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	<title>Patrilokalität Archive - Gabriele Uhlmann</title>
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		<title>Großmutter-Hypothese? Großmutter-These!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Oct 2025 12:58:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Anthropologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bild: &#8222;Großmutter und Enkelin&#8220; Ausschnitt aus einem Holzstich von Ludwig Richter (1803-1864) Die Entdeckung der evolutionären Rolle der Großmutter Der Sinn der Menopause sei, dass Mütter schneller wieder schwanger werden...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/grossmutter-hypothese-grossmutter-these">Großmutter-Hypothese? Großmutter-These!</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Bild: &#8222;Großmutter und Enkelin&#8220; Ausschnitt aus einem Holzstich von Ludwig Richter (1803-1864)<img decoding="async" style="display: none !important;" src="https://vg01.met.vgwort.de/na/ac227f65dc774c44a0a2c636ffe53a47" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h2 id="die-entdeckung-der-evolutionaeren-rolle-der-großmutter">Die Entdeckung der evolutionären Rolle der Großmutter</h2>
<p>Der Sinn der Menopause sei, dass Mütter schneller wieder schwanger werden können, wenn ihnen post-menopausale Frauen bei der Kinderpflege helfen. Dies war im Jahre 1998 die zentrale Aussage der Anthropologin Kristen Hawkes, die als Begründerin der Großmutter-Hypothese bekannt wurde. Auf diesen Gedanken kam sie bei Untersuchungen an dem Wildbeuter-Volk der Hazda in Tansania. Hawkes folgte damit der Auffassung, dass der evolutionäre Erfolg einer Art von der Zahl ihrer Nachkommen abhängt. Mit ihrer Hypothese<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup> erregte Hawkes im Jahre 2004 zwar Aufmerksamkeit, es kamen aber schnell Zweifel auf, denn es gibt artübergreifend neben einer hohen Populationsgröße auch andere Überlebensstrategien. Es hat sich insbesondere für uns Menschen gezeigt, dass eine hohe Kinderzahl sogar belastend ist und zu einer weltweiten Überbevölkerung geführt hat. Der Verdienst für die Wissenschaft besteht nun rückblickend vor allem darin, dass Hawkes das Thema als Erste aufs Tapet brachte und andere ForscherInnen inspirierte, daran weiterzuforschen.</p>
<h2 id="warum-gibt-es-die-grossmutter">Warum gibt es die Großmutter?</h2>
<p>Im Jahre 2003 fragten Jan Beise und Eckard Voland erneut „Warum gibt es Großmütter?“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup> und überprüften die Hypothese anhand von Kirchenbüchern aus dem 19. Jh. von der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Krummh%C3%B6rn" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Halbinsel Krummhörn</a>. Sie fanden überraschenderweise eine erhöhte Kindersterblichkeit, wenn die väterliche Großmutter mit im Hause lebte, salopp gesagt, wenn die Mutter ihre Schwiegermutter am Halse hatte. Die Sterblichkeit war sogar noch höher, als wenn keine der beiden Großmütter mit im Hause wohnte. Die geringste Sterblichkeit war also gegeben, wenn nur die mütterliche Großmutter bei der Kinderpflege mithalf. Damit wurde deutlich, dass es nicht egal ist, welche Großmutter mit im Hause lebt. Die Anwesenheit der mütterlichen Großmutter hat einen positiven Effekt auf das Überleben ihrer Enkelkinder. Das ist der wahre evolutionäre Grund für die Menopause. Kristen Hawkes These musste in dieser Weise modifziert werden und bekam nun politische Relevanz.</p>
<p>Die korrigierte Großmutter-Hypothese führte weiter ein Schattendasein, weil die Evolutionsbiologie &#8211; wie wir noch sehen werden &#8211; sich nicht von der Vorstellung trennen wollte, dass die Schwiegermutter den Fortpflanzungserfolg erhöhe, dies eingedenk der zunehmenden Überbevölkerung. Die großmütterliche Leistung war und ist den „Herren der Schöpfung“ suspekt, zumal der Großvater nun außen vor bleibt. So sehr die Herrschende Lehre die Großmutter-Hypothese zu ignorieren sucht, so groß sind aber auch die Zweifel an der Richtigkeit der positiven Bewertung der Schwiegermutter. Daher werden immer wieder Studien aufgelegt, die den Zusammenhang von Mutter, Großmüttern und Enkelkindern untersuchen.</p>
<h2 id="warum-gibt-es-die-Schwiegermutter">Warum gibt es die Schwiegermutter?</h2>
<p>Die Frage muss nun zu vorderst lauten, warum es die Schwiegermutter gibt, wenn sie doch so schädlichen Einfluss auf ihre Enkelkinder ausübt. Denn die Evolution selektiert nichts im großen Stil, was dem Nachwuchs auch nur ansatzweise schaden könnte. Das wäre ja das Ende aller Arten. Die Anwesenheit der Schwiegermutter deutet daraufhin, dass jemand in die Evolution eingegriffen hat, ohne die weitreichenden Folgen erahnen zu können. Und sie ist ein Anzeichen, dass es mit unserer Art zu Ende geht, trotz und wegen der Überbevölkerung.</p>
<p>Eine Antwort auf die Frage kann nur die unabhängige, interdisziplinäre Patriarchatsforschung liefern, denn sie allein stellt bisher die Natürlichkeit der Schwiegermutter infrage, gerade WEIL diese so einen negativen Einfluss ausübt: Die Existenz der Schwiegermutter ist an die Ehe gebunden und sie war seit dieser Erfindung sogar DIE Garantin für das Funktionieren der stets patriarchalen Familie, denn sie ersetzte die seitdem ausgeschlossene Großmutter mütterlicherseits sowie alle anderen Angehörigen der Mutter. Sie war nie ein Tausendsassa, sondern hat seit jeher nur ein Ziel: Die Sicherstellung der Vaterschaft ihrer Söhne. Ohne die Kenntnis seiner genetischen Kinder kann kein Vater Macht über sie ausüben und auch nicht über andere. Die Herrschaft der Väter, das Patriarchat, muss daher die Mutter regelrecht gefangen nehmen. Zu Recht wird vom Gefängnis der Ehe gesprochen.<br />
Aufseherin war von Beginn an die Schwiegermutter, die sich im Alltag an der sexuellen Kontrolle der jungen Ehefrau, die sie eigentlich als Eindringling wahrnahm, beteiligte, und die sie misstrauisch beäugte. In dieser <strong>Patrilokalität</strong> genannten Zwangslage lebten alle Frauen noch bis vor 100 Jahren, besonders wenn ihre Ehemänner noch Bauern geblieben waren. Das war aber nicht immer so. Diese Lebensweise kam zuerst bei den viehnomadischen Völkern auf, sie haben sie gewaltsam über die Welt verbreitet und bis heute erhalten.</p>
<p>In der Situation der Patrilokalität waren bzw. sind die jungen Mütter den sexuellen Ansprüchen des Ehemannes schutzlos ausgeliefert. Die Ehefrau und Mutter hat ihren Körper zur Verfügung zu stellen, im Gegenzug wird sie mitversorgt. Ein gutes Leben hat sie nicht. Einerseits hat sie häufig Konkurrenz von Nebenfrauen, andererseits ist sie nur geduldet, weil es ohne sie nun mal nicht geht. Die Schwiegermutter versucht, ihre Schwiegertochter, die oft schon mit der Menarche verheiratet wurde, zu erziehen bzw. ihr ihre Kultur aufzuzwingen. Die von vorne herein gestörte Beziehung der beiden führt zu enormem Stress der jungen Mutter und auch deren Kinder. Eine gestresste Mutter hat weniger Milch, wird häufiger krank und erleidet eher Fehlgeburten. Den Kindern geht es entsprechend schlecht. Dies bestätigt die Krummhörn-Studie. Die eheliche Verpflichtung führt zu beinahe jährlichen Geburten, vielen sterbenden Kindern und auch nicht selten zum Tod der Mutter unter der Geburt. Seit der Durchsetzung der Ehe seit grob 8000 Jahren bekommen Frauen wesentlich mehr Kinder als sie unter natürlichen Bedingungen jemals bekommen haben. Das Patriarchat ist unmittelbar für die Überbevölkerung verantwortlich. In Ländern mit hohem medizinischem Standard ist diese Nebenwirkung seit 50 Jahren durch die Pille weitgehend abgestellt. In den meisten Ländern aber ist Empfängnisverhütung unerwünscht, beleidigt sie ja die männliche Potenz.</p>
<h2 id="leben-in-matrifokalitae-unser-angeborenes-sozialverhalten">Leben in Matrifokalität &#8211; Unser angeborenes Sozialverhalten</h2>
<p>Im Gegensatz zu den patriarchalen Verhältnissen bekommt eine Mutter, die unter matrifokalen, also natürlichen Bedingungen lebt, deutlich weniger Kinder und auch nur etwa alle fünf Jahre. Die Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy fand heraus, dass Stillen nach Bedarf, also rund um die Uhr, die Ovulation hemmt.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup> Unter natürlichen Bedingungen sind kleine Kinder also eine wirksame Empfängnisverhütung, ein logischer evolutionärer Schutz der enormen Investitionen in ein Menschenkind. Die Lebensweise, unter der die <em><a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">female choice</a></em> frei gelebt wird<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>, hat auch weniger sexuellen Verkehr zur Folge<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup>. Automatisch ist damit eine konstante Bevölkerungszahl sichergestellt. Das kleine Kind hat, weil es nicht schon als Säugling von einem Geschwisterchen Konkurrenz bekommt, eine deutlich höhere Überlebenschance; im Übrigen auch die Mutter selbst. Zum Überleben trägt besonders auch die Hilfe der mütterlichen Großmutter und der Alloeltern, das sind die weiblichen und männlichen Mitglieder der matrilinearen Sippe, bei.<br />
Wie wir es aus rezenten matrifokalen Gemeinschaften wissen, verhindert die Großmutter nicht die freie Sexualität ihrer Tochter, sondern schützt und unterstützt sie bei Bedarf. So richtet z.B. die Mosuo-Mutter in ihrem Haus ein „Blumenzimmer“ ein, wo die Tochter tun und lassen kann, was sie will, und theoretisch vor unerwünschten Übergriffen geschützt ist. Übergriffe finden aufgrund der matrifokalen Sozialisation der Männer auch gar nicht statt, womit Frauen doppelt geschützt sind. Die mütterliche Großmutter verhindert damit nicht eine höhere Kinderzahl, sondern sie dient <em>female choice</em>, die, wenn sie konsequent gelebt wird, erst bewirkt, dass die mütterliche Großmutter im Hause lebt. Die Hilfe der Großmutter ist also nur ein Teilaspekt des komplexen Schutzsystems Matrifokalität, das die Herrschende Lehre bis heute nicht verstehen will. Ihre Menopause ist jedoch ein schlagendes Indiz der Matrifokalität.<br />
In matrifokalen Gemeinschaften spielen im Übrigen die äußeren Bedingungen eine größere Rolle. Während es in der Altsteinzeit der Sammler/Fischer/Jäger nur eine sehr geringe Population auf gleichbleibendem Niveau gab, ermöglichte die Erfindung der Landwirtschaft in Subsistenz einen Anstieg der Population, die dann auf einem höheren Niveau wiederum gleich blieb.</p>
<p>Sarah Blaffer Hrdy konnte die korrigierte Großmutterhypothese problemlos in ihre eigene These, veröffentlicht in ihrem Buch „Mothers and Others. Evolutionary Origins of Mutual Understanding“ (2009), deutsch „Mütter und andere. Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat“ (2010), integrieren, ja sie war eine wichtige Basis. Dieses Werk ist eine umfassende, stichhaltige Begründung und Darstellung unserer natürlichen matrifokalen Lebensweise.</p>
<h2 id="die-grossmuetterliche-geburtenkontrolle-schutz-vor-ueberbevoelkerung">Die großmütterliche Geburtenkontrolle &#8211; Schutz vor Überbevölkerung</h2>
<p>Am 27.09.2017 akzeptierte die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Royal_Society" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Royal Society</a> eine Metastudie<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup> der anthropologischen Arbeitsgruppe Susanne Huber, Patricia Zahourek und Martin Fieder von der Universität Wien mit dem Titel <a href="http://dx.doi.org/10.1098/rsos.170544" target="_blank" rel="noopener noreferrer">‚Mit der eigenen oder der Mutter des Ehemanns im Haushalt zu leben, ist mit einer geringeren Kinderzahl assoziiert: eine kulturübergreifene Analyse‘</a>. In ihrer Pressemitteilung teilte die Arbeitsgruppe der Studie (im Folgenden „Wiener Studie“) mit:</p>
<blockquote><p>„Frauen, die mit ihrer eigenen Mutter oder ihrer Schwiegermutter in einem gemeinsamen Haushalt leben, haben durchschnittlich weniger Kinder als jene, die nur mit ihrem Partner zusammenleben. Das haben evolutionäre AnthropologInnen um Martin Fieder von der Universität Wien in einer interkulturellen Analyse auf Basis von Daten von über 2,5 Millionen Frauen herausgefunden. EvolutionsbiologInnen gingen bislang vom Gegenteil aus.“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup></blockquote>
<p>Dieser Befund will auf den ersten Blick so gar nicht zur Krummhörn-Studie von Breise/Voland passen, wonach das Leben mit der Schwiegermutter die denkbar schlechteste Konstellation ist und das Leben mit der mütterlichen Großmutter die beste. Doch Vorsicht, in der Wiener Studie geht es nicht um die Überlebenchancen von geborenen Kindern, sondern lediglich um die Zahl der Geburten einer Frau. Dabei relativiert die Wiener Studie die Leistung der mütterlichen Großmutter, ja sie scheint sogar die Schwiegermutter zu rehabilitieren, indem sie sie jetzt mit der mütterlichen Großmutter auf eine Stufe stellt. Am Ende zählt nun vor allem die Quantität, und nicht welcher emotionaler und gesundheitlicher Aufwand betrieben wurde, um diese Quantität zu erreichen. Dennoch sind jetzt beide Großmütter auf der Anklagebank. Es scheint mir, als solle hier die Kernfamilie aus Vater, Mutter und Kindern propagiert werden. Und es scheint, dass die Royal Society genau dies honoriert.</p>
<p>In der Publikation der Wiener Studie wird Sarah Blaffer Hrdy &#8211; <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2016/10/14/zum-artikel-stark-als-paar-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-april-2015/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">wie in der Vergangenheit bereits schon einmal</a> &#8211; falsch interpretiert:</p>
<blockquote><p>„Kaplan […] berechnete, dass ein Kind von der Geburt bis zum Alter von 18 Jahren einen Überschuss von 10-13 Millionen Kalorien konsumiert. Es ist weitgehend anerkannt, dass die Unterstützung der Mutter ihren reproduktiven Output und das Überleben ihrer Kinder erhöht (…). Übereinstimmend damit formulierte Hrdy (…) die Hypothese der gemeinschaftlichen Aufzucht: Mütter sind in Gruppen eingebunden, in der <strong>nicht nur der biologische Vater</strong>, sondern auch eine Vielfalt an Individuen den Kindern Resourcen zur Verfügung stellen.“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup></blockquote>
<p>Erstens ist diese Darstellung verzerrend, denn Blaffer Hrdy hat die Ernährungsthese Kaplans nur am Rande erwähnt, während sie die Großmutterhypothese von Kristen Hawkes &#8211; welche im Literaturverzeichnis der Wiener Studie übrigens keinerlei Erwähung findet &#8211; als zentralen Bestandteil ihrer These rezipierte. Blaffer Hrdy verfolgt keinerlei Kulturmaterialismus, sondern kommt der Logik der Notwendigkeiten, die unsere Physiologische Frühgeburt nach sich zieht, auf die Spur.</p>
<p>Zweitens ist diese Darstellung dahingehend falsch, als dass Blaffer Hrdy seit Erscheinen ihres Buches „Mother and Others“ offiziell <strong>nicht</strong> mehr davon ausgeht, dass der altsteinzeitliche Kindsvater mit in der Sippe bzw. mit seinen genetischen Kindern lebt. Ja, sie zählt ihn nicht einmal zum Kreise der Alloeltern! Ihr Buch „Mother Nature“, das die Wiener Studie ebenfalls aufführt, ist damit veraltet, was die Wiener ForscherInnen aber nicht berücksichtigen.</p>
<p>Blaffer Hrdys Fehler war, ihre zentrale Aussage von „Mothers und Others“ in eine Fußnote zu verbannen. Sie schreibt dort:</p>
<blockquote><p>„<em>Ich gehörte übrigens zu denjenigen, die schon frühzeitig davon überzeugt waren, dass Menschenaffen zur Patrilokalität neigten. Ich änderte meine Meinung im Verlauf der Arbeit an ‚Mutter Natur’.</em>“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup></blockquote>
<p>Aufgrund dieses zwischenzeitlichen, notwendigen Sinneswandels geriet das Buch „Mother Nature“ leider reichlich verwirrend und widersprüchlich. Die Frage ist allerdings, ob die New York Times sonst ihre Bücher derart gelobt hätte, aber das nur am Rande.</p>
<p>Blaffer Hrdy geht auf der Basis der Großmutterthese und der Tatsache der <em>female choice</em> (Small 1995) sowie ihrer eigenen anthropologischen Forschung von der Matrilinearität der Menschheit als einzig natürlicher Lebensweise aus. Sie schreibt in „Mütter und Andere“:</p>
<blockquote><p>„Ungeachtet dogmatischer Verlautbarungen, wonach Menschen für gewöhnlich ‚eine patrilokale Familienstruktur besitzen’, weil ‚Söhne in traditionellen Gesellschaften in der Nähe ihrer Familien bleiben, während Töchter fortziehen’, wird diese grundlegende Aussage über die menschliche Natur nicht von Daten über Menschen gestützt, die tatsächlich als Jäger-Sammler leben.“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup></blockquote>
<p>Die Wiener Studie ist nun eine Momentaufnahme der Gegenwart, die nicht geeignet ist die Verhältnisse vor über 100 Jahren wie bei der Krummhörn-Studie wiederzuspiegeln. Die Wiener schreiben:</p>
<blockquote><p>“Über alle Länder hinweg lebt die Mehrheit der Frauen nur mit ihrem Ehepartner im Haushalt. Nur im Irak lebt die Mehrheit der Paare mit der Mutter des Ehemanns im Haushalt (53,15%), gefolgt von Pakistan (41,2%). In allen anderen untersuchten Ländern liegt die Häufigkeit des Lebens mit der Mutter des Ehemanns im Haushalt zwischen 1,5% (USA) und 20,5% (Rumänien). Das Leben mit der eigenen Mutter der Frau im Haushalt ist die am wenigsten verbreitete Lebensform, die von 0,8% (Malawi) bis zu 17,2% (Thailand) reicht.“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup></blockquote>
<p>Wie ist es dazu gekommen, was hat sich in den letzten 100 Jahren verändert? Die sexuelle Kontrolle durch die Schwiegermutter spielte nach Gewöhnung an das Patriarchat und durch die religiöse Indoktrination eine immer geringere Rolle. Scheidung und Ehebruch wurden allgemein behindert bzw. geächtet. Derart „befriedet“ blieb das Paar auch ohne die Kontrolle der väterlichen Familie resp. der Schwiegermutter beisammen, auch wenn in der Ehe Krieg herrschte. Mit der Industrialisierung und Landflucht sowie heute der modernen Mobilität zogen und ziehen Ehepaare immer öfter in andere Städte fernab aller Großeltern. Die Ehe wird nun aus Verliebtheit geschlossen, wirtschaftliche Aspekte bzw. die Eheanbahnung durch die Eltern spielt nur noch eine sehr geringe Rolle. Paare verlassen ihre Elternhäuser, um auswärts das materielle Glück zu suchen, sofern sie es nicht schon haben. So ist es kein Wunder, dass die Mehrzahl aller Paare nicht mehr in Patrilokalität lebt und die Soziologie um eine neue Lebensform „bereichert“ wurde, die <strong>Neolokalität</strong>, bei der der besser verdienende Ehepartner den Wohnort bestimmt. Im weiter bestehenden Patriarchat ist dies meistens der Ehemann, was der Begriff jedoch verschleiert.</p>
<p>Wir sehen an diesen Zahlen auch, wie sehr das Patriarchat über die Welt verbreitet wurde und sogar, wo es herkommt, nämlich aus viehzüchternomadischen Gebieten. Mit der Auflösung der Patrilokalität wurde das Patriarchat jedoch nicht beseitigt, sondern es zeigt sich daran im Gegenteil seine Verschärfung. Es ist ideologisch gefestigt und durch die Isolierung des Paares mit seinen Kindern wird dieses abhängiger vom Staatspatriarchat, mit dem die Sache immer fester gezurrt wird.</p>
<p>Die Wiener fanden, wie eingangs gesagt, heraus, dass die Anwesenheit einer Großmutter die Kinderzahl negativ beeinflusst. Die meisten Kinder bekamen diejenigen Mütter, die alleine mit Ehemann und Kindern in der Wohnung leben. Es wurde allerdings nicht diskutiert, dass Großeltern, zu denen ja im Übrigen auch oft noch der Großvater gehört, oft keinen Sex in „ihrer“ Wohnung dulden, aber auch Paare die Anwesenheit ihrer Eltern als beim Sex störend empfinden. Eine Tatsache ist auch, dass die Frau bei Abwesenheit der Großeltern dem Ehemann schutzlos ausgeliefert ist, was die hohen Zahlen häuslicher Gewalt veranschaulichen. Ohne Zeugen lässt sich besser gewaltsam zeugen.</p>
<h2 id="die-muetterliche-großmutter-das-unbekannte-wesen">Die mütterliche Großmutter, das unbekannte Wesen</h2>
<p>Die Wiener kamen nicht umhin, auch die Verhältnisse in matrifokalen Gemeinschaften zu beleuchten. Dass in Äthiopien gefunden wurde, dass Kinder in matrilokalen Gemeinschaften, wo die mütterliche Großmutter immer anwesend ist, eine höhere Überlebenschance haben, wurde erfreulicherweise erwähnt. Dies bestätigt den Befund von der Halbinsel Krummhörn des 19. Jhs., auch wenn dort neben Patrilokalität die Neolokalität herrschte. Aufgrund des ungenauen Lesens des letzten Buches von Sarah Blaffer Hrdy und der Ignoranz gegenüber der natürlichen Matrifokalität muss sich die Wiener Arbeitsgruppe aber bankrott erklären und sie tut es auch:</p>
<blockquote><p>“Im Vergleich zu ihrem Einfluss auf das Überleben von Kindern werden die Auswirkungen beider, der Anwesenheit der mütterlichen und väterlichen Großmutter, auf die Fruchtbarkeit weniger gut verstanden. Die meisten Untersuchungen zu mütterlichen Großmüttern zeigen einen positiven Einfluss auf die Fruchtbarkeit ihrer Tochter (…). In einer Metaanalyse fanden Sear &amp; Coall (…) dagegen, dass nur in über 30% der 39 untersuchten Studien die Anwesenheit der eigenen Mutter, aber in etwa 70% der Studien die Anwesenheit der Schwiegermutter einen pro-natalen Effekt hat.“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup></blockquote>
<p>Was ist hier nun wieder los? Wieder wurde gelesen, was sie lesen wollten. Das Paper, das einen positiven Einfluss der mütterlichen Großmutter auf die Fruchtbarkeit, also die Geburtenzahl ihrer Tochter, postulieren soll, beschäftigt sich ausschließlich mit dem Überlebenchancen der Kinder und titelt: „Who keeps children alive? A review of the effects of kin on child survival“. Autorinnen sind Rebecca Sear und Ruth Mace. Die Untersuchung bestätigt im Grunde auch das Ergebnis von der Halbinsel Krummhörn. Eine kleine Ausnahme unter vielen macht eine Untersuchung von Sear an Familien des Cheva-Volkes im bäuerlichen Malawi. Als Anmerkung finden wir dort: &#8222;Mgms borderline but significant at p&lt;.05 for girls only; mat aunts − in families where women own resources, + where men do; divorce −“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup> Das bedeutet übersetzt, dass sich die Mithilfe der mütterlichen Großmütter signifikant negativ auswirkt, aber nur grenzwertig, und nur bei einer Scheidung oder wenn die Mutter die Resourcen selbst verdienen muss.<br />
Wir haben es hier mit einer patriarchalen Gesellschaft zu tun. Die Überlebensrate ist für Mädchen schlechter, was auf deren Unterversorgung zurückgeht, wie wir sie in vielen Kulturen vorfinden. Die Mütter sind mitunter doppelt belastet, d.h. sie müssen auf dem Feld arbeiten, weshalb eine Großmutter mithelfen muss. Dass für die Überlebensrate hier allein die mütterliche Großmutter verantwortlich gemacht wird, ist schon sehr bizarr, denn offensichtlich gibt es in dieser Kultur einen mutwilligen Gynozid, den allein das von Männern installierte System, aber nicht die mütterliche Großmutter zu verantworten hat. Was gibt es da nicht zu verstehen, außer, dass wir uns darüber erschrecken müssen, in welchem Ausmaß Frauen zu Dienerinnen des Patriarchats gemacht wurden!</p>
<p>Das andere Paper wurde ebenfalls von Rebecca Sear, diesmal in Cooperation mit David Coall, verfasst (2011): „How much does family matter? Cooperative breeding and the demographic transition“. Wieder kommen sie zu ähnlichen Ergebnissen. Hier wird die Ausnahme erwähnt:</p>
<blockquote><p>“Väter und Großmütter sind nicht immer vorteilhaft für Kinder. Eine Studie fand, dass die Anwesenheit von Vätern die Sterblichkeit von Mädchen erhöhte (bäuerliches Äthiopien: Gibson 2008); <strong>eine fand einen schädlichen Effekt der mütterlichen Großmütter</strong> (bäuerliches Malawi: Sear 2008); und zwei fanden schädliche Effekte der väterlichen Großmutter [historische Studien in Deutschland und Japan: Beise 2002; Sorenson Jamison et al. 2002]. Familiäre Beziehungen können manchmal eher durch Konflikte als durch Kooperation gekennzeichnet sein.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup></blockquote>
<p>Widersprächen sich die beiden Papers grundlegend, so hätten die AutorInnen das erwähnen müssen und sicher auch getan. Davon ist aber keine Rede, statt dessen beruft sich das neuere Paper auf die Tabellen des älteren.<br />
Die Wiener AutorInnen sehen den Unterschied zwischen einer mütterlichen Großmutter, die in einer neolokalen Familie mithilft &#8211; also zur Tochter gezogen ist &#8211; und einer matrilinearen Gemeinschaft, wo diese Großmutter immer anwesend ist, nicht deutlich genug. Vor allem haben sie das Phänomen nicht verstanden, dass die mütterliche Großmutter in matrifokalen Gemeinschaften mit einer geringeren Geburtenzahl assoziiert ist, sie aber nicht deren Ursache ist. Bedeutsam ist letztlich, dass sich sogar noch in der patriarchalen Familie ihr Einfluss überwiegend positiv auf die Überlebensrate auswirkt. Der Grund dafür ist ihr starkes Engagement für ihre Gene.</p>
<p>Der bei FamilienpolitikerInnen beliebte Satz „Frauen, die mehr Hilfe bei der Erziehung haben, bekommen auch mehr Kinder“ ist natürlicherweise falsch bzw. trifft keine evolutionäre Aussage. Im Patriarchat ist eine hohe Kinderzahl aber gewünscht, denn Kinder mehren den Reichtum, aber Rücksicht auf die Gesundheit und die Gefühle der Beteiligten wird nicht genommen, auch nicht auf die Belastbarkeit von Mutter Natur. Sie hatte einst eine natürliche Geburtenkontrolle eingebaut, die dem Patriarchat jedoch zuwider läuft. Das ist die <em>female choice</em>. Patriarchen wollen die lebenslange freie Wahl der Frau nicht akzeptieren und lassen die von ihnen selbst geschaffenen Ungereimtheiten ein „Rätsel“ sein, mit dem sie sich sogar noch schmücken können. Hätten die Wiener AutorInnen sich mit den Entdeckungen von Sarah Blaffer Hrdy eingehend beschäftigt und die unabhängige interdisziplinäre Patriarchatsforschung berücksichtigt, hätten sie beschreiben können, dass eine Frau unter diesen natürlichen Bedingungen ihre <em>female choice</em> lebt und DESHALB weniger Kinder bekommt als im Patriarchat. Ein große Schwäche und keine Stärke der Wiener Studie ist also, dass sie dieses Problem mit dem einem Satz erledigt, dass es nicht verstanden sei.</p>
<h2 id="patriarchat-die geburtenrate-steigt">Patriarchat &#8211; Die Geburtenrate steigt</h2>
<p>Während also die Kinder mit einer mütterlichen Großmutter die höheren Überlebenschancen haben, ist bei einer anwesenden Schwiegermutter die Geburtenrate deutlich höher. Die Zahl der unter der Schwiegermutter verstorbenen Kinder wird durch die Vatermacht-bedingt erhöhte Geburtenrate überkompensiert, womit die Gesamtzahl der überlebenden Kinder steigt und damit auch die Zahl der Bevölkerung. Damit sieht es so aus, als sei das System Schwiegermutter erfolgreicher. Aber die Überbevölkerung gibt es nicht wegen der Schwiegermutter, sondern trotz der Schwiegermutter. Denn nach wie vor steigen die Weltbevölkerungszahlen an, auch ohne Schwiegermutter.</p>
<p>Die Studie lässt zumindest hoffen, dass der Wunsch, das „große Rätsel“ zu verstehen, auch irgendwann zu der Erkenntnis führt, dass es seine Richtigkeit damit hat, dass Mütter bei ihren Müttern leben und dort auch ihre Kinder bekommen. Die Diskrepanzen nimmt die Wiener Arbeitsgruppe aber nur zum Anlass zur Sammlung von noch mehr Daten, nämlich von 2 478 383 verheirateten Frauen zwischen 15 und 34 Jahren, anstatt sich mit dem Effekt der sexuellen Unterdrückung der Frau auf die Bevölkerungszahl zu beschäftigen.<br />
Sie stellt keine Überlegungen an zu der Frage, wie wünschenwert eine hohe Kinderzahl für Mensch und Natur eigentlich ist, ja es kommt mir so vor, als hielten sie eine hohe Kinderzahl für einen Segen.</p>
<p>Was machen die Wiener also mit ihren Zahlen? Wie gehen sie mit der von ihnen rezipierten Literatur um? Wie lautet ihre Quintessenz aus all ihren Tabellen und Kurven?</p>
<blockquote><p>&#8222;’Wir nehmen an, dass zwei Faktoren für dieses Ergebnis ausschlaggebend sind: Fortpflanzungskonkurrenz und Konkurrenz um Ressourcen zwischen Müttern bzw. Schwiegermüttern und den Töchtern bzw. Schwiegertöchtern’, so Fieder weiter. Eine Konkurrenz um Ressourcen sei auch deshalb sehr wahrscheinlich, da Datenmaterial aus einigen Entwicklungsländern in die Analysen eingeflossen ist. Und Fortpflanzungskonkurrenz als Grund für die geringere Zahl an Kindern im Haushalt wird bei besonders jungen Großmüttern schlagend: Da sie selbst noch Kinder bekommen können und daher möglicherweise eher ihr eigenes Kind als die Kinder ihrer Tochter oder Schwiegertochter großziehen wollen, scheinen sie in Konkurrenz mit ihnen zu treten“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">15</sup>.</p></blockquote>
<p>Mit dieser Aussage, mit dem Begriff &#8222;Fortpflanzungskonkurrenz&#8220; wird suggeriert, dass die Schwiegermutter schon immer eine evolutionäre Bedeutung besessen habe. Dass dem nicht der Fall ist, wissen wir jetzt. Es ist aber ein Faktum, dass es das Patriarchat ist, das mit der Unterdrückung der <em>female choice</em> in die Evolution eingreift und die Schwiegermutter etabliert hat. Aber nicht die Schwiegermutter allein, sondern das Patriarchat gefährdet den Fortbestand der Art, die nicht nur gezüchtet, sondern zunehmend an die Technik angepasst und damit von ihr abhängig gemacht wird. Es steht und fällt alles mit der Verfügbarkeit der natürlichen Ressourcen. Es ist allerdings völlig ungefährlich, die Ergebnisse der Studie ausgerechnet auf eine Ressourcen-Konkurrenz zwischen Mutter und Großmüttern zurückzuführen, also auf ein kulturmaterialistisches Problem. Konkurrenz belebt ja angeblich das Geschäft. Diese Denke folgt ganz dem patriarchalen Wachstumswahn. Und das muss die Royal Society natürlich ebenfalls honorieren.</p>
<p>Das heiße Eisen wird mit der Studie nicht angefasst, aber überzeugen können die Schlussfolgerung auch nicht mehr. Die richtigen Schlussfolgerungen muss jeder für sich alleine ziehen. Und da das kaum jemand macht, wird es vorerst dabei bleiben, dass frei von der Leber behauptet werden kann, dass Menschen Patrilokalität bevorzugen<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">16</sup>, eine Halbwahrheit, die dringend der Aufklärung bedarf.</p>
<p>Die Medien, die die Aussagen der Wiener Studie gar nicht verstanden haben und offensichtlich vollends verwirrt wurden, bringen sie mit Schlagzeilen unter die Leute, die allein die Schwiegermutter in ein schlechtes Licht stellen, damit aber nur auf den ersten Blick die Ergebnisse der Krummhörn-Studie neu auflegen: „Weniger Kinder durch ‚Schwiegermutter-Effekt’“ (<a href="http://science.orf.at/stories/2874226/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://science.orf.at/stories/2874226/</a>), „Weniger Kinder bei Schwiegermutter im Haus“ (<a href="http://www.krone.at/595291" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.krone.at/595291</a>), “Ist die Schwiegermutter im Haus gibt’s weniger Kinder“ (<a href="http://www.20min.ch/wissen/news/story/Ist-die-Schwiegermutter-im-Haus--gibts-weniger-Kinder-30328267" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.20min.ch/wissen/news/story/Ist-die-Schwiegermutter-im-Haus&#8211;gibts-weniger-Kinder-30328267</a>)<br />
Der Schwiegermutterkonflikt verkauft sich besser, und wir wissen heute aufgrund der hohen Zahlen häuslicher Gewalt an Frauen und Kindern, dass die Familie kein guter Ort, sondern der gefährlichste Ort auf Erden ist.</p>
<h2 id="die-menopause-bei-anderen-arten">Die Menopause bei anderen Arten</h2>
<p>Man glaubte lange, dass nur Menschenfrauen in die Menopause kommen, dann entdeckte man auch bei den Zahnwalarten, nämlich Kurzflossen-Grindwalen, Kleinen Schwertwalen, Orcas, Narwalen und seit 2018 auch Belugas, dass die Weibchen in die Menopause kommen.<br />
2023 wurde sie auch bei Schimpansen-Weibchen beobachtet, 2025 meldete die MPG diesen Befund auch für die Gorillas. Dass die Menopause der Säugetiere noch so wenig erforscht ist, erklärt die Max-Planck-Gesellschaft mit dem Aufwand:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die nach der Fortpflanzungsphase verbleibende Lebensdauer lässt sich in freier Wildbahn nur schwer dokumentieren, da hierfür detaillierte Informationen über das Alter der Tiere sowie die Erhebung jahrzehntelanger Daten bei langlebigen Arten erforderlich wären. Für die Dokumentation der &#8218;Menopause&#8216; (definiert als eine physiologische, dauerhafte Einstellung der Menstruation aufgrund des Verlusts der Eierstockfunktion) wäre zudem eine detaillierte Hormonanalyse notwendig.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">17</sup></blockquote>
<p>Mit der Entschlüsselung des Genoms 2012 ist klar, dass nicht die Bonobo, sondern doch die Schimpansen unsere nächsten Verwandten sind. Während Bonobo aus ihrer mütterlichen Gruppe abwandern, tun das Schimpansenweibchen nicht. Wie wir leben die Schimpansen ein ein matrifokales Sozialverhalten. Dabei gibt es jedoch die Besonderheit, dass postmenopausale Schimpansinnen sich wenig oder nicht um ihre Enkel kümmern, obwohl diese Phase ca. ein Fünftel ihres Lebens einnimmt. Dies ist jedoch kein Gegenbeweis für die Großmutter-Hypothese, wie manchmal postuliert, sondern zeigt, dass die Postmenopause der gemeinsamen Vorfahrinnen von <em>Homo Sapiens</em> und <em>Pan troglodytes</em> (Gemeiner Schimpanse) schon vor der Enkelfürsorge evolviert worden war. Nur weil sie schon da war, konnte sich auch die Enkelfürsorge mit der immer länger werdenden Kindheit herausbilden, was die &#8222;Huhn-oder-Ei-Frage&#8220; folgerichtig beantwortet. Die Bedeutung der postmenopausalen Hominidenweibchen für die Gruppe bestand mit großer Wahrscheinlichkeit in ihrer Lebenserfahrung.<br />
Wenig überraschend ist, dass auch die genannten Wal-Arten matrifokal um eine Urgroßmutter leben.</p>
<h2 id="literatur">Literatur</h2>
<ul id="liste2">
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und andere. Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat. Berlin 2010.</li>
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mother Nature. Maternal Instincts and How They Shape the Human Species. New York 2000</li>
<li>Beise, Jan; Voland, Eckart: <a href="http://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Warum gibt es Großmütter?</a> In: Spektrum der Wissenschaft 1|2003. S. 48-53.</li>
<li>Engelhardt, Sacha C.; Bergeron, Patrick; Gagnon, Alain; Dillon, Lisa; Pelletier, Fanie: Using Geographic Distance as a Potential Proxy for Help in the Assessment of the Grandmother Hypothesis. Vom 07.02.2019 DOI:<a href="https://doi.org/10.1016/j.cub.2019.01.027">https://doi.org/10.1016/j.cub.2019.01.027</a>, siehe dazu auch: <a href="https://derstandard.at/2000097723454/Forscher-finden-Beleg-fuer-die-Grossmutter-Hypothese" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://derstandard.at/2000097723454/Forscher-finden-Beleg-fuer-die-Grossmutter-Hypothese</a></li>
<li>Hawkes, Kristen: Human longevity: The grandmother effect. Editorial. Nature 2004 (428):128-9. doi:<a href="https://dx.doi.org/10.1038%2F428128a" target="_blank" rel="noopener noreferrer">10.1038/428128a</a><br />
<a href="http://www.nature.com/nature/journal/v428/n6979/full/428128a.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.nature.com/nature/journal/v428/n6979/full/428128a.html</a></li>
<li>Huber, Susanne; Zahourek, Patricia; Fieder, Martin: „Living with own or husband’s mother in the household is associated with lower number of children: a cross-cultural analysis. R.Soc.opensci. 4: 170544. 2017<br />
<a href="http://dx.doi.org/10.1098/rsos.170544" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://dx.doi.org/10.1098/rsos.170544</a><br />
<a href="http://rsos.royalsocietypublishing.org/content/royopensci/4/10/170544.full.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://rsos.royalsocietypublishing.org/content/royopensci/4/10/170544.full.pdf</a></li>
<li>MPG 2025: Berggorilla-Weibchen hören lange vor ihrem Lebensende mit der Fortpflanzung auf &#8211; Nach der Geburt des letzten Nachwuchses leben weibliche Tiere noch lange. Online-Ressource der Max-Planck-Gesellschaft vom 13.1.2025 auf <a href="https://www.mpg.de/25547012/1013-evan-berggorilla-weibchen-hoeren-lange-vor-ihrem-lebensende-mit-der-fortpflanzung-auf-150495-x" target="_blank" rel="noopener">https://www.mpg.de/25547012/1013-evan-berggorilla-weibchen-hoeren-lange-vor-ihrem-lebensende-mit-der-fortpflanzung-auf-150495-x</a></li>
<li>Sear, Rebecca; Mace, Ruth: Who keeps children alive? A review of the effects of kin on child survival. In: Evol. Hum. Behav. 29,1–18. 2008<br />
<a href="http://dx.doi.org/10.1016/j.evolhumbehav.2007.10.001" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://dx.doi.org/10.1016/j.evolhumbehav.2007.10.001</a></li>
<li>Sear, Rebecca; Coall, David. 2011 How much does family matter? Cooperative breeding and the demographic transition. Pop. Dev. Rev. 37, 81–112. 25.01.2011 doi:10.1111/j.1728-4457.2011.00379.x</li>
<li>Small, Meredith M.: Female Choices. Sexual Behavior of Female Primates. Cornell University Press (Oktober 1995)</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: <a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">female choice – unser unbekanntes Menschenrecht</a> online-Resource 2015</li>
<li>(UW) Universität Wien Medienportal: (Schwieger-)Mutter im Haus: Weniger Kinder. Veröffentlicht am 25.10.2017<br />
<a href="https://medienportal.univie.ac.at/presse/aktuelle-pressemeldungen/detailansicht/artikel/schwieger-mutter-im-haus-weniger-kinder/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://medienportal.univie.ac.at/presse/aktuelle-pressemeldungen/detailansicht/artikel/schwieger-mutter-im-haus-weniger-kinder/</a></li>
</ul>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hawkes 2004</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Beise/Voland 2003</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Blaffer Hrdy 2000</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. Small 1995</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. Uhlmann 2015</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Huber <em>et al.</em> 2017</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;UW 2017</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;UW 2017, S. 2; meine Übersetzung und Hervorhebung</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Blaffer Hrdy 2010, Fußnote 20, S. 448</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Blaffer Hrdy 2010, S. 336</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Huber/Zahourek/Fieder, S. 6; meine Übersetzung</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Huber/Zahourek/Fieder, S. 2; meine Übersetzung</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sear/Mace 2008, S.6, Tab. 2A</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sear/Coall 2011, S. 88; meine Übersetzung und Hervorhebung</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;UW 2017</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;„that humans generally favour patrilocal female dispersal“; Huber/Zahourek/Fieder, S. 6</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;MPG 2025</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/grossmutter-hypothese-grossmutter-these">Großmutter-Hypothese? Großmutter-These!</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Das Massaker von Talheim</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/das-massaker-von-talheim</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Jul 2021 13:59:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Analysen und Studien]]></category>
		<category><![CDATA[Anthropologie]]></category>
		<category><![CDATA[Archäologie]]></category>
		<category><![CDATA[Bandkeramik]]></category>
		<category><![CDATA[Buch "Archäologie und Macht"]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Interdisziplinäre Patriarchatsforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Matrifokalität]]></category>
		<category><![CDATA[Patrilinearität]]></category>
		<category><![CDATA[Skandal]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenraub]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
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		<category><![CDATA[Patrilokalität]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Massaker von Talheim ist das prominenteste Beispiel für die beginnende Gewalt in Mitteleuropa um ca. 5000 v.u.Z. und damit für die beginnende Patriarchalisierung. Das Massaker, welches am Ende der Bandkeramischen Kultur stattgefunden hat, wird auch von der Herrschenden Lehre als einer der ersten Kriegsschauplätze bezeichnet.</strong></p>
<p><a href="https://i0.wp.com/www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/geschichte/urundfrueg/steinz/talheim/fundsituation.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="bild" title="Massaker von Talheim" src="https://i0.wp.com/www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/geschichte/urundfrueg/steinz/talheim/fundsituation.jpg?w=300" alt="Massaker von Talheim"  border="0" /></a><br />
<span class="abb">Foto: © Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart</span></p>
<p>An diesem Fund hatten die Ur- und Frühgeschichte und die Naturwissenschaft Hand in Hand gearbeitet, um zu beweisen, dass die Jungsteinzeit Mitteleuropas mit ihrer sesshaften, bäuerlichen Lebensweise von Anfang an patriarchalisch geprägt gewesen sei, also schon 500 Jahre früher als das Datum des Massakers.</p>
<p>Der naturwissenschaftliche Befund, der Patrilokalität bezeugen soll, steht im krassen Gegensatz zu den kulturellen Hinterlassenschaften der Bandkeramischen Kultur. Daher hatte ich erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der Schlussfolgerungen, die aus den Datensätzen der Untersuchungen gezogen wurden. Ich habe dann analysiert und in meinem Buch &#8222;Archäologie und Macht&#8220; (siehe rechte Spalte) dokumentiert, wie die vermeintliche Beweisführung strategisch aufgebaut wurde und wie im Einzelnen argumentiert wird. Erstaunlich war dabei, wie schlampig anthropologische Methoden angewendet wurden und wie leichtfertig mit den Befunden umgegangen wurde, um die Hypothese zu bestätigen. Ergebnis meiner Recherchen ist, dass am Ende gar nichts bewiesen wurde, die Untersuchungsergebnisse also nicht für eine solide These verwertbar sind, aber deutliche Hinweise auf Matrilokalität ignoriert wurden.</p>
<p>Dass sich lange niemand über diesen Skandal empört hatte, ist bezeichnend für unseren Wissenschaftsbetrieb, auch dafür, wie gründlich Forschungsberichte gelesen werden und wie blind den Aussagen von Experten vertraut wird. Zwei Jahre nach Veröffentlichung meiner Analyse erschien &#8211; von der Öffentlichkeit unbemerkt &#8211; im Band 34/2 der &#8222;Fundberichte aus Badenwürttemberg&#8220; (Esslingen 2014, S. 22 f), der Artikel <a class="textlink" href="https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fbbw/article/view/44490/37955" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Agentenbasierte Computersimulation als Schlüssel zur demographischen Struktur des bandkeramischen Massengrabes von Talheim.&#8220;</a> Darin stellten Joachim Wahl (Universität Tübingen), der federführend an der Talheimforschung beteiligt war, sowie der Archäologe Andreas Düring (Universität Oxford) fest:</p>
<blockquote><p>&#8222;In der Zwischenzeit wurden mehrere, z. T. auf archäometrischen Analysen basierende, auch fiktionale Versuche unternommen, um &#8222;Familien&#8220; oder andere, auf Ähnlichkeiten basierende Gruppierungen innerhalb der 34 ausgegrabenen Talheimer Lebendpopulation aufzudecken,<strong>41</strong> die sich jedoch aufgrund von Überschneidungen, unvollständigen Datensätzen oder sonstigen Unsicherheiten sämtlich als unbefriedigend erwiesen haben. Auch eine angenommene, generell höhere Ähnlichkeit aller vorgefundenen Individuen ließe sich nur mit Hilfe breiter angelegter, vergleichender, überregionaler Studien abklären.<strong>42</strong>&#8222;.</p>
[ebd. <strong>FN 41</strong> &#8222;Vgl. Wahl/König 1987 (Anm. 3). &#8211; Alt et al. 1995 (Anm. 9). &#8211; Eisenhauer 2003 (Anm. 3). &#8211; Wahl/Strien 2009 (Anm. 9) &#8211; T. D. Price/J. Wahl/R. A. Bentley, Isotopic Evidence for Mobility and Group Organization Among Neolithic Farmers at Talheim, Germany, 5000 BC. Europ. Journal Arch. 9, 2006, 259-284. Zusammengestellt in Wahl/Trautmann 2012 (Anm. 3).</p>
<p>ebd. <strong>FN 42 Vgl. G. Uhlmann, Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte (Norderstedt 2012)</strong>&#8222;]</blockquote>
<p>Der Artikel wurde auch <a class="textlink" href="https://www.academia.edu/19528481/A_massacred_village_community_Agent-based_modelling_sheds_new_light_on_the_demography_of_the_Neolithic_mass_grave_of_Talheim" target="_blank" rel="noopener">ins Englische</a> übersetzt.</p>
<p>Die von mir kritisierte Interpretation des Befundes entspringt m. E. der patriarchalischen Ideologie: Das Patriarchat soll von dem Verdacht freigesprochen werden, unnatürlich und gewalttätig zu sein, und wird stattdessen als der Motor für Kultur schlechthin aufgebaut. Die Tatsache, dass seit Abschluss der Talheimforschung besonders viele Ausstellungen zur Jungsteinzeit stattfanden, nährt den Verdacht, dass diese der schnellen Verbreitung genau dieser These dienten, denn in keinem Ausstellungskatalog fehlten mehr entsprechende Literaturhinweise und Hinweise auf die vermeintliche Patrilokalität der gesamten bandkeramischen ja sogar frühneolithischen Kultur, die uns durch ihre wunderschön dekorierten Gefäße bezaubert.</p>
<p>Weitere ABBILDUNGEN finden Sie hier:</p>
<p>Homepage der &#8218;Zentrale für Unterrichtsmedien&#8216;:<br />
<a class="textlink" href="http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/geschichte/urundfrueg/steinz/talheim/" target="_blank" rel="noopener">http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/geschichte/urundfrueg/steinz/talheim/</a></p>
<p>Homepage des &#8218;Museums im Deutschhof&#8216; Heilbronn, wo die Funde heute ausgestellt sind:<br />
<a class="textlink" href="http://www.museen-heilbronn.de/museum/sonderausstellungen/rueckblick/archaeologie/tatort_talheim/" target="_blank" rel="noopener">http://www.museen-heilbronn.de/museum/sonderausstellungen/rueckblick/archaeologie/tatort_talheim/ </a></p>
<p>Homepage der Stadt Talheim mit Abbildungen zur musealen Aufbereitung des Massakers:<br />
<a class="textlink" href="http://www.talheim.de/ceasy/modules/cms/main.php5?cPageId=46" target="_blank" rel="noopener">http://www.talheim.de/ceasy/modules/cms/main.php5?cPageId=46</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Patriarchat &#8211; Definition, Entstehung, Geschichte und Symptome</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Apr 2021 08:42:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Anthropologie]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="abb">Bildquelle: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Georg_Ferner_Kaiserslautern_c1895.jpg" target="_blank" rel="noopener">Georg Ferner</a>, Kaiserslautern, Public domain, via Wikimedia Commons</span><br />
<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/d707839ebcad4474913136acac01b862" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h2 id="definition">Definition</h2>
<p><span style="font-size: 30px; font-weight: bold;">M</span>erkmal und Gemeinsamkeit aller Patriarchate ist das Vaterrecht. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gesellschaften in der Ausgestaltung der Gesetze, des Zusammenlebens, der Kultur und des Wirtschaftens.</p>
<p>Wie es der Begriff &#8222;Patriarchat&#8220;, der wörtlich übersetzt &#8222;Herrschaft der Väter&#8220; bedeutet, bereits anklingen lässt, haben wir es einerseits mit Herrschern und Beherrschten zu tun, mit Unterdrückern und Unterdrückten, Tätern und Opfern. Andererseits stehen nicht Männer im Fokus, sondern explizit Väter.<br />
Ein Mann, der einer Familie aus einer oder mehreren Ehefrauen und deren ehelichen Kindern vorsteht bzw. über sie als sein Eigentum bestimmt, wird als Patriarch bezeichnet. Daher kommt es verbreitet zu der Ansicht, dass wir in Europa nicht mehr im Patriarchat leben. <a href="https://www.christel-goettert-verlag.de/produkt/sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt/" target="_blank" rel="noopener">In Deutschland gibt es jedoch ein dezidiertes Vaterrecht, das im Grundgesetz verankert ist.</a> Ehe und Familie, also die Orte der Ausübung des Vaterrechts, sind sogar besonders geschützt.<br />
Das Patriarchat wird weltweit sowohl gewaltsam als auch mit rechtsstaatlichen Mitteln, den <strong>Gewalten</strong>, aufrecht erhalten (siehe <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gewalt-garant-und-symptom-des-patriarchats" target="_blank" rel="noopener">extra Essay</a>).</p>
<h2 id="das-patriarchat-ist-nicht-das-was-die-meisten-glauben">Das Patriarchat ist nicht das, was die meisten glauben</h2>
<p>Das Patriarchat wurde nicht geschaffen, um Männer von Care-Arbeit (Kinder- und Angehörigen-Pflege und Hausarbeit) zu befreien und auch nicht, um Väter in die Care-Arbeit einzubeziehen. Die Care-Arbeit hat erstaunlich wenig mit dem Patriarchat zu tun, außer dass sie nicht bezahlt wird und die Mutter keine Unterstützung ihrer mütterlichen Ursprungssippe erwarten kann. Daher ist das Patriarchat auch nicht zu Ende, wie es heute oft behauptet wird, <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2019/01/21/gar-nicht-einfach-die-vaterschaft-als-erklaerung-fuer-alle-menschengemachten-probleme/" target="_blank" rel="noopener"> es verschärft sich im Gegenteil immer weiter</a>.<br />
Warum also herrschen Väter, und warum hören sie nicht einfach auf damit, obwohl es bei Männern wie Frauen und auf unserem Planeten großen Schaden anrichtet? Warum sind Frauen weiter benachteiligt, auch wenn sie als emanzipiert gelten?</p>
<h2 id="entfuehrungsverbrechen-patriarchat-geschichte">Das Patriarchat ist NICHT unser angeborenes Sozialverhalten, sondern ein Entführungsverbrechen &#8211; Entstehung und Geschichte</h2>
<p>Das Patriarchat ist nicht natürlich, <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">sondern es entstand gewaltsam</a>, speziell mit <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" target="_blank" rel="noopener">Entführungen bzw. Frauenraub</a>, begleitet von Vergewaltigungen und Bestrafung von Frauen und Mädchen, aber auch der Ermordung aller nicht patriarchalen Männer, die das zu verhindern suchten. Ziel der Täter war die Sicherstellung der <strong> genetischen Vaterschaft</strong> zur Ausübung der <strong>sozialen Vaterschaft</strong>, was nur mit Kontrolle der weiblichen Sexualität und der unter diesen Bedingungen gezeugten Kinder möglich war und ist. Dabei ging es von Beginn an nicht um die Wahrnehmung fürsorglicher Aufgaben, sondern um Machtausübung. Aufgrund der Betonung des Wertes der väterlichen Gene wohnt dem Patriarchat nicht nur untrennbar der Sexismus, sondern auch der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung" target="_blank" rel="noopener">Rassismus</a> inne. Sexismus ist dabei die Basis des Rassismus.</p>
<p>Vor der Entstehung des Patriarchats wohnten Kinder nicht bei ihrem Vater, weil er aufgrund der <a href="https://www.amazon.de/Mütter-Andere-Evolution-sozialen-gemacht/dp/3827008859" target="_blank" rel="noopener">matrifokalen Sozialstruktur von <i>Homo sapiens</i></a> unbekannt war.</p>
<p>Die ersten Patriarchen postulierten die Vaterschaft als ihr Recht und erhoben das <strong>Vaterrecht</strong> zum allein gültigen Recht, womit sich das Patriarchat in den Folgegenerationen normalisierte, verselbständigte und tradierte.<br />
Die Kontrolle dieses Rechtes kann nur unter <strong>Patrilokalität</strong> ausgeübt werden, d.h. die Kinder und die Mutter werden gezwungen, beim Vater zu wohnen und gehören ihm auch. Es etablierten sich entsprechende Gesetze und Werte unter einer männerzentrierten Religion. Bis heute führt ein Ehemann sprichwörtlich seine frischgebackene Ehefrau &#8222;heim&#8220;. Darin ist der Ursprung in den initialen Entführungen erkennbar.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" title="Frauenraub: Raub der Sabinerinnen. Albrecht Dürer, 1495, Tusche auf Karton" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/sabinerinnen.jpg?resize=300%2C210&#038;ssl=1" alt="Frauenraub - Raub der Sabinerinnen - Albrecht Dürer" width="300" height="210" /><br />
<span class="abb">Bild: Frauenraub: Raub der Sabinerinnen. Albrecht Dürer, 1495, Tusche auf Karton</span></p>
<h2 id="symptome">Symptome</h2>
<p>Wenn die Flucht aus dem Gefängnis der <strong>Patrilokalität</strong> nicht gelang, war Kooperation die Überlebensstrategie der ersten Opfer, also der Frauen. Über sie kam es zur Mitopferschaft der Töchter und Söhne. Alle weiteren Nachkommen unterlagen dieser Dynamik und wurden Opfer und Täter zugleich. Dies führte schließlich zum Vergessen des Urverbrechens. Dabei wurde die von <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gewalt-garant-und-symptom-des-patriarchats" target="_blank" rel="noopener">Gewalt und tiefsitzenden Ängsten</a> geprägte <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann" target="_blank" rel="noopener">Gesellschaft</a> aufgebaut, die die Menschheit in Klassen einteilt. <strong>Kriege</strong> um Land, Wasser, <strong>Ideologien</strong> bzw. <strong>Religionen</strong> finden nun statt. <strong>Überbevölkerung</strong> und <strong>Elend</strong> gehören dazu wie auch <strong>Epidemien</strong>. <strong>Versklavung</strong> findet ihren ersten Ausdruck in der <strong>Unterdrückung der Frau</strong> und weitet sich über <strong>unterworfene Völker</strong> aus.<br />
<strong>Sexismus </strong>und darauf auch <strong>Rassismus, Ableismus</strong> und <strong>Homophobie</strong> haben ihren Ursprung im <strong>Zuchtgedanken</strong>, der aus der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung" target="_blank" rel="noopener"><strong>Viehzucht</strong></a> entsprang. <strong>Misogynie</strong> und <strong>häusliche Gewalt</strong> wurzeln im Anspruch, dass die Frau und Mutter dem Wohl des Mannes und Vaters stets zu dienen habe. Auch die Kinder müssen sich dem Anspruch unterwerfen, ihm nur Freude zu bereiten, daraus resultiert <strong>Kinderfeindlichkeit und Gewalt jeder Art gegen Kinder</strong>. An die Stelle der bedingungslosen Liebe sind die brüchige <strong>Solidarität</strong> und die erpresserische <strong>Loyalität</strong> (frz. <em>loi</em> = Gesetz) getreten: Weder Eltern noch Kinder können für sich beanspruchen, bedingungslos zu lieben. Die Urbedingung ist genetische väterliche Abstammung, alle weiteren ergeben sich aus der Erpressungssituation heraus.<br />
Das psychologische Phänomen des <b>Stockholm-Syndroms</b>, das bei Entführungsopfern regelmäßig auftritt und zur Kooperation mit dem Täter führt, ist die &#8222;rätselhafte&#8220; Ursache für die Kooperation auch der Frauen mit dem Patriarchat und für seine Tradition. (Link 1: nach Stephanie Gogolin &#8211; <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 1</a>, Link 2: nach Stephanie Gogolin &#8211; <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/10/13/das-patriarchale-stockholm-syndrom-teil-ii/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 2</a>), Link 3: nach Stephanie Gogolin &#8211; <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2020/01/18/das-patriarchale-stockholm-syndrom-teil-iii/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 3</a>, Link 4: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html" target="_blank" rel="noopener">Peer-reviewte Studie aus HUMAN NATURE</a>, Link 5: <a href="https://www.researchgate.net/publication/267777559_Fitness_Costs_of_Warfare_for_Women" target="_blank" rel="noopener">Original-Studie zum Download</a>, Link 6: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Begriff bei Wikipedia</a>)</p>
<p>Erst seit Beginn des Patriarchats werden Menschen auch nach ihrem Vater gefragt, denn sein Bekanntsein verschaffte nun einem Menschen Ansehen und meist auch <strong>Erbrechte</strong>. Lange war ein uneheliches Kind rechtlos. Dadurch entstand ein gefühltes Recht des Kindes, seinen Vater zu kennen. Ansehen und meist auch Wohlstand ziehen patriarchalisierte Menschen aus ihrer <strong>Patrilinearität</strong>, d.h. sie können sich auf einen <strong>Stammvater</strong> der <strong>Familie</strong> zurückführen, dessen Nachnamen sie tragen und dessen <strong>Lebenswerk</strong> sie oft fortführen.<br />
Der Nachname der Mutter wird nur selten als Doppelname vererbt, verschwindet aber spätestens in der nächsten Generation.<br />
Erst die Befreiung der Mütter aus dem Gefängnis der <strong>Ehe</strong> holte das gefühlte Recht des Mannes, seine genetischen Kinder kennen und erziehen zu dürfen, wieder an die Oberfläche, denn ein Mann ohne Kinder kann seine väterliche Linie nicht fortführen, verliert dadurch Einfluss auf die nächste Generation und läuft Gefahr, spätestens im Alter ohne Angehörige zu sein, die ihn versorgen. Vaterrechtler setzten daher durch, dass das <strong>Recht des Kindes auf Kenntnis des Vaters</strong> auch gesetzlich verankert ist.<br />
Beide Rechte, das des Kindes und das des Vaters auf gegenseitige Kenntnis, bestärken sich nun gegenseitig, und nehmen die sich trennende Mutter in wieder <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Geiselhaft</strong></a>. Das Patriarchat ist bis heute ein <b>Entführungsverbrechen</b>.</p>
<p>Das Patriarchat wäre nicht existent, zögen Männer keine Vorteile aus ihrer Vaterschaft. Mit Beginn des Patriarchats waren das rein wirtschaftliche Vorteile. Das zugehörige System heißt <strong>Kapitalismus</strong>, ein Name, der seinen Ursprung in der Viehzucht verrät, mit der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">die ersten Patriarchate</a> errichtet wurden.<br />
Das lateinische Wort &#8222;caput&#8220;, von dem sich das &#8222;Kapital&#8220; ableitet, bedeutet &#8222;Kopf&#8220;, gemeint ist die Zahl der Tierköpfe und der Köpfe, über die ein Patriarch herrscht.<br />
Die polytheistischen Religionen der Antike und die abrahamitischen Weltreligionen sind <strong>Viehzüchter-Religionen</strong> mit Göttern in Stiergestalt (oder andere männliche Nutztiere außer dem Schwein) oder in späteren Stadien alleinherrschende Götter, die zunehmend keine anderen neben sich dulden, und schließlich als Hirte und/oder Töter von Drachen, Kindern und Ungläubigen auftreten.<br />
Das erste Paar der Götterwelt ist noch eine Muttergöttin, All-Göttin oder Große Göttin mit ihrem <strong>Sohngeliebten (resp. Vegetationsgott)</strong>, mit dem sich jeder Patriarch identifizierte, bis sie zur Tochter eines <strong>Wettergottes</strong> oder <strong>Mondgottes</strong> degradiert wird. Auch im Buddhismus, Hinduismus und Shintoismus sind <strong>Muttermord</strong>, <strong>Gebärneid</strong>, <strong>Stillneid, Menstruationsneid</strong> und <strong>Dämonisierung der Frau</strong> verschlüsselt und ritualisiert, während die Viehzüchterideologie zu einer rigiden <strong>Menschenzucht-Ideologie</strong> mit noch strengerer Reglementierung der weiblichen Sexualität umgewandelt wurde. Ersatzreligionen wie die Transideologie tragen ihren Hass auf Frauen und ihren Neid offen zur Schau. Eine pragmatische Haltung zur Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele sowie <strong>Missionierung </strong>und <strong>Indokrinierung</strong> gehört zu allen patriarchalen Religionen wie auch Ideologien.</p>
<p>In der sog. <a href="https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/risikogesellschaft/4019" target="_blank" rel="noopener">Risikogesellschaft</a> (nach U. Beck), wie wir sie heute leben, in der Frauen scheinbar unabhängig werden können und damit die Familie aus Sicht der Männer in Gefahr gerät, besteht der Vorteil der Vaterschaft für Männer darin, in Unabhängigkeit von einer Frau und Mutter nicht Gefahr zu laufen, alleine zu bleiben.</p>
<p>Die Erfahrungswerte und Zahlen über die Lage der Mädchen und Frauen, Mütter und Kinder, speziell auch der alleinerziehenden Mütter in unserer Gesellschaft, werden vor diesem Hintergrund fassbar und als Symptom unseres Patriarchats begreifbar.</p>
<h2 id="matrifokalitaet-ist-unser-angeborenes-sozialverhalten">Matrifokalität ist unser angeborenes Sozialverhalten</h2>
<p>Angeboren ist uns jedoch ein <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt" target="_blank" rel="noopener">matrifokales Sozialverhalten</a> in <b>Matrilokalität</b> und <b>Matrilinearität</b>. Das Naturgesetz, das in der Evolution auf das Wohl des Nachwuchses und seiner Mütter ausgerichtet ist, wird im Patriarchat ausgehebelt und der Sozialverband auf <strong>das Wohl des Vaters</strong> ausgerichtet.<br />
Die angeborene Matrifokalität arbeitet im Untergrund weiter, so dass es einerseits zu Inkompatibilitäten kommt, z.B. dem <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/29/die-schwiegermutter-neues-zur-grossmutterhypothese/" target="_blank" rel="noopener">Schwiegermutterkonflikt</a>, andererseits <a href="https://wp.me/p3b3Fy-Dy" target="_blank" rel="noopener">macht sich das Patriarchat viele matrifokale Eigenschaften zunutze</a>, wie unser existentielles Bedürfnis, in einem Sozialverband zu leben und uns zu kümmern. Das tun wir im Patriarchat, wie unsicher die Familie und andere Konstrukte auch sein mögen.</p>
<h2 id="der-patriarchalisierte-mensch-erforscht-sich-selbst">Der patriarchalisierte Mensch erforscht sich selbst</h2>
<p>Dass nicht die Mütter herrschen, wurde seit Jahrtausenden damit erklärt, dass dies von den Göttern &#8211; und später von dem einen Gott &#8211; gewollt sei. Den angeblichen <strong>Willen der Götter</strong>, verbreitet von angeblich <strong>heiligen Männern</strong>, machten sich die <strong>Gläubigen</strong> zu eigen, entsprach er doch auch der schon länger etablierten Lebenswirklichkeit.<br />
Eine denkbare Gleichheit der Geschlechter kam daher nicht infrage. Sie wurde zwar später an manchen Stellen in den <strong>Heiligen Schriften</strong> postuliert, dies jedoch nur um die Frau an ihren Platz zu verweisen, an dem sie scheinbar gleichberechtigt war, in ihren spezifischen Rechten und <strong>Pflichten</strong> als Ehefrau und Mutter, nicht aber als autonomes Wesen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Der gute Hirte - Kirche Allermöhe" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/guterhirte.jpg?resize=290%2C406&#038;ssl=1" alt="Der gute Hirte - Kirche Allermöhe" width="290" height="406" border="0" /><br />
<span class="abb">Bild: Das verlorene Schaf (Der gute Hirte), Willi Langbein, 1930 (Kirche Allermöhe)</span></p>
<p>Die europäische <strong>Aufklärung</strong> im 18. Jh. führte zu einer Neubewertung der Glaubensvorstellungen, mitausgelöst durch die Verheerungen der <strong>Hexenverfolgung</strong> unter Federführung der Kirchen.<br />
Der beginnende Atheismus, der von patriarchalisch geprägten Denkern getragen wurde, suchte die entstandene Lücke zu schließen und bediente sich der gerade entstandenen Evolutionslehre Darwins. Darwin postulierte für alle Lebewesen einen &#8222;Kampf ums Dasein&#8220;, eine Vorstellung, die von den sog. <strong>Sozialdarwinisten</strong> auf die Beziehung von Mann und Frau angewendet wurde, als sei es ein Naturgesetz, dass es irgendwann keine Frauen mehr gäbe, sondern nur noch Männer. Es wurde also postuliert, dass der Mensch, insbesondere der Mann, von Natur aus gewalttätig sei, und die Frau daher unterlegen sein muss.<br />
Mit dem Glauben an das &#8222;<strong>Recht des Stärkeren</strong>&#8220; wurde das Patriarchat neu legitimiert, das mit der Aufweichung der einst starken Festung des Gott-Vater-Glaubens ins Wanken geraten war. Das Patriarchat wurde und wird seitdem vielfach, wenn nicht als gottgegeben, so doch als naturgegeben vorausgesetzt.</p>
<p>In meinem <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/matrifokal.htm" target="_blank" rel="noopener">Aufsatz zur Geschichte der Erforschung der Matrifokalität</a> auf dieser Homepage habe ich bereits dargestellt, welche Entwicklung sich daran anschloss, die einerseits mit dem Werk des Rechtshistorikers und Kulturanthropologen Johann Jakob Bachofen und andererseits mit den archäologischen Funden <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/venusvomhohlefels.htm" target="_blank" rel="noopener">sogenannter Venus-Figuren</a> aus der Altsteinzeit ausgelöst wurde.</p>
<p>Nach dem Ende des Feminismus alter Prägung widmen sich heute fast alle Fachbereiche unter der Bezeichnung &#8222;Gender Studies&#8220; der Frage, was dem Patriarchat fachspezifisch entgegenzusetzen sei. Mit Ausnahme der Medizin werden evolutionäre, biologische Aspekte stets ausgeklammert und als biologistisch abgewertet. Stattdessen wird versucht, eine Strategie zu entwickeln, wie mittels politischer Meinungsbildung oder Sprache Gleichberechtigung herzustellen sei. In den Naturwissenschaften wird nicht selten versucht, das kulturelle Verhalten weiblicher und männlicher Primaten untereinander und auch mit dem des patriarchalisierten Menschen als gleich darzustellen. Demnach sei alles nur eine Frage von Kultur und nicht von Verbrechen. Auf diese Weise waschen die Gender Studies das Patriarchat rein, und statt es zu beenden, werden Vorlagen geliefert, es weiter zu verschärfen.</p>
<p>Dass es <strong>Monogamie</strong> und <strong>Eheschließung</strong>, also die Familie, schon in der Altsteinzeit gegeben hätte, ist von den Gender Studies nie infrage gestellt worden. Mit dieser Rückdatierung des Patriarchats in die Anfänge der Menschheit waren die Gender Studies für das System interessant geworden, wo zuvor der Feminismus das Patriarchat zurückzudrängen begann. Entsprechend viel Geld wurde in diese Pseudowissenschaft gepumpt.</p>
<p>Die neue Ideologie, die in den Universitäten erdacht wurde, wurde mit dem Amsterdamer Vertrag von 1997/1999 in der EU-Politik als sog. <strong>Gender Mainstreaming</strong> fest verankert. Da die Gender Studies staatlich finanziert sind, war von Beginn an Skepsis angebracht, dass hiermit das Patriarchat zu beenden wäre. Es stellte sich in der Tat heraus, dass das Gender Mainstreaming zum Wohle der Wirtschaft zur Anpassung der Frau an die männliche Lebensweise führte, und Kinder dabei nur als Störfaktor angesehen werden. Als die Frauen in die Arbeitswelt drängten, sanken die Löhne drastisch, so dass heute ein Gehalt allein nicht mehr ausreicht, eine Familie zu ernähren. Mit dem Hinweis auf die Sachzwänge der Globalisierung wird dieser Umstand verschleiert.</p>
<p>Neue Denkanstöße kommen seit einigen Jahren aus der sog. Citizen Science, der unabhängigen Bürgerforschung. Mit der hier angesiedelten <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/brgerinnenwissenschaft-citizen-science-patriarchatsforschung" target="_blank" rel="noopener">kritischen Patriarchatsforschung</a> wurde begonnen, interdisziplinär, unter Einbeziehung der Anthropologie, also der menschlichen Evolution und Biologie, die Entstehung und Aufrechterhaltung des Patriarchats zu untersuchen und zu verstehen. Heute gilt daher die Unterdrückung der sog. <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener"><em>female choice</em></a> als Basis des Patriarchats und als sein einzig sicheres Erkennungszeichen. Es wurde deutlich, dass das besondere, soziale Miteinander des Menschen seine Wurzeln in der matrifokalen, also matrilokalen und matrilinearen SIPPE hat, die vom Patriarchat zerstört wurde, so dass die Mehrheit der Menschen, aber immer noch nicht alle, in patrilinearen Gruppen, den FAMILIEN, patrilokal leben. Es konnte damit nicht nur der Widerspruch aufgelöst werden, dass der Mensch einerseits gewalttätig werden kann und Kriege führt, und andererseits als höchst sozial gilt. Es wurde mit dem Wissen, dass die Mütter aus ihrem urmütterlichen Schutzraum gerissen wurden und den Vätern und deren Familie fortan ausgeliefert waren, erklärbar, warum Frauen und Kinder, letztlich also auch die Männer, im Patriarchat leiden und gleichzeitig, warum ausgerechnet die Religionen dies rechtfertigen.</p>
<h2 id="die-patriarchale-ideologie-gestern-und-heute">Die patriarchale Ideologie gestern und heute</h2>
<p>Das Patriarchat wurde vor <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">ca. 8200 Jahren (Misox-Klimaschwankung)</a> mit der Erfindung des Viehnomadismus in den Steppengebieten errichtet. Die Frau wurde in die Ehe gezwungen und sie hatte ihrem Ehemann vor allem Söhne zu gebären und ihm und seiner Herde zu folgen. Unsere <strong>indoeuropäische Sprache</strong>, die aus der Steppe stammt, ist entsprechend durchsetzt mit Metaphern aus der Tierzucht. Eine Frau, die ihre <em>female choice</em> frei lebt, also selbstgewählte, wechselnde Sexualpartner hat, wird als &#8222;unzüchtig&#8220; (sinngemäß: sich der Zucht entziehend) oder &#8222;zügellos&#8220; bezeichnet. Es handelte sich um eine bis dahin unbekannte Denk- und Lebensweise, in der sich der Mann seiner väterlichen Linie bewusst geworden war (Patrilinearität) und daher die Frauen und Kinder zwang, bei ihm zu wohnen (Patrilokalität). Damit begann er, Menschen wie ein Schöpfergott nach seinem Willen zu züchten.<br />
Bei der Tierzucht passierte der größte Irrtum der Menschheit, nämlich, dass die Frau nur <strong>das Gefäß männlichen Samens</strong> sei. Zu teuer und obendrein meist unwillig war die Frau für den Mann zur Last geworden, Ursache des <strong>tiefen Hasses auf die Frauen</strong>, sowie männlicher Überheblichkeit und des Machtstrebens. Als Ziel des Patriarchats ist in den Heiligen Schriften die <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/petition-gegen-die-sog-kuenstliche-gebaermutter" target="_blank" rel="noopener"><strong>Abschaffung der Mutter</strong></a> erkennbar, deren Metapher &#8222;<strong>Fruchtbarkeitsgöttin</strong>&#8220; sukzessive durch einen allmächtigen, d.h. <strong>unsterblichen, menstruierenden, gebärenden und stillenden Gott</strong> ersetzt wurde.<br />
Dieses Ziel erschien wie oben erwähnt im Sozialdarwinismus neu verpackt wieder an der Oberfläche patriarchalen Denkens. In unserer Zeit wird es durch die <strong>Reproduktionsmedizin</strong> mit Legalisierung der Leihmutterschaft und Eizellspende, der Entwicklung der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter" target="_blank" rel="noopener">sog. künstlichen Gebärmutter</a>, der <a href="https://netzfrauen.org/2015/07/23/nestle-besitzt-patente-auf-muttermilch-und-banken-haben-babynahrung-fuer-sich-entdeckt/" target="_blank" rel="noopener">Patentierung der Muttermilch</a>, der <strong>Fremdbetreuung der Kinder</strong> u.a. vorangetrieben, mitgetragen auch von einem falsch verstandenen Feminismus, der die Frau von dieser vermeintlich lästigen und undankbaren Aufgabe zu befreien sucht.<strong> Dass es das Patriarchat auf die besonders kostbare Fähigkeit der Frau, Mutter zu werden, abgesehen hat, wurde vom Feminismus nicht erkannt und von den Gender Studies ausgeblendet. </strong>Eine Frau, die ihr Frausein über ihre Fähigkeit, Mutter zu werden, definiert, <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/" target="_blank" rel="noopener">wird als biologistisch abgewertet</a>, sind da ja die <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2021/05/11/gegen-selbstbestimmungsgesetz-selfid-und-abschaffung-des-biologischen-geschlechts-fur-korperliche-integritat-aller-menschen-jetzt-handeln-es-eilt/" target="_blank" rel="noopener">Männer, denen das ermöglicht werden soll</a>. Tatsächlich wächst die väterliche Macht auch um so mehr, als die Bindung zum Kind immer enger wird. So begrüßenswert das auf den ersten Blick erscheint, <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener">so fatal wirkt sich das auf die Freiheit der Mutter und ihr Recht am Kinde aus</a>.<br />
Neue Begriffe wie &#8222;Bindungsintoleranz&#8220; (der Mutter unterstellter Versuch, das Kind dem Vater zu entfremden) und &#8222;neurotische Mutter-Kind-Symbiose&#8220; (nach Sigmund Freud) werden als Argumente angeführt, um Müttern das Kind direkt wegnehmen zu können. <a href="https://taz.de/Inobhutnahme-durch-das-Jugendamt/!5599059/" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Inobhutnahme&#8220; ist der euphemistische Begriff für diesen Kinderraub.</a><br />
Wenn eine Mutter ihr Kind dann einfach mitnimmt, ohne den Vater über den Verbleib zu unterrichten, dann gilt das vor dem patriarchalen Gesetz nicht als Befreiung, was es ja eigentlich ist, sondern in Verdrehung der Tatsachen als Entführung.</p>
<p>Die Strategie ist denkbar einfach. Das Kind gilt im Geiste als Besitz des Vaters. Die Mutterschaft wird der Frau unerträglich gemacht, dann von ihr abgelehnt und vom Patriarchat scheinheilig diffamiert. So kann die Mutterschaft der Frau weggenommen werden, um die Supervaterschaft, den Endsieg des Patriarchats, Wirklichkeit werden zu lassen. In den Heiligen Schriften ist dieses Ziel von Gott-Vater längst umgesetzt.</p>
<p>Was will der Patriarch mit dieser Fähigkeit anfangen? Wird sie ihm einst nicht ebenso lästig und unangenehm wie der patriarchalisierten Frau? Mit der Supervaterschaft sucht er Unsterblichkeit, die ihm zur totalen Macht fehlt. Dabei spielt es keine Rolle, wie das Leben der so gezeugten Kinder aussehen wird oder wie sie sich fühlen. Wesentlich wird sein, dass diese Kinder funktionieren und die Macht und den Reichtum des Patriarchen weiter mehren. Während matrifokale Menschen dazu anleiten, was das Kind zum Leben braucht, leitet der Patriarch dazu an, was das Kind braucht, um wie er zu werden. Bedingungslose Liebe ist ihm fremd. Er kompensiert sie mit Materialismus. Nur die Natur kann diesen Machenschaften Grenzen setzen, zerstört er doch zunehmend seine Lebensgrundlage.</p>
<h2 id="schlussbemerkung">Schlussbemerkung</h2>
<p>Erst mit der kritischen Patriarchatsforschung steht nun dieses neue Wissen zur Verfügung, mit dem nicht nur die Gender Studies als patriarchales Instrument entlarvt werden. Sie entzieht sowohl dem antifeministischen Maskulismus als auch den Theologien und dem <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/" target="_blank" rel="noopener">Nazismus</a> den Nährboden. Die Natur stellt sich jetzt nicht mehr als feindliche, zu überwindende &#8222;Barbarei&#8220; dar, sondern als Raum wahrer Gleichberechtigung, den es neu zu entdecken gilt.</p>
<p>Tieferen Einblick und weiterführende Literaturhinweise liefern diese Homepage, mein Blog <strong><a class="textlink" href="http://wahrscheinkontrolle.wordpress.com" target="_blank" rel="noopener">Wahrscheinkontrolle</a></strong> und u.a. meine beiden Bücher</p>
<ul id="liste4">
<li><a href="https://www.bod.de/buchshop/der-gott-im-9-monat-gabriele-uhlmann-9783738639018" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Der Gott im 9. Monat. Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt.&#8220;</a></li>
<li><a href="https://www.bod.de/buchshop/archaeologie-und-macht-gabriele-uhlmann-9783844814200" target="_blank" rel="noopener">Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte.</a></li>
</ul>
<p>&#8230; sowie die Faktensammlung und Buchtipps auf der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/" target="_blank" rel="noopener">Startseite</a>.<br />
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"articleSection" : "Merkmal und Gemeinsamkeit aller Patriarchate ist das Vaterrecht. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gesellschaften in der Ausgestaltung der Gesetze, des Zusammenlebens, der Kultur und des Wirtschaftens. Wie es der Begriff \"Patriarchat\", der wörtlich übersetzt \"Herrschaft der Väter\" bedeutet, bereits anklingen lässt, haben wir es einerseits mit Herrschern und Beherrschten zu tun, mit Unterdrückern und Unterdrückten, Tätern und Opfern. Andererseits stehen nicht Männer im Fokus, sondern explizit Väter. Ein Mann, der einer Familie aus einer oder mehreren Ehefrauen und deren ehelichen Kindern vorsteht bzw. über sie als sein Eigentum bestimmt, wird als Patriarch bezeichnet. Daher kommt es verbreitet zu der Ansicht, dass wir in Europa nicht mehr im Patriarchat leben. In Deutschland gibt es jedoch ein dezidiertes Vaterrecht, das im Grundgesetz verankert ist. Ehe und Familie, also die Orte der Ausübung des Vaterrechts, sind sogar besonders geschützt. Das Patriarchat wird weltweit sowohl gewaltsam als auch mit rechtsstaatlichen Mitteln, den Gewalten, aufrecht erhalten (siehe extra Artikel). Das Patriarchat wurde nicht geschaffen, um Männer von Care-Arbeit (Kinder- und Angehörigen-Pflege und Hausarbeit) zu befreien und auch nicht, um Väter in die Care-Arbeit einzubeziehen. Die Care-Arbeit hat erstaunlich wenig mit dem Patriarchat zu tun, außer dass sie nicht bezahlt wird und die Mutter keine Unterstützung ihrer mütterlichen Ursprungssippe erwarten kann. Daher ist das Patriarchat auch nicht zu Ende, wie es heute oft behauptet wird, es verschärft sich im Gegenteil immer weiter. Das Patriarchat ist nicht das, was die meisten glauben Daher ist es auch nicht zu Ende, wie es heute oft behauptet wird, es verschärft sich im Gegenteil immer weiter. Warum also herrschen Väter, und warum hören sie nicht einfach auf damit, obwohl es bei Männern wie Frauen und auf unserem Planeten großen Schaden anrichtet? Warum sind Frauen weiter benachteiligt, auch wenn sie als emanzipiert gelten? Das Patriarchat ist NICHT unser angeborenes Sozialverhalten, sondern ein Entführungsverbrechen Das Patriarchat ist nicht natürlich, sondern es entstand gewaltsam, speziell mit Entführungen bzw. Frauenraub, begleitet von Vergewaltigungen und Bestrafung von Frauen und Mädchen, aber auch der Ermordung aller nicht patriarchalen Männer, die das zu verhindern suchten. Ziel der Täter war die Sicherstellung der genetischen Vaterschaft zur Ausübung der sozialen Vaterschaft, was nur mit Kontrolle der weiblichen Sexualität und der unter diesen Bedingungen gezeugten Kinder möglich war und ist. Dabei ging es von Beginn an nicht um die Wahrnehmung fürsorglicher Aufgaben, sondern um Machtausübung. Aufgrund der Betonung des Wertes der väterlichen Gene wohnt dem Patriarchat nicht nur untrennbar der Sexismus, sondern auch der Rassismus inne. Sexismus ist dabei die Basis des Rassismus. Vor der Entstehung des Patriarchats wohnten Kinder nicht bei ihrem Vater, weil er aufgrund der matrifokalen Sozialstruktur von Homo sapiens unbekannt war. Die ersten Patriarchen postulierten die Vaterschaft als ihr Recht und erhoben das Vaterrecht zum allein gültigen Recht, womit sich das Patriarchat in den Folgegenerationen normalisierte, verselbständigte und tradierte. Die Kontrolle dieses Rechtes kann nur unter Patrilokalität ausgeübt werden, d.h. die Kinder und die Mutter werden gezwungen, beim Vater zu wohnen und gehören ihm auch. Es etablierten sich entsprechende Gesetze und Werte unter einer männerzentrierten Religion. Bis heute führt ein Ehemann sprichwörtlich seine frischgebackene Ehefrau \"heim\". Darin ist der Ursprung in den initialen Entführungen erkennbar. Wenn die Flucht nicht gelang, war Kooperation die Überlebensstrategie der ersten Opfer, also der Frauen. Über sie kam es zur Mitopferschaft der Töchter und Söhne. Alle weiteren Nachkommen unterlagen dieser Dynamik und wurden Opfer und Täter zugleich. Dies führte schließlich zum Vergessen des Urverbrechens. Das psychologische Phänomen des Stockholm-Syndroms, das bei Entführungsopfern regelmäßig auftritt und zur Kooperation mit dem Täter führt, ist die \"rätselhafte\" Ursache für die Kooperation auch der Frauen mit dem Patriarchat und für seine Tradition (Link 1: Peer-reviewte Studie aus HUMAN NATURE, Link 2: Original-Studie zum Download Link 3: Begriff bei Wikipedia, Link 4: nach Stephanie Gogolin - Stockholm-Syndrom Teil 1, Link 5: nach Stephanie Gogolin - Stockholm-Syndrom Teil 2). Erst seit Beginn des Patriarchats werden Menschen auch nach ihrem Vater gefragt, denn sein Bekanntsein verschaffte nun einem Menschen Ansehen und meist auch Erbrechte. Lange war ein uneheliches Kind rechtlos. Dadurch entstand ein gefühltes Recht des Kindes, seinen Vater zu kennen. Ansehen und meist auch Wohlstand ziehen patriarchalisierte Menschen aus ihrer Patrilinearität, d.h. sie können sich auf einen Stammvater zurückführen, dessen Nachnamen sie tragen und dessen Lebenswerk sie oft fortführen. Der Nachname der Mutter wird nur selten als Doppelname vererbt, verschwindet aber spätestens in der nächsten Generation. Erst die Befreiung der Mütter aus dem Gefängnis der Ehe holte das gefühlte Recht des Mannes, seine genetischen Kinder kennen und erziehen zu dürfen, wieder an die Oberfläche, denn ein Mann ohne Kinder kann seine väterliche Linie nicht fortführen, verliert dadurch Einfluss auf die nächste Generation und läuft Gefahr spätestens im Alter ohne Angehörige zu sein, die ihn versorgen. Vaterrechtler setzten daher durch, dass das Recht des Kindes auf Kenntnis des Vaters auch gesetzlich verankert ist. Beide Rechte, das des Kindes und das des Vaters auf gegenseitige Kenntnis, bestärken sich nun gegenseitig, und nehmen die sich trennende Mutter in wieder gefühlte Geiselhaft. Das Patriarchat ist bis heute ein Entführungsverbrechen. Das Patriarchat wäre nicht existent, zögen Männer keine Vorteile aus ihrer Vaterschaft. Mit Beginn des Patriarchats waren das rein wirtschaftliche Vorteile. Das zugehörige System heißt Kapitalismus, ein Name, der seinen Ursprung in der Viehzucht verrät, wo das Patriarchat tatsächlich begann. Das lateinische Wort \"caput\" bedeutet \"Kopf\", gemeint ist die Zahl der Tierköpfe und der Köpfe über die ein Patriarch herrscht. In der sog. Risikogesellschaft (nach U. Beck), wie wir sie heute leben, in der Frauen scheinbar unabhängig werden können und damit die Familie aus Sicht der Männer in Gefahr gerät, besteht der Vorteil der Vaterschaft für Männer darin, in Unabhängigkeit von einer Frau und Mutter nicht Gefahr zu laufen alleine zu bleiben. Die Erfahrungswerte und Zahlen über die Lage der Mädchen und Frauen, Mütter und Kinder, speziell auch der alleinerziehenden Mütter, in unserer Gesellschaft, werden vor diesem Hintergrund fassbar und als Symptom unseres Patriarchats begreifbar. Matrifokalität ist unser angeborenes Sozialverhalten Angeboren ist uns jedoch ein matrifokales Sozialverhalten in Matrilokalität und Matrilinearität. Das Naturgesetz, das in der Evolution auf das Wohl des Nachwuchses und seiner Mütter ausgerichtet ist, wird im Patriarchat ausgehebelt und der Sozialverband auf das Wohl des Vaters ausgerichtet. Die angeborene Matrifokalität arbeitet im Untergrund weiter, so dass es einerseits zu Inkompatibilitäten kommt, z.B. dem Schwiegermutterkonflikt, andererseits macht sich das Patriarchat viele matrifokale Eigenschaften zunutze, wie unser existentielles Bedürfnis, in einem Sozialverband zu leben. Das tun wir im Patriarchat, wie unsicher die Familie und andere Konstrukte auch sein mögen. Der patriarchalisierte Mensch erforscht sich selbst Dass nicht die Mütter herrschen, wurde seit Jahrtausenden damit erklärt, dass dies von den Göttern - und später von dem einen Gott - gewollt sei. Den angeblichen Willen der Götter, verbreitet von angeblich heiligen Männern, machten sich die Gläubigen zu eigen, entsprach er doch auch der schon länger etablierten Lebenswirklichkeit. Eine denkbare Gleichheit der Geschlechter kam daher nicht infrage. Sie wurde zwar später an manchen Stellen in den Heiligen Schriften postuliert, dies jedoch nur um die Frau an ihren Platz zu verweisen, an dem sie scheinbar gleichberechtigt war, in ihren spezifischen Rechten und Pflichten als Ehefrau und Mutter, nicht aber als autonomes Wesen. Die europäische Aufklärung im 18. Jh. führte zu einer Neubewertung der Glaubensvorstellungen, mitausgelöst durch die Verheerungen der Hexenverfolgung unter Federführung der Kirchen. Der beginnende Atheismus, der von patriarchalisch geprägten Denkern getragen wurde, suchte die entstandene Lücke zu schließen und bediente sich der gerade entstandenen Evolutionslehre Darwins. Darwin postulierte für alle Lebewesen einen \"Kampf ums Dasein\", eine Vorstellung, die von den sog. Sozialdarwinisten auf die Beziehung von Mann und Frau angewendet wurde, als sei es ein Naturgesetz, dass es irgendwann keine Frauen mehr gäbe, sondern nur noch Männer. Es wurde also postuliert, dass der Mensch, insbesondere der Mann, von Natur aus gewalttätig sei, und die Frau daher unterlegen sein muss. Mit dem Glauben an das \"Recht des Stärkeren\" wurde das Patriarchat neu legitimiert, das mit der Aufweichung der einst starken Festung des Gott-Vater-Glaubens ins Wanken geraten war. Das Patriarchat wurde und wird seitdem vielfach, wenn nicht als gottgegeben, so doch als naturgegeben vorausgesetzt. In meinem Aufsatz zur Geschichte der Erforschung der Matrifokalität auf dieser Homepage habe ich bereits dargestellt, welche Entwicklung sich daran anschloss, die einerseits mit dem Werk des Rechtshistorikers und Kulturanthropologen Johann Jakob Bachofen und andererseits mit den archäologischen Funden sogenannter Venus-Figuren aus der Altsteinzeit ausgelöst wurde. Nach dem Ende des Feminismus alter Prägung widmen sich heute fast alle Fachbereiche unter der Bezeichnung \"Gender Studies\" der Frage, was dem Patriarchat fachspezifisch entgegenzusetzen sei. Mit Ausnahme der Medizin werden evolutionäre, biologische Aspekte stets ausgeklammert und als biologistisch abgewertet. Stattdessen wird versucht, eine Strategie zu entwickeln, wie mittels politischer Meinungsbildung oder Sprache Gleichberechtigung herzustellen sei. In den Naturwissenschaften wird nicht selten versucht, das kulturelle Verhalten weiblicher und männlicher Primaten untereinander und auch mit dem des patriarchalisierten Menschen als gleich darzustellen. Demnach sei alles nur eine Frage von Kultur und nicht von Verbrechen. Auf diese Weise waschen die Gender Studies das Patriarchat rein, und statt es zu beenden, werden Vorlagen geliefert, es weiter zu verschärfen. Dass es Monogamie und Eheschließung, also die Familie, schon in der Altsteinzeit gegeben hätte, ist von den Gender Studies nie infrage gestellt worden. Mit dieser Rückdatierung des Patriarchats in die Anfänge der Menschheit waren die Gender Studies für das System interessant geworden, wo zuvor der Feminismus das Patriarchat zurückzudrängen begann. Entsprechend viel Geld wurde in diese Pseudowissenschaft gepumpt. Die neue Ideologie, die in den Universitäten erdacht wurde, wurde mit dem Amsterdamer Vertrag von 1997/1999 in der EU-Politik als sog. Gender Mainstreaming fest verankert. Da die Gender Studies staatlich finanziert sind, war von Beginn an Skepsis angebracht, dass hiermit das Patriarchat zu beenden wäre. Es stellte sich in der Tat heraus, dass das Gender Mainstreaming zum Wohle der Wirtschaft zur Anpassung der Frau an die männliche Lebensweise führte, und Kinder dabei nur als Störfaktor angesehen werden. Als die Frauen in die Arbeitswelt drängten, sanken die Löhne drastisch, so dass heute ein Gehalt allein nicht mehr ausreicht, eine Familie zu ernähren. Mit dem Hinweis auf die Sachzwänge der Globalisierung wird dieser Umstand verschleiert. Neue Denkanstöße kommen seit einigen Jahren aus der sog. Citizen Science, der unabhängigen Bürgerforschung. Mit der hier angesiedelten kritischen Patriarchatsforschung wurde begonnen, interdisziplinär, unter Einbeziehung der Anthropologie, also der menschlichen Evolution und Biologie, die Entstehung und Aufrechterhaltung des Patriarchats zu untersuchen und zu verstehen. Heute gilt daher die Unterdrückung der sog. female choice als Basis des Patriarchats und als sein einzig sicheres Erkennungszeichen. Es wurde deutlich, dass das besondere, soziale Miteinander des Menschen seine Wurzeln in der matrifokalen, also matrilokalen und matrilinearen SIPPE hat, die vom Patriarchat zerstört wurde, so dass die Mehrheit der Menschen, aber immer noch nicht alle, in patrilinearen Gruppen, den FAMILIEN, patrilokal leben. Es konnte damit nicht nur der Widerspruch aufgelöst werden, dass der Mensch einerseits gewalttätig werden kann und Kriege führt, und andererseits als höchst sozial gilt. Es wurde mit dem Wissen, dass die Mütter aus ihrem urmütterlichen Schutzraum gerissen wurden und den Vätern und deren Familie fortan ausgeliefert waren, erklärbar, warum Frauen und Kinder, letztlich also auch die Männer, im Patriarchat leiden und gleichzeitig, warum ausgerechnet die Religionen dies rechtfertigen. Patriarchale Ideologie und ihre Folgen Das Patriarchat wurde vor ca. 8200 Jahren (Misox-Klimaschwankung) mit der Erfindung des Viehnomadismus in den Steppengebieten errichtet. Die Frau wurde in die Ehe gezwungen und sie hatte ihrem Ehemann vor allem Söhne zu gebären und ihm und seiner Herde zu folgen. Unsere indoeuropäische Sprache, die aus der Steppe stammt, ist entsprechend durchsetzt mit Metaphern aus der Tierzucht. Eine Frau, die ihre female choice frei lebt, also selbstgewählte, wechselnde Sexualpartner hat, wird als \"unzüchtig\" (sinngemäß: sich der Zucht entziehend) oder \"zügellos\" bezeichnet. Es handelte sich um eine bis dahin unbekannte Denk- und Lebensweise, in der sich der Mann seiner väterlichen Linie bewusst geworden war (Patrilinearität) und daher die Frauen und Kinder zwang, bei ihm zu wohnen (Patrilokalität). Damit begann er, Menschen wie ein Schöpfergott nach seinem Willen zu züchten. Bei der Tierzucht passierte der größte Irrtum der Menschheit, nämlich, dass die Frau nur das Gefäß männlichen Samens sei. Zu teuer und obendrein meist unwillig war die Frau für den Mann zur Last geworden, Ursache des tiefen Hasses auf die Frauen, sowie männlicher Überheblichkeit und des Machtstrebens. Als Ziel des Patriarchats ist in den Heiligen Schriften die Abschaffung der Mutter erkennbar, deren Metapher \"Fruchtbarkeitsgöttin\" sukzessive durch einen allmächtigen, d.h. unsterblichen, menstruierenden, gebärenden und stillenden Gott ersetzt wurde. Dieses Ziel erschien wie oben erwähnt im Sozialdarwinismus neu verpackt wieder an der Oberfläche patriarchalen Denkens. In unserer Zeit wird es durch die Reproduktionsmedizin, die Patentierung der Muttermilch, die Fremdbetreuung der Kinder u.a. vorangetrieben, mitgetragen auch von einem falsch verstandenen Feminismus, der die Frau von dieser vermeintlich lästigen und undankbaren Aufgabe zu befreien sucht. Dass es das Patriarchat auf die besonders kostbare Fähigkeit der Frau, Mutter zu werden, abgesehen hat, wurde vom Feminismus nicht erkannt und von den Gender Studies ausgeblendet. Eine Frau, die ihr Frausein über ihre Fähigkeit, Mutter zu werden, definiert, wird als biologistisch abgewertet, sind da ja die Männer, denen das ermöglicht werden soll. Tatsächlich wächst die väterliche Macht auch um so mehr, als die Bindung zum Kind immer enger wird. So begrüßenswert das auf den ersten Blick erscheint, so fatal wirkt sich das auf die Freiheit der Mutter und ihr Recht am Kinde aus. Neue Begriffe wie \"Bindungsintoleranz\" (der Mutter unterstellter Versuch, das Kind dem Vater zu entfremden) und \"neurotische Mutter-Kind-Symbiose\" (nach Sigmund Freud) werden als Argumente angeführt, um Müttern das Kind direkt wegnehmen zu können. \"Inobhutnahme\" ist der euphemistische Begriff für diesen Kinderraub. Wenn eine Mutter ihr Kind dann einfach mitnimmt, ohne den Vater über den Verbleib zu unterrichten, dann gilt das vor dem patriarchalen Gesetz nicht als Befreiung, was es ja eigenlich ist, sondern in Verdrehung der Tatsachen als Entführung. Die Strategie ist denkbar einfach. Das Kind gilt im Geiste als Besitz des Vaters. Die Mutterschaft wird der Frau unerträglich gemacht, dann von ihr abgelehnt und vom Patriarchat scheinheilig diffamiert. So kann die Mutterschaft der Frau weggenommen werden, um die Supervaterschaft, den Endsieg des Patriarchats, Wirklichkeit werden zu lassen. In den Heiligen Schriften ist dieses Ziel von Gott-Vater längst umgesetzt. Aber was will der Patriarch mit dieser Fähigkeit? Wird sie ihm einst nicht ebenso lästig und unangenehm wie der patriarchalisierten Frau? Mit der Supervaterschaft sucht der Mann Unsterblichkeit, die ihm zur totalen Macht fehlt. Dabei spielt es keine Rolle, wie das Leben der so gezeugten Kinder aussehen wird oder wie sie sich fühlen. Wesentlich wird sein, dass diese Kinder funktionieren und die Macht und den Reichtum des Patriarchen weiter mehren. Liebe ist dem Patriarchen fremd. Er kompensiert sie mit Materialismus. Doch die Natur wird diesen Machenschaften einst Grenzen setzen, zerstört er doch zunehmend seine Lebensgrundlage, unsere Mutter Erde."
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