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	<title>Jungsteinzeit Archive - Gabriele Uhlmann</title>
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		<title>Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 May 2024 15:03:44 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Bild: Die Prinzessinnengruppe links Luise, rechts Friederike. Gipsausführung von 1795 in der Friedrichswerderschen Kirche, Berlin. Von Johann Gottfried Schadow Das Matrifokal Es fehlte lange für das &#8222;vorpatriarchale&#8220; Habitat der Menschheit,...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat">Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/0382958f2d7a4786988eae044a681ded" alt="" width="1" height="1" /><br />
Bild: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Prinzessinnengruppe" target="_blank" rel="noopener">Die Prinzessinnengruppe</a> links Luise, rechts Friederike. Gipsausführung von 1795 in der Friedrichswerderschen Kirche, Berlin. Von <a title="Johann Gottfried Schadow, CC BY-SA 3.0 &lt;http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/&gt;, via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Schadow-Prinzessinnen.jpg">Johann Gottfried Schadow</a></p>
<h2 id="matrifokal">Das Matrifokal</h2>
<p>Es fehlte lange für das &#8222;vorpatriarchale&#8220; Habitat der Menschheit, das die Altsteinzeit und die frühe Jungsteinzeit einschließt, ein Begriff, der ohne diese ausschließende Nennung des Patriarchats auskommt. Auch für matrifokale Gemeinschaften aus der Zeit nach der Patriarchalisierung stand nur der unbrauchbare Begriff &#8222;<a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann" target="_blank" rel="noopener">Matriarchat</a>&#8220; zur Verfügung. Daher hat die Patriarchatsforscherin Stephanie Gogolin für die &#8222;matrifokale Gemeinschaft&#8220; den Begriff <strong>DAS MATRIFOKAL</strong> definiert:</p>
<blockquote><p>&#8222;Als <strong><em>Das Matrifokal</em></strong> bezeichne ich ein real vorhandenes, naturgemäßes, dynamisches Habitat, das von Beginn des Menschseins als <strong>existenzsichernde Schutzsphäre</strong> für die Mütter und ihren Nachwuchs fungierte. In der Regel bestehend aus konsanguinen Angehörigen beiderlei Geschlechts innerhalb der frühen <strong>matrilinear und matrilokal</strong> sowie <strong>generationsübergreifend</strong> lebenden Menschengruppen. Was bedeutet: durch Geburt verwandte Menschen interagierten in ihrem Alltag in überschaubaren <strong>mutterbasierten</strong> und <strong>geschwisterbezogenen</strong> Fürsorge-Gruppen, in denen in der Regel <strong>jedes Individuum von der Geburt bis zum Tod, integriert und geborgen lebte</strong>.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup></blockquote>
<p>Das Matrifokal ist keine Gesellschaft, kein Herrschaftsgebilde, also kein Matriarchat, sondern eine zeitgleich mit der Entwicklung der Gattung <em>Homo</em> natürlich gewachsene Sozialordnung, die maximale Sicherheit bei maximal möglicher Freiheit gewährleistet. Das Sexualleben der Frau spielt sich innerhalb der Schutzsphäre des Matrifokals ab, in welcher vertrauenswürdige, fremde Männer aus dem Jagdkollektiv stets vorübergehend zu Gast sind. Die natürliche Exogamie<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup> wird also matrilokal ausgeübt, was nicht nur Inzucht verhindert, sondern vor Übergriffen schützt. Alle Frauen des Matrifokals leben daher ihre Female Choice frei und haben damit auch die Wahl, kinderlos zu bleiben. Das männliche Werbeverhalten zielt auf die Female Choice ab, die primär vom Körper des Mannes, seinem Charme und seiner guten sozialen Einbindung abhängt. Die Frauen gehen deshalb auch aktiv auf die Männer zu. Die Kinder kennen ihren genetischen Vater nicht und das gesamte Matrifokal steht ihnen als Bezugspersonen zur Verfügung, aus denen sie sich ihre &#8222;Lieblingsmenschen&#8220;, die natürlich konsanguin verwandt sind, selbst aussuchen. Wesentlich ist, dass die Männer im Matrifokal keinen Anspruch auf ihre genetischen Kinder erheben können, da diese anderswo in anderen Matrifokalen aufwachsen.<br />
Die Schwestern leben und arbeiten zusammen; kinderlose Schwestern und die Brüder gehören selbstverständlich zum Netzwerk der helfenden Hände. Meist sind die Männer und männlichen Jugendlichen unter sich und sie verlassen häufig für mehrere Tage das Lager, wobei sie nicht nur jagen, sondern auch sammeln und kochen, was sie von ihren Müttern gelernt haben. Auch temporär kinderlose Frauen tun sich zusammen, um zu jagen. Die Mitverantwortung und Betreuung der jüngeren Brüder und größeren Neffen sowie die Beschaffung von Wildbret obliegen jedoch überwiegend den männlichen Mitgliedern des Matrifokals. Kunst, Musik und Spaßmacherei, Zelt- oder Hausbau machen Männer zu egalitären Mitgliedern des Matrifokals. Sie können aus ihren Tätigkeiten keinen Machtanspruch ableiten, weil auch die Frauen diese Fähigkeiten besitzen und ausüben. Schwere Arbeit wird eher von den älteren Frauen nach der Menopause übernommen. Gefährliche Arbeit erledigen eher die Männer, wobei ihre Körperkraft und Kooperation sie schützt. Es gibt keine Festlegung in Bezug auf ein sog. soziales Geschlecht, wie es das Patriarchat kennt. Die überlebenswichtige intensive Bindung und Unterstützung zwischen den Generationen, insbesondere der Frauen, dazu auch Feste, bei denen Frauen und Männer zusammenkommen und bei denen gemeinsam gekocht und erzählt wird, sowie gegenseitiges Beschenken hält die Gemeinschaft zwanglos zusammen. Im Matrifokal gibt es kein Erbrecht, mit dem der Besitz in der nächsten Generation auf eine bestimmte Person vererbt oder in eine bestimmte Richtung abgeführt werden kann. Weil es kein klar abgegrenztes Generationen-Denken gibt, geht der Besitz kontinuierlich an alle über. Die Widerstandskraft der Gemeinschaft gegen Gefahren aller Art ergibt sich aus ihrem Zusammenhalt und ihrer bedingungslosen Zusammenarbeit. Es ist nicht notwendig, dass einzelne Männer einzelne Frauen beschützen. Die verschiedenen Matrifokale sind über das Schenken, eine Tauschökonomie und das freie Sexualverhalten verbunden, so dass kein Boden für Feindschaften bereitet wird.</p>
<h2 id="inuns">Die Matrifokalität in uns</h2>
<p>Unsere Matrifokalität ist ein Effekt des Naturgesetzes <em>Female Choice</em> sowie der langen Kindheit. Es ist daher nicht möglich, sie wegzuzüchten. Unser angeborenes Sozialverhalten hat nie aufgehört zu existieren und steuert unbewusst gegen die Herrschaft der Väter, das Patriarchat. Was dem Individuum angeboren ist, wird auch immer da sein! In jeder Familie, jeder Gesellschaft gibt es daher unauflösbare soziale Konflikte, die in ihrer penetranten Wiederholung höchst rätselhaft erscheinen: der Schwiegermutterkonflikt, der übrigens auch ein Schwiegerkinderkonflikt ist, Kontaktabbruch, der Egoismus der Älteren, der Nachbarschaftsstreit, natürlich alle Partnerkonflikte und besonders die häusliche Gewalt; dazu traurige Unausweichlichkeiten wie Umzüge, der Auszug von Zuhause, der Wechsel der Schule/Schulfreunde, das Empty-Nest-Syndrom, die Einsamkeit im Alter. Besonders die Enttäuschungen zeigen, wie groß das Bedürfnis ist, anders zu leben: die Mutter, die allein zuhause mit dem Baby sitzt, Eifersucht, Verrat und Trennungen. Wenn es sich trotzdem plötzlich einmal sehr stimmig anfühlt, ist es meist nicht von langer Dauer. Im Patriarchat befinden sich Matrifokale stets knapp vor ihrer Wiederentstehung: Alleinerziehende Mütter, Großmütter, die ihre Töchter nach deren Niederkunft unterstützen, und Schwestern, die fest zusammenhalten.</p>
<p>Die moderne Gesetzgebung unterbindet Matrifokalität immer noch ganz offen, erzeugt aber durch den Glauben an die Rechtmäßigkeit des hierarchischen Systems den Eindruck, von Gerechtigkeit im Sinne von Gleichheit geleitet zu sein. Das Patriarchat usurpiert so zu großen Teilen die natürliche Bindung der Geschwister durch Geburt und wertet die mütterliche Beziehung zum Kindsvater auf, die allein auf der genetischen Zusammensetzung des Kindes basiert, denn Gefühle allein können täuschen und sind keine Garantie.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup>
<p>Unsere Matrifokalität bricht sich immer wieder Bahn, aber in unserer Gesellschaft existiert dieses Wissen nicht. Sie lässt sich dennoch instrumentalisieren und damit gegen uns verwenden. Die zentrale Rolle spielt hier der <strong>Neid</strong>, der im Sprachgebrauch auch mit Eifersucht gleichgesetzt und ambivalent behandelt wird. Der Neid ist die Folge von Ungleichheit, die von unserem matrifokalen Erbe zutiefst abgelehnt wird, denn sie bedroht die Existenz der Gemeinschaft. Die Wirtschaft jedoch lebt vom Neid, er ist erwünscht als Triebfeder, noch mehr zu konsumieren und wird von der Werbung absichtsvoll geschürt. Dennoch ist er gesellschaftlich nicht anerkannt, weil Neid sich auch und vor allem gegen Besitzende richtet. Männlicher <strong>Gebärneid</strong> dagegen ist nicht verpönt, ja nicht einmal bewusst, weil er kaum erkennbar in den Religionen kultiviert ist, dabei ist er das eigentliche Grundproblem: Er ist als göttliche Schöpferkraft verkleidet, auch wenn noch nie ein Mann geboren hat.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup> Es muss geglaubt werden und der Glaube ist zu respektieren, er macht uns angeblich zu besseren Menschen. Desinformation nach dem Haltet-den-Dieb-Prinzip ist für das Patriarchat überlebenswichtig. Dazu gehört heute, im modernen Patriarchat, dass Frauen, die die Geburt als ihre Urkompetenz beschreiben, bzw. sich als deren natürliche Besitzende betonen, als unemanzipiert hingestellt werden. Diese Bestrafung der unbotmäßigen Richtigstellung der biologischen Tatsache trifft hart, wenn Frauen sich nicht bewusst sind, was da mit ihnen gemacht wird: Wo Männer sich lange mit dem Schöpfer &#8211; also dem vaterrechtmäßigen Besitzer der Zeugung, der Geburt und des Kindes &#8211; identifizierten, können sie sich heute zusätzlich auf das Gleichheitsgebot berufen. Die Aussage „Männer können gebären“ gilt heute als politisch korrekt, als &#8222;<em>woke</em>&#8220; (engl. für &#8222;aufgewacht&#8220;), obwohl es das genaue Gegenteil ist, eine neue Form der Religion. Die dem Gleichheitsgrundsatz folgende Aussage &#8222;das Kind braucht den Vater genauso wie die Mutter&#8220; wird regelmäßig von Vaterrechtlern kolportiert. Beides dient der Aufrechterhaltung der Vaterschaft als Institution, ist also das genaue Gegenteil von Emanzipation. Artgemäß wäre die Aussage, dass alle Kinder auch den Kontakt mit männlichen Bezugspersonen brauchen, diese sind aber nur dann kein Risiko, wenn sie konsanguin, also über die Mutter verwandt sind, und diese Matrilinearität auch konsequent leben. Die evolvierte Matrifokalität gewährleistet Menschenkindern maximalen Schutz.</p>
<p>Die Vater-Religion dient der Weismachung, Mütter und Frauen generell seien mit ihrem Freiheitsdrang im Unrecht. Im laizistischen Staat wird diese Maxime beibehalten, indem die Gewalt des Gesetzes Mütter nötigt. Mütter sind erpressbar, sobald sie eine tiefe Bindung zu ihren Kindern haben und den Vater (resp. den Staat) über seine Vaterschaft informieren (müssen), was fast immer der Fall ist. Die wirtschaftliche Schlechterstellung der Mutter macht sie vom Vater abhängig, ob verheiratet oder nicht. Deshalb keine tiefe Bindung zu den Kindern aufzubauen, ist genauso wenig emanzipiert, ja sogar eine Vergewaltigung des Selbst, die zu Lasten der Kinder geht und ein permanent schlechtes Gewissen erzeugt, ein Ruf unserer Matrifokalität.<br />
Wenn Paare heute heiraten, heiraten sie meist mit &#8222;Rückenwind&#8220;, d.h. dass sich die Frauen bis zur ersten Schwangerschaft die Option offenhalten, sich wieder zu trennen. Sie ordnen den Partner unbewusst als Fremden ein und behalten sich ebenso unbewusst ihre Female Choice bis zur Ehe vor. Schwangerschaften treten häufig auch im Moment der Trennung auf, wenn die Beziehung eigentlich schon zu Ende ist. Mit Beginn der Schwangerschaft wird die patriarchalisierte Mutter aber nicht das Weite suchen, um in Ruhe ihr Kind zu bekommen und aufzuziehen, sondern ist mit dem Kindsvater loyal, und lässt zu, dass er zu &#8222;seinem Kind&#8220; eine Beziehung aufbaut. Die Forderung, Väter noch stärker in die Erziehung einzubeziehen, klingt feministisch, ist aber eine Falle, die oft erst erkannt wird, wenn die Trennung ansteht, manchmal schon früher, nämlich wenn der Vater nur noch Augen für seine kleine Prinzessin hat statt für seine Ehefrau. Dann beginnt die Mutter, ihn wieder als das zu sehen, was er immer war, ein Fremder, dem sie einmal begegnet ist. Das Kind aber gerät in einen schweren Loyalitätskonflikt. Loyalität ist immer eine moralische Forderung, die im Großklima des Patriarchats einen Menschen einem anderen verpflichtet, sie nimmt in Geiselhaft. Dabei kann sich der Vater dieser Loyalität leicht entziehen, hat er doch die Loyalität des Gesetzes auf seiner Seite. Anders ausgedrückt: Da die Mutter <strong>ist</strong>, der Vater sich jedoch <strong>macht</strong><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup> und über die Mutter und das Kind dominiert, ist die Loyalität einseitig auf ihn gerichtet. Der Loyalitätskonflikt des Kindes beruht darin, dass es sich der Mutter zugehörig fühlt, aber den Vater nicht enttäuschen will. Mit Liebe hat das nur wenig zu tun.</p>
<h2 id="radfem">Radikaler Feminismus &#8211; der lauteste Ruf unserer Matrifokalität</h2>
<p>Ist der Leidensdruck groß genug, beginnen selbst Mütter, die den väterlichen Führungsanspruch bisher nicht infrage gestellt haben, ihre erlernten Grundsätze aufzugeben. Während und unmittelbar nach Kriegen, in Verelendung, bei Untreue und häuslicher Gewalt wird Frauen und Müttern ihre Lage bewusst. Trotz drohender Gewalt versuchen sie dann, aus ihren Käfigen auszubrechen. Das ist noch kein Feminismus, keine mentale Befreiung, nicht die Absicht das Problem für alle Frauen grundsätzlich abzustellen. Dass das Private das Politische ist, können Frauen nur begreifen, wenn sie das Tabu, darüber offen zu sprechen, brechen und ihre Lage nicht mehr als persönliches Versagen begreifen, sondern als Ergebnis des Vater-Dogmas.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup> Feministische Ziele müssen Stück für Stück gemeinschaftlich erkämpft werden. In der westlichen Welt erleben Frauen aber auch immer wieder ihre Entrechtung, den unvermeidlichen Backlash des Patriarchats, während sie in den extremen Patriarchaten nur selten aufstehen. Unsere matrifokalen Grundhaltungen der Mütterlichkeit, der Fürsorge für andere Menschen und der Liebe zum Frieden werden dabei immer wieder in erpresserischer Weise gegen die Frauen verwendet, und sie liefern sich dem aus, wenn sie aufgrund mangelnder Aufklärung nicht erkennen, wie sehr sie sich damit selbst schaden, wenn ihre vermeintlich feministische Fürsorge den Männern resp. Vätern gilt. Dagegen steht: &#8222;Die Medien und die Meute sind sich nie zu schade, um ihren Frauenhass mit irgendeiner guten Begründung öffentlich zu machen&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup>, wie Regula Stämpfli es formuliert.</p>
<p>Es ist in der weltweiten patriarchalen Geschichte aber mehrmals passiert, dass nicht nur einzelne Verbesserungen oder Anpassungen durchgesetzt wurden, sondern echte reale und mentale Befreiung geschah und Matrifokale neu entstanden sind. Es war wiederholt Frauen oder gar Schwestern die Flucht aus ihrer traumatisierenden Lage gelungen und sie hatten es fortan unterlassen, bei ihren sexuellen Kontakten wieder den Vater mitzudenken. Diese Entscheidungen führten unabdinglich zu heute noch lebenden matrifokalen Großgemeinschaften, in denen die dort hineingeborenen Jungen die Freiheit der Mütter und ihrer Schwestern als natürlich erleben dürfen und auch als Erwachsene nichts anderes von den Frauen erwarten. Bekanntere Beispiele sind die Tuareg der Sahara, ein Berbervolk, das als Besonderheit hirtennomadisch und trotzdem matrifokal lebt, sowie die Mosuo in Südchina, die von Ackerbau und Tierhaltung leben.</p>
<h2 id="jungsteinzeit">Jungsteinzeitliche Resilienz, jungsteinzeitliche Entmenschlichung</h2>
<p>Ein ursprüngliches Matrifokal kann dagegen aus der noch matrifokalen Jungsteinzeit herübergerettet und längst vom Patriarchat umgeben sein. Solche Matrifokale befinden sich mit hoher Sicherheit noch unter den unkontaktierten, isolierten Völkern.<br />
Ein neu entdecktes prähistorisches Beispiel liefert Erkenntnisse über die Besiedlung der überaus wild-, fisch- und pflanzenreichen Westsibirischen Taiga. Sie zeigen, dass sich die dort lebenden Wildbeuter-Gemeinschaften während der Misox-Schwankung<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup> mit Befestigungen, die übrigens zu den ältesten Festungen der Welt zählen, gegen die Angriffe schützen mussten und genötigt waren, hinter ihren Mauern sesshaft zu werden, so in den jüngst untersuchten Siedlungen Amnya und Imnegan.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup>
Diese neuen Funde unterscheiden sich wiederum erheblich von denen aus der Jungsteinzeit Südost- und Mitteleuropas. Die sich hier aus Südosteuropa ausbreitende Bandkeramische Kultur war nicht indigen, sondern sie wurde von ehemalig indigenen anatolischen Klimaflüchtlingen getragen, die noch matrifokal lebten, sich an verschiedenen Stellen entlang ihrer Migrationsroute niederließen und mehrere neue Kulturen entwickelten. Mit den BandkeramikerInnen hielt um 5.500 v.u.Z. in Mittel-, Süd- und Westeuropa das Neolithikum Einzug, die Jungsteinzeit mit Ackerbau und Tierhaltung, ohne dass die indigenen Wildbeuter-Matrifokale sich gegen die Neuankömmlinge schützen mussten, sie bauten keine Verteidigungsanlagen. In Mitteleuropa lebten sie über einen Zeitraum von 2000 Jahren in friedlicher Koexistenz, wobei es zu ersten Kontakten kam. Auf der iberischen Halbinsel kam es noch deutlich früher zu einer friedlichen Vermischung der beiden Gruppen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup> Die BandkeramikerInnen begannen vereinzelt, ihre Toten in denselben Höhlen wie die WildbeuterInnen zu bestatten. Das baldige Ende der Bandkeramischen Kultur zeichnete nur 500 Jahre nach ihrer Ankunft ab, als infolge einer weiteren Klimakatastrophe und Hungersnot einzelne überlebende Männer Nutztiere aus den Siedlungen stahlen und in den Mittelgebirgen mit deren Zucht begannen. Dies löste eine erste Welle der Selbstpatriarchalisierung aus, bei der Frauen geraubt und deren Brüder getötet wurden, und zwar sowohl unter den BandkeramikerInnen als auch WildbeuterInnen. Unter den Toten des Massakers von Talheim aus der Untergangszeit der Bandkeramischen Kultur fehlten fast alle Frauen im gebärfähigen Alter, die auf einem regulären Friedhof statistisch zu erwarten gewesen wären, während sich unter den toten Männern zwei fanden, die archaische Züge trugen, also von ein oder zwei WildbeuterInnen abstammten. Ihre Anwesenheit belegt, dass sie sich mit den BandkeramikerInnen bestens verstanden hatten und sie diesen wohl auch ihr Wissen vermittelten, wie man sich aus der Natur Mitteleuropas ernährt, was in Zeiten der Not äußerst angesehen und willkommen gewesen sein muss.<br />
Mit immer mehr Massakern verschwanden nicht nur die Bandkeramik, sondern auch die Nachfolgekulturen bis 4.500 v.u.Z., nämlich Hinkelstein, Groß Gartacher und Rössener Kultur. Die neolithische Bevölkerung schrumpfte in der Kaltphase zwischen 4.500 und 4.400 v.u.Z. nochmals erheblich, während die nicht sesshaften WildbeuterInnen keine Ernährungsengpässe erlitten, weil sie in günstigere Lagen ausweichen konnten. Insbesondere vielen Wildbeuterinnen, die mit ihrem Heil- und Pflanzenwissen sehr willkommen waren, gelang nun verstärkt der Eintritt in die prekären jungsteinzeitlichen Siedlungen, wo sie die geraubten Frauen ersetzten und auch die Landwirtschaft erlernten.<br />
Eine neue genetische Studie<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup> zeigt, dass sich im Pariser Becken vor 7000 Jahren ein ähnlicher Vorgang wie in Mitteleuropa abgespielt hatte. Das Gräberfeld von Gurgy &#8218;Les Noisats&#8216; zeigt eine bereits patrilineare Bevölkerung, die offenbar auf einen einzelnen &#8222;Gründervater&#8220;, richtiger: Verbrecher, zurückgeht, der kultisch verehrt wurde. Die dort gefundene vermeintliche Monogamie der Frauen UND der Männer aus sieben Generationen zeigt, dass die Söhne von Nebenfrauen nicht mitbestattet waren, sondern entweder in den Krieg gezogen waren und nicht zurückkehrten oder ermordet und nicht mitbestattet wurden. Alle Töchter wurden dagegen in die Fremde verheiratet.<br />
Es ist möglich, dass es dieser Stamm war, der die Fluchtbewegung auslöste, die nach einer Phase von 100-150 Jahren nach Untergang der Rössener Kultur im südlichen Mitteleuropa zur Herausbildung der Michelsberger Kultur führte. Diese neolithische Kultur nutzte verlassene Siedlungen nach, wie es an vielen Fundhorizonten ablesbar ist. Die Tierhaltung wurde hier zunehmend im großen Stil betrieben, erkennbar an den Ansammlungen von Kreisgrabenanlagen. Diese Kultur fällt durch die offensichtliche Egalität auf, ablesbar an Gräbern und Behausungen. Die Häuser wurden mit Reliefs aus Brüsten und die typische Keramik mit Knubben, die Brüste symbolisieren, verziert. Auch WildbeuterInnen wurden erneut integriert, aber nach knapp 1000 Jahren um 3500 v.u.Z. endete auch diese Kultur, nicht ohne wieder von den letzten WildbeuterInnen überlebt zu werden.<br />
In den südlicheren Nachfolgekulturen der nächsten 500 Jahre &#8211; auf heute west- bis mitteldeutschem Gebiet die Wartberg-Kultur, die durch Verteidigungsanlagen auffällt, und im Süden die Horgener und Chamer Kulturen &#8211; gingen die letzten Matrifokale der WildbeuterInnen auf. Im nördlichen Mitteleuropa bildete sich um schon 4200 v.u.Z. die Trichterbecher Kultur aus, die von der später eingewanderten Kugelamphoren-Kultur teilüberlagert wurde, welche ebenfalls noch das matrifokale Leben kannte. Sie assimilierte die Ertebølle-Kultur bereits keramischer WildbeuterInnen. Um ca. 3.000 v.u.Z. lebten in Mitteleuropa keine WildbeuterInnen mehr, ihre Nachfahren waren nun BäuerInnen. Um 2800 v.u.Z. gingen alle matrifokalen Kulturen nördlich der Alpen durch die patriarchale Schnurkeramische Kultur unter, die sich von Osten her ausbreitete und die Indoeuropäisierung einleitete.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup> Die Matrifokale West- und Südeuropas gingen im Zuge der Indoeuropäisierung unter. Ob und wie lange es in Eurasien noch Matrifokale in Insellage gab, ist noch nicht geklärt.</p>
<h2 id="uebergang">Übergangspatriarchate</h2>
<p>Patrilinearität muss über Patrilokalität hergestellt werden, daher finden sich heute weltweit keine patrilinearen Völker, die in regelmäßig Matrilokalität leben. Trotzdem gibt es noch Völker, die nicht vollständig patriarchalisiert sind. Bei vielen Ethnien, in denen die Mutter mit dem Vater ihrer Kinder zusammenwohnt, liegt Uxorilokalität vor, d.h. das Paar lebt vorübergehend bei den Eltern der Ehefrau, hier geht es um die Verlässlichkeit der Versorgung. Diese Gemeinschaften bezeichne ich als <strong>Übergangspatriarchat</strong>. Ein Übergangspatriarchat ist eine Gesellschaft<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup>, die noch deutlich <strong>matrifokale Züge</strong> trägt. Hier können wir sozusagen dem Prozess der Patriarchalisierung bei der Arbeit zusehen, der einsetzt, wenn kein <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" target="_blank" rel="noopener">Frauenraub</a> im Spiel ist. In vielen dieser ehemaligen Matrifokale haben Missionare dafür gesorgt, dass die genetischen Väter mit &#8222;ihren Kindern&#8220; zusammenleben. Die Kinder sollen lernen, einen Vater zu haben. Die Väter wirken in der Gemeinschaft wie plötzlich entartete Zellen, die sich langsam ausbreiten. Bei den !Kung San in der Kalahari hat sich daher auch eine komplexe Streitkultur entwickelt, wo vorher kaum gestritten wurde. Bei den Yequana in Venezuela &#8222;sind Frauen und Kinder besonders bemüht, ihr Bestes zu geben&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup>, wenn der Vater anwesend ist und die Mädchen werden dazu ermuntert, den Vater zu bedienen. Der Mann als Vater macht Probleme, sobald er auftaucht.</p>
<p>Im Verlauf der Menschheitsgeschichte haben wir es mit ursprünglichen, migrierten und auch vom Patriarchat umstellten oder sich in Insellage befindlichen matrifokalen Gemeinschaften zu tun. Sie alle können den Namen &#8222;Matrifokal&#8220; tragen. Es ist aber für solche, die noch nach Beginn der Patriarchalisierung existierten oder existieren, nicht ohne Weiteres ersichtlich, ob es sich um ursprüngliche oder sogar neu entstandene Matrifokale handelt. Matrifokale der vorpatriarchalen Zeit waren Jahrhunderttausende nicht der unmittelbaren Bedrohung ausgesetzt und mussten keine Strategie zu ihrem Schutz vorhalten. Davon unterscheiden sich alle späteren Matrifokale erheblich, denn sie müssen sich gegen den Patriarchalisierungsdruck schützen. Von diesem Umstand ist abhängig, wieviel Freiheit ihnen noch blieb oder bleibt. Daher erscheint es mir nicht angemessen, sie undifferenziert als &#8222;Matrifokal&#8220; zu bezeichnen. Wie also nennen wir solche Gemeinschaften, wenn nicht &#8211; denn dieser Begriff ist ja zu vermeiden &#8211; &#8222;Matriarchat&#8220;? Dazu noch eine Vorüberlegung.<br />
Um ungestört in Matrilokalität und Matrilinearität zu überleben, müssen sich Matrifokale den verschiedenen, patriarchalen Herausforderungen stellen. Beim <strong>Avunkulat</strong> (lat. <em>avunculus</em>, der Mutterbruder) ist der genetische Vater noch bedeutungslos und die Mutter wohnt bei ihrem Bruder, der die &#8222;Vaterrolle&#8220; für seine Neffen und Nichten innehat, d.h. als männliche Bezugsperson fungiert. Hier steht die Vererbung des Besitzes im Vordergrund, d.h., dass die Brüder begonnen haben, den Besitz zu privatisieren und ihre Schwestern werden quasi darauf trainiert, mit einem Mann in einer Ehe zu leben, die freilich noch eine Pseudoehe ist. Die Matrilokalität ist hier bereits durch eine &#8222;<strong>Fraternilokalität</strong>&#8220; (lat. <em>frater</em>, der Bruder; der Begriff ist nicht etabliert) ersetzt und die Matrilinearität nimmt sozusagen einen Umweg über den Bruder. Diese Lebensweise ist bereits eine Anpassung an das umliegende oder erobernde Patriarchat, das das ursprüngliche Matrifokal mit der Idee der männlichen Dominanz und des Besitzes angesteckt hat, also eine Spielart des Patriarchates und ebenso kein Matriarchat. Jüngst wurde das Avunkulat für die <a href="https://www.spektrum.de/news/fuerstengraeber-aus-sueddeutschland-die-dna-der-keltenfuersten/2218598" target="_blank" rel="noopener">Keltenfürsten der Hallstattzeit</a> (800 bis 450 v. Chr.) genetisch nachgewiesen, bei denen die sog. Fürstinnen als &#8222;<em>King-Mums</em>&#8220; und gleichzeitig als &#8222;<em>King-Sisters</em>&#8220; identifiziert wurden.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">15</sup> Warum nicht nur die patriarchalische biologistisch-dynastische Erklärung, also die Sicherung der väterlichen Gene, dafür herangezogen werden darf, sondern vor allem die uralte Matrifokalität Berücksichtigung finden muss, hatte Gerhard Bott bereits am Beispiel der pharaonischen <strong>Bilinearität</strong> erläutert.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">16</sup>
<h2 id="matridurat">Überdauernde Matrifokale – das Matridurat und das Neo-Matridurat</h2>
<p>Heutige reine Matrifokale leben oft in Reservaten, die sich nicht friedlich ausdehnen lassen, ohne die patriarchalen Menschen an den Grenzen von der Matrifokalität zu überzeugen. Ein schon verheiratetes Paar kann dabei nicht auf Aufnahme und Unterstützung ins Matrifokal hoffen, denn das führt unweigerlich zu Konflikten. Allem voran sind es aber die jungen Frauen, auf die bestimmte Maßnahmen abzielen müssen, wenn sich eine matrifokale Gemeinschaft nicht aufgeben will, denn sie alle sind Garantinnen der Zukunft. Das Patriarchat wirkt anziehend, sei es durch die materiellen Verlockungen, sei es durch einen attraktiven Mann, die größte Gefahr. Es muss also das Verbot ausgesprochen werden, dass junge Frauen keine Kontakte ins Patriarchat pflegen dürfen. Dies aber ist in Bezug auf die unter Matrifokalität gelebte Female Choice bereits widersinnig, eine Beschränkung, die wiederum kontraproduktiv wirken muss, denn jede Reglementierung dieser Art erzeugt insbesondere bei Jugendlichen Widerstand.<br />
Zur Lösung des Problems der Differenzierung solcher im Patriarchat überlebenden Matrifokale von den ursprünglichen Matrifokalen, habe ich den Begriff <strong>MATRIDURAT</strong> (lat. <em>durare</em>, andauern) entwickelt: Ein Matridurat ist ein Matrifokal, das vom Patriarchat umgeben und bedroht ist und sich erfolgreich, bewusst und resilient mit Regeln und/oder mittels Verteidigung gegen die patriarchale Einverleibung schützt. Im Gespräch mit Stephanie Gogolin wurde mir zudem klar, dass auch Matridurate, die von ehemals patriarchalen Frauen neu gegründet wurden, gesondert gekennzeichnet werden müssen, ich nenne sie daher <strong>NEO-MATRIDURAT</strong>.<br />
Die Mosuo sind meines Wissens das einzige Matridurat, das durch Überlieferung als neugegründet abgesichert ist, sie sind ein Neo-Matridurat. Wie ich es an anderer Stelle<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">17</sup> ausgeführt habe, sind sie Nachkommen von Frauen, die aus der nomadischen Viehzüchtergesellschaft der Mongolischen Steppe stammten. Es ist ihnen während eines Eroberungsfeldzuges ihrer Männer gelungen, zu entkommen und in dem abgelegenen Gebiet um den Lugosee, ein Gebirgssee auf dem Yunnan-Guizhou-Plateau, neu anzufangen, ohne den alten Fehler der Patrilinearität zu wiederholen. Sie leben das Prinzip der <em>tisese</em><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">18</sup>, was in westlichen Schriften als &#8222;Besuchsehe&#8220; bezeichnet wird, jedoch Sex ohne soziale oder wirtschaftliche Bindung an einen Mann meint. Ob die Mosuo-Frauen damals aus Erfahrung wussten, was genau das Problem ist, nämlich die gewaltsam aufrechterhaltene Vaterschaft, oder ob es eine psychologische Vermeidungsstrategie war, ist unbekannt. Da Matrifokalität angeborenen ist, hat jedenfalls das Heraushalten fremder Männer zu einem neuen Matrifokal geführt. Für die Tuareg in der Sahara existiert keine vergleichbare Überlieferung, jedoch wurden sie gegen ihren Willen islamisiert und mussten sich den arabischen Handelsstrukturen anpassen, so dass ihr Wirtschaftssystem heute nach außen patriarchalisch ist, während ihr Sozialsystem matrifokal geblieben ist. Ob es sich bei der jungsteinzeitlichen Michelsberger Kultur um ein Matridurat oder ein Neo-Matridurat handelte, ist noch zu klären.</p>
<h2 id="aussicht">Aussicht</h2>
<p>Die Neo-Matridurate zeigen, dass die Menschheit dem Patriarchat nicht so ausgeliefert ist, wie weithin angenommen, sie machen Hoffnung auf mehr. Daher ist ihre differenzierte Benennung so wichtig. Deutlich ist auch, dass wir sie als Übergangsform verstehen müssen, solange die Female Choice nicht weltweit gesichert ist. Es kann aber nicht Ziel sein, sie nur unter Denkmalschutz zu stellen, dann werden es erfahrungsgemäß trotzdem immer weniger. Patriarchat ist theoretisch umkehrbar, aber in der Realität aufgrund der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">Überbevölkerung</a> und der vollständigen Besiedelung noch des letzten Winkels nur schwer auf humane bzw. friedliche Art zurückzudrängen und umzuwandeln. Ohne die Stärkung der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">Female Choice</a>, ohne weltweite Aufklärung über sie und auch ohne die Durchsetzung der freien Empfängnisverhütung und Abtreibung kommt das Ziel nicht in Reichweite. Es sind die Frauen, die sich mental und körperlich befreien müssen, aber es sind die Männer, die das Unterfangen der Frauen anerkennen und schützen müssen, in der Einsicht, dass es sich nicht nur um unser kulturelles Welterbe handelt, matrifokal zu leben, sondern um unser aller Menschenrecht, unser eigentliches Sein. Nur solche Männer können auch mit Recht das Prädikat &#8222;Feminist&#8220; für sich beanspruchen.<br />
Wenn wir von dem abweichen, was uns angeboren ist, fügen wir uns Schaden zu. Kultur ist nicht in der Lage, dies vollständig zu kompensieren, chronifiziert die Komplexe sogar noch. Matridurate beweisen, dass ein Wechsel zurück zu unserem angeborenen Sozialverhalten möglich ist. <strong>Es bedarf dazu keiner Anpassungsleistung, wie sie uns das Patriarchat abverlangt,</strong> es raubt uns daher keine Energien, sondern erfordert lediglich wissenschaftliche und soziale Anerkennung.</p>
<p>Danke, Stephanie, für Deine wertvollen Hinweise und Bemerkungen!<br />
Braunschweig, 30.05.2024</p>
[Update am 04.06.2024 (Matrilinearität der Keltenfürsten)! An dieser Stelle ein globales Danke an <a href="https://denkmalpflege-bw.academia.edu/DirkKrausse" target="_blank" rel="noopener">apl. Prof. Dr. Dirk Krausse</a> und <a href="https://www.eva.mpg.de/de/archaeogenetik/mitarbeiterinnen/johannes-krause/" target="_blank" rel="noopener">Prof. Dr. Johannes Krause</a>!]
<p>&nbsp;</p>
<h2 id="literatur">Literatur</h2>
<ul id="liste2">
<li>Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter &#8211; Essays zur Politischen Theologie. Norderstedt 2009</li>
<li>Dönges, Jan: Die DNA der Keltenfürsten. In Spektrum der Wissenschaft online. Online-Ressource auf <a href="https://www.spektrum.de/news/fuerstengraeber-aus-sueddeutschland-die-dna-der-keltenfuersten/2218598" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/news/fuerstengraeber-aus-sueddeutschland-die-dna-der-keltenfuersten/2218598</a>, abgerufen am 04.06.2024</li>
<li>Gogolin, Stephanie: Wie alles begann – eine grundlegende Betrachtung zur Matrifokalität. Online-Ressource vom 27.02.2021 abgerufen am 23.02.2023 auf <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2021/02/27/wie-alles-begann-eine-grundlegende-betrachtung-zur-lebendigen-matrifokalitat/" target="_blank" rel="noopener">https://marthastochter.wordpress.com/2021/02/27/wie-alles-begann-eine-grundlegende-betrachtung-zur-lebendigen-matrifokalitat/</a></li>
<li>Gogolin, Stephanie; Uhlmann, Gabriele: Gibt oder gab es matriarchale Gesellschaften? Eine notwendige Stellungnahme von Stephanie Gogolin und Gabriele Uhlmann. Online-Ressource vom 12.02.2022 abgerufen am 23.02.2023 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann</a></li>
<li>Liedloff, Jean: Auf der Suche nach dem verlorenen Glück &#8211; Gegen die Zerstörung unserer Glücksfähigkeit in der frühen Kindheit. München 1991.</li>
<li>MPG 2023: Oldest human genome from southern Spain &#8211; A human genome from the Ice Age refuge in southern Spain. Online-Ressource vom 12.06.2020 auf <a href="https://www.mpg.de/19953334/0228-evan-human-genome-from-southern-spain-150495-x" target="_blank" rel="noopener">https://www.mpg.de/19953334/0228-evan-human-genome-from-southern-spain-150495-x</a>, abgerufen am 04.03.2023</li>
<li>MPG 2024: Wie waren die Kelten in Baden-Württemberg verwandt?, Online-Ressource vom 03.06.2024, <a href="https://www.mpg.de/21993103/0530-evan-verwandtschaft-und-herkunft-der-kelten-in-baden-wuerttemberg-150495-x" target="_blank" rel="noopener">https://www.mpg.de/21993103/0530-evan-verwandtschaft-und-herkunft-der-kelten-in-baden-wuerttemberg-150495-x</a>, abgerufen am 04.06.2024</li>
<li>Rivollat, M., Rohrlach, A.B., Ringbauer, H. <em>et al.</em>: Extensive pedigrees reveal the social organization of a Neolithic community. Nature (2023). <a href="https://doi.org/10.1038/s41586-023-06350-8" target="_blank" rel="noopener">https://doi.org/10.1038/s41586-023-06350-8</a></li>
<li>Schnaars, Ilka: Sorgerecht und väterliche Gewalt. Rüsselsheim am Main 2025</li>
<li>Schreiber, Tanja <em>et al.</em>: Steinzeitfestungen in der sibirischen Taiga. In: Archäologie in Deutschland 6/2022 S. 14-19</li>
<li>Shih, Chuan-kang: Tisese and It’s Anthropological Significance. Issues around the Visiting Sexual System among the Moso. In: L’Homme<i>.</i> Nr. 154–155: Question de parenté, April–September 2000, S. 697–712. Online-Ressource auf <a class="external text" href="https://journals.openedition.org/lhomme/56" target="_blank" rel="nofollow noopener">lhomme.revues.org</a></li>
<li>Stämpfli, Regula in: #diepodcastin: Isabel Rohner &amp; Regula Stämpfli on Lidia Poet, links/rechts, Wagenknecht/Schwarzer, Chiara Ferragni, sexistischer Karneval, MediaToo &amp; CultureToo. Online-Ressource auf<br />
<a href="https://diepodcastin.de/2023/02/18/diepodcastin-isabel-rohner-regula-stampfli-on-lidia-poet-linksrechts-wagenknechtschwarzer-chiara-ferragni-sexistischer-karneval-mediatoo-culturetoo/" target="_blank" rel="noopener">https://diepodcastin.de/2023/02/18/diepodcastin-isabel-rohner-regula-stampfli-on-lidia-poet-linksrechts-wagenknechtschwarzer-chiara-ferragni-sexistischer-karneval-mediatoo-culturetoo/</a> abgerufen am 23.02.2023</li>
<li>Universität Mainz 2013: Mitteleuropäer haben gemischte Ahnen. Online-Ressource vom 11.10.2013 abgerufen am 23.02.2023 auf <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitteleuropaeer-haben-gemischte-ahnen/" target="_blank" rel="noopener">https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitteleuropaeer-haben-gemischte-ahnen/</a> abgerufen am 23.02.2023</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat &#8211; Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt. Norderstedt 2015</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Der radikalste Feminismus: Leben in Matrifokalität. In: Störenfriedas &#8211; Feminismus radikal gedacht. Norderstedt 2018</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Explosion und Expansion &#8211; Wie Vatermacht die Welt unterjocht. Vortrag gehalten am 17.5.2019 an der Philipps-Universität Marburg im Rahmen der Studientage &#8222;Nachhaltigkeit und Gesellschaftsformen aus kritisch geographischer Sicht&#8220; im Fachbereich 19 Geographie. Online-Ressource vom 29.04.2021 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht</a></li>
<li>Uhlmann 2020: Uhlmann, Gabriele: Von den Mosuo lernen – Wie frau sich aus dem Patriarchat befreien kann. Online-Ressource vom 19.02.2020 auf<br />
<a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2020/02/19/von-den-mosuo-lernen-wie-frau-sich-aus-dem-patriarchat-befreien-kann/" target="_blank" rel="noopener">https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2020/02/19/von-den-mosuo-lernen-wie-frau-sich-aus-dem-patriarchat-befreien-kann/</a></li>
<li>Wolters, Andreas: Mutter durch Geburt – Vater durch Gesetz, Ordnungsmuster der Vergesellschaftung. Roßdorf bei Darmstadt 2018</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Gogolin 2021 und Gogolin 2022</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der soziologische Begriff der &#8222;Exogamie&#8220; wird gemeinhin als &#8222;Heiratsregel&#8220; verstanden, bezieht sich also auf den patriarchalisierten Menschen. In der Biologie wurde er unkritisch übernommen, um natürliches Sexualverhalten zu beschreiben. Es gibt keinen anderen unkontaminierten Begriff dafür. Durch Berücksichtigung der Female Choice und ihrer chemotaktischen Inzestschranke lässt sich das Problem umgehen. Siehe dazu Bott 2009, S. 57 ff.</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Schnaars 2025</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2015</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Wolters 2018 und Schnaars 2025</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2018</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kontext siehe Stämpfli 2023, Min 25:29</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Klimakatastrophe vor 8200 Jahren, die die zu diesem Zeitpunkt bereits 3200 Jahre alte, fatale Abhängigkeit von Landwirtschaft offenbar werden ließ. Vgl. Uhlmann 2019</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Schreiber <em>et al.</em> 2022</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. MPG 2023</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Rivollat <em>et al.</em> 2022</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2019 und Universität Mainz 2013</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zum Begriff der Gesellschaft siehe Gogolin/Uhlmann 2020</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Liedloff 1991, S. 130</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. MPG 2024</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Bott 2009, S. 97 ff u. 419 ff</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2020</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. Shih 2000</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat">Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Patriarchat und Gewalt in Çatal Höyük?</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat-und-gewalt-in-catal-hoeyuek</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Jul 2021 17:12:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Analysen und Studien]]></category>
		<category><![CDATA[Anthropologie]]></category>
		<category><![CDATA[Archäologie]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Female Choice]]></category>
		<category><![CDATA[Interdisziplinäre Patriarchatsforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Jungsteinzeit]]></category>
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		<category><![CDATA[Überbevölkerung]]></category>
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		<category><![CDATA[Zähne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ausgrabung von Çatal Höyük Bildquelle: Wikimedia Commons Die Meldungen in der Presse Nachdem über Jahrzehnte keinerlei Spuren von Gewalt in Çatal Höyük gefunden wurden bzw. nichts darüber berichtet wurde und...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat-und-gewalt-in-catal-hoeyuek">Patriarchat und Gewalt in Çatal Höyük?</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg01.met.vgwort.de/na/5ca4160dc67e4d6c96b0e14383e0043f" alt="" width="1" height="1" /><br />
<a title="Stipich Béla [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_7.JPG"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone" title="Ausgrabung in Catal Hüyük - Ausschnitt" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/04/Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_7.JPG/512px-Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_7.JPG" alt="Ausgrabung in Catal Hüyük - Ausschnitt" width="512" height="340" /></a><br />
Ausgrabung von Çatal Höyük<br />
<span style="font-size: 8px;">Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<h2 id="die-meldungen-in-der-presse">Die Meldungen in der Presse</h2>
<p>Nachdem über Jahrzehnte keinerlei Spuren von Gewalt in Çatal Höyük gefunden wurden bzw. nichts darüber berichtet wurde und Matrifokalität ohne jeden Gegenbeweis mit einer erdrückenden Fülle von Indizien evident geworden war, ging am 17. Juni 2019 ein Forscherteam unter der Leitung von Clark S. Larsen (Ohio State University) mit einer Studie an die breite Öffentlichkeit, mit der der jungsteinzeitliche Siedlungshügel nun als elender Ort geprägt von patriarchaler Überbevölkerung, Krankheit und Gewalt hingestellt wird.</p>
<p>Das online-Magazin <em>Wissenschaft.de</em> schrieb unter dem Titel „Städtische Probleme – schon vor 9000 Jahren“:</p>
<blockquote><p>„Auch was das gesundheitliche Niveau in der Proto-Stadt betrifft, fanden die Forscher Hinweise auf einen Niedergang: Offenbar litten die Bewohner unter einer hohen Infektionsrate – konkret weisen bis zu einem Drittel der Überreste die Spuren von Infektionen an den Knochen auf. Vermutlich war dies auf die hohe Bevölkerungsdichte und die mangelnde Hygiene in der engen Siedlung zurückzuführen. Die Untersuchungen der Baustrukturen zeigen in diesem Zusammenhang: In der Blütezeit wurden die Wohneinheiten ohne Zwischenräume gebaut und die Bewohner kamen und gingen über Leitern.</p>
<p>In den durch Lehm verputzen Innenräumen ging es wohl auch nicht immer gerade sauber zu: Die Forscher fanden Spuren von tierischen und menschlichen Fäkalien. ‚Die Bewohner lebten unter sehr beengten Verhältnissen, mit Müllgruben und Tierställen direkt neben einigen ihrer Häuser. Es gab also offenbar eine ganze Reihe von Hygieneproblemen, die zur Ausbreitung von Infektionskrankheiten beitragen haben könnten’, resümiert Larsen. (…)<br />
Die Untersuchung einer Stichprobe von 93 Schädeln aus Çatalhöyük ergab, dass mehr als ein Viertel die Spuren geheilter Frakturen aufwiesen. Zwölf waren sogar mehrmals Opfer geworden – mit zwei bis fünf Verletzungen im Laufe der Zeit. Mehr als die Hälfte der Opfer waren dabei Frauen (…)<br />
‚Wir fanden eine Zunahme dieser Schädelverletzungen während der mittleren Periode, als die Bevölkerung am größten und am dichtesten war’, sagt Larsen. ‚Somit könnte man interpretieren, dass die Überbevölkerung zu erhöhtem Stress und zu Konflikten innerhalb der Siedlung geführt hat’, so der Wissenschaftler.“ (<a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/staedtische-probleme-schon-vor-9000-jahren/" target="_blank" rel="noopener">Vieweg 2019</a>)</p></blockquote>
<p><strong>Wie viele Frauen also wurden verletzt und wie viele mehrfach verletzt?</strong> Überlegen Sie kurz!<br />
<span id="more-2027"></span><br />
Wer den Text nur überfliegt, zieht schon schnell mal aus so einer Meldung, dass die Hälfte aller Schädel – also rund 47 – Verletzungen aufwiesen und zudem weiblich waren. Doch es sind der Formulierung zufolge ca. 24 (93/4) Verletzte und davon wurden 12, also die ca. Hälfte, mehrmals verletzt. „Mehr als die Hälfte der Opfer“ sind weiblich – das könnten wieder mindestens 12 sein, was zur Verwirrung beiträgt – , vielleicht sind es aber auch nur 6, wenn nur die mehrfach verletzten Opfer gemeint sind, wie es das Wörtchen „dabei“ suggeriert.<br />
Es geht aus der Formulierung nicht hervor, wie viele Frauen verletzt waren, wie viele mehrfach verletzt waren und auch nicht, wie hoch der Anteil der Frauen in der Stichprobe überhaupt war. Dazu später noch einmal.<br />
Es würde mich interessieren, wie Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser, diesen Text im ersten Moment wahrgenommen haben, schreiben Sie mir bitte unten….</p>
<p>Wie dem auch sei, mit diesem Paukenschlag wird alles vom Tisch gewischt, was bisher über Çatal Höyük bekannt war. Denn mindestens bis 2010 wurde nichts über Spuren von Gewalt veröffentlicht, obwohl dies für das Gastgeberland Türkei eine große Freude gewesen wäre, ist doch schon die Ahnung von matrifokalem Leben in grauer Vorzeit ein Schreckgespenst für jeden Patriarchen.</p>
<p>Ein anderes Magazin, <em>Der Standard.at</em>, titelte &#8222;9.000 Jahre alte Steinzeit-Stadt litt an modernen urbanen Problemen“ und schrieb u.a.:</p>
<blockquote><p>’Pflanzenanbau und Tierhaltung gab es von Anfang an, doch mit wachsender Bevölkerung intensivierte sich auch die Landwirtschaft dramatisch’, sagt Larsen. Der hohe Getreideanteil bei der Ernährung führte schnell zu typischen Zivilisationskrankheiten, darunter vor allem Karies: Zehn bis 13 Prozent aller gefundenen Zähne von Erwachsenen wiesen entsprechende Schädigungen auf.<br />
Und ein weiterer anatomischer Wandel ging mit dem Wachstum einher. Knochenuntersuchungen zeigten, dass die Bewohner von Çatalhöyük mit zunehmender Ausdehnung der Siedlung immer mehr zu Fuß unterwegs waren. Die Forscher schließen daraus, dass die Weide- und Ackerflächen im Laufe der Zeit weiter von der ‚Stadt’ wegrückten. ‚Wir glauben, dass die landwirtschaftlich ausgelaugte Umgebung und Klimaveränderungen die Bevölkerung dazu zwang, immer weitere Strecken zurückzulegen, um die Siedlung versorgen zu können’, meint Larsen. ‚Das dürfte letztlich auch zum Niedergang von Çatalhöyük beigetragen haben.&#8220;<br />
(<a href="https://www.derstandard.at/story/2000105111331/9-000-jahre-alte-steinzeit-stadt-litt-an-modernen-urbanen" target="_blank" rel="noopener">Berg 2019</a>)</p></blockquote>
<p>In der Tat, wir wussten schon, dass Çatal Höyük untergegangen ist. Und zwar aufgrund des dramatischen Klimawandels, der mit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Misox-Schwankung" target="_blank" rel="noopener">Misox-Schwankung</a> vor 8200 Jahren einher ging, was vor einem Jahr bekannt wurde (Roffet-Salque <em>et al.</em> 2018). Das können wir aber nicht der Matrifokalität anlasten und mit Patrilokalität hat das auch nichts zu tun. Überbevölkerung ist ein relativer Begriff: Seit dem 12. Jtd. verloren nun sesshafte Menschen nach und nach das Wissen, sich durch Sammeln zu ernähren und entwickelten den Garten- und Ackerbau, der etwa ab 9.500 v.u.Z. (Präkeramisches Neolithikum) voll ausgeprägt war. Die völlige Abhängigkeit der Landwirtschaft von günstigem Wetter blieb über 3000 Jahre lang unbemerkt, auch der damit einhergehende Anstieg der Bevölkerung auf ein höheres Niveau war kein Problem. Aufgrund des plötzlich eintretenden Klimawandels konnten sich die Menschen nicht mehr ausreichend ernähren. Ohne eine globale Vernetzung, mit welcher Nahrung über Ländergrenzen hinweg geliefert werden kann, gab es keine Kompensationsmöglichkeit, außer der Verlagerung auf tierische Nahrung (Roffet-Salque <em>et al.</em> 2018), was offenbar auch nicht genug war. Die Probleme, mit denen Çatal Höyük zu kämpfen hätte, waren daher alles andere als modern.</p>
<p>Wir wissen auch, dass die damals in den Steppen Südrusslands beginnende Tierzucht das erste Patriachat nach sich zog. Es hat viele Klimaflüchtlinge gegeben, die die Tiere in die Steppe trieben (vgl. <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat" target="_blank" rel="noopener">Uhlmann 2019</a>) und die wir als Indoeuropäer kennen. Heute ist die Überbevölkerung ein Dauerproblem, dessen Lösung trotz immer neuer Erfindungen der Hochleistungslandwirtschaft suksessive in immer weitere Ferne rückt. Denn das Patriarchat erzeugt nicht nur eine Bevölkerungsexplosion, sondern es betreibt schweren Raubbau an den Ressourcen, so dass die Tragfähigkeit der Erde bereits überschritten ist.</p>
<p>Wir wussten auch schon lange, dass es erste Zivilisationskrankheiten gab, aber auch das ist nicht der Matrifokalität geschuldet und nimmt sich im Vergleich damit, was das Patriarchat zusätzlich anrichtet, harmlos aus. Allein die Tatsache, dass der Doppel-Hügel 2200 Jahre Bestand hatte, beweist ein weitgehend intaktes Gemeinschaftsleben, ganz so, wie es bisher entdeckt wurde.</p>
<h2 id="friedliches-catal-hoeyuek-alles-veraltet">Friedliches Çatal Höyük &#8211; Alles veraltet?</h2>
<p>Als Jahrzehnte lange, skeptische Beobachterin der Ausgrabung habe ich immer damit gerechnet, dass so etwas kommt, denn ich kenne ja meine Pappenheimer. Die Herrschende Lehre arbeitet schon lange daran, die These von der Matrifokalität Çatal Höyüks zum Einsturz zu bringen, die schon der erste Ausgräber James Mellaart (1961-1964) aufgestellt hatte. Ian Hodder, Grabungsleiter bis 2018, musste feststellen, dass sein mit Schimpf und Schande aus dem Amt geworfener Vorgänger Mellaart mit seinen wesentlichen Aussagen Recht hatte. Es war sicherlich kaum möglich, dies vor der türkischen Regierung zu vertreten und ein kurzzeitiger Grabungsstopp zwischen 2010 und 2012 lässt vermuten, dass dies auch Konsequenzen hatte. Hodder entließ große Teile des Teams, mit der Begründung, &#8222;<strong>es hätte sich auf seinen Interpretationen ausgeruht, hätte sich nicht gegenseitig herausgefordert oder hätte die Annahmen, die für selbstverständlich gehalten wurden, nicht als Herausforderung gesehen.</strong>&#8220; (<a href="https://www.sciencemag.org/news/2010/09/hodder-cleans-house-famed-atalh-y-k-dig" target="_blank" rel="noopener">Balter 2010</a>, meine Übersetzung, meine Hervorhebung. Vgl. auch Farid 2014)</p>
<p>Also Matrifokalität nicht als Herausforderung gesehen? Ein Aufruf zum Kampf gegen das, was nicht sein darf? Was hatte dieses Grabungsteam entdeckt? Hodder fasste es im letzten Grabungsbericht dieses Teams (Archive Report 2010) zusammen:</p>
<blockquote><p>„Eine weitere neue Perspektive betrifft die soziale Organisation in Çatalhöyük. Wir haben lange angenommen, dass sie ziemlich egalitär war, aber in den letzten Jahren haben wir ‚Geschichtshäuser‘ identifiziert, die mehr Bestattungen enthielten und in Bezug auf Architektur und Installationen aufwändiger waren. <strong>Man hätte erwarten können, dass von diesen speziellen Häusern mehr Kontrolle über die Produktion ausging, reichere Bestattungen in ihnen gefunden würden oder gesündere Menschen in ihnen gelebt hätten.</strong> Aber je mehr Daten hereinkamen, desto klarer wurde, dass die Geschichtshäuser in keiner Weise etwas Besonderes waren, weder was Bestattungen noch Sorgfalt anging.<strong> Dies deutet darauf hin, dass Tendenzen zur sozialen Differenzierung in Çatalhöyük stark gedämpft waren.</strong> Von den vielen anderen neuen Erkenntnissen, die aufgelistet werden könnten, möchte ich nur eine weitere erwähnen, nämlich, was das bioarchäologische Team, das an den Skeletten arbeitet, die unter den Stockwerken von Gebäuden ausgegraben wurden, herausgefunden hat. <strong>Man hätte erwarten können, dass die Einwohner von Çatalhöyük von schlechter Gesundheit waren.</strong> Es wird oft angenommen, dass sich das Wohnen in Großsiedlungen negativ auf die Gesundheit der Menschen auswirkt. Und in der Tat weist die dichte Ansammlung von Häusern in Çatalhöyük, die von ausgedehnten Abfallzonen umgeben sind, in denen menschliche und tierische Fäkalien gefunden wurden, auf schlechte hygienische Bedingungen hin. Wir wissen auch, dass Ungeziefer weit verbreitet war. <strong>Es war also eine Überraschung, dass die Gesundheit der Bewohner bei einer Vielzahl von Untersuchungen tatsächlich gut war.</strong> Es scheint so, als hätten sie eine Möglichkeit gefunden, den Unrat zu entsorgen (<strong>wir wissen, dass sie den Dreck einebneten und mit Kalkasche bedeckt haben</strong>), um die negativen Auswirkungen zu minimieren, und sie haben <strong>ihre Häuser peinlichst sauber gehalten</strong>. Wir können nicht davon ausgehen, dass sie etwas von Krankheitserregern ahnten, <strong>aber ihre Praktiken haben es ihnen ermöglicht, gesund zu bleiben</strong>.“<br />
(Hodder 2010, S. 1; meine Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
<p>Diese Beschreibungen passten immer noch sehr gut zu einem Szenario mit hohem kulturellen Standard und Egalität, wie sie nur unter Matrifokalität anzutreffen ist, wo soziale Differenzierung aber nicht aktiv gedämpft werden muss, sondern entsprechend dem angeborenen Sozialverhalten in Sippenverbänden einfach nicht vorkommen kann.</p>
<p>Die am 17. Juni 2019 veröffentlichte Studie stammt nun von einem völlig anderen Team, das – oh Wunder – auch zu völlig anderen Ergebnissen gekommen ist, wie wir oben schon gesehen haben. Mit ihr werden die Ergebnisse, die im Archive Report 2010 veröffentlicht wurden, im Grunde dementiert. Die Arbeit von 17 Jahren für die Mülltonne?</p>
<h2 id="2011-den-wildbeutern-aehnlich-zusammengelebt-keine-familien-nachweisbar">2011: &#8222;den Wildbeutern ähnlich zusammengelebt &#8211; keine Familien nachweisbar&#8220;</h2>
<p>Wie ich bei meinen weiteren Recherchen entdeckte, ist die Studie aber nur die Krönung einer Kette von Studien, die seit 2011 nach und nach erschienen und zunächst von der Presse weitgehend unerwähnt blieben, bis auf eine: Sie trägt den Titel „’Offizielle’ und ‚praktische’ Verwandtschaft: Herleitung der sozialen und der Gemeinschaftstruktur aus dem Zahnphänotyp im neolithischen Çatalhöyük, Türkei (meine Übersetzung, im Original online:<a href="https://www.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ajpa.21520" target="_blank" rel="noopener"> “Official” and &#8222;practical&#8220; kin: Inferring social and community structure from dental phenotype at Neolithic Çatalhöyük, Turkey</a>).<br />
<a href="https://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html" target="_blank" rel="noopener">Das Ergebnis der Studie</a> wurde im Online-Magazin <em>Livescience</em> (Jarus 2011) unter dem Titel „Keine Familiengräber, nur Gemeinschaftsbegräbnisse in uralter Siedlung“ (meine Übersetzung, Originaltitel: „No family plots, Just Communal Burials In Ancient Settlement“) vorgestellt. An den Zähnen aus Gräbern in Çatal Höyük konnten keine Merkmale festgestellt werden, mit denen Verwandtschaften hätten nachgewiesen werden können.<br />
Dieses Ergebnis wirkt wie ein Salomonisches Urteil. Es wurden keine Kernfamilien – also Vater, Mutter und Kind – gefunden, aber das tut dem Team nicht weh, denn auf den ersten Blick lässt es auch Matrifokalität unwahrscheinlich erscheinen.</p>
<p>Ian Hodder zeigte sich darüber erstaunt und befand, dass die Bewohner den Wildbeutern ähnlich zusammengelebt haben müssten. Vielleicht tat er das in der Hoffnung, dass sich die Menschen die Steinzeit immer noch als patriarchales Jägerparadies vorstellen, wo Männer mit Keulen die Frauen an den Haaren hinter sich herzogen. Vielleicht war das auch bewusst diplomatisch ausgedrückt. Vielleicht denkt Hodder aber auch bis heute etwas anderes als das, was er verlauten lässt. Ich hoffe, wir werden es irgendwann erfahren.</p>
<p>Für mich kann es nichts anderes bedeuten, als dass die Menschen von Çatal Höyük wie noch die altsteinzeitlichen Wildbeuter <strong>matrifokal</strong> gelebt haben müssen, und zwar aus zwei Gründen:</p>
<ol class="liste1">
<li>ist es der Menschheit angeboren, dass Kinder bei ihren Müttern aufwachsen und es ist unwahrscheinlich, dass die Kinder in Çatal Höyük ihren Müttern weggenommen wurden. Zudem sind Mütter natürlicherweise auf die Hilfe ihrer Mütter, Schwestern und Cousinen angewiesen (<a href="https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410" target="_blank" rel="noopener">Großmutter-These, Beise/Voland 2003</a>). Dieses hochsoziale Kontinuum ist das Erfolgsgeheimnis der Menschheit mit ihrer extrem langen Kindheit.</li>
<li>legen patriarchale Familien stets besonderen Wert darauf, wenn möglich zusammen bestattet zu werden. Hintergrund ist, dass der familiäre Zusammenhalt in Patrilinearität in besonderer Weise zum Ausdruck gebracht werden muss. Die Notwendigkeit dazu ergibt sich aus der Unnatürlichkeit von Patrilinearität, die künstlich und gewaltsam hergestellt werden muss, indem die Mütter in der Familie regelrecht in Geiselhaft genommen werden, wie ich es bereits <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat" target="_blank" rel="noopener">an anderer Stelle</a> dargestellt habe. Familien sind infolgedessen brüchig und das gilt es zu vertuschen und zu beschönigen. Patrilinearität dient der Legitimation des Vaters und seines Erbes.<br />
Etwas, das mit so viel Aufwand installiert wurde, wird nicht im Tod ignoriert, sondern zelebriert, um der Patrilinie einen Ort zu geben, wo sie ihre Geschichte hochhalten kann. Etwas Vergleichbares oder bildliche Kunst, die darauf hinweisen könnte, gibt es in Çatal Höyük aber nicht.</li>
</ol>
<p>Ich vermute, dass Pilloud und Larsen vor allem nachweisen wollten, dass die Kinder mit den älteren Männern engst verwandt waren, sie haben sicher die Väter gesucht, aber ohne Erfolg. Was haben wir da also vor uns? Unter Matrifokalität leben die Onkel mit den Kindern ihrer Schwestern zusammen, aber das lässt sich nicht unbedingt an den Befunden aus der Studie ablesen, es fehlt ein Mitochondrien-DNA-Abgleich (mtDNA). Die Ähnlichkeit der Sippenmitglieder ist unter der gelebten <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">Female choice</a>, wie sie in Matrifokalität selbstverständlich ist, geringer, weil die nur über die Mutter blutsverwandten Sippenmitglieder genetisch voneinander weiter entfernt sind. Die Geschwister haben unterschiedliche Väter. Der Onkel hat damit auch einen anderen Vater als seine Schwester, ist also relativ weit von seinen Nichten und Neffen entfernt, obwohl er ihre mtDNA teilt, die nur über die Mutter vererbt wird. Größere genetische Vielfalt und nicht Endogamie (Inzucht) ist typisch für Matrifokalität. Das ist der entscheidende Unterschied zum Patriarchat, wo immer eifersüchtig darauf geachtet wird, dass eine Frau innerhalb des eigenen patrilinearen Stammes heiratet und monogam lebt. Bei einer Geschwisterehe (wie z.B. bei den ägyptischen Pharaonen) sind dann immer nur zwei Genpools beteiligt, und zwar der des Elternpaares. Unter Matrifokalität wären immer drei Genpools beteiligt, der der Mutter und die der beiden Väter. Aufgrund der chemotaktischen Inzest-Schranke kommt das so gut wie nie vor.<br />
Ob Hodder und sein neues Team dies alles vollständig durchdacht und verstanden hatten?</p>
<p>Die Studie gab damals Anlass zur Freude, bestätigte sie doch neuerlich Mellaarts Grundannahme. AutorInnen der Studie waren übrigens die Odontologin Marin A. Pilloud und der Bioarchäologe Clark S. Larson. Larsen gilt als Kapazität und war von 2001-2007 Chefredakteur eben jenes Magazins, in welchem die Studie 2011 veröffentlicht wurde, nämlich dem <em>American Journal of Physical Anthropology</em> ! Beide arbeiten seit der Entlassung des alten Teams immer wieder mit Ian Hodder zusammen und gehören auch jetzt wieder, nachdem Hodder sein Amt zurück gegeben hat und Çiler Çilingiroğlu von der Universität Izmir neue Grabungsleiterin ist, zum Studienteam. Es wurde dann für 8 Jahre ruhig um dieses Thema bis zu jenem 17. Juni 2019.</p>
<h2 id="2019-schwierigkeiten-mit-ueberbevoelkerung-gewalt-und-umweltproblemen">2019: &#8222;Schwierigkeiten mit Überbevölkerung, Gewalt und Umweltproblemen&#8220;</h2>
<p>Ich erfuhr von der neuen Studie auf der Facebook-Seite der Zeitschrift <a href="https://www.aid-magazin.de/startseite.html" target="_blank" rel="noopener"><em>Archäologie in Deutschland</em></a>, wo der entsprechende Artikel der <em>Ohio State News</em> verlinkt war (wofür hiermit gedankt sei!) und mit „Vor 9.000 Jahren, eine Gemeinschaft hatte mit modernen, urbanen Problemen zu kämpfen. Çatalhöyük hatte Schwierigkeiten mit Überbevölkerung, Gewalt und Umweltproblemen“ titelte (meine Übersetzung, <a href="https://news.osu.edu/9000-years-ago-a-community-with-modern-urban-problems/?fbclid=IwAR0-tx1IurYIziXbZWGwZ9wpuLCGKYsuuDik4T8_7tVANaK40XH9Z8LIz_E" target="_blank" rel="noopener">Originaltitel</a>).<br />
Mir fiel dabei auch besonders der folgende Satz auf:</p>
<blockquote><p>„Die Form der Verletzungen lässt darauf schließen, dass harte, runde Objekte auf die Schädel eingewirkt hatten – und Lehmkugeln in der richtigen Größe wurden ebenfalls gefunden.“<br />
(Grabmeier 2019, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Da erinnerte ich mich wieder, dass ja diese Lehmkugeln schon in den Neunziger Jahren gefunden worden waren, <a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/clay_balls/" target="_blank" rel="noopener">genauer gesagt Tausende davon</a>. Aufgrund fehlender Anzeichen für Gewalt waren sie ein Rätsel, aber das verschwieg die neue Studie. Sie wurden damals nur von manchen als Schleuergeschosse angesehen, auch als Sportgeräte konnte man sie sich vorstellen, besonders aber als Kochgeräte:</p>
<blockquote><p>„Wir sind nicht wirklich sicher, wofür sie benutzt wurden. Wir denken, sie könnten etwas mit dem Kochen zu tun haben. Denn sie wurden mit Ascheresten gefunden. Hier können Sie Asche und Kohle sehen, die wahrscheinlich von dem Feuer kamen.“<br />
(<em>Roddy Reagan in <a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/clay_balls/roddy/" target="_blank" rel="noopener">SMM 2003</a>, meine Übersetzung</em>)</p></blockquote>
<p>Die Archäologin Sonya Atalay wurde damals mit der Untersuchung der Kugeln betraut, die sie in 3 Kategorien einteilen konnte: Balloide, Minibälle und sogar „komisch“ geformt, dies alles in den unterschiedlichsten Größen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/www.smm.org/catal/media/images/mysteries/clay_balls/all_balls.jpg?w=349&#038;ssl=1" alt="Lehmkugel aus Catal Höyük - Bildquelle: https://www.smm.org"  border="0" /><br />
<span style="font-size: 9px;">Bildquelle: <a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/clay_balls/sonya/ball_types/" target="_blank" rel="noopener">https://www.smm.org/</a></span></p>
<p>Nun also sollen sie Wurfgeschosse sein, mit denen sich die Bewohner gegenseitig bewarfen und verletzten. Eine sehr steile These, denn es wurden der Studie zufolge auch nur geheilte Schädelverletzungen gefunden. Niemand wurde offenbar mit einem Stoß an den Kopf umgebracht.</p>
<p>Ich könnte mir aufgrund ihrer Menge vorstellen, dass die Lehmkugeln als Bettwärmer dienten. Denn die Winter waren kalt, so dass die Dachöffnungen sicherlich nachts geschlossen werden mussten und es daher nicht möglich war, nachts ein Feuer brennen zu lassen. Auf den <a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/clay_balls/" target="_blank" rel="noopener">Abbildungen</a> sieht man, dass sie in den Häusern nicht wild herum lagen, sondern in Clustern ordentlich abgelegt waren. Sie könnten zum Aufheizen in die Feuer gelegt worden sein, was die Brandspuren erklärt. Sowohl für diesen Zweck als auch als Wurfgeschoss hätten die BewohnerInnen genauso gut Steine nehmen können, haben sie aber nicht.</p>
<p>Die Schädelverletzungen insbesondere bei Frauen ließen sich auch ganz anders erklären, z.B. mit Stürzen von den zahllosen Leitern, über die die Häuser betreten werden mussten. Auch die begehbaren Dächer dürften öfter nachgegeben haben, denn sie waren nur von lehmverstärkten Flechtwerk abgedeckt. Sicherlich hatten die Frauen bereits damals eine größere Arbeitsbelastung und mussten über die Leitern schwere Lasten in die Häuser tragen. Dass dabei viel passieren konnte, sollte kein Wunder sein, ebenso wie das damit verbundene hohe Infektionsrisiko. Dass nach einer Dürre hungernde Menschen geringere Abwehrkräfte haben, ist auch nichts Neues, ebenso, dass sie aufgrund der allgemeinen Schwäche sich häufiger verletzten konnten. Dass die Frauen ihre Schädel-Verletzungen überlebten, zeugt aber dennoch von einer großen Fürsorge und auch einer gewissen Erfahrung, wie Wundinfektionen einzudämmen sind. Auch die allgemeine Karies-Rate von nur 10-13% zeugt von Wissen, dass und wie Zähne zu pflegen sind. Der Vergleich mit der Gegenwart zeigt, dass Larsen auch hier dramatisiert: <a href="https://www.derwesten.de/incoming/karies-ist-die-haeufigste-erkrankung-in-deutschland-id109385.html" target="_blank" rel="noopener">Laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung der deutschen Zahnärzte</a> hatte vor vierzig Jahren jeder Jugendliche im Schnitt sieben Zähne, die an Karies erkrankt waren. Gehen wir mal von 28 sichtbaren bleibenden Zähnen aus, ist das eine Rate von 25%, im Laufe des Lebens kamen dann noch die meisten anderen Zähne dazu. Viele Menschen tragen heute Vollprothesen, und das, obwohl vor 40 Jahren bereits eine Erziehung zur Zahnpflege erfolgte und Fluorzahnpasten die Regel waren.<br />
Çatal Höyük war bei weitem nicht so ein gruseliger Ort, wie er jetzt hingestellt werden soll!</p>
<h2 id="die-studie-unter-der-lupe">Die Studie unter der Lupe</h2>
<p>Noch am gleichen Tag begann ich damit, der Sache nachzugehen. Ich besorge mir natürlich immer die Originalstudien. Am von der Presse verlinkten Ort des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Peer-Review" target="_blank" rel="noopener">peer-reviewten</a> Magazins <a href="https://www.pnas.org/content/116/26/12615" target="_blank" rel="noopener">PNAS</a> befindet sich jedoch eine Bezahlschranke (<em>Paywall</em>), und wir können nur das <em>Abstract</em> lesen. Eine kostenlose Version müssen wir uns über die Suchmaschine unserer Wahl suchen und glücklicherweise werden wir auch <a href="https://www.researchgate.net/publication/333828774_Bioarchaeology_of_Neolithic_Çatalhoyuk_reveals_fundamental_transitions_in_health_mobility_and_lifestyle_in_early_farmers" target="_blank" rel="noopener">sofort fündig</a>.</p>
<p>Ich fand die wesentlichen Aussagen von der Presse gut wiedergegeben. Die Sache mit den Schädelverletzungen (vgl. oben) haben sie wie folgt ausgeführt:</p>
<blockquote><p>„Die Gemeinschaft von Çatalhöyük zeigt ein erhöhtes Maß an zwischenmenschlicher Gewalt, das durch geheilte Schädel-Depressionsfrakturen bei 25 Personen der Stichprobe von 93 Schädeln dargestellt wird (…) Insgesamt sind etwas mehr Frauen als Männer betroffen (13 gegenüber 10 bei Schädeln mit eindeutiger Geschlechtsidentifikation). Zwölf der 93 (13%) waren Mehrfachverletzte, die sich im Laufe der Zeit 2 bis 5 Verletzungen zugezogen hatten. Diejenigen mit den meisten Wiederverletzungen sind erwachsene Frauen.“ (Larsen <em>et al.</em> 2019, S. 7, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Sie haben es also fertig gebracht, 93 Schädel in die Studie aufzunehmen, von denen bei manchen das Geschlecht gar nicht festzustellen ist! So wird es simpel möglich zu behaupten, dass etwas mehr Frauen betroffen sind. Das Ergebnis bedeutet nicht, dass mindestens 7 Frauen Mehrfachverletzte waren, sondern unter den 12 Mehrfachverletzten waren mehr Frauen, die besonders viele Verletzungen erlitten, es können also auch weniger als 6 gewesen sein. Eine einfache Liste hätte geholfen, die Sache klar und deutlich zu machen, aber sie verstecken ihren Befund hinter unklaren Formulierungen. Leider fehlen auch jegliche Fotos von diesen Verletzungen.</p>
<p>Ein äußerst bedeutender Absatz der Original-Studie jedoch wird erstaunlicherweise in der Presse weggelassen:</p>
<blockquote><p>„Auf einer größeren regionalen Skala zeigt die Analyse der phänotypischen Variationen der Zähne aus Çatalhöyük und von zwei anderen zentralanatolischen neolithischen Gemeinschaften – Aşıklı Höyük und Musular – eine allgemeine Ähnlichkeit, was auf eine regional enger verwurzelte Variation hindeutet (60). Darüber hinaus gibt es in Çatalhöyük bei Männern ein Muster geringerer Unterschiede im dentalen Phänotyp als bei Frauen, das die Wahrscheinlichkeit eines <strong>patrilokalen, ehelichen Aufenthalts</strong> dokumentiert (61) und was Auswirkungen auf Personenbewegungen, Muster des Genflusses und die Strukturierung der Bevölkerung hat, basierend auf Frauen, die in die Gemeinschaft ziehen“. (Larsen <em>et al.</em> 2019; meine Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
<p>Dies bedeutet, dass nun ein Patriarchat – und damit Familien – für wahrscheinlich gehalten wird. Das ist natürlich ein noch größerer Paukenschlag! Und dem musste weiter nachgegangen werden…</p>
<p>Die beiden Literaturangaben beziehen sich auf 60 = &#8222;Pilloud <em>et al.</em> 2018&#8243; und 61 = &#8222;Königsberg 1988&#8220;. Letztere beschreibt eine schon 30 Jahre alte Methode zur Interpretation von Messdaten, die anhand von Schädeln nordamerikanischer Indianer entwickelt wurde und bis in die Gegenwart Anwendung findet. Ersteres aber ist brisant. Marin A. Pilloud, Clark S. Larsen und Kollegen hatten im Jahre 2018 an der jährlichen Konferenz der <em>American Association of Physical Anthropologists</em> teilgenommen und die obige Literaturangabe bezieht sich auf ein Poster (von zweien), das anlässlich der Konferenz gestaltet wurde und bei <a href="https://scholar.google.com/scholar_lookup?author=M.+A.+Pilloud&amp;title=Mobility+in+Neolithic+central+Anatolia%3A+A+comparison+of+dental+morphometrics+and+aDNA&amp;publication_year=2017&amp;journal=Am.+J.+Phys.+Anthropol.&amp;volume=162" target="_blank" rel="noopener">Google Scholar</a> verlinkt ist, sowie auf ein Abstract, das in einem Beiheft des <em>American Journal of Physical Anthropology</em> abgedruckt ist.</p>
<h2 id="sekundaerquellenkritik-poster-1-von-2018">Sekundärquellenkritik &#8211; Poster 1 von 2018</h2>
<p>Zur Fragestellung findet sich auf dem Poster aber lediglich folgende Angabe:</p>
<blockquote><p>“Frühere Analysen der Zahnmorphology und Maße (Aşıklı Höyük, Musular, and Çatalhöyük) weisen darauf hin, dass eine patrilokale, eheliche Residenzpraxis betrieben wurde (Pilloud 2013), was sich auf die räumlichen Bewegungen von Menschen und die Entwicklung strukturierter Gesellschaften im Laufe der Zeit auswirkt.“<br />
(Pilloud <em>et al.</em> 2018, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Die Studie von 2019 beruft sich also auf ein Poster, welches nur plakative Angaben macht und sich damit wiederum auf eine andere Quelle, und zwar von 2013 beruft, die wir uns natürlich wieder beschaffen müssen! Die Quelle ist Marin A. Pilloud, diesmal ganz alleine, die uns schon aus dem Jahre 2011 bekannt ist als diejenige, die keine Familiengräber finden konnte. Nach der Quellenangabe „S. 221-222“ waren zwei DINA4 Seiten zu erwarten. Das erstaunte mich doch sehr und dem bin ich weiter nachgegangen, erwartete ich doch eigentlich, nun endlich eine groß angelegte Studie mit Aussagen über die Zahl, das Geschlecht, den Fundort, Erhaltungszustand etc. der Zähne und Angaben über die verwendeten Methoden zu finden. Leider (oder natürlich?) ist diese Quelle nicht im Internet abrufbar.</p>
<h2 id="primaerquellenkritik-supplement-von-2013-das-duennste-brettchen-der-welt">&#8222;Primärquellen&#8220;kritik &#8211; Supplement von 2013: Das dünnste Brettchen der Welt</h2>
<p>Also habe ich meinen Universitätsbibliotheks-Account geöffnet und in der GBV-Fernleihe-Datenbank danach gesucht. Die betreffende Zeitschrift ist bei mir vor Ort nur bis zum Jahrgang 1999 einsehbar, lässt sich jedoch über Fernleihe bestellen. Dies funktionierte aber nicht und lieferte die Meldung zurück, dass ich das Heft ja in meiner Bibliothek einsehen könne. Darum musste ich mich persönlich auf den Weg in die Bibliothek machen, um das Problem dort einer Fachkraft vorzutragen. Es handele sich um einen nicht seltenen Fehler und ich könne es in der Fernleihstelle per Email melden, wo man mir helfen würde. Tatsächlich wurde der gesuchte Artikel nach ein paar Tagen von der Staatsbibliothek Berlin nach Braunschweig gesendet, der Fehler konnte aber nicht behoben werden. Die Dame am Ausleiheschalter, die ja einiges gewohnt ist, meinte „oh, das ist aber dünn“ und händigte mir drei zusammengetackerte DINA4-Seiten aus. Seite 1 war das Deckblatt der Bibliothek. Seite 2 und 3 waren die Kopien mit dem Artikel. Jedoch – die Seiten waren 3-spaltig aufgebaut und der gesuchte Text begann auf Seite 2 erst in Spalte 3 ganz unten, letzte 8 Zeilen, und endete schon wieder auf Seite 3 in der Mitte der Spalte 1. Da hat Pilloud aber „Glück“ gehabt, dass der Text, eine Ergänzung (Supplement) von vielen zu der zugehörigen Zeitschrift, der locker auf einer Postkarte Platz gefunden hätte, nicht nur auf Seite 3 abgedruckt wurde!</p>
<p><img data-recalc-dims="1" height="300" width="300" decoding="async" class="size-medium wp-image-4790 aligncenter" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/text.jpg?fit=300%2C300&#038;ssl=1" alt="Kopien, 2 DIN A4-Seiten" /></p>
<p>Der Kürze und Brisanz wegen kann bzw. muss ich hier den gesamten Text zitieren:</p>
<blockquote><p>“<strong>Eheliche Residenz im neolithischen Anatolien.</strong><br />
MARIN A. Pilloud. Central Identification Laboratory, Joint POW / MIA Accounting Command.<br />
Die neolithische Anlage von Çatalhöyük, Türkei (7400-5600 cal BC) ist bekannt für eine Bilderwelt mit weiblicher Symbolik, die dort entdeckt wurde, darunter die sogenannten Göttin-Figurinen. Das Vorhandensein solcher Artefakte hat einige Forscher zu dem Schluss geführt, dass in Çatalhöyük eine Art Fruchtbarkeitskult mit dem Weiblichen als zentraler Figur betrieben wurde. Diese Art der Verehrung gepaart mit der Tatsache, dass Çatalhöyük ein frühes Zentrum der Landwirtschaft war, führte andere zu der Argumention, dass Çatalhöyük eine matriarchale Gesellschaft gewesen sei. Jedoch, archäologische Untersuchungen des Ortes haben gezeigt, dass zwischen den Geschlechtern in Bezug auf Ernährung, Aktivitäten und Bestattung sehr wenig Unterschied besteht. Die vorliegende Studie prüft die Hypothese einer weiblich zentrierten Gesellschaft mittels einer Analyse des ehelichen Wohnsitzes basierend auf der Zahn-Metrik und -Morphologie. Die Daten wurden an erwachsenen Gebissen aus Çatalhöyük sowie zwei weiteren neolithischen Stätten in Anatolien, Aşıklı Höyük und Musular, gesammelt. Die Daten von Männern und Frauen wurden innerhalb von Çatalhöyük verglichen sowie zwischen den drei neolithischen Standorten, um die phänotypische Variation der Zähne zu bewerten.<br />
Innerhalb Çatalhöyük zeigen Varianz-Unterschiede in Bezug auf eine Variable, dass die Frauen mehr Variation in der Zahngröße aufweisen als die Männer. Zwischen den drei Standorten zeigten Tests in Bezug auf eine Variable, der Zahngröße, große Unterschiede bei den Männern, während die Frauen sehr ähnlich waren. Die Zahn-Morphologie identifizierte wenige Unterschiede sowohl innerhalb von Çatalhöyük als auch zwischen den drei Standorten für Mann oder Frau. Basierend auf diesen Ergebnissen scheint es, dass die Frauen das mobilere Geschlecht waren, was mit der Erwartung einer patrilokalen Gesellschaft in Einklang steht.<br />
Gefördert durch Zuschüsse von der Ohio State University, American Research Institute in der Türkei und National Geographic.“<br />
(Pilloud 2013, S. 221 f, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Was sagt uns das? <strong>Erst einmal gibt es wieder Grund zur Freude</strong>: Unbeabsichtigt hat Marin A. Pilloud ihrer Logik nach den Nachweis geführt, dass die Menschen von Aşıklı Höyük und Musular deutlich matrilokal gelebt haben müssen. Größere Ähnlichkeit der Zähne der Männer innerhalb eines Ortes und geringere Ähnlichkeit in einem weiteren Raum bedeutet, dass die Männer ortstreu seien, also patrilokal heiraten, aber nur, wenn für die Frauen etwas anderes festgestellt wird. Das war an diesen beiden Orten NICHT der Fall. Auch in Çatal Höyük war das nur für die <strong>Zahngröße</strong> festgestellt worden, nicht aber für die Form, die <strong>Morphologie</strong> der Zähne! In der Studie von 2019 wird aber behauptet – ich wiederhole: „<em>Darüber hinaus gibt es in Çatal Höyük bei Männern ein Muster geringerer Unterschiede im dentalen Phänotyp als bei Frauen, das die Wahrscheinlichkeit eines <strong>patrilokalen, ehelichen Aufenthalts</strong> dokumentiert</em>“ (Larsen <em>et al.</em> 2019, m. Ü., m. H.) Im Poster wird sogar behauptet – ich wiederhole: “<em>Vorherige Analysen der <strong>Morphology und Maße </strong>der Zähne (Aşıklı Höyük, Musular and Çatalhöyük) deuten an, dass eine patrilokale, eheliche Residenzpraxis betrieben wurde (Pilloud 2013), welche Auswirkungen auf die Bewegungen über den Raum und die Entwicklungen strukturierter Gesellschaften im Laufe der Zeit hatte.</em>“ (Pilloud <em>et al.</em> 2018, m. Ü., m. H.)</p>
<p>Es sind in Çatal Höyük nur Unterschiede in der <strong>GRÖSSE</strong> gefunden worden und an den anderen neolithischen Orten nicht einmal das. Für das viel bedeutendere Kriterium, nämlich die <strong>FORM,</strong> weist Çatal Höyük nur wenige, das heißt keine signifikaten Unterschiede auf. Damit handelt es sich hier um eine Falschaussage in dem Poster von 2018 und um eine Übertreibung („phänotypisch“) in der Studie vom 17. Juni 2019.</p>
<p>Da dem Text von Pilloud 2013 keine Tabellen beiliegen, dürfen wir uns fragen, nach welchen Kriterien die Zähne ausgesucht wurden. Wo wurden sie z.B. gefunden? Dazu keinerlei Angabe, auch nicht zur Anzahl der untersuchten Individuen.</p>
<p>Marin A. Pilloud schreibt von „sog. Göttinnen-Figurinen“, was bereits eine klare, ideologische Absage an Marija Gimbutas und James Mellaart ist, und schlimmer noch, sie wischt mit einem rhetorischen Schachzug Matrifokalität vom Tisch, in dem sie von einem Matriarchat im Sinne von Frauenherrschaft, also von Ungleichheit spricht, von der insbesondere aber Marija Gimbutas nie gesprochen hat. Dass Matrifokalität die einzige Lebensform ist, die echte Egalität ermöglicht, weiß Pilloud entweder nicht, oder sie WILL es nicht wissen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, und das habe ich leider erst jetzt bemerkt, dass sie zum Zeitpunkt dieser „Untersuchung“ und insgesamt vier Jahre für das US-Verteidigungsministerium (Central Identification Laboratory, Joint POW / MIA Accounting Command) gearbeitet hat, dessen erzpatriarchale Gesinnung wir nicht ausführen müssen.</p>
<p>Weil leider nicht immer nur Wissen erschaffen, sondern auch Wissen vorgetäuscht wird, hat die Wissenschaftsethik 12 zu erfüllende Kriterien aufgestellt. Dies sind<br />
1. Ehrlichkeit<br />
2. Objektivität<br />
3. Überprüfbarkeit<br />
4. Reliabilität<br />
5. Validität<br />
6. Verständlichkeit<br />
7. Relevanz<br />
8. Logische Argumentation<br />
9. Originalität<br />
10. Nachvollziehbarkeit<br />
11. Fairness<br />
12. Verantwortung<br />
(FH DO 2011, S. 15, <a href="https://www.springer-campus-it-onlinestudium.de/w3lmedia/W3L/Medium112698/9783868340341_Leseprobe.pdf" target="_blank" rel="noopener">online, im PDF S. 3</a>)</p>
<p>Menschen können sich auch irren, nicht nur JournalistInnen, auch ArchäologInnen stehen unter Druck. Einerseits müssen sie sensationelle Ergebnisse vorweisen, um Geld für den Fortgang einer Grabung einfordern zu können, andererseits sind die Geldgeber und Archäologen daran interessiert, dass die Grabungsergebnisse ihr Weltbild bestätigen, das ja immer ein patriarchales ist. Insbesondere die Grabungsgeschichte von Çatal Höyük, das in der Zentral-Türkei gelegen ist, ist ein Beispiel dafür, wie schnell eine Grabung für beendet erklärt wird und missliebige Archäologen entfernt werden. Nach Hodders unspektakulärem Abgang ist die Grabung wieder ganz in türkischen Händen. Ein anderes Beispiel ist die Ausgrabung in Ephesus, wo dem österreichischen Team im Jahre 2016 aus politischen Gründen die Grabungslizenz entzogen wurde (<a href="https://science.orf.at/stories/2891594/" target="_blank" rel="noopener">Sciene ORF 2018</a>). Aber das nur am Rande.</p>
<p>Das Poster 1 <em>Pilloud et al. 2018</em> wirft damit noch weitere Fragen auf.</p>
<ol class="liste1">
<li>Unter &#8222;Materialien und Methoden&#8220; wird die Tabelle 2, die nur Daten aus Aşıklı Höyük, Musular and Çatal Höyük enthält, falsch zugeordnet: „<em>Data were collected on nuDNA from a subset of Individuals from Boncuklu und Tepecik-Çiftlik (Table 2).</em>“ Die Daten zur nuDNA befinden sich jedoch in „Figure 3“. Ein einfacher Schreibfehler ist das nicht, sondern bereits Nachlässigkeit, und dies auf einem kleinen Poster, das eine Aussage von erheblicher Tragweite trifft. Der Satz lässt ein zweites Mal aufmerken. Denn die Überschrift des Posters lautet „Mobility in Neolithic Central Anatolia: A Comparison of Dental Morphometrics and aDNA“. Aber die Untersuchung der Zähne aus Çatal Höyük wurde <strong>NICHT</strong> durch eine DNA-Untersuchung abgesichert! Dies ist in gewisser Weise eine manipulative Gestaltung der Studie und ihrer Überschrift.</li>
<li>Das Poster enthält insgesamt 3 Tabellen und eine Abbildung, die möglicherweise schon 2013 von Marin A. Pilloud produziert worden sind. Hat es 4 Jahre gedauert, bis das Forscherteam, zu dem wieder Marin A. Pilloud gehörte, damit auf eine Konferenz gegangen ist? Das Poster erweckt aber den Eindruck, als seien es völlig neue Daten. Aber waren die Daten vielleicht noch so wenig aussagekräftig, dass sie weiter verwertet werden mussten oder gibt es einen anderen Grund? Denn das vorliegende Poster soll primär etwas anderes zum Ausdruck bringen. Wir lesen dort als Ergebnis (das ich abschreiben musste, weil das PDF des Posters kopiergeschützt ist):<br />
<blockquote><p>„Diese Ergebnisse legen die regionale Entwicklung von Gemeinschaften nahe, die im Laufe der Zeit begannen, miteinander zu interagieren, was schließlich zu größeren dörflichen Siedlungen führte.“<br />
(Pilloud <em>et al. </em>2018; meine Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
</li>
</ol>
<p>Pillouds „Studie“ von 2013 hat, das zeigen nun diese Tabellen im Poster 1 von 2018 (wenn es tatsächlich diejenigen sind), große Schwächen, von der Tatsache abgesehen, dass allein das Kriterium der Zahngröße zu der brisanten Aussage herangezogen werden konnte. Da ist schon einmal die geringe Anzahl und das ungleiche Geschlechterverhältnis der untersuchten Individuen. Um Residenzregeln zu beweisen, müssen gleich viele Männer wie Frauen untersucht werden. (Dieser Fehler wurde schon bei den <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/das-massaker-von-talheim" target="_blank" rel="noopener">Untersuchungen am bandkeramischen Massaker von Talheim/Neckar</a> gemacht, wo die Archäologin Ursula Eisenhauer ebenfalls Patrilokalität nachzuweisen versuchte, was ich ebenfalls entkräften konnte; vgl. Uhlmann 2012 und Düring/Wahl 2014, S. 22 f).<br />
Aber es wurden hier 56 Männer und 67 Frauen (Verhältnis 0,84) untersucht. Dass bei mehr Frauen auch mehr Unterschiede festgestellt werden, sollte uns nicht wundern. In Aşıklı Höyük wurden 11 Männer und 14 Frauen (Verhältnis 0,79) und nur in Musular gleich viele, jedoch nur 3 Männer und 3 Frauen untersucht und hier wurden auch die geringsten Unterschiede gefunden.<br />
Wir erfahren wie gesagt auch nichts darüber, an welchen Stellen die Zähne gefunden wurden, denn Çatal Höyük ist viel größer als Aşıklı Höyük und Musular. Durch gezielte Auswahl von weiblichen Zähnen an unterschiedlichen Orten, wäre das Ergebnis leicht zu manipulieren gewesen. Wir erfahren auch nichts über das mutmaßliche Alter der „Frauen“ zum Todeszeitpunkt und den Erhaltungszustand im Vergleich der Zähne untereinander. Auch Fotos wären anschaulich gewesen.</p>
<p>Der verwendete Datensatz ist leider auch nicht identisch mit dem aus der Studie von Pilloud/Larsen 2011, bei der keine Familiengräber gefunden wurden. 2011 wurden 266 Individuen einbezogen, 2013 offenbar (wenn die Tabelle im Poster von 2017 tatsächlich aus dem Jahre 2013 stammt) nur 256. Als Untermauerung einer so schwerwiegenden Aussage ist diese Quelle <em>Pilloud 2013</em> völlig ungeeignet und hat, obwohl auch sie in dem sog. peer-reviewten Fachmagazin „American Journal of Physical Anthropology“ veröffentlicht wurde, lediglich den Wert einer Zeitungsmeldung.</p>
<h2 id="sekundaerquellenkritik-poster-2-von-2018">Sekundärquellenkritik &#8211; Poster 2 von 2018</h2>
<p>Werfen wir noch einen Blick auf das <a href="https://www.researchgate.net/publication/327537029_Dental_Diversity_and_Population_Movement_in_Neolithic_Central_Anatolia" target="_blank" rel="noopener">2. Poster</a> (Philbin/Pilloud 2018), das auf der Konferenz präsentiert wurde. Es geht darin wieder um Zahn-Untersuchungen aus den gleichen Orten, nur Tepecik-Çiftlik fehlt. Die AutorInnen sind diesmal Casey S. Philbin und Marin A. Pilloud. Sie betonen in der rechten Seitenspalte, dass Clark S. Larsen Einfluss auf die Studie genommen hat. Es wurden zwei Hypothesen überprüft. 1. die neolithischen Gemeinschaften entwickelten sich regional, und 2. während des jüngeren Neolithikums gab es verstärkten Kontakt zwischen den Siedlungen und einen Genfluss. Im Ergebnis hätte sich beides bestätigt, alle Orte hätten an Diversität zugenommen. Die Zunahme an Merkmalen deute auf eine Zunahme der Komplexität der Gemeinschaft hin. Die Studie diene dem Verständnis, wie sich die Sesshaftigkeit über Europa ausgebreitet hatte, mit Anatolien als führender Rolle.<br />
Diesmal wurde kein Augenmerk auf das Geschlecht der untersuchten Individuen gelegt. Aus Çatal Höyük wurden deutlich weniger Zähne ausgewertet, nämlich nur 137, während die Anzahl aus Aşıklı Höyük mit 39 etwas mehr war und Musular mit 7 gleich blieb. Diese DNA-Untersuchungen können also keine Patrilokalität beweisen, lediglich die Vermischung der Gene in der Region, was ja auch erwartet war.</p>
<p>Wir können daraus ablesen, dass Çatal Höyük eine starke Anziehungskraft ausübte. Die Sogwirkung beweist, dass Çatal Höyük über einen sehr langen Zeitraum nicht so unwirtlich und so gewalttätig gewesen sein kann, wie es Larsen am 17. Juni 2019 verlauten ließ.<br />
Die Sogwirkung allein dem massenhaften Zuzug von Ehefrauen zuzuschreiben, ist nicht haltbar, auch hätte es dann vor Ort einen permanenten Männerüberschuss, also einen Heiratsmarkt, hätte geben müssen, wenn die Männer nicht polygam gelebt haben. Das wiederum dürfte angesichts der Bildsprache der Rauminstallationen in den Häusern kaum der Fall gewesen sein. Im Gegenteil, die Menge verbauter Bukranien (Rindergehörne), die wenn sie denn tatsächlich männliche Tiere bzw. Männer repräsentieren, ist deutlich größer als die Zahl der Frauenfiguren, neben denen sie angeordnet sind. Ich würde sie eher als Symbole der vielen Liebhaber einer Mutter ansehen. Es ist nachvollziehbar, dass die zugezogenen Frauen ihre Liebhaber vor Ort ausgewählt und getauscht haben. Aber deswegen muss frau ja nicht gleich heiraten, wie es so schön heißt.</p>
<p><a title="Elelicht [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_EL.JPG"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/08/Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_EL.JPG/512px-Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_EL.JPG" alt="Catal Hüyük EL" width="512" /></a><br />
Installation aus Çatal Höyük: Oben Urmutter in Gebärhaltung, unten Bukranien. Neben dem Ofen erkennen wir Lehmkugeln.<br />
Rekonstruktion im Museum of Anatolian Civilizations, Ankara<br />
<span style="font-size: 8px;">Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<p>Es dürfte sich daher um den Zuzug ganzer Sippen oder Teilen von Sippen gehandelt haben, wobei vor allem die Frauen es attraktiv fanden, fortan in der Metropole zu wohnen und die Zuwanderung auch der Männer maßgeblich vorantrieben. Es müssen sich daraus Vorteile für sie selbst ergeben haben, u.a., auf den ersten Blick, eine größere Auswahl an Männern. Natürlich kann so der Eindruck entstehen, es hätte sich um patrilokale Familienbeziehungen gehandelt. Mangelnde Vorstellungskraft und Rückwärtsprojektion patriarchaler Verhältnisse führen zu solchen Verlautbarungen. Auf der Basis der Beobachtung, dass in patriarchalen Gesellschaften darauf geachtet wird, dass Familienmitglieder gemeinsam bestattet werden, gehen Hodder, Larsen und Pilloud davon aus, dass von der Art der Bestattung auf die des sozialen Zusammenlebens geschlossen werden kann. Bei matrifokalen Gemeinschaften ist das aber nicht so einfach. So wissen wir aus dem matrilinearen Völkern in Amerika, Afrika und Asien, dass die Kinder oft gar nicht wissen, welche Frau ihre eigene Mutter ist (Tazi-Preve 2017, S. 155f und 2018). Es gibt dann kein Wort für Tante, sondern nur das Wort Mutter.</p>
<p>Çatal Höyük war keine Ansammlung von Parallelgesellschaften, sondern ein echter Schmelztiegel. Wir können davon ausgehen, dass die Kinder auch von Nachbarsippen mitbetreut wurden und, wenn ein Kind Waise, also mutterlos wurde, nahtlos von anderen Sippen adoptiert wurde, was aus psychologischer Sicht sicher hilfreich war. Vielleicht war ja genau das der größte Vorteil, den Kinder dort hatten, dies in der Zeit des Hungers nach der Misox-Schwankung. In großen sesshaften, matrifokalen Gemeinschaften ist demnach gar nicht zu erwarten, dass die mütterlichen Linien beieinander bestattet sind. Für altsteinzeitliche, nichtsesshafte Wildbeutergruppen dürfte dies anders gewesen sein, da die Gruppen wesentlich kleiner waren, nur aus einer Sippe bestehend, mit ca. 80-120 Personen und nicht wie in Çatal Höyük mit mehreren Tausend.</p>
<p><a title="Stipich Béla [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_Restauration.JPG"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/7b/Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_Restauration.JPG/256px-Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_Restauration.JPG" alt="Catal Hüyük Restauration" width="256" /></a><br />
Raum aus Çatal Höyük: Unter den Schlaf-Plattformen wurden die Angehörigen bestattet. Rekonstruktion im Museum of Anatolian Civilizations, Ankara<br />
<span style="font-size: 8px;">Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<h2 id="neue-verwandtschaftsstudie-von-2019-aehnlich-den-matrilinearen-Pueblo">Neue Verwandtschaftsstudie von 2019: Ähnlich den matrilinearen Pueblo?</h2>
<p>Bei meiner Recherche entdeckte ich eine weitere 2019 erschienene, wesentlich nüchternere (<a href="https://www.mdpi.com/2073-4425/10/3/207" target="_blank" rel="noopener">und auch frei im Internet abrufbare</a>) Studie eines völlig anderen Teams polnischer, tschechischer, schwedischer und türkischer BiologInnen und ArchäologInnen. Sie untersuchten 4 benachbarte Häuser in Çatal Höyük aus der sog. Mellaart-Phase VI A und konnten dort insgesamt 10 verschiedene Mitochondrien-DNAs (mtDNA) identifizieren, also im Schnitt 2,5 mtDNAs pro Haus. Insgesamt wurden 37 Individuen untersucht, und zwar zehn aus Gebäude 96, sechs aus Gebäude 97, fünf aus Gebäude 89, und 16 aus Gebäude 80, wo nebenbei erwähnt besonders viele Installationen gefunden wurden.<br />
Davon waren viele Proben kontaminiert, so dass am Ende nur 10 Individuen berücksichtigt werden konnten. Es waren 5 Kinder und 5 Erwachsene. Es konnten nur 3 weibliche Individuen eindeutig indentifiziert werden, davon zwei Kinder. Nach der DNA konnte kein Mann zweifelsfrei identifiziert werden, nach der Morphologie ist vermutlich nur ein Mann dabei.<br />
Keine der mtDNAs kam in ein und demselben Haus mehrfach vor, aber in den 4 benachbarten Häusern fanden sich VertreterInnen von insgesamt 6 „Lineagen“ (U, K, H, W, N und X), die aber zu 10 verschiedenen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Haplotyp" target="_blank" rel="noopener">Haplotypen</a> gehörten. Alle Erwachsenen gehörten unterschiedlichen „Lineagen“ an.<br />
Im Gebäude 96 wurden eine Frau und 3 Kinder gefunden, die keine Verwandten ersten Grades waren. Dies wird wie folgt interpretiert:</p>
<blockquote><p>“Der Fall der im Gebäude 96 begrabenen Personen ist besonders interessant, da vier verschiedene mitochondriale Haplotypen darauf hindeuten, dass mindestens vier verschiedene mütterliche Abstammungslinien in der Gruppe der Personen vorlagen, die in diesem bestimmten Haus beigesetzt wurden. Eine derart hohe Variabilität mitochondrialer Haplogruppen in einer Verwandtschaftsgruppe, insbesondere bei Kindern und Frauen, <strong>könnte durch die Patrilokalität erklärt werden</strong>. Unter der Annahme, dass das Haus als für Çatal Höyük typische Struktur für 3-4 Generationen bewohnt war (…) und von einer matrilokalen oder bilateralen biologischen Verwandtschaftsgruppe bewohnt wurde, ist die Möglichkeit unplausibel, vier Individuen zu finden, die unterschiedliche mütterliche Abstammungslinien repräsentieren und die in Geschlecht und Alter zusammen passen. Zur Untermauerung dieser Interpretation sollten jedoch entweder die väterlichen Abstammungslinien analysiert werden, die in den Y-Chromosomen-Daten widergespiegelt sind, oder es ist eine genaue Schätzung der Größe der betreffenden Verwandtschaftsgruppe erforderlich. Da das Gebäude 96 nicht vollständig ausgegraben wurde (…), wurden bisher nur zehn Personen freigelegt. Es ist nicht auszuschließen, dass sich noch mehr Verstorbene unter seinem Boden befinden.“<br />
(Chyleŉski et al. 2019, S. 8)</p></blockquote>
<p>Die Ergebnisse passen natürlich gut zu der ersten Studie Pilloud/Larsen 2011 und es fällt wohltuend auf, dass erwähnt wird, dass die Ergebnisse mit den Daten der Y-Chromosomen abgesichert werden müssen und zudem die Zahl der Untersuchten unvollständig ist.<br />
Nicht ausschließlich Patrilokalität, mit der sich ja Marin A. Pilloud viel zu weit aus dem Fenster lehnt, sondern auch andere Arten des Zusammenlebens werden erwogen, z.B. wird auch ein Vergleich mit den Pueblo Nordamerikas angestellt. Dass die Pueblo matrifokal waren, wird allerdings unterschlagen. Die Siedlungen der Pueblo dienten immer wieder als Vorbild bei der Rekonstruktion des Siedlungshügels.</p>
<p><a title="Popular Science Monthly Volume 41 [Public domain], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:PSM_V41_D825_Terrace_houses_of_the_pueblo_indians_in_new_mexico.jpg"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/d2/PSM_V41_D825_Terrace_houses_of_the_pueblo_indians_in_new_mexico.jpg/256px-PSM_V41_D825_Terrace_houses_of_the_pueblo_indians_in_new_mexico.jpg" alt="PSM V41 D825 Terrace houses of the pueblo indians in new mexico" width="300" /></a><br />
Pueblo-Terrassenhäuser in New Mexiko<br />
<span style="font-size: 8px;">Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<p>Es wird auch überhaupt nicht in Betracht gezogen, dass Adoptionen häufig vorgekommen sein müssen. Wichtig ist aber der Hinweis, dass es in Tepecik-Çiftlik und Boncuklu Höyük starke Indizien für mitochondriale Verwandtschaft gibt. Auch das legt nahe, dass diese Orte noch keine Metropolen waren, sondern matrilinear gewachsene, geschlossene Gemeinschaften. Insbesondere Boncuklu Höyük wird als einer der genetischen Ursprungsorte Çatal Höyüks vermutet (Chyleŉski <em>et al.</em> 2019, S. 9).</p>
<p>Matrilokalität und Matrilinearität ist unser angeborenes Sozialverhalten. Patrilokalität und Patrilinearität, also Patriarchat, ist keine natürliche Option für den Menschen, sondern es gibt dafür immer einen unnatürlichen Grund, und zwar wirtschaftlicher Art, und es ist natürlich nicht egalitär. Die Entstehung eines Patriarchats ist an die Tierzucht in Herdenhaltung gebunden, und dafür gibt es in Çatal Höyük keine Anzeichen, lediglich Tierhaltung im kleinen Rahmen und Jagd sind belegt. Daher ist plausibel, dass die BewohnerInnen ihre gewohnte Freiheit weiterlebten, nachdem sie in Çatal Höyük angekommen waren. Çatal Höyük kann als Beleg dafür herangezogen werden, dass Matrifokalität zu größerer Toleranz unter Fremden und zu starker Gemeinschaft führen kann. Es spricht vor allem auch für meine These, dass matrifokal aufwachsende Kinder sich ihre wichtigsten Bezugspersonen selbst suchen und selber wissen, was und wen sie brauchen.</p>
<p>Eine archäologische Stätte, die derart bedeutend für die Menschheit ist, weil sie die Überreste unseres matrifokalen Erbes bewahrt, sollte, wie jeder andere Forschungsgegenstand auch verantwortungsvoll erforscht werden. Verantwortung ist in einer Zeit von wieder erstarkender patriarchaler Ideologie ein immer wichtigeres wissenschaftsethisches Kriterium.</p>
<h2 id="nachtrag">Nachtrag</h2>
<p>Am 14. April 2021 bestätigten türkische Forscher erneut die Matrifokalität jungsteinzeitlicher Siedlungen, u.a. Çatal Höyük <a href="https://www.miragenews.com/ancient-dna-hints-at-diverse-stone-age-543915/" target="_blank" rel="noopener">Zum Artikel im Magazin miragenews.com</a></p>
<h2 id="literatur">Literatur</h2>
<ul id="liste4">
<li>Balter 2010: Michael Balter: <strong>Hodder Cleans House at Famed Çatalhöyük Dig</strong>. Veröffentlicht am 2.9.2010<br />
<a href="https://www.sciencemag.org/news/2010/09/hodder-cleans-house-famed-atalh-y-k-dig">https://www.sciencemag.org/news/2010/09/hodder-cleans-house-famed-atalh-y-k-dig</a></li>
<li>Beise/Voland 2003: Jan Beise und Eckart Voland: <strong>Warum gibt es Großmütter?</strong> In: Spektrum online, veröffentlicht am 01.01.2003. <a href="https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410</a></li>
<li>Berg 2019: T. Berg: <strong>9.000 Jahre alte Steinzeit-Stadt litt an modernen urbanen Problemen. In einer der ersten Großsiedlungen der Menschheit grassierten Krankheiten, Umweltzerstörung und Gewalt. Abgerufen am 15.7.2019<br />
</strong><a href="https://www.derstandard.at/story/2000105111331/9-000-jahre-alte-steinzeit-stadt-litt-an-modernen-urbanen">https://www.derstandard.at/story/2000105111331/9-000-jahre-alte-steinzeit-stadt-litt-an-modernen-urbanen</a></li>
<li>Chyleŉski <em>et al.</em> 2019: Maciej Chyleŉski , Edvard Ehler, Mehmet Somel, Reyhan Yaka, Maja Krzewiŉska, Mirosława Dabert, Anna Juras and Arkadiusz Marciniak: <strong>Ancient Mitochondrial Genomes Reveal the Absence of Maternal Kinship in the Burials of Çatalhöyük People and Their Genetic Affinities</strong>. In: Genes 2019, 10, 207; doi:10.3390/genes10030207, Published: 11 March 2019</li>
<li>Düring, Andreas; Wahl, Joachim: <strong>Agentenbasierte Computersimulationen als Schlüssel zur demographischen Struktur des bandkeramischen Massengrabs von Talheim.</strong> In: <a href="https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fbbw/article/download/44490/37955" target="_blank" rel="noopener">Fundberichte aus Badenwürttemberg, Band 34/2, Darmstadt 2014, S. 5-24</a></li>
<li>Farid 2014: Shahina Farid: <strong>‘Proportional representation’ multiple voices in archeological interpretation at Çatalhöyük</strong>. In: Robert Chapman, Alison Wylie Material Evidence: Learning from Archaeological Practice, Routledge, 05.12.2014, S. 75f</li>
<li>Grabmeier 2019: Jeff Grabmeier: <strong>9,000 years ago, a community with modern urban problems. Çatalhöyük had overcrowding, violence, environmental troubles. </strong>Ohio State News, 17.06.2019<br />
<a href="https://news.osu.edu/9000-years-ago-a-community-with-modern-urban-problems/">https://news.osu.edu/9000-years-ago-a-community-with-modern-urban-problems/</a></li>
<li>Hodder 2010: Ian Hodder: <strong>2010 SEASON REVIEW. A Decorated House Found at Çatalhöyük. In Çatalhöyük Archive Report 2010, S. 1-5</strong> <a href="http://www.catalhoyuk.com/sites/default/files/media/pdf/Archive_Report_2010.pdf">http://www.catalhoyuk.com/sites/default/files/media/pdf/Archive_Report_2010.pdf</a></li>
<li>Jarus 2011: Owen Jarus:<strong> No Family Plots, Just Communal Burials In Ancient Settlement</strong>. Live Science Contributor, veröffentlicht am 29.6.2011. Abgerufen am 15.7.2019<br />
<a href="https://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html">https://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html</a></li>
<li>Konigsberg 1988: L. W. Konigsberg: <strong>Migration models of prehistoric postmarital residence.</strong> Am. J. Phys. Anthropol. 77, 471–482 (1988).</li>
<li>Larsen <em>et al.</em> 2019: Clark Spencer Larsen, Christopher J. Knüsel, Scott D. Haddow, Marin A. Pilloud, Marco Milella, Joshua W. Sadvari, Jessica Pearson, Christopher B. Ruff, Evan M. Garofalo, Emmy Bocaege, Barbara J. Betz, Irene Dori, and Bonnie Glencross: <strong>Bioarchaeology of Neolithic Çatalhöyük reveals fundamental transitions in health, mobility, and lifestyle in early farmers</strong>. In: PNAS June 25, 2019 116 (26) 12615-12623; first published June 17, 2019 <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1904345116">https://doi.org/10.1073/pnas.1904345116</a></li>
<li>Lauer 2019: Céline Lauer: <strong>Wie Städte Gewalt erzeugen.</strong> Veröffentlicht am 25.06.2019, abgerufen am 15.07.2019<br />
<a href="https://www.welt.de/wissenschaft/plus195816815/Untergang-von-Çatalhoeyuek-Wie-Staedte-Gewalt-erzeugen.html" rel="nofollow">https://www.welt.de/wissenschaft/plus195816815/Untergang-von-Çatalhoeyuek-Wie-Staedte-Gewalt-erzeugen.html</a></li>
<li>Philbin/Pilloud 2018: Casey S. Philbin and Marin A. Pilloud Department of Chemistry, University of Nevada, Reno; Department of Anthropology, University of Nevada, Reno: <strong>Dental Diversity and Population Movement in Neolithic Central Anatolia</strong>. Conference Paper, September 2018<br />
= POSTER 2: <a href="https://www.researchgate.net/publication/327537029_Dental_Diversity_and_Population_Movement_in_Neolithic_Central_Anatolia">https://www.researchgate.net/publication/327537029_Dental_Diversity_and_Population_Movement_in_Neolithic_Central_Anatolia</a></li>
<li>Pilloud 2013: Pilloud MA. 2013. <strong>Postmarital residence in Neolithic Anatolia.</strong> In: American journal of physical anthropology Supplement S. 150, S. 221-222.</li>
<li>Pilloud <em>et al.</em> 2018: Marin A. Pilloud, Mehmet Somel, Scott D. Haddow, Christopher J. Knüsel, Clark Spencer Larsen, Mihriban Ӧzbaşaran, Omur Dilek Erdal, Douglas Baird, Jessica Pearson, Anders Götherström, Jan Storå, Mattias Jakobsson, Gülşah Merve Kılınç Füsun Özer, Dilek Koptekin, Nihan Dilşad Dağtaş: <strong>Mobility in Neolithic Central Anatolia: A Comparison of Dental Morphometrics and aDNA</strong>. Conference Paper, September 2018<br />
= POSTER 1: <a href="https://www.researchgate.net/publication/327536930_Mobility_in_Neolithic_Central_Anatolia_A_Comparison_of_Dental_Morphometrics_and_aDNA">https://www.researchgate.net/publication/327536930_Mobility_in_Neolithic_Central_Anatolia_A_Comparison_of_Dental_Morphometrics_and_aDNA</a></li>
<li>Pilloud/Larsen 2011: Marin A. Pilloud, Clark Spencer Larsen: <strong>“Official” and “practical” kin: Inferring social and community structure from dental phenotype at Neolithic Çatalhöyük, Turkey.</strong> In: In: American journal of physical anthropology, S. 145, S. 519-530. First published: 17 May 2011. <a href="https://doi.org/10.1002/ajpa.21520d">https://doi.org/10.1002/ajpa.21520d</a><br />
<a href="https://www.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ajpa.21520">https://www.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ajpa.21520</a></li>
<li>Roffet-Salque <em>et al.</em> 2018: Mélanie Roffet-Salque, Arkadiusz Marciniak, Paul J. Valdes, Kamilla Pawłowska, Joanna Pyzel, Lech Czerniak, Marta Krüger, C. Neil Roberts, Sharmini Pitter, and Richard P. Evershed: <strong>Evidence for the impact of the 8.2-kyBP climate event on Near Eastern early farmers.</strong> PNAS August 28, 2018 115 (35) 8705-8709; first published August 13, 2018 <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1803607115">https://doi.org/10.1073/pnas.1803607115</a></li>
<li>FH DO 2011: Springer Campus IT Online-Studium in Zusammenarbeit mit der FH Dortmund 2011: <strong>Wissenschaftsethik: Qualitätskriterien</strong>.<br />
<a href="https://www.springer-campus-it-onlinestudium.de/w3lmedia/W3L/Medium112698/9783868340341_Leseprobe.pdf">https://www.springer-campus-it-onlinestudium.de/w3lmedia/W3L/Medium112698/9783868340341_Leseprobe.pdf</a></li>
<li>Science ORF 2018: <strong>Archäologen dürfen zurück nach Ephesos</strong>. <a href="https://science.orf.at/stories/2891594/">https://science.orf.at/stories/2891594/</a> Publiziert am25.01.2018</li>
<li>SMM 2003: Mysteries of Çatalhöyük 2003. Science Museum of Minnesota<br />
<a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/" target="_blank" rel="noopener">https://www.smm.org/catal/mysteries/</a></li>
<li>Tazi-Preve 2017: Mariam Irene Tazi-Preve: <strong>Das Versagen der Kleinfamilie. Kapitalismus, Liebe und der Staat</strong>. Opladen. Berlin, Toronto 2017</li>
<li>Tazi-Preve 2018: <strong>Vereinbarkeitsdebatte. Wir müssen Familie anders denken</strong>. Interview mit Mariam Irene Tazi-Preve von Anja Wasserbäch am 06.02.2018. Stuttgarter Nachrichten.<br />
<a href="https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.vereinbarkeitsdebatte-wir-muessen-familie-anders-denken.f0e056a4-6943-4975-8fab-6bdf47e97adf.html">https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.vereinbarkeitsdebatte-wir-muessen-familie-anders-denken.f0e056a4-6943-4975-8fab-6bdf47e97adf.html</a></li>
<li>Uhlmann 2012: Gabriele Uhlmann: <strong>Das Massaker von Talheim.</strong> In: Gabriele Uhlmann: Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte. Norderstedt 2012</li>
<li>Uhlmann 2019: Online-Ressource <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat" target="_blank" rel="noopener">Patriarchat- Definition, Geschichte und Symptome</a></li>
<li>Vieweg 2019: Martin Vieweg: <strong>Städtische Probleme – schon vor 9000 Jahren.</strong><br />
<a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/staedtische-probleme-schon-vor-9000-jahren/">https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/staedtische-probleme-schon-vor-9000-jahren/</a> Veröffentlicht am 17. Juni 2019</li>
</ul>
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		<title>Antwort auf Meike Stoverock s &#8222;Female Choice&#8220;</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice</link>
		
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		<pubDate>Sun, 11 Jul 2021 16:15:53 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Veröffentlicht 08.04.2021 Warum diese Kritische Rezension? &#8222;In der Natur müssen Männchen singen, tanzen, kämpfen, bauen, während die Weibchen die Show genießen und anschließend mit dem Sieger abziehen. Die Konkurrenz liegt...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Veröffentlicht 08.04.2021</p>
<h2 id="kritische-rezension">Warum diese Kritische Rezension?</h2>
<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/367fbce435c64285befffc6565c3bbc5" alt="" width="1" height="1" />&#8222;<em>In der Natur müssen Männchen singen, tanzen, kämpfen, bauen, während die Weibchen die Show genießen und anschließend mit dem Sieger abziehen. Die Konkurrenz liegt bei den Männchen. Das Prinzip nennt man Female Choice. Bei den Menschen wurde dieses Prinzip nach der Entdeckung des Ackerbaus ausgehebelt. Es entstand eine Welt, die von Männern für Männer gemacht ist. &#8230; Mit einer bestechenden Verbindung aus Biologie, Kulturgeschichte und einem ebenso klaren wie humorvollen Ton beschreibt Meike Stoverock nicht nur, wo die Menschheit vor über 10 000 Jahren falsch abgebogen ist, sondern auch, was sich ändern muss, damit Mann und Frau heute miteinander glücklich werden.</em>&#8222;<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></p>
<p>Mit diesem Klappentext wurde das Buch „Female Choice &#8211; Vom Anfang und Ende der männlichen Zivilisation&#8220; der Biologin Dr. Meike Stoverock (erschienen Februar 2021) im November 2020 angekündigt. Schon jetzt zeichnete sich ab, dass ich diese kritische Rezension bzw. Antwort würde schreiben müssen, enthielt dieser erste kurze Text doch schon schwerwiegende Fehler, die durch eine interdisziplinäre Betrachtung, wie sie die Patriarchatsforschung vornimmt, nicht passiert wären: Denn nicht der Ackerbau war Auslöser der Entstehung des Patriarchats, sondern ein Klimawandel, <strong>in dessen Folge der Ackerbau und auch einfache Tierhaltung an Bedeutung verloren und durch die Viehzucht verdrängt wurden</strong>.<br />
Wie ich bereits vielfach ausgeführt habe, wurden Frauen im Viehzüchternomadentum der Steppen und Bergregionen Eurasiens erstmals ins Patriarchat gezwungen. Erst hier erklärten Männer die Monogamie (Stoverock nennt sie Monogynie, dies aus Sicht der Männer) mit Ehe und Familie zur &#8222;normalen&#8220; Lebensweise. Die so versklavten Frauen hatten nun den Männern zu folgen, denn da wo das Vieh war, war auch der Mann und Gebieter über Mensch und Tier. Auf dieser Basis entstand das von der <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2019/11/28/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Viehzüchtermentalität</a> durchdrungene Vaterrecht, das die Patrilinearität mit Namens- und Erbrecht festschrieb. Das Patriarchat entstand damit nicht &#8222;vor über 10.000 Jahren&#8220;, sondern vor ca. 8200 Jahren (Klimaereignis Misox-Schwankung). Bis zu diesem Zeitpunkt war die Sesshaftigkeit schon über 3000 Jahre friedlich verlaufen (Präkeramisches Neolithikum, 9500v. u. Z.) und die ersten Versuche, Getreide anzubauen, lagen schon ca. 5800 Jahre zurück (12. Jtd.). Erste Großsiedlungen wie <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/catal_hoeyuek.htm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Çatal Höyük</a> entstanden und erreichten schnell ein hohes Zivilisationsniveau. [siehe hierzu auch &#8222;Nachtrag Aktuelles&#8220; unten]
<p>Um zu retten, was noch zu retten war, bevor das Buch veröffentlicht werden sollte, schrieb ich der Autorin auf Twitter eine kurze Privatnachricht mit meinen Anmerkungen und den Links zu meinem Artikel &#8222;<a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Female Choice &#8211; unser unbekanntes Menschenrecht</a>&#8222;, in dem ich auf diese Zusammenhänge schon 2015 eingegangen war, sowie zu meinem Vortrag &#8222;<a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Explosion und Expansion</a>&#8222;, in dem ich die regionalen Vorgänge detailliert dargestellt habe.<br />
In ihrer Antwort berief sich Stoverock auf ihre Expertise als Biologin und auf nicht näher spezifizierte Literatur, in der sie schwankende Angaben zum Beginn der &#8222;Landwirtschaft&#8220;, die sie als &#8222;Ackerbau und Viehzucht&#8220; definierte, nachgelesen haben will. Die Jahreszahlen seien <strong>Details</strong>. Minuten später twitterte sie öffentlich: &#8222;<em>Jemand mansplaint mir mein Buch aufgrund des Umschlagtextes. Plottwist: es ist eine Frau.</em>&#8220;</p>
<p>Inzwischen wurde der Werbetext zum Buch auf der <a href="https://www.klett-cotta.de/buch/Tropen-Sachbuch/Female_Choice/136739">Homepage des Klett-Cotta-Verlages (Tropen)</a> geändert, und ist so auch als Klappentext im Buch wiederzufinden: &#8222;<em>… Mit der Landwirtschaft wurden die Menschen sesshaft und die Frauen aus der Öffentlichkeit ins private Heim gedrängt. &#8230; Klug, provokant und anschaulich beschreibt Meike Stoverock nicht nur, wo die Menschheit vor über 10 000 Jahren falsch abgebogen ist, sondern auch, was sich ändern muss, damit Männer und Frauen eine gemeinsame Zukunft haben.</em>&#8220;</p>
<p>Das Wort &#8222;Ackerbau&#8220; ist nun verschwunden und durch sinngemäß &#8222;sesshafte Landwirtschaft&#8220; ersetzt, was die Sache nicht besser macht. Immer noch ist die Zeitangabe &#8222;vor über 10.000 Jahren&#8220; zu lesen.<br />
Am 20. Februar erschien das Buch begleitet von der üblichen Pressekampagne des Verlages in allen einschlägigen Medien. An diesem Tag und den darauffolgenden hatte ich ungewöhnlich viel Besuch auf meiner Homepage, und zwar über den Google-Suchbegriff &#8222;female choice&#8220;, und es erreichten mich Zuschriften, von denen ich eine <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2021/03/03/female-choice-langsam-immer-bekannter-aber-weiter-unverstanden/" target="_blank" rel="noopener">hier</a> besprochen habe.</p>
<p>Inzwischen habe ich das Buch gründlich und mit dem Bleistift in der Hand gelesen, und ich könnte den nun folgenden Text abkürzen mit: das Buch ist eine einsame Katastrophe für den Feminismus, die Patriarchatsforschung, die Aufklärung und die Female Choice, und es ist einer Doktorin der Biologie nicht würdig. Aber ich wurde mehrfach um eine ausführliche Stellungnahme gebeten und in der Tat bedarf es einer umfassenden Korrektur bzw. Kritik.</p>
<h2 id="zum-vorliegenden-buch">Zum vorliegenden Buch</h2>
<p>Mein erster Blick galt den letzten Seiten des Buches, dem Literaturverzeichnis &#8211; denn es interessierte mich, ob Stoverock Autorinnen der Patriarchatsforschung, z.B. Rona Duwe und meine Person &#8211; wir hatten ihr über Twitter einiges Wissen zugetragen &#8211; auch genannt hat und noch viel wichtiger: ob sie die Entdeckung des Zusammenhangs der Unterdrückung der Female Choice mit dem Patriarchat wissenschaftsgeschichtlich richtig dem Patriarchatsforscher Gerhard Bott zugeordnet hat, der seine Theorie 2009 in dem immer noch erhältlichen Buch &#8222;Die Erfindung der Götter&#8220; veröffentlicht hatte. Kurz gesagt: Hat sie nicht, weder das eine noch das andere.<br />
Meinen Hinweis bei Twitter auf diese nicht gemachten Hausaufgaben, die von einer Doktorin aber unbedingt zu erwarten seien, und auch die erste Kritik vieler anderer Frauen, wie z. B. Rona Duwe, die aufgrund der Medienbeiträge hellhörig wurden, bürstete sie harsch ab, das sei, sinngemäß, nur Gnatz und mangelnde Frauensolidarität.</p>
<p>Eigentlich sollte ein Literaturverzeichnis die Behauptungen in einem Buch belegen, eine Lesehilfe sein und Interessierten weiterhelfen. Aber es fehlen jegliche Fußnoten und Literaturhinweise im Text, womit eine wesentliche Regel wissenschaftlichen Arbeitens gebrochen ist. Auch ein Stichwortverzeichnis fehlt schmerzlich. Das Literaturverzeichnis liefert neben 16 unkategorisierten, aber alphabetisch geordneten Büchern größtenteils Artikel aus Zeitschriften und Internetlinks, was grundsätzlich in Ordnung ist. Die Links bestehen aber teils nur aus aussagelosen Zeichen, die wir mühsam in den Browser abtippen müssen, ohne zuvor auch nur einen Anhaltspunkt zu bekommen, was sich dahinter verbirgt. Alles ist dennoch nach bestimmten Kategorien sortiert, jedoch nicht alphabetisch oder nach einer sinnvollen Vorsortierung. Es gibt z. B. auf Seite 344 die Kategorien &#8222;Pflegearbeit&#8220;, &#8222;Altsteinzeit und Altertum&#8220;, &#8222;Verhütung&#8220;, &#8222;Kernfamilie&#8220; sowie &#8222;Höhlenmalerei und erotische Kunst&#8220; und auf Seite 345 &#8222;Antike Gesetzestexte&#8220;, &#8222;Wechsel von Gleichheit zu Patriarchat&#8220; sowie &#8222;Genetischer Flaschenhals&#8220;, alles in dieser merkwürdigen Reihenfolge. Hier suchte ich nun weiter nach der Literatur zur Sesshaftwerdung und Erfindung der Landwirtschaft, die sie ja gelesen haben will, sowie nach anderen Texten zur Entstehung des Patriarchats.</p>
<p>Ein einzelner &#8222;sprechender Link&#8220;, nämlich <a href="https://www.spektrum.de/news/kernfamilie-schon-in-der-steinzeit/973990" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/news/kernfamilie-schon-in-der-steinzeit/973990</a>, ist unter &#8222;Kernfamilie&#8220; zu finden. Er verweist auf einen Artikel, der die kupfersteinzeitliche Grabungsstätte bei Eulau thematisiert, wo in einem Grab die älteste bekannte Kernfamilie der Welt entdeckt wurde. Das Grab ist ca. 4600 Jahre alt; die &#8222;Steinzeit&#8220; befindet sich hier an ihrer Schwelle zu den Metallzeiten!<br />
Die Überschrift des Artikels aus dem renommierten populärwissenschaftlichen Magazin &#8222;Spektrum der Wissenschaft&#8220; zeigt hier einmal mehr, wie gefährlich leicht die Steinzeit als Einheit ohne jede Entwicklung hingestellt werden kann, obwohl sie Millionen Jahre gedauert hat und in die Alt-, Mittel- und Jungsteinzeit gegliedert und noch einmal vielfach untergliedert ist. So aber lassen sich LeserInnen vortrefflich täuschen und derart vereinfacht erscheinen Jahreszahlen tatsächlich nur als &#8222;Details&#8220;, als unwichtiges Beiwerk.<br />
Die Kategorie &#8222;Wechsel von Gleichheit zu Patriarchat&#8220; ist bemerkenswert, weil hier eigentlich das geballte Wissen der Patriarchatsforschung seinen Platz haben müsste. Wir finden hier aber nur vier Links, von denen einer nicht einmal nutzbar ist. Zwei befassen sich mit Aristoteles‘ einschlägigen Werken und ein Artikel vergleicht die Lebensweise von <em>Homo Erectus</em> mit der des Pavians. Das muss nicht weiter kommentiert werden.<br />
Ein Link von 2012 (von zweien neben einem falsch zitierten Buchartikel) unter der Kategorie &#8222;Altsteinzeit und Altertum&#8220; liefert einen Kommentar zur Interpretation altsteinzeitlicher Urmutterfigurinen als Pornografie. Interessant ist, dass dieser sehr kritische Kommentar nicht in der zugehörigen Kategorie einsortiert ist, nämlich „Höhlenmalerei und erotische Kunst“, wobei der Name dieser Kategorie genaugenommen ebenfalls irreführend ist. Diese Kategorie ist ein chaotischer Ritt durch alle Zeiten, der aber mit der Altsteinzeit beginnt und mit ihr wieder endet, tatsächlich ein deutliches Vorzeichen auf den Text, in dem die Autorin beinahe die gesamte Kunst der Menschheit, die nackte Frauen abbildet, als Pornografie ansieht und es daher unerheblich ist, wann sie geschaffen wurde (alles nur Details!) und insbesondere in welchem Kontext.</p>
<h2 id="altsteinzeitliche-kunst-als-pornografie">Altsteinzeitliche Kunst als Pornografie</h2>
<p>Ich könnte noch mehr bald Ermüdendes über das Literaturverzeichnis sagen, nutze aber lieber die Interpretation altsteinzeitlicher Kunst als Pornografie zum Einstieg in die Kritik des Buches, ist sie doch zentral für das Weltbild der Dr. Meike Stoverock. Die Autorin braucht sie zwingend für ihre These, dass die Männer von Natur aus in Alpha- und Beta-Männer einzuteilen seien, wobei die Beta-Männer unter Triebstau litten, der dadurch entstanden sei, dass sie &#8211; als von den Frauen stets Verschmähte &#8211; niemals Sex hatten.<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a> Schon in der Altsteinzeit hätten diese Incels<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a> Wege gesucht, ihren Triebstau abzubauen. Sie hätten sich daher ein Sexpüppchen geformt, das sie liebhatten und überallhin mitnehmen konnten.</p>
<blockquote><p>&#8222;Obwohl die Figuren also Symbole für Fruchtbarkeit und Geburt darstellen sollen, verzichtet man auf alles, was Fortpflanzung, Mutterschaft oder Versorgung anzeigt? Die Theorie von der Übermutter oder auch Göttin erscheint mir wegen dieser Widersprüche einfach nicht plausibel.&#8220;<a href="#_ftn4" name="_ftnref1">[4]</a></p></blockquote>
<p>Aber frau muss sich schon mit dem breiten Thema beschäftigen und auch mal so kluge Frauen wie die Archäologin Marija Gimbutas<a href="#_ftn5" name="_ftnref5">[5]</a> zu Rate ziehen, um das zu verstehen, denn in der Schule erfahren wir darüber nichts und auch nicht im Biologiestudium. Es ist leider so, dass das Patriarchat als Habitat nicht die Voraussetzungen schafft, matrifokales Leben und seine Kunst auf Anhieb plausibel zu finden. Anderenfalls könnten wir uns alle feministische Literatur und die Patriarchatsforschung sparen. Die Incel-Hypothese erinnert dann auch an die Verlautbarungen der Personen um Prof. Conard, dessen Mitarbeiterin Maria Malina die mittlerweile zum Weltkulturerbe gehörende sog. Venus vom Hohle Fels (35.000 bis 40.000 Jahre alt) entdeckt hatte. <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/venus-vom-hohle-fels.htm" target="_blank" rel="noopener">Die Presse schlachtete das regelrecht aus</a> und zog die Fundsache weiter ins Lächerliche. Die Theorie ist also nicht neu und war schon damals nicht überzeugend: Da das &#8222;Sexpüppchen&#8220; die erste Kunst der Menschheit überhaupt ist, müsste sie also mit einem Incel begonnen haben, der die Figur formte, in einer versteckten Höhle ablegte und so vor den eifersüchtigen Blicken der anderen Incels, die zum Püppchenbasteln noch nicht fähig waren, verbarg. Demzufolge müssten Menschen ohne Triebstau auch noch viel länger nicht zur Abbildung einer Frau in der Lage gewesen sein, aber wann sie es dann doch waren, erfahren wir nicht. Die Theorie wirft weitere Fragen auf: Was haben die Incels nur all die Millionen Jahre zuvor getan, als das &#8222;Sexpüppchen&#8220; noch nicht erfunden war? Wie erklärt sich die Autorin den Kontext des Fundes? Und warum hat die Autorin nicht auch den angeblichen Steinphallus, den Conard ebenfalls in der Höhle entdeckt haben will, berücksichtigt? Die Abbildung von Penissen verlegt sie nämlich erstaunlicherweise in die Römerzeit:</p>
<blockquote><p>&#8222;Nachdem die Männer viele Jahrtausende lang Höhlen mit Abbildungen der Vulva bemalt haben, bricht nun das Zeitalter des Penis an, in dem sich Darstellungen prächtiger Erektionen auf zahlreichen Gegenständen des täglichen Lebens finden.&#8220;<a href="#_ftn6" name="_ftnref6">[6]</a></p></blockquote>
<p>War Conards &#8222;Steinpenis&#8220; dann nicht ein Dildo, den sich einsame Frauen bastelten? Aber nein, Frauen waren ja stets bemannt und kannten keinen Triebstau; es hätte die Beweisführung nur gestört. Tatsächlich ist auch diese Deutung dieses Objektes mehr als fragwürdig, wie <a href="http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/wo-ist-der-phallus-des-urvaters-.html" target="_blank" rel="noopener">Gerhard Bott</a> es seinerzeit aufgeschrieben hat.<a href="#_ftn7" name="_ftnref7">[7]</a><br />
Wir werden noch sehen, dass Stoverocks Mitgefühl vor allem mit sexuell unterversorgten Männern, aber auch die Angst vor diesem Personenkreis das gesamte Buch durchzieht. Wir sollen der Autorin aber zu Gute halten, dass sie ihre Charakterisierungen stets nach der Gaußschen Glockenkurve vornehme, es also nicht nur schwarz und weiß gibt, sondern die große Masse aus den Zwischentönen besteht.<a href="#_ftn8" name="_ftnref8">[8]</a></p>
<h2 id="die-sesshaftigkeit-und-die-female-choice">Die Sesshaftigkeit und die Female Choice</h2>
<p>Die Female Choice sei &#8222;ein unglaublich zeitraubendes Prinzip&#8220;, so sagt sie, weil Männer fast alle Energie in das Finden und Überzeugen von Partnerinnen stecken müssten. Diese Zeit hätten sie später nicht mehr gehabt, weil ihre Kapazitäten in der Landwirtschaft gebunden gewesen seien.<a href="#_ftn9" name="_ftnref9">[9]</a></p>
<blockquote><p>&#8222;Vereinfacht gesagt, muss ein Mann besseren Zugang zu Sex (und damit Fortpflanzung) haben, damit er sich überhaupt dem Fortschritt zuwenden kann. Das Prinzip der Female Choice einzuschränken, war daher einer der für die Anfänge der Zivilisation wichtigste Schritt, den Männer am Übergang zur Sesshaftigkeit unternahmen. Die Landwirtschaft und mit ihr die Möglichkeit, Besitz anzuhäufen, gab ihnen ein Mittel, die Ressource Sex fast vollständig zu kontrollieren.“<a href="#_ftn10" name="_ftnref10">[10]</a></p></blockquote>
<p>Was war demzufolge also zuerst da? Der Fortschritt (= Landwirtschaft), der den Zugang zu Sex erleichterte, oder der leichte Zugang zu Sex, der den Fortschritt überhaupt erst ermöglichte? Damit lässt sie uns das gesamte Buch über allein. Aber auf diese Weise setzt Stoverock den Beginn des Patriarchats mit dem Übergang zur Sesshaftigkeit gleich! Ihre These klingt auf den ersten Blick vielleicht sogar plausibel &#8211; der Verlag hat es jedenfalls nicht bemerkt &#8211; aber sie lässt entscheidende Faktoren außer Acht: Es ist alter Konsens, dass es die Frauen waren, die als Expertinnen für Pflanzen die Landwirtschaft mit Hackbau, anfangs als Gartenbau, und damit die Sesshaftigkeit erfunden haben. Demnach begannen die Männer erst mit der viel späteren Erfindung des Pfluges, auf Feldern zu arbeiten. Dies deckt sich beispielsweise mit den Abbildungen aus Çatal Höyük, wo Männer stets jagend oder &#8211; viel seltener &#8211; mit Haustier abgebildet sind, während das Getreide durch in Vorratsbehältern abgelegte Frauenstatuetten in weiblichem Kontext steht. Die bekannteste dieser Schutzmutter-Figuren ist die <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/catal_hoeyuek_3.htm#gg" target="_blank" rel="noopener">Urmutter auf dem &#8222;Leopardenthron&#8220;</a> (Bild unten), eine zwischen zwei Großkatzen sitzende, den Körperformen nach deutlich ältere, nackte gebärende Frau. Aber das sind ja nach Stoverock alles nur &#8222;Sexpüppchen&#8220;.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4727 size-full" title="Urmutter auf dem 'Leopardenthron' bzw. Gebärstuhl" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/stea1.gif?resize=241%2C298&#038;ssl=1" alt="Urmutter auf dem 'Leopardenthron' bzw. Gebärstuhl" width="241" height="298" /></p>
<p>Insbesondere bleibt Stoverock eine Erklärung schuldig, wie es den ersten Patriarchen gelungen sei, alleine &#8211; denn Männer (demnach auch Brüder) standen ihrer These nach immer in aggressiver, sexueller Konkurrenz<a href="#_ftn11" name="_ftnref11">[11]</a> &#8211; große Häuser und bald ganze Siedlungen bauten, um ihrer Meinung nach dort die ersten Frauen in die Ehe zu zwingen. Sesshaftigkeit und Ackerbau als Fallenstellerei von Einzeltätern? In einer Siedlung treffen zudem viele fremde Männer aufeinander, was ihrer Logik zufolge unweigerlich auch Krieg bedeutet hätte. Hier sichert sie sich ab, indem sie behauptet, dass die Männer &#8222;<em>durch Maßnahmen der sesshaften Zivilisation zu umgänglichen, verlässlichen Familiengefährten</em>&#8222;<a href="#_ftn12" name="_ftnref12">[12]</a> geworden seien, und dass die Landwirtschaft den Männern <em>„das Leben erleichtert und mit Möglichkeiten gefüllt“</em><a href="#_ftn13" name="_ftnref13">[13]</a> habe. Und sie kommt zu dem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Ehe verbessert, mildert ab, lindert die fortschrittsfeindlichen Begleiterscheinungen der männlichen Sexualität.&#8220;<a href="#_ftn14" name="_ftnref14">[14]</a></p></blockquote>
<p>Ein erstaunliches Welt- und Männerbild offenbart sich da: Kulturlose, aggressive Wilde, die nur Sex im Kopf haben, aber keine Frau finden, die daher wie aus dem Nichts den Fortschritt, also die Landwirtschaft erfinden und Häuser bauen, um Frauen einzufangen, und dabei ihre Möglichkeiten entdecken und zivilisierte Gefährten der Frauen würden, aber ohne all das gar nicht fähig zur Erfindung der Landwirtschaft wären. Nun, schon jedes Opfer häuslicher Gewalt kann hier Einwände haben. Und es ist allgemein bekannt, was für eine Plackerei die Landwirtschaft ist, so sehr, dass sie sogar in der Genesis als Strafe genannt wird. Die Autorin erliegt vor allem einem Zirkelschluss.<br />
Das Loblied auf die Ehe und den Fortschritt zeugt nicht von Feminismus, sondern von einem fortschrittsgläubigen, konservativen Denken, das der Zeit der Industrialisierung entstammt. Wie sagte doch sogar Albert Einstein: <em>&#8222;Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt.&#8220;</em> Tatsächlich hat männlich kontrollierter Fortschritt Kinder erst unglücklich gemacht. Daher gibt es u. a. Feminismus.</p>
<p>Die Hypothese hat aber noch einen anderen Haken: zielführender wäre es doch gewesen, gar nicht erst mit dem Ackerbau anzufangen und die Frauen einfach zu <strong>rauben</strong>. Das hätte viel Arbeit gespart, und es hätte keinen Zeitmangel erzeugt, der die Fallenstellerei dieser Logik zufolge doch erst gerechtfertigt hat. Vor allem: diese aggressiven Männer wären „echte Männer“ geblieben, was doch sicher in ihrem Interesse gelegen hätte, so wie es auch heute ist. Wir werden aber noch sehen, dass diese einfachere Strategie tatsächlich Wirklichkeit geworden ist, jedoch einige tausend Jahre später &#8211; sind aber nur Details, gell?</p>
<p>Patrilokalität<a href="#_ftn15" name="_ftnref15">[15]</a> wird nicht dadurch hergestellt, dass wilde Frauen sesshaft werden wollen, um in der Landwirtschaft ihr Glück bei einem einzelnen Mann zu finden. Das ist vollkommen absurd. Eine freie Frau geht nicht durch ihre Female Choice freiwillig in die Knechtschaft. Auch war Landwirtschaft harte Arbeit, und sie beeindruckte nicht Frauen, sondern die Männer, die die Frauen bei der Arbeit sahen und von ihren Produkten profitierten. Patrilokalität muss durch Gewalt hergestellt werden, und sie ist selbst die Quelle weiterer Gewalt. Dass diese Gewalt von viehnomadischen Kriegern ausging, und nicht von Ackerbauern, konnten die Archäologie und die Genetik längst nachweisen. Zahllose Quellen sind dazu zu finden, die übrigens <strong>nur</strong> die Patriarchatsforschung zusammengetragen hat, um das in der Fachwelt fehlende Gesamtbild mit der Masse neuer Studien zusammenzusetzen. Diese Quellen zeigen vor allem eins: die Gewalt begann mit <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/frauenraub.htm" target="_blank" rel="noopener">Frauenraub</a>, und zwar nicht durch ackerbauende Incels, sondern durch Männer, die Land erobern wollten und verlässliche Helfer rekrutieren mussten, zu denen sie ihre Söhne machten. Erst in Monogamie haben Männer Triebstau erlebt und wurden aggressiv gegen die Frauen, die sich ihnen aufgrund ihrer Female Choice verweigerten. Die Aggression ist, wie wir noch sehen werden, vor allem Folge der patriarchalen kinder- und frauenfeindlichen Lebensführung. Ehemänner sind nicht weniger aggressiv als andere Männer, denn die Female Choice endet nicht an der Haustür. Das aber sagt Stoverock mit ihrer Hypothese aus, auch wenn sie es selbst besser weiß.</p>
<p>Auf geradezu kindliche Weise stellt Stoverock sich vor, wie die Viehzucht entstanden sei:</p>
<blockquote><p>&#8222;Im Laufe der Zeit wird aus dem Verfolgen der Viehherden ein Begleiten und noch etwas später aus dem Begleiten ein Zähmen. Die Menschen leben jetzt als Pastoralnomaden, was bedeutet, dass sie mit zahmen Viehherden auf der Suche nach natürlichen Weidegründen umherziehen. Doch erst als es gelingt, dass auch Nahrungspflanzen für die Rinder und Ziegen anzubauen, sind die Umstände geschaffen, dauerhaft an einem Ort zu bleiben und sesshaft zu werden. Erste Anzeichen für Ackerbau finden sich zwar ab 10.000 v. Chr., aber bis die Bewirtschaftung der Felder ganzjährig gelingt, um daraus den vollständigen Nahrungsbedarf der Menschen und ihrer Nutztiere zu decken, dauert es eine ganze Weile.&#8220;<a href="#_ftn16" name="_ftnref16">[16]</a></p></blockquote>
<p>Sie behauptet hier nun unvermittelt, dass die Viehzucht und nicht der Ackerbau zur Sesshaftwerdung führte, und zwar um die Herden zu ernähren, eine totale Umkehr jeder Logik. Sie vermischt dabei das von ihr fragmentierte Wissen der Patriarchatsforschung, nach der das Patriarchat mit der Viehzucht begann, mit der Theorie der sog. Neolithischen Revolution (NR). Sie ignoriert dabei die Chronologie der NR &#8211; sind ja alles &#8222;nur Details&#8220; -, nach der Wildbeuterinnen zunächst zum Anbau von Getreide übergingen &#8211; und zwar lange bevor Männer begannen, Tiere zu zähmen. Die Menschen wurden also über ihre Mütter sesshaft, und erst nachdem Jagdwild aufgrund eines Klimawandels zurückging, wurden auch erste Tiere gehalten. Der bislang älteste Getreidespeicher ist ca. 11.300 Jahre alt und wurde in Dhra‘ (Jordanien) gefunden<a href="#_ftn17" name="_ftnref17">[17]</a>, ein Ort, der im Gebiet des sog. Fruchtbaren Halbmondes liegt. Die Grabung brachte mehrere Gebäudestrukturen zutage, die auch als Wohngebäude anzusprechen sind. Es gibt dort keine Anzeichen von Viehhaltung oder Viehzucht, weshalb auch davon gesprochen wird, dass eine &#8222;Jäger-Sammlergesellschaft&#8220; dort sesshaft wurde und nicht Viehzüchter.<br />
Dies deckt sich wiederum mit den Funden aus Çatal Höyük, wo nur die Jagd und die Haltung einzelner Tiere aber keine Tierzucht nachgewiesen werden kann, und zwar mit den Methoden der Genetik, die allenfalls die Spuren erster Domestizierung (Einpferchung) findet. Natürlich wurden diese Tiere gefüttert, aber nicht mit dem kostbaren Getreide, sondern mit Stroh, Speiseresten und dem Gras, das im Flusstal rund um Çatal Höyük reichlich vorhanden war und die natürliche Ernährung dieser Tierarten ist.</p>
<p>Die Kultur ist maßgeblich das Ergebnis mütterlicher Arbeit und hat unter Matrifokalität ein vergleichsweise hohes Maß erreicht. Fast alle wichtigen Erfindungen wurden aus der Matrifokalität heraus von Frauen gemacht. Als Männer die Sache gewaltsam übernahmen, entwickelte sich der Segen zunehmend zum Fluch, und das mit einer sehr starken Dynamik. Das könnte ein Hinweis für die Richtigkeit obiger Behauptung sein, aber dass die männliche Technologie durch mehr Sex für Incels entstand, besser werde oder gar erst zum Guten wendet, daran müssen wir leider erhebliche Zweifel haben, denn die wesentliche Technologie, mit der das Patriarchat entstand, war die Tierzucht, also die Unterwerfung der Female Choice der Tiere.</p>
<h2 id="die-maslowsche-beduerfnispyramide">Die Maslowsche Bedürfnispyramide</h2>
<p>Stoverock glaubt fest an die natürliche Hierarchie unter Männern, die „<em>für fast alle männlichen Säugetiere die natürliche Lebensweise</em>“<a href="#_ftn18" name="_ftnref18">[18]</a> sei. Dabei trifft sie leider keine Aussage, ob die Männer einer Hierarchie miteinander verwandt sind oder Fremde. Es erschiene ihnen aber „<em>so selbstverständlich, Hierarchien zu bilden, dass ihnen andere Lebensweisen auch dann nicht in den Sinn kommen, wenn sie selbst die Schlusslichter der Hierarchie sind.</em>“<a href="#_ftn19" name="_ftnref19">[19]</a> Die These ist nicht ohne Reiz, wenn wir sie z. B. an Fußballclubs und ihren Ultras überprüfen; wir befinden uns da aber im Patriarchat, das von seinen Hierarchien lebt. An anderer Stelle zitiert sie John Steinbeck: &#8222;<em>Die ausgebeuteten Arbeiter sehen sich nicht als ausgebeutete Arbeiter, sondern als vorübergehend in die Klemme geratene Kapitalisten.</em>&#8222;<a href="#_ftn20" name="_ftnref20">[20]</a> Steinbeck beschrieb hier die amerikanische Gesellschaft und zeichnete dabei ein Bild, das heute die SPD abgibt, und das ist nicht unsere Natur, sondern das Patriarchat einer satten, demokratischen, neoliberalen Wohlfahrtsgesellschaft, die um der Teilhabe an der Macht willen alles mitspielt, aber keine neuen Impulse mehr setzen kann.<br />
Angst macht ihr insbesondere die Gruppe der aggressiven, organisierten Incels.<br />
Stoverock untermauert ihre Behauptung mit der sog. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnishierarchie" target="_blank" rel="noopener">Maslowschen Bedürfnispyramide</a><a href="#_ftn21" name="_ftnref21">[21]</a>, ein psychologisches Denkmodell, das in letzter Zeit in den Sozialen Medien regelrecht Karriere gemacht hat und das sie deshalb als allgemein bekannt voraussetzen kann.</p>
<p><a title="PNG by Philipp Guttmann, SVG by Jüppsche, Public domain, via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Einfache_Bed%C3%BCrfnishierarchie_nach_Maslow.svg"><img decoding="async" class="aligncenter" title="Einfache Bedürfnishierarchie nach Maslow" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/98/Einfache_Bed%C3%BCrfnishierarchie_nach_Maslow.svg/512px-Einfache_Bed%C3%BCrfnishierarchie_nach_Maslow.svg.png" alt="Einfache Bedürfnishierarchie nach Maslow" width="512" height="443" /></a></p>
<p>Das Denkmodell stammt jedoch aus den Neunzehnhundertvierziger Jahren und wurde vom Autor und seinen Nachfolgern auch weiterentwickelt. <strong>Es gilt in der Soziologie aber zurecht als veraltet.</strong> Das Wiederaufleben dieser Theorie gerade in diesen Zeiten ist daher bemerkenswert und Stoverock tut so, als handele es sich um einen soziologischen Standard.<br />
Ich beschreibe kurz, worum es geht: Die Pyramide geht von hierarchischen Bedürfnissen in 5 Stufen aus. Die unterste Stufe 1 enthält die physiologischen Bedürfnisse wie Hunger, Durst, Schlaf und Sexualität. Stufe 2 enthält die Sicherheitsbedürfnisse mit Geborgenheit und Schutz, Stufe 3 steht für die sozialen Bedürfnisse wie Zugehörigkeitsgefühl und Freundschaft, Stufe 4 meint die Wertschätzung mit dem Bedürfnis nach Anerkennung und Status und Stufe 5 ganz oben steht für die Selbstverwirklichung mit der Entfaltung der Persönlichkeit.<br />
Die Form der Pyramide wurde allerdings nicht von Maslow selbst gewählt, sondern geht auf eine Falschinterpretation seiner Nachfolger zurück, und u. a. darin liegt die Schwäche des Modells. Stoverocks einzige Kritik ist:</p>
<blockquote><p>&#8222;Das Problem ist, dass das Bedürfnismodell von einer gewissen Gleichheit der Menschen ausgeht. Doch die Bedürfnisse der Menschen und besonders diejenigen von Männern und Frauen stehen nicht an gleicher Stelle in der Pyramide.&#8220;<a href="#_ftn22" name="_ftnref22">[22]</a></p></blockquote>
<p>Ja, die Menschen sind verschieden, aber da wäre noch mehr: Die Pyramide bildet die Bedürfnisse des von seinen Urbedürfnissen abgeschnittenen Menschen im Patriarchat ab und nicht die Lebenswirklichkeit der Urmenschen. Sie unterscheidet nicht zwischen natürlicher und kultureller Evolution, die genaugenommen auch keine Stufen kennt, sondern nur Zeit und Raum. Wenn wir das Wesen der Female Choice und ihre Wirkung erfassen wollen, müssen wir in der Zeit sehr weit hinter die Landwirtschaft zurückgehen und da ist immer weniger Kultur.</p>
<p>Anerkennung und Status (Stufe 4) gehören dann nicht zu den menschlichen Urbedürfnissen, sie sind eine später kulturell erworbene Größe, und zwar des Patriarchats, und haben unter der über 3 Millionen Jahre alten Matrifokalität keine bewusste Bedeutung. Denn im Sozialverband der mütterlichen Sippe erhalten alle Kinder die gleiche Anerkennung und wachsen derart gestärkt mit ihren spezifischen Talenten in die Sippe hinein. Nicht durch Rangkämpfe, sondern aufgrund von besonderen Fähigkeiten erlangen sie auch besondere Autorität auf ihren Spezialgebieten. Autorität ist aber kein explizites Lebensziel, kein Bedürfnis, sondern hat Gruppenfunktion, und sie entsteht im Gegensatz zur Hierarchie im Miteinander, nicht im Gegeneinander, und wird daher nicht mit Gewalt hergestellt und erhalten.<br />
Wer Verantwortung trägt, hat auch mehr Arbeit und bekanntlich sind Menschen &#8222;faul&#8220;. Wer talentiert ist, empfindet die entsprechende Arbeit jedoch nicht als belastend oder als Privileg, sondern als Befriedigung des Bedürfnisses nach Selbstentfaltung. Das ist aber auch nicht so egoistisch wie es aussieht, sondern es dient wiederum der Gruppe. Die Gruppe wird jemanden zurückpfeifen, der daraus irgendwelche besonderen Vorteile ableiten würde oder der Gruppe schaden würde. Das angeborene Gefühl des Neides, eng verwandt mit dem Gerechtigkeitsgefühl, dient dieser Kontrolle und dem Schutz der Egalität, deren Wesen die Abwesenheit von Hierarchie ist. Neid ist das Gefühl der Hilflosigkeit, Gerechtigkeit herzustellen und Hierarchien aufzulösen, und ist daher im Patriarchat geächtet und doch an der Tagesordnung. Neid ist aber auch ein Antrieb des Patriarchats, der Motor des Wettbewerbes und wird daher geschürt. Männer, die dagegen wie selbstverständlich Hierarchien anzuerkennen scheinen, sehen für sich keine Vorteile, da oben zu stehen, sondern Vorteile, am Erfolg teilhaben zu können. Sie wissen, dass man da unten weniger Verantwortung tragen muss und im Grunde mehr Spaß hat, weil da einfach mehr nette Leute sind. Männer können sich zudem damit begnügen, ihr vom Patriarchat geschaffenes Machtbedürfnis an den ihnen nahestehenden Frauen und Kindern auszuleben. Im Grunde sind sie Rosinenpicker, sie genießen die Vorteile von Patriarchat UND können ihre angeborenen Urbedürfnisse weitgehend ausleben.<br />
Die Stufe 4 der Bedürfnispyramide (Anerkennung und Status) ist Ergebnis der typisch patriarchalen Bedürfnisschaffung, mit der die Hierarchie sich selbst legitimiert. Sie verschmilzt daher meist mit Stufe 5, denn im hohen Status fühlen sich Patriarchen selbstverwirklicht.</p>
<p>Die Bedürfnispyramide als Ganzes ist an einem erwachsenen Einzelkämpfer orientiert, der sich aggressiv durchs Leben schlagen muss und dem nichts geschenkt wird:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Aggressivität, mit der Menschen um die Erfüllung eines Bedürfnisses kämpfen, hängt von seiner Position in der Pyramide ab und damit seiner Notwendigkeit ab.&#8220;<a href="#_ftn23" name="_ftnref23">[23]</a></p></blockquote>
<p>Das suggeriert also: Ein Mensch (oder gleich &#8222;Mann&#8220;?), der Hunger und keinen Sex hat, wird ums Essen heftig kämpfen &#8211; sonst stirbt er &#8211; und eine Frau vergewaltigen &#8211; sonst stirbt er aus (Stufe 1). Da er sich nicht sicher und geborgen fühlt (Stufe 2), muss er kämpfen. Weil er einsam ist, muss er um Freunde kämpfen (Stufe 3), aber bitte nicht zu heftig. Weil er keine Anerkennung hat (Stufe 4), kann er zwar irgendwie leben, aber er wird dennoch darum kämpfen, aber nicht mehr so heftig. Und es müsste schon viel passieren, dass er sich aufrafft, um um die Entfaltung seiner Persönlichkeit zu kämpfen (Stufe 5).<br />
Damit wäre es erstaunlich, dass ein solch aggressiver Loser überhaupt eine Frau und Freunde gefunden hat und dann auch noch zu Kultur fähig wurde. Und weil Stoverock das offenbar auch findet, meint sie, mit Sex müsste frau den Männern auch noch Beine machen. Das ist so hanebüchen wie falsch.</p>
<p>Stoverocks Theorie baut auf tönernen Füßen, auf Hypothesen, die nicht in den tatsächlichen Funden und Befunden gespiegelt sind. Sie baut vor allem auf einem grundsätzlichen Unverständnis der Matrifokalität, die bei <em>Homo Sapiens</em> durch die Female Choice in einem wechselseitigen Prozess hergestellt und bewahrt wird. Die Bedürfnispyramide fällt nämlich unter egalitären Bedingungen in sich zusammen.<br />
So ist der Autorin leider nicht aufgefallen, dass die Reihenfolge der Stufen falsch ist und den Menschen nicht zuerst als <strong>soziales Wesen</strong> darstellt. Wir erinnern uns, Stufe 2 enthält die Sicherheitsbedürfnisse mit Geborgenheit und Schutz, Stufe 3 erst steht für die sozialen Bedürfnisse wie Zugehörigkeitsgefühl und Freundschaft. Aber es ist anders. Der Mensch &#8211; und schon gar nicht der Mann &#8211; entsteht nicht durch Selbsterzeugung, auch wenn die Genesis das behauptet. Das Kind wird geboren und die Mutter und ihre Angehörigen sind schon da. Ohne diese Voraussetzung würde ein Kind von Tieren gefressen (Stufe 2), noch bevor es irgendetwas zu sich genommen hätte (Stufe1). Dass ein Kind anerkannt wird (Stufe 4), äußert sich darin, dass es Geborgenheit und Schutz erfährt (Stufe 2), und zwar durch seine Angehörigen (Stufe 3) und schließlich, dass es von ihnen etwas zu essen bekommt (Stufe 1)! Stufe 2, 3 und 4 sind untrennbar und gehören an die Basis. Es ist das Wesen des menschlichen Sozialverbandes, dass die Basis nicht das Essen, sondern die Geburt des Menschenkindes in die Gemeinschaft ist, wo es lebenslang aufgehoben ist. Wäre es nicht von den Angehörigen anerkannt und beschützt, dann stürbe es, daher ist das Zugehörigkeitsgefühl der stärkste Trieb und nicht die Sexualität. Das Zugehörigkeitsgefühl ist den Menschen in die Wiege gelegt und wirkt von Beginn an, während die Sexualität viel später erst Bedeutung bekommt, so wie sie auch erst spät in der Evolution aufgetaucht ist. Ohne die Gemeinschaft würde auch eine erwachsene Person nicht lange überleben. Alles, was die Zugehörigkeit infrage stellt, macht Menschen existentielle Angst, nicht aber ein Mangel an Sexualität. Erst in der Isolierung der Menschen im Patriarchat wird Anerkennung zu einem Wert, und dabei sogleich zu einem Fetisch, der sogar noch über dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit stehen kann. Die Sexualität ist erst im Patriarchat an die nackte Existenz, an das Aufgehoben sein in eine Familie und damit auch wirtschaftliches Auskommen gekoppelt, und das macht sie dann so wichtig.</p>
<p>Die Bedürfnispyramide braucht Stoverock für ihre Behauptung, dass Männer freien Zugang zu Sex brauchen, um den Fortschritt überhaupt vorantreiben zu können<a href="#_ftn24" name="_ftnref24">[24]</a> und sie liebt den Fortschritt und die Segnungen des Patriarchats. Die Female Choice, so glaubt sie, mache es Männern schwer, ihr Sex-Bedürfnis zu leben. Und deshalb hat sie Angst vor sich selbst als Frau, Feministin und Evolutionsbiologin:</p>
<blockquote><p>&#8222;Ich plädiere folglich nicht für eine Rückkehr zum <em>Female-Choice</em>-Prinzip in seiner Reinform. Denn Fortschritt, friedliches Zusammenleben und hohe Sexualkonkurrenz schließen sich ab einem gewissen Grad aus. Die Unterdrückung der weiblichen Sexualität hat unsere Zivilisation erst entstehen lassen. Es besteht deshalb die Gefahr, dass uns alle zivilisatorischen Errungenschaften um die Ohren fliegen, wenn wir die Unterdrückung ohne zusätzliche Sicherheitsnetze aufheben.&#8220;<a href="#_ftn25" name="_ftnref25">[25]</a></p></blockquote>
<p>Es ist erstaunlich: da wird es der Menschheit gerade erst bewusst, wohin uns &#8222;die Zivilisation&#8220; gebracht hat, nämlich an den Rand des Abgrundes, da feiert Frau Dr. Stoverock das Patriarchat und seine Errungenschaften, weil sie glaubt, dass es ohne Patriarchat mehr Krieg und Gewalt gäbe, wir dazu in großer Kulturlosigkeit unser Leben fristen müssten, ja die Abschaffung des Patriarchats uns in den Abgrund triebe. Das ist schon ein krasser Fall des Kollektiven Stockholm-Syndroms (nach Stephanie Gogolin), das Menschen dazu bringt, mit dem System zu kooperieren!</p>
<p>Würde die Behauptung stimmen, wäre die Kultur quasi ein Nebenprodukt der Fortpflanzung, das Baby des gebärenden Mannes. Das lässt eine Patriarchatsforscherin, die sich mit dem männlichen Gebärneid auskennt, aufmerken, z.B. mich. Männer werden einen solchen Zusammenhang sicher überraschend finden. Und auch ganz normale Frauen wissen: So mancher Heimwerker hat über seiner Tüftelei seine Frau völlig vergessen, die Anerkennung im Bastelclub war ihm wichtiger.<br />
Was treibt Stoverock an? Nur die Verkaufszahlen ihres Buches? Oder will sie den Männern Sex liefern, damit sie Erfindungen machen? Dann würde sie sich einreihen in die Phalanx der Antreiber, Sklavenhalter und Kapitalisten, den Befürwortern der Leistungsgesellschaft, den Neoliberalen.</p>
<p>Es ist natürlich richtig, dass Menschen im Patriarchat weniger um Anerkennung kämpfen würden als um Nahrung, wenn von Letzterer nicht genug vorhanden wäre. Die Methode &#8222;Brot und Spiele&#8220; &#8211; also &#8222;Nahrung&#8220; und &#8222;Gemeinschaftsgefühl&#8220; &#8211; zur Herstellung von Ruhe im Staat und der Sicherung der Macht würde aber nicht funktionieren, wären satte und lustige Menschen automatisch auch mehr an Wertschätzung, also Status und Anerkennung interessiert. Zwar identifizieren sich beispielsweise Fußballfans mit ihrer siegreichen Mannschaft, halten aber auch zu ihr, wenn sie verliert. Sie wünschen sich, dass sie gewinnt und fühlen sich als Gewinner, aber es steht nicht der persönliche Status im Vordergrund, sondern das Gruppenerlebnis.</p>
<p>Weil wir davon ausgehen können, dass Menschen in vorpatriarchaler Zeit mit sich selbst eins waren, nicht unterdrückt wurden und schon kleine Kinder eine maximale Bedürfnisbefriedigung erleben durften, illustriert diese Pyramide vor allem die Bedürftigkeit der Menschen im Patriarchat, und in der Tat, vor allem des patriarchalen Mannes. Es ist ja schon ein Grundbedürfnis des Patriarchen, alles in Hierarchien zu ordnen, im Grunde die Stufe 0 der Pyramide, der geistige Boden, auf dem sie wächst. Es ist das Körperlose oder sagen wir, die göttliche Ordnung, die die Basis der patriarchalen Ideologie ist. In der göttlichen Hierarchie der Könige steht Gott an oberster Stelle, weil sich dort der König befindet, der sich mit Gott gleichsetzt, sozusagen seine &#8222;Selbstverwirklichung&#8220;. Damit ist verschleiert, dass auch die Menschen ganz unten fest auf dem geistigen Boden des Patriarchats stehen und es nicht nur unfreiwillig stützen, sondern selbst Täter sind. „Mutter Erde“ als ursprüngliche Einheit von Körper und Geist ist gewaltsam besetzt.<br />
Die Patriarchen dieser Welt beweisen: da ganz oben wird die Gier und Aggressivität immer größer, ja sogar Atombomben kommen zum Einsatz. Die da unten reagieren ihren Frust mit der Faust oder ihrem Geschlechtsteil an anderen ab, ohne dass sie damit etwas Substantielles erreichen würden.</p>
<h2 id="gewalt-und-sex">Gewalt und Sex</h2>
<p>Die Hierarchie ist nicht egalitär wie es die urmenschlichen Bedürfnisse aber sind. Sie widerspricht dem angeborenen Gerechtigkeitsempfinden. Stoverocks Liebe zur Hierarchie gipfelt in der biologistischen Erklärung für Vergewaltigung, die beinahe einer Entschuldigung gleich kommt. Gewalt sei eine Lösung<a href="#_ftn26" name="_ftnref26">[26]</a>, wenn Männer die ihnen zustehende Anerkennung und damit Sex nicht bekommen. Da ist die Natur offenbar selbst Schuld, wenn Frauen Gewalt angetan wird!</p>
<blockquote><p>&#8222;Das Geschlecht, dessen Reproduktionsstrategie Rücksichtslosigkeit und Aggressivität beinhaltet, steht in der Natur einem Fortpflanzungssystem gegenüber, in dem sein Paarungstrieb kaum befriedigt wird. Man muss kein Genie sein, um vorauszusehen, dass das früher oder später zu Problemen führt.&#8220;<a href="#_ftn27" name="_ftnref27">[27]</a></p></blockquote>
<p>Ihre Aussage untermauert sie mit ethnologischen Untersuchungen an den &#8222;Buschleuten&#8220; der Kalahari, die diese Probleme gemeistert zu haben scheinen:</p>
<blockquote><p>&#8222;Bei den San ist die Gruppe ein wichtiges Regulativ. Gewalttätige Auseinandersetzungen oder Misshandlungen von Schwächeren werden in der Regel durch die Gruppe unterbunden. Daran ändert sich erst nach der Erfindung der Landwirtschaft etwas.&#8220;<a href="#_ftn28" name="_ftnref28">[28]</a></p></blockquote>
<p>Das alles ruft nicht nur meine Empörung hervor, es ist auch falsch. Gewalt ist im menschlichen Sozialverhalten nicht als angeborenes sexuelles Verhalten verankert, sie widerspricht der freien Female Choice, die einen so hohen Stellenwert in der Evolution hat, ja ihr Grundprinzip ist, dass es &#8222;verlorene Liebesmüh&#8220; wäre, dagegen anzukämpfen. Daher ist Gewalt auch allgemein unerwünscht, und <em>nicht eine</em> Frau wird durch Vergewaltigung von den &#8222;Fähigkeiten&#8220; eines Mannes überzeugt!<br />
<strong>Eine matrifokale Sippe unterbindet nicht ständig aktiv Gewalt, sondern liefert erst gar keinen Nährboden für Gewalt, weil sexuelle Frustration nicht regelhaft ist, wie Stoverock das postuliert.</strong> Im Gegenteil, erst die erzwungene Monogamie der Frau entzieht sie dem Pool potentieller Sex-Partnerinnen. Mehr freie Frauen bedeutet insbesondere für &#8222;Beta-Männer&#8220; mehr Gelegenheiten. Bei den San ist die Matrifokalität schon durch den Einfluss von Missionaren (mit den vielsagenden Titeln &#8222;Pastor&#8220;, &#8222;Hirte&#8220;) aufgeweicht, so dass die Vaterschaft und damit die Partnerschaft zwischen Mann und Frau Bedeutung bekommen hat. Es leben also auch fremde Männer mit in der Gruppe, die jetzt regelmäßig einschreiten muss, wenn sie aneinandergeraten. Das weiß und bemerkt Stoverock nicht, denn sie schreibt ja ausdrücklich, dass das Patriarchat erst mit der Erfindung der Landwirtschaft aufkäme. Aber sie liefert sich die Begründung dafür, dass Männern geholfen werden müsse, damit es keine Gewalt gibt.</p>
<p>Ihre ganze Sorge gilt nicht den Frauen, deren Sexualität im Patriarchat fast auf den Nullpunkt gedrückt wird, sondern den Männern, die keine Frau finden, und zwar nicht nur im Patriarchat des Hier und Jetzt, sondern angeblich auch schon in der Urzeit:</p>
<blockquote><p>&#8222;Man mag sich fragen, wer sich diesen dysfunktionalen Mist ausgedacht hat, und wie er sich so sehr ausbreiten konnte. Der Grund dafür liegt darin, dass kein anderer Mechanismus der Evolution so antriebt wie das strenge Aussiebungsverfahren der Weibchen. Der Kampf um ihre kostbaren Eizellen erzeugt einen so hohen Selektionsdruck auf die Männchen, dass er letztlich die Gene hervorbringt, die eine Population widerstandfähig und flexibel machen. Und das so effizient, dass es im Lauf der Jahrmillionen keinen Grund gab, etwas daran zu ändern, auch wenn ein Großteil der Männchen frustriert und kinderlos stirbt. <em>Female Choice</em> und speziell der Sexuelle Konflikt mögen klingen wie die Idee eines verrückten Erfinders, sind aber das stabilste und am weitesten verbreitete Fortpflanzungsmodell überhaupt.&#8220;<a href="#_ftn29" name="_ftnref29">[29]</a></p></blockquote>
<p>An dieser Stelle wäre ein kleiner Hinweis, dass die Evolution absichtslos ist, schon sinnvoll gewesen. Die Vermenschlichung der Evolution grenzte tatsächlich fast schon an eine Verschwörungstheorie, wäre die Autorin nicht einfach von einem naiven, aber fehlgeleiteten Gerechtigkeitsgefühl getrieben.<br />
Für die evolutionären Vorgänge spielt es keine Rolle, ob sich ein bestimmtes Männchen fortpflanzt, sie gehen trotzdem weiter. Woher will Stoverock auch wissen, dass alle Männchen traurig sind, wenn sie kinderlos sterben? Derartige Gefühle können nur entstehen, wenn im ersten Schritt Väter wissen können, dass sie Vater werden können und sich im zweiten Schritt sicher sein können, dass sie Vater geworden sind oder nicht. Sie müssen im dritten Schritt ein Gefühl für ihre Lebensspanne haben, um ermessen zu können, dass sie keine Kinder mehr haben werden. Im vierten Schritt müssen sie an ihre Vaterschaft einen Wert knüpfen.<br />
Sicher ist doch nur, dass Männchen hartnäckig sind und es so lange probieren, sich fortzupflanzen, bis sie sterben. Diese &#8222;Hoffnung&#8220; geben sie nie auf, ohne dass es sich wie Hoffnung anfühlen muss. Auch ob sexuelle Frustration sozusagen zum Alltag von Männchen gehört, darf bezweifelt werden, auch wenn es sicher häufig vorkommt, dass sie warten müssen, bis sie dran sind. Offenbar hat es sie Millionen von Jahren eben NICHT gestört! Eine starke Frustration könnte zu Aggression gegen die Weibchen führen, ja. Aber dennoch sind männliche Tiere nur selten aggressiv gegen Weibchen. Dass männliche Tiere weibliche hassen, ist sowieso völlig undenkbar. Wir müssen sogar davon ausgehen, dass es der Mensch selbst ist, der solche Beobachtungen erst ermöglicht: durch die Zerstörung und Eingrenzung der natürlichen Habitate, durch Ermordung der erfahrenen Tiere einer Gruppe und letztlich durch Projektion.</p>
<p>Wie jedes Gefühl ist auch das Gefühl der Frustration evolutionär über Hormone gesteuert, so dass es denkbar ist, dass „Beta-Männchen“ sozusagen hormonell gedimmt werden. Bei vielen Arten tun sich Jungmännchen zusammen, ohne aggressiv gegen Weibchen vorzugehen. Das muss noch genauer erforscht werden. Und ist es nicht das Patriarchat selbst, das „Beta-Männer“ kleiner redet als sie sind? Wird das weibliche Interesse an ihnen nicht auch gebremst, weil Incels sich selbst unattraktiv machen, durch ihr Gehabe, ihre Uniformen und ihre Sprüche? Haben Eltern im Patriarchat der westlichen Gegenwart, wo nicht mehr Patrilokalität, sondern Neolokalität gelebt wird, nicht sogar ein Interesse daran, dass ihre Kinder Incels sind, weil sie sie dann nicht im Alter alleine lassen? Ist es nicht so, dass Eltern ihre Kinder zu Incels machen, indem sie ihnen eine verklemmte Sexualmoral anerziehen? Ist es nicht sogar auch so, dass es deshalb auch viele weibliche Incels gibt, um die sich keine selbsternannte Feministin sorgt?</p>
<h2 id="der-genetische-flaschenhals-der-jungsteinzeit">Der Genetische Flaschenhals der Jungsteinzeit</h2>
<p>Stoverock liefert konkrete Zahlen für das Ausmaß angeblicher männlicher Benachteiligung durch die Female Choice:</p>
<blockquote><p>&#8222;Eine grobe Faustregel besagt, dass 80% der geschlechtsreifen Weibchen nur 20% der Männchen ranlassen &#8211; dass also 80% der Männchen für Sex mit ihnen nicht in Frage kommen. Die müssen sich um die verbliebenen 20% der Weibchen prügeln. … Genetische Untersuchungen lassen darauf schließen, dass es bei unseren menschlichen Ahnen nicht anders war: Die heutige Weltbevölkerung hat ungefähr doppelt so viele weibliche wie männliche Vorfahren, in präkulturellen Zeiten haben sich also ungefähr 70% der Frauen mit 35% der Männer gepaart…. Das Verhältnis von 2:1 zugunsten der Frauen verschärfte sich nach der Erfindung der Landwirtschaft sogar noch auf unglaubliche 17:1.&#8220;<a href="#_ftn30" name="_ftnref30">[30]</a></p></blockquote>
<p>An anderer Stelle bläht sie den Wert noch einmal auf:</p>
<blockquote><p>&#8222;Denn das verschiebt sich nach der Entstehung der Landwirtschaft bis auf ein erbarmungsloses 95:5. Die Frauen wählen am Übergang zur Sesshaftigkeit nur noch eine verschwindend geringe Zahl der Männer als Partner aus. Ein internationales Forscherteam konnte 2015 anhand genetischer Studien nachweisen, dass … sich nur noch ein Bruchteil der Männer fortpflanzte.&#8220;<a href="#_ftn31" name="_ftnref31">[31]</a></p></blockquote>
<p>Sie suggeriert damit, dass es plötzlich eine ungeheure Menge an Incels gegeben haben muss, ein perfides Argument, das gar nicht so leicht zu durchschauen ist. Denn die Zahlen geben zunächst überhaupt nicht her, ob diese gigantische Abweichung tatsächlich auf wenige, alles absahnende Alpha-Männer zurückgeht, also auf viel mehr Incels hinweist, oder darauf, dass die Zahl der Männer stark zurückging. Angesichts des Wesens der Female Choice, nach der eine Frau viele Männer haben will und eben nicht nur ein einziges Alpha-Männchen, kann so oder so nicht davon die Rede sein, dass sich die Lage zugunsten der Frau entwickelte!</p>
<p>Wir müssen angesichts ihrer Behauptung noch einmal zur Entstehung der Landwirtschaft zurück. Wir erinnern uns, Stoverock behauptet, dass die Erfindung der Sesshaftigkeit und Landwirtschaft durch Männer die Ursache allen Übels, aber zugleich ein viel größerer Segen sei, und daher verlegt sie den Beginn des Patriarchats auf die Zeit &#8222;vor über 10.000 Jahren&#8220;. Es handelt sich bei den von ihr benutzten Zahlen um nicht weniger als die Entdeckung des sog. Genetischen Flaschenhalses durch die GenetikerInnen Karmin <em>et al.</em> im Jahre 2015<a href="#_ftn32" name="#_ftnref32"><strong>[32]</strong></a>. Es wird sich aber nicht nur zeigen, dass Frau Dr. Stoverock den Beginn des Patriarchats mal eben um mindestens 3000 Jahre verschoben hat, sondern auch, dass die Zahlen für ihre Incel-These unbrauchbar sind, und sie eine wesentliche, weiterführende Studie dazu ignoriert hat.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone wp-image-4730 size-medium" title="Genetischer Flaschenhals nach Karmin et al. 2015" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/41467_2018_4375_fig1.jpg?resize=300%2C137&#038;ssl=1" alt="Genetischer Flaschenhals nach Karmin et al. 2015" width="300" height="137" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/41467_2018_4375_fig1.jpg?resize=300%2C137&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/41467_2018_4375_fig1.jpg?resize=770%2C351&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/41467_2018_4375_fig1.jpg?w=900&amp;ssl=1 900w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><br />
Bildquelle: Karmin <em>et al.</em> 2015</p>
<p>Die Abbildung des Genetischen Flaschenhalses zeigt einen starken Abfall und Wiederanstieg der Vielfalt des Y-Chromosoms über einen Zeitraum von ca. 5000 Jahren (im Bild links), während die Mitochondrien-DNA (mtDNA, im Bild rechts) keinen nennenswerten Einbruch erfährt.<a href="#_ftn33" name="_ftnref33">[33]</a> Tatsächlich scheinen die Zahlen mit der Erfindung der Sesshaftigkeit und Landwirtschaft zu korrelieren.<br />
Schauen wir uns diese Studie, deren Diskussion der Ergebnisse und später auch die wichtige Rezeption durch die Genetiker Zeng <em>et al.</em> genauer an: In den Anhängen finden wir ein <a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/bin/supp_gr.186684.114_Supplemental_Figures.pdf" target="_blank" rel="noopener">PDF</a> (dort Seite 4), das die Gesamtansicht regional aufgespaltet zeigt, und daher deutlicher ist: Wir sehen, dass die Y-Kurve im Kernland der Neolithisierung, dem Fruchtbaren Halbmond im Nahen Osten, ganz langsam 11.300 Jahre vor heute zu sinken beginnt, zu der Zeit, wo im jordanischen Dhra‘ schon so viel Getreide angebaut wurde, dass ein ganzer Speicher gefüllt werden konnte, was bedeutet, dass die Sesshaftigkeit und Landwirtschaft viel noch früher eingesetzt haben müsste. Seinen Tiefpunkt erreicht der Flaschenhals ca. 3-4000 Jahre später. Von da an geht es sprunghaft wieder aufwärts, was ganz deutlich zeigt, dass auch da etwas Gravierendes passiert sein muss, aber das ignoriert Stoverock. Auch in Europa gibt es diesen Flaschenhals mit seinem steilen Wiederanstieg, jedoch deutlich später. Die Vielfalt der mtDNA steigt dem gegenüber vielerorts schon vor über 20.000 Jahren weltweit an, wofür die höhere Mutationsrate der mtDNA verantwortlich gemacht werden kann. Die Zahlen zeigen insgesamt nicht nur die Veränderungen der Vielfalt der Geschlechtschromosomen, sondern auch die Bevölkerungsentwicklung mit ihrem starken Zuwachs nach Überwindung des Flaschenhalses, denn in jüngerer Zeit explodiert auch die Vielfalt der mtDNA.<br />
Die AutorInnen halten die Natürliche Selektion als Ursache für den Abfall für unwahrscheinlich, da das gefundene Muster nicht auf einen einzelnen oder einige wenige Haplotypen beschränkt zu sein scheint, stattdessen sei sie auf einen geringeren Fortpflanzungserfolg in Rahmen eines kulturellen Wandels zurückzuführen.<br />
In einem populärwissenschaftlichen Online-Magazin äußern sich zwei Mitglieder des Studien-Teams zu ihren Vermutungen, was die Zahlen ausdrücken. Demnach wären die Männer nicht alle gestorben, sondern einige wenige Männer hätten Reichtum angehäuft und auf ihre Söhne vererbt und dadurch den Reproduktionserfolg ihrer Patrilinie gesteigert.<a href="#_ftn34" name="_ftnref34">[34]</a> Dem folgt Stoverock in ihrer Argumentation blind. Aber die MacherInnen der Studie haben sich nicht mit den grundsätzlichen Problemen bei der Interpretation solcher Zahlen beschäftigt, sondern lediglich spekuliert!<br />
In einer zweiten Studie im Jahre 2018 haben sich Zeng <em>et al.</em> diese 2015 gewonnen Daten noch einmal vorgenommen und gezeigt, wie schwer es ist, von solchen Zahlen auf tatsächliche Vorgänge zu schließen. Es mussten komplexe mathematische Modelle aufgesetzt werden, um sie näherungsweise richtig zu deuten. Sie führten den modellgestützten Nachweis, dass Krieg zwischen neuen Patrilinien die Ursache für den Flaschenhals sein müsste:</p>
<blockquote><p>„Here, bringing together anthropological theory, recent population genomic studies and mathematical models, we propose a sociocultural hypothesis, involving the formation of patrilineal kin groups and intergroup competition among these groups.“<a href="#_ftn35" name="_ftnref35">[35]</a></p></blockquote>
<p>Zeng <em>et al.</em> widersprechen Karmin <em>et al.</em> entschieden und erklären mit ihrer Studie, dass die Zahlen tatsächlich nur mit einer deutlich gesunkenen Anzahl der Männer, also mit ihrem Tod, erklärbar sind. Ihr wichtigstes Argument: Wenn soziale Unterschiede einen Rückgang der Y-Varianz erklären, warum steigt die tatsächliche Y-Varianz in genau dem Moment wieder an, als soziale Unterschiede überhaupt erst archäologisch greifbar werden? Zudem gehen die Mitochondrien der überlebenden Frauen in Westeurasien überwiegend auf eingewanderte Neolithikerinnen zurück, das heißt, dass die Y-Varianz schon lange vor der Einwanderung nach Europa abgenommen haben müsste und nicht erst am Zielort. Selbst die Ethnologie kann, wie die Autoren es anführen, nicht feststellen, dass regelmäßig ein Mann 17 Frauen monopolisiert.</p>
<p>Die Interpretation durch Zeng <em>et al.</em> wird von der Patriarchatsforschung um weitere Faktoren ergänzt: Der Tiefpunkt fällt mit dem Klimaereignis der sog. Misox-Schwankung zusammen, dem Zeitpunkt, wo die Steppe erstmals von Viehzüchtern besiedelt wird. Die wenigen überlebenden Männer verließen die Heimat zusammen mit den Tieren und begannen in der Steppe das Patriarchat zu errichten. Sprachwissenschaftlich und genetisch nachgewiesen vermischten sich dabei die Gene der Indigenen der Steppe und Waldsteppe mit denen der ausgewanderten Anatolier. Zudem kämpften nicht nur Patrilinien gegeneinander, sondern Patrilinien rotteten die indigenen, matrifokalen Männer aus, und weitere Effekte können hinzutreten wie Mangelernährung und Hunger einseitig durch Getreide und Missernten, Nahrungsraub oder die Schwerarbeit der Frauen, die zu Fehlgeburten und einer hohen Säuglingssterblichkeit bei den männlichen Kindern geführt haben kann. Ein insgesamt multifaktorielles Geschehen führte zu diesen Zahlen.</p>
<p>Statt dass Männer immer weniger Sex hatten, ist das Gegenteil der Fall: die Frauen hatten kaum noch Auswahl. Stoverock möchte aber, dass es den besitzenden Alpha-Mann gibt, auf den sich alle Frauen stürzen, weshalb es dann gigantisch viele Incels geben müsste. Sie geht sogar davon aus, dass im landwirtschaftlichen Patriarchat, also in der beginnenden Zivilisation nach ihrer Definition, die Female Choice noch einmal an Dynamik zugelegt hätte und dabei übers Ziel hinausschoss! Das ist wirklich mehr als erstaunlich, das ist absurd! Denn sie behauptet ja auch, dass der Mann erst durch die Einschränkung der Female Choice &#8222;zivilisiert&#8220; worden sei und begann am Fortschritt zu arbeiten:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die prähistorische Kunst gibt einen Hinweis darauf, dass sich in den Männern ein ganz neues Bedürfnis zu regen beginnt. Ein Impuls, der die Strukturen der künftigen Zivilisation stark prägen wird: Der Wunsch, die Kontrolle über die weibliche Sexualität zu erlangen. Doch als Nomaden haben Männer weder Möglichkeiten noch Kapazitäten, sich der weiblichen Sexualität zu bemächtigen. &#8230; Im Laufe der Zeit wird aus dem Verfolgen der Viehherden ein Begleiten &#8230; ein Zähmen &#8230; als es gelingt auch Nahrungspflanzen für die Rinder und Ziegen &#8230;&#8220;<a href="#_ftn36" name="#_ftnref36">[36]</a></p></blockquote>
<p>&#8230; soll die Landwirtschaft begonnen haben (wir kennen das bereits) &#8230;</p>
<blockquote><p>&#8222;Nur die intelligentesten und geschicktesten Männer kommen mit den Anforderungen der sich im Höllentempo verändernden Welt zurecht und können sich fortpflanzen. Das hat zur Folge, dass die Female Chocie den Mann jetzt mit ganzer Härte trifft &#8230; [der Genetische Flaschenhals] zeigt auch, dass zu diesem Zeitpunkt ganz offenbar die <em>Female Choice</em> noch in vollem Gange war &#8230; Der Rest der Männer starb in der neuen Lebensweise kinderlos. … Die Sesshaftwerdung bewirkt ein unbarmherziges Aussieben &#8230; Die Fortpflanzungssituation ist für Männer eine Katastrophe. Der ohnehin hohe sexuelle Selektionsdruck steigert sich durch den genetischen Flaschenhals bis ins Unermessliche. &#8230; Obwohl die Landwirtschaft das Leben so sehr erleichtert, stehen die ersten Bauernkulturen statt vor einer blühenden Zukunft vor der Barberei.&#8220;<a href="#_ftn37" name="_ftnref37">[37]</a></p></blockquote>
<p>Böse, böse Female Choice! Böse Frau! Das klingt wie die Urschuld Evas. Es handelt sich hier um eine Täter-Opfer-Umkehr &#8230; nicht die Männer, die sich gegenseitig hochrüsten und damit auch im Stich lassen, sind Schuld, sondern die Female Choice.<br />
Sie hält Gewalt für eine Lösung des Problems, aber es ist ihr doch lieber, wenn die Frauen sich selbst einschränken, damit der Alpha-Mann weiter unbehelligt am Fortschritt bauen kann. Das zeugt von einem grundlegenden Unverständnis der Female Choice, die Abwechslung liebt; dabei bleibt kein Mann ewig Alpha-Mann.</p>
<p>Es ist aber auch eine Tatsache, dass die Y-Varianz in patriarchalen Residenzformen stark absinkt. Die am nachhaltigsten patriarchalisierte Bevölkerung mit der höchsten Unterdrückungsrate der Female Choice finden wir immer noch bei den viehnomadischen Völkern Zentralasiens:</p>
<blockquote><p>&#8222;Central Asian pastoralists, who are organized into patriclans, have high levels of intergroup competition and demonstrate ethnolinguistic and population-genetic turnover down into the historical period. They also have a markedly lower diversity in Y-chromosomal lineages than nearby agriculturalists. In fact, Central Asians are the only population whose male effective population size has not recovered from the post-Neolithic bottleneck; it remains disproportionately reduced, compared to female estimates using mtDNA.&#8220;<a href="#_ftn38" name="_ftnref38">[38]</a></p></blockquote>
<p>Hier herrscht ein großer Männerüberschuss, weil Söhne bevorzugt werden, nur die ältesten das Erbe antreten und in Polygamie leben dürfen, und den Nicht-Erben obendrein ein Heiratsverbot auferlegt ist. Entsprechend erklären sich die wiederholten Raubzüge, die diese Völker in Richtung Westen unternahmen.<br />
Das ebenfalls zu beobachtende, <strong>leichte</strong> Absinken der Y-Varianz in der frühen, noch matrifokalen Landwirtschaft lässt sich wie gesehen nicht mit Kriegen erklären, sie hätten sofort einen wesentlich stärken Einschlag erzeugt. Es gibt andere Erklärungsansätze der Patriarchatsforschung:</p>
<ol id="liste1">
<li>Die in der Landwirtschaft arbeitenden Frauen hatten zu wenig Zeit, nach Männern zu suchen, nahmen daher erstmals fremde Männer als Dauergäste in die Sippe auf, schränkten damit aber ihre Female Choice selbst ein. Dies kann einen Einfluss auf die Geburtenzahl UND die absolute Zahl der Y-Varianten haben.</li>
<li>Etliche Männer, quer durch alle Haplogruppen, verließen die Sippen Richtung Steppe.</li>
<li>Fehlgeburten und hohe Säuglingssterblichkeit bei den männlichen Kindern.</li>
</ol>
<p>Ansatz 1 zufolge hätte ein Mann nach einer Weile wieder gehen müssen oder hätte sich einer interessierten Schwester zugewandt oder wäre auch ohne sexuelles Interesse der Frauen geduldet worden, hätte er sich anständig verhalten. Diese Lebensweise birgt die Gefahr, dass Männer nun ihre Vaterschaft wahrnehmen und irgendwann daraus Rechte ableiten. Zudem steigt die Gefahr sexueller Übergriffe.<br />
Im Ansatz 2 könnten die vorliegenden Daten bedeuten, dass die Patriarchalisierung in der Steppe früher stattgefunden hat. Denn eine Auswanderung anatolischer Männer in die Steppe ist wie erwähnt nachgewiesen worden.<br />
Ansatz 3 ist generell eine Folge der Landwirtschaft und unter Matrifokalität und im Patriarchat ähnlich hoch. Er zeigt vor allem an, wie erfolgreich die Landwirtschaft betrieben wurde und ob Überschüsse verbunden mit einer extrem hohen Arbeitsbelastung erbracht wurden.</p>
<p>Erinnern wir uns, es war Stoverock wichtig, darauf hinzuweisen, dass sie &#8222;<em>nicht für eine Rückkehr zum Female-Choice-Prinzip in seiner Reinform</em>&#8222;<a href="#_ftn39" name="_ftnref39">[39]</a> sei. Das Problem der Sesshaftigkeit ist aber nicht eine überbordende Female Choice, sondern das Gegenteil: Erst die Selbsteinschränkung, die mit einem Minus an Lebensfreude, dem Risiko der Partnerschaft und einer, wenn auch kleinen, Verarmung des männlichen Genoms einhergeht. Dann, als die Landwirtschaft von den Männern übernommen wird, eine starke Verarmung des männlichen Genoms. Die Vielfalt geht mit ihrer Unterdrückung relativ zurück, wird aber durch die ansteigende Bevölkerungszahl kompensiert, steigt also absolut an. Der evolutionäre Nutzen der Female Choice entfaltet sich aber bei weitem nicht nur bei den Geschlechtschromosomen, sondern im gesamten Genom, ein Effekt, der beide Geschlechter betrifft. Auch das Genom der Pflanzen und Tiere verarmt durch Domestikation und mehr noch durch ihre Zucht im Patriarchat.</p>
<p>Wir können nicht wissen, warum die Frauen der Jungsteinzeit keine besseren Bedingungen schaffen konnten. Hinterher ist frau aber immer schlauer. Die Lösung wäre gewesen, keine Männer in die Sippen aufzunehmen, sondern die Feldarbeit schon früh auch auf die Brüder zu verteilen. Wir könnten auch anders herum sagen: Wären die Brüder nicht so faul gewesen und hätten &#8211; statt sich weiter altsteinzeitlich bei der Jagd ein schöneres Leben zu machen und zuhause Kuchen zu essen &#8211; besser ihren Schwestern auf dem Feld geholfen. UND hätten die Schwestern wieder mehr gesammelt, hätte es für beide Seiten gleich viele Gelegenheiten für Sex gegeben. Nebenbei wäre die hohe Sammelkompetenz, das große Wissen über Pflanzen und Tiere, das durch die Landwirtschaft verloren gegangen ist, erhalten geblieben. Offenbar war die uralte, sexuelle Arbeitsteilung aber ein Hindernis.</p>
<p>Stoverock braucht den Genetischen Flaschenhals, um ein Schreckgespenst der Female Choice zu zeichnen. Sich damit näher zu befassen, hätte ihre These gefährdet. Sie gibt ihm auf Seite 90 nicht einmal einen Namen, und lagert das Problem zunächst in die Tierwelt aus, in Zahlen zu den Seeelefanten und Beobachtungen an Adeliepinguinen, Schimpansen und Bonobo.<a href="#_ftn40" name="_ftnref40">[40]</a> Schnell wechselt sie also wieder das Thema, kaum dass es auf dem Tapet ist, und wir müssen ihr folgen: Die Bonobo-Weibchen sollen sich aufgrund der Knappheit der Ressource Sex &#8222;einkaufen&#8220; lassen. Kurz, sie erklärt die weiblichen Tiere dieser Arten zu Prostituierten, die nicht aufgrund einer schönen Morgengabe ein talentiertes Männchen erkennen und begehren, sondern lediglich die Morgengabe begehren, und sie gegen Sex tauschen, wobei ihnen das Männchen egal ist. Eine derart frauenfeindliche Sicht auf die Weibchen sollten wir von einer Autorin, die sich der Female Choice verschrieben hat, nicht erwarten! Die Female Choice ist kein Tauschgeschäft, sondern ein grundsätzlicher, unveränderlicher Lebenseffekt.<br />
Hier zeigt sich besonders deutlich, wie wenig die Autorin die Female Choice selbst verstanden hat:</p>
<blockquote><p>&#8222;Bei einigen Watvögeln verhalten sich die Weibchen so wie es normalerweise die Männchen tun. Nach der Eiablage macht sich das Weibchen auf und davon, um sich mit weiteren Männchen zu paaren, während der erste Partner im wahrsten Sinne des Wortes auf den befruchteten Eiern sitzenbleibt, um sie auszubrüten. Gäbe es nicht diese wenigen Ausnahmen, könnte man die Female Choice ein Naturgesetz nennen, so unumstößlich wie die Erdanziehungskraft. Danke also für nichts, Watvögel und Seepferdchen.&#8220;<a href="#_ftn41" name="_ftnref41">[41]</a></p></blockquote>
<p>Es ist zum Heulen. Geht es bei der Female Choice nicht etwa darum, besonders viele verschiedene fähige Männchen zu finden? Ist die Strategie der Watvogelhennen etwa nicht die effektivste Art der Female Choice? Wir Menschen sind keine Vögel, und es ist nicht so, dass die Menschenfrauen ihre Female Choice zu Beginn der Landwirtschaft auf eben diese Weise ausgelebt hätten; sie haben ihre Kinder natürlich bei sich behalten. In die Logik, die Stoverock fährt, hätten die Watvogelhennen aber perfekt gepasst. Danke also für nichts, Frau Dr. Stoverock. Auf Seite 136 setzt sie noch einmal an und benennt den Genetischen Flaschenhals um der Dramatik willen, die ihr Kapitel &#8222;Die Stunde Null&#8220; abschließen soll, um zu nächsten Kapitel &#8222;Haben und Sein&#8220; überzuleiten.</p>
<h2 id="Maenner-die-frauen-bewachen-das-sog-mate-guarding">Männer, die Frauen bewachen? Das sog. <em>Mate Guarding</em></h2>
<p>Da wären aber noch die Reiskärpflinge, eine kleine Süßwasserfischart, an der Stoverock das sog. <em>Mate guarding</em> erklären will:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Männchen der Reiskärpflinge versuchen, sich stets so positionieren, dass das Weibchen etwaige Rivalen gar nicht sehen kann. Der Umstand, dass Weibchen für Männchen in erster Linie eine begrenzte Ressource sind, führt dazu, dass sie sie eifersüchtig bewachen. Nachdem sie sich die Zugriffsrechte durch Wettkampf untereinander geklärt haben, werden sie zu besitzergreifenden Hausherren, die versuchen, den Verlust der Ressource um jeden Preis zu verhindern.&#8220;<a href="#_ftn42" name="_ftnref42">[42]</a></p></blockquote>
<p>Das ist patriarchale Berichterstattung <em>par excellence</em>. Denken wir doch bitte die Female Choice konsequent, immer und immer wieder! Dann zeigt sich ein völlig anderes Bild: Es gibt in der Natur keine Zugriffsrechte, die unter den Männchen ausgefechtet werden! Es gibt nur das Weibchen, das ein Männchen gewählt hat, in diesem Fall das, welches im Kampf gewonnen hat. Es ist aber immer wieder zu beobachten, dass sich Weibchen am Rande des Kampfplatzes auch mit anderen Männchen paaren. Hören wir doch endlich auf mit der ewig androzentrischen Sicht auf die Tierwelt! Nicht die Weibchen sollen andere Rivalen nicht sehen, sondern umgekehrt, ein anderes Männchen als das gewählte soll das Weibchen nicht sehen, sie versteckt sich. Die Female Choice der Reiskärpflinge hat Männchen selektiert, die die Female Choice beschützen. Das ist keine Eifersucht, die mit einem Besitzrecht korrelieren würde, sondern eine Form der &#8222;Pflichterfüllung&#8220;. Dieses sog. <em>Mate Guarding</em> beschützt nicht die „Rechte“ des Männchens, sondern die Wahl des Weibchens. Würden sich andere Männchen in der Nähe aufhalten, könnte es passieren, dass vom Weibchen unerwünschtes Sperma die Eier erreicht.</p>
<p>Stoverock möchte gerne zeigen, dass die Female Choice auch im Patriarchat weiter wirksam ist, hierin liegt die Stärke und &#8211; wie könnte es jetzt noch anders sein &#8211; zugleich die große Schwäche des Buches. Es fällt ihr schwer, patriarchale Muster von denen der Evolution zu trennen:</p>
<blockquote><p>&#8222;Immer betreibt der Mann ein Riesentamtam, und die Holde muss nur ja sagen. Das spiegelt sich auch in unseren modernen Zeiten: Einer Umfrage zufolge sind 69% der Frauen gar nicht oder nur im Ausnahmefall dazu bereit, beim Flirten den ersten Schritt zu machen.&#8220;<a href="#_ftn43" name="_ftnref43">[43]</a></p></blockquote>
<p>Sie hält dies offenbar für natürlich. Aber natürlich gilt es im Patriarchat als unschicklich, wenn Frauen den ersten Schritt machen. Das ist deshalb so stark sanktioniert, weil die patriarchale Male Choice oberstes Gebot sein soll. Eine Frau, die wählt, ist unter der Würde des Patriarchen. Hier wird ihr unterstellt, sie wolle sich einen angeln, ihn festnageln, sie wolle nur sein Geld, sie sei nymphoman etc.. Tatsache ist, dass dieses Tabu großen Schaden anrichtet: viele Frauen bleiben &#8222;Incel&#8220; (die Alte Jungfer, das Mauerblümchen, der Blaustrumpf), weil sie einerseits immer nur Angebote ablehnen dürfen und andererseits Milchbubis, Nerds und Lauchs sich für Superhelden halten und daher nur auf Models stehen, um es einmal zugespitzt auszudrücken. Das Märchen von König Drosselbart lehrt schon kleine Mädchen, ihrem Gefühl nicht zu trauen und ein Angebot besser anzunehmen. Das Patriarchat hat aber auch dafür eine Lösung, und es würde mich nicht wundern, wenn Stoverock die Zwangsheirat für natürliches männliches Verhalten hält, wie auch das angebliche <em>Mate Guarding</em>, das sie unkritisch aus der Herrschenden Lehre übernimmt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Auch das <em>mate guarding</em> finden wir bei uns Menschen. Es zeigt sich im Extremfall an dem islamischen Verbot für Frauen, sich ohne männliche Begleitung an öffentlichen Plätzen aufzuhalten oder zu verreisen. Auch die Verschleierung dient seit rund dreitausend Jahren dazu, Frauen vor Blicken (und damit Versuchungen) anderer Männer zu verstecken.“<a href="#_ftn44" name="_ftnref44">[44]</a></p></blockquote>
<p>Sie liefert dazu auch Anekdotisches aus der Welt der Studien:</p>
<blockquote><p>&#8222;Auch hinsichtlich der Triebstärke gibt es Hinweise, die klare Unterschiede aufzeigen: Eine australische Studie aus dem Jahr 2011 ergab, dass 56% der Männer in Langzeitbeziehungen sich mehr Sex von ihren Partnerinnen wünschen, jedoch nur 28% der Frauen. 14% der Frauen hätten sogar gerne weniger Sex mit ihrem Partner.&#8220;<a href="#_ftn45" name="_ftnref45">[45]</a></p></blockquote>
<p>Die Studie zeigt aber auch, dass 14% der australischen Frauen in ihrer Beziehung vergewaltigt werden, was Stoverock aber nicht so zu sehen scheint.</p>
<blockquote><p>&#8222;Kanadische Wissenschaftler kamen bei einer Befragung von 170 Studenten zu ähnlichen Ergebnissen. Besonders in längeren Beziehungen spielt bei dem asymmetrischen Begehren nicht nur die Triebstärke, sondern auch die serielle Monoandrie der Frauen eine Rolle – die evolutionäre Reproduktionsstrategie findet einfach, dass es an der Zeit ist, sich nach Ablauf einer Reproduktionsphase mit einem anderen Mann zusammenzutun.&#8220;<a href="#_ftn46" name="_ftnref46">[46]</a></p></blockquote>
<p>Sie erklärt, dass sich an schwulen und lesbischen Paaren überprüfen ließe, ob die Triebstärke dennoch bei Männern stärker ausgeprägt ist, und siehe da, tatsächlich wollen Männer angeblich mehr Sex! Eine derart weitreichende Aussage mit einer einzigen Studie zu belegen, das ist leider zu dünn.<a href="#_ftn47" name="_ftnref47">[47]</a> Es wäre auch nur aussagekräftig, wenn bereits feststünde, dass sich homo- und heterosexuelle Menschen in dieser Frage nicht unterscheiden.</p>
<h2 id="nein-gewalt-ist-keine-loesung-nie-und-auch-nicht-die-unterdrueckung-der-female-choice">Nein, Gewalt ist keine Lösung. Nie. Und auch nicht die Unterdrückung der Female Choice.</h2>
<p>Tatsächlich, und nun wird es besonders problematisch und zugleich höchst inkonsequent, Stoverock leugnet die sexuelle Gewalt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Frauenbewegung hat lange die Behauptung verbreitet, bei sexuellen Angriffen ginge es vor allem um Macht (einen Willensakt) und nicht um Sex (einen Triebakt). Der Gedanke dahinter ist verständlich, aber aufgrund der evolutionären Besonderheiten der sexuellen Fortpflanzung halte ich &#8217;sexuelle Gewalt‘ für den unzutreffenden Begriff. Das kulturelle Faktoren die Entscheidung zur Vergewaltigung zusätzlich befeuern können, bezweifle ich aber keineswegs. Bitte denken Sie daran, dass es mir bei der Erklärung – nicht der Entschuldigung – von sexueller Gewalt darum geht, ihre Ursache zu verstehen, um sinnvolle Lösungen zu ihrer Eindämmung zu entwickeln.&#8220;<a href="#_ftn48" name="_ftnref48">[48]</a></p></blockquote>
<p>Wir werden noch sehen, wie sinnvoll die Lösungen sind, die sie auf den falsch hergeleiteten Ursachen entwirft. Ihre Beschwichtigung ist nicht nur unglaubwürdig, sie kommt auch noch auf derselben Seite zur Sache:</p>
<blockquote><p>&#8222;Wir haben gesehen, dass Gewaltbereitschaft integraler Bestandteil der männlichen Reproduktionsstrategie ist.&#8220;<a href="#_ftn49" name="_ftnref49">[49]</a></p></blockquote>
<p>Nein! Wir haben es hier leider mit einem besonders schwerwiegenden Fall von Biologismus zu tun, der den Mann an seinen Platz im Patriarchat verweist und besonders die Frau. Ausgerechnet die Female Choice, mit deren Hilfe wir alle Biologismen beseitigen können, muss dafür herhalten; dies nachdem es so schwer war, sie überhaupt zu entdecken. Es ist zum wirklich zum Auf-dem-Hut-herumtrampeln!</p>
<p>Nachdem sie also ordentlich Angst vor Männern geschürt hat, erfahren wir, wem ihre ganze Sorge gilt: den Incels, deren Gewaltbereitschaft sie ausführlich darstellt, und bei der es angeblich nicht um Macht geht.</p>
<blockquote><p>&#8222;Zahlen belegen, dass die meisten weiblichen Opfer von Sexualgewalt im geschlechtsreifen Alter sind. Dies ist ein Hinweis darauf, dass es bei den Taten deutlich stärker um Sex geht als bisher im Diskurs behandelt. Ginge es ausschließlich um Macht, wie der Feminismus seit Jahrzehnten behauptet, dann könnten ebenso oft Kinder oder Greisinnen betroffen sein.&#8220;<a href="#_ftn50" name="_ftnref50">[50]</a></p></blockquote>
<p>Es ist ja schon erstaunlich genug, dass der Feminismus über all die Jahre, wo das Wort „Patriarchat“ im Umlauf ist, nicht darauf gekommen ist, dass es um die Macht der Vaterschaft geht, was das Wort ja schon treffend aussagt. Aber immerhin hat der Feminismus erkannt, dass es um Macht geht. Nur ohne das Wörtchen &#8222;Vater&#8220; ist das Wort &#8222;Macht&#8220; natürlich nur ein Schlagwort, das einer auch um die Ohren gehauen werden kann, Stichwort &#8222;Matriarchat&#8220;. Es wird von Feministinnen davon abgelenkt, dass es sich um die Macht der Väter handelt, weil die Mutterschaft ein rotes Tuch ist und die Väter gefälligst im Kinder versorgenden Alltag mithelfen sollen. So gilt der männlichen Macht in der Arbeitswelt und der sexuellen Gewalt am Arbeitsplatz die Hauptsorge, während die Partnerschaftsgewalt erst langsam beginnt, in ihrem ganzen Ausmaß erkannt und erforscht zu werden, aber meist noch entschuldigt wird. Diese Bewegung kommt aber nicht aus dem Mainstreamfeminismus, sondern von den <a href="https://die-mias.de/" target="_blank" rel="noopener">alleinerziehenden Müttern</a>!<br />
<strong>Über Sex werden Männer im Patriarchat zu Familienvätern (= Familienvorstand) und daher gilt es, über die Sexualität der Frau Kontrolle zu erlangen.</strong> Alle Macht geht davon aus, dass Männer im Patriarchat nicht einfach Sex haben wollen, sondern Väter werden wollen, oder die Vaterschaft potentieller Väter sicherstellen sollen. Frauen werden über ihre Mutterschaft dahin erpressbar, selbst die Vaterschaft zu festigen.<br />
Über die Vaterschaft und die Vererbung über den Sohn gelingt die Anhäufung von Besitz. Die Gier nach mehr ist im Patriarchat in die Welt gekommen, weil alles unsicher geworden ist, weil die elementarsten Bedürfnisse nicht gestillt werden. Wir erinnern uns, Stoverock braucht die Bedürfnispyramide, wo Sex auf Stufe 1 angesiedelt ist, für ihre Argumentation. Aber Sex gehört nicht dazu, das ist ein Mythos! Sex kompensiert im Patriarchat einen großen Teil des Bereichs, der schon in der Kindheit nicht ausreichend von den Müttern gestillt werden darf: Körperliche Nähe, Zärtlichkeit, natürlich ohne Sex, und Geborgenheit, die gepaart sind mit dem Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens. Die <strong>Trauung</strong> von Mann und Frau soll all das ersetzen, was das Patriarchat zuvor genommen hat; es ist ein Perpetuum Mobile. Die Sucht nach Besitz und Sex sind Symptome der Krankheit Patriarchat. Natürlich ist ein Incel nicht einfach nur notgeil. Ein Incel hat die nackte Angst, keine Familie gründen zu können, womit er von der Gesellschaft ausgeschlossen würde. Sexpüppchen, wie Stoverock es dann als sinnvolle Maßnahme vorschlägt, und denen sie im Literaturverzeichnis erstaunlich viel Raum gibt, werden dieses Problem niemals lösen können! Das Incel-Phänomen ist auch kaum vor dem Hintergrund der erwachenden Sexualität der Frauen zu verstehen, sondern viel mehr vor dem Hintergrund der <strong>Individualisierung in der sog. <a href="https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/risikogesellschaft/4019" target="_blank" rel="noopener">Risikogesellschaft</a> (nach Ulrich Beck)</strong>. Wenn Frauen mobil werden müssen, quasi zu Nomadinnen, um im Beruf Erfolg zu haben, dann funktioniert das Modell Kleinfamilie nicht mehr und dann werden es sich Frauen zweimal überlegen, ob sie das Wagnis des Mangelkonstruktes Kleinfamilie eingehen wollen. Viele Frauen bleiben daher auch kinderlos und partnerlos, aber ohne vergewaltigend und pöbelnd umherzuziehen, wie Stoverock es für die künftigen Männer an die Wand malt.</p>
<h2 id="female-choice-und-matrifokalitaet-nicht-verstanden">Female Choice und Matrifokalität nicht verstanden</h2>
<p>Nachdem Stoverock viele Buchseiten damit zugebracht hat, die Entstehung des Patriarchats in die Zeit der Erfindung der Landwirtschaft zu verlegen, konstatiert sie:</p>
<blockquote><p>&#8222;Der evolutionäre [!] Druck hat auch bei den Menschen vor allem polygyn-monoandrische Systeme hervorgebracht.&#8220;<a href="#_ftn51" name="_ftnref51">[51]</a></p></blockquote>
<p>Es scheint ihr dabei unbekannt, dass polygyn-monoandrische Systeme immer im Patriarchat angesiedelt und nicht evolviert sind. Das Patriarchat gehört nicht in die Altsteinzeit. Unbekannt ist ihr scheinbar auch, dass Menschen nicht viele &#8222;Systeme&#8220;, sondern ein einziges angeborenes Sozialverhalten eigen ist, die Matrifokalität, wie es u.a. Sarah Blaffer Hrdy nachweisen konnte. Schon für die Primaten stellt die berühmte Anthropologin fest:</p>
<blockquote><p>&#8222;Ich gehörte übrigens zu denjenigen, die schon frühzeitig davon überzeugt waren, dass Menschenaffen zur Patrilokalität neigten. Ich änderte meine Meinung im Verlauf der Arbeit an &#8218;Mutter Natur&#8216;.&#8220;<a href="#_ftn52" name="_ftnref52">[52]</a></p></blockquote>
<p>Die Matrifokalität ist Stoverock dennoch durch Twitter bekannt, sie akzeptiert sie auch ausdrücklich, erwähnt sie auch mehrmals im Text, aber ohne diese Inspiration im Text oder Literaturverzeichnis zu würdigen.<a href="#_ftn53" name="_ftnref53">[53]</a> Es ist auch besonders verwerflich, dass sie behauptet, dass es Studien gäbe, die beweisen sollen, dass es die monogyn-monoandrische Lebensweise, also die Ehe, seit gut 10.000 Jahren gäbe, ohne ihre Quellen zu benennen<a href="#_ftn54" name="_ftnref54">[54]</a>. Meiner Erfahrung nach haben die AutorInnen solcher Studien einen extrem engen Blickwinkel, bei dem schon zu Studienbeginn das gewünschte Ergebnis feststeht,<a href="#_ftn55" name="_ftnref55">[55]</a> und sie produzieren häufig ähnliche Sätze wie Stoverock:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Kinder einer Frau stammen oft von unterschiedlichen Vätern, Partnerschaft-auf-zeit ist primäre Beziehungsform. Die menschlichen Körper wurden von der Evolution so konstruiert, dass sie in erster Linie so lange zusammenbleiben, bis die aus der Beziehung resultierenden Kinder selbstständig essen und die nomadisch umherziehende Gruppe aus eigener Kraft begleiten können. Längere Beziehungen sind eher Ausnahme.“<a href="#_ftn56" name="_ftnref56">[56]</a></p></blockquote>
<p>Hier wird er konstruiert: der Vater als Ernährer. Aber Stoverock denkt nicht darüber nach, was z.B. passiert, wenn die Gruppe resp. Sippe weiterzieht. Glaubt sie wirklich, dass das aggressive Sexmonster 9 Monate lang eine Schwangere verfolgt, um dann für das Kind Nahrung zu beschaffen? Das passt weder in ihr Weltbild, noch passt das zu Matrifokalität. Ist es nicht vielmehr so, dass sich Männer für Kinder erst dann wirklich zu interessieren beginnen, wenn die Kinder laufen und sprechen können? Was würde denn passieren, wenn der Vater verunglückt? Sie weiß es nicht. Sie weiß nicht, dass der Vater unter Matrifokalität weder der Ernährer ist, noch überhaupt bekannt ist, dass er einfach nur hinderlich wäre, übrigens auch weil in der Sippe immer mehrere Mütter sind. Wird das Baby geboren, ist er schon lange weg, denn er zieht mit seiner eigenen Sippe weiter. Merkwürdig, dass ihr, der Evolutionsbiologin, das nicht klar ist, besonders wo sie doch den Männern ein überbordendes, aggressives Sexleben andichtet.</p>
<h2 id="geschichtsfeindlichkeit">Geschichtsfeindlichkeit</h2>
<p>In ihrem Kapitel &#8222;Haben und Sein&#8220;<a href="#_ftn57" name="_ftnref57">[57]</a> beschäftigt sich Stoverock nun damit, wie der Mann über seinen Besitz die Frau ans Haus gefesselt habe.</p>
<blockquote><p>&#8222;Der Besitz wird dem Mann zugeordnet. Territorien und die dort vorkommenden Ressourcen sind auch in der Natur eher Männersache.&#8220;<a href="#_ftn58" name="_ftnref58">[58]</a></p></blockquote>
<p>Mit diesem hanebüchenen Biologismus, der jede Arbeitsleistung der Frau der Steinzeit übergeht, braucht sie nicht erwähnen, dass die Matrifokalität keinen Besitz kennt und auch die frühen Sippenhäuser allen gehörten. Ihre Erklärung dafür, wie der Besitz in Männerhand geraten ist: der Wunsch nach Abgrenzung<a href="#_ftn59" name="_ftnref59">[59]</a>. Hier liefert die Patriarchatsforschung jede Menge wirklich Erhellendes, aber das sind ja alles Schmuddelkinder.<br />
Woher sie das Wissen nimmt, dass &#8222;<em>Anführer, die behaupten, von den Göttern direkt in ihr Amt berufen worden zu sein</em>&#8222;, schon &#8222;<em>von Anfang an zu den Begleiterscheinungen sesshafter Gemeinschaften</em>&#8220; gehört haben, erraten wir nicht, sie kann auch nur mit dem bronzezeitlichen, babylonischen König Hammurapi aufwarten. Und doch, Frau Dr. Stoverock! Wir dürfen getrost vergessen, &#8222;<em>dass die alttestamentarischen Erzählungen ihre Anfänge in der mündlichen Folklore haben</em>&#8222;.<a href="#_ftn60" name="_ftnref60">[60]</a><br />
Ihr Ritt durch die Zeiten, mit rasendem Wechsel von Alt- zu Jungsteinzeit, dann nahtlos in die Bronzezeit, Neuzeit und wieder zurück, alles nur &#8222;Details&#8220;. Hier zeigt sich unhistorisches Denken gepaart mit Halbwissen und ein durch und durch patriarchales Weltbild, das im Widerspruch zu allem steht, was wir doch längst besser wissen. Die Krönung ist dann diese Plattitüde:</p>
<blockquote><p>&#8222;Früher ging der Mann jagen, um die Frau zu ernähren, heute geht er halt ins Büro.&#8220;<a href="#_ftn61" name="_ftnref61">[61]</a></p></blockquote>
<p>Aber dann ist für sie die „<em>Spaltung der menschlichen Gemeinschaften in außen und innen nicht weniger als die Geburtsstunde des Androzentrismus, der männlichen Zivilisation.</em>&#8222;<a href="#_ftn62" name="_ftnref62">[62]</a> Oho und Aha! Mit diesem geistvollen Sinnspruch von biblischer Gewalt zeigt sie, dass sie nichts weiß über die Entstehung des Patriarchats im Viehzüchternomadismus und den daraus resultierenden <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung" target="_blank" rel="noopener">Zuchtgedanken mit seinem Sexismus und Rassismus</a>. Und genau DAS ist es, was &#8222;<em>die Völker, die uns Pornografie in der beschriebenen Eindeutigkeit hinterlassen haben</em>&#8220; eint und nicht die &#8222;besitzbasierte Sesshaftigkeit&#8220;<a href="#_ftn63" name="_ftnref63">[63]</a>.</p>
<h2 id="porno-sells-und-der-angebliche-sexuelle-konflikt">Porno sells und der angebliche Sexuelle Konflikt</h2>
<p>Überhaupt Pornografie. Stoverock, die sich als &#8222;sexpositiv&#8220;<a href="#_ftn64" name="_ftnref64">[64]</a> bezeichnet, liebt die Pornografie, wir ahnten es schon. Was wurde in den letzten Jahrzehnten nicht alles geschrieben, um zu den Leuten verständlich zu machen, dass Pornografie Frauen, ja allen Menschen erheblichen Schaden zufügt! Es scheint, als würden all diese Feministinnen gegen Wände geredet haben, wenn Stoverock so etwas schreibt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Doch schaut man genauer hin, zeigt die Mainstream-Pornografie jedoch mehr. Die Frau steht dem Mann in der Pornografie uneingeschränkt zur Verfügung, das ist wahr, doch willenlos ist sie keineswegs. Sowohl in antiken als auch modernen Darstellungen verhält sich die Frau lüstern, sie begegnet dem Mann mit offenen Armen und erwidert seine Annäherung. … Im Grunde simuliert er die freie Partnerwahl einer Frau, wie sie in der <em>Female Choice</em> gegeben ist. Erotische Darstellungen vor allem des Mainstreams zeigen einen Akt, an dem sich die Frau freiwillig und mit Genuss beteiligt (im Fetischbereich sind natürlich auch andere Spielarten möglich). … In dem Ideal offenbart sich tiefste und persönliche Sehnsucht, die der Sexuelle Konflikt seit Millionen von Jahren beiden Männern hinterlassen hat: Eine Frau, die ihn und seinen Penis von ganzem Herzen begehrt, und bei der er keine Angst vor Zurückweisung haben muss. …&#8220;<a href="#_ftn65" name="_ftnref65">[65]</a></p></blockquote>
<p>Welche jetzt noch nicht heult, dürfte spätestens jetzt dazu genötigt sein:</p>
<blockquote><p>&#8222;Hätte diese Sehnsucht nicht dazu geführt, dass die Männer frauenunterdrückende Strukturen schufen, um mehr Zugang zu Sex zu bekommen – man könnte ihr Mitgefühl entgegenbringen. Kein verächtliches, überhebliches Mitgefühl, sondern ein liebevolles, ebenbürtiges Verständnis, das den Mann als fühlendes, begehrendes Wesen ernstnimmt, dem der Sexuelle Konflikt ebenso übel mitgespielt hat wie der Frau. …&#8220;<a href="#_ftn66" name="_ftnref66">[66]</a>.</p></blockquote>
<p>NEIN, Frau Dr. Stoverock, das nehme ich Ihnen nicht ab, auch wenn Sie zum Ende noch schreiben, dass die Frau sich angesichts der gefährlichen Folgen der Partnerschaft kein Mitleid leisten könne<a href="#_ftn67" name="_ftnref67">[67]</a>.<br />
Der Sexuelle Konflikt ist unter Biologen <em>en vogue</em>, da sind noch Meriten zu verdienen, und dieses Buch ist Stoverocks Beitrag:</p>
<blockquote><p>&#8222;Unsere zentrale These lautet, dass wesentliche Strukturen der männlichen Zivilisation dazu dienten, die Folgen der unterschiedlichen Reproduktionsstrategien der Geschlechter abzufangen. Zu diesen Folgen gehört der Sexuelle Konflikt aus einander gegenläufigen sexuellen Bedürfnissen, aber auch das Paarungssystem der <em>Female Choice</em>, in dem die Frau den Zugang zu Sex für Männer regelt.&#8220;<a href="#_ftn68" name="_ftnref68">[68]</a></p></blockquote>
<p>In der Natur war der angebliche Sexuelle Konflikt nie ein Problem, die Female Choice wurde zum Problem für Männer, als sie mit Gewalt Frauen unterwarfen. Die Sesshaftigkeit trifft so wenig Schuld, wie eine Frau, die vergewaltigt wurde. Die Theorie des Sexuellen Konflikts, die alles, was die Female Choice betrifft, problematisiert, sogar bis in die Cryptic Female Choice hinein, ist ein Irrweg wie auch Freuds Ödipus-Komplex und Penisneid. Der &#8222;Konflikt&#8220; ist identisch mit dem Problem, das Patriarchen mit der Female Choice haben, und ein moralisierender Begriff, der bei der Betrachtung der Evolution nichts verloren hat und in den Biologismus führt. Er ist auch identisch mit dem Widerstreit des Patriarchats mit der <strong>Matrifokalität, die sexuelle Konflikte sozusagen aufs Genialste verhindert hat.</strong> In Bezug auf den Menschen (und Primaten) wird er aber immer wieder beschworen, um die menschliche Monogamie, die die Female Choice unterdrückt, als evolvierten Schutz der Frauen und Kinder vor Vergewaltigung und Infantizid hinzustellen.<a href="#_ftn69" name="_ftnref69">[69]</a> Kein Wunder, dass Stoverock mit der Female Choice das Ende der Zivilisation nahen sieht, wie es schon der Buchtitel andeutet, bei dem optimistische LeserInnen zunächst glauben könnten, es sei das Ende des Patriarchats gemeint.</p>
<h2>Incels, das Schreckgespenst der Evolution?</h2>
<p>Im letzten Drittel des Buches widmet sich Stoverock nun ganz ihren Schützlingen, den Incels. Sie beschreibt sehr detailliert die Amokläufe in den USA, und besonders den von Elliot Rodger. Dazu erzählt sie, wie sich Incels im Netz zusammenrotten und radikalisieren. Auch das möchte sie erklären:</p>
<blockquote><p>&#8222;Erinnern wir uns an die Maslowsche Bedürfnispyramide. Die bloße Existenz von gewaltbereiten Incels und das gleichzeitige Fehlen eines weiblichen Äquivalents zeigt, dass das Bedürfnis nach Sexualität für Männer deutlich weiter unten in der Pyramide steht, und seine Erfüllung damit eine wesentlich höhere Priorität hat als für Frauen. Je dringlicher ein Bedürfnis ist, desto verzweifelter und aggressiver kämpft der Mensch um seine Erfüllung. Es käme daher einer groben Fahrlässigkeit gleich, diese Gruppe nicht besonders im Auge zu behalten.&#8220;<a href="#_ftn70" name="#_ftnref70">[70]</a></p></blockquote>
<p>Erinnern wir uns auch daran, dass die Maslowsche Bedürfnispyramide die Bedürfnisse des patriarchalen Mannes abbildet und Stoverock das nicht bemerkt hat. Männer können keine Kinder kriegen, sie müssen im Patriarchat eine Frau festsetzen, um sich überhaupt um Kinder kümmern zu können. Es droht ihnen die Einsamkeit im Alter, aber auch geringerer sozialer Status, der sich durchaus in barer Münze bemerkbar macht. Während nämlich das Gehalt von Müttern ins Bodenlose sinkt, verdienen Familienväter mehr als kinderlose Männer. In den USA ist diese Diskrepanz übrigens besonders deutlich.<a href="#_ftn71" name="_ftnref71">[71]</a> Dass Kinder einen Mann arm machen, Sex mit einer Frau daher &#8222;zu einer wirtschaftlichen Gefahr&#8220; werde, wie Stoverock es ja auch behauptet hat<a href="#_ftn72" name="_ftnref72">[72]</a>, stimmt also nur teilweise. Tatsächlich haben schon die frühen Patriarchen erkannt, dass Kinder billige Arbeitskräfte sind, die, ordentlich erzogen die Zukunft so gestalten, wie es sich der Vater wünscht. Sie verleihen ihm Macht, er kann seine Frau über sie erpressen und er spart sich das Geld für eine Dienerin und Prostituierte. Eine Ehefrau, würde sie anständig bezahlt, wäre so teuer, dass ein normaler Mann sie sich nicht leisten könnte.<br />
Stoverock kennt sich gut aus in der &#8222;Manosphere&#8220; und bescheinigt ihr &#8222;<em>erstaunliches Wissen über die evolutionsbiologischen Grundlagen der Geschlechterbeziehung</em>&#8222;<a href="#_ftn73" name="_ftnref73">[73].</a> Wenn es dieses Wissen ist, das sie in diesem Buch zum Besten gibt, ist alles klar! Hier liegt das Problem des Buches nun offen zutage; ihre Inspiration holt sie sich bei den Misogynisten, und sie gibt es auch zu:</p>
<blockquote><p>&#8222;Stimmen, die sich um die Einbettung der physischen Prozesse in die Kultur bemühen, gibt es nur wenige. Eine von ihnen gehört dem kanadischen Psychologen Jordan Peterson. Er hat erkannt, dass unsere Zivilisation nur unter Abschaffung von evolutionsbiologischen Mustern möglich war.&#8220;<a href="#_ftn74" name="_ftnref74">[74]</a><br />
&#8222;Er weist darauf hin, dass die Menschheit am Anfang ihrer sesshaften Lebensweise die Incels nur über die sozial erzwungene Monogynie in den Griff bekommen hat, und dass also ein Aufweichen dieser Monogynie einem Angriff auf die Zivilisation gleichkommt.“<a href="#_ftn75" name="_ftnref75">[75]</a></p></blockquote>
<p>Ja, Frau Dr. Stoverock, ich &#8222;atme scharf ein&#8220; und zwar mehrfach, da hilft Ihnen auch nicht Ihre Immunisierungsstrategie<a href="#_ftn76" name="_ftnref76">[76]</a>. Und zwar aus zwei Gründen:</p>
<p>1. Der Satz suggeriert, dass Jordan Peterson der Begründer der Patriarchatsforschung sei. Das ist falsch. Es war Dr. Gerhard Bott, den ich oben bereits erwähnte, der erstmals den Zusammenhang zwischen der Patriarchalisierung und der Aushebelung der Female Choice erkannte. Er berief sich dabei auf die Arbeiten von Meredith M. Small und Gerda Lerner.<a href="#_ftn77" name="_ftnref77">[77]</a><br />
2. Jordan Peterson ist ein Antifeminist, der mit Aussagen wie &#8222;<em>You know you can say, ‘Well isn’t it unfortunate that chaos is represented by the feminine’ — well, it might be unfortunate, but it doesn’t matter because that is how it’s represented. It’s been represented like that forever. And there are reasons for it. You can’t change it. It’s not possible. This is underneath everything. If you change those basic categories, people wouldn’t be human anymore. They’d be something else. They’d be transhuman or something. We wouldn’t be able to talk to these new creatures</em>“ bei den organisierten Incels punktet. Eines seiner Bücher trägt den Untertitel “An Antidote to Chaos”.<a href="#_ftn78" name="_ftnref78">[78]</a></p>
<p>&#8222;Chaos&#8220;, das ist das Wort, das Erzkonservative immer in den Mund nehmen, wenn sie Gegner diskreditieren wollen. Auch Donald Trump verwendete es inflationär und produzierte doch selbst das allergrößte Chaos. Aber tatsächlich fallen WählerInnen (und auch LeserInnen) immer wieder auf das Geschäft mit der Angst herein. Und in diese Kerbe haut auch Stoverock:</p>
<blockquote><p>&#8222;Und da die Kontrolle der &#8218;Ressource Frau&#8216; durch die Männer nicht die Folge der Kultur war, sondern der erste, sie begründende Schritt, können die Maßnahmen nicht einfach rückgängig gemacht werden.&#8220;<a href="#_ftn79" name="_ftnref79">[79]</a></p></blockquote>
<p>Damit beweist sie auch einmal mehr ihre weitreichende Unbildung. Schon Tiere haben nämlich Kultur und die menschliche Zivilisation gab es schon lange ehe das Patriarchat über die Menschheit hereinbrach.</p>
<p>Ihr Manifest lautet konsequent:</p>
<blockquote><p>&#8222;Wir müssen das Gute aus dem Nomadenleben mit dem Guten aus der Sesshaftigkeit verbinden. Und weil allein die Größe dieser Aufgabe Kopfschmerzen bereitet, beginnen wir im Kleinen, dort, wo jeder Mensch in seinem Leben etwas verändern kann, und vergrößern die Idee so lange, bis wir am Ende vor einer neuen Weltordnung stehen.&#8220;<a href="#_ftn80" name="_ftnref80">[80]</a></p></blockquote>
<p>Wir können den Anfang wie folgt abändern, denn das ist es, was sie in Wahrheit sagen will, hat sie doch seitenweise den &#8222;Nachweis&#8220; geführt: Wir sollen das Gute aus dem Nomadenleben mit dem angeblich Guten aus dem Patriarchat verbinden. Wie naiv das ist, zeigt der aktuelle Backlash. Es gibt nicht &#8222;ein bisschen Patriarchat&#8220;. Das Patriarchat wird sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen, solange das Vaterrecht nicht durchschaut und abgeschafft ist. DAS ist das Problem vor dem wir stehen … aber auch die Mauer hat nicht ewig gestanden. Jedoch, das Patriarchat ist eine &#8222;etwas&#8220; härtere Nuss, so dass noch sehr viel Wasser den Rhein herunterfließen wird. Würden die Männer erkennen, wie sehr sie sich selbst schaden, dann wäre viel gewonnen. Aber dieses Buch klärt nicht darüber auf, sondern tut das genaue Gegenteil.</p>
<h2>Scheinfeminismus und Prostitutionsverherrlichung</h2>
<p>Dr. Meike Stoverock ist keine Feministin. Die sexuelle Freiheit der Frau, die Female Choice, und damit die Freiheit überhaupt, ist ihr so zuwider, dass sie sie weiter eingeschränkt sehen will. Das äußert sich auch in ihrem Loblied auf die Pille, auch wenn sie deren Risiken und die Folgen für die Female Choice kennt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschen erfahren Frauen so etwas wie echte Freiheit. Die Freiheit über das Treiben in ihren Eierstöcken bestimmen zu können. … Die selbstgewählte Kinderlosigkeit versetzt Frauen in die Lage, Berufe zu ergreifen, sich zu bilden, zu reisen und ihre Sexualität zu entdecken.&#8220;<a href="#_ftn81" name="_ftnref81">[81]</a></p></blockquote>
<p>Das ist aber nur die halbe Wahrheit: Ausgerechnet Letzteres ist durch die Pille stark eingeschränkt und immer weniger Frauen nehmen die Pille, weil sie die schädlichen Effekte nicht mehr tragen wollen und zudem erkannt haben, dass sie nur eine Scheinfreiheit gewährt, verfügbar macht und obendrein Einsamkeit beschert, genau das, wovor männliche Incels in Wahrheit Angst haben! In den Entwicklungsländern ist die Pille eine echte SOS-Maßnahme, aber als Lifestyle-Produkt taugt sie gar nichts. Im Übrigen bedeutet Female Choice auch, sich einem Partner zu verweigern.<br />
Ein Feminismus, der die Kraft der Female Choice diskreditiert, nicht den Weg MIT ihr aufzeigt, wie sie Frauen ein freies Leben mit ihrer kompletten positiv erlebten Körperlichkeit ermöglicht, ist nicht für Frauen, sondern gegen sie. Und Stoverock hat noch nicht erkannt, wie sehr der Feminismus vom Patriarchat instrumentalisiert wird, denn sie glaubt, dass er nur vorwärts ginge, &#8222;nie rückwärts&#8220;.<a href="#_ftn82" name="_ftnref82">[82]</a> Sie selbst liefert mit ihrem Buch das beste Beispiel für einen echten Rückschritt. Der Schlüssel zur Lösung ist mit der Female Choice längst gefunden, aber sie schmiert nun Klebstoff ins Schlüsselloch.</p>
<p>Sex für alle, das ist Stoverocks Forderung,<a href="#_ftn83" name="_ftnref83">[83]</a> und ihr Respekt vor der Pornografie ist bemerkenswert. Und damit alle zu ihrem angeblichen Recht kommen, präsentiert sie den ganzen Katalog patriarchaler Sexfürsorge.</p>
<blockquote><p>&#8222;Prostitution kann gerade jenen Teil der männlichen Sexualität abfangen, der sonst unkontrolliert und potentiell gefährlich in die Gesellschaft sickern würde: die nicht gesellschaftskonformen Neigungen, den Triebstau bei Unterversorgung.&#8220;<a href="#_ftn84" name="_ftnref84">[84]</a></p></blockquote>
<p>Ihr wesentliches Argument gegen ein Prostitutionsverbot ist:</p>
<blockquote><p>&#8222;Interessanterweise gehören Länder mit striktem Prostitutionsverbot zu denen mit den höchsten Vergewaltigungsfällen in Europa.&#8220;<a href="#_ftn85" name="_ftnref85">[85]</a></p></blockquote>
<p>Dieser perfide Mythos wurde von TERRE DE FEMME und der Aussteigerin Huschke Mau längst entlarvt.<a href="#_ftn86" name="_ftnref86">[86]</a> Tatsächlich sind es die Prostituierten, die dann stellvertretend vergewaltigt werden; Prostitution ist keine Female Choice! Und daher gibt es auch keine &#8222;anständigen&#8220; Freier, wie Stoverock behauptet.<a href="#_ftn87" name="_ftnref87">[87]</a> Stoverock glaubt auch fest daran, dass Prostitution eine &#8222;wirksame Incel-Prophylaxe&#8220;<a href="#_ftn88" name="_ftnref88">[88]</a> sei. Dann ich frage mich aber, warum es die organisierten, aggressiven Incels jetzt schon gibt, obwohl die Prostitution noch überall blüht.<br />
Zwar kennt sie die Kritik ganz genau, wischt sie aber vom Tisch:</p>
<blockquote><p>&#8222;Eine Korrelation gibt es, auch eine unmittelbare Wirkung, beides ist nicht zu leugnen. Ob jedoch auch eine persönlichkeitsformende Kausalität besteht und wenn ja, in welche Richtung diese verläuft, kann bisher nicht geklärt werden. Denn es ist sowohl möglich, dass Pornos zu Gewalttaten führen, als auch dass zu Gewalttaten neigende Männer eher zum Porno greifen. Der Beweis eines ursächlichen Zusammenhanges steht bislang noch aus.<a href="#_ftn89" name="_ftnref89">[89]</a>&#8222;</p></blockquote>
<p>Das ist falsch. Wenn wir davon ausgehen, dass die Täter nicht wissen, wie ein Porno entsteht, dann ist Pornogucken wie der Blick in die Zeitung. Konsumenten von Kinderpornos werden aber deshalb bestraft, weil bekannt ist, dass diese Filme Gewalttaten dokumentieren und sie sich deshalb mitschuldig machen. Einen Porno zu schauen ist eine Gewalttat, übrigens auch gegen sich selbst. Konsumenten wissen ganz genau, was sie da sehen! Ebenso sind erwachsene Pornodarstellerinnen nicht einfach nur Schauspielerinnen, sondern sie werden vor der Kamera vergewaltigt, sind allerdings oft auf Droge oder so abgestumpft, dass sie es selbst nicht mehr mitbekommen. Pornos sind keine Female Choice. Es ist auch bekannt, dass schon alltägliche Sexszenen normalen Schauspielerinnen, von denen viele es gar nicht erwarten würden, erhebliche Probleme bereiten.</p>
<p>Und dann die Sexpuppen und all die anderen Produkte, die die Industrie bereithält, es liest sich wie die Hochglanzbroschüre der Pornolobby:</p>
<blockquote><p>&#8222;Aber auch anderen Orts wächst der Markt – wenn auch nicht so schnell, wie er könnte, weil die lebensechten Puppen mit mehreren tausend Euro sehr teuer sind.&#8220;<a href="#_ftn90" name="_ftnref90">[90]</a><br />
&#8222;Heutige Puppen sind lebensgroß, aus weichem Silikon gefertigt, mit Brüsten, die sich wenigstens ein bisschen danach anfühlen, und anatomisch genauen Genitalien. Kunden mit dem nötigen Kleingeld können Größe, Proportionen, Haar- und Hautfarbe ihrer Puppe individuell zusammenstellen. Technologische Weiterentwicklungen geben Puppen sogar Mimik …&#8220;<a href="#_ftn91" name="_ftnref91">[91]</a></p></blockquote>
<p>Ehrlich gesagt, ich will das alles gar nicht so genau wissen. Aber das sollen alles ganz normale Produkte sein, die es schon in der Antike gab<a href="#_ftn92" name="_ftnref92">[92]</a>; Patriarchat mit Patriarchat legitimiert.<br />
Als vorläufigen Höhepunkt ihres geistigen Exzesses, bei dem wir doch uns langsam fragen müssen, ob Stoverock nicht doch eher eine Ghostwriterin ist, lehnt sie sich an den Vorschlag eines Autors an, der &#8222;<em>Ausgleichszahlungen für sexuell unterprivilegierte Männer, die ihnen womöglich helfen könnten, leichter Partnerinnen zu finden</em>&#8220; fordert.<a href="#_ftn93" name="_ftnref93">[93]</a> Das ist schon besonders bizarr angesichts des Kampfes alleinerziehender Mütter um jeden Cent. Dafür hat die Gesellschaft also Geld übrig? Dies alles sind keine innovativen Vorschläge, sondern schlicht eine Aufforderung zum Zurück ins vorletzte Jahrhundert, wo Frauen noch &#8222;eine gute Partie&#8220; machen mussten, und ihre Female Choice keinerlei Rolle spielte.<br />
Im scheinbaren Widerspruch zu ihren Ausführungen schreibt sie aber:</p>
<blockquote><p>&#8222;Wir müssen die Gesellschaft liebevoll auffangen. Müssen das Narrativ ändern von &#8218;Jeder kann Sex haben, wenn …&#8216; zu &#8218;Nicht jeder hat Sex, das ist ganz normal'&#8220;<a href="#_ftn94" name="_ftnref94">[94]</a>.</p></blockquote>
<p>Mit einem solchen Vorschlag kann Stoverock sich nicht freischwimmen, im Gegenteil: Für sie ist die Female Choice ein Narrativ. Und wir wissen wie sie, dass Narrative jederzeit austauschbar und revidierbar sind im Sinne von: Was schert mich mein Geschwätz von gestern? Die Erziehung nur mit Parolen wird nicht nachhaltig sein, denn das grundsätzliche Problem liegt nicht beim Sex, sondern in der im Patriarchat schon mit der Geburt beginnenden Trennung von der Mutter und anderen Bezugspersonen, so dass das Kind keine stabile Bindung aufbauen kann und sein tiefes Bedürfnis nach körperlicher Nähe nicht befriedigt wird. Wir erinnern uns: das Bedürfnis nach Zugehörigkeit ist das am stärksten ausgeprägte. Der folgende lebenslange Durst nach inniger körperlicher Nähe wird mit Sex kompensiert, und bleibt dies aus, mündet er in aggressivem Verhalten.<br />
Dies aber noch zu bedienen, wie Stoverock es fordert, käme einer Gesetzgebung gleich, die es Einbrechern erlaubte, in bestimmte staatlich zur Verfügung gestellte Häuser einzubrechen, damit sie ihren Trieb abreagieren können und andere Häuser verschonen.</p>
<h2 id="zu-guter-letzt">Zu guter Letzt</h2>
<p>Es gibt auch kluge Sätze in diesem Buch, wie ihre Ausführungen zur Abtreibungspolitik oder z.B.:</p>
<blockquote><p>„Tatsächlich aber ist der ganze Schönheitsdruck auf Frauen nur ein kultureller Trick zur Luststeigerung der Männer – im Zweifelsfall geben sie sich auch mit viel weniger zufrieden“<a href="#_ftn95" name="_ftnref95">[95]</a><br />
&#8222;Alles, was die Frau tut, misst sie an den möglichen Folgen für ihr Kind … noch vor ihren eigenen Bedürfnissen.&#8220;<a href="#_ftn96" name="#_ftnref96">[96]</a><br />
&#8222;Sich für die Ehe zu entscheiden, bedeutet, den Ursprung und Zweck der Ehe mitzutragen. Und daran ändert sich auch nichts, wenn Frau und Mann verliebt ineinander sind und sich ohne wirtschaftlichen Zwang zu einer Heirat entschließen.&#8220;<a href="#_ftn97" name="_ftnref97">[97]</a><br />
&#8222;Jemand, dessen Arbeit einen möglichst hohen Geldwert produzieren kann, gilt als wertvoller als jemand, dessen Arbeit nur einen geringen Geldwert erzielt, oder jemand, der gar nicht produziert.&#8220;<a href="#_ftn98" name="_ftnref98">[98]</a></p></blockquote>
<p>Da sehe ich das Potential der Autorin, finde aber im Gegensatz zu ihr, dass es völlig ok ist, wenn uns dieses System „eines Tages um die Ohren fliegt“.<a href="#_ftn99" name="_ftnref99">[99]</a> Aber immer wieder macht sich Stoverock Sorgen, dass der Mann aufhören könnte, an der Zivilisation zu arbeiten:</p>
<blockquote><p>&#8222;Auch wenn es uns nicht schmecken will: Monogynie, also eine Art sexuelle Grundversorgung, macht die vormals 80% potentiell gewaltbereiten Gewalt [sic] neigenden Männer überhaupt erst tauglich für eine dicht beieinander lebende Menschengemeinschaft.&#8220;<a href="#_ftn100" name="_ftnref100">[100]</a></p></blockquote>
<p>Das schmeckt nicht nur nicht, das ist auch blanker Unsinn, toxische Pseudowissenschaft. Und selbst wenn, was nützt uns ein äußerlich braver Mitbürger, wenn er zuhause seine Ehefrau verprügelt und vergewaltigt? Die Risikoabwägung zugunsten einer stereotyp gedachten männlichen Sexualität &#8211; mit in die Halbwelt outgesourcter Gewalt &#8211; führt uns überhaupt nicht weiter, es ist nämlich bereits der Status quo. Vor allem: das Patriarchat selbst ist für die Dichte der Überbevölkerung verantwortlich, die allein durch die Unterdrückung der Female Choice entstand; diese Selbstlegitimation muss endlich erkannt und durchbrochen werden.</p>
<h2 id="nachtrag01">NACHTRAG Aktuelles</h2>
<p>Mit einer neuen genetischen Studie (Pressemitteilung 14. April 2021) bestätigten türkische Forscher nochmals die Matrifokalität jungsteinzeitlicher Siedlungen. <a href="https://www.miragenews.com/ancient-dna-hints-at-diverse-stone-age-543915/" target="_blank" rel="noopener">Zum Artikel im Magazin miragenews.com</a><br />
In Çatal Höyük wurde Matrifokalität nun auch molekulargenetisch nachgewiesen. <a href="https://www.nzz.ch/wissenschaft/catalhoeyuek-und-matriarchat-neue-hinweise-auf-rolle-der-frauen-ld.1895649" target="_blank" rel="noopener">Zum Artikel auf NZZ.ch</a><br />
Die bandkeramische Migration aus dem Karpathenbecken, die eine der frühesten Fluchtbewegungen vor patriarchalen Horden war und die Landwirtschaft nach Mitteleuropa brachte, geschah aus Furcht vor der drohenden Ungleichheit, die Patriarchat genannt werden muss. <a href="https://www.mdr.de/wissen/archaeologie-fruehgeschichte/landwirtschaft-bedeutet-nicht-automatisch-ungleichheit-100.html" target="_blank" rel="noopener">Zum Artikel auf mdr.de</a></p>
<h2 id="literatur">LITERATUR</h2>
<p>&nbsp;</p>
<ul id="liste4">
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere, Berlin 2010</li>
<li>Beck, Ulrich: Risikogesellschaft &#8211; Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt a. M. 1986</li>
<li>Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter. Norderstedt 2009</li>
<li>Bowles, Nellie: Jordan Peterson, Custodian of the Patriarchy. In: New York Times online vom 18.05.2018 <a href="https://www.nytimes.com/2018/05/18/style/jordan-peterson-12-rules-for-life.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.nytimes.com/2018/05/18/style/jordan-peterson-12-rules-for-life.html</a> abgerufen am 26.03.2021</li>
<li>Conley, T. D.: Women, Men, and the Bedroom, 2011, S. 296-300</li>
<li>Diep, Francie: 8,000 Years Ago, 17 Women Reproduced for Every One Man. An analysis of modern DNA uncovers a rough dating scene after the advent of agriculture. Aus: Pacific Standard Online. Original: 17.03.2015. Updated: 14.06.2017 <a href="https://psmag.com/environment/17-to-1-reproductive-success" target="_blank" rel="noopener">https://psmag.com/environment/17-to-1-reproductive-success</a> abgerufen am 26.03.2021</li>
<li>Duffy, Paul R. <em>et al.</em>: Five thousand years of inequality in the Carpathian Basin. In: Science Advances<br />
06.08.2025, Vol 11, Issue 32 <a href="https://doi.org/10.1126/sciadv.adu0323" target="_blank" rel="noopener">DOI: 10.1126/sciadv.adu0323</a></li>
<li>Duwe, Rona: Mutterwut Muttermut. Fundamente und Anstoß für die Revolte der Mütter, Norderstedt 2021</li>
<li>Gimbutas, Marija: Die Zivilisation der Göttin. Frankfurt a.M. 1996 (am. Originalausg. &#8222;The Civilization of the Goddess&#8220; 1991)</li>
<li>Gogolin, Stephanie: <a href="https://marthastochter.wordpress.com/" target="_blank" rel="noopener">https://marthastochter.wordpress.com/</a></li>
<li>Karmin, M. <em>et al.</em>: A recent bottleneck of Y chromosome diversity coincides with a global change in culture. In: Genome Research 2015; 25(4):459-466. doi:10.1101/gr.186684.114<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/" target="_blank" rel="noopener">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/</a> abgerufen: 26.03.2021</li>
<li>Lerner, Gerda: Die Entstehung des Patriarchats. Frankfurt/New York 1991 (am. Originalausg. &#8222;The Creation of Patriarchy&#8220; 1986)</li>
<li>Mau, Huschke: <a href="https://huschkemau.de/" target="_blank" rel="noopener">https://huschkemau.de/</a></li>
<li>MDR 2025: Vor 8.000 Jahren &#8211; Landwirtschaft führte nicht automatisch zu Ungleichheit. Online-Ressource vom 07.08.2025 auf <a href="https://www.mdr.de/wissen/archaeologie-fruehgeschichte/landwirtschaft-bedeutet-nicht-automatisch-ungleichheit-100.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.mdr.de/wissen/archaeologie-fruehgeschichte/landwirtschaft-bedeutet-nicht-automatisch-ungleichheit-100.html</a> abgerufen am 13.08.2025</li>
<li>Die MIAs, Mütterinitiative für Alleinerziehende e.V. i.G. <a href="https://die-mias.de/" target="_blank" rel="noopener"> https://die-mias.de/</a></li>
<li>Schediwy, Dagmar: Was ist dran am Matriarchat in einer der ältesten Siedlungen der Menschheit? Archäologen finden Hinweise, dass Frauen in Çatalhöyük tatsächlich gewisse Vorteile hatten. Online-Ressource auf NZZ vom 31.07.2025: <a href="https://www.nzz.ch/wissenschaft/catalhoeyuek-und-matriarchat-neue-hinweise-auf-rolle-der-frauen-ld.1895649" target="_blank" rel="noopener">https://www.nzz.ch/wissenschaft/catalhoeyuek-und-matriarchat-neue-hinweise-auf-rolle-der-frauen-ld.1895649</a></li>
<li>Small, Meredith M.: Female Choices. Sexual Behavior of Female Primates. Cornell University Press (Oktober 1995)</li>
<li>Stoverock, Meike: Female Choice – Vom Anfang und Ende der menschlichen Zivilisation, Stuttgart 2021</li>
<li>Strauch, Stefanie: Als die Jäger sesshaft wurden. Aus: Wissenschaft.de vom 23.06.2009<a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/als-die-jaeger-sesshaft-wurden/" target="_blank" rel="noopener">https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/als-die-jaeger-sesshaft-wurden/</a> abgerufen am 26.03.2021</li>
<li>Terre de Femme: <a href="https://www.frauenrechte.de/" target="_blank" rel="noopener">https://www.frauenrechte.de/</a></li>
<li>Weingrill,Tony; van Schaik, Carel P.: Sexueller Zwang bei Primaten: Evolutionäre Ursachen und Gegenstrategien der Weibchen. June 2011. Zeitschrift für Sexualforschung 24(02):111-133 <a href="10.1055/s-0031-1271474" target="_blank" rel="noreferrer noopener">DOI: 10.1055/s-0031-1271474</a></li>
<li>WIWO 2014: Wirtschaftswoche online vom 11.09.2014: Väter verdienen mehr, Mütter weniger &#8211; Bekommen US-Familien Kinder, verdienen die Väter sechs Prozent mehr &#8211; und Mütter vier Prozent weniger. Wie kommt diese Ungerechtigkeit zustande?<br />
<a href="https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/kinder-und-karriere-vaeter-verdienen-mehr-muetter-weniger/10685690.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/kinder-und-karriere-vaeter-verdienen-mehr-muetter-weniger/10685690.html</a> abgerufen am 26.03.2021</li>
<li>Zeng, Tian Chen <em>et al.</em>: Cultural hitchhiking and competition between patrilineal kin groups explain the post-Neolithic Y-chromosome bottleneck. In: Nature Communications Volume 9, Article number: 2077 (2018) <a href="https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6" target="_blank" rel="noopener">https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6</a> abgerufen am 26.03.2021</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<p>&nbsp;</p>
<h2 id="anmerkungen">Anmerkungen</h2>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> <a href="https://web.archive.org/web/20201120201128/https:/www.klett-cotta.de/buch/Tropen-Sachbuch/Female_Choice/136739">https://web.archive.org/web/20201120201128/https://www.klett-cotta.de/buch/Tropen-Sachbuch/Female_Choice/136739</a> abgerufen am 14.03.2021</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 130 f</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> &#8222;Incel&#8220; nach Wikipedia: Kofferwort aus <strong><em>in</em></strong><em>voluntary</em>, dem englischen Wort für &#8222;unfreiwillig&#8220;, und <strong><em>cel</em></strong><em>ibate</em>, dem englischen Wort für &#8222;Zölibat&#8220;) bedeutet.</p>
<p><a href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a> Stoverock 2021, S. 132</p>
<p><a href="#_ftnref5" name="_ftn5">[5]</a> Vgl. Gimbutas 1998</p>
<p><a href="#_ftnref6" name="_ftn6">[6]</a> Stoverock 2021, S. 190</p>
<p><a href="#_ftnref7" name="_ftn7">[7]</a> Vgl. Bott, Gerhard: Wo ist der Phallus des Urvaters? <a href="http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/wo-ist-der-phallus-des-urvaters-.html">http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/wo-ist-der-phallus-des-urvaters-.html</a> abgerufen am 14.03.2021</p>
<p><a href="#_ftnref8" name="_ftn8">[8]</a> Vgl. Stoverock, 2021, S. 27</p>
<p><a href="#_ftnref9" name="_ftn9">[9]</a> Vgl. Ebd., S. 16</p>
<p><a href="#_ftnref10" name="_ftn10">[10]</a> Stoverock 2021, S. 16</p>
<p><a href="#_ftnref11" name="_ftn11">[11]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 136</p>
<p><a href="#_ftnref12" name="_ftn12">[12]</a> Vgl. ebd., S. 201</p>
<p><a href="#_ftnref13" name="_ftn13">[13]</a> Vgl. ebd., S. 216</p>
<p><a href="#_ftnref14" name="_ftn14">[14]</a> Stoverock 2021, S. 189</p>
<p><a href="#_ftnref15" name="_ftn15">[15]</a> Patrilokalität. Residenzform, bei der die Ehefrau zum Ehemann und dessen Eltern ziehen muss. In Industriestaaten überwiegt heute die sog. Neolokalität, ebenfalls eine patriarchale Residenzform, bei der die Frau dem Mann dorthin folgt, wo er Arbeit findet, und das ist immer seltener sein Geburtsort.</p>
<p><a href="#_ftnref16" name="_ftn16">[16]</a> Stoverock 2021, S. 134</p>
<p><a href="#_ftnref17" name="_ftn17">[17]</a> Vgl. Strauch 2009</p>
<p><a href="#_ftnref18" name="_ftn18">[18]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 57</p>
<p><a href="#_ftnref19" name="_ftn19">[19]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref20" name="_ftn20">[20]</a> Stoverock 2021, S. 59</p>
<p><a href="#_ftnref21" name="_ftn21">[21]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 234. Eigentlich &#8222;Maslowsche Bedürfnishierarchie&#8220;: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnishierarchie" target="_blank" rel="noopener">https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnishierarchie</a></p>
<p><a href="#_ftnref22" name="_ftn22">[22]</a> Ebd., S. 18</p>
<p><a href="#_ftnref23" name="_ftn23">[23]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref24" name="_ftn24">[24]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 18 ff</p>
<p><a href="#_ftnref25" name="_ftn25">[25]</a> Stoverock 2021, S. 23</p>
<p><a href="#_ftnref26" name="_ftn26">[26]</a> Ebd., S. 93 f</p>
<p><a href="#_ftnref27" name="_ftn27">[27]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref28" name="_ftn28">[28]</a> Ebd., S. 134</p>
<p><a href="#_ftnref29" name="_ftn29">[29]</a> Ebd., S. 92</p>
<p><a href="#_ftnref30" name="_ftn30">[30]</a> Ebd., S. 90</p>
<p><a href="#_ftnref31" name="_ftn31">[31]</a> Ebd., S. 136. Anmerkung: 95/5=19 und nicht 17!</p>
<p><a href="#_ftnref32" name="_ftn32">[32]</a> Vgl. Karmin et al., 2018</p>
<p><a href="#_ftnref33" name="_ftn33">[33]</a> Das Y-Chromosom wird nur über die männliche Linie vererbt, die MtDNA nur über die weibliche Linie, findet sich aber bei Frauen und Männern in den Mitochondrien.</p>
<p><a href="#_ftnref34" name="_ftn34">[34]</a> Vgl. Diep 2015/18</p>
<p><a href="#_ftnref35" name="_ftn35">[35]</a> Zeng et al. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref36" name="_ftn36">[36]</a> Stoverock 2021, S. 133 f</p>
<p><a href="#_ftnref37" name="_ftn37">[37]</a> Stoverock 2021, S. 136 f</p>
<p><a href="#_ftnref38" name="_ftn38">[38]</a> Zeng <em>et al. </em>2018</p>
<p><a href="#_ftnref39" name="_ftn39">[39]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 23</p>
<p><a href="#_ftnref40" name="_ftn40">[40]</a> Vgl. ebd., S. 90 f</p>
<p><a href="#_ftnref41" name="_ftn41">[41]</a> Stoverock 2021, S. 91</p>
<p><a href="#_ftnref42" name="_ftn42">[42]</a> Ebd., S. 95</p>
<p><a href="#_ftnref43" name="_ftn43">[43]</a> Ebd., S. 108 f</p>
<p><a href="#_ftnref44" name="_ftn44">[44]</a> Ebd., S. 110</p>
<p><a href="#_ftnref45" name="_ftn45">[45]</a> Ebd., 2021, S. 106</p>
<p><a href="#_ftnref46" name="_ftn46">[46]</a> Ebd., S. 106 f</p>
<p><a href="#_ftnref47" name="_ftn47">[47]</a> Siehe hierzu auch Conley 2011</p>
<p><a href="#_ftnref48" name="_ftn48">[48]</a> Stoverock 2021, S. 111</p>
<p><a href="#_ftnref49" name="_ftn49">[49]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref50" name="_ftn50">[50]</a> Ebd., S. 113</p>
<p><a href="#_ftnref51" name="_ftn51">[51]</a> Ebd., S. 115</p>
<p><a href="#_ftnref52" name="_ftn52">[52]</a> Blaffer Hrdy 2010, S. 448, FN 20</p>
<p><a href="#_ftnref53" name="_ftn53">[53]</a> Stoverock 2021, S. 125, S. 145, S. 306</p>
<p><a href="#_ftnref54" name="_ftn54">[54]</a> Ebd., S. 118 f</p>
<p><a href="#_ftnref55" name="_ftn55">[55]</a> Als Beispiel sei ein Aufsatz genannt aus dem &#8222;Spektrum der Wissenschaft&#8220; mit dem Titel &#8222;Stark als Paar“ von Blake Edgar (Heft April 2015), den ich bereits an anderer Stelle als Leserinbrief rezensiert habe, der im Spektrum auch abgedruckt wurde. <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2016/10/14/zum-artikel-stark-als-paar-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-april-2015/" target="_blank" rel="noopener">https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2016/10/14/zum-artikel-stark-als-paar-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-april-2015/</a></p>
<p><a href="#_ftnref56" name="_ftn56">[56]</a> Stoverock 2021, Ebd. S. 128</p>
<p><a href="#_ftnref57" name="_ftn57">[57]</a> Ebd., S. 140</p>
<p><a href="#_ftnref58" name="_ftn58">[58]</a> Ebd., S. 140</p>
<p><a href="#_ftnref59" name="_ftn59">[59]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 139</p>
<p><a href="#_ftnref60" name="_ftn60">[60]</a> Vgl. ebd., S. 173 ff</p>
<p><a href="#_ftnref61" name="_ftn61">[61]</a> Stoverock 2021, S. 143. Vgl. auch S. 328, wo sie behauptet: <em>&#8222;Ein Stück Fleisch ist schwerer zu beschaffen und damit wertvoller als etwa Brennholz. Jäger sind daher wichtiger.&#8220;</em> Hier folgt sie blind der patriarchalen Anthropologie, die die Jagd als Motor der Menschwerdung ansieht.</p>
<p><a href="#_ftnref62" name="_ftn62">[62]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 141</p>
<p><a href="#_ftnref63" name="_ftn63">[63]</a> Vgl. ebd., S. 199</p>
<p><a href="#_ftnref64" name="_ftn64">[64]</a> Vgl. ebd., S. 293</p>
<p><a href="#_ftnref65" name="_ftn65">[65]</a> Stoverock 2021, S. 200</p>
<p><a href="#_ftnref66" name="_ftn66">[66]</a> Ebd., S. 200 f</p>
<p><a href="#_ftnref67" name="_ftn67">[67]</a> Ebd., S. 201 f</p>
<p><a href="#_ftnref68" name="_ftn68">[68]</a> Ebd. S. 218. Der &#8222;<em>Pluralis Majestatis</em>&#8220; an dieser Stelle imitiert wohl den Sprech von wissenschaftlichen Studien, an denen meist mindestens zwei beteiligt sind. Aber sind vielleicht doch mehr als eine AutorIn beteiligt?</p>
<p><a href="#_ftnref69" name="_ftn69">[69]</a> Zum Beispiel bei Weingrill/van Schaik 2011</p>
<p><a href="#_ftnref70" name="_ftn70">[70]</a> Stoverock 2021, S. 234</p>
<p><a href="#_ftnref71" name="_ftn71">[71]</a> WIWO 2014: Väter verdienen mehr, Mütter weniger &#8211; Bekommen US-Familien Kinder, verdienen die Väter sechs Prozent mehr &#8211; und Mütter vier Prozent weniger. Wie kommt diese Ungerechtigkeit zustande?<br />
<a href="https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/kinder-und-karriere-vaeter-verdienen-mehr-muetter-weniger/10685690.html">https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/kinder-und-karriere-vaeter-verdienen-mehr-muetter-weniger/10685690.html</a> abgerufen am 26.03.2021</p>
<p><a href="#_ftnref72" name="_ftn72">[72]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 162</p>
<p><a href="#_ftnref73" name="_ftn73">[73]</a> Stoverock 2021, S. 235</p>
<p><a href="#_ftnref74" name="_ftn74">[74]</a> Ebd., S. 22</p>
<p><a href="#_ftnref75" name="_ftn75">[75]</a> Ebd., S. 243</p>
<p><a href="#_ftnref76" name="_ftn76">[76]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 22 und S. 243</p>
<p><a href="#_ftnref77" name="_ftn77">[77]</a> Vgl. Bott 2009, Vgl. Small 1995, Vgl. Lerner 1986</p>
<p><a href="#_ftnref78" name="_ftn78">[78]</a> Bowles 2018</p>
<p><a href="#_ftnref79" name="_ftn79">[79]</a> Stoverock 2021, S. 243</p>
<p><a href="#_ftnref80" name="_ftn80">[80]</a> Ebd., S. 262</p>
<p><a href="#_ftnref81" name="_ftn81">[81]</a> Ebd., S. 212</p>
<p><a href="#_ftnref82" name="_ftn82">[82]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 217</p>
<p><a href="#_ftnref83" name="_ftn83">[83]</a> Vgl. ebd., S. 280</p>
<p><a href="#_ftnref84" name="_ftn84">[84]</a> Stoverock 2021, S. 282</p>
<p><a href="#_ftnref85" name="_ftn85">[85]</a> Ebd., S. 283</p>
<p><a href="#_ftnref86" name="_ftn86">[86]</a> Terre de Femme: 7 Mythen der Prostitution: <a href="https://www.frauenrechte.de/rss/380-prostitution/sieben-mythen-der-prostitution/2557-mythos-4-prostitution-verhindert-vergewaltigungen-maenner-brauchen-ein-ventil-fuer-ihre-uellen-beduerfnisse%20abgerufen%20am%2026.03.20121">https://www.frauenrechte.de/rss/380-prostitution/sieben-mythen-der-prostitution/2557-mythos-4-prostitution-verhindert-vergewaltigungen-maenner-brauchen-ein-ventil-fuer-ihre-uellen-beduerfnisse abgerufen am 26.03.20121</a><br />
https://huschkemau.de</p>
<p><a href="#_ftnref87" name="_ftn87">[87]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 283</p>
<p><a href="#_ftnref88" name="_ftn88">[88]</a> Vgl. ebd., S. 284</p>
<p><a href="#_ftnref89" name="_ftn89">[89]</a> Stoverock 2021, S. 288</p>
<p><a href="#_ftnref90" name="_ftn90">[90]</a> Ebd., S. 291</p>
<p><a href="#_ftnref91" name="_ftn91">[91]</a> Ebd., S. 290</p>
<p><a href="#_ftnref92" name="_ftn92">[92]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 289</p>
<p><a href="#_ftnref93" name="_ftn93">[93]</a> Vgl. ebd., S. 280</p>
<p><a href="#_ftnref94" name="_ftn94">[94]</a> Stoverock 2021, S. 274</p>
<p><a href="#_ftnref95" name="_ftn95">[95]</a> Ebd., S. 227</p>
<p><a href="#_ftnref96" name="_ftn96">[96]</a> Ebd., S. 246</p>
<p><a href="#_ftnref97" name="_ftn97">[97]</a> Ebd., S. 299. Analoges auch zur Mitgliedschaft in einer Glaubensgemeinschaft.</p>
<p><a href="#_ftnref98" name="_ftn98">[98]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 144</p>
<p><a href="#_ftnref99" name="_ftn99">[99]</a> Stoverock 2021, S. 23</p>
<p><a href="#_ftnref100" name="_ftn100">[100]</a> Ebd., S. 167</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice">Antwort auf Meike Stoverock s &#8222;Female Choice&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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