen abzutöten. Ähnliche Strategien sind auch bei anderen Insektenarten länger bekannt. (Vgl. RND/DPA 2023)<br />
Da Spermien mit Y-Chromosom leichter sind als mit X-Chromosom, können Reproduktionsmediziner das Geschlecht vor der künstlichen Befruchtung <a href="https://nationalgeographic.de/wissenschaft/2023/04/das-geschlecht-des-babys-beeinflussen-studie-stellt-neue-treffsichere-methode-vor/" target="_blank" rel="noopener">herausfiltern</a>. Dieser Gewichtsunterschied kann auch auf natürlichem Wege dem Ei signalisieren, ob es sich um ein &#8222;männliches&#8220; oder &#8222;weibliches&#8220; Spermium handelt. Auf diese Weise könnte das Ei das Geschlecht wählen, dies ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Eine <a href="https://hsph.harvard.edu/news/biological-sex-at-birth-isnt-random-study-finds/" target="_blank" rel="noopener">Studie</a> von 2025 zeigt jedoch bereits, dass <span dir="auto"><span class="" dir="auto">das Geschlecht eines Kindes offenbar mit dem Alter der Mutter, bestimmten Genen und dem Geschlecht der älteren Geschwister zusammenhängt.</span></span></p>
<h3 id="uev">5. Verhinderung von Überbevölkerung.</h3>
<p>Eine Frau, die ihre <em>female choice</em> lebt, hat nicht mehr Sex als eine patriarchale Frau, sondern weniger. Im patriarchalen Ehebett ist die Ehefrau den sexuellen Begierden ihres Mannes schutzlos ausgeliefert. Er glaubt, ein Recht auf Sex zu haben, sie glaubt, ihm dies geben zu müssen. Entsprechend schnell wird sie kurz aufeinanderfolgend und damit häufiger schwanger. Ein Kind ist die beste Verhütung, diesen Spruch kennen dagegen viele moderne Eltern, angeblich eine Folge von Überlastung und Müdigkeit. Unter natürlichen Bedingungen schläft der Vater gar nicht im Bett der Mutter, sondern dort liegt ihr Kind. Denn mit dem Ende der Verliebtheit nach ca. 3 Monaten geht auch das Bedürfnis der Frau mit diesem Mann zu schlafen stark zurück bzw. verschwindet ganz. Daher ist das Paar meist schon lange getrennt, wenn die Geburt stattfindet. Das Baby hat daher jederzeit Zugang zur Milchquelle, auch wenn die Mutter schläft. In dieser bis zu fünf Jahre dauernden Stillzeit bewirken die Still-Hormone, dass die Mutter nicht schwanger wird (siehe Punkt 3) und sie hat oft auch keinen neuen Liebhaber, weil sie in ihr Baby verliebt ist. Die menschliche Natur kennt zudem keinen Zwang zur Mutterschaft. Viele Frauen bleiben unter natürlichen Bedingungen kinderlos. Der <em>female choice</em> kommt aus diesen Gründen die Schlüsselstellung bei der Verhinderung von Überbevölkerung und deren Folgen zu.</p>
<h3 id="sfk">6. Matrifokalität: Solidarität, Fürsorge und Kooperation.</h3>
<p>Der Mensch ist ein sehr soziales Wesen, das ohne eine Fokussierung auf die Frau mit ihrem Kind, also auf die Mutter, in der Wildnis nicht hätte überleben können. Die lange Baby- und Kleinkindphase machte es erforderlich, dass die Gruppe auf das Wohlergehen von Mutter und Kind ausgerichtet war. Mütter haben das Überleben der Gruppe gesichert, indem sie auch als Großmütter, Schwestern, Töchter und Cousinen der mütterlichen Linie zusammenhielten und sich gegenseitig über die lange Kleinkind- bzw. Stillzeit hinweghalfen. In der &#8222;Sippe&#8220; genannten Gruppe hielten auch die männlichen Mitglieder solidarisch zu ihnen und fühlten sich für die blutsverwandten Kinder mitverantwortlich, obwohl es nicht ihre leiblichen Kinder waren.</p>
<p>Unter der <em>female choice</em> binden sich Frauen nicht lange an Männer und haben dafür wechselnde Liebhaber. Daher ist der biologische Vater eines Kindes unsicher oder unbekannt. Alle Kinder einer Mutter gelten als Vollgeschwister und sie führen sich auf sie allein zurück. Eine Mutter wird für ihre Schwangerschaft nicht im negativen Sinne verantwortlich gemacht, sondern es gilt als selbstverständlich, dass eine Frau Kinder bekommt. Diese Kinder sind in der Sippe hochwillkommen. Jedes Kind wird geachtet und geliebt, und von allen, auch den männlichen Mitgliedern betreut. Die Natur bürdet also die Belastung durch die Kinder nicht der Mutter alleine auf.<br />
In matrifokalen Gemeinschaften sind alle Menschen über die Mutter blutsverwandt. Der biologische Vater hat keine Bedeutung, also können Väter keinen Einfluss auf ihre Kinder ausüben. Das Vaterrecht ist also kein Naturgesetz, sondern kulturell hergestellt. Das heißt aber nicht, dass die Männer generell keine Bedeutung hätten. Sippen sind egalitäre Gemeinschaften, denn die Männer haben hier ein anderes Selbstverständnis. Sie fühlen sich als Söhne, Brüder, Onkel und Cousins und kümmern sich um alle Kinder der Sippe, können aber keine Macht über sie ausüben, denn sie können ihre Angehörigen nicht mit dem Entzug eines Erbes erpressen oder andere Machtmittel einsetzen, vor allem aber fehlt ihnen das Verlangen danach. Auch die Mütter üben keine Macht aus, sondern haben aufgrund ihres Status als Urmütter der Sippe, der Bindung der Kinder an sie und ihres Wissens Autorität. Statt Hierarchien gibt es also Autoritäten, die aber auch männlich sein können.</p>
<p>Stets wird die überragende Bedeutung der Jagd für die Entwicklung unseres Sozialverhaltens beschworen. Sie ist aber allenfalls zweitrangig.</p>
<blockquote><p>Auch wenn der Jäger noch so geschickt ist, ist das Aufspüren und Töten von Beutetieren ein riskantes Unterfangen mit unbestimmtem Ausgang. Ein Mann kann jeden Tag auf die Jagd gehen und trotzdem wochenlang mit leeren Händen heimkehren. Ein Jäger (&#8230;) kann sich den Misserfolg leisten, weil er davon ausgehen kann, einen Anteil an den von den Frauen gesammelten Früchten, Nüssen und Knollen zu erhalten, und auch weil andere Männer an diesem Tag mehr Glück haben mögen.<cite>BLAFFER HRDY 2010, S. 27</cite></p></blockquote>
<p>In ihrem Buch &#8222;Mutter Natur&#8220; weist Sarah Blaffer Hrdy daraufhin, dass es den Jägern weit mehr um &#8211; wörtlich &#8211; Angeberei geht, als darum, Fleisch für die Kinder ins Lager zu tragen (BLAFFER HRDY 2000, S. 312).<br />
Wir können davon ausgehen, dass die Jagd überwiegend eine sexuelle Aufgabe erfüllte. Die Männer verlassen die Sippe für Sex und die Jagd, und schließen sich mit Männern anderer Sippen zusammen, um den Jagderfolg zu erhöhen. Männer haben daher Übung in friedlichen Außenkontakten: sich einander fremde Männer entwickelten gegenseitiges Vertrauen und Männerfreundschaften, eine selektierte Eigenschaft, die von der Sippe entsprechend genutzt wurde, ohne dass die Männer daraus Macht bezogen hätten.<br />
Sie bekamen damit Zutritt in andere Sippen zu ihnen nicht verwandten Frauen. Auf diese Weise wurde die matrilokale Ausübung der Exogamie gefördert. Ein Mann, der viele männliche Freunde in anderen Sippen hatte, hatte auch häufiger Gelegenheit, eine Frau kennenzulernen.</p>
<p>Sex wurde aber nicht gegen Fleisch getauscht, wie es gerne phantasiert wird. Ein solches Tauschgeschäft wäre nicht im Gleichgewicht mit der <em>female choice</em>. Die Ernährung bestand zu 75% aus von Frauen gesammelter Nahrung. Tierisches Eiweiß stand dabei auch über von Frauen gesammelte oder gefangene Kleintiere und Eier zur Verfügung.</p>
<p>Die Kooperation in der Sippe bedeutete, dass Mütter immer auch Zeit für anderes hatten. So gilt heute als gesichert, dass sie die wesentlichen Erfindungen der Menschheit machten, die den Menschen von der übrigen Fauna unterscheiden: die Tragevorrichtung für das Baby, Tragebeutel und Sammeltasche in einem, mit dem die Mutter die Hände frei bekam, die Herstellung von Kleidung aus Pflanzenfasern und Tierfellen, das Zelt, die Flechtkunst, die Fischreuse, die Weberei, das Kochen, die Töpferei und die bildende Kunst. Frauen stellten die Werkzeuge ihrer Technologien selbst her. Als Kennerinnen der Pflanzenwelt und als Hebammen erfanden sie die Medizin und durch Mondbeobachtung den Menstruationskalender. Als Heilerinnen und Schamaninnen waren sie spirituelle Autoritäten. Sie stellten ihre Produkte anderen zur Verfügung: wo ein Problem war, halfen sie selbstlos. Zu Beginn der Jungsteinzeit erfanden sie die Landwirtschaft in Hack- bzw. Gartenbau und zogen Tierkinder auf, die sie in der Wildnis gefunden hatten. Sie waren am Hausbau beteiligt, indem sie Flechtwände herstellten, mit Lehm abdichteten und Dächer mit ihren geflochtenen Matten oder mit Stroh abdeckten.<br />
Die Menschheit wanderte, so geht es aus Berechnungen hervor, etwa 10 km pro Generation voran. Diese Wanderung, der Auszug aus Afrika, geht auf die Frauen zurück, wie genetische Untersuchungen es aufdeckten. Nicht Verheiratung bzw. Patrilokalität waren dafür der Grund, sondern ihre Neugier, die Notwendigkeit der Suche nach neuen Sammelgründen, bei denen sie nebenbei auch Gelegenheit hatten, neuen Männern zu begegnen. Die Männer, die übers Jahr den festen Pfaden der Tiere folgten, kehrten dagegen stets zum Ursprung zurück. Die Suche nach neuen Jagdgründen wurde erst notwendig, wenn sich die Sippe zu weit von den alten entfernt hatte, bzw. wenn sich die naturräumlichen Bedingungen änderten. Männer wie Frauen beobachteten auch die Sterne, um sich orientieren zu können und aus Neugier. Die Männer entwickelten und perfektionierten schon früh ihre Jagdwaffen, stellten Werkzeuge zu deren Herstellung und zur Zerkleinerung der Jagdbeute her und erfanden zum Fischen auch das Boot, für das sie Bäume fällten. Sie erfanden wahrscheinlich auch die ersten Musikinstrumente, Flöten aus Vogelknochen. Wahrscheinlich tauschten Männer auch schon früh ihre Produkte. In der Jungsteinzeit waren sie am Hausbau beteiligt, sie errichteten die Pfostenwerke der Häuser aus dicken Baumstämmen. Das Hüten der wenigen Rinder gehörte zu ihren Aufgaben. Fern der Sippe wandten sie das als Kind erlernte Wissen an, um in der Wildnis wenige Tage überleben zu können, dazu gehörte das Sammeln und die Erstversorgung von Wunden.<br />
Die Arbeitsteilung der Geschlechter war bald ausgeprägt, aber wenige Frauen übten auch die Großwildjagd, während manche Männer z.B. auch Kleidung herstellten. Trotz der Arbeitsteilung gab es keinen Besitz, allen gehörte alles, weil alle alles zum Überleben brauchten. Die matrilineare Kooperation von Frauen und Männern ist in der Tierwelt einzigartig und macht den Erfolg der Menschheit aus.</p>
<h2 id="menschenrecht">Menschenrecht <em>female choice</em>.</h2>
<p>Die Zusammenarbeit beider Geschlechter in der Sippe, in der die Mütter und Kinder stets im Zentrum der Fürsorge standen, ist das Erfolgsgeheimnis der menschlichen Evolution, unseres Menschseins. Die <em>female choice</em> als Basis dieser Kooperation kommt also nicht der Frau allein zugute, sondern allen Menschen, denn der Mann kommt aus der Frau und nicht umgekehrt. Die <em>female choice</em> ist nicht nur ein Frauenrecht, sondern ein echtes Menschenrecht, und die Männer täten auch im eigenen Interesse gut daran, sie zu achten.</p>
<h2 id="irrtum">Patriarchat, der fatale Irrtum von der Frau als Gefäß des &#8222;Samens&#8220;.</h2>
<p>Die ersten Patriarchen überhaupt, nomadische Viehzüchter der eurasischen Steppe und der vorderasiatischen Bergwelten, glaubten dagegen erkannt zu haben, dass der Stier die Kuh, der Hengst die Stute oder der Widder das Schaf befruchtet, was ja &#8222;mit einer Frucht versehen&#8220; bedeutet, und verrannten sich in der Annahme, dass die Frau nur das Gefäß des Samens sei, gewissermaßen ein Obstkorb. Männliche Überheblichkeit wurzelt auf diesem Irrtum. Auf dieser Basis forderten <a class="textlink" href="explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht.htm" target="_blank" rel="noopener">vor 8200 Jahren</a> Männer erstmals das Vaterrecht ein, ein für die Evolution der Menschheit von <a class="textlink" href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2020/05/02/neue-studie-zeigt-die-matrifokalitaet-ist-ueber-3-millionen-jahre-alt/" target="_blank" rel="noopener">mindestens 3 Millionen Jahren</a> verschwindend kleiner Zeitraum.</p>
<p>Goethe schrieb im &#8222;Werther&#8220;:</p>
<blockquote><p>So sehnt sich der unruhigste Vagabund zuletzt wieder nach seinem Vaterlande und findet in seiner Hütte, an der Brust seiner Gattin, in dem Kreise seiner Kinder, in den Geschäften zu ihrer Erhaltung die Wonne, die er in der weiten Welt vergebens suchte. Wenn ich des Morgens mit Sonnenaufgange hinausgehe nach meinem Wahlheim und dort im Wirtsgarten mir meine Zuckererbsen selbst pflücke, mich hinsetze, sie abfädne und dazwischen in meinem Homer lese; wenn ich in der kleinen Küche mir einen Topf wähle, mir Butter aussteche, Schoten ans Feuer stelle, zudecke und mich dazusetze, sie manchmal umzuschütteln: da fühl&#8216; ich so lebhaft, wie die übermütigen Freier der Penelope Ochsen und Schweine schlachten, zerlegen und braten. Es ist nichts, das mich so mit einer stillen, wahren Empfindung ausfüllte als die Züge patriarchalischen Lebens, die ich, Gott sei Dank, ohne Affektation in meine Lebensart verweben kann.</p></blockquote>
<p>Goethe schrieb diese Sätze, die mit sexuellen Anspielungen gespickt sind und ein Nomadenleben zeichnen, ohne über die Entstehung des Patriarchats im Bilde gewesen zu sein!</p>
<p>Die Vorstellung von der Frau als Gefäß hielt mit den erobernden, nomadischen Indoeuropäern vor grob 6000 Jahren auch im ackerbäuerlichen Leben Einzug, wo die Ackerfurche mit den weiblichen Geschlechtsorganen gleichgesetzt wurde. Der Sämann wurde dort der Herr über das Leben der Pflanzen, wo ursprünglich die Frauen den Ackerbau ersannen und die Felder bestellten. Dabei ist der vermeintliche Samen im biologischen Sinne lediglich Pollen. Seine Unfähigkeit zu gebären, führte dem Patriarchen jedoch seine Abhängigkeit vor Augen. Der daraus resultierende Gebärneid wurde ideologisch verarbeitet. An dieser Stelle erfanden Patriarchen den männlichen Gott, <a class="textlink" href="venus-vom-hohle-fels.htm" target="_blank" rel="noopener">den es bis dahin gar nicht gab</a>, und die <a class="textlink" href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/01/17/warum-man-sich-von-gott-kein-bild-machen-soll/" target="_blank" rel="noopener">Theologie, die ihn legitimierte</a>.<br />
Regional unterschiedlich waren dies ein Sonnengott oder ein Wettergott (der Sonderfall des Vegetationsgottes war ihre Vorstufe). Diese Götter wurden nun schwanger und gebaren in Ermangelung der weiblichen Organe Kinder aus verschiedenen Körperteilen. Der darauf einsetzende Stillneid wurde mit dem Konzept des Wettergottes kompensiert, dessen Ejakulat mit der Milch gleichgesetzt wurde und der als Ursprung des fruchtbaren Regens ansehen wurde. Jetzt fühlte sich der Patriarch unsterblich und allmächtig, denn als Wettergott konnte er auch mit Sintfluten alles wieder zerstören. Nun begann der Mann auch den Menschen nach seinen Vorstellungen zu züchten. Dabei spielen bis heute die primären Geschlechtsorgane der Frau eine Rolle, aber auch ihre Intelligenz, die nicht zu hoch sein darf, sowie ihre Herkunft und ihre Mitgift. Schönheitsideale wurden entwickelt und selektiert. Daneben begann auch die Frau, den besonders kühnen und starken Ernährer zu bevorzugen, der zudem noch gewaltbereit war. &#8222;Er formte den Menschen nach seinem Bilde&#8220;, so steht es sinngemäß im Alten Testament.<br />
Heute wissen wir, dass die Vorstellung von der Frau als Gefäß nicht nur falsch ist, sondern dass wir mehr Mutter als Vater sind.</p>
<h2 id="mehrmutter">Deutlich mehr als 50% Mutter</h2>
<ul id="liste3">
<li>Mit ihrer <em>female choice</em> wählt eine Frau den Vater ihres Kindes aus &#8211; sie bestimmt also über die Zusammensetzung der Gene des Kindes &#8211; und mit der <em>cryptic female choice</em> auch über dessen Geschlecht.</li>
<li>Die Mitochondrien, also die Kraftwerke der Zelle, die Lebenskraft, werden immer nur von der Mutter vererbt.</li>
<li>Bei einer Tochter stammen etwas mehr als 50% der Gene im Zellkern von der Mutter, bei einem Sohn sogar deutlich weniger als 50% vom Vater, weil er von ihm lediglich das kleinere Y-Chromosom erbt. Auf dem X-Chromosom liegen <a href="https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Das-X-Chromosom-ist-fuer-die-Hirnfunktionen-ungewoehnlich-wichtig-334143.html" target="_blank" rel="noopener">1098 Gene</a>, auf dem Y-Chromoson nur 63 Gene. Bei allen Menschen sind im Schnitt 4,7 mitochondriale Einschübe in der Kern-DNA zu finden. Bei ca. jedem 4000. Menschen werden Teile der <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitochondrien-dna-torpediert-lehrmeinung/" target="_blank" rel="noopener">Mitochondrien-DNA in den Zellkern eingebaut</a> und väterliche Gene dabei anteilig verdrängt, wodurch ihr Gesamtanteil auch bei Mädchen unter 50% sinkt. Mit zunehmendem Alter <a href="https://www.scinexx.de/news/medizin/y-chromosom-verlust-macht-maenner-kraenker/" target="_blank" rel="noopener">verlieren sogar</a> immer mehr Körper- und Blutzellen der Männer ihr Y-Chromosom.</li>
<li>Im frühen Embryo laufen dramatische Reprogrammierungsprozesse ab, die fast vollständig unter mütterlicher Kontrolle, d.h. vom weiblichen Genom, gesteuert werden. Im Gegensatz zum Spermium liefert die befruchtete Eizelle nicht nur das mütterliche Genom, sondern auch die zelluläre Maschinerie für die Reprogrammierung von väterlichem und mütterlichem Genom. (paraphr. n. HAAF 2003, S. A2304)</li>
<li>Der für die Entstehung eines Kindes relevante männliche Anteil wiegt 3,65 Billionstel Gramm; das ist das Gewicht eines halben Chromosomensatzes. Die gesamte Masse des Kindes wird allein vom mütterlichen Körper gebildet. Das Kind ist &#8222;Fleisch und Blut&#8220; nur der Mutter.</li>
<li>Die Mutter trägt das Kind neun Monate. Das Genom wird während der Schwangerschaft epigenetisch verändert: Hormone der Mutter, Erleben der Mutter und Umweltfaktoren schalten Gene aus oder an.</li>
<li>Wir alle tragen Originalzellen unserer Mutter und Großmutter mütterlicherseits in uns. Diese Entdeckung wird Mikrochimärismus genannt. Die Zellen enthalten also nicht unseren eigenen DNA-Code. Das bedeutet, dass Männer weibliche Zellen in sich tragen, umgekehrt tragen die Mütter die Zellen ihrer Kinder in sich, was eine lebenslange körperliche Verbindung bedeutet, die Väter nicht herstellen können.</li>
<li>Bei der Geburt wird das Kind mit den lebensnotwendigen Darmkeimen der Mutter geimpft.</li>
<li>Die Mutter stillt und gibt dem Kind damit mehr als Geborgenheit und Nahrung: über die Milch nimmt es Immunglobuline und weitere Stoffe auf, die sein Leben prägen werden.</li>
<li>Die Mutter ist bei allen Sorgen und Nöten des Kindes der erste Anlaufpunkt. Es schöpft aus der Mutter sein Urvertrauen.</li>
</ul>
<h2 id="erzfeind">Die <em>female choice</em> als Erzfeind des Patriarchats.</h2>
<p>Die erste Maßnahme des Patriarchats war die Ausschaltung der <em>female choice</em>, salopp gesagt brachte es die weibliche Sexualität unter Kontrolle. Der Patriarch stellt mit der Ehe die &#8222;male choice&#8220; her, die es in der Natur nicht gibt. Zu Beginn des Patriarchats, in der mittleren Jungsteinzeit, war <a class="textlink" href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" target="_blank" rel="noopener">Frauenraub</a> die einzige Möglichkeit, eine Frau in die Ehe zu zwingen. Zahllose Massaker wie die von Talheim, Asparn Schletz, Schöneck-Kilianstätten oder Koszyce<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup> legen davon ein archäologisches Zeugnis ab; ein genetischer Flaschenhals der Y-Chromosomen vor 7000 Jahren belegt das genetisch. Das Patriarchat begann gewaltsam. Frauenraub ist auch in historischer Zeit und in der Gegenwart (Boko Haram, IS) belegt. Die Ehe im großflächig durchgesetzten Patriarchat wird manchmal durch Brautwerbung gestiftet, wobei die Frau ein Vetorecht besitzt. Diese rudimentäre Form der <em>female choice</em> bleibt der Frau bis zur Ehe, danach ist sie dem Ehemann verpflichtet. Doch dies ist die Ausnahme. Die Ehestiftung durch die Eltern findet oft schon zu einer Zeit statt, wo das Mädchen noch nicht weiß, was das für sie bedeutet. Auch die Verheiratung einer erwachsenen Tochter geschieht nie ohne Druck und meist sogar gegen ihren ausdrücklichen Willen. Die Liebesheirat als relativ junge Erfindung folgt der romantischen Vorstellung, einem Zurück zur Natur. Aber auch sie wird per Gesetz zementiert. Goethes Werther verklärt die patriarchalische Zeit der Antike. Dabei befindet er sich immer noch mittendrin im Patriarchat.</p>
<p>Statt mit unserer matrilinearen <b>Sippe</b>, haben wir es im Patriarchat mit der <b>Familie</b> zu tun, deren Oberhaupt der Vater ist und in Abwesenheit der Sohn. Die Familie versteht sich patrilinear und lebt daher auch patrilokal zusammen. Die Frauen befinden sich also in einem fremden Umfeld und sind fremden Männern und Frauen ausgeliefert, welche sie nicht nur befehligen, sondern auch Gewalt gegen sie ausüben. Junge Mütter arbeiten daher am meisten, in einer Zeit, wo ihre Kinder sie am dringendsten bräuchten. Da Frauen in der Altsteinzeit keine Solidarität mit fremden Frauen geübt haben, dieses Verhalten also nur rudimentär selektiert wurde, ist jede fern von ihrer Familie lebende Frau und Mutter bis heute überfordert. Selbst die väterliche Großmutter ist kein Ersatz für die Mutter der Mutter, und richtet sogar noch Schaden an (<a class="textlink" href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/29/die-schwiegermutter-neues-zur-grossmutterhypothese/" target="_blank" rel="noopener">Großmutter-These</a>). Eine Frau sucht sich Freundinnen, die ein Schwester-Ersatz sind, aber oft münden auch Freundschaften im Zickenkrieg. Die Überforderung äußert sich auch in einem schlechten Gewissen, wenn eine Mutter ihr Kind in die Kita bringt. Die Trennung der Mutter vom Kinde ist vom Patriarchat seit jeher gewollt, weil traumatisierte Kinder sich leichter einem Anführer unterordnen. Um die Trennung zu erleichtern, wird der Mutter das Muttersein unerträglich gemacht. Viele Frauen halten Muttersein heute für eine Bürde, die Männer dagegen beneiden sie um ihre Fähigkeit, und der Staat setzt alles daran, die Mutter zu eliminieren.</p>
<h2 id="auswirkungen">Zwischenmenschliche Auswirkungen der Unterdrückung der <em>female choice</em>.</h2>
<p>Die sexuelle Unterdrückung ist kein naturgegebenes Verhalten, wäre dies der Fall, gäbe es die vielen Probleme nicht, die damit verbunden sind. Auch die meisten Zivilisationskrankheiten, Epidemien sowie psychologischen Probleme stehen mit dem Patriarchat in Verbindung. Die Evolution selektierte keine entsprechende verhaltensbiologische Anpassung daran, und auch der weibliche Körper ist nicht an widerwilligen Sex angepasst. Aber heißt das lediglich, dass das <a class="textlink" href="explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht.htm" target="_blank" rel="noopener">8200jährige Patriarchat</a> noch zu jung ist, als dass die Evolution darauf hätte reagieren können? Müssen wir ihr nur mehr Zeit geben? Die <i>female choice</i> ist ein <b>Urinstinkt</b>, der so tief in der Phylogenese aller Lebewesen verankert ist, dass er nicht weggezüchtet werden kann. Und das ist auch gut so, denn in der <i>female choice</i> liegt die einzig humanitäre Lösung aller menschengemachten Probleme, z.B. auch der Umweltzerstörung.</p>
<p>Schon am Anfang des Patriarchats steht die <a class="textlink" href="gewalt.htm" target="_blank" rel="noopener">Gewalt</a> und zwar zunächst mit Entführungen und Vergewaltigung von Frauen und der Tötung ihrer Brüder und Mütter. Mit der Überwachung der Jungfräulichkeit und der vielfach tödlichen Sanktionierung ihres Verlustes vor der Ehe, mit Genitalverstümmelung, Prügeln, Psychoterror, Vergewaltigungen und Erpressung bzw. Androhung der Wegnahme der Kinder wird der Zustand aufrechterhalten. Männer opfern, töten oder missbrauchen ihre Kinder. Die Religionen halten die Heiligen Bücher bereit, in denen die frauenfeindlichen Sitten wie die Züchtigung, das Menstruationstabu oder die Verschleierung vorgeschrieben sind. Die Gewalt steht auch am Ende. Die Last der Kindererziehung liegt in der Familie auf zwei eigentlich fremden Personen, wobei die Mutter die Hauptlast trägt. Konkurrenzkampf und Leistungsdruck terrorisieren jede Familie und entsprechend gering ist die innerfamiliäre Solidarität mit allen psychischen Folgen. Mann und Frau geben sich für die insgesamt unbefriedigende und prekäre Situation meist gegenseitig die Schuld. Und der Mann beschuldigt die Frau, keine Lust mehr zu haben. Die Probleme werden wieder mit Gewalt &#8222;gelöst&#8220;, gegen die Frau, weit seltener gegen den Mann. Mit Prostitution wird das Problem nur umgelenkt. Frauen werden krank und/oder entziehen sich mit Verweigerung, ständigem Streit mit der Familie, Flucht, Selbstmord oder Selbstverteidigung, die aber häufig als Mord abgeurteilt wird, und sie töten ihre Kinder, gezwungenermaßen oder aus Verzweiflung.<br />
Die Frauen dieser Welt sind Kindeskinder von Entführungsopfern des Patriarchats. Als solche sind sie von einem kollektiven Stockholm-Syndrom befallen (Link 1: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html" target="_blank" rel="noopener">Zur peer-reviewten Studie aus HUMAN NATURE</a>, Link 2: <a href="https://www.researchgate.net/publication/267777559_Fitness_Costs_of_Warfare_for_Women" target="_blank" rel="noopener">Original-Studie zum Download</a> Link 3: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Begriff bei Wikipedia</a>, Link 4: nach <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2018/05/10/die-natuerliche-matrifokalitaet-besonderheit-der-menschlichen-spezies/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stephanie Gogolin</a>). Dies erklärt auch die Mitarbeit der Frauen am patriarchalen System und die Verteidigung patriarchaler Werte durch Frauen, wie wir sie z.B. bei &#8222;petit_fleur&#8220; gesehen haben.</p>
<h2 id="gewalt">Gewalt durch Gesetzgebung und Normalität.</h2>
<p>In vielen Gesellschaften ist es der Frau bis heute nicht erlaubt, sich scheiden zu lassen. Viele Frauen werden hingerichtet, weil sie vergewaltigt wurden oder fremdgegangen sind. Die Vergewaltigung in der Ehe gilt dort nicht als Verbrechen, Sex in der Ehe ist Pflicht. Auch in Deutschland gilt der Sex in der Ehe als Kriterium für eine intakte Ehe, er ist eine &#8222;rechtliche Erwartung&#8220;, wenngleich er nicht mehr einklagbar ist, weil die Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt wurde. Dafür bzw. trotzdem nimmt nun die häusliche Gewalt wieder zu. Die <em>female choice</em> ist auch nicht in der UN-Menschenrechtscarta geschützt. Dies wundert nicht, wird dieses Papier doch von Patriarchen abgestimmt.<br />
Ein Menschenrecht wird erst UN-Recht, wenn auch die Männer für sich selbst darin einen Vorteil erkennen. Es sind also die Anthropologen gefragt, dieses Wissen entsprechend zu vermitteln. Eine Aufnahme in die Lehrpläne ist längst überfällig. Die mit der Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai berühmt gewordene Forderung nach dem Schulrecht für Mädchen gehört dazu.</p>
<h2 id="schluss">Schluss.</h2>
<p>Wir ahnen jetzt, dass unserem Werther nicht mehr Patriarchat, sondern KEIN Patriarchat geholfen und das Leben gerettet hätte. Von ihren urologischen Problemen befreit wären auch zahllose Frauen, von denen die Pharmaindustrie so prächtig lebt. Dies sind nur Beispiele; die zahllosen, schweren Probleme der Menschheit sind auf das Patriarchat zurückzuführen. Mit diesem Wissen steht die Lösung schon im Raum.</p>
<p>G. U.</p>
<p>Erstfassung 2015, fortlaufende Aktualisierungen</p>
<h3 id="kritik">Das könnte Sie auch interessieren</h3>
<p><a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice" rel="noopener">&#8222;Antwort auf Meike Stoverocks &#8218;Female Choice&#8216; (2021)&#8220;</a></p>
<h2 id="literatur">Literatur.</h2>
<ul id="liste4">
<li>Alt, Kurt <em>et al.</em>: Insights into the Social Structure of the PPNB Site of Kfar HaHoresh, Israel, Based on Dental Remains. Online-Ressource auf Plos One vom 16.09.2015<a href="https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0134528" target="_blank" rel="noopener">https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0134528</a></li>
<li>Arnold, Carrie: Females&#8216; Eggs May Actively Select Certain Sperm. New evidence challenges the oldest law of genetics. Auf: theatlantic.com vom 25.11.2017 <a class="textlink" href="https://www.theatlantic.com/science/archive/2017/11/choosy-eggs/546062/" target="_blank" rel="noopener">https://www.theatlantic.com/science/archive/2017/11/choosy-eggs/546062/</a><br />
abgerufen am 31.5.2019</li>
<li>Bayer, Johanna: Der Spermien-Mythos. Kein Kampf, kein Wettschwimmen. Auf: WDR-online. 26. Juli 2011<br />
<a class="textlink" href="https://www1.wdr.de/fernsehen/wissen/quarks/sendungen/spermien102.html" target="_blank" rel="noopener">https://www1.wdr.de/fernsehen/wissen/quarks/sendungen/spermien102.html</a></li>
<li>Beicht, Layla: Untersuchung zur Sexualhygiene bei arabischen und deutschen Patientinnen. Dissertation München 2006<br />
<a href="https://edoc.ub.uni-muenchen.de/6487/1/Beicht_Layla.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://edoc.ub.uni-muenchen.de/6487/1/Beicht_Layla.pdf</a></li>
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mutter Natur. Die weibliche Seite der Evolution. Berlin 2000</li>
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere. Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat. Berlin 2010</li>
<li>Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter. Norderstedt 2009</li>
<li>Dugatkin, Lee Alan; Godin, Jean-Guy J.: Wie Weibchen Partner wählen. In: Spektrum der Wissenschaft. 1998, Heft 6, S. 72-77. <a class="textlink" href="https://www.spektrum.de/magazin/wie-weibchen-partner-waehlen/824605" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/magazin/wie-weibchen-partner-waehlen/824605</a></li>
<li>Europäische Kommission: Schöne neue Welt? Prototyp einer künstlichen Gebärmutter bietet Hoffnung für Frühgeborene. https://cordis.europa.eu/article/id/411541-brave-new-world-artificial-womb-prototype-offering-hope-for-premature-babies/de 1.10.2019</li>
<li><span class="x193iq5w xeuugli x13faqbe x1vvkbs x1xmvt09 x1lliihq x1s928wv xhkezso x1gmr53x x1cpjm7i x1fgarty x1943h6x xudqn12 x3x7a5m x6prxxf xvq8zen xo1l8bm xzsf02u x1yc453h" dir="auto">Fitzpatrick, J. L.; Evans, J. P.; Short, R. V.: Chemical signals from eggs facilitate cryptic female choice in humans. In: Proceedings of the Royal Society B, 287, Online-Ressource vom 08.05.</span><span class="x193iq5w xeuugli x13faqbe x1vvkbs x1xmvt09 x1lliihq x1s928wv xhkezso x1gmr53x x1cpjm7i x1fgarty x1943h6x xudqn12 x3x7a5m x6prxxf xvq8zen xo1l8bm xzsf02u x1yc453h" dir="auto">2020</span><span class="x193iq5w xeuugli x13faqbe x1vvkbs x1xmvt09 x1lliihq x1s928wv xhkezso x1gmr53x x1cpjm7i x1fgarty x1943h6x xudqn12 x3x7a5m x6prxxf xvq8zen xo1l8bm xzsf02u x1yc453h" dir="auto"> auf <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32517615/" target="_blank" rel="noopener">https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32517615/</a></span></li>
<li>Gimbutas, Marija: Die Zivilisation der Göttin. Dt. Ausg. Frankfurt 1996</li>
<li>Goethe, Johann Wolfgang von: Die Leiden des jungen Werther. Auf: Gutenberg-Projekt. <a class="textlink" href="https://www.gutenberg.org/cache/epub/2407/pg2407.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.gutenberg.org/cache/epub/2407/pg2407.html</a></li>
<li>Grätzel von Grätz, Philipp: Das X-Chromosom ist für die Hirnfunktionen ungewöhnlich wichtig. In: ÄrzteZeitung, online-Ressource vom 22.04.2005, abgerufen am 23.02.2023. https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Das-X-Chromosom-ist-fuer-die-Hirnfunktionen-ungewoehnlich-wichtig-334143.html</li>
<li>Haaf, Thomas: Geschlechterkonflikt im frühen Embryo. Elternspezifische Reprogrammierung des väterlichen und mütterlichen Erbguts nach der Befruchtung. In: Deutsches Ärzteblatt 2003; 100: A 2300-2308 [Heft 36]
<a href="https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&amp;wo=17&amp;typ=16&amp;aid=38271&amp;s=geschlechterkonflikt" target="_blank" rel="noopener">https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&amp;wo=17&amp;typ=16&amp;aid=38271&amp;s=geschlechterkonflikt</a></li>
<li>Hatt, Hanns; Dee, Regine: Niemand riecht so gut wie du. Aus: Spektrum der Wissenschaft online vom 09.01.2019, abgerufen am 31.5.2019 <a class="textlink" href="https://www.spektrum.de/kolumne/die-magie-der-duftbotschaften-niemand-riecht-so-gut-wie-du/1617470" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/kolumne/die-magie-der-duftbotschaften-niemand-riecht-so-gut-wie-du/1617470</a></li>
<li>Heidinger, Felix; Sommer, Volker: Strategien der Liebe. Zweiteilige Dokumentation 2001</li>
<li>Iven, Jens Peter: Fehlgeburt: Das Trauma vieler Schwangerer. Auf: Urbia<br />
<a href="https://www.urbia.de/magazin/schwangerschaft/fehlgeburt-das-trauma-vieler-schwangerer" target="_blank" rel="noopener">https://www.urbia.de/magazin/schwangerschaft/fehlgeburt-das-trauma-vieler-schwangerer</a> Stand 2015</li>
<li>Losos, Jonathan B.: Wenn die Evolution sich wiederholt. In: Spektrum der Wissenschaft 5 / 2001, S. 36-42; <a href="https://www.spektrum.de/magazin/wenn-die-evolution-sich-wiederholt/827563" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/magazin/wenn-die-evolution-sich-wiederholt/827563</a>, abgerufen am 23.02.2023</li>
<li>Merkelt, Judith: Mikrochimärismus. Wir Omamutterkind-Mischwesen. Online in:<br />
<a href="https://www.spektrum.de/news/wir-omamutterkind-mischwesen/1345475" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/news/wir-omamutterkind-mischwesen/1345475</a> 10.05.2015</li>
<li>Parson, P; Hoffmann-Ammann, B.: Dogma bestätigt: Nur Mütter vererben mitochondriale DNA. Publikation der Medizinischen Universität Innsbruck online vom 12.03.2021 <a href="https://www.i-med.ac.at/mypoint/news/751726.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.i-med.ac.at/mypoint/news/751726.html</a></li>
<li>Podbregar, Nadja: Mitochondrien-DNA torpediert Lehrmeinung &#8211; Anders als gedacht kann mitochondriale DNA in das Zellkern-Erbgut eingebaut werden. In: Scinexx.de vom 07.10.2022 <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitochondrien-dna-torpediert-lehrmeinung/" target="_blank" rel="noopener">https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitochondrien-dna-torpediert-lehrmeinung/</a></li>
<li>Podbregar, Nadja: Y-Chromosom: Verlust macht Männer kränker &#8211; Im Alter wegmutiertes Geschlechtschromosom schädigt Herz und Organe. In: Scinexx.de vom 15.07.2022 <a href="https://www.scinexx.de/news/medizin/y-chromosom-verlust-macht-maenner-kraenker/" target="_blank" rel="noopener">https://www.scinexx.de/news/medizin/y-chromosom-verlust-macht-maenner-kraenker/</a></li>
<li>Prum, Richard O.: The Evolution of Beauty. How Darwin’s Forgotten Theory of Mate Choice Shapes the Animal World – and Us. New York 2017</li>
<li>RND/DPA: Männerkiller im Gewächshaus entdeckt &#8211; Ein Virus tötet ausschließlich Männchen – aber warum? Auf: Redaktionsnetzwerk Deutschland rnd.de vom 10.11.2023 <a class="textlink" href="https://www.rnd.de/wissen/virus-toetet-ausschliesslich-maennchen-aber-warum-DYVHKLO6ARGJZGJVLIVAKVW4NY.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.rnd.de/wissen/virus-toetet-ausschliesslich-maennchen-aber-warum-DYVHKLO6ARGJZGJVLIVAKVW4NY.html</a> abgerufen am 10.11.2023</li>
<li>Schulz, Matthias: Multikulti in der Steinzeit. In: Der Spiegel Nr. 6, 31.1.2015, S.118-119 <a class="textlink" href="https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-131578982.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-131578982.html</a></li>
<li>Schwarzer, Alice: Ask Alice! Gibt es ein Menschenrecht auf Sex? In: EMMA online vom 4. Mai 2015 <a href="https://www.emma.de/artikel/ask-alice-gibt-es-ein-menschenrecht-auf-sex-330063" target="_blank" rel="noopener">https://www.emma.de/artikel/ask-alice-gibt-es-ein-menschenrecht-auf-sex-330063</a> abgerufen am 4. Mai 2015</li>
<li>Seewald, Berthold: So wehren sich gefangene Frauen gegen die Peiniger. Über Jahrtausende hinweg waren Frauen Opfer feindlicher Übergriffe. Aus dieser Erfahrung heraus entstanden Überlebensstrategien wie das Stockholm-Syndrom, sagt eine Evolutionspsychologin. Aus: WELT online, veröffentlicht am 26.11.2014 <a class="textlink" href="https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html</a></li>
<li>Small, Meredith F.: Female choices. Sexual Behavior of female Primates. Ithaca/London 1995</li>
<li>Spiegel-Online: Höhen-Gen: Urmenschen-Erbe gibt Tibetern Kraft<br />
<a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/hoehen-gen-der-tibeter-stammt-vondenisova- menschen-sibiriens-a-978933.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/hoehen-gen-der-tibeter-stammt-vondenisova-<br />
menschen-sibiriens-a-978933.html</a> 03.07.2014</li>
<li>von Streit, Cornelia: Der Mythos vom Jungfernhäutchen. Trends über die Jahrhunderte bis heute. In: Terre des Femmes. Frauensolidarität 2/2009. S. 22-23<br />
<a href="https://www.frauenrechte.de/images/downloads/zeitschriften/Frauensolidaritaet-108-Mythos-Jungfernhaeutchen.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://www.frauenrechte.de/images/downloads/zeitschriften/Frauensolidaritaet-108-Mythos-Jungfernhaeutchen.pdf</a></li>
<li>Sugiyama, Michelle Scalise: Fitness Costs of Warfare for Women. In: Human Nature 25(4), 11/2014. DOI: 10.1007/s12110-014-9216-1 <a class="textlink" href="https://www.researchgate.net/publication/267777559_Fitness_Costs_of_Warfare_for_Women" target="_blank" rel="noopener">https://www.researchgate.net/publication/267777559_Fitness_Costs_of_Warfare_for_Women</a></li>
<li>Suhr, Valerie; Valentiner, Dana-Sophia: Sex in der Ehe als rechtliche Erwartung. Online auf: Forum Recht 02/14<br />
<a href="https://forum-recht-online.de/wp/wp-content/uploads/2014/06/FoR1402_54_Suhr- Valentiner.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://forum-recht-online.de/wp/wp-content/uploads/2014/06/FoR1402_54_Suhr-Valentiner.pdf</a></li>
<li>Tanner, Nancy M.: Der Anteil der Frau an der Entstehung des Menschen. Eine neue Theorie zur Evolution. Frankfurt/M., New York 1994</li>
<li>Terre de Femme: <a href="https://www.frauenrechte.de/unsere-arbeit/themen/gewalt-im-namen-der-ehre/mythos-jungfraeulichkeit/informationen-fuer-maedchen/aktuelle-beitraege">Gewalt im Namen der Ehre: Mythos Jungfräulichkeit</a>. Online-Ressource abgerufen am 11.07.2021</li>
<li>Uhlmann, Berit: Mädchen oder Junge. Kann man das Geschlecht des Kindes beeinflussen? In: Süddeutsche Zeitung online. 23. April 2012<br />
<a href="https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/maedchen-oder-junge-kann-man-dasgeschlecht- des-kindes-beeinflussen-1.1310115" target="_blank" rel="noopener">https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/maedchen-oder-junge-kann-man-dasgeschlecht-des-kindes-beeinflussen-1.1310115</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Vorpatriarchale Kulturleistungen der Frau: In: Schacht, Johanna: Europa heißt die Weitblickende. Norderstedt 2012</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte. Norderstedt 2012</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat. Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt.<br />
Norderstedt 2015</li>
<li>Verrijt, Harrie: Miljoenen om Eindhovense kunstbaarmoeder verder te ontwikkelen. In: Eindhovens Dagblad online vom 08.10.2019 <a href="https://www.ed.nl/economie/miljoenen-om-eindhovense-kunstbaarmoeder-verder-te-ontwikkelen~abb38260/" target="_blank" rel="noopener">https://www.ed.nl/economie/miljoenen-om-eindhovense-kunstbaarmoeder-verder-te-ontwikkelen~abb38260/</a></li>
<li>Yousafzai, Malala; Guggenheim, Davis: Malala &#8211; Ihr Recht auf Bildung. Dokumentarfilm 2015</li>
<li>Zeng <i>et al.</i>: Cultural hitchhiking and competition between patrilineal kin groups explain the post-Neolithic Y-chromosome bottleneck. Nature Communications Vol. 9, Article number: 2077 (2018)<a class="textlink" href="https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6" target="_blank" rel="noopener"> https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6</a> Abgerufen am 1.10.2018</li>
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    "articleSection" : [ "Blasenentzündung nach Sex bei der Frau", "Diese Frau glaubt also, dass ein Mann ein Recht auf Sex hätte, womit sie tief in ein Dilemma gerät.", "Honeymoon-Zystitis", "Immer wieder wird behauptet, der Sinn der female choice bestünde darin, dass die Frau einen starken Mann auswählen muss, der ihre Kinder am besten ernähren kann. Diese Behauptung beruht auf der falschen Annahme, dass es schon in der Altsteinzeit die Familie aus Vater, Mutter und Kind gab.", "Im Schnitt ist dennoch jedes zehnte Kind ein Kuckuckskind, das Ergebnis der heimlich ausgeübten female choice. Die Anthropologen nennen das \"Gen-Shopping\".", "Als Platzhirsche, die mit ihren stolzen Geweihen eindrucksvolle, martialisch wirkende Rangkämpfe austragen, werden sie häufig als \"Patriarch\" oder als \"Chef\" bezeichnet. Aber auch der Hirsch kann sich nicht gegen den Willen der Hirschkuh mit ihr paaren und sie paart sich am Rande des Kampfplatzes auch mit anderen Hirschen. 
    Denn ein einzelnes Männchen hat keine Handhabe, alle Weibchen gleichzeitig unter Kontrolle zu bekommen. Hirsche kümmern sich auch nicht um die Ernährung ihrer Kinder oder bestimmen über sie; das aber macht letztlich einen echten Patriarchen aus. Dennoch ist der männliche Hirsch ein zufriedenes und sogar eindrucksvolles Tier. Es wollte doch auch niemand behaupten, dass die Hirschkuh dem Hirschen Hörner aufsetzt, oder?", "Unter der freien female choice gibt es keinen Zwang zum Sex, sondern die freie Wahl des Partners, der Zeit, des Ortes und der Art von Sex. Unter frei gelebter female choice hat Sex beim Menschen keine soziale Funktion!", "Beim ersten persönlichen Kontakt analysiert eine Frau unbewusst die sog. chemotaktischen Signale eines Mannes.", "versteckte female choice", "cryptic female choice", "Nicht das schnellste Spermium gewinnt im Wettrennen, sondern die Spermien werden von der weiblichen Schleimhaut passiv transportiert und von ihrem sauren Milieu sogar angegriffen.", "Nicht das erste Spermium gelangt in die Eizelle, sondern dasjenige, welches sie hereinlässt.", "Beginnt die Eizelle sich danach zu teilen und wächst ein Embryo heran, prüft der weibliche Körper die Lebensfähigkeit des heranwachsenden Kindes und entscheidet, ob es zur Geburt kommen wird oder zu einer Fehlgeburt. Die meisten Frauen wissen gar nicht, dass sie schon viele Fehlgeburten hatten, ja es kommt aufgrund der unbewussten female choice zu mehr Fehlgeburten als zu Geburten.", "female choice", "female choice", "Auch beim Menschen ist die female choice keine rein persönliche Angelegenheit, vielmehr hat sie evolutionäre Tragweite: 1. Sie verändert das Aussehen und das Verhalten der Arten und bewirkt damit Vielfalt. 2. Sie sorgt für genetische Vielfalt und die Gesundheit der Population. 3. Sie verhindert eine Schwangerschaft in belastenden Fällen. 4. Sie sorgt für ein artgemäßes Zahlenverhältnis der Geschlechter. 
    5. Sie verhindert Überbevölkerung. 6. Sie führt zu Matrifokalität und damit zu größtmöglicher Solidarität unter den Sippenmitgliedern, zu Fürsorge und Kooperation.", "female choice", "female choice", "female choice", "In dem Moment, wo die female choice aufgrund patriarchaler Zwänge und Werte nicht mehr frei gelebt werden kann und darf, sind die Grenzen zur MENSCHENZUCHT überschritten.", "Eine Frau, die ihre female choice frei auslebt, hat immer wieder neue Partner. Im Idealfall hat jedes ihrer Kinder einen anderen Vater. Die Chemotaxis selektiert dabei Männer, die besonders gut zu den Genen der Frau passen, d.h. sich unterscheiden. Eine starke Durchmischung der Gene und die exogame Sexualität, bei uns Menschen die matrilokale Ausübung der Exogamie, verhindern, dass zu häufig zwei Chromosomensätze aufeinander treffen, die die gleichen Schäden aufweisen und daher nicht mehr kompensiert werden könnten. 
    Die female choice verhindert in der Regel, dass Geschwister miteinander Sex haben. Im seltenen Falle einer Geschwisterliebe sind aber unter dem Idealfall verschiedener Väter statt zwei nun drei verschiedene Genpools an der Entstehung eines Kindes beteiligt, nämlich der der Mutter und die Genpools der beiden unterschiedlichen Väter.", "Verhinderung von Schwangerschaft in belastenden Fällen.", "Artgemäßes Zahlenverhältnis der Geschlechter.", "Verhinderung von Überbevölkerung. Eine Frau, die ihre female choice lebt, hat nicht mehr Sex als eine patriarchale Frau, sondern weniger. Im patriarchalen Ehebett ist die Ehefrau den sexuellen Begierden ihres Mannes schutzlos ausgeliefert. Er glaubt, ein Recht auf Sex zu haben, sie glaubt, ihm dies geben zu müssen. Entsprechend schnell wird sie kurz aufeinanderfolgend und damit häufiger schwanger.", "Denn mit dem Ende der Verliebtheit nach ca. 3 Monaten geht auch das Bedürfnis der Frau mit diesem Mann 
    zu schlafen stark zurück bzw. verschwindet ganz.", "In dieser bis zu fünf Jahre dauernden Stillzeit bewirken die Still-Hormone, dass die Mutter nicht schwanger wird (siehe Punkt 3) und sie hat oft auch keinen neuen Liebhaber, weil sie in ihr Baby verliebt ist. Die menschliche Natur kennt zudem keinen Zwang zur Mutterschaft.", "Matrifokalität: Solidarität, Fürsorge und Kooperation. Der Mensch ist ein sehr soziales Wesen, das ohne eine Fokussierung auf die Frau mit ihrem Kind, also auf die Mutter, in der Wildnis nicht hätte Überleben können. Die lange Baby- und Kleinkindphase machte es erforderlich, dass die Gruppe auf das Wohlergehen von Mutter und Kind ausgerichtet war. Mütter haben das überleben der Gruppe gesichert, indem sie auch als Großmütter, Schwestern, Töchter und Cousinen der mütterlichen Linie zusammenhielten und sich gegenseitig über die lange Kleinkind- bzw. Stillzeit hinweg halfen. In der \"Sippe\" genannten Gruppe 
    hielten auch die männlichen Mitglieder solidarisch zu ihnen und fühlten sich für die blutsverwandten Kinder mitverantwortlich, obwohl es nicht ihre leiblichen Kinder waren.", "Unter der female choice binden sich Frauen nicht lange an Männer und haben dafür wechselnde Liebhaber. Daher ist der biologische Vater eines Kindes unsicher oder unbekannt. Alle Kinder einer Mutter gelten als Vollgeschwister und sie führen sich auf sie allein zurück.", "Das Vaterrecht ist also kein Naturgesetz, sondern kulturell hergestellt.", "In ihrem Buch \"Mutter Natur\" weist sie daraufhin, dass es den Jägern weit mehr um - wörtlich - Angeberei geht, als darum, Fleisch für die Kinder ins Lager zu tragen", "Auf diese Weise wurde die matrilokale Ausübung der Exogamie gefördert. Ein Mann, der viele männliche Freunde in anderen Sippen hatte, hatte auch häufiger Gelegenheit, eine Frau kennenzulernen. Sex wurde aber nicht gegen Fleisch getauscht, wie es gerne phantasiert wird. 
    Ein solches Tauschgeschäft wäre nicht im Gleichgewicht mit der female choice.", "Die Kooperation in der Sippe bedeutete, dass Mütter immer auch Zeit für anderes hatten. So gilt heute als gesichert, dass sie die wesentlichen Erfindungen der Menschheit machten, die den Menschen von der übrigen Fauna unterscheiden: Die Tragevorrichtung für das Baby, Tragebeutel und Sammeltasche in einem, mit dem die Mutter die Hände frei bekam, die Herstellung von Kleidung aus Pflanzenfasern und Tierfellen, das Zelt, die Flechtkunst, die Fischreuse, die Weberei, das Kochen, die Töpferei und die bildende Kunst. Frauen stellten die Werkzeuge ihrer Technologien selbst her. Als Kennerinnen der Pflanzenwelt und als Hebammen erfanden sie die Medizin und durch Mondbeobachtung den Menstruationskalender. Als Heilerinnen und Schamaninnen waren sie spirituelle Autoritäten. Sie stellten ihre Produkte anderen zur Verfügung: wo ein Problem war, halfen sie selbstlos. Zu Beginn der Jungsteinzeit erfanden 
    sie die Landwirtschaft in Hack- bzw. Gartenbau und zogen Tierkinder auf, die sie in der Wildnis gefunden hatten. Sie waren am Hausbau beteiligt, indem sie Flechtwände herstellten, mit Lehm abdichteten und Dächer mit ihren geflochtenen Matten oder mit Stroh abdeckten.", "Die Arbeitsteilung der Geschlechter war bald ausgeprägt, aber wenige Frauen übten auch die Großwildjagd, während manche Männer z.B. auch Kleidung herstellten.", "Menschenrecht female choice. Die Zusammenarbeit beider Geschlechter in der Sippe, in der die Mütter und Kinder stets im Zentrum der Fürsorge standen, ist das Erfolgsgeheimnis der menschlichen Evolution, unseres Menschseins. Die female choice als Basis dieser Kooperation kommt also nicht der Frau allein zugute, sondern allen Menschen, denn der Mann kommt aus der Frau und nicht umgekehrt. Die female choice ist nicht nur ein Frauenrecht, sondern ein echtes Menschenrecht, und die Männer täten auch im eigenen Interesse gut daran, sie zu achten.", 
    "Die ersten Patriarchen überhaupt, nomadische Viehzüchter der eurasischen Steppe und der vorderasiatischen Bergwelten, glaubten dagegen erkannt zu haben, dass der Stier die Kuh, der Hengst die Stute oder der Widder das Schaf befruchtet , was ja mit Frucht versehen bedeutet, und verrannten sich in der Annahme, dass die Frau nur das Gefäß des Samens sei, gewissermaßen ein Obstkorb.", "Die Vorstellung von der Frau als Gefäß hielt mit den erobernden, nomadischen Indoeuropäern vor grob 6000 Jahren auch im ackerbäuerlichen Leben Einzug, wo die Ackerfurche mit den weiblichen Geschlechtsorganen gleichgesetzt wurde. Der Sämann wurde dort der Herr über das Leben der Pflanzen, wo ursprünglich die Frauen den Ackerbau ersannen und die Felder bestellten. Dabei ist der vermeintliche Samen im biologischen Sinne lediglich Pollen. Seine Unfähigkeit zu gebären, führte dem Patriarchen jedoch seine Abhängigkeit vor Augen. Der daraus resultierende Gebärneid 
    wurde ideologisch verarbeitet. An dieser Stelle erfanden Patriarchen den männlichen Gott, den es bis dahin gar nicht gab, und die Theologie, die ihn legitimierte. 
    Regional unterschiedlich waren dies ein Sonnengott oder ein Wettergott (der Sonderfall des Vegetationsgottes war ihre Vorstufe). Diese Götter wurden nun schwanger und gebaren in Ermangelung der weiblichen Organe Kinder aus verschiedenen Körperteilen. Der darauf einsetzende Stillneid wurde mit dem Konzept des Wettergottes kompensiert, dessen Ejakulat mit der Milch gleichgesetzt wurde und der als Ursprung des fruchtbaren Regens ansehen wurde. Jetzt fühlte sich der Patriarch unsterblich und allmächtig, denn als Wettergott konnte er auch mit Sintfluten alles wieder zerstören. Nun begann der Mann auch den Menschen nach seinen Vorstellungen zu züchten.", "Heute wissen wir, dass die Vorstellung von der Frau als Gefäß nicht nur falsch ist, sondern dass wir mehr Mutter als Vater sind: Mit ihrer female choice wählt eine Frau den Vater ihres Kindes aus, sie bestimmt also über die Zusammensetzung der Gene des Kindes. Bei einer Tochter stammen etwas mehr als 50% der Gene im Zellkern von der Mutter, bei einem Sohn sogar deutlich weniger als 50% vom Vater, weil er von ihm lediglich das kleinere Y-Chromosom erbt. Auf dem X-Chromosom liegen 1098 Gene, auf dem Y-Chromoson nur 63 Gene. Bei jedem Menschen werden auch Teile der Mitochondrien-DNA in den Zellkern eingebaut. Mit zunehmendem Alter verlieren sogar immer mehr Körper- und Blutzellen der Männer ihr Y-Chromosom. Dazu kommt: Im frühen Embryo laufen dramatische Reprogrammierungsprozesse ab, die fast vollständig unter mütterlicher Kontrolle, d.h. vom weiblichen Genom, gesteuert werden. Im Gegensatz zum Spermium liefert die befruchtete Eizelle nicht nur das mütterliche Genom, sondern auch die zelluläre Maschinerie für die Reprogrammierung von väterlichem und mütterlichem Genom. (paraphr. n. HAAF 2003, S. A2304) Die Mitochondrien, also die Kraftwerke der Zelle, die Lebenskraft, werden immer nur von und über die Mutter vererbt. Der für die Entstehung eines Kindes relevante männliche Anteil wiegt 3,65 Billionstel Gramm; das ist das Gewicht eines halben Chromosomensatzes. Die gesamte Masse des Kindes wird allein vom mütterlichen Körper gebildet. Das Kind ist \"Fleisch und Blut\" nur der Mutter. Die Mutter trägt das Kind neun Monate. Das Genom wird während der Schwangerschaft epigenetisch verändert: Hormone der Mutter, Erleben der Mutter und Umweltfaktoren schalten Gene aus oder an. Wir alle tragen Originalzellen unserer Mutter und Großmutter mütterlicherseits in uns. Diese Entdeckung wird Mikrochimärismus genannt. Die Zellen enthalten also nicht unseren eigenen DNA-Code. Das bedeutet, dass Männer weibliche Zellen in sich tragen, umgekehrt tragen die Mütter die Zellen ihrer Kinder in sich, was eine lebenslange körperliche Verbindung bedeutet, die Väter nicht herstellen können. Bei der Geburt wird das Kind mit den lebensnotwendigen Darmkeimen der Mutter geimpft. Die Mutter stillt und gibt dem Kind damit mehr als Geborgenheit und Nahrung: über die Milch nimmt es Immunglobuline und weitere Stoffe auf, die sein Leben prägen werden. Die Mutter ist bei allen Sorgen und Nöten des Kindes der erste Anlaufpunkt. Es schöpft aus der Mutter sein Urvertrauen.", "Die female choice als Erzfeind des Patriarchats. 
    Die erste Maßnahme des Patriarchats war die Ausschaltung der female choice, salopp gesagt brachte es die weibliche Sexualität unter Kontrolle. Der Patriarch stellt mit der Ehe die \"male choice\" her, die es in der Natur nicht gibt. Zu Beginn des Patriarchats, in der mittleren Jungsteinzeit, war Frauenraub die einzige Möglichkeit, eine Frau in die Ehe zu zwingen. Zahllose Massaker wie die von Talheim, Asparn Schletz oder Schöneck-Kilianstätten legen davon ein archäologisches Zeugnis ab; ein genetischer Flaschenhals der Y-Chromosomen vor 7000 Jahren belegt das genetisch. Das Patriarchat begann gewaltsam. Frauenraub ist auch in historischer Zeit und in der Gegenwart (Boko Haram, IS) belegt. Die Ehe im großflächig durchgesetzten Patriarchat wird manchmal durch Brautwerbung gestiftet, wobei die Frau ein Vetorecht besitzt. Diese rudimentäre Form der female choice bleibt der Frau bis zur Ehe, danach ist sie dem Ehemann verpflichtet.", ". Die Liebesheirat als relativ junge Erfindung folgt 
    der romantischen Vorstellung, einem Zurück zur Natur. Aber auch sie wird per Gesetz zementiert.", "Statt mit unserer matrilinearen Sippe, haben wir es im Patriarchat mit der Familie zu tun, deren Oberhaupt der Vater ist und in Abwesenheit der Sohn. Die Familie versteht sich patrilinear und lebt daher auch patrilokal zusammen. Die Frauen befinden sich also in einem fremden Umfeld und sind fremden Männern und Frauen ausgeliefert, welche sie nicht nur befehligen, sondern auch Gewalt gegen sie ausüben.", "Die sexuelle Unterdrückung ist kein naturgegebenes Verhalten, wäre dies der Fall, gäbe es die vielen Probleme nicht, die damit verbunden sind. Auch die meisten Zivilisationskrankheiten, Epidemien sowie psychologischen Probleme stehen mit dem Patriarchat in Verbindung. Die Evolution selektierte keine entsprechende verhaltensbiologische Anpassung daran, und auch der weibliche Körper ist nicht an widerwilligen Sex angepasst.", "Die female choice ist ein Urstinkt, der so tief in der Phylogenese aller 
    Lebewesen verankert ist, dass er nicht weggezüchtet werden kann.", "Die Religionen halten die Heiligen Bücher bereit, in denen die frauenfeindlichen Sitten wie die Züchtigung, das Menstruationstabu oder die Verschleierung vorgeschrieben sind.", "Die Frauen dieser Welt sind Kindeskinder von Entführungsopfern des Patriarchats. Als solche sind sie von einem kollektiven Stockholm-Syndrom befallen" ]
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    "articleSection" : ". Auch in Deutschland gilt der Sex in der Ehe als Kriterium für eine intakte Ehe, er ist eine \"rechtliche Erwartung\", wenngleich er nicht mehr einklagbar ist, weil die Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt wurde. Dafür bzw. trotzdem nimmt nun die häusliche Gewalt wieder zu. Die female choice ist auch nicht in der UN-Menschenrechtscarta geschätzt. Dies wundert nicht, wird dieses Papier doch von Patriarchen abgestimmt. Ein Menschenrecht wird erst UN-Recht, wenn auch die Männer für sich selbst darin einen Vorteil erkennen. Es sind also die Anthropologen gefragt, dieses Wissen entsprechend zu vermitteln."
  } ]
  </script></p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das Massengrab von <a href="https://www.herder.de/wbg-magazine/aktuelles/2026/raetselhafte-skelette-der-linearbandkeramik-erste-erkenntnisse-zum-aussergewoehnlichen-fundplatz-von-vrable/" target="_blank">Vráble</a> kann dazu gezählt werden, jedoch gibt es auch Stimmen, die es anders interpretieren.</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice-unser-unbekanntes-menschenrecht">Female choice &#8211; unser unbekanntes Menschenrecht</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Machen Männer Frauen krank? – Die wahren Zusammenhänge von Gesundheit, Familienstand und Arbeit</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/machen-maenner-frauen-krank-die-wahren-zusammenhaenge-von-gesundheit-familienstand-und-arbeit</link>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Nov 2017 17:08:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Photo by Melanie Wasser on Unsplash Aus Spaß wird Ernst In den letzten Tagen ging durch die Sozialen Netzwerke eine Schlagzeile der Frauenzeitschrift ELLE-online: &#8222;Jetzt ist es wissenschaftlich bestätigt: Männer...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/machen-maenner-frauen-krank-die-wahren-zusammenhaenge-von-gesundheit-familienstand-und-arbeit">Machen Männer Frauen krank? – Die wahren Zusammenhänge von Gesundheit, Familienstand und Arbeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/j8a-TEakg78?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Melanie Wasser</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/77c02e66fe7146deb3db734e09852a55" width="1" height="1" alt=""></p>
<h3 id="Aus-Spaß-wird-Ernst">Aus Spaß wird Ernst</h3>
<p>In den letzten Tagen ging durch die Sozialen Netzwerke eine Schlagzeile der Frauenzeitschrift ELLE-online: &#8222;<a href="http://www.elle.de/maenner-machen-frauen-krank" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jetzt ist es wissenschaftlich bestätigt: Männer machen Frauen psychisch krank!</a>&#8220; Die Resonanz war groß; Frauen versahen den Artikel mit einem schallend lachenden Smily und schrieben, dass sie &#8222;es ja schon immer gewusst&#8220; hätten, oder, dass sie &#8222;ohne Partner schon lange pumperlgsund&#8220; seien. Indirekt schwang bei den Kommentaren mit, dass es ihnen nicht nur um Depression, sondern allgemein um Krankheit geht. Und auch ELLE-online scheint das so zu sehen, denn die Internetseite trägt den Titel „Männer machen Frauen krank“. Was die ELLE da so sicher macht, dazu kommen wir später. Wäre die Krankheit von Frauen aber nicht so ein schwerwiegendes Problem, dann hätte die Schlagzeile wahrscheinlich nicht eine so eine große Aufmerksamkeit erregt.</p>
<p>Ich beschäftige mich mit dem Thema Gesundheit schon sehr lange und sammle wissenschaftliche Artikel und Studien, die gesellschaftspolitische Relevanz besitzen. Daher weiß ich, dass solche Aussagen mit Vorsicht zu genießen sind. Das Thema hat in Wahrheit so viel Brisanz und ist so ernst, dass es geradezu fahrlässig ist, die Sache leichtfertig zu behandeln und einen &#8222;Scherz-Artikel&#8220; daraus zu machen.</p>
<p>Auch wenn es manche nicht wahrhaben wollen, es ist ganz allgemein eine Tatsache, dass wir Frauen in besonderem Maße leidgeprüfte Wesen sind. Frau und Leid sind fast schon synonym. Menstruationsschmerzen, PMS, Geburtsschmerzen, Wechseljahrsbeschwerden, Blasenentzündungen, Inkontinenz, Reizdarm, Endometriose, Fibromyalgie, Lymphödem, Thromboseneigung, Depressionen, PTBS, Panikattacken und so weiter. Manches ist Veranlagung, vieles ist Geburtsfolge, manches ist auf andere &#8211; manchmal sehr schlimme &#8211; Weise erworben. Fast immer hat es mit dem spezifischen Frauenleben zu tun. Es gibt aber auch Frauen, die nichts von alledem kennen, oder solche, die eine chronische Krankheit haben, welche keine Schmerzen verursacht und gut eingestellt ist. Unter den Berufstätigen gibt es einige von ihnen, die scheinbar schwerelos durchs Leben gleiten. Sie besitzen eine besonders gute Resilienz.</p>
<p>Um nur einmal im Leben ein Kind zu bekommen, hat manche Frau mitunter 40 Jahre lang, manchmal sogar noch länger, jeden Monat starke Schmerzen. Das durchschnittliche Alter bei der Menopause liegt bei 51 Jahren. Die Zahlen schwanken sehr. Jedenfalls verliert sie viel Blut und erleidet häufig einen folgenreichen Eisenmangel, der nur schwer auszugleichen ist und oft gar nicht diagnostiziert wird. Die Krankenkasse zahlt nur in seltenen Fällen. Von der leider immer noch peinlichen Kleckserei und Geruchsentwicklung, die es aufwändig zu verhindern gilt, ganz zu schweigen. Auch der Vater des Kindes zahlt kein Schmerzensgeld, und versucht manchmal sogar ihr das schwer erarbeitete Kind, an dem er so wenig Anteil hat, zu entreißen.</p>
<p>Was Natur ist, muss ausgehalten werden. Das ist die gerechte Strafe Gottes (welcher im Übrigen selbst ein gebärender Vater sein will)! Ja, wenn sie Schmerzen hat, ist sie selbst Schuld, es gibt doch Tabletten, und es soll ja wie gesagt Frauen geben, die das nicht haben. Was können denn Gesellschaft und Väter dafür?! Tatsächlich finden sich in einer Handtasche jede Menge Tampons, Binden, Schmerztabletten und andere Dinge, die der Frau das (Über-)Leben im Patriarchat ermöglichen. Die Gesellschaft hat sehr viel damit zu tun und der Frauenkörper ist ein kultureller Körper, dessen Integrität ständig infrage gestellt wird, ganz in Gegensatz zum männlichen.</p>
<h3 id="Die-Schmerzensfrau-eine-sehr-kleine-Kulturgeschichte">Die Schmerzensfrau &#8211; eine sehr kleine Kulturgeschichte</h3>
<p>Wenn Männer also tatsächlich Frauen krank machen, wie all die Leserinnen im Internet es spüren, dann sind Frauen schon sehr lange krank, nämlich ungefähr 8000 Jahre, und das muss sich in der Geschichte niedergeschlagen haben und nicht erst heute. Ein Blick in die Bibel und wir werden fündig. Eva wird nach dem Sündenfall mit Geburtsschmerzen bestraft, Adam dagegen mit Arbeit. Das ist interessant, denn heute bekommen Frauen nicht nur unter Schmerzen Kinder, sondern müssen zusätzlich auch zur Arbeit. So will es jedenfalls die Politik, die damit die Strafe Gottes sogar noch übertrifft. Das passiert ausgerechnet in einer Zeit, in der die Bevölkerung beginnt, umzudenken gegen den Zwang zur Arbeit und mit der Forderung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Diese Forderung hat bemerkenswerterweise mehr AnhängerInnen als die Forderung nach einem Müttergehalt und Mütterrente!</p>
<p>Die Katholiken gedenken der Madonna mit den sieben Schmerzen, der Schmerzensmutter immer am 15. September. Diese sieben Schmerzen beziehen sich aber im Wesentlichen auf den Leidensweg ihres Sohnes Jesus, an dem sie als Mutter natürlich mitleiden muss. Das erste Leid ist die Prophezeiung des Simeon, dass ihre Seele von einem Schwert durchbohrt werde. Leid und Mitleiden scheinen in der Maria eins zu sein. Das Schwert symbolisiert aber auch einen vollendeten Muttermord, wenn man so will, das Ende des Leids der Mutter und &#8230;den Endsieg des Patriarchats. Wir sehen an diesem Beispiel, dass das Patriarchat eine bizarre Logik verfolgt, die den Namen nicht verdient.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Madonna mit den sieben Schmerzen, Loretokapelle mit Schwarzer Madonna bei Bad Zurzach, eigenes Werk" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/schmerzensmutter-badzurzach1.jpg?resize=300%2C427&#038;ssl=1" alt="Madonna mit den sieben Schmerzen, Loretokapelle mit Schwarzer Madonna bei Bad Zurzach, eigenes Werk" width="300" height="427" /><br />
Foto: Madonna mit den sieben Schmerzen, Loretokapelle mit Schwarzer Madonna (Hintergrund) bei Bad Zurzach/Schweiz (Gabriele Uhlmann)</p>
<p>Maria war höchstens 12 Jahre alt, als sie Jesus gebar. Denn im Judentum gilt ein Mädchen nur so lange als Jung(e)frau. Das Leid, das ihr selbst im erzpatriarchalischen Israel wegen ihrer unehelichen Schwangerschaft &#8211; aus einer Vergewaltigung und Kinderschändung &#8211; zuteil geworden ist, wurde durch die Lügengeschichte von Mariä Empfängnis vollverschleiert. Wo sie sonst geächtet und zu Tode bestraft worden wäre, muss sie nun „nur“ sieben Schmerzen erleiden, die mit denen ihres Sohnes identisch sind. Selbst Schuld ist sie, so die patriarchalische Denke! Ihr Leid hängt eindeutig mit Männern zusammen, nämlich mit ihrem Vergewaltiger und mit den Männern, die ihren Sohn hingerichtet haben. Mutterleid ist unbeschreiblich, und so manche zerbricht daran. Nicht so Maria, die später noch weitere Kinder bekommen wird, und als Schmerzensheldin gefeiert wird. Maria hält aus, Maria hält durch. Sie weint, aber nicht über sich selbst, sondern über ihren Sohn. Damit ist sie seit jeher ein Vorbild für alle Gläubigen, nicht aber für Frauen, die etwas verändern wollen. Im wahren Leben werden oder sind viele Frauen wegen einer Vergewaltigung oder Missbrauchs im Kindesalter erwerbsunfähig. In der Bibel wird stillschweigend davon ausgegangen, dass Joseph Maria ernährte.</p>
<p>In der weiblichen Literaturgeschichte heben sich besonders die Schwestern Charlotte, Emily und Anne Brontë ab, die in der ersten Hälte des 19. Jh. lebten und alle drei sehr früh starben. Ihre Bücher sind Denkmäler des Frauenleids ihrer Zeit. Schon ihre Mutter starb 38-jährig ein Jahr nach der Geburt von Anne. Die Gesundheit der Kinder litt unter der anschließenden Unterbringung im Pensionat, weshalb sie auch oft Zeit zu Hause verbrachten. Ihr Vater, ein Dorfpfarrer, verlangte von ihnen später, als Gouvernanten zu arbeiten, um ihrem Bruder Branwell das Studium zu ermöglichen. Sie hatten keine Freude an diesem Beruf, und litten unter den Arbeitsbedingungen, die sie körperlich und psychisch krank machten. Viel lieber wollen sie daheim und zusammen Autorinnen sein, aber dahin war es im frauenfeindlichen, victorianischen Zeitalter ein weiter Weg. Sie pflegten auch die kranke Kinderfrau bis an deren Lebensende. An ihrem eigenen Ende hatten sie nicht viel von ihrem Ruhm, der sich schließlich doch noch einstellte. Charlotte starb mit 39 während und wegen ihrer Schwangerschaft, Emily starb mit 30 an einer Lungenentzündung und Anne mit 29 an Tuberkulose. Ihr Vater überlebte alle seine Kinder (auch Branwell, 31) und wurde für die Zeit sehr alt. (vgl. Maletzke 2008) Wie wäre ihr Leben verlaufen, hätte die Mutter noch lange gelebt?<br />
<a title="Branwell Brontë [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AThe_Bront%C3%AB_Sisters_by_Patrick_Branwell_Bront%C3%AB_restored.jpg"><img decoding="async" title="Anne, Emily, and Charlotte Brontë" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/ab/The_Bront%C3%AB_Sisters_by_Patrick_Branwell_Bront%C3%AB_restored.jpg/256px-The_Bront%C3%AB_Sisters_by_Patrick_Branwell_Bront%C3%AB_restored.jpg" alt="Anne, Emily, and Charlotte Brontë" width="256" /></a><br />
Bild: Anne, Emily und Charlotte Brontë, Gemälde von Branwell Brontë, ca. 1834</p>
<p>In unserer modernen Welt der Hochleistungsmedizin stirbt nur noch ausnahmsweise jemand sehr früh und wer krank ist, hat trotzdem meist noch ein langes Leben vor sich. Damit rückt das Problem der Erwerbsminderung und -unfähigkeit in den Vordergrund. Wer krank ist, der ist von Arbeitslosigkeit und Armut bedroht. Unsere Leistungsgesellschaft folgt der Philosophie, dass nur der, der arbeitet, auch ein Recht auf ein gutes Leben hat. Vermögende werden in unserem Gesundheitssystem bevorzugt behandelt, und zahlen nicht einmal in die gesetzlichen Krankenkassen ein. Sie können sich in ihrer Freizeit besser regenerieren und für Körperpflege mehr Geld ausgeben. Wer mehr Geld hat, ist in der Regel schneller wieder gesund. Berufstätige Frauen besitzen eine höhere sog. Bewältigungskompetenz und bessere sog. Bewältigungsstrategien bei Belastungen aller Art. Ihre Resilienz, ihre gute Gesundheit macht sie zu dem, was sie sind. Gesundheit und finanzielle Sicherheit stehen in einer engen Wechselbeziehung zu einander.<br />
Aber jeder Kranke steht unter Generalverdacht, stinkfaul zu sein, und es sich auf Kosten anderer nett zu machen. Nun sind Kranke doppelt gestraft, denn sie leiden unter ihrer Krankheit und gut leben dürfen sie auch nicht. Vater Staat hat eine komplexe, sogenannte Sozialpolitik hervorgebracht, die alles tut, um sich davor zu drücken, sich um die kranken Mitglieder der Gesellschaft so zu kümmern, dass sie am allgemeinen Leben und Wohlstand teilhaben können. Zwar gibt es mittlerweile viele Initiativen für ein barrierefreies Leben, was Körperbehinderten zugute kommt, aber psychisch Kranke sind immer noch allein gelassen und obendrein stigmatisiert. Wenn es stimmt, dass Männer Frauen psychisch krank machen, dann wären Männer noch viel unmittelbarer an Frauenarmut beteiligt, als bisher gedacht.</p>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/440091_web_r_by_maren-bec39fler_pixelio-de.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Altersarmut ist weiblich" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/440091_web_r_by_maren-bec39fler_pixelio-de.jpg?resize=266%2C400&#038;ssl=1" alt="Altersarmut ist weiblich" width="266" height="400" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Foto: Maren Beßler / pixelio.de</span></p>
<p>Die eingangs genannten Frauenleiden, die unmittelbar mit der Gebärfähigkeit zu tun haben, haben wie die Depression nicht selten Erwerbsminderung bis hin zur Berufsunfähigkeit zur Folge. Das fällt nur deshalb nicht auf, weil viele Frauen aufgrund ihrer Beschwerden gar nicht erst versuchen, einen Beruf auszuüben. Und so fallen sie aus der Arbeitslosenstatistik heraus.</p>
<h3 id="tabu-kranke-frau">Tabu Kranke Frau</h3>
<p>Ich weiß, das lesen Feministinnen gar nicht gern, aber es ist an der Zeit, nicht nur über die Mehrwertsteuer von Binden und Tampons zu reden („<a href="http://taz.de/Petition-der-Woche/!5459147/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bluten für die Gesellschaft</a>“), sondern auch über die leidvolle Wahrheit eines Frauenlebens. <strong>Sprechen wir also endlich auch einmal über das letzte Tabu der Frauenbewegung: die kranke Frau.<br />
</strong><br />
Frauen sind, wie milliardenfach bewiesen, nicht wegen ihres Geschlechts weniger für eine Tätigkeit geeignet, und sind nicht „das kranke Geschlecht“. Ganz im Gegenteil, schon von Geburt an sind Mädchen lebensfähiger und stabiler als Jungen. Das männliche Immunsystem ist dagegen lebenslang anfälliger, weil ihm der Östrogenschutz fehlt (Kieselbach 2017).<br />
<strong>Frauen werden anders krank und sie haben andere Bedürfnisse als Männer.</strong> <strong>Sie werden auch krank, weil ihre Bedürfnisse übergangen werden.</strong> So haben Frauen im Laufe ihres Lebens vielfältige Beschwerden, die zwar nicht lebensgefährlich sind, aber in den Bereich des Normalen versetzt werden und gleichzeitig auf fatale Weise tabuisiert sind. Ob und inwieweit diese Tabus und ihre Verdrängung die Beschwerden erst herbeiführen, sollte dringend einmal untersucht werden.</p>
<p>Wie auch immer, in der einseitig auf Männer ausgerichteten Arbeitswelt fühlen sich viele Frauen den ganzen Tag nicht gut, und würden am liebsten nach Hause gehen und sich hinlegen. Frauenbeschwerden betreffen eher den Bauch und die Tabuzone ihres Intimbereiches. Sie schränken die Leistungsfähigkeit, die ein stressig gestalteter Beruf erfordert, erheblich ein. Viele Frauen gehen damit nie zur Ärztin und arrangieren sich notgedrungen irgendwie, weil</p>
<ul id="liste2">
<li>das &#8222;normal&#8220; ist,</li>
<li>es die Kasse sowieso nicht zahlt,</li>
<li>schon die Mutter &#8222;das&#8220; hatte und &#8222;nicht dran gestorben&#8220; ist,</li>
<li>sie wissen, dass die Medizin dafür noch kein Heilmittel kennt,</li>
<li>sie es aus Scham immer wieder verschieben,</li>
<li>sie Angst vor Zurückweisung, Papierkram und Gerichtsverfahren haben.</li>
</ul>
<p>Viele Frauen würden es auch niemals zugeben, dass sie sich täglich zur Arbeit quälen, weil es heutzutage <em>en vogue</em> ist, die multitaskingfähige Powerfrau raushängen zu lassen und keinerlei Schwäche zu zeigen. Denn sie laufen Gefahr, <a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-11/sexismus-buero-arbeit-maenner-frauen-beziehung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sich den Männern gegenüber lächerlich zu machen.</a> <strong>Weibliche Krankheit oder &#8222;Unpässlichkeit&#8220; wurde seit jeher dazu ausgeschlachtet, Frauen aus der Berufswelt herauszuhalten. Aus diesem Grund verdrängt die Frauenbewegung die Tatsachen.</strong> Aber das ist ein großer Fehler; ein #metoo-Aufschrei ist auch in Bezug auf Frauenkrankheit überfällig.</p>
<p>Viele Frauen sind erwerbsgemindert. Erwerbsminderung bedeutet nicht, das eine Frau nicht arbeiten kann, sondern, dass sie nicht in die Anforderungen einer Firma passt, bzw. sie aufgrund ihrer Beschwerden nur kurzzeitig arbeiten kann oder nicht schnell genug oder nur zu bestimmten Tageszeiten. Entweder bleibt eine Kranke ganz zuhause oder schleppt sich in die Firma, es gibt nur schwarz oder weiß. Aber eine dauernd fehlende Mitarbeiterin? Welche ArbeitgeberInnen und welche KollegInnen machen das (lange) mit? Fakt ist deshalb oft, dass eine Erwerbsminderung identisch ist mit Erwerbsunfähigkeit, also auch Berufsunfähigkeit. Auch Berufsunfähigkeit muss erst einmal bewiesen werden, und das ist nicht leicht. Die Ignoranz gegenüber dieser Realität spart Kassen und Versicherungen wahrscheinlich Milliarden.</p>
<h3 id="auswegsackgasse">Ausweg Ehe – Sackgasse Ehe</h3>
<p>Beschwerden sind ein wichtiger Grund, warum viele Frauen am liebsten nur Teilzeit arbeiten, trotz der trüben Aussicht auf eine geringe Rente oder die sogenannte Grundversorgung. Was liegt da näher, als auch nach anderweitiger Versorgung Ausschau zu halten? “In guten und in schlechten Zeiten, bei Gesundheit und Krankheit, bis dass der Tod Euch scheidet“, so lautet das klassische Eheversprechen, auf das sich Frauen lange verlassen konnten, allerdings nur halbwegs. Die Ehe ist traditionell eine Versorgungseinrichtung, die aber nur ein schwacher Ersatz ist für die zerstörte matrilineare Sippe, die Frauen in Europa mancherorts noch bis vor 4500 Jahren bedingungslos und voll absicherte. Frauen, die das patriarchale System nicht mehr ändern konnten und können, waren und sind meist noch heute auf die Ehe angewiesen. Bis vor kurzem funktionierte das, viel mehr schlecht als recht, aber immerhin (noch) irgendwie. Nur beim Ausbruch aus dem patriarchalischen Zwang zur Monogamie, der die Vaterschaft sicherstellen soll, also bei Ehebruch (Stichwort <em><a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">female choice</a></em>), kam eine Scheidung infrage. Welche sich den väterlichen Bedingungen nicht unterordnete, bekam gar nichts mehr, wurde ausgepeitscht oder gleich umgebracht, welche sich züchtig verhielt, wurde manchmal sogar mit Pelzen und Juwelen überhäuft.</p>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/cristian-newman-141875.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1255" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/cristian-newman-141875.jpg?resize=600%2C410&#038;ssl=1" alt="" width="600" height="410" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/cristian-newman-141875.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/cristian-newman-141875.jpg?resize=300%2C205&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/tnxRFtXI9dI?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Cristian Newman</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Seit einigen Jahren ist es mit der Versorgung nicht mehr weit her. Konnte eine Frau auch nach einer Scheidung noch bis vor kurzem Unterhaltsansprüche geltend machen, muss sie heute wieder arbeiten gehen. Es sei denn, sie ist erwerbsunfähig. Wenn sie Pech hat, entzieht sich der Exmann auch dann der Zahlungsverpflichtung. Möglich ist ihm das nämlich, und der Staat zahlt dann einen Unterhaltsvorschuss. Die Ehe soll &#8222;nach dem Willen des Gesetzgebers&#8220; keine Versorgerehe mehr sein, auch nicht für Mütter, daher wird nun auch das Ehegattensplitting infrage gestellt. Heiraten lohnt dann gar nicht mehr. Aber das ist nicht der Untergang des Abendlandes! Denn es wird Druck ausgeübt, dass die Mutter den Kindsvater benennt, um ihm das Sorgerecht zu sichern. <a href="http://www.deutschlandfunkkultur.de/elterliche-sorge-den-vaetern-die-rechte-den-muettern-die.1005.de.html?dram%3Aarticle_id=320034" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das fesselt sie wieder an ihn, ganz so als sei sie mit ihm verheiratet.</a> Existenziell bleibt die Frau aber auf sich selbst zurückgeworfen und vom guten Willen des Kindsvaters abhängig, wenn sie ihr Kind nicht in fremde Hände geben will.</p>
<p>In der Geschichte der Menschheit ist das einzigartig und brandneu. Kein Mensch, besonders keine Frau ist daran angepasst, denn wir sind soziale Wesen durch und durch. <strong>&#8222;Sozial&#8220; bedeutet nicht, miteinander zu whatsappen oder einen Hartz4-Antrag zu stellen, sondern uns gegenseitig zu helfen, und zwar lebenslang wirksam, verlässlich und bedingungslos.</strong> Wir sind so, weil unsere Kinder so lange brauchen, um erwachsen zu werden. Aus diesem Grund würden wir von Natur aus nicht patriarchal, sondern matrilinear leben, und nicht in Familien, sondern in matrilinear/matrilokalen Sippen (vgl. Blaffer Hrdy 2010b). Die Vereinbarkeit von Arbeit und Kinderpflege wäre problemlos gewährleistet. Unter diesen Bedingungen wurde der Mensch ein intelligentes, erfinderisches Wesen. Dass uns heute der Boden unter den Füßen weggerissen ist, ist der wahre Grund, warum Menschen nicht selten an ihrer Lebenssituation erkranken.<br />
<strong><br />
</strong>Kranke Frauen sind gegenüber kranken Männern noch in gewissem Vorteil &#8211; sofern sie nicht von Behinderung betroffen sind &#8211; denn sie können heiraten und sich unter Berufung auf ihre Mutterschaft und Krankheit versorgen lassen. Kein Wunder, dass eine Studie aus den USA (Waldron <em>et al. </em>1982), an welcher Hausfrauen über einen Zeitraum von fast 20 Jahren teilnahmen, Folgendes herausfand:</p>
<blockquote><p>&#8222;<strong>Stabilere und gesündere Frauen beteiligen sich eher am Arbeitsmarkt und bleiben &#8211; wenn sie die Wahl haben &#8211; auch länger erwerbstätig als labilere und weniger gesunde Frauen.</strong>&#8220; (paraphr. nach Gavranidou 1993, S. 237)</p></blockquote>
<p>Die weltweit wichtigste Expertin auf dem Gebiet der „sozialen und verhaltensbedingten Ursachen von Geschlechtsunterschieden bei Gesundheit und Sterblichkeit“, die amerikanische Biologin Ingrid Waldron, die diese Studie federführend auflegte, betont, <strong>dass diese labilen und weniger gesunden Frauen sich ihr Befinden nicht „nur“ eingebildet hatten</strong>. Das wurde durch deren nachgewiesene höhere Sterblichkeit am Ende der Untersuchungszeit bewiesen. Sie sagt damit natürlich nicht, dass Hausfrauen grundsätzlich krank sind, sondern lediglich, dass kranke Frauen dazu neigen, sich in der Ehe abzusichern &#8211; ich muss das nur dazu sagen, weil es Hausfrauen gibt, die das falsch verstehen und sich diskriminiert fühlen, wie ich es vor einiger Zeit erleben durfte.<br />
Ingrid Waldron war 1989 auch an einer Meta-Studie beteiligt, die eine Zusammenschau der Untersuchungen vieler Kollegen lieferte. Dort schreibt sie:</p>
<blockquote><p>&#8222;Jennings <em>et al.</em> zeigten zuerst, dass (&#8230;) beschäftigte Frauen gesünder waren als Hausfrauen. Insbesondere war es weniger wahrscheinlich, dass erwerbstätige Frauen berichteten, dass ihre Gesundheit schlechter war als die der anderen Frauen im gleichen Alter, und dies galt sogar für Analysen, die die Anzahl der Tage chronischer Krankheit und eingeschränkter Aktivität mit einbezogen. Die Beziehung zwischen Gesundheits- und Beschäftigungsstatus wurde erneut getestet, diesmal ausgenommen der Frauen, die berichteten, dass ihre Gesundheit ihren Beschäftigungsstatus beeinflusste. Insbesondere schloß die zweite Analyse Hausfrauen aus, die berichteten, daß ihre schlechte Gesundheit ein sehr oder mäßig wichtiger Grund für ihre Nichtanstellung sei. In dieser Analyse drehte sich die Beziehung zwischen Beschäftigungsstatus und Gesundheit um, wobei Hausfrauen jetzt einen besseren Gesundheitszustand angaben als erwerbstätige Frauen.“ (Repetti et al. 1989, S. 1395, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Die Behauptung, dass (Ehe-)Männer Frauen psychisch krank machen würden, ist damit eine unzulässige Pauschale. Dennoch erkranken in Deutschland doppelt so viele Frauen an Depressionen wie Männer (vgl. Kontio 2012). Die Studie, auf die sich die ELLE-online bezog, stammt von der Universität Padua (Trevisan <em>et al.</em> 2016) und untersuchte Daten älterer Menschen, wobei deutliche Unterschiede zwischen verwitweten Frauen und Männern festgestellt wurden. Die Schlussfolgerungen der Psychiaterin Caterina Trevisan wurden in der ELLE-online wiedergegeben:</p>
<blockquote><p>„Es ist also der viel zu hohe Anspruch an uns selbst, schier Unmögliches leisten zu wollen, der uns irgendwann umhaut. Denn selbst, wenn wir merken, dass alles über uns zusammenbricht und wir schon gar nicht mehr wissen, wie wir es managen sollen, versuchen wir es doch. Unsere eigenen Bedürfnisse haben wir dabei schon längst aus den Augen verloren. Ernste Warnhinweise wie Schlafmangel, Migräne oder Rückenschmerzen werden selbstverständlich ignoriert. Während es Männern nach einer Trennung richtig schlecht geht, blühen die meisten Frauen regelrecht auf. Die Begründung der Forscher: Weil Frauen sich ab dem Moment nicht mehr um zwei Leben kümmern müssen, was Wäsche, Haushalt und Organisation betrifft, fällt ein großer Teil der Verantwortung ab. Dadurch werden sie entspannter und haben zudem wieder mehr Zeit, sich ihren Hobbies, Freunden und sich selbst zu widmen. Männern geht es hingegen nachweisbar schlechter als vorher, weil sie sich um eben diese Dinge nun selbst kümmern müssen. Natürlich sollst du dich nun nicht sofort von deinem Freund trennen, um gesünder zu leben. Aber Psychologen raten Frauen dringlich dazu, in Beziehungen häufiger klare Ansagen zu machen, damit die Arbeit gleichmäßig verteilt wird – und die Zeit einzufordern, sich nur mit sich beschäftigen zu dürfen.“ (Koopmann 2017)</p></blockquote>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1239" title="depression" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/hanna-morris-277321.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Depression" width="600" height="400" /><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/CIVe9Ff2l1w?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Hanna Morris</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Damit scheint es, als sei die Therapie gegen Depressionen ganz simpel. Ist die weibliche Depression aber wirklich nur auf die mangelnde Mithilfe der Männer im Haushalt zurückzuführen? Die Psychologin Ursula Nuber meint dagegen:</p>
<blockquote><p>&#8222;Frauen haben eine viel höhere Beziehungsbedürftigkeit als Männer. Sie definieren sich und ihr Wohlbefinden über ihre Beziehungen zu anderen. Und genau dieses Gefühl der Abhängigkeit kann zur Depression führen&#8220;. (Nuber 2012)</p>
<p>&#8222;’Frauen haben sehr viel mehr Grund zum Grübeln als Männer, weil es in ihrem Leben mehr Anlässe zu Sorge gibt’ (&#8230;) Dazu kommt, dass sie längere Antennen als Männer haben und sensibel Leid und Nöte anderer wahrnehmen. ‚Die Sorgen der Mitmenschen werden schnell zu ihren Sorgen.’ Männer tun das nicht – so das klare Fazit.&#8220; (vgl. Kontio 2012)</p></blockquote>
<p>Die Beziehungsarbeit der Frauen ist der Kitt, der die patriarchale Gesellschaft, die Frauen krank macht, zusammenhält. Der Lohn ist die Depression, Mütterrente gibt es nicht. Die Krankheit ist ganz klar eine Reaktion auf das System, das nicht unserer artgerechten Lebensweise folgt, und keine bedingungslose Versorgung anbietet.</p>
<h3 id="machen-frauen-maenner-krank">Machen Frauen Männer krank?</h3>
<p>Auch Männer sind heute überfordert, wie es die amerikanische Soziologin Christin Munsch in den USA bei einer neuen Untersuchung herausfand. Die Studie verwendet Daten des ‚National Longitudinal Survey of Youth’ aus den Jahren 1997 bis 2011, um die Auswirkungen der Haushaltseinkommensdynamik auf das psychische Wohlbefinden und die Gesundheit in einer national repräsentativen Stichprobe von verheirateten Personen im Alter von 18 bis 32 Jahren zu untersuchen. Als wichtigstes Ergebnis stellt sie fest:</p>
<blockquote><p>„Unsere Studie trägt zu einer wachsenden Anzahl von Forschungsarbeiten bei, die zeigen, wie schädlich geschlechtsspezifische Erwartungen auch für Männer sind. Von Männern wird erwartet, dass sie der Ernährer sind, aber die Versorgung der eigenen Familie mit wenig oder gar keiner Unterstützung hat negative Auswirkungen.“ (ASA 2016, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Wir dürfen nicht vergessen, dass es einst Männer waren, die dieses System selbst installiert haben. Noch bis 1977 konnten Männer in Deutschland Frauen Berufstätigkeit verbieten, und die meisten taten das auch. Es war Jahrtausende lang für Männer die Quelle ihres Selbstbewusstseins, dass ihre Frau „nicht arbeiten musste“ und sie von ihnen abhängig war. Einerseits wird jetzt festgestellt, dass die Männer völlig überfordert sind mit ihrer Rolle, andererseits sind es die Männer selbst, die ihre Macht mit übelsten Mitteln wie dem Sexismus verteidigen. Die Journalistin Jana Hensel schreibt über die weit verbreiteten Herrenwitze im Büro:</p>
<blockquote><p>&#8222;Dieses Lachen ist in Wahrheit eine Geste der Demütigung und Unterwerfung, ein Versuch der Vertreibung, der in letzter Konsequenz sagen will: Eine Frau gehört hier nicht her, eine Frau gehört nicht dazu. Ich glaube keinem Mann, der behauptet, die Aggression so eines Lachens nicht zu bemerken. Sexismus im Büro ist eine alltägliche und ziemlich eingeübte männliche Kommunikationsform, die den Zweck hat, die eigene Macht zu sichern. Frauen, zumal wenn sie selbstbewusst auftreten, stören nämlich in den Augen vieler Männer den normalen Betriebslauf, sie verändern die Routinen, die Rituale, die Übereinkünfte. Sie mischen sich ein. Noch dazu mit einer oft anderen Art zu sprechen, zu denken, zu Entscheidungen zu gelangen. Und sie könnten besser sein als man selbst. Sie könnten eines Tages der Chef sein.<br />
Der Aufstieg der Frauen bereitet den meisten Männern Angst. Dass Frauen in großen Zahlen und mit viel Selbstbewusstsein seit einigen Jahren in die Arbeitswelt drängen, eine Sphäre, die bis vor wenigen Jahrzehnten ganz selbstverständlich ihnen gehörte, und dass der Zeitgeist dabei ganz auf der Seite der Frauen steht, versetzt viele Männer in Panik. Ich habe diese Panik in vielen Momenten gespürt, ich habe sie bei Kollegen genauso gesehen wie bei Freunden. Immer wieder droht sie dann aufzuflammen, wenn eigentlich harmlose Meinungsverschiedenheiten in grundsätzliche Auseinandersetzungen münden, wenn Kritik damit endet, dass einem gänzlich die Kompetenz abgesprochen wird.<br />
Man darf diese Angst nicht unterschätzen, man darf sie nicht bagatellisieren. Sie hat gute Gründe: Denn die Arbeitswelt ist für Männer, anders für Frauen, der fast einzige Bereich im Leben, aus denen sie Sinn schöpfen, der ihnen eine Identität und Halt gibt. Familien können, anders als für Frauen, Männern diese Stabilität nicht ersetzen. Wenn Männer ihren Einfluss in der Arbeitswelt einbüßen, dann bleibt ihnen nicht mehr viel. So einen Verlust als schmerzhaft zu beschreiben bedeutet gleichsam, ihn zu kleinzureden. Dieser Verlust ist ein existentieller.&#8220; (Hensel 2017)</p></blockquote>
<p>Männer besitzen wenig Bewusstsein für ihr selbst fabriziertes Leid, so lange sie es mit Macht kompensieren können. Es sind mächtige, egoistische Männer &#8211; neoliberale, globalisierungssüchtige CEOs – die uns die Probleme bereiten. Aber immer weniger Durchschnittsmänner haben Macht und immer weniger wollen sie eigentlich haben, denn Macht im Kleinen ist mit Verantwortung verbunden, während sich die Mächtigen ganz oben davon befreit haben. Viele Männer haben auch keine sicheren Arbeitsplätze mehr und verdienen weniger. Deshalb müssen viele Frauen heute berufstätig sein, ob sie wollen oder nicht, es wird aber auch moralischer Druck ausgeübt. Es waren die Frauen und Männer der Gender Studies, die aus falsch verstandenem Mitleid mit den „armen, rechtlosen Vätern“, angeführt von einer maskulistischen, gewaltbereiten Gurkentruppe, dafür gesorgt haben, dass die lästigen Mütter spätestens nach einer Scheidung wieder arbeiten müssen oder sich in Armut und die Kinder automatisch in der Kita oder im sog. Wechselmodell wiederfinden. Den Frauen wird allein die Schuld gegeben, für alles. Nach einer Scheidung wollen und sollen Männer wieder mit einer anderen Frau Kinder haben können, sollen wieder väterlich über sie bestimmen können, aber es fehlt den Männern an allem, was sie dazu befähigt, ein gutes Leben für ihre Familie herzustellen, nämlich das natürliche, mütterliche Netzwerk bedingungsloser Liebe und ein in diesem Sinne aufgeklärtes Problembewusstsein &#8230; und alles Elend beginnt von vorne.</p>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/alex-iby-278048a.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1252" title="Frau zwischen Wänden" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/alex-iby-278048a.jpg?resize=350%2C468&#038;ssl=1" alt="Frau zwischen Wänden" width="350" height="468" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/alex-iby-278048a.jpg?w=350&amp;ssl=1 350w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/alex-iby-278048a.jpg?resize=224%2C300&amp;ssl=1 224w" sizes="(max-width: 350px) 100vw, 350px" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/mJOCYM6NV_A?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Alex Iby</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span></p>
<h3 id="Machen-sich-Hausfrauen-an-ihrer-Gesundheit-schuldig">Machen sich Hausfrauen an ihrer Gesundheit schuldig?</h3>
<p>Um allen gerecht zu werden, sollen Frauen, die offenbar allen in jeder Lebenslage nur zur Last fallen, vollzeit berufstätig sein, müssen sich dort aber Sexismus gefallen lassen. Um es den Frauen schmackhaft zu machen, ihre Einstellung zu manipulieren, und vor allem den Politikern Argumente zu liefern, wird behauptet, dass Berufstätigkeit Frauen gesünder mache, ein wahrer Hohn. Die eben genannte Psychiaterin Christin Munsch tutet in dieses Horn.</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Versorgerrolle hat den umgekehrten Effekt für Frauen, wenn es um das psychologische Wohlbefinden geht. Es hat sich gebessert, weil sie einen größeren wirtschaftlichen Beitrag leisten. Umgekehrt verschlechterte ihr psychologisches Wohlbefinden, wenn sie weniger zum Familieneinkommen beitrugen. (&#8230;) Munsch führt diesen unterschiedlichen psychologischen Nutzen auf kulturelle Erwartungen an Männer und Frauen zurück: &#8222;’Männer, die viel mehr Geld verdienen als ihre Partnerinnen, können sich mit einem Gefühl der Verpflichtung und der Sorge um den Erhalt des Status als Ernährer mit dem Broterwerb begnügen’, sagt Munsch. ‚Frauen hingegen können den Broterwerb als Chance oder Wahlmöglichkeit ansehen. Sie können Stolz empfinden, ohne sich zu sorgen, was andere sagen werden, wenn sie es nicht können oder nicht durchhalten (&#8230;) eine gute Nachricht, wenn man bedenkt, dass beide, Ehemann und Ehefrau, normalerweise arbeiten. ‚Unsere Studie zeigt, dass die Entkoppelung von Ernährerrolle von der Männlichkeit konkrete Vorteile für Männer und Frauen hat’, sagt Munsch. ‚Während das psychische Wohlbefinden und die Gesundheit von Männern tendenziell zunehmen, wenn ihre Frauen mehr wirtschaftliche Verantwortung übernehmen, verbessert sich auch das psychische Wohlbefinden von Frauen, wenn sie mehr wirtschaftliche Verantwortung übernehmen.’&#8220; (ASA 2016, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Ist das wirklich eine gute Nachricht? Hier wird das Wohl des Vaters ganz offen gegen den Rest der Familie aufgewogen. Im Patriarchat geht es letztlich immer nur um das Wohl des Vaters. Jetzt seien es also die (Haus-)frauen, die Männer krank machen! Während Männer als Ernährer nun regelrecht psychisch krank werden, werden Frauen als Ernährerinnen angeblich einfach nur zufrieden und stolz? Aber was ist mit den Frauen, die ihre Arbeit weder als Chance noch als Wahlmöglichkeit noch als gutes Leben wahrnehmen? So etwas kommt in Munschs Denken nicht vor. Stolz scheint für sie ein erstrebenswertes Ziel zu sein. Stolz hebt von anderen ab, aber Stolz ist auch narzisstisch. Und Patriarchat macht ja immer irgendeinen stolz, bisher vor allem die Männer, deren Stolz die Welt längst in die Katastrophe getrieben hat. Und: Dummheit. Die wächst ja bekanntlich mit Stolz auf einem Holz. Was ist, wenn es eines Tages aufgrund des enormen gesellschaftlichen Drucks weibliche Vollbeschäftigung gibt und sie so selbstverständlich ist, dass es keine Chancen mehr braucht und Frauen keine Wahl mehr haben? Dann kann Stolz nicht mehr aufkommen – es sei denn alle Männer bleiben nun zuhause bei den Kindern &#8211; und dann sind die Frauen nur noch die „Dummen“, denn sie werden weiterhin Mütter, mit ihrem ganzen Körper und ihrer Seele, und werden noch kränker als die Männer. Mutterschaft ist nämlich keine Rolle, die frau ablegen kann, Vaterschaft dagegen sehr wohl. Heutzutage sind Mütter zum Wohle des Vaters längst am Rande der Erschöpfung. Aber zum Glück arbeitet das Patriarchat ja schon an der künstlichen Gebärmutter, die die lästige Mutter überflüssig macht.</p>
<p>Berufstätige Mütter müssen viel Arbeit an andere delegieren, übrigens schlechtbezahlte Frauen, meist, weil die eigene Mutter, die gar nichts bekäme, auch berufstätig ist oder weit weg wohnt. So fällt am Ende zwar weniger Haus- und Familienarbeit an, aber ein schlechtes Gewissen den Kindern gegenüber bleibt. Gegen das schlechte Gewissen, das wir ja nur haben, weil wir von Natur aus matrifokal sind, wird inzwischen intensiv mit dubiosen Studien Gehirnwäsche betrieben, nach denen Mütter ihren Kindern sogar schaden.</p>
<p>Schon seit längerem liefern auch zahlreiche deutsche Studien, die sich mit der Lebensqualität von Hausfrauen und berufstätigen Müttern befassen, PolitikerInnen Argumente. Hier wurden keine Vorher-Nachher Untersuchungen angestellt, sondern Frauen aus ihrer Situation heraus befragt und daraus Kausalketten konstruiert. Folgender Satz ist symptomatisch:</p>
<blockquote><p>&#8222;Nach unseren Ergebnissen ist daher festzuhalten, dass Berufstätigkeit von Frauen, insbesondere von Schwangeren und Müttern in hohem Ausmaß zu besserer Gesundheit, höherer Lebenszufriedenheit und deutlich gesünderer Bewältigung von Lebensanforderungen führt.&#8220; (Quelle: Borchert, Cotlatz 1992)</p></blockquote>
<p>Es macht sich demnach im Umkehrschluss eine Frau nicht nur an der Gesundheit ihres Mannes schuldig, sondern auch an ihrer eigenen, wenn sie nur Hausfrau ist. Die Vertauschung von Ursache und Wirkung, die Ingrid Waldron schon entlarvt hatte, wird uns hier geschickt untergejubelt. Etwas anderes dringt auch nicht mehr an die Öffentlichkeit. Die Botschaften solch unseriöser Forschung werden schon seit langem über Frauenzeitschriften lanciert, wie in diesem Beispiel, als es in der BRIGITTE um den Themenkreis Endometriose ging:</p>
<blockquote><p><em>&#8222;(&#8230;) Wer am Arbeitsplatz häufig wegen Regelschmerzen fehlt, stößt auf kaum Verständnis. So streben Frauen mit schweren Verläufen sogar die Frühverrentung an. ‚Dabei geht es berufstätigen Endometriose-Patientinnen nachweislich besser.’, sagt Iris Brandes. ‚Das Problem ist nicht ihr Job, sondern die Therapie: Mit der richtigen Behandlung können Frauen arbeiten.’ Doch die finden viele erst am Ende eines langen Leidensweges: auf der Reha-Station einer der wenigen auf Endometriose spezialisierten Kliniken. Dort kann die Suche nach einer individuell passenden Schmerz- und Hormonbehandlung mit Ratschlägen zur Ernährung, Bewegungs- und Körpertherapie kombiniert werden. (&#8230;)</em>&#8220;<br />
(Baumgart in: Brigitte 9/2009)</p></blockquote>
<p>Die Botschaft lautet: „Frauen, reißt Euch zusammen, geht zur Arbeit und alles wird gut.“ Oder noch schöner „es geht Euch schlecht, WEIL ihr nicht arbeitet.“ Tabletten schlucken das ganze Arbeitsleben hindurch und Operationen sollen es ermöglichen. Dass Chemie kein normales Wohlbefinden herstellen kann, ist ja jeder Frau bewusst. Schlimmer ist, dass wir uns damit neue Probleme einhandeln. Schon durchschnittliche <a href="https://generation-pille.com/byebyepille/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pillen-Nutzerinnen</a> wissen das.<br />
<a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/maira-gallardo-330697.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/maira-gallardo-330697.jpg?resize=300%2C200&#038;ssl=1" alt="" width="300" height="200" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/ix645sk3r3g?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Maira Gallardo</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Auch die im Artikel zitierte Medizinökonomin Iris Brandes vertauschte unzulässigerweise Ursache und Wirkung. Denn Frauen, die eine leichte Endometriose haben, gehen auch häufiger in den Beruf, dies aber auch nicht ohne Schmerztabletten. Ihre Behauptung, dass die Endometriose zufriedenstellend behandelbar sei, ist schlicht weg nicht wahr. Tatsächlich geht es vielen Endometriose-Patientinnen bis heute auch mit Therapie so schlecht, dass Selbsthilfegruppen und Internet-Foren regen Zulauf haben, und sie nicht berufstätig sein können. Auf der Homepage der amerikanischen „Endometriosis Association“ können wir daher immer noch lesen:</p>
<blockquote><p>&#8222;<em>Je stärker der hormonelle Eingriff um so ausgeprägter die Nebenwirkungen. Daher wird der Einsatz von GnRH -Agonisten heute kritisch gesehen. Alternativmedizinische Konzepte wie die TCM (traditionelle chinesische Medizin/ u.a. Akupunktur) können vielen Frauen eine nebenwirkungsfreie Behandlung anbieten. (&#8230;) Bei Fällen von schwerer Endometriose kann es aber sogar nach Radikaloperationen oder den Wechseljahren zum Wiederauftreten der Erkrankung im Zusammenhang mit einer Hormonersatztherapie oder noch vorhandener körpereigener Hormonproduktion kommen. Daher empfehlen manche Sachverständige, während einer kurzen Zeit nach der Entfernung der Eierstöcke auf eine Hormonersatztherapie zu verzichten. </em>(&#8230;) <em>Vielleicht werden wir eines Tages dieses komplexe Krankheitsbild verstehen und eine Lösung für alle Unklarheiten, Schmerzen und Frustrationen, die dieses Leiden mit sich bringt, finden.&#8220; (Endometriosis Association 1999)</em></p></blockquote>
<p>Früher konnte sich eine Frau mit Bauchschmerzen ins Bett legen, heute soll sie sich zur Arbeit quälen. Es ist wirklich kein Wunder: Viele Frauen mit Endometriose sind Hausfrauen oder arbeiten Teilzeit; sie sind auf die Versorgung durch ihren Partner angewiesen. Aber: Das Teuflische an der Endometriose ist, dass betroffene Frauen oft Schmerzen beim Sex haben. Anders als bei den meisten anderen Krankheiten haben sie damit genau bei der Sache Schwierigkeiten, wofür die Ehe einst erfunden wurde! Die Ehe dient ja der Kontrolle der Sexualität der Frau und der Verfügbarkeit ihres Körpers, bzw. der Unterdrückung ihrer <em>female choice</em>, und ist die Basis der Herrschaft des Vaters, kurz des Patriarchats. Daher muss sie ihrem Manne exklusiv und jederzeit zur Verfügung zu stehen und soll auch noch Freude zur Schau stellen. Heute ist die Vergewaltigung in der Ehe zwar verboten. Eine Frau, die ihrem Manne aber nicht &#8222;dienlich&#8220; sein kann und will, ist ständig von Scheidung bedroht, was ihr Verhalten wiederum beeinflusst. Und so kommt es, dass Frauen auch heute Dinge tun, die sie nicht wollen, und die sie noch kränker machen. Im Übrigen gilt das auch für Frauen, die beim Sex immer eine Blasenentzündung bekommen. Es gibt hierbei einen deutlichen Zusammenhang mit der missachteten <em>female choice</em> (vgl. Uhlmann 2015). Gleiches gilt auch für das gerade erst öffentlich gewordene Krankheitsbild der <a href="http://wienerin.at/home/lieben/psyche/5103156/Postkoitale-Dysphorie_Depressiv-nach-dem-Sex-Das-koennte-der-Grund" target="_blank" rel="noopener noreferrer">postkoitalen Dysphorie</a>, deren Ursachen nur wenig verstanden werden, weil die <em>female choice</em> in der Schulmedizin bisher nicht vorkommt. Betroffenen Frauen bleibt oft nur die Berufstätigkeit ohne männlichen Lebenspartner oder ein sehr einsichtiger Partner, den frau lange suchen muss.</p>
<p>Abgesehen von diesen, das Sexualleben einer Partnerschaft störenden Krankheiten, schützt die Partnerschaft kranke Frauen offenbar recht gut vor krankheitsbedingtem sozialem Abstieg. Ingrid Waldron legte Ende der Neunziger Jahre drei weitere Studien auf, mit denen sie die Zusammenhänge von Krankheit und Ehe untersuchte, ausgehend von der Beobachtung, dass verheiratete Erwachsene im Allgemeinen gesünder sind als unverheiratete Erwachsene. Alle drei Studien untersuchten dieselbe Gruppe von 3.331 Frauen, eine große nationale Stichprobe aus den USA, die in die „National Longitudinal Surveys of Young Women“ (nationale Langzeituntersuchung an jungen Frauen) einfloss. Die Frauen waren zu Beginn zweier aufeinanderfolgender fünfjähriger Nachbeobachtungsintervalle (<em>Follow-up</em> 1978-1983 und <em>Follow-up</em> 1983-1988) 24-34 Jahre alt.<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8816016" target="_blank" rel="noopener noreferrer" id="die-erste-studie">Die erste Studie</a> überprüfte, ob „die Ehe mit guter Gesundheit verbunden ist, weil sie gesundheitsfördernde Wirkungen hat (Heiratsschutzeffekte) und / oder weil gesündere Personen eher heiraten und verheiratet bleiben (Heiratsselektionseffekte).“ Sie kam zu folgendem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Auswertungen der (&#8230;) Daten deuten darauf hin, dass es signifikante Heiratsschutzwirkungen gab, jedoch nur bei Frauen, die nicht angestellt waren. <strong>Insbesondere bei Frauen, die nicht berufstätig waren, hatten verheiratete (&#8230;) bessere Gesundheitstrends als unverheiratete.</strong> Es scheint, dass die Ehe als alternative Quelle finanzieller und sozialer Unterstützung gesundheitsfördernde Wirkungen für Frauen hatte, die nicht berufstätig waren. <strong>(&#8230;) Insbesondere Frauen, die eine bessere Gesundheit hatten, waren anfänglich eher verheiratet und erlebten weniger wahrscheinlich eine Scheidung, was aber nur für Frauen gilt, die nicht in Vollzeit und nur während des ersten Follow-up-Intervalls beschäftigt waren.</strong> Es ist augenscheinlich, dass bei Frauen, die nicht berufstätig waren, Heiratsschutzeffekte und Heiratsselektionseffekte zum Unterschied (&#8230;) im Familienstand beitrugen. <strong>Im Gegensatz dazu wurden bei Frauen, die Vollzeit beschäftigt waren, weder Heiratsschutz- noch Heiratsselektionseffekte beobachtet.</strong> Wie erwartet, zeigen die Daten, dass die Unterschiede in der Gesundheit je nach Familienstand sehr groß waren, und für Frauen, die nicht erwerbstätig waren, hoch signifikant waren, wohingegen sie für erwerbstätige Frauen viel kleiner und oft nicht signifikant waren. <strong>Frauen, die weder verheiratet noch berufstätig waren, hatten eine besonders schlechte Gesundheit.</strong> Zusätzliche Beobachtungen deuten darauf hin, dass <strong>Frauen, die weder verheiratet noch berufstätig waren, unter mehreren wechselseitigen Benachteiligungen litten, darunter schlechte Gesundheit, niedrige Einkommen und soziodemographische Merkmale, die Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche nach sich zogen.&#8220;</strong> (Waldron <em>et al.</em> 1996, meine paraphrasierte Übersetzung, Verkürzungen dienen der Verständlichkeit, meine Hervorhebungen)</p></blockquote>
<p>Die Ausgangsannahme der gesundheitsfördernden Wirkung der Ehe wurde damit nur für wenig oder nicht berufstätige Frauen bestätigt. Während leicht kranke Hausfrauen in der Ehe sogar gesünder werden, haben schwer kranke Frauen auf dem Heiratsmarkt wenig Chancen. Vollzeit berufstätig profitiert keine Frau von der Ehe.<br />
Es ist ja ganz klar, dass Frauen, die aufgrund ihrer Verfassung in die Ehe gezwungen sind, um abgesichert zu sein, auch nicht besonders glücklich sind, aber doch immerhin glücklicher als ohne jede Sicherheit, was sich natürlich positiv auswirken muss. Gleichzeitig hatten es kranke Ehefrauen viel schwerer, überhaupt einen Partner zu finden, so dass sie wahrscheinlich einfach nur froh und dankbar sind, und sich das Gefühl von Sicherheit positiv auswirkt.</p>
<p><a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9351156" target="_blank" rel="noopener noreferrer" id="die-zweite-studie">Die zweite Studie</a> überprüfte, ob „sich der Familienstand auf die Gesundheit zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten Frauen unterschiedlich auswirkt“. Sie kam zu folgendem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>&#8222;(&#8230;) Wegen körperlicher Beeinträchtigungen und allgemeiner Gesundheitsprobleme tendierten im ersten Follow-up-Intervall nie verheiratete Frauen zu schlechterer Gesundheit als geschiedene und getrennte Frauen. <strong>Für psychosomatische Symptome gab es jedoch keine tendenziellen Unterschiede zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten Frauen des Follow-up-Intervalls auch nicht für irgendeine andere gesundheitliche Messgröße im zweiten Follow-up-Intervall.</strong> Unsere Analysen der Daten zeigten nur wenige signifikante Unterschiede im Gesundheitszustand zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten Frauen. <strong>Zusammengenommen weisen die Ergebnisse unserer Studie und früherer Studien darauf hin, dass Unterschiede zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten Frauen je nach Alter und/oder Kohorte variieren können.</strong> Die augenscheinlichen Befunde für die 1970er und 1980er Jahre legen nahe, dass bei älteren Frauen geschiedene und getrennte Frauen möglicherweise schädlichere gesundheitliche Auswirkungen davon trugen als nie verheiratete Frauen; bei jüngeren Frauen war dieser Unterschied jedoch möglicherweise nicht vorhanden oder möglicherweise aufgehoben worden.&#8220; (Vgl. Waldron <em>et al.</em> 1997, meine paraphrasierte Übersetzung, Verkürzungen dienen der Verständlichkeit, meine Hervorhebungen)</p></blockquote>
<p>Anders gesagt bedeutet das: Dass nie verheiratete Frauen häufiger körperlich krank sind, bestätigt noch einmal die Ergebnisse der ersten Studie, nach der sie schwerer einen Partner finden. Was die psychosomatischen Symptome angeht, vergleicht Waldron Getrennte und nie Verheiratete und stellt fest, dass sie ähnlich gesund oder krank sind. Dieser Befund entspricht im Grunde der Munsch-Studie, aber nur wenn wir voraussetzen, dass diese nie Verheirateten gesunde, berufsorientierte Frauen waren. Auf körperliche und psychosomatische Beschwerden gemeinsam bezogen, verwischte jeder Unterschied zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten. Wird das Alter der Frauen mitberücksichtigt, differenziert sich das Bild noch einmal. Je früher sich eine Frau trennte, desto weniger litt offenbar ihre Gesundheit darunter.</p>
<p><a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9785695" target="_blank" rel="noopener noreferrer" id="die-dritte-studie">Die dritte Studie</a> überprüfte insgesamt vier Hypothesen „über die Auswirkungen von Beschäftigung, Heirat und Mutterschaft auf die allgemeine körperliche Gesundheit von Frauen (&#8230;) Diese Hypothesen sagen voraus, wie der Gesundheitseffekt jeder Rolle variiert, abhängig von den spezifischen Rollenmerkmalen und den anderen Rollen, die eine Frau innehat.“ (Waldron <em>et al. </em>1998)</p>
<p>Die 1. Hypothese ging davon aus, „dass Beschäftigung und Ehe ähnliche Ressourcen zur Verfügung stellen (z. B. Einkommen und soziale Unterstützung), und infolgedessen können Beschäftigung und Ehe sich in ihren vorteilhaften Wirkungen auf die Gesundheit gegenseitig ersetzen.“ Die Untersuchung führte zu folgendem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>„Wie vorhergesagt, stellten wir fest, dass die Beschäftigung bei unverheirateten Frauen positive Auswirkungen auf die Gesundheit hatte, bei verheirateten Frauen jedoch nur geringe oder gar keine Auswirkungen. In ähnlicher Weise hatte die Ehe nur für Frauen, die nicht erwerbstätig waren, gesundheitsfördernde Wirkungen.&#8220; (Waldron <em>et al. </em>1998, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Die 2. Hypothese ging davon aus, dass erwerbstätige Mütter eine Doppelbelastung erfahren, was zu schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit führt. Dazu kam es zu folgendem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>&#8222;Wir fanden jedoch nur <strong>sehr wenige Beweise dafür, dass die Kombination von Beschäftigung und Mutterschaft zu schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit führte.</strong>&#8220; (Waldron <em>et al. </em>1998, meine Übersetzung, meine Hervorhebung)<strong><br />
</strong></p></blockquote>
<p>Im Gegensatz zu den Vorhersagen der 3. Hypothese, der &#8222;Rollenüberforderungshypothese&#8220;,</p>
<blockquote><p>&#8222;<strong>scheint es, dass weder längere Arbeitszeiten noch mehr Kinder schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben.</strong>&#8220; (Waldron <em>et al.</em> 1998, meine Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
<p>Wie durch die 4. Hypothese vorhergesagt,</p>
<blockquote><p>&#8222;schien <strong>das jüngere Alter bei der ersten Geburt</strong>, insbesondere eine Geburt im Teenageralter, zu schädlicheren Gesundheitsfolgen zu führen.&#8220; (Waldron <em>et al.</em> 1998, meine paraphrasierte Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
<p>Anders gesagt bedeutet das: Diese Ergebnisse bestätigen die erste und zweite Studie. Sie liefern nicht den Nachweis, dass die Berufstätigkeit verheiratete Frauen gesünder mache, aber auch nicht kränker. Wie wir ja inzwischen wissen, sind die Frauen, die in den Beruf gehen, überwiegend von vorne herein gesund. Die Studie liefert auffälligerweise kaum Beweise, dass eine Doppelbelastung krank macht. Darüber hat sich auch Ingrid Waldron gewundert. Das steht auch im Kontrast zu Caterina Trevisans Behauptung, dass mehr Mithilfe des Mannes im Haushalt vor Krankheit schützt. Aber Waldron ahnt sehr wohl  &#8211; wie wir alle eigentlich &#8211; dass viele berufstätige Mütter insbesondere kleiner Kinder am Rande der Erschöpfung sind (vgl. Repetti <em>et al.</em> 1989, S. 1394 u. 1399). Aber selbst die Kinderzahl hat der Studie zufolge keinerlei Auswirkungen auf die Gesundheit. &#8222;Nur sehr wenige Beweise&#8220; bedeutet zwar nicht &#8222;keine Beweise&#8220;, wenn wir aber bedenken, dass diese meisten Frauen 1. als Berufstätige eher von vorne herein gesund sind, 2. die Zahl ihrer Kinder selbst bestimmen können, 3. aufgrund ihrer Berufstätigkeit Zugang zu Hilfsangeboten haben, 4. sie Hausarbeit delegieren können, 5. sie das Geld haben, teure Gesundheitsangebote wahrzunehmen und 6. oft die Option haben, auch in Teilzeit zu gehen, ist das nicht verwunderlich.<br />
Ein sehr junges Alter bei der ersten Geburt ist dagegen meist eine unfreiwillige Situation. Dass hier gesundheitliche Schwierigkeiten auftreten, kann unterschiedliche Gründe haben, die aber vor allem im Umfeld der Mutter zu suchen sind, jedenfalls ist sie in Anbetracht der prekären Situation, in die sie meist gerät, zwangsläufig überfordert.</p>
<h3 id="die-patriarchale-realitaet-macht-frauen-krank">Die patriarchale Realität macht Frauen krank</h3>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/scott-webb-386701.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Mehrparteienhaus" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/scott-webb-386701.jpg?resize=300%2C445&#038;ssl=1" alt="Mehrparteienhaus" width="300" height="445" /></a></p>
<p><span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/sgMdt0sTi0s?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Scott Webb</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
<br />
Wir wissen, dass vieles, was Frauen krank macht, direkt mit der Partnerschaft zu tun hat: die Konflikte mit dem Ehemann, der indirekt aufrechterhaltene Zwang zum Geschlechtsverkehr bzw. die sexuelle Unfreiheit, ein schnarchender Ehemann, herrschsüchtige Schwiegereltern, häusliche Gewalt u. v. m.. Letzteres wurde jüngst vom BKA untersucht, mit dem Ergebnis, dass die Familie der gefährlichste Ort für Frauen und Kinder ist. Krankmachend ist auch die für das Patriarchat typische Wohnsituation. Nachbarschaftsstreit und Isolation in engen Wohnungen oder im Golden Käfig, trägt das seine dazu bei. Es ist aber auch nicht von der Hand zu weisen, dass Berufstätigkeit Frauen krank macht, und zwar vor dem Hintergrund der durch und durch patriarchalen Philosophie der Berufswelt, einer Welt, die von Männern für Männer gemacht wurde und in die Frauen sich nun integrieren (sollen).</p>
<p>Krank machende Faktoren der Arbeit selbst sind bekanntermaßen &#8211; das gilt für beide Geschlechter &#8211; lange Arbeitszeit, Schichtarbeit, schwere körperliche Arbeit oder überwiegend sitzende Tätigkeiten, Kontakt mit Giftstoffen oder Krankheitserregern, das Arbeitsklima unter den Kollegen, die Führungsqualitäten des Chefs/der Chefin, unverschämte Kunden, mangelnde Lohngerechtigkeit und die Einstellung zur Arbeit. In einer Studie der Ohio State University aus dem Jahre 2016 wurde nun festgestellt, dass zuviel Arbeit vor allem Frauen krank macht. Sie untersuchten eine Gruppe von 7492 Personen aus der „National Longitudinal Survey of Youth“, die 32 Jahre Berufserfahrung hatten (1978 bis 2009)</p>
<blockquote><p>&#8222;Diese Studie zielt darauf ab, das chronische Krankheitsrisiko im Zusammenhang mit längerer Arbeit in Stundenplänen für acht schwerwiegende chronische Krankheiten zu bewerten: Herzerkrankungen, Nicht-Hautkrebs, Arthritis, Diabetes, chronische Lungenerkrankungen, Asthma, chronische Depression und Bluthochdruck. (&#8230;) Die regelmäßige Arbeit über 32 Jahre hinweg war signifikant mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen, Hautkrebs, Arthritis und Diabetes assoziiert. Das beobachtete Risiko war bei Frauen viel größer als bei Männern. (&#8230;) Langfristige Arbeitszeitpläne über viele Jahre erhöhen das Risiko für bestimmte chronische Krankheiten, insbesondere für Frauen.&#8220; (Dembe <em>et al.</em> 2016)</p></blockquote>
<p>Frauen sind auch häufiger krankgeschrieben als Männer, obwohl sie bekanntermaßen mehr auf ihre Gesundheit achten und sich besser ernähren:</p>
<blockquote><p>„Der Krankenstand der weiblichen Versicherten ist mit durchschnittlich 4,2 Prozent – wie auch in den Vorjahren – höher als der der männlichen Versicherten (3,7 Prozent). Wie der Altersverlauf zeigt, liegt der Krankenstand der Frauen praktisch in allen Altersgruppen über dem der Männer. Der höhere Krankenstand von Frauen ist im Wesentlichen auf eine höhere Fallhäufigkeit (121,3 Fälle bei Frauen gegenüber 104,0 Fällen bei Männern je 100 Versichertenjahre) zurückzuführen.“ (Storm 2017, S. 14)</p></blockquote>
<p>Frauen leben auch länger als Männer, halten also trotz aller Schwierigkeiten länger durch. Sie sind als Berufstätige möglicherweise auch deshalb gesünder, <strong>weil</strong> sie sich häufiger krankschreiben lassen und sich so vor krankmachender Arbeit besser schützen. Sie scheuen sich weniger, sich krankschreiben zu lassen, denn sie haben meist feine Antennen dafür, was sie sich zumuten können, und oft sind sie nicht Alleinverdienerinnen, die um ihren Job fürchten müssten. Aber Frauen lassen sich noch viel zu wenig krankschreiben. Viele werden erst richtig krank, <em>weil</em> sie es sich nicht leisten können, weil sie <em>nicht krank</em> werden dürfen. Im Übrigen auch nicht ihre Kinder! Sehr kleine Kinder sind besonders anfällig und leiden besonders darunter, aber ausgerechnet sie werden in der Kita dauerhaft vielen Erregern ausgesetzt, die sie obendrein an ihre Eltern und Erzieherinnen weitergeben. Eine vergleichbare Ansteckungsgefahr hat es in der Evolution nie gegeben, und die <a href="http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/58634/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Medizin fängt jetzt erst an zu verstehen, was das anrichten kann</a>. Wenn das Kind krank wird oder wenn die Kita schließen muss, bleibt der Mutter oft nur noch, sich selbst krank zu melden, weil ihre Urlaubstage und vertraglich geregelten kindbedingten Fehlzeiten, die viel zu knapp bemessen sind, schon verbraucht sind. Manchen mag das wie eine die Gesellschaft ausbeutende Trickserei vorkommen, aber sie sollten dran denken, dass Mütter die Berufstätigen von morgen großziehen, die eines Tages auch die Rente erarbeiten.</p>
<h3 id="Schon-die-Maedchen-werden-krank-gemacht">Schon die Mädchen werden krank gemacht – Kinderarbeit und Drill</h3>
<p>Wir Frauen werden schon früh trainiert, uns anzupassen. Die Schule nimmt auf die Beschwerden von Mädchen keine Rücksicht. In der aktuellen <a href="https://www.kiggs-studie.de/deutsch/home.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) des Robert-Koch-Instituts</a> lesen wir:</p>
<blockquote><p>&#8222;In der Altersgruppe der 14- bis 17-Jährigen schätzten Mädchen ihre Lebensqualität signifikant niedriger ein als gleichaltrige Jungen. In den beiden jüngeren Altersgruppen war kein Geschlechterunterschied in der Lebensqualitätseinschätzung zu beobachten.&#8220; (Ellert et al. 2014, S. 801)</p></blockquote>
<p>Alle Jugendlichen leiden unter chronischem, von der Schule aufgezwungenem Schlafmangel und Stress, dies ausgerechnet in einer Zeit, wo sich das Gehirn noch entwickeln muss. Aber Mädchen sind besonders leidgeprüft. Es ist tatsächlich kein Geheimnis, dass Mädchen in den ersten Tagen der Menstruation oft starke Schmerzen haben und häufig dem Unterricht fernbleiben oder nicht den Anforderungen folgen können. Das Horrorszenario überhaupt ist ein Blutfleck auf der Kleidung, das es um jeden Preis zu vermeiden gilt, aber der <a href="https://www.mynfp.de/unregelmaessiger-zyklus" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zyklus</a> ist unberechenbar, und schon greifen Mädchen zur Pille.<br />
Ständig unter Konkurrenz versuchen sie ihre sexuelle Attraktivität auch durch aufwändiges Herausputzen zu steigern, evolutionär gesehen, um baldigst schwanger zu werden. So betrachtet ist es kein Wunder, dass &#8222;Germany&#8217;s Next Topmodel&#8220; so erfolgreich ist. Die KiGGS-Studie zeigt nun, dass rund jedes fünfte Kind einzelne Symptome einer Essstörung aufweist. Obendrein empfand sich fast jedes zweite Mädchen zwischen 11 und 17 Jahren als zu dick (vgl. Burger 2017). Das Schönheitsideal hat nichts mit den evolutionären Erfordernissen zu tun. Aber nicht Heidi Klum ist daran Schuld, sondern das patriarchale System, in dem junge Frauen verzweifelt nach einem guten Leben suchen müssen. Doch alle gemeinsam arbeiten daran, das zu verhindern. Die zunehmenden Fälle von Magersucht zeigen, dass Mädchen dem Druck nicht mehr gewachsen sind. Trotz aller Schwierigkeiten „ihren Mann zu stehen“ und gleichzeitig eine attraktive Frau zu sein, schaffen die Allerwenigsten. Dass Mädchen keinen Hass auf ihren Körper entwickeln, ist schon die Ausnahme.</p>
<p><span style="font-size: 8px;"><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/henrique-felix-113544.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1267" title="ein dünnes Süppchen" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/henrique-felix-113544.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="ein dünnes Süppchen" width="600" height="400" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/henrique-felix-113544.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/henrique-felix-113544.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><br />
Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/JVkGUwTYQag?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Henrique Félix</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Die amerikanische Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy klärt uns darüber auf, dass natürlicherweise die Mädchen am wenigsten arbeiten, die alten Frauen dagegen am meisten:</p>
<blockquote><p>„Bei einigen Jäger-Sammler-Gruppen wie den Pumé in Venezuela beispielsweise beginnt die Durchschnittsfrau erst mit Mitte zwanzig, ihre Nahrung für sich selbst zu sammeln. (&#8230;) Selbst wenn sie harte Arbeit leisten, etwa Knollen ausgraben, buddeln Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren weniger Knollen in einer Stunde aus als ältere Frauen, die schon über 40 sind. Wenn die Nahrung ins Lager zurückgetragen wird, sind es am Ende aus irgendeinem Grunde immer die starken jungen Frauen, die die leichtesten Lasten tragen. (&#8230;) Teenager sind (&#8230;) unter Umständen nicht mit ganzem Herzen bei der Sache, selbst dann nicht, wenn es sich um eine leichte Aufgabe handelt. (&#8230;) Es ist so, als schonen Teenager sich für etwas Besseres – was unter dem Gesichtspunkt der Fortpflanzung auch tatsächlich so ist. (&#8230;) Moderne Mütter machen grimmige Witze über den Narzissmus der jungen Frauen, ihre Ich-Bezogenheit, Unruhe und ihre Fixiertheit auf das andere Geschlecht. Doch von ihrem Standpunkt aus gesehen arbeiten die Mädchen um die Zeit der Menarche auf ihre Weise hart: sie programmieren nämlich ihren Hypothalamus und ihre Eierstöcke neu (&#8230;) Heranwachsende haben mitunter Erwartungen und setzen Prioritäten, die sich stark von denen der Eltern unterscheiden. Auch wenn sie den Grund dafür nicht kennen, werden sie, wenn es hart auf Hart kommt, ihr eigenes Fortpflanzungspotenzial nicht zu Gunsten eines fremden Babys aufs Spiel setzen. „Kinderarbeit, das soll wohl ein Witz sein“, lamentiert eine Mutter (&#8230;) ermüdet vom Widerstand ihrer Tochter gegen jede Hausarbeit.“ (Blaffer Hrdy 2010a, S. 316 f)</p></blockquote>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Mädchen auf dem Jahrmarkt" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/annie-gray-401017.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Mädchen auf dem Jahrmarkt" width="600" height="400" /><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/_O6xCs0P-NI?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Annie Gray</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Mädchen interessieren sich jedoch bei weitem nicht nur für Jungen, sondern sind schon lange bevor sie Mutter werden damit beschäftigt, <a href="http://www.spektrum.de/news/kinder-koennen-auch-ohne-vater-gluecklich-aufwachsen/1479737" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ein helfendes Netzwerk zu schaffen</a>. Sarah Blaffer Hrdy schreibt dazu:</p>
<blockquote><p>„Beginnend im Mädchenalter, werden Frauen mit zunehmendem Alter immer geschickter darin, Freundschaften zu schließen. Diese Neigungen wurzeln anders als bei Männern nicht in dem Bestreben, Jagdgefährten oder Waffenbrüder zu finden. Ob bewusst oder nicht, suchen Frauen nach ‚Schwestern’, die ihnen bei der Versorgung ihrer Kinder zur Seite stehen. Selbst der starke Drang, sich beliebt zu machen und ‚dazuzugehören’, der bei Mädchen im Teenageralter so unverkennbar ist und der zur Folge hat, dass sie äußerst empfindlich darauf regieren, was andere von ihnen denken, aber auch, dass sie sehr konkurrenzorientiert sind und andere rücksichtslos ausschließen, hat möglicherweise viel mit dem Aufbau von Bindungen zutun, die in den Umwelten unserer Vorfahren für die erfolgreiche Aufzucht von Kindern von entscheidender Bedeutung gewesen sein dürften.“ (Blaffer Hrdy 2010b, S. 372 f)</p></blockquote>
<p>Das Netzwerken ist für Frauen evolutionär gesehen eine brandneue und daher sehr anstrengende Arbeit, weil sie ursprünglich in ein bestehendes, funktionierendes Netzwerk, nämlich die matrilineare Sippe, hineingeboren wurden. Männer sind dagegen seit Urzeiten daran gewöhnt, mit fremden Männern Kontakt aufzunehmen und bildeten einst Jagdkollektive. Mittlerweile ist klar, dass das Überleben der Gruppe nicht vom Jagderfolg abhing, sondern vom Sammeltalent der Frauen. Es wurde nur selten ein großes Tier erbeutet. Männer gingen zur Jagd, um mit dem Gejagten angeben zu können. Ein erfolgreicher Mann hatte mitunter häufiger Liebhaberinnen. (vgl. Blaffer Hrdy 2010a, S. 312 u. 332)</p>
<p>Ich sehe das steinzeitliche Netzwerk der Männer als ein Werkzeug der <em>female choice</em> an. Das Netzwerk der untereinander nicht verwandten Männer war die Eintrittskarte jedes Einzelnen in die Sippe des Anderen. Nur wer zum Netzwerk gehörte, war vertrauenswürdig genug, sich den Frauen nähern zu dürfen. Das Netzwerk lieferte nicht nur neue Männer, es schützte auch vor Übergriffen.</p>
<p>Im Patriarchat, wo es keine matrilineare Sippe mehr gibt, ist es für Mädchen überlebensnotwendig geworden, ein Netzwerk aus eigentlich fremden, konkurrierenden Frauen aufzubauen. Evolutionär darauf nicht vorbereitet, läuft das nicht ohne Schwierigkeiten ab und die Netzwerke sind äußerst instabil. Zickenkrieg, Stutenbissigkeit und auch die männlichen Freunde, die überall dabei sind und obendrein eine Herausforderung für die <em>female choice</em> sind, erschweren die Herstellung von Frauenfreundschaften. Was früher von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ablief, wird durch das Internet offensichtlich. Cybermobbing ist unter Mädchen weit verbreitet und macht viele Mädchen krank.<br />
<a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/jacob-townsend-440823.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Junge Frauen in Trennung" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/jacob-townsend-440823.jpg?resize=600%2C421&#038;ssl=1" alt="Junge Frauen in Trennung" width="600" height="421" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/sOK08OmFu04?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Jacob Townsend</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Das von Mädchen mühsam und unter Einsatz ihrer Gesundheit aufgebaute Netzwerk wird mit dem Ende der Schulzeit zerstört, nämlich indem sie ihre Ausbildung nach Möglichkeit weit entfernt absolvieren sollen. Später müssen sie oft in einer anderen Stadt berufstätig sein, was dann bedeutet, dass auch die während der Ausbildung neu geknüpften Netzwerke zerstört werden. Was bedeutet es für das Gefühl der Selbstwirksamkeit einer jungen Frau, wenn das, was ihr am wichtigsten ist, immer wieder zerstört wird? Vielleicht ist die Kompensation dieses Effekts der wahre Grund, warum Mädchen zunächst bessere Noten erzielen als Jungen, im Berufsleben aber wieder in der zweiten Reihe stehen. Das Patriarchat verhindert den Aufbau dauerhafter weiblicher Netzwerke und sorgt für eine weitgehende Isolation. Im Laufe ihres Lebens zerbricht so Manche, die einst so hoffnungsvoll begann.</p>
<p>Die Gebärfähigkeit oder die Größe des sozialen Netzwerkes waren bei den Studien über arbeitende Frauen kein Kriterium für Gesundheit, obwohl das aus medizinischer und verhaltensbiologischer Sicht so ist. Es wurde aber angenommen, dass berufstätige Frauen größere Netzwerke hätten, und deshalb gesünder seien. Dem ist jedoch nicht so, und je mehr Hilfe sie brauchen, desto weniger haben sie:</p>
<blockquote><p>„Die Netzwerkarbeit ist (&#8230;) für viele Frauen nicht so einfach und so lohnend wie für Männer. NetzwerkforscherInnen konnten nachweisen, das berufstätige Frauen mit kleinen Kindern Zeit- und Energierestriktionen unterliegen, die einen negativen Einfluss auf die Größe und das Kontaktvolumen ihrer persönlichen Netzwerke haben (&#8230;).“ (Tonn 2015, S. 180)</p></blockquote>
<p>Das Vorhandensein von Netzwerken oder die Möglichkeit solche zu bilden dürfte also auch entscheidend für die gesundheitlichen Auswirkungen der Berufstätigkeit von Frauen sein.</p>
<p>Wie wir oben erfahren haben, arbeiten bei den Naturvölkern die älteren Frauen am meisten, also auch nicht die Frauen, die gerade kleine Kinder haben. Aber heute wird genau das von jungen Müttern verlangt, nachdem man ihnen alle Netzwerke zerstört hat. Das Potential, das ältere Frauen natürlicherweise noch haben, wurde im Patriarchat vorzeitig verbraucht und kann daher kaum erkannt werden. Sie sind erschöpft, und insbesondere die, die berufstätig waren, unternehmen lieber Kreuzfahrten, als ihren Töchtern zu helfen. Jetzt, sagen sie, seien sie auch mal dran. Sie waren es also während ihres ganzen Berufsleben nicht! Die, die sich einen Egotrip nicht leisten können, verbringen ein Alter im Abseits, wenn die Töchter weit entfernt wohnen. Das Patriarchat hat alles auf den Kopf gestellt. Ein gutes Leben ist damit für Mütter unmöglich gemacht. Wir meinen trotzdem häufig, alles zu haben, nennen uns zufrieden, aber wir wissen nicht, was uns entgangen ist!</p>
<p>Wie es sich schon bei Mädchen abzeichnet, haben Frauen evolutionär bedingt andere Prioritäten als Männer. Die Gesundheit einer Frau im Arbeitsleben hängt in ganz entscheidendem Maße davon ab, ob sie ihre Arbeit als sinnstiftend empfindet und freiwillig macht. Frauen sind von Natur aus viel wählerischer als Männer. Sie müssen so sein, weil sie in höherem Maße Verantwortung tragen. Die <em>female choice</em> und die richtigen Entscheidungen im Alltag, z.B. Wohnort oder Ernährung, all dies ist für Frauen extrem wichtig, weil sie für die nächste Generation mitentscheiden müssen. Warum sollte es bei der Arbeit anders sein und vor allem: warum sollte sich eine Frau festlegen müssen? Wird das alles übergangen, werden Frauen krank, das bestätigen auch die Studien:</p>
<blockquote><p>&#8222;Eine Analyse (&#8230;) spricht dafür, dass Erwerbsbeteiligung nur für verheiratete Frauen mit einer positiven Einstellung zur Erwerbstätigkeit einen positiven Einfluss auf die selbstverordnete allgemeine Gesundheit hat. Verschiedene Querschnittsstudien haben auch gefunden, dass die Verbindung von Berufstätigkeit und guter Gesundheit für diejenigen Frauen stärker ist, die eine positive Einstellung zur Berufstätigkeit haben oder für Frauen, die eine solche dem Hausfrauendasein vorziehen. (&#8230;) Zusammengefasst deuten diese Befunde daraufhin, dass Berufstätigkeit positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat, wenn es eine Übereinstimmung zwischen der Einstellung der Frauen zu oder dem Wunsch nach Berufstätigkeit und ihrem tatsächlichen Rollenstatus gibt.&#8220; (Repetti <em>et al.</em> 1989, S. 1397, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Wer eine überzeugte Hausfrau dazu zwingt, berufstätig zu werden, fügt ihr Schaden zu. Es ist nicht anderes, als wolle man eine Soziologin dazu zwingen, Ingenieurin zu sein. Gleiches gilt, wenn man eine berufsorientierte Frau dazu zwingt, Hausfrau zu sein. Es verbietet sich demnach jede Einmischung in die Lebensgestaltung von Frauen. Stattdessen muss dem Patriarchat auf den tiefsten Grund gegangen werden. Damit meine ich die Philosophie, die die Matrifokalität, das natürliche Schutz- und Netzwerk der Frau, vollverschleiert und sogar abtötet, und Vaterschaft und Familie zu einer Sache der Gerechtigkeit erklärt. Auf dem gleichen Altar der Gerechtigkeit fordert der Feminismus Gleichberechtigung. Es ist aber so, dass Gleichberechtigung nicht identisch ist mit Egalität, und sie verhindert Egalität sogar. Rechte werden vergeben &#8211; und zwar nicht ohne den Segen der Männer &#8211; und können von ihnen wieder genommen werden, solange sie die Gewalt und Macht des Vaters besitzen.</p>
<p>Die Mädchen bzw. Frauen werden schon früh gedrillt, trotz ihrer Beschwerden und Bedürfnisse zu funktionieren, in einer Weise, wie es Jungen bzw. Männern unbekannt ist. Ihre spezifischen Bedürfnisse, auch die von Kindern, werden mit Füßen getreten. Die Leistungsgesellschaft bietet nicht die Sicherheit, die junge Frauen bewusst oder unbewusst suchen und tatsächlich auch brauchen, wenn sie tatsächlich Mutter werden. Junge Frauen spüren überall, wie ihnen der schwankende Boden unter den Füßen ganz weggerissen wird.<br />
Der Feminismus hat erreicht, dass Frauen sich jetzt selbst erforschen dürfen und unendlich viele Tatsachenverdrehungen richtig stellen können. Wünschenswert wäre, dass sie es auch schonungslos tun! Wir wissen jetzt immerhin, dass Frauen, die vergewaltigt wurden, nicht selbst Schuld sind. Was aber Bedürfnisse angeht, klafft weiterhin eine riesige Lücke zwischen soziologischen Wunschträumen und medizinischer und soziologischer Realität. Daher wird noch mehr Zwang aufgebaut, statt ihn zu hinterfragen. Es ist, wie wir gesehen haben, ganz einfach, die Gruppe der Hausfrauen mit Statistik in Misskredit zu bringen und Druck auf sie auszuüben. Sie sind mittlerweile das Feindbild Nummer eins. Um Geld zu sparen, singen PolitikerInnen &#8211; unterstützt durch eine Clique bezahlter SoziologInnen &#8211; das alte Lied von der Eigenverantwortlichkeit. Das System baut darauf, dass alle gesund sind und es auch bleiben, und es gilt, das nicht sein kann, was nicht sein darf. Chronisch Schwerkranke erhalten zwar gewisse Hilfen, vegetieren aber am Existenzminimum herum und haben so keine Möglichkeit, ihre schlechte Lebensqualität durch Freizeitgestaltung zu verbessern. Besonders kranke Frauen werden diskriminiert. Frauen, die aufgrund von typischen Frauenbeschwerden im Grunde erwerbsunfähig sind, werden sogar als faul oder eingebildet krank abgestempelt. Ihr gesellschaftlicher Beitrag als Hausfrau und Mutter wird nicht honoriert. Ihnen hilft nicht einmal eine Berufsunfähigkeitsversicherung, weil sie theoretisch ja noch arbeiten könnten.</p>
<p>Das Ehegattensplitting, das heute übrigens auch gleichgeschlechtlichen Ehen zugutekommt, ist im Grunde eine Anerkennung dafür, dass eine wirtschaftlich besser gestellte Person eine andere absichert. Aber Politikerinnen und Forscherinnen legen leider viel zu oft ihren eigenen Maßstab an alle anderen Frauen an. Zwar sehen sie völlig zu Recht ein Problem darin, dass viele Frauen in und von der Partnerschaft abhängig sind, interessanterweise aber nicht, wenn Männer sich entscheiden, Hausmann zu werden. Es offenbart sich darin das uralte Ziel des Patriarchats, die Mutter abzuschaffen (vgl. Uhlmann 2015a). Statt die weibliche Care-Arbeit zu vergüten, wird Druck ausgeübt, den sie angeblich problemlos auf noch Schwächere abwälzen können: die Kinder. Erste Alarmsignale, dass Kinder immer häufiger und immer früher krank werden, gibt es schon heute.<br />
Einen Ausweg aus der Situation unter den Bedingungen des Patriarchats bzw. der Väter gibt es nicht. Matrifokales Leben ist dagegen zielführend, arbeitet nicht gegen die Natur und hat nichts mit <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/">Mutterkult</a> zu tun.</p>
<h3 id="literatur">Literatur</h3>
<p>Baumgart, Julia: Im Job bleiben aber wie? Rubrik Gesundheit: Endometriose. Das vernachlässigte Leiden. In: Brigitte 9/2008</p>
<p>Blaffer Hrdy, Sarah: Mutter Natur. Die weibliche Seite der Evolution. Berlin 2010 (engl. Originalausgabe 1999) (2010a)</p>
<p>Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere. Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat. Berlin 2010 (engl. Originalausgabe 2009) (2010b)</p>
<p>Borchert, Henning; Cotlatz, Jürgen: Empirische Analysen zu weiblichen Lebenssituationen und Gesundheit. In: Leokadia Brüderl, Bettina Paetzold (Hrsg.) Frauenleben zwischen Beruf und Familie. Psychosoziale Konsequenzen für Persönlichkeit und Gesundheit. Weinheim München 1992</p>
<p>Bundesrepublik Deutschland: Flyer der Bundesregierung. Gender Mainstreaming. Was ist das? Berlin 2006.</p>
<p>Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Mädchen und Jungen in Deutschland. Lebenssituationen, Unterschiede, Gemeinsamkeiten. Berlin 2008</p>
<p>Burger, Kathrin Magersucht: Warum nehmen Essstörungen zu? In: Spektrum der Wissenschaft online vom 24.02.2017<br />
<a href="http://www.spektrum.de/news/essstoerungen-wie-magersucht-nehmen-zu/1439050" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.spektrum.de/news/essstoerungen-wie-magersucht-nehmen-zu/1439050</a></p>
<p>Dembe, Allard E.; Yao, Xiaoxi: Chronic Disease Risks From Exposure to Long-Hour Work Schedules Over a 32-Year Period. In: Journal of Occupational &amp; Environmental Medicine: September 2016 &#8211; Volume 58 &#8211; Issue 9 &#8211; p 861–867.<br />
Doi: 10.1097/JOM.0000000000000810<br />
<a href="http://journals.lww.com/joem/Citation/2016/09000/Chronic_Disease_Risks_From_Exposure_to_Long_Hour.2.aspx" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://journals.lww.com/joem/Citation/2016/09000/Chronic_Disease_Risks_From_Exposure_to_Long_Hour.2.aspx</a></p>
<p>Donner, Susanne: Wenn harmlose Erreger psychisch krank machen. Aus: Bild der Wissenschaft online. 09.05.2007<br />
<a href="http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/58634/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/58634/</a></p>
<p>Ellert, U., Brettschneider A.-K.; Ravens-Sieberer, U.; KiGGS Study Group: Gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse der KiGGS-Studie – Erste Folgebefragung (KiGGS Welle 1) Bundesgesundheitsblatt 2014 · 57:798–806<br />
DOI 10.1007/s00103- 014 -1978- 4<br />
<a href="http://edoc.rki.de/oa/articles/rewpcO0jJpaCw/PDF/20mHufW2LSvbQ.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://edoc.rki.de/oa/articles/rewpcO0jJpaCw/PDF/20mHufW2LSvbQ.pdf</a></p>
<p>Endometriosis Association, Inc: Aufklärung Unterstützung Forschung. Flyer Issued 1980, Revised Milwaukee 1999<br />
<a href="http://www.endometriosisassn.org/brochures/german.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.endometriosisassn.org/brochures/german.pdf</a></p>
<p>Franke, Mirijam: Kampf der Geschlechter: Macht Arbeit nur Frauen krank? Auf:<br />
<a href="https://arbeits-abc.de/viel-arbeit-macht-frauen-krank/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://arbeits-abc.de/viel-arbeit-macht-frauen-krank/</a> abgerufen am 15.11.2017</p>
<p>Gavranidou, Maria: Wohlbefinden und Erwerbstätigkeit im Familienverlauf. In: Bernhard Nauck (Hrsg.) Lebensgestaltung von Frauen. Eine Regionalanalyse zur Integration von Familien- und Erwerbstätigkeit im Lebensverlauf. Weinheim; München 1993</p>
<p>Gelitz, Christiane: <span class="article-heading">Kinder können auch ohne Vater glücklich aufwachsen. Aus: Spektrum der Wissenschaft online vom 05.07.2017<br />
<a href="http://www.spektrum.de/news/kinder-koennen-auch-ohne-vater-gluecklich-aufwachsen/1479737" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.spektrum.de/news/kinder-koennen-auch-ohne-vater-gluecklich-aufwachsen/1479737</a><br />
</span></p>
<p>Hensel, Jana: Lachen als Geste der Demütigung. In: Zeit online vom 14.11.2017<br />
<a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-11/sexismus-buero-arbeit-maenner-frauen-beziehung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-11/sexismus-buero-arbeit-maenner-frauen-beziehung</a></p>
<p>Nuber, Ursula: Wer bin ich ohne dich?: Warum Frauen depressiv werden &#8211; und wie sie zu sich selbst finden. Frankfurt 2012</p>
<p>Kieselbach, Janne: Warum Männer tatsächlich leichter krank werden. Aus: Sciene ORF online. 13.11.2017<br />
<a href="http://science.orf.at/stories/2877788">http://science.orf.at/stories/2877788</a></p>
<p>Kontio, Carina: Depression. Machen Männer Frauen krank? Aus: Handelsblatt online vom 27.09.2012<br />
<a href="http://www.handelsblatt.com/unternehmen/beruf-und-buero/buero-special/depression-machen-maenner-frauen-krank/7176326.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.handelsblatt.com/unternehmen/beruf-und-buero/buero-special/depression-machen-maenner-frauen-krank/7176326.html</a></p>
<p>Koopmann, Anna-Lena: Jetzt ist es wissenschaftlich bestätigt: Männer machen Frauen psychisch krank! ELLE online vom 09. November 2017<br />
<a href="http://www.elle.de/maenner-machen-frauen-krank" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.elle.de/maenner-machen-frauen-krank</a></p>
<p>Maletzke, Elsemarie: Das Leben der Brontës. Frankfurt a.M. Leipzig 2008</p>
<p>ASA. American Sociological Association online: Being the Primary Breadwinner is Bad for Men’s Psychological Well-Being and Health. 9.8.2016:<br />
<a href="http://www.asanet.org/press-center/press-releases/being-primary-breadwinner-bad-mens-psychological-well-being-and-health" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.asanet.org/press-center/press-releases/being-primary-breadwinner-bad-mens-psychological-well-being-and-health</a></p>
<p>Repetti; Rena L.; Matthews, Karen A.; Waldron, Ingrid: Employment and Women’s Health. Effects of Paid Employment on Women’s Mental and Physical Health. In: American Psychologist Nov. 1989 Vol. 44, No. 11, 1394-1401</p>
<p>Robert Koch-Institut: Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KIGGS). Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey. Mai 2007.</p>
<p>Ruhdorfer, Karoline: Elterliche Sorge. Den Vätern die Rechte, den Müttern die Pflichten. Aus: Deutschlandfunk Kultur online vom 18.05.2015<br />
<a href="http://www.deutschlandfunkkultur.de/elterliche-sorge-den-vaetern-die-rechte-den-muettern-die.1005.de.html?dram:article_id=320034" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.deutschlandfunkkultur.de/elterliche-sorge-den-vaetern-die-rechte-den-muettern-die.1005.de.html?dram:article_id=320034</a></p>
<p>Storm, Andreas (Hrsg.): DAK Gesundheitsreport 2017. Beiträge zur Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung (Band16). Hamburg 2017<br />
<a href="https://www.dak.de/dak/download/gesundheitsreport-2017-1885298.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.dak.de/dak/download/gesundheitsreport-2017-1885298.pdf</a></p>
<p>Trevisan, Caterina <em>et al.</em>: Marital Status and Frailty in Older People: Gender Differences in the Progetto Veneto Anziani Longitudinal Study. In: Journal of Women’s Health. Volume 25, Number 6, 2016<br />
DOI: 10.1089/jwh.2015.5592<br />
<a href="http://online.liebertpub.com/doi/pdf/10.1089/jwh.2015.5592" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://online.liebertpub.com/doi/pdf/10.1089/jwh.2015.5592</a></p>
<p>Tonn, Julia Jane: Frauen in Führungspositionen: Ursachen der Unterrepräsentanz weiblicher Führungskräfte in Unternehmen. Heidelberg 2015</p>
<p>Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat – Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt. Norderstedt 2015. (2015a)</p>
<p>Uhlmann, Gabriele: Female choice – unser Menschenrecht. Online seit 2015. (2015b)<br />
<a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm</a></p>
<p>Waldron, Ingrid; Herold, Joan; Dunn, Dennis: How valid are self-report measures for evalutating relationships between women’s Health and labor force participation? In: Women &amp; Health Vol.7(2) Summer 1982.<br />
DOI:<a href="https://doi.org/10.1300/J013v07n02_06" target="_blank" rel="noopener noreferrer">10.1300/J013v07n02_06</a></p>
<p>Waldron, Ingrid; Hughes, Mary Elizabeth; Brooks, Tracy L.: Marriage protection and marriage selection&#8211;prospective evidence for reciprocal effects of marital status and health. In: Social Science and Medicine 1996 Jul; 43(1):113-23.<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8816016" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8816016</a></p>
<p>Waldron, Ingrid; Weiss, Christopher C.; Hughes, Mary Elizabeth: Marital status effects on health: are there differences between never married women and divorced and separated women? Social Science and Medicine 1997 Nov;45(9):1387-97.<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9351156" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9351156</a></p>
<p>Waldron, Ingrid; Weiss, Christopher C.; Hughes, Mary Elizabeth: Interacting effects of multiple roles on women&#8217;s health. Journal of health and social behavior.1998 Sep;39(3):216-36.<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9785695" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9785695</a></p>
<p>Wrusch, Paul: Petition der Woche. Bluten für Deutschland. Aus: TAZ online. 11.11.2017<br />
<a href="http://taz.de/Petition-der-Woche/!5459147/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://taz.de/Petition-der-Woche/!5459147/</a></p>
<p><strong>Auch zu empfehlen:</strong></p>
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<li>Hering, Sabine; Maierhof, Gudrun. Die unpässliche Frau: Sozialgeschichte der Menstruation und Hygiene von 1860 bis 1985. Pfaffenweiler 1991.</li>
<li>Kolip, Petra (Hrsg.) Weiblichkeit ist keine Krankheit. Die Medikalisierung körperlicher Umbruchphasen im Leben von Frauen. Weinheim München 2000</li>
<li>Kühn-Mengel, Helga: &#8222;Die mündige „Patientin&#8220;? Vortrag der PatientInnenbeauftragten Berlin auf der 11. AKF-Jahrestagung, 13./14. November 2004, Berlin</li>
<li>Schindele, Eva: Pfusch an der Frau: Krankmachende Normen-Überflüssige Operationen-Lukrative Geschäfte. Frankfurt am Main 1996.</li>
<li>Schumann, Claudia: „Weiblichkeit ist keine Krankheit &#8211; was ist für Frauen gesund?“. Vortrag beim 26. Bremener Schafferinnenmahl 9.11.2000.</li>
<li>Sigel, Mira: &#8222;Wahnsinnsfrauen&#8220; – Psychische Krankheit als Mittel zur Diskriminierung von Frauen, die sich der gesellschaftlich vorgesehenen Rolle verwehren. Online-Ressource auf <a href="https://web.archive.org/web/20211027205948/https://diestoerenfriedas.de/wahnsinnsfrauen/" rel="noopener" target="_blank">https://web.archive.org/web/20211027205948/https://diestoerenfriedas.de/wahnsinnsfrauen/</a> vom 01.03.2016 abgerufen am 20.11.2017</li>
<li>Steinle-Paul, Elisabeth: &#8222;Weiblichkeit ist keine Krankheit &#8211; Über die Gesundheit in den Lebensphasen&#8220;. Vortrag anlässlich der Eröffnung des Frauentages der VHS Karlsruhe von, Stuttgart 2002</li>
</ul>
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