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	<title>Ethologie Archive - Gabriele Uhlmann</title>
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		<title>Antwort auf Meike Stoverock s &#8222;Female Choice&#8220;</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Jul 2021 16:15:53 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Veröffentlicht 08.04.2021 Warum diese Kritische Rezension? &#8222;In der Natur müssen Männchen singen, tanzen, kämpfen, bauen, während die Weibchen die Show genießen und anschließend mit dem Sieger abziehen. Die Konkurrenz liegt...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice">Antwort auf Meike Stoverock s &#8222;Female Choice&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Veröffentlicht 08.04.2021</p>
<h2 id="kritische-rezension">Warum diese Kritische Rezension?</h2>
<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/367fbce435c64285befffc6565c3bbc5" alt="" width="1" height="1" />&#8222;<em>In der Natur müssen Männchen singen, tanzen, kämpfen, bauen, während die Weibchen die Show genießen und anschließend mit dem Sieger abziehen. Die Konkurrenz liegt bei den Männchen. Das Prinzip nennt man Female Choice. Bei den Menschen wurde dieses Prinzip nach der Entdeckung des Ackerbaus ausgehebelt. Es entstand eine Welt, die von Männern für Männer gemacht ist. &#8230; Mit einer bestechenden Verbindung aus Biologie, Kulturgeschichte und einem ebenso klaren wie humorvollen Ton beschreibt Meike Stoverock nicht nur, wo die Menschheit vor über 10 000 Jahren falsch abgebogen ist, sondern auch, was sich ändern muss, damit Mann und Frau heute miteinander glücklich werden.</em>&#8222;<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></p>
<p>Mit diesem Klappentext wurde das Buch „Female Choice &#8211; Vom Anfang und Ende der männlichen Zivilisation&#8220; der Biologin Dr. Meike Stoverock (erschienen Februar 2021) im November 2020 angekündigt. Schon jetzt zeichnete sich ab, dass ich diese kritische Rezension bzw. Antwort würde schreiben müssen, enthielt dieser erste kurze Text doch schon schwerwiegende Fehler, die durch eine interdisziplinäre Betrachtung, wie sie die Patriarchatsforschung vornimmt, nicht passiert wären: Denn nicht der Ackerbau war Auslöser der Entstehung des Patriarchats, sondern ein Klimawandel, <strong>in dessen Folge der Ackerbau und auch einfache Tierhaltung an Bedeutung verloren und durch die Viehzucht verdrängt wurden</strong>.<br />
Wie ich bereits vielfach ausgeführt habe, wurden Frauen im Viehzüchternomadentum der Steppen und Bergregionen Eurasiens erstmals ins Patriarchat gezwungen. Erst hier erklärten Männer die Monogamie (Stoverock nennt sie Monogynie, dies aus Sicht der Männer) mit Ehe und Familie zur &#8222;normalen&#8220; Lebensweise. Die so versklavten Frauen hatten nun den Männern zu folgen, denn da wo das Vieh war, war auch der Mann und Gebieter über Mensch und Tier. Auf dieser Basis entstand das von der <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2019/11/28/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Viehzüchtermentalität</a> durchdrungene Vaterrecht, das die Patrilinearität mit Namens- und Erbrecht festschrieb. Das Patriarchat entstand damit nicht &#8222;vor über 10.000 Jahren&#8220;, sondern vor ca. 8200 Jahren (Klimaereignis Misox-Schwankung). Bis zu diesem Zeitpunkt war die Sesshaftigkeit schon über 3000 Jahre friedlich verlaufen (Präkeramisches Neolithikum, 9500v. u. Z.) und die ersten Versuche, Getreide anzubauen, lagen schon ca. 5800 Jahre zurück (12. Jtd.). Erste Großsiedlungen wie <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/catal_hoeyuek.htm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Çatal Höyük</a> entstanden und erreichten schnell ein hohes Zivilisationsniveau. [siehe hierzu auch &#8222;Nachtrag Aktuelles&#8220; unten]
<p>Um zu retten, was noch zu retten war, bevor das Buch veröffentlicht werden sollte, schrieb ich der Autorin auf Twitter eine kurze Privatnachricht mit meinen Anmerkungen und den Links zu meinem Artikel &#8222;<a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Female Choice &#8211; unser unbekanntes Menschenrecht</a>&#8222;, in dem ich auf diese Zusammenhänge schon 2015 eingegangen war, sowie zu meinem Vortrag &#8222;<a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Explosion und Expansion</a>&#8222;, in dem ich die regionalen Vorgänge detailliert dargestellt habe.<br />
In ihrer Antwort berief sich Stoverock auf ihre Expertise als Biologin und auf nicht näher spezifizierte Literatur, in der sie schwankende Angaben zum Beginn der &#8222;Landwirtschaft&#8220;, die sie als &#8222;Ackerbau und Viehzucht&#8220; definierte, nachgelesen haben will. Die Jahreszahlen seien <strong>Details</strong>. Minuten später twitterte sie öffentlich: &#8222;<em>Jemand mansplaint mir mein Buch aufgrund des Umschlagtextes. Plottwist: es ist eine Frau.</em>&#8220;</p>
<p>Inzwischen wurde der Werbetext zum Buch auf der <a href="https://www.klett-cotta.de/buch/Tropen-Sachbuch/Female_Choice/136739">Homepage des Klett-Cotta-Verlages (Tropen)</a> geändert, und ist so auch als Klappentext im Buch wiederzufinden: &#8222;<em>… Mit der Landwirtschaft wurden die Menschen sesshaft und die Frauen aus der Öffentlichkeit ins private Heim gedrängt. &#8230; Klug, provokant und anschaulich beschreibt Meike Stoverock nicht nur, wo die Menschheit vor über 10 000 Jahren falsch abgebogen ist, sondern auch, was sich ändern muss, damit Männer und Frauen eine gemeinsame Zukunft haben.</em>&#8220;</p>
<p>Das Wort &#8222;Ackerbau&#8220; ist nun verschwunden und durch sinngemäß &#8222;sesshafte Landwirtschaft&#8220; ersetzt, was die Sache nicht besser macht. Immer noch ist die Zeitangabe &#8222;vor über 10.000 Jahren&#8220; zu lesen.<br />
Am 20. Februar erschien das Buch begleitet von der üblichen Pressekampagne des Verlages in allen einschlägigen Medien. An diesem Tag und den darauffolgenden hatte ich ungewöhnlich viel Besuch auf meiner Homepage, und zwar über den Google-Suchbegriff &#8222;female choice&#8220;, und es erreichten mich Zuschriften, von denen ich eine <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2021/03/03/female-choice-langsam-immer-bekannter-aber-weiter-unverstanden/" target="_blank" rel="noopener">hier</a> besprochen habe.</p>
<p>Inzwischen habe ich das Buch gründlich und mit dem Bleistift in der Hand gelesen, und ich könnte den nun folgenden Text abkürzen mit: das Buch ist eine einsame Katastrophe für den Feminismus, die Patriarchatsforschung, die Aufklärung und die Female Choice, und es ist einer Doktorin der Biologie nicht würdig. Aber ich wurde mehrfach um eine ausführliche Stellungnahme gebeten und in der Tat bedarf es einer umfassenden Korrektur bzw. Kritik.</p>
<h2 id="zum-vorliegenden-buch">Zum vorliegenden Buch</h2>
<p>Mein erster Blick galt den letzten Seiten des Buches, dem Literaturverzeichnis &#8211; denn es interessierte mich, ob Stoverock Autorinnen der Patriarchatsforschung, z.B. Rona Duwe und meine Person &#8211; wir hatten ihr über Twitter einiges Wissen zugetragen &#8211; auch genannt hat und noch viel wichtiger: ob sie die Entdeckung des Zusammenhangs der Unterdrückung der Female Choice mit dem Patriarchat wissenschaftsgeschichtlich richtig dem Patriarchatsforscher Gerhard Bott zugeordnet hat, der seine Theorie 2009 in dem immer noch erhältlichen Buch &#8222;Die Erfindung der Götter&#8220; veröffentlicht hatte. Kurz gesagt: Hat sie nicht, weder das eine noch das andere.<br />
Meinen Hinweis bei Twitter auf diese nicht gemachten Hausaufgaben, die von einer Doktorin aber unbedingt zu erwarten seien, und auch die erste Kritik vieler anderer Frauen, wie z. B. Rona Duwe, die aufgrund der Medienbeiträge hellhörig wurden, bürstete sie harsch ab, das sei, sinngemäß, nur Gnatz und mangelnde Frauensolidarität.</p>
<p>Eigentlich sollte ein Literaturverzeichnis die Behauptungen in einem Buch belegen, eine Lesehilfe sein und Interessierten weiterhelfen. Aber es fehlen jegliche Fußnoten und Literaturhinweise im Text, womit eine wesentliche Regel wissenschaftlichen Arbeitens gebrochen ist. Auch ein Stichwortverzeichnis fehlt schmerzlich. Das Literaturverzeichnis liefert neben 16 unkategorisierten, aber alphabetisch geordneten Büchern größtenteils Artikel aus Zeitschriften und Internetlinks, was grundsätzlich in Ordnung ist. Die Links bestehen aber teils nur aus aussagelosen Zeichen, die wir mühsam in den Browser abtippen müssen, ohne zuvor auch nur einen Anhaltspunkt zu bekommen, was sich dahinter verbirgt. Alles ist dennoch nach bestimmten Kategorien sortiert, jedoch nicht alphabetisch oder nach einer sinnvollen Vorsortierung. Es gibt z. B. auf Seite 344 die Kategorien &#8222;Pflegearbeit&#8220;, &#8222;Altsteinzeit und Altertum&#8220;, &#8222;Verhütung&#8220;, &#8222;Kernfamilie&#8220; sowie &#8222;Höhlenmalerei und erotische Kunst&#8220; und auf Seite 345 &#8222;Antike Gesetzestexte&#8220;, &#8222;Wechsel von Gleichheit zu Patriarchat&#8220; sowie &#8222;Genetischer Flaschenhals&#8220;, alles in dieser merkwürdigen Reihenfolge. Hier suchte ich nun weiter nach der Literatur zur Sesshaftwerdung und Erfindung der Landwirtschaft, die sie ja gelesen haben will, sowie nach anderen Texten zur Entstehung des Patriarchats.</p>
<p>Ein einzelner &#8222;sprechender Link&#8220;, nämlich <a href="https://www.spektrum.de/news/kernfamilie-schon-in-der-steinzeit/973990" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/news/kernfamilie-schon-in-der-steinzeit/973990</a>, ist unter &#8222;Kernfamilie&#8220; zu finden. Er verweist auf einen Artikel, der die kupfersteinzeitliche Grabungsstätte bei Eulau thematisiert, wo in einem Grab die älteste bekannte Kernfamilie der Welt entdeckt wurde. Das Grab ist ca. 4600 Jahre alt; die &#8222;Steinzeit&#8220; befindet sich hier an ihrer Schwelle zu den Metallzeiten!<br />
Die Überschrift des Artikels aus dem renommierten populärwissenschaftlichen Magazin &#8222;Spektrum der Wissenschaft&#8220; zeigt hier einmal mehr, wie gefährlich leicht die Steinzeit als Einheit ohne jede Entwicklung hingestellt werden kann, obwohl sie Millionen Jahre gedauert hat und in die Alt-, Mittel- und Jungsteinzeit gegliedert und noch einmal vielfach untergliedert ist. So aber lassen sich LeserInnen vortrefflich täuschen und derart vereinfacht erscheinen Jahreszahlen tatsächlich nur als &#8222;Details&#8220;, als unwichtiges Beiwerk.<br />
Die Kategorie &#8222;Wechsel von Gleichheit zu Patriarchat&#8220; ist bemerkenswert, weil hier eigentlich das geballte Wissen der Patriarchatsforschung seinen Platz haben müsste. Wir finden hier aber nur vier Links, von denen einer nicht einmal nutzbar ist. Zwei befassen sich mit Aristoteles‘ einschlägigen Werken und ein Artikel vergleicht die Lebensweise von <em>Homo Erectus</em> mit der des Pavians. Das muss nicht weiter kommentiert werden.<br />
Ein Link von 2012 (von zweien neben einem falsch zitierten Buchartikel) unter der Kategorie &#8222;Altsteinzeit und Altertum&#8220; liefert einen Kommentar zur Interpretation altsteinzeitlicher Urmutterfigurinen als Pornografie. Interessant ist, dass dieser sehr kritische Kommentar nicht in der zugehörigen Kategorie einsortiert ist, nämlich „Höhlenmalerei und erotische Kunst“, wobei der Name dieser Kategorie genaugenommen ebenfalls irreführend ist. Diese Kategorie ist ein chaotischer Ritt durch alle Zeiten, der aber mit der Altsteinzeit beginnt und mit ihr wieder endet, tatsächlich ein deutliches Vorzeichen auf den Text, in dem die Autorin beinahe die gesamte Kunst der Menschheit, die nackte Frauen abbildet, als Pornografie ansieht und es daher unerheblich ist, wann sie geschaffen wurde (alles nur Details!) und insbesondere in welchem Kontext.</p>
<h2 id="altsteinzeitliche-kunst-als-pornografie">Altsteinzeitliche Kunst als Pornografie</h2>
<p>Ich könnte noch mehr bald Ermüdendes über das Literaturverzeichnis sagen, nutze aber lieber die Interpretation altsteinzeitlicher Kunst als Pornografie zum Einstieg in die Kritik des Buches, ist sie doch zentral für das Weltbild der Dr. Meike Stoverock. Die Autorin braucht sie zwingend für ihre These, dass die Männer von Natur aus in Alpha- und Beta-Männer einzuteilen seien, wobei die Beta-Männer unter Triebstau litten, der dadurch entstanden sei, dass sie &#8211; als von den Frauen stets Verschmähte &#8211; niemals Sex hatten.<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a> Schon in der Altsteinzeit hätten diese Incels<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a> Wege gesucht, ihren Triebstau abzubauen. Sie hätten sich daher ein Sexpüppchen geformt, das sie liebhatten und überallhin mitnehmen konnten.</p>
<blockquote><p>&#8222;Obwohl die Figuren also Symbole für Fruchtbarkeit und Geburt darstellen sollen, verzichtet man auf alles, was Fortpflanzung, Mutterschaft oder Versorgung anzeigt? Die Theorie von der Übermutter oder auch Göttin erscheint mir wegen dieser Widersprüche einfach nicht plausibel.&#8220;<a href="#_ftn4" name="_ftnref1">[4]</a></p></blockquote>
<p>Aber frau muss sich schon mit dem breiten Thema beschäftigen und auch mal so kluge Frauen wie die Archäologin Marija Gimbutas<a href="#_ftn5" name="_ftnref5">[5]</a> zu Rate ziehen, um das zu verstehen, denn in der Schule erfahren wir darüber nichts und auch nicht im Biologiestudium. Es ist leider so, dass das Patriarchat als Habitat nicht die Voraussetzungen schafft, matrifokales Leben und seine Kunst auf Anhieb plausibel zu finden. Anderenfalls könnten wir uns alle feministische Literatur und die Patriarchatsforschung sparen. Die Incel-Hypothese erinnert dann auch an die Verlautbarungen der Personen um Prof. Conard, dessen Mitarbeiterin Maria Malina die mittlerweile zum Weltkulturerbe gehörende sog. Venus vom Hohle Fels (35.000 bis 40.000 Jahre alt) entdeckt hatte. <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/venus-vom-hohle-fels.htm" target="_blank" rel="noopener">Die Presse schlachtete das regelrecht aus</a> und zog die Fundsache weiter ins Lächerliche. Die Theorie ist also nicht neu und war schon damals nicht überzeugend: Da das &#8222;Sexpüppchen&#8220; die erste Kunst der Menschheit überhaupt ist, müsste sie also mit einem Incel begonnen haben, der die Figur formte, in einer versteckten Höhle ablegte und so vor den eifersüchtigen Blicken der anderen Incels, die zum Püppchenbasteln noch nicht fähig waren, verbarg. Demzufolge müssten Menschen ohne Triebstau auch noch viel länger nicht zur Abbildung einer Frau in der Lage gewesen sein, aber wann sie es dann doch waren, erfahren wir nicht. Die Theorie wirft weitere Fragen auf: Was haben die Incels nur all die Millionen Jahre zuvor getan, als das &#8222;Sexpüppchen&#8220; noch nicht erfunden war? Wie erklärt sich die Autorin den Kontext des Fundes? Und warum hat die Autorin nicht auch den angeblichen Steinphallus, den Conard ebenfalls in der Höhle entdeckt haben will, berücksichtigt? Die Abbildung von Penissen verlegt sie nämlich erstaunlicherweise in die Römerzeit:</p>
<blockquote><p>&#8222;Nachdem die Männer viele Jahrtausende lang Höhlen mit Abbildungen der Vulva bemalt haben, bricht nun das Zeitalter des Penis an, in dem sich Darstellungen prächtiger Erektionen auf zahlreichen Gegenständen des täglichen Lebens finden.&#8220;<a href="#_ftn6" name="_ftnref6">[6]</a></p></blockquote>
<p>War Conards &#8222;Steinpenis&#8220; dann nicht ein Dildo, den sich einsame Frauen bastelten? Aber nein, Frauen waren ja stets bemannt und kannten keinen Triebstau; es hätte die Beweisführung nur gestört. Tatsächlich ist auch diese Deutung dieses Objektes mehr als fragwürdig, wie <a href="http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/wo-ist-der-phallus-des-urvaters-.html" target="_blank" rel="noopener">Gerhard Bott</a> es seinerzeit aufgeschrieben hat.<a href="#_ftn7" name="_ftnref7">[7]</a><br />
Wir werden noch sehen, dass Stoverocks Mitgefühl vor allem mit sexuell unterversorgten Männern, aber auch die Angst vor diesem Personenkreis das gesamte Buch durchzieht. Wir sollen der Autorin aber zu Gute halten, dass sie ihre Charakterisierungen stets nach der Gaußschen Glockenkurve vornehme, es also nicht nur schwarz und weiß gibt, sondern die große Masse aus den Zwischentönen besteht.<a href="#_ftn8" name="_ftnref8">[8]</a></p>
<h2 id="die-sesshaftigkeit-und-die-female-choice">Die Sesshaftigkeit und die Female Choice</h2>
<p>Die Female Choice sei &#8222;ein unglaublich zeitraubendes Prinzip&#8220;, so sagt sie, weil Männer fast alle Energie in das Finden und Überzeugen von Partnerinnen stecken müssten. Diese Zeit hätten sie später nicht mehr gehabt, weil ihre Kapazitäten in der Landwirtschaft gebunden gewesen seien.<a href="#_ftn9" name="_ftnref9">[9]</a></p>
<blockquote><p>&#8222;Vereinfacht gesagt, muss ein Mann besseren Zugang zu Sex (und damit Fortpflanzung) haben, damit er sich überhaupt dem Fortschritt zuwenden kann. Das Prinzip der Female Choice einzuschränken, war daher einer der für die Anfänge der Zivilisation wichtigste Schritt, den Männer am Übergang zur Sesshaftigkeit unternahmen. Die Landwirtschaft und mit ihr die Möglichkeit, Besitz anzuhäufen, gab ihnen ein Mittel, die Ressource Sex fast vollständig zu kontrollieren.“<a href="#_ftn10" name="_ftnref10">[10]</a></p></blockquote>
<p>Was war demzufolge also zuerst da? Der Fortschritt (= Landwirtschaft), der den Zugang zu Sex erleichterte, oder der leichte Zugang zu Sex, der den Fortschritt überhaupt erst ermöglichte? Damit lässt sie uns das gesamte Buch über allein. Aber auf diese Weise setzt Stoverock den Beginn des Patriarchats mit dem Übergang zur Sesshaftigkeit gleich! Ihre These klingt auf den ersten Blick vielleicht sogar plausibel &#8211; der Verlag hat es jedenfalls nicht bemerkt &#8211; aber sie lässt entscheidende Faktoren außer Acht: Es ist alter Konsens, dass es die Frauen waren, die als Expertinnen für Pflanzen die Landwirtschaft mit Hackbau, anfangs als Gartenbau, und damit die Sesshaftigkeit erfunden haben. Demnach begannen die Männer erst mit der viel späteren Erfindung des Pfluges, auf Feldern zu arbeiten. Dies deckt sich beispielsweise mit den Abbildungen aus Çatal Höyük, wo Männer stets jagend oder &#8211; viel seltener &#8211; mit Haustier abgebildet sind, während das Getreide durch in Vorratsbehältern abgelegte Frauenstatuetten in weiblichem Kontext steht. Die bekannteste dieser Schutzmutter-Figuren ist die <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/catal_hoeyuek_3.htm#gg" target="_blank" rel="noopener">Urmutter auf dem &#8222;Leopardenthron&#8220;</a> (Bild unten), eine zwischen zwei Großkatzen sitzende, den Körperformen nach deutlich ältere, nackte gebärende Frau. Aber das sind ja nach Stoverock alles nur &#8222;Sexpüppchen&#8220;.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4727 size-full" title="Urmutter auf dem 'Leopardenthron' bzw. Gebärstuhl" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/stea1.gif?resize=241%2C298&#038;ssl=1" alt="Urmutter auf dem 'Leopardenthron' bzw. Gebärstuhl" width="241" height="298" /></p>
<p>Insbesondere bleibt Stoverock eine Erklärung schuldig, wie es den ersten Patriarchen gelungen sei, alleine &#8211; denn Männer (demnach auch Brüder) standen ihrer These nach immer in aggressiver, sexueller Konkurrenz<a href="#_ftn11" name="_ftnref11">[11]</a> &#8211; große Häuser und bald ganze Siedlungen bauten, um ihrer Meinung nach dort die ersten Frauen in die Ehe zu zwingen. Sesshaftigkeit und Ackerbau als Fallenstellerei von Einzeltätern? In einer Siedlung treffen zudem viele fremde Männer aufeinander, was ihrer Logik zufolge unweigerlich auch Krieg bedeutet hätte. Hier sichert sie sich ab, indem sie behauptet, dass die Männer &#8222;<em>durch Maßnahmen der sesshaften Zivilisation zu umgänglichen, verlässlichen Familiengefährten</em>&#8222;<a href="#_ftn12" name="_ftnref12">[12]</a> geworden seien, und dass die Landwirtschaft den Männern <em>„das Leben erleichtert und mit Möglichkeiten gefüllt“</em><a href="#_ftn13" name="_ftnref13">[13]</a> habe. Und sie kommt zu dem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Ehe verbessert, mildert ab, lindert die fortschrittsfeindlichen Begleiterscheinungen der männlichen Sexualität.&#8220;<a href="#_ftn14" name="_ftnref14">[14]</a></p></blockquote>
<p>Ein erstaunliches Welt- und Männerbild offenbart sich da: Kulturlose, aggressive Wilde, die nur Sex im Kopf haben, aber keine Frau finden, die daher wie aus dem Nichts den Fortschritt, also die Landwirtschaft erfinden und Häuser bauen, um Frauen einzufangen, und dabei ihre Möglichkeiten entdecken und zivilisierte Gefährten der Frauen würden, aber ohne all das gar nicht fähig zur Erfindung der Landwirtschaft wären. Nun, schon jedes Opfer häuslicher Gewalt kann hier Einwände haben. Und es ist allgemein bekannt, was für eine Plackerei die Landwirtschaft ist, so sehr, dass sie sogar in der Genesis als Strafe genannt wird. Die Autorin erliegt vor allem einem Zirkelschluss.<br />
Das Loblied auf die Ehe und den Fortschritt zeugt nicht von Feminismus, sondern von einem fortschrittsgläubigen, konservativen Denken, das der Zeit der Industrialisierung entstammt. Wie sagte doch sogar Albert Einstein: <em>&#8222;Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt.&#8220;</em> Tatsächlich hat männlich kontrollierter Fortschritt Kinder erst unglücklich gemacht. Daher gibt es u. a. Feminismus.</p>
<p>Die Hypothese hat aber noch einen anderen Haken: zielführender wäre es doch gewesen, gar nicht erst mit dem Ackerbau anzufangen und die Frauen einfach zu <strong>rauben</strong>. Das hätte viel Arbeit gespart, und es hätte keinen Zeitmangel erzeugt, der die Fallenstellerei dieser Logik zufolge doch erst gerechtfertigt hat. Vor allem: diese aggressiven Männer wären „echte Männer“ geblieben, was doch sicher in ihrem Interesse gelegen hätte, so wie es auch heute ist. Wir werden aber noch sehen, dass diese einfachere Strategie tatsächlich Wirklichkeit geworden ist, jedoch einige tausend Jahre später &#8211; sind aber nur Details, gell?</p>
<p>Patrilokalität<a href="#_ftn15" name="_ftnref15">[15]</a> wird nicht dadurch hergestellt, dass wilde Frauen sesshaft werden wollen, um in der Landwirtschaft ihr Glück bei einem einzelnen Mann zu finden. Das ist vollkommen absurd. Eine freie Frau geht nicht durch ihre Female Choice freiwillig in die Knechtschaft. Auch war Landwirtschaft harte Arbeit, und sie beeindruckte nicht Frauen, sondern die Männer, die die Frauen bei der Arbeit sahen und von ihren Produkten profitierten. Patrilokalität muss durch Gewalt hergestellt werden, und sie ist selbst die Quelle weiterer Gewalt. Dass diese Gewalt von viehnomadischen Kriegern ausging, und nicht von Ackerbauern, konnten die Archäologie und die Genetik längst nachweisen. Zahllose Quellen sind dazu zu finden, die übrigens <strong>nur</strong> die Patriarchatsforschung zusammengetragen hat, um das in der Fachwelt fehlende Gesamtbild mit der Masse neuer Studien zusammenzusetzen. Diese Quellen zeigen vor allem eins: die Gewalt begann mit <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/frauenraub.htm" target="_blank" rel="noopener">Frauenraub</a>, und zwar nicht durch ackerbauende Incels, sondern durch Männer, die Land erobern wollten und verlässliche Helfer rekrutieren mussten, zu denen sie ihre Söhne machten. Erst in Monogamie haben Männer Triebstau erlebt und wurden aggressiv gegen die Frauen, die sich ihnen aufgrund ihrer Female Choice verweigerten. Die Aggression ist, wie wir noch sehen werden, vor allem Folge der patriarchalen kinder- und frauenfeindlichen Lebensführung. Ehemänner sind nicht weniger aggressiv als andere Männer, denn die Female Choice endet nicht an der Haustür. Das aber sagt Stoverock mit ihrer Hypothese aus, auch wenn sie es selbst besser weiß.</p>
<p>Auf geradezu kindliche Weise stellt Stoverock sich vor, wie die Viehzucht entstanden sei:</p>
<blockquote><p>&#8222;Im Laufe der Zeit wird aus dem Verfolgen der Viehherden ein Begleiten und noch etwas später aus dem Begleiten ein Zähmen. Die Menschen leben jetzt als Pastoralnomaden, was bedeutet, dass sie mit zahmen Viehherden auf der Suche nach natürlichen Weidegründen umherziehen. Doch erst als es gelingt, dass auch Nahrungspflanzen für die Rinder und Ziegen anzubauen, sind die Umstände geschaffen, dauerhaft an einem Ort zu bleiben und sesshaft zu werden. Erste Anzeichen für Ackerbau finden sich zwar ab 10.000 v. Chr., aber bis die Bewirtschaftung der Felder ganzjährig gelingt, um daraus den vollständigen Nahrungsbedarf der Menschen und ihrer Nutztiere zu decken, dauert es eine ganze Weile.&#8220;<a href="#_ftn16" name="_ftnref16">[16]</a></p></blockquote>
<p>Sie behauptet hier nun unvermittelt, dass die Viehzucht und nicht der Ackerbau zur Sesshaftwerdung führte, und zwar um die Herden zu ernähren, eine totale Umkehr jeder Logik. Sie vermischt dabei das von ihr fragmentierte Wissen der Patriarchatsforschung, nach der das Patriarchat mit der Viehzucht begann, mit der Theorie der sog. Neolithischen Revolution (NR). Sie ignoriert dabei die Chronologie der NR &#8211; sind ja alles &#8222;nur Details&#8220; -, nach der Wildbeuterinnen zunächst zum Anbau von Getreide übergingen &#8211; und zwar lange bevor Männer begannen, Tiere zu zähmen. Die Menschen wurden also über ihre Mütter sesshaft, und erst nachdem Jagdwild aufgrund eines Klimawandels zurückging, wurden auch erste Tiere gehalten. Der bislang älteste Getreidespeicher ist ca. 11.300 Jahre alt und wurde in Dhra‘ (Jordanien) gefunden<a href="#_ftn17" name="_ftnref17">[17]</a>, ein Ort, der im Gebiet des sog. Fruchtbaren Halbmondes liegt. Die Grabung brachte mehrere Gebäudestrukturen zutage, die auch als Wohngebäude anzusprechen sind. Es gibt dort keine Anzeichen von Viehhaltung oder Viehzucht, weshalb auch davon gesprochen wird, dass eine &#8222;Jäger-Sammlergesellschaft&#8220; dort sesshaft wurde und nicht Viehzüchter.<br />
Dies deckt sich wiederum mit den Funden aus Çatal Höyük, wo nur die Jagd und die Haltung einzelner Tiere aber keine Tierzucht nachgewiesen werden kann, und zwar mit den Methoden der Genetik, die allenfalls die Spuren erster Domestizierung (Einpferchung) findet. Natürlich wurden diese Tiere gefüttert, aber nicht mit dem kostbaren Getreide, sondern mit Stroh, Speiseresten und dem Gras, das im Flusstal rund um Çatal Höyük reichlich vorhanden war und die natürliche Ernährung dieser Tierarten ist.</p>
<p>Die Kultur ist maßgeblich das Ergebnis mütterlicher Arbeit und hat unter Matrifokalität ein vergleichsweise hohes Maß erreicht. Fast alle wichtigen Erfindungen wurden aus der Matrifokalität heraus von Frauen gemacht. Als Männer die Sache gewaltsam übernahmen, entwickelte sich der Segen zunehmend zum Fluch, und das mit einer sehr starken Dynamik. Das könnte ein Hinweis für die Richtigkeit obiger Behauptung sein, aber dass die männliche Technologie durch mehr Sex für Incels entstand, besser werde oder gar erst zum Guten wendet, daran müssen wir leider erhebliche Zweifel haben, denn die wesentliche Technologie, mit der das Patriarchat entstand, war die Tierzucht, also die Unterwerfung der Female Choice der Tiere.</p>
<h2 id="die-maslowsche-beduerfnispyramide">Die Maslowsche Bedürfnispyramide</h2>
<p>Stoverock glaubt fest an die natürliche Hierarchie unter Männern, die „<em>für fast alle männlichen Säugetiere die natürliche Lebensweise</em>“<a href="#_ftn18" name="_ftnref18">[18]</a> sei. Dabei trifft sie leider keine Aussage, ob die Männer einer Hierarchie miteinander verwandt sind oder Fremde. Es erschiene ihnen aber „<em>so selbstverständlich, Hierarchien zu bilden, dass ihnen andere Lebensweisen auch dann nicht in den Sinn kommen, wenn sie selbst die Schlusslichter der Hierarchie sind.</em>“<a href="#_ftn19" name="_ftnref19">[19]</a> Die These ist nicht ohne Reiz, wenn wir sie z. B. an Fußballclubs und ihren Ultras überprüfen; wir befinden uns da aber im Patriarchat, das von seinen Hierarchien lebt. An anderer Stelle zitiert sie John Steinbeck: &#8222;<em>Die ausgebeuteten Arbeiter sehen sich nicht als ausgebeutete Arbeiter, sondern als vorübergehend in die Klemme geratene Kapitalisten.</em>&#8222;<a href="#_ftn20" name="_ftnref20">[20]</a> Steinbeck beschrieb hier die amerikanische Gesellschaft und zeichnete dabei ein Bild, das heute die SPD abgibt, und das ist nicht unsere Natur, sondern das Patriarchat einer satten, demokratischen, neoliberalen Wohlfahrtsgesellschaft, die um der Teilhabe an der Macht willen alles mitspielt, aber keine neuen Impulse mehr setzen kann.<br />
Angst macht ihr insbesondere die Gruppe der aggressiven, organisierten Incels.<br />
Stoverock untermauert ihre Behauptung mit der sog. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnishierarchie" target="_blank" rel="noopener">Maslowschen Bedürfnispyramide</a><a href="#_ftn21" name="_ftnref21">[21]</a>, ein psychologisches Denkmodell, das in letzter Zeit in den Sozialen Medien regelrecht Karriere gemacht hat und das sie deshalb als allgemein bekannt voraussetzen kann.</p>
<p><a title="PNG by Philipp Guttmann, SVG by Jüppsche, Public domain, via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Einfache_Bed%C3%BCrfnishierarchie_nach_Maslow.svg"><img decoding="async" class="aligncenter" title="Einfache Bedürfnishierarchie nach Maslow" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/98/Einfache_Bed%C3%BCrfnishierarchie_nach_Maslow.svg/512px-Einfache_Bed%C3%BCrfnishierarchie_nach_Maslow.svg.png" alt="Einfache Bedürfnishierarchie nach Maslow" width="512" height="443" /></a></p>
<p>Das Denkmodell stammt jedoch aus den Neunzehnhundertvierziger Jahren und wurde vom Autor und seinen Nachfolgern auch weiterentwickelt. <strong>Es gilt in der Soziologie aber zurecht als veraltet.</strong> Das Wiederaufleben dieser Theorie gerade in diesen Zeiten ist daher bemerkenswert und Stoverock tut so, als handele es sich um einen soziologischen Standard.<br />
Ich beschreibe kurz, worum es geht: Die Pyramide geht von hierarchischen Bedürfnissen in 5 Stufen aus. Die unterste Stufe 1 enthält die physiologischen Bedürfnisse wie Hunger, Durst, Schlaf und Sexualität. Stufe 2 enthält die Sicherheitsbedürfnisse mit Geborgenheit und Schutz, Stufe 3 steht für die sozialen Bedürfnisse wie Zugehörigkeitsgefühl und Freundschaft, Stufe 4 meint die Wertschätzung mit dem Bedürfnis nach Anerkennung und Status und Stufe 5 ganz oben steht für die Selbstverwirklichung mit der Entfaltung der Persönlichkeit.<br />
Die Form der Pyramide wurde allerdings nicht von Maslow selbst gewählt, sondern geht auf eine Falschinterpretation seiner Nachfolger zurück, und u. a. darin liegt die Schwäche des Modells. Stoverocks einzige Kritik ist:</p>
<blockquote><p>&#8222;Das Problem ist, dass das Bedürfnismodell von einer gewissen Gleichheit der Menschen ausgeht. Doch die Bedürfnisse der Menschen und besonders diejenigen von Männern und Frauen stehen nicht an gleicher Stelle in der Pyramide.&#8220;<a href="#_ftn22" name="_ftnref22">[22]</a></p></blockquote>
<p>Ja, die Menschen sind verschieden, aber da wäre noch mehr: Die Pyramide bildet die Bedürfnisse des von seinen Urbedürfnissen abgeschnittenen Menschen im Patriarchat ab und nicht die Lebenswirklichkeit der Urmenschen. Sie unterscheidet nicht zwischen natürlicher und kultureller Evolution, die genaugenommen auch keine Stufen kennt, sondern nur Zeit und Raum. Wenn wir das Wesen der Female Choice und ihre Wirkung erfassen wollen, müssen wir in der Zeit sehr weit hinter die Landwirtschaft zurückgehen und da ist immer weniger Kultur.</p>
<p>Anerkennung und Status (Stufe 4) gehören dann nicht zu den menschlichen Urbedürfnissen, sie sind eine später kulturell erworbene Größe, und zwar des Patriarchats, und haben unter der über 3 Millionen Jahre alten Matrifokalität keine bewusste Bedeutung. Denn im Sozialverband der mütterlichen Sippe erhalten alle Kinder die gleiche Anerkennung und wachsen derart gestärkt mit ihren spezifischen Talenten in die Sippe hinein. Nicht durch Rangkämpfe, sondern aufgrund von besonderen Fähigkeiten erlangen sie auch besondere Autorität auf ihren Spezialgebieten. Autorität ist aber kein explizites Lebensziel, kein Bedürfnis, sondern hat Gruppenfunktion, und sie entsteht im Gegensatz zur Hierarchie im Miteinander, nicht im Gegeneinander, und wird daher nicht mit Gewalt hergestellt und erhalten.<br />
Wer Verantwortung trägt, hat auch mehr Arbeit und bekanntlich sind Menschen &#8222;faul&#8220;. Wer talentiert ist, empfindet die entsprechende Arbeit jedoch nicht als belastend oder als Privileg, sondern als Befriedigung des Bedürfnisses nach Selbstentfaltung. Das ist aber auch nicht so egoistisch wie es aussieht, sondern es dient wiederum der Gruppe. Die Gruppe wird jemanden zurückpfeifen, der daraus irgendwelche besonderen Vorteile ableiten würde oder der Gruppe schaden würde. Das angeborene Gefühl des Neides, eng verwandt mit dem Gerechtigkeitsgefühl, dient dieser Kontrolle und dem Schutz der Egalität, deren Wesen die Abwesenheit von Hierarchie ist. Neid ist das Gefühl der Hilflosigkeit, Gerechtigkeit herzustellen und Hierarchien aufzulösen, und ist daher im Patriarchat geächtet und doch an der Tagesordnung. Neid ist aber auch ein Antrieb des Patriarchats, der Motor des Wettbewerbes und wird daher geschürt. Männer, die dagegen wie selbstverständlich Hierarchien anzuerkennen scheinen, sehen für sich keine Vorteile, da oben zu stehen, sondern Vorteile, am Erfolg teilhaben zu können. Sie wissen, dass man da unten weniger Verantwortung tragen muss und im Grunde mehr Spaß hat, weil da einfach mehr nette Leute sind. Männer können sich zudem damit begnügen, ihr vom Patriarchat geschaffenes Machtbedürfnis an den ihnen nahestehenden Frauen und Kindern auszuleben. Im Grunde sind sie Rosinenpicker, sie genießen die Vorteile von Patriarchat UND können ihre angeborenen Urbedürfnisse weitgehend ausleben.<br />
Die Stufe 4 der Bedürfnispyramide (Anerkennung und Status) ist Ergebnis der typisch patriarchalen Bedürfnisschaffung, mit der die Hierarchie sich selbst legitimiert. Sie verschmilzt daher meist mit Stufe 5, denn im hohen Status fühlen sich Patriarchen selbstverwirklicht.</p>
<p>Die Bedürfnispyramide als Ganzes ist an einem erwachsenen Einzelkämpfer orientiert, der sich aggressiv durchs Leben schlagen muss und dem nichts geschenkt wird:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Aggressivität, mit der Menschen um die Erfüllung eines Bedürfnisses kämpfen, hängt von seiner Position in der Pyramide ab und damit seiner Notwendigkeit ab.&#8220;<a href="#_ftn23" name="_ftnref23">[23]</a></p></blockquote>
<p>Das suggeriert also: Ein Mensch (oder gleich &#8222;Mann&#8220;?), der Hunger und keinen Sex hat, wird ums Essen heftig kämpfen &#8211; sonst stirbt er &#8211; und eine Frau vergewaltigen &#8211; sonst stirbt er aus (Stufe 1). Da er sich nicht sicher und geborgen fühlt (Stufe 2), muss er kämpfen. Weil er einsam ist, muss er um Freunde kämpfen (Stufe 3), aber bitte nicht zu heftig. Weil er keine Anerkennung hat (Stufe 4), kann er zwar irgendwie leben, aber er wird dennoch darum kämpfen, aber nicht mehr so heftig. Und es müsste schon viel passieren, dass er sich aufrafft, um um die Entfaltung seiner Persönlichkeit zu kämpfen (Stufe 5).<br />
Damit wäre es erstaunlich, dass ein solch aggressiver Loser überhaupt eine Frau und Freunde gefunden hat und dann auch noch zu Kultur fähig wurde. Und weil Stoverock das offenbar auch findet, meint sie, mit Sex müsste frau den Männern auch noch Beine machen. Das ist so hanebüchen wie falsch.</p>
<p>Stoverocks Theorie baut auf tönernen Füßen, auf Hypothesen, die nicht in den tatsächlichen Funden und Befunden gespiegelt sind. Sie baut vor allem auf einem grundsätzlichen Unverständnis der Matrifokalität, die bei <em>Homo Sapiens</em> durch die Female Choice in einem wechselseitigen Prozess hergestellt und bewahrt wird. Die Bedürfnispyramide fällt nämlich unter egalitären Bedingungen in sich zusammen.<br />
So ist der Autorin leider nicht aufgefallen, dass die Reihenfolge der Stufen falsch ist und den Menschen nicht zuerst als <strong>soziales Wesen</strong> darstellt. Wir erinnern uns, Stufe 2 enthält die Sicherheitsbedürfnisse mit Geborgenheit und Schutz, Stufe 3 erst steht für die sozialen Bedürfnisse wie Zugehörigkeitsgefühl und Freundschaft. Aber es ist anders. Der Mensch &#8211; und schon gar nicht der Mann &#8211; entsteht nicht durch Selbsterzeugung, auch wenn die Genesis das behauptet. Das Kind wird geboren und die Mutter und ihre Angehörigen sind schon da. Ohne diese Voraussetzung würde ein Kind von Tieren gefressen (Stufe 2), noch bevor es irgendetwas zu sich genommen hätte (Stufe1). Dass ein Kind anerkannt wird (Stufe 4), äußert sich darin, dass es Geborgenheit und Schutz erfährt (Stufe 2), und zwar durch seine Angehörigen (Stufe 3) und schließlich, dass es von ihnen etwas zu essen bekommt (Stufe 1)! Stufe 2, 3 und 4 sind untrennbar und gehören an die Basis. Es ist das Wesen des menschlichen Sozialverbandes, dass die Basis nicht das Essen, sondern die Geburt des Menschenkindes in die Gemeinschaft ist, wo es lebenslang aufgehoben ist. Wäre es nicht von den Angehörigen anerkannt und beschützt, dann stürbe es, daher ist das Zugehörigkeitsgefühl der stärkste Trieb und nicht die Sexualität. Das Zugehörigkeitsgefühl ist den Menschen in die Wiege gelegt und wirkt von Beginn an, während die Sexualität viel später erst Bedeutung bekommt, so wie sie auch erst spät in der Evolution aufgetaucht ist. Ohne die Gemeinschaft würde auch eine erwachsene Person nicht lange überleben. Alles, was die Zugehörigkeit infrage stellt, macht Menschen existentielle Angst, nicht aber ein Mangel an Sexualität. Erst in der Isolierung der Menschen im Patriarchat wird Anerkennung zu einem Wert, und dabei sogleich zu einem Fetisch, der sogar noch über dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit stehen kann. Die Sexualität ist erst im Patriarchat an die nackte Existenz, an das Aufgehoben sein in eine Familie und damit auch wirtschaftliches Auskommen gekoppelt, und das macht sie dann so wichtig.</p>
<p>Die Bedürfnispyramide braucht Stoverock für ihre Behauptung, dass Männer freien Zugang zu Sex brauchen, um den Fortschritt überhaupt vorantreiben zu können<a href="#_ftn24" name="_ftnref24">[24]</a> und sie liebt den Fortschritt und die Segnungen des Patriarchats. Die Female Choice, so glaubt sie, mache es Männern schwer, ihr Sex-Bedürfnis zu leben. Und deshalb hat sie Angst vor sich selbst als Frau, Feministin und Evolutionsbiologin:</p>
<blockquote><p>&#8222;Ich plädiere folglich nicht für eine Rückkehr zum <em>Female-Choice</em>-Prinzip in seiner Reinform. Denn Fortschritt, friedliches Zusammenleben und hohe Sexualkonkurrenz schließen sich ab einem gewissen Grad aus. Die Unterdrückung der weiblichen Sexualität hat unsere Zivilisation erst entstehen lassen. Es besteht deshalb die Gefahr, dass uns alle zivilisatorischen Errungenschaften um die Ohren fliegen, wenn wir die Unterdrückung ohne zusätzliche Sicherheitsnetze aufheben.&#8220;<a href="#_ftn25" name="_ftnref25">[25]</a></p></blockquote>
<p>Es ist erstaunlich: da wird es der Menschheit gerade erst bewusst, wohin uns &#8222;die Zivilisation&#8220; gebracht hat, nämlich an den Rand des Abgrundes, da feiert Frau Dr. Stoverock das Patriarchat und seine Errungenschaften, weil sie glaubt, dass es ohne Patriarchat mehr Krieg und Gewalt gäbe, wir dazu in großer Kulturlosigkeit unser Leben fristen müssten, ja die Abschaffung des Patriarchats uns in den Abgrund triebe. Das ist schon ein krasser Fall des Kollektiven Stockholm-Syndroms (nach Stephanie Gogolin), das Menschen dazu bringt, mit dem System zu kooperieren!</p>
<p>Würde die Behauptung stimmen, wäre die Kultur quasi ein Nebenprodukt der Fortpflanzung, das Baby des gebärenden Mannes. Das lässt eine Patriarchatsforscherin, die sich mit dem männlichen Gebärneid auskennt, aufmerken, z.B. mich. Männer werden einen solchen Zusammenhang sicher überraschend finden. Und auch ganz normale Frauen wissen: So mancher Heimwerker hat über seiner Tüftelei seine Frau völlig vergessen, die Anerkennung im Bastelclub war ihm wichtiger.<br />
Was treibt Stoverock an? Nur die Verkaufszahlen ihres Buches? Oder will sie den Männern Sex liefern, damit sie Erfindungen machen? Dann würde sie sich einreihen in die Phalanx der Antreiber, Sklavenhalter und Kapitalisten, den Befürwortern der Leistungsgesellschaft, den Neoliberalen.</p>
<p>Es ist natürlich richtig, dass Menschen im Patriarchat weniger um Anerkennung kämpfen würden als um Nahrung, wenn von Letzterer nicht genug vorhanden wäre. Die Methode &#8222;Brot und Spiele&#8220; &#8211; also &#8222;Nahrung&#8220; und &#8222;Gemeinschaftsgefühl&#8220; &#8211; zur Herstellung von Ruhe im Staat und der Sicherung der Macht würde aber nicht funktionieren, wären satte und lustige Menschen automatisch auch mehr an Wertschätzung, also Status und Anerkennung interessiert. Zwar identifizieren sich beispielsweise Fußballfans mit ihrer siegreichen Mannschaft, halten aber auch zu ihr, wenn sie verliert. Sie wünschen sich, dass sie gewinnt und fühlen sich als Gewinner, aber es steht nicht der persönliche Status im Vordergrund, sondern das Gruppenerlebnis.</p>
<p>Weil wir davon ausgehen können, dass Menschen in vorpatriarchaler Zeit mit sich selbst eins waren, nicht unterdrückt wurden und schon kleine Kinder eine maximale Bedürfnisbefriedigung erleben durften, illustriert diese Pyramide vor allem die Bedürftigkeit der Menschen im Patriarchat, und in der Tat, vor allem des patriarchalen Mannes. Es ist ja schon ein Grundbedürfnis des Patriarchen, alles in Hierarchien zu ordnen, im Grunde die Stufe 0 der Pyramide, der geistige Boden, auf dem sie wächst. Es ist das Körperlose oder sagen wir, die göttliche Ordnung, die die Basis der patriarchalen Ideologie ist. In der göttlichen Hierarchie der Könige steht Gott an oberster Stelle, weil sich dort der König befindet, der sich mit Gott gleichsetzt, sozusagen seine &#8222;Selbstverwirklichung&#8220;. Damit ist verschleiert, dass auch die Menschen ganz unten fest auf dem geistigen Boden des Patriarchats stehen und es nicht nur unfreiwillig stützen, sondern selbst Täter sind. „Mutter Erde“ als ursprüngliche Einheit von Körper und Geist ist gewaltsam besetzt.<br />
Die Patriarchen dieser Welt beweisen: da ganz oben wird die Gier und Aggressivität immer größer, ja sogar Atombomben kommen zum Einsatz. Die da unten reagieren ihren Frust mit der Faust oder ihrem Geschlechtsteil an anderen ab, ohne dass sie damit etwas Substantielles erreichen würden.</p>
<h2 id="gewalt-und-sex">Gewalt und Sex</h2>
<p>Die Hierarchie ist nicht egalitär wie es die urmenschlichen Bedürfnisse aber sind. Sie widerspricht dem angeborenen Gerechtigkeitsempfinden. Stoverocks Liebe zur Hierarchie gipfelt in der biologistischen Erklärung für Vergewaltigung, die beinahe einer Entschuldigung gleich kommt. Gewalt sei eine Lösung<a href="#_ftn26" name="_ftnref26">[26]</a>, wenn Männer die ihnen zustehende Anerkennung und damit Sex nicht bekommen. Da ist die Natur offenbar selbst Schuld, wenn Frauen Gewalt angetan wird!</p>
<blockquote><p>&#8222;Das Geschlecht, dessen Reproduktionsstrategie Rücksichtslosigkeit und Aggressivität beinhaltet, steht in der Natur einem Fortpflanzungssystem gegenüber, in dem sein Paarungstrieb kaum befriedigt wird. Man muss kein Genie sein, um vorauszusehen, dass das früher oder später zu Problemen führt.&#8220;<a href="#_ftn27" name="_ftnref27">[27]</a></p></blockquote>
<p>Ihre Aussage untermauert sie mit ethnologischen Untersuchungen an den &#8222;Buschleuten&#8220; der Kalahari, die diese Probleme gemeistert zu haben scheinen:</p>
<blockquote><p>&#8222;Bei den San ist die Gruppe ein wichtiges Regulativ. Gewalttätige Auseinandersetzungen oder Misshandlungen von Schwächeren werden in der Regel durch die Gruppe unterbunden. Daran ändert sich erst nach der Erfindung der Landwirtschaft etwas.&#8220;<a href="#_ftn28" name="_ftnref28">[28]</a></p></blockquote>
<p>Das alles ruft nicht nur meine Empörung hervor, es ist auch falsch. Gewalt ist im menschlichen Sozialverhalten nicht als angeborenes sexuelles Verhalten verankert, sie widerspricht der freien Female Choice, die einen so hohen Stellenwert in der Evolution hat, ja ihr Grundprinzip ist, dass es &#8222;verlorene Liebesmüh&#8220; wäre, dagegen anzukämpfen. Daher ist Gewalt auch allgemein unerwünscht, und <em>nicht eine</em> Frau wird durch Vergewaltigung von den &#8222;Fähigkeiten&#8220; eines Mannes überzeugt!<br />
<strong>Eine matrifokale Sippe unterbindet nicht ständig aktiv Gewalt, sondern liefert erst gar keinen Nährboden für Gewalt, weil sexuelle Frustration nicht regelhaft ist, wie Stoverock das postuliert.</strong> Im Gegenteil, erst die erzwungene Monogamie der Frau entzieht sie dem Pool potentieller Sex-Partnerinnen. Mehr freie Frauen bedeutet insbesondere für &#8222;Beta-Männer&#8220; mehr Gelegenheiten. Bei den San ist die Matrifokalität schon durch den Einfluss von Missionaren (mit den vielsagenden Titeln &#8222;Pastor&#8220;, &#8222;Hirte&#8220;) aufgeweicht, so dass die Vaterschaft und damit die Partnerschaft zwischen Mann und Frau Bedeutung bekommen hat. Es leben also auch fremde Männer mit in der Gruppe, die jetzt regelmäßig einschreiten muss, wenn sie aneinandergeraten. Das weiß und bemerkt Stoverock nicht, denn sie schreibt ja ausdrücklich, dass das Patriarchat erst mit der Erfindung der Landwirtschaft aufkäme. Aber sie liefert sich die Begründung dafür, dass Männern geholfen werden müsse, damit es keine Gewalt gibt.</p>
<p>Ihre ganze Sorge gilt nicht den Frauen, deren Sexualität im Patriarchat fast auf den Nullpunkt gedrückt wird, sondern den Männern, die keine Frau finden, und zwar nicht nur im Patriarchat des Hier und Jetzt, sondern angeblich auch schon in der Urzeit:</p>
<blockquote><p>&#8222;Man mag sich fragen, wer sich diesen dysfunktionalen Mist ausgedacht hat, und wie er sich so sehr ausbreiten konnte. Der Grund dafür liegt darin, dass kein anderer Mechanismus der Evolution so antriebt wie das strenge Aussiebungsverfahren der Weibchen. Der Kampf um ihre kostbaren Eizellen erzeugt einen so hohen Selektionsdruck auf die Männchen, dass er letztlich die Gene hervorbringt, die eine Population widerstandfähig und flexibel machen. Und das so effizient, dass es im Lauf der Jahrmillionen keinen Grund gab, etwas daran zu ändern, auch wenn ein Großteil der Männchen frustriert und kinderlos stirbt. <em>Female Choice</em> und speziell der Sexuelle Konflikt mögen klingen wie die Idee eines verrückten Erfinders, sind aber das stabilste und am weitesten verbreitete Fortpflanzungsmodell überhaupt.&#8220;<a href="#_ftn29" name="_ftnref29">[29]</a></p></blockquote>
<p>An dieser Stelle wäre ein kleiner Hinweis, dass die Evolution absichtslos ist, schon sinnvoll gewesen. Die Vermenschlichung der Evolution grenzte tatsächlich fast schon an eine Verschwörungstheorie, wäre die Autorin nicht einfach von einem naiven, aber fehlgeleiteten Gerechtigkeitsgefühl getrieben.<br />
Für die evolutionären Vorgänge spielt es keine Rolle, ob sich ein bestimmtes Männchen fortpflanzt, sie gehen trotzdem weiter. Woher will Stoverock auch wissen, dass alle Männchen traurig sind, wenn sie kinderlos sterben? Derartige Gefühle können nur entstehen, wenn im ersten Schritt Väter wissen können, dass sie Vater werden können und sich im zweiten Schritt sicher sein können, dass sie Vater geworden sind oder nicht. Sie müssen im dritten Schritt ein Gefühl für ihre Lebensspanne haben, um ermessen zu können, dass sie keine Kinder mehr haben werden. Im vierten Schritt müssen sie an ihre Vaterschaft einen Wert knüpfen.<br />
Sicher ist doch nur, dass Männchen hartnäckig sind und es so lange probieren, sich fortzupflanzen, bis sie sterben. Diese &#8222;Hoffnung&#8220; geben sie nie auf, ohne dass es sich wie Hoffnung anfühlen muss. Auch ob sexuelle Frustration sozusagen zum Alltag von Männchen gehört, darf bezweifelt werden, auch wenn es sicher häufig vorkommt, dass sie warten müssen, bis sie dran sind. Offenbar hat es sie Millionen von Jahren eben NICHT gestört! Eine starke Frustration könnte zu Aggression gegen die Weibchen führen, ja. Aber dennoch sind männliche Tiere nur selten aggressiv gegen Weibchen. Dass männliche Tiere weibliche hassen, ist sowieso völlig undenkbar. Wir müssen sogar davon ausgehen, dass es der Mensch selbst ist, der solche Beobachtungen erst ermöglicht: durch die Zerstörung und Eingrenzung der natürlichen Habitate, durch Ermordung der erfahrenen Tiere einer Gruppe und letztlich durch Projektion.</p>
<p>Wie jedes Gefühl ist auch das Gefühl der Frustration evolutionär über Hormone gesteuert, so dass es denkbar ist, dass „Beta-Männchen“ sozusagen hormonell gedimmt werden. Bei vielen Arten tun sich Jungmännchen zusammen, ohne aggressiv gegen Weibchen vorzugehen. Das muss noch genauer erforscht werden. Und ist es nicht das Patriarchat selbst, das „Beta-Männer“ kleiner redet als sie sind? Wird das weibliche Interesse an ihnen nicht auch gebremst, weil Incels sich selbst unattraktiv machen, durch ihr Gehabe, ihre Uniformen und ihre Sprüche? Haben Eltern im Patriarchat der westlichen Gegenwart, wo nicht mehr Patrilokalität, sondern Neolokalität gelebt wird, nicht sogar ein Interesse daran, dass ihre Kinder Incels sind, weil sie sie dann nicht im Alter alleine lassen? Ist es nicht so, dass Eltern ihre Kinder zu Incels machen, indem sie ihnen eine verklemmte Sexualmoral anerziehen? Ist es nicht sogar auch so, dass es deshalb auch viele weibliche Incels gibt, um die sich keine selbsternannte Feministin sorgt?</p>
<h2 id="der-genetische-flaschenhals-der-jungsteinzeit">Der Genetische Flaschenhals der Jungsteinzeit</h2>
<p>Stoverock liefert konkrete Zahlen für das Ausmaß angeblicher männlicher Benachteiligung durch die Female Choice:</p>
<blockquote><p>&#8222;Eine grobe Faustregel besagt, dass 80% der geschlechtsreifen Weibchen nur 20% der Männchen ranlassen &#8211; dass also 80% der Männchen für Sex mit ihnen nicht in Frage kommen. Die müssen sich um die verbliebenen 20% der Weibchen prügeln. … Genetische Untersuchungen lassen darauf schließen, dass es bei unseren menschlichen Ahnen nicht anders war: Die heutige Weltbevölkerung hat ungefähr doppelt so viele weibliche wie männliche Vorfahren, in präkulturellen Zeiten haben sich also ungefähr 70% der Frauen mit 35% der Männer gepaart…. Das Verhältnis von 2:1 zugunsten der Frauen verschärfte sich nach der Erfindung der Landwirtschaft sogar noch auf unglaubliche 17:1.&#8220;<a href="#_ftn30" name="_ftnref30">[30]</a></p></blockquote>
<p>An anderer Stelle bläht sie den Wert noch einmal auf:</p>
<blockquote><p>&#8222;Denn das verschiebt sich nach der Entstehung der Landwirtschaft bis auf ein erbarmungsloses 95:5. Die Frauen wählen am Übergang zur Sesshaftigkeit nur noch eine verschwindend geringe Zahl der Männer als Partner aus. Ein internationales Forscherteam konnte 2015 anhand genetischer Studien nachweisen, dass … sich nur noch ein Bruchteil der Männer fortpflanzte.&#8220;<a href="#_ftn31" name="_ftnref31">[31]</a></p></blockquote>
<p>Sie suggeriert damit, dass es plötzlich eine ungeheure Menge an Incels gegeben haben muss, ein perfides Argument, das gar nicht so leicht zu durchschauen ist. Denn die Zahlen geben zunächst überhaupt nicht her, ob diese gigantische Abweichung tatsächlich auf wenige, alles absahnende Alpha-Männer zurückgeht, also auf viel mehr Incels hinweist, oder darauf, dass die Zahl der Männer stark zurückging. Angesichts des Wesens der Female Choice, nach der eine Frau viele Männer haben will und eben nicht nur ein einziges Alpha-Männchen, kann so oder so nicht davon die Rede sein, dass sich die Lage zugunsten der Frau entwickelte!</p>
<p>Wir müssen angesichts ihrer Behauptung noch einmal zur Entstehung der Landwirtschaft zurück. Wir erinnern uns, Stoverock behauptet, dass die Erfindung der Sesshaftigkeit und Landwirtschaft durch Männer die Ursache allen Übels, aber zugleich ein viel größerer Segen sei, und daher verlegt sie den Beginn des Patriarchats auf die Zeit &#8222;vor über 10.000 Jahren&#8220;. Es handelt sich bei den von ihr benutzten Zahlen um nicht weniger als die Entdeckung des sog. Genetischen Flaschenhalses durch die GenetikerInnen Karmin <em>et al.</em> im Jahre 2015<a href="#_ftn32" name="#_ftnref32"><strong>[32]</strong></a>. Es wird sich aber nicht nur zeigen, dass Frau Dr. Stoverock den Beginn des Patriarchats mal eben um mindestens 3000 Jahre verschoben hat, sondern auch, dass die Zahlen für ihre Incel-These unbrauchbar sind, und sie eine wesentliche, weiterführende Studie dazu ignoriert hat.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone wp-image-4730 size-medium" title="Genetischer Flaschenhals nach Karmin et al. 2015" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/41467_2018_4375_fig1.jpg?resize=300%2C137&#038;ssl=1" alt="Genetischer Flaschenhals nach Karmin et al. 2015" width="300" height="137" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/41467_2018_4375_fig1.jpg?resize=300%2C137&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/41467_2018_4375_fig1.jpg?resize=770%2C351&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/41467_2018_4375_fig1.jpg?w=900&amp;ssl=1 900w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><br />
Bildquelle: Karmin <em>et al.</em> 2015</p>
<p>Die Abbildung des Genetischen Flaschenhalses zeigt einen starken Abfall und Wiederanstieg der Vielfalt des Y-Chromosoms über einen Zeitraum von ca. 5000 Jahren (im Bild links), während die Mitochondrien-DNA (mtDNA, im Bild rechts) keinen nennenswerten Einbruch erfährt.<a href="#_ftn33" name="_ftnref33">[33]</a> Tatsächlich scheinen die Zahlen mit der Erfindung der Sesshaftigkeit und Landwirtschaft zu korrelieren.<br />
Schauen wir uns diese Studie, deren Diskussion der Ergebnisse und später auch die wichtige Rezeption durch die Genetiker Zeng <em>et al.</em> genauer an: In den Anhängen finden wir ein <a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/bin/supp_gr.186684.114_Supplemental_Figures.pdf" target="_blank" rel="noopener">PDF</a> (dort Seite 4), das die Gesamtansicht regional aufgespaltet zeigt, und daher deutlicher ist: Wir sehen, dass die Y-Kurve im Kernland der Neolithisierung, dem Fruchtbaren Halbmond im Nahen Osten, ganz langsam 11.300 Jahre vor heute zu sinken beginnt, zu der Zeit, wo im jordanischen Dhra‘ schon so viel Getreide angebaut wurde, dass ein ganzer Speicher gefüllt werden konnte, was bedeutet, dass die Sesshaftigkeit und Landwirtschaft viel noch früher eingesetzt haben müsste. Seinen Tiefpunkt erreicht der Flaschenhals ca. 3-4000 Jahre später. Von da an geht es sprunghaft wieder aufwärts, was ganz deutlich zeigt, dass auch da etwas Gravierendes passiert sein muss, aber das ignoriert Stoverock. Auch in Europa gibt es diesen Flaschenhals mit seinem steilen Wiederanstieg, jedoch deutlich später. Die Vielfalt der mtDNA steigt dem gegenüber vielerorts schon vor über 20.000 Jahren weltweit an, wofür die höhere Mutationsrate der mtDNA verantwortlich gemacht werden kann. Die Zahlen zeigen insgesamt nicht nur die Veränderungen der Vielfalt der Geschlechtschromosomen, sondern auch die Bevölkerungsentwicklung mit ihrem starken Zuwachs nach Überwindung des Flaschenhalses, denn in jüngerer Zeit explodiert auch die Vielfalt der mtDNA.<br />
Die AutorInnen halten die Natürliche Selektion als Ursache für den Abfall für unwahrscheinlich, da das gefundene Muster nicht auf einen einzelnen oder einige wenige Haplotypen beschränkt zu sein scheint, stattdessen sei sie auf einen geringeren Fortpflanzungserfolg in Rahmen eines kulturellen Wandels zurückzuführen.<br />
In einem populärwissenschaftlichen Online-Magazin äußern sich zwei Mitglieder des Studien-Teams zu ihren Vermutungen, was die Zahlen ausdrücken. Demnach wären die Männer nicht alle gestorben, sondern einige wenige Männer hätten Reichtum angehäuft und auf ihre Söhne vererbt und dadurch den Reproduktionserfolg ihrer Patrilinie gesteigert.<a href="#_ftn34" name="_ftnref34">[34]</a> Dem folgt Stoverock in ihrer Argumentation blind. Aber die MacherInnen der Studie haben sich nicht mit den grundsätzlichen Problemen bei der Interpretation solcher Zahlen beschäftigt, sondern lediglich spekuliert!<br />
In einer zweiten Studie im Jahre 2018 haben sich Zeng <em>et al.</em> diese 2015 gewonnen Daten noch einmal vorgenommen und gezeigt, wie schwer es ist, von solchen Zahlen auf tatsächliche Vorgänge zu schließen. Es mussten komplexe mathematische Modelle aufgesetzt werden, um sie näherungsweise richtig zu deuten. Sie führten den modellgestützten Nachweis, dass Krieg zwischen neuen Patrilinien die Ursache für den Flaschenhals sein müsste:</p>
<blockquote><p>„Here, bringing together anthropological theory, recent population genomic studies and mathematical models, we propose a sociocultural hypothesis, involving the formation of patrilineal kin groups and intergroup competition among these groups.“<a href="#_ftn35" name="_ftnref35">[35]</a></p></blockquote>
<p>Zeng <em>et al.</em> widersprechen Karmin <em>et al.</em> entschieden und erklären mit ihrer Studie, dass die Zahlen tatsächlich nur mit einer deutlich gesunkenen Anzahl der Männer, also mit ihrem Tod, erklärbar sind. Ihr wichtigstes Argument: Wenn soziale Unterschiede einen Rückgang der Y-Varianz erklären, warum steigt die tatsächliche Y-Varianz in genau dem Moment wieder an, als soziale Unterschiede überhaupt erst archäologisch greifbar werden? Zudem gehen die Mitochondrien der überlebenden Frauen in Westeurasien überwiegend auf eingewanderte Neolithikerinnen zurück, das heißt, dass die Y-Varianz schon lange vor der Einwanderung nach Europa abgenommen haben müsste und nicht erst am Zielort. Selbst die Ethnologie kann, wie die Autoren es anführen, nicht feststellen, dass regelmäßig ein Mann 17 Frauen monopolisiert.</p>
<p>Die Interpretation durch Zeng <em>et al.</em> wird von der Patriarchatsforschung um weitere Faktoren ergänzt: Der Tiefpunkt fällt mit dem Klimaereignis der sog. Misox-Schwankung zusammen, dem Zeitpunkt, wo die Steppe erstmals von Viehzüchtern besiedelt wird. Die wenigen überlebenden Männer verließen die Heimat zusammen mit den Tieren und begannen in der Steppe das Patriarchat zu errichten. Sprachwissenschaftlich und genetisch nachgewiesen vermischten sich dabei die Gene der Indigenen der Steppe und Waldsteppe mit denen der ausgewanderten Anatolier. Zudem kämpften nicht nur Patrilinien gegeneinander, sondern Patrilinien rotteten die indigenen, matrifokalen Männer aus, und weitere Effekte können hinzutreten wie Mangelernährung und Hunger einseitig durch Getreide und Missernten, Nahrungsraub oder die Schwerarbeit der Frauen, die zu Fehlgeburten und einer hohen Säuglingssterblichkeit bei den männlichen Kindern geführt haben kann. Ein insgesamt multifaktorielles Geschehen führte zu diesen Zahlen.</p>
<p>Statt dass Männer immer weniger Sex hatten, ist das Gegenteil der Fall: die Frauen hatten kaum noch Auswahl. Stoverock möchte aber, dass es den besitzenden Alpha-Mann gibt, auf den sich alle Frauen stürzen, weshalb es dann gigantisch viele Incels geben müsste. Sie geht sogar davon aus, dass im landwirtschaftlichen Patriarchat, also in der beginnenden Zivilisation nach ihrer Definition, die Female Choice noch einmal an Dynamik zugelegt hätte und dabei übers Ziel hinausschoss! Das ist wirklich mehr als erstaunlich, das ist absurd! Denn sie behauptet ja auch, dass der Mann erst durch die Einschränkung der Female Choice &#8222;zivilisiert&#8220; worden sei und begann am Fortschritt zu arbeiten:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die prähistorische Kunst gibt einen Hinweis darauf, dass sich in den Männern ein ganz neues Bedürfnis zu regen beginnt. Ein Impuls, der die Strukturen der künftigen Zivilisation stark prägen wird: Der Wunsch, die Kontrolle über die weibliche Sexualität zu erlangen. Doch als Nomaden haben Männer weder Möglichkeiten noch Kapazitäten, sich der weiblichen Sexualität zu bemächtigen. &#8230; Im Laufe der Zeit wird aus dem Verfolgen der Viehherden ein Begleiten &#8230; ein Zähmen &#8230; als es gelingt auch Nahrungspflanzen für die Rinder und Ziegen &#8230;&#8220;<a href="#_ftn36" name="#_ftnref36">[36]</a></p></blockquote>
<p>&#8230; soll die Landwirtschaft begonnen haben (wir kennen das bereits) &#8230;</p>
<blockquote><p>&#8222;Nur die intelligentesten und geschicktesten Männer kommen mit den Anforderungen der sich im Höllentempo verändernden Welt zurecht und können sich fortpflanzen. Das hat zur Folge, dass die Female Chocie den Mann jetzt mit ganzer Härte trifft &#8230; [der Genetische Flaschenhals] zeigt auch, dass zu diesem Zeitpunkt ganz offenbar die <em>Female Choice</em> noch in vollem Gange war &#8230; Der Rest der Männer starb in der neuen Lebensweise kinderlos. … Die Sesshaftwerdung bewirkt ein unbarmherziges Aussieben &#8230; Die Fortpflanzungssituation ist für Männer eine Katastrophe. Der ohnehin hohe sexuelle Selektionsdruck steigert sich durch den genetischen Flaschenhals bis ins Unermessliche. &#8230; Obwohl die Landwirtschaft das Leben so sehr erleichtert, stehen die ersten Bauernkulturen statt vor einer blühenden Zukunft vor der Barberei.&#8220;<a href="#_ftn37" name="_ftnref37">[37]</a></p></blockquote>
<p>Böse, böse Female Choice! Böse Frau! Das klingt wie die Urschuld Evas. Es handelt sich hier um eine Täter-Opfer-Umkehr &#8230; nicht die Männer, die sich gegenseitig hochrüsten und damit auch im Stich lassen, sind Schuld, sondern die Female Choice.<br />
Sie hält Gewalt für eine Lösung des Problems, aber es ist ihr doch lieber, wenn die Frauen sich selbst einschränken, damit der Alpha-Mann weiter unbehelligt am Fortschritt bauen kann. Das zeugt von einem grundlegenden Unverständnis der Female Choice, die Abwechslung liebt; dabei bleibt kein Mann ewig Alpha-Mann.</p>
<p>Es ist aber auch eine Tatsache, dass die Y-Varianz in patriarchalen Residenzformen stark absinkt. Die am nachhaltigsten patriarchalisierte Bevölkerung mit der höchsten Unterdrückungsrate der Female Choice finden wir immer noch bei den viehnomadischen Völkern Zentralasiens:</p>
<blockquote><p>&#8222;Central Asian pastoralists, who are organized into patriclans, have high levels of intergroup competition and demonstrate ethnolinguistic and population-genetic turnover down into the historical period. They also have a markedly lower diversity in Y-chromosomal lineages than nearby agriculturalists. In fact, Central Asians are the only population whose male effective population size has not recovered from the post-Neolithic bottleneck; it remains disproportionately reduced, compared to female estimates using mtDNA.&#8220;<a href="#_ftn38" name="_ftnref38">[38]</a></p></blockquote>
<p>Hier herrscht ein großer Männerüberschuss, weil Söhne bevorzugt werden, nur die ältesten das Erbe antreten und in Polygamie leben dürfen, und den Nicht-Erben obendrein ein Heiratsverbot auferlegt ist. Entsprechend erklären sich die wiederholten Raubzüge, die diese Völker in Richtung Westen unternahmen.<br />
Das ebenfalls zu beobachtende, <strong>leichte</strong> Absinken der Y-Varianz in der frühen, noch matrifokalen Landwirtschaft lässt sich wie gesehen nicht mit Kriegen erklären, sie hätten sofort einen wesentlich stärken Einschlag erzeugt. Es gibt andere Erklärungsansätze der Patriarchatsforschung:</p>
<ol id="liste1">
<li>Die in der Landwirtschaft arbeitenden Frauen hatten zu wenig Zeit, nach Männern zu suchen, nahmen daher erstmals fremde Männer als Dauergäste in die Sippe auf, schränkten damit aber ihre Female Choice selbst ein. Dies kann einen Einfluss auf die Geburtenzahl UND die absolute Zahl der Y-Varianten haben.</li>
<li>Etliche Männer, quer durch alle Haplogruppen, verließen die Sippen Richtung Steppe.</li>
<li>Fehlgeburten und hohe Säuglingssterblichkeit bei den männlichen Kindern.</li>
</ol>
<p>Ansatz 1 zufolge hätte ein Mann nach einer Weile wieder gehen müssen oder hätte sich einer interessierten Schwester zugewandt oder wäre auch ohne sexuelles Interesse der Frauen geduldet worden, hätte er sich anständig verhalten. Diese Lebensweise birgt die Gefahr, dass Männer nun ihre Vaterschaft wahrnehmen und irgendwann daraus Rechte ableiten. Zudem steigt die Gefahr sexueller Übergriffe.<br />
Im Ansatz 2 könnten die vorliegenden Daten bedeuten, dass die Patriarchalisierung in der Steppe früher stattgefunden hat. Denn eine Auswanderung anatolischer Männer in die Steppe ist wie erwähnt nachgewiesen worden.<br />
Ansatz 3 ist generell eine Folge der Landwirtschaft und unter Matrifokalität und im Patriarchat ähnlich hoch. Er zeigt vor allem an, wie erfolgreich die Landwirtschaft betrieben wurde und ob Überschüsse verbunden mit einer extrem hohen Arbeitsbelastung erbracht wurden.</p>
<p>Erinnern wir uns, es war Stoverock wichtig, darauf hinzuweisen, dass sie &#8222;<em>nicht für eine Rückkehr zum Female-Choice-Prinzip in seiner Reinform</em>&#8222;<a href="#_ftn39" name="_ftnref39">[39]</a> sei. Das Problem der Sesshaftigkeit ist aber nicht eine überbordende Female Choice, sondern das Gegenteil: Erst die Selbsteinschränkung, die mit einem Minus an Lebensfreude, dem Risiko der Partnerschaft und einer, wenn auch kleinen, Verarmung des männlichen Genoms einhergeht. Dann, als die Landwirtschaft von den Männern übernommen wird, eine starke Verarmung des männlichen Genoms. Die Vielfalt geht mit ihrer Unterdrückung relativ zurück, wird aber durch die ansteigende Bevölkerungszahl kompensiert, steigt also absolut an. Der evolutionäre Nutzen der Female Choice entfaltet sich aber bei weitem nicht nur bei den Geschlechtschromosomen, sondern im gesamten Genom, ein Effekt, der beide Geschlechter betrifft. Auch das Genom der Pflanzen und Tiere verarmt durch Domestikation und mehr noch durch ihre Zucht im Patriarchat.</p>
<p>Wir können nicht wissen, warum die Frauen der Jungsteinzeit keine besseren Bedingungen schaffen konnten. Hinterher ist frau aber immer schlauer. Die Lösung wäre gewesen, keine Männer in die Sippen aufzunehmen, sondern die Feldarbeit schon früh auch auf die Brüder zu verteilen. Wir könnten auch anders herum sagen: Wären die Brüder nicht so faul gewesen und hätten &#8211; statt sich weiter altsteinzeitlich bei der Jagd ein schöneres Leben zu machen und zuhause Kuchen zu essen &#8211; besser ihren Schwestern auf dem Feld geholfen. UND hätten die Schwestern wieder mehr gesammelt, hätte es für beide Seiten gleich viele Gelegenheiten für Sex gegeben. Nebenbei wäre die hohe Sammelkompetenz, das große Wissen über Pflanzen und Tiere, das durch die Landwirtschaft verloren gegangen ist, erhalten geblieben. Offenbar war die uralte, sexuelle Arbeitsteilung aber ein Hindernis.</p>
<p>Stoverock braucht den Genetischen Flaschenhals, um ein Schreckgespenst der Female Choice zu zeichnen. Sich damit näher zu befassen, hätte ihre These gefährdet. Sie gibt ihm auf Seite 90 nicht einmal einen Namen, und lagert das Problem zunächst in die Tierwelt aus, in Zahlen zu den Seeelefanten und Beobachtungen an Adeliepinguinen, Schimpansen und Bonobo.<a href="#_ftn40" name="_ftnref40">[40]</a> Schnell wechselt sie also wieder das Thema, kaum dass es auf dem Tapet ist, und wir müssen ihr folgen: Die Bonobo-Weibchen sollen sich aufgrund der Knappheit der Ressource Sex &#8222;einkaufen&#8220; lassen. Kurz, sie erklärt die weiblichen Tiere dieser Arten zu Prostituierten, die nicht aufgrund einer schönen Morgengabe ein talentiertes Männchen erkennen und begehren, sondern lediglich die Morgengabe begehren, und sie gegen Sex tauschen, wobei ihnen das Männchen egal ist. Eine derart frauenfeindliche Sicht auf die Weibchen sollten wir von einer Autorin, die sich der Female Choice verschrieben hat, nicht erwarten! Die Female Choice ist kein Tauschgeschäft, sondern ein grundsätzlicher, unveränderlicher Lebenseffekt.<br />
Hier zeigt sich besonders deutlich, wie wenig die Autorin die Female Choice selbst verstanden hat:</p>
<blockquote><p>&#8222;Bei einigen Watvögeln verhalten sich die Weibchen so wie es normalerweise die Männchen tun. Nach der Eiablage macht sich das Weibchen auf und davon, um sich mit weiteren Männchen zu paaren, während der erste Partner im wahrsten Sinne des Wortes auf den befruchteten Eiern sitzenbleibt, um sie auszubrüten. Gäbe es nicht diese wenigen Ausnahmen, könnte man die Female Choice ein Naturgesetz nennen, so unumstößlich wie die Erdanziehungskraft. Danke also für nichts, Watvögel und Seepferdchen.&#8220;<a href="#_ftn41" name="_ftnref41">[41]</a></p></blockquote>
<p>Es ist zum Heulen. Geht es bei der Female Choice nicht etwa darum, besonders viele verschiedene fähige Männchen zu finden? Ist die Strategie der Watvogelhennen etwa nicht die effektivste Art der Female Choice? Wir Menschen sind keine Vögel, und es ist nicht so, dass die Menschenfrauen ihre Female Choice zu Beginn der Landwirtschaft auf eben diese Weise ausgelebt hätten; sie haben ihre Kinder natürlich bei sich behalten. In die Logik, die Stoverock fährt, hätten die Watvogelhennen aber perfekt gepasst. Danke also für nichts, Frau Dr. Stoverock. Auf Seite 136 setzt sie noch einmal an und benennt den Genetischen Flaschenhals um der Dramatik willen, die ihr Kapitel &#8222;Die Stunde Null&#8220; abschließen soll, um zu nächsten Kapitel &#8222;Haben und Sein&#8220; überzuleiten.</p>
<h2 id="Maenner-die-frauen-bewachen-das-sog-mate-guarding">Männer, die Frauen bewachen? Das sog. <em>Mate Guarding</em></h2>
<p>Da wären aber noch die Reiskärpflinge, eine kleine Süßwasserfischart, an der Stoverock das sog. <em>Mate guarding</em> erklären will:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Männchen der Reiskärpflinge versuchen, sich stets so positionieren, dass das Weibchen etwaige Rivalen gar nicht sehen kann. Der Umstand, dass Weibchen für Männchen in erster Linie eine begrenzte Ressource sind, führt dazu, dass sie sie eifersüchtig bewachen. Nachdem sie sich die Zugriffsrechte durch Wettkampf untereinander geklärt haben, werden sie zu besitzergreifenden Hausherren, die versuchen, den Verlust der Ressource um jeden Preis zu verhindern.&#8220;<a href="#_ftn42" name="_ftnref42">[42]</a></p></blockquote>
<p>Das ist patriarchale Berichterstattung <em>par excellence</em>. Denken wir doch bitte die Female Choice konsequent, immer und immer wieder! Dann zeigt sich ein völlig anderes Bild: Es gibt in der Natur keine Zugriffsrechte, die unter den Männchen ausgefechtet werden! Es gibt nur das Weibchen, das ein Männchen gewählt hat, in diesem Fall das, welches im Kampf gewonnen hat. Es ist aber immer wieder zu beobachten, dass sich Weibchen am Rande des Kampfplatzes auch mit anderen Männchen paaren. Hören wir doch endlich auf mit der ewig androzentrischen Sicht auf die Tierwelt! Nicht die Weibchen sollen andere Rivalen nicht sehen, sondern umgekehrt, ein anderes Männchen als das gewählte soll das Weibchen nicht sehen, sie versteckt sich. Die Female Choice der Reiskärpflinge hat Männchen selektiert, die die Female Choice beschützen. Das ist keine Eifersucht, die mit einem Besitzrecht korrelieren würde, sondern eine Form der &#8222;Pflichterfüllung&#8220;. Dieses sog. <em>Mate Guarding</em> beschützt nicht die „Rechte“ des Männchens, sondern die Wahl des Weibchens. Würden sich andere Männchen in der Nähe aufhalten, könnte es passieren, dass vom Weibchen unerwünschtes Sperma die Eier erreicht.</p>
<p>Stoverock möchte gerne zeigen, dass die Female Choice auch im Patriarchat weiter wirksam ist, hierin liegt die Stärke und &#8211; wie könnte es jetzt noch anders sein &#8211; zugleich die große Schwäche des Buches. Es fällt ihr schwer, patriarchale Muster von denen der Evolution zu trennen:</p>
<blockquote><p>&#8222;Immer betreibt der Mann ein Riesentamtam, und die Holde muss nur ja sagen. Das spiegelt sich auch in unseren modernen Zeiten: Einer Umfrage zufolge sind 69% der Frauen gar nicht oder nur im Ausnahmefall dazu bereit, beim Flirten den ersten Schritt zu machen.&#8220;<a href="#_ftn43" name="_ftnref43">[43]</a></p></blockquote>
<p>Sie hält dies offenbar für natürlich. Aber natürlich gilt es im Patriarchat als unschicklich, wenn Frauen den ersten Schritt machen. Das ist deshalb so stark sanktioniert, weil die patriarchale Male Choice oberstes Gebot sein soll. Eine Frau, die wählt, ist unter der Würde des Patriarchen. Hier wird ihr unterstellt, sie wolle sich einen angeln, ihn festnageln, sie wolle nur sein Geld, sie sei nymphoman etc.. Tatsache ist, dass dieses Tabu großen Schaden anrichtet: viele Frauen bleiben &#8222;Incel&#8220; (die Alte Jungfer, das Mauerblümchen, der Blaustrumpf), weil sie einerseits immer nur Angebote ablehnen dürfen und andererseits Milchbubis, Nerds und Lauchs sich für Superhelden halten und daher nur auf Models stehen, um es einmal zugespitzt auszudrücken. Das Märchen von König Drosselbart lehrt schon kleine Mädchen, ihrem Gefühl nicht zu trauen und ein Angebot besser anzunehmen. Das Patriarchat hat aber auch dafür eine Lösung, und es würde mich nicht wundern, wenn Stoverock die Zwangsheirat für natürliches männliches Verhalten hält, wie auch das angebliche <em>Mate Guarding</em>, das sie unkritisch aus der Herrschenden Lehre übernimmt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Auch das <em>mate guarding</em> finden wir bei uns Menschen. Es zeigt sich im Extremfall an dem islamischen Verbot für Frauen, sich ohne männliche Begleitung an öffentlichen Plätzen aufzuhalten oder zu verreisen. Auch die Verschleierung dient seit rund dreitausend Jahren dazu, Frauen vor Blicken (und damit Versuchungen) anderer Männer zu verstecken.“<a href="#_ftn44" name="_ftnref44">[44]</a></p></blockquote>
<p>Sie liefert dazu auch Anekdotisches aus der Welt der Studien:</p>
<blockquote><p>&#8222;Auch hinsichtlich der Triebstärke gibt es Hinweise, die klare Unterschiede aufzeigen: Eine australische Studie aus dem Jahr 2011 ergab, dass 56% der Männer in Langzeitbeziehungen sich mehr Sex von ihren Partnerinnen wünschen, jedoch nur 28% der Frauen. 14% der Frauen hätten sogar gerne weniger Sex mit ihrem Partner.&#8220;<a href="#_ftn45" name="_ftnref45">[45]</a></p></blockquote>
<p>Die Studie zeigt aber auch, dass 14% der australischen Frauen in ihrer Beziehung vergewaltigt werden, was Stoverock aber nicht so zu sehen scheint.</p>
<blockquote><p>&#8222;Kanadische Wissenschaftler kamen bei einer Befragung von 170 Studenten zu ähnlichen Ergebnissen. Besonders in längeren Beziehungen spielt bei dem asymmetrischen Begehren nicht nur die Triebstärke, sondern auch die serielle Monoandrie der Frauen eine Rolle – die evolutionäre Reproduktionsstrategie findet einfach, dass es an der Zeit ist, sich nach Ablauf einer Reproduktionsphase mit einem anderen Mann zusammenzutun.&#8220;<a href="#_ftn46" name="_ftnref46">[46]</a></p></blockquote>
<p>Sie erklärt, dass sich an schwulen und lesbischen Paaren überprüfen ließe, ob die Triebstärke dennoch bei Männern stärker ausgeprägt ist, und siehe da, tatsächlich wollen Männer angeblich mehr Sex! Eine derart weitreichende Aussage mit einer einzigen Studie zu belegen, das ist leider zu dünn.<a href="#_ftn47" name="_ftnref47">[47]</a> Es wäre auch nur aussagekräftig, wenn bereits feststünde, dass sich homo- und heterosexuelle Menschen in dieser Frage nicht unterscheiden.</p>
<h2 id="nein-gewalt-ist-keine-loesung-nie-und-auch-nicht-die-unterdrueckung-der-female-choice">Nein, Gewalt ist keine Lösung. Nie. Und auch nicht die Unterdrückung der Female Choice.</h2>
<p>Tatsächlich, und nun wird es besonders problematisch und zugleich höchst inkonsequent, Stoverock leugnet die sexuelle Gewalt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Frauenbewegung hat lange die Behauptung verbreitet, bei sexuellen Angriffen ginge es vor allem um Macht (einen Willensakt) und nicht um Sex (einen Triebakt). Der Gedanke dahinter ist verständlich, aber aufgrund der evolutionären Besonderheiten der sexuellen Fortpflanzung halte ich &#8217;sexuelle Gewalt‘ für den unzutreffenden Begriff. Das kulturelle Faktoren die Entscheidung zur Vergewaltigung zusätzlich befeuern können, bezweifle ich aber keineswegs. Bitte denken Sie daran, dass es mir bei der Erklärung – nicht der Entschuldigung – von sexueller Gewalt darum geht, ihre Ursache zu verstehen, um sinnvolle Lösungen zu ihrer Eindämmung zu entwickeln.&#8220;<a href="#_ftn48" name="_ftnref48">[48]</a></p></blockquote>
<p>Wir werden noch sehen, wie sinnvoll die Lösungen sind, die sie auf den falsch hergeleiteten Ursachen entwirft. Ihre Beschwichtigung ist nicht nur unglaubwürdig, sie kommt auch noch auf derselben Seite zur Sache:</p>
<blockquote><p>&#8222;Wir haben gesehen, dass Gewaltbereitschaft integraler Bestandteil der männlichen Reproduktionsstrategie ist.&#8220;<a href="#_ftn49" name="_ftnref49">[49]</a></p></blockquote>
<p>Nein! Wir haben es hier leider mit einem besonders schwerwiegenden Fall von Biologismus zu tun, der den Mann an seinen Platz im Patriarchat verweist und besonders die Frau. Ausgerechnet die Female Choice, mit deren Hilfe wir alle Biologismen beseitigen können, muss dafür herhalten; dies nachdem es so schwer war, sie überhaupt zu entdecken. Es ist zum wirklich zum Auf-dem-Hut-herumtrampeln!</p>
<p>Nachdem sie also ordentlich Angst vor Männern geschürt hat, erfahren wir, wem ihre ganze Sorge gilt: den Incels, deren Gewaltbereitschaft sie ausführlich darstellt, und bei der es angeblich nicht um Macht geht.</p>
<blockquote><p>&#8222;Zahlen belegen, dass die meisten weiblichen Opfer von Sexualgewalt im geschlechtsreifen Alter sind. Dies ist ein Hinweis darauf, dass es bei den Taten deutlich stärker um Sex geht als bisher im Diskurs behandelt. Ginge es ausschließlich um Macht, wie der Feminismus seit Jahrzehnten behauptet, dann könnten ebenso oft Kinder oder Greisinnen betroffen sein.&#8220;<a href="#_ftn50" name="_ftnref50">[50]</a></p></blockquote>
<p>Es ist ja schon erstaunlich genug, dass der Feminismus über all die Jahre, wo das Wort „Patriarchat“ im Umlauf ist, nicht darauf gekommen ist, dass es um die Macht der Vaterschaft geht, was das Wort ja schon treffend aussagt. Aber immerhin hat der Feminismus erkannt, dass es um Macht geht. Nur ohne das Wörtchen &#8222;Vater&#8220; ist das Wort &#8222;Macht&#8220; natürlich nur ein Schlagwort, das einer auch um die Ohren gehauen werden kann, Stichwort &#8222;Matriarchat&#8220;. Es wird von Feministinnen davon abgelenkt, dass es sich um die Macht der Väter handelt, weil die Mutterschaft ein rotes Tuch ist und die Väter gefälligst im Kinder versorgenden Alltag mithelfen sollen. So gilt der männlichen Macht in der Arbeitswelt und der sexuellen Gewalt am Arbeitsplatz die Hauptsorge, während die Partnerschaftsgewalt erst langsam beginnt, in ihrem ganzen Ausmaß erkannt und erforscht zu werden, aber meist noch entschuldigt wird. Diese Bewegung kommt aber nicht aus dem Mainstreamfeminismus, sondern von den <a href="https://die-mias.de/" target="_blank" rel="noopener">alleinerziehenden Müttern</a>!<br />
<strong>Über Sex werden Männer im Patriarchat zu Familienvätern (= Familienvorstand) und daher gilt es, über die Sexualität der Frau Kontrolle zu erlangen.</strong> Alle Macht geht davon aus, dass Männer im Patriarchat nicht einfach Sex haben wollen, sondern Väter werden wollen, oder die Vaterschaft potentieller Väter sicherstellen sollen. Frauen werden über ihre Mutterschaft dahin erpressbar, selbst die Vaterschaft zu festigen.<br />
Über die Vaterschaft und die Vererbung über den Sohn gelingt die Anhäufung von Besitz. Die Gier nach mehr ist im Patriarchat in die Welt gekommen, weil alles unsicher geworden ist, weil die elementarsten Bedürfnisse nicht gestillt werden. Wir erinnern uns, Stoverock braucht die Bedürfnispyramide, wo Sex auf Stufe 1 angesiedelt ist, für ihre Argumentation. Aber Sex gehört nicht dazu, das ist ein Mythos! Sex kompensiert im Patriarchat einen großen Teil des Bereichs, der schon in der Kindheit nicht ausreichend von den Müttern gestillt werden darf: Körperliche Nähe, Zärtlichkeit, natürlich ohne Sex, und Geborgenheit, die gepaart sind mit dem Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens. Die <strong>Trauung</strong> von Mann und Frau soll all das ersetzen, was das Patriarchat zuvor genommen hat; es ist ein Perpetuum Mobile. Die Sucht nach Besitz und Sex sind Symptome der Krankheit Patriarchat. Natürlich ist ein Incel nicht einfach nur notgeil. Ein Incel hat die nackte Angst, keine Familie gründen zu können, womit er von der Gesellschaft ausgeschlossen würde. Sexpüppchen, wie Stoverock es dann als sinnvolle Maßnahme vorschlägt, und denen sie im Literaturverzeichnis erstaunlich viel Raum gibt, werden dieses Problem niemals lösen können! Das Incel-Phänomen ist auch kaum vor dem Hintergrund der erwachenden Sexualität der Frauen zu verstehen, sondern viel mehr vor dem Hintergrund der <strong>Individualisierung in der sog. <a href="https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/risikogesellschaft/4019" target="_blank" rel="noopener">Risikogesellschaft</a> (nach Ulrich Beck)</strong>. Wenn Frauen mobil werden müssen, quasi zu Nomadinnen, um im Beruf Erfolg zu haben, dann funktioniert das Modell Kleinfamilie nicht mehr und dann werden es sich Frauen zweimal überlegen, ob sie das Wagnis des Mangelkonstruktes Kleinfamilie eingehen wollen. Viele Frauen bleiben daher auch kinderlos und partnerlos, aber ohne vergewaltigend und pöbelnd umherzuziehen, wie Stoverock es für die künftigen Männer an die Wand malt.</p>
<h2 id="female-choice-und-matrifokalitaet-nicht-verstanden">Female Choice und Matrifokalität nicht verstanden</h2>
<p>Nachdem Stoverock viele Buchseiten damit zugebracht hat, die Entstehung des Patriarchats in die Zeit der Erfindung der Landwirtschaft zu verlegen, konstatiert sie:</p>
<blockquote><p>&#8222;Der evolutionäre [!] Druck hat auch bei den Menschen vor allem polygyn-monoandrische Systeme hervorgebracht.&#8220;<a href="#_ftn51" name="_ftnref51">[51]</a></p></blockquote>
<p>Es scheint ihr dabei unbekannt, dass polygyn-monoandrische Systeme immer im Patriarchat angesiedelt und nicht evolviert sind. Das Patriarchat gehört nicht in die Altsteinzeit. Unbekannt ist ihr scheinbar auch, dass Menschen nicht viele &#8222;Systeme&#8220;, sondern ein einziges angeborenes Sozialverhalten eigen ist, die Matrifokalität, wie es u.a. Sarah Blaffer Hrdy nachweisen konnte. Schon für die Primaten stellt die berühmte Anthropologin fest:</p>
<blockquote><p>&#8222;Ich gehörte übrigens zu denjenigen, die schon frühzeitig davon überzeugt waren, dass Menschenaffen zur Patrilokalität neigten. Ich änderte meine Meinung im Verlauf der Arbeit an &#8218;Mutter Natur&#8216;.&#8220;<a href="#_ftn52" name="_ftnref52">[52]</a></p></blockquote>
<p>Die Matrifokalität ist Stoverock dennoch durch Twitter bekannt, sie akzeptiert sie auch ausdrücklich, erwähnt sie auch mehrmals im Text, aber ohne diese Inspiration im Text oder Literaturverzeichnis zu würdigen.<a href="#_ftn53" name="_ftnref53">[53]</a> Es ist auch besonders verwerflich, dass sie behauptet, dass es Studien gäbe, die beweisen sollen, dass es die monogyn-monoandrische Lebensweise, also die Ehe, seit gut 10.000 Jahren gäbe, ohne ihre Quellen zu benennen<a href="#_ftn54" name="_ftnref54">[54]</a>. Meiner Erfahrung nach haben die AutorInnen solcher Studien einen extrem engen Blickwinkel, bei dem schon zu Studienbeginn das gewünschte Ergebnis feststeht,<a href="#_ftn55" name="_ftnref55">[55]</a> und sie produzieren häufig ähnliche Sätze wie Stoverock:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Kinder einer Frau stammen oft von unterschiedlichen Vätern, Partnerschaft-auf-zeit ist primäre Beziehungsform. Die menschlichen Körper wurden von der Evolution so konstruiert, dass sie in erster Linie so lange zusammenbleiben, bis die aus der Beziehung resultierenden Kinder selbstständig essen und die nomadisch umherziehende Gruppe aus eigener Kraft begleiten können. Längere Beziehungen sind eher Ausnahme.“<a href="#_ftn56" name="_ftnref56">[56]</a></p></blockquote>
<p>Hier wird er konstruiert: der Vater als Ernährer. Aber Stoverock denkt nicht darüber nach, was z.B. passiert, wenn die Gruppe resp. Sippe weiterzieht. Glaubt sie wirklich, dass das aggressive Sexmonster 9 Monate lang eine Schwangere verfolgt, um dann für das Kind Nahrung zu beschaffen? Das passt weder in ihr Weltbild, noch passt das zu Matrifokalität. Ist es nicht vielmehr so, dass sich Männer für Kinder erst dann wirklich zu interessieren beginnen, wenn die Kinder laufen und sprechen können? Was würde denn passieren, wenn der Vater verunglückt? Sie weiß es nicht. Sie weiß nicht, dass der Vater unter Matrifokalität weder der Ernährer ist, noch überhaupt bekannt ist, dass er einfach nur hinderlich wäre, übrigens auch weil in der Sippe immer mehrere Mütter sind. Wird das Baby geboren, ist er schon lange weg, denn er zieht mit seiner eigenen Sippe weiter. Merkwürdig, dass ihr, der Evolutionsbiologin, das nicht klar ist, besonders wo sie doch den Männern ein überbordendes, aggressives Sexleben andichtet.</p>
<h2 id="geschichtsfeindlichkeit">Geschichtsfeindlichkeit</h2>
<p>In ihrem Kapitel &#8222;Haben und Sein&#8220;<a href="#_ftn57" name="_ftnref57">[57]</a> beschäftigt sich Stoverock nun damit, wie der Mann über seinen Besitz die Frau ans Haus gefesselt habe.</p>
<blockquote><p>&#8222;Der Besitz wird dem Mann zugeordnet. Territorien und die dort vorkommenden Ressourcen sind auch in der Natur eher Männersache.&#8220;<a href="#_ftn58" name="_ftnref58">[58]</a></p></blockquote>
<p>Mit diesem hanebüchenen Biologismus, der jede Arbeitsleistung der Frau der Steinzeit übergeht, braucht sie nicht erwähnen, dass die Matrifokalität keinen Besitz kennt und auch die frühen Sippenhäuser allen gehörten. Ihre Erklärung dafür, wie der Besitz in Männerhand geraten ist: der Wunsch nach Abgrenzung<a href="#_ftn59" name="_ftnref59">[59]</a>. Hier liefert die Patriarchatsforschung jede Menge wirklich Erhellendes, aber das sind ja alles Schmuddelkinder.<br />
Woher sie das Wissen nimmt, dass &#8222;<em>Anführer, die behaupten, von den Göttern direkt in ihr Amt berufen worden zu sein</em>&#8222;, schon &#8222;<em>von Anfang an zu den Begleiterscheinungen sesshafter Gemeinschaften</em>&#8220; gehört haben, erraten wir nicht, sie kann auch nur mit dem bronzezeitlichen, babylonischen König Hammurapi aufwarten. Und doch, Frau Dr. Stoverock! Wir dürfen getrost vergessen, &#8222;<em>dass die alttestamentarischen Erzählungen ihre Anfänge in der mündlichen Folklore haben</em>&#8222;.<a href="#_ftn60" name="_ftnref60">[60]</a><br />
Ihr Ritt durch die Zeiten, mit rasendem Wechsel von Alt- zu Jungsteinzeit, dann nahtlos in die Bronzezeit, Neuzeit und wieder zurück, alles nur &#8222;Details&#8220;. Hier zeigt sich unhistorisches Denken gepaart mit Halbwissen und ein durch und durch patriarchales Weltbild, das im Widerspruch zu allem steht, was wir doch längst besser wissen. Die Krönung ist dann diese Plattitüde:</p>
<blockquote><p>&#8222;Früher ging der Mann jagen, um die Frau zu ernähren, heute geht er halt ins Büro.&#8220;<a href="#_ftn61" name="_ftnref61">[61]</a></p></blockquote>
<p>Aber dann ist für sie die „<em>Spaltung der menschlichen Gemeinschaften in außen und innen nicht weniger als die Geburtsstunde des Androzentrismus, der männlichen Zivilisation.</em>&#8222;<a href="#_ftn62" name="_ftnref62">[62]</a> Oho und Aha! Mit diesem geistvollen Sinnspruch von biblischer Gewalt zeigt sie, dass sie nichts weiß über die Entstehung des Patriarchats im Viehzüchternomadismus und den daraus resultierenden <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung" target="_blank" rel="noopener">Zuchtgedanken mit seinem Sexismus und Rassismus</a>. Und genau DAS ist es, was &#8222;<em>die Völker, die uns Pornografie in der beschriebenen Eindeutigkeit hinterlassen haben</em>&#8220; eint und nicht die &#8222;besitzbasierte Sesshaftigkeit&#8220;<a href="#_ftn63" name="_ftnref63">[63]</a>.</p>
<h2 id="porno-sells-und-der-angebliche-sexuelle-konflikt">Porno sells und der angebliche Sexuelle Konflikt</h2>
<p>Überhaupt Pornografie. Stoverock, die sich als &#8222;sexpositiv&#8220;<a href="#_ftn64" name="_ftnref64">[64]</a> bezeichnet, liebt die Pornografie, wir ahnten es schon. Was wurde in den letzten Jahrzehnten nicht alles geschrieben, um zu den Leuten verständlich zu machen, dass Pornografie Frauen, ja allen Menschen erheblichen Schaden zufügt! Es scheint, als würden all diese Feministinnen gegen Wände geredet haben, wenn Stoverock so etwas schreibt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Doch schaut man genauer hin, zeigt die Mainstream-Pornografie jedoch mehr. Die Frau steht dem Mann in der Pornografie uneingeschränkt zur Verfügung, das ist wahr, doch willenlos ist sie keineswegs. Sowohl in antiken als auch modernen Darstellungen verhält sich die Frau lüstern, sie begegnet dem Mann mit offenen Armen und erwidert seine Annäherung. … Im Grunde simuliert er die freie Partnerwahl einer Frau, wie sie in der <em>Female Choice</em> gegeben ist. Erotische Darstellungen vor allem des Mainstreams zeigen einen Akt, an dem sich die Frau freiwillig und mit Genuss beteiligt (im Fetischbereich sind natürlich auch andere Spielarten möglich). … In dem Ideal offenbart sich tiefste und persönliche Sehnsucht, die der Sexuelle Konflikt seit Millionen von Jahren beiden Männern hinterlassen hat: Eine Frau, die ihn und seinen Penis von ganzem Herzen begehrt, und bei der er keine Angst vor Zurückweisung haben muss. …&#8220;<a href="#_ftn65" name="_ftnref65">[65]</a></p></blockquote>
<p>Welche jetzt noch nicht heult, dürfte spätestens jetzt dazu genötigt sein:</p>
<blockquote><p>&#8222;Hätte diese Sehnsucht nicht dazu geführt, dass die Männer frauenunterdrückende Strukturen schufen, um mehr Zugang zu Sex zu bekommen – man könnte ihr Mitgefühl entgegenbringen. Kein verächtliches, überhebliches Mitgefühl, sondern ein liebevolles, ebenbürtiges Verständnis, das den Mann als fühlendes, begehrendes Wesen ernstnimmt, dem der Sexuelle Konflikt ebenso übel mitgespielt hat wie der Frau. …&#8220;<a href="#_ftn66" name="_ftnref66">[66]</a>.</p></blockquote>
<p>NEIN, Frau Dr. Stoverock, das nehme ich Ihnen nicht ab, auch wenn Sie zum Ende noch schreiben, dass die Frau sich angesichts der gefährlichen Folgen der Partnerschaft kein Mitleid leisten könne<a href="#_ftn67" name="_ftnref67">[67]</a>.<br />
Der Sexuelle Konflikt ist unter Biologen <em>en vogue</em>, da sind noch Meriten zu verdienen, und dieses Buch ist Stoverocks Beitrag:</p>
<blockquote><p>&#8222;Unsere zentrale These lautet, dass wesentliche Strukturen der männlichen Zivilisation dazu dienten, die Folgen der unterschiedlichen Reproduktionsstrategien der Geschlechter abzufangen. Zu diesen Folgen gehört der Sexuelle Konflikt aus einander gegenläufigen sexuellen Bedürfnissen, aber auch das Paarungssystem der <em>Female Choice</em>, in dem die Frau den Zugang zu Sex für Männer regelt.&#8220;<a href="#_ftn68" name="_ftnref68">[68]</a></p></blockquote>
<p>In der Natur war der angebliche Sexuelle Konflikt nie ein Problem, die Female Choice wurde zum Problem für Männer, als sie mit Gewalt Frauen unterwarfen. Die Sesshaftigkeit trifft so wenig Schuld, wie eine Frau, die vergewaltigt wurde. Die Theorie des Sexuellen Konflikts, die alles, was die Female Choice betrifft, problematisiert, sogar bis in die Cryptic Female Choice hinein, ist ein Irrweg wie auch Freuds Ödipus-Komplex und Penisneid. Der &#8222;Konflikt&#8220; ist identisch mit dem Problem, das Patriarchen mit der Female Choice haben, und ein moralisierender Begriff, der bei der Betrachtung der Evolution nichts verloren hat und in den Biologismus führt. Er ist auch identisch mit dem Widerstreit des Patriarchats mit der <strong>Matrifokalität, die sexuelle Konflikte sozusagen aufs Genialste verhindert hat.</strong> In Bezug auf den Menschen (und Primaten) wird er aber immer wieder beschworen, um die menschliche Monogamie, die die Female Choice unterdrückt, als evolvierten Schutz der Frauen und Kinder vor Vergewaltigung und Infantizid hinzustellen.<a href="#_ftn69" name="_ftnref69">[69]</a> Kein Wunder, dass Stoverock mit der Female Choice das Ende der Zivilisation nahen sieht, wie es schon der Buchtitel andeutet, bei dem optimistische LeserInnen zunächst glauben könnten, es sei das Ende des Patriarchats gemeint.</p>
<h2>Incels, das Schreckgespenst der Evolution?</h2>
<p>Im letzten Drittel des Buches widmet sich Stoverock nun ganz ihren Schützlingen, den Incels. Sie beschreibt sehr detailliert die Amokläufe in den USA, und besonders den von Elliot Rodger. Dazu erzählt sie, wie sich Incels im Netz zusammenrotten und radikalisieren. Auch das möchte sie erklären:</p>
<blockquote><p>&#8222;Erinnern wir uns an die Maslowsche Bedürfnispyramide. Die bloße Existenz von gewaltbereiten Incels und das gleichzeitige Fehlen eines weiblichen Äquivalents zeigt, dass das Bedürfnis nach Sexualität für Männer deutlich weiter unten in der Pyramide steht, und seine Erfüllung damit eine wesentlich höhere Priorität hat als für Frauen. Je dringlicher ein Bedürfnis ist, desto verzweifelter und aggressiver kämpft der Mensch um seine Erfüllung. Es käme daher einer groben Fahrlässigkeit gleich, diese Gruppe nicht besonders im Auge zu behalten.&#8220;<a href="#_ftn70" name="#_ftnref70">[70]</a></p></blockquote>
<p>Erinnern wir uns auch daran, dass die Maslowsche Bedürfnispyramide die Bedürfnisse des patriarchalen Mannes abbildet und Stoverock das nicht bemerkt hat. Männer können keine Kinder kriegen, sie müssen im Patriarchat eine Frau festsetzen, um sich überhaupt um Kinder kümmern zu können. Es droht ihnen die Einsamkeit im Alter, aber auch geringerer sozialer Status, der sich durchaus in barer Münze bemerkbar macht. Während nämlich das Gehalt von Müttern ins Bodenlose sinkt, verdienen Familienväter mehr als kinderlose Männer. In den USA ist diese Diskrepanz übrigens besonders deutlich.<a href="#_ftn71" name="_ftnref71">[71]</a> Dass Kinder einen Mann arm machen, Sex mit einer Frau daher &#8222;zu einer wirtschaftlichen Gefahr&#8220; werde, wie Stoverock es ja auch behauptet hat<a href="#_ftn72" name="_ftnref72">[72]</a>, stimmt also nur teilweise. Tatsächlich haben schon die frühen Patriarchen erkannt, dass Kinder billige Arbeitskräfte sind, die, ordentlich erzogen die Zukunft so gestalten, wie es sich der Vater wünscht. Sie verleihen ihm Macht, er kann seine Frau über sie erpressen und er spart sich das Geld für eine Dienerin und Prostituierte. Eine Ehefrau, würde sie anständig bezahlt, wäre so teuer, dass ein normaler Mann sie sich nicht leisten könnte.<br />
Stoverock kennt sich gut aus in der &#8222;Manosphere&#8220; und bescheinigt ihr &#8222;<em>erstaunliches Wissen über die evolutionsbiologischen Grundlagen der Geschlechterbeziehung</em>&#8222;<a href="#_ftn73" name="_ftnref73">[73].</a> Wenn es dieses Wissen ist, das sie in diesem Buch zum Besten gibt, ist alles klar! Hier liegt das Problem des Buches nun offen zutage; ihre Inspiration holt sie sich bei den Misogynisten, und sie gibt es auch zu:</p>
<blockquote><p>&#8222;Stimmen, die sich um die Einbettung der physischen Prozesse in die Kultur bemühen, gibt es nur wenige. Eine von ihnen gehört dem kanadischen Psychologen Jordan Peterson. Er hat erkannt, dass unsere Zivilisation nur unter Abschaffung von evolutionsbiologischen Mustern möglich war.&#8220;<a href="#_ftn74" name="_ftnref74">[74]</a><br />
&#8222;Er weist darauf hin, dass die Menschheit am Anfang ihrer sesshaften Lebensweise die Incels nur über die sozial erzwungene Monogynie in den Griff bekommen hat, und dass also ein Aufweichen dieser Monogynie einem Angriff auf die Zivilisation gleichkommt.“<a href="#_ftn75" name="_ftnref75">[75]</a></p></blockquote>
<p>Ja, Frau Dr. Stoverock, ich &#8222;atme scharf ein&#8220; und zwar mehrfach, da hilft Ihnen auch nicht Ihre Immunisierungsstrategie<a href="#_ftn76" name="_ftnref76">[76]</a>. Und zwar aus zwei Gründen:</p>
<p>1. Der Satz suggeriert, dass Jordan Peterson der Begründer der Patriarchatsforschung sei. Das ist falsch. Es war Dr. Gerhard Bott, den ich oben bereits erwähnte, der erstmals den Zusammenhang zwischen der Patriarchalisierung und der Aushebelung der Female Choice erkannte. Er berief sich dabei auf die Arbeiten von Meredith M. Small und Gerda Lerner.<a href="#_ftn77" name="_ftnref77">[77]</a><br />
2. Jordan Peterson ist ein Antifeminist, der mit Aussagen wie &#8222;<em>You know you can say, ‘Well isn’t it unfortunate that chaos is represented by the feminine’ — well, it might be unfortunate, but it doesn’t matter because that is how it’s represented. It’s been represented like that forever. And there are reasons for it. You can’t change it. It’s not possible. This is underneath everything. If you change those basic categories, people wouldn’t be human anymore. They’d be something else. They’d be transhuman or something. We wouldn’t be able to talk to these new creatures</em>“ bei den organisierten Incels punktet. Eines seiner Bücher trägt den Untertitel “An Antidote to Chaos”.<a href="#_ftn78" name="_ftnref78">[78]</a></p>
<p>&#8222;Chaos&#8220;, das ist das Wort, das Erzkonservative immer in den Mund nehmen, wenn sie Gegner diskreditieren wollen. Auch Donald Trump verwendete es inflationär und produzierte doch selbst das allergrößte Chaos. Aber tatsächlich fallen WählerInnen (und auch LeserInnen) immer wieder auf das Geschäft mit der Angst herein. Und in diese Kerbe haut auch Stoverock:</p>
<blockquote><p>&#8222;Und da die Kontrolle der &#8218;Ressource Frau&#8216; durch die Männer nicht die Folge der Kultur war, sondern der erste, sie begründende Schritt, können die Maßnahmen nicht einfach rückgängig gemacht werden.&#8220;<a href="#_ftn79" name="_ftnref79">[79]</a></p></blockquote>
<p>Damit beweist sie auch einmal mehr ihre weitreichende Unbildung. Schon Tiere haben nämlich Kultur und die menschliche Zivilisation gab es schon lange ehe das Patriarchat über die Menschheit hereinbrach.</p>
<p>Ihr Manifest lautet konsequent:</p>
<blockquote><p>&#8222;Wir müssen das Gute aus dem Nomadenleben mit dem Guten aus der Sesshaftigkeit verbinden. Und weil allein die Größe dieser Aufgabe Kopfschmerzen bereitet, beginnen wir im Kleinen, dort, wo jeder Mensch in seinem Leben etwas verändern kann, und vergrößern die Idee so lange, bis wir am Ende vor einer neuen Weltordnung stehen.&#8220;<a href="#_ftn80" name="_ftnref80">[80]</a></p></blockquote>
<p>Wir können den Anfang wie folgt abändern, denn das ist es, was sie in Wahrheit sagen will, hat sie doch seitenweise den &#8222;Nachweis&#8220; geführt: Wir sollen das Gute aus dem Nomadenleben mit dem angeblich Guten aus dem Patriarchat verbinden. Wie naiv das ist, zeigt der aktuelle Backlash. Es gibt nicht &#8222;ein bisschen Patriarchat&#8220;. Das Patriarchat wird sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen, solange das Vaterrecht nicht durchschaut und abgeschafft ist. DAS ist das Problem vor dem wir stehen … aber auch die Mauer hat nicht ewig gestanden. Jedoch, das Patriarchat ist eine &#8222;etwas&#8220; härtere Nuss, so dass noch sehr viel Wasser den Rhein herunterfließen wird. Würden die Männer erkennen, wie sehr sie sich selbst schaden, dann wäre viel gewonnen. Aber dieses Buch klärt nicht darüber auf, sondern tut das genaue Gegenteil.</p>
<h2>Scheinfeminismus und Prostitutionsverherrlichung</h2>
<p>Dr. Meike Stoverock ist keine Feministin. Die sexuelle Freiheit der Frau, die Female Choice, und damit die Freiheit überhaupt, ist ihr so zuwider, dass sie sie weiter eingeschränkt sehen will. Das äußert sich auch in ihrem Loblied auf die Pille, auch wenn sie deren Risiken und die Folgen für die Female Choice kennt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschen erfahren Frauen so etwas wie echte Freiheit. Die Freiheit über das Treiben in ihren Eierstöcken bestimmen zu können. … Die selbstgewählte Kinderlosigkeit versetzt Frauen in die Lage, Berufe zu ergreifen, sich zu bilden, zu reisen und ihre Sexualität zu entdecken.&#8220;<a href="#_ftn81" name="_ftnref81">[81]</a></p></blockquote>
<p>Das ist aber nur die halbe Wahrheit: Ausgerechnet Letzteres ist durch die Pille stark eingeschränkt und immer weniger Frauen nehmen die Pille, weil sie die schädlichen Effekte nicht mehr tragen wollen und zudem erkannt haben, dass sie nur eine Scheinfreiheit gewährt, verfügbar macht und obendrein Einsamkeit beschert, genau das, wovor männliche Incels in Wahrheit Angst haben! In den Entwicklungsländern ist die Pille eine echte SOS-Maßnahme, aber als Lifestyle-Produkt taugt sie gar nichts. Im Übrigen bedeutet Female Choice auch, sich einem Partner zu verweigern.<br />
Ein Feminismus, der die Kraft der Female Choice diskreditiert, nicht den Weg MIT ihr aufzeigt, wie sie Frauen ein freies Leben mit ihrer kompletten positiv erlebten Körperlichkeit ermöglicht, ist nicht für Frauen, sondern gegen sie. Und Stoverock hat noch nicht erkannt, wie sehr der Feminismus vom Patriarchat instrumentalisiert wird, denn sie glaubt, dass er nur vorwärts ginge, &#8222;nie rückwärts&#8220;.<a href="#_ftn82" name="_ftnref82">[82]</a> Sie selbst liefert mit ihrem Buch das beste Beispiel für einen echten Rückschritt. Der Schlüssel zur Lösung ist mit der Female Choice längst gefunden, aber sie schmiert nun Klebstoff ins Schlüsselloch.</p>
<p>Sex für alle, das ist Stoverocks Forderung,<a href="#_ftn83" name="_ftnref83">[83]</a> und ihr Respekt vor der Pornografie ist bemerkenswert. Und damit alle zu ihrem angeblichen Recht kommen, präsentiert sie den ganzen Katalog patriarchaler Sexfürsorge.</p>
<blockquote><p>&#8222;Prostitution kann gerade jenen Teil der männlichen Sexualität abfangen, der sonst unkontrolliert und potentiell gefährlich in die Gesellschaft sickern würde: die nicht gesellschaftskonformen Neigungen, den Triebstau bei Unterversorgung.&#8220;<a href="#_ftn84" name="_ftnref84">[84]</a></p></blockquote>
<p>Ihr wesentliches Argument gegen ein Prostitutionsverbot ist:</p>
<blockquote><p>&#8222;Interessanterweise gehören Länder mit striktem Prostitutionsverbot zu denen mit den höchsten Vergewaltigungsfällen in Europa.&#8220;<a href="#_ftn85" name="_ftnref85">[85]</a></p></blockquote>
<p>Dieser perfide Mythos wurde von TERRE DE FEMME und der Aussteigerin Huschke Mau längst entlarvt.<a href="#_ftn86" name="_ftnref86">[86]</a> Tatsächlich sind es die Prostituierten, die dann stellvertretend vergewaltigt werden; Prostitution ist keine Female Choice! Und daher gibt es auch keine &#8222;anständigen&#8220; Freier, wie Stoverock behauptet.<a href="#_ftn87" name="_ftnref87">[87]</a> Stoverock glaubt auch fest daran, dass Prostitution eine &#8222;wirksame Incel-Prophylaxe&#8220;<a href="#_ftn88" name="_ftnref88">[88]</a> sei. Dann ich frage mich aber, warum es die organisierten, aggressiven Incels jetzt schon gibt, obwohl die Prostitution noch überall blüht.<br />
Zwar kennt sie die Kritik ganz genau, wischt sie aber vom Tisch:</p>
<blockquote><p>&#8222;Eine Korrelation gibt es, auch eine unmittelbare Wirkung, beides ist nicht zu leugnen. Ob jedoch auch eine persönlichkeitsformende Kausalität besteht und wenn ja, in welche Richtung diese verläuft, kann bisher nicht geklärt werden. Denn es ist sowohl möglich, dass Pornos zu Gewalttaten führen, als auch dass zu Gewalttaten neigende Männer eher zum Porno greifen. Der Beweis eines ursächlichen Zusammenhanges steht bislang noch aus.<a href="#_ftn89" name="_ftnref89">[89]</a>&#8222;</p></blockquote>
<p>Das ist falsch. Wenn wir davon ausgehen, dass die Täter nicht wissen, wie ein Porno entsteht, dann ist Pornogucken wie der Blick in die Zeitung. Konsumenten von Kinderpornos werden aber deshalb bestraft, weil bekannt ist, dass diese Filme Gewalttaten dokumentieren und sie sich deshalb mitschuldig machen. Einen Porno zu schauen ist eine Gewalttat, übrigens auch gegen sich selbst. Konsumenten wissen ganz genau, was sie da sehen! Ebenso sind erwachsene Pornodarstellerinnen nicht einfach nur Schauspielerinnen, sondern sie werden vor der Kamera vergewaltigt, sind allerdings oft auf Droge oder so abgestumpft, dass sie es selbst nicht mehr mitbekommen. Pornos sind keine Female Choice. Es ist auch bekannt, dass schon alltägliche Sexszenen normalen Schauspielerinnen, von denen viele es gar nicht erwarten würden, erhebliche Probleme bereiten.</p>
<p>Und dann die Sexpuppen und all die anderen Produkte, die die Industrie bereithält, es liest sich wie die Hochglanzbroschüre der Pornolobby:</p>
<blockquote><p>&#8222;Aber auch anderen Orts wächst der Markt – wenn auch nicht so schnell, wie er könnte, weil die lebensechten Puppen mit mehreren tausend Euro sehr teuer sind.&#8220;<a href="#_ftn90" name="_ftnref90">[90]</a><br />
&#8222;Heutige Puppen sind lebensgroß, aus weichem Silikon gefertigt, mit Brüsten, die sich wenigstens ein bisschen danach anfühlen, und anatomisch genauen Genitalien. Kunden mit dem nötigen Kleingeld können Größe, Proportionen, Haar- und Hautfarbe ihrer Puppe individuell zusammenstellen. Technologische Weiterentwicklungen geben Puppen sogar Mimik …&#8220;<a href="#_ftn91" name="_ftnref91">[91]</a></p></blockquote>
<p>Ehrlich gesagt, ich will das alles gar nicht so genau wissen. Aber das sollen alles ganz normale Produkte sein, die es schon in der Antike gab<a href="#_ftn92" name="_ftnref92">[92]</a>; Patriarchat mit Patriarchat legitimiert.<br />
Als vorläufigen Höhepunkt ihres geistigen Exzesses, bei dem wir doch uns langsam fragen müssen, ob Stoverock nicht doch eher eine Ghostwriterin ist, lehnt sie sich an den Vorschlag eines Autors an, der &#8222;<em>Ausgleichszahlungen für sexuell unterprivilegierte Männer, die ihnen womöglich helfen könnten, leichter Partnerinnen zu finden</em>&#8220; fordert.<a href="#_ftn93" name="_ftnref93">[93]</a> Das ist schon besonders bizarr angesichts des Kampfes alleinerziehender Mütter um jeden Cent. Dafür hat die Gesellschaft also Geld übrig? Dies alles sind keine innovativen Vorschläge, sondern schlicht eine Aufforderung zum Zurück ins vorletzte Jahrhundert, wo Frauen noch &#8222;eine gute Partie&#8220; machen mussten, und ihre Female Choice keinerlei Rolle spielte.<br />
Im scheinbaren Widerspruch zu ihren Ausführungen schreibt sie aber:</p>
<blockquote><p>&#8222;Wir müssen die Gesellschaft liebevoll auffangen. Müssen das Narrativ ändern von &#8218;Jeder kann Sex haben, wenn …&#8216; zu &#8218;Nicht jeder hat Sex, das ist ganz normal'&#8220;<a href="#_ftn94" name="_ftnref94">[94]</a>.</p></blockquote>
<p>Mit einem solchen Vorschlag kann Stoverock sich nicht freischwimmen, im Gegenteil: Für sie ist die Female Choice ein Narrativ. Und wir wissen wie sie, dass Narrative jederzeit austauschbar und revidierbar sind im Sinne von: Was schert mich mein Geschwätz von gestern? Die Erziehung nur mit Parolen wird nicht nachhaltig sein, denn das grundsätzliche Problem liegt nicht beim Sex, sondern in der im Patriarchat schon mit der Geburt beginnenden Trennung von der Mutter und anderen Bezugspersonen, so dass das Kind keine stabile Bindung aufbauen kann und sein tiefes Bedürfnis nach körperlicher Nähe nicht befriedigt wird. Wir erinnern uns: das Bedürfnis nach Zugehörigkeit ist das am stärksten ausgeprägte. Der folgende lebenslange Durst nach inniger körperlicher Nähe wird mit Sex kompensiert, und bleibt dies aus, mündet er in aggressivem Verhalten.<br />
Dies aber noch zu bedienen, wie Stoverock es fordert, käme einer Gesetzgebung gleich, die es Einbrechern erlaubte, in bestimmte staatlich zur Verfügung gestellte Häuser einzubrechen, damit sie ihren Trieb abreagieren können und andere Häuser verschonen.</p>
<h2 id="zu-guter-letzt">Zu guter Letzt</h2>
<p>Es gibt auch kluge Sätze in diesem Buch, wie ihre Ausführungen zur Abtreibungspolitik oder z.B.:</p>
<blockquote><p>„Tatsächlich aber ist der ganze Schönheitsdruck auf Frauen nur ein kultureller Trick zur Luststeigerung der Männer – im Zweifelsfall geben sie sich auch mit viel weniger zufrieden“<a href="#_ftn95" name="_ftnref95">[95]</a><br />
&#8222;Alles, was die Frau tut, misst sie an den möglichen Folgen für ihr Kind … noch vor ihren eigenen Bedürfnissen.&#8220;<a href="#_ftn96" name="#_ftnref96">[96]</a><br />
&#8222;Sich für die Ehe zu entscheiden, bedeutet, den Ursprung und Zweck der Ehe mitzutragen. Und daran ändert sich auch nichts, wenn Frau und Mann verliebt ineinander sind und sich ohne wirtschaftlichen Zwang zu einer Heirat entschließen.&#8220;<a href="#_ftn97" name="_ftnref97">[97]</a><br />
&#8222;Jemand, dessen Arbeit einen möglichst hohen Geldwert produzieren kann, gilt als wertvoller als jemand, dessen Arbeit nur einen geringen Geldwert erzielt, oder jemand, der gar nicht produziert.&#8220;<a href="#_ftn98" name="_ftnref98">[98]</a></p></blockquote>
<p>Da sehe ich das Potential der Autorin, finde aber im Gegensatz zu ihr, dass es völlig ok ist, wenn uns dieses System „eines Tages um die Ohren fliegt“.<a href="#_ftn99" name="_ftnref99">[99]</a> Aber immer wieder macht sich Stoverock Sorgen, dass der Mann aufhören könnte, an der Zivilisation zu arbeiten:</p>
<blockquote><p>&#8222;Auch wenn es uns nicht schmecken will: Monogynie, also eine Art sexuelle Grundversorgung, macht die vormals 80% potentiell gewaltbereiten Gewalt [sic] neigenden Männer überhaupt erst tauglich für eine dicht beieinander lebende Menschengemeinschaft.&#8220;<a href="#_ftn100" name="_ftnref100">[100]</a></p></blockquote>
<p>Das schmeckt nicht nur nicht, das ist auch blanker Unsinn, toxische Pseudowissenschaft. Und selbst wenn, was nützt uns ein äußerlich braver Mitbürger, wenn er zuhause seine Ehefrau verprügelt und vergewaltigt? Die Risikoabwägung zugunsten einer stereotyp gedachten männlichen Sexualität &#8211; mit in die Halbwelt outgesourcter Gewalt &#8211; führt uns überhaupt nicht weiter, es ist nämlich bereits der Status quo. Vor allem: das Patriarchat selbst ist für die Dichte der Überbevölkerung verantwortlich, die allein durch die Unterdrückung der Female Choice entstand; diese Selbstlegitimation muss endlich erkannt und durchbrochen werden.</p>
<h2 id="nachtrag01">NACHTRAG Aktuelles</h2>
<p>Mit einer neuen genetischen Studie (Pressemitteilung 14. April 2021) bestätigten türkische Forscher nochmals die Matrifokalität jungsteinzeitlicher Siedlungen. <a href="https://www.miragenews.com/ancient-dna-hints-at-diverse-stone-age-543915/" target="_blank" rel="noopener">Zum Artikel im Magazin miragenews.com</a><br />
In Çatal Höyük wurde Matrifokalität nun auch molekulargenetisch nachgewiesen. <a href="https://www.nzz.ch/wissenschaft/catalhoeyuek-und-matriarchat-neue-hinweise-auf-rolle-der-frauen-ld.1895649" target="_blank" rel="noopener">Zum Artikel auf NZZ.ch</a><br />
Die bandkeramische Migration aus dem Karpathenbecken, die eine der frühesten Fluchtbewegungen vor patriarchalen Horden war und die Landwirtschaft nach Mitteleuropa brachte, geschah aus Furcht vor der drohenden Ungleichheit, die Patriarchat genannt werden muss. <a href="https://www.mdr.de/wissen/archaeologie-fruehgeschichte/landwirtschaft-bedeutet-nicht-automatisch-ungleichheit-100.html" target="_blank" rel="noopener">Zum Artikel auf mdr.de</a></p>
<h2 id="literatur">LITERATUR</h2>
<p>&nbsp;</p>
<ul id="liste4">
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere, Berlin 2010</li>
<li>Beck, Ulrich: Risikogesellschaft &#8211; Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt a. M. 1986</li>
<li>Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter. Norderstedt 2009</li>
<li>Bowles, Nellie: Jordan Peterson, Custodian of the Patriarchy. In: New York Times online vom 18.05.2018 <a href="https://www.nytimes.com/2018/05/18/style/jordan-peterson-12-rules-for-life.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.nytimes.com/2018/05/18/style/jordan-peterson-12-rules-for-life.html</a> abgerufen am 26.03.2021</li>
<li>Conley, T. D.: Women, Men, and the Bedroom, 2011, S. 296-300</li>
<li>Diep, Francie: 8,000 Years Ago, 17 Women Reproduced for Every One Man. An analysis of modern DNA uncovers a rough dating scene after the advent of agriculture. Aus: Pacific Standard Online. Original: 17.03.2015. Updated: 14.06.2017 <a href="https://psmag.com/environment/17-to-1-reproductive-success" target="_blank" rel="noopener">https://psmag.com/environment/17-to-1-reproductive-success</a> abgerufen am 26.03.2021</li>
<li>Duffy, Paul R. <em>et al.</em>: Five thousand years of inequality in the Carpathian Basin. In: Science Advances<br />
06.08.2025, Vol 11, Issue 32 <a href="https://doi.org/10.1126/sciadv.adu0323" target="_blank" rel="noopener">DOI: 10.1126/sciadv.adu0323</a></li>
<li>Duwe, Rona: Mutterwut Muttermut. Fundamente und Anstoß für die Revolte der Mütter, Norderstedt 2021</li>
<li>Gimbutas, Marija: Die Zivilisation der Göttin. Frankfurt a.M. 1996 (am. Originalausg. &#8222;The Civilization of the Goddess&#8220; 1991)</li>
<li>Gogolin, Stephanie: <a href="https://marthastochter.wordpress.com/" target="_blank" rel="noopener">https://marthastochter.wordpress.com/</a></li>
<li>Karmin, M. <em>et al.</em>: A recent bottleneck of Y chromosome diversity coincides with a global change in culture. In: Genome Research 2015; 25(4):459-466. doi:10.1101/gr.186684.114<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/" target="_blank" rel="noopener">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/</a> abgerufen: 26.03.2021</li>
<li>Lerner, Gerda: Die Entstehung des Patriarchats. Frankfurt/New York 1991 (am. Originalausg. &#8222;The Creation of Patriarchy&#8220; 1986)</li>
<li>Mau, Huschke: <a href="https://huschkemau.de/" target="_blank" rel="noopener">https://huschkemau.de/</a></li>
<li>MDR 2025: Vor 8.000 Jahren &#8211; Landwirtschaft führte nicht automatisch zu Ungleichheit. Online-Ressource vom 07.08.2025 auf <a href="https://www.mdr.de/wissen/archaeologie-fruehgeschichte/landwirtschaft-bedeutet-nicht-automatisch-ungleichheit-100.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.mdr.de/wissen/archaeologie-fruehgeschichte/landwirtschaft-bedeutet-nicht-automatisch-ungleichheit-100.html</a> abgerufen am 13.08.2025</li>
<li>Die MIAs, Mütterinitiative für Alleinerziehende e.V. i.G. <a href="https://die-mias.de/" target="_blank" rel="noopener"> https://die-mias.de/</a></li>
<li>Schediwy, Dagmar: Was ist dran am Matriarchat in einer der ältesten Siedlungen der Menschheit? Archäologen finden Hinweise, dass Frauen in Çatalhöyük tatsächlich gewisse Vorteile hatten. Online-Ressource auf NZZ vom 31.07.2025: <a href="https://www.nzz.ch/wissenschaft/catalhoeyuek-und-matriarchat-neue-hinweise-auf-rolle-der-frauen-ld.1895649" target="_blank" rel="noopener">https://www.nzz.ch/wissenschaft/catalhoeyuek-und-matriarchat-neue-hinweise-auf-rolle-der-frauen-ld.1895649</a></li>
<li>Small, Meredith M.: Female Choices. Sexual Behavior of Female Primates. Cornell University Press (Oktober 1995)</li>
<li>Stoverock, Meike: Female Choice – Vom Anfang und Ende der menschlichen Zivilisation, Stuttgart 2021</li>
<li>Strauch, Stefanie: Als die Jäger sesshaft wurden. Aus: Wissenschaft.de vom 23.06.2009<a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/als-die-jaeger-sesshaft-wurden/" target="_blank" rel="noopener">https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/als-die-jaeger-sesshaft-wurden/</a> abgerufen am 26.03.2021</li>
<li>Terre de Femme: <a href="https://www.frauenrechte.de/" target="_blank" rel="noopener">https://www.frauenrechte.de/</a></li>
<li>Weingrill,Tony; van Schaik, Carel P.: Sexueller Zwang bei Primaten: Evolutionäre Ursachen und Gegenstrategien der Weibchen. June 2011. Zeitschrift für Sexualforschung 24(02):111-133 <a href="10.1055/s-0031-1271474" target="_blank" rel="noreferrer noopener">DOI: 10.1055/s-0031-1271474</a></li>
<li>WIWO 2014: Wirtschaftswoche online vom 11.09.2014: Väter verdienen mehr, Mütter weniger &#8211; Bekommen US-Familien Kinder, verdienen die Väter sechs Prozent mehr &#8211; und Mütter vier Prozent weniger. Wie kommt diese Ungerechtigkeit zustande?<br />
<a href="https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/kinder-und-karriere-vaeter-verdienen-mehr-muetter-weniger/10685690.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/kinder-und-karriere-vaeter-verdienen-mehr-muetter-weniger/10685690.html</a> abgerufen am 26.03.2021</li>
<li>Zeng, Tian Chen <em>et al.</em>: Cultural hitchhiking and competition between patrilineal kin groups explain the post-Neolithic Y-chromosome bottleneck. In: Nature Communications Volume 9, Article number: 2077 (2018) <a href="https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6" target="_blank" rel="noopener">https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6</a> abgerufen am 26.03.2021</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<p>&nbsp;</p>
<h2 id="anmerkungen">Anmerkungen</h2>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> <a href="https://web.archive.org/web/20201120201128/https:/www.klett-cotta.de/buch/Tropen-Sachbuch/Female_Choice/136739">https://web.archive.org/web/20201120201128/https://www.klett-cotta.de/buch/Tropen-Sachbuch/Female_Choice/136739</a> abgerufen am 14.03.2021</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 130 f</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> &#8222;Incel&#8220; nach Wikipedia: Kofferwort aus <strong><em>in</em></strong><em>voluntary</em>, dem englischen Wort für &#8222;unfreiwillig&#8220;, und <strong><em>cel</em></strong><em>ibate</em>, dem englischen Wort für &#8222;Zölibat&#8220;) bedeutet.</p>
<p><a href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a> Stoverock 2021, S. 132</p>
<p><a href="#_ftnref5" name="_ftn5">[5]</a> Vgl. Gimbutas 1998</p>
<p><a href="#_ftnref6" name="_ftn6">[6]</a> Stoverock 2021, S. 190</p>
<p><a href="#_ftnref7" name="_ftn7">[7]</a> Vgl. Bott, Gerhard: Wo ist der Phallus des Urvaters? <a href="http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/wo-ist-der-phallus-des-urvaters-.html">http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/wo-ist-der-phallus-des-urvaters-.html</a> abgerufen am 14.03.2021</p>
<p><a href="#_ftnref8" name="_ftn8">[8]</a> Vgl. Stoverock, 2021, S. 27</p>
<p><a href="#_ftnref9" name="_ftn9">[9]</a> Vgl. Ebd., S. 16</p>
<p><a href="#_ftnref10" name="_ftn10">[10]</a> Stoverock 2021, S. 16</p>
<p><a href="#_ftnref11" name="_ftn11">[11]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 136</p>
<p><a href="#_ftnref12" name="_ftn12">[12]</a> Vgl. ebd., S. 201</p>
<p><a href="#_ftnref13" name="_ftn13">[13]</a> Vgl. ebd., S. 216</p>
<p><a href="#_ftnref14" name="_ftn14">[14]</a> Stoverock 2021, S. 189</p>
<p><a href="#_ftnref15" name="_ftn15">[15]</a> Patrilokalität. Residenzform, bei der die Ehefrau zum Ehemann und dessen Eltern ziehen muss. In Industriestaaten überwiegt heute die sog. Neolokalität, ebenfalls eine patriarchale Residenzform, bei der die Frau dem Mann dorthin folgt, wo er Arbeit findet, und das ist immer seltener sein Geburtsort.</p>
<p><a href="#_ftnref16" name="_ftn16">[16]</a> Stoverock 2021, S. 134</p>
<p><a href="#_ftnref17" name="_ftn17">[17]</a> Vgl. Strauch 2009</p>
<p><a href="#_ftnref18" name="_ftn18">[18]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 57</p>
<p><a href="#_ftnref19" name="_ftn19">[19]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref20" name="_ftn20">[20]</a> Stoverock 2021, S. 59</p>
<p><a href="#_ftnref21" name="_ftn21">[21]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 234. Eigentlich &#8222;Maslowsche Bedürfnishierarchie&#8220;: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnishierarchie" target="_blank" rel="noopener">https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnishierarchie</a></p>
<p><a href="#_ftnref22" name="_ftn22">[22]</a> Ebd., S. 18</p>
<p><a href="#_ftnref23" name="_ftn23">[23]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref24" name="_ftn24">[24]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 18 ff</p>
<p><a href="#_ftnref25" name="_ftn25">[25]</a> Stoverock 2021, S. 23</p>
<p><a href="#_ftnref26" name="_ftn26">[26]</a> Ebd., S. 93 f</p>
<p><a href="#_ftnref27" name="_ftn27">[27]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref28" name="_ftn28">[28]</a> Ebd., S. 134</p>
<p><a href="#_ftnref29" name="_ftn29">[29]</a> Ebd., S. 92</p>
<p><a href="#_ftnref30" name="_ftn30">[30]</a> Ebd., S. 90</p>
<p><a href="#_ftnref31" name="_ftn31">[31]</a> Ebd., S. 136. Anmerkung: 95/5=19 und nicht 17!</p>
<p><a href="#_ftnref32" name="_ftn32">[32]</a> Vgl. Karmin et al., 2018</p>
<p><a href="#_ftnref33" name="_ftn33">[33]</a> Das Y-Chromosom wird nur über die männliche Linie vererbt, die MtDNA nur über die weibliche Linie, findet sich aber bei Frauen und Männern in den Mitochondrien.</p>
<p><a href="#_ftnref34" name="_ftn34">[34]</a> Vgl. Diep 2015/18</p>
<p><a href="#_ftnref35" name="_ftn35">[35]</a> Zeng et al. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref36" name="_ftn36">[36]</a> Stoverock 2021, S. 133 f</p>
<p><a href="#_ftnref37" name="_ftn37">[37]</a> Stoverock 2021, S. 136 f</p>
<p><a href="#_ftnref38" name="_ftn38">[38]</a> Zeng <em>et al. </em>2018</p>
<p><a href="#_ftnref39" name="_ftn39">[39]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 23</p>
<p><a href="#_ftnref40" name="_ftn40">[40]</a> Vgl. ebd., S. 90 f</p>
<p><a href="#_ftnref41" name="_ftn41">[41]</a> Stoverock 2021, S. 91</p>
<p><a href="#_ftnref42" name="_ftn42">[42]</a> Ebd., S. 95</p>
<p><a href="#_ftnref43" name="_ftn43">[43]</a> Ebd., S. 108 f</p>
<p><a href="#_ftnref44" name="_ftn44">[44]</a> Ebd., S. 110</p>
<p><a href="#_ftnref45" name="_ftn45">[45]</a> Ebd., 2021, S. 106</p>
<p><a href="#_ftnref46" name="_ftn46">[46]</a> Ebd., S. 106 f</p>
<p><a href="#_ftnref47" name="_ftn47">[47]</a> Siehe hierzu auch Conley 2011</p>
<p><a href="#_ftnref48" name="_ftn48">[48]</a> Stoverock 2021, S. 111</p>
<p><a href="#_ftnref49" name="_ftn49">[49]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref50" name="_ftn50">[50]</a> Ebd., S. 113</p>
<p><a href="#_ftnref51" name="_ftn51">[51]</a> Ebd., S. 115</p>
<p><a href="#_ftnref52" name="_ftn52">[52]</a> Blaffer Hrdy 2010, S. 448, FN 20</p>
<p><a href="#_ftnref53" name="_ftn53">[53]</a> Stoverock 2021, S. 125, S. 145, S. 306</p>
<p><a href="#_ftnref54" name="_ftn54">[54]</a> Ebd., S. 118 f</p>
<p><a href="#_ftnref55" name="_ftn55">[55]</a> Als Beispiel sei ein Aufsatz genannt aus dem &#8222;Spektrum der Wissenschaft&#8220; mit dem Titel &#8222;Stark als Paar“ von Blake Edgar (Heft April 2015), den ich bereits an anderer Stelle als Leserinbrief rezensiert habe, der im Spektrum auch abgedruckt wurde. <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2016/10/14/zum-artikel-stark-als-paar-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-april-2015/" target="_blank" rel="noopener">https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2016/10/14/zum-artikel-stark-als-paar-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-april-2015/</a></p>
<p><a href="#_ftnref56" name="_ftn56">[56]</a> Stoverock 2021, Ebd. S. 128</p>
<p><a href="#_ftnref57" name="_ftn57">[57]</a> Ebd., S. 140</p>
<p><a href="#_ftnref58" name="_ftn58">[58]</a> Ebd., S. 140</p>
<p><a href="#_ftnref59" name="_ftn59">[59]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 139</p>
<p><a href="#_ftnref60" name="_ftn60">[60]</a> Vgl. ebd., S. 173 ff</p>
<p><a href="#_ftnref61" name="_ftn61">[61]</a> Stoverock 2021, S. 143. Vgl. auch S. 328, wo sie behauptet: <em>&#8222;Ein Stück Fleisch ist schwerer zu beschaffen und damit wertvoller als etwa Brennholz. Jäger sind daher wichtiger.&#8220;</em> Hier folgt sie blind der patriarchalen Anthropologie, die die Jagd als Motor der Menschwerdung ansieht.</p>
<p><a href="#_ftnref62" name="_ftn62">[62]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 141</p>
<p><a href="#_ftnref63" name="_ftn63">[63]</a> Vgl. ebd., S. 199</p>
<p><a href="#_ftnref64" name="_ftn64">[64]</a> Vgl. ebd., S. 293</p>
<p><a href="#_ftnref65" name="_ftn65">[65]</a> Stoverock 2021, S. 200</p>
<p><a href="#_ftnref66" name="_ftn66">[66]</a> Ebd., S. 200 f</p>
<p><a href="#_ftnref67" name="_ftn67">[67]</a> Ebd., S. 201 f</p>
<p><a href="#_ftnref68" name="_ftn68">[68]</a> Ebd. S. 218. Der &#8222;<em>Pluralis Majestatis</em>&#8220; an dieser Stelle imitiert wohl den Sprech von wissenschaftlichen Studien, an denen meist mindestens zwei beteiligt sind. Aber sind vielleicht doch mehr als eine AutorIn beteiligt?</p>
<p><a href="#_ftnref69" name="_ftn69">[69]</a> Zum Beispiel bei Weingrill/van Schaik 2011</p>
<p><a href="#_ftnref70" name="_ftn70">[70]</a> Stoverock 2021, S. 234</p>
<p><a href="#_ftnref71" name="_ftn71">[71]</a> WIWO 2014: Väter verdienen mehr, Mütter weniger &#8211; Bekommen US-Familien Kinder, verdienen die Väter sechs Prozent mehr &#8211; und Mütter vier Prozent weniger. Wie kommt diese Ungerechtigkeit zustande?<br />
<a href="https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/kinder-und-karriere-vaeter-verdienen-mehr-muetter-weniger/10685690.html">https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/kinder-und-karriere-vaeter-verdienen-mehr-muetter-weniger/10685690.html</a> abgerufen am 26.03.2021</p>
<p><a href="#_ftnref72" name="_ftn72">[72]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 162</p>
<p><a href="#_ftnref73" name="_ftn73">[73]</a> Stoverock 2021, S. 235</p>
<p><a href="#_ftnref74" name="_ftn74">[74]</a> Ebd., S. 22</p>
<p><a href="#_ftnref75" name="_ftn75">[75]</a> Ebd., S. 243</p>
<p><a href="#_ftnref76" name="_ftn76">[76]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 22 und S. 243</p>
<p><a href="#_ftnref77" name="_ftn77">[77]</a> Vgl. Bott 2009, Vgl. Small 1995, Vgl. Lerner 1986</p>
<p><a href="#_ftnref78" name="_ftn78">[78]</a> Bowles 2018</p>
<p><a href="#_ftnref79" name="_ftn79">[79]</a> Stoverock 2021, S. 243</p>
<p><a href="#_ftnref80" name="_ftn80">[80]</a> Ebd., S. 262</p>
<p><a href="#_ftnref81" name="_ftn81">[81]</a> Ebd., S. 212</p>
<p><a href="#_ftnref82" name="_ftn82">[82]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 217</p>
<p><a href="#_ftnref83" name="_ftn83">[83]</a> Vgl. ebd., S. 280</p>
<p><a href="#_ftnref84" name="_ftn84">[84]</a> Stoverock 2021, S. 282</p>
<p><a href="#_ftnref85" name="_ftn85">[85]</a> Ebd., S. 283</p>
<p><a href="#_ftnref86" name="_ftn86">[86]</a> Terre de Femme: 7 Mythen der Prostitution: <a href="https://www.frauenrechte.de/rss/380-prostitution/sieben-mythen-der-prostitution/2557-mythos-4-prostitution-verhindert-vergewaltigungen-maenner-brauchen-ein-ventil-fuer-ihre-uellen-beduerfnisse%20abgerufen%20am%2026.03.20121">https://www.frauenrechte.de/rss/380-prostitution/sieben-mythen-der-prostitution/2557-mythos-4-prostitution-verhindert-vergewaltigungen-maenner-brauchen-ein-ventil-fuer-ihre-uellen-beduerfnisse abgerufen am 26.03.20121</a><br />
https://huschkemau.de</p>
<p><a href="#_ftnref87" name="_ftn87">[87]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 283</p>
<p><a href="#_ftnref88" name="_ftn88">[88]</a> Vgl. ebd., S. 284</p>
<p><a href="#_ftnref89" name="_ftn89">[89]</a> Stoverock 2021, S. 288</p>
<p><a href="#_ftnref90" name="_ftn90">[90]</a> Ebd., S. 291</p>
<p><a href="#_ftnref91" name="_ftn91">[91]</a> Ebd., S. 290</p>
<p><a href="#_ftnref92" name="_ftn92">[92]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 289</p>
<p><a href="#_ftnref93" name="_ftn93">[93]</a> Vgl. ebd., S. 280</p>
<p><a href="#_ftnref94" name="_ftn94">[94]</a> Stoverock 2021, S. 274</p>
<p><a href="#_ftnref95" name="_ftn95">[95]</a> Ebd., S. 227</p>
<p><a href="#_ftnref96" name="_ftn96">[96]</a> Ebd., S. 246</p>
<p><a href="#_ftnref97" name="_ftn97">[97]</a> Ebd., S. 299. Analoges auch zur Mitgliedschaft in einer Glaubensgemeinschaft.</p>
<p><a href="#_ftnref98" name="_ftn98">[98]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 144</p>
<p><a href="#_ftnref99" name="_ftn99">[99]</a> Stoverock 2021, S. 23</p>
<p><a href="#_ftnref100" name="_ftn100">[100]</a> Ebd., S. 167</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice">Antwort auf Meike Stoverock s &#8222;Female Choice&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Patriarchat &#8211; Definition, Entstehung, Geschichte und Symptome</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Apr 2021 08:42:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Anthropologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bildquelle: Georg Ferner, Kaiserslautern, Public domain, via Wikimedia Commons Definition Merkmal und Gemeinsamkeit aller Patriarchate ist das Vaterrecht. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gesellschaften in der Ausgestaltung der Gesetze, des...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat">Patriarchat &#8211; Definition, Entstehung, Geschichte und Symptome</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="abb">Bildquelle: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Georg_Ferner_Kaiserslautern_c1895.jpg" target="_blank" rel="noopener">Georg Ferner</a>, Kaiserslautern, Public domain, via Wikimedia Commons</span><br />
<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/d707839ebcad4474913136acac01b862" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h2 id="definition">Definition</h2>
<p><span style="font-size: 30px; font-weight: bold;">M</span>erkmal und Gemeinsamkeit aller Patriarchate ist das Vaterrecht. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gesellschaften in der Ausgestaltung der Gesetze, des Zusammenlebens, der Kultur und des Wirtschaftens.</p>
<p>Wie es der Begriff &#8222;Patriarchat&#8220;, der wörtlich übersetzt &#8222;Herrschaft der Väter&#8220; bedeutet, bereits anklingen lässt, haben wir es einerseits mit Herrschern und Beherrschten zu tun, mit Unterdrückern und Unterdrückten, Tätern und Opfern. Andererseits stehen nicht Männer im Fokus, sondern explizit Väter.<br />
Ein Mann, der einer Familie aus einer oder mehreren Ehefrauen und deren ehelichen Kindern vorsteht bzw. über sie als sein Eigentum bestimmt, wird als Patriarch bezeichnet. Daher kommt es verbreitet zu der Ansicht, dass wir in Europa nicht mehr im Patriarchat leben. <a href="https://www.christel-goettert-verlag.de/produkt/sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt/" target="_blank" rel="noopener">In Deutschland gibt es jedoch ein dezidiertes Vaterrecht, das im Grundgesetz verankert ist.</a> Ehe und Familie, also die Orte der Ausübung des Vaterrechts, sind sogar besonders geschützt.<br />
Das Patriarchat wird weltweit sowohl gewaltsam als auch mit rechtsstaatlichen Mitteln, den <strong>Gewalten</strong>, aufrecht erhalten (siehe <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gewalt-garant-und-symptom-des-patriarchats" target="_blank" rel="noopener">extra Essay</a>).</p>
<h2 id="das-patriarchat-ist-nicht-das-was-die-meisten-glauben">Das Patriarchat ist nicht das, was die meisten glauben</h2>
<p>Das Patriarchat wurde nicht geschaffen, um Männer von Care-Arbeit (Kinder- und Angehörigen-Pflege und Hausarbeit) zu befreien und auch nicht, um Väter in die Care-Arbeit einzubeziehen. Die Care-Arbeit hat erstaunlich wenig mit dem Patriarchat zu tun, außer dass sie nicht bezahlt wird und die Mutter keine Unterstützung ihrer mütterlichen Ursprungssippe erwarten kann. Daher ist das Patriarchat auch nicht zu Ende, wie es heute oft behauptet wird, <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2019/01/21/gar-nicht-einfach-die-vaterschaft-als-erklaerung-fuer-alle-menschengemachten-probleme/" target="_blank" rel="noopener"> es verschärft sich im Gegenteil immer weiter</a>.<br />
Warum also herrschen Väter, und warum hören sie nicht einfach auf damit, obwohl es bei Männern wie Frauen und auf unserem Planeten großen Schaden anrichtet? Warum sind Frauen weiter benachteiligt, auch wenn sie als emanzipiert gelten?</p>
<h2 id="entfuehrungsverbrechen-patriarchat-geschichte">Das Patriarchat ist NICHT unser angeborenes Sozialverhalten, sondern ein Entführungsverbrechen &#8211; Entstehung und Geschichte</h2>
<p>Das Patriarchat ist nicht natürlich, <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">sondern es entstand gewaltsam</a>, speziell mit <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" target="_blank" rel="noopener">Entführungen bzw. Frauenraub</a>, begleitet von Vergewaltigungen und Bestrafung von Frauen und Mädchen, aber auch der Ermordung aller nicht patriarchalen Männer, die das zu verhindern suchten. Ziel der Täter war die Sicherstellung der <strong> genetischen Vaterschaft</strong> zur Ausübung der <strong>sozialen Vaterschaft</strong>, was nur mit Kontrolle der weiblichen Sexualität und der unter diesen Bedingungen gezeugten Kinder möglich war und ist. Dabei ging es von Beginn an nicht um die Wahrnehmung fürsorglicher Aufgaben, sondern um Machtausübung. Aufgrund der Betonung des Wertes der väterlichen Gene wohnt dem Patriarchat nicht nur untrennbar der Sexismus, sondern auch der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung" target="_blank" rel="noopener">Rassismus</a> inne. Sexismus ist dabei die Basis des Rassismus.</p>
<p>Vor der Entstehung des Patriarchats wohnten Kinder nicht bei ihrem Vater, weil er aufgrund der <a href="https://www.amazon.de/Mütter-Andere-Evolution-sozialen-gemacht/dp/3827008859" target="_blank" rel="noopener">matrifokalen Sozialstruktur von <i>Homo sapiens</i></a> unbekannt war.</p>
<p>Die ersten Patriarchen postulierten die Vaterschaft als ihr Recht und erhoben das <strong>Vaterrecht</strong> zum allein gültigen Recht, womit sich das Patriarchat in den Folgegenerationen normalisierte, verselbständigte und tradierte.<br />
Die Kontrolle dieses Rechtes kann nur unter <strong>Patrilokalität</strong> ausgeübt werden, d.h. die Kinder und die Mutter werden gezwungen, beim Vater zu wohnen und gehören ihm auch. Es etablierten sich entsprechende Gesetze und Werte unter einer männerzentrierten Religion. Bis heute führt ein Ehemann sprichwörtlich seine frischgebackene Ehefrau &#8222;heim&#8220;. Darin ist der Ursprung in den initialen Entführungen erkennbar.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Frauenraub: Raub der Sabinerinnen. Albrecht Dürer, 1495, Tusche auf Karton" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/sabinerinnen.jpg?resize=300%2C210&#038;ssl=1" alt="Frauenraub - Raub der Sabinerinnen - Albrecht Dürer" width="300" height="210" /><br />
<span class="abb">Bild: Frauenraub: Raub der Sabinerinnen. Albrecht Dürer, 1495, Tusche auf Karton</span></p>
<h2 id="symptome">Symptome</h2>
<p>Wenn die Flucht aus dem Gefängnis der <strong>Patrilokalität</strong> nicht gelang, war Kooperation die Überlebensstrategie der ersten Opfer, also der Frauen. Über sie kam es zur Mitopferschaft der Töchter und Söhne. Alle weiteren Nachkommen unterlagen dieser Dynamik und wurden Opfer und Täter zugleich. Dies führte schließlich zum Vergessen des Urverbrechens. Dabei wurde die von <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gewalt-garant-und-symptom-des-patriarchats" target="_blank" rel="noopener">Gewalt und tiefsitzenden Ängsten</a> geprägte <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann" target="_blank" rel="noopener">Gesellschaft</a> aufgebaut, die die Menschheit in Klassen einteilt. <strong>Kriege</strong> um Land, Wasser, <strong>Ideologien</strong> bzw. <strong>Religionen</strong> finden nun statt. <strong>Überbevölkerung</strong> und <strong>Elend</strong> gehören dazu wie auch <strong>Epidemien</strong>. <strong>Versklavung</strong> findet ihren ersten Ausdruck in der <strong>Unterdrückung der Frau</strong> und weitet sich über <strong>unterworfene Völker</strong> aus.<br />
<strong>Sexismus </strong>und darauf auch <strong>Rassismus, Ableismus</strong> und <strong>Homophobie</strong> haben ihren Ursprung im <strong>Zuchtgedanken</strong>, der aus der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung" target="_blank" rel="noopener"><strong>Viehzucht</strong></a> entsprang. <strong>Misogynie</strong> und <strong>häusliche Gewalt</strong> wurzeln im Anspruch, dass die Frau und Mutter dem Wohl des Mannes und Vaters stets zu dienen habe. Auch die Kinder müssen sich dem Anspruch unterwerfen, ihm nur Freude zu bereiten, daraus resultiert <strong>Kinderfeindlichkeit und Gewalt jeder Art gegen Kinder</strong>. An die Stelle der bedingungslosen Liebe sind die brüchige <strong>Solidarität</strong> und die erpresserische <strong>Loyalität</strong> (frz. <em>loi</em> = Gesetz) getreten: Weder Eltern noch Kinder können für sich beanspruchen, bedingungslos zu lieben. Die Urbedingung ist genetische väterliche Abstammung, alle weiteren ergeben sich aus der Erpressungssituation heraus.<br />
Das psychologische Phänomen des <b>Stockholm-Syndroms</b>, das bei Entführungsopfern regelmäßig auftritt und zur Kooperation mit dem Täter führt, ist die &#8222;rätselhafte&#8220; Ursache für die Kooperation auch der Frauen mit dem Patriarchat und für seine Tradition. (Link 1: nach Stephanie Gogolin &#8211; <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 1</a>, Link 2: nach Stephanie Gogolin &#8211; <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/10/13/das-patriarchale-stockholm-syndrom-teil-ii/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 2</a>), Link 3: nach Stephanie Gogolin &#8211; <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2020/01/18/das-patriarchale-stockholm-syndrom-teil-iii/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 3</a>, Link 4: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html" target="_blank" rel="noopener">Peer-reviewte Studie aus HUMAN NATURE</a>, Link 5: <a href="https://www.researchgate.net/publication/267777559_Fitness_Costs_of_Warfare_for_Women" target="_blank" rel="noopener">Original-Studie zum Download</a>, Link 6: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Begriff bei Wikipedia</a>)</p>
<p>Erst seit Beginn des Patriarchats werden Menschen auch nach ihrem Vater gefragt, denn sein Bekanntsein verschaffte nun einem Menschen Ansehen und meist auch <strong>Erbrechte</strong>. Lange war ein uneheliches Kind rechtlos. Dadurch entstand ein gefühltes Recht des Kindes, seinen Vater zu kennen. Ansehen und meist auch Wohlstand ziehen patriarchalisierte Menschen aus ihrer <strong>Patrilinearität</strong>, d.h. sie können sich auf einen <strong>Stammvater</strong> der <strong>Familie</strong> zurückführen, dessen Nachnamen sie tragen und dessen <strong>Lebenswerk</strong> sie oft fortführen.<br />
Der Nachname der Mutter wird nur selten als Doppelname vererbt, verschwindet aber spätestens in der nächsten Generation.<br />
Erst die Befreiung der Mütter aus dem Gefängnis der <strong>Ehe</strong> holte das gefühlte Recht des Mannes, seine genetischen Kinder kennen und erziehen zu dürfen, wieder an die Oberfläche, denn ein Mann ohne Kinder kann seine väterliche Linie nicht fortführen, verliert dadurch Einfluss auf die nächste Generation und läuft Gefahr, spätestens im Alter ohne Angehörige zu sein, die ihn versorgen. Vaterrechtler setzten daher durch, dass das <strong>Recht des Kindes auf Kenntnis des Vaters</strong> auch gesetzlich verankert ist.<br />
Beide Rechte, das des Kindes und das des Vaters auf gegenseitige Kenntnis, bestärken sich nun gegenseitig, und nehmen die sich trennende Mutter in wieder <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Geiselhaft</strong></a>. Das Patriarchat ist bis heute ein <b>Entführungsverbrechen</b>.</p>
<p>Das Patriarchat wäre nicht existent, zögen Männer keine Vorteile aus ihrer Vaterschaft. Mit Beginn des Patriarchats waren das rein wirtschaftliche Vorteile. Das zugehörige System heißt <strong>Kapitalismus</strong>, ein Name, der seinen Ursprung in der Viehzucht verrät, mit der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">die ersten Patriarchate</a> errichtet wurden.<br />
Das lateinische Wort &#8222;caput&#8220;, von dem sich das &#8222;Kapital&#8220; ableitet, bedeutet &#8222;Kopf&#8220;, gemeint ist die Zahl der Tierköpfe und der Köpfe, über die ein Patriarch herrscht.<br />
Die polytheistischen Religionen der Antike und die abrahamitischen Weltreligionen sind <strong>Viehzüchter-Religionen</strong> mit Göttern in Stiergestalt (oder andere männliche Nutztiere außer dem Schwein) oder in späteren Stadien alleinherrschende Götter, die zunehmend keine anderen neben sich dulden, und schließlich als Hirte und/oder Töter von Drachen, Kindern und Ungläubigen auftreten.<br />
Das erste Paar der Götterwelt ist noch eine Muttergöttin, All-Göttin oder Große Göttin mit ihrem <strong>Sohngeliebten (resp. Vegetationsgott)</strong>, mit dem sich jeder Patriarch identifizierte, bis sie zur Tochter eines <strong>Wettergottes</strong> oder <strong>Mondgottes</strong> degradiert wird. Auch im Buddhismus, Hinduismus und Shintoismus sind <strong>Muttermord</strong>, <strong>Gebärneid</strong>, <strong>Stillneid, Menstruationsneid</strong> und <strong>Dämonisierung der Frau</strong> verschlüsselt und ritualisiert, während die Viehzüchterideologie zu einer rigiden <strong>Menschenzucht-Ideologie</strong> mit noch strengerer Reglementierung der weiblichen Sexualität umgewandelt wurde. Ersatzreligionen wie die Transideologie tragen ihren Hass auf Frauen und ihren Neid offen zur Schau. Eine pragmatische Haltung zur Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele sowie <strong>Missionierung </strong>und <strong>Indokrinierung</strong> gehört zu allen patriarchalen Religionen wie auch Ideologien.</p>
<p>In der sog. <a href="https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/risikogesellschaft/4019" target="_blank" rel="noopener">Risikogesellschaft</a> (nach U. Beck), wie wir sie heute leben, in der Frauen scheinbar unabhängig werden können und damit die Familie aus Sicht der Männer in Gefahr gerät, besteht der Vorteil der Vaterschaft für Männer darin, in Unabhängigkeit von einer Frau und Mutter nicht Gefahr zu laufen, alleine zu bleiben.</p>
<p>Die Erfahrungswerte und Zahlen über die Lage der Mädchen und Frauen, Mütter und Kinder, speziell auch der alleinerziehenden Mütter in unserer Gesellschaft, werden vor diesem Hintergrund fassbar und als Symptom unseres Patriarchats begreifbar.</p>
<h2 id="matrifokalitaet-ist-unser-angeborenes-sozialverhalten">Matrifokalität ist unser angeborenes Sozialverhalten</h2>
<p>Angeboren ist uns jedoch ein <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt" target="_blank" rel="noopener">matrifokales Sozialverhalten</a> in <b>Matrilokalität</b> und <b>Matrilinearität</b>. Das Naturgesetz, das in der Evolution auf das Wohl des Nachwuchses und seiner Mütter ausgerichtet ist, wird im Patriarchat ausgehebelt und der Sozialverband auf <strong>das Wohl des Vaters</strong> ausgerichtet.<br />
Die angeborene Matrifokalität arbeitet im Untergrund weiter, so dass es einerseits zu Inkompatibilitäten kommt, z.B. dem <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/29/die-schwiegermutter-neues-zur-grossmutterhypothese/" target="_blank" rel="noopener">Schwiegermutterkonflikt</a>, andererseits <a href="https://wp.me/p3b3Fy-Dy" target="_blank" rel="noopener">macht sich das Patriarchat viele matrifokale Eigenschaften zunutze</a>, wie unser existentielles Bedürfnis, in einem Sozialverband zu leben und uns zu kümmern. Das tun wir im Patriarchat, wie unsicher die Familie und andere Konstrukte auch sein mögen.</p>
<h2 id="der-patriarchalisierte-mensch-erforscht-sich-selbst">Der patriarchalisierte Mensch erforscht sich selbst</h2>
<p>Dass nicht die Mütter herrschen, wurde seit Jahrtausenden damit erklärt, dass dies von den Göttern &#8211; und später von dem einen Gott &#8211; gewollt sei. Den angeblichen <strong>Willen der Götter</strong>, verbreitet von angeblich <strong>heiligen Männern</strong>, machten sich die <strong>Gläubigen</strong> zu eigen, entsprach er doch auch der schon länger etablierten Lebenswirklichkeit.<br />
Eine denkbare Gleichheit der Geschlechter kam daher nicht infrage. Sie wurde zwar später an manchen Stellen in den <strong>Heiligen Schriften</strong> postuliert, dies jedoch nur um die Frau an ihren Platz zu verweisen, an dem sie scheinbar gleichberechtigt war, in ihren spezifischen Rechten und <strong>Pflichten</strong> als Ehefrau und Mutter, nicht aber als autonomes Wesen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Der gute Hirte - Kirche Allermöhe" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/guterhirte.jpg?resize=290%2C406&#038;ssl=1" alt="Der gute Hirte - Kirche Allermöhe" width="290" height="406" border="0" /><br />
<span class="abb">Bild: Das verlorene Schaf (Der gute Hirte), Willi Langbein, 1930 (Kirche Allermöhe)</span></p>
<p>Die europäische <strong>Aufklärung</strong> im 18. Jh. führte zu einer Neubewertung der Glaubensvorstellungen, mitausgelöst durch die Verheerungen der <strong>Hexenverfolgung</strong> unter Federführung der Kirchen.<br />
Der beginnende Atheismus, der von patriarchalisch geprägten Denkern getragen wurde, suchte die entstandene Lücke zu schließen und bediente sich der gerade entstandenen Evolutionslehre Darwins. Darwin postulierte für alle Lebewesen einen &#8222;Kampf ums Dasein&#8220;, eine Vorstellung, die von den sog. <strong>Sozialdarwinisten</strong> auf die Beziehung von Mann und Frau angewendet wurde, als sei es ein Naturgesetz, dass es irgendwann keine Frauen mehr gäbe, sondern nur noch Männer. Es wurde also postuliert, dass der Mensch, insbesondere der Mann, von Natur aus gewalttätig sei, und die Frau daher unterlegen sein muss.<br />
Mit dem Glauben an das &#8222;<strong>Recht des Stärkeren</strong>&#8220; wurde das Patriarchat neu legitimiert, das mit der Aufweichung der einst starken Festung des Gott-Vater-Glaubens ins Wanken geraten war. Das Patriarchat wurde und wird seitdem vielfach, wenn nicht als gottgegeben, so doch als naturgegeben vorausgesetzt.</p>
<p>In meinem <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/matrifokal.htm" target="_blank" rel="noopener">Aufsatz zur Geschichte der Erforschung der Matrifokalität</a> auf dieser Homepage habe ich bereits dargestellt, welche Entwicklung sich daran anschloss, die einerseits mit dem Werk des Rechtshistorikers und Kulturanthropologen Johann Jakob Bachofen und andererseits mit den archäologischen Funden <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/venusvomhohlefels.htm" target="_blank" rel="noopener">sogenannter Venus-Figuren</a> aus der Altsteinzeit ausgelöst wurde.</p>
<p>Nach dem Ende des Feminismus alter Prägung widmen sich heute fast alle Fachbereiche unter der Bezeichnung &#8222;Gender Studies&#8220; der Frage, was dem Patriarchat fachspezifisch entgegenzusetzen sei. Mit Ausnahme der Medizin werden evolutionäre, biologische Aspekte stets ausgeklammert und als biologistisch abgewertet. Stattdessen wird versucht, eine Strategie zu entwickeln, wie mittels politischer Meinungsbildung oder Sprache Gleichberechtigung herzustellen sei. In den Naturwissenschaften wird nicht selten versucht, das kulturelle Verhalten weiblicher und männlicher Primaten untereinander und auch mit dem des patriarchalisierten Menschen als gleich darzustellen. Demnach sei alles nur eine Frage von Kultur und nicht von Verbrechen. Auf diese Weise waschen die Gender Studies das Patriarchat rein, und statt es zu beenden, werden Vorlagen geliefert, es weiter zu verschärfen.</p>
<p>Dass es <strong>Monogamie</strong> und <strong>Eheschließung</strong>, also die Familie, schon in der Altsteinzeit gegeben hätte, ist von den Gender Studies nie infrage gestellt worden. Mit dieser Rückdatierung des Patriarchats in die Anfänge der Menschheit waren die Gender Studies für das System interessant geworden, wo zuvor der Feminismus das Patriarchat zurückzudrängen begann. Entsprechend viel Geld wurde in diese Pseudowissenschaft gepumpt.</p>
<p>Die neue Ideologie, die in den Universitäten erdacht wurde, wurde mit dem Amsterdamer Vertrag von 1997/1999 in der EU-Politik als sog. <strong>Gender Mainstreaming</strong> fest verankert. Da die Gender Studies staatlich finanziert sind, war von Beginn an Skepsis angebracht, dass hiermit das Patriarchat zu beenden wäre. Es stellte sich in der Tat heraus, dass das Gender Mainstreaming zum Wohle der Wirtschaft zur Anpassung der Frau an die männliche Lebensweise führte, und Kinder dabei nur als Störfaktor angesehen werden. Als die Frauen in die Arbeitswelt drängten, sanken die Löhne drastisch, so dass heute ein Gehalt allein nicht mehr ausreicht, eine Familie zu ernähren. Mit dem Hinweis auf die Sachzwänge der Globalisierung wird dieser Umstand verschleiert.</p>
<p>Neue Denkanstöße kommen seit einigen Jahren aus der sog. Citizen Science, der unabhängigen Bürgerforschung. Mit der hier angesiedelten <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/brgerinnenwissenschaft-citizen-science-patriarchatsforschung" target="_blank" rel="noopener">kritischen Patriarchatsforschung</a> wurde begonnen, interdisziplinär, unter Einbeziehung der Anthropologie, also der menschlichen Evolution und Biologie, die Entstehung und Aufrechterhaltung des Patriarchats zu untersuchen und zu verstehen. Heute gilt daher die Unterdrückung der sog. <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener"><em>female choice</em></a> als Basis des Patriarchats und als sein einzig sicheres Erkennungszeichen. Es wurde deutlich, dass das besondere, soziale Miteinander des Menschen seine Wurzeln in der matrifokalen, also matrilokalen und matrilinearen SIPPE hat, die vom Patriarchat zerstört wurde, so dass die Mehrheit der Menschen, aber immer noch nicht alle, in patrilinearen Gruppen, den FAMILIEN, patrilokal leben. Es konnte damit nicht nur der Widerspruch aufgelöst werden, dass der Mensch einerseits gewalttätig werden kann und Kriege führt, und andererseits als höchst sozial gilt. Es wurde mit dem Wissen, dass die Mütter aus ihrem urmütterlichen Schutzraum gerissen wurden und den Vätern und deren Familie fortan ausgeliefert waren, erklärbar, warum Frauen und Kinder, letztlich also auch die Männer, im Patriarchat leiden und gleichzeitig, warum ausgerechnet die Religionen dies rechtfertigen.</p>
<h2 id="die-patriarchale-ideologie-gestern-und-heute">Die patriarchale Ideologie gestern und heute</h2>
<p>Das Patriarchat wurde vor <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">ca. 8200 Jahren (Misox-Klimaschwankung)</a> mit der Erfindung des Viehnomadismus in den Steppengebieten errichtet. Die Frau wurde in die Ehe gezwungen und sie hatte ihrem Ehemann vor allem Söhne zu gebären und ihm und seiner Herde zu folgen. Unsere <strong>indoeuropäische Sprache</strong>, die aus der Steppe stammt, ist entsprechend durchsetzt mit Metaphern aus der Tierzucht. Eine Frau, die ihre <em>female choice</em> frei lebt, also selbstgewählte, wechselnde Sexualpartner hat, wird als &#8222;unzüchtig&#8220; (sinngemäß: sich der Zucht entziehend) oder &#8222;zügellos&#8220; bezeichnet. Es handelte sich um eine bis dahin unbekannte Denk- und Lebensweise, in der sich der Mann seiner väterlichen Linie bewusst geworden war (Patrilinearität) und daher die Frauen und Kinder zwang, bei ihm zu wohnen (Patrilokalität). Damit begann er, Menschen wie ein Schöpfergott nach seinem Willen zu züchten.<br />
Bei der Tierzucht passierte der größte Irrtum der Menschheit, nämlich, dass die Frau nur <strong>das Gefäß männlichen Samens</strong> sei. Zu teuer und obendrein meist unwillig war die Frau für den Mann zur Last geworden, Ursache des <strong>tiefen Hasses auf die Frauen</strong>, sowie männlicher Überheblichkeit und des Machtstrebens. Als Ziel des Patriarchats ist in den Heiligen Schriften die <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/petition-gegen-die-sog-kuenstliche-gebaermutter" target="_blank" rel="noopener"><strong>Abschaffung der Mutter</strong></a> erkennbar, deren Metapher &#8222;<strong>Fruchtbarkeitsgöttin</strong>&#8220; sukzessive durch einen allmächtigen, d.h. <strong>unsterblichen, menstruierenden, gebärenden und stillenden Gott</strong> ersetzt wurde.<br />
Dieses Ziel erschien wie oben erwähnt im Sozialdarwinismus neu verpackt wieder an der Oberfläche patriarchalen Denkens. In unserer Zeit wird es durch die <strong>Reproduktionsmedizin</strong> mit Legalisierung der Leihmutterschaft und Eizellspende, der Entwicklung der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter" target="_blank" rel="noopener">sog. künstlichen Gebärmutter</a>, der <a href="https://netzfrauen.org/2015/07/23/nestle-besitzt-patente-auf-muttermilch-und-banken-haben-babynahrung-fuer-sich-entdeckt/" target="_blank" rel="noopener">Patentierung der Muttermilch</a>, der <strong>Fremdbetreuung der Kinder</strong> u.a. vorangetrieben, mitgetragen auch von einem falsch verstandenen Feminismus, der die Frau von dieser vermeintlich lästigen und undankbaren Aufgabe zu befreien sucht.<strong> Dass es das Patriarchat auf die besonders kostbare Fähigkeit der Frau, Mutter zu werden, abgesehen hat, wurde vom Feminismus nicht erkannt und von den Gender Studies ausgeblendet. </strong>Eine Frau, die ihr Frausein über ihre Fähigkeit, Mutter zu werden, definiert, <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/" target="_blank" rel="noopener">wird als biologistisch abgewertet</a>, sind da ja die <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2021/05/11/gegen-selbstbestimmungsgesetz-selfid-und-abschaffung-des-biologischen-geschlechts-fur-korperliche-integritat-aller-menschen-jetzt-handeln-es-eilt/" target="_blank" rel="noopener">Männer, denen das ermöglicht werden soll</a>. Tatsächlich wächst die väterliche Macht auch um so mehr, als die Bindung zum Kind immer enger wird. So begrüßenswert das auf den ersten Blick erscheint, <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener">so fatal wirkt sich das auf die Freiheit der Mutter und ihr Recht am Kinde aus</a>.<br />
Neue Begriffe wie &#8222;Bindungsintoleranz&#8220; (der Mutter unterstellter Versuch, das Kind dem Vater zu entfremden) und &#8222;neurotische Mutter-Kind-Symbiose&#8220; (nach Sigmund Freud) werden als Argumente angeführt, um Müttern das Kind direkt wegnehmen zu können. <a href="https://taz.de/Inobhutnahme-durch-das-Jugendamt/!5599059/" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Inobhutnahme&#8220; ist der euphemistische Begriff für diesen Kinderraub.</a><br />
Wenn eine Mutter ihr Kind dann einfach mitnimmt, ohne den Vater über den Verbleib zu unterrichten, dann gilt das vor dem patriarchalen Gesetz nicht als Befreiung, was es ja eigentlich ist, sondern in Verdrehung der Tatsachen als Entführung.</p>
<p>Die Strategie ist denkbar einfach. Das Kind gilt im Geiste als Besitz des Vaters. Die Mutterschaft wird der Frau unerträglich gemacht, dann von ihr abgelehnt und vom Patriarchat scheinheilig diffamiert. So kann die Mutterschaft der Frau weggenommen werden, um die Supervaterschaft, den Endsieg des Patriarchats, Wirklichkeit werden zu lassen. In den Heiligen Schriften ist dieses Ziel von Gott-Vater längst umgesetzt.</p>
<p>Was will der Patriarch mit dieser Fähigkeit anfangen? Wird sie ihm einst nicht ebenso lästig und unangenehm wie der patriarchalisierten Frau? Mit der Supervaterschaft sucht er Unsterblichkeit, die ihm zur totalen Macht fehlt. Dabei spielt es keine Rolle, wie das Leben der so gezeugten Kinder aussehen wird oder wie sie sich fühlen. Wesentlich wird sein, dass diese Kinder funktionieren und die Macht und den Reichtum des Patriarchen weiter mehren. Während matrifokale Menschen dazu anleiten, was das Kind zum Leben braucht, leitet der Patriarch dazu an, was das Kind braucht, um wie er zu werden. Bedingungslose Liebe ist ihm fremd. Er kompensiert sie mit Materialismus. Nur die Natur kann diesen Machenschaften Grenzen setzen, zerstört er doch zunehmend seine Lebensgrundlage.</p>
<h2 id="schlussbemerkung">Schlussbemerkung</h2>
<p>Erst mit der kritischen Patriarchatsforschung steht nun dieses neue Wissen zur Verfügung, mit dem nicht nur die Gender Studies als patriarchales Instrument entlarvt werden. Sie entzieht sowohl dem antifeministischen Maskulismus als auch den Theologien und dem <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/" target="_blank" rel="noopener">Nazismus</a> den Nährboden. Die Natur stellt sich jetzt nicht mehr als feindliche, zu überwindende &#8222;Barbarei&#8220; dar, sondern als Raum wahrer Gleichberechtigung, den es neu zu entdecken gilt.</p>
<p>Tieferen Einblick und weiterführende Literaturhinweise liefern diese Homepage, mein Blog <strong><a class="textlink" href="http://wahrscheinkontrolle.wordpress.com" target="_blank" rel="noopener">Wahrscheinkontrolle</a></strong> und u.a. meine beiden Bücher</p>
<ul id="liste4">
<li><a href="https://www.bod.de/buchshop/der-gott-im-9-monat-gabriele-uhlmann-9783738639018" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Der Gott im 9. Monat. Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt.&#8220;</a></li>
<li><a href="https://www.bod.de/buchshop/archaeologie-und-macht-gabriele-uhlmann-9783844814200" target="_blank" rel="noopener">Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte.</a></li>
</ul>
<p>&#8230; sowie die Faktensammlung und Buchtipps auf der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/" target="_blank" rel="noopener">Startseite</a>.<br />
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"articleSection" : "Merkmal und Gemeinsamkeit aller Patriarchate ist das Vaterrecht. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gesellschaften in der Ausgestaltung der Gesetze, des Zusammenlebens, der Kultur und des Wirtschaftens. Wie es der Begriff \"Patriarchat\", der wörtlich übersetzt \"Herrschaft der Väter\" bedeutet, bereits anklingen lässt, haben wir es einerseits mit Herrschern und Beherrschten zu tun, mit Unterdrückern und Unterdrückten, Tätern und Opfern. Andererseits stehen nicht Männer im Fokus, sondern explizit Väter. Ein Mann, der einer Familie aus einer oder mehreren Ehefrauen und deren ehelichen Kindern vorsteht bzw. über sie als sein Eigentum bestimmt, wird als Patriarch bezeichnet. Daher kommt es verbreitet zu der Ansicht, dass wir in Europa nicht mehr im Patriarchat leben. In Deutschland gibt es jedoch ein dezidiertes Vaterrecht, das im Grundgesetz verankert ist. Ehe und Familie, also die Orte der Ausübung des Vaterrechts, sind sogar besonders geschützt. Das Patriarchat wird weltweit sowohl gewaltsam als auch mit rechtsstaatlichen Mitteln, den Gewalten, aufrecht erhalten (siehe extra Artikel). Das Patriarchat wurde nicht geschaffen, um Männer von Care-Arbeit (Kinder- und Angehörigen-Pflege und Hausarbeit) zu befreien und auch nicht, um Väter in die Care-Arbeit einzubeziehen. Die Care-Arbeit hat erstaunlich wenig mit dem Patriarchat zu tun, außer dass sie nicht bezahlt wird und die Mutter keine Unterstützung ihrer mütterlichen Ursprungssippe erwarten kann. Daher ist das Patriarchat auch nicht zu Ende, wie es heute oft behauptet wird, es verschärft sich im Gegenteil immer weiter. Das Patriarchat ist nicht das, was die meisten glauben Daher ist es auch nicht zu Ende, wie es heute oft behauptet wird, es verschärft sich im Gegenteil immer weiter. Warum also herrschen Väter, und warum hören sie nicht einfach auf damit, obwohl es bei Männern wie Frauen und auf unserem Planeten großen Schaden anrichtet? Warum sind Frauen weiter benachteiligt, auch wenn sie als emanzipiert gelten? Das Patriarchat ist NICHT unser angeborenes Sozialverhalten, sondern ein Entführungsverbrechen Das Patriarchat ist nicht natürlich, sondern es entstand gewaltsam, speziell mit Entführungen bzw. Frauenraub, begleitet von Vergewaltigungen und Bestrafung von Frauen und Mädchen, aber auch der Ermordung aller nicht patriarchalen Männer, die das zu verhindern suchten. Ziel der Täter war die Sicherstellung der genetischen Vaterschaft zur Ausübung der sozialen Vaterschaft, was nur mit Kontrolle der weiblichen Sexualität und der unter diesen Bedingungen gezeugten Kinder möglich war und ist. Dabei ging es von Beginn an nicht um die Wahrnehmung fürsorglicher Aufgaben, sondern um Machtausübung. Aufgrund der Betonung des Wertes der väterlichen Gene wohnt dem Patriarchat nicht nur untrennbar der Sexismus, sondern auch der Rassismus inne. Sexismus ist dabei die Basis des Rassismus. Vor der Entstehung des Patriarchats wohnten Kinder nicht bei ihrem Vater, weil er aufgrund der matrifokalen Sozialstruktur von Homo sapiens unbekannt war. Die ersten Patriarchen postulierten die Vaterschaft als ihr Recht und erhoben das Vaterrecht zum allein gültigen Recht, womit sich das Patriarchat in den Folgegenerationen normalisierte, verselbständigte und tradierte. Die Kontrolle dieses Rechtes kann nur unter Patrilokalität ausgeübt werden, d.h. die Kinder und die Mutter werden gezwungen, beim Vater zu wohnen und gehören ihm auch. Es etablierten sich entsprechende Gesetze und Werte unter einer männerzentrierten Religion. Bis heute führt ein Ehemann sprichwörtlich seine frischgebackene Ehefrau \"heim\". Darin ist der Ursprung in den initialen Entführungen erkennbar. Wenn die Flucht nicht gelang, war Kooperation die Überlebensstrategie der ersten Opfer, also der Frauen. Über sie kam es zur Mitopferschaft der Töchter und Söhne. Alle weiteren Nachkommen unterlagen dieser Dynamik und wurden Opfer und Täter zugleich. Dies führte schließlich zum Vergessen des Urverbrechens. Das psychologische Phänomen des Stockholm-Syndroms, das bei Entführungsopfern regelmäßig auftritt und zur Kooperation mit dem Täter führt, ist die \"rätselhafte\" Ursache für die Kooperation auch der Frauen mit dem Patriarchat und für seine Tradition (Link 1: Peer-reviewte Studie aus HUMAN NATURE, Link 2: Original-Studie zum Download Link 3: Begriff bei Wikipedia, Link 4: nach Stephanie Gogolin - Stockholm-Syndrom Teil 1, Link 5: nach Stephanie Gogolin - Stockholm-Syndrom Teil 2). Erst seit Beginn des Patriarchats werden Menschen auch nach ihrem Vater gefragt, denn sein Bekanntsein verschaffte nun einem Menschen Ansehen und meist auch Erbrechte. Lange war ein uneheliches Kind rechtlos. Dadurch entstand ein gefühltes Recht des Kindes, seinen Vater zu kennen. Ansehen und meist auch Wohlstand ziehen patriarchalisierte Menschen aus ihrer Patrilinearität, d.h. sie können sich auf einen Stammvater zurückführen, dessen Nachnamen sie tragen und dessen Lebenswerk sie oft fortführen. Der Nachname der Mutter wird nur selten als Doppelname vererbt, verschwindet aber spätestens in der nächsten Generation. Erst die Befreiung der Mütter aus dem Gefängnis der Ehe holte das gefühlte Recht des Mannes, seine genetischen Kinder kennen und erziehen zu dürfen, wieder an die Oberfläche, denn ein Mann ohne Kinder kann seine väterliche Linie nicht fortführen, verliert dadurch Einfluss auf die nächste Generation und läuft Gefahr spätestens im Alter ohne Angehörige zu sein, die ihn versorgen. Vaterrechtler setzten daher durch, dass das Recht des Kindes auf Kenntnis des Vaters auch gesetzlich verankert ist. Beide Rechte, das des Kindes und das des Vaters auf gegenseitige Kenntnis, bestärken sich nun gegenseitig, und nehmen die sich trennende Mutter in wieder gefühlte Geiselhaft. Das Patriarchat ist bis heute ein Entführungsverbrechen. Das Patriarchat wäre nicht existent, zögen Männer keine Vorteile aus ihrer Vaterschaft. Mit Beginn des Patriarchats waren das rein wirtschaftliche Vorteile. Das zugehörige System heißt Kapitalismus, ein Name, der seinen Ursprung in der Viehzucht verrät, wo das Patriarchat tatsächlich begann. Das lateinische Wort \"caput\" bedeutet \"Kopf\", gemeint ist die Zahl der Tierköpfe und der Köpfe über die ein Patriarch herrscht. In der sog. Risikogesellschaft (nach U. Beck), wie wir sie heute leben, in der Frauen scheinbar unabhängig werden können und damit die Familie aus Sicht der Männer in Gefahr gerät, besteht der Vorteil der Vaterschaft für Männer darin, in Unabhängigkeit von einer Frau und Mutter nicht Gefahr zu laufen alleine zu bleiben. Die Erfahrungswerte und Zahlen über die Lage der Mädchen und Frauen, Mütter und Kinder, speziell auch der alleinerziehenden Mütter, in unserer Gesellschaft, werden vor diesem Hintergrund fassbar und als Symptom unseres Patriarchats begreifbar. Matrifokalität ist unser angeborenes Sozialverhalten Angeboren ist uns jedoch ein matrifokales Sozialverhalten in Matrilokalität und Matrilinearität. Das Naturgesetz, das in der Evolution auf das Wohl des Nachwuchses und seiner Mütter ausgerichtet ist, wird im Patriarchat ausgehebelt und der Sozialverband auf das Wohl des Vaters ausgerichtet. Die angeborene Matrifokalität arbeitet im Untergrund weiter, so dass es einerseits zu Inkompatibilitäten kommt, z.B. dem Schwiegermutterkonflikt, andererseits macht sich das Patriarchat viele matrifokale Eigenschaften zunutze, wie unser existentielles Bedürfnis, in einem Sozialverband zu leben. Das tun wir im Patriarchat, wie unsicher die Familie und andere Konstrukte auch sein mögen. Der patriarchalisierte Mensch erforscht sich selbst Dass nicht die Mütter herrschen, wurde seit Jahrtausenden damit erklärt, dass dies von den Göttern - und später von dem einen Gott - gewollt sei. Den angeblichen Willen der Götter, verbreitet von angeblich heiligen Männern, machten sich die Gläubigen zu eigen, entsprach er doch auch der schon länger etablierten Lebenswirklichkeit. Eine denkbare Gleichheit der Geschlechter kam daher nicht infrage. Sie wurde zwar später an manchen Stellen in den Heiligen Schriften postuliert, dies jedoch nur um die Frau an ihren Platz zu verweisen, an dem sie scheinbar gleichberechtigt war, in ihren spezifischen Rechten und Pflichten als Ehefrau und Mutter, nicht aber als autonomes Wesen. Die europäische Aufklärung im 18. Jh. führte zu einer Neubewertung der Glaubensvorstellungen, mitausgelöst durch die Verheerungen der Hexenverfolgung unter Federführung der Kirchen. Der beginnende Atheismus, der von patriarchalisch geprägten Denkern getragen wurde, suchte die entstandene Lücke zu schließen und bediente sich der gerade entstandenen Evolutionslehre Darwins. Darwin postulierte für alle Lebewesen einen \"Kampf ums Dasein\", eine Vorstellung, die von den sog. Sozialdarwinisten auf die Beziehung von Mann und Frau angewendet wurde, als sei es ein Naturgesetz, dass es irgendwann keine Frauen mehr gäbe, sondern nur noch Männer. Es wurde also postuliert, dass der Mensch, insbesondere der Mann, von Natur aus gewalttätig sei, und die Frau daher unterlegen sein muss. Mit dem Glauben an das \"Recht des Stärkeren\" wurde das Patriarchat neu legitimiert, das mit der Aufweichung der einst starken Festung des Gott-Vater-Glaubens ins Wanken geraten war. Das Patriarchat wurde und wird seitdem vielfach, wenn nicht als gottgegeben, so doch als naturgegeben vorausgesetzt. In meinem Aufsatz zur Geschichte der Erforschung der Matrifokalität auf dieser Homepage habe ich bereits dargestellt, welche Entwicklung sich daran anschloss, die einerseits mit dem Werk des Rechtshistorikers und Kulturanthropologen Johann Jakob Bachofen und andererseits mit den archäologischen Funden sogenannter Venus-Figuren aus der Altsteinzeit ausgelöst wurde. Nach dem Ende des Feminismus alter Prägung widmen sich heute fast alle Fachbereiche unter der Bezeichnung \"Gender Studies\" der Frage, was dem Patriarchat fachspezifisch entgegenzusetzen sei. Mit Ausnahme der Medizin werden evolutionäre, biologische Aspekte stets ausgeklammert und als biologistisch abgewertet. Stattdessen wird versucht, eine Strategie zu entwickeln, wie mittels politischer Meinungsbildung oder Sprache Gleichberechtigung herzustellen sei. In den Naturwissenschaften wird nicht selten versucht, das kulturelle Verhalten weiblicher und männlicher Primaten untereinander und auch mit dem des patriarchalisierten Menschen als gleich darzustellen. Demnach sei alles nur eine Frage von Kultur und nicht von Verbrechen. Auf diese Weise waschen die Gender Studies das Patriarchat rein, und statt es zu beenden, werden Vorlagen geliefert, es weiter zu verschärfen. Dass es Monogamie und Eheschließung, also die Familie, schon in der Altsteinzeit gegeben hätte, ist von den Gender Studies nie infrage gestellt worden. Mit dieser Rückdatierung des Patriarchats in die Anfänge der Menschheit waren die Gender Studies für das System interessant geworden, wo zuvor der Feminismus das Patriarchat zurückzudrängen begann. Entsprechend viel Geld wurde in diese Pseudowissenschaft gepumpt. Die neue Ideologie, die in den Universitäten erdacht wurde, wurde mit dem Amsterdamer Vertrag von 1997/1999 in der EU-Politik als sog. Gender Mainstreaming fest verankert. Da die Gender Studies staatlich finanziert sind, war von Beginn an Skepsis angebracht, dass hiermit das Patriarchat zu beenden wäre. Es stellte sich in der Tat heraus, dass das Gender Mainstreaming zum Wohle der Wirtschaft zur Anpassung der Frau an die männliche Lebensweise führte, und Kinder dabei nur als Störfaktor angesehen werden. Als die Frauen in die Arbeitswelt drängten, sanken die Löhne drastisch, so dass heute ein Gehalt allein nicht mehr ausreicht, eine Familie zu ernähren. Mit dem Hinweis auf die Sachzwänge der Globalisierung wird dieser Umstand verschleiert. Neue Denkanstöße kommen seit einigen Jahren aus der sog. Citizen Science, der unabhängigen Bürgerforschung. Mit der hier angesiedelten kritischen Patriarchatsforschung wurde begonnen, interdisziplinär, unter Einbeziehung der Anthropologie, also der menschlichen Evolution und Biologie, die Entstehung und Aufrechterhaltung des Patriarchats zu untersuchen und zu verstehen. Heute gilt daher die Unterdrückung der sog. female choice als Basis des Patriarchats und als sein einzig sicheres Erkennungszeichen. Es wurde deutlich, dass das besondere, soziale Miteinander des Menschen seine Wurzeln in der matrifokalen, also matrilokalen und matrilinearen SIPPE hat, die vom Patriarchat zerstört wurde, so dass die Mehrheit der Menschen, aber immer noch nicht alle, in patrilinearen Gruppen, den FAMILIEN, patrilokal leben. Es konnte damit nicht nur der Widerspruch aufgelöst werden, dass der Mensch einerseits gewalttätig werden kann und Kriege führt, und andererseits als höchst sozial gilt. Es wurde mit dem Wissen, dass die Mütter aus ihrem urmütterlichen Schutzraum gerissen wurden und den Vätern und deren Familie fortan ausgeliefert waren, erklärbar, warum Frauen und Kinder, letztlich also auch die Männer, im Patriarchat leiden und gleichzeitig, warum ausgerechnet die Religionen dies rechtfertigen. Patriarchale Ideologie und ihre Folgen Das Patriarchat wurde vor ca. 8200 Jahren (Misox-Klimaschwankung) mit der Erfindung des Viehnomadismus in den Steppengebieten errichtet. Die Frau wurde in die Ehe gezwungen und sie hatte ihrem Ehemann vor allem Söhne zu gebären und ihm und seiner Herde zu folgen. Unsere indoeuropäische Sprache, die aus der Steppe stammt, ist entsprechend durchsetzt mit Metaphern aus der Tierzucht. Eine Frau, die ihre female choice frei lebt, also selbstgewählte, wechselnde Sexualpartner hat, wird als \"unzüchtig\" (sinngemäß: sich der Zucht entziehend) oder \"zügellos\" bezeichnet. Es handelte sich um eine bis dahin unbekannte Denk- und Lebensweise, in der sich der Mann seiner väterlichen Linie bewusst geworden war (Patrilinearität) und daher die Frauen und Kinder zwang, bei ihm zu wohnen (Patrilokalität). Damit begann er, Menschen wie ein Schöpfergott nach seinem Willen zu züchten. Bei der Tierzucht passierte der größte Irrtum der Menschheit, nämlich, dass die Frau nur das Gefäß männlichen Samens sei. Zu teuer und obendrein meist unwillig war die Frau für den Mann zur Last geworden, Ursache des tiefen Hasses auf die Frauen, sowie männlicher Überheblichkeit und des Machtstrebens. Als Ziel des Patriarchats ist in den Heiligen Schriften die Abschaffung der Mutter erkennbar, deren Metapher \"Fruchtbarkeitsgöttin\" sukzessive durch einen allmächtigen, d.h. unsterblichen, menstruierenden, gebärenden und stillenden Gott ersetzt wurde. Dieses Ziel erschien wie oben erwähnt im Sozialdarwinismus neu verpackt wieder an der Oberfläche patriarchalen Denkens. In unserer Zeit wird es durch die Reproduktionsmedizin, die Patentierung der Muttermilch, die Fremdbetreuung der Kinder u.a. vorangetrieben, mitgetragen auch von einem falsch verstandenen Feminismus, der die Frau von dieser vermeintlich lästigen und undankbaren Aufgabe zu befreien sucht. Dass es das Patriarchat auf die besonders kostbare Fähigkeit der Frau, Mutter zu werden, abgesehen hat, wurde vom Feminismus nicht erkannt und von den Gender Studies ausgeblendet. Eine Frau, die ihr Frausein über ihre Fähigkeit, Mutter zu werden, definiert, wird als biologistisch abgewertet, sind da ja die Männer, denen das ermöglicht werden soll. Tatsächlich wächst die väterliche Macht auch um so mehr, als die Bindung zum Kind immer enger wird. So begrüßenswert das auf den ersten Blick erscheint, so fatal wirkt sich das auf die Freiheit der Mutter und ihr Recht am Kinde aus. Neue Begriffe wie \"Bindungsintoleranz\" (der Mutter unterstellter Versuch, das Kind dem Vater zu entfremden) und \"neurotische Mutter-Kind-Symbiose\" (nach Sigmund Freud) werden als Argumente angeführt, um Müttern das Kind direkt wegnehmen zu können. \"Inobhutnahme\" ist der euphemistische Begriff für diesen Kinderraub. Wenn eine Mutter ihr Kind dann einfach mitnimmt, ohne den Vater über den Verbleib zu unterrichten, dann gilt das vor dem patriarchalen Gesetz nicht als Befreiung, was es ja eigenlich ist, sondern in Verdrehung der Tatsachen als Entführung. Die Strategie ist denkbar einfach. Das Kind gilt im Geiste als Besitz des Vaters. Die Mutterschaft wird der Frau unerträglich gemacht, dann von ihr abgelehnt und vom Patriarchat scheinheilig diffamiert. So kann die Mutterschaft der Frau weggenommen werden, um die Supervaterschaft, den Endsieg des Patriarchats, Wirklichkeit werden zu lassen. In den Heiligen Schriften ist dieses Ziel von Gott-Vater längst umgesetzt. Aber was will der Patriarch mit dieser Fähigkeit? Wird sie ihm einst nicht ebenso lästig und unangenehm wie der patriarchalisierten Frau? Mit der Supervaterschaft sucht der Mann Unsterblichkeit, die ihm zur totalen Macht fehlt. Dabei spielt es keine Rolle, wie das Leben der so gezeugten Kinder aussehen wird oder wie sie sich fühlen. Wesentlich wird sein, dass diese Kinder funktionieren und die Macht und den Reichtum des Patriarchen weiter mehren. Liebe ist dem Patriarchen fremd. Er kompensiert sie mit Materialismus. Doch die Natur wird diesen Machenschaften einst Grenzen setzen, zerstört er doch zunehmend seine Lebensgrundlage, unsere Mutter Erde."
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<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat">Patriarchat &#8211; Definition, Entstehung, Geschichte und Symptome</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Female choice &#8211; unser unbekanntes Menschenrecht</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Apr 2021 15:50:25 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice-unser-unbekanntes-menschenrecht">Female choice &#8211; unser unbekanntes Menschenrecht</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a name="prolog"></a><br />
<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/f637bdf5bf4b471f8ea677092fa03bee" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Bild: Mädchen am Brunnen, Ölgemälde von Jacob Becker (1810-1872)</p>
<blockquote><p>Da kommen die Mädchen aus der Stadt und holen Wasser, das harmloseste Geschäft und das nötigste, das ehemals die Töchter der Könige selbst verrichteten. Wenn ich da sitze, so lebt die patriarchalische Idee so lebhaft um mich, wie sie, alle die Altväter, am Brunnen Bekanntschaft machen und freien, und wie um die Brunnen und Quellen wohltätige Geister schweben.</p></blockquote>
<p>Dies schrieb Johann Wolfgang von Goethe seinem Werther ins Tagebuch. Wir wissen, wie die Geschichte endet: Werther wird die Angebetete seines Herzens nicht bekommen, sie heiratet einen anderen und er bringt sich um.</p>
<h2 id="es-ist-die-Frau-die-waehlt">Es ist die Frau, die wählt.</h2>
<p>Dieser Satz, den ich 1998 in einer knappen Zeitungsmeldung gelesen hatte, war für mich eine Offenbarung. Er lieferte mir die Bestätigung für so viele flüchtige Erlebnisse, Gefühle, Beobachtungen und Haltungen, die mit der gesellschaftlichen Norm und meiner Erziehung nicht übereinstimmten. Im selben Jahr war der in der Zeitung erwähnte Artikel &#8222;Wie Weibchen Partner wählen&#8220; in der Zeitschrift &#8222;Spektrum der Wissenschaft&#8220; (1998/6, S. 72-77) abgedruckt (<a class="textlink" href="https://www.spektrum.de/magazin/wie-weibchen-partner-waehlen/824605" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/magazin/wie-weibchen-partner-waehlen/824605</a>). Darin wurde ausführlich und reich bebildert beschrieben, was über die sogenannte Weibchenwahl (auch &#8222;Damenwahl&#8220;) bei Tier und Mensch zu diesem Zeitpunkt bekannt war.<br />
Es war einst der Begründer der Evolutionsbiologie Charles Darwin, der die <b>Sexuelle Selektion</b>, wie er sie nannte, erkannte, aber nur wenige Wissenschaftler anerkannten seine These, weil sie im Viktorianischen Zeitalter allgemeine Empörung hervorrief. Bis heute beschäftigten sich nur wenige WissenschaftlerInnen damit. So verschwand das Thema auch wieder aus der Öffentlichkeit und nur Darwins These von der Natürlichen Selektion findet bis heute Beachtung. Die Sexuelle Selektion, auch <b><em>female choice</em></b>, wie sie in der Evolutionslehre nun bezeichnet wird, ist <b>kein Sonderfall der <i>Natürlichen Selektion</i></b>, wie es oft behauptet wird, sondern eine eigenständige Kraft, wie es Darwin schon sagte und es der Ornithologe Richard O. Prum (2017) erläutert hat. Sie steht noch <b>über</b> der Natürlichen Selektion, denn sie kann unmittelbar jede Generation spürbar verändern, während die Natürliche Selektion nur zu allmählichem Wandel führt und manchmal sogar zum Aussterben einzelner Arten oder gar ganzer Ökosysteme.<br />
Die <em>female choice</em> arbeitet also aktiv für das Leben, während die Natürliche Selektion das Leben immer wieder herausfordert, oft mit tödlichem Ausgang. Dass die Natürliche Selektion die Herrschende Lehre mit ihrem patriarchalen Dogma besonders interessiert, während die <em>female choice</em> ihr unheimlich geblieben ist, ist daher kein Wunder.</p>
<p>Darüber, wann genau die sexuelle Fortpflanzung entstand, herrscht noch keine Einigkeit. Die Zahlen bewegen sich zwischen 2 Milliarden und 300 Millionen Jahren vor heute. Spätestens im Erdzeitalter des Karbon war die Sexualität und damit die <em>female choice </em>voll entwickelt und hatte sich auf dem Globus durchgesetzt. Die biologische Forschung trug eine erdrückende Beweislast zusammen, nach der sie nicht mehr ignoriert und als &#8222;Sexuelle Selektion&#8220; oder &#8222;Mate Choice&#8220; (Partnerwahl) verschleiert werden konnte; Letzteres nicht zu verwechseln mit &#8222;male choice&#8220; (männliche Wahl, die zweitrangig oder auch nicht vorhanden ist). Die Anthropologie, die wie alle Wissenschaften stark von gesellschaftlichen Normen beeinflusst ist, musste zu dem Ergebnis kommen, dass nicht nur in der übrigen Tierwelt, sondern auch beim Menschen das weibliche Wahlrecht oberstes Naturgesetz ist. Die Reproduktion des Lebens unter weiblicher Ägide ist die Basis der Evolution. Dennoch wurde dieses Wissen bisher nur wenig verbreitet, steckt darin doch enorme Sprengkraft, auch für die Gesellschaft, so wie wir sie heute leben. Ja, es gibt sogar viele Wissenschaftler, die dieses Wissen hartnäckig ignorieren oder leugnen.<br />
Nehmen wir das beliebte Beispiel der Rothirsche. Als Platzhirsche, die mit ihren &#8222;stolzen Geweihen&#8220; eindrucksvolle, martialisch wirkende Rangkämpfe austragen, werden die Hirschbullen häufig als &#8222;Patriarch&#8220; oder als &#8222;Chef&#8220; bezeichnet. Aber auch der Hirschbulle kann sich nicht gegen den Willen der Hirschkuh mit ihr paaren und sie paart sich am Rande des Kampfplatzes auch mit anderen Bullen. Denn ein einzelnes Männchen hat keine Handhabe, alle Weibchen gleichzeitig unter Kontrolle zu bekommen. Hirschbullen kümmern sich auch nicht um die Ernährung ihrer Kinder oder bestimmen über sie; das aber macht letztlich einen echten Patriarchen aus. Dennoch ist der männliche Hirsch ein zufriedenes und sogar eindrucksvolles Tier. Es wollte doch auch niemand behaupten, dass die Hirschkuh dem Hirschenbullen Hörner aufsetzt, oder?</p>
<p>Welch überragende Bedeutung die Entdeckung der &#8222;wählerischen Frau&#8220; für die Menschheit hat, sollte sich auch erst in jüngerer Zeit herauskristallisieren, als ich 2007 den Patriarchatsforscher <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Bott_(Fernsehjournalist)" target="_blank" rel="noopener">Gerhard Bott</a> kennen lernte und er mir sein erstes Manuskript zu seinem Buch &#8222;<a href="http://gerhardbott.de/" target="_blank" rel="noopener">Die Erfindung der Götter</a>&#8220; (2009) zu lesen gab. Ich arbeitete zu dieser Zeit an einem Buch über die Blasenentzündung nach Sex bei der Frau und erkannte sofort den Wert seines Werkes für die Gesundung jeder Frau und sogar der gesamten Menschheit. Um ihn zitieren zu können, bemühte ich mich 2 Jahre lang, ihn zu bewegen, das Manuskript als Buch zu veröffentlichen, was mir schließlich gelang.</p>
<p>So, wie ich vor 1998, weiß noch heute kaum eine Frau, dass sie ein bestimmtes von Mutter Natur, der Evolution, vermachtes Wahlrecht besitzt, die <em>female choice</em>. Der folgende Foreneintrag im Internet, mit dem die Userin &#8222;petit_fleur&#8220; Hilfe sucht, weil sie immer nach dem Sex mit ihrem Freund eine Blasenentzündung bekommt, führt dies vor Augen:</p>
<blockquote><p>(&#8230;) Ich bin schon fast am Verzweifeln&#8230;ich kann doch nicht jedes Mal nach dem Sex ein Antibiotikum einnehmen?! Ich habe mich an alles gehalten &#8211; Wasserlassen nach dem GV, 2 Gläser trinken, keine übertriebene Intimhygiene, sogar eine Blasentee habe ich gekauft und getrunken. Wenn das jedes Mal kommt, wie soll es dann mit meinem Sexleben weitergehen? (Ganz zu schweigen von den Kosten, die das jedes Mal verursacht&#8230;) Muss ich ein Leben ohne Sex führen? Ich kann meinem Freund doch nicht zumuten, auf Sex zu verzichten. (&#8230;)<br />
<cite><a class="textlink" href="http://www.planet-liebe.de/threads/verzweifeln-wegen-blasenentz%C3%BCndungen.529788/" target="_blank" rel="noopener">Quelle</a></cite></p></blockquote>
<p>Diese Frau glaubt also, dass ein Mann ein Recht auf Sex hätte, womit sie tief in ein Dilemma gerät. Sie ist beileibe kein Einzelfall. Unter der Überschrift &#8222;Keine Lust mehr auf Sex Angst vor Blasenentzündungen&#8220; schreibt die Userin &#8222;ach_pustekuchen&#8220; in einem anderen Forum:</p>
<blockquote><p>Ich bin seit fast 3 Jahren mit meinem Freund (mein Erster) zusammen. Damals bekam ich direkt nach meinem &#8222;ersten Mal&#8220; eine heftige Blasenentzündung. Habe dann Antibiotika bekommen und dann war sie nach ein paar Tagen wieder weg. Dabei blieb es aber leider nicht. In den letzten knapp 3 Jahren habe ich immer wieder Blasenentzündungen vom Sex, teilweise jeden Monat mindestens eine. Ohne Antibiotikum gehen die auch nicht weg. Ich befolge auch alle Tipps, die man überall bekommt: nach dem Sex sofort auf die Toilette, Cranberries essen, jede Woche mindestens ein mal Blasen- und Nierentee trinken usw. Habe mich auf vor einem Jahr ca. dagegen impfen lassen. Trotzdem habe ich wieder Blasenentzündungen bekommen. Das wirkt sich mittlerweile bzw. schon seit längerem auf mein Sexleben aus. Ich habe nur noch panische Angst davor. Zumal ich es mir Arbeitstechnisch nicht mehr leisten kann, so oft krank zu sein. Ich habe keinerlei Lust mehr, denke nur daran, dass ich danach sowieso wieder ne Blasenentzündung kriege. Ich bin mit meinem Freund teilweise darauf umgestiegen, dass wir quasi Sex haben, aber ohne dass er eindringt. Dadurch geht es. Aber das ist auf Dauer auch keine Lösung und das gefährdet auf Dauer auch die Beziehung.<br />
<cite><a class="textlink" href="http://www.erdbeerlounge.de/forum/kummerkasten/keine-lust-mehr-auf-sex-angst-vor-blasenentzuendungen/" target="_blank" rel="noopener">Quelle</a></cite></p></blockquote>
<p>Darauf antwortet &#8222;bananee&#8220;:</p>
<blockquote><p>Oh man, ich verstehe dich so gut. Ich habe auch jahrelang mit Blasenentzündungen gekämpft. War auch mit meinem ersten Freund (der hat sich beim Arzt untersuchen lassen- war alles ok) fast 5 Jahre zusammen und ich habe nach jedem Sex eine Blasenentzündung bekommen. Nachdem ich alles aus der Schulmedizin und der Homöopathie versucht habe war ich mit den Nerven am Ende und das ging auch auf die Psyche. Ich hatte täglich Schmerzen. Ich musste auch monatlich Antibiotika nehmen, da ich nur damit die Blasenentzündungen wegbekam. Ich habe kein einziges Antibiotikum vertragen und mit einer heftigen allergischen Reaktion häufig im Krankenhaus gelandet. Der Urologe konnte wie bei dir auch nichts feststellen. Wie gesagt, nach paar Jahren wurde das bei mir auch psychosomatisch, da ich ja wusste, was passiert wenn ich mit meinem Freund schlafe. Er reagierte zum Glück sehr verständnisvoll und drängte mich zu Nichts. Mittlerweile bin ich 24 und ich hatte seit fast 3,5 Jahren keine Blasenentzündung mehr. Ich bin wieder seit 3 Jahren in einer neuen Beziehung und ich habe trotz viel Sex absolut keine Beschwerden mehr. Leider kann ich dir nicht sagen, was mir geholfen hat- ich weiß es einfach nicht.<br />
<cite><a class="textlink" href="http://www.erdbeerlounge.de/forum/kummerkasten/keine-lust-mehr-auf-sex-angst-vor-blasenentzuendungen/" target="_blank" rel="noopener">Quelle</a></cite></p></blockquote>
<p>Das Internet ist voll von solchen Einträgen, und hätte irgendein Arzt, irgendeine Pharma-Firma gegen die Sex-bedingte Blasenentzündung ein zu 100% wirksames prophylaktisches Mittel, wäre das ein epochaler Meilenstein der Medizingeschichte. Mittlerweile wirken auch die Antibiotika nur noch unzureichend bei Blasenentzündung, das Problem wird immer gravierender. Offiziell geschätzt leiden 25% aller Frauen darunter, und je patriarchalischer eine Gesellschaft ist, desto größer wird diese Zahl noch. Bei weitem nicht jeder Fall gelangt zum Arzt, daher ist die Dunkelziffer unschätzbar hoch. Zahllose Frauen müssen nicht mehr zum Arzt gehen, weil sie sich dem Sex völlig verweigern. Das Leid ist unvorstellbar groß, wird aber als &#8222;Honeymoon-Zystitis&#8220; verharmlost und mit einem Schmunzeln quittiert.<br />
Immer wieder berichten Frauen, dass sie mit einem neuen Partner entweder krank oder automatisch völlig gesund wurden. Offensichtlich spielt also die Wahl des Partners eine Rolle, und wie ebenfalls in den Foren nachlesbar, nicht, weil er sich nicht wäscht oder Bakterienträger ist, sondern aus &#8222;unbekannten Gründen&#8220;. Wir können davon ausgehen, dass eine Urmenschenfrau, die so etwas erlebt hätte, nicht lange überlegt und den betreffenden Mann fortan gemieden hätte. Aber in unserer patriarchalischen Gesellschaft hängen die Existenz der Frau und ihr Status eng mit ihrem Sexualleben zusammen.</p>
<h2 id="wasistmitfemalechoicegemeint">Was ist mit <em>female choice</em> gemeint? &#8211; Definition</h2>
<p>Beim Menschen ist die <em>female choice</em> durch das patriarchale System so undeutlich wie nur möglich gemacht, unter natürlichen Bedingungen ist sie aber deutlicher als bei allen anderen Tierarten. Unter der freien <em>female choice</em> gibt es keinen Zwang zum Sex, sondern jederzeit die freie Wahl</p>
<ul id="liste2">
<li>des Partners,</li>
<li>der Zeit,</li>
<li>des Ortes und</li>
<li>der Art</li>
</ul>
<p>von Sex. Unter frei gelebter <em>female choice</em> hat Sex beim Menschen <b>keine soziale Funktion</b>! Jeder Hintergedanke, z.B. schwanger zu werden oder dem Partner zu gefallen, würde sie bereits einschränken. Erst im Patriarchat müssen Frauen Sex einsetzen, um nicht aus ihrem Sozialgefüge, der Familie, der Partnerschaft bzw. ihrer materiellen Existenz herauszufallen.</p>
<h2 id="cfc"><em>Cryptic female choice</em></h2>
<p>Die <em>female choice</em> findet vor, während und nach dem Verkehr bewusst und unbewusst, &#8222;versteckt&#8220;, statt. Beim ersten persönlichen Kontakt analysiert eine Frau unbewusst die sog. chemotaktischen Signale eines Mannes. Hat er diese Prüfung bestanden, beginnt eine Frau sich für ihn zu interessieren, jedoch bleibt es nicht dabei. Bewusst prüft sie sein Aussehen nun genauer, seinen Geruch, sein Verhalten, seine Intelligenz und seine Worte. Wird alles für passend befunden, kann seitens der Frau freiwilliger Sex stattfinden, wann, wo und wie bestimmt sie ebenfalls.<br />
Während des Sex bewirkt die Erregung der Frau eine Veränderung der Schleimproduktion. Kommt es bei der Frau zum Orgasmus, werden die Spermien regelrecht angesaugt, und eine Schwangerschaft wird wahrscheinlicher. Gelingt es also dem Partner nicht, seine Partnerin zu erfreuen, zieht ihre <em>cryptic female choice</em> erste Konsequenzen. Das bedeutet natürlich nicht, dass eine Frau, die keinen Orgasmus hat, nicht schwanger werden kann.<br />
Nicht das schnellste Spermium gewinnt im Wettrennen, sondern die Spermien werden von der weiblichen Schleimhaut passiv transportiert und von ihrem sauren Milieu sogar angegriffen. Je weiter die Spermien angesaugt werden, desto kürzer ist die Einwirkzeit des sauren Schleims und desto größer sind die Überlebenschancen für die Spermien. Die überlebenden Spermien gelangen dann in die Eileiter, wo eine weitere Hürde auf sie wartet.<br />
Nicht das erste Spermium gelangt in die Eizelle, sondern dasjenige, welches sie hereinlässt (Vgl. <span class="x193iq5w xeuugli x13faqbe x1vvkbs x1xmvt09 x1lliihq x1s928wv xhkezso x1gmr53x x1cpjm7i x1fgarty x1943h6x xudqn12 x3x7a5m x6prxxf xvq8zen xo1l8bm xzsf02u x1yc453h" dir="auto">Fitzpatrick <em>et al.</em> 2020</span>). Das Spermium verschmilzt dann nicht mit dem Ei, sondern das Ei verarbeitet lediglich seine DNA, also das Gen-Molekül, das im Spermium enthalten ist. Beginnt die Eizelle sich danach zu teilen und wächst ein Embryo heran, prüft der weibliche Körper die Lebensfähigkeit des heranwachsenden Kindes und entscheidet, ob es zur Geburt kommen wird oder zu einer Fehlgeburt bzw. Frühgeburt. Die meisten Frauen wissen gar nicht, dass sie schon viele Fehlgeburten hatten, ja es kommt aufgrund der <em>cryptic female choice</em> zu mehr Fehlgeburten als zu Geburten. Nach der Geburt, bevor das Kind abgestillt wird, verhindert die <em>female choice</em> eine weitere Schwangerschaft.</p>
<h2 id="warum">Warum <em>female choice</em>?</h2>
<p>Ein möglicher Grund, warum die <em>female choice</em> in der Natur eine so große Rolle spielt, ist das höhere Investment, das die Weibchen bei der Fortpflanzung betreiben. Sie stellen dem Nachwuchs ihren Körper für sehr lange Zeit zur Verfügung und tragen die größte Arbeitslast. Dieser Aspekt ist leider oft der einzige, der angeführt wird und damit erscheint die <em>female choice</em> lediglich als eine Art Geschäft. Schon für Vögel, bei denen beide Partner an der Brutpflege beteiligt sind, greift dieses Argument nicht.</p>
<p>Immer wieder wird behauptet, der Sinn der <em>female choice</em> bestünde darin, dass die Frau einen starken Mann auswählen muss, der ihre Kinder am besten ernähren kann. Diese Behauptung beruht auf der falschen Annahme, dass es schon in der Altsteinzeit die Familie aus Vater, Mutter und Kind gab. Die <em>female choice</em> endet aber nicht mit einer Eheschließung, sondern sie bleibt der Frau lebenslang erhalten. Da ihre Kinder viele Jahre ernährt werden müssen, hätte das der falschen Annahme folgend bedeutet, dass eine Frau viele Jahre ihre <em>female choice</em> hätte unterdrücken müssen. In der Altsteinzeit tat sie dies jedoch nicht, sondern folgte dem lauten Ruf der Natur. Auch in der Realität des Patriarchats brechen viele Frauen aus. Die <em>female choice</em> ist eine mächtige Größe, die sich nicht vollständig unterdrücken lässt. Das Treuegelöbnis der Ehe wurde schon immer von beiden Partnern umgangen. Bei den Männern galten Eskapaden als Kavaliersdelikt, und man bedauerte sie dafür, wenn sie von ihrer Frau nicht geliebt wurden. Frauen blieb, wie dem Werther, oft nur die heimliche, unglückliche Verliebtheit oder die heimliche Abtreibung. Im Schnitt ist dennoch jedes zehnte Kind ein Kuckuckskind, das Ergebnis der heimlich ausgeübten <em>female choice</em>. Die Anthropologen nennen das &#8222;Gen-Shopping&#8220;.</p>
<p>Wir werden sehen, dass die frei gelebte <em>female choice</em> Bedingungen schafft, die einen Ernährer überflüssig machen. Die wahren Kriterien, die die <em>female choice</em> so bedeutsam machen, sind völlig andere. Die <em>female choice</em> ist auch keine rein persönliche Angelegenheit, vielmehr hat sie evolutionäre Tragweite:</p>
<p>1. Sie verändert das Aussehen und das Verhalten der Arten und bewirkt damit Vielfalt.</p>
<p>2. Sie sorgt für genetische Vielfalt und die Gesundheit der Population.</p>
<p>3. Sie verhindert eine Schwangerschaft in belastenden Fällen.</p>
<p>4. Sie sorgt für ein artgemäßes Zahlenverhältnis der Geschlechter.</p>
<p>5. Sie verhindert Überbevölkerung.</p>
<p>6. Sie führt zu Matrifokalität und damit zu größtmöglicher Solidarität unter den Sippenmitgliedern, zu Fürsorge und Kooperation.</p>
<p>Warum ist das so? Betrachten wir diese Funktionen im Einzelnen:</p>
<h3 id="av">1. Aussehen und Verhalten der Arten, Vielfalt</h3>
<p>Der Ornithologe Richard O. Prum beschreibt, wie die <em>female choice</em> bei den Vögeln die &#8222;Schönheit&#8220; der Männchen hervorbringt. Weibchen wählen ihm zufolge nicht nur nach chemotaktischen Erwägungen, sondern einfach nach persönlicher Vorliebe. Die Schönheit der Männchen scheint keinerlei anderen Sinn zu haben, als ein Weibchen zu beeindrucken. Das auffällige Gefieder enttarnt die Männchen aber auch und macht sie zu leicht zu entdeckenden Beutetieren. Die erst in zweiter Linie wirkende Natürliche Selektion wirkt dabei als &#8222;zusätzliche Stellschraube&#8220;. Die Färbung, der am ehesten die Gratwanderung zwischen Schönheit und gefährlicher Auffälligkeit gelingt, wird einer Art eigen.<br />
An Anolis-Leguanen auf den Großen Antillen haben Jonathan Losos und sein Team nicht nur die sog. Konvergenz erforscht &#8211; das ist das Phänomen, dass sich an verschiedenen Orten mit ähnlichen Bedingungen auch ähnliche Arten entwickeln &#8211; sondern auch entdeckt, dass die Evolution extrem schnell ablaufen kann, und innerhalb weniger Generationen völlig neue Arten entstehen können. Das zeigt, dass die <em>female choice</em> nach optischen Kriterien extrem flexibel reagieren kann, und eine Art nicht sofort vor dem Aussterben stehen muss, wenn sich die Bedingungen kurzfristig ändern.</p>
<p>Übertragen auf uns Menschen können wir sagen, dass auch eine Frau &#8222;schöne Männer&#8220; mit einem freundlichen Verhalten bevorzugt. Schönheit liegt dabei im Auge der Betrachterin und ist mehr als Optik. Im Patriarchat mit seiner rudimentären Form der <em>female choice</em> &#8211; wenn sie überhaupt gelebt werden darf &#8211; treten andere Kriterien wie Status und Vermögen hinzu, die bereits weitgehend von den natürlichen Eigenschaften eines Mannes abgetrennt sind. In dem Moment, wo die <em>female choice</em> aufgrund patriarchaler Zwänge und Werte nicht mehr frei gelebt werden kann und darf, sind die Grenzen zur <a class="textlink" href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2019/11/28/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung/" target="_blank" rel="noopener">MENSCHENZUCHT</a> überschritten.</p>
<h3 id="vg">2. Genetische Vielfalt und Gesundheit der menschlichen Population.</h3>
<p>Eine Frau, die ihre <em>female choice</em> frei auslebt, hat immer wieder neue Partner. Im Idealfall hat jedes ihrer Kinder einen anderen Vater. Die Chemotaxis selektiert dabei Männer, die besonders gut zu den Genen der Frau passen, d.h. sich unterscheiden. Eine starke Durchmischung der Gene und die exogame Sexualität &#8211; bei uns Menschen die matrilokale Ausübung der Exogamie &#8211; verhindern, dass zu häufig zwei Chromosomensätze aufeinandertreffen, die die gleichen Schäden aufweisen und daher nicht mehr kompensiert werden könnten. Die <em>female choice</em> verhindert in der Regel, dass Geschwister miteinander Sex haben. Im seltenen Falle einer Geschwisterliebe sind aber unter dem Idealfall verschiedener Väter statt zwei nun drei verschiedene Genpools an der Entstehung eines Kindes beteiligt, nämlich der der Mutter und die Genpools der beiden unterschiedlichen Väter.</p>
<h3 id="vs">3. Verhinderung von Schwangerschaft in belastenden Fällen.</h3>
<p>Bei starker Unterernährung und bestimmten Krankheiten aber auch bei extremer Arbeitsbelastung oder extremem Sport bleibt die Menstruation ganz aus und es kann keine Schwangerschaft zustande kommen. Sie würde die Frau lebensbedrohlich auszehren und auch für den Fötus stünden nicht genügend Nährstoffe zur Verfügung. Studien belegen, dass bei einem schlechten Ernährungszustand der Mutter die Wahrscheinlichkeit, ein Mädchen zu gebären steigt. Eine Ursache ist, dass männliche Föten die Schwangere mehr Energie kosten und daher häufiger von Fehlgeburten betroffen sind. Weitere Ursachen warten noch auf ihre Entdeckung. Eine empfängnisverhütende Wirkung hat aber vor allem das Stillen. Nicht das Stillen nach Zeitplan und auch nicht häufiges Stillen am Tage verhindert eine Schwangerschaft, sondern allein das Stillen rund um die Uhr, immer dann, wenn das Kind trinken möchte. Dies nützt rückkoppelnd Mutter und Kind, denn Mütter empfinden das Stillen, wenn es unbehindert stattfindet, als Steigerung des Wohlbefindens. Die Natur verlangt einer Frau also nicht ab, die Belastung mehrerer Kinder zur gleichen Zeit zu stemmen, und gestaltet ihre Arbeit zudem angenehm.</p>
<h3 id="zg">4. Artgemäßes Zahlenverhältnis der Geschlechter.</h3>
<p>In patriarchalen Gesellschaften gilt ein Mädchen wenig bis nichts. Der Vater bevorzugt Söhne, und eine Frau, die keine Söhne bekommt, wird dafür schuldig gesprochen. Eine patriarchalisierte Mutter bekommt solange Kinder, bis mindestens ein Sohn, der Erbe, geboren ist. Das sorgt zunächst für viele Töchter. Umgekehrt wird sie nicht absichtlich so viele Söhne bekommen, bis endlich eine Tochter dabei ist. Mädchen werden schlechter ernährt und in vielen Gesellschaften werden weibliche Föten heute abgetrieben, so dass mehr Mädchen im Kindesalter oder vor ihrer Geburt sterben als Jungen. Die <em>female choice</em> jedoch kennt keine Geschlechterdiskriminierung, allerdings kommt es bei einer schlechten Ernährung der Mutter häufiger zu Fehlgeburten, wovon männliche Föten stärker betroffen sind (siehe Punkt 3). Zudem sind bis zum Erwachsenenalter Jungen gefährdeter als Mädchen, und zwar aufgrund ihrer Konstitution und aufgrund ihres Verhaltens. Es werden also in der Natur etwas mehr Mädchen als Jungen geboren und erwachsen. Dies gleicht einerseits die (in der Natur allerdings geringe) Müttersterblichkeit aus, und ist andererseits in der Gruppe von Vorteil, weil Mädchen sich stärker an der Betreuung von Geschwistern beteiligen.<br />
Gerade entdeckt wurde die Strategie der Cryptic Female Choice beim Asiatischen Baumwollwurm, mittels vererbter Viren-RNA männliche Embyonen abzutöten. Ähnliche Strategien sind auch bei anderen Insektenarten länger bekannt. (Vgl. RND/DPA 2023)<br />
Da Spermien mit Y-Chromosom leichter sind als mit X-Chromosom, können Reproduktionsmediziner das Geschlecht vor der künstlichen Befruchtung <a href="https://nationalgeographic.de/wissenschaft/2023/04/das-geschlecht-des-babys-beeinflussen-studie-stellt-neue-treffsichere-methode-vor/" target="_blank" rel="noopener">herausfiltern</a>. Dieser Gewichtsunterschied kann auch auf natürlichem Wege dem Ei signalisieren, ob es sich um ein &#8222;männliches&#8220; oder &#8222;weibliches&#8220; Spermium handelt. Auf diese Weise könnte das Ei das Geschlecht wählen, dies ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Eine <a href="https://hsph.harvard.edu/news/biological-sex-at-birth-isnt-random-study-finds/" target="_blank" rel="noopener">Studie</a> von 2025 zeigt jedoch bereits, dass <span dir="auto"><span class="" dir="auto">das Geschlecht eines Kindes offenbar mit dem Alter der Mutter, bestimmten Genen und dem Geschlecht der älteren Geschwister zusammenhängt.</span></span></p>
<h3 id="uev">5. Verhinderung von Überbevölkerung.</h3>
<p>Eine Frau, die ihre <em>female choice</em> lebt, hat nicht mehr Sex als eine patriarchale Frau, sondern weniger. Im patriarchalen Ehebett ist die Ehefrau den sexuellen Begierden ihres Mannes schutzlos ausgeliefert. Er glaubt, ein Recht auf Sex zu haben, sie glaubt, ihm dies geben zu müssen. Entsprechend schnell wird sie kurz aufeinanderfolgend und damit häufiger schwanger. Ein Kind ist die beste Verhütung, diesen Spruch kennen dagegen viele moderne Eltern, angeblich eine Folge von Überlastung und Müdigkeit. Unter natürlichen Bedingungen schläft der Vater gar nicht im Bett der Mutter, sondern dort liegt ihr Kind. Denn mit dem Ende der Verliebtheit nach ca. 3 Monaten geht auch das Bedürfnis der Frau mit diesem Mann zu schlafen stark zurück bzw. verschwindet ganz. Daher ist das Paar meist schon lange getrennt, wenn die Geburt stattfindet. Das Baby hat daher jederzeit Zugang zur Milchquelle, auch wenn die Mutter schläft. In dieser bis zu fünf Jahre dauernden Stillzeit bewirken die Still-Hormone, dass die Mutter nicht schwanger wird (siehe Punkt 3) und sie hat oft auch keinen neuen Liebhaber, weil sie in ihr Baby verliebt ist. Die menschliche Natur kennt zudem keinen Zwang zur Mutterschaft. Viele Frauen bleiben unter natürlichen Bedingungen kinderlos. Der <em>female choice</em> kommt aus diesen Gründen die Schlüsselstellung bei der Verhinderung von Überbevölkerung und deren Folgen zu.</p>
<h3 id="sfk">6. Matrifokalität: Solidarität, Fürsorge und Kooperation.</h3>
<p>Der Mensch ist ein sehr soziales Wesen, das ohne eine Fokussierung auf die Frau mit ihrem Kind, also auf die Mutter, in der Wildnis nicht hätte überleben können. Die lange Baby- und Kleinkindphase machte es erforderlich, dass die Gruppe auf das Wohlergehen von Mutter und Kind ausgerichtet war. Mütter haben das Überleben der Gruppe gesichert, indem sie auch als Großmütter, Schwestern, Töchter und Cousinen der mütterlichen Linie zusammenhielten und sich gegenseitig über die lange Kleinkind- bzw. Stillzeit hinweghalfen. In der &#8222;Sippe&#8220; genannten Gruppe hielten auch die männlichen Mitglieder solidarisch zu ihnen und fühlten sich für die blutsverwandten Kinder mitverantwortlich, obwohl es nicht ihre leiblichen Kinder waren.</p>
<p>Unter der <em>female choice</em> binden sich Frauen nicht lange an Männer und haben dafür wechselnde Liebhaber. Daher ist der biologische Vater eines Kindes unsicher oder unbekannt. Alle Kinder einer Mutter gelten als Vollgeschwister und sie führen sich auf sie allein zurück. Eine Mutter wird für ihre Schwangerschaft nicht im negativen Sinne verantwortlich gemacht, sondern es gilt als selbstverständlich, dass eine Frau Kinder bekommt. Diese Kinder sind in der Sippe hochwillkommen. Jedes Kind wird geachtet und geliebt, und von allen, auch den männlichen Mitgliedern betreut. Die Natur bürdet also die Belastung durch die Kinder nicht der Mutter alleine auf.<br />
In matrifokalen Gemeinschaften sind alle Menschen über die Mutter blutsverwandt. Der biologische Vater hat keine Bedeutung, also können Väter keinen Einfluss auf ihre Kinder ausüben. Das Vaterrecht ist also kein Naturgesetz, sondern kulturell hergestellt. Das heißt aber nicht, dass die Männer generell keine Bedeutung hätten. Sippen sind egalitäre Gemeinschaften, denn die Männer haben hier ein anderes Selbstverständnis. Sie fühlen sich als Söhne, Brüder, Onkel und Cousins und kümmern sich um alle Kinder der Sippe, können aber keine Macht über sie ausüben, denn sie können ihre Angehörigen nicht mit dem Entzug eines Erbes erpressen oder andere Machtmittel einsetzen, vor allem aber fehlt ihnen das Verlangen danach. Auch die Mütter üben keine Macht aus, sondern haben aufgrund ihres Status als Urmütter der Sippe, der Bindung der Kinder an sie und ihres Wissens Autorität. Statt Hierarchien gibt es also Autoritäten, die aber auch männlich sein können.</p>
<p>Stets wird die überragende Bedeutung der Jagd für die Entwicklung unseres Sozialverhaltens beschworen. Sie ist aber allenfalls zweitrangig.</p>
<blockquote><p>Auch wenn der Jäger noch so geschickt ist, ist das Aufspüren und Töten von Beutetieren ein riskantes Unterfangen mit unbestimmtem Ausgang. Ein Mann kann jeden Tag auf die Jagd gehen und trotzdem wochenlang mit leeren Händen heimkehren. Ein Jäger (&#8230;) kann sich den Misserfolg leisten, weil er davon ausgehen kann, einen Anteil an den von den Frauen gesammelten Früchten, Nüssen und Knollen zu erhalten, und auch weil andere Männer an diesem Tag mehr Glück haben mögen.<cite>BLAFFER HRDY 2010, S. 27</cite></p></blockquote>
<p>In ihrem Buch &#8222;Mutter Natur&#8220; weist Sarah Blaffer Hrdy daraufhin, dass es den Jägern weit mehr um &#8211; wörtlich &#8211; Angeberei geht, als darum, Fleisch für die Kinder ins Lager zu tragen (BLAFFER HRDY 2000, S. 312).<br />
Wir können davon ausgehen, dass die Jagd überwiegend eine sexuelle Aufgabe erfüllte. Die Männer verlassen die Sippe für Sex und die Jagd, und schließen sich mit Männern anderer Sippen zusammen, um den Jagderfolg zu erhöhen. Männer haben daher Übung in friedlichen Außenkontakten: sich einander fremde Männer entwickelten gegenseitiges Vertrauen und Männerfreundschaften, eine selektierte Eigenschaft, die von der Sippe entsprechend genutzt wurde, ohne dass die Männer daraus Macht bezogen hätten.<br />
Sie bekamen damit Zutritt in andere Sippen zu ihnen nicht verwandten Frauen. Auf diese Weise wurde die matrilokale Ausübung der Exogamie gefördert. Ein Mann, der viele männliche Freunde in anderen Sippen hatte, hatte auch häufiger Gelegenheit, eine Frau kennenzulernen.</p>
<p>Sex wurde aber nicht gegen Fleisch getauscht, wie es gerne phantasiert wird. Ein solches Tauschgeschäft wäre nicht im Gleichgewicht mit der <em>female choice</em>. Die Ernährung bestand zu 75% aus von Frauen gesammelter Nahrung. Tierisches Eiweiß stand dabei auch über von Frauen gesammelte oder gefangene Kleintiere und Eier zur Verfügung.</p>
<p>Die Kooperation in der Sippe bedeutete, dass Mütter immer auch Zeit für anderes hatten. So gilt heute als gesichert, dass sie die wesentlichen Erfindungen der Menschheit machten, die den Menschen von der übrigen Fauna unterscheiden: die Tragevorrichtung für das Baby, Tragebeutel und Sammeltasche in einem, mit dem die Mutter die Hände frei bekam, die Herstellung von Kleidung aus Pflanzenfasern und Tierfellen, das Zelt, die Flechtkunst, die Fischreuse, die Weberei, das Kochen, die Töpferei und die bildende Kunst. Frauen stellten die Werkzeuge ihrer Technologien selbst her. Als Kennerinnen der Pflanzenwelt und als Hebammen erfanden sie die Medizin und durch Mondbeobachtung den Menstruationskalender. Als Heilerinnen und Schamaninnen waren sie spirituelle Autoritäten. Sie stellten ihre Produkte anderen zur Verfügung: wo ein Problem war, halfen sie selbstlos. Zu Beginn der Jungsteinzeit erfanden sie die Landwirtschaft in Hack- bzw. Gartenbau und zogen Tierkinder auf, die sie in der Wildnis gefunden hatten. Sie waren am Hausbau beteiligt, indem sie Flechtwände herstellten, mit Lehm abdichteten und Dächer mit ihren geflochtenen Matten oder mit Stroh abdeckten.<br />
Die Menschheit wanderte, so geht es aus Berechnungen hervor, etwa 10 km pro Generation voran. Diese Wanderung, der Auszug aus Afrika, geht auf die Frauen zurück, wie genetische Untersuchungen es aufdeckten. Nicht Verheiratung bzw. Patrilokalität waren dafür der Grund, sondern ihre Neugier, die Notwendigkeit der Suche nach neuen Sammelgründen, bei denen sie nebenbei auch Gelegenheit hatten, neuen Männern zu begegnen. Die Männer, die übers Jahr den festen Pfaden der Tiere folgten, kehrten dagegen stets zum Ursprung zurück. Die Suche nach neuen Jagdgründen wurde erst notwendig, wenn sich die Sippe zu weit von den alten entfernt hatte, bzw. wenn sich die naturräumlichen Bedingungen änderten. Männer wie Frauen beobachteten auch die Sterne, um sich orientieren zu können und aus Neugier. Die Männer entwickelten und perfektionierten schon früh ihre Jagdwaffen, stellten Werkzeuge zu deren Herstellung und zur Zerkleinerung der Jagdbeute her und erfanden zum Fischen auch das Boot, für das sie Bäume fällten. Sie erfanden wahrscheinlich auch die ersten Musikinstrumente, Flöten aus Vogelknochen. Wahrscheinlich tauschten Männer auch schon früh ihre Produkte. In der Jungsteinzeit waren sie am Hausbau beteiligt, sie errichteten die Pfostenwerke der Häuser aus dicken Baumstämmen. Das Hüten der wenigen Rinder gehörte zu ihren Aufgaben. Fern der Sippe wandten sie das als Kind erlernte Wissen an, um in der Wildnis wenige Tage überleben zu können, dazu gehörte das Sammeln und die Erstversorgung von Wunden.<br />
Die Arbeitsteilung der Geschlechter war bald ausgeprägt, aber wenige Frauen übten auch die Großwildjagd, während manche Männer z.B. auch Kleidung herstellten. Trotz der Arbeitsteilung gab es keinen Besitz, allen gehörte alles, weil alle alles zum Überleben brauchten. Die matrilineare Kooperation von Frauen und Männern ist in der Tierwelt einzigartig und macht den Erfolg der Menschheit aus.</p>
<h2 id="menschenrecht">Menschenrecht <em>female choice</em>.</h2>
<p>Die Zusammenarbeit beider Geschlechter in der Sippe, in der die Mütter und Kinder stets im Zentrum der Fürsorge standen, ist das Erfolgsgeheimnis der menschlichen Evolution, unseres Menschseins. Die <em>female choice</em> als Basis dieser Kooperation kommt also nicht der Frau allein zugute, sondern allen Menschen, denn der Mann kommt aus der Frau und nicht umgekehrt. Die <em>female choice</em> ist nicht nur ein Frauenrecht, sondern ein echtes Menschenrecht, und die Männer täten auch im eigenen Interesse gut daran, sie zu achten.</p>
<h2 id="irrtum">Patriarchat, der fatale Irrtum von der Frau als Gefäß des &#8222;Samens&#8220;.</h2>
<p>Die ersten Patriarchen überhaupt, nomadische Viehzüchter der eurasischen Steppe und der vorderasiatischen Bergwelten, glaubten dagegen erkannt zu haben, dass der Stier die Kuh, der Hengst die Stute oder der Widder das Schaf befruchtet, was ja &#8222;mit einer Frucht versehen&#8220; bedeutet, und verrannten sich in der Annahme, dass die Frau nur das Gefäß des Samens sei, gewissermaßen ein Obstkorb. Männliche Überheblichkeit wurzelt auf diesem Irrtum. Auf dieser Basis forderten <a class="textlink" href="explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht.htm" target="_blank" rel="noopener">vor 8200 Jahren</a> Männer erstmals das Vaterrecht ein, ein für die Evolution der Menschheit von <a class="textlink" href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2020/05/02/neue-studie-zeigt-die-matrifokalitaet-ist-ueber-3-millionen-jahre-alt/" target="_blank" rel="noopener">mindestens 3 Millionen Jahren</a> verschwindend kleiner Zeitraum.</p>
<p>Goethe schrieb im &#8222;Werther&#8220;:</p>
<blockquote><p>So sehnt sich der unruhigste Vagabund zuletzt wieder nach seinem Vaterlande und findet in seiner Hütte, an der Brust seiner Gattin, in dem Kreise seiner Kinder, in den Geschäften zu ihrer Erhaltung die Wonne, die er in der weiten Welt vergebens suchte. Wenn ich des Morgens mit Sonnenaufgange hinausgehe nach meinem Wahlheim und dort im Wirtsgarten mir meine Zuckererbsen selbst pflücke, mich hinsetze, sie abfädne und dazwischen in meinem Homer lese; wenn ich in der kleinen Küche mir einen Topf wähle, mir Butter aussteche, Schoten ans Feuer stelle, zudecke und mich dazusetze, sie manchmal umzuschütteln: da fühl&#8216; ich so lebhaft, wie die übermütigen Freier der Penelope Ochsen und Schweine schlachten, zerlegen und braten. Es ist nichts, das mich so mit einer stillen, wahren Empfindung ausfüllte als die Züge patriarchalischen Lebens, die ich, Gott sei Dank, ohne Affektation in meine Lebensart verweben kann.</p></blockquote>
<p>Goethe schrieb diese Sätze, die mit sexuellen Anspielungen gespickt sind und ein Nomadenleben zeichnen, ohne über die Entstehung des Patriarchats im Bilde gewesen zu sein!</p>
<p>Die Vorstellung von der Frau als Gefäß hielt mit den erobernden, nomadischen Indoeuropäern vor grob 6000 Jahren auch im ackerbäuerlichen Leben Einzug, wo die Ackerfurche mit den weiblichen Geschlechtsorganen gleichgesetzt wurde. Der Sämann wurde dort der Herr über das Leben der Pflanzen, wo ursprünglich die Frauen den Ackerbau ersannen und die Felder bestellten. Dabei ist der vermeintliche Samen im biologischen Sinne lediglich Pollen. Seine Unfähigkeit zu gebären, führte dem Patriarchen jedoch seine Abhängigkeit vor Augen. Der daraus resultierende Gebärneid wurde ideologisch verarbeitet. An dieser Stelle erfanden Patriarchen den männlichen Gott, <a class="textlink" href="venus-vom-hohle-fels.htm" target="_blank" rel="noopener">den es bis dahin gar nicht gab</a>, und die <a class="textlink" href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/01/17/warum-man-sich-von-gott-kein-bild-machen-soll/" target="_blank" rel="noopener">Theologie, die ihn legitimierte</a>.<br />
Regional unterschiedlich waren dies ein Sonnengott oder ein Wettergott (der Sonderfall des Vegetationsgottes war ihre Vorstufe). Diese Götter wurden nun schwanger und gebaren in Ermangelung der weiblichen Organe Kinder aus verschiedenen Körperteilen. Der darauf einsetzende Stillneid wurde mit dem Konzept des Wettergottes kompensiert, dessen Ejakulat mit der Milch gleichgesetzt wurde und der als Ursprung des fruchtbaren Regens ansehen wurde. Jetzt fühlte sich der Patriarch unsterblich und allmächtig, denn als Wettergott konnte er auch mit Sintfluten alles wieder zerstören. Nun begann der Mann auch den Menschen nach seinen Vorstellungen zu züchten. Dabei spielen bis heute die primären Geschlechtsorgane der Frau eine Rolle, aber auch ihre Intelligenz, die nicht zu hoch sein darf, sowie ihre Herkunft und ihre Mitgift. Schönheitsideale wurden entwickelt und selektiert. Daneben begann auch die Frau, den besonders kühnen und starken Ernährer zu bevorzugen, der zudem noch gewaltbereit war. &#8222;Er formte den Menschen nach seinem Bilde&#8220;, so steht es sinngemäß im Alten Testament.<br />
Heute wissen wir, dass die Vorstellung von der Frau als Gefäß nicht nur falsch ist, sondern dass wir mehr Mutter als Vater sind.</p>
<h2 id="mehrmutter">Deutlich mehr als 50% Mutter</h2>
<ul id="liste3">
<li>Mit ihrer <em>female choice</em> wählt eine Frau den Vater ihres Kindes aus &#8211; sie bestimmt also über die Zusammensetzung der Gene des Kindes &#8211; und mit der <em>cryptic female choice</em> auch über dessen Geschlecht.</li>
<li>Die Mitochondrien, also die Kraftwerke der Zelle, die Lebenskraft, werden immer nur von der Mutter vererbt.</li>
<li>Bei einer Tochter stammen etwas mehr als 50% der Gene im Zellkern von der Mutter, bei einem Sohn sogar deutlich weniger als 50% vom Vater, weil er von ihm lediglich das kleinere Y-Chromosom erbt. Auf dem X-Chromosom liegen <a href="https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Das-X-Chromosom-ist-fuer-die-Hirnfunktionen-ungewoehnlich-wichtig-334143.html" target="_blank" rel="noopener">1098 Gene</a>, auf dem Y-Chromoson nur 63 Gene. Bei allen Menschen sind im Schnitt 4,7 mitochondriale Einschübe in der Kern-DNA zu finden. Bei ca. jedem 4000. Menschen werden Teile der <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitochondrien-dna-torpediert-lehrmeinung/" target="_blank" rel="noopener">Mitochondrien-DNA in den Zellkern eingebaut</a> und väterliche Gene dabei anteilig verdrängt, wodurch ihr Gesamtanteil auch bei Mädchen unter 50% sinkt. Mit zunehmendem Alter <a href="https://www.scinexx.de/news/medizin/y-chromosom-verlust-macht-maenner-kraenker/" target="_blank" rel="noopener">verlieren sogar</a> immer mehr Körper- und Blutzellen der Männer ihr Y-Chromosom.</li>
<li>Im frühen Embryo laufen dramatische Reprogrammierungsprozesse ab, die fast vollständig unter mütterlicher Kontrolle, d.h. vom weiblichen Genom, gesteuert werden. Im Gegensatz zum Spermium liefert die befruchtete Eizelle nicht nur das mütterliche Genom, sondern auch die zelluläre Maschinerie für die Reprogrammierung von väterlichem und mütterlichem Genom. (paraphr. n. HAAF 2003, S. A2304)</li>
<li>Der für die Entstehung eines Kindes relevante männliche Anteil wiegt 3,65 Billionstel Gramm; das ist das Gewicht eines halben Chromosomensatzes. Die gesamte Masse des Kindes wird allein vom mütterlichen Körper gebildet. Das Kind ist &#8222;Fleisch und Blut&#8220; nur der Mutter.</li>
<li>Die Mutter trägt das Kind neun Monate. Das Genom wird während der Schwangerschaft epigenetisch verändert: Hormone der Mutter, Erleben der Mutter und Umweltfaktoren schalten Gene aus oder an.</li>
<li>Wir alle tragen Originalzellen unserer Mutter und Großmutter mütterlicherseits in uns. Diese Entdeckung wird Mikrochimärismus genannt. Die Zellen enthalten also nicht unseren eigenen DNA-Code. Das bedeutet, dass Männer weibliche Zellen in sich tragen, umgekehrt tragen die Mütter die Zellen ihrer Kinder in sich, was eine lebenslange körperliche Verbindung bedeutet, die Väter nicht herstellen können.</li>
<li>Bei der Geburt wird das Kind mit den lebensnotwendigen Darmkeimen der Mutter geimpft.</li>
<li>Die Mutter stillt und gibt dem Kind damit mehr als Geborgenheit und Nahrung: über die Milch nimmt es Immunglobuline und weitere Stoffe auf, die sein Leben prägen werden.</li>
<li>Die Mutter ist bei allen Sorgen und Nöten des Kindes der erste Anlaufpunkt. Es schöpft aus der Mutter sein Urvertrauen.</li>
</ul>
<h2 id="erzfeind">Die <em>female choice</em> als Erzfeind des Patriarchats.</h2>
<p>Die erste Maßnahme des Patriarchats war die Ausschaltung der <em>female choice</em>, salopp gesagt brachte es die weibliche Sexualität unter Kontrolle. Der Patriarch stellt mit der Ehe die &#8222;male choice&#8220; her, die es in der Natur nicht gibt. Zu Beginn des Patriarchats, in der mittleren Jungsteinzeit, war <a class="textlink" href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" target="_blank" rel="noopener">Frauenraub</a> die einzige Möglichkeit, eine Frau in die Ehe zu zwingen. Zahllose Massaker wie die von Talheim, Asparn Schletz, Schöneck-Kilianstätten oder Koszyce<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup> legen davon ein archäologisches Zeugnis ab; ein genetischer Flaschenhals der Y-Chromosomen vor 7000 Jahren belegt das genetisch. Das Patriarchat begann gewaltsam. Frauenraub ist auch in historischer Zeit und in der Gegenwart (Boko Haram, IS) belegt. Die Ehe im großflächig durchgesetzten Patriarchat wird manchmal durch Brautwerbung gestiftet, wobei die Frau ein Vetorecht besitzt. Diese rudimentäre Form der <em>female choice</em> bleibt der Frau bis zur Ehe, danach ist sie dem Ehemann verpflichtet. Doch dies ist die Ausnahme. Die Ehestiftung durch die Eltern findet oft schon zu einer Zeit statt, wo das Mädchen noch nicht weiß, was das für sie bedeutet. Auch die Verheiratung einer erwachsenen Tochter geschieht nie ohne Druck und meist sogar gegen ihren ausdrücklichen Willen. Die Liebesheirat als relativ junge Erfindung folgt der romantischen Vorstellung, einem Zurück zur Natur. Aber auch sie wird per Gesetz zementiert. Goethes Werther verklärt die patriarchalische Zeit der Antike. Dabei befindet er sich immer noch mittendrin im Patriarchat.</p>
<p>Statt mit unserer matrilinearen <b>Sippe</b>, haben wir es im Patriarchat mit der <b>Familie</b> zu tun, deren Oberhaupt der Vater ist und in Abwesenheit der Sohn. Die Familie versteht sich patrilinear und lebt daher auch patrilokal zusammen. Die Frauen befinden sich also in einem fremden Umfeld und sind fremden Männern und Frauen ausgeliefert, welche sie nicht nur befehligen, sondern auch Gewalt gegen sie ausüben. Junge Mütter arbeiten daher am meisten, in einer Zeit, wo ihre Kinder sie am dringendsten bräuchten. Da Frauen in der Altsteinzeit keine Solidarität mit fremden Frauen geübt haben, dieses Verhalten also nur rudimentär selektiert wurde, ist jede fern von ihrer Familie lebende Frau und Mutter bis heute überfordert. Selbst die väterliche Großmutter ist kein Ersatz für die Mutter der Mutter, und richtet sogar noch Schaden an (<a class="textlink" href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/29/die-schwiegermutter-neues-zur-grossmutterhypothese/" target="_blank" rel="noopener">Großmutter-These</a>). Eine Frau sucht sich Freundinnen, die ein Schwester-Ersatz sind, aber oft münden auch Freundschaften im Zickenkrieg. Die Überforderung äußert sich auch in einem schlechten Gewissen, wenn eine Mutter ihr Kind in die Kita bringt. Die Trennung der Mutter vom Kinde ist vom Patriarchat seit jeher gewollt, weil traumatisierte Kinder sich leichter einem Anführer unterordnen. Um die Trennung zu erleichtern, wird der Mutter das Muttersein unerträglich gemacht. Viele Frauen halten Muttersein heute für eine Bürde, die Männer dagegen beneiden sie um ihre Fähigkeit, und der Staat setzt alles daran, die Mutter zu eliminieren.</p>
<h2 id="auswirkungen">Zwischenmenschliche Auswirkungen der Unterdrückung der <em>female choice</em>.</h2>
<p>Die sexuelle Unterdrückung ist kein naturgegebenes Verhalten, wäre dies der Fall, gäbe es die vielen Probleme nicht, die damit verbunden sind. Auch die meisten Zivilisationskrankheiten, Epidemien sowie psychologischen Probleme stehen mit dem Patriarchat in Verbindung. Die Evolution selektierte keine entsprechende verhaltensbiologische Anpassung daran, und auch der weibliche Körper ist nicht an widerwilligen Sex angepasst. Aber heißt das lediglich, dass das <a class="textlink" href="explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht.htm" target="_blank" rel="noopener">8200jährige Patriarchat</a> noch zu jung ist, als dass die Evolution darauf hätte reagieren können? Müssen wir ihr nur mehr Zeit geben? Die <i>female choice</i> ist ein <b>Urinstinkt</b>, der so tief in der Phylogenese aller Lebewesen verankert ist, dass er nicht weggezüchtet werden kann. Und das ist auch gut so, denn in der <i>female choice</i> liegt die einzig humanitäre Lösung aller menschengemachten Probleme, z.B. auch der Umweltzerstörung.</p>
<p>Schon am Anfang des Patriarchats steht die <a class="textlink" href="gewalt.htm" target="_blank" rel="noopener">Gewalt</a> und zwar zunächst mit Entführungen und Vergewaltigung von Frauen und der Tötung ihrer Brüder und Mütter. Mit der Überwachung der Jungfräulichkeit und der vielfach tödlichen Sanktionierung ihres Verlustes vor der Ehe, mit Genitalverstümmelung, Prügeln, Psychoterror, Vergewaltigungen und Erpressung bzw. Androhung der Wegnahme der Kinder wird der Zustand aufrechterhalten. Männer opfern, töten oder missbrauchen ihre Kinder. Die Religionen halten die Heiligen Bücher bereit, in denen die frauenfeindlichen Sitten wie die Züchtigung, das Menstruationstabu oder die Verschleierung vorgeschrieben sind. Die Gewalt steht auch am Ende. Die Last der Kindererziehung liegt in der Familie auf zwei eigentlich fremden Personen, wobei die Mutter die Hauptlast trägt. Konkurrenzkampf und Leistungsdruck terrorisieren jede Familie und entsprechend gering ist die innerfamiliäre Solidarität mit allen psychischen Folgen. Mann und Frau geben sich für die insgesamt unbefriedigende und prekäre Situation meist gegenseitig die Schuld. Und der Mann beschuldigt die Frau, keine Lust mehr zu haben. Die Probleme werden wieder mit Gewalt &#8222;gelöst&#8220;, gegen die Frau, weit seltener gegen den Mann. Mit Prostitution wird das Problem nur umgelenkt. Frauen werden krank und/oder entziehen sich mit Verweigerung, ständigem Streit mit der Familie, Flucht, Selbstmord oder Selbstverteidigung, die aber häufig als Mord abgeurteilt wird, und sie töten ihre Kinder, gezwungenermaßen oder aus Verzweiflung.<br />
Die Frauen dieser Welt sind Kindeskinder von Entführungsopfern des Patriarchats. Als solche sind sie von einem kollektiven Stockholm-Syndrom befallen (Link 1: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html" target="_blank" rel="noopener">Zur peer-reviewten Studie aus HUMAN NATURE</a>, Link 2: <a href="https://www.researchgate.net/publication/267777559_Fitness_Costs_of_Warfare_for_Women" target="_blank" rel="noopener">Original-Studie zum Download</a> Link 3: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Begriff bei Wikipedia</a>, Link 4: nach <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2018/05/10/die-natuerliche-matrifokalitaet-besonderheit-der-menschlichen-spezies/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stephanie Gogolin</a>). Dies erklärt auch die Mitarbeit der Frauen am patriarchalen System und die Verteidigung patriarchaler Werte durch Frauen, wie wir sie z.B. bei &#8222;petit_fleur&#8220; gesehen haben.</p>
<h2 id="gewalt">Gewalt durch Gesetzgebung und Normalität.</h2>
<p>In vielen Gesellschaften ist es der Frau bis heute nicht erlaubt, sich scheiden zu lassen. Viele Frauen werden hingerichtet, weil sie vergewaltigt wurden oder fremdgegangen sind. Die Vergewaltigung in der Ehe gilt dort nicht als Verbrechen, Sex in der Ehe ist Pflicht. Auch in Deutschland gilt der Sex in der Ehe als Kriterium für eine intakte Ehe, er ist eine &#8222;rechtliche Erwartung&#8220;, wenngleich er nicht mehr einklagbar ist, weil die Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt wurde. Dafür bzw. trotzdem nimmt nun die häusliche Gewalt wieder zu. Die <em>female choice</em> ist auch nicht in der UN-Menschenrechtscarta geschützt. Dies wundert nicht, wird dieses Papier doch von Patriarchen abgestimmt.<br />
Ein Menschenrecht wird erst UN-Recht, wenn auch die Männer für sich selbst darin einen Vorteil erkennen. Es sind also die Anthropologen gefragt, dieses Wissen entsprechend zu vermitteln. Eine Aufnahme in die Lehrpläne ist längst überfällig. Die mit der Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai berühmt gewordene Forderung nach dem Schulrecht für Mädchen gehört dazu.</p>
<h2 id="schluss">Schluss.</h2>
<p>Wir ahnen jetzt, dass unserem Werther nicht mehr Patriarchat, sondern KEIN Patriarchat geholfen und das Leben gerettet hätte. Von ihren urologischen Problemen befreit wären auch zahllose Frauen, von denen die Pharmaindustrie so prächtig lebt. Dies sind nur Beispiele; die zahllosen, schweren Probleme der Menschheit sind auf das Patriarchat zurückzuführen. Mit diesem Wissen steht die Lösung schon im Raum.</p>
<p>G. U.</p>
<p>Erstfassung 2015, fortlaufende Aktualisierungen</p>
<h3 id="kritik">Das könnte Sie auch interessieren</h3>
<p><a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice" rel="noopener">&#8222;Antwort auf Meike Stoverocks &#8218;Female Choice&#8216; (2021)&#8220;</a></p>
<h2 id="literatur">Literatur.</h2>
<ul id="liste4">
<li>Alt, Kurt <em>et al.</em>: Insights into the Social Structure of the PPNB Site of Kfar HaHoresh, Israel, Based on Dental Remains. Online-Ressource auf Plos One vom 16.09.2015<a href="https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0134528" target="_blank" rel="noopener">https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0134528</a></li>
<li>Arnold, Carrie: Females&#8216; Eggs May Actively Select Certain Sperm. New evidence challenges the oldest law of genetics. Auf: theatlantic.com vom 25.11.2017 <a class="textlink" href="https://www.theatlantic.com/science/archive/2017/11/choosy-eggs/546062/" target="_blank" rel="noopener">https://www.theatlantic.com/science/archive/2017/11/choosy-eggs/546062/</a><br />
abgerufen am 31.5.2019</li>
<li>Bayer, Johanna: Der Spermien-Mythos. Kein Kampf, kein Wettschwimmen. Auf: WDR-online. 26. Juli 2011<br />
<a class="textlink" href="https://www1.wdr.de/fernsehen/wissen/quarks/sendungen/spermien102.html" target="_blank" rel="noopener">https://www1.wdr.de/fernsehen/wissen/quarks/sendungen/spermien102.html</a></li>
<li>Beicht, Layla: Untersuchung zur Sexualhygiene bei arabischen und deutschen Patientinnen. Dissertation München 2006<br />
<a href="https://edoc.ub.uni-muenchen.de/6487/1/Beicht_Layla.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://edoc.ub.uni-muenchen.de/6487/1/Beicht_Layla.pdf</a></li>
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mutter Natur. Die weibliche Seite der Evolution. Berlin 2000</li>
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere. Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat. Berlin 2010</li>
<li>Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter. Norderstedt 2009</li>
<li>Dugatkin, Lee Alan; Godin, Jean-Guy J.: Wie Weibchen Partner wählen. In: Spektrum der Wissenschaft. 1998, Heft 6, S. 72-77. <a class="textlink" href="https://www.spektrum.de/magazin/wie-weibchen-partner-waehlen/824605" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/magazin/wie-weibchen-partner-waehlen/824605</a></li>
<li>Europäische Kommission: Schöne neue Welt? Prototyp einer künstlichen Gebärmutter bietet Hoffnung für Frühgeborene. https://cordis.europa.eu/article/id/411541-brave-new-world-artificial-womb-prototype-offering-hope-for-premature-babies/de 1.10.2019</li>
<li><span class="x193iq5w xeuugli x13faqbe x1vvkbs x1xmvt09 x1lliihq x1s928wv xhkezso x1gmr53x x1cpjm7i x1fgarty x1943h6x xudqn12 x3x7a5m x6prxxf xvq8zen xo1l8bm xzsf02u x1yc453h" dir="auto">Fitzpatrick, J. L.; Evans, J. P.; Short, R. V.: Chemical signals from eggs facilitate cryptic female choice in humans. In: Proceedings of the Royal Society B, 287, Online-Ressource vom 08.05.</span><span class="x193iq5w xeuugli x13faqbe x1vvkbs x1xmvt09 x1lliihq x1s928wv xhkezso x1gmr53x x1cpjm7i x1fgarty x1943h6x xudqn12 x3x7a5m x6prxxf xvq8zen xo1l8bm xzsf02u x1yc453h" dir="auto">2020</span><span class="x193iq5w xeuugli x13faqbe x1vvkbs x1xmvt09 x1lliihq x1s928wv xhkezso x1gmr53x x1cpjm7i x1fgarty x1943h6x xudqn12 x3x7a5m x6prxxf xvq8zen xo1l8bm xzsf02u x1yc453h" dir="auto"> auf <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32517615/" target="_blank" rel="noopener">https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32517615/</a></span></li>
<li>Gimbutas, Marija: Die Zivilisation der Göttin. Dt. Ausg. Frankfurt 1996</li>
<li>Goethe, Johann Wolfgang von: Die Leiden des jungen Werther. Auf: Gutenberg-Projekt. <a class="textlink" href="https://www.gutenberg.org/cache/epub/2407/pg2407.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.gutenberg.org/cache/epub/2407/pg2407.html</a></li>
<li>Grätzel von Grätz, Philipp: Das X-Chromosom ist für die Hirnfunktionen ungewöhnlich wichtig. In: ÄrzteZeitung, online-Ressource vom 22.04.2005, abgerufen am 23.02.2023. https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Das-X-Chromosom-ist-fuer-die-Hirnfunktionen-ungewoehnlich-wichtig-334143.html</li>
<li>Haaf, Thomas: Geschlechterkonflikt im frühen Embryo. Elternspezifische Reprogrammierung des väterlichen und mütterlichen Erbguts nach der Befruchtung. In: Deutsches Ärzteblatt 2003; 100: A 2300-2308 [Heft 36]
<a href="https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&amp;wo=17&amp;typ=16&amp;aid=38271&amp;s=geschlechterkonflikt" target="_blank" rel="noopener">https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&amp;wo=17&amp;typ=16&amp;aid=38271&amp;s=geschlechterkonflikt</a></li>
<li>Hatt, Hanns; Dee, Regine: Niemand riecht so gut wie du. Aus: Spektrum der Wissenschaft online vom 09.01.2019, abgerufen am 31.5.2019 <a class="textlink" href="https://www.spektrum.de/kolumne/die-magie-der-duftbotschaften-niemand-riecht-so-gut-wie-du/1617470" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/kolumne/die-magie-der-duftbotschaften-niemand-riecht-so-gut-wie-du/1617470</a></li>
<li>Heidinger, Felix; Sommer, Volker: Strategien der Liebe. Zweiteilige Dokumentation 2001</li>
<li>Iven, Jens Peter: Fehlgeburt: Das Trauma vieler Schwangerer. Auf: Urbia<br />
<a href="https://www.urbia.de/magazin/schwangerschaft/fehlgeburt-das-trauma-vieler-schwangerer" target="_blank" rel="noopener">https://www.urbia.de/magazin/schwangerschaft/fehlgeburt-das-trauma-vieler-schwangerer</a> Stand 2015</li>
<li>Losos, Jonathan B.: Wenn die Evolution sich wiederholt. In: Spektrum der Wissenschaft 5 / 2001, S. 36-42; <a href="https://www.spektrum.de/magazin/wenn-die-evolution-sich-wiederholt/827563" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/magazin/wenn-die-evolution-sich-wiederholt/827563</a>, abgerufen am 23.02.2023</li>
<li>Merkelt, Judith: Mikrochimärismus. Wir Omamutterkind-Mischwesen. Online in:<br />
<a href="https://www.spektrum.de/news/wir-omamutterkind-mischwesen/1345475" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/news/wir-omamutterkind-mischwesen/1345475</a> 10.05.2015</li>
<li>Parson, P; Hoffmann-Ammann, B.: Dogma bestätigt: Nur Mütter vererben mitochondriale DNA. Publikation der Medizinischen Universität Innsbruck online vom 12.03.2021 <a href="https://www.i-med.ac.at/mypoint/news/751726.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.i-med.ac.at/mypoint/news/751726.html</a></li>
<li>Podbregar, Nadja: Mitochondrien-DNA torpediert Lehrmeinung &#8211; Anders als gedacht kann mitochondriale DNA in das Zellkern-Erbgut eingebaut werden. In: Scinexx.de vom 07.10.2022 <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitochondrien-dna-torpediert-lehrmeinung/" target="_blank" rel="noopener">https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitochondrien-dna-torpediert-lehrmeinung/</a></li>
<li>Podbregar, Nadja: Y-Chromosom: Verlust macht Männer kränker &#8211; Im Alter wegmutiertes Geschlechtschromosom schädigt Herz und Organe. In: Scinexx.de vom 15.07.2022 <a href="https://www.scinexx.de/news/medizin/y-chromosom-verlust-macht-maenner-kraenker/" target="_blank" rel="noopener">https://www.scinexx.de/news/medizin/y-chromosom-verlust-macht-maenner-kraenker/</a></li>
<li>Prum, Richard O.: The Evolution of Beauty. How Darwin’s Forgotten Theory of Mate Choice Shapes the Animal World – and Us. New York 2017</li>
<li>RND/DPA: Männerkiller im Gewächshaus entdeckt &#8211; Ein Virus tötet ausschließlich Männchen – aber warum? Auf: Redaktionsnetzwerk Deutschland rnd.de vom 10.11.2023 <a class="textlink" href="https://www.rnd.de/wissen/virus-toetet-ausschliesslich-maennchen-aber-warum-DYVHKLO6ARGJZGJVLIVAKVW4NY.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.rnd.de/wissen/virus-toetet-ausschliesslich-maennchen-aber-warum-DYVHKLO6ARGJZGJVLIVAKVW4NY.html</a> abgerufen am 10.11.2023</li>
<li>Schulz, Matthias: Multikulti in der Steinzeit. In: Der Spiegel Nr. 6, 31.1.2015, S.118-119 <a class="textlink" href="https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-131578982.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-131578982.html</a></li>
<li>Schwarzer, Alice: Ask Alice! Gibt es ein Menschenrecht auf Sex? In: EMMA online vom 4. Mai 2015 <a href="https://www.emma.de/artikel/ask-alice-gibt-es-ein-menschenrecht-auf-sex-330063" target="_blank" rel="noopener">https://www.emma.de/artikel/ask-alice-gibt-es-ein-menschenrecht-auf-sex-330063</a> abgerufen am 4. Mai 2015</li>
<li>Seewald, Berthold: So wehren sich gefangene Frauen gegen die Peiniger. Über Jahrtausende hinweg waren Frauen Opfer feindlicher Übergriffe. Aus dieser Erfahrung heraus entstanden Überlebensstrategien wie das Stockholm-Syndrom, sagt eine Evolutionspsychologin. Aus: WELT online, veröffentlicht am 26.11.2014 <a class="textlink" href="https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html</a></li>
<li>Small, Meredith F.: Female choices. Sexual Behavior of female Primates. Ithaca/London 1995</li>
<li>Spiegel-Online: Höhen-Gen: Urmenschen-Erbe gibt Tibetern Kraft<br />
<a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/hoehen-gen-der-tibeter-stammt-vondenisova- menschen-sibiriens-a-978933.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/hoehen-gen-der-tibeter-stammt-vondenisova-<br />
menschen-sibiriens-a-978933.html</a> 03.07.2014</li>
<li>von Streit, Cornelia: Der Mythos vom Jungfernhäutchen. Trends über die Jahrhunderte bis heute. In: Terre des Femmes. Frauensolidarität 2/2009. S. 22-23<br />
<a href="https://www.frauenrechte.de/images/downloads/zeitschriften/Frauensolidaritaet-108-Mythos-Jungfernhaeutchen.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://www.frauenrechte.de/images/downloads/zeitschriften/Frauensolidaritaet-108-Mythos-Jungfernhaeutchen.pdf</a></li>
<li>Sugiyama, Michelle Scalise: Fitness Costs of Warfare for Women. In: Human Nature 25(4), 11/2014. DOI: 10.1007/s12110-014-9216-1 <a class="textlink" href="https://www.researchgate.net/publication/267777559_Fitness_Costs_of_Warfare_for_Women" target="_blank" rel="noopener">https://www.researchgate.net/publication/267777559_Fitness_Costs_of_Warfare_for_Women</a></li>
<li>Suhr, Valerie; Valentiner, Dana-Sophia: Sex in der Ehe als rechtliche Erwartung. Online auf: Forum Recht 02/14<br />
<a href="https://forum-recht-online.de/wp/wp-content/uploads/2014/06/FoR1402_54_Suhr- Valentiner.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://forum-recht-online.de/wp/wp-content/uploads/2014/06/FoR1402_54_Suhr-Valentiner.pdf</a></li>
<li>Tanner, Nancy M.: Der Anteil der Frau an der Entstehung des Menschen. Eine neue Theorie zur Evolution. Frankfurt/M., New York 1994</li>
<li>Terre de Femme: <a href="https://www.frauenrechte.de/unsere-arbeit/themen/gewalt-im-namen-der-ehre/mythos-jungfraeulichkeit/informationen-fuer-maedchen/aktuelle-beitraege">Gewalt im Namen der Ehre: Mythos Jungfräulichkeit</a>. Online-Ressource abgerufen am 11.07.2021</li>
<li>Uhlmann, Berit: Mädchen oder Junge. Kann man das Geschlecht des Kindes beeinflussen? In: Süddeutsche Zeitung online. 23. April 2012<br />
<a href="https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/maedchen-oder-junge-kann-man-dasgeschlecht- des-kindes-beeinflussen-1.1310115" target="_blank" rel="noopener">https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/maedchen-oder-junge-kann-man-dasgeschlecht-des-kindes-beeinflussen-1.1310115</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Vorpatriarchale Kulturleistungen der Frau: In: Schacht, Johanna: Europa heißt die Weitblickende. Norderstedt 2012</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte. Norderstedt 2012</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat. Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt.<br />
Norderstedt 2015</li>
<li>Verrijt, Harrie: Miljoenen om Eindhovense kunstbaarmoeder verder te ontwikkelen. In: Eindhovens Dagblad online vom 08.10.2019 <a href="https://www.ed.nl/economie/miljoenen-om-eindhovense-kunstbaarmoeder-verder-te-ontwikkelen~abb38260/" target="_blank" rel="noopener">https://www.ed.nl/economie/miljoenen-om-eindhovense-kunstbaarmoeder-verder-te-ontwikkelen~abb38260/</a></li>
<li>Yousafzai, Malala; Guggenheim, Davis: Malala &#8211; Ihr Recht auf Bildung. Dokumentarfilm 2015</li>
<li>Zeng <i>et al.</i>: Cultural hitchhiking and competition between patrilineal kin groups explain the post-Neolithic Y-chromosome bottleneck. Nature Communications Vol. 9, Article number: 2077 (2018)<a class="textlink" href="https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6" target="_blank" rel="noopener"> https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6</a> Abgerufen am 1.10.2018</li>
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    "articleSection" : [ "Blasenentzündung nach Sex bei der Frau", "Diese Frau glaubt also, dass ein Mann ein Recht auf Sex hätte, womit sie tief in ein Dilemma gerät.", "Honeymoon-Zystitis", "Immer wieder wird behauptet, der Sinn der female choice bestünde darin, dass die Frau einen starken Mann auswählen muss, der ihre Kinder am besten ernähren kann. Diese Behauptung beruht auf der falschen Annahme, dass es schon in der Altsteinzeit die Familie aus Vater, Mutter und Kind gab.", "Im Schnitt ist dennoch jedes zehnte Kind ein Kuckuckskind, das Ergebnis der heimlich ausgeübten female choice. Die Anthropologen nennen das \"Gen-Shopping\".", "Als Platzhirsche, die mit ihren stolzen Geweihen eindrucksvolle, martialisch wirkende Rangkämpfe austragen, werden sie häufig als \"Patriarch\" oder als \"Chef\" bezeichnet. Aber auch der Hirsch kann sich nicht gegen den Willen der Hirschkuh mit ihr paaren und sie paart sich am Rande des Kampfplatzes auch mit anderen Hirschen. 
    Denn ein einzelnes Männchen hat keine Handhabe, alle Weibchen gleichzeitig unter Kontrolle zu bekommen. Hirsche kümmern sich auch nicht um die Ernährung ihrer Kinder oder bestimmen über sie; das aber macht letztlich einen echten Patriarchen aus. Dennoch ist der männliche Hirsch ein zufriedenes und sogar eindrucksvolles Tier. Es wollte doch auch niemand behaupten, dass die Hirschkuh dem Hirschen Hörner aufsetzt, oder?", "Unter der freien female choice gibt es keinen Zwang zum Sex, sondern die freie Wahl des Partners, der Zeit, des Ortes und der Art von Sex. Unter frei gelebter female choice hat Sex beim Menschen keine soziale Funktion!", "Beim ersten persönlichen Kontakt analysiert eine Frau unbewusst die sog. chemotaktischen Signale eines Mannes.", "versteckte female choice", "cryptic female choice", "Nicht das schnellste Spermium gewinnt im Wettrennen, sondern die Spermien werden von der weiblichen Schleimhaut passiv transportiert und von ihrem sauren Milieu sogar angegriffen.", "Nicht das erste Spermium gelangt in die Eizelle, sondern dasjenige, welches sie hereinlässt.", "Beginnt die Eizelle sich danach zu teilen und wächst ein Embryo heran, prüft der weibliche Körper die Lebensfähigkeit des heranwachsenden Kindes und entscheidet, ob es zur Geburt kommen wird oder zu einer Fehlgeburt. Die meisten Frauen wissen gar nicht, dass sie schon viele Fehlgeburten hatten, ja es kommt aufgrund der unbewussten female choice zu mehr Fehlgeburten als zu Geburten.", "female choice", "female choice", "Auch beim Menschen ist die female choice keine rein persönliche Angelegenheit, vielmehr hat sie evolutionäre Tragweite: 1. Sie verändert das Aussehen und das Verhalten der Arten und bewirkt damit Vielfalt. 2. Sie sorgt für genetische Vielfalt und die Gesundheit der Population. 3. Sie verhindert eine Schwangerschaft in belastenden Fällen. 4. Sie sorgt für ein artgemäßes Zahlenverhältnis der Geschlechter. 
    5. Sie verhindert Überbevölkerung. 6. Sie führt zu Matrifokalität und damit zu größtmöglicher Solidarität unter den Sippenmitgliedern, zu Fürsorge und Kooperation.", "female choice", "female choice", "female choice", "In dem Moment, wo die female choice aufgrund patriarchaler Zwänge und Werte nicht mehr frei gelebt werden kann und darf, sind die Grenzen zur MENSCHENZUCHT überschritten.", "Eine Frau, die ihre female choice frei auslebt, hat immer wieder neue Partner. Im Idealfall hat jedes ihrer Kinder einen anderen Vater. Die Chemotaxis selektiert dabei Männer, die besonders gut zu den Genen der Frau passen, d.h. sich unterscheiden. Eine starke Durchmischung der Gene und die exogame Sexualität, bei uns Menschen die matrilokale Ausübung der Exogamie, verhindern, dass zu häufig zwei Chromosomensätze aufeinander treffen, die die gleichen Schäden aufweisen und daher nicht mehr kompensiert werden könnten. 
    Die female choice verhindert in der Regel, dass Geschwister miteinander Sex haben. Im seltenen Falle einer Geschwisterliebe sind aber unter dem Idealfall verschiedener Väter statt zwei nun drei verschiedene Genpools an der Entstehung eines Kindes beteiligt, nämlich der der Mutter und die Genpools der beiden unterschiedlichen Väter.", "Verhinderung von Schwangerschaft in belastenden Fällen.", "Artgemäßes Zahlenverhältnis der Geschlechter.", "Verhinderung von Überbevölkerung. Eine Frau, die ihre female choice lebt, hat nicht mehr Sex als eine patriarchale Frau, sondern weniger. Im patriarchalen Ehebett ist die Ehefrau den sexuellen Begierden ihres Mannes schutzlos ausgeliefert. Er glaubt, ein Recht auf Sex zu haben, sie glaubt, ihm dies geben zu müssen. Entsprechend schnell wird sie kurz aufeinanderfolgend und damit häufiger schwanger.", "Denn mit dem Ende der Verliebtheit nach ca. 3 Monaten geht auch das Bedürfnis der Frau mit diesem Mann 
    zu schlafen stark zurück bzw. verschwindet ganz.", "In dieser bis zu fünf Jahre dauernden Stillzeit bewirken die Still-Hormone, dass die Mutter nicht schwanger wird (siehe Punkt 3) und sie hat oft auch keinen neuen Liebhaber, weil sie in ihr Baby verliebt ist. Die menschliche Natur kennt zudem keinen Zwang zur Mutterschaft.", "Matrifokalität: Solidarität, Fürsorge und Kooperation. Der Mensch ist ein sehr soziales Wesen, das ohne eine Fokussierung auf die Frau mit ihrem Kind, also auf die Mutter, in der Wildnis nicht hätte Überleben können. Die lange Baby- und Kleinkindphase machte es erforderlich, dass die Gruppe auf das Wohlergehen von Mutter und Kind ausgerichtet war. Mütter haben das überleben der Gruppe gesichert, indem sie auch als Großmütter, Schwestern, Töchter und Cousinen der mütterlichen Linie zusammenhielten und sich gegenseitig über die lange Kleinkind- bzw. Stillzeit hinweg halfen. In der \"Sippe\" genannten Gruppe 
    hielten auch die männlichen Mitglieder solidarisch zu ihnen und fühlten sich für die blutsverwandten Kinder mitverantwortlich, obwohl es nicht ihre leiblichen Kinder waren.", "Unter der female choice binden sich Frauen nicht lange an Männer und haben dafür wechselnde Liebhaber. Daher ist der biologische Vater eines Kindes unsicher oder unbekannt. Alle Kinder einer Mutter gelten als Vollgeschwister und sie führen sich auf sie allein zurück.", "Das Vaterrecht ist also kein Naturgesetz, sondern kulturell hergestellt.", "In ihrem Buch \"Mutter Natur\" weist sie daraufhin, dass es den Jägern weit mehr um - wörtlich - Angeberei geht, als darum, Fleisch für die Kinder ins Lager zu tragen", "Auf diese Weise wurde die matrilokale Ausübung der Exogamie gefördert. Ein Mann, der viele männliche Freunde in anderen Sippen hatte, hatte auch häufiger Gelegenheit, eine Frau kennenzulernen. Sex wurde aber nicht gegen Fleisch getauscht, wie es gerne phantasiert wird. 
    Ein solches Tauschgeschäft wäre nicht im Gleichgewicht mit der female choice.", "Die Kooperation in der Sippe bedeutete, dass Mütter immer auch Zeit für anderes hatten. So gilt heute als gesichert, dass sie die wesentlichen Erfindungen der Menschheit machten, die den Menschen von der übrigen Fauna unterscheiden: Die Tragevorrichtung für das Baby, Tragebeutel und Sammeltasche in einem, mit dem die Mutter die Hände frei bekam, die Herstellung von Kleidung aus Pflanzenfasern und Tierfellen, das Zelt, die Flechtkunst, die Fischreuse, die Weberei, das Kochen, die Töpferei und die bildende Kunst. Frauen stellten die Werkzeuge ihrer Technologien selbst her. Als Kennerinnen der Pflanzenwelt und als Hebammen erfanden sie die Medizin und durch Mondbeobachtung den Menstruationskalender. Als Heilerinnen und Schamaninnen waren sie spirituelle Autoritäten. Sie stellten ihre Produkte anderen zur Verfügung: wo ein Problem war, halfen sie selbstlos. Zu Beginn der Jungsteinzeit erfanden 
    sie die Landwirtschaft in Hack- bzw. Gartenbau und zogen Tierkinder auf, die sie in der Wildnis gefunden hatten. Sie waren am Hausbau beteiligt, indem sie Flechtwände herstellten, mit Lehm abdichteten und Dächer mit ihren geflochtenen Matten oder mit Stroh abdeckten.", "Die Arbeitsteilung der Geschlechter war bald ausgeprägt, aber wenige Frauen übten auch die Großwildjagd, während manche Männer z.B. auch Kleidung herstellten.", "Menschenrecht female choice. Die Zusammenarbeit beider Geschlechter in der Sippe, in der die Mütter und Kinder stets im Zentrum der Fürsorge standen, ist das Erfolgsgeheimnis der menschlichen Evolution, unseres Menschseins. Die female choice als Basis dieser Kooperation kommt also nicht der Frau allein zugute, sondern allen Menschen, denn der Mann kommt aus der Frau und nicht umgekehrt. Die female choice ist nicht nur ein Frauenrecht, sondern ein echtes Menschenrecht, und die Männer täten auch im eigenen Interesse gut daran, sie zu achten.", 
    "Die ersten Patriarchen überhaupt, nomadische Viehzüchter der eurasischen Steppe und der vorderasiatischen Bergwelten, glaubten dagegen erkannt zu haben, dass der Stier die Kuh, der Hengst die Stute oder der Widder das Schaf befruchtet , was ja mit Frucht versehen bedeutet, und verrannten sich in der Annahme, dass die Frau nur das Gefäß des Samens sei, gewissermaßen ein Obstkorb.", "Die Vorstellung von der Frau als Gefäß hielt mit den erobernden, nomadischen Indoeuropäern vor grob 6000 Jahren auch im ackerbäuerlichen Leben Einzug, wo die Ackerfurche mit den weiblichen Geschlechtsorganen gleichgesetzt wurde. Der Sämann wurde dort der Herr über das Leben der Pflanzen, wo ursprünglich die Frauen den Ackerbau ersannen und die Felder bestellten. Dabei ist der vermeintliche Samen im biologischen Sinne lediglich Pollen. Seine Unfähigkeit zu gebären, führte dem Patriarchen jedoch seine Abhängigkeit vor Augen. Der daraus resultierende Gebärneid 
    wurde ideologisch verarbeitet. An dieser Stelle erfanden Patriarchen den männlichen Gott, den es bis dahin gar nicht gab, und die Theologie, die ihn legitimierte. 
    Regional unterschiedlich waren dies ein Sonnengott oder ein Wettergott (der Sonderfall des Vegetationsgottes war ihre Vorstufe). Diese Götter wurden nun schwanger und gebaren in Ermangelung der weiblichen Organe Kinder aus verschiedenen Körperteilen. Der darauf einsetzende Stillneid wurde mit dem Konzept des Wettergottes kompensiert, dessen Ejakulat mit der Milch gleichgesetzt wurde und der als Ursprung des fruchtbaren Regens ansehen wurde. Jetzt fühlte sich der Patriarch unsterblich und allmächtig, denn als Wettergott konnte er auch mit Sintfluten alles wieder zerstören. Nun begann der Mann auch den Menschen nach seinen Vorstellungen zu züchten.", "Heute wissen wir, dass die Vorstellung von der Frau als Gefäß nicht nur falsch ist, sondern dass wir mehr Mutter als Vater sind: Mit ihrer female choice wählt eine Frau den Vater ihres Kindes aus, sie bestimmt also über die Zusammensetzung der Gene des Kindes. Bei einer Tochter stammen etwas mehr als 50% der Gene im Zellkern von der Mutter, bei einem Sohn sogar deutlich weniger als 50% vom Vater, weil er von ihm lediglich das kleinere Y-Chromosom erbt. Auf dem X-Chromosom liegen 1098 Gene, auf dem Y-Chromoson nur 63 Gene. Bei jedem Menschen werden auch Teile der Mitochondrien-DNA in den Zellkern eingebaut. Mit zunehmendem Alter verlieren sogar immer mehr Körper- und Blutzellen der Männer ihr Y-Chromosom. Dazu kommt: Im frühen Embryo laufen dramatische Reprogrammierungsprozesse ab, die fast vollständig unter mütterlicher Kontrolle, d.h. vom weiblichen Genom, gesteuert werden. Im Gegensatz zum Spermium liefert die befruchtete Eizelle nicht nur das mütterliche Genom, sondern auch die zelluläre Maschinerie für die Reprogrammierung von väterlichem und mütterlichem Genom. (paraphr. n. HAAF 2003, S. A2304) Die Mitochondrien, also die Kraftwerke der Zelle, die Lebenskraft, werden immer nur von und über die Mutter vererbt. Der für die Entstehung eines Kindes relevante männliche Anteil wiegt 3,65 Billionstel Gramm; das ist das Gewicht eines halben Chromosomensatzes. Die gesamte Masse des Kindes wird allein vom mütterlichen Körper gebildet. Das Kind ist \"Fleisch und Blut\" nur der Mutter. Die Mutter trägt das Kind neun Monate. Das Genom wird während der Schwangerschaft epigenetisch verändert: Hormone der Mutter, Erleben der Mutter und Umweltfaktoren schalten Gene aus oder an. Wir alle tragen Originalzellen unserer Mutter und Großmutter mütterlicherseits in uns. Diese Entdeckung wird Mikrochimärismus genannt. Die Zellen enthalten also nicht unseren eigenen DNA-Code. Das bedeutet, dass Männer weibliche Zellen in sich tragen, umgekehrt tragen die Mütter die Zellen ihrer Kinder in sich, was eine lebenslange körperliche Verbindung bedeutet, die Väter nicht herstellen können. Bei der Geburt wird das Kind mit den lebensnotwendigen Darmkeimen der Mutter geimpft. Die Mutter stillt und gibt dem Kind damit mehr als Geborgenheit und Nahrung: über die Milch nimmt es Immunglobuline und weitere Stoffe auf, die sein Leben prägen werden. Die Mutter ist bei allen Sorgen und Nöten des Kindes der erste Anlaufpunkt. Es schöpft aus der Mutter sein Urvertrauen.", "Die female choice als Erzfeind des Patriarchats. 
    Die erste Maßnahme des Patriarchats war die Ausschaltung der female choice, salopp gesagt brachte es die weibliche Sexualität unter Kontrolle. Der Patriarch stellt mit der Ehe die \"male choice\" her, die es in der Natur nicht gibt. Zu Beginn des Patriarchats, in der mittleren Jungsteinzeit, war Frauenraub die einzige Möglichkeit, eine Frau in die Ehe zu zwingen. Zahllose Massaker wie die von Talheim, Asparn Schletz oder Schöneck-Kilianstätten legen davon ein archäologisches Zeugnis ab; ein genetischer Flaschenhals der Y-Chromosomen vor 7000 Jahren belegt das genetisch. Das Patriarchat begann gewaltsam. Frauenraub ist auch in historischer Zeit und in der Gegenwart (Boko Haram, IS) belegt. Die Ehe im großflächig durchgesetzten Patriarchat wird manchmal durch Brautwerbung gestiftet, wobei die Frau ein Vetorecht besitzt. Diese rudimentäre Form der female choice bleibt der Frau bis zur Ehe, danach ist sie dem Ehemann verpflichtet.", ". Die Liebesheirat als relativ junge Erfindung folgt 
    der romantischen Vorstellung, einem Zurück zur Natur. Aber auch sie wird per Gesetz zementiert.", "Statt mit unserer matrilinearen Sippe, haben wir es im Patriarchat mit der Familie zu tun, deren Oberhaupt der Vater ist und in Abwesenheit der Sohn. Die Familie versteht sich patrilinear und lebt daher auch patrilokal zusammen. Die Frauen befinden sich also in einem fremden Umfeld und sind fremden Männern und Frauen ausgeliefert, welche sie nicht nur befehligen, sondern auch Gewalt gegen sie ausüben.", "Die sexuelle Unterdrückung ist kein naturgegebenes Verhalten, wäre dies der Fall, gäbe es die vielen Probleme nicht, die damit verbunden sind. Auch die meisten Zivilisationskrankheiten, Epidemien sowie psychologischen Probleme stehen mit dem Patriarchat in Verbindung. Die Evolution selektierte keine entsprechende verhaltensbiologische Anpassung daran, und auch der weibliche Körper ist nicht an widerwilligen Sex angepasst.", "Die female choice ist ein Urstinkt, der so tief in der Phylogenese aller 
    Lebewesen verankert ist, dass er nicht weggezüchtet werden kann.", "Die Religionen halten die Heiligen Bücher bereit, in denen die frauenfeindlichen Sitten wie die Züchtigung, das Menstruationstabu oder die Verschleierung vorgeschrieben sind.", "Die Frauen dieser Welt sind Kindeskinder von Entführungsopfern des Patriarchats. Als solche sind sie von einem kollektiven Stockholm-Syndrom befallen" ]
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    "articleSection" : ". Auch in Deutschland gilt der Sex in der Ehe als Kriterium für eine intakte Ehe, er ist eine \"rechtliche Erwartung\", wenngleich er nicht mehr einklagbar ist, weil die Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt wurde. Dafür bzw. trotzdem nimmt nun die häusliche Gewalt wieder zu. Die female choice ist auch nicht in der UN-Menschenrechtscarta geschätzt. Dies wundert nicht, wird dieses Papier doch von Patriarchen abgestimmt. Ein Menschenrecht wird erst UN-Recht, wenn auch die Männer für sich selbst darin einen Vorteil erkennen. Es sind also die Anthropologen gefragt, dieses Wissen entsprechend zu vermitteln."
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<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das Massengrab von <a href="https://www.herder.de/wbg-magazine/aktuelles/2026/raetselhafte-skelette-der-linearbandkeramik-erste-erkenntnisse-zum-aussergewoehnlichen-fundplatz-von-vrable/" target="_blank">Vráble</a> kann dazu gezählt werden, jedoch gibt es auch Stimmen, die es anders interpretieren.</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice-unser-unbekanntes-menschenrecht">Female choice &#8211; unser unbekanntes Menschenrecht</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Machen Männer Frauen krank? – Die wahren Zusammenhänge von Gesundheit, Familienstand und Arbeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Nov 2017 17:08:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Photo by Melanie Wasser on Unsplash Aus Spaß wird Ernst In den letzten Tagen ging durch die Sozialen Netzwerke eine Schlagzeile der Frauenzeitschrift ELLE-online: &#8222;Jetzt ist es wissenschaftlich bestätigt: Männer...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/machen-maenner-frauen-krank-die-wahren-zusammenhaenge-von-gesundheit-familienstand-und-arbeit">Machen Männer Frauen krank? – Die wahren Zusammenhänge von Gesundheit, Familienstand und Arbeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/j8a-TEakg78?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Melanie Wasser</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
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<h3 id="Aus-Spaß-wird-Ernst">Aus Spaß wird Ernst</h3>
<p>In den letzten Tagen ging durch die Sozialen Netzwerke eine Schlagzeile der Frauenzeitschrift ELLE-online: &#8222;<a href="http://www.elle.de/maenner-machen-frauen-krank" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jetzt ist es wissenschaftlich bestätigt: Männer machen Frauen psychisch krank!</a>&#8220; Die Resonanz war groß; Frauen versahen den Artikel mit einem schallend lachenden Smily und schrieben, dass sie &#8222;es ja schon immer gewusst&#8220; hätten, oder, dass sie &#8222;ohne Partner schon lange pumperlgsund&#8220; seien. Indirekt schwang bei den Kommentaren mit, dass es ihnen nicht nur um Depression, sondern allgemein um Krankheit geht. Und auch ELLE-online scheint das so zu sehen, denn die Internetseite trägt den Titel „Männer machen Frauen krank“. Was die ELLE da so sicher macht, dazu kommen wir später. Wäre die Krankheit von Frauen aber nicht so ein schwerwiegendes Problem, dann hätte die Schlagzeile wahrscheinlich nicht eine so eine große Aufmerksamkeit erregt.</p>
<p>Ich beschäftige mich mit dem Thema Gesundheit schon sehr lange und sammle wissenschaftliche Artikel und Studien, die gesellschaftspolitische Relevanz besitzen. Daher weiß ich, dass solche Aussagen mit Vorsicht zu genießen sind. Das Thema hat in Wahrheit so viel Brisanz und ist so ernst, dass es geradezu fahrlässig ist, die Sache leichtfertig zu behandeln und einen &#8222;Scherz-Artikel&#8220; daraus zu machen.</p>
<p>Auch wenn es manche nicht wahrhaben wollen, es ist ganz allgemein eine Tatsache, dass wir Frauen in besonderem Maße leidgeprüfte Wesen sind. Frau und Leid sind fast schon synonym. Menstruationsschmerzen, PMS, Geburtsschmerzen, Wechseljahrsbeschwerden, Blasenentzündungen, Inkontinenz, Reizdarm, Endometriose, Fibromyalgie, Lymphödem, Thromboseneigung, Depressionen, PTBS, Panikattacken und so weiter. Manches ist Veranlagung, vieles ist Geburtsfolge, manches ist auf andere &#8211; manchmal sehr schlimme &#8211; Weise erworben. Fast immer hat es mit dem spezifischen Frauenleben zu tun. Es gibt aber auch Frauen, die nichts von alledem kennen, oder solche, die eine chronische Krankheit haben, welche keine Schmerzen verursacht und gut eingestellt ist. Unter den Berufstätigen gibt es einige von ihnen, die scheinbar schwerelos durchs Leben gleiten. Sie besitzen eine besonders gute Resilienz.</p>
<p>Um nur einmal im Leben ein Kind zu bekommen, hat manche Frau mitunter 40 Jahre lang, manchmal sogar noch länger, jeden Monat starke Schmerzen. Das durchschnittliche Alter bei der Menopause liegt bei 51 Jahren. Die Zahlen schwanken sehr. Jedenfalls verliert sie viel Blut und erleidet häufig einen folgenreichen Eisenmangel, der nur schwer auszugleichen ist und oft gar nicht diagnostiziert wird. Die Krankenkasse zahlt nur in seltenen Fällen. Von der leider immer noch peinlichen Kleckserei und Geruchsentwicklung, die es aufwändig zu verhindern gilt, ganz zu schweigen. Auch der Vater des Kindes zahlt kein Schmerzensgeld, und versucht manchmal sogar ihr das schwer erarbeitete Kind, an dem er so wenig Anteil hat, zu entreißen.</p>
<p>Was Natur ist, muss ausgehalten werden. Das ist die gerechte Strafe Gottes (welcher im Übrigen selbst ein gebärender Vater sein will)! Ja, wenn sie Schmerzen hat, ist sie selbst Schuld, es gibt doch Tabletten, und es soll ja wie gesagt Frauen geben, die das nicht haben. Was können denn Gesellschaft und Väter dafür?! Tatsächlich finden sich in einer Handtasche jede Menge Tampons, Binden, Schmerztabletten und andere Dinge, die der Frau das (Über-)Leben im Patriarchat ermöglichen. Die Gesellschaft hat sehr viel damit zu tun und der Frauenkörper ist ein kultureller Körper, dessen Integrität ständig infrage gestellt wird, ganz in Gegensatz zum männlichen.</p>
<h3 id="Die-Schmerzensfrau-eine-sehr-kleine-Kulturgeschichte">Die Schmerzensfrau &#8211; eine sehr kleine Kulturgeschichte</h3>
<p>Wenn Männer also tatsächlich Frauen krank machen, wie all die Leserinnen im Internet es spüren, dann sind Frauen schon sehr lange krank, nämlich ungefähr 8000 Jahre, und das muss sich in der Geschichte niedergeschlagen haben und nicht erst heute. Ein Blick in die Bibel und wir werden fündig. Eva wird nach dem Sündenfall mit Geburtsschmerzen bestraft, Adam dagegen mit Arbeit. Das ist interessant, denn heute bekommen Frauen nicht nur unter Schmerzen Kinder, sondern müssen zusätzlich auch zur Arbeit. So will es jedenfalls die Politik, die damit die Strafe Gottes sogar noch übertrifft. Das passiert ausgerechnet in einer Zeit, in der die Bevölkerung beginnt, umzudenken gegen den Zwang zur Arbeit und mit der Forderung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Diese Forderung hat bemerkenswerterweise mehr AnhängerInnen als die Forderung nach einem Müttergehalt und Mütterrente!</p>
<p>Die Katholiken gedenken der Madonna mit den sieben Schmerzen, der Schmerzensmutter immer am 15. September. Diese sieben Schmerzen beziehen sich aber im Wesentlichen auf den Leidensweg ihres Sohnes Jesus, an dem sie als Mutter natürlich mitleiden muss. Das erste Leid ist die Prophezeiung des Simeon, dass ihre Seele von einem Schwert durchbohrt werde. Leid und Mitleiden scheinen in der Maria eins zu sein. Das Schwert symbolisiert aber auch einen vollendeten Muttermord, wenn man so will, das Ende des Leids der Mutter und &#8230;den Endsieg des Patriarchats. Wir sehen an diesem Beispiel, dass das Patriarchat eine bizarre Logik verfolgt, die den Namen nicht verdient.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Madonna mit den sieben Schmerzen, Loretokapelle mit Schwarzer Madonna bei Bad Zurzach, eigenes Werk" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/schmerzensmutter-badzurzach1.jpg?resize=300%2C427&#038;ssl=1" alt="Madonna mit den sieben Schmerzen, Loretokapelle mit Schwarzer Madonna bei Bad Zurzach, eigenes Werk" width="300" height="427" /><br />
Foto: Madonna mit den sieben Schmerzen, Loretokapelle mit Schwarzer Madonna (Hintergrund) bei Bad Zurzach/Schweiz (Gabriele Uhlmann)</p>
<p>Maria war höchstens 12 Jahre alt, als sie Jesus gebar. Denn im Judentum gilt ein Mädchen nur so lange als Jung(e)frau. Das Leid, das ihr selbst im erzpatriarchalischen Israel wegen ihrer unehelichen Schwangerschaft &#8211; aus einer Vergewaltigung und Kinderschändung &#8211; zuteil geworden ist, wurde durch die Lügengeschichte von Mariä Empfängnis vollverschleiert. Wo sie sonst geächtet und zu Tode bestraft worden wäre, muss sie nun „nur“ sieben Schmerzen erleiden, die mit denen ihres Sohnes identisch sind. Selbst Schuld ist sie, so die patriarchalische Denke! Ihr Leid hängt eindeutig mit Männern zusammen, nämlich mit ihrem Vergewaltiger und mit den Männern, die ihren Sohn hingerichtet haben. Mutterleid ist unbeschreiblich, und so manche zerbricht daran. Nicht so Maria, die später noch weitere Kinder bekommen wird, und als Schmerzensheldin gefeiert wird. Maria hält aus, Maria hält durch. Sie weint, aber nicht über sich selbst, sondern über ihren Sohn. Damit ist sie seit jeher ein Vorbild für alle Gläubigen, nicht aber für Frauen, die etwas verändern wollen. Im wahren Leben werden oder sind viele Frauen wegen einer Vergewaltigung oder Missbrauchs im Kindesalter erwerbsunfähig. In der Bibel wird stillschweigend davon ausgegangen, dass Joseph Maria ernährte.</p>
<p>In der weiblichen Literaturgeschichte heben sich besonders die Schwestern Charlotte, Emily und Anne Brontë ab, die in der ersten Hälte des 19. Jh. lebten und alle drei sehr früh starben. Ihre Bücher sind Denkmäler des Frauenleids ihrer Zeit. Schon ihre Mutter starb 38-jährig ein Jahr nach der Geburt von Anne. Die Gesundheit der Kinder litt unter der anschließenden Unterbringung im Pensionat, weshalb sie auch oft Zeit zu Hause verbrachten. Ihr Vater, ein Dorfpfarrer, verlangte von ihnen später, als Gouvernanten zu arbeiten, um ihrem Bruder Branwell das Studium zu ermöglichen. Sie hatten keine Freude an diesem Beruf, und litten unter den Arbeitsbedingungen, die sie körperlich und psychisch krank machten. Viel lieber wollen sie daheim und zusammen Autorinnen sein, aber dahin war es im frauenfeindlichen, victorianischen Zeitalter ein weiter Weg. Sie pflegten auch die kranke Kinderfrau bis an deren Lebensende. An ihrem eigenen Ende hatten sie nicht viel von ihrem Ruhm, der sich schließlich doch noch einstellte. Charlotte starb mit 39 während und wegen ihrer Schwangerschaft, Emily starb mit 30 an einer Lungenentzündung und Anne mit 29 an Tuberkulose. Ihr Vater überlebte alle seine Kinder (auch Branwell, 31) und wurde für die Zeit sehr alt. (vgl. Maletzke 2008) Wie wäre ihr Leben verlaufen, hätte die Mutter noch lange gelebt?<br />
<a title="Branwell Brontë [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AThe_Bront%C3%AB_Sisters_by_Patrick_Branwell_Bront%C3%AB_restored.jpg"><img decoding="async" title="Anne, Emily, and Charlotte Brontë" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/ab/The_Bront%C3%AB_Sisters_by_Patrick_Branwell_Bront%C3%AB_restored.jpg/256px-The_Bront%C3%AB_Sisters_by_Patrick_Branwell_Bront%C3%AB_restored.jpg" alt="Anne, Emily, and Charlotte Brontë" width="256" /></a><br />
Bild: Anne, Emily und Charlotte Brontë, Gemälde von Branwell Brontë, ca. 1834</p>
<p>In unserer modernen Welt der Hochleistungsmedizin stirbt nur noch ausnahmsweise jemand sehr früh und wer krank ist, hat trotzdem meist noch ein langes Leben vor sich. Damit rückt das Problem der Erwerbsminderung und -unfähigkeit in den Vordergrund. Wer krank ist, der ist von Arbeitslosigkeit und Armut bedroht. Unsere Leistungsgesellschaft folgt der Philosophie, dass nur der, der arbeitet, auch ein Recht auf ein gutes Leben hat. Vermögende werden in unserem Gesundheitssystem bevorzugt behandelt, und zahlen nicht einmal in die gesetzlichen Krankenkassen ein. Sie können sich in ihrer Freizeit besser regenerieren und für Körperpflege mehr Geld ausgeben. Wer mehr Geld hat, ist in der Regel schneller wieder gesund. Berufstätige Frauen besitzen eine höhere sog. Bewältigungskompetenz und bessere sog. Bewältigungsstrategien bei Belastungen aller Art. Ihre Resilienz, ihre gute Gesundheit macht sie zu dem, was sie sind. Gesundheit und finanzielle Sicherheit stehen in einer engen Wechselbeziehung zu einander.<br />
Aber jeder Kranke steht unter Generalverdacht, stinkfaul zu sein, und es sich auf Kosten anderer nett zu machen. Nun sind Kranke doppelt gestraft, denn sie leiden unter ihrer Krankheit und gut leben dürfen sie auch nicht. Vater Staat hat eine komplexe, sogenannte Sozialpolitik hervorgebracht, die alles tut, um sich davor zu drücken, sich um die kranken Mitglieder der Gesellschaft so zu kümmern, dass sie am allgemeinen Leben und Wohlstand teilhaben können. Zwar gibt es mittlerweile viele Initiativen für ein barrierefreies Leben, was Körperbehinderten zugute kommt, aber psychisch Kranke sind immer noch allein gelassen und obendrein stigmatisiert. Wenn es stimmt, dass Männer Frauen psychisch krank machen, dann wären Männer noch viel unmittelbarer an Frauenarmut beteiligt, als bisher gedacht.</p>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/440091_web_r_by_maren-bec39fler_pixelio-de.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Altersarmut ist weiblich" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/440091_web_r_by_maren-bec39fler_pixelio-de.jpg?resize=266%2C400&#038;ssl=1" alt="Altersarmut ist weiblich" width="266" height="400" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Foto: Maren Beßler / pixelio.de</span></p>
<p>Die eingangs genannten Frauenleiden, die unmittelbar mit der Gebärfähigkeit zu tun haben, haben wie die Depression nicht selten Erwerbsminderung bis hin zur Berufsunfähigkeit zur Folge. Das fällt nur deshalb nicht auf, weil viele Frauen aufgrund ihrer Beschwerden gar nicht erst versuchen, einen Beruf auszuüben. Und so fallen sie aus der Arbeitslosenstatistik heraus.</p>
<h3 id="tabu-kranke-frau">Tabu Kranke Frau</h3>
<p>Ich weiß, das lesen Feministinnen gar nicht gern, aber es ist an der Zeit, nicht nur über die Mehrwertsteuer von Binden und Tampons zu reden („<a href="http://taz.de/Petition-der-Woche/!5459147/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bluten für die Gesellschaft</a>“), sondern auch über die leidvolle Wahrheit eines Frauenlebens. <strong>Sprechen wir also endlich auch einmal über das letzte Tabu der Frauenbewegung: die kranke Frau.<br />
</strong><br />
Frauen sind, wie milliardenfach bewiesen, nicht wegen ihres Geschlechts weniger für eine Tätigkeit geeignet, und sind nicht „das kranke Geschlecht“. Ganz im Gegenteil, schon von Geburt an sind Mädchen lebensfähiger und stabiler als Jungen. Das männliche Immunsystem ist dagegen lebenslang anfälliger, weil ihm der Östrogenschutz fehlt (Kieselbach 2017).<br />
<strong>Frauen werden anders krank und sie haben andere Bedürfnisse als Männer.</strong> <strong>Sie werden auch krank, weil ihre Bedürfnisse übergangen werden.</strong> So haben Frauen im Laufe ihres Lebens vielfältige Beschwerden, die zwar nicht lebensgefährlich sind, aber in den Bereich des Normalen versetzt werden und gleichzeitig auf fatale Weise tabuisiert sind. Ob und inwieweit diese Tabus und ihre Verdrängung die Beschwerden erst herbeiführen, sollte dringend einmal untersucht werden.</p>
<p>Wie auch immer, in der einseitig auf Männer ausgerichteten Arbeitswelt fühlen sich viele Frauen den ganzen Tag nicht gut, und würden am liebsten nach Hause gehen und sich hinlegen. Frauenbeschwerden betreffen eher den Bauch und die Tabuzone ihres Intimbereiches. Sie schränken die Leistungsfähigkeit, die ein stressig gestalteter Beruf erfordert, erheblich ein. Viele Frauen gehen damit nie zur Ärztin und arrangieren sich notgedrungen irgendwie, weil</p>
<ul id="liste2">
<li>das &#8222;normal&#8220; ist,</li>
<li>es die Kasse sowieso nicht zahlt,</li>
<li>schon die Mutter &#8222;das&#8220; hatte und &#8222;nicht dran gestorben&#8220; ist,</li>
<li>sie wissen, dass die Medizin dafür noch kein Heilmittel kennt,</li>
<li>sie es aus Scham immer wieder verschieben,</li>
<li>sie Angst vor Zurückweisung, Papierkram und Gerichtsverfahren haben.</li>
</ul>
<p>Viele Frauen würden es auch niemals zugeben, dass sie sich täglich zur Arbeit quälen, weil es heutzutage <em>en vogue</em> ist, die multitaskingfähige Powerfrau raushängen zu lassen und keinerlei Schwäche zu zeigen. Denn sie laufen Gefahr, <a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-11/sexismus-buero-arbeit-maenner-frauen-beziehung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sich den Männern gegenüber lächerlich zu machen.</a> <strong>Weibliche Krankheit oder &#8222;Unpässlichkeit&#8220; wurde seit jeher dazu ausgeschlachtet, Frauen aus der Berufswelt herauszuhalten. Aus diesem Grund verdrängt die Frauenbewegung die Tatsachen.</strong> Aber das ist ein großer Fehler; ein #metoo-Aufschrei ist auch in Bezug auf Frauenkrankheit überfällig.</p>
<p>Viele Frauen sind erwerbsgemindert. Erwerbsminderung bedeutet nicht, das eine Frau nicht arbeiten kann, sondern, dass sie nicht in die Anforderungen einer Firma passt, bzw. sie aufgrund ihrer Beschwerden nur kurzzeitig arbeiten kann oder nicht schnell genug oder nur zu bestimmten Tageszeiten. Entweder bleibt eine Kranke ganz zuhause oder schleppt sich in die Firma, es gibt nur schwarz oder weiß. Aber eine dauernd fehlende Mitarbeiterin? Welche ArbeitgeberInnen und welche KollegInnen machen das (lange) mit? Fakt ist deshalb oft, dass eine Erwerbsminderung identisch ist mit Erwerbsunfähigkeit, also auch Berufsunfähigkeit. Auch Berufsunfähigkeit muss erst einmal bewiesen werden, und das ist nicht leicht. Die Ignoranz gegenüber dieser Realität spart Kassen und Versicherungen wahrscheinlich Milliarden.</p>
<h3 id="auswegsackgasse">Ausweg Ehe – Sackgasse Ehe</h3>
<p>Beschwerden sind ein wichtiger Grund, warum viele Frauen am liebsten nur Teilzeit arbeiten, trotz der trüben Aussicht auf eine geringe Rente oder die sogenannte Grundversorgung. Was liegt da näher, als auch nach anderweitiger Versorgung Ausschau zu halten? “In guten und in schlechten Zeiten, bei Gesundheit und Krankheit, bis dass der Tod Euch scheidet“, so lautet das klassische Eheversprechen, auf das sich Frauen lange verlassen konnten, allerdings nur halbwegs. Die Ehe ist traditionell eine Versorgungseinrichtung, die aber nur ein schwacher Ersatz ist für die zerstörte matrilineare Sippe, die Frauen in Europa mancherorts noch bis vor 4500 Jahren bedingungslos und voll absicherte. Frauen, die das patriarchale System nicht mehr ändern konnten und können, waren und sind meist noch heute auf die Ehe angewiesen. Bis vor kurzem funktionierte das, viel mehr schlecht als recht, aber immerhin (noch) irgendwie. Nur beim Ausbruch aus dem patriarchalischen Zwang zur Monogamie, der die Vaterschaft sicherstellen soll, also bei Ehebruch (Stichwort <em><a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">female choice</a></em>), kam eine Scheidung infrage. Welche sich den väterlichen Bedingungen nicht unterordnete, bekam gar nichts mehr, wurde ausgepeitscht oder gleich umgebracht, welche sich züchtig verhielt, wurde manchmal sogar mit Pelzen und Juwelen überhäuft.</p>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/cristian-newman-141875.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1255" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/cristian-newman-141875.jpg?resize=600%2C410&#038;ssl=1" alt="" width="600" height="410" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/cristian-newman-141875.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/cristian-newman-141875.jpg?resize=300%2C205&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/tnxRFtXI9dI?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Cristian Newman</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Seit einigen Jahren ist es mit der Versorgung nicht mehr weit her. Konnte eine Frau auch nach einer Scheidung noch bis vor kurzem Unterhaltsansprüche geltend machen, muss sie heute wieder arbeiten gehen. Es sei denn, sie ist erwerbsunfähig. Wenn sie Pech hat, entzieht sich der Exmann auch dann der Zahlungsverpflichtung. Möglich ist ihm das nämlich, und der Staat zahlt dann einen Unterhaltsvorschuss. Die Ehe soll &#8222;nach dem Willen des Gesetzgebers&#8220; keine Versorgerehe mehr sein, auch nicht für Mütter, daher wird nun auch das Ehegattensplitting infrage gestellt. Heiraten lohnt dann gar nicht mehr. Aber das ist nicht der Untergang des Abendlandes! Denn es wird Druck ausgeübt, dass die Mutter den Kindsvater benennt, um ihm das Sorgerecht zu sichern. <a href="http://www.deutschlandfunkkultur.de/elterliche-sorge-den-vaetern-die-rechte-den-muettern-die.1005.de.html?dram%3Aarticle_id=320034" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das fesselt sie wieder an ihn, ganz so als sei sie mit ihm verheiratet.</a> Existenziell bleibt die Frau aber auf sich selbst zurückgeworfen und vom guten Willen des Kindsvaters abhängig, wenn sie ihr Kind nicht in fremde Hände geben will.</p>
<p>In der Geschichte der Menschheit ist das einzigartig und brandneu. Kein Mensch, besonders keine Frau ist daran angepasst, denn wir sind soziale Wesen durch und durch. <strong>&#8222;Sozial&#8220; bedeutet nicht, miteinander zu whatsappen oder einen Hartz4-Antrag zu stellen, sondern uns gegenseitig zu helfen, und zwar lebenslang wirksam, verlässlich und bedingungslos.</strong> Wir sind so, weil unsere Kinder so lange brauchen, um erwachsen zu werden. Aus diesem Grund würden wir von Natur aus nicht patriarchal, sondern matrilinear leben, und nicht in Familien, sondern in matrilinear/matrilokalen Sippen (vgl. Blaffer Hrdy 2010b). Die Vereinbarkeit von Arbeit und Kinderpflege wäre problemlos gewährleistet. Unter diesen Bedingungen wurde der Mensch ein intelligentes, erfinderisches Wesen. Dass uns heute der Boden unter den Füßen weggerissen ist, ist der wahre Grund, warum Menschen nicht selten an ihrer Lebenssituation erkranken.<br />
<strong><br />
</strong>Kranke Frauen sind gegenüber kranken Männern noch in gewissem Vorteil &#8211; sofern sie nicht von Behinderung betroffen sind &#8211; denn sie können heiraten und sich unter Berufung auf ihre Mutterschaft und Krankheit versorgen lassen. Kein Wunder, dass eine Studie aus den USA (Waldron <em>et al. </em>1982), an welcher Hausfrauen über einen Zeitraum von fast 20 Jahren teilnahmen, Folgendes herausfand:</p>
<blockquote><p>&#8222;<strong>Stabilere und gesündere Frauen beteiligen sich eher am Arbeitsmarkt und bleiben &#8211; wenn sie die Wahl haben &#8211; auch länger erwerbstätig als labilere und weniger gesunde Frauen.</strong>&#8220; (paraphr. nach Gavranidou 1993, S. 237)</p></blockquote>
<p>Die weltweit wichtigste Expertin auf dem Gebiet der „sozialen und verhaltensbedingten Ursachen von Geschlechtsunterschieden bei Gesundheit und Sterblichkeit“, die amerikanische Biologin Ingrid Waldron, die diese Studie federführend auflegte, betont, <strong>dass diese labilen und weniger gesunden Frauen sich ihr Befinden nicht „nur“ eingebildet hatten</strong>. Das wurde durch deren nachgewiesene höhere Sterblichkeit am Ende der Untersuchungszeit bewiesen. Sie sagt damit natürlich nicht, dass Hausfrauen grundsätzlich krank sind, sondern lediglich, dass kranke Frauen dazu neigen, sich in der Ehe abzusichern &#8211; ich muss das nur dazu sagen, weil es Hausfrauen gibt, die das falsch verstehen und sich diskriminiert fühlen, wie ich es vor einiger Zeit erleben durfte.<br />
Ingrid Waldron war 1989 auch an einer Meta-Studie beteiligt, die eine Zusammenschau der Untersuchungen vieler Kollegen lieferte. Dort schreibt sie:</p>
<blockquote><p>&#8222;Jennings <em>et al.</em> zeigten zuerst, dass (&#8230;) beschäftigte Frauen gesünder waren als Hausfrauen. Insbesondere war es weniger wahrscheinlich, dass erwerbstätige Frauen berichteten, dass ihre Gesundheit schlechter war als die der anderen Frauen im gleichen Alter, und dies galt sogar für Analysen, die die Anzahl der Tage chronischer Krankheit und eingeschränkter Aktivität mit einbezogen. Die Beziehung zwischen Gesundheits- und Beschäftigungsstatus wurde erneut getestet, diesmal ausgenommen der Frauen, die berichteten, dass ihre Gesundheit ihren Beschäftigungsstatus beeinflusste. Insbesondere schloß die zweite Analyse Hausfrauen aus, die berichteten, daß ihre schlechte Gesundheit ein sehr oder mäßig wichtiger Grund für ihre Nichtanstellung sei. In dieser Analyse drehte sich die Beziehung zwischen Beschäftigungsstatus und Gesundheit um, wobei Hausfrauen jetzt einen besseren Gesundheitszustand angaben als erwerbstätige Frauen.“ (Repetti et al. 1989, S. 1395, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Die Behauptung, dass (Ehe-)Männer Frauen psychisch krank machen würden, ist damit eine unzulässige Pauschale. Dennoch erkranken in Deutschland doppelt so viele Frauen an Depressionen wie Männer (vgl. Kontio 2012). Die Studie, auf die sich die ELLE-online bezog, stammt von der Universität Padua (Trevisan <em>et al.</em> 2016) und untersuchte Daten älterer Menschen, wobei deutliche Unterschiede zwischen verwitweten Frauen und Männern festgestellt wurden. Die Schlussfolgerungen der Psychiaterin Caterina Trevisan wurden in der ELLE-online wiedergegeben:</p>
<blockquote><p>„Es ist also der viel zu hohe Anspruch an uns selbst, schier Unmögliches leisten zu wollen, der uns irgendwann umhaut. Denn selbst, wenn wir merken, dass alles über uns zusammenbricht und wir schon gar nicht mehr wissen, wie wir es managen sollen, versuchen wir es doch. Unsere eigenen Bedürfnisse haben wir dabei schon längst aus den Augen verloren. Ernste Warnhinweise wie Schlafmangel, Migräne oder Rückenschmerzen werden selbstverständlich ignoriert. Während es Männern nach einer Trennung richtig schlecht geht, blühen die meisten Frauen regelrecht auf. Die Begründung der Forscher: Weil Frauen sich ab dem Moment nicht mehr um zwei Leben kümmern müssen, was Wäsche, Haushalt und Organisation betrifft, fällt ein großer Teil der Verantwortung ab. Dadurch werden sie entspannter und haben zudem wieder mehr Zeit, sich ihren Hobbies, Freunden und sich selbst zu widmen. Männern geht es hingegen nachweisbar schlechter als vorher, weil sie sich um eben diese Dinge nun selbst kümmern müssen. Natürlich sollst du dich nun nicht sofort von deinem Freund trennen, um gesünder zu leben. Aber Psychologen raten Frauen dringlich dazu, in Beziehungen häufiger klare Ansagen zu machen, damit die Arbeit gleichmäßig verteilt wird – und die Zeit einzufordern, sich nur mit sich beschäftigen zu dürfen.“ (Koopmann 2017)</p></blockquote>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1239" title="depression" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/hanna-morris-277321.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Depression" width="600" height="400" /><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/CIVe9Ff2l1w?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Hanna Morris</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Damit scheint es, als sei die Therapie gegen Depressionen ganz simpel. Ist die weibliche Depression aber wirklich nur auf die mangelnde Mithilfe der Männer im Haushalt zurückzuführen? Die Psychologin Ursula Nuber meint dagegen:</p>
<blockquote><p>&#8222;Frauen haben eine viel höhere Beziehungsbedürftigkeit als Männer. Sie definieren sich und ihr Wohlbefinden über ihre Beziehungen zu anderen. Und genau dieses Gefühl der Abhängigkeit kann zur Depression führen&#8220;. (Nuber 2012)</p>
<p>&#8222;’Frauen haben sehr viel mehr Grund zum Grübeln als Männer, weil es in ihrem Leben mehr Anlässe zu Sorge gibt’ (&#8230;) Dazu kommt, dass sie längere Antennen als Männer haben und sensibel Leid und Nöte anderer wahrnehmen. ‚Die Sorgen der Mitmenschen werden schnell zu ihren Sorgen.’ Männer tun das nicht – so das klare Fazit.&#8220; (vgl. Kontio 2012)</p></blockquote>
<p>Die Beziehungsarbeit der Frauen ist der Kitt, der die patriarchale Gesellschaft, die Frauen krank macht, zusammenhält. Der Lohn ist die Depression, Mütterrente gibt es nicht. Die Krankheit ist ganz klar eine Reaktion auf das System, das nicht unserer artgerechten Lebensweise folgt, und keine bedingungslose Versorgung anbietet.</p>
<h3 id="machen-frauen-maenner-krank">Machen Frauen Männer krank?</h3>
<p>Auch Männer sind heute überfordert, wie es die amerikanische Soziologin Christin Munsch in den USA bei einer neuen Untersuchung herausfand. Die Studie verwendet Daten des ‚National Longitudinal Survey of Youth’ aus den Jahren 1997 bis 2011, um die Auswirkungen der Haushaltseinkommensdynamik auf das psychische Wohlbefinden und die Gesundheit in einer national repräsentativen Stichprobe von verheirateten Personen im Alter von 18 bis 32 Jahren zu untersuchen. Als wichtigstes Ergebnis stellt sie fest:</p>
<blockquote><p>„Unsere Studie trägt zu einer wachsenden Anzahl von Forschungsarbeiten bei, die zeigen, wie schädlich geschlechtsspezifische Erwartungen auch für Männer sind. Von Männern wird erwartet, dass sie der Ernährer sind, aber die Versorgung der eigenen Familie mit wenig oder gar keiner Unterstützung hat negative Auswirkungen.“ (ASA 2016, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Wir dürfen nicht vergessen, dass es einst Männer waren, die dieses System selbst installiert haben. Noch bis 1977 konnten Männer in Deutschland Frauen Berufstätigkeit verbieten, und die meisten taten das auch. Es war Jahrtausende lang für Männer die Quelle ihres Selbstbewusstseins, dass ihre Frau „nicht arbeiten musste“ und sie von ihnen abhängig war. Einerseits wird jetzt festgestellt, dass die Männer völlig überfordert sind mit ihrer Rolle, andererseits sind es die Männer selbst, die ihre Macht mit übelsten Mitteln wie dem Sexismus verteidigen. Die Journalistin Jana Hensel schreibt über die weit verbreiteten Herrenwitze im Büro:</p>
<blockquote><p>&#8222;Dieses Lachen ist in Wahrheit eine Geste der Demütigung und Unterwerfung, ein Versuch der Vertreibung, der in letzter Konsequenz sagen will: Eine Frau gehört hier nicht her, eine Frau gehört nicht dazu. Ich glaube keinem Mann, der behauptet, die Aggression so eines Lachens nicht zu bemerken. Sexismus im Büro ist eine alltägliche und ziemlich eingeübte männliche Kommunikationsform, die den Zweck hat, die eigene Macht zu sichern. Frauen, zumal wenn sie selbstbewusst auftreten, stören nämlich in den Augen vieler Männer den normalen Betriebslauf, sie verändern die Routinen, die Rituale, die Übereinkünfte. Sie mischen sich ein. Noch dazu mit einer oft anderen Art zu sprechen, zu denken, zu Entscheidungen zu gelangen. Und sie könnten besser sein als man selbst. Sie könnten eines Tages der Chef sein.<br />
Der Aufstieg der Frauen bereitet den meisten Männern Angst. Dass Frauen in großen Zahlen und mit viel Selbstbewusstsein seit einigen Jahren in die Arbeitswelt drängen, eine Sphäre, die bis vor wenigen Jahrzehnten ganz selbstverständlich ihnen gehörte, und dass der Zeitgeist dabei ganz auf der Seite der Frauen steht, versetzt viele Männer in Panik. Ich habe diese Panik in vielen Momenten gespürt, ich habe sie bei Kollegen genauso gesehen wie bei Freunden. Immer wieder droht sie dann aufzuflammen, wenn eigentlich harmlose Meinungsverschiedenheiten in grundsätzliche Auseinandersetzungen münden, wenn Kritik damit endet, dass einem gänzlich die Kompetenz abgesprochen wird.<br />
Man darf diese Angst nicht unterschätzen, man darf sie nicht bagatellisieren. Sie hat gute Gründe: Denn die Arbeitswelt ist für Männer, anders für Frauen, der fast einzige Bereich im Leben, aus denen sie Sinn schöpfen, der ihnen eine Identität und Halt gibt. Familien können, anders als für Frauen, Männern diese Stabilität nicht ersetzen. Wenn Männer ihren Einfluss in der Arbeitswelt einbüßen, dann bleibt ihnen nicht mehr viel. So einen Verlust als schmerzhaft zu beschreiben bedeutet gleichsam, ihn zu kleinzureden. Dieser Verlust ist ein existentieller.&#8220; (Hensel 2017)</p></blockquote>
<p>Männer besitzen wenig Bewusstsein für ihr selbst fabriziertes Leid, so lange sie es mit Macht kompensieren können. Es sind mächtige, egoistische Männer &#8211; neoliberale, globalisierungssüchtige CEOs – die uns die Probleme bereiten. Aber immer weniger Durchschnittsmänner haben Macht und immer weniger wollen sie eigentlich haben, denn Macht im Kleinen ist mit Verantwortung verbunden, während sich die Mächtigen ganz oben davon befreit haben. Viele Männer haben auch keine sicheren Arbeitsplätze mehr und verdienen weniger. Deshalb müssen viele Frauen heute berufstätig sein, ob sie wollen oder nicht, es wird aber auch moralischer Druck ausgeübt. Es waren die Frauen und Männer der Gender Studies, die aus falsch verstandenem Mitleid mit den „armen, rechtlosen Vätern“, angeführt von einer maskulistischen, gewaltbereiten Gurkentruppe, dafür gesorgt haben, dass die lästigen Mütter spätestens nach einer Scheidung wieder arbeiten müssen oder sich in Armut und die Kinder automatisch in der Kita oder im sog. Wechselmodell wiederfinden. Den Frauen wird allein die Schuld gegeben, für alles. Nach einer Scheidung wollen und sollen Männer wieder mit einer anderen Frau Kinder haben können, sollen wieder väterlich über sie bestimmen können, aber es fehlt den Männern an allem, was sie dazu befähigt, ein gutes Leben für ihre Familie herzustellen, nämlich das natürliche, mütterliche Netzwerk bedingungsloser Liebe und ein in diesem Sinne aufgeklärtes Problembewusstsein &#8230; und alles Elend beginnt von vorne.</p>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/alex-iby-278048a.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1252" title="Frau zwischen Wänden" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/alex-iby-278048a.jpg?resize=350%2C468&#038;ssl=1" alt="Frau zwischen Wänden" width="350" height="468" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/alex-iby-278048a.jpg?w=350&amp;ssl=1 350w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/alex-iby-278048a.jpg?resize=224%2C300&amp;ssl=1 224w" sizes="(max-width: 350px) 100vw, 350px" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/mJOCYM6NV_A?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Alex Iby</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span></p>
<h3 id="Machen-sich-Hausfrauen-an-ihrer-Gesundheit-schuldig">Machen sich Hausfrauen an ihrer Gesundheit schuldig?</h3>
<p>Um allen gerecht zu werden, sollen Frauen, die offenbar allen in jeder Lebenslage nur zur Last fallen, vollzeit berufstätig sein, müssen sich dort aber Sexismus gefallen lassen. Um es den Frauen schmackhaft zu machen, ihre Einstellung zu manipulieren, und vor allem den Politikern Argumente zu liefern, wird behauptet, dass Berufstätigkeit Frauen gesünder mache, ein wahrer Hohn. Die eben genannte Psychiaterin Christin Munsch tutet in dieses Horn.</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Versorgerrolle hat den umgekehrten Effekt für Frauen, wenn es um das psychologische Wohlbefinden geht. Es hat sich gebessert, weil sie einen größeren wirtschaftlichen Beitrag leisten. Umgekehrt verschlechterte ihr psychologisches Wohlbefinden, wenn sie weniger zum Familieneinkommen beitrugen. (&#8230;) Munsch führt diesen unterschiedlichen psychologischen Nutzen auf kulturelle Erwartungen an Männer und Frauen zurück: &#8222;’Männer, die viel mehr Geld verdienen als ihre Partnerinnen, können sich mit einem Gefühl der Verpflichtung und der Sorge um den Erhalt des Status als Ernährer mit dem Broterwerb begnügen’, sagt Munsch. ‚Frauen hingegen können den Broterwerb als Chance oder Wahlmöglichkeit ansehen. Sie können Stolz empfinden, ohne sich zu sorgen, was andere sagen werden, wenn sie es nicht können oder nicht durchhalten (&#8230;) eine gute Nachricht, wenn man bedenkt, dass beide, Ehemann und Ehefrau, normalerweise arbeiten. ‚Unsere Studie zeigt, dass die Entkoppelung von Ernährerrolle von der Männlichkeit konkrete Vorteile für Männer und Frauen hat’, sagt Munsch. ‚Während das psychische Wohlbefinden und die Gesundheit von Männern tendenziell zunehmen, wenn ihre Frauen mehr wirtschaftliche Verantwortung übernehmen, verbessert sich auch das psychische Wohlbefinden von Frauen, wenn sie mehr wirtschaftliche Verantwortung übernehmen.’&#8220; (ASA 2016, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Ist das wirklich eine gute Nachricht? Hier wird das Wohl des Vaters ganz offen gegen den Rest der Familie aufgewogen. Im Patriarchat geht es letztlich immer nur um das Wohl des Vaters. Jetzt seien es also die (Haus-)frauen, die Männer krank machen! Während Männer als Ernährer nun regelrecht psychisch krank werden, werden Frauen als Ernährerinnen angeblich einfach nur zufrieden und stolz? Aber was ist mit den Frauen, die ihre Arbeit weder als Chance noch als Wahlmöglichkeit noch als gutes Leben wahrnehmen? So etwas kommt in Munschs Denken nicht vor. Stolz scheint für sie ein erstrebenswertes Ziel zu sein. Stolz hebt von anderen ab, aber Stolz ist auch narzisstisch. Und Patriarchat macht ja immer irgendeinen stolz, bisher vor allem die Männer, deren Stolz die Welt längst in die Katastrophe getrieben hat. Und: Dummheit. Die wächst ja bekanntlich mit Stolz auf einem Holz. Was ist, wenn es eines Tages aufgrund des enormen gesellschaftlichen Drucks weibliche Vollbeschäftigung gibt und sie so selbstverständlich ist, dass es keine Chancen mehr braucht und Frauen keine Wahl mehr haben? Dann kann Stolz nicht mehr aufkommen – es sei denn alle Männer bleiben nun zuhause bei den Kindern &#8211; und dann sind die Frauen nur noch die „Dummen“, denn sie werden weiterhin Mütter, mit ihrem ganzen Körper und ihrer Seele, und werden noch kränker als die Männer. Mutterschaft ist nämlich keine Rolle, die frau ablegen kann, Vaterschaft dagegen sehr wohl. Heutzutage sind Mütter zum Wohle des Vaters längst am Rande der Erschöpfung. Aber zum Glück arbeitet das Patriarchat ja schon an der künstlichen Gebärmutter, die die lästige Mutter überflüssig macht.</p>
<p>Berufstätige Mütter müssen viel Arbeit an andere delegieren, übrigens schlechtbezahlte Frauen, meist, weil die eigene Mutter, die gar nichts bekäme, auch berufstätig ist oder weit weg wohnt. So fällt am Ende zwar weniger Haus- und Familienarbeit an, aber ein schlechtes Gewissen den Kindern gegenüber bleibt. Gegen das schlechte Gewissen, das wir ja nur haben, weil wir von Natur aus matrifokal sind, wird inzwischen intensiv mit dubiosen Studien Gehirnwäsche betrieben, nach denen Mütter ihren Kindern sogar schaden.</p>
<p>Schon seit längerem liefern auch zahlreiche deutsche Studien, die sich mit der Lebensqualität von Hausfrauen und berufstätigen Müttern befassen, PolitikerInnen Argumente. Hier wurden keine Vorher-Nachher Untersuchungen angestellt, sondern Frauen aus ihrer Situation heraus befragt und daraus Kausalketten konstruiert. Folgender Satz ist symptomatisch:</p>
<blockquote><p>&#8222;Nach unseren Ergebnissen ist daher festzuhalten, dass Berufstätigkeit von Frauen, insbesondere von Schwangeren und Müttern in hohem Ausmaß zu besserer Gesundheit, höherer Lebenszufriedenheit und deutlich gesünderer Bewältigung von Lebensanforderungen führt.&#8220; (Quelle: Borchert, Cotlatz 1992)</p></blockquote>
<p>Es macht sich demnach im Umkehrschluss eine Frau nicht nur an der Gesundheit ihres Mannes schuldig, sondern auch an ihrer eigenen, wenn sie nur Hausfrau ist. Die Vertauschung von Ursache und Wirkung, die Ingrid Waldron schon entlarvt hatte, wird uns hier geschickt untergejubelt. Etwas anderes dringt auch nicht mehr an die Öffentlichkeit. Die Botschaften solch unseriöser Forschung werden schon seit langem über Frauenzeitschriften lanciert, wie in diesem Beispiel, als es in der BRIGITTE um den Themenkreis Endometriose ging:</p>
<blockquote><p><em>&#8222;(&#8230;) Wer am Arbeitsplatz häufig wegen Regelschmerzen fehlt, stößt auf kaum Verständnis. So streben Frauen mit schweren Verläufen sogar die Frühverrentung an. ‚Dabei geht es berufstätigen Endometriose-Patientinnen nachweislich besser.’, sagt Iris Brandes. ‚Das Problem ist nicht ihr Job, sondern die Therapie: Mit der richtigen Behandlung können Frauen arbeiten.’ Doch die finden viele erst am Ende eines langen Leidensweges: auf der Reha-Station einer der wenigen auf Endometriose spezialisierten Kliniken. Dort kann die Suche nach einer individuell passenden Schmerz- und Hormonbehandlung mit Ratschlägen zur Ernährung, Bewegungs- und Körpertherapie kombiniert werden. (&#8230;)</em>&#8220;<br />
(Baumgart in: Brigitte 9/2009)</p></blockquote>
<p>Die Botschaft lautet: „Frauen, reißt Euch zusammen, geht zur Arbeit und alles wird gut.“ Oder noch schöner „es geht Euch schlecht, WEIL ihr nicht arbeitet.“ Tabletten schlucken das ganze Arbeitsleben hindurch und Operationen sollen es ermöglichen. Dass Chemie kein normales Wohlbefinden herstellen kann, ist ja jeder Frau bewusst. Schlimmer ist, dass wir uns damit neue Probleme einhandeln. Schon durchschnittliche <a href="https://generation-pille.com/byebyepille/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pillen-Nutzerinnen</a> wissen das.<br />
<a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/maira-gallardo-330697.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/maira-gallardo-330697.jpg?resize=300%2C200&#038;ssl=1" alt="" width="300" height="200" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/ix645sk3r3g?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Maira Gallardo</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Auch die im Artikel zitierte Medizinökonomin Iris Brandes vertauschte unzulässigerweise Ursache und Wirkung. Denn Frauen, die eine leichte Endometriose haben, gehen auch häufiger in den Beruf, dies aber auch nicht ohne Schmerztabletten. Ihre Behauptung, dass die Endometriose zufriedenstellend behandelbar sei, ist schlicht weg nicht wahr. Tatsächlich geht es vielen Endometriose-Patientinnen bis heute auch mit Therapie so schlecht, dass Selbsthilfegruppen und Internet-Foren regen Zulauf haben, und sie nicht berufstätig sein können. Auf der Homepage der amerikanischen „Endometriosis Association“ können wir daher immer noch lesen:</p>
<blockquote><p>&#8222;<em>Je stärker der hormonelle Eingriff um so ausgeprägter die Nebenwirkungen. Daher wird der Einsatz von GnRH -Agonisten heute kritisch gesehen. Alternativmedizinische Konzepte wie die TCM (traditionelle chinesische Medizin/ u.a. Akupunktur) können vielen Frauen eine nebenwirkungsfreie Behandlung anbieten. (&#8230;) Bei Fällen von schwerer Endometriose kann es aber sogar nach Radikaloperationen oder den Wechseljahren zum Wiederauftreten der Erkrankung im Zusammenhang mit einer Hormonersatztherapie oder noch vorhandener körpereigener Hormonproduktion kommen. Daher empfehlen manche Sachverständige, während einer kurzen Zeit nach der Entfernung der Eierstöcke auf eine Hormonersatztherapie zu verzichten. </em>(&#8230;) <em>Vielleicht werden wir eines Tages dieses komplexe Krankheitsbild verstehen und eine Lösung für alle Unklarheiten, Schmerzen und Frustrationen, die dieses Leiden mit sich bringt, finden.&#8220; (Endometriosis Association 1999)</em></p></blockquote>
<p>Früher konnte sich eine Frau mit Bauchschmerzen ins Bett legen, heute soll sie sich zur Arbeit quälen. Es ist wirklich kein Wunder: Viele Frauen mit Endometriose sind Hausfrauen oder arbeiten Teilzeit; sie sind auf die Versorgung durch ihren Partner angewiesen. Aber: Das Teuflische an der Endometriose ist, dass betroffene Frauen oft Schmerzen beim Sex haben. Anders als bei den meisten anderen Krankheiten haben sie damit genau bei der Sache Schwierigkeiten, wofür die Ehe einst erfunden wurde! Die Ehe dient ja der Kontrolle der Sexualität der Frau und der Verfügbarkeit ihres Körpers, bzw. der Unterdrückung ihrer <em>female choice</em>, und ist die Basis der Herrschaft des Vaters, kurz des Patriarchats. Daher muss sie ihrem Manne exklusiv und jederzeit zur Verfügung zu stehen und soll auch noch Freude zur Schau stellen. Heute ist die Vergewaltigung in der Ehe zwar verboten. Eine Frau, die ihrem Manne aber nicht &#8222;dienlich&#8220; sein kann und will, ist ständig von Scheidung bedroht, was ihr Verhalten wiederum beeinflusst. Und so kommt es, dass Frauen auch heute Dinge tun, die sie nicht wollen, und die sie noch kränker machen. Im Übrigen gilt das auch für Frauen, die beim Sex immer eine Blasenentzündung bekommen. Es gibt hierbei einen deutlichen Zusammenhang mit der missachteten <em>female choice</em> (vgl. Uhlmann 2015). Gleiches gilt auch für das gerade erst öffentlich gewordene Krankheitsbild der <a href="http://wienerin.at/home/lieben/psyche/5103156/Postkoitale-Dysphorie_Depressiv-nach-dem-Sex-Das-koennte-der-Grund" target="_blank" rel="noopener noreferrer">postkoitalen Dysphorie</a>, deren Ursachen nur wenig verstanden werden, weil die <em>female choice</em> in der Schulmedizin bisher nicht vorkommt. Betroffenen Frauen bleibt oft nur die Berufstätigkeit ohne männlichen Lebenspartner oder ein sehr einsichtiger Partner, den frau lange suchen muss.</p>
<p>Abgesehen von diesen, das Sexualleben einer Partnerschaft störenden Krankheiten, schützt die Partnerschaft kranke Frauen offenbar recht gut vor krankheitsbedingtem sozialem Abstieg. Ingrid Waldron legte Ende der Neunziger Jahre drei weitere Studien auf, mit denen sie die Zusammenhänge von Krankheit und Ehe untersuchte, ausgehend von der Beobachtung, dass verheiratete Erwachsene im Allgemeinen gesünder sind als unverheiratete Erwachsene. Alle drei Studien untersuchten dieselbe Gruppe von 3.331 Frauen, eine große nationale Stichprobe aus den USA, die in die „National Longitudinal Surveys of Young Women“ (nationale Langzeituntersuchung an jungen Frauen) einfloss. Die Frauen waren zu Beginn zweier aufeinanderfolgender fünfjähriger Nachbeobachtungsintervalle (<em>Follow-up</em> 1978-1983 und <em>Follow-up</em> 1983-1988) 24-34 Jahre alt.<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8816016" target="_blank" rel="noopener noreferrer" id="die-erste-studie">Die erste Studie</a> überprüfte, ob „die Ehe mit guter Gesundheit verbunden ist, weil sie gesundheitsfördernde Wirkungen hat (Heiratsschutzeffekte) und / oder weil gesündere Personen eher heiraten und verheiratet bleiben (Heiratsselektionseffekte).“ Sie kam zu folgendem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Auswertungen der (&#8230;) Daten deuten darauf hin, dass es signifikante Heiratsschutzwirkungen gab, jedoch nur bei Frauen, die nicht angestellt waren. <strong>Insbesondere bei Frauen, die nicht berufstätig waren, hatten verheiratete (&#8230;) bessere Gesundheitstrends als unverheiratete.</strong> Es scheint, dass die Ehe als alternative Quelle finanzieller und sozialer Unterstützung gesundheitsfördernde Wirkungen für Frauen hatte, die nicht berufstätig waren. <strong>(&#8230;) Insbesondere Frauen, die eine bessere Gesundheit hatten, waren anfänglich eher verheiratet und erlebten weniger wahrscheinlich eine Scheidung, was aber nur für Frauen gilt, die nicht in Vollzeit und nur während des ersten Follow-up-Intervalls beschäftigt waren.</strong> Es ist augenscheinlich, dass bei Frauen, die nicht berufstätig waren, Heiratsschutzeffekte und Heiratsselektionseffekte zum Unterschied (&#8230;) im Familienstand beitrugen. <strong>Im Gegensatz dazu wurden bei Frauen, die Vollzeit beschäftigt waren, weder Heiratsschutz- noch Heiratsselektionseffekte beobachtet.</strong> Wie erwartet, zeigen die Daten, dass die Unterschiede in der Gesundheit je nach Familienstand sehr groß waren, und für Frauen, die nicht erwerbstätig waren, hoch signifikant waren, wohingegen sie für erwerbstätige Frauen viel kleiner und oft nicht signifikant waren. <strong>Frauen, die weder verheiratet noch berufstätig waren, hatten eine besonders schlechte Gesundheit.</strong> Zusätzliche Beobachtungen deuten darauf hin, dass <strong>Frauen, die weder verheiratet noch berufstätig waren, unter mehreren wechselseitigen Benachteiligungen litten, darunter schlechte Gesundheit, niedrige Einkommen und soziodemographische Merkmale, die Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche nach sich zogen.&#8220;</strong> (Waldron <em>et al.</em> 1996, meine paraphrasierte Übersetzung, Verkürzungen dienen der Verständlichkeit, meine Hervorhebungen)</p></blockquote>
<p>Die Ausgangsannahme der gesundheitsfördernden Wirkung der Ehe wurde damit nur für wenig oder nicht berufstätige Frauen bestätigt. Während leicht kranke Hausfrauen in der Ehe sogar gesünder werden, haben schwer kranke Frauen auf dem Heiratsmarkt wenig Chancen. Vollzeit berufstätig profitiert keine Frau von der Ehe.<br />
Es ist ja ganz klar, dass Frauen, die aufgrund ihrer Verfassung in die Ehe gezwungen sind, um abgesichert zu sein, auch nicht besonders glücklich sind, aber doch immerhin glücklicher als ohne jede Sicherheit, was sich natürlich positiv auswirken muss. Gleichzeitig hatten es kranke Ehefrauen viel schwerer, überhaupt einen Partner zu finden, so dass sie wahrscheinlich einfach nur froh und dankbar sind, und sich das Gefühl von Sicherheit positiv auswirkt.</p>
<p><a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9351156" target="_blank" rel="noopener noreferrer" id="die-zweite-studie">Die zweite Studie</a> überprüfte, ob „sich der Familienstand auf die Gesundheit zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten Frauen unterschiedlich auswirkt“. Sie kam zu folgendem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>&#8222;(&#8230;) Wegen körperlicher Beeinträchtigungen und allgemeiner Gesundheitsprobleme tendierten im ersten Follow-up-Intervall nie verheiratete Frauen zu schlechterer Gesundheit als geschiedene und getrennte Frauen. <strong>Für psychosomatische Symptome gab es jedoch keine tendenziellen Unterschiede zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten Frauen des Follow-up-Intervalls auch nicht für irgendeine andere gesundheitliche Messgröße im zweiten Follow-up-Intervall.</strong> Unsere Analysen der Daten zeigten nur wenige signifikante Unterschiede im Gesundheitszustand zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten Frauen. <strong>Zusammengenommen weisen die Ergebnisse unserer Studie und früherer Studien darauf hin, dass Unterschiede zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten Frauen je nach Alter und/oder Kohorte variieren können.</strong> Die augenscheinlichen Befunde für die 1970er und 1980er Jahre legen nahe, dass bei älteren Frauen geschiedene und getrennte Frauen möglicherweise schädlichere gesundheitliche Auswirkungen davon trugen als nie verheiratete Frauen; bei jüngeren Frauen war dieser Unterschied jedoch möglicherweise nicht vorhanden oder möglicherweise aufgehoben worden.&#8220; (Vgl. Waldron <em>et al.</em> 1997, meine paraphrasierte Übersetzung, Verkürzungen dienen der Verständlichkeit, meine Hervorhebungen)</p></blockquote>
<p>Anders gesagt bedeutet das: Dass nie verheiratete Frauen häufiger körperlich krank sind, bestätigt noch einmal die Ergebnisse der ersten Studie, nach der sie schwerer einen Partner finden. Was die psychosomatischen Symptome angeht, vergleicht Waldron Getrennte und nie Verheiratete und stellt fest, dass sie ähnlich gesund oder krank sind. Dieser Befund entspricht im Grunde der Munsch-Studie, aber nur wenn wir voraussetzen, dass diese nie Verheirateten gesunde, berufsorientierte Frauen waren. Auf körperliche und psychosomatische Beschwerden gemeinsam bezogen, verwischte jeder Unterschied zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten. Wird das Alter der Frauen mitberücksichtigt, differenziert sich das Bild noch einmal. Je früher sich eine Frau trennte, desto weniger litt offenbar ihre Gesundheit darunter.</p>
<p><a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9785695" target="_blank" rel="noopener noreferrer" id="die-dritte-studie">Die dritte Studie</a> überprüfte insgesamt vier Hypothesen „über die Auswirkungen von Beschäftigung, Heirat und Mutterschaft auf die allgemeine körperliche Gesundheit von Frauen (&#8230;) Diese Hypothesen sagen voraus, wie der Gesundheitseffekt jeder Rolle variiert, abhängig von den spezifischen Rollenmerkmalen und den anderen Rollen, die eine Frau innehat.“ (Waldron <em>et al. </em>1998)</p>
<p>Die 1. Hypothese ging davon aus, „dass Beschäftigung und Ehe ähnliche Ressourcen zur Verfügung stellen (z. B. Einkommen und soziale Unterstützung), und infolgedessen können Beschäftigung und Ehe sich in ihren vorteilhaften Wirkungen auf die Gesundheit gegenseitig ersetzen.“ Die Untersuchung führte zu folgendem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>„Wie vorhergesagt, stellten wir fest, dass die Beschäftigung bei unverheirateten Frauen positive Auswirkungen auf die Gesundheit hatte, bei verheirateten Frauen jedoch nur geringe oder gar keine Auswirkungen. In ähnlicher Weise hatte die Ehe nur für Frauen, die nicht erwerbstätig waren, gesundheitsfördernde Wirkungen.&#8220; (Waldron <em>et al. </em>1998, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Die 2. Hypothese ging davon aus, dass erwerbstätige Mütter eine Doppelbelastung erfahren, was zu schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit führt. Dazu kam es zu folgendem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>&#8222;Wir fanden jedoch nur <strong>sehr wenige Beweise dafür, dass die Kombination von Beschäftigung und Mutterschaft zu schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit führte.</strong>&#8220; (Waldron <em>et al. </em>1998, meine Übersetzung, meine Hervorhebung)<strong><br />
</strong></p></blockquote>
<p>Im Gegensatz zu den Vorhersagen der 3. Hypothese, der &#8222;Rollenüberforderungshypothese&#8220;,</p>
<blockquote><p>&#8222;<strong>scheint es, dass weder längere Arbeitszeiten noch mehr Kinder schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben.</strong>&#8220; (Waldron <em>et al.</em> 1998, meine Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
<p>Wie durch die 4. Hypothese vorhergesagt,</p>
<blockquote><p>&#8222;schien <strong>das jüngere Alter bei der ersten Geburt</strong>, insbesondere eine Geburt im Teenageralter, zu schädlicheren Gesundheitsfolgen zu führen.&#8220; (Waldron <em>et al.</em> 1998, meine paraphrasierte Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
<p>Anders gesagt bedeutet das: Diese Ergebnisse bestätigen die erste und zweite Studie. Sie liefern nicht den Nachweis, dass die Berufstätigkeit verheiratete Frauen gesünder mache, aber auch nicht kränker. Wie wir ja inzwischen wissen, sind die Frauen, die in den Beruf gehen, überwiegend von vorne herein gesund. Die Studie liefert auffälligerweise kaum Beweise, dass eine Doppelbelastung krank macht. Darüber hat sich auch Ingrid Waldron gewundert. Das steht auch im Kontrast zu Caterina Trevisans Behauptung, dass mehr Mithilfe des Mannes im Haushalt vor Krankheit schützt. Aber Waldron ahnt sehr wohl  &#8211; wie wir alle eigentlich &#8211; dass viele berufstätige Mütter insbesondere kleiner Kinder am Rande der Erschöpfung sind (vgl. Repetti <em>et al.</em> 1989, S. 1394 u. 1399). Aber selbst die Kinderzahl hat der Studie zufolge keinerlei Auswirkungen auf die Gesundheit. &#8222;Nur sehr wenige Beweise&#8220; bedeutet zwar nicht &#8222;keine Beweise&#8220;, wenn wir aber bedenken, dass diese meisten Frauen 1. als Berufstätige eher von vorne herein gesund sind, 2. die Zahl ihrer Kinder selbst bestimmen können, 3. aufgrund ihrer Berufstätigkeit Zugang zu Hilfsangeboten haben, 4. sie Hausarbeit delegieren können, 5. sie das Geld haben, teure Gesundheitsangebote wahrzunehmen und 6. oft die Option haben, auch in Teilzeit zu gehen, ist das nicht verwunderlich.<br />
Ein sehr junges Alter bei der ersten Geburt ist dagegen meist eine unfreiwillige Situation. Dass hier gesundheitliche Schwierigkeiten auftreten, kann unterschiedliche Gründe haben, die aber vor allem im Umfeld der Mutter zu suchen sind, jedenfalls ist sie in Anbetracht der prekären Situation, in die sie meist gerät, zwangsläufig überfordert.</p>
<h3 id="die-patriarchale-realitaet-macht-frauen-krank">Die patriarchale Realität macht Frauen krank</h3>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/scott-webb-386701.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Mehrparteienhaus" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/scott-webb-386701.jpg?resize=300%2C445&#038;ssl=1" alt="Mehrparteienhaus" width="300" height="445" /></a></p>
<p><span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/sgMdt0sTi0s?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Scott Webb</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
<br />
Wir wissen, dass vieles, was Frauen krank macht, direkt mit der Partnerschaft zu tun hat: die Konflikte mit dem Ehemann, der indirekt aufrechterhaltene Zwang zum Geschlechtsverkehr bzw. die sexuelle Unfreiheit, ein schnarchender Ehemann, herrschsüchtige Schwiegereltern, häusliche Gewalt u. v. m.. Letzteres wurde jüngst vom BKA untersucht, mit dem Ergebnis, dass die Familie der gefährlichste Ort für Frauen und Kinder ist. Krankmachend ist auch die für das Patriarchat typische Wohnsituation. Nachbarschaftsstreit und Isolation in engen Wohnungen oder im Golden Käfig, trägt das seine dazu bei. Es ist aber auch nicht von der Hand zu weisen, dass Berufstätigkeit Frauen krank macht, und zwar vor dem Hintergrund der durch und durch patriarchalen Philosophie der Berufswelt, einer Welt, die von Männern für Männer gemacht wurde und in die Frauen sich nun integrieren (sollen).</p>
<p>Krank machende Faktoren der Arbeit selbst sind bekanntermaßen &#8211; das gilt für beide Geschlechter &#8211; lange Arbeitszeit, Schichtarbeit, schwere körperliche Arbeit oder überwiegend sitzende Tätigkeiten, Kontakt mit Giftstoffen oder Krankheitserregern, das Arbeitsklima unter den Kollegen, die Führungsqualitäten des Chefs/der Chefin, unverschämte Kunden, mangelnde Lohngerechtigkeit und die Einstellung zur Arbeit. In einer Studie der Ohio State University aus dem Jahre 2016 wurde nun festgestellt, dass zuviel Arbeit vor allem Frauen krank macht. Sie untersuchten eine Gruppe von 7492 Personen aus der „National Longitudinal Survey of Youth“, die 32 Jahre Berufserfahrung hatten (1978 bis 2009)</p>
<blockquote><p>&#8222;Diese Studie zielt darauf ab, das chronische Krankheitsrisiko im Zusammenhang mit längerer Arbeit in Stundenplänen für acht schwerwiegende chronische Krankheiten zu bewerten: Herzerkrankungen, Nicht-Hautkrebs, Arthritis, Diabetes, chronische Lungenerkrankungen, Asthma, chronische Depression und Bluthochdruck. (&#8230;) Die regelmäßige Arbeit über 32 Jahre hinweg war signifikant mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen, Hautkrebs, Arthritis und Diabetes assoziiert. Das beobachtete Risiko war bei Frauen viel größer als bei Männern. (&#8230;) Langfristige Arbeitszeitpläne über viele Jahre erhöhen das Risiko für bestimmte chronische Krankheiten, insbesondere für Frauen.&#8220; (Dembe <em>et al.</em> 2016)</p></blockquote>
<p>Frauen sind auch häufiger krankgeschrieben als Männer, obwohl sie bekanntermaßen mehr auf ihre Gesundheit achten und sich besser ernähren:</p>
<blockquote><p>„Der Krankenstand der weiblichen Versicherten ist mit durchschnittlich 4,2 Prozent – wie auch in den Vorjahren – höher als der der männlichen Versicherten (3,7 Prozent). Wie der Altersverlauf zeigt, liegt der Krankenstand der Frauen praktisch in allen Altersgruppen über dem der Männer. Der höhere Krankenstand von Frauen ist im Wesentlichen auf eine höhere Fallhäufigkeit (121,3 Fälle bei Frauen gegenüber 104,0 Fällen bei Männern je 100 Versichertenjahre) zurückzuführen.“ (Storm 2017, S. 14)</p></blockquote>
<p>Frauen leben auch länger als Männer, halten also trotz aller Schwierigkeiten länger durch. Sie sind als Berufstätige möglicherweise auch deshalb gesünder, <strong>weil</strong> sie sich häufiger krankschreiben lassen und sich so vor krankmachender Arbeit besser schützen. Sie scheuen sich weniger, sich krankschreiben zu lassen, denn sie haben meist feine Antennen dafür, was sie sich zumuten können, und oft sind sie nicht Alleinverdienerinnen, die um ihren Job fürchten müssten. Aber Frauen lassen sich noch viel zu wenig krankschreiben. Viele werden erst richtig krank, <em>weil</em> sie es sich nicht leisten können, weil sie <em>nicht krank</em> werden dürfen. Im Übrigen auch nicht ihre Kinder! Sehr kleine Kinder sind besonders anfällig und leiden besonders darunter, aber ausgerechnet sie werden in der Kita dauerhaft vielen Erregern ausgesetzt, die sie obendrein an ihre Eltern und Erzieherinnen weitergeben. Eine vergleichbare Ansteckungsgefahr hat es in der Evolution nie gegeben, und die <a href="http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/58634/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Medizin fängt jetzt erst an zu verstehen, was das anrichten kann</a>. Wenn das Kind krank wird oder wenn die Kita schließen muss, bleibt der Mutter oft nur noch, sich selbst krank zu melden, weil ihre Urlaubstage und vertraglich geregelten kindbedingten Fehlzeiten, die viel zu knapp bemessen sind, schon verbraucht sind. Manchen mag das wie eine die Gesellschaft ausbeutende Trickserei vorkommen, aber sie sollten dran denken, dass Mütter die Berufstätigen von morgen großziehen, die eines Tages auch die Rente erarbeiten.</p>
<h3 id="Schon-die-Maedchen-werden-krank-gemacht">Schon die Mädchen werden krank gemacht – Kinderarbeit und Drill</h3>
<p>Wir Frauen werden schon früh trainiert, uns anzupassen. Die Schule nimmt auf die Beschwerden von Mädchen keine Rücksicht. In der aktuellen <a href="https://www.kiggs-studie.de/deutsch/home.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) des Robert-Koch-Instituts</a> lesen wir:</p>
<blockquote><p>&#8222;In der Altersgruppe der 14- bis 17-Jährigen schätzten Mädchen ihre Lebensqualität signifikant niedriger ein als gleichaltrige Jungen. In den beiden jüngeren Altersgruppen war kein Geschlechterunterschied in der Lebensqualitätseinschätzung zu beobachten.&#8220; (Ellert et al. 2014, S. 801)</p></blockquote>
<p>Alle Jugendlichen leiden unter chronischem, von der Schule aufgezwungenem Schlafmangel und Stress, dies ausgerechnet in einer Zeit, wo sich das Gehirn noch entwickeln muss. Aber Mädchen sind besonders leidgeprüft. Es ist tatsächlich kein Geheimnis, dass Mädchen in den ersten Tagen der Menstruation oft starke Schmerzen haben und häufig dem Unterricht fernbleiben oder nicht den Anforderungen folgen können. Das Horrorszenario überhaupt ist ein Blutfleck auf der Kleidung, das es um jeden Preis zu vermeiden gilt, aber der <a href="https://www.mynfp.de/unregelmaessiger-zyklus" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zyklus</a> ist unberechenbar, und schon greifen Mädchen zur Pille.<br />
Ständig unter Konkurrenz versuchen sie ihre sexuelle Attraktivität auch durch aufwändiges Herausputzen zu steigern, evolutionär gesehen, um baldigst schwanger zu werden. So betrachtet ist es kein Wunder, dass &#8222;Germany&#8217;s Next Topmodel&#8220; so erfolgreich ist. Die KiGGS-Studie zeigt nun, dass rund jedes fünfte Kind einzelne Symptome einer Essstörung aufweist. Obendrein empfand sich fast jedes zweite Mädchen zwischen 11 und 17 Jahren als zu dick (vgl. Burger 2017). Das Schönheitsideal hat nichts mit den evolutionären Erfordernissen zu tun. Aber nicht Heidi Klum ist daran Schuld, sondern das patriarchale System, in dem junge Frauen verzweifelt nach einem guten Leben suchen müssen. Doch alle gemeinsam arbeiten daran, das zu verhindern. Die zunehmenden Fälle von Magersucht zeigen, dass Mädchen dem Druck nicht mehr gewachsen sind. Trotz aller Schwierigkeiten „ihren Mann zu stehen“ und gleichzeitig eine attraktive Frau zu sein, schaffen die Allerwenigsten. Dass Mädchen keinen Hass auf ihren Körper entwickeln, ist schon die Ausnahme.</p>
<p><span style="font-size: 8px;"><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/henrique-felix-113544.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1267" title="ein dünnes Süppchen" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/henrique-felix-113544.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="ein dünnes Süppchen" width="600" height="400" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/henrique-felix-113544.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/henrique-felix-113544.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><br />
Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/JVkGUwTYQag?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Henrique Félix</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Die amerikanische Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy klärt uns darüber auf, dass natürlicherweise die Mädchen am wenigsten arbeiten, die alten Frauen dagegen am meisten:</p>
<blockquote><p>„Bei einigen Jäger-Sammler-Gruppen wie den Pumé in Venezuela beispielsweise beginnt die Durchschnittsfrau erst mit Mitte zwanzig, ihre Nahrung für sich selbst zu sammeln. (&#8230;) Selbst wenn sie harte Arbeit leisten, etwa Knollen ausgraben, buddeln Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren weniger Knollen in einer Stunde aus als ältere Frauen, die schon über 40 sind. Wenn die Nahrung ins Lager zurückgetragen wird, sind es am Ende aus irgendeinem Grunde immer die starken jungen Frauen, die die leichtesten Lasten tragen. (&#8230;) Teenager sind (&#8230;) unter Umständen nicht mit ganzem Herzen bei der Sache, selbst dann nicht, wenn es sich um eine leichte Aufgabe handelt. (&#8230;) Es ist so, als schonen Teenager sich für etwas Besseres – was unter dem Gesichtspunkt der Fortpflanzung auch tatsächlich so ist. (&#8230;) Moderne Mütter machen grimmige Witze über den Narzissmus der jungen Frauen, ihre Ich-Bezogenheit, Unruhe und ihre Fixiertheit auf das andere Geschlecht. Doch von ihrem Standpunkt aus gesehen arbeiten die Mädchen um die Zeit der Menarche auf ihre Weise hart: sie programmieren nämlich ihren Hypothalamus und ihre Eierstöcke neu (&#8230;) Heranwachsende haben mitunter Erwartungen und setzen Prioritäten, die sich stark von denen der Eltern unterscheiden. Auch wenn sie den Grund dafür nicht kennen, werden sie, wenn es hart auf Hart kommt, ihr eigenes Fortpflanzungspotenzial nicht zu Gunsten eines fremden Babys aufs Spiel setzen. „Kinderarbeit, das soll wohl ein Witz sein“, lamentiert eine Mutter (&#8230;) ermüdet vom Widerstand ihrer Tochter gegen jede Hausarbeit.“ (Blaffer Hrdy 2010a, S. 316 f)</p></blockquote>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Mädchen auf dem Jahrmarkt" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/annie-gray-401017.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Mädchen auf dem Jahrmarkt" width="600" height="400" /><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/_O6xCs0P-NI?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Annie Gray</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Mädchen interessieren sich jedoch bei weitem nicht nur für Jungen, sondern sind schon lange bevor sie Mutter werden damit beschäftigt, <a href="http://www.spektrum.de/news/kinder-koennen-auch-ohne-vater-gluecklich-aufwachsen/1479737" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ein helfendes Netzwerk zu schaffen</a>. Sarah Blaffer Hrdy schreibt dazu:</p>
<blockquote><p>„Beginnend im Mädchenalter, werden Frauen mit zunehmendem Alter immer geschickter darin, Freundschaften zu schließen. Diese Neigungen wurzeln anders als bei Männern nicht in dem Bestreben, Jagdgefährten oder Waffenbrüder zu finden. Ob bewusst oder nicht, suchen Frauen nach ‚Schwestern’, die ihnen bei der Versorgung ihrer Kinder zur Seite stehen. Selbst der starke Drang, sich beliebt zu machen und ‚dazuzugehören’, der bei Mädchen im Teenageralter so unverkennbar ist und der zur Folge hat, dass sie äußerst empfindlich darauf regieren, was andere von ihnen denken, aber auch, dass sie sehr konkurrenzorientiert sind und andere rücksichtslos ausschließen, hat möglicherweise viel mit dem Aufbau von Bindungen zutun, die in den Umwelten unserer Vorfahren für die erfolgreiche Aufzucht von Kindern von entscheidender Bedeutung gewesen sein dürften.“ (Blaffer Hrdy 2010b, S. 372 f)</p></blockquote>
<p>Das Netzwerken ist für Frauen evolutionär gesehen eine brandneue und daher sehr anstrengende Arbeit, weil sie ursprünglich in ein bestehendes, funktionierendes Netzwerk, nämlich die matrilineare Sippe, hineingeboren wurden. Männer sind dagegen seit Urzeiten daran gewöhnt, mit fremden Männern Kontakt aufzunehmen und bildeten einst Jagdkollektive. Mittlerweile ist klar, dass das Überleben der Gruppe nicht vom Jagderfolg abhing, sondern vom Sammeltalent der Frauen. Es wurde nur selten ein großes Tier erbeutet. Männer gingen zur Jagd, um mit dem Gejagten angeben zu können. Ein erfolgreicher Mann hatte mitunter häufiger Liebhaberinnen. (vgl. Blaffer Hrdy 2010a, S. 312 u. 332)</p>
<p>Ich sehe das steinzeitliche Netzwerk der Männer als ein Werkzeug der <em>female choice</em> an. Das Netzwerk der untereinander nicht verwandten Männer war die Eintrittskarte jedes Einzelnen in die Sippe des Anderen. Nur wer zum Netzwerk gehörte, war vertrauenswürdig genug, sich den Frauen nähern zu dürfen. Das Netzwerk lieferte nicht nur neue Männer, es schützte auch vor Übergriffen.</p>
<p>Im Patriarchat, wo es keine matrilineare Sippe mehr gibt, ist es für Mädchen überlebensnotwendig geworden, ein Netzwerk aus eigentlich fremden, konkurrierenden Frauen aufzubauen. Evolutionär darauf nicht vorbereitet, läuft das nicht ohne Schwierigkeiten ab und die Netzwerke sind äußerst instabil. Zickenkrieg, Stutenbissigkeit und auch die männlichen Freunde, die überall dabei sind und obendrein eine Herausforderung für die <em>female choice</em> sind, erschweren die Herstellung von Frauenfreundschaften. Was früher von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ablief, wird durch das Internet offensichtlich. Cybermobbing ist unter Mädchen weit verbreitet und macht viele Mädchen krank.<br />
<a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/jacob-townsend-440823.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Junge Frauen in Trennung" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/jacob-townsend-440823.jpg?resize=600%2C421&#038;ssl=1" alt="Junge Frauen in Trennung" width="600" height="421" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/sOK08OmFu04?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Jacob Townsend</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Das von Mädchen mühsam und unter Einsatz ihrer Gesundheit aufgebaute Netzwerk wird mit dem Ende der Schulzeit zerstört, nämlich indem sie ihre Ausbildung nach Möglichkeit weit entfernt absolvieren sollen. Später müssen sie oft in einer anderen Stadt berufstätig sein, was dann bedeutet, dass auch die während der Ausbildung neu geknüpften Netzwerke zerstört werden. Was bedeutet es für das Gefühl der Selbstwirksamkeit einer jungen Frau, wenn das, was ihr am wichtigsten ist, immer wieder zerstört wird? Vielleicht ist die Kompensation dieses Effekts der wahre Grund, warum Mädchen zunächst bessere Noten erzielen als Jungen, im Berufsleben aber wieder in der zweiten Reihe stehen. Das Patriarchat verhindert den Aufbau dauerhafter weiblicher Netzwerke und sorgt für eine weitgehende Isolation. Im Laufe ihres Lebens zerbricht so Manche, die einst so hoffnungsvoll begann.</p>
<p>Die Gebärfähigkeit oder die Größe des sozialen Netzwerkes waren bei den Studien über arbeitende Frauen kein Kriterium für Gesundheit, obwohl das aus medizinischer und verhaltensbiologischer Sicht so ist. Es wurde aber angenommen, dass berufstätige Frauen größere Netzwerke hätten, und deshalb gesünder seien. Dem ist jedoch nicht so, und je mehr Hilfe sie brauchen, desto weniger haben sie:</p>
<blockquote><p>„Die Netzwerkarbeit ist (&#8230;) für viele Frauen nicht so einfach und so lohnend wie für Männer. NetzwerkforscherInnen konnten nachweisen, das berufstätige Frauen mit kleinen Kindern Zeit- und Energierestriktionen unterliegen, die einen negativen Einfluss auf die Größe und das Kontaktvolumen ihrer persönlichen Netzwerke haben (&#8230;).“ (Tonn 2015, S. 180)</p></blockquote>
<p>Das Vorhandensein von Netzwerken oder die Möglichkeit solche zu bilden dürfte also auch entscheidend für die gesundheitlichen Auswirkungen der Berufstätigkeit von Frauen sein.</p>
<p>Wie wir oben erfahren haben, arbeiten bei den Naturvölkern die älteren Frauen am meisten, also auch nicht die Frauen, die gerade kleine Kinder haben. Aber heute wird genau das von jungen Müttern verlangt, nachdem man ihnen alle Netzwerke zerstört hat. Das Potential, das ältere Frauen natürlicherweise noch haben, wurde im Patriarchat vorzeitig verbraucht und kann daher kaum erkannt werden. Sie sind erschöpft, und insbesondere die, die berufstätig waren, unternehmen lieber Kreuzfahrten, als ihren Töchtern zu helfen. Jetzt, sagen sie, seien sie auch mal dran. Sie waren es also während ihres ganzen Berufsleben nicht! Die, die sich einen Egotrip nicht leisten können, verbringen ein Alter im Abseits, wenn die Töchter weit entfernt wohnen. Das Patriarchat hat alles auf den Kopf gestellt. Ein gutes Leben ist damit für Mütter unmöglich gemacht. Wir meinen trotzdem häufig, alles zu haben, nennen uns zufrieden, aber wir wissen nicht, was uns entgangen ist!</p>
<p>Wie es sich schon bei Mädchen abzeichnet, haben Frauen evolutionär bedingt andere Prioritäten als Männer. Die Gesundheit einer Frau im Arbeitsleben hängt in ganz entscheidendem Maße davon ab, ob sie ihre Arbeit als sinnstiftend empfindet und freiwillig macht. Frauen sind von Natur aus viel wählerischer als Männer. Sie müssen so sein, weil sie in höherem Maße Verantwortung tragen. Die <em>female choice</em> und die richtigen Entscheidungen im Alltag, z.B. Wohnort oder Ernährung, all dies ist für Frauen extrem wichtig, weil sie für die nächste Generation mitentscheiden müssen. Warum sollte es bei der Arbeit anders sein und vor allem: warum sollte sich eine Frau festlegen müssen? Wird das alles übergangen, werden Frauen krank, das bestätigen auch die Studien:</p>
<blockquote><p>&#8222;Eine Analyse (&#8230;) spricht dafür, dass Erwerbsbeteiligung nur für verheiratete Frauen mit einer positiven Einstellung zur Erwerbstätigkeit einen positiven Einfluss auf die selbstverordnete allgemeine Gesundheit hat. Verschiedene Querschnittsstudien haben auch gefunden, dass die Verbindung von Berufstätigkeit und guter Gesundheit für diejenigen Frauen stärker ist, die eine positive Einstellung zur Berufstätigkeit haben oder für Frauen, die eine solche dem Hausfrauendasein vorziehen. (&#8230;) Zusammengefasst deuten diese Befunde daraufhin, dass Berufstätigkeit positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat, wenn es eine Übereinstimmung zwischen der Einstellung der Frauen zu oder dem Wunsch nach Berufstätigkeit und ihrem tatsächlichen Rollenstatus gibt.&#8220; (Repetti <em>et al.</em> 1989, S. 1397, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Wer eine überzeugte Hausfrau dazu zwingt, berufstätig zu werden, fügt ihr Schaden zu. Es ist nicht anderes, als wolle man eine Soziologin dazu zwingen, Ingenieurin zu sein. Gleiches gilt, wenn man eine berufsorientierte Frau dazu zwingt, Hausfrau zu sein. Es verbietet sich demnach jede Einmischung in die Lebensgestaltung von Frauen. Stattdessen muss dem Patriarchat auf den tiefsten Grund gegangen werden. Damit meine ich die Philosophie, die die Matrifokalität, das natürliche Schutz- und Netzwerk der Frau, vollverschleiert und sogar abtötet, und Vaterschaft und Familie zu einer Sache der Gerechtigkeit erklärt. Auf dem gleichen Altar der Gerechtigkeit fordert der Feminismus Gleichberechtigung. Es ist aber so, dass Gleichberechtigung nicht identisch ist mit Egalität, und sie verhindert Egalität sogar. Rechte werden vergeben &#8211; und zwar nicht ohne den Segen der Männer &#8211; und können von ihnen wieder genommen werden, solange sie die Gewalt und Macht des Vaters besitzen.</p>
<p>Die Mädchen bzw. Frauen werden schon früh gedrillt, trotz ihrer Beschwerden und Bedürfnisse zu funktionieren, in einer Weise, wie es Jungen bzw. Männern unbekannt ist. Ihre spezifischen Bedürfnisse, auch die von Kindern, werden mit Füßen getreten. Die Leistungsgesellschaft bietet nicht die Sicherheit, die junge Frauen bewusst oder unbewusst suchen und tatsächlich auch brauchen, wenn sie tatsächlich Mutter werden. Junge Frauen spüren überall, wie ihnen der schwankende Boden unter den Füßen ganz weggerissen wird.<br />
Der Feminismus hat erreicht, dass Frauen sich jetzt selbst erforschen dürfen und unendlich viele Tatsachenverdrehungen richtig stellen können. Wünschenswert wäre, dass sie es auch schonungslos tun! Wir wissen jetzt immerhin, dass Frauen, die vergewaltigt wurden, nicht selbst Schuld sind. Was aber Bedürfnisse angeht, klafft weiterhin eine riesige Lücke zwischen soziologischen Wunschträumen und medizinischer und soziologischer Realität. Daher wird noch mehr Zwang aufgebaut, statt ihn zu hinterfragen. Es ist, wie wir gesehen haben, ganz einfach, die Gruppe der Hausfrauen mit Statistik in Misskredit zu bringen und Druck auf sie auszuüben. Sie sind mittlerweile das Feindbild Nummer eins. Um Geld zu sparen, singen PolitikerInnen &#8211; unterstützt durch eine Clique bezahlter SoziologInnen &#8211; das alte Lied von der Eigenverantwortlichkeit. Das System baut darauf, dass alle gesund sind und es auch bleiben, und es gilt, das nicht sein kann, was nicht sein darf. Chronisch Schwerkranke erhalten zwar gewisse Hilfen, vegetieren aber am Existenzminimum herum und haben so keine Möglichkeit, ihre schlechte Lebensqualität durch Freizeitgestaltung zu verbessern. Besonders kranke Frauen werden diskriminiert. Frauen, die aufgrund von typischen Frauenbeschwerden im Grunde erwerbsunfähig sind, werden sogar als faul oder eingebildet krank abgestempelt. Ihr gesellschaftlicher Beitrag als Hausfrau und Mutter wird nicht honoriert. Ihnen hilft nicht einmal eine Berufsunfähigkeitsversicherung, weil sie theoretisch ja noch arbeiten könnten.</p>
<p>Das Ehegattensplitting, das heute übrigens auch gleichgeschlechtlichen Ehen zugutekommt, ist im Grunde eine Anerkennung dafür, dass eine wirtschaftlich besser gestellte Person eine andere absichert. Aber Politikerinnen und Forscherinnen legen leider viel zu oft ihren eigenen Maßstab an alle anderen Frauen an. Zwar sehen sie völlig zu Recht ein Problem darin, dass viele Frauen in und von der Partnerschaft abhängig sind, interessanterweise aber nicht, wenn Männer sich entscheiden, Hausmann zu werden. Es offenbart sich darin das uralte Ziel des Patriarchats, die Mutter abzuschaffen (vgl. Uhlmann 2015a). Statt die weibliche Care-Arbeit zu vergüten, wird Druck ausgeübt, den sie angeblich problemlos auf noch Schwächere abwälzen können: die Kinder. Erste Alarmsignale, dass Kinder immer häufiger und immer früher krank werden, gibt es schon heute.<br />
Einen Ausweg aus der Situation unter den Bedingungen des Patriarchats bzw. der Väter gibt es nicht. Matrifokales Leben ist dagegen zielführend, arbeitet nicht gegen die Natur und hat nichts mit <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/">Mutterkult</a> zu tun.</p>
<h3 id="literatur">Literatur</h3>
<p>Baumgart, Julia: Im Job bleiben aber wie? Rubrik Gesundheit: Endometriose. Das vernachlässigte Leiden. In: Brigitte 9/2008</p>
<p>Blaffer Hrdy, Sarah: Mutter Natur. Die weibliche Seite der Evolution. Berlin 2010 (engl. Originalausgabe 1999) (2010a)</p>
<p>Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere. Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat. Berlin 2010 (engl. Originalausgabe 2009) (2010b)</p>
<p>Borchert, Henning; Cotlatz, Jürgen: Empirische Analysen zu weiblichen Lebenssituationen und Gesundheit. In: Leokadia Brüderl, Bettina Paetzold (Hrsg.) Frauenleben zwischen Beruf und Familie. Psychosoziale Konsequenzen für Persönlichkeit und Gesundheit. Weinheim München 1992</p>
<p>Bundesrepublik Deutschland: Flyer der Bundesregierung. Gender Mainstreaming. Was ist das? Berlin 2006.</p>
<p>Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Mädchen und Jungen in Deutschland. Lebenssituationen, Unterschiede, Gemeinsamkeiten. Berlin 2008</p>
<p>Burger, Kathrin Magersucht: Warum nehmen Essstörungen zu? In: Spektrum der Wissenschaft online vom 24.02.2017<br />
<a href="http://www.spektrum.de/news/essstoerungen-wie-magersucht-nehmen-zu/1439050" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.spektrum.de/news/essstoerungen-wie-magersucht-nehmen-zu/1439050</a></p>
<p>Dembe, Allard E.; Yao, Xiaoxi: Chronic Disease Risks From Exposure to Long-Hour Work Schedules Over a 32-Year Period. In: Journal of Occupational &amp; Environmental Medicine: September 2016 &#8211; Volume 58 &#8211; Issue 9 &#8211; p 861–867.<br />
Doi: 10.1097/JOM.0000000000000810<br />
<a href="http://journals.lww.com/joem/Citation/2016/09000/Chronic_Disease_Risks_From_Exposure_to_Long_Hour.2.aspx" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://journals.lww.com/joem/Citation/2016/09000/Chronic_Disease_Risks_From_Exposure_to_Long_Hour.2.aspx</a></p>
<p>Donner, Susanne: Wenn harmlose Erreger psychisch krank machen. Aus: Bild der Wissenschaft online. 09.05.2007<br />
<a href="http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/58634/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/58634/</a></p>
<p>Ellert, U., Brettschneider A.-K.; Ravens-Sieberer, U.; KiGGS Study Group: Gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse der KiGGS-Studie – Erste Folgebefragung (KiGGS Welle 1) Bundesgesundheitsblatt 2014 · 57:798–806<br />
DOI 10.1007/s00103- 014 -1978- 4<br />
<a href="http://edoc.rki.de/oa/articles/rewpcO0jJpaCw/PDF/20mHufW2LSvbQ.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://edoc.rki.de/oa/articles/rewpcO0jJpaCw/PDF/20mHufW2LSvbQ.pdf</a></p>
<p>Endometriosis Association, Inc: Aufklärung Unterstützung Forschung. Flyer Issued 1980, Revised Milwaukee 1999<br />
<a href="http://www.endometriosisassn.org/brochures/german.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.endometriosisassn.org/brochures/german.pdf</a></p>
<p>Franke, Mirijam: Kampf der Geschlechter: Macht Arbeit nur Frauen krank? Auf:<br />
<a href="https://arbeits-abc.de/viel-arbeit-macht-frauen-krank/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://arbeits-abc.de/viel-arbeit-macht-frauen-krank/</a> abgerufen am 15.11.2017</p>
<p>Gavranidou, Maria: Wohlbefinden und Erwerbstätigkeit im Familienverlauf. In: Bernhard Nauck (Hrsg.) Lebensgestaltung von Frauen. Eine Regionalanalyse zur Integration von Familien- und Erwerbstätigkeit im Lebensverlauf. Weinheim; München 1993</p>
<p>Gelitz, Christiane: <span class="article-heading">Kinder können auch ohne Vater glücklich aufwachsen. Aus: Spektrum der Wissenschaft online vom 05.07.2017<br />
<a href="http://www.spektrum.de/news/kinder-koennen-auch-ohne-vater-gluecklich-aufwachsen/1479737" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.spektrum.de/news/kinder-koennen-auch-ohne-vater-gluecklich-aufwachsen/1479737</a><br />
</span></p>
<p>Hensel, Jana: Lachen als Geste der Demütigung. In: Zeit online vom 14.11.2017<br />
<a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-11/sexismus-buero-arbeit-maenner-frauen-beziehung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-11/sexismus-buero-arbeit-maenner-frauen-beziehung</a></p>
<p>Nuber, Ursula: Wer bin ich ohne dich?: Warum Frauen depressiv werden &#8211; und wie sie zu sich selbst finden. Frankfurt 2012</p>
<p>Kieselbach, Janne: Warum Männer tatsächlich leichter krank werden. Aus: Sciene ORF online. 13.11.2017<br />
<a href="http://science.orf.at/stories/2877788">http://science.orf.at/stories/2877788</a></p>
<p>Kontio, Carina: Depression. Machen Männer Frauen krank? Aus: Handelsblatt online vom 27.09.2012<br />
<a href="http://www.handelsblatt.com/unternehmen/beruf-und-buero/buero-special/depression-machen-maenner-frauen-krank/7176326.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.handelsblatt.com/unternehmen/beruf-und-buero/buero-special/depression-machen-maenner-frauen-krank/7176326.html</a></p>
<p>Koopmann, Anna-Lena: Jetzt ist es wissenschaftlich bestätigt: Männer machen Frauen psychisch krank! ELLE online vom 09. November 2017<br />
<a href="http://www.elle.de/maenner-machen-frauen-krank" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.elle.de/maenner-machen-frauen-krank</a></p>
<p>Maletzke, Elsemarie: Das Leben der Brontës. Frankfurt a.M. Leipzig 2008</p>
<p>ASA. American Sociological Association online: Being the Primary Breadwinner is Bad for Men’s Psychological Well-Being and Health. 9.8.2016:<br />
<a href="http://www.asanet.org/press-center/press-releases/being-primary-breadwinner-bad-mens-psychological-well-being-and-health" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.asanet.org/press-center/press-releases/being-primary-breadwinner-bad-mens-psychological-well-being-and-health</a></p>
<p>Repetti; Rena L.; Matthews, Karen A.; Waldron, Ingrid: Employment and Women’s Health. Effects of Paid Employment on Women’s Mental and Physical Health. In: American Psychologist Nov. 1989 Vol. 44, No. 11, 1394-1401</p>
<p>Robert Koch-Institut: Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KIGGS). Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey. Mai 2007.</p>
<p>Ruhdorfer, Karoline: Elterliche Sorge. Den Vätern die Rechte, den Müttern die Pflichten. Aus: Deutschlandfunk Kultur online vom 18.05.2015<br />
<a href="http://www.deutschlandfunkkultur.de/elterliche-sorge-den-vaetern-die-rechte-den-muettern-die.1005.de.html?dram:article_id=320034" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.deutschlandfunkkultur.de/elterliche-sorge-den-vaetern-die-rechte-den-muettern-die.1005.de.html?dram:article_id=320034</a></p>
<p>Storm, Andreas (Hrsg.): DAK Gesundheitsreport 2017. Beiträge zur Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung (Band16). Hamburg 2017<br />
<a href="https://www.dak.de/dak/download/gesundheitsreport-2017-1885298.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.dak.de/dak/download/gesundheitsreport-2017-1885298.pdf</a></p>
<p>Trevisan, Caterina <em>et al.</em>: Marital Status and Frailty in Older People: Gender Differences in the Progetto Veneto Anziani Longitudinal Study. In: Journal of Women’s Health. Volume 25, Number 6, 2016<br />
DOI: 10.1089/jwh.2015.5592<br />
<a href="http://online.liebertpub.com/doi/pdf/10.1089/jwh.2015.5592" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://online.liebertpub.com/doi/pdf/10.1089/jwh.2015.5592</a></p>
<p>Tonn, Julia Jane: Frauen in Führungspositionen: Ursachen der Unterrepräsentanz weiblicher Führungskräfte in Unternehmen. Heidelberg 2015</p>
<p>Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat – Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt. Norderstedt 2015. (2015a)</p>
<p>Uhlmann, Gabriele: Female choice – unser Menschenrecht. Online seit 2015. (2015b)<br />
<a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm</a></p>
<p>Waldron, Ingrid; Herold, Joan; Dunn, Dennis: How valid are self-report measures for evalutating relationships between women’s Health and labor force participation? In: Women &amp; Health Vol.7(2) Summer 1982.<br />
DOI:<a href="https://doi.org/10.1300/J013v07n02_06" target="_blank" rel="noopener noreferrer">10.1300/J013v07n02_06</a></p>
<p>Waldron, Ingrid; Hughes, Mary Elizabeth; Brooks, Tracy L.: Marriage protection and marriage selection&#8211;prospective evidence for reciprocal effects of marital status and health. In: Social Science and Medicine 1996 Jul; 43(1):113-23.<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8816016" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8816016</a></p>
<p>Waldron, Ingrid; Weiss, Christopher C.; Hughes, Mary Elizabeth: Marital status effects on health: are there differences between never married women and divorced and separated women? Social Science and Medicine 1997 Nov;45(9):1387-97.<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9351156" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9351156</a></p>
<p>Waldron, Ingrid; Weiss, Christopher C.; Hughes, Mary Elizabeth: Interacting effects of multiple roles on women&#8217;s health. Journal of health and social behavior.1998 Sep;39(3):216-36.<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9785695" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9785695</a></p>
<p>Wrusch, Paul: Petition der Woche. Bluten für Deutschland. Aus: TAZ online. 11.11.2017<br />
<a href="http://taz.de/Petition-der-Woche/!5459147/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://taz.de/Petition-der-Woche/!5459147/</a></p>
<p><strong>Auch zu empfehlen:</strong></p>
<ul id="liste2">
<li>Hering, Sabine; Maierhof, Gudrun. Die unpässliche Frau: Sozialgeschichte der Menstruation und Hygiene von 1860 bis 1985. Pfaffenweiler 1991.</li>
<li>Kolip, Petra (Hrsg.) Weiblichkeit ist keine Krankheit. Die Medikalisierung körperlicher Umbruchphasen im Leben von Frauen. Weinheim München 2000</li>
<li>Kühn-Mengel, Helga: &#8222;Die mündige „Patientin&#8220;? Vortrag der PatientInnenbeauftragten Berlin auf der 11. AKF-Jahrestagung, 13./14. November 2004, Berlin</li>
<li>Schindele, Eva: Pfusch an der Frau: Krankmachende Normen-Überflüssige Operationen-Lukrative Geschäfte. Frankfurt am Main 1996.</li>
<li>Schumann, Claudia: „Weiblichkeit ist keine Krankheit &#8211; was ist für Frauen gesund?“. Vortrag beim 26. Bremener Schafferinnenmahl 9.11.2000.</li>
<li>Sigel, Mira: &#8222;Wahnsinnsfrauen&#8220; – Psychische Krankheit als Mittel zur Diskriminierung von Frauen, die sich der gesellschaftlich vorgesehenen Rolle verwehren. Online-Ressource auf <a href="https://web.archive.org/web/20211027205948/https://diestoerenfriedas.de/wahnsinnsfrauen/" rel="noopener" target="_blank">https://web.archive.org/web/20211027205948/https://diestoerenfriedas.de/wahnsinnsfrauen/</a> vom 01.03.2016 abgerufen am 20.11.2017</li>
<li>Steinle-Paul, Elisabeth: &#8222;Weiblichkeit ist keine Krankheit &#8211; Über die Gesundheit in den Lebensphasen&#8220;. Vortrag anlässlich der Eröffnung des Frauentages der VHS Karlsruhe von, Stuttgart 2002</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/machen-maenner-frauen-krank-die-wahren-zusammenhaenge-von-gesundheit-familienstand-und-arbeit">Machen Männer Frauen krank? – Die wahren Zusammenhänge von Gesundheit, Familienstand und Arbeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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