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	<title>Matrifokal Archive - Gabriele Uhlmann</title>
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		<title>Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 May 2024 15:03:44 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Bild: Die Prinzessinnengruppe links Luise, rechts Friederike. Gipsausführung von 1795 in der Friedrichswerderschen Kirche, Berlin. Von Johann Gottfried Schadow Das Matrifokal Es fehlte lange für das &#8222;vorpatriarchale&#8220; Habitat der Menschheit,...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat">Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/0382958f2d7a4786988eae044a681ded" alt="" width="1" height="1" /><br />
Bild: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Prinzessinnengruppe" target="_blank" rel="noopener">Die Prinzessinnengruppe</a> links Luise, rechts Friederike. Gipsausführung von 1795 in der Friedrichswerderschen Kirche, Berlin. Von <a title="Johann Gottfried Schadow, CC BY-SA 3.0 &lt;http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/&gt;, via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Schadow-Prinzessinnen.jpg">Johann Gottfried Schadow</a></p>
<h2 id="matrifokal">Das Matrifokal</h2>
<p>Es fehlte lange für das &#8222;vorpatriarchale&#8220; Habitat der Menschheit, das die Altsteinzeit und die frühe Jungsteinzeit einschließt, ein Begriff, der ohne diese ausschließende Nennung des Patriarchats auskommt. Auch für matrifokale Gemeinschaften aus der Zeit nach der Patriarchalisierung stand nur der unbrauchbare Begriff &#8222;<a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann" target="_blank" rel="noopener">Matriarchat</a>&#8220; zur Verfügung. Daher hat die Patriarchatsforscherin Stephanie Gogolin für die &#8222;matrifokale Gemeinschaft&#8220; den Begriff <strong>DAS MATRIFOKAL</strong> definiert:</p>
<blockquote><p>&#8222;Als <strong><em>Das Matrifokal</em></strong> bezeichne ich ein real vorhandenes, naturgemäßes, dynamisches Habitat, das von Beginn des Menschseins als <strong>existenzsichernde Schutzsphäre</strong> für die Mütter und ihren Nachwuchs fungierte. In der Regel bestehend aus konsanguinen Angehörigen beiderlei Geschlechts innerhalb der frühen <strong>matrilinear und matrilokal</strong> sowie <strong>generationsübergreifend</strong> lebenden Menschengruppen. Was bedeutet: durch Geburt verwandte Menschen interagierten in ihrem Alltag in überschaubaren <strong>mutterbasierten</strong> und <strong>geschwisterbezogenen</strong> Fürsorge-Gruppen, in denen in der Regel <strong>jedes Individuum von der Geburt bis zum Tod, integriert und geborgen lebte</strong>.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup></blockquote>
<p>Das Matrifokal ist keine Gesellschaft, kein Herrschaftsgebilde, also kein Matriarchat, sondern eine zeitgleich mit der Entwicklung der Gattung <em>Homo</em> natürlich gewachsene Sozialordnung, die maximale Sicherheit bei maximal möglicher Freiheit gewährleistet. Das Sexualleben der Frau spielt sich innerhalb der Schutzsphäre des Matrifokals ab, in welcher vertrauenswürdige, fremde Männer aus dem Jagdkollektiv stets vorübergehend zu Gast sind. Die natürliche Exogamie<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup> wird also matrilokal ausgeübt, was nicht nur Inzucht verhindert, sondern vor Übergriffen schützt. Alle Frauen des Matrifokals leben daher ihre Female Choice frei und haben damit auch die Wahl, kinderlos zu bleiben. Das männliche Werbeverhalten zielt auf die Female Choice ab, die primär vom Körper des Mannes, seinem Charme und seiner guten sozialen Einbindung abhängt. Die Frauen gehen deshalb auch aktiv auf die Männer zu. Die Kinder kennen ihren genetischen Vater nicht und das gesamte Matrifokal steht ihnen als Bezugspersonen zur Verfügung, aus denen sie sich ihre &#8222;Lieblingsmenschen&#8220;, die natürlich konsanguin verwandt sind, selbst aussuchen. Wesentlich ist, dass die Männer im Matrifokal keinen Anspruch auf ihre genetischen Kinder erheben können, da diese anderswo in anderen Matrifokalen aufwachsen.<br />
Die Schwestern leben und arbeiten zusammen; kinderlose Schwestern und die Brüder gehören selbstverständlich zum Netzwerk der helfenden Hände. Meist sind die Männer und männlichen Jugendlichen unter sich und sie verlassen häufig für mehrere Tage das Lager, wobei sie nicht nur jagen, sondern auch sammeln und kochen, was sie von ihren Müttern gelernt haben. Auch temporär kinderlose Frauen tun sich zusammen, um zu jagen. Die Mitverantwortung und Betreuung der jüngeren Brüder und größeren Neffen sowie die Beschaffung von Wildbret obliegen jedoch überwiegend den männlichen Mitgliedern des Matrifokals. Kunst, Musik und Spaßmacherei, Zelt- oder Hausbau machen Männer zu egalitären Mitgliedern des Matrifokals. Sie können aus ihren Tätigkeiten keinen Machtanspruch ableiten, weil auch die Frauen diese Fähigkeiten besitzen und ausüben. Schwere Arbeit wird eher von den älteren Frauen nach der Menopause übernommen. Gefährliche Arbeit erledigen eher die Männer, wobei ihre Körperkraft und Kooperation sie schützt. Es gibt keine Festlegung in Bezug auf ein sog. soziales Geschlecht, wie es das Patriarchat kennt. Die überlebenswichtige intensive Bindung und Unterstützung zwischen den Generationen, insbesondere der Frauen, dazu auch Feste, bei denen Frauen und Männer zusammenkommen und bei denen gemeinsam gekocht und erzählt wird, sowie gegenseitiges Beschenken hält die Gemeinschaft zwanglos zusammen. Im Matrifokal gibt es kein Erbrecht, mit dem der Besitz in der nächsten Generation auf eine bestimmte Person vererbt oder in eine bestimmte Richtung abgeführt werden kann. Weil es kein klar abgegrenztes Generationen-Denken gibt, geht der Besitz kontinuierlich an alle über. Die Widerstandskraft der Gemeinschaft gegen Gefahren aller Art ergibt sich aus ihrem Zusammenhalt und ihrer bedingungslosen Zusammenarbeit. Es ist nicht notwendig, dass einzelne Männer einzelne Frauen beschützen. Die verschiedenen Matrifokale sind über das Schenken, eine Tauschökonomie und das freie Sexualverhalten verbunden, so dass kein Boden für Feindschaften bereitet wird.</p>
<h2 id="inuns">Die Matrifokalität in uns</h2>
<p>Unsere Matrifokalität ist ein Effekt des Naturgesetzes <em>Female Choice</em> sowie der langen Kindheit. Es ist daher nicht möglich, sie wegzuzüchten. Unser angeborenes Sozialverhalten hat nie aufgehört zu existieren und steuert unbewusst gegen die Herrschaft der Väter, das Patriarchat. Was dem Individuum angeboren ist, wird auch immer da sein! In jeder Familie, jeder Gesellschaft gibt es daher unauflösbare soziale Konflikte, die in ihrer penetranten Wiederholung höchst rätselhaft erscheinen: der Schwiegermutterkonflikt, der übrigens auch ein Schwiegerkinderkonflikt ist, Kontaktabbruch, der Egoismus der Älteren, der Nachbarschaftsstreit, natürlich alle Partnerkonflikte und besonders die häusliche Gewalt; dazu traurige Unausweichlichkeiten wie Umzüge, der Auszug von Zuhause, der Wechsel der Schule/Schulfreunde, das Empty-Nest-Syndrom, die Einsamkeit im Alter. Besonders die Enttäuschungen zeigen, wie groß das Bedürfnis ist, anders zu leben: die Mutter, die allein zuhause mit dem Baby sitzt, Eifersucht, Verrat und Trennungen. Wenn es sich trotzdem plötzlich einmal sehr stimmig anfühlt, ist es meist nicht von langer Dauer. Im Patriarchat befinden sich Matrifokale stets knapp vor ihrer Wiederentstehung: Alleinerziehende Mütter, Großmütter, die ihre Töchter nach deren Niederkunft unterstützen, und Schwestern, die fest zusammenhalten.</p>
<p>Die moderne Gesetzgebung unterbindet Matrifokalität immer noch ganz offen, erzeugt aber durch den Glauben an die Rechtmäßigkeit des hierarchischen Systems den Eindruck, von Gerechtigkeit im Sinne von Gleichheit geleitet zu sein. Das Patriarchat usurpiert so zu großen Teilen die natürliche Bindung der Geschwister durch Geburt und wertet die mütterliche Beziehung zum Kindsvater auf, die allein auf der genetischen Zusammensetzung des Kindes basiert, denn Gefühle allein können täuschen und sind keine Garantie.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup>
<p>Unsere Matrifokalität bricht sich immer wieder Bahn, aber in unserer Gesellschaft existiert dieses Wissen nicht. Sie lässt sich dennoch instrumentalisieren und damit gegen uns verwenden. Die zentrale Rolle spielt hier der <strong>Neid</strong>, der im Sprachgebrauch auch mit Eifersucht gleichgesetzt und ambivalent behandelt wird. Der Neid ist die Folge von Ungleichheit, die von unserem matrifokalen Erbe zutiefst abgelehnt wird, denn sie bedroht die Existenz der Gemeinschaft. Die Wirtschaft jedoch lebt vom Neid, er ist erwünscht als Triebfeder, noch mehr zu konsumieren und wird von der Werbung absichtsvoll geschürt. Dennoch ist er gesellschaftlich nicht anerkannt, weil Neid sich auch und vor allem gegen Besitzende richtet. Männlicher <strong>Gebärneid</strong> dagegen ist nicht verpönt, ja nicht einmal bewusst, weil er kaum erkennbar in den Religionen kultiviert ist, dabei ist er das eigentliche Grundproblem: Er ist als göttliche Schöpferkraft verkleidet, auch wenn noch nie ein Mann geboren hat.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup> Es muss geglaubt werden und der Glaube ist zu respektieren, er macht uns angeblich zu besseren Menschen. Desinformation nach dem Haltet-den-Dieb-Prinzip ist für das Patriarchat überlebenswichtig. Dazu gehört heute, im modernen Patriarchat, dass Frauen, die die Geburt als ihre Urkompetenz beschreiben, bzw. sich als deren natürliche Besitzende betonen, als unemanzipiert hingestellt werden. Diese Bestrafung der unbotmäßigen Richtigstellung der biologischen Tatsache trifft hart, wenn Frauen sich nicht bewusst sind, was da mit ihnen gemacht wird: Wo Männer sich lange mit dem Schöpfer &#8211; also dem vaterrechtmäßigen Besitzer der Zeugung, der Geburt und des Kindes &#8211; identifizierten, können sie sich heute zusätzlich auf das Gleichheitsgebot berufen. Die Aussage „Männer können gebären“ gilt heute als politisch korrekt, als &#8222;<em>woke</em>&#8220; (engl. für &#8222;aufgewacht&#8220;), obwohl es das genaue Gegenteil ist, eine neue Form der Religion. Die dem Gleichheitsgrundsatz folgende Aussage &#8222;das Kind braucht den Vater genauso wie die Mutter&#8220; wird regelmäßig von Vaterrechtlern kolportiert. Beides dient der Aufrechterhaltung der Vaterschaft als Institution, ist also das genaue Gegenteil von Emanzipation. Artgemäß wäre die Aussage, dass alle Kinder auch den Kontakt mit männlichen Bezugspersonen brauchen, diese sind aber nur dann kein Risiko, wenn sie konsanguin, also über die Mutter verwandt sind, und diese Matrilinearität auch konsequent leben. Die evolvierte Matrifokalität gewährleistet Menschenkindern maximalen Schutz.</p>
<p>Die Vater-Religion dient der Weismachung, Mütter und Frauen generell seien mit ihrem Freiheitsdrang im Unrecht. Im laizistischen Staat wird diese Maxime beibehalten, indem die Gewalt des Gesetzes Mütter nötigt. Mütter sind erpressbar, sobald sie eine tiefe Bindung zu ihren Kindern haben und den Vater (resp. den Staat) über seine Vaterschaft informieren (müssen), was fast immer der Fall ist. Die wirtschaftliche Schlechterstellung der Mutter macht sie vom Vater abhängig, ob verheiratet oder nicht. Deshalb keine tiefe Bindung zu den Kindern aufzubauen, ist genauso wenig emanzipiert, ja sogar eine Vergewaltigung des Selbst, die zu Lasten der Kinder geht und ein permanent schlechtes Gewissen erzeugt, ein Ruf unserer Matrifokalität.<br />
Wenn Paare heute heiraten, heiraten sie meist mit &#8222;Rückenwind&#8220;, d.h. dass sich die Frauen bis zur ersten Schwangerschaft die Option offenhalten, sich wieder zu trennen. Sie ordnen den Partner unbewusst als Fremden ein und behalten sich ebenso unbewusst ihre Female Choice bis zur Ehe vor. Schwangerschaften treten häufig auch im Moment der Trennung auf, wenn die Beziehung eigentlich schon zu Ende ist. Mit Beginn der Schwangerschaft wird die patriarchalisierte Mutter aber nicht das Weite suchen, um in Ruhe ihr Kind zu bekommen und aufzuziehen, sondern ist mit dem Kindsvater loyal, und lässt zu, dass er zu &#8222;seinem Kind&#8220; eine Beziehung aufbaut. Die Forderung, Väter noch stärker in die Erziehung einzubeziehen, klingt feministisch, ist aber eine Falle, die oft erst erkannt wird, wenn die Trennung ansteht, manchmal schon früher, nämlich wenn der Vater nur noch Augen für seine kleine Prinzessin hat statt für seine Ehefrau. Dann beginnt die Mutter, ihn wieder als das zu sehen, was er immer war, ein Fremder, dem sie einmal begegnet ist. Das Kind aber gerät in einen schweren Loyalitätskonflikt. Loyalität ist immer eine moralische Forderung, die im Großklima des Patriarchats einen Menschen einem anderen verpflichtet, sie nimmt in Geiselhaft. Dabei kann sich der Vater dieser Loyalität leicht entziehen, hat er doch die Loyalität des Gesetzes auf seiner Seite. Anders ausgedrückt: Da die Mutter <strong>ist</strong>, der Vater sich jedoch <strong>macht</strong><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup> und über die Mutter und das Kind dominiert, ist die Loyalität einseitig auf ihn gerichtet. Der Loyalitätskonflikt des Kindes beruht darin, dass es sich der Mutter zugehörig fühlt, aber den Vater nicht enttäuschen will. Mit Liebe hat das nur wenig zu tun.</p>
<h2 id="radfem">Radikaler Feminismus &#8211; der lauteste Ruf unserer Matrifokalität</h2>
<p>Ist der Leidensdruck groß genug, beginnen selbst Mütter, die den väterlichen Führungsanspruch bisher nicht infrage gestellt haben, ihre erlernten Grundsätze aufzugeben. Während und unmittelbar nach Kriegen, in Verelendung, bei Untreue und häuslicher Gewalt wird Frauen und Müttern ihre Lage bewusst. Trotz drohender Gewalt versuchen sie dann, aus ihren Käfigen auszubrechen. Das ist noch kein Feminismus, keine mentale Befreiung, nicht die Absicht das Problem für alle Frauen grundsätzlich abzustellen. Dass das Private das Politische ist, können Frauen nur begreifen, wenn sie das Tabu, darüber offen zu sprechen, brechen und ihre Lage nicht mehr als persönliches Versagen begreifen, sondern als Ergebnis des Vater-Dogmas.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup> Feministische Ziele müssen Stück für Stück gemeinschaftlich erkämpft werden. In der westlichen Welt erleben Frauen aber auch immer wieder ihre Entrechtung, den unvermeidlichen Backlash des Patriarchats, während sie in den extremen Patriarchaten nur selten aufstehen. Unsere matrifokalen Grundhaltungen der Mütterlichkeit, der Fürsorge für andere Menschen und der Liebe zum Frieden werden dabei immer wieder in erpresserischer Weise gegen die Frauen verwendet, und sie liefern sich dem aus, wenn sie aufgrund mangelnder Aufklärung nicht erkennen, wie sehr sie sich damit selbst schaden, wenn ihre vermeintlich feministische Fürsorge den Männern resp. Vätern gilt. Dagegen steht: &#8222;Die Medien und die Meute sind sich nie zu schade, um ihren Frauenhass mit irgendeiner guten Begründung öffentlich zu machen&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup>, wie Regula Stämpfli es formuliert.</p>
<p>Es ist in der weltweiten patriarchalen Geschichte aber mehrmals passiert, dass nicht nur einzelne Verbesserungen oder Anpassungen durchgesetzt wurden, sondern echte reale und mentale Befreiung geschah und Matrifokale neu entstanden sind. Es war wiederholt Frauen oder gar Schwestern die Flucht aus ihrer traumatisierenden Lage gelungen und sie hatten es fortan unterlassen, bei ihren sexuellen Kontakten wieder den Vater mitzudenken. Diese Entscheidungen führten unabdinglich zu heute noch lebenden matrifokalen Großgemeinschaften, in denen die dort hineingeborenen Jungen die Freiheit der Mütter und ihrer Schwestern als natürlich erleben dürfen und auch als Erwachsene nichts anderes von den Frauen erwarten. Bekanntere Beispiele sind die Tuareg der Sahara, ein Berbervolk, das als Besonderheit hirtennomadisch und trotzdem matrifokal lebt, sowie die Mosuo in Südchina, die von Ackerbau und Tierhaltung leben.</p>
<h2 id="jungsteinzeit">Jungsteinzeitliche Resilienz, jungsteinzeitliche Entmenschlichung</h2>
<p>Ein ursprüngliches Matrifokal kann dagegen aus der noch matrifokalen Jungsteinzeit herübergerettet und längst vom Patriarchat umgeben sein. Solche Matrifokale befinden sich mit hoher Sicherheit noch unter den unkontaktierten, isolierten Völkern.<br />
Ein neu entdecktes prähistorisches Beispiel liefert Erkenntnisse über die Besiedlung der überaus wild-, fisch- und pflanzenreichen Westsibirischen Taiga. Sie zeigen, dass sich die dort lebenden Wildbeuter-Gemeinschaften während der Misox-Schwankung<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup> mit Befestigungen, die übrigens zu den ältesten Festungen der Welt zählen, gegen die Angriffe schützen mussten und genötigt waren, hinter ihren Mauern sesshaft zu werden, so in den jüngst untersuchten Siedlungen Amnya und Imnegan.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup>
Diese neuen Funde unterscheiden sich wiederum erheblich von denen aus der Jungsteinzeit Südost- und Mitteleuropas. Die sich hier aus Südosteuropa ausbreitende Bandkeramische Kultur war nicht indigen, sondern sie wurde von ehemalig indigenen anatolischen Klimaflüchtlingen getragen, die noch matrifokal lebten, sich an verschiedenen Stellen entlang ihrer Migrationsroute niederließen und mehrere neue Kulturen entwickelten. Mit den BandkeramikerInnen hielt um 5.500 v.u.Z. in Mittel-, Süd- und Westeuropa das Neolithikum Einzug, die Jungsteinzeit mit Ackerbau und Tierhaltung, ohne dass die indigenen Wildbeuter-Matrifokale sich gegen die Neuankömmlinge schützen mussten, sie bauten keine Verteidigungsanlagen. In Mitteleuropa lebten sie über einen Zeitraum von 2000 Jahren in friedlicher Koexistenz, wobei es zu ersten Kontakten kam. Auf der iberischen Halbinsel kam es noch deutlich früher zu einer friedlichen Vermischung der beiden Gruppen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup> Die BandkeramikerInnen begannen vereinzelt, ihre Toten in denselben Höhlen wie die WildbeuterInnen zu bestatten. Das baldige Ende der Bandkeramischen Kultur zeichnete nur 500 Jahre nach ihrer Ankunft ab, als infolge einer weiteren Klimakatastrophe und Hungersnot einzelne überlebende Männer Nutztiere aus den Siedlungen stahlen und in den Mittelgebirgen mit deren Zucht begannen. Dies löste eine erste Welle der Selbstpatriarchalisierung aus, bei der Frauen geraubt und deren Brüder getötet wurden, und zwar sowohl unter den BandkeramikerInnen als auch WildbeuterInnen. Unter den Toten des Massakers von Talheim aus der Untergangszeit der Bandkeramischen Kultur fehlten fast alle Frauen im gebärfähigen Alter, die auf einem regulären Friedhof statistisch zu erwarten gewesen wären, während sich unter den toten Männern zwei fanden, die archaische Züge trugen, also von ein oder zwei WildbeuterInnen abstammten. Ihre Anwesenheit belegt, dass sie sich mit den BandkeramikerInnen bestens verstanden hatten und sie diesen wohl auch ihr Wissen vermittelten, wie man sich aus der Natur Mitteleuropas ernährt, was in Zeiten der Not äußerst angesehen und willkommen gewesen sein muss.<br />
Mit immer mehr Massakern verschwanden nicht nur die Bandkeramik, sondern auch die Nachfolgekulturen bis 4.500 v.u.Z., nämlich Hinkelstein, Groß Gartacher und Rössener Kultur. Die neolithische Bevölkerung schrumpfte in der Kaltphase zwischen 4.500 und 4.400 v.u.Z. nochmals erheblich, während die nicht sesshaften WildbeuterInnen keine Ernährungsengpässe erlitten, weil sie in günstigere Lagen ausweichen konnten. Insbesondere vielen Wildbeuterinnen, die mit ihrem Heil- und Pflanzenwissen sehr willkommen waren, gelang nun verstärkt der Eintritt in die prekären jungsteinzeitlichen Siedlungen, wo sie die geraubten Frauen ersetzten und auch die Landwirtschaft erlernten.<br />
Eine neue genetische Studie<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup> zeigt, dass sich im Pariser Becken vor 7000 Jahren ein ähnlicher Vorgang wie in Mitteleuropa abgespielt hatte. Das Gräberfeld von Gurgy &#8218;Les Noisats&#8216; zeigt eine bereits patrilineare Bevölkerung, die offenbar auf einen einzelnen &#8222;Gründervater&#8220;, richtiger: Verbrecher, zurückgeht, der kultisch verehrt wurde. Die dort gefundene vermeintliche Monogamie der Frauen UND der Männer aus sieben Generationen zeigt, dass die Söhne von Nebenfrauen nicht mitbestattet waren, sondern entweder in den Krieg gezogen waren und nicht zurückkehrten oder ermordet und nicht mitbestattet wurden. Alle Töchter wurden dagegen in die Fremde verheiratet.<br />
Es ist möglich, dass es dieser Stamm war, der die Fluchtbewegung auslöste, die nach einer Phase von 100-150 Jahren nach Untergang der Rössener Kultur im südlichen Mitteleuropa zur Herausbildung der Michelsberger Kultur führte. Diese neolithische Kultur nutzte verlassene Siedlungen nach, wie es an vielen Fundhorizonten ablesbar ist. Die Tierhaltung wurde hier zunehmend im großen Stil betrieben, erkennbar an den Ansammlungen von Kreisgrabenanlagen. Diese Kultur fällt durch die offensichtliche Egalität auf, ablesbar an Gräbern und Behausungen. Die Häuser wurden mit Reliefs aus Brüsten und die typische Keramik mit Knubben, die Brüste symbolisieren, verziert. Auch WildbeuterInnen wurden erneut integriert, aber nach knapp 1000 Jahren um 3500 v.u.Z. endete auch diese Kultur, nicht ohne wieder von den letzten WildbeuterInnen überlebt zu werden.<br />
In den südlicheren Nachfolgekulturen der nächsten 500 Jahre &#8211; auf heute west- bis mitteldeutschem Gebiet die Wartberg-Kultur, die durch Verteidigungsanlagen auffällt, und im Süden die Horgener und Chamer Kulturen &#8211; gingen die letzten Matrifokale der WildbeuterInnen auf. Im nördlichen Mitteleuropa bildete sich um schon 4200 v.u.Z. die Trichterbecher Kultur aus, die von der später eingewanderten Kugelamphoren-Kultur teilüberlagert wurde, welche ebenfalls noch das matrifokale Leben kannte. Sie assimilierte die Ertebølle-Kultur bereits keramischer WildbeuterInnen. Um ca. 3.000 v.u.Z. lebten in Mitteleuropa keine WildbeuterInnen mehr, ihre Nachfahren waren nun BäuerInnen. Um 2800 v.u.Z. gingen alle matrifokalen Kulturen nördlich der Alpen durch die patriarchale Schnurkeramische Kultur unter, die sich von Osten her ausbreitete und die Indoeuropäisierung einleitete.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup> Die Matrifokale West- und Südeuropas gingen im Zuge der Indoeuropäisierung unter. Ob und wie lange es in Eurasien noch Matrifokale in Insellage gab, ist noch nicht geklärt.</p>
<h2 id="uebergang">Übergangspatriarchate</h2>
<p>Patrilinearität muss über Patrilokalität hergestellt werden, daher finden sich heute weltweit keine patrilinearen Völker, die in regelmäßig Matrilokalität leben. Trotzdem gibt es noch Völker, die nicht vollständig patriarchalisiert sind. Bei vielen Ethnien, in denen die Mutter mit dem Vater ihrer Kinder zusammenwohnt, liegt Uxorilokalität vor, d.h. das Paar lebt vorübergehend bei den Eltern der Ehefrau, hier geht es um die Verlässlichkeit der Versorgung. Diese Gemeinschaften bezeichne ich als <strong>Übergangspatriarchat</strong>. Ein Übergangspatriarchat ist eine Gesellschaft<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup>, die noch deutlich <strong>matrifokale Züge</strong> trägt. Hier können wir sozusagen dem Prozess der Patriarchalisierung bei der Arbeit zusehen, der einsetzt, wenn kein <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" target="_blank" rel="noopener">Frauenraub</a> im Spiel ist. In vielen dieser ehemaligen Matrifokale haben Missionare dafür gesorgt, dass die genetischen Väter mit &#8222;ihren Kindern&#8220; zusammenleben. Die Kinder sollen lernen, einen Vater zu haben. Die Väter wirken in der Gemeinschaft wie plötzlich entartete Zellen, die sich langsam ausbreiten. Bei den !Kung San in der Kalahari hat sich daher auch eine komplexe Streitkultur entwickelt, wo vorher kaum gestritten wurde. Bei den Yequana in Venezuela &#8222;sind Frauen und Kinder besonders bemüht, ihr Bestes zu geben&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup>, wenn der Vater anwesend ist und die Mädchen werden dazu ermuntert, den Vater zu bedienen. Der Mann als Vater macht Probleme, sobald er auftaucht.</p>
<p>Im Verlauf der Menschheitsgeschichte haben wir es mit ursprünglichen, migrierten und auch vom Patriarchat umstellten oder sich in Insellage befindlichen matrifokalen Gemeinschaften zu tun. Sie alle können den Namen &#8222;Matrifokal&#8220; tragen. Es ist aber für solche, die noch nach Beginn der Patriarchalisierung existierten oder existieren, nicht ohne Weiteres ersichtlich, ob es sich um ursprüngliche oder sogar neu entstandene Matrifokale handelt. Matrifokale der vorpatriarchalen Zeit waren Jahrhunderttausende nicht der unmittelbaren Bedrohung ausgesetzt und mussten keine Strategie zu ihrem Schutz vorhalten. Davon unterscheiden sich alle späteren Matrifokale erheblich, denn sie müssen sich gegen den Patriarchalisierungsdruck schützen. Von diesem Umstand ist abhängig, wieviel Freiheit ihnen noch blieb oder bleibt. Daher erscheint es mir nicht angemessen, sie undifferenziert als &#8222;Matrifokal&#8220; zu bezeichnen. Wie also nennen wir solche Gemeinschaften, wenn nicht &#8211; denn dieser Begriff ist ja zu vermeiden &#8211; &#8222;Matriarchat&#8220;? Dazu noch eine Vorüberlegung.<br />
Um ungestört in Matrilokalität und Matrilinearität zu überleben, müssen sich Matrifokale den verschiedenen, patriarchalen Herausforderungen stellen. Beim <strong>Avunkulat</strong> (lat. <em>avunculus</em>, der Mutterbruder) ist der genetische Vater noch bedeutungslos und die Mutter wohnt bei ihrem Bruder, der die &#8222;Vaterrolle&#8220; für seine Neffen und Nichten innehat, d.h. als männliche Bezugsperson fungiert. Hier steht die Vererbung des Besitzes im Vordergrund, d.h., dass die Brüder begonnen haben, den Besitz zu privatisieren und ihre Schwestern werden quasi darauf trainiert, mit einem Mann in einer Ehe zu leben, die freilich noch eine Pseudoehe ist. Die Matrilokalität ist hier bereits durch eine &#8222;<strong>Fraternilokalität</strong>&#8220; (lat. <em>frater</em>, der Bruder; der Begriff ist nicht etabliert) ersetzt und die Matrilinearität nimmt sozusagen einen Umweg über den Bruder. Diese Lebensweise ist bereits eine Anpassung an das umliegende oder erobernde Patriarchat, das das ursprüngliche Matrifokal mit der Idee der männlichen Dominanz und des Besitzes angesteckt hat, also eine Spielart des Patriarchates und ebenso kein Matriarchat. Jüngst wurde das Avunkulat für die <a href="https://www.spektrum.de/news/fuerstengraeber-aus-sueddeutschland-die-dna-der-keltenfuersten/2218598" target="_blank" rel="noopener">Keltenfürsten der Hallstattzeit</a> (800 bis 450 v. Chr.) genetisch nachgewiesen, bei denen die sog. Fürstinnen als &#8222;<em>King-Mums</em>&#8220; und gleichzeitig als &#8222;<em>King-Sisters</em>&#8220; identifiziert wurden.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">15</sup> Warum nicht nur die patriarchalische biologistisch-dynastische Erklärung, also die Sicherung der väterlichen Gene, dafür herangezogen werden darf, sondern vor allem die uralte Matrifokalität Berücksichtigung finden muss, hatte Gerhard Bott bereits am Beispiel der pharaonischen <strong>Bilinearität</strong> erläutert.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">16</sup>
<h2 id="matridurat">Überdauernde Matrifokale – das Matridurat und das Neo-Matridurat</h2>
<p>Heutige reine Matrifokale leben oft in Reservaten, die sich nicht friedlich ausdehnen lassen, ohne die patriarchalen Menschen an den Grenzen von der Matrifokalität zu überzeugen. Ein schon verheiratetes Paar kann dabei nicht auf Aufnahme und Unterstützung ins Matrifokal hoffen, denn das führt unweigerlich zu Konflikten. Allem voran sind es aber die jungen Frauen, auf die bestimmte Maßnahmen abzielen müssen, wenn sich eine matrifokale Gemeinschaft nicht aufgeben will, denn sie alle sind Garantinnen der Zukunft. Das Patriarchat wirkt anziehend, sei es durch die materiellen Verlockungen, sei es durch einen attraktiven Mann, die größte Gefahr. Es muss also das Verbot ausgesprochen werden, dass junge Frauen keine Kontakte ins Patriarchat pflegen dürfen. Dies aber ist in Bezug auf die unter Matrifokalität gelebte Female Choice bereits widersinnig, eine Beschränkung, die wiederum kontraproduktiv wirken muss, denn jede Reglementierung dieser Art erzeugt insbesondere bei Jugendlichen Widerstand.<br />
Zur Lösung des Problems der Differenzierung solcher im Patriarchat überlebenden Matrifokale von den ursprünglichen Matrifokalen, habe ich den Begriff <strong>MATRIDURAT</strong> (lat. <em>durare</em>, andauern) entwickelt: Ein Matridurat ist ein Matrifokal, das vom Patriarchat umgeben und bedroht ist und sich erfolgreich, bewusst und resilient mit Regeln und/oder mittels Verteidigung gegen die patriarchale Einverleibung schützt. Im Gespräch mit Stephanie Gogolin wurde mir zudem klar, dass auch Matridurate, die von ehemals patriarchalen Frauen neu gegründet wurden, gesondert gekennzeichnet werden müssen, ich nenne sie daher <strong>NEO-MATRIDURAT</strong>.<br />
Die Mosuo sind meines Wissens das einzige Matridurat, das durch Überlieferung als neugegründet abgesichert ist, sie sind ein Neo-Matridurat. Wie ich es an anderer Stelle<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">17</sup> ausgeführt habe, sind sie Nachkommen von Frauen, die aus der nomadischen Viehzüchtergesellschaft der Mongolischen Steppe stammten. Es ist ihnen während eines Eroberungsfeldzuges ihrer Männer gelungen, zu entkommen und in dem abgelegenen Gebiet um den Lugosee, ein Gebirgssee auf dem Yunnan-Guizhou-Plateau, neu anzufangen, ohne den alten Fehler der Patrilinearität zu wiederholen. Sie leben das Prinzip der <em>tisese</em><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">18</sup>, was in westlichen Schriften als &#8222;Besuchsehe&#8220; bezeichnet wird, jedoch Sex ohne soziale oder wirtschaftliche Bindung an einen Mann meint. Ob die Mosuo-Frauen damals aus Erfahrung wussten, was genau das Problem ist, nämlich die gewaltsam aufrechterhaltene Vaterschaft, oder ob es eine psychologische Vermeidungsstrategie war, ist unbekannt. Da Matrifokalität angeborenen ist, hat jedenfalls das Heraushalten fremder Männer zu einem neuen Matrifokal geführt. Für die Tuareg in der Sahara existiert keine vergleichbare Überlieferung, jedoch wurden sie gegen ihren Willen islamisiert und mussten sich den arabischen Handelsstrukturen anpassen, so dass ihr Wirtschaftssystem heute nach außen patriarchalisch ist, während ihr Sozialsystem matrifokal geblieben ist. Ob es sich bei der jungsteinzeitlichen Michelsberger Kultur um ein Matridurat oder ein Neo-Matridurat handelte, ist noch zu klären.</p>
<h2 id="aussicht">Aussicht</h2>
<p>Die Neo-Matridurate zeigen, dass die Menschheit dem Patriarchat nicht so ausgeliefert ist, wie weithin angenommen, sie machen Hoffnung auf mehr. Daher ist ihre differenzierte Benennung so wichtig. Deutlich ist auch, dass wir sie als Übergangsform verstehen müssen, solange die Female Choice nicht weltweit gesichert ist. Es kann aber nicht Ziel sein, sie nur unter Denkmalschutz zu stellen, dann werden es erfahrungsgemäß trotzdem immer weniger. Patriarchat ist theoretisch umkehrbar, aber in der Realität aufgrund der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">Überbevölkerung</a> und der vollständigen Besiedelung noch des letzten Winkels nur schwer auf humane bzw. friedliche Art zurückzudrängen und umzuwandeln. Ohne die Stärkung der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">Female Choice</a>, ohne weltweite Aufklärung über sie und auch ohne die Durchsetzung der freien Empfängnisverhütung und Abtreibung kommt das Ziel nicht in Reichweite. Es sind die Frauen, die sich mental und körperlich befreien müssen, aber es sind die Männer, die das Unterfangen der Frauen anerkennen und schützen müssen, in der Einsicht, dass es sich nicht nur um unser kulturelles Welterbe handelt, matrifokal zu leben, sondern um unser aller Menschenrecht, unser eigentliches Sein. Nur solche Männer können auch mit Recht das Prädikat &#8222;Feminist&#8220; für sich beanspruchen.<br />
Wenn wir von dem abweichen, was uns angeboren ist, fügen wir uns Schaden zu. Kultur ist nicht in der Lage, dies vollständig zu kompensieren, chronifiziert die Komplexe sogar noch. Matridurate beweisen, dass ein Wechsel zurück zu unserem angeborenen Sozialverhalten möglich ist. <strong>Es bedarf dazu keiner Anpassungsleistung, wie sie uns das Patriarchat abverlangt,</strong> es raubt uns daher keine Energien, sondern erfordert lediglich wissenschaftliche und soziale Anerkennung.</p>
<p>Danke, Stephanie, für Deine wertvollen Hinweise und Bemerkungen!<br />
Braunschweig, 30.05.2024</p>
[Update am 04.06.2024 (Matrilinearität der Keltenfürsten)! An dieser Stelle ein globales Danke an <a href="https://denkmalpflege-bw.academia.edu/DirkKrausse" target="_blank" rel="noopener">apl. Prof. Dr. Dirk Krausse</a> und <a href="https://www.eva.mpg.de/de/archaeogenetik/mitarbeiterinnen/johannes-krause/" target="_blank" rel="noopener">Prof. Dr. Johannes Krause</a>!]
<p>&nbsp;</p>
<h2 id="literatur">Literatur</h2>
<ul id="liste2">
<li>Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter &#8211; Essays zur Politischen Theologie. Norderstedt 2009</li>
<li>Dönges, Jan: Die DNA der Keltenfürsten. In Spektrum der Wissenschaft online. Online-Ressource auf <a href="https://www.spektrum.de/news/fuerstengraeber-aus-sueddeutschland-die-dna-der-keltenfuersten/2218598" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/news/fuerstengraeber-aus-sueddeutschland-die-dna-der-keltenfuersten/2218598</a>, abgerufen am 04.06.2024</li>
<li>Gogolin, Stephanie: Wie alles begann – eine grundlegende Betrachtung zur Matrifokalität. Online-Ressource vom 27.02.2021 abgerufen am 23.02.2023 auf <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2021/02/27/wie-alles-begann-eine-grundlegende-betrachtung-zur-lebendigen-matrifokalitat/" target="_blank" rel="noopener">https://marthastochter.wordpress.com/2021/02/27/wie-alles-begann-eine-grundlegende-betrachtung-zur-lebendigen-matrifokalitat/</a></li>
<li>Gogolin, Stephanie; Uhlmann, Gabriele: Gibt oder gab es matriarchale Gesellschaften? Eine notwendige Stellungnahme von Stephanie Gogolin und Gabriele Uhlmann. Online-Ressource vom 12.02.2022 abgerufen am 23.02.2023 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann</a></li>
<li>Liedloff, Jean: Auf der Suche nach dem verlorenen Glück &#8211; Gegen die Zerstörung unserer Glücksfähigkeit in der frühen Kindheit. München 1991.</li>
<li>MPG 2023: Oldest human genome from southern Spain &#8211; A human genome from the Ice Age refuge in southern Spain. Online-Ressource vom 12.06.2020 auf <a href="https://www.mpg.de/19953334/0228-evan-human-genome-from-southern-spain-150495-x" target="_blank" rel="noopener">https://www.mpg.de/19953334/0228-evan-human-genome-from-southern-spain-150495-x</a>, abgerufen am 04.03.2023</li>
<li>MPG 2024: Wie waren die Kelten in Baden-Württemberg verwandt?, Online-Ressource vom 03.06.2024, <a href="https://www.mpg.de/21993103/0530-evan-verwandtschaft-und-herkunft-der-kelten-in-baden-wuerttemberg-150495-x" target="_blank" rel="noopener">https://www.mpg.de/21993103/0530-evan-verwandtschaft-und-herkunft-der-kelten-in-baden-wuerttemberg-150495-x</a>, abgerufen am 04.06.2024</li>
<li>Rivollat, M., Rohrlach, A.B., Ringbauer, H. <em>et al.</em>: Extensive pedigrees reveal the social organization of a Neolithic community. Nature (2023). <a href="https://doi.org/10.1038/s41586-023-06350-8" target="_blank" rel="noopener">https://doi.org/10.1038/s41586-023-06350-8</a></li>
<li>Schnaars, Ilka: Sorgerecht und väterliche Gewalt. Rüsselsheim am Main 2025</li>
<li>Schreiber, Tanja <em>et al.</em>: Steinzeitfestungen in der sibirischen Taiga. In: Archäologie in Deutschland 6/2022 S. 14-19</li>
<li>Shih, Chuan-kang: Tisese and It’s Anthropological Significance. Issues around the Visiting Sexual System among the Moso. In: L’Homme<i>.</i> Nr. 154–155: Question de parenté, April–September 2000, S. 697–712. Online-Ressource auf <a class="external text" href="https://journals.openedition.org/lhomme/56" target="_blank" rel="nofollow noopener">lhomme.revues.org</a></li>
<li>Stämpfli, Regula in: #diepodcastin: Isabel Rohner &amp; Regula Stämpfli on Lidia Poet, links/rechts, Wagenknecht/Schwarzer, Chiara Ferragni, sexistischer Karneval, MediaToo &amp; CultureToo. Online-Ressource auf<br />
<a href="https://diepodcastin.de/2023/02/18/diepodcastin-isabel-rohner-regula-stampfli-on-lidia-poet-linksrechts-wagenknechtschwarzer-chiara-ferragni-sexistischer-karneval-mediatoo-culturetoo/" target="_blank" rel="noopener">https://diepodcastin.de/2023/02/18/diepodcastin-isabel-rohner-regula-stampfli-on-lidia-poet-linksrechts-wagenknechtschwarzer-chiara-ferragni-sexistischer-karneval-mediatoo-culturetoo/</a> abgerufen am 23.02.2023</li>
<li>Universität Mainz 2013: Mitteleuropäer haben gemischte Ahnen. Online-Ressource vom 11.10.2013 abgerufen am 23.02.2023 auf <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitteleuropaeer-haben-gemischte-ahnen/" target="_blank" rel="noopener">https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitteleuropaeer-haben-gemischte-ahnen/</a> abgerufen am 23.02.2023</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat &#8211; Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt. Norderstedt 2015</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Der radikalste Feminismus: Leben in Matrifokalität. In: Störenfriedas &#8211; Feminismus radikal gedacht. Norderstedt 2018</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Explosion und Expansion &#8211; Wie Vatermacht die Welt unterjocht. Vortrag gehalten am 17.5.2019 an der Philipps-Universität Marburg im Rahmen der Studientage &#8222;Nachhaltigkeit und Gesellschaftsformen aus kritisch geographischer Sicht&#8220; im Fachbereich 19 Geographie. Online-Ressource vom 29.04.2021 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht</a></li>
<li>Uhlmann 2020: Uhlmann, Gabriele: Von den Mosuo lernen – Wie frau sich aus dem Patriarchat befreien kann. Online-Ressource vom 19.02.2020 auf<br />
<a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2020/02/19/von-den-mosuo-lernen-wie-frau-sich-aus-dem-patriarchat-befreien-kann/" target="_blank" rel="noopener">https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2020/02/19/von-den-mosuo-lernen-wie-frau-sich-aus-dem-patriarchat-befreien-kann/</a></li>
<li>Wolters, Andreas: Mutter durch Geburt – Vater durch Gesetz, Ordnungsmuster der Vergesellschaftung. Roßdorf bei Darmstadt 2018</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Gogolin 2021 und Gogolin 2022</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der soziologische Begriff der &#8222;Exogamie&#8220; wird gemeinhin als &#8222;Heiratsregel&#8220; verstanden, bezieht sich also auf den patriarchalisierten Menschen. In der Biologie wurde er unkritisch übernommen, um natürliches Sexualverhalten zu beschreiben. Es gibt keinen anderen unkontaminierten Begriff dafür. Durch Berücksichtigung der Female Choice und ihrer chemotaktischen Inzestschranke lässt sich das Problem umgehen. Siehe dazu Bott 2009, S. 57 ff.</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Schnaars 2025</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2015</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Wolters 2018 und Schnaars 2025</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2018</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kontext siehe Stämpfli 2023, Min 25:29</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Klimakatastrophe vor 8200 Jahren, die die zu diesem Zeitpunkt bereits 3200 Jahre alte, fatale Abhängigkeit von Landwirtschaft offenbar werden ließ. Vgl. Uhlmann 2019</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Schreiber <em>et al.</em> 2022</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. MPG 2023</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Rivollat <em>et al.</em> 2022</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2019 und Universität Mainz 2013</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zum Begriff der Gesellschaft siehe Gogolin/Uhlmann 2020</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Liedloff 1991, S. 130</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. MPG 2024</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Bott 2009, S. 97 ff u. 419 ff</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2020</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. Shih 2000</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat">Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Gibt oder gab es matriarchale Gesellschaften? Eine notwendige Stellungnahme von Stephanie Gogolin und Gabriele Uhlmann</title>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Aug 2022 15:30:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Begriffe und Definitionen]]></category>
		<category><![CDATA[Bronzezeit]]></category>
		<category><![CDATA[Matrifokalität]]></category>
		<category><![CDATA[Matrilinearität]]></category>
		<category><![CDATA[Patrilinearität]]></category>
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		<category><![CDATA[Zivilisation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>“Matriarchale Gesellschaften“ ist ein Begriff, der uns oft begegnet, wenn eigentlich von Matrifokalität, unserem angeborenen Sozialverhalten, gesprochen wird oder von indigenen Ethnien, deren kulturelles Alltagsgeschehen noch im matrifokalem Kontext stattfindet....</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann">Gibt oder gab es matriarchale Gesellschaften? Eine notwendige Stellungnahme von Stephanie Gogolin und Gabriele Uhlmann</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg01.met.vgwort.de/na/f7721289c1d343a0b68d3198a6187ec5" alt="" width="1" height="1"><strong>“Matriarchale Gesellschaften“ ist ein Begriff, der uns oft begegnet, wenn eigentlich von Matrifokalität, unserem angeborenen Sozialverhalten, gesprochen wird oder von indigenen Ethnien, deren kulturelles Alltagsgeschehen noch im matrifokalem Kontext stattfindet. Von „matriarchalen Gesellschaften“ wird aber auch gern gesprochen, wenn die oberste Gottheit eine Göttin war oder ist und die Frauen „selbstbewusst“ und „emanzipiert“ gewesen sein sollen. „Matriarchale Gesellschaften“ seien egalitär und friedlich und manchmal stünde eine Königin oder sogar ein König an ihrer Spitze, die ihre Untertanen weise regierten.</strong></p>
<p>Die führende Mariarchatsforscherin Heide Göttner-Abendroth setzt der Definition von Matriarchat als „Herrschaft der Mütter“ eine eigene dagegen:</p>
<blockquote><p>&#8222;<em>Die begriffliche Verwirrung geht auf die scheinbare Parallele der Begriffe ‚Patriarchat’ und ‚Matriarchat’ zurück. Doch der Schein trügt! In sprachlicher Hinsicht muss man keineswegs der üblichen, vorurteilshaften Übersetzung des Begriffs als ‚Herrschaft der Mütter’ folgen. Das griechische Wort ‚arché’ hat nämlich eine doppelte Bedeutung und heißt sowohl ‚Anfang’ als auch ‚Herrschaft’. Der Begriff ‚Matriarchat’ bedeutet daher korrekt übersetzt ‚am Anfang die Mütter’, und das trifft die Sache. Im Falle der patriarchalen Gesellschaftsform ist hingegen die Übersetzung mit ‚Herrschaft der Väter/Männer’ zutreffend.</em>“<!--<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup></blockquote>
<p>Auf diese Weise erfährt man jedoch nicht, dass es der niederländische Rechtsethnologe George Alexander Wilken war, der die Bezeichnung <em>Matriarchat</em> 1884 einführte. In seinem Buch <em>Das Matriarchat (Das Mutterrecht) bei den alten Arabern</em> schrieb er:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Frage nach einem ursprünglichen Matriarchat (Mutterrecht) hat in letzter Zeit die Aufmerksamkeit Vieler auf sich gelenkt. Man weiß, was darunter verstanden werden muss. Das Matriarchat ist die Verwandtschaft durch die Mutter, wie das Patriarchat (Vaterrecht) die durch den Vater ist; bei jenem wird die Abstammung ausschließlich in der weiblichen, bei diesem in der männlichen Linie verfolgt. Von diesen beiden ist die mütterliche Verwandtschaft die am meisten ursprüngliche. Man könnte behaupten, dass sie einer der Phasen ist, welche das Familienleben überall in seiner Entwicklung durchlaufen hat.&#8220;<!--<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup></blockquote>
<p>Wilken sagte damit, dass ein Matriarchat ein umgedrehtes Patriarchat sei, dies, weil er nicht verstanden hatte, dass <em>Patrilinearität</em> (&#8222;männliche Linie&#8220;) nicht einfach der natürliche Gegenpart zur <em>Matrilinearität</em> (&#8222;weibliche Linie&#8220;) ist. Denn Matrilinearität ist die unmittelbare Folge der angeborenen <em>Matrilokalität</em> (Kinder bleiben bei der Mutter) unserer Spezies. Männer stellten eine kulturelle Ideologie von Patrilinearität dagegen. Und nur wenn sie zusätzlich <em>Patrilokalität</em> (Kinder müssen beim Vater wohnen) erzwingen, wird aus der Idee auch eine stabile Realität. Zwar bezieht Wilken sich in der Tat auf den Ursprung, aber er setzt den Begriff mit Bachofens „Mutterrecht“ gleich und schafft damit die Grundlage für die Begriffsverwirrung und angeblich „scheinbare Parallele“. Denn schon bei Bachofen haben wir die Verknüpfung von Recht und Herrschaft.<br />
Der Patriarchatsforscher Gerhard Bott schrieb dazu in der Antwort auf einen Leserinnenbrief, nach dem Bachofen deutlich gemacht habe, dass aus &#8222;dem gebärenden Muttertum&#8220; eben nicht &#8222;Weiberherrschaft&#8220; aufsteige, sondern &#8222;die allgemeine Brüderlichkeit aller Menschen, deren Bewusstsein und Anerkennung mit der Ausbildung der Paternität untergehe&#8220;, (sie zitiert Bachofen, 1954, S. 89) das Folgende:</p>
<blockquote><p>&#8222;<em>Das &#8218;</em><strong>Mutterrecht</strong><em>’ ist für Bachofen <strong>immer</strong> grausam und negativ. (&#8230;) Aus Bachofens ‚</em><strong>Mutterrecht</strong><em>&#8218; geht (&#8230;) eindeutig hervor, dass er immer dann, wenn er vom </em><strong>MutterTUM</strong><em> spricht, nicht etwa die fürchterliche Zeit des </em><strong>MutterRECHTS</strong> <em>meint, sondern die ‚<strong>befriedete Zeit</strong></em>’<em>, <strong>nach der ‚</strong></em><strong>Versöhnung</strong><em><strong>’</strong> der Frauen mit dem Primat der Männer. Er bezieht sich damit auf jene &#8218;gute&#8216; Zeit, <strong>die nach dem Ende des </strong></em><strong>Mutterrechts</strong><em><strong>, der </strong></em><strong>Gynaikokratie</strong><em><strong> oder ‚</strong></em><strong>Weiberherrschaft</strong><em><strong>&#8218;</strong>, ihren Anfang nahm, und zwar durch die ‚Versöhnung’ der Frau mit dem Mann. Erst in der vaterrechtlichen monogamen Ehe, in der sich die Frau dem Mann ‚</em><strong>lustvoll</strong><em>’. unterordnet, wurde das ‚</em><strong>Durchdringen</strong><em>’ der Frau zum ‚</em><strong>Muttertum</strong><em>’ möglich. Das &#8218;</em><strong>Mutterrecht</strong><em>’, hingegen stellt Bachofen durchgehend als negativen ZERR-Spiegel des ‚</em>Vaterrechts<em>&#8218;, des Patriarchats, dar.</em>&#8222;<!--<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup></blockquote>
<p>Schon Bachofens Begriff der <em><strong>Brüder</strong>lichkeit</em> hätte aufmerken lassen müssen, dass da etwas grundsätzlich nicht stimmig ist. <span id="more-5239"></span>Der Begriff „<strong>Recht</strong>“ selbst zeigt auf eine nicht egalitäre Absprache. Denn Recht, auch das sogenannte Mutterrecht, setzt bereits so was wie eine Gesetzeslage (wiederholbare Abmachung oder angeordnetes Gebot) voraus, die verbindlich für bestimmte Interessengruppen und exponierte Personen festgelegt und für diese einzufordern sind. <strong>Im Naturkontext gibt es keine Rechte</strong>, sondern nur natürliche Effekte, die in evolutionären Abläufen wirksam sind. Beispiel: Das Muttertier zieht ihr Junges auf und wird dabei von einer sie umgebenden Gruppe unterstützt (aus einem angeborenen, epigenetisch hinterlegten, Reflex heraus) oder es ist in der Lage, ihren Nachwuchs selbst zu verteidigen und optimal zu beschützen (siehe einige Raubtiere, hier die größeren Katzenarten). Ein Muttertier kann sich beispielsweise auf kein Recht berufen, ihr Junges störungsfrei aufzuziehen &#8211; es muss selbst dafür sorgen bzw. wird bei bestimmten Spezies vor allem der Säugetiere von einer Nähegemeinschaft unterstützt. Die Mensch lebte lange genug innerhalb eines Naturgeschehens, um eine bio-soziale Alltagsethik zu entwickeln, die eine egalitäre Gemeinschaft hervorbrachte und als erfolgreiche Überlebensstrategie epigenetisch verankerte &#8211; auf <strong>geschwisterlich</strong>er Basis, sowie <strong>mütterzentriert</strong> und vor allem <strong>generationsübergreifend</strong>.</p>
<p>Der Begriff <strong><em>Mutterrecht </em></strong>ist also der patriarchösen Vorstellungswelt der letzten Jahrhunderte entsprungen und ist in seiner Variante <em>Matriarchat</em> eine ähnlich missverständliche Wortschöpfung.</p>
<p>Ein <em>Recht</em> ist nicht nur als allgemeines Bekanntsein determiniert, sondern gilt auch nicht für jeden. Ein Recht zieht als Einrichtung eine Art Exekutive nach sich, die eingeführtes Recht und Gesetz beaufsichtigt, dessen Einhaltung kontrolliert und gegebenenfalls Sanktionen durchführt.</p>
<p><em>Matriarchat</em> (als angenommene Gesellschaftsform) sowie<em> Mutterrecht</em> (als eine Art konstituierte Überlieferung) setzt als inhaltlicher Begriff die organisierte Form einer (An)Leitung zur Steuerung des <strong>kollektiven Verhaltens </strong>voraus &#8211; sowie eine Art übergeordnetes Schema, was wiederum einen stringenten komplexen Kommunikationsfluss erforderlich macht, wie wir ihn nicht aus der Natur, sondern nur von Herrschaftsstrukturen her kennen. Eine (Groß)Gesellschaft, die auf dem Primat der Männer basiert, hat nichts mehr mit dem <strong>Naturgeschehen einer auf die Mutter bezogenen Gemeinschaftsform</strong> zu tun, die evo-biotisch, also damit menschenartgerecht agiert und sich als beginnende Kulturgemeinschaft an überliefertem Brauchtum orientiert, das keinerlei Recht oder Gesetz unterworfen ist.</p>
<p><strong><em>Ein Recht zu haben,</em></strong> setzt eine Kontrolle der Einhaltung voraus und eine Art Gremium, das die Einhaltungen der Rechte überwacht. Sobald der Begriff <em>Recht </em>ins Spiel kommt, schwingt Instruktion und Herrschaft mit. Nur das willkürliche Herrschaftsverhalten fordert eine Steuerung durch festgelegte Rechte und willkürliche gesetzlich festgelegte Privilegien heraus.</p>
<p>Eine egalitär lebende, auf gegenseitiger Fürsorge beruhende (Mütter)Gemeinschaft bedarf keiner festgelegten (auf Gebote und Gesetzes gestützte) Rechte, hier werden Unstimmigkeiten oder Ungerechtigkeiten ausgeräumt, indem Absprachen im Konsens das Zusammenleben im Sinne einer lebenswerten Gemeinsamkeit ausbalanciert werden.</p>
<h4>Die Göttin-Heros-Theorie, eine nicht beweisbare Hypothese</h4>
<p>Göttner-Abendroth greift das Mutterrecht des Erzpatriarchen Bachofen auf und verschärft noch das Problem mit ihrer Göttin-Heros-Theorie: Sie zeichnet damit das Vollbild einer patriarchalen Gesellschaft, aber mit weiblichem Vorzeichen, nach der das <strong>bronzezeitliche</strong> sumerische Ritual der <em>Heiligen Hochzeit</em> das zentrale matriarchale Fest sei. Aus der Warte der Evolutionstheorie stellt es jedoch eine Missachtung der <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener"><em>female choice</em></a> dar, womit es sich um die Vergewaltigung der Priesterin handelt, und auch kulturwissenschaftlich muss es als Initialisierung der königlichen und damit väterlichen Macht gewertet werden. Göttner-Abendroth aber deutet das Wilkensche Matriarchat positiv. Die Unterscheidung sei, dass die Königin/der König nicht grausam sei, sondern eine mütterlich-weise Leitung innehabe. Damit füttert sie unbeabsichtigt aber in fataler Weise den Mythos vom Matriarchat als Frauenherrschaft.</p>
<p>Es sprechen aber alle Indizien dafür, dass die Bronzezeit mit ihrer voll ausgebildeten Kriegstechnik die erste Epoche mit einem flächendeckenden Patriarchat gewesen ist, mit nicht egalitären Hierarchien, ersten Kriegen (beginnend in der Späten Jungsteinzeit), Sklavenhalterei, fundamentaler Frauenunterdrückung und Besitztum des Kindes. All das wurde in den beginnenden kapitalistischen Wirtschaftsstrukturen etabliert. Mit der Schrift, die die Sumerer als angeblich erste <em>Hochkultur</em> ausweist, überlieferten sie ihre in Stein gehauene Königsliste und damit ein rein patrilineares, also auch nach Wilkens, patriarchales Weltbild. Wirkliche Patrilinearität geht immer mit dem völligen Verlust an Selbstbestimmung für die Frau und Mutter einher, und ist damit der Hauptmarker der Patriarchose.</p>
<p><a title="HJunghans [CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sumerische_K%C3%B6nigsliste.JPG"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/52/Sumerische_K%C3%B6nigsliste.JPG/256px-Sumerische_K%C3%B6nigsliste.JPG" alt="Sumerische Königsliste" width="256"></a><br />
<span style="font-size:10px;">Sumerische Königsliste, Larsa/Tell Senkerech (Irak), 1740 v. Chr., Ton, Museum Oxford.<br />
Siehe auch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sumerische_K%C3%B6nigsliste" target="_blank" rel="noopener">Sumerische Königsliste bei Wikipedia</a></span>.</p>
<p>Allerdings besteht Heide Göttner-Abendroths großes Verdienst darin, das Volk der Mosuo in Europa bekannt gemacht und damit Beweismaterial geliefert zu haben, dass es Männern nicht schlechter geht, wenn sie keine Macht besitzen. Die Mosuo leben matrilokal und matrilinear, und die Vaterschaft bedeutet ihnen nichts. Kapitalismus ist ihnen unbekannt, denn sie leben subsistent in einer von der Natur begünstigten Umwelt.<br />
Die Mosuo begehen keine Heilige Hochzeit und es gibt keine Königin. Wichtige Entscheidungen, die oft auch erst das patriarchale Umland aufnötigt, werden im Konsens getroffen. Erst auf Befehl der chinesischen Regierung erhielten Männer das Amt des Bürgermeisters. Von den Modernen Matriarchatsforscherinnen werden die Mosuo als „Matriarchale Gesellschaft“ bezeichnet.</p>
<h4><strong>Aber ist es sinnvoll ein solches Zusammenleben eine Gesellschaft zu nennen?</strong> <strong>Und was überhaupt ist eine Gesellschaft?</strong></h4>
<p>Befragen wir das Internet, so zeichnet sich ein sehr facettenreiches Meinungsbild, je nachdem, welche Disziplin zu Rate gezogen wird, ob Soziologie, Ethnologie, Staats- oder Wirtschaftsrecht.</p>
<p>Gerhard Bott zog es daher vor, ausgehend von der Begriffsgeschichte, die auf das Zunftrecht der Handwerker mit ihren Lehrlingen, Gesellen, Jungmeistern und Altmeistern zurückgeht, Gesellschaft als eine hierarchische, männerbündische Organisation anzusehen, die er, wie schon der Philosoph Friedrich Schleiermacher, klar von <em>Gemeinschaft</em> abgrenzte<!--<a href="#_ftn4" name="_ftnref4">[4]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>.</p>
<p><strong>Eine Gesellschaft hat eine hierarchische Struktur. Sie wird durch Gewalt(en) und Verwaltung zusammengehalten. Wir finden hier keine zwingende, die Gesellschaft kennzeichnende Verwandtschaft innerhalb der Bevölkerung. </strong></p>
<p>Gesellschaft ist ein<strong> pluralistisches </strong>(politisches, wirtschaftliches sowie Personen bezogenes alltägliches)<strong> Geschehen</strong> in einem begrenzten Territorium bzw. einem ideellen Hoheitsgebiet.<br />
Die ersten, durch Eroberung entstandenen Staatsgebilde (Herrschaftsbereiche) sind die Basis dessen, was wir heute unter <strong><em>Gesellschaft </em></strong>verstehen. Zuvor gab es eine gewachsene indigene Grundbevölkerung, die in der Regel noch keine übergeordnete politische Struktur besaß und sich wie das evolutionäre Lebenssystem selbstorganisierend darstellte, indem notwendige Anpassungen um des Überlebens willen umgesetzt wurden.</p>
<p>Die Archäologin Marija Gimbutas hat mit ihrer inzwischen von der Genetik bestätigten Kurgan-These nachgewiesen, dass die jungsteinzeitlichen, noch matrifokalen Kulturen von Kriegern aus der Steppe Südrusslands unterworfen wurden. Die seitdem Herrschenden sind dabei immer die Abkömmlinge oder Günstlinge der einstmaligen Eroberer aller in der Gesellschaft versammelten <em>Volksgruppen</em> und <em>Kulturen</em>. Sie legte Wert darauf, die vorpatriarchalen Kulturen nicht als Gesellschaft, sondern als Zivilisationen zu benennen. Sie schrieb dazu in ihrem Buch über die Jungsteinzeit im Alten Europa &#8222;Die Zivilisation der Göttin&#8220;:</p>
<blockquote><p>&#8222;<em>Ich lehne die Ansicht ab, dass der Begriff Zivilisation nur auf androkratische Kriegergesellschaften angewendet werden dürfe. Die generative Basis jeder Zivilisation liegt in ihrem jeweiligen Maß an künstlerischem Schaffen, ästhetischen Errungenschaften, immateriellen Werten und Freiheit, die das Leben sinnvoll und lebenswert machen, sowie in einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Die Jungsteinzeit in Europa war keine Zeit &#8218;vor der Zivilisation&#8216; (Before civilization &#8211; so der Titel eines 1973 erschienenen Buches von Colin Renfrew über Europa zur Jungsteinzeit und Kupferzeit); sie war vielmehr wirklich eine Zivilisation im besten Sinne des Wortes. </em>(&#8230;)<em>.</em>&#8222;<!--<a href="#_ftn5" name="_ftnref5">[5]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup></blockquote>
<p>Im Grunde nimmt also Gimbutas auch hier eine Neudefinition vor, allerdings ohne Verwirrung zu stiften, denn sie kann sich auf die seit Kant und Goethe landläufig positive Konnotation des Adjektivs „zivilisiert“ im Gegensatz zu „unmoralisch“ berufen. Zudem findet sich ungeachtet der historischen Entwicklung in der Sprache eine Abgrenzung der <em>Zivilgesellschaft</em>, also des <em>Bürgertums</em>, vom Militär.<br />
Das Problem ist ein grundsätzliches. Unsere Wirtschafts-, Umgangs- sowie literarische Sprache ist patriarchal. Sie geht auf die Eroberer aus der Steppe, die Viehzüchternomaden waren, zurück. Daher ist sie von Metaphern aus der Viehzucht durchdrungen, insbesondere, wenn es um die Beziehung der Menschen zueinander geht, wie z.B. bei <em>Erziehung, Beziehung</em> und <em>Unzucht</em> oder im Begriff von <em>Zucht und Ordnung</em>. Nachdem sich Ursprachen quasi organisch entwickelt hatten, wurde mit der Patriarchalisierung Sprache von oben vorgeschrieben und damit über große Flächen vereinheitlicht als das, was wir heute „Indoeuropäische Sprachfamilie“ nennen. Sie zeigt sich in Form von einzuhaltenden Sprachformeln (wie Herrscheranreden) und auch das generische Maskulinum stammt aus dieser Zeit. In dem Herrschaftsgebiet, in dem es anfangs nur mündliche Überlieferung gab, war Kontrolle nur mit einer gut organisierten Verwaltung und möglichst einheitlichen Sprache möglich. Die patriarchalisierte Sprache trug dazu bei, unser angeborenes Sozialverhalten, die Matrifokalität, in Vergessenheit zu bringen.</p>
<p>Der veraltete Begriff des <em>Oheims</em>, des Bruders der Mutter, gehört wie auch die <em>Geschwister</em> zu den letzten Resten matrifokalen Verständnisses von verwandtschaftlichem Zusammenleben. Das Wort kennt kaum noch jemand. Allgegenwärtig ist dagegen das Wort <em>Onkel</em>, mit dem sich der <em>Oheim</em> sprachlich durch nichts mehr vom Vaterbruder unterscheidet. Die noch weniger bekannte <em>Muhme</em> als die Bezeichnung der Mutterschwester, ist aus dem Sprachgebrauch fast vollständig verschwunden. Die <em>Muhme</em> besaß vielfach eine besondere Bedeutung. Sie galt da, wo es keine Großmutter im Wohnumfeld (mehr) gab, als Beimutter und manche Frau schätzte sich glücklich, wenn ihre (unverheiratete und Kinderlose) Schwester mit in ihrem Haushalt lebte. Die Patrilokalität war/ist für jede Frau eine strapaziöse Lebensvariante. Die Muhme wurde gern als Patin für ein Kind (wohl vor allem für eine Tochter) genommen und die Pate oder Gode oder die immer noch im hessischen Raum übliche Götti, erhielt so gemeinsam mit der Mutter ein matrifokales Feeling, dessen sie sich meist nicht bewusst waren/sind. Sie folgten damit nur ihrem menschen-mütterlichen Instinkt.</p>
<p>Für das verwandtschaftliche Zusammenleben gibt es heute die Begriffe <em>Familie</em>, <em>Blutsverwandtschaft, Geschlecht, Verwandtschaft, Sippe,</em> <em>Clan, Stamm, und Angehörige</em>.</p>
<p><strong>Familie </strong>definiert sich im ursprünglichen (römischen) Sinn lediglich als Hausgemeinschaft und somit als der Herrschaftsbereich eines (privilegierten) Mannes – Familie ist <strong>keine</strong> konsanguine Zugehörigkeit für alle beteiligten Personen.<br />
Derzeit finden wir unter dem Begriff der Familie die verschiedensten Ableitungen. Im Sinne der Kleinfamilie wird eine alleinerziehende Mutter mit Kindern genauso als Familie bezeichnet, wie ein kinderloses Paar. Der Ausdruck Großfamilie bezieht sich heute eher auf die Anzahl (der Kinder), als auf einen generationsübergreifenden Status, bei dem die väterlichen Großeltern mit im Hause wohnen.</p>
<p><strong>Blutsverwandtschaft</strong> (oder durch Geburt verwandt, vornehm auch <strong>Geblüt</strong>) ist nur im matrilinearen Sinne schlüssig. Hier beziehen wir uns ausschließlich auf die direkte Herkunft innerhalb der weiblichen plazentaren Fortpflanzungslinie, daher bin ich auch als Frau mit meinem Bruder blutsverwandt, mit meinem Vater jedoch nicht (allerdings kann jedeR diesen Punkt sehen wie sie möchte).</p>
<p>Ein <strong>Geschlecht</strong> bezeichnet miteinander über die väterliche Linie Verwandte, die sich auf einen gemeinsamen adligen Stammvater zurückführen. Es entspricht einer Großfamilie, die hier jedoch aufgrund von Eroberungen und Heiratspolitik nicht auf ein geografisches Gebiet begrenzt ist. In neuerer Zeit kommt der Begriff auch im Bürgertum zur Anwendung, wenn der Stammvater in der Gesellschaft Bedeutung erlangt hat und seine Nachkommen sein Lebenswerk fortführen oder gewisse Bekanntheit erreicht haben.<strong><br />
</strong></p>
<p><strong>Verwandtschaft</strong> meint heute sowohl Blutsverwandte als auch durch Bereitschaftserklärung verbundene Zusammenlebende, also bei Heirat, Adoption, Pflegschaft, Beziehungsformen aller Art. Umgangssprachlich ist der Begriff der Verwandtschaft in heutiger Anwendung viel weitreichender, als im gesetzlichen oder juristischen Sinne.</p>
<p>Die <strong>Sippe</strong> wird heute soziologisch praktisch nur als patrilineares Verwandtschaftssystem verstanden, wenngleich der Begriff in der Bevölkerung eher auf die Mutterlinie bezogen ist, und zwar als <em>Sippschaft</em>, die jedoch eine negative Konnotation hat. Die Bedeutung als Mutterlinie geht auf das Althochdeutsche zurück, wo das Wort &#8222;kunni&#8220; für die Sippe steht. Dieses Wort geht wiederum auf die Ur-Silbe &#8222;kun&#8220; zurück, die &#8222;Vulva&#8220; oder &#8222;Frau&#8220; bedeutet, z.B. indoeuropäisch Lateinisch &#8222;cunnus&#8220; für die Vulva und im ureuropäischen Baskischen &#8222;gun&#8220; für Frau.<!--<a href="#_ftn6" name="_ftnref6">[6]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup>
<p>Der <strong>Clan</strong> ist ein (pseudo)patrilinearer Verbund von mehreren Patrilokalitäten (Familien), die einen begrenzten Lebensraum miteinander teilen und einem patriarchalen Kodex unterworfen sind. Es ist üblich, auch sogenannte matriarchale Gruppierungen als Clans zu bezeichnen, weil sie sich heute mit einen Kodex gegen die Patriarchalisierung zur Wehr setzen müssen. Dazu gehört der mütterliche Rat, sich nicht mit Männern des patriarchalen Umlandes zu verpartnern, um nicht von deren Ideologie unterminiert zu werden.</p>
<p>Der <strong>Stamm</strong> impliziert die Auffassung der sogenannten männlichen Abstammung, eine bis in unser letztes Jahrhundert nicht genetisch nachweisbare Patrilinearität, die sich auf einen mythischen Urvater, aber auch auf ein weibliches Tierwesen, und dessen Sohn zurückführt. Daher ist dieser Begriff in Bezug auf die Matrifokalität, unserem angeborenen Sozialverhalten, ebenfalls unbrauchbar.</p>
<p>Als <strong>Angehörige</strong> werden heute die entweder unmittelbar (durch Geburt) verwandten, aber auch angeheiratete oder anderweitig (mit und ohne Bereitschaftserklärung) einer Lebens- bzw. Wohngemeinschaft zugehörige Personen verstanden. (Ohne eigene Bereitschaft &#8211; z.B. ein junges Kind wird nicht wirklich gefragt, ob es der neuen Lebenspartnerschaft der Mutter beitreten will.)</p>
<p>Für das matrifokale Verwandtschaftssystem gibt es keinen solchen anerkannten, feststehenden Begriff, außer, dass es als „Kultur mit matrilokalen Residenzregeln“ und „Matrilinearität“ besprochen wird. Am ehesten passt der Begriff der Sippe, der jedoch rehabilitiert und attributiv spezifiziert werden muss. Die<strong> matrilokale und matrilineare Sippe</strong> können wir als eine generationsübergreifende, geschwisterliche und sich aufeinander beziehende Gemeinschaft aller in unmittelbarer Nähe lebenden Gruppierungen, verorten. Sippe deutet hier die direkte mütterliche Bindung an (laut Wahrig Wörterbuch: Gesamtheit der Blutsverwandten). Die konsanguinen<!--<a href="#_ftn7" name="_ftnref7">[7]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup> Angehörigen, die <strong>Sipplinge</strong>, sind über Mutterbindung miteinander verwandt und damit matrifokal.</p>
<p>Matrifokale Völker leben demnach in matrilokalen und matrilinearen Sippen. Nach dem zur Verfügung stehenden Vokabular leben solche über die Mutter nicht verwandten Sippen, die sich sexuell und materiell oder in Ideen austauschen, in <em>Gemeinschaft. </em>Für das außerpatriarchale Leben aller Menschen gibt es bislang keinen unpolitischen, <strong>eindeutigen</strong> Begriff. Stephanie Gogolins Wortschöpfung „<strong><em>das Matrifokal</em></strong>“ behebt diesen Mangel.</p>
<p><em>Das Matrifokal</em> ist ihre Bezeichnung für das naturgemäße Bindungssystem der Menschen (der menschlichen Mutter) in einem real vorhandenen, dynamischen Habitat<!--<a href="#_ftn8" name="_ftnref8">[8]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup>, welches von Beginn des Menschseins als <strong>existenzsichernde Schutzsphäre</strong> <strong>für</strong> Mütter <strong>und</strong> ihren Nachwuchs fungierte.</p>
<p>Matrifokale bestehen aus den konsanguinen Angehörigen (beiderlei Geschlechts), innerhalb der matrilinear und matrilokal sowie generationsübergreifend lebenden frühen Menschengruppen. Das bedeutet: durch Geburt verwandte Menschen interagierten in ihrem Alltag in einer überschaubaren, <strong>mutterbasierten</strong> und <strong>geschwisterbezogenen Fürsorge- also Nähegemeinschaft</strong>, in der <strong>jedes Individuum integriert und geborgen lebte</strong>. Das Matrifokal ist die naturgemäße, menschenartgerechte Fürsorgegemeinschaft.</p>
<p>Matrifokalität – ist unser ur-natürliches Dasein im evolutionär entstandenen Kontinuum des Menschseins und unser angeborenes Sozialverhalten<!--<a href="#_ftn9" name="_ftnref9">[9]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup>.</p>
<p><strong><em>Die Menschheit wurde in einem Matrifokal geboren</em></strong> – in einer unmittelbaren Nähe- und mütterlichen Fürsorgegruppe. Diese Form des Zusammenlebens der Spezies Mensch beruht auf biologisch angelegter Bindung, ist also die natürliche, durch Evolution entstandene menschliche Überlebensstrategie. Das Matrifokal ist die Basis des menschenartgerechten Kontinuums.</p>
<p>Die Mosuo leben demnach in Matrifokalen. Sie sollten nicht als Gesellschaft verallgemeinert werden. Auch die Kulturen der vorpatriarchalen Zeit waren keine Gesellschaft. Das laut oder deutlich zu sagen, erregt jedoch regelmäßig den Protest der Matriarchatsforscherinnen, die den Begriff <em>Gesellschaft</em> offenbar für ein Prädikat, einen Ehrentitel halten. Für Heide Göttner-Abendroth ist <em>Matriarchat</em> nach eigener Aussage ein <strong>Kampfbegriff</strong>, also ein politischer Begriff. Daher wird er auch und insbesondere der vorpatriarchalen Zeit, als die Matrifokale noch nicht um ihre Existenz gegen das Patriarchat kämpfen mussten, nicht gerecht.</p>
<p>Ein weiterer Denkfehler der „Matriarchatsfrauen“ besteht darin, zu glauben, dass eine Königin mit ihren Untertanen und Besitztümern Egalität auf dem Programm hätte. Da, wo Macht ist, ist auch Machtmissbrauch nicht weit. Da, wo es Herrschaft gibt, ent- und besteht inhumane Hierarchie. Rechte, die Gleichheit garantieren sollen, können jederzeit von einer herrschenden Persönlichkeit oder Gruppierung zurückgenommen werden. <strong><em>Egalität</em> darf daher nicht mit <em>Gleichberechtigung</em> verwechselt werden. </strong>Gemäß obiger Ausführungen kann Gleichberechtigung nur eine Rechtsform sein aber keine natürliche Eigenschaft.</p>
<h4><strong>Im Mainstream ist <em>Matriarchat</em> ein Schimpfwort</strong></h4>
<p>Wie bereits angedeutet, gelten im allgemeinen Verständnis „Matriarchale Gesellschaften“ als noch viel schlimmer als das Patriarchat, denn dort würden ja Männer unterdrückt. Frauen zu unterdrücken wäre nach dieser Logik völlig in Ordnung. Zu diesem Umkehrkehrschluss kommt mann aber nicht, leider auch nicht die Frauen. Die so unbedingt beschworenen „Matriarchalen Gesellschaften“ hat es nie gegeben. Daher kann auch niemand wissen, ob eine matriarchale Gesellschaft schlimmer wäre als eine patriarchale Gesellschaft. Ein Beispiel einer solchen Umkehrung der Verhältnisse ist der Umgang mit dem „Megxit“ (Austritt von Prinz Harry und Herzogin Meghan aus dem engl. Königshaus). Darüber schreibt die Journalistin Margarete Stokowski:</p>
<blockquote><p>„‚Die Zeit’ schreibt: ’Früher endeten die Märchen so, dass die Frauen den Prinzen heiraten durften, im modernen Märchen entführen sie ihn aus dem Palast, um fortan in Kanada zu leben.’ Eine Entführung also.“<!--<a href="#_ftn10" name="_ftnref10">[10]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup></blockquote>
<p>Das entspräche natürlich dem Mythos vom schrecklichen Matriarchat. Solange ein Mann „seine Frau“ „entführt“, solange ist das völlig in Ordnung. Der Euphemismus für diese Entführung ist die „<strong>Heimführung der Braut</strong>“. Dass ein Partner dem anderen folgt, wird natürlich nicht als Entführung gewertet, sondern als <em>normal</em> angesehen. Die Betroffenen (in der Regel die Frau) unterwerfen sich dabei (den Interessen des männlichen) Partners. In der Soziologie wird das <em>Patrilokalität</em> genannt, was als Begriff ebenso harmlos daher kommt, wie wir es schon bei Wilken beobachtet haben. Die Ehe ist in der Tat eine Entführung der Frau, denn unser angeborenes Sozialverhalten kennt keine Patrilokalität, sondern nur Matrilokalität, die wiederum keinen Vater kennt. Der Megxit zeigt: erst, wenn es einen Mann trifft, er also heimgeführt wird, erkennen die Leute, dass es sich um eine Entführung handelt.</p>
<p>Dem Mann mutet man das im sozialen Alltag<!--<a href="#_ftn11" name="_ftnref11">[11]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup> nicht zu. Es ist allein dem Sohne vorbehalten, lebenslang bei seiner Mutter wohnen zu bleiben, er darf die Mutter-Kind-Bindung solange leben, wie er will, die Tochter aber nicht. Die Mutter-Sohn-Dyade, bis heute verehrt in Maria mit dem Jesuskinde und ihren religionshistorischen Vorläufern, ist in gewisser Weise der letzte Rest gelebter Matrifokalität, aber unter dem Dach der Väterlichkeit. Im Gegensatz dazu muss die Tochter ihre natürlichen Bindungen lösen, insbesondere die zur <strong>Mutter. Von jedem Mädchen, jeder Frau wird erwartet, dass sie sich einem (nicht verwandten) Mann (oder einer anderen Person) auf Lebenszeit anschließt</strong>, als wäre sie kein fühlendes Wesen mit einem Begriff von „zuhause“, „Heimat“ oder „Familie“, oder wie wir das sonst auch immer nennen mögen, als sei sie eine Sache, die klaglos den Besitzer wechselt. Auch die moderne Grausamkeit eines verordneten sog. Wechselmodells gehört hier hin. Das Kind wird wie eine Sache eventuell jahrelang zwischen den getrennten Eltern hin und her gereicht.</p>
<p>Es ist für alle, Männer, Frauen und Kinder, in der Regel ein schwerer persönlicher Einschnitt, aus den vertrauten Bindungen gerissen zu werden. Das wird in unserem kulturellen Verständnis verdrängt. Mobilität gilt sogar als Ausdruck einer anzustrebenden Unabhängigkeit. Tatsächlich gerät die Mutter durch Mobilität in noch größere Abhängigkeit vom Kindsvater, da sie ihr seit Kindheit aufgebautes, vertrautes Netzwerk verliert.</p>
<p>Gesellschaftsleben ist eine nicht naturgemäße Form des menschlichen Zusammenlebens und je komplexer und damit unübersichtlicher eine Gesellschaft für das Individuum ist, desto ungeborgener muss es in ihr leben. Wir haben hier bereits den verstörenden Effekt, dass sich die Mensch per se in den bestehenden gesellschaftlichen Zusammenhängen verlassen fühlt.</p>
<h4>Das kollektive Stockholmsyndrom</h4>
<p>Die patriarchal performte Gesellschaft ist ein einziges Geiseldrama und damit ein Verbrechen, dessen Opfer wir alle sind. Was wiederum bedeutet, wir konnten in diesen Verhältnissen nur halbwegs überleben, indem wir ein kollektives Stockholmsyndrom entwickelten. Im westlichen Kulturkreis ist es üblich, in die vorhandene Patrilokalität hineingeboren zu werden. Da die sogenannte Patrilinearität ohnehin nur ein gewaltsam aufrecht gehaltenes Ideengebäude ist, sind nach wie vor Angstauslöser, Denkgebote und Tabus erforderlich, um das Stockholmsyndrom zu füttern. Nur über die geistige und gefühlsmäßige Hörigkeit gegenüber den Geiselnehmern, ist die anonyme Masse der Gesellschaft steuerbar.</p>
<p>Das kollektive Stockholmsyndrom, ohne das die Patriarchose nicht dauerhaft funktionieren würde, entstand unter den Bedingungen von Heimatlosigkeit, Kriegsschrecken, Gefangenschaft, Verschleppung, Sklaverei und als deren zivilisiert geltenden Form, der Ehe &#8211; die Zugehörigkeit zu <strong>einem</strong> Mann.</p>
<p>Die gewaltsam eingeführten patriarchalen Strukturen vereinzelten Menschen, die sich wiederum in Interessengruppen auf androzentrierter Basis zusammenschlossen oder in die Unterdrückung gezwungen wurden. Hier traf es vor allem und allen voran <strong>die Leben erhaltende Frau</strong> – <strong><em>die Mutter. </em></strong>Und eigentlich noch bevor sie Mütter wurden &#8211; die Töchter der „Anderen“ waren ab nun der Kern der Begierde, die Beute. Die von den ersten Geiselnehmern verschleppten Töchter sind die Mütter, die uns ihr überlebensnotwendig entwickeltes Stockholmsyndrom vererbten, auch indem sie es wie ein Brauchtum pflegten.<br />
Die Unterwerfung unter die Gewaltstrukturen des uns umgebenden gesellschaftlichen Aggregatzustandes ist Teil unserer weiblichen Identität geworden. Wir sind kulturell auf den Mann geprägt, da er als patriarchaler Herrschaftsvertreter seine Vorgaben als Gesetzmäßigkeiten festlegt, bestimmt, kontrolliert und durchsetzt.</p>
<p>Ein entscheidender Hinweis auf unsere exzellente Konditionierung wird in dem Beispiel sichtbar, dass kaum eine alleinerziehende Mutter, die es in unserer Gesellschaft zuhauf gibt, auf die Idee kommt, mit ihren Kindern zu ihrer Mutter zurückzukehren und vielleicht noch ihre Schwester mit ins Boot zu holen. Selbst wenn die Großmutter auch ohne Mann lebt, kommt es zu keinen wirklichen matrifokalen Allianzen. Das Dogma des angeblich „natürlichen Biotops“ <em>Gesellschaft </em>ist zu stark in uns verankert – durch permanente Gehirnwäsche und väterlichen Territorialanspruch, selbst wenn diese Väter als Person im Lebensraum von Müttern und Kindern gar nicht mehr vorkommen.</p>
<p>Die Gesellschaft in die wir hineingeboren wurden, die uns erzieht und züchtigt, ist der Nährboden für das Stockholmsyndrom, das uns nicht selbstbestimmt denken und handeln lässt. In einem <strong><em>Matrifokal</em></strong> gäbe es keine Bedrohungssituationen und beides wäre völlig unspektakulär möglich.</p>
<h4>FAZIT</h4>
<p>Es gab weder matriarchale noch matrifokale Gesellschaften. Gesellschaft ist ein Gebilde, bestehend aus teilweise anonym interagierenden Gruppierungen und bindungslos gemachten Einzelpersonen in einem ansonsten unverbindlichen System, das durch ideologische Vorgaben gesteuert wird. Es gab im naturgemäßen menschlichem Kontinuum keine zugewiesene Zugehörigkeit, wie wir sie heute verinnerlicht haben, sondern eine gewachsene, muttergebundene Angehörigkeit. In einer Gesellschaft sind Menschen in der Regel nicht verwandt im Sinne einer unmittelbaren geburtlichen Zu- bzw. Angehörigkeit, obwohl solche Konstellationen in gesellschaftlichen Strukturen vorhanden sind und auch sein müssen, um die menschliche Reproduktion innerhalb der Gesellschaft zu sichern. Gesellschaft ist eine Errungenschaft patriarchaler Herrschaft und deren bindungsloser Ideologie.</p>
<p>Als Kennzeichnung von Gesellschaft finden wir sozio-kulturell-politische Labels vor wie patriarchal, feudal, Sklaven haltend oder die modernen Formen des Kapitalismus oder Imperialismus<strong>.</strong> In diese illustre Reihe sollen Gemeinschaften gestellt werden, die von Matriarchatsforscherinnen als „matriarchale Gesellschaft<em>“</em> bezeichnet werden. Dieses Bestreben wäre also wirklich zu überdenken.<br />
Wir hoffen damit deutlich gemacht zu haben, dass wir nicht mit anderen Denkerinnen konkurrieren, sondern aufklären möchten und an einer konstruktiven Definitionsarbeit interessiert sind. Im Allgemeinen leiden Frauen an einem Mangel an Loyalität und gegenseitiger Akzeptanz, weshalb es auch für forschende Frau nicht einfach ist, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Schließen möchten wir daher mit einen Zitat von Mirna Funk:</p>
<blockquote><p>“Wir machten ein bisschen Small-Talk, bestellten Getränke und das Essen, und als alles nach 15 Minuten auf dem Tisch stand, sagte sie zu mir: ‚Ich finde die Quote unnötig. Sexismus habe ich noch nie erlebt, sondern nur große Unterstützung von Männern erfahren. Das größte Problem sind die Frauen selbst. Sie stehen sich im Weg, sind illoyal und schaden sich gegenseitig.’ Ich starrte auf meinen Teller, rollte traurig die Pasta auf meine Gabel, verdrehte vor Erschöpfung die Augen, ohne dass sie es sehen konnte, und antwortete nur: ‚Ja, das mit der fehlenden Loyalität ist wirklich schade.’“<!--<a href="#_ftn12" name="_ftnref12">[12]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup></blockquote>
<p>Lüneburg und Braunschweig 12.02.2020</p>
<p>Lesen Sie bitte im Anschluss an diesen Text das Update, mit dem die Fragestellung geklärt wird, wie wir matrifokale Gemeinschaften nennen können: <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt">Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat</a>.</p>
<p><!--<strong>Anmerkungen</strong>

<a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> <a href="https://www.goettner-abendroth.de/matriarchat/der-begriff-matriarchat/">https://www.goettner-abendroth.de/matriarchat/der-begriff-matriarchat/</a> abgerufen am 27.01.2020

<a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> <a href="http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/ssg/content/pageview/421896?query=matriarchat">http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/ssg/content/pageview/421896?query=matriarchat</a> abgerufen am 27.01.2020

<a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> <a href="http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/mutterrecht-versus-muttertum-bei-bachofen.html">http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/mutterrecht-versus-muttertum-bei-bachofen.html</a> abgerufen am 27.01.2020

<a href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a> Aus privater Korrespondenz mit Gabriele Uhlmann

<a href="#_ftnref5" name="_ftn5">[5]</a> Gimbutas, Marija: <em>Die Zivilisation der Göttin</em>, Frankfurt a.M. 1996 (am. Originalausg. 1991)

<a href="#_ftnref6" name="_ftn6">[6]</a> Vgl. Fester, Richard: Das Protokoll der Sprache. In: Weib und Macht. Fünf Millionen Jahre Urgeschichte der Frau. 3. Aufl., Frankfurt 1983, S. 79-106

<a href="#_ftnref7" name="_ftn7">[7]</a> Konsanguine Angehörige sind durch Geburt in Matrilinearität verbunden. (abgeleitet von dem Begriff <em>cognati consanguinii</em> - „von der Mutter her“ siehe Bott, Gerhard, <em>Die Erfindung der Götter</em>, S. 350)

<a href="#_ftnref8" name="_ftn8">[8]</a> Wohnplatz von Ur- und Frühmenschen

<a href="#_ftnref9" name="_ftn9">[9]</a> Zitat von Gabriele Uhlmann - „Matrifokalität ist keine Gesellschaftsform, sondern unser angeborenes Sozialverhalten.“

<a href="#_ftnref10" name="_ftn10">[10]</a> <a href="https://www.spiegel.de/kultur/meghan-markle-die-eigentliche-queen-kolumne-a-9cbe281d-72ae-413c-bf27-f423cfbfb98a">https://www.spiegel.de/kultur/meghan-markle-die-eigentliche-queen-kolumne-a-9cbe281d-72ae-413c-bf27-f423cfbfb98a</a> abgerufen am 21.01.2020

<a href="#_ftnref11" name="_ftn11">[11]</a> Gerät ein Mann im patriarchösen Milieu in Gefangenschaft oder in Sklaverei, wird ihm jedoch, auch als Kind, jedes Leid zugemutet.

<a href="#_ftnref12" name="_ftn12">[12]</a> <a href="https://editionf.com/wie-gehe-ich-mit-frauen-um-die-feminismus-unnoetig-finden/">https://editionf.com/wie-gehe-ich-mit-frauen-um-die-feminismus-unnoetig-finden/</a> abgerufen am 7.2.2020
--></p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://www.goettner-abendroth.de/matriarchat/der-begriff-matriarchat/">https://www.goettner-abendroth.de/matriarchat/der-begriff-matriarchat/</a> abgerufen am 27.01.2020</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/ssg/content/pageview/421896?query=matriarchat">http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/ssg/content/pageview/421896?query=matriarchat</a> abgerufen am 27.01.2020</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/mutterrecht-versus-muttertum-bei-bachofen.html">http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/mutterrecht-versus-muttertum-bei-bachofen.html</a> abgerufen am 27.01.2020</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Aus privater Korrespondenz mit Gabriele Uhlmann</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gimbutas, Marija: <em>Die Zivilisation der Göttin</em>, Frankfurt a.M. 1996 (am. Originalausg. 1991)</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Fester, Richard: Das Protokoll der Sprache. In: Weib und Macht. Fünf Millionen Jahre Urgeschichte der Frau. 3. Aufl., Frankfurt 1983, S. 79-106</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Konsanguine Angehörige sind durch Geburt in Matrilinearität verbunden. (abgeleitet von dem Begriff <em>cognati consanguinii</em> &#8211; „von der Mutter her“ siehe Bott, Gerhard, <em>Die Erfindung der Götter</em>, S. 350)<br />
</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wohnplatz von Ur- und Frühmenschen</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zitat von Gabriele Uhlmann &#8211; „Matrifokalität ist keine Gesellschaftsform, sondern unser angeborenes Sozialverhalten.“</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://www.spiegel.de/kultur/meghan-markle-die-eigentliche-queen-kolumne-a-9cbe281d-72ae-413c-bf27-f423cfbfb98a">https://www.spiegel.de/kultur/meghan-markle-die-eigentliche-queen-kolumne-a-9cbe281d-72ae-413c-bf27-f423cfbfb98a</a> abgerufen am 21.01.2020</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gerät ein Mann im patriarchösen Milieu in Gefangenschaft oder in Sklaverei, wird ihm jedoch, auch als Kind, jedes Leid zugemutet.</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://editionf.com/wie-gehe-ich-mit-frauen-um-die-feminismus-unnoetig-finden/">https://editionf.com/wie-gehe-ich-mit-frauen-um-die-feminismus-unnoetig-finden/</a> abgerufen am 7.2.2020</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann">Gibt oder gab es matriarchale Gesellschaften? Eine notwendige Stellungnahme von Stephanie Gogolin und Gabriele Uhlmann</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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