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	<title>Bronzezeit Archive - Gabriele Uhlmann</title>
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		<title>Apokalyptische Reiter reloaded – Warum Kulturen immer wieder untergehen und was das für die Gesellschaft bedeutet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jul 2024 15:41:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Analysen und Studien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Bild: Die vier Reiter der Apokalypse (Beatus-von-Osma-Codex, 11. Jahrhundert) von Martinus (Scribe-Petrus) &#8211; Archives de la Cathédrale, Gemeinfrei Gesellschaftlicher Zerfall als Phänomen Die Archäologie beobachtet schon seit Langem, dass...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/apokalyptische-reiter-warum-gehen-kulturen-immer-wieder-unter-und-was-bedeutet-das-fuer-die-gesellschaft">Apokalyptische Reiter reloaded – Warum Kulturen immer wieder untergehen und was das für die Gesellschaft bedeutet</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Bild: Die vier Reiter der Apokalypse (Beatus-von-Osma-Codex, 11. Jahrhundert) von Martinus (Scribe-Petrus) &#8211; Archives de la Cathédrale, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=499335" target="_blank" rel="noopener">Gemeinfrei</a><br />
<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/a00aea18be514d1ea55b8d7cae8b307b" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h2 id="gesellschaftlicher-zerfall-als-phaenomen">Gesellschaftlicher Zerfall als Phänomen</h2>
<p>Die Archäologie beobachtet schon seit Langem, dass sich in Europa ab einem gewissen Zeitpunkt in der Jungsteinzeit immer neue Kulturen quasi die Klinke in die Hand gaben. Kaum war eine neue Kultur entstanden, verschwand sie auch schon wieder. Bandkeramik, Hinkelstein Kultur, Groß Gartacher Kultur, Rössener Kultur, Michelsberger Kultur etc., sie alle entstanden und verschwanden in Zeitrahmen von nur wenigen hundert Jahren. Wo die Menschen geblieben sind, war lange ein Rätsel und Gegenstand von Spekulationen, bis die Genetik zeigen konnte, dass manche Kulturen tatsächlich spurlos verschwanden, andere dagegen in neuen Kulturen aufgingen, also assimiliert wurden.</p>
<p>Der Kultur-Begriff muss dabei kurz erklärt werden. Mit z. B. der Rössener Kultur ist eine prähistorische Gemeinschaft gemeint, die eine für sie typische materielle Ausprägung zeigt. So angewendet dient der Kultur-Begriff lediglich zur Unterscheidung von Gemeinschaften über Raum und Zeit, sagt aber noch nichts über das Wesen ihrer Sozialordnungen aus. Im Folgenden gebrauche ich den schwer definierbaren Kultur-Begriff &#8211; um den Rahmen nicht zu sprengen &#8211; als die Gesamtheit des tradierten Schaffens, Erfindens, Denkens und Verhaltens, die sog. <a href="https://openevo.eva.mpg.de/teachingbase/kumulative-kultur/?lang=de" target="_blank" rel="noopener">kumulative Kultur</a>.<br />
Im medialen Sprachgebrauch wird eher nicht vom Zusammenbruch von Kulturen gesprochen, sondern von Gesellschaften, womit meist Vorstellungen von Gesellschaft verbunden sind, wie wir sie leben. Der „Untergang der Gesellschaft“ ist zudem ein Schreckgespenst, das gerne an die Wand gemalt wird. Daher müssen wir uns dieses Wort ebenfalls genauer ansehen. Eine Gesellschaft ist entgegen dem Sprachgebrauch keine natürliche Sozialordnung, sondern immer von Männern gewaltsam hergestellt und aufrechterhalten. Dabei haben sie eine spezifische Kultur hervorgebracht, die nur im Patriarchat denkbar ist. Deshalb ist die Gewalt untrennbarer Teil der patriarchalen Kultur, die eine Andro-Kultur<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup> ist. Einer Gesellschaft wird ihre Beschreibung allein über materielle Güter nicht mehr gerecht. In jeden Gegenstand kann nun potentiell auch eine höhere Bedeutung hineininterpretiert werden. Bis heute wird Gewalt und Gewaltverhalten kultiviert, was sich meist auch an den Gütern spiegelt. Kriegswaffenfunde bei einer archäologischen Grabung müssen in patriarchale Zeit datiert werden, wobei der regionale Ursprung der Waffe wie bei jedem anderen Einzelfund genauer untersucht werden muss. Bei z.B. dem Fund eines harmlosen Plastikeimers können wir darüber nachdenken, was alles geschehen musste, bis die Kultur in der Lage war, ihn herzustellen. Entsprechend muss hier auch mit einer immateriellen Gewalt-Kultur gerechnet werden. Findet sich aber ein solcher Eimer in einem bis dahin unkontaktierten Volk, muss das kein Beweis für eine Gewalt-Kultur sein.<br />
Das globale Patriarchat, auch „die Gesellschaft“ genannt, setzt sich aus vielen Einzel-Gesellschaften zusammen, die auf Stämme mit Stammvätern zurückgehen, und die jede für sich zerfallen kann, ohne dass das Patriarchat bedroht wäre. Solange irgendwo Patriarchat, sprich ein „böser Nachbar“ zu finden ist, werden Gesellschaften zerfallen und neu entstehen, weil das Patriarchat aufgrund seiner Überbevölkerung expansiv ist und jeden verwaisten Landstrich wiederbesetzt, allen Überlebenden eine neue Herrschaft überstülpt. Dabei verändert sich die materielle Kultur und die Regierung wechselt, aber aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit werden die Menschen schnell wieder zur Normalität zurückfinden. Dafür arbeitet wiederum ihr privates Patriarchat, denn es gilt: Das Private ist das Politische. Daher ist das Szenario eines Untergangs der Gesellschaft ein Phantom, solange nicht die Gemeinschaft der Unterdrückten dieser Welt erkennt, dass ihre private Lebensweise das Problem ist.<br />
Zerfällt eine bestimmte Gesellschaft, zerfällt auch ihre Kultur, und ohne die Kulturträger, die Menschen, ist alles nur noch ein archäologischer Fund. Es ist aber auch umgekehrt so, dass der Zusammenbruch einer Kultur sofort den Zusammenbruch einer Einzel-Gesellschaft nach sich zieht, die sie hervorgebracht hat, weil eine bestimmte Gesellschaft auch eine bestimmte Kultur mit einer entsprechenden Ideologie braucht, ohne die sich ihre Mitglieder in schwere Auseinandersetzungen verwickeln. Je mehr kulturelle Optionen vorhanden sind, desto größer auch die Meinungsvielfalt, die ohne sanktionierte Debattenkultur oder Unterdrückung anderer Meinungen zum Bürgerkrieg führt. Gemeint ist eigentlich immer die Frage, wie wir ein gutes Leben hinkriegen, und da unterscheiden sich im Patriarchat insbesondere Männer und Frauen fundamental. Auch Männer können sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen, dann aber geht es den Frauen noch schlechter. Die gewaltgeprägte Andro-Kultur ist der Kitt, der eine Gesellschaft zusammenhält, so paradox das klingt. Daher wird es trotz aller gutgemeinter Appelle kein Patriarchat ohne Gewalt gegen Frauen geben.<br />
Der Zusammenbruch „der Gesellschaft“ ist daher genaugenommen eine Befreiung vom Patriarchat, jedoch nur wenn dabei auch das Patriarchat aus den Köpfen verschwindet. Eine vorherige Aufklärungsbewegung erweist sich dann überlebenswichtig für die gesamte Menschheit, die Idee muss schon irgendwo <em>in petto</em> sein. Wie bereits an anderer Stelle ausgeführt, ist die Gesellschaft immer ein patriarchales, also auch hierarchisches System. Eine Andro-Kultur bringt daher auch Güter hervor, die diese Hierarchie (übersetzt „heilige Herrschaft“) nicht nur ausdrücken, sondern ihr huldigen bzw. als heilsbringend verklären. In einer akut zu zerfallen drohenden Gesellschaft wird stets auch der Ruf nach einem Heilsbringer laut. Personenkult und die Radikalisierung der religiösen Weltanschauung oder gar die Entstehung von Ersatz-Religion gehören dazu. Beide, eine Gesellschaft und ihre Andro-Kultur bedingen sich gegenseitig. Die Frage ist, ob sie aufgrund interner Probleme quasi implodiert ist, oder ob sie durch Angreifer zerstört wird.</p>
<p>Dagegen braucht unser angeborenes Sozialverhalten, die Matrifokalität, keinen kulturellen Kitt, sondern ist egalitär und friedlich und bringt Kulturtechniken hervor, die das Leben erleichtern und den Nachwuchs in jeder Hinsicht fördern und erhalten, weshalb sie an die nächste Generation weitergegeben werden. Daher müssen z.B. über einen langen Zeitraum gleichartige Gefäße oder Werkzeuge nicht bedeuten, dass ihre Ausformung die gelebte Identität der Menschen ausdrückt, sondern können auch einfach bedeuten, dass der Gegenstand optimiert war. Selbst grafische Muster können sich ohne höheren Sinn so über einen langen Zeitraum wiederholen. Ähnlich wie die Sprache verändern sich die Dinge dennoch, weil kein Mensch immer alles genau so machen kann wie ein Vorfahr. Die sich wandelnden naturräumlichen Bedingungen beeinflussen ebenfalls quasi evolutionär die Ausgestaltung von Gegenständen. Im Matrifokal wird der Wandel nicht forciert oder nur herbeigesehnt, sondern er passiert und die Menschen passen sich unbewusst an. Entsprechend verändert sich auch Erinnerung und ihre erzählte Geschichte. Die Sozialordnung des Matrifokals ist äußerst stabil und sie war über 3 Millionen Jahre Menschheitsentwicklung die optimale Lebensweise. Sie ist von innen nicht bedroht, solange sich die Menschen nicht blindlings von einer Technologie abhängig machen, die konstante naturräumliche Bedingungen voraussetzt.</p>
<h2 id="gewalt-andro-kultur">Die Gewalt als Voraussetzung von Gesellschaft und Andro-Kultur</h2>
<p>Jede Gesellschaft wird von archäologisch oder gegenwärtig unsichtbarer Gewalt zusammengehalten: von Ideologie und entsprechender häuslicher Gewalt, deren Existenz nur durch empirischen Vergleich rückgeschlossen werden kann. Das Patriarchat baut auf Gewalt gegen seine eigenen Mitglieder, zuerst gegen die Frauen, auf, es ist der sprichwörtliche falsche Film.<br />
Innerhalb eines Patriarchats sind nicht alle gleich, insbesondere werden die Frauen, die durchaus Raum gewinnen können, wenn sie sich zusammentun oder Einfluss haben und Forderungen stellen, immer wieder mehr oder weniger subtil auf ihre Plätze verwiesen. Dann haben wir es mit einem sogenannten Backlash (engl. für „Rückschlag“). Die Zukunftsforscherin Riane Eisler hat erkannt, dass jedem Krieg eine Welle der Frauenfeindlichkeit vorausging.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup> In den Nachkriegsjahrzehnten kommen die Menschen zur Besinnung, und erkennen, dass ein Krieg niemals die Lösung aller Probleme ist, um &#8211; zu vorgerückter Stunde &#8211; wieder zur patriarchalen Tagesordnung zurückzukehren. Der nächste Krieg ist damit vorprogrammiert.<br />
Zur inneren Gewalt einer Gesellschaft tritt, wenn sie nicht bald zur Auslöschung führt, immer wieder auch äußere Gewalt durch benachbarte Gesellschaften hinzu, die zweierlei Wirkungen auf die bedrohte Gesellschaft haben kann. Einerseits kann ein gemeinsamer Feind, ein Angreifer, zusammenschweißen, andererseits können sich zwei Lager bilden, von denen sich das eine tendenziell unterwerfen will, während das andere versucht, sich zu wehren, wenn alle Diplomatie zu versagen droht, mit oder ohne Erfolg. Despoten setzen gerne auf die Propaganda des Zusammenhalts, während Demokratien dazu neigen, sich darüber zu zerstreiten, wovon dann die innere Gewalt angeheizt wird. So kann ein Feind allein durch seine Drohungen eine Gesellschaft von innen zermürben. Wir erleben das gerade. Die Spirale der Gewalt, die durch gleich starke, verfeindete Gesellschaften angekurbelt wird, schweißt auch Demokratien im Innern eher zusammen, es sei denn eine starke Gruppe mahnt zum Abrüsten und löst damit eine Debatte aus.</p>
<p><strong>Eine Gesellschaft ist zwar nicht angelegt, um zu zerfallen, ganz im Gegenteil, aber sie kann nur so angelegt werden, dass sie zerfallen muss, früher oder später, weil gleich drei Faktoren gegen sie arbeiten: unser matrifokales Erbe, die innere Gewalt und die feindlichen Gesellschaften.</strong> Aus der Arbeit gegen den Zerfall ziehen im Übrigen wenige Privilegierte innerhalb der Gesellschaft Profit, nicht nur Politiker und Konzerne, sondern auch Kirchenfürsten und Militärs. Honig wird schon allein aus der Warnung vor dem Untergang gesaugt, wobei völlig andere Ziele durchgesetzt werden sollen.<br />
Der endgültige Niedergang einer Gesellschaft ist immer mit vielen Toten verbunden, denn große patriarchalisierte Menschengruppen ringen gegeneinander ums Überleben, statt zu kooperieren. Das gefürchtete Chaos, das Faustrecht bricht aus. Aber es ist äußerst selten, dass niemand übrigbleibt. Die Überlebenden werden in der Regel ihre Andro-Kultur zu restaurieren versuchen. Es braucht aber schon ein starkes ideologisches Umdenken, um etwas Neues zu probieren, um nicht wieder an denselben Fehlern unterzugehen. Der Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg ist dafür ein Beispiel. Man bemühte sich, die alten sozialen Probleme zu bekämpfen, indem der billige Wohnungsbau vorangetrieben wurde, &#8211; wovon wenige Männer reich geworden sind -, viele dieser Bauten machen heute Probleme oder mussten schon wieder abgerissen werden -, und man machte den Fehler der autogerechten Stadt. Nicht das führt zum nächsten Untergang, aber er ist bereits vorprogrammiert, weil das Patriarchat mit dem 2. Weltkrieg nicht mituntergegangen ist und seine modernen Strömungen schon wieder zerstritten sind.</p>
<h2 id="zahlen-statt-meinung">Zahlen statt Meinung – die Auswirkungen von Gewalt und Klima</h2>
<p>Die Offenbarung des Johannes machte die vier apokalypischen Reiter als die Geißel der Menschheit aus. Der erste Reiter stand für Siegeslust und Gerechtigkeit, der zweite für Krieg, der dritte für Tod und Hunger, und der vierte für Angst und Krankheit.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup> Mit Katastrophen war immer auch der Gedanke der göttlichen Reinigung verbunden, sie wurden durchaus auch als etwas Positives gesehen. Dies steht in der babylonischen Tradition des Atra-Hasis-Mythos, Vorläufer der Sintflut-Geschichte, wo Heimsuchungen als Begrenzung der Überbevölkerung durch die Götter verstanden wurden.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>
In der jüngeren Vergangenheit gab es so manche spekulative Meinung, woran der schnelle Wechsel der jungsteinzeitlichen Kulturen liegen könnte, bis die Archäologie begann, das Phänomen des Zerfalls mit naturwissenschaftlichen und mathematischen Methoden eingehend zu untersuchen. In Deutschland federführend bei der Erforschung der Entwicklung ist der Prähistoriker und Paläoklimatologe Detlef Gronenborn, der im Jahre 2011 einen signifikanten Zusammenhang zwischen Klimaeinbrüchen und Migration entdeckt hat.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup> Diese Studie habe ich vor einigen Jahren mit den Spuren der Entstehung des Patriarchats in Verbindung gebracht und konnte zeigen, dass der Beginn des Patriarchats nicht einfach mit dem Beginn der Landwirtschaft identisch ist, wie es vielfach behauptet wird, sondern ca. 3000 Jahre dazwischen liegen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup> Die Archäologie und die Archäogenetik konnten beweisen, dass die sog. Misox-Schwankung vor 8200 Jahren eine bis dahin beispiellose Migration auslöste. Aus dem gleichen Zeitraum finden sich erste Spuren von Kriegen und patrilokaler Lebensweise. Es war aber das Patriarchat selbst, das die völlig neue Dynamik aus Entstehung und Verfall von Kulturen im Gang hielt und eine Kette weiterer Migrationen &#8211; wir können auch sagen &#8211; Feldzügen nach sich zog. Es gab seitdem auch immer wieder Klimakrisen, die jedoch nur noch geringen Einfluss auf die Vorgänge hatten, denn nun war die Ideologie des Patriarchats der Motor, also geistige Gewalt, die andere Gewaltformen impliziert. Nicht das Klima allein kann für Gewalt und Untergang verantwortlich gemacht werden, es war lediglich die Initialzündung eines Prozesses, der zum Selbstläufer wurde. Es hat nun allenfalls verstärkende Wirkung.<br />
Wesentlich dabei war, dass das Patriarchat an die Viehzucht geknüpft ist, die als Reaktion auf die Hungersnot zur Zeit der Misox-Schwankung in der südrussischen Steppe erfunden wurde, und die in sich nomadisch statt sesshaft angelegt war. Das enorme Wachstum der Herden erforderte die Migration der Hirten und ihres Besitzes, und solange die sesshafte Stallhaltung mit Zuchtaustausch bzw. die teilsesshafte Transhumanz noch nicht eingeführt war, führte das an den Stammesgrenzen zu den ersten Kriegen. Die Unterdrückung der Sexualität der Frau &#8211; also Menschenzucht &#8211; und die einseitige Ernährung mit gezüchtetem Fleisch führte zu einer nie dagewesenen Überbevölkerung, wobei männliche Kinder bevorzugt wurden. Aus den überzähligen Männern generierte sich eine gewaltbereite, patriarchatsideologisch gefestigte Kriegerkaste, die zum Selbstzweck immer wieder gen Westen oder weiter nach Osten strebte. Dieser archäologisch-kulturhistorische Ansatz, der insbesondere von der Archäologin Marija Gimbutas ausformuliert wurde &#8211; als sog. Kurgan-These – ist inzwischen auf breiter Basis anerkannt und erfährt seit Jahren durch immer neue Studien weitere Bestätigung.</p>
<p>Darüber, was Kulturen oder Gesellschaften zum Zusammenbruch bringt, wurde wie angedeutet lange mit empirisch-logischen Kausalketten diskutiert. Dabei waren vor allem zwei Argumente wesentlich, gesellschaftliche Konflikte und das Klima. Die Klima-These wurde dabei immer beliebter, ja Konsens, und sie bedient mittlerweile die aktuelle Politik, geht doch die Angst um, dass der Klimawandel nicht nur Katastrophen, sondern auch eine unbeherrschbare Migrationswelle auslöst. Das vorindustrielle Klima eignet sich hervorragend, die Verantwortung auf die böse Natur zu schieben.<br />
Jedoch seit Mitte 2023 liegen Computer-Modelle vor, mit denen die Stichhaltigkeit der Argumente überprüft wurden. Ein interdisziplinäres Team unter der Leitung des russisch-US-amerikanischen Biologen, Komplexitätsforschers und Sozialwissenschaftlers Peter Turchin, dem wieder Detlef Gronenborn angehört, untersuchte die dabei simulierten Bevölkerungsdynamiken über die letzten 9000 Jahre, die, einmal angeworfen, von Kreisläufen aus boomen Kulturen und deren Zusammenbrüchen gekennzeichnet ist.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup>
Zwar wurde das Ergebnis dieser Studie sofort in einem der wichtigsten Fachmagazine publiziert, eine breitere Öffentlichkeit erfuhr aber erst ein halbes Jahr später davon, vielleicht, weil es zu unwichtig oder unspektakulär erschien. Anfang 2024 meldete die „Archäologie in Deutschland“: „<em>Eine Metastudie soll zeigen, dass der Zusammenbruch vergangener Kulturen hauptsächlich mit dem Verfall von gesellschaftlichem Zusammenhalt einhergeht.</em>“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup> Bei einer solchen Tautologie sollte es kein Wunder sein, dass die Resonanz mäßig bis gering ausfällt. Wer jetzt wenigstens erheitert weiterliest, verpasst nicht Detlef Gronenborns Auskunft, dass die Auswirkungen klimabedingter und gesellschaftlicher Faktoren in einer Simulation überprüft wurden.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup> Das hat meine Aufmerksamkeit endgültig erregt, denn ich kannte ja längst seine ältere Studie. Sollte er sich nun selbst widersprechen? Mitnichten! Die Studie bestätigt sogar seine älteren Ergebnisse, und sie ist es wert, näher angeschaut zu werden. Sie zeigt, dass der <em>Impact</em> von Klima und Gewalt (die er oben als „gesellschaftlicher Faktor“ verklausuliert hat) auf eine Gesellschaft unterschiedlich schnell abflaut. Das Klima kann eine ankurbelnde Wirkung auf die Gewalt haben, muss aber nicht. Während nach einer Klimakrise relativ bald alle Schäden an Gütern und Leben kompensiert sind und wieder Ruhe einkehren kann, wirft die Gewalt, sofern sie stattfindet, dann selbst einen Motor an. Ob Gewalt ins Spiel kommt, hängt davon ab, wie abhängig die Menschen zuvor von ihren Technologien geworden waren.<br />
Die Blaupause dafür sind die Vorgänge während und nach der Misox-Schwankung. Während die noch wildbeuterisch lebenden Männer Mitteleuropas auf die Misox-Schwankung adaptiv reagierten und nicht gewalttätig gegen die Frauen und sich selbst wurden, haben die überlebenden, ehemals matrifokalen, nun aber mutterlosen anatolischen Bauern die Kühe aus dem ehemaligen Gesamthandseigentum in die Steppe getrieben, wo sie sie erstmals der Zucht unterwarfen. Analog entführten diese verrohten Männer auch überlebende Frauen und die indigenen Frauen der Steppe und vergewaltigten sie. Als sich die so entstandene sog. Sredny-Stog-Kultur etabliert hatte und begann sich auszubreiten, stieß sie im heutigen Nord-Kasachstan auf die indigene, sesshafte Botai-Kultur und deren Pferdebesitz. Die Botai, die keine Pferdezucht, sondern Pferdehaltung betrieben, um leichter an das Fleisch und die Milch zu gelangen, lebten noch matrifokal. Nachdem die Sredny-Stog-Männer sich deren Wissen, wie ein Pferd zu zähmen und zu reiten sei, angeeignet hatten, endete der „Kontakt“ mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Massaker an den Botai. Sie wurden demnach von diesen ersten Patriarchen ausgelöscht, jedoch ohne dass die Botai-Frauen das überlebt hätten. Ich vermute, dass die Botai-Frauen, die auf einem Pferd reiten konnten, leicht hätten aus ihrer Gefangenschaft fliehen können und das Wissen auch ihren Töchtern verraten hätten. Das musste künftig verhindert werden, wie später lange Zeit den Saudi-Arabischen Frauen das Autofahren nicht gelehrt werden durfte.</p>
<p>Zu Pferde wurde schließlich die gesamte Welt patriarchalisiert, heute können Drohnen den auch für Männer nicht ungefährlichen Job der Vorväter übernehmen. Der Motor der Gewalt kommt erst zum Stillstand, wenn der letzte Kraftstoff verbraucht ist, das letzte Pulver verschossen wurde. Der totale Ressourcen-Verbrauch, aber auch die Dynamik des „Auge um Auge“-Prinzips bilden sich daran trefflich ab. Die Ideologie, die systemische und häusliche Gewalt gegen Frauen bleiben dabei aber unsichtbar. Der letzte Mann wird kinderlos bleiben, ob er sich neuerdings als Frau identifiziert oder nicht. Ohne das Wissen um die Patriarchalisierung und das gewaltsame Wesen aller Gesellschaften ist das Ergebnis der Studie nicht zu verstehen. Wenn das Patriarchat erst einmal ins Rollen geraten ist, ist es praktisch fast nicht mehr zu stoppen, auch wenn sich das Klima wieder bessert, bzw. auch gerade dann, denn günstiges Wetter fördert auch den Wohlstand, es liefert Brot und animiert zu Spielen, verhindert also Revolutionen, und ändert nichts an der Ideologie und häuslichen Gewalt. Aber dieser Umstand taucht nirgendwo auf, wenn es um dieses Thema geht. Es darf alles sein, alles wird in Erwägung gezogen, nur nicht, dass die Herrschaft der Väter, das Patriarchat, Schuld ist an seinen Untergängen.</p>
<h2 id="ersatzmann-schwarzer-tod">Ersatzmann Schwarzer Tod</h2>
<p>In der Zeit ab 5550 Jahren vor heute wurden in ganz Europa Gebiete von Angehörigen der Jamnaja-Kultur aus der Steppe Südrusslands überfallen. Die Jamnaja waren die ersten Reiternomaden, hervorgegangen aus dem Sredny-Stog-Patriarchat. Der dänische Genetiker Eske Willerslev ist davon überzeugt, dass die Ausrottung von teils 90% der Bevölkerung nicht durch deren rohe Gewalt, sondern durch die Pest getötet und die Überlebenden so genetisch überformt worden seien. „<em>Die Pest machte uns zu dem, was wir Nordeuropäer sind</em>“, sagt er in einer Fernseh-Doku.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup> Die Jamnaja hätten nicht nur die Pest, sondern eine neue Sozialordnung eingeführt, die Kleinfamilie – hier fällt erwartungsgemäß nicht das nötige Wort Patriarchat.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup> Dazu sehen wir romantische Bilder einer lachenden Mutter, die ihren Kindern zu essen gibt. Zwar haben wir es hier mit nicht weniger als der Anerkennung der Patriarchalisierung zu tun, aber die Kleinfamilie wird auf diese Weise als positive Neuerung hingestellt. Denn die Familie, die auch unter den Jamnaja vielmehr eine Großfamilie im heutigen Sinne war, der Großväter ihren Namen geben, ist das Herrschaftsgebiet des <em>Pater familias</em> (lat. für Familienvater) und damit für das Vorpatriarchat ein unzulässiger Begriff. Vor dem Patriarchat gab es keine Familienstrukturen irgendwelcher Art, sondern ausschließlich <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt" target="_blank" rel="noopener">Matrifokale</a>. Auch der Paläogenetiker Johannes Krause meint in der Doku, dass allein durch Krieg nicht so viele Menschen sterben könnten wie durch die Pest.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup> Die neue Gewalt gegen die Frauen zeigt dagegen ganz klar: das war keine friedliche Migration, sondern ein klassischer Eroberungsfeldzug mit den ihn begleitenden Vergewaltigungen. Auf die beiden &#8222;Mitbringsel&#8220; der Jamnaja hätten die Frauen gerne verzichtet. Aber es soll so aussehen: „war ja nicht alles schlecht“ unter den Jamnaja!</p>
<p>Mit dem Beginn des Patriarchats lebten deutlich weniger Menschen, es gab keinerlei Gesetze oder Moraltheologie, die die Kriegsopfer vor der Gewalt der Invasoren geschützt hätten, und die Jamnaja-Leute waren, anders als die Opfer, zu Pferde unterwegs, eine militärische Überlegenheit, die bis zur Atombombe nie wieder erreicht wurde. Dass die Jamnaja mit einer gewissen Resistenz gegen die Pest die Indigenen dann einfach aufgrund ihrer Anzahl genetisch dominierten haben sollen, blendet die unliebsame sexuelle Konkurrenz durch die indigenen Männer völlig aus. Besonders eindeutig ist da der archäogenetische Befund aus Spanien, wo vor 4500 Jahren die Hälfte der Bevölkerung durch Abkömmlinge der Jamnaja, die Glockenbecher-Leute, getötet wurde. Wenn es die Pest war, die sie tötete, warum blieben dann dort die indigenen Frauen am Leben, während die Männer umkamen? Mit Leichtigkeit hätte noch die weibliche Hälfte der Bevölkerung ausgerottet werden können, aber das haben weder die Steppenkrieger noch die Pest getan.</p>
<p>Eine Studie eines norwegischen Teams aus 2015 ergab, dass sich das Pest-Bakterium <em>Yersinia pestis</em> niemals in Europa festsetzte, sondern vor jeder Pestwelle stets aus der Steppe importiert wurde.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup> Dafür verantwortlich war ein ungünstiges Klima in der Steppe Zentralasiens:</p>
<blockquote><p>&#8222;Es ist bereits bekannt, dass Klimaeffekte zu einem Ausbruch der Pest aus schlummernden Reservoirs führen können. Kommt es zu einem besonders warmen Frühling und feuchten Sommer, können sich Nagetierpopulationen besonders stark vermehren – und mit ihnen auch ihre Flöhe, in denen die Pesterreger leben. Werden die Bedingungen anschließend wieder schlechter für die Nager, geht ihr Bestand zurück – der ihrer Flöhe aber nicht analog: Die Parasiten suchen deshalb nach Alternativen. So nehmen die hungrigen Rattenflöhe auch Vorlieb mit dem Menschen – und das Unheil nimmt seinen Lauf.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup></blockquote>
<p>Die Bevölkerungen wurden von der Pest nie vollständig dahingerafft, sondern erholten und vermehrten sich wieder. Für eine Ausrottung von 90% der Menschen in einer Region ist nicht allein die klimaabhängige Pest verantwortlich, wie es Johannes Krause glaubt. Im Gegenteil, allein Gewalt kann solche Zahlen erklären. Das bestätigt auch die neue Studie unter Peter Turchin.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">15</sup> Selbst modellhaft sollte sich die Theorie von den Epidemien, die ganze Gesellschaften auslöschen, nicht beweisen lassen. Die Studie erwähnt das am Rande. Die Forscher gehen davon aus, dass Epidemien vergleichbar dem Klima nur einen kurzfristigen Effekt nach sich ziehen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">16</sup> Die Pest muss als Ursache für die Ausrottung ganzer Kulturen ausgeschlossen werden. Auch die vollständige Ausrottung der Botai, über die wir in der o.g. Doku erfahren, die als Indigene längst immun gegen die Pest waren, kann nicht mit der Pest erklärt werden. Das Urbild der Apokalypischen Reiter waren niemand anderes als die Jamnaja-Reiter, aber nicht unabsichtlich, wie es in der o.g. Doku kolportiert wird.</p>
<h2 id="denkverbot-schuld-des-patriarchats">Das Denkverbot über die Schuld des Patriarchats, der Urväter und ihrer männlichen Erben</h2>
<p>Die Pest lenkt mit den gruseligen Vorstellungen, die mit ihr verbunden sind, von der Gewaltbereitschaft der frühen Patriarchen ab, wie generell darüber ein Denkverbot ausgesprochen wird, so auch im EU-Bericht über die bereits erwähnte Studie, nach der auf der iberischen Halbinsel vor 4500 Jahren alle indigenen Männer umkamen:<br />
&#8222;<em>Der beste Beweis dafür sind die Überreste eines Mannes und einer Frau, die in der Bronzezeit zusammen an einem Ort in Spanien begraben wurden. Die Daten zeigen, dass die Frau eine Einheimische war und die jüngsten Vorfahren des Mannes aus Mitteleuropa stammten. &#8218;Es wäre ein Fehler, zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass die iberischen Männer getötet oder gewaltsam vertrieben wurden&#8220;, so Dr. Olalde gegenüber der ‚BBC‘. ‚Die archäologischen Befunde liefern keine eindeutigen Hinweise auf einen Gewaltausbruch in dieser Zeit.‘</em>&#8222;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">17</sup>
Nein, es ist kein „Fehler“, es ist sogar notwendig. Aus der Forensik ist hinlänglich bekannt, dass einem Leichnam nicht unbedingt die Gewalt anzusehen ist, die zum Tod geführt hat. Wirft man einen Leichnam sogar den Tieren zum Fraß vor, bleibt oft noch weniger übrig als z.B. bei einer Kremation. Wären die Männer als Sklaven in die Steppe verschleppt worden, wäre ebenfalls nichts von ihnen zurückgeblieben. Es dürften sich dennoch in der Zukunft klare Beweise zeigen, dass ihnen tötliche Gewalt angetan wurde, wo und wie auch immer. Iñigo Olalde von der Harvard Medical School, Hauptautor der Studie, blendet das vollständig aus: &#8222;<em>Dies ist einer der stärksten Beweise für die sexuelle Selektion in der Vorgeschichte auf dem Gebiet der Erforschung alter DNA</em>.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">18</sup> Die Gewalt gegen die Frauen, die sich den Eroberern verweigerten, interessiert den Autor gar nicht. Er will glauben machen, dass die Jamnaja in friedlicher Absicht nach Spanien kamen. Warum waren sie dann bis an die Zähne bewaffnet und warum starben nur die Männer? Mit seinem evolutionistischen Argument bedient er sich der Instrumentalisierung der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">Female Choice</a>, der wahren Sexuellen Selektion. Das hat nicht nur das Potential, noch die Mörder in ein gutes Licht tauchen und die Frauen in ein schlechtes, sondern ist vor dem Hintergrund des Patriarchats, das eine „Male Choice“ gewaltsam herstellt, vollständig abzulehnen. Denn mit seiner Ideologie der Patrilinearität, welche die Female Choice unterdrücken muss und dafür gewaltsam Patrilokalität herstellt, praktiziert das von Viehzüchter-Mentalität geprägte Patriarchat gleichsam Menschenzucht, die die natürliche Evolution auszuschalten sucht. Unabhängig davon ist mehr als unwahrscheinlich, dass indigene Männer, die sich nicht mehr fortpflanzen durften, schadlos davonkamen. Der „indigene INCEL“ ist im Übrigen ein moderner Mythos, der herangezogen wird, um die Gefahr für Frauen, die von heutigen, real existierenden INCELs ausgeht, mit Pornographie und Prostitution, also wieder auf Kosten der Frauen, einzudämmen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">19</sup>
<h2 id="der-backlash-unserer-zeit">Der Backlash unserer Zeit</h2>
<p>Die Zukunfts- und Friedensforschung kann aus der Archäologie und der Archäogenetik jene Muster ableiten, die sich im Großen wie im Kleinen ständig wiederholen, schließlich ist wie erwähnt das Private das Politische. Demnach ist es nicht nur ein vages Gefühl &#8222;spätrömischer Dekadenz&#8220; oder eine Untergangsstimmung, was gerade viele beschleicht, sondern durchaus auch eine Art kollektiver Weisheit, die aus der Erfahrung der Jahrtausende schöpft, die älter ist als die Geschichte von der troianischen Seherin Kassandra oder der apokalypischen Reiter der Offenbarung des Johannes. Die &#8222;letzte Generation&#8220; dürfte aber noch lange nicht geboren sein.<br />
Jeder Backlash sollte als Zusammenbruch eines andro-kulturellen Fortschritts, ja einer Kultur im besten Sinne gesehen werden, er ist der Krieg gegen die Frauen, eine Unkultur. Ein Beispiel ist die Familienpolitik der letzten 50 Jahre in der Bundesrepublik, insbesondere die Behandlung geschiedener Frauen und Mütter.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">20</sup> Damit bedroht er auch unmittelbar die Gesellschaft, Männer selbst, Kinder wie Frauen. Frauen können sich auf ihren Errungenschaften nicht ausruhen, sondern müssen aufmerksam die Entwicklung beobachten, aufklären und weiterkämpfen, damit es nicht einen Schritt vorwärts und zwei zurück geht. Nichts bleibt selbstverständlich oder ist erledigt. Der aktuelle frauenfeindliche und antifeministische Backlash, der nach Riane Eisler einen baldigen Krieg als realistisch erscheinen lässt, wird gezielt von der Vaterrechtsbewegung, islamistischen und klerikalen Verbänden, NGOs und Medien, ja sogar aus dem Ausland lanciert, beworben und finanziert, während die demokratischen Parteien unter dem Druck dieser Lobbyisten Gesetze erlassen, die Frauen in prekäre Verhältnisse zwingen oder verhindern, dass sie sich befreien können. Verstärkt wird der Backlash noch, weil diese empörende Politik Teile der Bevölkerung dazu bringt, totalitäre Parteien zu unterstützen, die Abhilfe versprechen, ohne diese Versprechen halten zu wollen.<br />
Mittel und Zweck zugleich des Patriarchats ist die Ausbeutung der Frauenkörper zur Menschenproduktion, daher haben totalitäre Parteien eine rigide Familienpolitik, die Restauration der Ehe und Homophobie im Programm. In einem Backlash bilden sich in den demokratischen Parteien zunehmend totalitäre Tendenzen heraus, womit sich der Effekt selbst verstärkt, ein Beispiel ist die Trans-Propaganda für das Selbstbestimmungsgesetz und seine reale Umsetzung, die nicht nur offen gebärneidisch, stillneidisch und frauenfeindlich, sondern auch homophob ist. Nicht umsonst wird Homosexuellen im Iran „nahegelegt“, sich einer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Transsexualit%C3%A4t_im_Iran" target="_blank" rel="noopener">Trans-OP</a> zu unterziehen.<br />
Zu einem Backlash gehört die Verrohung der Männer, denen Frauen- und Homorechte herzlich egal sind. Sie werden bei Gelegenheit nicht nur Belästigungen, Sexismus und Massenvergewaltigungen inszenieren, oder Femizide begehen, sondern auch die eigene Frau schlagen und vergewaltigen, damit sie nicht aufbegehrt. Die Heiratsindustrie und Romantikwelle des angehenden 3. Jahrtausends bildet die wieder zunehmende Ausbeutung der Frauenkörper in rosigen Bildern ab. Viele Stimmen fordern die Förderung der Prostitution, auch um INCELs zu befrieden, der Euphemismus der sog. Sexarbeiterin soll den Beruf normalisieren. Der Transhumanismus der libertären Bewegung fordert die Legalisierung der Leihmutterschaft und Eizellspende und <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter" target="_blank" rel="noopener">die sog. künstliche Gebärmutter</a>, womit Mütter überflüssig gemacht werden sollen.<br />
Eins ist gewiss, jedem Backlash folgt ein Zusammenbruch, dann eine Schockstarre, ein „das konnten wir doch nicht ahnen“, dann wieder ein Aufbegehren und ein Zurückgewinn an Lebensqualität, die überwiegend durch die Arbeit der Frauen und Mütter hergestellt wird. Es sind immer nur Frauen, die entsprechende Forderungen stellen, und es muss Männer geben, die das zulassen. Das Patriarchat bewegt sich in Sinuskurven. Gerade sind wir wieder ziemlich weit unten. Es ist die Frage, ob wir noch rechtzeitig die Kurve kriegen.</p>
<p>Gabriele Uhlmann im Juli 2024</p>
<p><strong>Update 10.09.2024:</strong><br />
Eine <a href="https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/138-pest-hund" target="_blank" rel="noopener">neue Studie</a> bestätigt wieder, dass die Theorie, dass die Pest ganze Landstriche entvölkerte, nicht haltbar ist.</p>
<h2 id="literatur">LITERATUR</h2>
<ul id="liste2">
<li>AiD 1/2014: &#8222;Archäologie in Deutschland&#8220;, Heft 1/2024</li>
<li>Baudelaire, Claire: Die schrittweise Abschaffung der Freiheit. Online-Ressource des Mia e. V. vom 06.05.2018 auf <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener">https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/</a> abgerufen am 06.07.2024</li>
<li>Eisler, Riane: Kelch und Schwert, Kelch &amp; Schwert &#8211; Unsere Geschichte, unsere Zukunft. Weibliches und männliches Prinzip in der Geschichte. Freiburg 1985, 2005</li>
<li>EK 2019: &#8222;Wissenschaft im Trend: Wie Massenmigration Spaniens DNA transformierte.&#8220; Online-Ressource der Europäischen Kommission vom 21.03.2019 abgerufen am 01.07.2024 auf <a href="https://cordis.europa.eu/article/id/124947-trending-science-how-mass-migration-transformed-spains-dna/de" target="_blank" rel="noopener">https://cordis.europa.eu/article/id/124947-trending-science-how-mass-migration-transformed-spains-dna/de</a></li>
<li>Gronenborn, Detlef: Klimainduzierte Umweltkrisen und ihre soziopolitischen Auswirkungen auf prähistorische Gesellschaften In: Daim, F.; Gronenborn, D.; Schreg, R. (hrsg.), Strategien zum Überleben. Umweltkrisen und ihre Bewältigung. RGZM Tagungen 11., 2011, S. 111-127. Online-Ressource auf <a href="https://www.researchgate.net/publication/230704707_Klimainduzierte_Umweltkrisen_und_ihre_soziopolitischen_Auswirkungen_auf_prahistorische_Gesellschaften" target="_blank" rel="noopener">https://www.researchgate.net/publication/230704707_Klimainduzierte_Umweltkrisen_und_ihre_soziopolitischen_Auswirkungen_auf_prahistorische_Gesellschaften</a></li>
<li>Kondor <em>et al.</em>: Explaining population booms and busts in Mid Holocene Europe. Online-Ressource auf https://www.nature.com/articles/s41598-023-35920-z vom 03.06.2023 abgerufen am 01.07.2024</li>
<li>Krause-Kyora, Ben: Jungsteinzeitliches Pestbakterium verursachte kein Massensterben. Online-Ressource auf <a href="https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/138-pest-hund" target="_blank" rel="noopener">https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/138-pest-hund</a> vom 06.09.2024 abgerufen am 10.09.2024</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Explosion und Expansion. Vortrag gehalten am 17.05.2019 an der Philipps-Universität Marburg im Rahmen der Studientage „Nachhaltigkeit und Gesellschaftsformen aus kritisch geographischer Sicht“ im Fachbereich 19 Geographie. Online-Ressource auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Antwort auf Meike Stoverocks &#8222;Female Choice&#8220;. Online-Ressource vom 08.04.2021 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice</a></li>
<li>Vieweg, Martin: Die Pest war ein klimagetriebener Importschlager. Online-Ressource vom 13.02.2015 auf <a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/die-pest-war-ein-klimagetriebener-importschlager/" target="_blank" rel="noopener">https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/die-pest-war-ein-klimagetriebener-importschlager/</a> abgerufen am 01.07.2023</li>
<li>ZDF 2019: Die Geschichte von Mensch und Pferd &#8211; Equus. Doku im Rahmen der ZDF-Sendereihe TerraX &#8211; taglicht media Film-&amp;Fernsehproduktion GmbH von 2019. Online-Ressource auf <a href="https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/equus-die-geschichte-von-mensch-und-pferd-100.html?at_specific=TerraX" target="_blank" rel="noopener">https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/equus-die-geschichte-von-mensch-und-pferd-100.html?at_specific=TerraX</a> abgerufen am 09.07.2024</li>
</ul>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Begriff „Andro-Kultur“ von Stephanie Gogolin beschreibt die männlich inszenierte und dominierte Kultur des Patriarchats. Sie beinhaltet Gewalt und Experimente, die massiv in die Natur eingreifen.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Eisler 2005, S. 230 ff</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Bibel, NT, Offenbarung des Johannes, 6. Kapitel</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2019</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Gronenborn 2011</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2019</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Kondor <em>et al.</em>: 2023</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;AiD Heft 1/2024, S. 76</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. ebd., S. 77</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eske Willerslev in ZDF 2019 ab Min. 40:45.</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. ebd. Min 37:15.</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Interview Johannes Krause ebd. ab Min. 38:08</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Vieweg 2015</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ebd.</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Kondor <em>et al.</em>, S. 6</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Kondor <em>et al.</em>, S. 7</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. EK 2019</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ebd.</div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2021</div><div>20&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Baudelaire 2018</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/apokalyptische-reiter-warum-gehen-kulturen-immer-wieder-unter-und-was-bedeutet-das-fuer-die-gesellschaft">Apokalyptische Reiter reloaded – Warum Kulturen immer wieder untergehen und was das für die Gesellschaft bedeutet</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Gibt oder gab es matriarchale Gesellschaften? Eine notwendige Stellungnahme von Stephanie Gogolin und Gabriele Uhlmann</title>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Aug 2022 15:30:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Begriffe und Definitionen]]></category>
		<category><![CDATA[Bronzezeit]]></category>
		<category><![CDATA[Matrifokalität]]></category>
		<category><![CDATA[Matrilinearität]]></category>
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		<category><![CDATA[Goethe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>“Matriarchale Gesellschaften“ ist ein Begriff, der uns oft begegnet, wenn eigentlich von Matrifokalität, unserem angeborenen Sozialverhalten, gesprochen wird oder von indigenen Ethnien, deren kulturelles Alltagsgeschehen noch im matrifokalem Kontext stattfindet....</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann">Gibt oder gab es matriarchale Gesellschaften? Eine notwendige Stellungnahme von Stephanie Gogolin und Gabriele Uhlmann</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg01.met.vgwort.de/na/f7721289c1d343a0b68d3198a6187ec5" alt="" width="1" height="1"><strong>“Matriarchale Gesellschaften“ ist ein Begriff, der uns oft begegnet, wenn eigentlich von Matrifokalität, unserem angeborenen Sozialverhalten, gesprochen wird oder von indigenen Ethnien, deren kulturelles Alltagsgeschehen noch im matrifokalem Kontext stattfindet. Von „matriarchalen Gesellschaften“ wird aber auch gern gesprochen, wenn die oberste Gottheit eine Göttin war oder ist und die Frauen „selbstbewusst“ und „emanzipiert“ gewesen sein sollen. „Matriarchale Gesellschaften“ seien egalitär und friedlich und manchmal stünde eine Königin oder sogar ein König an ihrer Spitze, die ihre Untertanen weise regierten.</strong></p>
<p>Die führende Mariarchatsforscherin Heide Göttner-Abendroth setzt der Definition von Matriarchat als „Herrschaft der Mütter“ eine eigene dagegen:</p>
<blockquote><p>&#8222;<em>Die begriffliche Verwirrung geht auf die scheinbare Parallele der Begriffe ‚Patriarchat’ und ‚Matriarchat’ zurück. Doch der Schein trügt! In sprachlicher Hinsicht muss man keineswegs der üblichen, vorurteilshaften Übersetzung des Begriffs als ‚Herrschaft der Mütter’ folgen. Das griechische Wort ‚arché’ hat nämlich eine doppelte Bedeutung und heißt sowohl ‚Anfang’ als auch ‚Herrschaft’. Der Begriff ‚Matriarchat’ bedeutet daher korrekt übersetzt ‚am Anfang die Mütter’, und das trifft die Sache. Im Falle der patriarchalen Gesellschaftsform ist hingegen die Übersetzung mit ‚Herrschaft der Väter/Männer’ zutreffend.</em>“<!--<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup></blockquote>
<p>Auf diese Weise erfährt man jedoch nicht, dass es der niederländische Rechtsethnologe George Alexander Wilken war, der die Bezeichnung <em>Matriarchat</em> 1884 einführte. In seinem Buch <em>Das Matriarchat (Das Mutterrecht) bei den alten Arabern</em> schrieb er:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Frage nach einem ursprünglichen Matriarchat (Mutterrecht) hat in letzter Zeit die Aufmerksamkeit Vieler auf sich gelenkt. Man weiß, was darunter verstanden werden muss. Das Matriarchat ist die Verwandtschaft durch die Mutter, wie das Patriarchat (Vaterrecht) die durch den Vater ist; bei jenem wird die Abstammung ausschließlich in der weiblichen, bei diesem in der männlichen Linie verfolgt. Von diesen beiden ist die mütterliche Verwandtschaft die am meisten ursprüngliche. Man könnte behaupten, dass sie einer der Phasen ist, welche das Familienleben überall in seiner Entwicklung durchlaufen hat.&#8220;<!--<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup></blockquote>
<p>Wilken sagte damit, dass ein Matriarchat ein umgedrehtes Patriarchat sei, dies, weil er nicht verstanden hatte, dass <em>Patrilinearität</em> (&#8222;männliche Linie&#8220;) nicht einfach der natürliche Gegenpart zur <em>Matrilinearität</em> (&#8222;weibliche Linie&#8220;) ist. Denn Matrilinearität ist die unmittelbare Folge der angeborenen <em>Matrilokalität</em> (Kinder bleiben bei der Mutter) unserer Spezies. Männer stellten eine kulturelle Ideologie von Patrilinearität dagegen. Und nur wenn sie zusätzlich <em>Patrilokalität</em> (Kinder müssen beim Vater wohnen) erzwingen, wird aus der Idee auch eine stabile Realität. Zwar bezieht Wilken sich in der Tat auf den Ursprung, aber er setzt den Begriff mit Bachofens „Mutterrecht“ gleich und schafft damit die Grundlage für die Begriffsverwirrung und angeblich „scheinbare Parallele“. Denn schon bei Bachofen haben wir die Verknüpfung von Recht und Herrschaft.<br />
Der Patriarchatsforscher Gerhard Bott schrieb dazu in der Antwort auf einen Leserinnenbrief, nach dem Bachofen deutlich gemacht habe, dass aus &#8222;dem gebärenden Muttertum&#8220; eben nicht &#8222;Weiberherrschaft&#8220; aufsteige, sondern &#8222;die allgemeine Brüderlichkeit aller Menschen, deren Bewusstsein und Anerkennung mit der Ausbildung der Paternität untergehe&#8220;, (sie zitiert Bachofen, 1954, S. 89) das Folgende:</p>
<blockquote><p>&#8222;<em>Das &#8218;</em><strong>Mutterrecht</strong><em>’ ist für Bachofen <strong>immer</strong> grausam und negativ. (&#8230;) Aus Bachofens ‚</em><strong>Mutterrecht</strong><em>&#8218; geht (&#8230;) eindeutig hervor, dass er immer dann, wenn er vom </em><strong>MutterTUM</strong><em> spricht, nicht etwa die fürchterliche Zeit des </em><strong>MutterRECHTS</strong> <em>meint, sondern die ‚<strong>befriedete Zeit</strong></em>’<em>, <strong>nach der ‚</strong></em><strong>Versöhnung</strong><em><strong>’</strong> der Frauen mit dem Primat der Männer. Er bezieht sich damit auf jene &#8218;gute&#8216; Zeit, <strong>die nach dem Ende des </strong></em><strong>Mutterrechts</strong><em><strong>, der </strong></em><strong>Gynaikokratie</strong><em><strong> oder ‚</strong></em><strong>Weiberherrschaft</strong><em><strong>&#8218;</strong>, ihren Anfang nahm, und zwar durch die ‚Versöhnung’ der Frau mit dem Mann. Erst in der vaterrechtlichen monogamen Ehe, in der sich die Frau dem Mann ‚</em><strong>lustvoll</strong><em>’. unterordnet, wurde das ‚</em><strong>Durchdringen</strong><em>’ der Frau zum ‚</em><strong>Muttertum</strong><em>’ möglich. Das &#8218;</em><strong>Mutterrecht</strong><em>’, hingegen stellt Bachofen durchgehend als negativen ZERR-Spiegel des ‚</em>Vaterrechts<em>&#8218;, des Patriarchats, dar.</em>&#8222;<!--<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup></blockquote>
<p>Schon Bachofens Begriff der <em><strong>Brüder</strong>lichkeit</em> hätte aufmerken lassen müssen, dass da etwas grundsätzlich nicht stimmig ist. <span id="more-5239"></span>Der Begriff „<strong>Recht</strong>“ selbst zeigt auf eine nicht egalitäre Absprache. Denn Recht, auch das sogenannte Mutterrecht, setzt bereits so was wie eine Gesetzeslage (wiederholbare Abmachung oder angeordnetes Gebot) voraus, die verbindlich für bestimmte Interessengruppen und exponierte Personen festgelegt und für diese einzufordern sind. <strong>Im Naturkontext gibt es keine Rechte</strong>, sondern nur natürliche Effekte, die in evolutionären Abläufen wirksam sind. Beispiel: Das Muttertier zieht ihr Junges auf und wird dabei von einer sie umgebenden Gruppe unterstützt (aus einem angeborenen, epigenetisch hinterlegten, Reflex heraus) oder es ist in der Lage, ihren Nachwuchs selbst zu verteidigen und optimal zu beschützen (siehe einige Raubtiere, hier die größeren Katzenarten). Ein Muttertier kann sich beispielsweise auf kein Recht berufen, ihr Junges störungsfrei aufzuziehen &#8211; es muss selbst dafür sorgen bzw. wird bei bestimmten Spezies vor allem der Säugetiere von einer Nähegemeinschaft unterstützt. Die Mensch lebte lange genug innerhalb eines Naturgeschehens, um eine bio-soziale Alltagsethik zu entwickeln, die eine egalitäre Gemeinschaft hervorbrachte und als erfolgreiche Überlebensstrategie epigenetisch verankerte &#8211; auf <strong>geschwisterlich</strong>er Basis, sowie <strong>mütterzentriert</strong> und vor allem <strong>generationsübergreifend</strong>.</p>
<p>Der Begriff <strong><em>Mutterrecht </em></strong>ist also der patriarchösen Vorstellungswelt der letzten Jahrhunderte entsprungen und ist in seiner Variante <em>Matriarchat</em> eine ähnlich missverständliche Wortschöpfung.</p>
<p>Ein <em>Recht</em> ist nicht nur als allgemeines Bekanntsein determiniert, sondern gilt auch nicht für jeden. Ein Recht zieht als Einrichtung eine Art Exekutive nach sich, die eingeführtes Recht und Gesetz beaufsichtigt, dessen Einhaltung kontrolliert und gegebenenfalls Sanktionen durchführt.</p>
<p><em>Matriarchat</em> (als angenommene Gesellschaftsform) sowie<em> Mutterrecht</em> (als eine Art konstituierte Überlieferung) setzt als inhaltlicher Begriff die organisierte Form einer (An)Leitung zur Steuerung des <strong>kollektiven Verhaltens </strong>voraus &#8211; sowie eine Art übergeordnetes Schema, was wiederum einen stringenten komplexen Kommunikationsfluss erforderlich macht, wie wir ihn nicht aus der Natur, sondern nur von Herrschaftsstrukturen her kennen. Eine (Groß)Gesellschaft, die auf dem Primat der Männer basiert, hat nichts mehr mit dem <strong>Naturgeschehen einer auf die Mutter bezogenen Gemeinschaftsform</strong> zu tun, die evo-biotisch, also damit menschenartgerecht agiert und sich als beginnende Kulturgemeinschaft an überliefertem Brauchtum orientiert, das keinerlei Recht oder Gesetz unterworfen ist.</p>
<p><strong><em>Ein Recht zu haben,</em></strong> setzt eine Kontrolle der Einhaltung voraus und eine Art Gremium, das die Einhaltungen der Rechte überwacht. Sobald der Begriff <em>Recht </em>ins Spiel kommt, schwingt Instruktion und Herrschaft mit. Nur das willkürliche Herrschaftsverhalten fordert eine Steuerung durch festgelegte Rechte und willkürliche gesetzlich festgelegte Privilegien heraus.</p>
<p>Eine egalitär lebende, auf gegenseitiger Fürsorge beruhende (Mütter)Gemeinschaft bedarf keiner festgelegten (auf Gebote und Gesetzes gestützte) Rechte, hier werden Unstimmigkeiten oder Ungerechtigkeiten ausgeräumt, indem Absprachen im Konsens das Zusammenleben im Sinne einer lebenswerten Gemeinsamkeit ausbalanciert werden.</p>
<h4>Die Göttin-Heros-Theorie, eine nicht beweisbare Hypothese</h4>
<p>Göttner-Abendroth greift das Mutterrecht des Erzpatriarchen Bachofen auf und verschärft noch das Problem mit ihrer Göttin-Heros-Theorie: Sie zeichnet damit das Vollbild einer patriarchalen Gesellschaft, aber mit weiblichem Vorzeichen, nach der das <strong>bronzezeitliche</strong> sumerische Ritual der <em>Heiligen Hochzeit</em> das zentrale matriarchale Fest sei. Aus der Warte der Evolutionstheorie stellt es jedoch eine Missachtung der <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener"><em>female choice</em></a> dar, womit es sich um die Vergewaltigung der Priesterin handelt, und auch kulturwissenschaftlich muss es als Initialisierung der königlichen und damit väterlichen Macht gewertet werden. Göttner-Abendroth aber deutet das Wilkensche Matriarchat positiv. Die Unterscheidung sei, dass die Königin/der König nicht grausam sei, sondern eine mütterlich-weise Leitung innehabe. Damit füttert sie unbeabsichtigt aber in fataler Weise den Mythos vom Matriarchat als Frauenherrschaft.</p>
<p>Es sprechen aber alle Indizien dafür, dass die Bronzezeit mit ihrer voll ausgebildeten Kriegstechnik die erste Epoche mit einem flächendeckenden Patriarchat gewesen ist, mit nicht egalitären Hierarchien, ersten Kriegen (beginnend in der Späten Jungsteinzeit), Sklavenhalterei, fundamentaler Frauenunterdrückung und Besitztum des Kindes. All das wurde in den beginnenden kapitalistischen Wirtschaftsstrukturen etabliert. Mit der Schrift, die die Sumerer als angeblich erste <em>Hochkultur</em> ausweist, überlieferten sie ihre in Stein gehauene Königsliste und damit ein rein patrilineares, also auch nach Wilkens, patriarchales Weltbild. Wirkliche Patrilinearität geht immer mit dem völligen Verlust an Selbstbestimmung für die Frau und Mutter einher, und ist damit der Hauptmarker der Patriarchose.</p>
<p><a title="HJunghans [CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sumerische_K%C3%B6nigsliste.JPG"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/52/Sumerische_K%C3%B6nigsliste.JPG/256px-Sumerische_K%C3%B6nigsliste.JPG" alt="Sumerische Königsliste" width="256"></a><br />
<span style="font-size:10px;">Sumerische Königsliste, Larsa/Tell Senkerech (Irak), 1740 v. Chr., Ton, Museum Oxford.<br />
Siehe auch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sumerische_K%C3%B6nigsliste" target="_blank" rel="noopener">Sumerische Königsliste bei Wikipedia</a></span>.</p>
<p>Allerdings besteht Heide Göttner-Abendroths großes Verdienst darin, das Volk der Mosuo in Europa bekannt gemacht und damit Beweismaterial geliefert zu haben, dass es Männern nicht schlechter geht, wenn sie keine Macht besitzen. Die Mosuo leben matrilokal und matrilinear, und die Vaterschaft bedeutet ihnen nichts. Kapitalismus ist ihnen unbekannt, denn sie leben subsistent in einer von der Natur begünstigten Umwelt.<br />
Die Mosuo begehen keine Heilige Hochzeit und es gibt keine Königin. Wichtige Entscheidungen, die oft auch erst das patriarchale Umland aufnötigt, werden im Konsens getroffen. Erst auf Befehl der chinesischen Regierung erhielten Männer das Amt des Bürgermeisters. Von den Modernen Matriarchatsforscherinnen werden die Mosuo als „Matriarchale Gesellschaft“ bezeichnet.</p>
<h4><strong>Aber ist es sinnvoll ein solches Zusammenleben eine Gesellschaft zu nennen?</strong> <strong>Und was überhaupt ist eine Gesellschaft?</strong></h4>
<p>Befragen wir das Internet, so zeichnet sich ein sehr facettenreiches Meinungsbild, je nachdem, welche Disziplin zu Rate gezogen wird, ob Soziologie, Ethnologie, Staats- oder Wirtschaftsrecht.</p>
<p>Gerhard Bott zog es daher vor, ausgehend von der Begriffsgeschichte, die auf das Zunftrecht der Handwerker mit ihren Lehrlingen, Gesellen, Jungmeistern und Altmeistern zurückgeht, Gesellschaft als eine hierarchische, männerbündische Organisation anzusehen, die er, wie schon der Philosoph Friedrich Schleiermacher, klar von <em>Gemeinschaft</em> abgrenzte<!--<a href="#_ftn4" name="_ftnref4">[4]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>.</p>
<p><strong>Eine Gesellschaft hat eine hierarchische Struktur. Sie wird durch Gewalt(en) und Verwaltung zusammengehalten. Wir finden hier keine zwingende, die Gesellschaft kennzeichnende Verwandtschaft innerhalb der Bevölkerung. </strong></p>
<p>Gesellschaft ist ein<strong> pluralistisches </strong>(politisches, wirtschaftliches sowie Personen bezogenes alltägliches)<strong> Geschehen</strong> in einem begrenzten Territorium bzw. einem ideellen Hoheitsgebiet.<br />
Die ersten, durch Eroberung entstandenen Staatsgebilde (Herrschaftsbereiche) sind die Basis dessen, was wir heute unter <strong><em>Gesellschaft </em></strong>verstehen. Zuvor gab es eine gewachsene indigene Grundbevölkerung, die in der Regel noch keine übergeordnete politische Struktur besaß und sich wie das evolutionäre Lebenssystem selbstorganisierend darstellte, indem notwendige Anpassungen um des Überlebens willen umgesetzt wurden.</p>
<p>Die Archäologin Marija Gimbutas hat mit ihrer inzwischen von der Genetik bestätigten Kurgan-These nachgewiesen, dass die jungsteinzeitlichen, noch matrifokalen Kulturen von Kriegern aus der Steppe Südrusslands unterworfen wurden. Die seitdem Herrschenden sind dabei immer die Abkömmlinge oder Günstlinge der einstmaligen Eroberer aller in der Gesellschaft versammelten <em>Volksgruppen</em> und <em>Kulturen</em>. Sie legte Wert darauf, die vorpatriarchalen Kulturen nicht als Gesellschaft, sondern als Zivilisationen zu benennen. Sie schrieb dazu in ihrem Buch über die Jungsteinzeit im Alten Europa &#8222;Die Zivilisation der Göttin&#8220;:</p>
<blockquote><p>&#8222;<em>Ich lehne die Ansicht ab, dass der Begriff Zivilisation nur auf androkratische Kriegergesellschaften angewendet werden dürfe. Die generative Basis jeder Zivilisation liegt in ihrem jeweiligen Maß an künstlerischem Schaffen, ästhetischen Errungenschaften, immateriellen Werten und Freiheit, die das Leben sinnvoll und lebenswert machen, sowie in einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Die Jungsteinzeit in Europa war keine Zeit &#8218;vor der Zivilisation&#8216; (Before civilization &#8211; so der Titel eines 1973 erschienenen Buches von Colin Renfrew über Europa zur Jungsteinzeit und Kupferzeit); sie war vielmehr wirklich eine Zivilisation im besten Sinne des Wortes. </em>(&#8230;)<em>.</em>&#8222;<!--<a href="#_ftn5" name="_ftnref5">[5]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup></blockquote>
<p>Im Grunde nimmt also Gimbutas auch hier eine Neudefinition vor, allerdings ohne Verwirrung zu stiften, denn sie kann sich auf die seit Kant und Goethe landläufig positive Konnotation des Adjektivs „zivilisiert“ im Gegensatz zu „unmoralisch“ berufen. Zudem findet sich ungeachtet der historischen Entwicklung in der Sprache eine Abgrenzung der <em>Zivilgesellschaft</em>, also des <em>Bürgertums</em>, vom Militär.<br />
Das Problem ist ein grundsätzliches. Unsere Wirtschafts-, Umgangs- sowie literarische Sprache ist patriarchal. Sie geht auf die Eroberer aus der Steppe, die Viehzüchternomaden waren, zurück. Daher ist sie von Metaphern aus der Viehzucht durchdrungen, insbesondere, wenn es um die Beziehung der Menschen zueinander geht, wie z.B. bei <em>Erziehung, Beziehung</em> und <em>Unzucht</em> oder im Begriff von <em>Zucht und Ordnung</em>. Nachdem sich Ursprachen quasi organisch entwickelt hatten, wurde mit der Patriarchalisierung Sprache von oben vorgeschrieben und damit über große Flächen vereinheitlicht als das, was wir heute „Indoeuropäische Sprachfamilie“ nennen. Sie zeigt sich in Form von einzuhaltenden Sprachformeln (wie Herrscheranreden) und auch das generische Maskulinum stammt aus dieser Zeit. In dem Herrschaftsgebiet, in dem es anfangs nur mündliche Überlieferung gab, war Kontrolle nur mit einer gut organisierten Verwaltung und möglichst einheitlichen Sprache möglich. Die patriarchalisierte Sprache trug dazu bei, unser angeborenes Sozialverhalten, die Matrifokalität, in Vergessenheit zu bringen.</p>
<p>Der veraltete Begriff des <em>Oheims</em>, des Bruders der Mutter, gehört wie auch die <em>Geschwister</em> zu den letzten Resten matrifokalen Verständnisses von verwandtschaftlichem Zusammenleben. Das Wort kennt kaum noch jemand. Allgegenwärtig ist dagegen das Wort <em>Onkel</em>, mit dem sich der <em>Oheim</em> sprachlich durch nichts mehr vom Vaterbruder unterscheidet. Die noch weniger bekannte <em>Muhme</em> als die Bezeichnung der Mutterschwester, ist aus dem Sprachgebrauch fast vollständig verschwunden. Die <em>Muhme</em> besaß vielfach eine besondere Bedeutung. Sie galt da, wo es keine Großmutter im Wohnumfeld (mehr) gab, als Beimutter und manche Frau schätzte sich glücklich, wenn ihre (unverheiratete und Kinderlose) Schwester mit in ihrem Haushalt lebte. Die Patrilokalität war/ist für jede Frau eine strapaziöse Lebensvariante. Die Muhme wurde gern als Patin für ein Kind (wohl vor allem für eine Tochter) genommen und die Pate oder Gode oder die immer noch im hessischen Raum übliche Götti, erhielt so gemeinsam mit der Mutter ein matrifokales Feeling, dessen sie sich meist nicht bewusst waren/sind. Sie folgten damit nur ihrem menschen-mütterlichen Instinkt.</p>
<p>Für das verwandtschaftliche Zusammenleben gibt es heute die Begriffe <em>Familie</em>, <em>Blutsverwandtschaft, Geschlecht, Verwandtschaft, Sippe,</em> <em>Clan, Stamm, und Angehörige</em>.</p>
<p><strong>Familie </strong>definiert sich im ursprünglichen (römischen) Sinn lediglich als Hausgemeinschaft und somit als der Herrschaftsbereich eines (privilegierten) Mannes – Familie ist <strong>keine</strong> konsanguine Zugehörigkeit für alle beteiligten Personen.<br />
Derzeit finden wir unter dem Begriff der Familie die verschiedensten Ableitungen. Im Sinne der Kleinfamilie wird eine alleinerziehende Mutter mit Kindern genauso als Familie bezeichnet, wie ein kinderloses Paar. Der Ausdruck Großfamilie bezieht sich heute eher auf die Anzahl (der Kinder), als auf einen generationsübergreifenden Status, bei dem die väterlichen Großeltern mit im Hause wohnen.</p>
<p><strong>Blutsverwandtschaft</strong> (oder durch Geburt verwandt, vornehm auch <strong>Geblüt</strong>) ist nur im matrilinearen Sinne schlüssig. Hier beziehen wir uns ausschließlich auf die direkte Herkunft innerhalb der weiblichen plazentaren Fortpflanzungslinie, daher bin ich auch als Frau mit meinem Bruder blutsverwandt, mit meinem Vater jedoch nicht (allerdings kann jedeR diesen Punkt sehen wie sie möchte).</p>
<p>Ein <strong>Geschlecht</strong> bezeichnet miteinander über die väterliche Linie Verwandte, die sich auf einen gemeinsamen adligen Stammvater zurückführen. Es entspricht einer Großfamilie, die hier jedoch aufgrund von Eroberungen und Heiratspolitik nicht auf ein geografisches Gebiet begrenzt ist. In neuerer Zeit kommt der Begriff auch im Bürgertum zur Anwendung, wenn der Stammvater in der Gesellschaft Bedeutung erlangt hat und seine Nachkommen sein Lebenswerk fortführen oder gewisse Bekanntheit erreicht haben.<strong><br />
</strong></p>
<p><strong>Verwandtschaft</strong> meint heute sowohl Blutsverwandte als auch durch Bereitschaftserklärung verbundene Zusammenlebende, also bei Heirat, Adoption, Pflegschaft, Beziehungsformen aller Art. Umgangssprachlich ist der Begriff der Verwandtschaft in heutiger Anwendung viel weitreichender, als im gesetzlichen oder juristischen Sinne.</p>
<p>Die <strong>Sippe</strong> wird heute soziologisch praktisch nur als patrilineares Verwandtschaftssystem verstanden, wenngleich der Begriff in der Bevölkerung eher auf die Mutterlinie bezogen ist, und zwar als <em>Sippschaft</em>, die jedoch eine negative Konnotation hat. Die Bedeutung als Mutterlinie geht auf das Althochdeutsche zurück, wo das Wort &#8222;kunni&#8220; für die Sippe steht. Dieses Wort geht wiederum auf die Ur-Silbe &#8222;kun&#8220; zurück, die &#8222;Vulva&#8220; oder &#8222;Frau&#8220; bedeutet, z.B. indoeuropäisch Lateinisch &#8222;cunnus&#8220; für die Vulva und im ureuropäischen Baskischen &#8222;gun&#8220; für Frau.<!--<a href="#_ftn6" name="_ftnref6">[6]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup>
<p>Der <strong>Clan</strong> ist ein (pseudo)patrilinearer Verbund von mehreren Patrilokalitäten (Familien), die einen begrenzten Lebensraum miteinander teilen und einem patriarchalen Kodex unterworfen sind. Es ist üblich, auch sogenannte matriarchale Gruppierungen als Clans zu bezeichnen, weil sie sich heute mit einen Kodex gegen die Patriarchalisierung zur Wehr setzen müssen. Dazu gehört der mütterliche Rat, sich nicht mit Männern des patriarchalen Umlandes zu verpartnern, um nicht von deren Ideologie unterminiert zu werden.</p>
<p>Der <strong>Stamm</strong> impliziert die Auffassung der sogenannten männlichen Abstammung, eine bis in unser letztes Jahrhundert nicht genetisch nachweisbare Patrilinearität, die sich auf einen mythischen Urvater, aber auch auf ein weibliches Tierwesen, und dessen Sohn zurückführt. Daher ist dieser Begriff in Bezug auf die Matrifokalität, unserem angeborenen Sozialverhalten, ebenfalls unbrauchbar.</p>
<p>Als <strong>Angehörige</strong> werden heute die entweder unmittelbar (durch Geburt) verwandten, aber auch angeheiratete oder anderweitig (mit und ohne Bereitschaftserklärung) einer Lebens- bzw. Wohngemeinschaft zugehörige Personen verstanden. (Ohne eigene Bereitschaft &#8211; z.B. ein junges Kind wird nicht wirklich gefragt, ob es der neuen Lebenspartnerschaft der Mutter beitreten will.)</p>
<p>Für das matrifokale Verwandtschaftssystem gibt es keinen solchen anerkannten, feststehenden Begriff, außer, dass es als „Kultur mit matrilokalen Residenzregeln“ und „Matrilinearität“ besprochen wird. Am ehesten passt der Begriff der Sippe, der jedoch rehabilitiert und attributiv spezifiziert werden muss. Die<strong> matrilokale und matrilineare Sippe</strong> können wir als eine generationsübergreifende, geschwisterliche und sich aufeinander beziehende Gemeinschaft aller in unmittelbarer Nähe lebenden Gruppierungen, verorten. Sippe deutet hier die direkte mütterliche Bindung an (laut Wahrig Wörterbuch: Gesamtheit der Blutsverwandten). Die konsanguinen<!--<a href="#_ftn7" name="_ftnref7">[7]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup> Angehörigen, die <strong>Sipplinge</strong>, sind über Mutterbindung miteinander verwandt und damit matrifokal.</p>
<p>Matrifokale Völker leben demnach in matrilokalen und matrilinearen Sippen. Nach dem zur Verfügung stehenden Vokabular leben solche über die Mutter nicht verwandten Sippen, die sich sexuell und materiell oder in Ideen austauschen, in <em>Gemeinschaft. </em>Für das außerpatriarchale Leben aller Menschen gibt es bislang keinen unpolitischen, <strong>eindeutigen</strong> Begriff. Stephanie Gogolins Wortschöpfung „<strong><em>das Matrifokal</em></strong>“ behebt diesen Mangel.</p>
<p><em>Das Matrifokal</em> ist ihre Bezeichnung für das naturgemäße Bindungssystem der Menschen (der menschlichen Mutter) in einem real vorhandenen, dynamischen Habitat<!--<a href="#_ftn8" name="_ftnref8">[8]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup>, welches von Beginn des Menschseins als <strong>existenzsichernde Schutzsphäre</strong> <strong>für</strong> Mütter <strong>und</strong> ihren Nachwuchs fungierte.</p>
<p>Matrifokale bestehen aus den konsanguinen Angehörigen (beiderlei Geschlechts), innerhalb der matrilinear und matrilokal sowie generationsübergreifend lebenden frühen Menschengruppen. Das bedeutet: durch Geburt verwandte Menschen interagierten in ihrem Alltag in einer überschaubaren, <strong>mutterbasierten</strong> und <strong>geschwisterbezogenen Fürsorge- also Nähegemeinschaft</strong>, in der <strong>jedes Individuum integriert und geborgen lebte</strong>. Das Matrifokal ist die naturgemäße, menschenartgerechte Fürsorgegemeinschaft.</p>
<p>Matrifokalität – ist unser ur-natürliches Dasein im evolutionär entstandenen Kontinuum des Menschseins und unser angeborenes Sozialverhalten<!--<a href="#_ftn9" name="_ftnref9">[9]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup>.</p>
<p><strong><em>Die Menschheit wurde in einem Matrifokal geboren</em></strong> – in einer unmittelbaren Nähe- und mütterlichen Fürsorgegruppe. Diese Form des Zusammenlebens der Spezies Mensch beruht auf biologisch angelegter Bindung, ist also die natürliche, durch Evolution entstandene menschliche Überlebensstrategie. Das Matrifokal ist die Basis des menschenartgerechten Kontinuums.</p>
<p>Die Mosuo leben demnach in Matrifokalen. Sie sollten nicht als Gesellschaft verallgemeinert werden. Auch die Kulturen der vorpatriarchalen Zeit waren keine Gesellschaft. Das laut oder deutlich zu sagen, erregt jedoch regelmäßig den Protest der Matriarchatsforscherinnen, die den Begriff <em>Gesellschaft</em> offenbar für ein Prädikat, einen Ehrentitel halten. Für Heide Göttner-Abendroth ist <em>Matriarchat</em> nach eigener Aussage ein <strong>Kampfbegriff</strong>, also ein politischer Begriff. Daher wird er auch und insbesondere der vorpatriarchalen Zeit, als die Matrifokale noch nicht um ihre Existenz gegen das Patriarchat kämpfen mussten, nicht gerecht.</p>
<p>Ein weiterer Denkfehler der „Matriarchatsfrauen“ besteht darin, zu glauben, dass eine Königin mit ihren Untertanen und Besitztümern Egalität auf dem Programm hätte. Da, wo Macht ist, ist auch Machtmissbrauch nicht weit. Da, wo es Herrschaft gibt, ent- und besteht inhumane Hierarchie. Rechte, die Gleichheit garantieren sollen, können jederzeit von einer herrschenden Persönlichkeit oder Gruppierung zurückgenommen werden. <strong><em>Egalität</em> darf daher nicht mit <em>Gleichberechtigung</em> verwechselt werden. </strong>Gemäß obiger Ausführungen kann Gleichberechtigung nur eine Rechtsform sein aber keine natürliche Eigenschaft.</p>
<h4><strong>Im Mainstream ist <em>Matriarchat</em> ein Schimpfwort</strong></h4>
<p>Wie bereits angedeutet, gelten im allgemeinen Verständnis „Matriarchale Gesellschaften“ als noch viel schlimmer als das Patriarchat, denn dort würden ja Männer unterdrückt. Frauen zu unterdrücken wäre nach dieser Logik völlig in Ordnung. Zu diesem Umkehrkehrschluss kommt mann aber nicht, leider auch nicht die Frauen. Die so unbedingt beschworenen „Matriarchalen Gesellschaften“ hat es nie gegeben. Daher kann auch niemand wissen, ob eine matriarchale Gesellschaft schlimmer wäre als eine patriarchale Gesellschaft. Ein Beispiel einer solchen Umkehrung der Verhältnisse ist der Umgang mit dem „Megxit“ (Austritt von Prinz Harry und Herzogin Meghan aus dem engl. Königshaus). Darüber schreibt die Journalistin Margarete Stokowski:</p>
<blockquote><p>„‚Die Zeit’ schreibt: ’Früher endeten die Märchen so, dass die Frauen den Prinzen heiraten durften, im modernen Märchen entführen sie ihn aus dem Palast, um fortan in Kanada zu leben.’ Eine Entführung also.“<!--<a href="#_ftn10" name="_ftnref10">[10]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup></blockquote>
<p>Das entspräche natürlich dem Mythos vom schrecklichen Matriarchat. Solange ein Mann „seine Frau“ „entführt“, solange ist das völlig in Ordnung. Der Euphemismus für diese Entführung ist die „<strong>Heimführung der Braut</strong>“. Dass ein Partner dem anderen folgt, wird natürlich nicht als Entführung gewertet, sondern als <em>normal</em> angesehen. Die Betroffenen (in der Regel die Frau) unterwerfen sich dabei (den Interessen des männlichen) Partners. In der Soziologie wird das <em>Patrilokalität</em> genannt, was als Begriff ebenso harmlos daher kommt, wie wir es schon bei Wilken beobachtet haben. Die Ehe ist in der Tat eine Entführung der Frau, denn unser angeborenes Sozialverhalten kennt keine Patrilokalität, sondern nur Matrilokalität, die wiederum keinen Vater kennt. Der Megxit zeigt: erst, wenn es einen Mann trifft, er also heimgeführt wird, erkennen die Leute, dass es sich um eine Entführung handelt.</p>
<p>Dem Mann mutet man das im sozialen Alltag<!--<a href="#_ftn11" name="_ftnref11">[11]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup> nicht zu. Es ist allein dem Sohne vorbehalten, lebenslang bei seiner Mutter wohnen zu bleiben, er darf die Mutter-Kind-Bindung solange leben, wie er will, die Tochter aber nicht. Die Mutter-Sohn-Dyade, bis heute verehrt in Maria mit dem Jesuskinde und ihren religionshistorischen Vorläufern, ist in gewisser Weise der letzte Rest gelebter Matrifokalität, aber unter dem Dach der Väterlichkeit. Im Gegensatz dazu muss die Tochter ihre natürlichen Bindungen lösen, insbesondere die zur <strong>Mutter. Von jedem Mädchen, jeder Frau wird erwartet, dass sie sich einem (nicht verwandten) Mann (oder einer anderen Person) auf Lebenszeit anschließt</strong>, als wäre sie kein fühlendes Wesen mit einem Begriff von „zuhause“, „Heimat“ oder „Familie“, oder wie wir das sonst auch immer nennen mögen, als sei sie eine Sache, die klaglos den Besitzer wechselt. Auch die moderne Grausamkeit eines verordneten sog. Wechselmodells gehört hier hin. Das Kind wird wie eine Sache eventuell jahrelang zwischen den getrennten Eltern hin und her gereicht.</p>
<p>Es ist für alle, Männer, Frauen und Kinder, in der Regel ein schwerer persönlicher Einschnitt, aus den vertrauten Bindungen gerissen zu werden. Das wird in unserem kulturellen Verständnis verdrängt. Mobilität gilt sogar als Ausdruck einer anzustrebenden Unabhängigkeit. Tatsächlich gerät die Mutter durch Mobilität in noch größere Abhängigkeit vom Kindsvater, da sie ihr seit Kindheit aufgebautes, vertrautes Netzwerk verliert.</p>
<p>Gesellschaftsleben ist eine nicht naturgemäße Form des menschlichen Zusammenlebens und je komplexer und damit unübersichtlicher eine Gesellschaft für das Individuum ist, desto ungeborgener muss es in ihr leben. Wir haben hier bereits den verstörenden Effekt, dass sich die Mensch per se in den bestehenden gesellschaftlichen Zusammenhängen verlassen fühlt.</p>
<h4>Das kollektive Stockholmsyndrom</h4>
<p>Die patriarchal performte Gesellschaft ist ein einziges Geiseldrama und damit ein Verbrechen, dessen Opfer wir alle sind. Was wiederum bedeutet, wir konnten in diesen Verhältnissen nur halbwegs überleben, indem wir ein kollektives Stockholmsyndrom entwickelten. Im westlichen Kulturkreis ist es üblich, in die vorhandene Patrilokalität hineingeboren zu werden. Da die sogenannte Patrilinearität ohnehin nur ein gewaltsam aufrecht gehaltenes Ideengebäude ist, sind nach wie vor Angstauslöser, Denkgebote und Tabus erforderlich, um das Stockholmsyndrom zu füttern. Nur über die geistige und gefühlsmäßige Hörigkeit gegenüber den Geiselnehmern, ist die anonyme Masse der Gesellschaft steuerbar.</p>
<p>Das kollektive Stockholmsyndrom, ohne das die Patriarchose nicht dauerhaft funktionieren würde, entstand unter den Bedingungen von Heimatlosigkeit, Kriegsschrecken, Gefangenschaft, Verschleppung, Sklaverei und als deren zivilisiert geltenden Form, der Ehe &#8211; die Zugehörigkeit zu <strong>einem</strong> Mann.</p>
<p>Die gewaltsam eingeführten patriarchalen Strukturen vereinzelten Menschen, die sich wiederum in Interessengruppen auf androzentrierter Basis zusammenschlossen oder in die Unterdrückung gezwungen wurden. Hier traf es vor allem und allen voran <strong>die Leben erhaltende Frau</strong> – <strong><em>die Mutter. </em></strong>Und eigentlich noch bevor sie Mütter wurden &#8211; die Töchter der „Anderen“ waren ab nun der Kern der Begierde, die Beute. Die von den ersten Geiselnehmern verschleppten Töchter sind die Mütter, die uns ihr überlebensnotwendig entwickeltes Stockholmsyndrom vererbten, auch indem sie es wie ein Brauchtum pflegten.<br />
Die Unterwerfung unter die Gewaltstrukturen des uns umgebenden gesellschaftlichen Aggregatzustandes ist Teil unserer weiblichen Identität geworden. Wir sind kulturell auf den Mann geprägt, da er als patriarchaler Herrschaftsvertreter seine Vorgaben als Gesetzmäßigkeiten festlegt, bestimmt, kontrolliert und durchsetzt.</p>
<p>Ein entscheidender Hinweis auf unsere exzellente Konditionierung wird in dem Beispiel sichtbar, dass kaum eine alleinerziehende Mutter, die es in unserer Gesellschaft zuhauf gibt, auf die Idee kommt, mit ihren Kindern zu ihrer Mutter zurückzukehren und vielleicht noch ihre Schwester mit ins Boot zu holen. Selbst wenn die Großmutter auch ohne Mann lebt, kommt es zu keinen wirklichen matrifokalen Allianzen. Das Dogma des angeblich „natürlichen Biotops“ <em>Gesellschaft </em>ist zu stark in uns verankert – durch permanente Gehirnwäsche und väterlichen Territorialanspruch, selbst wenn diese Väter als Person im Lebensraum von Müttern und Kindern gar nicht mehr vorkommen.</p>
<p>Die Gesellschaft in die wir hineingeboren wurden, die uns erzieht und züchtigt, ist der Nährboden für das Stockholmsyndrom, das uns nicht selbstbestimmt denken und handeln lässt. In einem <strong><em>Matrifokal</em></strong> gäbe es keine Bedrohungssituationen und beides wäre völlig unspektakulär möglich.</p>
<h4>FAZIT</h4>
<p>Es gab weder matriarchale noch matrifokale Gesellschaften. Gesellschaft ist ein Gebilde, bestehend aus teilweise anonym interagierenden Gruppierungen und bindungslos gemachten Einzelpersonen in einem ansonsten unverbindlichen System, das durch ideologische Vorgaben gesteuert wird. Es gab im naturgemäßen menschlichem Kontinuum keine zugewiesene Zugehörigkeit, wie wir sie heute verinnerlicht haben, sondern eine gewachsene, muttergebundene Angehörigkeit. In einer Gesellschaft sind Menschen in der Regel nicht verwandt im Sinne einer unmittelbaren geburtlichen Zu- bzw. Angehörigkeit, obwohl solche Konstellationen in gesellschaftlichen Strukturen vorhanden sind und auch sein müssen, um die menschliche Reproduktion innerhalb der Gesellschaft zu sichern. Gesellschaft ist eine Errungenschaft patriarchaler Herrschaft und deren bindungsloser Ideologie.</p>
<p>Als Kennzeichnung von Gesellschaft finden wir sozio-kulturell-politische Labels vor wie patriarchal, feudal, Sklaven haltend oder die modernen Formen des Kapitalismus oder Imperialismus<strong>.</strong> In diese illustre Reihe sollen Gemeinschaften gestellt werden, die von Matriarchatsforscherinnen als „matriarchale Gesellschaft<em>“</em> bezeichnet werden. Dieses Bestreben wäre also wirklich zu überdenken.<br />
Wir hoffen damit deutlich gemacht zu haben, dass wir nicht mit anderen Denkerinnen konkurrieren, sondern aufklären möchten und an einer konstruktiven Definitionsarbeit interessiert sind. Im Allgemeinen leiden Frauen an einem Mangel an Loyalität und gegenseitiger Akzeptanz, weshalb es auch für forschende Frau nicht einfach ist, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Schließen möchten wir daher mit einen Zitat von Mirna Funk:</p>
<blockquote><p>“Wir machten ein bisschen Small-Talk, bestellten Getränke und das Essen, und als alles nach 15 Minuten auf dem Tisch stand, sagte sie zu mir: ‚Ich finde die Quote unnötig. Sexismus habe ich noch nie erlebt, sondern nur große Unterstützung von Männern erfahren. Das größte Problem sind die Frauen selbst. Sie stehen sich im Weg, sind illoyal und schaden sich gegenseitig.’ Ich starrte auf meinen Teller, rollte traurig die Pasta auf meine Gabel, verdrehte vor Erschöpfung die Augen, ohne dass sie es sehen konnte, und antwortete nur: ‚Ja, das mit der fehlenden Loyalität ist wirklich schade.’“<!--<a href="#_ftn12" name="_ftnref12">[12]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup></blockquote>
<p>Lüneburg und Braunschweig 12.02.2020</p>
<p>Lesen Sie bitte im Anschluss an diesen Text das Update, mit dem die Fragestellung geklärt wird, wie wir matrifokale Gemeinschaften nennen können: <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt">Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat</a>.</p>
<p><!--<strong>Anmerkungen</strong>

<a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> <a href="https://www.goettner-abendroth.de/matriarchat/der-begriff-matriarchat/">https://www.goettner-abendroth.de/matriarchat/der-begriff-matriarchat/</a> abgerufen am 27.01.2020

<a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> <a href="http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/ssg/content/pageview/421896?query=matriarchat">http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/ssg/content/pageview/421896?query=matriarchat</a> abgerufen am 27.01.2020

<a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> <a href="http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/mutterrecht-versus-muttertum-bei-bachofen.html">http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/mutterrecht-versus-muttertum-bei-bachofen.html</a> abgerufen am 27.01.2020

<a href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a> Aus privater Korrespondenz mit Gabriele Uhlmann

<a href="#_ftnref5" name="_ftn5">[5]</a> Gimbutas, Marija: <em>Die Zivilisation der Göttin</em>, Frankfurt a.M. 1996 (am. Originalausg. 1991)

<a href="#_ftnref6" name="_ftn6">[6]</a> Vgl. Fester, Richard: Das Protokoll der Sprache. In: Weib und Macht. Fünf Millionen Jahre Urgeschichte der Frau. 3. Aufl., Frankfurt 1983, S. 79-106

<a href="#_ftnref7" name="_ftn7">[7]</a> Konsanguine Angehörige sind durch Geburt in Matrilinearität verbunden. (abgeleitet von dem Begriff <em>cognati consanguinii</em> - „von der Mutter her“ siehe Bott, Gerhard, <em>Die Erfindung der Götter</em>, S. 350)

<a href="#_ftnref8" name="_ftn8">[8]</a> Wohnplatz von Ur- und Frühmenschen

<a href="#_ftnref9" name="_ftn9">[9]</a> Zitat von Gabriele Uhlmann - „Matrifokalität ist keine Gesellschaftsform, sondern unser angeborenes Sozialverhalten.“

<a href="#_ftnref10" name="_ftn10">[10]</a> <a href="https://www.spiegel.de/kultur/meghan-markle-die-eigentliche-queen-kolumne-a-9cbe281d-72ae-413c-bf27-f423cfbfb98a">https://www.spiegel.de/kultur/meghan-markle-die-eigentliche-queen-kolumne-a-9cbe281d-72ae-413c-bf27-f423cfbfb98a</a> abgerufen am 21.01.2020

<a href="#_ftnref11" name="_ftn11">[11]</a> Gerät ein Mann im patriarchösen Milieu in Gefangenschaft oder in Sklaverei, wird ihm jedoch, auch als Kind, jedes Leid zugemutet.

<a href="#_ftnref12" name="_ftn12">[12]</a> <a href="https://editionf.com/wie-gehe-ich-mit-frauen-um-die-feminismus-unnoetig-finden/">https://editionf.com/wie-gehe-ich-mit-frauen-um-die-feminismus-unnoetig-finden/</a> abgerufen am 7.2.2020
--></p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://www.goettner-abendroth.de/matriarchat/der-begriff-matriarchat/">https://www.goettner-abendroth.de/matriarchat/der-begriff-matriarchat/</a> abgerufen am 27.01.2020</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/ssg/content/pageview/421896?query=matriarchat">http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/ssg/content/pageview/421896?query=matriarchat</a> abgerufen am 27.01.2020</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/mutterrecht-versus-muttertum-bei-bachofen.html">http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/mutterrecht-versus-muttertum-bei-bachofen.html</a> abgerufen am 27.01.2020</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Aus privater Korrespondenz mit Gabriele Uhlmann</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gimbutas, Marija: <em>Die Zivilisation der Göttin</em>, Frankfurt a.M. 1996 (am. Originalausg. 1991)</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Fester, Richard: Das Protokoll der Sprache. In: Weib und Macht. Fünf Millionen Jahre Urgeschichte der Frau. 3. Aufl., Frankfurt 1983, S. 79-106</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Konsanguine Angehörige sind durch Geburt in Matrilinearität verbunden. (abgeleitet von dem Begriff <em>cognati consanguinii</em> &#8211; „von der Mutter her“ siehe Bott, Gerhard, <em>Die Erfindung der Götter</em>, S. 350)<br />
</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wohnplatz von Ur- und Frühmenschen</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zitat von Gabriele Uhlmann &#8211; „Matrifokalität ist keine Gesellschaftsform, sondern unser angeborenes Sozialverhalten.“</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://www.spiegel.de/kultur/meghan-markle-die-eigentliche-queen-kolumne-a-9cbe281d-72ae-413c-bf27-f423cfbfb98a">https://www.spiegel.de/kultur/meghan-markle-die-eigentliche-queen-kolumne-a-9cbe281d-72ae-413c-bf27-f423cfbfb98a</a> abgerufen am 21.01.2020</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gerät ein Mann im patriarchösen Milieu in Gefangenschaft oder in Sklaverei, wird ihm jedoch, auch als Kind, jedes Leid zugemutet.</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://editionf.com/wie-gehe-ich-mit-frauen-um-die-feminismus-unnoetig-finden/">https://editionf.com/wie-gehe-ich-mit-frauen-um-die-feminismus-unnoetig-finden/</a> abgerufen am 7.2.2020</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann">Gibt oder gab es matriarchale Gesellschaften? Eine notwendige Stellungnahme von Stephanie Gogolin und Gabriele Uhlmann</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Antwort auf Meike Stoverock s &#8222;Female Choice&#8220;</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice</link>
		
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		<pubDate>Sun, 11 Jul 2021 16:15:53 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Veröffentlicht 08.04.2021 Warum diese Kritische Rezension? &#8222;In der Natur müssen Männchen singen, tanzen, kämpfen, bauen, während die Weibchen die Show genießen und anschließend mit dem Sieger abziehen. Die Konkurrenz liegt...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice">Antwort auf Meike Stoverock s &#8222;Female Choice&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Veröffentlicht 08.04.2021</p>
<h2 id="kritische-rezension">Warum diese Kritische Rezension?</h2>
<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/367fbce435c64285befffc6565c3bbc5" alt="" width="1" height="1" />&#8222;<em>In der Natur müssen Männchen singen, tanzen, kämpfen, bauen, während die Weibchen die Show genießen und anschließend mit dem Sieger abziehen. Die Konkurrenz liegt bei den Männchen. Das Prinzip nennt man Female Choice. Bei den Menschen wurde dieses Prinzip nach der Entdeckung des Ackerbaus ausgehebelt. Es entstand eine Welt, die von Männern für Männer gemacht ist. &#8230; Mit einer bestechenden Verbindung aus Biologie, Kulturgeschichte und einem ebenso klaren wie humorvollen Ton beschreibt Meike Stoverock nicht nur, wo die Menschheit vor über 10 000 Jahren falsch abgebogen ist, sondern auch, was sich ändern muss, damit Mann und Frau heute miteinander glücklich werden.</em>&#8222;<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></p>
<p>Mit diesem Klappentext wurde das Buch „Female Choice &#8211; Vom Anfang und Ende der männlichen Zivilisation&#8220; der Biologin Dr. Meike Stoverock (erschienen Februar 2021) im November 2020 angekündigt. Schon jetzt zeichnete sich ab, dass ich diese kritische Rezension bzw. Antwort würde schreiben müssen, enthielt dieser erste kurze Text doch schon schwerwiegende Fehler, die durch eine interdisziplinäre Betrachtung, wie sie die Patriarchatsforschung vornimmt, nicht passiert wären: Denn nicht der Ackerbau war Auslöser der Entstehung des Patriarchats, sondern ein Klimawandel, <strong>in dessen Folge der Ackerbau und auch einfache Tierhaltung an Bedeutung verloren und durch die Viehzucht verdrängt wurden</strong>.<br />
Wie ich bereits vielfach ausgeführt habe, wurden Frauen im Viehzüchternomadentum der Steppen und Bergregionen Eurasiens erstmals ins Patriarchat gezwungen. Erst hier erklärten Männer die Monogamie (Stoverock nennt sie Monogynie, dies aus Sicht der Männer) mit Ehe und Familie zur &#8222;normalen&#8220; Lebensweise. Die so versklavten Frauen hatten nun den Männern zu folgen, denn da wo das Vieh war, war auch der Mann und Gebieter über Mensch und Tier. Auf dieser Basis entstand das von der <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2019/11/28/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Viehzüchtermentalität</a> durchdrungene Vaterrecht, das die Patrilinearität mit Namens- und Erbrecht festschrieb. Das Patriarchat entstand damit nicht &#8222;vor über 10.000 Jahren&#8220;, sondern vor ca. 8200 Jahren (Klimaereignis Misox-Schwankung). Bis zu diesem Zeitpunkt war die Sesshaftigkeit schon über 3000 Jahre friedlich verlaufen (Präkeramisches Neolithikum, 9500v. u. Z.) und die ersten Versuche, Getreide anzubauen, lagen schon ca. 5800 Jahre zurück (12. Jtd.). Erste Großsiedlungen wie <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/catal_hoeyuek.htm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Çatal Höyük</a> entstanden und erreichten schnell ein hohes Zivilisationsniveau. [siehe hierzu auch &#8222;Nachtrag Aktuelles&#8220; unten]
<p>Um zu retten, was noch zu retten war, bevor das Buch veröffentlicht werden sollte, schrieb ich der Autorin auf Twitter eine kurze Privatnachricht mit meinen Anmerkungen und den Links zu meinem Artikel &#8222;<a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Female Choice &#8211; unser unbekanntes Menschenrecht</a>&#8222;, in dem ich auf diese Zusammenhänge schon 2015 eingegangen war, sowie zu meinem Vortrag &#8222;<a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Explosion und Expansion</a>&#8222;, in dem ich die regionalen Vorgänge detailliert dargestellt habe.<br />
In ihrer Antwort berief sich Stoverock auf ihre Expertise als Biologin und auf nicht näher spezifizierte Literatur, in der sie schwankende Angaben zum Beginn der &#8222;Landwirtschaft&#8220;, die sie als &#8222;Ackerbau und Viehzucht&#8220; definierte, nachgelesen haben will. Die Jahreszahlen seien <strong>Details</strong>. Minuten später twitterte sie öffentlich: &#8222;<em>Jemand mansplaint mir mein Buch aufgrund des Umschlagtextes. Plottwist: es ist eine Frau.</em>&#8220;</p>
<p>Inzwischen wurde der Werbetext zum Buch auf der <a href="https://www.klett-cotta.de/buch/Tropen-Sachbuch/Female_Choice/136739">Homepage des Klett-Cotta-Verlages (Tropen)</a> geändert, und ist so auch als Klappentext im Buch wiederzufinden: &#8222;<em>… Mit der Landwirtschaft wurden die Menschen sesshaft und die Frauen aus der Öffentlichkeit ins private Heim gedrängt. &#8230; Klug, provokant und anschaulich beschreibt Meike Stoverock nicht nur, wo die Menschheit vor über 10 000 Jahren falsch abgebogen ist, sondern auch, was sich ändern muss, damit Männer und Frauen eine gemeinsame Zukunft haben.</em>&#8220;</p>
<p>Das Wort &#8222;Ackerbau&#8220; ist nun verschwunden und durch sinngemäß &#8222;sesshafte Landwirtschaft&#8220; ersetzt, was die Sache nicht besser macht. Immer noch ist die Zeitangabe &#8222;vor über 10.000 Jahren&#8220; zu lesen.<br />
Am 20. Februar erschien das Buch begleitet von der üblichen Pressekampagne des Verlages in allen einschlägigen Medien. An diesem Tag und den darauffolgenden hatte ich ungewöhnlich viel Besuch auf meiner Homepage, und zwar über den Google-Suchbegriff &#8222;female choice&#8220;, und es erreichten mich Zuschriften, von denen ich eine <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2021/03/03/female-choice-langsam-immer-bekannter-aber-weiter-unverstanden/" target="_blank" rel="noopener">hier</a> besprochen habe.</p>
<p>Inzwischen habe ich das Buch gründlich und mit dem Bleistift in der Hand gelesen, und ich könnte den nun folgenden Text abkürzen mit: das Buch ist eine einsame Katastrophe für den Feminismus, die Patriarchatsforschung, die Aufklärung und die Female Choice, und es ist einer Doktorin der Biologie nicht würdig. Aber ich wurde mehrfach um eine ausführliche Stellungnahme gebeten und in der Tat bedarf es einer umfassenden Korrektur bzw. Kritik.</p>
<h2 id="zum-vorliegenden-buch">Zum vorliegenden Buch</h2>
<p>Mein erster Blick galt den letzten Seiten des Buches, dem Literaturverzeichnis &#8211; denn es interessierte mich, ob Stoverock Autorinnen der Patriarchatsforschung, z.B. Rona Duwe und meine Person &#8211; wir hatten ihr über Twitter einiges Wissen zugetragen &#8211; auch genannt hat und noch viel wichtiger: ob sie die Entdeckung des Zusammenhangs der Unterdrückung der Female Choice mit dem Patriarchat wissenschaftsgeschichtlich richtig dem Patriarchatsforscher Gerhard Bott zugeordnet hat, der seine Theorie 2009 in dem immer noch erhältlichen Buch &#8222;Die Erfindung der Götter&#8220; veröffentlicht hatte. Kurz gesagt: Hat sie nicht, weder das eine noch das andere.<br />
Meinen Hinweis bei Twitter auf diese nicht gemachten Hausaufgaben, die von einer Doktorin aber unbedingt zu erwarten seien, und auch die erste Kritik vieler anderer Frauen, wie z. B. Rona Duwe, die aufgrund der Medienbeiträge hellhörig wurden, bürstete sie harsch ab, das sei, sinngemäß, nur Gnatz und mangelnde Frauensolidarität.</p>
<p>Eigentlich sollte ein Literaturverzeichnis die Behauptungen in einem Buch belegen, eine Lesehilfe sein und Interessierten weiterhelfen. Aber es fehlen jegliche Fußnoten und Literaturhinweise im Text, womit eine wesentliche Regel wissenschaftlichen Arbeitens gebrochen ist. Auch ein Stichwortverzeichnis fehlt schmerzlich. Das Literaturverzeichnis liefert neben 16 unkategorisierten, aber alphabetisch geordneten Büchern größtenteils Artikel aus Zeitschriften und Internetlinks, was grundsätzlich in Ordnung ist. Die Links bestehen aber teils nur aus aussagelosen Zeichen, die wir mühsam in den Browser abtippen müssen, ohne zuvor auch nur einen Anhaltspunkt zu bekommen, was sich dahinter verbirgt. Alles ist dennoch nach bestimmten Kategorien sortiert, jedoch nicht alphabetisch oder nach einer sinnvollen Vorsortierung. Es gibt z. B. auf Seite 344 die Kategorien &#8222;Pflegearbeit&#8220;, &#8222;Altsteinzeit und Altertum&#8220;, &#8222;Verhütung&#8220;, &#8222;Kernfamilie&#8220; sowie &#8222;Höhlenmalerei und erotische Kunst&#8220; und auf Seite 345 &#8222;Antike Gesetzestexte&#8220;, &#8222;Wechsel von Gleichheit zu Patriarchat&#8220; sowie &#8222;Genetischer Flaschenhals&#8220;, alles in dieser merkwürdigen Reihenfolge. Hier suchte ich nun weiter nach der Literatur zur Sesshaftwerdung und Erfindung der Landwirtschaft, die sie ja gelesen haben will, sowie nach anderen Texten zur Entstehung des Patriarchats.</p>
<p>Ein einzelner &#8222;sprechender Link&#8220;, nämlich <a href="https://www.spektrum.de/news/kernfamilie-schon-in-der-steinzeit/973990" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/news/kernfamilie-schon-in-der-steinzeit/973990</a>, ist unter &#8222;Kernfamilie&#8220; zu finden. Er verweist auf einen Artikel, der die kupfersteinzeitliche Grabungsstätte bei Eulau thematisiert, wo in einem Grab die älteste bekannte Kernfamilie der Welt entdeckt wurde. Das Grab ist ca. 4600 Jahre alt; die &#8222;Steinzeit&#8220; befindet sich hier an ihrer Schwelle zu den Metallzeiten!<br />
Die Überschrift des Artikels aus dem renommierten populärwissenschaftlichen Magazin &#8222;Spektrum der Wissenschaft&#8220; zeigt hier einmal mehr, wie gefährlich leicht die Steinzeit als Einheit ohne jede Entwicklung hingestellt werden kann, obwohl sie Millionen Jahre gedauert hat und in die Alt-, Mittel- und Jungsteinzeit gegliedert und noch einmal vielfach untergliedert ist. So aber lassen sich LeserInnen vortrefflich täuschen und derart vereinfacht erscheinen Jahreszahlen tatsächlich nur als &#8222;Details&#8220;, als unwichtiges Beiwerk.<br />
Die Kategorie &#8222;Wechsel von Gleichheit zu Patriarchat&#8220; ist bemerkenswert, weil hier eigentlich das geballte Wissen der Patriarchatsforschung seinen Platz haben müsste. Wir finden hier aber nur vier Links, von denen einer nicht einmal nutzbar ist. Zwei befassen sich mit Aristoteles‘ einschlägigen Werken und ein Artikel vergleicht die Lebensweise von <em>Homo Erectus</em> mit der des Pavians. Das muss nicht weiter kommentiert werden.<br />
Ein Link von 2012 (von zweien neben einem falsch zitierten Buchartikel) unter der Kategorie &#8222;Altsteinzeit und Altertum&#8220; liefert einen Kommentar zur Interpretation altsteinzeitlicher Urmutterfigurinen als Pornografie. Interessant ist, dass dieser sehr kritische Kommentar nicht in der zugehörigen Kategorie einsortiert ist, nämlich „Höhlenmalerei und erotische Kunst“, wobei der Name dieser Kategorie genaugenommen ebenfalls irreführend ist. Diese Kategorie ist ein chaotischer Ritt durch alle Zeiten, der aber mit der Altsteinzeit beginnt und mit ihr wieder endet, tatsächlich ein deutliches Vorzeichen auf den Text, in dem die Autorin beinahe die gesamte Kunst der Menschheit, die nackte Frauen abbildet, als Pornografie ansieht und es daher unerheblich ist, wann sie geschaffen wurde (alles nur Details!) und insbesondere in welchem Kontext.</p>
<h2 id="altsteinzeitliche-kunst-als-pornografie">Altsteinzeitliche Kunst als Pornografie</h2>
<p>Ich könnte noch mehr bald Ermüdendes über das Literaturverzeichnis sagen, nutze aber lieber die Interpretation altsteinzeitlicher Kunst als Pornografie zum Einstieg in die Kritik des Buches, ist sie doch zentral für das Weltbild der Dr. Meike Stoverock. Die Autorin braucht sie zwingend für ihre These, dass die Männer von Natur aus in Alpha- und Beta-Männer einzuteilen seien, wobei die Beta-Männer unter Triebstau litten, der dadurch entstanden sei, dass sie &#8211; als von den Frauen stets Verschmähte &#8211; niemals Sex hatten.<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a> Schon in der Altsteinzeit hätten diese Incels<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a> Wege gesucht, ihren Triebstau abzubauen. Sie hätten sich daher ein Sexpüppchen geformt, das sie liebhatten und überallhin mitnehmen konnten.</p>
<blockquote><p>&#8222;Obwohl die Figuren also Symbole für Fruchtbarkeit und Geburt darstellen sollen, verzichtet man auf alles, was Fortpflanzung, Mutterschaft oder Versorgung anzeigt? Die Theorie von der Übermutter oder auch Göttin erscheint mir wegen dieser Widersprüche einfach nicht plausibel.&#8220;<a href="#_ftn4" name="_ftnref1">[4]</a></p></blockquote>
<p>Aber frau muss sich schon mit dem breiten Thema beschäftigen und auch mal so kluge Frauen wie die Archäologin Marija Gimbutas<a href="#_ftn5" name="_ftnref5">[5]</a> zu Rate ziehen, um das zu verstehen, denn in der Schule erfahren wir darüber nichts und auch nicht im Biologiestudium. Es ist leider so, dass das Patriarchat als Habitat nicht die Voraussetzungen schafft, matrifokales Leben und seine Kunst auf Anhieb plausibel zu finden. Anderenfalls könnten wir uns alle feministische Literatur und die Patriarchatsforschung sparen. Die Incel-Hypothese erinnert dann auch an die Verlautbarungen der Personen um Prof. Conard, dessen Mitarbeiterin Maria Malina die mittlerweile zum Weltkulturerbe gehörende sog. Venus vom Hohle Fels (35.000 bis 40.000 Jahre alt) entdeckt hatte. <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/venus-vom-hohle-fels.htm" target="_blank" rel="noopener">Die Presse schlachtete das regelrecht aus</a> und zog die Fundsache weiter ins Lächerliche. Die Theorie ist also nicht neu und war schon damals nicht überzeugend: Da das &#8222;Sexpüppchen&#8220; die erste Kunst der Menschheit überhaupt ist, müsste sie also mit einem Incel begonnen haben, der die Figur formte, in einer versteckten Höhle ablegte und so vor den eifersüchtigen Blicken der anderen Incels, die zum Püppchenbasteln noch nicht fähig waren, verbarg. Demzufolge müssten Menschen ohne Triebstau auch noch viel länger nicht zur Abbildung einer Frau in der Lage gewesen sein, aber wann sie es dann doch waren, erfahren wir nicht. Die Theorie wirft weitere Fragen auf: Was haben die Incels nur all die Millionen Jahre zuvor getan, als das &#8222;Sexpüppchen&#8220; noch nicht erfunden war? Wie erklärt sich die Autorin den Kontext des Fundes? Und warum hat die Autorin nicht auch den angeblichen Steinphallus, den Conard ebenfalls in der Höhle entdeckt haben will, berücksichtigt? Die Abbildung von Penissen verlegt sie nämlich erstaunlicherweise in die Römerzeit:</p>
<blockquote><p>&#8222;Nachdem die Männer viele Jahrtausende lang Höhlen mit Abbildungen der Vulva bemalt haben, bricht nun das Zeitalter des Penis an, in dem sich Darstellungen prächtiger Erektionen auf zahlreichen Gegenständen des täglichen Lebens finden.&#8220;<a href="#_ftn6" name="_ftnref6">[6]</a></p></blockquote>
<p>War Conards &#8222;Steinpenis&#8220; dann nicht ein Dildo, den sich einsame Frauen bastelten? Aber nein, Frauen waren ja stets bemannt und kannten keinen Triebstau; es hätte die Beweisführung nur gestört. Tatsächlich ist auch diese Deutung dieses Objektes mehr als fragwürdig, wie <a href="http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/wo-ist-der-phallus-des-urvaters-.html" target="_blank" rel="noopener">Gerhard Bott</a> es seinerzeit aufgeschrieben hat.<a href="#_ftn7" name="_ftnref7">[7]</a><br />
Wir werden noch sehen, dass Stoverocks Mitgefühl vor allem mit sexuell unterversorgten Männern, aber auch die Angst vor diesem Personenkreis das gesamte Buch durchzieht. Wir sollen der Autorin aber zu Gute halten, dass sie ihre Charakterisierungen stets nach der Gaußschen Glockenkurve vornehme, es also nicht nur schwarz und weiß gibt, sondern die große Masse aus den Zwischentönen besteht.<a href="#_ftn8" name="_ftnref8">[8]</a></p>
<h2 id="die-sesshaftigkeit-und-die-female-choice">Die Sesshaftigkeit und die Female Choice</h2>
<p>Die Female Choice sei &#8222;ein unglaublich zeitraubendes Prinzip&#8220;, so sagt sie, weil Männer fast alle Energie in das Finden und Überzeugen von Partnerinnen stecken müssten. Diese Zeit hätten sie später nicht mehr gehabt, weil ihre Kapazitäten in der Landwirtschaft gebunden gewesen seien.<a href="#_ftn9" name="_ftnref9">[9]</a></p>
<blockquote><p>&#8222;Vereinfacht gesagt, muss ein Mann besseren Zugang zu Sex (und damit Fortpflanzung) haben, damit er sich überhaupt dem Fortschritt zuwenden kann. Das Prinzip der Female Choice einzuschränken, war daher einer der für die Anfänge der Zivilisation wichtigste Schritt, den Männer am Übergang zur Sesshaftigkeit unternahmen. Die Landwirtschaft und mit ihr die Möglichkeit, Besitz anzuhäufen, gab ihnen ein Mittel, die Ressource Sex fast vollständig zu kontrollieren.“<a href="#_ftn10" name="_ftnref10">[10]</a></p></blockquote>
<p>Was war demzufolge also zuerst da? Der Fortschritt (= Landwirtschaft), der den Zugang zu Sex erleichterte, oder der leichte Zugang zu Sex, der den Fortschritt überhaupt erst ermöglichte? Damit lässt sie uns das gesamte Buch über allein. Aber auf diese Weise setzt Stoverock den Beginn des Patriarchats mit dem Übergang zur Sesshaftigkeit gleich! Ihre These klingt auf den ersten Blick vielleicht sogar plausibel &#8211; der Verlag hat es jedenfalls nicht bemerkt &#8211; aber sie lässt entscheidende Faktoren außer Acht: Es ist alter Konsens, dass es die Frauen waren, die als Expertinnen für Pflanzen die Landwirtschaft mit Hackbau, anfangs als Gartenbau, und damit die Sesshaftigkeit erfunden haben. Demnach begannen die Männer erst mit der viel späteren Erfindung des Pfluges, auf Feldern zu arbeiten. Dies deckt sich beispielsweise mit den Abbildungen aus Çatal Höyük, wo Männer stets jagend oder &#8211; viel seltener &#8211; mit Haustier abgebildet sind, während das Getreide durch in Vorratsbehältern abgelegte Frauenstatuetten in weiblichem Kontext steht. Die bekannteste dieser Schutzmutter-Figuren ist die <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/catal_hoeyuek_3.htm#gg" target="_blank" rel="noopener">Urmutter auf dem &#8222;Leopardenthron&#8220;</a> (Bild unten), eine zwischen zwei Großkatzen sitzende, den Körperformen nach deutlich ältere, nackte gebärende Frau. Aber das sind ja nach Stoverock alles nur &#8222;Sexpüppchen&#8220;.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4727 size-full" title="Urmutter auf dem 'Leopardenthron' bzw. Gebärstuhl" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/stea1.gif?resize=241%2C298&#038;ssl=1" alt="Urmutter auf dem 'Leopardenthron' bzw. Gebärstuhl" width="241" height="298" /></p>
<p>Insbesondere bleibt Stoverock eine Erklärung schuldig, wie es den ersten Patriarchen gelungen sei, alleine &#8211; denn Männer (demnach auch Brüder) standen ihrer These nach immer in aggressiver, sexueller Konkurrenz<a href="#_ftn11" name="_ftnref11">[11]</a> &#8211; große Häuser und bald ganze Siedlungen bauten, um ihrer Meinung nach dort die ersten Frauen in die Ehe zu zwingen. Sesshaftigkeit und Ackerbau als Fallenstellerei von Einzeltätern? In einer Siedlung treffen zudem viele fremde Männer aufeinander, was ihrer Logik zufolge unweigerlich auch Krieg bedeutet hätte. Hier sichert sie sich ab, indem sie behauptet, dass die Männer &#8222;<em>durch Maßnahmen der sesshaften Zivilisation zu umgänglichen, verlässlichen Familiengefährten</em>&#8222;<a href="#_ftn12" name="_ftnref12">[12]</a> geworden seien, und dass die Landwirtschaft den Männern <em>„das Leben erleichtert und mit Möglichkeiten gefüllt“</em><a href="#_ftn13" name="_ftnref13">[13]</a> habe. Und sie kommt zu dem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Ehe verbessert, mildert ab, lindert die fortschrittsfeindlichen Begleiterscheinungen der männlichen Sexualität.&#8220;<a href="#_ftn14" name="_ftnref14">[14]</a></p></blockquote>
<p>Ein erstaunliches Welt- und Männerbild offenbart sich da: Kulturlose, aggressive Wilde, die nur Sex im Kopf haben, aber keine Frau finden, die daher wie aus dem Nichts den Fortschritt, also die Landwirtschaft erfinden und Häuser bauen, um Frauen einzufangen, und dabei ihre Möglichkeiten entdecken und zivilisierte Gefährten der Frauen würden, aber ohne all das gar nicht fähig zur Erfindung der Landwirtschaft wären. Nun, schon jedes Opfer häuslicher Gewalt kann hier Einwände haben. Und es ist allgemein bekannt, was für eine Plackerei die Landwirtschaft ist, so sehr, dass sie sogar in der Genesis als Strafe genannt wird. Die Autorin erliegt vor allem einem Zirkelschluss.<br />
Das Loblied auf die Ehe und den Fortschritt zeugt nicht von Feminismus, sondern von einem fortschrittsgläubigen, konservativen Denken, das der Zeit der Industrialisierung entstammt. Wie sagte doch sogar Albert Einstein: <em>&#8222;Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt.&#8220;</em> Tatsächlich hat männlich kontrollierter Fortschritt Kinder erst unglücklich gemacht. Daher gibt es u. a. Feminismus.</p>
<p>Die Hypothese hat aber noch einen anderen Haken: zielführender wäre es doch gewesen, gar nicht erst mit dem Ackerbau anzufangen und die Frauen einfach zu <strong>rauben</strong>. Das hätte viel Arbeit gespart, und es hätte keinen Zeitmangel erzeugt, der die Fallenstellerei dieser Logik zufolge doch erst gerechtfertigt hat. Vor allem: diese aggressiven Männer wären „echte Männer“ geblieben, was doch sicher in ihrem Interesse gelegen hätte, so wie es auch heute ist. Wir werden aber noch sehen, dass diese einfachere Strategie tatsächlich Wirklichkeit geworden ist, jedoch einige tausend Jahre später &#8211; sind aber nur Details, gell?</p>
<p>Patrilokalität<a href="#_ftn15" name="_ftnref15">[15]</a> wird nicht dadurch hergestellt, dass wilde Frauen sesshaft werden wollen, um in der Landwirtschaft ihr Glück bei einem einzelnen Mann zu finden. Das ist vollkommen absurd. Eine freie Frau geht nicht durch ihre Female Choice freiwillig in die Knechtschaft. Auch war Landwirtschaft harte Arbeit, und sie beeindruckte nicht Frauen, sondern die Männer, die die Frauen bei der Arbeit sahen und von ihren Produkten profitierten. Patrilokalität muss durch Gewalt hergestellt werden, und sie ist selbst die Quelle weiterer Gewalt. Dass diese Gewalt von viehnomadischen Kriegern ausging, und nicht von Ackerbauern, konnten die Archäologie und die Genetik längst nachweisen. Zahllose Quellen sind dazu zu finden, die übrigens <strong>nur</strong> die Patriarchatsforschung zusammengetragen hat, um das in der Fachwelt fehlende Gesamtbild mit der Masse neuer Studien zusammenzusetzen. Diese Quellen zeigen vor allem eins: die Gewalt begann mit <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/frauenraub.htm" target="_blank" rel="noopener">Frauenraub</a>, und zwar nicht durch ackerbauende Incels, sondern durch Männer, die Land erobern wollten und verlässliche Helfer rekrutieren mussten, zu denen sie ihre Söhne machten. Erst in Monogamie haben Männer Triebstau erlebt und wurden aggressiv gegen die Frauen, die sich ihnen aufgrund ihrer Female Choice verweigerten. Die Aggression ist, wie wir noch sehen werden, vor allem Folge der patriarchalen kinder- und frauenfeindlichen Lebensführung. Ehemänner sind nicht weniger aggressiv als andere Männer, denn die Female Choice endet nicht an der Haustür. Das aber sagt Stoverock mit ihrer Hypothese aus, auch wenn sie es selbst besser weiß.</p>
<p>Auf geradezu kindliche Weise stellt Stoverock sich vor, wie die Viehzucht entstanden sei:</p>
<blockquote><p>&#8222;Im Laufe der Zeit wird aus dem Verfolgen der Viehherden ein Begleiten und noch etwas später aus dem Begleiten ein Zähmen. Die Menschen leben jetzt als Pastoralnomaden, was bedeutet, dass sie mit zahmen Viehherden auf der Suche nach natürlichen Weidegründen umherziehen. Doch erst als es gelingt, dass auch Nahrungspflanzen für die Rinder und Ziegen anzubauen, sind die Umstände geschaffen, dauerhaft an einem Ort zu bleiben und sesshaft zu werden. Erste Anzeichen für Ackerbau finden sich zwar ab 10.000 v. Chr., aber bis die Bewirtschaftung der Felder ganzjährig gelingt, um daraus den vollständigen Nahrungsbedarf der Menschen und ihrer Nutztiere zu decken, dauert es eine ganze Weile.&#8220;<a href="#_ftn16" name="_ftnref16">[16]</a></p></blockquote>
<p>Sie behauptet hier nun unvermittelt, dass die Viehzucht und nicht der Ackerbau zur Sesshaftwerdung führte, und zwar um die Herden zu ernähren, eine totale Umkehr jeder Logik. Sie vermischt dabei das von ihr fragmentierte Wissen der Patriarchatsforschung, nach der das Patriarchat mit der Viehzucht begann, mit der Theorie der sog. Neolithischen Revolution (NR). Sie ignoriert dabei die Chronologie der NR &#8211; sind ja alles &#8222;nur Details&#8220; -, nach der Wildbeuterinnen zunächst zum Anbau von Getreide übergingen &#8211; und zwar lange bevor Männer begannen, Tiere zu zähmen. Die Menschen wurden also über ihre Mütter sesshaft, und erst nachdem Jagdwild aufgrund eines Klimawandels zurückging, wurden auch erste Tiere gehalten. Der bislang älteste Getreidespeicher ist ca. 11.300 Jahre alt und wurde in Dhra‘ (Jordanien) gefunden<a href="#_ftn17" name="_ftnref17">[17]</a>, ein Ort, der im Gebiet des sog. Fruchtbaren Halbmondes liegt. Die Grabung brachte mehrere Gebäudestrukturen zutage, die auch als Wohngebäude anzusprechen sind. Es gibt dort keine Anzeichen von Viehhaltung oder Viehzucht, weshalb auch davon gesprochen wird, dass eine &#8222;Jäger-Sammlergesellschaft&#8220; dort sesshaft wurde und nicht Viehzüchter.<br />
Dies deckt sich wiederum mit den Funden aus Çatal Höyük, wo nur die Jagd und die Haltung einzelner Tiere aber keine Tierzucht nachgewiesen werden kann, und zwar mit den Methoden der Genetik, die allenfalls die Spuren erster Domestizierung (Einpferchung) findet. Natürlich wurden diese Tiere gefüttert, aber nicht mit dem kostbaren Getreide, sondern mit Stroh, Speiseresten und dem Gras, das im Flusstal rund um Çatal Höyük reichlich vorhanden war und die natürliche Ernährung dieser Tierarten ist.</p>
<p>Die Kultur ist maßgeblich das Ergebnis mütterlicher Arbeit und hat unter Matrifokalität ein vergleichsweise hohes Maß erreicht. Fast alle wichtigen Erfindungen wurden aus der Matrifokalität heraus von Frauen gemacht. Als Männer die Sache gewaltsam übernahmen, entwickelte sich der Segen zunehmend zum Fluch, und das mit einer sehr starken Dynamik. Das könnte ein Hinweis für die Richtigkeit obiger Behauptung sein, aber dass die männliche Technologie durch mehr Sex für Incels entstand, besser werde oder gar erst zum Guten wendet, daran müssen wir leider erhebliche Zweifel haben, denn die wesentliche Technologie, mit der das Patriarchat entstand, war die Tierzucht, also die Unterwerfung der Female Choice der Tiere.</p>
<h2 id="die-maslowsche-beduerfnispyramide">Die Maslowsche Bedürfnispyramide</h2>
<p>Stoverock glaubt fest an die natürliche Hierarchie unter Männern, die „<em>für fast alle männlichen Säugetiere die natürliche Lebensweise</em>“<a href="#_ftn18" name="_ftnref18">[18]</a> sei. Dabei trifft sie leider keine Aussage, ob die Männer einer Hierarchie miteinander verwandt sind oder Fremde. Es erschiene ihnen aber „<em>so selbstverständlich, Hierarchien zu bilden, dass ihnen andere Lebensweisen auch dann nicht in den Sinn kommen, wenn sie selbst die Schlusslichter der Hierarchie sind.</em>“<a href="#_ftn19" name="_ftnref19">[19]</a> Die These ist nicht ohne Reiz, wenn wir sie z. B. an Fußballclubs und ihren Ultras überprüfen; wir befinden uns da aber im Patriarchat, das von seinen Hierarchien lebt. An anderer Stelle zitiert sie John Steinbeck: &#8222;<em>Die ausgebeuteten Arbeiter sehen sich nicht als ausgebeutete Arbeiter, sondern als vorübergehend in die Klemme geratene Kapitalisten.</em>&#8222;<a href="#_ftn20" name="_ftnref20">[20]</a> Steinbeck beschrieb hier die amerikanische Gesellschaft und zeichnete dabei ein Bild, das heute die SPD abgibt, und das ist nicht unsere Natur, sondern das Patriarchat einer satten, demokratischen, neoliberalen Wohlfahrtsgesellschaft, die um der Teilhabe an der Macht willen alles mitspielt, aber keine neuen Impulse mehr setzen kann.<br />
Angst macht ihr insbesondere die Gruppe der aggressiven, organisierten Incels.<br />
Stoverock untermauert ihre Behauptung mit der sog. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnishierarchie" target="_blank" rel="noopener">Maslowschen Bedürfnispyramide</a><a href="#_ftn21" name="_ftnref21">[21]</a>, ein psychologisches Denkmodell, das in letzter Zeit in den Sozialen Medien regelrecht Karriere gemacht hat und das sie deshalb als allgemein bekannt voraussetzen kann.</p>
<p><a title="PNG by Philipp Guttmann, SVG by Jüppsche, Public domain, via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Einfache_Bed%C3%BCrfnishierarchie_nach_Maslow.svg"><img decoding="async" class="aligncenter" title="Einfache Bedürfnishierarchie nach Maslow" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/98/Einfache_Bed%C3%BCrfnishierarchie_nach_Maslow.svg/512px-Einfache_Bed%C3%BCrfnishierarchie_nach_Maslow.svg.png" alt="Einfache Bedürfnishierarchie nach Maslow" width="512" height="443" /></a></p>
<p>Das Denkmodell stammt jedoch aus den Neunzehnhundertvierziger Jahren und wurde vom Autor und seinen Nachfolgern auch weiterentwickelt. <strong>Es gilt in der Soziologie aber zurecht als veraltet.</strong> Das Wiederaufleben dieser Theorie gerade in diesen Zeiten ist daher bemerkenswert und Stoverock tut so, als handele es sich um einen soziologischen Standard.<br />
Ich beschreibe kurz, worum es geht: Die Pyramide geht von hierarchischen Bedürfnissen in 5 Stufen aus. Die unterste Stufe 1 enthält die physiologischen Bedürfnisse wie Hunger, Durst, Schlaf und Sexualität. Stufe 2 enthält die Sicherheitsbedürfnisse mit Geborgenheit und Schutz, Stufe 3 steht für die sozialen Bedürfnisse wie Zugehörigkeitsgefühl und Freundschaft, Stufe 4 meint die Wertschätzung mit dem Bedürfnis nach Anerkennung und Status und Stufe 5 ganz oben steht für die Selbstverwirklichung mit der Entfaltung der Persönlichkeit.<br />
Die Form der Pyramide wurde allerdings nicht von Maslow selbst gewählt, sondern geht auf eine Falschinterpretation seiner Nachfolger zurück, und u. a. darin liegt die Schwäche des Modells. Stoverocks einzige Kritik ist:</p>
<blockquote><p>&#8222;Das Problem ist, dass das Bedürfnismodell von einer gewissen Gleichheit der Menschen ausgeht. Doch die Bedürfnisse der Menschen und besonders diejenigen von Männern und Frauen stehen nicht an gleicher Stelle in der Pyramide.&#8220;<a href="#_ftn22" name="_ftnref22">[22]</a></p></blockquote>
<p>Ja, die Menschen sind verschieden, aber da wäre noch mehr: Die Pyramide bildet die Bedürfnisse des von seinen Urbedürfnissen abgeschnittenen Menschen im Patriarchat ab und nicht die Lebenswirklichkeit der Urmenschen. Sie unterscheidet nicht zwischen natürlicher und kultureller Evolution, die genaugenommen auch keine Stufen kennt, sondern nur Zeit und Raum. Wenn wir das Wesen der Female Choice und ihre Wirkung erfassen wollen, müssen wir in der Zeit sehr weit hinter die Landwirtschaft zurückgehen und da ist immer weniger Kultur.</p>
<p>Anerkennung und Status (Stufe 4) gehören dann nicht zu den menschlichen Urbedürfnissen, sie sind eine später kulturell erworbene Größe, und zwar des Patriarchats, und haben unter der über 3 Millionen Jahre alten Matrifokalität keine bewusste Bedeutung. Denn im Sozialverband der mütterlichen Sippe erhalten alle Kinder die gleiche Anerkennung und wachsen derart gestärkt mit ihren spezifischen Talenten in die Sippe hinein. Nicht durch Rangkämpfe, sondern aufgrund von besonderen Fähigkeiten erlangen sie auch besondere Autorität auf ihren Spezialgebieten. Autorität ist aber kein explizites Lebensziel, kein Bedürfnis, sondern hat Gruppenfunktion, und sie entsteht im Gegensatz zur Hierarchie im Miteinander, nicht im Gegeneinander, und wird daher nicht mit Gewalt hergestellt und erhalten.<br />
Wer Verantwortung trägt, hat auch mehr Arbeit und bekanntlich sind Menschen &#8222;faul&#8220;. Wer talentiert ist, empfindet die entsprechende Arbeit jedoch nicht als belastend oder als Privileg, sondern als Befriedigung des Bedürfnisses nach Selbstentfaltung. Das ist aber auch nicht so egoistisch wie es aussieht, sondern es dient wiederum der Gruppe. Die Gruppe wird jemanden zurückpfeifen, der daraus irgendwelche besonderen Vorteile ableiten würde oder der Gruppe schaden würde. Das angeborene Gefühl des Neides, eng verwandt mit dem Gerechtigkeitsgefühl, dient dieser Kontrolle und dem Schutz der Egalität, deren Wesen die Abwesenheit von Hierarchie ist. Neid ist das Gefühl der Hilflosigkeit, Gerechtigkeit herzustellen und Hierarchien aufzulösen, und ist daher im Patriarchat geächtet und doch an der Tagesordnung. Neid ist aber auch ein Antrieb des Patriarchats, der Motor des Wettbewerbes und wird daher geschürt. Männer, die dagegen wie selbstverständlich Hierarchien anzuerkennen scheinen, sehen für sich keine Vorteile, da oben zu stehen, sondern Vorteile, am Erfolg teilhaben zu können. Sie wissen, dass man da unten weniger Verantwortung tragen muss und im Grunde mehr Spaß hat, weil da einfach mehr nette Leute sind. Männer können sich zudem damit begnügen, ihr vom Patriarchat geschaffenes Machtbedürfnis an den ihnen nahestehenden Frauen und Kindern auszuleben. Im Grunde sind sie Rosinenpicker, sie genießen die Vorteile von Patriarchat UND können ihre angeborenen Urbedürfnisse weitgehend ausleben.<br />
Die Stufe 4 der Bedürfnispyramide (Anerkennung und Status) ist Ergebnis der typisch patriarchalen Bedürfnisschaffung, mit der die Hierarchie sich selbst legitimiert. Sie verschmilzt daher meist mit Stufe 5, denn im hohen Status fühlen sich Patriarchen selbstverwirklicht.</p>
<p>Die Bedürfnispyramide als Ganzes ist an einem erwachsenen Einzelkämpfer orientiert, der sich aggressiv durchs Leben schlagen muss und dem nichts geschenkt wird:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Aggressivität, mit der Menschen um die Erfüllung eines Bedürfnisses kämpfen, hängt von seiner Position in der Pyramide ab und damit seiner Notwendigkeit ab.&#8220;<a href="#_ftn23" name="_ftnref23">[23]</a></p></blockquote>
<p>Das suggeriert also: Ein Mensch (oder gleich &#8222;Mann&#8220;?), der Hunger und keinen Sex hat, wird ums Essen heftig kämpfen &#8211; sonst stirbt er &#8211; und eine Frau vergewaltigen &#8211; sonst stirbt er aus (Stufe 1). Da er sich nicht sicher und geborgen fühlt (Stufe 2), muss er kämpfen. Weil er einsam ist, muss er um Freunde kämpfen (Stufe 3), aber bitte nicht zu heftig. Weil er keine Anerkennung hat (Stufe 4), kann er zwar irgendwie leben, aber er wird dennoch darum kämpfen, aber nicht mehr so heftig. Und es müsste schon viel passieren, dass er sich aufrafft, um um die Entfaltung seiner Persönlichkeit zu kämpfen (Stufe 5).<br />
Damit wäre es erstaunlich, dass ein solch aggressiver Loser überhaupt eine Frau und Freunde gefunden hat und dann auch noch zu Kultur fähig wurde. Und weil Stoverock das offenbar auch findet, meint sie, mit Sex müsste frau den Männern auch noch Beine machen. Das ist so hanebüchen wie falsch.</p>
<p>Stoverocks Theorie baut auf tönernen Füßen, auf Hypothesen, die nicht in den tatsächlichen Funden und Befunden gespiegelt sind. Sie baut vor allem auf einem grundsätzlichen Unverständnis der Matrifokalität, die bei <em>Homo Sapiens</em> durch die Female Choice in einem wechselseitigen Prozess hergestellt und bewahrt wird. Die Bedürfnispyramide fällt nämlich unter egalitären Bedingungen in sich zusammen.<br />
So ist der Autorin leider nicht aufgefallen, dass die Reihenfolge der Stufen falsch ist und den Menschen nicht zuerst als <strong>soziales Wesen</strong> darstellt. Wir erinnern uns, Stufe 2 enthält die Sicherheitsbedürfnisse mit Geborgenheit und Schutz, Stufe 3 erst steht für die sozialen Bedürfnisse wie Zugehörigkeitsgefühl und Freundschaft. Aber es ist anders. Der Mensch &#8211; und schon gar nicht der Mann &#8211; entsteht nicht durch Selbsterzeugung, auch wenn die Genesis das behauptet. Das Kind wird geboren und die Mutter und ihre Angehörigen sind schon da. Ohne diese Voraussetzung würde ein Kind von Tieren gefressen (Stufe 2), noch bevor es irgendetwas zu sich genommen hätte (Stufe1). Dass ein Kind anerkannt wird (Stufe 4), äußert sich darin, dass es Geborgenheit und Schutz erfährt (Stufe 2), und zwar durch seine Angehörigen (Stufe 3) und schließlich, dass es von ihnen etwas zu essen bekommt (Stufe 1)! Stufe 2, 3 und 4 sind untrennbar und gehören an die Basis. Es ist das Wesen des menschlichen Sozialverbandes, dass die Basis nicht das Essen, sondern die Geburt des Menschenkindes in die Gemeinschaft ist, wo es lebenslang aufgehoben ist. Wäre es nicht von den Angehörigen anerkannt und beschützt, dann stürbe es, daher ist das Zugehörigkeitsgefühl der stärkste Trieb und nicht die Sexualität. Das Zugehörigkeitsgefühl ist den Menschen in die Wiege gelegt und wirkt von Beginn an, während die Sexualität viel später erst Bedeutung bekommt, so wie sie auch erst spät in der Evolution aufgetaucht ist. Ohne die Gemeinschaft würde auch eine erwachsene Person nicht lange überleben. Alles, was die Zugehörigkeit infrage stellt, macht Menschen existentielle Angst, nicht aber ein Mangel an Sexualität. Erst in der Isolierung der Menschen im Patriarchat wird Anerkennung zu einem Wert, und dabei sogleich zu einem Fetisch, der sogar noch über dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit stehen kann. Die Sexualität ist erst im Patriarchat an die nackte Existenz, an das Aufgehoben sein in eine Familie und damit auch wirtschaftliches Auskommen gekoppelt, und das macht sie dann so wichtig.</p>
<p>Die Bedürfnispyramide braucht Stoverock für ihre Behauptung, dass Männer freien Zugang zu Sex brauchen, um den Fortschritt überhaupt vorantreiben zu können<a href="#_ftn24" name="_ftnref24">[24]</a> und sie liebt den Fortschritt und die Segnungen des Patriarchats. Die Female Choice, so glaubt sie, mache es Männern schwer, ihr Sex-Bedürfnis zu leben. Und deshalb hat sie Angst vor sich selbst als Frau, Feministin und Evolutionsbiologin:</p>
<blockquote><p>&#8222;Ich plädiere folglich nicht für eine Rückkehr zum <em>Female-Choice</em>-Prinzip in seiner Reinform. Denn Fortschritt, friedliches Zusammenleben und hohe Sexualkonkurrenz schließen sich ab einem gewissen Grad aus. Die Unterdrückung der weiblichen Sexualität hat unsere Zivilisation erst entstehen lassen. Es besteht deshalb die Gefahr, dass uns alle zivilisatorischen Errungenschaften um die Ohren fliegen, wenn wir die Unterdrückung ohne zusätzliche Sicherheitsnetze aufheben.&#8220;<a href="#_ftn25" name="_ftnref25">[25]</a></p></blockquote>
<p>Es ist erstaunlich: da wird es der Menschheit gerade erst bewusst, wohin uns &#8222;die Zivilisation&#8220; gebracht hat, nämlich an den Rand des Abgrundes, da feiert Frau Dr. Stoverock das Patriarchat und seine Errungenschaften, weil sie glaubt, dass es ohne Patriarchat mehr Krieg und Gewalt gäbe, wir dazu in großer Kulturlosigkeit unser Leben fristen müssten, ja die Abschaffung des Patriarchats uns in den Abgrund triebe. Das ist schon ein krasser Fall des Kollektiven Stockholm-Syndroms (nach Stephanie Gogolin), das Menschen dazu bringt, mit dem System zu kooperieren!</p>
<p>Würde die Behauptung stimmen, wäre die Kultur quasi ein Nebenprodukt der Fortpflanzung, das Baby des gebärenden Mannes. Das lässt eine Patriarchatsforscherin, die sich mit dem männlichen Gebärneid auskennt, aufmerken, z.B. mich. Männer werden einen solchen Zusammenhang sicher überraschend finden. Und auch ganz normale Frauen wissen: So mancher Heimwerker hat über seiner Tüftelei seine Frau völlig vergessen, die Anerkennung im Bastelclub war ihm wichtiger.<br />
Was treibt Stoverock an? Nur die Verkaufszahlen ihres Buches? Oder will sie den Männern Sex liefern, damit sie Erfindungen machen? Dann würde sie sich einreihen in die Phalanx der Antreiber, Sklavenhalter und Kapitalisten, den Befürwortern der Leistungsgesellschaft, den Neoliberalen.</p>
<p>Es ist natürlich richtig, dass Menschen im Patriarchat weniger um Anerkennung kämpfen würden als um Nahrung, wenn von Letzterer nicht genug vorhanden wäre. Die Methode &#8222;Brot und Spiele&#8220; &#8211; also &#8222;Nahrung&#8220; und &#8222;Gemeinschaftsgefühl&#8220; &#8211; zur Herstellung von Ruhe im Staat und der Sicherung der Macht würde aber nicht funktionieren, wären satte und lustige Menschen automatisch auch mehr an Wertschätzung, also Status und Anerkennung interessiert. Zwar identifizieren sich beispielsweise Fußballfans mit ihrer siegreichen Mannschaft, halten aber auch zu ihr, wenn sie verliert. Sie wünschen sich, dass sie gewinnt und fühlen sich als Gewinner, aber es steht nicht der persönliche Status im Vordergrund, sondern das Gruppenerlebnis.</p>
<p>Weil wir davon ausgehen können, dass Menschen in vorpatriarchaler Zeit mit sich selbst eins waren, nicht unterdrückt wurden und schon kleine Kinder eine maximale Bedürfnisbefriedigung erleben durften, illustriert diese Pyramide vor allem die Bedürftigkeit der Menschen im Patriarchat, und in der Tat, vor allem des patriarchalen Mannes. Es ist ja schon ein Grundbedürfnis des Patriarchen, alles in Hierarchien zu ordnen, im Grunde die Stufe 0 der Pyramide, der geistige Boden, auf dem sie wächst. Es ist das Körperlose oder sagen wir, die göttliche Ordnung, die die Basis der patriarchalen Ideologie ist. In der göttlichen Hierarchie der Könige steht Gott an oberster Stelle, weil sich dort der König befindet, der sich mit Gott gleichsetzt, sozusagen seine &#8222;Selbstverwirklichung&#8220;. Damit ist verschleiert, dass auch die Menschen ganz unten fest auf dem geistigen Boden des Patriarchats stehen und es nicht nur unfreiwillig stützen, sondern selbst Täter sind. „Mutter Erde“ als ursprüngliche Einheit von Körper und Geist ist gewaltsam besetzt.<br />
Die Patriarchen dieser Welt beweisen: da ganz oben wird die Gier und Aggressivität immer größer, ja sogar Atombomben kommen zum Einsatz. Die da unten reagieren ihren Frust mit der Faust oder ihrem Geschlechtsteil an anderen ab, ohne dass sie damit etwas Substantielles erreichen würden.</p>
<h2 id="gewalt-und-sex">Gewalt und Sex</h2>
<p>Die Hierarchie ist nicht egalitär wie es die urmenschlichen Bedürfnisse aber sind. Sie widerspricht dem angeborenen Gerechtigkeitsempfinden. Stoverocks Liebe zur Hierarchie gipfelt in der biologistischen Erklärung für Vergewaltigung, die beinahe einer Entschuldigung gleich kommt. Gewalt sei eine Lösung<a href="#_ftn26" name="_ftnref26">[26]</a>, wenn Männer die ihnen zustehende Anerkennung und damit Sex nicht bekommen. Da ist die Natur offenbar selbst Schuld, wenn Frauen Gewalt angetan wird!</p>
<blockquote><p>&#8222;Das Geschlecht, dessen Reproduktionsstrategie Rücksichtslosigkeit und Aggressivität beinhaltet, steht in der Natur einem Fortpflanzungssystem gegenüber, in dem sein Paarungstrieb kaum befriedigt wird. Man muss kein Genie sein, um vorauszusehen, dass das früher oder später zu Problemen führt.&#8220;<a href="#_ftn27" name="_ftnref27">[27]</a></p></blockquote>
<p>Ihre Aussage untermauert sie mit ethnologischen Untersuchungen an den &#8222;Buschleuten&#8220; der Kalahari, die diese Probleme gemeistert zu haben scheinen:</p>
<blockquote><p>&#8222;Bei den San ist die Gruppe ein wichtiges Regulativ. Gewalttätige Auseinandersetzungen oder Misshandlungen von Schwächeren werden in der Regel durch die Gruppe unterbunden. Daran ändert sich erst nach der Erfindung der Landwirtschaft etwas.&#8220;<a href="#_ftn28" name="_ftnref28">[28]</a></p></blockquote>
<p>Das alles ruft nicht nur meine Empörung hervor, es ist auch falsch. Gewalt ist im menschlichen Sozialverhalten nicht als angeborenes sexuelles Verhalten verankert, sie widerspricht der freien Female Choice, die einen so hohen Stellenwert in der Evolution hat, ja ihr Grundprinzip ist, dass es &#8222;verlorene Liebesmüh&#8220; wäre, dagegen anzukämpfen. Daher ist Gewalt auch allgemein unerwünscht, und <em>nicht eine</em> Frau wird durch Vergewaltigung von den &#8222;Fähigkeiten&#8220; eines Mannes überzeugt!<br />
<strong>Eine matrifokale Sippe unterbindet nicht ständig aktiv Gewalt, sondern liefert erst gar keinen Nährboden für Gewalt, weil sexuelle Frustration nicht regelhaft ist, wie Stoverock das postuliert.</strong> Im Gegenteil, erst die erzwungene Monogamie der Frau entzieht sie dem Pool potentieller Sex-Partnerinnen. Mehr freie Frauen bedeutet insbesondere für &#8222;Beta-Männer&#8220; mehr Gelegenheiten. Bei den San ist die Matrifokalität schon durch den Einfluss von Missionaren (mit den vielsagenden Titeln &#8222;Pastor&#8220;, &#8222;Hirte&#8220;) aufgeweicht, so dass die Vaterschaft und damit die Partnerschaft zwischen Mann und Frau Bedeutung bekommen hat. Es leben also auch fremde Männer mit in der Gruppe, die jetzt regelmäßig einschreiten muss, wenn sie aneinandergeraten. Das weiß und bemerkt Stoverock nicht, denn sie schreibt ja ausdrücklich, dass das Patriarchat erst mit der Erfindung der Landwirtschaft aufkäme. Aber sie liefert sich die Begründung dafür, dass Männern geholfen werden müsse, damit es keine Gewalt gibt.</p>
<p>Ihre ganze Sorge gilt nicht den Frauen, deren Sexualität im Patriarchat fast auf den Nullpunkt gedrückt wird, sondern den Männern, die keine Frau finden, und zwar nicht nur im Patriarchat des Hier und Jetzt, sondern angeblich auch schon in der Urzeit:</p>
<blockquote><p>&#8222;Man mag sich fragen, wer sich diesen dysfunktionalen Mist ausgedacht hat, und wie er sich so sehr ausbreiten konnte. Der Grund dafür liegt darin, dass kein anderer Mechanismus der Evolution so antriebt wie das strenge Aussiebungsverfahren der Weibchen. Der Kampf um ihre kostbaren Eizellen erzeugt einen so hohen Selektionsdruck auf die Männchen, dass er letztlich die Gene hervorbringt, die eine Population widerstandfähig und flexibel machen. Und das so effizient, dass es im Lauf der Jahrmillionen keinen Grund gab, etwas daran zu ändern, auch wenn ein Großteil der Männchen frustriert und kinderlos stirbt. <em>Female Choice</em> und speziell der Sexuelle Konflikt mögen klingen wie die Idee eines verrückten Erfinders, sind aber das stabilste und am weitesten verbreitete Fortpflanzungsmodell überhaupt.&#8220;<a href="#_ftn29" name="_ftnref29">[29]</a></p></blockquote>
<p>An dieser Stelle wäre ein kleiner Hinweis, dass die Evolution absichtslos ist, schon sinnvoll gewesen. Die Vermenschlichung der Evolution grenzte tatsächlich fast schon an eine Verschwörungstheorie, wäre die Autorin nicht einfach von einem naiven, aber fehlgeleiteten Gerechtigkeitsgefühl getrieben.<br />
Für die evolutionären Vorgänge spielt es keine Rolle, ob sich ein bestimmtes Männchen fortpflanzt, sie gehen trotzdem weiter. Woher will Stoverock auch wissen, dass alle Männchen traurig sind, wenn sie kinderlos sterben? Derartige Gefühle können nur entstehen, wenn im ersten Schritt Väter wissen können, dass sie Vater werden können und sich im zweiten Schritt sicher sein können, dass sie Vater geworden sind oder nicht. Sie müssen im dritten Schritt ein Gefühl für ihre Lebensspanne haben, um ermessen zu können, dass sie keine Kinder mehr haben werden. Im vierten Schritt müssen sie an ihre Vaterschaft einen Wert knüpfen.<br />
Sicher ist doch nur, dass Männchen hartnäckig sind und es so lange probieren, sich fortzupflanzen, bis sie sterben. Diese &#8222;Hoffnung&#8220; geben sie nie auf, ohne dass es sich wie Hoffnung anfühlen muss. Auch ob sexuelle Frustration sozusagen zum Alltag von Männchen gehört, darf bezweifelt werden, auch wenn es sicher häufig vorkommt, dass sie warten müssen, bis sie dran sind. Offenbar hat es sie Millionen von Jahren eben NICHT gestört! Eine starke Frustration könnte zu Aggression gegen die Weibchen führen, ja. Aber dennoch sind männliche Tiere nur selten aggressiv gegen Weibchen. Dass männliche Tiere weibliche hassen, ist sowieso völlig undenkbar. Wir müssen sogar davon ausgehen, dass es der Mensch selbst ist, der solche Beobachtungen erst ermöglicht: durch die Zerstörung und Eingrenzung der natürlichen Habitate, durch Ermordung der erfahrenen Tiere einer Gruppe und letztlich durch Projektion.</p>
<p>Wie jedes Gefühl ist auch das Gefühl der Frustration evolutionär über Hormone gesteuert, so dass es denkbar ist, dass „Beta-Männchen“ sozusagen hormonell gedimmt werden. Bei vielen Arten tun sich Jungmännchen zusammen, ohne aggressiv gegen Weibchen vorzugehen. Das muss noch genauer erforscht werden. Und ist es nicht das Patriarchat selbst, das „Beta-Männer“ kleiner redet als sie sind? Wird das weibliche Interesse an ihnen nicht auch gebremst, weil Incels sich selbst unattraktiv machen, durch ihr Gehabe, ihre Uniformen und ihre Sprüche? Haben Eltern im Patriarchat der westlichen Gegenwart, wo nicht mehr Patrilokalität, sondern Neolokalität gelebt wird, nicht sogar ein Interesse daran, dass ihre Kinder Incels sind, weil sie sie dann nicht im Alter alleine lassen? Ist es nicht so, dass Eltern ihre Kinder zu Incels machen, indem sie ihnen eine verklemmte Sexualmoral anerziehen? Ist es nicht sogar auch so, dass es deshalb auch viele weibliche Incels gibt, um die sich keine selbsternannte Feministin sorgt?</p>
<h2 id="der-genetische-flaschenhals-der-jungsteinzeit">Der Genetische Flaschenhals der Jungsteinzeit</h2>
<p>Stoverock liefert konkrete Zahlen für das Ausmaß angeblicher männlicher Benachteiligung durch die Female Choice:</p>
<blockquote><p>&#8222;Eine grobe Faustregel besagt, dass 80% der geschlechtsreifen Weibchen nur 20% der Männchen ranlassen &#8211; dass also 80% der Männchen für Sex mit ihnen nicht in Frage kommen. Die müssen sich um die verbliebenen 20% der Weibchen prügeln. … Genetische Untersuchungen lassen darauf schließen, dass es bei unseren menschlichen Ahnen nicht anders war: Die heutige Weltbevölkerung hat ungefähr doppelt so viele weibliche wie männliche Vorfahren, in präkulturellen Zeiten haben sich also ungefähr 70% der Frauen mit 35% der Männer gepaart…. Das Verhältnis von 2:1 zugunsten der Frauen verschärfte sich nach der Erfindung der Landwirtschaft sogar noch auf unglaubliche 17:1.&#8220;<a href="#_ftn30" name="_ftnref30">[30]</a></p></blockquote>
<p>An anderer Stelle bläht sie den Wert noch einmal auf:</p>
<blockquote><p>&#8222;Denn das verschiebt sich nach der Entstehung der Landwirtschaft bis auf ein erbarmungsloses 95:5. Die Frauen wählen am Übergang zur Sesshaftigkeit nur noch eine verschwindend geringe Zahl der Männer als Partner aus. Ein internationales Forscherteam konnte 2015 anhand genetischer Studien nachweisen, dass … sich nur noch ein Bruchteil der Männer fortpflanzte.&#8220;<a href="#_ftn31" name="_ftnref31">[31]</a></p></blockquote>
<p>Sie suggeriert damit, dass es plötzlich eine ungeheure Menge an Incels gegeben haben muss, ein perfides Argument, das gar nicht so leicht zu durchschauen ist. Denn die Zahlen geben zunächst überhaupt nicht her, ob diese gigantische Abweichung tatsächlich auf wenige, alles absahnende Alpha-Männer zurückgeht, also auf viel mehr Incels hinweist, oder darauf, dass die Zahl der Männer stark zurückging. Angesichts des Wesens der Female Choice, nach der eine Frau viele Männer haben will und eben nicht nur ein einziges Alpha-Männchen, kann so oder so nicht davon die Rede sein, dass sich die Lage zugunsten der Frau entwickelte!</p>
<p>Wir müssen angesichts ihrer Behauptung noch einmal zur Entstehung der Landwirtschaft zurück. Wir erinnern uns, Stoverock behauptet, dass die Erfindung der Sesshaftigkeit und Landwirtschaft durch Männer die Ursache allen Übels, aber zugleich ein viel größerer Segen sei, und daher verlegt sie den Beginn des Patriarchats auf die Zeit &#8222;vor über 10.000 Jahren&#8220;. Es handelt sich bei den von ihr benutzten Zahlen um nicht weniger als die Entdeckung des sog. Genetischen Flaschenhalses durch die GenetikerInnen Karmin <em>et al.</em> im Jahre 2015<a href="#_ftn32" name="#_ftnref32"><strong>[32]</strong></a>. Es wird sich aber nicht nur zeigen, dass Frau Dr. Stoverock den Beginn des Patriarchats mal eben um mindestens 3000 Jahre verschoben hat, sondern auch, dass die Zahlen für ihre Incel-These unbrauchbar sind, und sie eine wesentliche, weiterführende Studie dazu ignoriert hat.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone wp-image-4730 size-medium" title="Genetischer Flaschenhals nach Karmin et al. 2015" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/41467_2018_4375_fig1.jpg?resize=300%2C137&#038;ssl=1" alt="Genetischer Flaschenhals nach Karmin et al. 2015" width="300" height="137" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/41467_2018_4375_fig1.jpg?resize=300%2C137&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/41467_2018_4375_fig1.jpg?resize=770%2C351&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/41467_2018_4375_fig1.jpg?w=900&amp;ssl=1 900w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><br />
Bildquelle: Karmin <em>et al.</em> 2015</p>
<p>Die Abbildung des Genetischen Flaschenhalses zeigt einen starken Abfall und Wiederanstieg der Vielfalt des Y-Chromosoms über einen Zeitraum von ca. 5000 Jahren (im Bild links), während die Mitochondrien-DNA (mtDNA, im Bild rechts) keinen nennenswerten Einbruch erfährt.<a href="#_ftn33" name="_ftnref33">[33]</a> Tatsächlich scheinen die Zahlen mit der Erfindung der Sesshaftigkeit und Landwirtschaft zu korrelieren.<br />
Schauen wir uns diese Studie, deren Diskussion der Ergebnisse und später auch die wichtige Rezeption durch die Genetiker Zeng <em>et al.</em> genauer an: In den Anhängen finden wir ein <a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/bin/supp_gr.186684.114_Supplemental_Figures.pdf" target="_blank" rel="noopener">PDF</a> (dort Seite 4), das die Gesamtansicht regional aufgespaltet zeigt, und daher deutlicher ist: Wir sehen, dass die Y-Kurve im Kernland der Neolithisierung, dem Fruchtbaren Halbmond im Nahen Osten, ganz langsam 11.300 Jahre vor heute zu sinken beginnt, zu der Zeit, wo im jordanischen Dhra‘ schon so viel Getreide angebaut wurde, dass ein ganzer Speicher gefüllt werden konnte, was bedeutet, dass die Sesshaftigkeit und Landwirtschaft viel noch früher eingesetzt haben müsste. Seinen Tiefpunkt erreicht der Flaschenhals ca. 3-4000 Jahre später. Von da an geht es sprunghaft wieder aufwärts, was ganz deutlich zeigt, dass auch da etwas Gravierendes passiert sein muss, aber das ignoriert Stoverock. Auch in Europa gibt es diesen Flaschenhals mit seinem steilen Wiederanstieg, jedoch deutlich später. Die Vielfalt der mtDNA steigt dem gegenüber vielerorts schon vor über 20.000 Jahren weltweit an, wofür die höhere Mutationsrate der mtDNA verantwortlich gemacht werden kann. Die Zahlen zeigen insgesamt nicht nur die Veränderungen der Vielfalt der Geschlechtschromosomen, sondern auch die Bevölkerungsentwicklung mit ihrem starken Zuwachs nach Überwindung des Flaschenhalses, denn in jüngerer Zeit explodiert auch die Vielfalt der mtDNA.<br />
Die AutorInnen halten die Natürliche Selektion als Ursache für den Abfall für unwahrscheinlich, da das gefundene Muster nicht auf einen einzelnen oder einige wenige Haplotypen beschränkt zu sein scheint, stattdessen sei sie auf einen geringeren Fortpflanzungserfolg in Rahmen eines kulturellen Wandels zurückzuführen.<br />
In einem populärwissenschaftlichen Online-Magazin äußern sich zwei Mitglieder des Studien-Teams zu ihren Vermutungen, was die Zahlen ausdrücken. Demnach wären die Männer nicht alle gestorben, sondern einige wenige Männer hätten Reichtum angehäuft und auf ihre Söhne vererbt und dadurch den Reproduktionserfolg ihrer Patrilinie gesteigert.<a href="#_ftn34" name="_ftnref34">[34]</a> Dem folgt Stoverock in ihrer Argumentation blind. Aber die MacherInnen der Studie haben sich nicht mit den grundsätzlichen Problemen bei der Interpretation solcher Zahlen beschäftigt, sondern lediglich spekuliert!<br />
In einer zweiten Studie im Jahre 2018 haben sich Zeng <em>et al.</em> diese 2015 gewonnen Daten noch einmal vorgenommen und gezeigt, wie schwer es ist, von solchen Zahlen auf tatsächliche Vorgänge zu schließen. Es mussten komplexe mathematische Modelle aufgesetzt werden, um sie näherungsweise richtig zu deuten. Sie führten den modellgestützten Nachweis, dass Krieg zwischen neuen Patrilinien die Ursache für den Flaschenhals sein müsste:</p>
<blockquote><p>„Here, bringing together anthropological theory, recent population genomic studies and mathematical models, we propose a sociocultural hypothesis, involving the formation of patrilineal kin groups and intergroup competition among these groups.“<a href="#_ftn35" name="_ftnref35">[35]</a></p></blockquote>
<p>Zeng <em>et al.</em> widersprechen Karmin <em>et al.</em> entschieden und erklären mit ihrer Studie, dass die Zahlen tatsächlich nur mit einer deutlich gesunkenen Anzahl der Männer, also mit ihrem Tod, erklärbar sind. Ihr wichtigstes Argument: Wenn soziale Unterschiede einen Rückgang der Y-Varianz erklären, warum steigt die tatsächliche Y-Varianz in genau dem Moment wieder an, als soziale Unterschiede überhaupt erst archäologisch greifbar werden? Zudem gehen die Mitochondrien der überlebenden Frauen in Westeurasien überwiegend auf eingewanderte Neolithikerinnen zurück, das heißt, dass die Y-Varianz schon lange vor der Einwanderung nach Europa abgenommen haben müsste und nicht erst am Zielort. Selbst die Ethnologie kann, wie die Autoren es anführen, nicht feststellen, dass regelmäßig ein Mann 17 Frauen monopolisiert.</p>
<p>Die Interpretation durch Zeng <em>et al.</em> wird von der Patriarchatsforschung um weitere Faktoren ergänzt: Der Tiefpunkt fällt mit dem Klimaereignis der sog. Misox-Schwankung zusammen, dem Zeitpunkt, wo die Steppe erstmals von Viehzüchtern besiedelt wird. Die wenigen überlebenden Männer verließen die Heimat zusammen mit den Tieren und begannen in der Steppe das Patriarchat zu errichten. Sprachwissenschaftlich und genetisch nachgewiesen vermischten sich dabei die Gene der Indigenen der Steppe und Waldsteppe mit denen der ausgewanderten Anatolier. Zudem kämpften nicht nur Patrilinien gegeneinander, sondern Patrilinien rotteten die indigenen, matrifokalen Männer aus, und weitere Effekte können hinzutreten wie Mangelernährung und Hunger einseitig durch Getreide und Missernten, Nahrungsraub oder die Schwerarbeit der Frauen, die zu Fehlgeburten und einer hohen Säuglingssterblichkeit bei den männlichen Kindern geführt haben kann. Ein insgesamt multifaktorielles Geschehen führte zu diesen Zahlen.</p>
<p>Statt dass Männer immer weniger Sex hatten, ist das Gegenteil der Fall: die Frauen hatten kaum noch Auswahl. Stoverock möchte aber, dass es den besitzenden Alpha-Mann gibt, auf den sich alle Frauen stürzen, weshalb es dann gigantisch viele Incels geben müsste. Sie geht sogar davon aus, dass im landwirtschaftlichen Patriarchat, also in der beginnenden Zivilisation nach ihrer Definition, die Female Choice noch einmal an Dynamik zugelegt hätte und dabei übers Ziel hinausschoss! Das ist wirklich mehr als erstaunlich, das ist absurd! Denn sie behauptet ja auch, dass der Mann erst durch die Einschränkung der Female Choice &#8222;zivilisiert&#8220; worden sei und begann am Fortschritt zu arbeiten:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die prähistorische Kunst gibt einen Hinweis darauf, dass sich in den Männern ein ganz neues Bedürfnis zu regen beginnt. Ein Impuls, der die Strukturen der künftigen Zivilisation stark prägen wird: Der Wunsch, die Kontrolle über die weibliche Sexualität zu erlangen. Doch als Nomaden haben Männer weder Möglichkeiten noch Kapazitäten, sich der weiblichen Sexualität zu bemächtigen. &#8230; Im Laufe der Zeit wird aus dem Verfolgen der Viehherden ein Begleiten &#8230; ein Zähmen &#8230; als es gelingt auch Nahrungspflanzen für die Rinder und Ziegen &#8230;&#8220;<a href="#_ftn36" name="#_ftnref36">[36]</a></p></blockquote>
<p>&#8230; soll die Landwirtschaft begonnen haben (wir kennen das bereits) &#8230;</p>
<blockquote><p>&#8222;Nur die intelligentesten und geschicktesten Männer kommen mit den Anforderungen der sich im Höllentempo verändernden Welt zurecht und können sich fortpflanzen. Das hat zur Folge, dass die Female Chocie den Mann jetzt mit ganzer Härte trifft &#8230; [der Genetische Flaschenhals] zeigt auch, dass zu diesem Zeitpunkt ganz offenbar die <em>Female Choice</em> noch in vollem Gange war &#8230; Der Rest der Männer starb in der neuen Lebensweise kinderlos. … Die Sesshaftwerdung bewirkt ein unbarmherziges Aussieben &#8230; Die Fortpflanzungssituation ist für Männer eine Katastrophe. Der ohnehin hohe sexuelle Selektionsdruck steigert sich durch den genetischen Flaschenhals bis ins Unermessliche. &#8230; Obwohl die Landwirtschaft das Leben so sehr erleichtert, stehen die ersten Bauernkulturen statt vor einer blühenden Zukunft vor der Barberei.&#8220;<a href="#_ftn37" name="_ftnref37">[37]</a></p></blockquote>
<p>Böse, böse Female Choice! Böse Frau! Das klingt wie die Urschuld Evas. Es handelt sich hier um eine Täter-Opfer-Umkehr &#8230; nicht die Männer, die sich gegenseitig hochrüsten und damit auch im Stich lassen, sind Schuld, sondern die Female Choice.<br />
Sie hält Gewalt für eine Lösung des Problems, aber es ist ihr doch lieber, wenn die Frauen sich selbst einschränken, damit der Alpha-Mann weiter unbehelligt am Fortschritt bauen kann. Das zeugt von einem grundlegenden Unverständnis der Female Choice, die Abwechslung liebt; dabei bleibt kein Mann ewig Alpha-Mann.</p>
<p>Es ist aber auch eine Tatsache, dass die Y-Varianz in patriarchalen Residenzformen stark absinkt. Die am nachhaltigsten patriarchalisierte Bevölkerung mit der höchsten Unterdrückungsrate der Female Choice finden wir immer noch bei den viehnomadischen Völkern Zentralasiens:</p>
<blockquote><p>&#8222;Central Asian pastoralists, who are organized into patriclans, have high levels of intergroup competition and demonstrate ethnolinguistic and population-genetic turnover down into the historical period. They also have a markedly lower diversity in Y-chromosomal lineages than nearby agriculturalists. In fact, Central Asians are the only population whose male effective population size has not recovered from the post-Neolithic bottleneck; it remains disproportionately reduced, compared to female estimates using mtDNA.&#8220;<a href="#_ftn38" name="_ftnref38">[38]</a></p></blockquote>
<p>Hier herrscht ein großer Männerüberschuss, weil Söhne bevorzugt werden, nur die ältesten das Erbe antreten und in Polygamie leben dürfen, und den Nicht-Erben obendrein ein Heiratsverbot auferlegt ist. Entsprechend erklären sich die wiederholten Raubzüge, die diese Völker in Richtung Westen unternahmen.<br />
Das ebenfalls zu beobachtende, <strong>leichte</strong> Absinken der Y-Varianz in der frühen, noch matrifokalen Landwirtschaft lässt sich wie gesehen nicht mit Kriegen erklären, sie hätten sofort einen wesentlich stärken Einschlag erzeugt. Es gibt andere Erklärungsansätze der Patriarchatsforschung:</p>
<ol id="liste1">
<li>Die in der Landwirtschaft arbeitenden Frauen hatten zu wenig Zeit, nach Männern zu suchen, nahmen daher erstmals fremde Männer als Dauergäste in die Sippe auf, schränkten damit aber ihre Female Choice selbst ein. Dies kann einen Einfluss auf die Geburtenzahl UND die absolute Zahl der Y-Varianten haben.</li>
<li>Etliche Männer, quer durch alle Haplogruppen, verließen die Sippen Richtung Steppe.</li>
<li>Fehlgeburten und hohe Säuglingssterblichkeit bei den männlichen Kindern.</li>
</ol>
<p>Ansatz 1 zufolge hätte ein Mann nach einer Weile wieder gehen müssen oder hätte sich einer interessierten Schwester zugewandt oder wäre auch ohne sexuelles Interesse der Frauen geduldet worden, hätte er sich anständig verhalten. Diese Lebensweise birgt die Gefahr, dass Männer nun ihre Vaterschaft wahrnehmen und irgendwann daraus Rechte ableiten. Zudem steigt die Gefahr sexueller Übergriffe.<br />
Im Ansatz 2 könnten die vorliegenden Daten bedeuten, dass die Patriarchalisierung in der Steppe früher stattgefunden hat. Denn eine Auswanderung anatolischer Männer in die Steppe ist wie erwähnt nachgewiesen worden.<br />
Ansatz 3 ist generell eine Folge der Landwirtschaft und unter Matrifokalität und im Patriarchat ähnlich hoch. Er zeigt vor allem an, wie erfolgreich die Landwirtschaft betrieben wurde und ob Überschüsse verbunden mit einer extrem hohen Arbeitsbelastung erbracht wurden.</p>
<p>Erinnern wir uns, es war Stoverock wichtig, darauf hinzuweisen, dass sie &#8222;<em>nicht für eine Rückkehr zum Female-Choice-Prinzip in seiner Reinform</em>&#8222;<a href="#_ftn39" name="_ftnref39">[39]</a> sei. Das Problem der Sesshaftigkeit ist aber nicht eine überbordende Female Choice, sondern das Gegenteil: Erst die Selbsteinschränkung, die mit einem Minus an Lebensfreude, dem Risiko der Partnerschaft und einer, wenn auch kleinen, Verarmung des männlichen Genoms einhergeht. Dann, als die Landwirtschaft von den Männern übernommen wird, eine starke Verarmung des männlichen Genoms. Die Vielfalt geht mit ihrer Unterdrückung relativ zurück, wird aber durch die ansteigende Bevölkerungszahl kompensiert, steigt also absolut an. Der evolutionäre Nutzen der Female Choice entfaltet sich aber bei weitem nicht nur bei den Geschlechtschromosomen, sondern im gesamten Genom, ein Effekt, der beide Geschlechter betrifft. Auch das Genom der Pflanzen und Tiere verarmt durch Domestikation und mehr noch durch ihre Zucht im Patriarchat.</p>
<p>Wir können nicht wissen, warum die Frauen der Jungsteinzeit keine besseren Bedingungen schaffen konnten. Hinterher ist frau aber immer schlauer. Die Lösung wäre gewesen, keine Männer in die Sippen aufzunehmen, sondern die Feldarbeit schon früh auch auf die Brüder zu verteilen. Wir könnten auch anders herum sagen: Wären die Brüder nicht so faul gewesen und hätten &#8211; statt sich weiter altsteinzeitlich bei der Jagd ein schöneres Leben zu machen und zuhause Kuchen zu essen &#8211; besser ihren Schwestern auf dem Feld geholfen. UND hätten die Schwestern wieder mehr gesammelt, hätte es für beide Seiten gleich viele Gelegenheiten für Sex gegeben. Nebenbei wäre die hohe Sammelkompetenz, das große Wissen über Pflanzen und Tiere, das durch die Landwirtschaft verloren gegangen ist, erhalten geblieben. Offenbar war die uralte, sexuelle Arbeitsteilung aber ein Hindernis.</p>
<p>Stoverock braucht den Genetischen Flaschenhals, um ein Schreckgespenst der Female Choice zu zeichnen. Sich damit näher zu befassen, hätte ihre These gefährdet. Sie gibt ihm auf Seite 90 nicht einmal einen Namen, und lagert das Problem zunächst in die Tierwelt aus, in Zahlen zu den Seeelefanten und Beobachtungen an Adeliepinguinen, Schimpansen und Bonobo.<a href="#_ftn40" name="_ftnref40">[40]</a> Schnell wechselt sie also wieder das Thema, kaum dass es auf dem Tapet ist, und wir müssen ihr folgen: Die Bonobo-Weibchen sollen sich aufgrund der Knappheit der Ressource Sex &#8222;einkaufen&#8220; lassen. Kurz, sie erklärt die weiblichen Tiere dieser Arten zu Prostituierten, die nicht aufgrund einer schönen Morgengabe ein talentiertes Männchen erkennen und begehren, sondern lediglich die Morgengabe begehren, und sie gegen Sex tauschen, wobei ihnen das Männchen egal ist. Eine derart frauenfeindliche Sicht auf die Weibchen sollten wir von einer Autorin, die sich der Female Choice verschrieben hat, nicht erwarten! Die Female Choice ist kein Tauschgeschäft, sondern ein grundsätzlicher, unveränderlicher Lebenseffekt.<br />
Hier zeigt sich besonders deutlich, wie wenig die Autorin die Female Choice selbst verstanden hat:</p>
<blockquote><p>&#8222;Bei einigen Watvögeln verhalten sich die Weibchen so wie es normalerweise die Männchen tun. Nach der Eiablage macht sich das Weibchen auf und davon, um sich mit weiteren Männchen zu paaren, während der erste Partner im wahrsten Sinne des Wortes auf den befruchteten Eiern sitzenbleibt, um sie auszubrüten. Gäbe es nicht diese wenigen Ausnahmen, könnte man die Female Choice ein Naturgesetz nennen, so unumstößlich wie die Erdanziehungskraft. Danke also für nichts, Watvögel und Seepferdchen.&#8220;<a href="#_ftn41" name="_ftnref41">[41]</a></p></blockquote>
<p>Es ist zum Heulen. Geht es bei der Female Choice nicht etwa darum, besonders viele verschiedene fähige Männchen zu finden? Ist die Strategie der Watvogelhennen etwa nicht die effektivste Art der Female Choice? Wir Menschen sind keine Vögel, und es ist nicht so, dass die Menschenfrauen ihre Female Choice zu Beginn der Landwirtschaft auf eben diese Weise ausgelebt hätten; sie haben ihre Kinder natürlich bei sich behalten. In die Logik, die Stoverock fährt, hätten die Watvogelhennen aber perfekt gepasst. Danke also für nichts, Frau Dr. Stoverock. Auf Seite 136 setzt sie noch einmal an und benennt den Genetischen Flaschenhals um der Dramatik willen, die ihr Kapitel &#8222;Die Stunde Null&#8220; abschließen soll, um zu nächsten Kapitel &#8222;Haben und Sein&#8220; überzuleiten.</p>
<h2 id="Maenner-die-frauen-bewachen-das-sog-mate-guarding">Männer, die Frauen bewachen? Das sog. <em>Mate Guarding</em></h2>
<p>Da wären aber noch die Reiskärpflinge, eine kleine Süßwasserfischart, an der Stoverock das sog. <em>Mate guarding</em> erklären will:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Männchen der Reiskärpflinge versuchen, sich stets so positionieren, dass das Weibchen etwaige Rivalen gar nicht sehen kann. Der Umstand, dass Weibchen für Männchen in erster Linie eine begrenzte Ressource sind, führt dazu, dass sie sie eifersüchtig bewachen. Nachdem sie sich die Zugriffsrechte durch Wettkampf untereinander geklärt haben, werden sie zu besitzergreifenden Hausherren, die versuchen, den Verlust der Ressource um jeden Preis zu verhindern.&#8220;<a href="#_ftn42" name="_ftnref42">[42]</a></p></blockquote>
<p>Das ist patriarchale Berichterstattung <em>par excellence</em>. Denken wir doch bitte die Female Choice konsequent, immer und immer wieder! Dann zeigt sich ein völlig anderes Bild: Es gibt in der Natur keine Zugriffsrechte, die unter den Männchen ausgefechtet werden! Es gibt nur das Weibchen, das ein Männchen gewählt hat, in diesem Fall das, welches im Kampf gewonnen hat. Es ist aber immer wieder zu beobachten, dass sich Weibchen am Rande des Kampfplatzes auch mit anderen Männchen paaren. Hören wir doch endlich auf mit der ewig androzentrischen Sicht auf die Tierwelt! Nicht die Weibchen sollen andere Rivalen nicht sehen, sondern umgekehrt, ein anderes Männchen als das gewählte soll das Weibchen nicht sehen, sie versteckt sich. Die Female Choice der Reiskärpflinge hat Männchen selektiert, die die Female Choice beschützen. Das ist keine Eifersucht, die mit einem Besitzrecht korrelieren würde, sondern eine Form der &#8222;Pflichterfüllung&#8220;. Dieses sog. <em>Mate Guarding</em> beschützt nicht die „Rechte“ des Männchens, sondern die Wahl des Weibchens. Würden sich andere Männchen in der Nähe aufhalten, könnte es passieren, dass vom Weibchen unerwünschtes Sperma die Eier erreicht.</p>
<p>Stoverock möchte gerne zeigen, dass die Female Choice auch im Patriarchat weiter wirksam ist, hierin liegt die Stärke und &#8211; wie könnte es jetzt noch anders sein &#8211; zugleich die große Schwäche des Buches. Es fällt ihr schwer, patriarchale Muster von denen der Evolution zu trennen:</p>
<blockquote><p>&#8222;Immer betreibt der Mann ein Riesentamtam, und die Holde muss nur ja sagen. Das spiegelt sich auch in unseren modernen Zeiten: Einer Umfrage zufolge sind 69% der Frauen gar nicht oder nur im Ausnahmefall dazu bereit, beim Flirten den ersten Schritt zu machen.&#8220;<a href="#_ftn43" name="_ftnref43">[43]</a></p></blockquote>
<p>Sie hält dies offenbar für natürlich. Aber natürlich gilt es im Patriarchat als unschicklich, wenn Frauen den ersten Schritt machen. Das ist deshalb so stark sanktioniert, weil die patriarchale Male Choice oberstes Gebot sein soll. Eine Frau, die wählt, ist unter der Würde des Patriarchen. Hier wird ihr unterstellt, sie wolle sich einen angeln, ihn festnageln, sie wolle nur sein Geld, sie sei nymphoman etc.. Tatsache ist, dass dieses Tabu großen Schaden anrichtet: viele Frauen bleiben &#8222;Incel&#8220; (die Alte Jungfer, das Mauerblümchen, der Blaustrumpf), weil sie einerseits immer nur Angebote ablehnen dürfen und andererseits Milchbubis, Nerds und Lauchs sich für Superhelden halten und daher nur auf Models stehen, um es einmal zugespitzt auszudrücken. Das Märchen von König Drosselbart lehrt schon kleine Mädchen, ihrem Gefühl nicht zu trauen und ein Angebot besser anzunehmen. Das Patriarchat hat aber auch dafür eine Lösung, und es würde mich nicht wundern, wenn Stoverock die Zwangsheirat für natürliches männliches Verhalten hält, wie auch das angebliche <em>Mate Guarding</em>, das sie unkritisch aus der Herrschenden Lehre übernimmt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Auch das <em>mate guarding</em> finden wir bei uns Menschen. Es zeigt sich im Extremfall an dem islamischen Verbot für Frauen, sich ohne männliche Begleitung an öffentlichen Plätzen aufzuhalten oder zu verreisen. Auch die Verschleierung dient seit rund dreitausend Jahren dazu, Frauen vor Blicken (und damit Versuchungen) anderer Männer zu verstecken.“<a href="#_ftn44" name="_ftnref44">[44]</a></p></blockquote>
<p>Sie liefert dazu auch Anekdotisches aus der Welt der Studien:</p>
<blockquote><p>&#8222;Auch hinsichtlich der Triebstärke gibt es Hinweise, die klare Unterschiede aufzeigen: Eine australische Studie aus dem Jahr 2011 ergab, dass 56% der Männer in Langzeitbeziehungen sich mehr Sex von ihren Partnerinnen wünschen, jedoch nur 28% der Frauen. 14% der Frauen hätten sogar gerne weniger Sex mit ihrem Partner.&#8220;<a href="#_ftn45" name="_ftnref45">[45]</a></p></blockquote>
<p>Die Studie zeigt aber auch, dass 14% der australischen Frauen in ihrer Beziehung vergewaltigt werden, was Stoverock aber nicht so zu sehen scheint.</p>
<blockquote><p>&#8222;Kanadische Wissenschaftler kamen bei einer Befragung von 170 Studenten zu ähnlichen Ergebnissen. Besonders in längeren Beziehungen spielt bei dem asymmetrischen Begehren nicht nur die Triebstärke, sondern auch die serielle Monoandrie der Frauen eine Rolle – die evolutionäre Reproduktionsstrategie findet einfach, dass es an der Zeit ist, sich nach Ablauf einer Reproduktionsphase mit einem anderen Mann zusammenzutun.&#8220;<a href="#_ftn46" name="_ftnref46">[46]</a></p></blockquote>
<p>Sie erklärt, dass sich an schwulen und lesbischen Paaren überprüfen ließe, ob die Triebstärke dennoch bei Männern stärker ausgeprägt ist, und siehe da, tatsächlich wollen Männer angeblich mehr Sex! Eine derart weitreichende Aussage mit einer einzigen Studie zu belegen, das ist leider zu dünn.<a href="#_ftn47" name="_ftnref47">[47]</a> Es wäre auch nur aussagekräftig, wenn bereits feststünde, dass sich homo- und heterosexuelle Menschen in dieser Frage nicht unterscheiden.</p>
<h2 id="nein-gewalt-ist-keine-loesung-nie-und-auch-nicht-die-unterdrueckung-der-female-choice">Nein, Gewalt ist keine Lösung. Nie. Und auch nicht die Unterdrückung der Female Choice.</h2>
<p>Tatsächlich, und nun wird es besonders problematisch und zugleich höchst inkonsequent, Stoverock leugnet die sexuelle Gewalt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Frauenbewegung hat lange die Behauptung verbreitet, bei sexuellen Angriffen ginge es vor allem um Macht (einen Willensakt) und nicht um Sex (einen Triebakt). Der Gedanke dahinter ist verständlich, aber aufgrund der evolutionären Besonderheiten der sexuellen Fortpflanzung halte ich &#8217;sexuelle Gewalt‘ für den unzutreffenden Begriff. Das kulturelle Faktoren die Entscheidung zur Vergewaltigung zusätzlich befeuern können, bezweifle ich aber keineswegs. Bitte denken Sie daran, dass es mir bei der Erklärung – nicht der Entschuldigung – von sexueller Gewalt darum geht, ihre Ursache zu verstehen, um sinnvolle Lösungen zu ihrer Eindämmung zu entwickeln.&#8220;<a href="#_ftn48" name="_ftnref48">[48]</a></p></blockquote>
<p>Wir werden noch sehen, wie sinnvoll die Lösungen sind, die sie auf den falsch hergeleiteten Ursachen entwirft. Ihre Beschwichtigung ist nicht nur unglaubwürdig, sie kommt auch noch auf derselben Seite zur Sache:</p>
<blockquote><p>&#8222;Wir haben gesehen, dass Gewaltbereitschaft integraler Bestandteil der männlichen Reproduktionsstrategie ist.&#8220;<a href="#_ftn49" name="_ftnref49">[49]</a></p></blockquote>
<p>Nein! Wir haben es hier leider mit einem besonders schwerwiegenden Fall von Biologismus zu tun, der den Mann an seinen Platz im Patriarchat verweist und besonders die Frau. Ausgerechnet die Female Choice, mit deren Hilfe wir alle Biologismen beseitigen können, muss dafür herhalten; dies nachdem es so schwer war, sie überhaupt zu entdecken. Es ist zum wirklich zum Auf-dem-Hut-herumtrampeln!</p>
<p>Nachdem sie also ordentlich Angst vor Männern geschürt hat, erfahren wir, wem ihre ganze Sorge gilt: den Incels, deren Gewaltbereitschaft sie ausführlich darstellt, und bei der es angeblich nicht um Macht geht.</p>
<blockquote><p>&#8222;Zahlen belegen, dass die meisten weiblichen Opfer von Sexualgewalt im geschlechtsreifen Alter sind. Dies ist ein Hinweis darauf, dass es bei den Taten deutlich stärker um Sex geht als bisher im Diskurs behandelt. Ginge es ausschließlich um Macht, wie der Feminismus seit Jahrzehnten behauptet, dann könnten ebenso oft Kinder oder Greisinnen betroffen sein.&#8220;<a href="#_ftn50" name="_ftnref50">[50]</a></p></blockquote>
<p>Es ist ja schon erstaunlich genug, dass der Feminismus über all die Jahre, wo das Wort „Patriarchat“ im Umlauf ist, nicht darauf gekommen ist, dass es um die Macht der Vaterschaft geht, was das Wort ja schon treffend aussagt. Aber immerhin hat der Feminismus erkannt, dass es um Macht geht. Nur ohne das Wörtchen &#8222;Vater&#8220; ist das Wort &#8222;Macht&#8220; natürlich nur ein Schlagwort, das einer auch um die Ohren gehauen werden kann, Stichwort &#8222;Matriarchat&#8220;. Es wird von Feministinnen davon abgelenkt, dass es sich um die Macht der Väter handelt, weil die Mutterschaft ein rotes Tuch ist und die Väter gefälligst im Kinder versorgenden Alltag mithelfen sollen. So gilt der männlichen Macht in der Arbeitswelt und der sexuellen Gewalt am Arbeitsplatz die Hauptsorge, während die Partnerschaftsgewalt erst langsam beginnt, in ihrem ganzen Ausmaß erkannt und erforscht zu werden, aber meist noch entschuldigt wird. Diese Bewegung kommt aber nicht aus dem Mainstreamfeminismus, sondern von den <a href="https://die-mias.de/" target="_blank" rel="noopener">alleinerziehenden Müttern</a>!<br />
<strong>Über Sex werden Männer im Patriarchat zu Familienvätern (= Familienvorstand) und daher gilt es, über die Sexualität der Frau Kontrolle zu erlangen.</strong> Alle Macht geht davon aus, dass Männer im Patriarchat nicht einfach Sex haben wollen, sondern Väter werden wollen, oder die Vaterschaft potentieller Väter sicherstellen sollen. Frauen werden über ihre Mutterschaft dahin erpressbar, selbst die Vaterschaft zu festigen.<br />
Über die Vaterschaft und die Vererbung über den Sohn gelingt die Anhäufung von Besitz. Die Gier nach mehr ist im Patriarchat in die Welt gekommen, weil alles unsicher geworden ist, weil die elementarsten Bedürfnisse nicht gestillt werden. Wir erinnern uns, Stoverock braucht die Bedürfnispyramide, wo Sex auf Stufe 1 angesiedelt ist, für ihre Argumentation. Aber Sex gehört nicht dazu, das ist ein Mythos! Sex kompensiert im Patriarchat einen großen Teil des Bereichs, der schon in der Kindheit nicht ausreichend von den Müttern gestillt werden darf: Körperliche Nähe, Zärtlichkeit, natürlich ohne Sex, und Geborgenheit, die gepaart sind mit dem Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens. Die <strong>Trauung</strong> von Mann und Frau soll all das ersetzen, was das Patriarchat zuvor genommen hat; es ist ein Perpetuum Mobile. Die Sucht nach Besitz und Sex sind Symptome der Krankheit Patriarchat. Natürlich ist ein Incel nicht einfach nur notgeil. Ein Incel hat die nackte Angst, keine Familie gründen zu können, womit er von der Gesellschaft ausgeschlossen würde. Sexpüppchen, wie Stoverock es dann als sinnvolle Maßnahme vorschlägt, und denen sie im Literaturverzeichnis erstaunlich viel Raum gibt, werden dieses Problem niemals lösen können! Das Incel-Phänomen ist auch kaum vor dem Hintergrund der erwachenden Sexualität der Frauen zu verstehen, sondern viel mehr vor dem Hintergrund der <strong>Individualisierung in der sog. <a href="https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/risikogesellschaft/4019" target="_blank" rel="noopener">Risikogesellschaft</a> (nach Ulrich Beck)</strong>. Wenn Frauen mobil werden müssen, quasi zu Nomadinnen, um im Beruf Erfolg zu haben, dann funktioniert das Modell Kleinfamilie nicht mehr und dann werden es sich Frauen zweimal überlegen, ob sie das Wagnis des Mangelkonstruktes Kleinfamilie eingehen wollen. Viele Frauen bleiben daher auch kinderlos und partnerlos, aber ohne vergewaltigend und pöbelnd umherzuziehen, wie Stoverock es für die künftigen Männer an die Wand malt.</p>
<h2 id="female-choice-und-matrifokalitaet-nicht-verstanden">Female Choice und Matrifokalität nicht verstanden</h2>
<p>Nachdem Stoverock viele Buchseiten damit zugebracht hat, die Entstehung des Patriarchats in die Zeit der Erfindung der Landwirtschaft zu verlegen, konstatiert sie:</p>
<blockquote><p>&#8222;Der evolutionäre [!] Druck hat auch bei den Menschen vor allem polygyn-monoandrische Systeme hervorgebracht.&#8220;<a href="#_ftn51" name="_ftnref51">[51]</a></p></blockquote>
<p>Es scheint ihr dabei unbekannt, dass polygyn-monoandrische Systeme immer im Patriarchat angesiedelt und nicht evolviert sind. Das Patriarchat gehört nicht in die Altsteinzeit. Unbekannt ist ihr scheinbar auch, dass Menschen nicht viele &#8222;Systeme&#8220;, sondern ein einziges angeborenes Sozialverhalten eigen ist, die Matrifokalität, wie es u.a. Sarah Blaffer Hrdy nachweisen konnte. Schon für die Primaten stellt die berühmte Anthropologin fest:</p>
<blockquote><p>&#8222;Ich gehörte übrigens zu denjenigen, die schon frühzeitig davon überzeugt waren, dass Menschenaffen zur Patrilokalität neigten. Ich änderte meine Meinung im Verlauf der Arbeit an &#8218;Mutter Natur&#8216;.&#8220;<a href="#_ftn52" name="_ftnref52">[52]</a></p></blockquote>
<p>Die Matrifokalität ist Stoverock dennoch durch Twitter bekannt, sie akzeptiert sie auch ausdrücklich, erwähnt sie auch mehrmals im Text, aber ohne diese Inspiration im Text oder Literaturverzeichnis zu würdigen.<a href="#_ftn53" name="_ftnref53">[53]</a> Es ist auch besonders verwerflich, dass sie behauptet, dass es Studien gäbe, die beweisen sollen, dass es die monogyn-monoandrische Lebensweise, also die Ehe, seit gut 10.000 Jahren gäbe, ohne ihre Quellen zu benennen<a href="#_ftn54" name="_ftnref54">[54]</a>. Meiner Erfahrung nach haben die AutorInnen solcher Studien einen extrem engen Blickwinkel, bei dem schon zu Studienbeginn das gewünschte Ergebnis feststeht,<a href="#_ftn55" name="_ftnref55">[55]</a> und sie produzieren häufig ähnliche Sätze wie Stoverock:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Kinder einer Frau stammen oft von unterschiedlichen Vätern, Partnerschaft-auf-zeit ist primäre Beziehungsform. Die menschlichen Körper wurden von der Evolution so konstruiert, dass sie in erster Linie so lange zusammenbleiben, bis die aus der Beziehung resultierenden Kinder selbstständig essen und die nomadisch umherziehende Gruppe aus eigener Kraft begleiten können. Längere Beziehungen sind eher Ausnahme.“<a href="#_ftn56" name="_ftnref56">[56]</a></p></blockquote>
<p>Hier wird er konstruiert: der Vater als Ernährer. Aber Stoverock denkt nicht darüber nach, was z.B. passiert, wenn die Gruppe resp. Sippe weiterzieht. Glaubt sie wirklich, dass das aggressive Sexmonster 9 Monate lang eine Schwangere verfolgt, um dann für das Kind Nahrung zu beschaffen? Das passt weder in ihr Weltbild, noch passt das zu Matrifokalität. Ist es nicht vielmehr so, dass sich Männer für Kinder erst dann wirklich zu interessieren beginnen, wenn die Kinder laufen und sprechen können? Was würde denn passieren, wenn der Vater verunglückt? Sie weiß es nicht. Sie weiß nicht, dass der Vater unter Matrifokalität weder der Ernährer ist, noch überhaupt bekannt ist, dass er einfach nur hinderlich wäre, übrigens auch weil in der Sippe immer mehrere Mütter sind. Wird das Baby geboren, ist er schon lange weg, denn er zieht mit seiner eigenen Sippe weiter. Merkwürdig, dass ihr, der Evolutionsbiologin, das nicht klar ist, besonders wo sie doch den Männern ein überbordendes, aggressives Sexleben andichtet.</p>
<h2 id="geschichtsfeindlichkeit">Geschichtsfeindlichkeit</h2>
<p>In ihrem Kapitel &#8222;Haben und Sein&#8220;<a href="#_ftn57" name="_ftnref57">[57]</a> beschäftigt sich Stoverock nun damit, wie der Mann über seinen Besitz die Frau ans Haus gefesselt habe.</p>
<blockquote><p>&#8222;Der Besitz wird dem Mann zugeordnet. Territorien und die dort vorkommenden Ressourcen sind auch in der Natur eher Männersache.&#8220;<a href="#_ftn58" name="_ftnref58">[58]</a></p></blockquote>
<p>Mit diesem hanebüchenen Biologismus, der jede Arbeitsleistung der Frau der Steinzeit übergeht, braucht sie nicht erwähnen, dass die Matrifokalität keinen Besitz kennt und auch die frühen Sippenhäuser allen gehörten. Ihre Erklärung dafür, wie der Besitz in Männerhand geraten ist: der Wunsch nach Abgrenzung<a href="#_ftn59" name="_ftnref59">[59]</a>. Hier liefert die Patriarchatsforschung jede Menge wirklich Erhellendes, aber das sind ja alles Schmuddelkinder.<br />
Woher sie das Wissen nimmt, dass &#8222;<em>Anführer, die behaupten, von den Göttern direkt in ihr Amt berufen worden zu sein</em>&#8222;, schon &#8222;<em>von Anfang an zu den Begleiterscheinungen sesshafter Gemeinschaften</em>&#8220; gehört haben, erraten wir nicht, sie kann auch nur mit dem bronzezeitlichen, babylonischen König Hammurapi aufwarten. Und doch, Frau Dr. Stoverock! Wir dürfen getrost vergessen, &#8222;<em>dass die alttestamentarischen Erzählungen ihre Anfänge in der mündlichen Folklore haben</em>&#8222;.<a href="#_ftn60" name="_ftnref60">[60]</a><br />
Ihr Ritt durch die Zeiten, mit rasendem Wechsel von Alt- zu Jungsteinzeit, dann nahtlos in die Bronzezeit, Neuzeit und wieder zurück, alles nur &#8222;Details&#8220;. Hier zeigt sich unhistorisches Denken gepaart mit Halbwissen und ein durch und durch patriarchales Weltbild, das im Widerspruch zu allem steht, was wir doch längst besser wissen. Die Krönung ist dann diese Plattitüde:</p>
<blockquote><p>&#8222;Früher ging der Mann jagen, um die Frau zu ernähren, heute geht er halt ins Büro.&#8220;<a href="#_ftn61" name="_ftnref61">[61]</a></p></blockquote>
<p>Aber dann ist für sie die „<em>Spaltung der menschlichen Gemeinschaften in außen und innen nicht weniger als die Geburtsstunde des Androzentrismus, der männlichen Zivilisation.</em>&#8222;<a href="#_ftn62" name="_ftnref62">[62]</a> Oho und Aha! Mit diesem geistvollen Sinnspruch von biblischer Gewalt zeigt sie, dass sie nichts weiß über die Entstehung des Patriarchats im Viehzüchternomadismus und den daraus resultierenden <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung" target="_blank" rel="noopener">Zuchtgedanken mit seinem Sexismus und Rassismus</a>. Und genau DAS ist es, was &#8222;<em>die Völker, die uns Pornografie in der beschriebenen Eindeutigkeit hinterlassen haben</em>&#8220; eint und nicht die &#8222;besitzbasierte Sesshaftigkeit&#8220;<a href="#_ftn63" name="_ftnref63">[63]</a>.</p>
<h2 id="porno-sells-und-der-angebliche-sexuelle-konflikt">Porno sells und der angebliche Sexuelle Konflikt</h2>
<p>Überhaupt Pornografie. Stoverock, die sich als &#8222;sexpositiv&#8220;<a href="#_ftn64" name="_ftnref64">[64]</a> bezeichnet, liebt die Pornografie, wir ahnten es schon. Was wurde in den letzten Jahrzehnten nicht alles geschrieben, um zu den Leuten verständlich zu machen, dass Pornografie Frauen, ja allen Menschen erheblichen Schaden zufügt! Es scheint, als würden all diese Feministinnen gegen Wände geredet haben, wenn Stoverock so etwas schreibt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Doch schaut man genauer hin, zeigt die Mainstream-Pornografie jedoch mehr. Die Frau steht dem Mann in der Pornografie uneingeschränkt zur Verfügung, das ist wahr, doch willenlos ist sie keineswegs. Sowohl in antiken als auch modernen Darstellungen verhält sich die Frau lüstern, sie begegnet dem Mann mit offenen Armen und erwidert seine Annäherung. … Im Grunde simuliert er die freie Partnerwahl einer Frau, wie sie in der <em>Female Choice</em> gegeben ist. Erotische Darstellungen vor allem des Mainstreams zeigen einen Akt, an dem sich die Frau freiwillig und mit Genuss beteiligt (im Fetischbereich sind natürlich auch andere Spielarten möglich). … In dem Ideal offenbart sich tiefste und persönliche Sehnsucht, die der Sexuelle Konflikt seit Millionen von Jahren beiden Männern hinterlassen hat: Eine Frau, die ihn und seinen Penis von ganzem Herzen begehrt, und bei der er keine Angst vor Zurückweisung haben muss. …&#8220;<a href="#_ftn65" name="_ftnref65">[65]</a></p></blockquote>
<p>Welche jetzt noch nicht heult, dürfte spätestens jetzt dazu genötigt sein:</p>
<blockquote><p>&#8222;Hätte diese Sehnsucht nicht dazu geführt, dass die Männer frauenunterdrückende Strukturen schufen, um mehr Zugang zu Sex zu bekommen – man könnte ihr Mitgefühl entgegenbringen. Kein verächtliches, überhebliches Mitgefühl, sondern ein liebevolles, ebenbürtiges Verständnis, das den Mann als fühlendes, begehrendes Wesen ernstnimmt, dem der Sexuelle Konflikt ebenso übel mitgespielt hat wie der Frau. …&#8220;<a href="#_ftn66" name="_ftnref66">[66]</a>.</p></blockquote>
<p>NEIN, Frau Dr. Stoverock, das nehme ich Ihnen nicht ab, auch wenn Sie zum Ende noch schreiben, dass die Frau sich angesichts der gefährlichen Folgen der Partnerschaft kein Mitleid leisten könne<a href="#_ftn67" name="_ftnref67">[67]</a>.<br />
Der Sexuelle Konflikt ist unter Biologen <em>en vogue</em>, da sind noch Meriten zu verdienen, und dieses Buch ist Stoverocks Beitrag:</p>
<blockquote><p>&#8222;Unsere zentrale These lautet, dass wesentliche Strukturen der männlichen Zivilisation dazu dienten, die Folgen der unterschiedlichen Reproduktionsstrategien der Geschlechter abzufangen. Zu diesen Folgen gehört der Sexuelle Konflikt aus einander gegenläufigen sexuellen Bedürfnissen, aber auch das Paarungssystem der <em>Female Choice</em>, in dem die Frau den Zugang zu Sex für Männer regelt.&#8220;<a href="#_ftn68" name="_ftnref68">[68]</a></p></blockquote>
<p>In der Natur war der angebliche Sexuelle Konflikt nie ein Problem, die Female Choice wurde zum Problem für Männer, als sie mit Gewalt Frauen unterwarfen. Die Sesshaftigkeit trifft so wenig Schuld, wie eine Frau, die vergewaltigt wurde. Die Theorie des Sexuellen Konflikts, die alles, was die Female Choice betrifft, problematisiert, sogar bis in die Cryptic Female Choice hinein, ist ein Irrweg wie auch Freuds Ödipus-Komplex und Penisneid. Der &#8222;Konflikt&#8220; ist identisch mit dem Problem, das Patriarchen mit der Female Choice haben, und ein moralisierender Begriff, der bei der Betrachtung der Evolution nichts verloren hat und in den Biologismus führt. Er ist auch identisch mit dem Widerstreit des Patriarchats mit der <strong>Matrifokalität, die sexuelle Konflikte sozusagen aufs Genialste verhindert hat.</strong> In Bezug auf den Menschen (und Primaten) wird er aber immer wieder beschworen, um die menschliche Monogamie, die die Female Choice unterdrückt, als evolvierten Schutz der Frauen und Kinder vor Vergewaltigung und Infantizid hinzustellen.<a href="#_ftn69" name="_ftnref69">[69]</a> Kein Wunder, dass Stoverock mit der Female Choice das Ende der Zivilisation nahen sieht, wie es schon der Buchtitel andeutet, bei dem optimistische LeserInnen zunächst glauben könnten, es sei das Ende des Patriarchats gemeint.</p>
<h2>Incels, das Schreckgespenst der Evolution?</h2>
<p>Im letzten Drittel des Buches widmet sich Stoverock nun ganz ihren Schützlingen, den Incels. Sie beschreibt sehr detailliert die Amokläufe in den USA, und besonders den von Elliot Rodger. Dazu erzählt sie, wie sich Incels im Netz zusammenrotten und radikalisieren. Auch das möchte sie erklären:</p>
<blockquote><p>&#8222;Erinnern wir uns an die Maslowsche Bedürfnispyramide. Die bloße Existenz von gewaltbereiten Incels und das gleichzeitige Fehlen eines weiblichen Äquivalents zeigt, dass das Bedürfnis nach Sexualität für Männer deutlich weiter unten in der Pyramide steht, und seine Erfüllung damit eine wesentlich höhere Priorität hat als für Frauen. Je dringlicher ein Bedürfnis ist, desto verzweifelter und aggressiver kämpft der Mensch um seine Erfüllung. Es käme daher einer groben Fahrlässigkeit gleich, diese Gruppe nicht besonders im Auge zu behalten.&#8220;<a href="#_ftn70" name="#_ftnref70">[70]</a></p></blockquote>
<p>Erinnern wir uns auch daran, dass die Maslowsche Bedürfnispyramide die Bedürfnisse des patriarchalen Mannes abbildet und Stoverock das nicht bemerkt hat. Männer können keine Kinder kriegen, sie müssen im Patriarchat eine Frau festsetzen, um sich überhaupt um Kinder kümmern zu können. Es droht ihnen die Einsamkeit im Alter, aber auch geringerer sozialer Status, der sich durchaus in barer Münze bemerkbar macht. Während nämlich das Gehalt von Müttern ins Bodenlose sinkt, verdienen Familienväter mehr als kinderlose Männer. In den USA ist diese Diskrepanz übrigens besonders deutlich.<a href="#_ftn71" name="_ftnref71">[71]</a> Dass Kinder einen Mann arm machen, Sex mit einer Frau daher &#8222;zu einer wirtschaftlichen Gefahr&#8220; werde, wie Stoverock es ja auch behauptet hat<a href="#_ftn72" name="_ftnref72">[72]</a>, stimmt also nur teilweise. Tatsächlich haben schon die frühen Patriarchen erkannt, dass Kinder billige Arbeitskräfte sind, die, ordentlich erzogen die Zukunft so gestalten, wie es sich der Vater wünscht. Sie verleihen ihm Macht, er kann seine Frau über sie erpressen und er spart sich das Geld für eine Dienerin und Prostituierte. Eine Ehefrau, würde sie anständig bezahlt, wäre so teuer, dass ein normaler Mann sie sich nicht leisten könnte.<br />
Stoverock kennt sich gut aus in der &#8222;Manosphere&#8220; und bescheinigt ihr &#8222;<em>erstaunliches Wissen über die evolutionsbiologischen Grundlagen der Geschlechterbeziehung</em>&#8222;<a href="#_ftn73" name="_ftnref73">[73].</a> Wenn es dieses Wissen ist, das sie in diesem Buch zum Besten gibt, ist alles klar! Hier liegt das Problem des Buches nun offen zutage; ihre Inspiration holt sie sich bei den Misogynisten, und sie gibt es auch zu:</p>
<blockquote><p>&#8222;Stimmen, die sich um die Einbettung der physischen Prozesse in die Kultur bemühen, gibt es nur wenige. Eine von ihnen gehört dem kanadischen Psychologen Jordan Peterson. Er hat erkannt, dass unsere Zivilisation nur unter Abschaffung von evolutionsbiologischen Mustern möglich war.&#8220;<a href="#_ftn74" name="_ftnref74">[74]</a><br />
&#8222;Er weist darauf hin, dass die Menschheit am Anfang ihrer sesshaften Lebensweise die Incels nur über die sozial erzwungene Monogynie in den Griff bekommen hat, und dass also ein Aufweichen dieser Monogynie einem Angriff auf die Zivilisation gleichkommt.“<a href="#_ftn75" name="_ftnref75">[75]</a></p></blockquote>
<p>Ja, Frau Dr. Stoverock, ich &#8222;atme scharf ein&#8220; und zwar mehrfach, da hilft Ihnen auch nicht Ihre Immunisierungsstrategie<a href="#_ftn76" name="_ftnref76">[76]</a>. Und zwar aus zwei Gründen:</p>
<p>1. Der Satz suggeriert, dass Jordan Peterson der Begründer der Patriarchatsforschung sei. Das ist falsch. Es war Dr. Gerhard Bott, den ich oben bereits erwähnte, der erstmals den Zusammenhang zwischen der Patriarchalisierung und der Aushebelung der Female Choice erkannte. Er berief sich dabei auf die Arbeiten von Meredith M. Small und Gerda Lerner.<a href="#_ftn77" name="_ftnref77">[77]</a><br />
2. Jordan Peterson ist ein Antifeminist, der mit Aussagen wie &#8222;<em>You know you can say, ‘Well isn’t it unfortunate that chaos is represented by the feminine’ — well, it might be unfortunate, but it doesn’t matter because that is how it’s represented. It’s been represented like that forever. And there are reasons for it. You can’t change it. It’s not possible. This is underneath everything. If you change those basic categories, people wouldn’t be human anymore. They’d be something else. They’d be transhuman or something. We wouldn’t be able to talk to these new creatures</em>“ bei den organisierten Incels punktet. Eines seiner Bücher trägt den Untertitel “An Antidote to Chaos”.<a href="#_ftn78" name="_ftnref78">[78]</a></p>
<p>&#8222;Chaos&#8220;, das ist das Wort, das Erzkonservative immer in den Mund nehmen, wenn sie Gegner diskreditieren wollen. Auch Donald Trump verwendete es inflationär und produzierte doch selbst das allergrößte Chaos. Aber tatsächlich fallen WählerInnen (und auch LeserInnen) immer wieder auf das Geschäft mit der Angst herein. Und in diese Kerbe haut auch Stoverock:</p>
<blockquote><p>&#8222;Und da die Kontrolle der &#8218;Ressource Frau&#8216; durch die Männer nicht die Folge der Kultur war, sondern der erste, sie begründende Schritt, können die Maßnahmen nicht einfach rückgängig gemacht werden.&#8220;<a href="#_ftn79" name="_ftnref79">[79]</a></p></blockquote>
<p>Damit beweist sie auch einmal mehr ihre weitreichende Unbildung. Schon Tiere haben nämlich Kultur und die menschliche Zivilisation gab es schon lange ehe das Patriarchat über die Menschheit hereinbrach.</p>
<p>Ihr Manifest lautet konsequent:</p>
<blockquote><p>&#8222;Wir müssen das Gute aus dem Nomadenleben mit dem Guten aus der Sesshaftigkeit verbinden. Und weil allein die Größe dieser Aufgabe Kopfschmerzen bereitet, beginnen wir im Kleinen, dort, wo jeder Mensch in seinem Leben etwas verändern kann, und vergrößern die Idee so lange, bis wir am Ende vor einer neuen Weltordnung stehen.&#8220;<a href="#_ftn80" name="_ftnref80">[80]</a></p></blockquote>
<p>Wir können den Anfang wie folgt abändern, denn das ist es, was sie in Wahrheit sagen will, hat sie doch seitenweise den &#8222;Nachweis&#8220; geführt: Wir sollen das Gute aus dem Nomadenleben mit dem angeblich Guten aus dem Patriarchat verbinden. Wie naiv das ist, zeigt der aktuelle Backlash. Es gibt nicht &#8222;ein bisschen Patriarchat&#8220;. Das Patriarchat wird sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen, solange das Vaterrecht nicht durchschaut und abgeschafft ist. DAS ist das Problem vor dem wir stehen … aber auch die Mauer hat nicht ewig gestanden. Jedoch, das Patriarchat ist eine &#8222;etwas&#8220; härtere Nuss, so dass noch sehr viel Wasser den Rhein herunterfließen wird. Würden die Männer erkennen, wie sehr sie sich selbst schaden, dann wäre viel gewonnen. Aber dieses Buch klärt nicht darüber auf, sondern tut das genaue Gegenteil.</p>
<h2>Scheinfeminismus und Prostitutionsverherrlichung</h2>
<p>Dr. Meike Stoverock ist keine Feministin. Die sexuelle Freiheit der Frau, die Female Choice, und damit die Freiheit überhaupt, ist ihr so zuwider, dass sie sie weiter eingeschränkt sehen will. Das äußert sich auch in ihrem Loblied auf die Pille, auch wenn sie deren Risiken und die Folgen für die Female Choice kennt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschen erfahren Frauen so etwas wie echte Freiheit. Die Freiheit über das Treiben in ihren Eierstöcken bestimmen zu können. … Die selbstgewählte Kinderlosigkeit versetzt Frauen in die Lage, Berufe zu ergreifen, sich zu bilden, zu reisen und ihre Sexualität zu entdecken.&#8220;<a href="#_ftn81" name="_ftnref81">[81]</a></p></blockquote>
<p>Das ist aber nur die halbe Wahrheit: Ausgerechnet Letzteres ist durch die Pille stark eingeschränkt und immer weniger Frauen nehmen die Pille, weil sie die schädlichen Effekte nicht mehr tragen wollen und zudem erkannt haben, dass sie nur eine Scheinfreiheit gewährt, verfügbar macht und obendrein Einsamkeit beschert, genau das, wovor männliche Incels in Wahrheit Angst haben! In den Entwicklungsländern ist die Pille eine echte SOS-Maßnahme, aber als Lifestyle-Produkt taugt sie gar nichts. Im Übrigen bedeutet Female Choice auch, sich einem Partner zu verweigern.<br />
Ein Feminismus, der die Kraft der Female Choice diskreditiert, nicht den Weg MIT ihr aufzeigt, wie sie Frauen ein freies Leben mit ihrer kompletten positiv erlebten Körperlichkeit ermöglicht, ist nicht für Frauen, sondern gegen sie. Und Stoverock hat noch nicht erkannt, wie sehr der Feminismus vom Patriarchat instrumentalisiert wird, denn sie glaubt, dass er nur vorwärts ginge, &#8222;nie rückwärts&#8220;.<a href="#_ftn82" name="_ftnref82">[82]</a> Sie selbst liefert mit ihrem Buch das beste Beispiel für einen echten Rückschritt. Der Schlüssel zur Lösung ist mit der Female Choice längst gefunden, aber sie schmiert nun Klebstoff ins Schlüsselloch.</p>
<p>Sex für alle, das ist Stoverocks Forderung,<a href="#_ftn83" name="_ftnref83">[83]</a> und ihr Respekt vor der Pornografie ist bemerkenswert. Und damit alle zu ihrem angeblichen Recht kommen, präsentiert sie den ganzen Katalog patriarchaler Sexfürsorge.</p>
<blockquote><p>&#8222;Prostitution kann gerade jenen Teil der männlichen Sexualität abfangen, der sonst unkontrolliert und potentiell gefährlich in die Gesellschaft sickern würde: die nicht gesellschaftskonformen Neigungen, den Triebstau bei Unterversorgung.&#8220;<a href="#_ftn84" name="_ftnref84">[84]</a></p></blockquote>
<p>Ihr wesentliches Argument gegen ein Prostitutionsverbot ist:</p>
<blockquote><p>&#8222;Interessanterweise gehören Länder mit striktem Prostitutionsverbot zu denen mit den höchsten Vergewaltigungsfällen in Europa.&#8220;<a href="#_ftn85" name="_ftnref85">[85]</a></p></blockquote>
<p>Dieser perfide Mythos wurde von TERRE DE FEMME und der Aussteigerin Huschke Mau längst entlarvt.<a href="#_ftn86" name="_ftnref86">[86]</a> Tatsächlich sind es die Prostituierten, die dann stellvertretend vergewaltigt werden; Prostitution ist keine Female Choice! Und daher gibt es auch keine &#8222;anständigen&#8220; Freier, wie Stoverock behauptet.<a href="#_ftn87" name="_ftnref87">[87]</a> Stoverock glaubt auch fest daran, dass Prostitution eine &#8222;wirksame Incel-Prophylaxe&#8220;<a href="#_ftn88" name="_ftnref88">[88]</a> sei. Dann ich frage mich aber, warum es die organisierten, aggressiven Incels jetzt schon gibt, obwohl die Prostitution noch überall blüht.<br />
Zwar kennt sie die Kritik ganz genau, wischt sie aber vom Tisch:</p>
<blockquote><p>&#8222;Eine Korrelation gibt es, auch eine unmittelbare Wirkung, beides ist nicht zu leugnen. Ob jedoch auch eine persönlichkeitsformende Kausalität besteht und wenn ja, in welche Richtung diese verläuft, kann bisher nicht geklärt werden. Denn es ist sowohl möglich, dass Pornos zu Gewalttaten führen, als auch dass zu Gewalttaten neigende Männer eher zum Porno greifen. Der Beweis eines ursächlichen Zusammenhanges steht bislang noch aus.<a href="#_ftn89" name="_ftnref89">[89]</a>&#8222;</p></blockquote>
<p>Das ist falsch. Wenn wir davon ausgehen, dass die Täter nicht wissen, wie ein Porno entsteht, dann ist Pornogucken wie der Blick in die Zeitung. Konsumenten von Kinderpornos werden aber deshalb bestraft, weil bekannt ist, dass diese Filme Gewalttaten dokumentieren und sie sich deshalb mitschuldig machen. Einen Porno zu schauen ist eine Gewalttat, übrigens auch gegen sich selbst. Konsumenten wissen ganz genau, was sie da sehen! Ebenso sind erwachsene Pornodarstellerinnen nicht einfach nur Schauspielerinnen, sondern sie werden vor der Kamera vergewaltigt, sind allerdings oft auf Droge oder so abgestumpft, dass sie es selbst nicht mehr mitbekommen. Pornos sind keine Female Choice. Es ist auch bekannt, dass schon alltägliche Sexszenen normalen Schauspielerinnen, von denen viele es gar nicht erwarten würden, erhebliche Probleme bereiten.</p>
<p>Und dann die Sexpuppen und all die anderen Produkte, die die Industrie bereithält, es liest sich wie die Hochglanzbroschüre der Pornolobby:</p>
<blockquote><p>&#8222;Aber auch anderen Orts wächst der Markt – wenn auch nicht so schnell, wie er könnte, weil die lebensechten Puppen mit mehreren tausend Euro sehr teuer sind.&#8220;<a href="#_ftn90" name="_ftnref90">[90]</a><br />
&#8222;Heutige Puppen sind lebensgroß, aus weichem Silikon gefertigt, mit Brüsten, die sich wenigstens ein bisschen danach anfühlen, und anatomisch genauen Genitalien. Kunden mit dem nötigen Kleingeld können Größe, Proportionen, Haar- und Hautfarbe ihrer Puppe individuell zusammenstellen. Technologische Weiterentwicklungen geben Puppen sogar Mimik …&#8220;<a href="#_ftn91" name="_ftnref91">[91]</a></p></blockquote>
<p>Ehrlich gesagt, ich will das alles gar nicht so genau wissen. Aber das sollen alles ganz normale Produkte sein, die es schon in der Antike gab<a href="#_ftn92" name="_ftnref92">[92]</a>; Patriarchat mit Patriarchat legitimiert.<br />
Als vorläufigen Höhepunkt ihres geistigen Exzesses, bei dem wir doch uns langsam fragen müssen, ob Stoverock nicht doch eher eine Ghostwriterin ist, lehnt sie sich an den Vorschlag eines Autors an, der &#8222;<em>Ausgleichszahlungen für sexuell unterprivilegierte Männer, die ihnen womöglich helfen könnten, leichter Partnerinnen zu finden</em>&#8220; fordert.<a href="#_ftn93" name="_ftnref93">[93]</a> Das ist schon besonders bizarr angesichts des Kampfes alleinerziehender Mütter um jeden Cent. Dafür hat die Gesellschaft also Geld übrig? Dies alles sind keine innovativen Vorschläge, sondern schlicht eine Aufforderung zum Zurück ins vorletzte Jahrhundert, wo Frauen noch &#8222;eine gute Partie&#8220; machen mussten, und ihre Female Choice keinerlei Rolle spielte.<br />
Im scheinbaren Widerspruch zu ihren Ausführungen schreibt sie aber:</p>
<blockquote><p>&#8222;Wir müssen die Gesellschaft liebevoll auffangen. Müssen das Narrativ ändern von &#8218;Jeder kann Sex haben, wenn …&#8216; zu &#8218;Nicht jeder hat Sex, das ist ganz normal'&#8220;<a href="#_ftn94" name="_ftnref94">[94]</a>.</p></blockquote>
<p>Mit einem solchen Vorschlag kann Stoverock sich nicht freischwimmen, im Gegenteil: Für sie ist die Female Choice ein Narrativ. Und wir wissen wie sie, dass Narrative jederzeit austauschbar und revidierbar sind im Sinne von: Was schert mich mein Geschwätz von gestern? Die Erziehung nur mit Parolen wird nicht nachhaltig sein, denn das grundsätzliche Problem liegt nicht beim Sex, sondern in der im Patriarchat schon mit der Geburt beginnenden Trennung von der Mutter und anderen Bezugspersonen, so dass das Kind keine stabile Bindung aufbauen kann und sein tiefes Bedürfnis nach körperlicher Nähe nicht befriedigt wird. Wir erinnern uns: das Bedürfnis nach Zugehörigkeit ist das am stärksten ausgeprägte. Der folgende lebenslange Durst nach inniger körperlicher Nähe wird mit Sex kompensiert, und bleibt dies aus, mündet er in aggressivem Verhalten.<br />
Dies aber noch zu bedienen, wie Stoverock es fordert, käme einer Gesetzgebung gleich, die es Einbrechern erlaubte, in bestimmte staatlich zur Verfügung gestellte Häuser einzubrechen, damit sie ihren Trieb abreagieren können und andere Häuser verschonen.</p>
<h2 id="zu-guter-letzt">Zu guter Letzt</h2>
<p>Es gibt auch kluge Sätze in diesem Buch, wie ihre Ausführungen zur Abtreibungspolitik oder z.B.:</p>
<blockquote><p>„Tatsächlich aber ist der ganze Schönheitsdruck auf Frauen nur ein kultureller Trick zur Luststeigerung der Männer – im Zweifelsfall geben sie sich auch mit viel weniger zufrieden“<a href="#_ftn95" name="_ftnref95">[95]</a><br />
&#8222;Alles, was die Frau tut, misst sie an den möglichen Folgen für ihr Kind … noch vor ihren eigenen Bedürfnissen.&#8220;<a href="#_ftn96" name="#_ftnref96">[96]</a><br />
&#8222;Sich für die Ehe zu entscheiden, bedeutet, den Ursprung und Zweck der Ehe mitzutragen. Und daran ändert sich auch nichts, wenn Frau und Mann verliebt ineinander sind und sich ohne wirtschaftlichen Zwang zu einer Heirat entschließen.&#8220;<a href="#_ftn97" name="_ftnref97">[97]</a><br />
&#8222;Jemand, dessen Arbeit einen möglichst hohen Geldwert produzieren kann, gilt als wertvoller als jemand, dessen Arbeit nur einen geringen Geldwert erzielt, oder jemand, der gar nicht produziert.&#8220;<a href="#_ftn98" name="_ftnref98">[98]</a></p></blockquote>
<p>Da sehe ich das Potential der Autorin, finde aber im Gegensatz zu ihr, dass es völlig ok ist, wenn uns dieses System „eines Tages um die Ohren fliegt“.<a href="#_ftn99" name="_ftnref99">[99]</a> Aber immer wieder macht sich Stoverock Sorgen, dass der Mann aufhören könnte, an der Zivilisation zu arbeiten:</p>
<blockquote><p>&#8222;Auch wenn es uns nicht schmecken will: Monogynie, also eine Art sexuelle Grundversorgung, macht die vormals 80% potentiell gewaltbereiten Gewalt [sic] neigenden Männer überhaupt erst tauglich für eine dicht beieinander lebende Menschengemeinschaft.&#8220;<a href="#_ftn100" name="_ftnref100">[100]</a></p></blockquote>
<p>Das schmeckt nicht nur nicht, das ist auch blanker Unsinn, toxische Pseudowissenschaft. Und selbst wenn, was nützt uns ein äußerlich braver Mitbürger, wenn er zuhause seine Ehefrau verprügelt und vergewaltigt? Die Risikoabwägung zugunsten einer stereotyp gedachten männlichen Sexualität &#8211; mit in die Halbwelt outgesourcter Gewalt &#8211; führt uns überhaupt nicht weiter, es ist nämlich bereits der Status quo. Vor allem: das Patriarchat selbst ist für die Dichte der Überbevölkerung verantwortlich, die allein durch die Unterdrückung der Female Choice entstand; diese Selbstlegitimation muss endlich erkannt und durchbrochen werden.</p>
<h2 id="nachtrag01">NACHTRAG Aktuelles</h2>
<p>Mit einer neuen genetischen Studie (Pressemitteilung 14. April 2021) bestätigten türkische Forscher nochmals die Matrifokalität jungsteinzeitlicher Siedlungen. <a href="https://www.miragenews.com/ancient-dna-hints-at-diverse-stone-age-543915/" target="_blank" rel="noopener">Zum Artikel im Magazin miragenews.com</a><br />
In Çatal Höyük wurde Matrifokalität nun auch molekulargenetisch nachgewiesen. <a href="https://www.nzz.ch/wissenschaft/catalhoeyuek-und-matriarchat-neue-hinweise-auf-rolle-der-frauen-ld.1895649" target="_blank" rel="noopener">Zum Artikel auf NZZ.ch</a><br />
Die bandkeramische Migration aus dem Karpathenbecken, die eine der frühesten Fluchtbewegungen vor patriarchalen Horden war und die Landwirtschaft nach Mitteleuropa brachte, geschah aus Furcht vor der drohenden Ungleichheit, die Patriarchat genannt werden muss. <a href="https://www.mdr.de/wissen/archaeologie-fruehgeschichte/landwirtschaft-bedeutet-nicht-automatisch-ungleichheit-100.html" target="_blank" rel="noopener">Zum Artikel auf mdr.de</a></p>
<h2 id="literatur">LITERATUR</h2>
<p>&nbsp;</p>
<ul id="liste4">
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere, Berlin 2010</li>
<li>Beck, Ulrich: Risikogesellschaft &#8211; Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt a. M. 1986</li>
<li>Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter. Norderstedt 2009</li>
<li>Bowles, Nellie: Jordan Peterson, Custodian of the Patriarchy. In: New York Times online vom 18.05.2018 <a href="https://www.nytimes.com/2018/05/18/style/jordan-peterson-12-rules-for-life.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.nytimes.com/2018/05/18/style/jordan-peterson-12-rules-for-life.html</a> abgerufen am 26.03.2021</li>
<li>Conley, T. D.: Women, Men, and the Bedroom, 2011, S. 296-300</li>
<li>Diep, Francie: 8,000 Years Ago, 17 Women Reproduced for Every One Man. An analysis of modern DNA uncovers a rough dating scene after the advent of agriculture. Aus: Pacific Standard Online. Original: 17.03.2015. Updated: 14.06.2017 <a href="https://psmag.com/environment/17-to-1-reproductive-success" target="_blank" rel="noopener">https://psmag.com/environment/17-to-1-reproductive-success</a> abgerufen am 26.03.2021</li>
<li>Duffy, Paul R. <em>et al.</em>: Five thousand years of inequality in the Carpathian Basin. In: Science Advances<br />
06.08.2025, Vol 11, Issue 32 <a href="https://doi.org/10.1126/sciadv.adu0323" target="_blank" rel="noopener">DOI: 10.1126/sciadv.adu0323</a></li>
<li>Duwe, Rona: Mutterwut Muttermut. Fundamente und Anstoß für die Revolte der Mütter, Norderstedt 2021</li>
<li>Gimbutas, Marija: Die Zivilisation der Göttin. Frankfurt a.M. 1996 (am. Originalausg. &#8222;The Civilization of the Goddess&#8220; 1991)</li>
<li>Gogolin, Stephanie: <a href="https://marthastochter.wordpress.com/" target="_blank" rel="noopener">https://marthastochter.wordpress.com/</a></li>
<li>Karmin, M. <em>et al.</em>: A recent bottleneck of Y chromosome diversity coincides with a global change in culture. In: Genome Research 2015; 25(4):459-466. doi:10.1101/gr.186684.114<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/" target="_blank" rel="noopener">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/</a> abgerufen: 26.03.2021</li>
<li>Lerner, Gerda: Die Entstehung des Patriarchats. Frankfurt/New York 1991 (am. Originalausg. &#8222;The Creation of Patriarchy&#8220; 1986)</li>
<li>Mau, Huschke: <a href="https://huschkemau.de/" target="_blank" rel="noopener">https://huschkemau.de/</a></li>
<li>MDR 2025: Vor 8.000 Jahren &#8211; Landwirtschaft führte nicht automatisch zu Ungleichheit. Online-Ressource vom 07.08.2025 auf <a href="https://www.mdr.de/wissen/archaeologie-fruehgeschichte/landwirtschaft-bedeutet-nicht-automatisch-ungleichheit-100.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.mdr.de/wissen/archaeologie-fruehgeschichte/landwirtschaft-bedeutet-nicht-automatisch-ungleichheit-100.html</a> abgerufen am 13.08.2025</li>
<li>Die MIAs, Mütterinitiative für Alleinerziehende e.V. i.G. <a href="https://die-mias.de/" target="_blank" rel="noopener"> https://die-mias.de/</a></li>
<li>Schediwy, Dagmar: Was ist dran am Matriarchat in einer der ältesten Siedlungen der Menschheit? Archäologen finden Hinweise, dass Frauen in Çatalhöyük tatsächlich gewisse Vorteile hatten. Online-Ressource auf NZZ vom 31.07.2025: <a href="https://www.nzz.ch/wissenschaft/catalhoeyuek-und-matriarchat-neue-hinweise-auf-rolle-der-frauen-ld.1895649" target="_blank" rel="noopener">https://www.nzz.ch/wissenschaft/catalhoeyuek-und-matriarchat-neue-hinweise-auf-rolle-der-frauen-ld.1895649</a></li>
<li>Small, Meredith M.: Female Choices. Sexual Behavior of Female Primates. Cornell University Press (Oktober 1995)</li>
<li>Stoverock, Meike: Female Choice – Vom Anfang und Ende der menschlichen Zivilisation, Stuttgart 2021</li>
<li>Strauch, Stefanie: Als die Jäger sesshaft wurden. Aus: Wissenschaft.de vom 23.06.2009<a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/als-die-jaeger-sesshaft-wurden/" target="_blank" rel="noopener">https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/als-die-jaeger-sesshaft-wurden/</a> abgerufen am 26.03.2021</li>
<li>Terre de Femme: <a href="https://www.frauenrechte.de/" target="_blank" rel="noopener">https://www.frauenrechte.de/</a></li>
<li>Weingrill,Tony; van Schaik, Carel P.: Sexueller Zwang bei Primaten: Evolutionäre Ursachen und Gegenstrategien der Weibchen. June 2011. Zeitschrift für Sexualforschung 24(02):111-133 <a href="10.1055/s-0031-1271474" target="_blank" rel="noreferrer noopener">DOI: 10.1055/s-0031-1271474</a></li>
<li>WIWO 2014: Wirtschaftswoche online vom 11.09.2014: Väter verdienen mehr, Mütter weniger &#8211; Bekommen US-Familien Kinder, verdienen die Väter sechs Prozent mehr &#8211; und Mütter vier Prozent weniger. Wie kommt diese Ungerechtigkeit zustande?<br />
<a href="https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/kinder-und-karriere-vaeter-verdienen-mehr-muetter-weniger/10685690.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/kinder-und-karriere-vaeter-verdienen-mehr-muetter-weniger/10685690.html</a> abgerufen am 26.03.2021</li>
<li>Zeng, Tian Chen <em>et al.</em>: Cultural hitchhiking and competition between patrilineal kin groups explain the post-Neolithic Y-chromosome bottleneck. In: Nature Communications Volume 9, Article number: 2077 (2018) <a href="https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6" target="_blank" rel="noopener">https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6</a> abgerufen am 26.03.2021</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<p>&nbsp;</p>
<h2 id="anmerkungen">Anmerkungen</h2>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> <a href="https://web.archive.org/web/20201120201128/https:/www.klett-cotta.de/buch/Tropen-Sachbuch/Female_Choice/136739">https://web.archive.org/web/20201120201128/https://www.klett-cotta.de/buch/Tropen-Sachbuch/Female_Choice/136739</a> abgerufen am 14.03.2021</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 130 f</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> &#8222;Incel&#8220; nach Wikipedia: Kofferwort aus <strong><em>in</em></strong><em>voluntary</em>, dem englischen Wort für &#8222;unfreiwillig&#8220;, und <strong><em>cel</em></strong><em>ibate</em>, dem englischen Wort für &#8222;Zölibat&#8220;) bedeutet.</p>
<p><a href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a> Stoverock 2021, S. 132</p>
<p><a href="#_ftnref5" name="_ftn5">[5]</a> Vgl. Gimbutas 1998</p>
<p><a href="#_ftnref6" name="_ftn6">[6]</a> Stoverock 2021, S. 190</p>
<p><a href="#_ftnref7" name="_ftn7">[7]</a> Vgl. Bott, Gerhard: Wo ist der Phallus des Urvaters? <a href="http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/wo-ist-der-phallus-des-urvaters-.html">http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/wo-ist-der-phallus-des-urvaters-.html</a> abgerufen am 14.03.2021</p>
<p><a href="#_ftnref8" name="_ftn8">[8]</a> Vgl. Stoverock, 2021, S. 27</p>
<p><a href="#_ftnref9" name="_ftn9">[9]</a> Vgl. Ebd., S. 16</p>
<p><a href="#_ftnref10" name="_ftn10">[10]</a> Stoverock 2021, S. 16</p>
<p><a href="#_ftnref11" name="_ftn11">[11]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 136</p>
<p><a href="#_ftnref12" name="_ftn12">[12]</a> Vgl. ebd., S. 201</p>
<p><a href="#_ftnref13" name="_ftn13">[13]</a> Vgl. ebd., S. 216</p>
<p><a href="#_ftnref14" name="_ftn14">[14]</a> Stoverock 2021, S. 189</p>
<p><a href="#_ftnref15" name="_ftn15">[15]</a> Patrilokalität. Residenzform, bei der die Ehefrau zum Ehemann und dessen Eltern ziehen muss. In Industriestaaten überwiegt heute die sog. Neolokalität, ebenfalls eine patriarchale Residenzform, bei der die Frau dem Mann dorthin folgt, wo er Arbeit findet, und das ist immer seltener sein Geburtsort.</p>
<p><a href="#_ftnref16" name="_ftn16">[16]</a> Stoverock 2021, S. 134</p>
<p><a href="#_ftnref17" name="_ftn17">[17]</a> Vgl. Strauch 2009</p>
<p><a href="#_ftnref18" name="_ftn18">[18]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 57</p>
<p><a href="#_ftnref19" name="_ftn19">[19]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref20" name="_ftn20">[20]</a> Stoverock 2021, S. 59</p>
<p><a href="#_ftnref21" name="_ftn21">[21]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 234. Eigentlich &#8222;Maslowsche Bedürfnishierarchie&#8220;: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnishierarchie" target="_blank" rel="noopener">https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnishierarchie</a></p>
<p><a href="#_ftnref22" name="_ftn22">[22]</a> Ebd., S. 18</p>
<p><a href="#_ftnref23" name="_ftn23">[23]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref24" name="_ftn24">[24]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 18 ff</p>
<p><a href="#_ftnref25" name="_ftn25">[25]</a> Stoverock 2021, S. 23</p>
<p><a href="#_ftnref26" name="_ftn26">[26]</a> Ebd., S. 93 f</p>
<p><a href="#_ftnref27" name="_ftn27">[27]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref28" name="_ftn28">[28]</a> Ebd., S. 134</p>
<p><a href="#_ftnref29" name="_ftn29">[29]</a> Ebd., S. 92</p>
<p><a href="#_ftnref30" name="_ftn30">[30]</a> Ebd., S. 90</p>
<p><a href="#_ftnref31" name="_ftn31">[31]</a> Ebd., S. 136. Anmerkung: 95/5=19 und nicht 17!</p>
<p><a href="#_ftnref32" name="_ftn32">[32]</a> Vgl. Karmin et al., 2018</p>
<p><a href="#_ftnref33" name="_ftn33">[33]</a> Das Y-Chromosom wird nur über die männliche Linie vererbt, die MtDNA nur über die weibliche Linie, findet sich aber bei Frauen und Männern in den Mitochondrien.</p>
<p><a href="#_ftnref34" name="_ftn34">[34]</a> Vgl. Diep 2015/18</p>
<p><a href="#_ftnref35" name="_ftn35">[35]</a> Zeng et al. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref36" name="_ftn36">[36]</a> Stoverock 2021, S. 133 f</p>
<p><a href="#_ftnref37" name="_ftn37">[37]</a> Stoverock 2021, S. 136 f</p>
<p><a href="#_ftnref38" name="_ftn38">[38]</a> Zeng <em>et al. </em>2018</p>
<p><a href="#_ftnref39" name="_ftn39">[39]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 23</p>
<p><a href="#_ftnref40" name="_ftn40">[40]</a> Vgl. ebd., S. 90 f</p>
<p><a href="#_ftnref41" name="_ftn41">[41]</a> Stoverock 2021, S. 91</p>
<p><a href="#_ftnref42" name="_ftn42">[42]</a> Ebd., S. 95</p>
<p><a href="#_ftnref43" name="_ftn43">[43]</a> Ebd., S. 108 f</p>
<p><a href="#_ftnref44" name="_ftn44">[44]</a> Ebd., S. 110</p>
<p><a href="#_ftnref45" name="_ftn45">[45]</a> Ebd., 2021, S. 106</p>
<p><a href="#_ftnref46" name="_ftn46">[46]</a> Ebd., S. 106 f</p>
<p><a href="#_ftnref47" name="_ftn47">[47]</a> Siehe hierzu auch Conley 2011</p>
<p><a href="#_ftnref48" name="_ftn48">[48]</a> Stoverock 2021, S. 111</p>
<p><a href="#_ftnref49" name="_ftn49">[49]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref50" name="_ftn50">[50]</a> Ebd., S. 113</p>
<p><a href="#_ftnref51" name="_ftn51">[51]</a> Ebd., S. 115</p>
<p><a href="#_ftnref52" name="_ftn52">[52]</a> Blaffer Hrdy 2010, S. 448, FN 20</p>
<p><a href="#_ftnref53" name="_ftn53">[53]</a> Stoverock 2021, S. 125, S. 145, S. 306</p>
<p><a href="#_ftnref54" name="_ftn54">[54]</a> Ebd., S. 118 f</p>
<p><a href="#_ftnref55" name="_ftn55">[55]</a> Als Beispiel sei ein Aufsatz genannt aus dem &#8222;Spektrum der Wissenschaft&#8220; mit dem Titel &#8222;Stark als Paar“ von Blake Edgar (Heft April 2015), den ich bereits an anderer Stelle als Leserinbrief rezensiert habe, der im Spektrum auch abgedruckt wurde. <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2016/10/14/zum-artikel-stark-als-paar-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-april-2015/" target="_blank" rel="noopener">https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2016/10/14/zum-artikel-stark-als-paar-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-april-2015/</a></p>
<p><a href="#_ftnref56" name="_ftn56">[56]</a> Stoverock 2021, Ebd. S. 128</p>
<p><a href="#_ftnref57" name="_ftn57">[57]</a> Ebd., S. 140</p>
<p><a href="#_ftnref58" name="_ftn58">[58]</a> Ebd., S. 140</p>
<p><a href="#_ftnref59" name="_ftn59">[59]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 139</p>
<p><a href="#_ftnref60" name="_ftn60">[60]</a> Vgl. ebd., S. 173 ff</p>
<p><a href="#_ftnref61" name="_ftn61">[61]</a> Stoverock 2021, S. 143. Vgl. auch S. 328, wo sie behauptet: <em>&#8222;Ein Stück Fleisch ist schwerer zu beschaffen und damit wertvoller als etwa Brennholz. Jäger sind daher wichtiger.&#8220;</em> Hier folgt sie blind der patriarchalen Anthropologie, die die Jagd als Motor der Menschwerdung ansieht.</p>
<p><a href="#_ftnref62" name="_ftn62">[62]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 141</p>
<p><a href="#_ftnref63" name="_ftn63">[63]</a> Vgl. ebd., S. 199</p>
<p><a href="#_ftnref64" name="_ftn64">[64]</a> Vgl. ebd., S. 293</p>
<p><a href="#_ftnref65" name="_ftn65">[65]</a> Stoverock 2021, S. 200</p>
<p><a href="#_ftnref66" name="_ftn66">[66]</a> Ebd., S. 200 f</p>
<p><a href="#_ftnref67" name="_ftn67">[67]</a> Ebd., S. 201 f</p>
<p><a href="#_ftnref68" name="_ftn68">[68]</a> Ebd. S. 218. Der &#8222;<em>Pluralis Majestatis</em>&#8220; an dieser Stelle imitiert wohl den Sprech von wissenschaftlichen Studien, an denen meist mindestens zwei beteiligt sind. Aber sind vielleicht doch mehr als eine AutorIn beteiligt?</p>
<p><a href="#_ftnref69" name="_ftn69">[69]</a> Zum Beispiel bei Weingrill/van Schaik 2011</p>
<p><a href="#_ftnref70" name="_ftn70">[70]</a> Stoverock 2021, S. 234</p>
<p><a href="#_ftnref71" name="_ftn71">[71]</a> WIWO 2014: Väter verdienen mehr, Mütter weniger &#8211; Bekommen US-Familien Kinder, verdienen die Väter sechs Prozent mehr &#8211; und Mütter vier Prozent weniger. Wie kommt diese Ungerechtigkeit zustande?<br />
<a href="https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/kinder-und-karriere-vaeter-verdienen-mehr-muetter-weniger/10685690.html">https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/kinder-und-karriere-vaeter-verdienen-mehr-muetter-weniger/10685690.html</a> abgerufen am 26.03.2021</p>
<p><a href="#_ftnref72" name="_ftn72">[72]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 162</p>
<p><a href="#_ftnref73" name="_ftn73">[73]</a> Stoverock 2021, S. 235</p>
<p><a href="#_ftnref74" name="_ftn74">[74]</a> Ebd., S. 22</p>
<p><a href="#_ftnref75" name="_ftn75">[75]</a> Ebd., S. 243</p>
<p><a href="#_ftnref76" name="_ftn76">[76]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 22 und S. 243</p>
<p><a href="#_ftnref77" name="_ftn77">[77]</a> Vgl. Bott 2009, Vgl. Small 1995, Vgl. Lerner 1986</p>
<p><a href="#_ftnref78" name="_ftn78">[78]</a> Bowles 2018</p>
<p><a href="#_ftnref79" name="_ftn79">[79]</a> Stoverock 2021, S. 243</p>
<p><a href="#_ftnref80" name="_ftn80">[80]</a> Ebd., S. 262</p>
<p><a href="#_ftnref81" name="_ftn81">[81]</a> Ebd., S. 212</p>
<p><a href="#_ftnref82" name="_ftn82">[82]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 217</p>
<p><a href="#_ftnref83" name="_ftn83">[83]</a> Vgl. ebd., S. 280</p>
<p><a href="#_ftnref84" name="_ftn84">[84]</a> Stoverock 2021, S. 282</p>
<p><a href="#_ftnref85" name="_ftn85">[85]</a> Ebd., S. 283</p>
<p><a href="#_ftnref86" name="_ftn86">[86]</a> Terre de Femme: 7 Mythen der Prostitution: <a href="https://www.frauenrechte.de/rss/380-prostitution/sieben-mythen-der-prostitution/2557-mythos-4-prostitution-verhindert-vergewaltigungen-maenner-brauchen-ein-ventil-fuer-ihre-uellen-beduerfnisse%20abgerufen%20am%2026.03.20121">https://www.frauenrechte.de/rss/380-prostitution/sieben-mythen-der-prostitution/2557-mythos-4-prostitution-verhindert-vergewaltigungen-maenner-brauchen-ein-ventil-fuer-ihre-uellen-beduerfnisse abgerufen am 26.03.20121</a><br />
https://huschkemau.de</p>
<p><a href="#_ftnref87" name="_ftn87">[87]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 283</p>
<p><a href="#_ftnref88" name="_ftn88">[88]</a> Vgl. ebd., S. 284</p>
<p><a href="#_ftnref89" name="_ftn89">[89]</a> Stoverock 2021, S. 288</p>
<p><a href="#_ftnref90" name="_ftn90">[90]</a> Ebd., S. 291</p>
<p><a href="#_ftnref91" name="_ftn91">[91]</a> Ebd., S. 290</p>
<p><a href="#_ftnref92" name="_ftn92">[92]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 289</p>
<p><a href="#_ftnref93" name="_ftn93">[93]</a> Vgl. ebd., S. 280</p>
<p><a href="#_ftnref94" name="_ftn94">[94]</a> Stoverock 2021, S. 274</p>
<p><a href="#_ftnref95" name="_ftn95">[95]</a> Ebd., S. 227</p>
<p><a href="#_ftnref96" name="_ftn96">[96]</a> Ebd., S. 246</p>
<p><a href="#_ftnref97" name="_ftn97">[97]</a> Ebd., S. 299. Analoges auch zur Mitgliedschaft in einer Glaubensgemeinschaft.</p>
<p><a href="#_ftnref98" name="_ftn98">[98]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 144</p>
<p><a href="#_ftnref99" name="_ftn99">[99]</a> Stoverock 2021, S. 23</p>
<p><a href="#_ftnref100" name="_ftn100">[100]</a> Ebd., S. 167</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice">Antwort auf Meike Stoverock s &#8222;Female Choice&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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