<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Interdisziplinäre Patriarchatsforschung Archive - Gabriele Uhlmann</title>
	<atom:link href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/category/interdisziplinaere-patriarchatsforschung/feed" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/category/interdisziplinaere-patriarchatsforschung</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Wed, 23 Sep 2026 12:10:13 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.1.2</generator>
<site xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">159495756</site>	<item>
		<title>Kongress: Mutterschaft im Patriarchat</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/online-kongressbeitraege-mutterschaft-im-patriarchat</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Sep 2026 10:32:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Anthropologie]]></category>
		<category><![CDATA[Ethologie]]></category>
		<category><![CDATA[Evolution]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Female Choice]]></category>
		<category><![CDATA[Frau]]></category>
		<category><![CDATA[Interdisziplinäre Patriarchatsforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Matrifokalität]]></category>
		<category><![CDATA[Matrilinearität]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Mutter]]></category>
		<category><![CDATA[Mütterpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Kongress]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sorgerecht]]></category>
		<category><![CDATA[Video]]></category>
		<category><![CDATA[Entstehung des Patriarchats]]></category>
		<category><![CDATA[Leben im Patriarchat]]></category>
		<category><![CDATA[Maike Grotz]]></category>
		<category><![CDATA[Mutterschaft]]></category>
		<category><![CDATA[online-Kongress]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://blog.gabriele-uhlmann.de/?p=6241</guid>

					<description><![CDATA[<p>Kostenloser Online-Kongress vom 28.09.-04.10.2026 Mutterschaft im Patriarchat von und mit Maike Grotz Darin das Interview: &#8222;8200 Jahre patriarchale Prägung und die Erinnerung an unsere wahre Natur&#8220; mit Gabriele Uhlmann</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/online-kongressbeitraege-mutterschaft-im-patriarchat">Kongress: Mutterschaft im Patriarchat</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kostenloser Online-Kongress vom 28.09.-04.10.2026</strong><br />
<span style="font-size: 24pt;"><a href="Kostenloser Online-Kongress vom 28.09.-04.10.2026 Mutterschaft im Patriarchat" target="_blank" rel="noopener"><span style="font-size: 12pt;"><span style="font-size: 24pt;">Mutterschaft im Patriarchat</span></span></a><br />
<span style="font-size: 12pt;">von und mit Maike Grotz</span></span></p>
<p>Darin das Interview:<br />
<span style="font-size: 18pt;">&#8222;8200 Jahre patriarchale Prägung und die Erinnerung an unsere wahre Natur&#8220;</span> mit Gabriele Uhlmann</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/online-kongressbeitraege-mutterschaft-im-patriarchat">Kongress: Mutterschaft im Patriarchat</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">6241</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Großmutter-Hypothese? Großmutter-These!</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/grossmutter-hypothese-grossmutter-these</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Oct 2025 12:58:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Anthropologie]]></category>
		<category><![CDATA[Begriffe und Definitionen]]></category>
		<category><![CDATA[Biologie]]></category>
		<category><![CDATA[Evolution]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Frau]]></category>
		<category><![CDATA[Interdisziplinäre Patriarchatsforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Matrifokalität]]></category>
		<category><![CDATA[Matrilinearität]]></category>
		<category><![CDATA[Miteinander leben]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[Bonobo]]></category>
		<category><![CDATA[Gorilla]]></category>
		<category><![CDATA[Großmutter-(Hypo)these]]></category>
		<category><![CDATA[Großmutterhypothese]]></category>
		<category><![CDATA[Großmuuter-Hypothese]]></category>
		<category><![CDATA[Krummhörn]]></category>
		<category><![CDATA[Matrilokalität]]></category>
		<category><![CDATA[Patrilinearität]]></category>
		<category><![CDATA[Patrilokalität]]></category>
		<category><![CDATA[Schimpansen]]></category>
		<category><![CDATA[Schwiegermutter]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://blog.gabriele-uhlmann.de/?p=5980</guid>

					<description><![CDATA[<p>Bild: &#8222;Großmutter und Enkelin&#8220; Ausschnitt aus einem Holzstich von Ludwig Richter (1803-1864) Die Entdeckung der evolutionären Rolle der Großmutter Der Sinn der Menopause sei, dass Mütter schneller wieder schwanger werden...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/grossmutter-hypothese-grossmutter-these">Großmutter-Hypothese? Großmutter-These!</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bild: &#8222;Großmutter und Enkelin&#8220; Ausschnitt aus einem Holzstich von Ludwig Richter (1803-1864)<img decoding="async" style="display: none !important;" src="https://vg01.met.vgwort.de/na/ac227f65dc774c44a0a2c636ffe53a47" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h2 id="die-entdeckung-der-evolutionaeren-rolle-der-großmutter">Die Entdeckung der evolutionären Rolle der Großmutter</h2>
<p>Der Sinn der Menopause sei, dass Mütter schneller wieder schwanger werden können, wenn ihnen post-menopausale Frauen bei der Kinderpflege helfen. Dies war im Jahre 1998 die zentrale Aussage der Anthropologin Kristen Hawkes, die als Begründerin der Großmutter-Hypothese bekannt wurde. Auf diesen Gedanken kam sie bei Untersuchungen an dem Wildbeuter-Volk der Hazda in Tansania. Hawkes folgte damit der Auffassung, dass der evolutionäre Erfolg einer Art von der Zahl ihrer Nachkommen abhängt. Mit ihrer Hypothese<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup> erregte Hawkes im Jahre 2004 zwar Aufmerksamkeit, es kamen aber schnell Zweifel auf, denn es gibt artübergreifend neben einer hohen Populationsgröße auch andere Überlebensstrategien. Es hat sich insbesondere für uns Menschen gezeigt, dass eine hohe Kinderzahl sogar belastend ist und zu einer weltweiten Überbevölkerung geführt hat. Der Verdienst für die Wissenschaft besteht nun rückblickend vor allem darin, dass Hawkes das Thema als Erste aufs Tapet brachte und andere ForscherInnen inspirierte, daran weiterzuforschen.</p>
<h2 id="warum-gibt-es-die-grossmutter">Warum gibt es die Großmutter?</h2>
<p>Im Jahre 2003 fragten Jan Beise und Eckard Voland erneut „Warum gibt es Großmütter?“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup> und überprüften die Hypothese anhand von Kirchenbüchern aus dem 19. Jh. von der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Krummh%C3%B6rn" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Halbinsel Krummhörn</a>. Sie fanden überraschenderweise eine erhöhte Kindersterblichkeit, wenn die väterliche Großmutter mit im Hause lebte, salopp gesagt, wenn die Mutter ihre Schwiegermutter am Halse hatte. Die Sterblichkeit war sogar noch höher, als wenn keine der beiden Großmütter mit im Hause wohnte. Die geringste Sterblichkeit war also gegeben, wenn nur die mütterliche Großmutter bei der Kinderpflege mithalf. Damit wurde deutlich, dass es nicht egal ist, welche Großmutter mit im Hause lebt. Die Anwesenheit der mütterlichen Großmutter hat einen positiven Effekt auf das Überleben ihrer Enkelkinder. Das ist der wahre evolutionäre Grund für die Menopause. Kristen Hawkes These musste in dieser Weise modifziert werden und bekam nun politische Relevanz.</p>
<p>Die korrigierte Großmutter-Hypothese führte weiter ein Schattendasein, weil die Evolutionsbiologie &#8211; wie wir noch sehen werden &#8211; sich nicht von der Vorstellung trennen wollte, dass die Schwiegermutter den Fortpflanzungserfolg erhöhe, dies eingedenk der zunehmenden Überbevölkerung. Die großmütterliche Leistung war und ist den „Herren der Schöpfung“ suspekt, zumal der Großvater nun außen vor bleibt. So sehr die Herrschende Lehre die Großmutter-Hypothese zu ignorieren sucht, so groß sind aber auch die Zweifel an der Richtigkeit der positiven Bewertung der Schwiegermutter. Daher werden immer wieder Studien aufgelegt, die den Zusammenhang von Mutter, Großmüttern und Enkelkindern untersuchen.</p>
<h2 id="warum-gibt-es-die-Schwiegermutter">Warum gibt es die Schwiegermutter?</h2>
<p>Die Frage muss nun zu vorderst lauten, warum es die Schwiegermutter gibt, wenn sie doch so schädlichen Einfluss auf ihre Enkelkinder ausübt. Denn die Evolution selektiert nichts im großen Stil, was dem Nachwuchs auch nur ansatzweise schaden könnte. Das wäre ja das Ende aller Arten. Die Anwesenheit der Schwiegermutter deutet daraufhin, dass jemand in die Evolution eingegriffen hat, ohne die weitreichenden Folgen erahnen zu können. Und sie ist ein Anzeichen, dass es mit unserer Art zu Ende geht, trotz und wegen der Überbevölkerung.</p>
<p>Eine Antwort auf die Frage kann nur die unabhängige, interdisziplinäre Patriarchatsforschung liefern, denn sie allein stellt bisher die Natürlichkeit der Schwiegermutter infrage, gerade WEIL diese so einen negativen Einfluss ausübt: Die Existenz der Schwiegermutter ist an die Ehe gebunden und sie war seit dieser Erfindung sogar DIE Garantin für das Funktionieren der stets patriarchalen Familie, denn sie ersetzte die seitdem ausgeschlossene Großmutter mütterlicherseits sowie alle anderen Angehörigen der Mutter. Sie war nie ein Tausendsassa, sondern hat seit jeher nur ein Ziel: Die Sicherstellung der Vaterschaft ihrer Söhne. Ohne die Kenntnis seiner genetischen Kinder kann kein Vater Macht über sie ausüben und auch nicht über andere. Die Herrschaft der Väter, das Patriarchat, muss daher die Mutter regelrecht gefangen nehmen. Zu Recht wird vom Gefängnis der Ehe gesprochen.<br />
Aufseherin war von Beginn an die Schwiegermutter, die sich im Alltag an der sexuellen Kontrolle der jungen Ehefrau, die sie eigentlich als Eindringling wahrnahm, beteiligte, und die sie misstrauisch beäugte. In dieser <strong>Patrilokalität</strong> genannten Zwangslage lebten alle Frauen noch bis vor 100 Jahren, besonders wenn ihre Ehemänner noch Bauern geblieben waren. Das war aber nicht immer so. Diese Lebensweise kam zuerst bei den viehnomadischen Völkern auf, sie haben sie gewaltsam über die Welt verbreitet und bis heute erhalten.</p>
<p>In der Situation der Patrilokalität waren bzw. sind die jungen Mütter den sexuellen Ansprüchen des Ehemannes schutzlos ausgeliefert. Die Ehefrau und Mutter hat ihren Körper zur Verfügung zu stellen, im Gegenzug wird sie mitversorgt. Ein gutes Leben hat sie nicht. Einerseits hat sie häufig Konkurrenz von Nebenfrauen, andererseits ist sie nur geduldet, weil es ohne sie nun mal nicht geht. Die Schwiegermutter versucht, ihre Schwiegertochter, die oft schon mit der Menarche verheiratet wurde, zu erziehen bzw. ihr ihre Kultur aufzuzwingen. Die von vorne herein gestörte Beziehung der beiden führt zu enormem Stress der jungen Mutter und auch deren Kinder. Eine gestresste Mutter hat weniger Milch, wird häufiger krank und erleidet eher Fehlgeburten. Den Kindern geht es entsprechend schlecht. Dies bestätigt die Krummhörn-Studie. Die eheliche Verpflichtung führt zu beinahe jährlichen Geburten, vielen sterbenden Kindern und auch nicht selten zum Tod der Mutter unter der Geburt. Seit der Durchsetzung der Ehe seit grob 8000 Jahren bekommen Frauen wesentlich mehr Kinder als sie unter natürlichen Bedingungen jemals bekommen haben. Das Patriarchat ist unmittelbar für die Überbevölkerung verantwortlich. In Ländern mit hohem medizinischem Standard ist diese Nebenwirkung seit 50 Jahren durch die Pille weitgehend abgestellt. In den meisten Ländern aber ist Empfängnisverhütung unerwünscht, beleidigt sie ja die männliche Potenz.</p>
<h2 id="leben-in-matrifokalitae-unser-angeborenes-sozialverhalten">Leben in Matrifokalität &#8211; Unser angeborenes Sozialverhalten</h2>
<p>Im Gegensatz zu den patriarchalen Verhältnissen bekommt eine Mutter, die unter matrifokalen, also natürlichen Bedingungen lebt, deutlich weniger Kinder und auch nur etwa alle fünf Jahre. Die Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy fand heraus, dass Stillen nach Bedarf, also rund um die Uhr, die Ovulation hemmt.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup> Unter natürlichen Bedingungen sind kleine Kinder also eine wirksame Empfängnisverhütung, ein logischer evolutionärer Schutz der enormen Investitionen in ein Menschenkind. Die Lebensweise, unter der die <em><a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">female choice</a></em> frei gelebt wird<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>, hat auch weniger sexuellen Verkehr zur Folge<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup>. Automatisch ist damit eine konstante Bevölkerungszahl sichergestellt. Das kleine Kind hat, weil es nicht schon als Säugling von einem Geschwisterchen Konkurrenz bekommt, eine deutlich höhere Überlebenschance; im Übrigen auch die Mutter selbst. Zum Überleben trägt besonders auch die Hilfe der mütterlichen Großmutter und der Alloeltern, das sind die weiblichen und männlichen Mitglieder der matrilinearen Sippe, bei.<br />
Wie wir es aus rezenten matrifokalen Gemeinschaften wissen, verhindert die Großmutter nicht die freie Sexualität ihrer Tochter, sondern schützt und unterstützt sie bei Bedarf. So richtet z.B. die Mosuo-Mutter in ihrem Haus ein „Blumenzimmer“ ein, wo die Tochter tun und lassen kann, was sie will, und theoretisch vor unerwünschten Übergriffen geschützt ist. Übergriffe finden aufgrund der matrifokalen Sozialisation der Männer auch gar nicht statt, womit Frauen doppelt geschützt sind. Die mütterliche Großmutter verhindert damit nicht eine höhere Kinderzahl, sondern sie dient <em>female choice</em>, die, wenn sie konsequent gelebt wird, erst bewirkt, dass die mütterliche Großmutter im Hause lebt. Die Hilfe der Großmutter ist also nur ein Teilaspekt des komplexen Schutzsystems Matrifokalität, das die Herrschende Lehre bis heute nicht verstehen will. Ihre Menopause ist jedoch ein schlagendes Indiz der Matrifokalität.<br />
In matrifokalen Gemeinschaften spielen im Übrigen die äußeren Bedingungen eine größere Rolle. Während es in der Altsteinzeit der Sammler/Fischer/Jäger nur eine sehr geringe Population auf gleichbleibendem Niveau gab, ermöglichte die Erfindung der Landwirtschaft in Subsistenz einen Anstieg der Population, die dann auf einem höheren Niveau wiederum gleich blieb.</p>
<p>Sarah Blaffer Hrdy konnte die korrigierte Großmutterhypothese problemlos in ihre eigene These, veröffentlicht in ihrem Buch „Mothers and Others. Evolutionary Origins of Mutual Understanding“ (2009), deutsch „Mütter und andere. Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat“ (2010), integrieren, ja sie war eine wichtige Basis. Dieses Werk ist eine umfassende, stichhaltige Begründung und Darstellung unserer natürlichen matrifokalen Lebensweise.</p>
<h2 id="die-grossmuetterliche-geburtenkontrolle-schutz-vor-ueberbevoelkerung">Die großmütterliche Geburtenkontrolle &#8211; Schutz vor Überbevölkerung</h2>
<p>Am 27.09.2017 akzeptierte die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Royal_Society" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Royal Society</a> eine Metastudie<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup> der anthropologischen Arbeitsgruppe Susanne Huber, Patricia Zahourek und Martin Fieder von der Universität Wien mit dem Titel <a href="http://dx.doi.org/10.1098/rsos.170544" target="_blank" rel="noopener noreferrer">‚Mit der eigenen oder der Mutter des Ehemanns im Haushalt zu leben, ist mit einer geringeren Kinderzahl assoziiert: eine kulturübergreifene Analyse‘</a>. In ihrer Pressemitteilung teilte die Arbeitsgruppe der Studie (im Folgenden „Wiener Studie“) mit:</p>
<blockquote><p>„Frauen, die mit ihrer eigenen Mutter oder ihrer Schwiegermutter in einem gemeinsamen Haushalt leben, haben durchschnittlich weniger Kinder als jene, die nur mit ihrem Partner zusammenleben. Das haben evolutionäre AnthropologInnen um Martin Fieder von der Universität Wien in einer interkulturellen Analyse auf Basis von Daten von über 2,5 Millionen Frauen herausgefunden. EvolutionsbiologInnen gingen bislang vom Gegenteil aus.“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup></blockquote>
<p>Dieser Befund will auf den ersten Blick so gar nicht zur Krummhörn-Studie von Breise/Voland passen, wonach das Leben mit der Schwiegermutter die denkbar schlechteste Konstellation ist und das Leben mit der mütterlichen Großmutter die beste. Doch Vorsicht, in der Wiener Studie geht es nicht um die Überlebenchancen von geborenen Kindern, sondern lediglich um die Zahl der Geburten einer Frau. Dabei relativiert die Wiener Studie die Leistung der mütterlichen Großmutter, ja sie scheint sogar die Schwiegermutter zu rehabilitieren, indem sie sie jetzt mit der mütterlichen Großmutter auf eine Stufe stellt. Am Ende zählt nun vor allem die Quantität, und nicht welcher emotionaler und gesundheitlicher Aufwand betrieben wurde, um diese Quantität zu erreichen. Dennoch sind jetzt beide Großmütter auf der Anklagebank. Es scheint mir, als solle hier die Kernfamilie aus Vater, Mutter und Kindern propagiert werden. Und es scheint, dass die Royal Society genau dies honoriert.</p>
<p>In der Publikation der Wiener Studie wird Sarah Blaffer Hrdy &#8211; <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2016/10/14/zum-artikel-stark-als-paar-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-april-2015/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">wie in der Vergangenheit bereits schon einmal</a> &#8211; falsch interpretiert:</p>
<blockquote><p>„Kaplan […] berechnete, dass ein Kind von der Geburt bis zum Alter von 18 Jahren einen Überschuss von 10-13 Millionen Kalorien konsumiert. Es ist weitgehend anerkannt, dass die Unterstützung der Mutter ihren reproduktiven Output und das Überleben ihrer Kinder erhöht (…). Übereinstimmend damit formulierte Hrdy (…) die Hypothese der gemeinschaftlichen Aufzucht: Mütter sind in Gruppen eingebunden, in der <strong>nicht nur der biologische Vater</strong>, sondern auch eine Vielfalt an Individuen den Kindern Resourcen zur Verfügung stellen.“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup></blockquote>
<p>Erstens ist diese Darstellung verzerrend, denn Blaffer Hrdy hat die Ernährungsthese Kaplans nur am Rande erwähnt, während sie die Großmutterhypothese von Kristen Hawkes &#8211; welche im Literaturverzeichnis der Wiener Studie übrigens keinerlei Erwähung findet &#8211; als zentralen Bestandteil ihrer These rezipierte. Blaffer Hrdy verfolgt keinerlei Kulturmaterialismus, sondern kommt der Logik der Notwendigkeiten, die unsere Physiologische Frühgeburt nach sich zieht, auf die Spur.</p>
<p>Zweitens ist diese Darstellung dahingehend falsch, als dass Blaffer Hrdy seit Erscheinen ihres Buches „Mother and Others“ offiziell <strong>nicht</strong> mehr davon ausgeht, dass der altsteinzeitliche Kindsvater mit in der Sippe bzw. mit seinen genetischen Kindern lebt. Ja, sie zählt ihn nicht einmal zum Kreise der Alloeltern! Ihr Buch „Mother Nature“, das die Wiener Studie ebenfalls aufführt, ist damit veraltet, was die Wiener ForscherInnen aber nicht berücksichtigen.</p>
<p>Blaffer Hrdys Fehler war, ihre zentrale Aussage von „Mothers und Others“ in eine Fußnote zu verbannen. Sie schreibt dort:</p>
<blockquote><p>„<em>Ich gehörte übrigens zu denjenigen, die schon frühzeitig davon überzeugt waren, dass Menschenaffen zur Patrilokalität neigten. Ich änderte meine Meinung im Verlauf der Arbeit an ‚Mutter Natur’.</em>“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup></blockquote>
<p>Aufgrund dieses zwischenzeitlichen, notwendigen Sinneswandels geriet das Buch „Mother Nature“ leider reichlich verwirrend und widersprüchlich. Die Frage ist allerdings, ob die New York Times sonst ihre Bücher derart gelobt hätte, aber das nur am Rande.</p>
<p>Blaffer Hrdy geht auf der Basis der Großmutterthese und der Tatsache der <em>female choice</em> (Small 1995) sowie ihrer eigenen anthropologischen Forschung von der Matrilinearität der Menschheit als einzig natürlicher Lebensweise aus. Sie schreibt in „Mütter und Andere“:</p>
<blockquote><p>„Ungeachtet dogmatischer Verlautbarungen, wonach Menschen für gewöhnlich ‚eine patrilokale Familienstruktur besitzen’, weil ‚Söhne in traditionellen Gesellschaften in der Nähe ihrer Familien bleiben, während Töchter fortziehen’, wird diese grundlegende Aussage über die menschliche Natur nicht von Daten über Menschen gestützt, die tatsächlich als Jäger-Sammler leben.“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup></blockquote>
<p>Die Wiener Studie ist nun eine Momentaufnahme der Gegenwart, die nicht geeignet ist die Verhältnisse vor über 100 Jahren wie bei der Krummhörn-Studie wiederzuspiegeln. Die Wiener schreiben:</p>
<blockquote><p>“Über alle Länder hinweg lebt die Mehrheit der Frauen nur mit ihrem Ehepartner im Haushalt. Nur im Irak lebt die Mehrheit der Paare mit der Mutter des Ehemanns im Haushalt (53,15%), gefolgt von Pakistan (41,2%). In allen anderen untersuchten Ländern liegt die Häufigkeit des Lebens mit der Mutter des Ehemanns im Haushalt zwischen 1,5% (USA) und 20,5% (Rumänien). Das Leben mit der eigenen Mutter der Frau im Haushalt ist die am wenigsten verbreitete Lebensform, die von 0,8% (Malawi) bis zu 17,2% (Thailand) reicht.“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup></blockquote>
<p>Wie ist es dazu gekommen, was hat sich in den letzten 100 Jahren verändert? Die sexuelle Kontrolle durch die Schwiegermutter spielte nach Gewöhnung an das Patriarchat und durch die religiöse Indoktrination eine immer geringere Rolle. Scheidung und Ehebruch wurden allgemein behindert bzw. geächtet. Derart „befriedet“ blieb das Paar auch ohne die Kontrolle der väterlichen Familie resp. der Schwiegermutter beisammen, auch wenn in der Ehe Krieg herrschte. Mit der Industrialisierung und Landflucht sowie heute der modernen Mobilität zogen und ziehen Ehepaare immer öfter in andere Städte fernab aller Großeltern. Die Ehe wird nun aus Verliebtheit geschlossen, wirtschaftliche Aspekte bzw. die Eheanbahnung durch die Eltern spielt nur noch eine sehr geringe Rolle. Paare verlassen ihre Elternhäuser, um auswärts das materielle Glück zu suchen, sofern sie es nicht schon haben. So ist es kein Wunder, dass die Mehrzahl aller Paare nicht mehr in Patrilokalität lebt und die Soziologie um eine neue Lebensform „bereichert“ wurde, die <strong>Neolokalität</strong>, bei der der besser verdienende Ehepartner den Wohnort bestimmt. Im weiter bestehenden Patriarchat ist dies meistens der Ehemann, was der Begriff jedoch verschleiert.</p>
<p>Wir sehen an diesen Zahlen auch, wie sehr das Patriarchat über die Welt verbreitet wurde und sogar, wo es herkommt, nämlich aus viehzüchternomadischen Gebieten. Mit der Auflösung der Patrilokalität wurde das Patriarchat jedoch nicht beseitigt, sondern es zeigt sich daran im Gegenteil seine Verschärfung. Es ist ideologisch gefestigt und durch die Isolierung des Paares mit seinen Kindern wird dieses abhängiger vom Staatspatriarchat, mit dem die Sache immer fester gezurrt wird.</p>
<p>Die Wiener fanden, wie eingangs gesagt, heraus, dass die Anwesenheit einer Großmutter die Kinderzahl negativ beeinflusst. Die meisten Kinder bekamen diejenigen Mütter, die alleine mit Ehemann und Kindern in der Wohnung leben. Es wurde allerdings nicht diskutiert, dass Großeltern, zu denen ja im Übrigen auch oft noch der Großvater gehört, oft keinen Sex in „ihrer“ Wohnung dulden, aber auch Paare die Anwesenheit ihrer Eltern als beim Sex störend empfinden. Eine Tatsache ist auch, dass die Frau bei Abwesenheit der Großeltern dem Ehemann schutzlos ausgeliefert ist, was die hohen Zahlen häuslicher Gewalt veranschaulichen. Ohne Zeugen lässt sich besser gewaltsam zeugen.</p>
<h2 id="die-muetterliche-großmutter-das-unbekannte-wesen">Die mütterliche Großmutter, das unbekannte Wesen</h2>
<p>Die Wiener kamen nicht umhin, auch die Verhältnisse in matrifokalen Gemeinschaften zu beleuchten. Dass in Äthiopien gefunden wurde, dass Kinder in matrilokalen Gemeinschaften, wo die mütterliche Großmutter immer anwesend ist, eine höhere Überlebenschance haben, wurde erfreulicherweise erwähnt. Dies bestätigt den Befund von der Halbinsel Krummhörn des 19. Jhs., auch wenn dort neben Patrilokalität die Neolokalität herrschte. Aufgrund des ungenauen Lesens des letzten Buches von Sarah Blaffer Hrdy und der Ignoranz gegenüber der natürlichen Matrifokalität muss sich die Wiener Arbeitsgruppe aber bankrott erklären und sie tut es auch:</p>
<blockquote><p>“Im Vergleich zu ihrem Einfluss auf das Überleben von Kindern werden die Auswirkungen beider, der Anwesenheit der mütterlichen und väterlichen Großmutter, auf die Fruchtbarkeit weniger gut verstanden. Die meisten Untersuchungen zu mütterlichen Großmüttern zeigen einen positiven Einfluss auf die Fruchtbarkeit ihrer Tochter (…). In einer Metaanalyse fanden Sear &amp; Coall (…) dagegen, dass nur in über 30% der 39 untersuchten Studien die Anwesenheit der eigenen Mutter, aber in etwa 70% der Studien die Anwesenheit der Schwiegermutter einen pro-natalen Effekt hat.“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup></blockquote>
<p>Was ist hier nun wieder los? Wieder wurde gelesen, was sie lesen wollten. Das Paper, das einen positiven Einfluss der mütterlichen Großmutter auf die Fruchtbarkeit, also die Geburtenzahl ihrer Tochter, postulieren soll, beschäftigt sich ausschließlich mit dem Überlebenchancen der Kinder und titelt: „Who keeps children alive? A review of the effects of kin on child survival“. Autorinnen sind Rebecca Sear und Ruth Mace. Die Untersuchung bestätigt im Grunde auch das Ergebnis von der Halbinsel Krummhörn. Eine kleine Ausnahme unter vielen macht eine Untersuchung von Sear an Familien des Cheva-Volkes im bäuerlichen Malawi. Als Anmerkung finden wir dort: &#8222;Mgms borderline but significant at p&lt;.05 for girls only; mat aunts − in families where women own resources, + where men do; divorce −“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup> Das bedeutet übersetzt, dass sich die Mithilfe der mütterlichen Großmütter signifikant negativ auswirkt, aber nur grenzwertig, und nur bei einer Scheidung oder wenn die Mutter die Resourcen selbst verdienen muss.<br />
Wir haben es hier mit einer patriarchalen Gesellschaft zu tun. Die Überlebensrate ist für Mädchen schlechter, was auf deren Unterversorgung zurückgeht, wie wir sie in vielen Kulturen vorfinden. Die Mütter sind mitunter doppelt belastet, d.h. sie müssen auf dem Feld arbeiten, weshalb eine Großmutter mithelfen muss. Dass für die Überlebensrate hier allein die mütterliche Großmutter verantwortlich gemacht wird, ist schon sehr bizarr, denn offensichtlich gibt es in dieser Kultur einen mutwilligen Gynozid, den allein das von Männern installierte System, aber nicht die mütterliche Großmutter zu verantworten hat. Was gibt es da nicht zu verstehen, außer, dass wir uns darüber erschrecken müssen, in welchem Ausmaß Frauen zu Dienerinnen des Patriarchats gemacht wurden!</p>
<p>Das andere Paper wurde ebenfalls von Rebecca Sear, diesmal in Cooperation mit David Coall, verfasst (2011): „How much does family matter? Cooperative breeding and the demographic transition“. Wieder kommen sie zu ähnlichen Ergebnissen. Hier wird die Ausnahme erwähnt:</p>
<blockquote><p>“Väter und Großmütter sind nicht immer vorteilhaft für Kinder. Eine Studie fand, dass die Anwesenheit von Vätern die Sterblichkeit von Mädchen erhöhte (bäuerliches Äthiopien: Gibson 2008); <strong>eine fand einen schädlichen Effekt der mütterlichen Großmütter</strong> (bäuerliches Malawi: Sear 2008); und zwei fanden schädliche Effekte der väterlichen Großmutter [historische Studien in Deutschland und Japan: Beise 2002; Sorenson Jamison et al. 2002]. Familiäre Beziehungen können manchmal eher durch Konflikte als durch Kooperation gekennzeichnet sein.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup></blockquote>
<p>Widersprächen sich die beiden Papers grundlegend, so hätten die AutorInnen das erwähnen müssen und sicher auch getan. Davon ist aber keine Rede, statt dessen beruft sich das neuere Paper auf die Tabellen des älteren.<br />
Die Wiener AutorInnen sehen den Unterschied zwischen einer mütterlichen Großmutter, die in einer neolokalen Familie mithilft &#8211; also zur Tochter gezogen ist &#8211; und einer matrilinearen Gemeinschaft, wo diese Großmutter immer anwesend ist, nicht deutlich genug. Vor allem haben sie das Phänomen nicht verstanden, dass die mütterliche Großmutter in matrifokalen Gemeinschaften mit einer geringeren Geburtenzahl assoziiert ist, sie aber nicht deren Ursache ist. Bedeutsam ist letztlich, dass sich sogar noch in der patriarchalen Familie ihr Einfluss überwiegend positiv auf die Überlebensrate auswirkt. Der Grund dafür ist ihr starkes Engagement für ihre Gene.</p>
<p>Der bei FamilienpolitikerInnen beliebte Satz „Frauen, die mehr Hilfe bei der Erziehung haben, bekommen auch mehr Kinder“ ist natürlicherweise falsch bzw. trifft keine evolutionäre Aussage. Im Patriarchat ist eine hohe Kinderzahl aber gewünscht, denn Kinder mehren den Reichtum, aber Rücksicht auf die Gesundheit und die Gefühle der Beteiligten wird nicht genommen, auch nicht auf die Belastbarkeit von Mutter Natur. Sie hatte einst eine natürliche Geburtenkontrolle eingebaut, die dem Patriarchat jedoch zuwider läuft. Das ist die <em>female choice</em>. Patriarchen wollen die lebenslange freie Wahl der Frau nicht akzeptieren und lassen die von ihnen selbst geschaffenen Ungereimtheiten ein „Rätsel“ sein, mit dem sie sich sogar noch schmücken können. Hätten die Wiener AutorInnen sich mit den Entdeckungen von Sarah Blaffer Hrdy eingehend beschäftigt und die unabhängige interdisziplinäre Patriarchatsforschung berücksichtigt, hätten sie beschreiben können, dass eine Frau unter diesen natürlichen Bedingungen ihre <em>female choice</em> lebt und DESHALB weniger Kinder bekommt als im Patriarchat. Ein große Schwäche und keine Stärke der Wiener Studie ist also, dass sie dieses Problem mit dem einem Satz erledigt, dass es nicht verstanden sei.</p>
<h2 id="patriarchat-die geburtenrate-steigt">Patriarchat &#8211; Die Geburtenrate steigt</h2>
<p>Während also die Kinder mit einer mütterlichen Großmutter die höheren Überlebenschancen haben, ist bei einer anwesenden Schwiegermutter die Geburtenrate deutlich höher. Die Zahl der unter der Schwiegermutter verstorbenen Kinder wird durch die Vatermacht-bedingt erhöhte Geburtenrate überkompensiert, womit die Gesamtzahl der überlebenden Kinder steigt und damit auch die Zahl der Bevölkerung. Damit sieht es so aus, als sei das System Schwiegermutter erfolgreicher. Aber die Überbevölkerung gibt es nicht wegen der Schwiegermutter, sondern trotz der Schwiegermutter. Denn nach wie vor steigen die Weltbevölkerungszahlen an, auch ohne Schwiegermutter.</p>
<p>Die Studie lässt zumindest hoffen, dass der Wunsch, das „große Rätsel“ zu verstehen, auch irgendwann zu der Erkenntnis führt, dass es seine Richtigkeit damit hat, dass Mütter bei ihren Müttern leben und dort auch ihre Kinder bekommen. Die Diskrepanzen nimmt die Wiener Arbeitsgruppe aber nur zum Anlass zur Sammlung von noch mehr Daten, nämlich von 2 478 383 verheirateten Frauen zwischen 15 und 34 Jahren, anstatt sich mit dem Effekt der sexuellen Unterdrückung der Frau auf die Bevölkerungszahl zu beschäftigen.<br />
Sie stellt keine Überlegungen an zu der Frage, wie wünschenwert eine hohe Kinderzahl für Mensch und Natur eigentlich ist, ja es kommt mir so vor, als hielten sie eine hohe Kinderzahl für einen Segen.</p>
<p>Was machen die Wiener also mit ihren Zahlen? Wie gehen sie mit der von ihnen rezipierten Literatur um? Wie lautet ihre Quintessenz aus all ihren Tabellen und Kurven?</p>
<blockquote><p>&#8222;’Wir nehmen an, dass zwei Faktoren für dieses Ergebnis ausschlaggebend sind: Fortpflanzungskonkurrenz und Konkurrenz um Ressourcen zwischen Müttern bzw. Schwiegermüttern und den Töchtern bzw. Schwiegertöchtern’, so Fieder weiter. Eine Konkurrenz um Ressourcen sei auch deshalb sehr wahrscheinlich, da Datenmaterial aus einigen Entwicklungsländern in die Analysen eingeflossen ist. Und Fortpflanzungskonkurrenz als Grund für die geringere Zahl an Kindern im Haushalt wird bei besonders jungen Großmüttern schlagend: Da sie selbst noch Kinder bekommen können und daher möglicherweise eher ihr eigenes Kind als die Kinder ihrer Tochter oder Schwiegertochter großziehen wollen, scheinen sie in Konkurrenz mit ihnen zu treten“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">15</sup>.</p></blockquote>
<p>Mit dieser Aussage, mit dem Begriff &#8222;Fortpflanzungskonkurrenz&#8220; wird suggeriert, dass die Schwiegermutter schon immer eine evolutionäre Bedeutung besessen habe. Dass dem nicht der Fall ist, wissen wir jetzt. Es ist aber ein Faktum, dass es das Patriarchat ist, das mit der Unterdrückung der <em>female choice</em> in die Evolution eingreift und die Schwiegermutter etabliert hat. Aber nicht die Schwiegermutter allein, sondern das Patriarchat gefährdet den Fortbestand der Art, die nicht nur gezüchtet, sondern zunehmend an die Technik angepasst und damit von ihr abhängig gemacht wird. Es steht und fällt alles mit der Verfügbarkeit der natürlichen Ressourcen. Es ist allerdings völlig ungefährlich, die Ergebnisse der Studie ausgerechnet auf eine Ressourcen-Konkurrenz zwischen Mutter und Großmüttern zurückzuführen, also auf ein kulturmaterialistisches Problem. Konkurrenz belebt ja angeblich das Geschäft. Diese Denke folgt ganz dem patriarchalen Wachstumswahn. Und das muss die Royal Society natürlich ebenfalls honorieren.</p>
<p>Das heiße Eisen wird mit der Studie nicht angefasst, aber überzeugen können die Schlussfolgerung auch nicht mehr. Die richtigen Schlussfolgerungen muss jeder für sich alleine ziehen. Und da das kaum jemand macht, wird es vorerst dabei bleiben, dass frei von der Leber behauptet werden kann, dass Menschen Patrilokalität bevorzugen<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">16</sup>, eine Halbwahrheit, die dringend der Aufklärung bedarf.</p>
<p>Die Medien, die die Aussagen der Wiener Studie gar nicht verstanden haben und offensichtlich vollends verwirrt wurden, bringen sie mit Schlagzeilen unter die Leute, die allein die Schwiegermutter in ein schlechtes Licht stellen, damit aber nur auf den ersten Blick die Ergebnisse der Krummhörn-Studie neu auflegen: „Weniger Kinder durch ‚Schwiegermutter-Effekt’“ (<a href="http://science.orf.at/stories/2874226/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://science.orf.at/stories/2874226/</a>), „Weniger Kinder bei Schwiegermutter im Haus“ (<a href="http://www.krone.at/595291" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.krone.at/595291</a>), “Ist die Schwiegermutter im Haus gibt’s weniger Kinder“ (<a href="http://www.20min.ch/wissen/news/story/Ist-die-Schwiegermutter-im-Haus--gibts-weniger-Kinder-30328267" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.20min.ch/wissen/news/story/Ist-die-Schwiegermutter-im-Haus&#8211;gibts-weniger-Kinder-30328267</a>)<br />
Der Schwiegermutterkonflikt verkauft sich besser, und wir wissen heute aufgrund der hohen Zahlen häuslicher Gewalt an Frauen und Kindern, dass die Familie kein guter Ort, sondern der gefährlichste Ort auf Erden ist.</p>
<h2 id="die-menopause-bei-anderen-arten">Die Menopause bei anderen Arten</h2>
<p>Man glaubte lange, dass nur Menschenfrauen in die Menopause kommen, dann entdeckte man auch bei den Zahnwalarten, nämlich Kurzflossen-Grindwalen, Kleinen Schwertwalen, Orcas, Narwalen und seit 2018 auch Belugas, dass die Weibchen in die Menopause kommen.<br />
2023 wurde sie auch bei Schimpansen-Weibchen beobachtet, 2025 meldete die MPG diesen Befund auch für die Gorillas. Dass die Menopause der Säugetiere noch so wenig erforscht ist, erklärt die Max-Planck-Gesellschaft mit dem Aufwand:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die nach der Fortpflanzungsphase verbleibende Lebensdauer lässt sich in freier Wildbahn nur schwer dokumentieren, da hierfür detaillierte Informationen über das Alter der Tiere sowie die Erhebung jahrzehntelanger Daten bei langlebigen Arten erforderlich wären. Für die Dokumentation der &#8218;Menopause&#8216; (definiert als eine physiologische, dauerhafte Einstellung der Menstruation aufgrund des Verlusts der Eierstockfunktion) wäre zudem eine detaillierte Hormonanalyse notwendig.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">17</sup></blockquote>
<p>Mit der Entschlüsselung des Genoms 2012 ist klar, dass nicht die Bonobo, sondern doch die Schimpansen unsere nächsten Verwandten sind. Während Bonobo aus ihrer mütterlichen Gruppe abwandern, tun das Schimpansenweibchen nicht. Wie wir leben die Schimpansen ein ein matrifokales Sozialverhalten. Dabei gibt es jedoch die Besonderheit, dass postmenopausale Schimpansinnen sich wenig oder nicht um ihre Enkel kümmern, obwohl diese Phase ca. ein Fünftel ihres Lebens einnimmt. Dies ist jedoch kein Gegenbeweis für die Großmutter-Hypothese, wie manchmal postuliert, sondern zeigt, dass die Postmenopause der gemeinsamen Vorfahrinnen von <em>Homo Sapiens</em> und <em>Pan troglodytes</em> (Gemeiner Schimpanse) schon vor der Enkelfürsorge evolviert worden war. Nur weil sie schon da war, konnte sich auch die Enkelfürsorge mit der immer länger werdenden Kindheit herausbilden, was die &#8222;Huhn-oder-Ei-Frage&#8220; folgerichtig beantwortet. Die Bedeutung der postmenopausalen Hominidenweibchen für die Gruppe bestand mit großer Wahrscheinlichkeit in ihrer Lebenserfahrung.<br />
Wenig überraschend ist, dass auch die genannten Wal-Arten matrifokal um eine Urgroßmutter leben.</p>
<h2 id="literatur">Literatur</h2>
<ul id="liste2">
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und andere. Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat. Berlin 2010.</li>
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mother Nature. Maternal Instincts and How They Shape the Human Species. New York 2000</li>
<li>Beise, Jan; Voland, Eckart: <a href="http://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Warum gibt es Großmütter?</a> In: Spektrum der Wissenschaft 1|2003. S. 48-53.</li>
<li>Engelhardt, Sacha C.; Bergeron, Patrick; Gagnon, Alain; Dillon, Lisa; Pelletier, Fanie: Using Geographic Distance as a Potential Proxy for Help in the Assessment of the Grandmother Hypothesis. Vom 07.02.2019 DOI:<a href="https://doi.org/10.1016/j.cub.2019.01.027">https://doi.org/10.1016/j.cub.2019.01.027</a>, siehe dazu auch: <a href="https://derstandard.at/2000097723454/Forscher-finden-Beleg-fuer-die-Grossmutter-Hypothese" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://derstandard.at/2000097723454/Forscher-finden-Beleg-fuer-die-Grossmutter-Hypothese</a></li>
<li>Hawkes, Kristen: Human longevity: The grandmother effect. Editorial. Nature 2004 (428):128-9. doi:<a href="https://dx.doi.org/10.1038%2F428128a" target="_blank" rel="noopener noreferrer">10.1038/428128a</a><br />
<a href="http://www.nature.com/nature/journal/v428/n6979/full/428128a.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.nature.com/nature/journal/v428/n6979/full/428128a.html</a></li>
<li>Huber, Susanne; Zahourek, Patricia; Fieder, Martin: „Living with own or husband’s mother in the household is associated with lower number of children: a cross-cultural analysis. R.Soc.opensci. 4: 170544. 2017<br />
<a href="http://dx.doi.org/10.1098/rsos.170544" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://dx.doi.org/10.1098/rsos.170544</a><br />
<a href="http://rsos.royalsocietypublishing.org/content/royopensci/4/10/170544.full.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://rsos.royalsocietypublishing.org/content/royopensci/4/10/170544.full.pdf</a></li>
<li>MPG 2025: Berggorilla-Weibchen hören lange vor ihrem Lebensende mit der Fortpflanzung auf &#8211; Nach der Geburt des letzten Nachwuchses leben weibliche Tiere noch lange. Online-Ressource der Max-Planck-Gesellschaft vom 13.1.2025 auf <a href="https://www.mpg.de/25547012/1013-evan-berggorilla-weibchen-hoeren-lange-vor-ihrem-lebensende-mit-der-fortpflanzung-auf-150495-x" target="_blank" rel="noopener">https://www.mpg.de/25547012/1013-evan-berggorilla-weibchen-hoeren-lange-vor-ihrem-lebensende-mit-der-fortpflanzung-auf-150495-x</a></li>
<li>Sear, Rebecca; Mace, Ruth: Who keeps children alive? A review of the effects of kin on child survival. In: Evol. Hum. Behav. 29,1–18. 2008<br />
<a href="http://dx.doi.org/10.1016/j.evolhumbehav.2007.10.001" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://dx.doi.org/10.1016/j.evolhumbehav.2007.10.001</a></li>
<li>Sear, Rebecca; Coall, David. 2011 How much does family matter? Cooperative breeding and the demographic transition. Pop. Dev. Rev. 37, 81–112. 25.01.2011 doi:10.1111/j.1728-4457.2011.00379.x</li>
<li>Small, Meredith M.: Female Choices. Sexual Behavior of Female Primates. Cornell University Press (Oktober 1995)</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: <a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">female choice – unser unbekanntes Menschenrecht</a> online-Resource 2015</li>
<li>(UW) Universität Wien Medienportal: (Schwieger-)Mutter im Haus: Weniger Kinder. Veröffentlicht am 25.10.2017<br />
<a href="https://medienportal.univie.ac.at/presse/aktuelle-pressemeldungen/detailansicht/artikel/schwieger-mutter-im-haus-weniger-kinder/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://medienportal.univie.ac.at/presse/aktuelle-pressemeldungen/detailansicht/artikel/schwieger-mutter-im-haus-weniger-kinder/</a></li>
</ul>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hawkes 2004</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Beise/Voland 2003</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Blaffer Hrdy 2000</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. Small 1995</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. Uhlmann 2015</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Huber <em>et al.</em> 2017</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;UW 2017</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;UW 2017, S. 2; meine Übersetzung und Hervorhebung</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Blaffer Hrdy 2010, Fußnote 20, S. 448</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Blaffer Hrdy 2010, S. 336</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Huber/Zahourek/Fieder, S. 6; meine Übersetzung</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Huber/Zahourek/Fieder, S. 2; meine Übersetzung</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sear/Mace 2008, S.6, Tab. 2A</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sear/Coall 2011, S. 88; meine Übersetzung und Hervorhebung</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;UW 2017</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;„that humans generally favour patrilocal female dispersal“; Huber/Zahourek/Fieder, S. 6</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;MPG 2025</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/grossmutter-hypothese-grossmutter-these">Großmutter-Hypothese? Großmutter-These!</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">5980</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Frauen in der Politik? &#8211; Eine zielorientierte Nestbeschmutzung</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-in-der-politik-eine-zielorientierte-nestbeschmutzung</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Apr 2025 10:34:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Analysen und Studien]]></category>
		<category><![CDATA[Diktatur]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Frau]]></category>
		<category><![CDATA[Gender Studies]]></category>
		<category><![CDATA[Interdisziplinäre Patriarchatsforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Miteinander leben]]></category>
		<category><![CDATA[Mütterpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[Berufstätigkeit der Frau]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen in der Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenquote]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichstellung]]></category>
		<category><![CDATA[intersektionaler Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunalwahl]]></category>
		<category><![CDATA[Landtagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Parität]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstbestimmungsgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Transideologie]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen]]></category>
		<category><![CDATA[woke]]></category>
		<category><![CDATA[wokeism]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://blog.gabriele-uhlmann.de/?p=5808</guid>

					<description><![CDATA[<p>Im Bild: Gertrude Guillaume-Schack (1845-1903) Gemeinfrei &#8222;&#8230; Frau Guillaume Schack hielt im Arbeiterinnen-Verein vor etwa 300 Frauen und mehreren Männern, darunter sozialdemokratische Abgeordnete, einen Vortrag, in dem sie die Notwendigkeit...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-in-der-politik-eine-zielorientierte-nestbeschmutzung">Frauen in der Politik? &#8211; Eine zielorientierte Nestbeschmutzung</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Bild: Gertrude Guillaume-Schack (1845-1903) <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Gertrud-Guillaume-Schack-zugeschnitten.jpg" target="_blank" rel="noopener">Gemeinfrei</a></p>
<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/0f7d0d3a925641459051917e2b203b2d" width="1" height="1" alt=""> &#8222;<em><strong>&#8230; Frau Guillaume Schack<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup> hielt im Arbeiterinnen-Verein vor etwa 300 Frauen und mehreren Männern, darunter sozialdemokratische Abgeordnete, einen Vortrag, in dem sie die Notwendigkeit betonte, daß die Frauen sich um die öffentlichen Arbeiten kümmern, daß sie das aktive und passive Wahlrecht erhielten, event. durch Strikes höhere Löhne erzielten ⁊c. In die Debatte griff ein zunächst die bekannte Frau Staegemann, welche namentlich den reichen Damen die Putzsucht vorwarf; andere Frauen traten für das Wahlrecht der Frauen ein; wenn erst Frauen im Reichstage säßen, würde es der weiblichen Arbeiterwelt besser gehen. Der sozialdemokratische Abg. Bock ist für die Bewegung der Arbeiterfrauen, rät aber davon ab, sich zuweitgesteckte Ziele zu setzen, während der ebenfalls sozialdemokratische Abg. Stolle die Frauen ermahnt, ihre Männer zur Beteiligung an der politischen Bewegung (d.i. sozialdemokratischen) anzufeuern. Unter ähnlichen Redereien schloß die Versammlung um 11 ½ Uhr nachts. So geschehen in der deutschen Residenz am Donnerstag den 12. März 1885</strong></em>&#8222;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup>  </p>
<h2 id="kap1">Kapitel 1 – Die Ausgangslage und die Quote</h2>
<p>Drei Jahre vor dieser Versammlung nannte sich die erste Frau &#8222;Feministin&#8220;, und zwar die Französin <strong>Hubertine Auclert</strong> (1848-1914), die sich als eine der ersten Frauen für das Frauenwahlrecht einsetzte.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup> Die Begründung für die Forderung war von Beginn an, dass es Frauen besser gehen solle und dass sie mehr Geld verdienen würden. Es sollten Frauen in die Politik kommen, damit konkrete Ziele im Parlament zur Sprache kommen und so die Chance besteht, dass etwas erreicht wird. Es ging also noch nicht um Parität und nicht um gleiche Teilhabe um ihrer selbst willen. Vielleicht, weil sich für Verbesserungen auch schon früh Männer einsetzen, war eine 50:50-Parität noch gar nicht im Gespräch, und die Abstimmung 1918 für das Frauenwahlrecht war ja auch eine reine Männerabstimmung. In der Theorie also braucht es nur Männer mit einer feministischen Einstellung, dann können Frauen alle Rechte haben. So provokant das ist, so wenig realistisch ist das natürlich, denn wir leben trotz gesetzlicher Gleichstellung im Patriarchat.<br />
Es war die KPD, die 1932 die Frauenquote erfand, und zwar &#8222;ein Viertel bis ein Drittel&#8220;. Erst die Grünen forderten die 50:50-Quote und setzten sie auch durch. In keiner anderen Partei haben auch die Frauen, die kein Ministeramt innehaben, so viel Macht. Die Frauenquote ist also keine urfeministische Forderung, aber sie ist eine linke. Obwohl auch längst auf der rechten Seite Frauen sitzen, ist diese Forderung noch lange nicht Konsens.<br />
Es scheint heute bei vielen Frauen der feste Glaube umzugehen, dass es in unserem Patriarchat nur deshalb keine Gleichstellung gäbe, weil es die paritätitsche Beteiligung der Frauen in der Politik noch nicht gibt. Aber stimmt das überhaupt? Frauen haben natürlich seit jeher an Politikerinnen die Erwartung, dass sie etwas für die Verbesserung von Frauenleben tun. Politikerinnen haben, da sie ohne Frauenbewegung gar nicht im Amt wären, die moralische Pflicht das auch zu tun! Alles andere wäre und ist Verrat. Dass sie diesen Grundsatz in den letzten Jahren mit Füßen treten, lässt mich an der Idee der Quote zweifeln, nicht nur das, ich halte sie für nicht zielführend, sogar kontraproduktiv und daher für rückständig. Doch meine Argumente sind nicht die üblichen vom Stammtisch, sondern die einer Patriarchatsforscherin. </p>
<h3 id="bevoelkerungsstatistik">Etwas Bevölkerungsstatistik</h3>
<p>Schon die Überprüfung der harten Zahlen lässt an der Zweckmäßigkeit der 50:50-Quote zweifeln. Die 50:50-Quote geht davon aus, dass gleich viel Frauen wie Männer existieren. Im Jahr 2022 gab es etwa 4.024.000.000 Männer und Jungen und 3.976.000.000 Frauen und Mädchen auf der Welt. Das heißt, von den ca. acht Milliarden Menschen sind 50,3 Prozent männlich und 49,7 Prozent weiblich (Stand: 2022). Der Anteil der Frauen könnte über 50% liegen, denn durch Femizide, Unterernährung der Mädchen mit Todesfolge und die Tötung von weiblichen Embryonen, steigt der Anteil der Männer weltweit.<br />
Veraltete Zahlen, die immer noch unhinterfragt herangezogen werden, veranschlagen das evolutionäre sekundäre Geschlechterverhältnis von 100 weiblichen Neugeborenen zu 107 männlichen Neugeborenen<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>, also 48,3% weiblichen und 51,7% männlichen. Neuere Zahlen veranschlagen 105 männliche Neugeborene, also 51,2%, was kaum einen Unterschied ausmacht. Wesentlich für diese Zahlen ist ein schwerer methodischer Fehler: Der Einfluss der männlichen Kontrolle auf die weibliche Reproduktion bzw. die Unterdrückung der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice">Female Choice</a><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup> in der Ehe – die nichts anderes als Menschenzucht ist –, wurde und wird dabei aber bis heute nicht nur unterschätzt, sondern er bleibt unberücksichtigt. Einzig Zahlen aus ursprünglichen Matrifokalen<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup> sind daher vertrauenswürdig, können aber nicht erhoben werden, weil nur unkontaktierte Völker hierfür in Frage kommen. Auch Neo-Matridurate<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup>, wie die Mosuo in Südchina, haben eine patriarchale Vorgeschichte, sind also genetisch überformt und existieren noch nicht lange genug, als dass die patriarchalen Zuchteffekte aus den Genen ausgemendelt wären.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup>
In Deutschland lebten nach Statista.com im Jahr 2023 8.463.400 Menschen, davon ungefähr 42,9 Millionen Frauen und 41,8 Millionen Männer. Das entspricht einem Verhältnis von 50,7% zu 49,3%. Das sind also, anders als in der Weltbevölkerung, mehr Frauen als Männer. Aber auch hier schwand bereits in den letzten Jahrzehnten der Frauenanteil durch die Migration von überwiegend jungen Männern. Das bedeutet einerseits, dass das angeblich natürliche Geschlechterverhältnis von 50:50 falsch ist, eben das Patriarchat unberücksichtigt lässt, und andererseits, dass Deutschland scheinbar weniger patriarchal ist als der Weltdurchschnitt, sich dies aber schon bald ändern wird. </p>
<h3 id="etwas_genetik">Etwas Genetik</h3>
<p>Vereinfachend wird seit dem letzten Jahrhundert von einen 50:50-Verhältnis ausgegangen, es sei die natürliche Verteilung. Diese Annahme passt ideologisch zur patriarchalen Grundannahme der Natürlichkeit der monogamen Ehe, dem Paar. In allen kleinen Urmenschen-Populationen jedoch muss es wesentlich mehr Frauen gegeben haben, denn es waren immer die Mütter, Schwestern und Großmütter, die die im Vergleich zu anderen Arten sehr lange Kindheit begleiteten. In diesen Matrifokalen lebten auch die Brüder und Onkel der mütterlichen Linie, jedoch hatten sie biologisch gesehen eine Schutzfunktion nach außen und stellten Kontakte zu anderen Matrifokalen her, um die Exogamie in matrilokaler Ausübung zu fördern. Diese hohe Anzahl von Frauen muss &#8211; ebenso wie unser angeborenes matrifokales Sozialverhalten &#8211; in den ursprünglichen Matrifokalen genetisch verankert gewesen sein, bevor das Patriarchat im wahrsten Sinne des Wortes zuschlug. Dazu passt ein neuer jungsteinzeitlicher Befund aus der Nekropole von Panoría (Südspanien), wo doppelt so viele Frauen bestattet worden waren wie Männer.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup> Auch haben jüngst amerikanisch-chinesische Wissenschaftler ein Gen identifiziert, dass dafür verantwortlich sein soll, dass in manchen Familien nur Mädchen geboren werden. &#8222;<em>Verursacht wird die mädchenfördernde Mutation durch den Austausch nur einer einzigen Base im Code der DNA, wie das Team berichtet. Diese Punktmutation liegt in der Nähe des Gens ADAMTS14. Gene aus der ADAMTS-Familie sind dafür bekannt, an der Spermienbildung und Befruchtung beteiligt zu sein.</em>&#8222;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup> Die Entdeckung soll in der Tierzucht erprobt werden, so dass mehr Kühe als Stiere geboren werden und mehr Hühner als Hähne. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie auch beim Menschen Anwendung findet. Dann können wenige Potentaten noch zu ihren Lebzeiten zahllose Kinder mit den eigenen Genen mithilfe missbrauchter Frauenkörper produzieren, ohne dass es eine Fabrik mit sog. künstlichen Gebärmüttern braucht.<br />
Eine entsprechende Mutation, mit der Familien nur Jungen bekommen, wurde noch nicht gefunden. Gefunden wurden aber zwei weitere Mutationen, die eventuell auch an der Geschlechtsverteilung beteiligt sind. Es muss Phasen geben, in denen das heute seltene &#8222;Mädchen-Gen&#8220; gehäuft auftritt, sonst hätte es sich nicht so lange gehalten. &#8222;<em>Umgekehrt nehmen in Phasen, in denen weniger Jungs zur Welt kommen, Mutationen zu, die für mehr männliche Babys sorgen</em>“, so die Mutmaßung, die auf einer Beobachtung beruht.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup> Anderenfalls käme es nicht zu dem 50:50-Verhältnis. Diese Phasen-Theorie, entwickelt von dem britischen Evolutionstheoretiker Ronald Fisher (1890-1962)<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup>, korreliert mit dem Sinuskurvenmodell der Zukunfts- und Patriarchatsforscherin Riane Eisler, wonach im Patriarchat Zeiten starker Frauenfeindlichkeit Kriegen vorausgehen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup> Dass plötzlich mehr &#8222;Mutationen&#8220; für Jungen sorgen, muss erst noch bewiesen werden, klar ist schon jetzt, dass das patriarchale Zuchtprogramm künstlich eingreift.</p>
<p>Nun, jedes Gen hat einmal als Mutation angefangen und setzte sich als Anpassung durch. Ich vermute, dass diese heute als Mutation gesehene Besonderheit, die auf dem Chromosom Nr. 9 liegt, ursprünglich in vorpatriarchaler Zeit nicht die Ausnahme, sondern die Regel war, und zwar als Anpassung an die lange Kindheit. Das Patriarchat mit seiner Viehzüchtermentalität hat sie demnach einfach weggezüchtet, z.B. indem Töchter als minderwertig galten, die keine Brüder hatten. Damit würde sich heute die vorpatriarchale Genetik gelegentlich noch als vermeintliche Mutation zeigen.<br />
Da viele Parameter, soziale und genetische, in das Geschlechterverhältnis einfließen, ist es statistisch zwingend, dass sich die Unterschiede zwischen einzelnen Populationen verwischen, je großer die Bevölkerungszahl wird. Während Matrifokale stabil bleiben, solange keine Naturkatastrophe eintritt, führen patriarchale Populationen immer zu <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" rel="noopener" target="_blank">Überbevölkerung</a> und kompensieren Katastrophen aller Art mitunter sehr schnell und effektiv, allerdings ist die Lebensqualität dann überwiegend deutlich schlechter und <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gewalt-garant-und-symptom-des-patriarchats" target="_blank">Gewalt</a> gehört zur Tagesordnung. Die Regel 50:50 ist also ein Effekt der patriarchalen Überbevölkerung und der Wahrscheinlichkeitsrechnung, eine erstaunliche, mathematische Annäherung an die Ideologie der Monogamie des Menschen. </p>
<h3 id="konsequenzen">Konsequenzen für die Frauenpolitik</h3>
<p>Eine Zementierung des Geschlechterverhältnisses von 50:50 in der Politik wird uns, wie oben gezeigt, im wahrsten Sinne des Wortes nicht gerecht und fördert das Patriarchat. Der sich am Gerechtigkeitsgefühl orientierende Konsens hätte mittelfristig fatale Folgen, würde sich der wachsenden Männerzahl anpassen und die Politik würde immer männerlastiger und damit auch immer patriarchaler. Das blüht uns Frauen, wenn die sogenannte Gerechtigkeit die Oberhand behält, statt das Patriarchat an seiner Wurzel (lat. <em>radix</em>) zu packen, d.h. echten <strong>radikalen Feminismus</strong> zu betreiben.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup>
Gäbe es kein Patriarchat, d.h. könnten Frauen ihre evolutionäre Female Choice frei ausüben, gäbe es weltweit nicht nur keine Überbevölkerung, sondern einen weit höheren Frauenanteil als 50%. Das monogame Paar aus Mann und Frau ist das patriarchale Konstrukt, das den biologischen Vater als Herrscher installiert und den vereinzelten Mann mit Zuwendung, Geborgenheit und Angehörigkeit versorgt. Das Konstrukt ist nachweislich dysfunktional, wogegen eine Population mit höherem Frauenanteil bzw. matrifokaler Lebensweise nachweislich stabil und in jeglicher Hinsicht gesund ist. Aus Fürsorge für die Bevölkerung, um das Patriarchat zurückzudrängen, müsste daher ein deutlich über 50%-Anteil Frauen in der Politik gefordert werden. Die Frauenquote, gefordert von Politikerinnen, war zumindest ein Schritt in diese Richtung. Aber hat das auch eine bessere Politik hervorgebracht? Insbesondere die Parteien, die eine Frauenquote eingeführt haben, sind inzwischen die Beweisführung angetreten. Die Koalitionen aus SPD, Grünen müssten demnach eine für Frauen und damit auch für die gesamte Bevölkerung entlastende Politik betreiben, und zwar nicht nur in Hinblick auf Teilhabe, sondern auf Finanzen, Gesundheit und Gewaltschutz. </p>
<p>Das Private ist politisch; kein Satz des Feminismus ist so bedeutsam. Der Soziologe Ulrich Beck schrieb dazu: &#8222;<em>Dass auch die Verhältnisse hinter den Mauern der Privatsphäre nicht immer in den traditionellen Mustern von Ehe und Familie, Männer- und Frauenrolle ablaufen müssen, hatte der historisch Kundige geahnt, musste aber erst durch Enttraditionalisierungen in das Wissen, mehr noch: in die Entscheidung hineingeholt werden. Dem Gesetzgeber steht weder das Recht noch die Möglichkeit offen, hier hineinzuregieren. Die &#8218;Nebenregierung der Privatheit&#8216; kann die Verhältnisse des Zusammenlebens ohne Gesetzesvorlage und Beschlußfassung hier und jetzt verändern und tut dies auch, wie die emporschnellenden, querliegenden, wechselnden Lebensverhältnisse verdeutlichen.</em>&#8222;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">15</sup> Eine Politik, die das Private in Ruhe lässt, ist also einerseits gut, denn so können sich Frauen das Patriarchat im Rahmen des ihnen Möglichen vom Halse halten, z.B. indem sie einfach keinen Mann ins Boot holen. Andererseits passieren gerade hinter verschlossenen Türen immer noch die schlimmsten Verbrechen an Mädchen und Frauen durch ihre Partner oder männlichen Verwandten.</p>
<p>Wir können heute sogar feststellen, dass das Private von der Politik mehr als je zuvor gesteuert wird, auch wenn lange die Forderung im Raum stand, dass die Politik sich herauszuhalten hat. Letzteres nützt vor allem Männern, das haben Feministinnen schon der ersten Stunde angemahnt und seitdem forderten sie das Wahlrecht, das Recht zur Berufstätigkeit, den Unterhalt für geschiedene Frauen, das Recht, ein Konto zu eröffnen, die Abschaffung der Vergewaltigung in der Ehe und allgemeinen Gewaltschutz. Zwar üben die meisten Ministerien direkten Einfluss auf Frauenleben aus, aber im Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie dem Justizministerium wurden und werden die wesentlichen Gesetze gemacht. In diesen Ministerien wirkten in den letzten Jahrzehnten immer wieder Frauen und die Zahl der Ministerinnen war insgesamt noch nie so hoch wie in der Legislaturzeit der Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP. Es gab zwischenzeitlich sogar 4 Ministerpräsidentinnen, <em>Manuela Schwesig</em> (MV) und <em>Anke Rehlinger</em> (Saarland, nach <em>Annegret Kramp-Karrenbauer</em>), <em>Franziska Giffey</em> (Berlin, reg. Oberbürgermeisterin), wobei die vierte, <em>Malu Dreyer</em> (RlP) nach 11 Jahren zugunsten eines Mannes aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat. Die bislang einzige Bundeskanzlerin <em>Angela Merkel</em> trat nach 16 Jahren amtsmüde zurück und wurde ebenfalls per Bundestagswahl durch einen Mann ersetzt. Mit der Bundestagswahl 2025 sitzt wieder ein Mann im Kanzleramt.</p>
<p>Was macht weibliche Politik eigentlich aus? Die FDP-Politikerin und ehemalige Justizministerin <strong>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger</strong> meint, &#8222;<em>Frauen hätten möglicherweise eine andere Führungsweise als Männer, pflegten einen gewissen Teamgedanken und das &#8218;Verständnis für die Partizipation Vieler&#8216;. Aber natürlich wollten sie auch Macht ausüben und sähen das eben nicht mehr als etwas Negatives, sondern als Gestaltungsmöglichkeit, die sie genau wie die Männer nutzen wollten.</em>&#8222;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">16</sup>
<p>Und genau hier liegt das Problem, Frauen wollen einen Teil vom Kuchen, völlig zurecht, aber es ist ein vergifteter Kuchen. Das führt letztlich zu einem Dilemma. Alle Frauen, die keine politische Macht haben, sind männergesteuert, aber Frauen in der Politik sind es erst recht. Denn das Patriarchat bleibt ja bestehen, aber nun dürfen sie andere Frauen mitbestimmen, jedoch immer im Rahmen der patriarchalen Vorgaben. Sonst kämen sie gar nicht an die Macht, würden in ihrer Parteilaufbahn von Parteifreunden und -genossen ausgebremst. Jede Frau, die mit viel feministischem Idealismus in eine Partei eingetreten ist, ist nach Jahren nicht wieder zu erkennen. Dass Frauen jetzt Politik gegen Frauen machen, gehört nun untrennbar dazu. Frauen haben also mit der Emanzipation das Recht bekommen, Frauen zu verraten, und ihr Spielraum, für Frauen etwas zu verbessern, ist beinahe ungebrochen gering. <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2025/04/Gabriele-Uhlmann_Frauen-in-der-Politik-Eine-zielorientierte-Nestbeschmutzung.pdf">26 brisante Seiten WEITERLESEN als PDF</a></p>
<h2 id="literatur">LITERATUR</h2>
<ul id="liste2">
<li>Beck, Ulrich: Risikogesellschaft – Auf dem Weg in eine andere Moderne.  Frankfurt a. M. 1986. 23. Auflage. 2016</li>
<li>Broens, Selena: Radfem. Norderstedt 2022</li>
<li>DER SPIEGEL 7/94: Lila Frevel. Niedersachsens grüne Frauenministerin Waltraud<br />
Schoppe wird von der eigenen Partei demontiert. Online-Ressource vom 13.02.1994 auf <a href="https://www.spiegel.de/politik/lila-frevel-a-369a7cc7-0002-0001-0000-000013684359" rel="noopener" target="_blank">https://www.spiegel.de/politik/lila-frevel-a-369a7cc7-0002-0001-0000-000013684359</a></li>
<li>Divale, William Tulio: Systemic Population Control in the Middle and Upper Palaeolithic: Inferences Based on Contemporary Hunter-Gatherers. In: World Archaelogy, 1972, 4, S. 222–243</li>
<li>Eberhard, Anne: Das Verbot der Leihmutterschaft ist überholt. Aus: DER SPIEGEL online vom 23.10.2024. Online-Ressource auf <a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/das-verbot-der-leihmutterschaft-ist-ueberholt-a-bb3d7cc1-cbec-45dd-9896-1905fb0674c3" rel="noopener" target="_blank">https://www.spiegel.de/politik/deutschland/das-verbot-der-leihmutterschaft-ist-ueberholt-a-bb3d7cc1-cbec-45dd-9896-1905fb0674c3</a></li>
<li>Eisler, Riane: Kelch und Schwert. Unsere Geschichte, unsere Zukunft. Weibliches und männliches Prinzip in der Geschichte. Freiamt 2005. Am. Originalausgabe 1987</li>
<li>EMMA online vom 25.10.2024: „Sexist Man Alive 2024“ geht an Strack-Zimmermann. Online-Ressource auf <a href="https://www.emma.de/artikel/sexist-man-alive-2024-geht-strack-zimmermann-341357" rel="noopener" target="_blank">https://www.emma.de/artikel/sexist-man-alive-2024-geht-strack-zimmermann-341357</a>. Printausgabe EMMA 11-12-2024, S. 98 f</li>
<li>Gersemann, Katja: Was bleibt am Ende von Annegret Kramp-Karrenbauer? Aus: Deutscher BundeswehrVerband e.V. online vom 04.01.2022 auf <a href="https://www.dbwv.de/aktuelle-themen/blickpunkt/beitrag/was-bleibt-am-ende-von-annegret-kramp-karrenbauer" rel="noopener" target="_blank">https://www.dbwv.de/aktuelle-themen/blickpunkt/beitrag/was-bleibt-am-ende-von-annegret-kramp-karrenbauer</a></li>
<li>Gogolin 2019-2024: Gogolin, Stephanie: Das patriarchale Stockholmsyndrom Teil I-IV. Online-Ressourcen auf <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank">https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/</a>vom 06.09.2019-09.07.2024</li>
<li>Gogolin 2022: Gogolin, Stephanie: Das Matrifokal – die menschenartgerechte Fürsorgegemeinschaft. Online-Ressource auf <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2022/05/05/das-matrifokal-die-menschenart-gerechte-fursorgegemeinschaft/" target="_blank">https://marthastochter.wordpress.com/2022/05/05/das-matrifokal-die-menschenart-gerechte-fursorgegemeinschaft/</a></li>
<li>Hauck, M.: Justizministerin kündigt Reform an Unterhaltsrecht: Müssen Väter bald weniger zahlen? Aus: VAMV vom 21.11.2019. Online-Ressource auf <a href="https://vamv-bw.de/justizministerin-kuendigt-reform-an-unterhaltsrecht-muessen-vaeter-bald-weniger-zahlen/" rel="noopener" target="_blank">https://vamv-bw.de/justizministerin-kuendigt-reform-an-unterhaltsrecht-muessen-vaeter-bald-weniger-zahlen/</a></li>
<li>Hitzler, Ronald: “Risiko: Eine öffentliche Inszenierung &#8211; im Rekurs auf Ulrich Beck.“ In: Sozialwissenschaftliche Informationen, 21(2), S. 102-109.<br />
Online-Ressource auf <a href="https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-54540" rel="noopener" target="_blank">https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-54540</a> abgerufen am 25.10.2024</li>
<li>Ismar, Georg: Lambrechts Silvesterbotschaft: ein Video mit Knalleffekt. Aus: SZ online vom 02.01.2022. Online-Ressource auf <a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/lambrecht-video-silvester-verteidigungsministerin-knalleffekt-1.5725689" rel="noopener" target="_blank">https://www.sueddeutsche.de/politik/lambrecht-video-silvester-verteidigungsministerin-knalleffekt-1.5725689</a></li>
<li>Kelek, Necla: Aydan Özuğuz: Es ist nicht neu&#8230; . In: EMMA Online vom 22.02.2017. Online-Ressource auf <a href="https://www.emma.de/artikel/ministerin-aydan-oezuguz-entlarvt-334201" rel="noopener" target="_blank">https://www.emma.de/artikel/ministerin-aydan-oezuguz-entlarvt-334201</a>, akt. 21.10.2024</li>
<li>Kern, Tom: Wie viel Geld braucht die Liebe? In: Spektrum Online vom 03.04.2025. Online-Ressource auf <a href="https://www.spektrum.de/news/partnerschaft-wie-viel-geld-braucht-die-liebe/2257115" rel="noopener" target="_blank">https://www.spektrum.de/news/partnerschaft-wie-viel-geld-braucht-die-liebe/2257115</a></li>
<li>Köhler, Michael: Frauen in der Politik &#8222;Wir erleben deutliche Angriffe auf die Gleichberechtigung&#8220;. DLF vom 11.11.2018. Online-Ressource auf <a href="https://www.deutschlandfunk.de/frauen-in-der-politik-wir-erleben-deutliche-angriffe-auf-100.html" rel="noopener" target="_blank">https://www.deutschlandfunk.de/frauen-in-der-politik-wir-erleben-deutliche-angriffe-auf-100.html</a></li>
<li>Krapp, Claudia: Warum manche Familien nur Töchter haben &#8211; Neu entdeckte genetische Mutation erhöht die Chance auf eine Tochter. Aus: Scinexx vom 22. Oktober 2024. Online-Ressource auf <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/warum-manche-familien-nur-toechter-haben/" rel="noopener" target="_blank">https://www.scinexx.de/news/biowissen/warum-manche-familien-nur-toechter-haben/</a></li>
<li>Kröning, Anna: Innenministerium verliert vor Gericht gegen Reichelt-Portal. Aus: Welt online vom 21.10.2024. Online-Ressource auf <a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/article254116956/Bundesinnenministerium-verliert-vor-Gericht-gegen-Reichelt-Portal.html" rel="noopener" target="_blank">https://www.welt.de/politik/deutschland/article254116956/Bundesinnenministerium-verliert-vor-Gericht-gegen-Reichelt-Portal.html</a></li>
<li>Louis, Chantal: Warum Mädchen verzweifeln. Aus: EMMA online vom 23.09.2024. Auf: <a href="https://www.emma.de/artikel/jugend-generation-angst-341211" rel="noopener" target="_blank">https://www.emma.de/artikel/jugend-generation-angst-341211</a></li>
<li>Maeße, Jens: Die vielen Stimmen des Bologna-Prozesses. Zur diskursiven Logik eines bildungspolitischen Programms. Bielefeld 2010</li>
<li>MIA e.V. 2018: Online-Ressource auf <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" rel="noopener" target="_blank">https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/</a> abgerufen am 25.10.2024</li>
<li>Neuerer, Dietmar; Delhaes, Daniel: Seehofer gibt Merkel Schuld an &#8222;gefährlichem Aufblühen der AfD&#8220;. Aus: Handelsblatt online vom 25.09.2024. Online-Ressource auf <a href="https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/afd-aufstieg-seehofer-gibt-merkel-schuld-an-gefaehrlichem-aufbluehen-der-afd/100072938.html" rel="noopener" target="_blank">https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/afd-aufstieg-seehofer-gibt-merkel-schuld-an-gefaehrlichem-aufbluehen-der-afd/100072938.html</a></li>
<li>NWVZ 1885: Neue westfälische Volks-Zeitung 9 (15.3.1885) 63, Online-Ressource auf <a href="https://zeitpunkt.nrw/ulbms/date/day/2245579?d=1885-03-15" rel="noopener" target="_blank">https://zeitpunkt.nrw/ulbms/date/day/2245579?d=1885-03-15</a></li>
<li>Schindler, Frederik: FDP will Legalisierung. Organspende erlaubt, Leihmutterschaft nicht – &#8222;Eklatanter Widerspruch&#8220;. Aus: Welt online vom 06.04.2021. Online-Ressource auf <a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/article228964093/FDP-zu-Leihmutterschaft-Frauen-muessen-das-Recht-dazu-haben.html" rel="noopener" target="_blank">https://www.welt.de/politik/deutschland/article228964093/FDP-zu-Leihmutterschaft-Frauen-muessen-das-Recht-dazu-haben.html</a></li>
<li>Schneider, Reto U.: Die künstliche Gebärmutter soll Frühgeborene retten. Sie könnte verändern, wie wir auf die Welt kommen. Aus: NZZ online vom 28.04.2023. Online-Ressource auf <a href="https://www.nzz.ch/folio/die-kuenstliche-gebaermutter-soll-fruehgeborene-retten-sie-koennte-veraendern-wie-wir-auf-die-welt-kommen-ld.1734460" rel="noopener" target="_blank">https://www.nzz.ch/folio/die-kuenstliche-gebaermutter-soll-fruehgeborene-retten-sie-koennte-veraendern-wie-wir-auf-die-welt-kommen-ld.1734460</a></li>
<li>ScienceVega 2024: Twice as many women buried in Panoría necropolis. Online-Ressource vom 30.9.2024 auf <a href="https://sciencevega.com/social-sciences-and-humanities/twice-as-many-women-buried-in-panoria-necropolis/" rel="noopener" target="_blank">https://sciencevega.com/social-sciences-and-humanities/twice-as-many-women-buried-in-panoria-necropolis/</a></li>
<li>Song, Siliang; Zhang, Jianzhi: In search of the genetic variants of human sex ratio at birth: was Fisher wrong about sex ratio evolution? Proc. R. Soc. B.29120241876 Online-Ressource auf: <a href="http://doi.org/10.1098/rspb.2024.1876" rel="noopener" target="_blank">http://doi.org/10.1098/rspb.2024.1876</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Zum 25-jährigen Jubiläum des grünen Müttermanifestes. Online-Ressource auf <a href="https://braunschweig-spiegel.de/zum-25-jaehrigen-jubilaeum-des-gruenen-muettermanifestes/" rel="noopener" target="_blank">https://braunschweig-spiegel.de/zum-25-jaehrigen-jubilaeum-des-gruenen-muettermanifestes/</a> vom 16.10.2011</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Archäologie und Macht, Norderstedt 2012</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Female Choice – unser unbekanntes Menschenrecht. Online-Ressource von 2015 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" rel="noopener" target="_blank">https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice</a></li>
<li>&#8211;	Uhlmann, Gabriele: Nazikeule Mutterkult – Wie mit Halbwissen Mütter mundtot gemacht werden und was dagegen hilft. 20.04.2017. Online-Ressource auf <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/" target="_blank">https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Pechmarie – Warum wir die Faulheit der Mädchen zum Überleben brauchen. 14.12.12017. Online-Ressource auf <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/12/14/pechmarie-warum-wir-die-faulheit-der-maedchen-zum-ueberleben-brauchen/" rel="noopener" target="_blank">https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/12/14/pechmarie-warum-wir-die-faulheit-der-maedchen-zum-ueberleben-brauchen/</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Frauen – woher nehmen, wenn nicht stehlen? Über Frauenraub und seine historischen Grundlagen. Vortrag, gehalten am 3.11.2018 an der Freien Universität Berlin im Rahmen der Tagung „Frauenraub – Interdisziplinäre Tagung zum Frauenraub im Altertum“ vom 2.-3-11.2018. Online-Ressource mit Aktualisierungen auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" rel="noopener" target="_blank">https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: 2030 – Die sog. Künstliche Gebärmutter. Online-Ressource auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter?tab=Bevoelkerungspolitik-und-Menschenproduktion" rel="noopener" target="_blank">https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter?tab=Bevoelkerungspolitik-und-Menschenproduktion</a> vom 09.06.2021</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat. Online-Ressource vom 30.05.2024 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt" target="_blank">https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt</a></li>
<li>Welt 2021: &#8222;Islamismus ist keine Diskriminierung, das ist eine Terrororganisation, wenn Sie so wollen&#8220;. Online-Ressource: Welt Online vom 30.07.2021 <a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/article232824151/Saskia-Esken-Islamismus-ist-keine-Diskriminierung.html" rel="noopener" target="_blank">https://www.welt.de/politik/deutschland/article232824151/Saskia-Esken-Islamismus-ist-keine-Diskriminierung.html</a></li>
<li>Welt 2024: &#8222;Eine der schlimmsten Folgen von Merkels Kurs ist das gefährliche Aufblühen der AfD&#8220;. Online-Ressource: Welt Online vom 25.09.2024. <a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/article253688568/Seehofer-fordert-Merkel-zur-Selbstkritik-beim-Thema-Migration-auf.html" rel="noopener" target="_blank">https://www.welt.de/politik/deutschland/article253688568/Seehofer-fordert-Merkel-zur-Selbstkritik-beim-Thema-Migration-auf.html</a></li>
<li>Zeit 2016: Minister will Mütter zur Auskunft über leiblichen Vater verpflichten. Aus: Zeit online vom 29.08.2016 auf <a href="https://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-08/heiko-maas-kuckuckskinder-mutter-sexualpartner-auskunftspflicht" rel="noopener" target="_blank">https://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-08/heiko-maas-kuckuckskinder-mutter-sexualpartner-auskunftspflicht</a></li>
</ul>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gertrude Guillaume-Schack (1845-1903), geb. Schack von Wittenau, war eine Aktivistin der zweiten Internationale, Frauenrechtlerin und Gründerin des Deutschen Kulturbundes.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;NWVZ vom 15.3.1885, S. 2</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Privater Feminismus ist sicherlich so alt wie das Patriarchat. In der Französischen Revolution entwickelte sich erstmals eine Bewegung.</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Diese Zahlen erhob der amerikanische Ethnologe William Tulio Divale 1972 bei sog. Naturvölkern. Obwohl sie Populationen betreffen, die keine offene Manipulation der Reproduktion vornehmen, handelte es sich dennoch um Völker, in denen Ehen geschlossen werden, also patriarchalisierte Völker. Divale hatte die Prinzipien von Matrilinearität und Patrilinearität und deren Zustandekommen nicht durchstiegen, wie ich es bereits an anderer Stelle (Uhlmann 2012) ausgeführt habe. Die Zahlen können damit nicht den Anspruch erheben, das natürliche sekundäre Geschlechterverhältnis der Spezies Homo Sapiens widerzuspiegeln.</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sexuelle Selektion nach Darwin: vollständig freie Wahl des Sexualpartners durch die Weibchen. Siehe verlinkter Text.</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das Matrifokal bezeichnet &#8222;<em>ein real vorhandenes, naturgemäßes, dynamisches Habitat, das von Beginn des Menschseins als <strong>existenzsichernde Schutzsphäre</strong> für die Mütter und ihren Nachwuchs fungierte. In der Regel bestehend aus konsanguinen Angehörigen beiderlei Geschlechts innerhalb der frühen <strong>matrilinear und matrilokal</strong> sowie <strong>generationsübergreifend</strong> lebenden Menschengruppen. Was bedeutet: durch Geburt verwandte Menschen interagierten in ihrem Alltag in überschaubaren <strong>mutterbasierten</strong> und <strong>geschwisterbezogenen</strong> Fürsorge-Gruppen, in denen in der Regel <strong>jedes Individuum von der Geburt bis zum Tod, integriert und geborgen lebte</strong>.</em>&#8220; (Gogolin 2022)</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich definiere das Matridurat als ein Matrifokal (vgl. Gogolin 2022), das vom Patriarchat umgeben und bedroht ist und sich erfolgreich, bewusst und resilient mit Regeln und/oder mittels Verteidigung gegen die patriarchale Einverleibung schützt.</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2024</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. ScienceVega 2024</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Song/Zhang 2024</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Krapp 2024</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;In der Studie wird noch differenziert: &#8222;<em>In most dioecious species, especially mammals, the population-level sex ratio (fraction of males) at birth, or PSR, is approximately 0.5, meaning that roughly equal numbers of males and females are born in a population. This parity is commonly explained by Fisher’s principle, an idea that can be traced back to Charles Darwin, Carl Düsing and Ronald Fisher</em>&#8222;. (Song/Zhang 2024)</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eisler 2005, S. 233</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eine gute Begriffserklärung liefert Broens 2022.</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Beck 1986, S. 369 f</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. (Köhler 2018)</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-in-der-politik-eine-zielorientierte-nestbeschmutzung">Frauen in der Politik? &#8211; Eine zielorientierte Nestbeschmutzung</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">5808</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Patriarchat und Gewalt in Çatal Höyük?</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat-und-gewalt-in-catal-hoeyuek</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Jul 2021 17:12:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Analysen und Studien]]></category>
		<category><![CDATA[Anthropologie]]></category>
		<category><![CDATA[Archäologie]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Female Choice]]></category>
		<category><![CDATA[Interdisziplinäre Patriarchatsforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Jungsteinzeit]]></category>
		<category><![CDATA[Matrifokalität]]></category>
		<category><![CDATA[Matrilinearität]]></category>
		<category><![CDATA[Patrilinearität]]></category>
		<category><![CDATA[Skandal]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[Çatal Höyük]]></category>
		<category><![CDATA[Çatalhöyük]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Knochen]]></category>
		<category><![CDATA[Lehmkugeln]]></category>
		<category><![CDATA[Odontologie]]></category>
		<category><![CDATA[Überbevölkerung]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltprobleme]]></category>
		<category><![CDATA[Zähne]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://blog.gabriele-uhlmann.de/?p=4786</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ausgrabung von Çatal Höyük Bildquelle: Wikimedia Commons Die Meldungen in der Presse Nachdem über Jahrzehnte keinerlei Spuren von Gewalt in Çatal Höyük gefunden wurden bzw. nichts darüber berichtet wurde und...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat-und-gewalt-in-catal-hoeyuek">Patriarchat und Gewalt in Çatal Höyük?</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg01.met.vgwort.de/na/5ca4160dc67e4d6c96b0e14383e0043f" alt="" width="1" height="1" /><br />
<a title="Stipich Béla [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_7.JPG"><img decoding="async" class="alignnone" title="Ausgrabung in Catal Hüyük - Ausschnitt" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/04/Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_7.JPG/512px-Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_7.JPG" alt="Ausgrabung in Catal Hüyük - Ausschnitt" width="512" height="340" /></a><br />
Ausgrabung von Çatal Höyük<br />
<span style="font-size: 8px;">Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<h2 id="die-meldungen-in-der-presse">Die Meldungen in der Presse</h2>
<p>Nachdem über Jahrzehnte keinerlei Spuren von Gewalt in Çatal Höyük gefunden wurden bzw. nichts darüber berichtet wurde und Matrifokalität ohne jeden Gegenbeweis mit einer erdrückenden Fülle von Indizien evident geworden war, ging am 17. Juni 2019 ein Forscherteam unter der Leitung von Clark S. Larsen (Ohio State University) mit einer Studie an die breite Öffentlichkeit, mit der der jungsteinzeitliche Siedlungshügel nun als elender Ort geprägt von patriarchaler Überbevölkerung, Krankheit und Gewalt hingestellt wird.</p>
<p>Das online-Magazin <em>Wissenschaft.de</em> schrieb unter dem Titel „Städtische Probleme – schon vor 9000 Jahren“:</p>
<blockquote><p>„Auch was das gesundheitliche Niveau in der Proto-Stadt betrifft, fanden die Forscher Hinweise auf einen Niedergang: Offenbar litten die Bewohner unter einer hohen Infektionsrate – konkret weisen bis zu einem Drittel der Überreste die Spuren von Infektionen an den Knochen auf. Vermutlich war dies auf die hohe Bevölkerungsdichte und die mangelnde Hygiene in der engen Siedlung zurückzuführen. Die Untersuchungen der Baustrukturen zeigen in diesem Zusammenhang: In der Blütezeit wurden die Wohneinheiten ohne Zwischenräume gebaut und die Bewohner kamen und gingen über Leitern.</p>
<p>In den durch Lehm verputzen Innenräumen ging es wohl auch nicht immer gerade sauber zu: Die Forscher fanden Spuren von tierischen und menschlichen Fäkalien. ‚Die Bewohner lebten unter sehr beengten Verhältnissen, mit Müllgruben und Tierställen direkt neben einigen ihrer Häuser. Es gab also offenbar eine ganze Reihe von Hygieneproblemen, die zur Ausbreitung von Infektionskrankheiten beitragen haben könnten’, resümiert Larsen. (…)<br />
Die Untersuchung einer Stichprobe von 93 Schädeln aus Çatalhöyük ergab, dass mehr als ein Viertel die Spuren geheilter Frakturen aufwiesen. Zwölf waren sogar mehrmals Opfer geworden – mit zwei bis fünf Verletzungen im Laufe der Zeit. Mehr als die Hälfte der Opfer waren dabei Frauen (…)<br />
‚Wir fanden eine Zunahme dieser Schädelverletzungen während der mittleren Periode, als die Bevölkerung am größten und am dichtesten war’, sagt Larsen. ‚Somit könnte man interpretieren, dass die Überbevölkerung zu erhöhtem Stress und zu Konflikten innerhalb der Siedlung geführt hat’, so der Wissenschaftler.“ (<a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/staedtische-probleme-schon-vor-9000-jahren/" target="_blank" rel="noopener">Vieweg 2019</a>)</p></blockquote>
<p><strong>Wie viele Frauen also wurden verletzt und wie viele mehrfach verletzt?</strong> Überlegen Sie kurz!<br />
<span id="more-2027"></span><br />
Wer den Text nur überfliegt, zieht schon schnell mal aus so einer Meldung, dass die Hälfte aller Schädel – also rund 47 – Verletzungen aufwiesen und zudem weiblich waren. Doch es sind der Formulierung zufolge ca. 24 (93/4) Verletzte und davon wurden 12, also die ca. Hälfte, mehrmals verletzt. „Mehr als die Hälfte der Opfer“ sind weiblich – das könnten wieder mindestens 12 sein, was zur Verwirrung beiträgt – , vielleicht sind es aber auch nur 6, wenn nur die mehrfach verletzten Opfer gemeint sind, wie es das Wörtchen „dabei“ suggeriert.<br />
Es geht aus der Formulierung nicht hervor, wie viele Frauen verletzt waren, wie viele mehrfach verletzt waren und auch nicht, wie hoch der Anteil der Frauen in der Stichprobe überhaupt war. Dazu später noch einmal.<br />
Es würde mich interessieren, wie Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser, diesen Text im ersten Moment wahrgenommen haben, schreiben Sie mir bitte unten….</p>
<p>Wie dem auch sei, mit diesem Paukenschlag wird alles vom Tisch gewischt, was bisher über Çatal Höyük bekannt war. Denn mindestens bis 2010 wurde nichts über Spuren von Gewalt veröffentlicht, obwohl dies für das Gastgeberland Türkei eine große Freude gewesen wäre, ist doch schon die Ahnung von matrifokalem Leben in grauer Vorzeit ein Schreckgespenst für jeden Patriarchen.</p>
<p>Ein anderes Magazin, <em>Der Standard.at</em>, titelte &#8222;9.000 Jahre alte Steinzeit-Stadt litt an modernen urbanen Problemen“ und schrieb u.a.:</p>
<blockquote><p>’Pflanzenanbau und Tierhaltung gab es von Anfang an, doch mit wachsender Bevölkerung intensivierte sich auch die Landwirtschaft dramatisch’, sagt Larsen. Der hohe Getreideanteil bei der Ernährung führte schnell zu typischen Zivilisationskrankheiten, darunter vor allem Karies: Zehn bis 13 Prozent aller gefundenen Zähne von Erwachsenen wiesen entsprechende Schädigungen auf.<br />
Und ein weiterer anatomischer Wandel ging mit dem Wachstum einher. Knochenuntersuchungen zeigten, dass die Bewohner von Çatalhöyük mit zunehmender Ausdehnung der Siedlung immer mehr zu Fuß unterwegs waren. Die Forscher schließen daraus, dass die Weide- und Ackerflächen im Laufe der Zeit weiter von der ‚Stadt’ wegrückten. ‚Wir glauben, dass die landwirtschaftlich ausgelaugte Umgebung und Klimaveränderungen die Bevölkerung dazu zwang, immer weitere Strecken zurückzulegen, um die Siedlung versorgen zu können’, meint Larsen. ‚Das dürfte letztlich auch zum Niedergang von Çatalhöyük beigetragen haben.&#8220;<br />
(<a href="https://www.derstandard.at/story/2000105111331/9-000-jahre-alte-steinzeit-stadt-litt-an-modernen-urbanen" target="_blank" rel="noopener">Berg 2019</a>)</p></blockquote>
<p>In der Tat, wir wussten schon, dass Çatal Höyük untergegangen ist. Und zwar aufgrund des dramatischen Klimawandels, der mit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Misox-Schwankung" target="_blank" rel="noopener">Misox-Schwankung</a> vor 8200 Jahren einher ging, was vor einem Jahr bekannt wurde (Roffet-Salque <em>et al.</em> 2018). Das können wir aber nicht der Matrifokalität anlasten und mit Patrilokalität hat das auch nichts zu tun. Überbevölkerung ist ein relativer Begriff: Seit dem 12. Jtd. verloren nun sesshafte Menschen nach und nach das Wissen, sich durch Sammeln zu ernähren und entwickelten den Garten- und Ackerbau, der etwa ab 9.500 v.u.Z. (Präkeramisches Neolithikum) voll ausgeprägt war. Die völlige Abhängigkeit der Landwirtschaft von günstigem Wetter blieb über 3000 Jahre lang unbemerkt, auch der damit einhergehende Anstieg der Bevölkerung auf ein höheres Niveau war kein Problem. Aufgrund des plötzlich eintretenden Klimawandels konnten sich die Menschen nicht mehr ausreichend ernähren. Ohne eine globale Vernetzung, mit welcher Nahrung über Ländergrenzen hinweg geliefert werden kann, gab es keine Kompensationsmöglichkeit, außer der Verlagerung auf tierische Nahrung (Roffet-Salque <em>et al.</em> 2018), was offenbar auch nicht genug war. Die Probleme, mit denen Çatal Höyük zu kämpfen hätte, waren daher alles andere als modern.</p>
<p>Wir wissen auch, dass die damals in den Steppen Südrusslands beginnende Tierzucht das erste Patriachat nach sich zog. Es hat viele Klimaflüchtlinge gegeben, die die Tiere in die Steppe trieben (vgl. <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat" target="_blank" rel="noopener">Uhlmann 2019</a>) und die wir als Indoeuropäer kennen. Heute ist die Überbevölkerung ein Dauerproblem, dessen Lösung trotz immer neuer Erfindungen der Hochleistungslandwirtschaft suksessive in immer weitere Ferne rückt. Denn das Patriarchat erzeugt nicht nur eine Bevölkerungsexplosion, sondern es betreibt schweren Raubbau an den Ressourcen, so dass die Tragfähigkeit der Erde bereits überschritten ist.</p>
<p>Wir wussten auch schon lange, dass es erste Zivilisationskrankheiten gab, aber auch das ist nicht der Matrifokalität geschuldet und nimmt sich im Vergleich damit, was das Patriarchat zusätzlich anrichtet, harmlos aus. Allein die Tatsache, dass der Doppel-Hügel 2200 Jahre Bestand hatte, beweist ein weitgehend intaktes Gemeinschaftsleben, ganz so, wie es bisher entdeckt wurde.</p>
<h2 id="friedliches-catal-hoeyuek-alles-veraltet">Friedliches Çatal Höyük &#8211; Alles veraltet?</h2>
<p>Als Jahrzehnte lange, skeptische Beobachterin der Ausgrabung habe ich immer damit gerechnet, dass so etwas kommt, denn ich kenne ja meine Pappenheimer. Die Herrschende Lehre arbeitet schon lange daran, die These von der Matrifokalität Çatal Höyüks zum Einsturz zu bringen, die schon der erste Ausgräber James Mellaart (1961-1964) aufgestellt hatte. Ian Hodder, Grabungsleiter bis 2018, musste feststellen, dass sein mit Schimpf und Schande aus dem Amt geworfener Vorgänger Mellaart mit seinen wesentlichen Aussagen Recht hatte. Es war sicherlich kaum möglich, dies vor der türkischen Regierung zu vertreten und ein kurzzeitiger Grabungsstopp zwischen 2010 und 2012 lässt vermuten, dass dies auch Konsequenzen hatte. Hodder entließ große Teile des Teams, mit der Begründung, &#8222;<strong>es hätte sich auf seinen Interpretationen ausgeruht, hätte sich nicht gegenseitig herausgefordert oder hätte die Annahmen, die für selbstverständlich gehalten wurden, nicht als Herausforderung gesehen.</strong>&#8220; (<a href="https://www.sciencemag.org/news/2010/09/hodder-cleans-house-famed-atalh-y-k-dig" target="_blank" rel="noopener">Balter 2010</a>, meine Übersetzung, meine Hervorhebung. Vgl. auch Farid 2014)</p>
<p>Also Matrifokalität nicht als Herausforderung gesehen? Ein Aufruf zum Kampf gegen das, was nicht sein darf? Was hatte dieses Grabungsteam entdeckt? Hodder fasste es im letzten Grabungsbericht dieses Teams (Archive Report 2010) zusammen:</p>
<blockquote><p>„Eine weitere neue Perspektive betrifft die soziale Organisation in Çatalhöyük. Wir haben lange angenommen, dass sie ziemlich egalitär war, aber in den letzten Jahren haben wir ‚Geschichtshäuser‘ identifiziert, die mehr Bestattungen enthielten und in Bezug auf Architektur und Installationen aufwändiger waren. <strong>Man hätte erwarten können, dass von diesen speziellen Häusern mehr Kontrolle über die Produktion ausging, reichere Bestattungen in ihnen gefunden würden oder gesündere Menschen in ihnen gelebt hätten.</strong> Aber je mehr Daten hereinkamen, desto klarer wurde, dass die Geschichtshäuser in keiner Weise etwas Besonderes waren, weder was Bestattungen noch Sorgfalt anging.<strong> Dies deutet darauf hin, dass Tendenzen zur sozialen Differenzierung in Çatalhöyük stark gedämpft waren.</strong> Von den vielen anderen neuen Erkenntnissen, die aufgelistet werden könnten, möchte ich nur eine weitere erwähnen, nämlich, was das bioarchäologische Team, das an den Skeletten arbeitet, die unter den Stockwerken von Gebäuden ausgegraben wurden, herausgefunden hat. <strong>Man hätte erwarten können, dass die Einwohner von Çatalhöyük von schlechter Gesundheit waren.</strong> Es wird oft angenommen, dass sich das Wohnen in Großsiedlungen negativ auf die Gesundheit der Menschen auswirkt. Und in der Tat weist die dichte Ansammlung von Häusern in Çatalhöyük, die von ausgedehnten Abfallzonen umgeben sind, in denen menschliche und tierische Fäkalien gefunden wurden, auf schlechte hygienische Bedingungen hin. Wir wissen auch, dass Ungeziefer weit verbreitet war. <strong>Es war also eine Überraschung, dass die Gesundheit der Bewohner bei einer Vielzahl von Untersuchungen tatsächlich gut war.</strong> Es scheint so, als hätten sie eine Möglichkeit gefunden, den Unrat zu entsorgen (<strong>wir wissen, dass sie den Dreck einebneten und mit Kalkasche bedeckt haben</strong>), um die negativen Auswirkungen zu minimieren, und sie haben <strong>ihre Häuser peinlichst sauber gehalten</strong>. Wir können nicht davon ausgehen, dass sie etwas von Krankheitserregern ahnten, <strong>aber ihre Praktiken haben es ihnen ermöglicht, gesund zu bleiben</strong>.“<br />
(Hodder 2010, S. 1; meine Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
<p>Diese Beschreibungen passten immer noch sehr gut zu einem Szenario mit hohem kulturellen Standard und Egalität, wie sie nur unter Matrifokalität anzutreffen ist, wo soziale Differenzierung aber nicht aktiv gedämpft werden muss, sondern entsprechend dem angeborenen Sozialverhalten in Sippenverbänden einfach nicht vorkommen kann.</p>
<p>Die am 17. Juni 2019 veröffentlichte Studie stammt nun von einem völlig anderen Team, das – oh Wunder – auch zu völlig anderen Ergebnissen gekommen ist, wie wir oben schon gesehen haben. Mit ihr werden die Ergebnisse, die im Archive Report 2010 veröffentlicht wurden, im Grunde dementiert. Die Arbeit von 17 Jahren für die Mülltonne?</p>
<h2 id="2011-den-wildbeutern-aehnlich-zusammengelebt-keine-familien-nachweisbar">2011: &#8222;den Wildbeutern ähnlich zusammengelebt &#8211; keine Familien nachweisbar&#8220;</h2>
<p>Wie ich bei meinen weiteren Recherchen entdeckte, ist die Studie aber nur die Krönung einer Kette von Studien, die seit 2011 nach und nach erschienen und zunächst von der Presse weitgehend unerwähnt blieben, bis auf eine: Sie trägt den Titel „’Offizielle’ und ‚praktische’ Verwandtschaft: Herleitung der sozialen und der Gemeinschaftstruktur aus dem Zahnphänotyp im neolithischen Çatalhöyük, Türkei (meine Übersetzung, im Original online:<a href="https://www.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ajpa.21520" target="_blank" rel="noopener"> “Official” and &#8222;practical&#8220; kin: Inferring social and community structure from dental phenotype at Neolithic Çatalhöyük, Turkey</a>).<br />
<a href="https://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html" target="_blank" rel="noopener">Das Ergebnis der Studie</a> wurde im Online-Magazin <em>Livescience</em> (Jarus 2011) unter dem Titel „Keine Familiengräber, nur Gemeinschaftsbegräbnisse in uralter Siedlung“ (meine Übersetzung, Originaltitel: „No family plots, Just Communal Burials In Ancient Settlement“) vorgestellt. An den Zähnen aus Gräbern in Çatal Höyük konnten keine Merkmale festgestellt werden, mit denen Verwandtschaften hätten nachgewiesen werden können.<br />
Dieses Ergebnis wirkt wie ein Salomonisches Urteil. Es wurden keine Kernfamilien – also Vater, Mutter und Kind – gefunden, aber das tut dem Team nicht weh, denn auf den ersten Blick lässt es auch Matrifokalität unwahrscheinlich erscheinen.</p>
<p>Ian Hodder zeigte sich darüber erstaunt und befand, dass die Bewohner den Wildbeutern ähnlich zusammengelebt haben müssten. Vielleicht tat er das in der Hoffnung, dass sich die Menschen die Steinzeit immer noch als patriarchales Jägerparadies vorstellen, wo Männer mit Keulen die Frauen an den Haaren hinter sich herzogen. Vielleicht war das auch bewusst diplomatisch ausgedrückt. Vielleicht denkt Hodder aber auch bis heute etwas anderes als das, was er verlauten lässt. Ich hoffe, wir werden es irgendwann erfahren.</p>
<p>Für mich kann es nichts anderes bedeuten, als dass die Menschen von Çatal Höyük wie noch die altsteinzeitlichen Wildbeuter <strong>matrifokal</strong> gelebt haben müssen, und zwar aus zwei Gründen:</p>
<ol class="liste1">
<li>ist es der Menschheit angeboren, dass Kinder bei ihren Müttern aufwachsen und es ist unwahrscheinlich, dass die Kinder in Çatal Höyük ihren Müttern weggenommen wurden. Zudem sind Mütter natürlicherweise auf die Hilfe ihrer Mütter, Schwestern und Cousinen angewiesen (<a href="https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410" target="_blank" rel="noopener">Großmutter-These, Beise/Voland 2003</a>). Dieses hochsoziale Kontinuum ist das Erfolgsgeheimnis der Menschheit mit ihrer extrem langen Kindheit.</li>
<li>legen patriarchale Familien stets besonderen Wert darauf, wenn möglich zusammen bestattet zu werden. Hintergrund ist, dass der familiäre Zusammenhalt in Patrilinearität in besonderer Weise zum Ausdruck gebracht werden muss. Die Notwendigkeit dazu ergibt sich aus der Unnatürlichkeit von Patrilinearität, die künstlich und gewaltsam hergestellt werden muss, indem die Mütter in der Familie regelrecht in Geiselhaft genommen werden, wie ich es bereits <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat" target="_blank" rel="noopener">an anderer Stelle</a> dargestellt habe. Familien sind infolgedessen brüchig und das gilt es zu vertuschen und zu beschönigen. Patrilinearität dient der Legitimation des Vaters und seines Erbes.<br />
Etwas, das mit so viel Aufwand installiert wurde, wird nicht im Tod ignoriert, sondern zelebriert, um der Patrilinie einen Ort zu geben, wo sie ihre Geschichte hochhalten kann. Etwas Vergleichbares oder bildliche Kunst, die darauf hinweisen könnte, gibt es in Çatal Höyük aber nicht.</li>
</ol>
<p>Ich vermute, dass Pilloud und Larsen vor allem nachweisen wollten, dass die Kinder mit den älteren Männern engst verwandt waren, sie haben sicher die Väter gesucht, aber ohne Erfolg. Was haben wir da also vor uns? Unter Matrifokalität leben die Onkel mit den Kindern ihrer Schwestern zusammen, aber das lässt sich nicht unbedingt an den Befunden aus der Studie ablesen, es fehlt ein Mitochondrien-DNA-Abgleich (mtDNA). Die Ähnlichkeit der Sippenmitglieder ist unter der gelebten <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">Female choice</a>, wie sie in Matrifokalität selbstverständlich ist, geringer, weil die nur über die Mutter blutsverwandten Sippenmitglieder genetisch voneinander weiter entfernt sind. Die Geschwister haben unterschiedliche Väter. Der Onkel hat damit auch einen anderen Vater als seine Schwester, ist also relativ weit von seinen Nichten und Neffen entfernt, obwohl er ihre mtDNA teilt, die nur über die Mutter vererbt wird. Größere genetische Vielfalt und nicht Endogamie (Inzucht) ist typisch für Matrifokalität. Das ist der entscheidende Unterschied zum Patriarchat, wo immer eifersüchtig darauf geachtet wird, dass eine Frau innerhalb des eigenen patrilinearen Stammes heiratet und monogam lebt. Bei einer Geschwisterehe (wie z.B. bei den ägyptischen Pharaonen) sind dann immer nur zwei Genpools beteiligt, und zwar der des Elternpaares. Unter Matrifokalität wären immer drei Genpools beteiligt, der der Mutter und die der beiden Väter. Aufgrund der chemotaktischen Inzest-Schranke kommt das so gut wie nie vor.<br />
Ob Hodder und sein neues Team dies alles vollständig durchdacht und verstanden hatten?</p>
<p>Die Studie gab damals Anlass zur Freude, bestätigte sie doch neuerlich Mellaarts Grundannahme. AutorInnen der Studie waren übrigens die Odontologin Marin A. Pilloud und der Bioarchäologe Clark S. Larson. Larsen gilt als Kapazität und war von 2001-2007 Chefredakteur eben jenes Magazins, in welchem die Studie 2011 veröffentlicht wurde, nämlich dem <em>American Journal of Physical Anthropology</em> ! Beide arbeiten seit der Entlassung des alten Teams immer wieder mit Ian Hodder zusammen und gehören auch jetzt wieder, nachdem Hodder sein Amt zurück gegeben hat und Çiler Çilingiroğlu von der Universität Izmir neue Grabungsleiterin ist, zum Studienteam. Es wurde dann für 8 Jahre ruhig um dieses Thema bis zu jenem 17. Juni 2019.</p>
<h2 id="2019-schwierigkeiten-mit-ueberbevoelkerung-gewalt-und-umweltproblemen">2019: &#8222;Schwierigkeiten mit Überbevölkerung, Gewalt und Umweltproblemen&#8220;</h2>
<p>Ich erfuhr von der neuen Studie auf der Facebook-Seite der Zeitschrift <a href="https://www.aid-magazin.de/startseite.html" target="_blank" rel="noopener"><em>Archäologie in Deutschland</em></a>, wo der entsprechende Artikel der <em>Ohio State News</em> verlinkt war (wofür hiermit gedankt sei!) und mit „Vor 9.000 Jahren, eine Gemeinschaft hatte mit modernen, urbanen Problemen zu kämpfen. Çatalhöyük hatte Schwierigkeiten mit Überbevölkerung, Gewalt und Umweltproblemen“ titelte (meine Übersetzung, <a href="https://news.osu.edu/9000-years-ago-a-community-with-modern-urban-problems/?fbclid=IwAR0-tx1IurYIziXbZWGwZ9wpuLCGKYsuuDik4T8_7tVANaK40XH9Z8LIz_E" target="_blank" rel="noopener">Originaltitel</a>).<br />
Mir fiel dabei auch besonders der folgende Satz auf:</p>
<blockquote><p>„Die Form der Verletzungen lässt darauf schließen, dass harte, runde Objekte auf die Schädel eingewirkt hatten – und Lehmkugeln in der richtigen Größe wurden ebenfalls gefunden.“<br />
(Grabmeier 2019, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Da erinnerte ich mich wieder, dass ja diese Lehmkugeln schon in den Neunziger Jahren gefunden worden waren, <a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/clay_balls/" target="_blank" rel="noopener">genauer gesagt Tausende davon</a>. Aufgrund fehlender Anzeichen für Gewalt waren sie ein Rätsel, aber das verschwieg die neue Studie. Sie wurden damals nur von manchen als Schleuergeschosse angesehen, auch als Sportgeräte konnte man sie sich vorstellen, besonders aber als Kochgeräte:</p>
<blockquote><p>„Wir sind nicht wirklich sicher, wofür sie benutzt wurden. Wir denken, sie könnten etwas mit dem Kochen zu tun haben. Denn sie wurden mit Ascheresten gefunden. Hier können Sie Asche und Kohle sehen, die wahrscheinlich von dem Feuer kamen.“<br />
(<em>Roddy Reagan in <a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/clay_balls/roddy/" target="_blank" rel="noopener">SMM 2003</a>, meine Übersetzung</em>)</p></blockquote>
<p>Die Archäologin Sonya Atalay wurde damals mit der Untersuchung der Kugeln betraut, die sie in 3 Kategorien einteilen konnte: Balloide, Minibälle und sogar „komisch“ geformt, dies alles in den unterschiedlichsten Größen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/www.smm.org/catal/media/images/mysteries/clay_balls/all_balls.jpg?w=349&#038;ssl=1" alt="Lehmkugel aus Catal Höyük - Bildquelle: https://www.smm.org"  border="0" /><br />
<span style="font-size: 9px;">Bildquelle: <a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/clay_balls/sonya/ball_types/" target="_blank" rel="noopener">https://www.smm.org/</a></span></p>
<p>Nun also sollen sie Wurfgeschosse sein, mit denen sich die Bewohner gegenseitig bewarfen und verletzten. Eine sehr steile These, denn es wurden der Studie zufolge auch nur geheilte Schädelverletzungen gefunden. Niemand wurde offenbar mit einem Stoß an den Kopf umgebracht.</p>
<p>Ich könnte mir aufgrund ihrer Menge vorstellen, dass die Lehmkugeln als Bettwärmer dienten. Denn die Winter waren kalt, so dass die Dachöffnungen sicherlich nachts geschlossen werden mussten und es daher nicht möglich war, nachts ein Feuer brennen zu lassen. Auf den <a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/clay_balls/" target="_blank" rel="noopener">Abbildungen</a> sieht man, dass sie in den Häusern nicht wild herum lagen, sondern in Clustern ordentlich abgelegt waren. Sie könnten zum Aufheizen in die Feuer gelegt worden sein, was die Brandspuren erklärt. Sowohl für diesen Zweck als auch als Wurfgeschoss hätten die BewohnerInnen genauso gut Steine nehmen können, haben sie aber nicht.</p>
<p>Die Schädelverletzungen insbesondere bei Frauen ließen sich auch ganz anders erklären, z.B. mit Stürzen von den zahllosen Leitern, über die die Häuser betreten werden mussten. Auch die begehbaren Dächer dürften öfter nachgegeben haben, denn sie waren nur von lehmverstärkten Flechtwerk abgedeckt. Sicherlich hatten die Frauen bereits damals eine größere Arbeitsbelastung und mussten über die Leitern schwere Lasten in die Häuser tragen. Dass dabei viel passieren konnte, sollte kein Wunder sein, ebenso wie das damit verbundene hohe Infektionsrisiko. Dass nach einer Dürre hungernde Menschen geringere Abwehrkräfte haben, ist auch nichts Neues, ebenso, dass sie aufgrund der allgemeinen Schwäche sich häufiger verletzten konnten. Dass die Frauen ihre Schädel-Verletzungen überlebten, zeugt aber dennoch von einer großen Fürsorge und auch einer gewissen Erfahrung, wie Wundinfektionen einzudämmen sind. Auch die allgemeine Karies-Rate von nur 10-13% zeugt von Wissen, dass und wie Zähne zu pflegen sind. Der Vergleich mit der Gegenwart zeigt, dass Larsen auch hier dramatisiert: <a href="https://www.derwesten.de/incoming/karies-ist-die-haeufigste-erkrankung-in-deutschland-id109385.html" target="_blank" rel="noopener">Laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung der deutschen Zahnärzte</a> hatte vor vierzig Jahren jeder Jugendliche im Schnitt sieben Zähne, die an Karies erkrankt waren. Gehen wir mal von 28 sichtbaren bleibenden Zähnen aus, ist das eine Rate von 25%, im Laufe des Lebens kamen dann noch die meisten anderen Zähne dazu. Viele Menschen tragen heute Vollprothesen, und das, obwohl vor 40 Jahren bereits eine Erziehung zur Zahnpflege erfolgte und Fluorzahnpasten die Regel waren.<br />
Çatal Höyük war bei weitem nicht so ein gruseliger Ort, wie er jetzt hingestellt werden soll!</p>
<h2 id="die-studie-unter-der-lupe">Die Studie unter der Lupe</h2>
<p>Noch am gleichen Tag begann ich damit, der Sache nachzugehen. Ich besorge mir natürlich immer die Originalstudien. Am von der Presse verlinkten Ort des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Peer-Review" target="_blank" rel="noopener">peer-reviewten</a> Magazins <a href="https://www.pnas.org/content/116/26/12615" target="_blank" rel="noopener">PNAS</a> befindet sich jedoch eine Bezahlschranke (<em>Paywall</em>), und wir können nur das <em>Abstract</em> lesen. Eine kostenlose Version müssen wir uns über die Suchmaschine unserer Wahl suchen und glücklicherweise werden wir auch <a href="https://www.researchgate.net/publication/333828774_Bioarchaeology_of_Neolithic_Çatalhoyuk_reveals_fundamental_transitions_in_health_mobility_and_lifestyle_in_early_farmers" target="_blank" rel="noopener">sofort fündig</a>.</p>
<p>Ich fand die wesentlichen Aussagen von der Presse gut wiedergegeben. Die Sache mit den Schädelverletzungen (vgl. oben) haben sie wie folgt ausgeführt:</p>
<blockquote><p>„Die Gemeinschaft von Çatalhöyük zeigt ein erhöhtes Maß an zwischenmenschlicher Gewalt, das durch geheilte Schädel-Depressionsfrakturen bei 25 Personen der Stichprobe von 93 Schädeln dargestellt wird (…) Insgesamt sind etwas mehr Frauen als Männer betroffen (13 gegenüber 10 bei Schädeln mit eindeutiger Geschlechtsidentifikation). Zwölf der 93 (13%) waren Mehrfachverletzte, die sich im Laufe der Zeit 2 bis 5 Verletzungen zugezogen hatten. Diejenigen mit den meisten Wiederverletzungen sind erwachsene Frauen.“ (Larsen <em>et al.</em> 2019, S. 7, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Sie haben es also fertig gebracht, 93 Schädel in die Studie aufzunehmen, von denen bei manchen das Geschlecht gar nicht festzustellen ist! So wird es simpel möglich zu behaupten, dass etwas mehr Frauen betroffen sind. Das Ergebnis bedeutet nicht, dass mindestens 7 Frauen Mehrfachverletzte waren, sondern unter den 12 Mehrfachverletzten waren mehr Frauen, die besonders viele Verletzungen erlitten, es können also auch weniger als 6 gewesen sein. Eine einfache Liste hätte geholfen, die Sache klar und deutlich zu machen, aber sie verstecken ihren Befund hinter unklaren Formulierungen. Leider fehlen auch jegliche Fotos von diesen Verletzungen.</p>
<p>Ein äußerst bedeutender Absatz der Original-Studie jedoch wird erstaunlicherweise in der Presse weggelassen:</p>
<blockquote><p>„Auf einer größeren regionalen Skala zeigt die Analyse der phänotypischen Variationen der Zähne aus Çatalhöyük und von zwei anderen zentralanatolischen neolithischen Gemeinschaften – Aşıklı Höyük und Musular – eine allgemeine Ähnlichkeit, was auf eine regional enger verwurzelte Variation hindeutet (60). Darüber hinaus gibt es in Çatalhöyük bei Männern ein Muster geringerer Unterschiede im dentalen Phänotyp als bei Frauen, das die Wahrscheinlichkeit eines <strong>patrilokalen, ehelichen Aufenthalts</strong> dokumentiert (61) und was Auswirkungen auf Personenbewegungen, Muster des Genflusses und die Strukturierung der Bevölkerung hat, basierend auf Frauen, die in die Gemeinschaft ziehen“. (Larsen <em>et al.</em> 2019; meine Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
<p>Dies bedeutet, dass nun ein Patriarchat – und damit Familien – für wahrscheinlich gehalten wird. Das ist natürlich ein noch größerer Paukenschlag! Und dem musste weiter nachgegangen werden…</p>
<p>Die beiden Literaturangaben beziehen sich auf 60 = &#8222;Pilloud <em>et al.</em> 2018&#8243; und 61 = &#8222;Königsberg 1988&#8220;. Letztere beschreibt eine schon 30 Jahre alte Methode zur Interpretation von Messdaten, die anhand von Schädeln nordamerikanischer Indianer entwickelt wurde und bis in die Gegenwart Anwendung findet. Ersteres aber ist brisant. Marin A. Pilloud, Clark S. Larsen und Kollegen hatten im Jahre 2018 an der jährlichen Konferenz der <em>American Association of Physical Anthropologists</em> teilgenommen und die obige Literaturangabe bezieht sich auf ein Poster (von zweien), das anlässlich der Konferenz gestaltet wurde und bei <a href="https://scholar.google.com/scholar_lookup?author=M.+A.+Pilloud&amp;title=Mobility+in+Neolithic+central+Anatolia%3A+A+comparison+of+dental+morphometrics+and+aDNA&amp;publication_year=2017&amp;journal=Am.+J.+Phys.+Anthropol.&amp;volume=162" target="_blank" rel="noopener">Google Scholar</a> verlinkt ist, sowie auf ein Abstract, das in einem Beiheft des <em>American Journal of Physical Anthropology</em> abgedruckt ist.</p>
<h2 id="sekundaerquellenkritik-poster-1-von-2018">Sekundärquellenkritik &#8211; Poster 1 von 2018</h2>
<p>Zur Fragestellung findet sich auf dem Poster aber lediglich folgende Angabe:</p>
<blockquote><p>“Frühere Analysen der Zahnmorphology und Maße (Aşıklı Höyük, Musular, and Çatalhöyük) weisen darauf hin, dass eine patrilokale, eheliche Residenzpraxis betrieben wurde (Pilloud 2013), was sich auf die räumlichen Bewegungen von Menschen und die Entwicklung strukturierter Gesellschaften im Laufe der Zeit auswirkt.“<br />
(Pilloud <em>et al.</em> 2018, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Die Studie von 2019 beruft sich also auf ein Poster, welches nur plakative Angaben macht und sich damit wiederum auf eine andere Quelle, und zwar von 2013 beruft, die wir uns natürlich wieder beschaffen müssen! Die Quelle ist Marin A. Pilloud, diesmal ganz alleine, die uns schon aus dem Jahre 2011 bekannt ist als diejenige, die keine Familiengräber finden konnte. Nach der Quellenangabe „S. 221-222“ waren zwei DINA4 Seiten zu erwarten. Das erstaunte mich doch sehr und dem bin ich weiter nachgegangen, erwartete ich doch eigentlich, nun endlich eine groß angelegte Studie mit Aussagen über die Zahl, das Geschlecht, den Fundort, Erhaltungszustand etc. der Zähne und Angaben über die verwendeten Methoden zu finden. Leider (oder natürlich?) ist diese Quelle nicht im Internet abrufbar.</p>
<h2 id="primaerquellenkritik-supplement-von-2013-das-duennste-brettchen-der-welt">&#8222;Primärquellen&#8220;kritik &#8211; Supplement von 2013: Das dünnste Brettchen der Welt</h2>
<p>Also habe ich meinen Universitätsbibliotheks-Account geöffnet und in der GBV-Fernleihe-Datenbank danach gesucht. Die betreffende Zeitschrift ist bei mir vor Ort nur bis zum Jahrgang 1999 einsehbar, lässt sich jedoch über Fernleihe bestellen. Dies funktionierte aber nicht und lieferte die Meldung zurück, dass ich das Heft ja in meiner Bibliothek einsehen könne. Darum musste ich mich persönlich auf den Weg in die Bibliothek machen, um das Problem dort einer Fachkraft vorzutragen. Es handele sich um einen nicht seltenen Fehler und ich könne es in der Fernleihstelle per Email melden, wo man mir helfen würde. Tatsächlich wurde der gesuchte Artikel nach ein paar Tagen von der Staatsbibliothek Berlin nach Braunschweig gesendet, der Fehler konnte aber nicht behoben werden. Die Dame am Ausleiheschalter, die ja einiges gewohnt ist, meinte „oh, das ist aber dünn“ und händigte mir drei zusammengetackerte DINA4-Seiten aus. Seite 1 war das Deckblatt der Bibliothek. Seite 2 und 3 waren die Kopien mit dem Artikel. Jedoch – die Seiten waren 3-spaltig aufgebaut und der gesuchte Text begann auf Seite 2 erst in Spalte 3 ganz unten, letzte 8 Zeilen, und endete schon wieder auf Seite 3 in der Mitte der Spalte 1. Da hat Pilloud aber „Glück“ gehabt, dass der Text, eine Ergänzung (Supplement) von vielen zu der zugehörigen Zeitschrift, der locker auf einer Postkarte Platz gefunden hätte, nicht nur auf Seite 3 abgedruckt wurde!</p>
<p><img data-recalc-dims="1" height="300" width="300" decoding="async" class="size-medium wp-image-4790 aligncenter" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/text.jpg?fit=300%2C300&#038;ssl=1" alt="Kopien, 2 DIN A4-Seiten" /></p>
<p>Der Kürze und Brisanz wegen kann bzw. muss ich hier den gesamten Text zitieren:</p>
<blockquote><p>“<strong>Eheliche Residenz im neolithischen Anatolien.</strong><br />
MARIN A. Pilloud. Central Identification Laboratory, Joint POW / MIA Accounting Command.<br />
Die neolithische Anlage von Çatalhöyük, Türkei (7400-5600 cal BC) ist bekannt für eine Bilderwelt mit weiblicher Symbolik, die dort entdeckt wurde, darunter die sogenannten Göttin-Figurinen. Das Vorhandensein solcher Artefakte hat einige Forscher zu dem Schluss geführt, dass in Çatalhöyük eine Art Fruchtbarkeitskult mit dem Weiblichen als zentraler Figur betrieben wurde. Diese Art der Verehrung gepaart mit der Tatsache, dass Çatalhöyük ein frühes Zentrum der Landwirtschaft war, führte andere zu der Argumention, dass Çatalhöyük eine matriarchale Gesellschaft gewesen sei. Jedoch, archäologische Untersuchungen des Ortes haben gezeigt, dass zwischen den Geschlechtern in Bezug auf Ernährung, Aktivitäten und Bestattung sehr wenig Unterschied besteht. Die vorliegende Studie prüft die Hypothese einer weiblich zentrierten Gesellschaft mittels einer Analyse des ehelichen Wohnsitzes basierend auf der Zahn-Metrik und -Morphologie. Die Daten wurden an erwachsenen Gebissen aus Çatalhöyük sowie zwei weiteren neolithischen Stätten in Anatolien, Aşıklı Höyük und Musular, gesammelt. Die Daten von Männern und Frauen wurden innerhalb von Çatalhöyük verglichen sowie zwischen den drei neolithischen Standorten, um die phänotypische Variation der Zähne zu bewerten.<br />
Innerhalb Çatalhöyük zeigen Varianz-Unterschiede in Bezug auf eine Variable, dass die Frauen mehr Variation in der Zahngröße aufweisen als die Männer. Zwischen den drei Standorten zeigten Tests in Bezug auf eine Variable, der Zahngröße, große Unterschiede bei den Männern, während die Frauen sehr ähnlich waren. Die Zahn-Morphologie identifizierte wenige Unterschiede sowohl innerhalb von Çatalhöyük als auch zwischen den drei Standorten für Mann oder Frau. Basierend auf diesen Ergebnissen scheint es, dass die Frauen das mobilere Geschlecht waren, was mit der Erwartung einer patrilokalen Gesellschaft in Einklang steht.<br />
Gefördert durch Zuschüsse von der Ohio State University, American Research Institute in der Türkei und National Geographic.“<br />
(Pilloud 2013, S. 221 f, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Was sagt uns das? <strong>Erst einmal gibt es wieder Grund zur Freude</strong>: Unbeabsichtigt hat Marin A. Pilloud ihrer Logik nach den Nachweis geführt, dass die Menschen von Aşıklı Höyük und Musular deutlich matrilokal gelebt haben müssen. Größere Ähnlichkeit der Zähne der Männer innerhalb eines Ortes und geringere Ähnlichkeit in einem weiteren Raum bedeutet, dass die Männer ortstreu seien, also patrilokal heiraten, aber nur, wenn für die Frauen etwas anderes festgestellt wird. Das war an diesen beiden Orten NICHT der Fall. Auch in Çatal Höyük war das nur für die <strong>Zahngröße</strong> festgestellt worden, nicht aber für die Form, die <strong>Morphologie</strong> der Zähne! In der Studie von 2019 wird aber behauptet – ich wiederhole: „<em>Darüber hinaus gibt es in Çatal Höyük bei Männern ein Muster geringerer Unterschiede im dentalen Phänotyp als bei Frauen, das die Wahrscheinlichkeit eines <strong>patrilokalen, ehelichen Aufenthalts</strong> dokumentiert</em>“ (Larsen <em>et al.</em> 2019, m. Ü., m. H.) Im Poster wird sogar behauptet – ich wiederhole: “<em>Vorherige Analysen der <strong>Morphology und Maße </strong>der Zähne (Aşıklı Höyük, Musular and Çatalhöyük) deuten an, dass eine patrilokale, eheliche Residenzpraxis betrieben wurde (Pilloud 2013), welche Auswirkungen auf die Bewegungen über den Raum und die Entwicklungen strukturierter Gesellschaften im Laufe der Zeit hatte.</em>“ (Pilloud <em>et al.</em> 2018, m. Ü., m. H.)</p>
<p>Es sind in Çatal Höyük nur Unterschiede in der <strong>GRÖSSE</strong> gefunden worden und an den anderen neolithischen Orten nicht einmal das. Für das viel bedeutendere Kriterium, nämlich die <strong>FORM,</strong> weist Çatal Höyük nur wenige, das heißt keine signifikaten Unterschiede auf. Damit handelt es sich hier um eine Falschaussage in dem Poster von 2018 und um eine Übertreibung („phänotypisch“) in der Studie vom 17. Juni 2019.</p>
<p>Da dem Text von Pilloud 2013 keine Tabellen beiliegen, dürfen wir uns fragen, nach welchen Kriterien die Zähne ausgesucht wurden. Wo wurden sie z.B. gefunden? Dazu keinerlei Angabe, auch nicht zur Anzahl der untersuchten Individuen.</p>
<p>Marin A. Pilloud schreibt von „sog. Göttinnen-Figurinen“, was bereits eine klare, ideologische Absage an Marija Gimbutas und James Mellaart ist, und schlimmer noch, sie wischt mit einem rhetorischen Schachzug Matrifokalität vom Tisch, in dem sie von einem Matriarchat im Sinne von Frauenherrschaft, also von Ungleichheit spricht, von der insbesondere aber Marija Gimbutas nie gesprochen hat. Dass Matrifokalität die einzige Lebensform ist, die echte Egalität ermöglicht, weiß Pilloud entweder nicht, oder sie WILL es nicht wissen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, und das habe ich leider erst jetzt bemerkt, dass sie zum Zeitpunkt dieser „Untersuchung“ und insgesamt vier Jahre für das US-Verteidigungsministerium (Central Identification Laboratory, Joint POW / MIA Accounting Command) gearbeitet hat, dessen erzpatriarchale Gesinnung wir nicht ausführen müssen.</p>
<p>Weil leider nicht immer nur Wissen erschaffen, sondern auch Wissen vorgetäuscht wird, hat die Wissenschaftsethik 12 zu erfüllende Kriterien aufgestellt. Dies sind<br />
1. Ehrlichkeit<br />
2. Objektivität<br />
3. Überprüfbarkeit<br />
4. Reliabilität<br />
5. Validität<br />
6. Verständlichkeit<br />
7. Relevanz<br />
8. Logische Argumentation<br />
9. Originalität<br />
10. Nachvollziehbarkeit<br />
11. Fairness<br />
12. Verantwortung<br />
(FH DO 2011, S. 15, <a href="https://www.springer-campus-it-onlinestudium.de/w3lmedia/W3L/Medium112698/9783868340341_Leseprobe.pdf" target="_blank" rel="noopener">online, im PDF S. 3</a>)</p>
<p>Menschen können sich auch irren, nicht nur JournalistInnen, auch ArchäologInnen stehen unter Druck. Einerseits müssen sie sensationelle Ergebnisse vorweisen, um Geld für den Fortgang einer Grabung einfordern zu können, andererseits sind die Geldgeber und Archäologen daran interessiert, dass die Grabungsergebnisse ihr Weltbild bestätigen, das ja immer ein patriarchales ist. Insbesondere die Grabungsgeschichte von Çatal Höyük, das in der Zentral-Türkei gelegen ist, ist ein Beispiel dafür, wie schnell eine Grabung für beendet erklärt wird und missliebige Archäologen entfernt werden. Nach Hodders unspektakulärem Abgang ist die Grabung wieder ganz in türkischen Händen. Ein anderes Beispiel ist die Ausgrabung in Ephesus, wo dem österreichischen Team im Jahre 2016 aus politischen Gründen die Grabungslizenz entzogen wurde (<a href="https://science.orf.at/stories/2891594/" target="_blank" rel="noopener">Sciene ORF 2018</a>). Aber das nur am Rande.</p>
<p>Das Poster 1 <em>Pilloud et al. 2018</em> wirft damit noch weitere Fragen auf.</p>
<ol class="liste1">
<li>Unter &#8222;Materialien und Methoden&#8220; wird die Tabelle 2, die nur Daten aus Aşıklı Höyük, Musular and Çatal Höyük enthält, falsch zugeordnet: „<em>Data were collected on nuDNA from a subset of Individuals from Boncuklu und Tepecik-Çiftlik (Table 2).</em>“ Die Daten zur nuDNA befinden sich jedoch in „Figure 3“. Ein einfacher Schreibfehler ist das nicht, sondern bereits Nachlässigkeit, und dies auf einem kleinen Poster, das eine Aussage von erheblicher Tragweite trifft. Der Satz lässt ein zweites Mal aufmerken. Denn die Überschrift des Posters lautet „Mobility in Neolithic Central Anatolia: A Comparison of Dental Morphometrics and aDNA“. Aber die Untersuchung der Zähne aus Çatal Höyük wurde <strong>NICHT</strong> durch eine DNA-Untersuchung abgesichert! Dies ist in gewisser Weise eine manipulative Gestaltung der Studie und ihrer Überschrift.</li>
<li>Das Poster enthält insgesamt 3 Tabellen und eine Abbildung, die möglicherweise schon 2013 von Marin A. Pilloud produziert worden sind. Hat es 4 Jahre gedauert, bis das Forscherteam, zu dem wieder Marin A. Pilloud gehörte, damit auf eine Konferenz gegangen ist? Das Poster erweckt aber den Eindruck, als seien es völlig neue Daten. Aber waren die Daten vielleicht noch so wenig aussagekräftig, dass sie weiter verwertet werden mussten oder gibt es einen anderen Grund? Denn das vorliegende Poster soll primär etwas anderes zum Ausdruck bringen. Wir lesen dort als Ergebnis (das ich abschreiben musste, weil das PDF des Posters kopiergeschützt ist):<br />
<blockquote><p>„Diese Ergebnisse legen die regionale Entwicklung von Gemeinschaften nahe, die im Laufe der Zeit begannen, miteinander zu interagieren, was schließlich zu größeren dörflichen Siedlungen führte.“<br />
(Pilloud <em>et al. </em>2018; meine Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
</li>
</ol>
<p>Pillouds „Studie“ von 2013 hat, das zeigen nun diese Tabellen im Poster 1 von 2018 (wenn es tatsächlich diejenigen sind), große Schwächen, von der Tatsache abgesehen, dass allein das Kriterium der Zahngröße zu der brisanten Aussage herangezogen werden konnte. Da ist schon einmal die geringe Anzahl und das ungleiche Geschlechterverhältnis der untersuchten Individuen. Um Residenzregeln zu beweisen, müssen gleich viele Männer wie Frauen untersucht werden. (Dieser Fehler wurde schon bei den <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/das-massaker-von-talheim" target="_blank" rel="noopener">Untersuchungen am bandkeramischen Massaker von Talheim/Neckar</a> gemacht, wo die Archäologin Ursula Eisenhauer ebenfalls Patrilokalität nachzuweisen versuchte, was ich ebenfalls entkräften konnte; vgl. Uhlmann 2012 und Düring/Wahl 2014, S. 22 f).<br />
Aber es wurden hier 56 Männer und 67 Frauen (Verhältnis 0,84) untersucht. Dass bei mehr Frauen auch mehr Unterschiede festgestellt werden, sollte uns nicht wundern. In Aşıklı Höyük wurden 11 Männer und 14 Frauen (Verhältnis 0,79) und nur in Musular gleich viele, jedoch nur 3 Männer und 3 Frauen untersucht und hier wurden auch die geringsten Unterschiede gefunden.<br />
Wir erfahren wie gesagt auch nichts darüber, an welchen Stellen die Zähne gefunden wurden, denn Çatal Höyük ist viel größer als Aşıklı Höyük und Musular. Durch gezielte Auswahl von weiblichen Zähnen an unterschiedlichen Orten, wäre das Ergebnis leicht zu manipulieren gewesen. Wir erfahren auch nichts über das mutmaßliche Alter der „Frauen“ zum Todeszeitpunkt und den Erhaltungszustand im Vergleich der Zähne untereinander. Auch Fotos wären anschaulich gewesen.</p>
<p>Der verwendete Datensatz ist leider auch nicht identisch mit dem aus der Studie von Pilloud/Larsen 2011, bei der keine Familiengräber gefunden wurden. 2011 wurden 266 Individuen einbezogen, 2013 offenbar (wenn die Tabelle im Poster von 2017 tatsächlich aus dem Jahre 2013 stammt) nur 256. Als Untermauerung einer so schwerwiegenden Aussage ist diese Quelle <em>Pilloud 2013</em> völlig ungeeignet und hat, obwohl auch sie in dem sog. peer-reviewten Fachmagazin „American Journal of Physical Anthropology“ veröffentlicht wurde, lediglich den Wert einer Zeitungsmeldung.</p>
<h2 id="sekundaerquellenkritik-poster-2-von-2018">Sekundärquellenkritik &#8211; Poster 2 von 2018</h2>
<p>Werfen wir noch einen Blick auf das <a href="https://www.researchgate.net/publication/327537029_Dental_Diversity_and_Population_Movement_in_Neolithic_Central_Anatolia" target="_blank" rel="noopener">2. Poster</a> (Philbin/Pilloud 2018), das auf der Konferenz präsentiert wurde. Es geht darin wieder um Zahn-Untersuchungen aus den gleichen Orten, nur Tepecik-Çiftlik fehlt. Die AutorInnen sind diesmal Casey S. Philbin und Marin A. Pilloud. Sie betonen in der rechten Seitenspalte, dass Clark S. Larsen Einfluss auf die Studie genommen hat. Es wurden zwei Hypothesen überprüft. 1. die neolithischen Gemeinschaften entwickelten sich regional, und 2. während des jüngeren Neolithikums gab es verstärkten Kontakt zwischen den Siedlungen und einen Genfluss. Im Ergebnis hätte sich beides bestätigt, alle Orte hätten an Diversität zugenommen. Die Zunahme an Merkmalen deute auf eine Zunahme der Komplexität der Gemeinschaft hin. Die Studie diene dem Verständnis, wie sich die Sesshaftigkeit über Europa ausgebreitet hatte, mit Anatolien als führender Rolle.<br />
Diesmal wurde kein Augenmerk auf das Geschlecht der untersuchten Individuen gelegt. Aus Çatal Höyük wurden deutlich weniger Zähne ausgewertet, nämlich nur 137, während die Anzahl aus Aşıklı Höyük mit 39 etwas mehr war und Musular mit 7 gleich blieb. Diese DNA-Untersuchungen können also keine Patrilokalität beweisen, lediglich die Vermischung der Gene in der Region, was ja auch erwartet war.</p>
<p>Wir können daraus ablesen, dass Çatal Höyük eine starke Anziehungskraft ausübte. Die Sogwirkung beweist, dass Çatal Höyük über einen sehr langen Zeitraum nicht so unwirtlich und so gewalttätig gewesen sein kann, wie es Larsen am 17. Juni 2019 verlauten ließ.<br />
Die Sogwirkung allein dem massenhaften Zuzug von Ehefrauen zuzuschreiben, ist nicht haltbar, auch hätte es dann vor Ort einen permanenten Männerüberschuss, also einen Heiratsmarkt, hätte geben müssen, wenn die Männer nicht polygam gelebt haben. Das wiederum dürfte angesichts der Bildsprache der Rauminstallationen in den Häusern kaum der Fall gewesen sein. Im Gegenteil, die Menge verbauter Bukranien (Rindergehörne), die wenn sie denn tatsächlich männliche Tiere bzw. Männer repräsentieren, ist deutlich größer als die Zahl der Frauenfiguren, neben denen sie angeordnet sind. Ich würde sie eher als Symbole der vielen Liebhaber einer Mutter ansehen. Es ist nachvollziehbar, dass die zugezogenen Frauen ihre Liebhaber vor Ort ausgewählt und getauscht haben. Aber deswegen muss frau ja nicht gleich heiraten, wie es so schön heißt.</p>
<p><a title="Elelicht [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_EL.JPG"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/08/Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_EL.JPG/512px-Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_EL.JPG" alt="Catal Hüyük EL" width="512" /></a><br />
Installation aus Çatal Höyük: Oben Urmutter in Gebärhaltung, unten Bukranien. Neben dem Ofen erkennen wir Lehmkugeln.<br />
Rekonstruktion im Museum of Anatolian Civilizations, Ankara<br />
<span style="font-size: 8px;">Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<p>Es dürfte sich daher um den Zuzug ganzer Sippen oder Teilen von Sippen gehandelt haben, wobei vor allem die Frauen es attraktiv fanden, fortan in der Metropole zu wohnen und die Zuwanderung auch der Männer maßgeblich vorantrieben. Es müssen sich daraus Vorteile für sie selbst ergeben haben, u.a., auf den ersten Blick, eine größere Auswahl an Männern. Natürlich kann so der Eindruck entstehen, es hätte sich um patrilokale Familienbeziehungen gehandelt. Mangelnde Vorstellungskraft und Rückwärtsprojektion patriarchaler Verhältnisse führen zu solchen Verlautbarungen. Auf der Basis der Beobachtung, dass in patriarchalen Gesellschaften darauf geachtet wird, dass Familienmitglieder gemeinsam bestattet werden, gehen Hodder, Larsen und Pilloud davon aus, dass von der Art der Bestattung auf die des sozialen Zusammenlebens geschlossen werden kann. Bei matrifokalen Gemeinschaften ist das aber nicht so einfach. So wissen wir aus dem matrilinearen Völkern in Amerika, Afrika und Asien, dass die Kinder oft gar nicht wissen, welche Frau ihre eigene Mutter ist (Tazi-Preve 2017, S. 155f und 2018). Es gibt dann kein Wort für Tante, sondern nur das Wort Mutter.</p>
<p>Çatal Höyük war keine Ansammlung von Parallelgesellschaften, sondern ein echter Schmelztiegel. Wir können davon ausgehen, dass die Kinder auch von Nachbarsippen mitbetreut wurden und, wenn ein Kind Waise, also mutterlos wurde, nahtlos von anderen Sippen adoptiert wurde, was aus psychologischer Sicht sicher hilfreich war. Vielleicht war ja genau das der größte Vorteil, den Kinder dort hatten, dies in der Zeit des Hungers nach der Misox-Schwankung. In großen sesshaften, matrifokalen Gemeinschaften ist demnach gar nicht zu erwarten, dass die mütterlichen Linien beieinander bestattet sind. Für altsteinzeitliche, nichtsesshafte Wildbeutergruppen dürfte dies anders gewesen sein, da die Gruppen wesentlich kleiner waren, nur aus einer Sippe bestehend, mit ca. 80-120 Personen und nicht wie in Çatal Höyük mit mehreren Tausend.</p>
<p><a title="Stipich Béla [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_Restauration.JPG"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/7b/Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_Restauration.JPG/256px-Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_Restauration.JPG" alt="Catal Hüyük Restauration" width="256" /></a><br />
Raum aus Çatal Höyük: Unter den Schlaf-Plattformen wurden die Angehörigen bestattet. Rekonstruktion im Museum of Anatolian Civilizations, Ankara<br />
<span style="font-size: 8px;">Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<h2 id="neue-verwandtschaftsstudie-von-2019-aehnlich-den-matrilinearen-Pueblo">Neue Verwandtschaftsstudie von 2019: Ähnlich den matrilinearen Pueblo?</h2>
<p>Bei meiner Recherche entdeckte ich eine weitere 2019 erschienene, wesentlich nüchternere (<a href="https://www.mdpi.com/2073-4425/10/3/207" target="_blank" rel="noopener">und auch frei im Internet abrufbare</a>) Studie eines völlig anderen Teams polnischer, tschechischer, schwedischer und türkischer BiologInnen und ArchäologInnen. Sie untersuchten 4 benachbarte Häuser in Çatal Höyük aus der sog. Mellaart-Phase VI A und konnten dort insgesamt 10 verschiedene Mitochondrien-DNAs (mtDNA) identifizieren, also im Schnitt 2,5 mtDNAs pro Haus. Insgesamt wurden 37 Individuen untersucht, und zwar zehn aus Gebäude 96, sechs aus Gebäude 97, fünf aus Gebäude 89, und 16 aus Gebäude 80, wo nebenbei erwähnt besonders viele Installationen gefunden wurden.<br />
Davon waren viele Proben kontaminiert, so dass am Ende nur 10 Individuen berücksichtigt werden konnten. Es waren 5 Kinder und 5 Erwachsene. Es konnten nur 3 weibliche Individuen eindeutig indentifiziert werden, davon zwei Kinder. Nach der DNA konnte kein Mann zweifelsfrei identifiziert werden, nach der Morphologie ist vermutlich nur ein Mann dabei.<br />
Keine der mtDNAs kam in ein und demselben Haus mehrfach vor, aber in den 4 benachbarten Häusern fanden sich VertreterInnen von insgesamt 6 „Lineagen“ (U, K, H, W, N und X), die aber zu 10 verschiedenen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Haplotyp" target="_blank" rel="noopener">Haplotypen</a> gehörten. Alle Erwachsenen gehörten unterschiedlichen „Lineagen“ an.<br />
Im Gebäude 96 wurden eine Frau und 3 Kinder gefunden, die keine Verwandten ersten Grades waren. Dies wird wie folgt interpretiert:</p>
<blockquote><p>“Der Fall der im Gebäude 96 begrabenen Personen ist besonders interessant, da vier verschiedene mitochondriale Haplotypen darauf hindeuten, dass mindestens vier verschiedene mütterliche Abstammungslinien in der Gruppe der Personen vorlagen, die in diesem bestimmten Haus beigesetzt wurden. Eine derart hohe Variabilität mitochondrialer Haplogruppen in einer Verwandtschaftsgruppe, insbesondere bei Kindern und Frauen, <strong>könnte durch die Patrilokalität erklärt werden</strong>. Unter der Annahme, dass das Haus als für Çatal Höyük typische Struktur für 3-4 Generationen bewohnt war (…) und von einer matrilokalen oder bilateralen biologischen Verwandtschaftsgruppe bewohnt wurde, ist die Möglichkeit unplausibel, vier Individuen zu finden, die unterschiedliche mütterliche Abstammungslinien repräsentieren und die in Geschlecht und Alter zusammen passen. Zur Untermauerung dieser Interpretation sollten jedoch entweder die väterlichen Abstammungslinien analysiert werden, die in den Y-Chromosomen-Daten widergespiegelt sind, oder es ist eine genaue Schätzung der Größe der betreffenden Verwandtschaftsgruppe erforderlich. Da das Gebäude 96 nicht vollständig ausgegraben wurde (…), wurden bisher nur zehn Personen freigelegt. Es ist nicht auszuschließen, dass sich noch mehr Verstorbene unter seinem Boden befinden.“<br />
(Chyleŉski et al. 2019, S. 8)</p></blockquote>
<p>Die Ergebnisse passen natürlich gut zu der ersten Studie Pilloud/Larsen 2011 und es fällt wohltuend auf, dass erwähnt wird, dass die Ergebnisse mit den Daten der Y-Chromosomen abgesichert werden müssen und zudem die Zahl der Untersuchten unvollständig ist.<br />
Nicht ausschließlich Patrilokalität, mit der sich ja Marin A. Pilloud viel zu weit aus dem Fenster lehnt, sondern auch andere Arten des Zusammenlebens werden erwogen, z.B. wird auch ein Vergleich mit den Pueblo Nordamerikas angestellt. Dass die Pueblo matrifokal waren, wird allerdings unterschlagen. Die Siedlungen der Pueblo dienten immer wieder als Vorbild bei der Rekonstruktion des Siedlungshügels.</p>
<p><a title="Popular Science Monthly Volume 41 [Public domain], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:PSM_V41_D825_Terrace_houses_of_the_pueblo_indians_in_new_mexico.jpg"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/d2/PSM_V41_D825_Terrace_houses_of_the_pueblo_indians_in_new_mexico.jpg/256px-PSM_V41_D825_Terrace_houses_of_the_pueblo_indians_in_new_mexico.jpg" alt="PSM V41 D825 Terrace houses of the pueblo indians in new mexico" width="300" /></a><br />
Pueblo-Terrassenhäuser in New Mexiko<br />
<span style="font-size: 8px;">Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<p>Es wird auch überhaupt nicht in Betracht gezogen, dass Adoptionen häufig vorgekommen sein müssen. Wichtig ist aber der Hinweis, dass es in Tepecik-Çiftlik und Boncuklu Höyük starke Indizien für mitochondriale Verwandtschaft gibt. Auch das legt nahe, dass diese Orte noch keine Metropolen waren, sondern matrilinear gewachsene, geschlossene Gemeinschaften. Insbesondere Boncuklu Höyük wird als einer der genetischen Ursprungsorte Çatal Höyüks vermutet (Chyleŉski <em>et al.</em> 2019, S. 9).</p>
<p>Matrilokalität und Matrilinearität ist unser angeborenes Sozialverhalten. Patrilokalität und Patrilinearität, also Patriarchat, ist keine natürliche Option für den Menschen, sondern es gibt dafür immer einen unnatürlichen Grund, und zwar wirtschaftlicher Art, und es ist natürlich nicht egalitär. Die Entstehung eines Patriarchats ist an die Tierzucht in Herdenhaltung gebunden, und dafür gibt es in Çatal Höyük keine Anzeichen, lediglich Tierhaltung im kleinen Rahmen und Jagd sind belegt. Daher ist plausibel, dass die BewohnerInnen ihre gewohnte Freiheit weiterlebten, nachdem sie in Çatal Höyük angekommen waren. Çatal Höyük kann als Beleg dafür herangezogen werden, dass Matrifokalität zu größerer Toleranz unter Fremden und zu starker Gemeinschaft führen kann. Es spricht vor allem auch für meine These, dass matrifokal aufwachsende Kinder sich ihre wichtigsten Bezugspersonen selbst suchen und selber wissen, was und wen sie brauchen.</p>
<p>Eine archäologische Stätte, die derart bedeutend für die Menschheit ist, weil sie die Überreste unseres matrifokalen Erbes bewahrt, sollte, wie jeder andere Forschungsgegenstand auch verantwortungsvoll erforscht werden. Verantwortung ist in einer Zeit von wieder erstarkender patriarchaler Ideologie ein immer wichtigeres wissenschaftsethisches Kriterium.</p>
<h2 id="nachtrag">Nachtrag</h2>
<p>Am 14. April 2021 bestätigten türkische Forscher erneut die Matrifokalität jungsteinzeitlicher Siedlungen, u.a. Çatal Höyük <a href="https://www.miragenews.com/ancient-dna-hints-at-diverse-stone-age-543915/" target="_blank" rel="noopener">Zum Artikel im Magazin miragenews.com</a></p>
<h2 id="literatur">Literatur</h2>
<ul id="liste4">
<li>Balter 2010: Michael Balter: <strong>Hodder Cleans House at Famed Çatalhöyük Dig</strong>. Veröffentlicht am 2.9.2010<br />
<a href="https://www.sciencemag.org/news/2010/09/hodder-cleans-house-famed-atalh-y-k-dig">https://www.sciencemag.org/news/2010/09/hodder-cleans-house-famed-atalh-y-k-dig</a></li>
<li>Beise/Voland 2003: Jan Beise und Eckart Voland: <strong>Warum gibt es Großmütter?</strong> In: Spektrum online, veröffentlicht am 01.01.2003. <a href="https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410</a></li>
<li>Berg 2019: T. Berg: <strong>9.000 Jahre alte Steinzeit-Stadt litt an modernen urbanen Problemen. In einer der ersten Großsiedlungen der Menschheit grassierten Krankheiten, Umweltzerstörung und Gewalt. Abgerufen am 15.7.2019<br />
</strong><a href="https://www.derstandard.at/story/2000105111331/9-000-jahre-alte-steinzeit-stadt-litt-an-modernen-urbanen">https://www.derstandard.at/story/2000105111331/9-000-jahre-alte-steinzeit-stadt-litt-an-modernen-urbanen</a></li>
<li>Chyleŉski <em>et al.</em> 2019: Maciej Chyleŉski , Edvard Ehler, Mehmet Somel, Reyhan Yaka, Maja Krzewiŉska, Mirosława Dabert, Anna Juras and Arkadiusz Marciniak: <strong>Ancient Mitochondrial Genomes Reveal the Absence of Maternal Kinship in the Burials of Çatalhöyük People and Their Genetic Affinities</strong>. In: Genes 2019, 10, 207; doi:10.3390/genes10030207, Published: 11 March 2019</li>
<li>Düring, Andreas; Wahl, Joachim: <strong>Agentenbasierte Computersimulationen als Schlüssel zur demographischen Struktur des bandkeramischen Massengrabs von Talheim.</strong> In: <a href="https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fbbw/article/download/44490/37955" target="_blank" rel="noopener">Fundberichte aus Badenwürttemberg, Band 34/2, Darmstadt 2014, S. 5-24</a></li>
<li>Farid 2014: Shahina Farid: <strong>‘Proportional representation’ multiple voices in archeological interpretation at Çatalhöyük</strong>. In: Robert Chapman, Alison Wylie Material Evidence: Learning from Archaeological Practice, Routledge, 05.12.2014, S. 75f</li>
<li>Grabmeier 2019: Jeff Grabmeier: <strong>9,000 years ago, a community with modern urban problems. Çatalhöyük had overcrowding, violence, environmental troubles. </strong>Ohio State News, 17.06.2019<br />
<a href="https://news.osu.edu/9000-years-ago-a-community-with-modern-urban-problems/">https://news.osu.edu/9000-years-ago-a-community-with-modern-urban-problems/</a></li>
<li>Hodder 2010: Ian Hodder: <strong>2010 SEASON REVIEW. A Decorated House Found at Çatalhöyük. In Çatalhöyük Archive Report 2010, S. 1-5</strong> <a href="http://www.catalhoyuk.com/sites/default/files/media/pdf/Archive_Report_2010.pdf">http://www.catalhoyuk.com/sites/default/files/media/pdf/Archive_Report_2010.pdf</a></li>
<li>Jarus 2011: Owen Jarus:<strong> No Family Plots, Just Communal Burials In Ancient Settlement</strong>. Live Science Contributor, veröffentlicht am 29.6.2011. Abgerufen am 15.7.2019<br />
<a href="https://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html">https://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html</a></li>
<li>Konigsberg 1988: L. W. Konigsberg: <strong>Migration models of prehistoric postmarital residence.</strong> Am. J. Phys. Anthropol. 77, 471–482 (1988).</li>
<li>Larsen <em>et al.</em> 2019: Clark Spencer Larsen, Christopher J. Knüsel, Scott D. Haddow, Marin A. Pilloud, Marco Milella, Joshua W. Sadvari, Jessica Pearson, Christopher B. Ruff, Evan M. Garofalo, Emmy Bocaege, Barbara J. Betz, Irene Dori, and Bonnie Glencross: <strong>Bioarchaeology of Neolithic Çatalhöyük reveals fundamental transitions in health, mobility, and lifestyle in early farmers</strong>. In: PNAS June 25, 2019 116 (26) 12615-12623; first published June 17, 2019 <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1904345116">https://doi.org/10.1073/pnas.1904345116</a></li>
<li>Lauer 2019: Céline Lauer: <strong>Wie Städte Gewalt erzeugen.</strong> Veröffentlicht am 25.06.2019, abgerufen am 15.07.2019<br />
<a href="https://www.welt.de/wissenschaft/plus195816815/Untergang-von-Çatalhoeyuek-Wie-Staedte-Gewalt-erzeugen.html" rel="nofollow">https://www.welt.de/wissenschaft/plus195816815/Untergang-von-Çatalhoeyuek-Wie-Staedte-Gewalt-erzeugen.html</a></li>
<li>Philbin/Pilloud 2018: Casey S. Philbin and Marin A. Pilloud Department of Chemistry, University of Nevada, Reno; Department of Anthropology, University of Nevada, Reno: <strong>Dental Diversity and Population Movement in Neolithic Central Anatolia</strong>. Conference Paper, September 2018<br />
= POSTER 2: <a href="https://www.researchgate.net/publication/327537029_Dental_Diversity_and_Population_Movement_in_Neolithic_Central_Anatolia">https://www.researchgate.net/publication/327537029_Dental_Diversity_and_Population_Movement_in_Neolithic_Central_Anatolia</a></li>
<li>Pilloud 2013: Pilloud MA. 2013. <strong>Postmarital residence in Neolithic Anatolia.</strong> In: American journal of physical anthropology Supplement S. 150, S. 221-222.</li>
<li>Pilloud <em>et al.</em> 2018: Marin A. Pilloud, Mehmet Somel, Scott D. Haddow, Christopher J. Knüsel, Clark Spencer Larsen, Mihriban Ӧzbaşaran, Omur Dilek Erdal, Douglas Baird, Jessica Pearson, Anders Götherström, Jan Storå, Mattias Jakobsson, Gülşah Merve Kılınç Füsun Özer, Dilek Koptekin, Nihan Dilşad Dağtaş: <strong>Mobility in Neolithic Central Anatolia: A Comparison of Dental Morphometrics and aDNA</strong>. Conference Paper, September 2018<br />
= POSTER 1: <a href="https://www.researchgate.net/publication/327536930_Mobility_in_Neolithic_Central_Anatolia_A_Comparison_of_Dental_Morphometrics_and_aDNA">https://www.researchgate.net/publication/327536930_Mobility_in_Neolithic_Central_Anatolia_A_Comparison_of_Dental_Morphometrics_and_aDNA</a></li>
<li>Pilloud/Larsen 2011: Marin A. Pilloud, Clark Spencer Larsen: <strong>“Official” and “practical” kin: Inferring social and community structure from dental phenotype at Neolithic Çatalhöyük, Turkey.</strong> In: In: American journal of physical anthropology, S. 145, S. 519-530. First published: 17 May 2011. <a href="https://doi.org/10.1002/ajpa.21520d">https://doi.org/10.1002/ajpa.21520d</a><br />
<a href="https://www.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ajpa.21520">https://www.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ajpa.21520</a></li>
<li>Roffet-Salque <em>et al.</em> 2018: Mélanie Roffet-Salque, Arkadiusz Marciniak, Paul J. Valdes, Kamilla Pawłowska, Joanna Pyzel, Lech Czerniak, Marta Krüger, C. Neil Roberts, Sharmini Pitter, and Richard P. Evershed: <strong>Evidence for the impact of the 8.2-kyBP climate event on Near Eastern early farmers.</strong> PNAS August 28, 2018 115 (35) 8705-8709; first published August 13, 2018 <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1803607115">https://doi.org/10.1073/pnas.1803607115</a></li>
<li>FH DO 2011: Springer Campus IT Online-Studium in Zusammenarbeit mit der FH Dortmund 2011: <strong>Wissenschaftsethik: Qualitätskriterien</strong>.<br />
<a href="https://www.springer-campus-it-onlinestudium.de/w3lmedia/W3L/Medium112698/9783868340341_Leseprobe.pdf">https://www.springer-campus-it-onlinestudium.de/w3lmedia/W3L/Medium112698/9783868340341_Leseprobe.pdf</a></li>
<li>Science ORF 2018: <strong>Archäologen dürfen zurück nach Ephesos</strong>. <a href="https://science.orf.at/stories/2891594/">https://science.orf.at/stories/2891594/</a> Publiziert am25.01.2018</li>
<li>SMM 2003: Mysteries of Çatalhöyük 2003. Science Museum of Minnesota<br />
<a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/" target="_blank" rel="noopener">https://www.smm.org/catal/mysteries/</a></li>
<li>Tazi-Preve 2017: Mariam Irene Tazi-Preve: <strong>Das Versagen der Kleinfamilie. Kapitalismus, Liebe und der Staat</strong>. Opladen. Berlin, Toronto 2017</li>
<li>Tazi-Preve 2018: <strong>Vereinbarkeitsdebatte. Wir müssen Familie anders denken</strong>. Interview mit Mariam Irene Tazi-Preve von Anja Wasserbäch am 06.02.2018. Stuttgarter Nachrichten.<br />
<a href="https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.vereinbarkeitsdebatte-wir-muessen-familie-anders-denken.f0e056a4-6943-4975-8fab-6bdf47e97adf.html">https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.vereinbarkeitsdebatte-wir-muessen-familie-anders-denken.f0e056a4-6943-4975-8fab-6bdf47e97adf.html</a></li>
<li>Uhlmann 2012: Gabriele Uhlmann: <strong>Das Massaker von Talheim.</strong> In: Gabriele Uhlmann: Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte. Norderstedt 2012</li>
<li>Uhlmann 2019: Online-Ressource <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat" target="_blank" rel="noopener">Patriarchat- Definition, Geschichte und Symptome</a></li>
<li>Vieweg 2019: Martin Vieweg: <strong>Städtische Probleme – schon vor 9000 Jahren.</strong><br />
<a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/staedtische-probleme-schon-vor-9000-jahren/">https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/staedtische-probleme-schon-vor-9000-jahren/</a> Veröffentlicht am 17. Juni 2019</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat-und-gewalt-in-catal-hoeyuek">Patriarchat und Gewalt in Çatal Höyük?</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">4786</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Das Massaker von Talheim</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/das-massaker-von-talheim</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Jul 2021 13:59:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Analysen und Studien]]></category>
		<category><![CDATA[Anthropologie]]></category>
		<category><![CDATA[Archäologie]]></category>
		<category><![CDATA[Bandkeramik]]></category>
		<category><![CDATA[Buch "Archäologie und Macht"]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Interdisziplinäre Patriarchatsforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Matrifokalität]]></category>
		<category><![CDATA[Patrilinearität]]></category>
		<category><![CDATA[Skandal]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenraub]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Jungsteinzeit]]></category>
		<category><![CDATA[LBK]]></category>
		<category><![CDATA[Massaker]]></category>
		<category><![CDATA[Matrilokalität]]></category>
		<category><![CDATA[Patrilokalität]]></category>
		<category><![CDATA[Talheim]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://blog.gabriele-uhlmann.de/?p=4756</guid>

					<description><![CDATA[<p>Das Massaker von Talheim ist das prominenteste Beispiel für die beginnende Gewalt in Mitteleuropa um ca. 5000 v.u.Z. und damit für die beginnende Patriarchalisierung. Das Massaker, welches am Ende der...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/das-massaker-von-talheim">Das Massaker von Talheim</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Massaker von Talheim ist das prominenteste Beispiel für die beginnende Gewalt in Mitteleuropa um ca. 5000 v.u.Z. und damit für die beginnende Patriarchalisierung. Das Massaker, welches am Ende der Bandkeramischen Kultur stattgefunden hat, wird auch von der Herrschenden Lehre als einer der ersten Kriegsschauplätze bezeichnet.</strong></p>
<p><a href="https://i0.wp.com/www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/geschichte/urundfrueg/steinz/talheim/fundsituation.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="bild" title="Massaker von Talheim" src="https://i0.wp.com/www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/geschichte/urundfrueg/steinz/talheim/fundsituation.jpg?w=300" alt="Massaker von Talheim"  border="0" /></a><br />
<span class="abb">Foto: © Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart</span></p>
<p>An diesem Fund hatten die Ur- und Frühgeschichte und die Naturwissenschaft Hand in Hand gearbeitet, um zu beweisen, dass die Jungsteinzeit Mitteleuropas mit ihrer sesshaften, bäuerlichen Lebensweise von Anfang an patriarchalisch geprägt gewesen sei, also schon 500 Jahre früher als das Datum des Massakers.</p>
<p>Der naturwissenschaftliche Befund, der Patrilokalität bezeugen soll, steht im krassen Gegensatz zu den kulturellen Hinterlassenschaften der Bandkeramischen Kultur. Daher hatte ich erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der Schlussfolgerungen, die aus den Datensätzen der Untersuchungen gezogen wurden. Ich habe dann analysiert und in meinem Buch &#8222;Archäologie und Macht&#8220; (siehe rechte Spalte) dokumentiert, wie die vermeintliche Beweisführung strategisch aufgebaut wurde und wie im Einzelnen argumentiert wird. Erstaunlich war dabei, wie schlampig anthropologische Methoden angewendet wurden und wie leichtfertig mit den Befunden umgegangen wurde, um die Hypothese zu bestätigen. Ergebnis meiner Recherchen ist, dass am Ende gar nichts bewiesen wurde, die Untersuchungsergebnisse also nicht für eine solide These verwertbar sind, aber deutliche Hinweise auf Matrilokalität ignoriert wurden.</p>
<p>Dass sich lange niemand über diesen Skandal empört hatte, ist bezeichnend für unseren Wissenschaftsbetrieb, auch dafür, wie gründlich Forschungsberichte gelesen werden und wie blind den Aussagen von Experten vertraut wird. Zwei Jahre nach Veröffentlichung meiner Analyse erschien &#8211; von der Öffentlichkeit unbemerkt &#8211; im Band 34/2 der &#8222;Fundberichte aus Badenwürttemberg&#8220; (Esslingen 2014, S. 22 f), der Artikel <a class="textlink" href="https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fbbw/article/view/44490/37955" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Agentenbasierte Computersimulation als Schlüssel zur demographischen Struktur des bandkeramischen Massengrabes von Talheim.&#8220;</a> Darin stellten Joachim Wahl (Universität Tübingen), der federführend an der Talheimforschung beteiligt war, sowie der Archäologe Andreas Düring (Universität Oxford) fest:</p>
<blockquote><p>&#8222;In der Zwischenzeit wurden mehrere, z. T. auf archäometrischen Analysen basierende, auch fiktionale Versuche unternommen, um &#8222;Familien&#8220; oder andere, auf Ähnlichkeiten basierende Gruppierungen innerhalb der 34 ausgegrabenen Talheimer Lebendpopulation aufzudecken,<strong>41</strong> die sich jedoch aufgrund von Überschneidungen, unvollständigen Datensätzen oder sonstigen Unsicherheiten sämtlich als unbefriedigend erwiesen haben. Auch eine angenommene, generell höhere Ähnlichkeit aller vorgefundenen Individuen ließe sich nur mit Hilfe breiter angelegter, vergleichender, überregionaler Studien abklären.<strong>42</strong>&#8222;.</p>
[ebd. <strong>FN 41</strong> &#8222;Vgl. Wahl/König 1987 (Anm. 3). &#8211; Alt et al. 1995 (Anm. 9). &#8211; Eisenhauer 2003 (Anm. 3). &#8211; Wahl/Strien 2009 (Anm. 9) &#8211; T. D. Price/J. Wahl/R. A. Bentley, Isotopic Evidence for Mobility and Group Organization Among Neolithic Farmers at Talheim, Germany, 5000 BC. Europ. Journal Arch. 9, 2006, 259-284. Zusammengestellt in Wahl/Trautmann 2012 (Anm. 3).</p>
<p>ebd. <strong>FN 42 Vgl. G. Uhlmann, Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte (Norderstedt 2012)</strong>&#8222;]</blockquote>
<p>Der Artikel wurde auch <a class="textlink" href="https://www.academia.edu/19528481/A_massacred_village_community_Agent-based_modelling_sheds_new_light_on_the_demography_of_the_Neolithic_mass_grave_of_Talheim" target="_blank" rel="noopener">ins Englische</a> übersetzt.</p>
<p>Die von mir kritisierte Interpretation des Befundes entspringt m. E. der patriarchalischen Ideologie: Das Patriarchat soll von dem Verdacht freigesprochen werden, unnatürlich und gewalttätig zu sein, und wird stattdessen als der Motor für Kultur schlechthin aufgebaut. Die Tatsache, dass seit Abschluss der Talheimforschung besonders viele Ausstellungen zur Jungsteinzeit stattfanden, nährt den Verdacht, dass diese der schnellen Verbreitung genau dieser These dienten, denn in keinem Ausstellungskatalog fehlten mehr entsprechende Literaturhinweise und Hinweise auf die vermeintliche Patrilokalität der gesamten bandkeramischen ja sogar frühneolithischen Kultur, die uns durch ihre wunderschön dekorierten Gefäße bezaubert.</p>
<p>Weitere ABBILDUNGEN finden Sie hier:</p>
<p>Homepage der &#8218;Zentrale für Unterrichtsmedien&#8216;:<br />
<a class="textlink" href="http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/geschichte/urundfrueg/steinz/talheim/" target="_blank" rel="noopener">http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/geschichte/urundfrueg/steinz/talheim/</a></p>
<p>Homepage des &#8218;Museums im Deutschhof&#8216; Heilbronn, wo die Funde heute ausgestellt sind:<br />
<a class="textlink" href="http://www.museen-heilbronn.de/museum/sonderausstellungen/rueckblick/archaeologie/tatort_talheim/" target="_blank" rel="noopener">http://www.museen-heilbronn.de/museum/sonderausstellungen/rueckblick/archaeologie/tatort_talheim/ </a></p>
<p>Homepage der Stadt Talheim mit Abbildungen zur musealen Aufbereitung des Massakers:<br />
<a class="textlink" href="http://www.talheim.de/ceasy/modules/cms/main.php5?cPageId=46" target="_blank" rel="noopener">http://www.talheim.de/ceasy/modules/cms/main.php5?cPageId=46</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/das-massaker-von-talheim">Das Massaker von Talheim</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">4756</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Gewalt &#8211; Garant und Symptom des Patriarchats</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/gewalt-garant-und-symptom-des-patriarchats</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 May 2021 14:38:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grundlagen]]></category>
		<category><![CDATA[Interdisziplinäre Patriarchatsforschung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://blog.gabriele-uhlmann.de/?p=3998</guid>

					<description><![CDATA[<p>Erstfassung 8. Januar 2021 Das Patriarchat ist nicht das Ergebnis eines harmlosen kulturellen oder gar evolutionären Prozesses, sondern es entstand mit männlicher Gewalt. Es hat sich mit Gewalt verbreitet und...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gewalt-garant-und-symptom-des-patriarchats">Gewalt &#8211; Garant und Symptom des Patriarchats</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg01.met.vgwort.de/na/bbacc0c15128461fbf6f6777b988c372" alt="" width="1" height="1" />Erstfassung 8. Januar 2021</p>
<p>Das Patriarchat ist nicht das Ergebnis eines harmlosen kulturellen oder gar evolutionären Prozesses, sondern es entstand mit <strong>männlicher Gewalt</strong>. Es hat sich mit Gewalt verbreitet und es wird sowohl gewaltsam als auch mit rechtsstaatlichen Mitteln, den <strong>Gewalten</strong>, aufrecht erhalten.<br />
Gewalt traumatisiert. Das Patriarchat wird daher von einer kranken bzw. erkrankten Bevölkerung getragen, auch wenn die Tradition das Krankhafte unserer Lebensweise verschleiert. Die fortgesetzte Gewalt bedroht nach <a class="textlink" href="explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht.htm#misox" target="_blank" rel="noopener">8200 Jahren Patriarchat</a> die Existenz allen Lebens auf der Erde.<br />
Es erscheint mir notwendig, zunächst eine Liste der Gewalt zu schreiben, ehe ich genauer darauf eingehe.</p>
<h2>Die Gewalten aus patriarchatskritischer Sicht &#8211; Liste der Gewalt</h2>
<p>&nbsp;</p>
<ul>
<li id="staatsgewalt">Staatsgewalt (auch Staat im Staat)
<ul>
<li>Abhängige Beschäftigungsverhältnisse</li>
<li>Altersarmut</li>
<li>Arbeitslager, Galeere, Galeasse, Bagno, Arbeitserziehungslager, Umerziehungslager, Chain Gang</li>
<li>Arbeitsverbote</li>
<li>Atombombe</li>
<li>Bankwesen</li>
<li>Bespitzelung</li>
<li>Biowaffen</li>
<li>Börse</li>
<li>Bürokratie</li>
<li>Chemische Waffen; Giftgas</li>
<li>Diktatur</li>
<li>Duldung von Kinderarbeit</li>
<li>Duldung von Leiharbeit</li>
<li>Duldung von Leihmutterschaft</li>
<li>Duldung von Prostitution, Nichtbestrafung von Freiern</li>
<li>Duldung und Förderung von Verelendung (Sozialer Mord, Slums, Ghettos etc.)</li>
<li>Enteignung</li>
<li>Euthanasie</li>
<li>Finanzielle Ausblutung von Frauen, insb. Müttern</li>
<li>Folter</li>
<li>Gefängnis, Zuchthaus</li>
<li>Gemeinsames Sorgerecht: Fesselung der Mutter an den Vater</li>
<li>Gericht</li>
<li>Gerichtliche Fehlurteile</li>
<li>Gewissensprüfung</li>
<li>Grenzen, Mauern, Zäune</li>
<li>Bürgergeld, Hartz 4</li>
<li>Hierarchie</li>
<li>Inhaftierung</li>
<li>Jugendamt</li>
<li>Kaserne</li>
<li>Kinderheim</li>
<li>Kinderverschickung</li>
<li>Kohlekraftwerke</li>
<li>Kolonialismus</li>
<li>Konzentrationslager, Gulag</li>
<li>Körperstrafen (Abhacken der Gliedmaßen, Auspeitschen, Stockhiebe, Blendung etc.)</li>
<li>Kriegsführung</li>
<li>Männer in Frauenräumen</li>
<li>Männliche Sportler im Frauensport</li>
<li>Männliche Sexualstraftäter in Frauengefängnissen</li>
<li>Militärparade</li>
<li>Nachtrennungsgewalt (Post Seperation Abuse, Legal Abuse)</li>
<li>Nukleare Waffentests</li>
<li>Pass</li>
<li>Pflege sozialer Ungleichheit</li>
<li>Politik</li>
<li>Politische Gefangene</li>
<li>Pranger</li>
<li id="sub">Rechtsstaatliche Gewalten
<ul>
<li>exekutive (vollziehende) Gewalt</li>
<li>judikative (Recht sprechende) Gewalt</li>
<li>legislative (gesetzgebende) Gewalt</li>
</ul>
</li>
<li>Schandmaske</li>
<li>Soft Power</li>
<li>Sorgerechtsentzug bei Müttern</li>
<li>Sozialdarwinismus</li>
<li>Spionage</li>
<li>Staatsdoping</li>
<li>Staatliche Inobhutnahme, Kinderraub</li>
<li>Staatsmord: Vergiftung, Erschießung, Isolationshaft etc.</li>
<li>Staatsterrorismus</li>
<li>Staatssexismus</li>
<li>Staatsrassismus</li>
<li>Staatsreligion</li>
<li>Steuern</li>
<li>Todesstrafe</li>
<li>Umerziehung</li>
<li>Unterdrückung</li>
<li>Venerologische Stationen (&#8222;Tripperburgen&#8220;)</li>
<li>Verbannung</li>
<li>Verbot der Abtreibung</li>
<li>Verelendung</li>
<li>Versicherungswesen</li>
<li>Vertragswesen</li>
<li>Vertreibung</li>
<li>Völkermord</li>
<li>Wirtschaftliche Gewalt (Wirtschaft als Staat im Staat)</li>
<li>Zeitverträge (Kettenvertrag als Instrument der Ausbeutung)</li>
<li>Zensur</li>
<li>Zwangsarbeit</li>
<li>Zwangssterilisation</li>
<li>Zwangsumsiedlung</li>
<li>Zwang zur Lohnarbeit</li>
</ul>
</li>
<li id="konfessionell">Konfessionelle Gewalt
<ul>
<li>Abtreibungsverbot</li>
<li>Ächtung der Homosexualität</li>
<li>Ausschluss von Frauen</li>
<li>Beschneidung, Genitalverstümmelung</li>
<li>Bildersturm</li>
<li>Dämonisierung von Frauen</li>
<li>Diktatur des Glaubens (Dogmen)</li>
<li>Drachentöter</li>
<li>Drohung mit der Hölle nach dem Tod</li>
<li>Engel, Erzengel, Racheengel, Schutzengel</li>
<li>Exorzismus (Teufelsaustreibung)</li>
<li>Geburtstabu</li>
<li>Geißelung, Selbstgeißelung</li>
<li>Geschlechtertrennung in Sakralräumen</li>
<li>Muttergöttin/Himmelskönigin mit einem männlichen Kind auf dem Schoß (Ausschluss von Mädchen)</li>
<li>Heilige Hochzeit (Rituelle Vergewaltigung)</li>
<li>Heiligsprechung, Seligsprechung</li>
<li>Inquisition, Hexenverfolgung, Scheiterhaufen, Folter</li>
<li>Katechismus</li>
<li>Kloster</li>
<li>Körperstrafen</li>
<li>Kultwaffe</li>
<li>Menschenopfer, Tieropfer</li>
<li>Menstruationstabu</li>
<li>Ministrantenwesen</li>
<li>Missionierung</li>
<li>Mythologische Gewalt (Hölle, Muttermord, Tötung von Fabelwesen = Muttersymbol, Kindermord, Vergewaltigung als göttliches Recht, Vertreibung aus dem Paradies, etc.)</li>
<li>Nagelfetisch</li>
<li>Nikolaus (Rute; Kinder zwingen, Gedichte aufzusagen)</li>
<li>Pathologischer Dualismus</li>
<li>Postulat, dass Andersgläubige Ungläubige seien</li>
<li>Prozession (Menschen als Viehherde)</li>
<li>Prunk bei Liturgie, Bauten und Lebensführung der Priesterschaft</li>
<li>Ritualmord</li>
<li>Rituelle Entjungferung (= Vergewaltigung)</li>
<li>Schweigegebot für Frauen in der Gemeinde</li>
<li>Sekten</li>
<li>Strafinstanz Vater</li>
<li>Treuegebot</li>
<li>Überhöhung der Jungfräulichkeit</li>
<li>Unfreiwillige Taufe</li>
<li>&#8222;Unreine Frau&#8220;</li>
<li>Verbot der Abtreibung</li>
<li>Verbot außerehelichen Geschlechtsverkehrs</li>
<li>Verbot vorehelichen Geschlechtsverkehrs</li>
<li>Verschleierung der Frauen (Al-Amira, Burka, Burkini, Chimar, Chador, Hidschab, Kopftuch, Niqab etc.)</li>
<li>Zölibat</li>
<li>Zwangsverheiratung</li>
</ul>
</li>
<li id="kulturell">Kulturelle Gewalt
<ul>
<li>Ableismus</li>
<li>Ächtung der Subkultur</li>
<li>Altersarmut</li>
<li>Architektur des Größenwahns (Einschüchterung durch kolossale Bauwerke, z. B. Pyramide, Schloss, Schule, Tempel)</li>
<li>Arena</li>
<li>Ausschluss von Frauenkultur</li>
<li>Ausschluss von Frauen aus der Bildung</li>
<li>Ausschluss von Frauen aus der Wissenschaft</li>
<li>Bekenntniszwang</li>
<li>Berufliche Stressfaktoren</li>
<li>Beurteilung und Behandlung von Risiken und Krankenheiten nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten</li>
<li>Bordell</li>
<li>Brandmarkung (Vieh, Menschen über den väterlichen Nachnamen, Judenstern etc.)</li>
<li>Callcenter</li>
<li>Catcalling</li>
<li>Dark Patterns</li>
<li>Denkverbote</li>
<li>Dichtestress</li>
<li>Dienen, Bedienen (Frauen und Mädchen zum Aufräumen, Bedienen, Putzen und Waschen erziehen oder zwingen; Butler; Hauspersonal; Soldat etc.)</li>
<li>Diskriminierung</li>
<li>Drill</li>
<li>Drohung mit Kündigung</li>
<li>Duell</li>
<li>Effizienzdenken (Ignoranz der sozialen Verantwortung)</li>
<li>Ehebett</li>
<li>Ehering</li>
<li>Entfernung der Frauen aus der Öffentlichkeit</li>
<li>Entfernung der Kinder, Kranken und Alten aus der Öffentlichkeit</li>
<li>Entwurzelung</li>
<li>Epidemie und Pandemie (Verbreitung von Viren und Bakterien, Ignoranz in der Bevölkerung)</li>
<li>Erbschleicherei</li>
<li>Euphemismus</li>
<li>Fake-Wissenschaft, gefälschte Studien, Geschlechter-Bias</li>
<li>Fehlerkultur (Beurteilung, Bestrafung, Abmahnung, Fahrerflucht etc.)</li>
<li>Frauenraub, Ala Katschuu</li>
<li>Fremdbetreuung</li>
<li>Fristen</li>
<li>Gartenzäune</li>
<li>Geburt im Kreißsaal: Birth Rape</li>
<li>Geistiger Diebstahl</li>
<li>Geruchsbelästigung</li>
<li>Gewaltliteratur (alles von manchem Krimi bis zur Kampfschrift)</li>
<li>Gewaltverherrlichende und -fördernde, sexistische und rassistische Darstellungen in Bild, Film und Ton</li>
<li>Gewaltverherrlichende und -fördernde, sexistische und rassistische (Computer-)Spiele</li>
<li>Gladiatorenkämpfe</li>
<li>Gruppenzwang</li>
<li>Heischebräuche</li>
<li>Hexennacht (Nächtliche Streiche und Kleinkriminalität von Kindern und Jugendlichen)</li>
<li>hochverarbeitete Lebensmittel</li>
<li>Hundehaufen</li>
<li>Ins Wasser schubsen</li>
<li>Internat</li>
<li>Isolation der Mütter und Kinder in Ehe und Familie, als Unterdrückung unseres angeborenen Sozialverhaltens (Matrifokalität)</li>
<li>Kampfarena</li>
<li>Kampfsportarten</li>
<li>Klaasohm (Frauen traditionell an einem bestimmten Tag auf offener Straße verprügeln)</li>
<li>Kleiderzwang</li>
<li>Konfessionelle Gewalt</li>
<li>Konkurrenzkampf</li>
<li>Korsett</li>
<li>Krampuslauf (Gewalt gegen Frauen und Kinder)</li>
<li>Kündigung</li>
<li>Küssen ohne Zustimmung</li>
<li>Kurpfuscherei, überflüssige Behandlungen in der Medizin</li>
<li>Lärmbelästigung</li>
<li>Massenproduktion</li>
<li>Meinungsmache und -führerschaft, Mainstream</li>
<li>Mietnomade</li>
<li>Misogynie</li>
<li>Mobilitätszwang</li>
<li>Mode</li>
<li>Mogelpackung</li>
<li>Motorisierte Fortbewegung (Auto, Flugzeug etc.)</li>
<li>Motorsport, Sportwagen, Rennwagen</li>
<li>Optische Umweltverschmutzung, Verschandelung</li>
<li>Perchtenlauf (Gewalt gegen Frauen und Kinder)</li>
<li>Persönliche Grenzverletzung</li>
<li>Political Correctness, Gedankenpolizei</li>
<li>Polygamie</li>
<li>Pornographie</li>
<li>Psychologie und Psychiatrie (unter Umständen)</li>
<li>Rauchbelästigung</li>
<li>Religiöses Fasten</li>
<li>Schießsport</li>
<li>Schneeballschlacht, Schnee in den Kragen stopfen</li>
<li>Schönheitsideale</li>
<li>Schule (Ignorieren der biologischen Uhr der Kinder, Noten, Leistungsdruck, Prügelstrafe, Mobbing; siehe auch Anmerkung unten)</li>
<li>Sexismus</li>
<li>Sexspielzeug</li>
<li>Social freezing (Einfrieren von Eiern und Embryonen, Warten auf einen günstigen Moment für eine Schwangerschaft)</li>
<li>Sozialdarwinismus</li>
<li>Soziale Kontrolle</li>
<li>Stau</li>
<li>Streich</li>
<li>Swingerclub</li>
<li>Telefonterror</li>
<li>Termindruck</li>
<li>Tierkämpfe (Stiere, Hähne etc.)</li>
<li>Tracht (z. B. schwarze Kleidung für verheiratete Frauen, rote Kleidung für unverheiratete Frauen)</li>
<li>Transideologie</li>
<li>Transhumanismus</li>
<li>Tuning</li>
<li>Überforderung</li>
<li>Unterlassene ärztliche Hilfeleistung (auch nichtzahlende Krankenkassen)</li>
<li>Upskirting</li>
<li>Vereinswesen</li>
<li>Volksverhetzung (Aufforderung zur Gewalt, Gewaltverherrlichung)</li>
<li>Verführung (zu Kriminalität, zu Spielsucht, zu Sex etc.)</li>
<li>Vernunft und Sachlichkeit ohne Menschlichkeit</li>
<li>Verstümmelung (Genitalverstümmelung, Schädeldeformation, Lotusfuß, Halsringe, Tellerlippen, Ziernarben, Piercing, Tunnel etc.)</li>
<li>Waffe</li>
<li>Warteschleife</li>
<li>Wartezimmer</li>
<li>Wecker</li>
<li>Wiege (Fernhaltung des Traglings von der Mutter)</li>
<li>Werbung, Reklame</li>
<li>Witwenverbrennung</li>
<li>Wohnungsnot, Obdachlosigkeit, Rausschmiss</li>
<li>Zirkus (Zurschaustellung von Tieren und Menschen, best. Clownerie, Schlangenmenschen, Kuriositäten etc.)</li>
<li>Zoo</li>
<li>Zweiklassenmedizin</li>
</ul>
</li>
<li id="haeuslich">Häusliche Gewalt
<ul>
<li>Coercive control/Zwangskontrolle</li>
<li>Erziehungsgewalt: Babies schreien lassen, misshandeln; Forderung von Leistung, Gehorsam, Kinderarbeit; Bestrafung; Ideologisch (Sexismus, Misogynie, Rassismus, Standesdenken, Religion); Sexuelle Verklemmung; Einmischung/Übergriffigkeit; ärztliche Versorung unterlassen</li>
<li>Mangelernährung von Mädchen</li>
<li>Finanzielle Gewalt: Arbeitsverbote oder Arbeitszwang, alleiniger Kontrolle der Finanzen durch den Täter, also: Das Erzeugen von finanzieller Abhängigkeit. (Quelle: <a class="textlink" href="https://www.frauenrechte.de/unsere-arbeit/themen/haeusliche-und-sexualisierte-gewalt/146-was-ist-haeusliche-gewalt/404-formen-und-ausmasse-haeuslicher-gewalt" target="_blank" rel="noopener">Terre de femme</a>)</li>
<li>Mädchen den Schwimmunterricht verbieten</li>
<li>Loverboy-Methode</li>
<li>Physische Gewalt: Ohrfeigen, Faustschläge, Tritte, Stöße, Würgen, Fesseln, Angriffe mit Waffen aller Art oder mit Gegenständen, Morddrohungen und Mord. (Quelle: <a class="textlink" href="https://www.frauenrechte.de/unsere-arbeit/themen/haeusliche-und-sexualisierte-gewalt/146-was-ist-haeusliche-gewalt/404-formen-und-ausmasse-haeuslicher-gewalt" target="_blank" rel="noopener">Terre de femme</a>)</li>
<li>Psychische Gewalt: Drohungen, sich selbst, der Partnerin, den Kindern etwas anzutun. Drohen, die Kinder wegzunehmen. Beleidigungen, Demütigungen, Lächerlichmachen in der Öffentlichkeit. (Quelle: <a class="textlink" href="https://www.frauenrechte.de/unsere-arbeit/themen/haeusliche-und-sexualisierte-gewalt/146-was-ist-haeusliche-gewalt/404-formen-und-ausmasse-haeuslicher-gewalt" target="_blank" rel="noopener">Terre de femme</a>)</li>
<li>Pick-up-Artist</li>
<li>Putzen und Waschen (bei Chemie im Haushalt, Stromverbrauch, Schädlingsbekämpfung)</li>
<li>Sexuelle Gewalt: Nötigung, Vergewaltigung oder Zwangsprostitution. (Quelle: <a class="textlink" href="https://www.frauenrechte.de/unsere-arbeit/themen/haeusliche-und-sexualisierte-gewalt/146-was-ist-haeusliche-gewalt/404-formen-und-ausmasse-haeuslicher-gewalt" target="_blank" rel="noopener">Terre de femme</a>)</li>
<li>Soziale Gewalt: Die Isolation des Opfers von Familie und Freundeskreis, die Kontrolle der Kontakte, Verbot von Kontakten, Einsperren. (Quelle: <a class="textlink" href="https://www.frauenrechte.de/unsere-arbeit/themen/haeusliche-und-sexualisierte-gewalt/146-was-ist-haeusliche-gewalt/404-formen-und-ausmasse-haeuslicher-gewalt" target="_blank" rel="noopener">Terre de femme</a>)</li>
<li>Tierhaltung, Nutztier</li>
<li>Vaterrechtliche Gewalt: Besitzdenken an Mutter und Kind, Umbenennung der Ehefrau und Mutter mit dem Nachnamen des Vaters (Patrilinearität), Kinder tragen den Nachnamen des Vaters (Patrilinearität), Bestimmung des Wohnortes von Mutter und Kind (Patrilokalität), Bestimmung über alle Belange der Mitglieder der Familie (Haushaltsvorstand Familienvater), Zwang zur Abtreibung, Kindstötung (z.B. im römischen Recht), Witwenverbrennung, Zwangsverheiratung (auch von Kleinkindern), Nachtrennungsgewalt (Post Seperation Abuse, Legal Abuse)</li>
</ul>
</li>
<li id="kriminell">Kriminelle Gewalt
<ul>
<li>Anstiftung zum Mord</li>
<li>Anstiftung zum Selbstmord</li>
<li>Abhacken der Gliedmaßen</li>
<li>Abziehen</li>
<li>Betrug (Trickbetrug, Heiratsschwindel etc.)</li>
<li>Bigamie</li>
<li>Blendung</li>
<li>Diebstahl</li>
<li>Einschüchterung</li>
<li>Einem verletzten Menschen nicht helfen</li>
<li>Entführung</li>
<li>Erpressung</li>
<li>Freiheitsberaubung</li>
<li>Folter</li>
<li>Geiselnahme</li>
<li>Grooming</li>
<li>Hochstapelei</li>
<li>Kindesmissbrauch</li>
<li>K.-o.-Tropfen, chemische Unterwerfung</li>
<li>Körperverletzung</li>
<li>Korruption</li>
<li>Kredithai</li>
<li>Leihmutterschaft</li>
<li>Lynchjustiz</li>
<li>Menschenhandel</li>
<li>Menschenraub</li>
<li>Nötigung</li>
<li>Missbrauch</li>
<li>Misshandlung</li>
<li>Mediale Gewalt (Hatestorms, Hasstexte, Cybermobbing)</li>
<li>Mord (Femizid, Gynozid, Ehrenmord, Kindermord, Rachemord, Blutrache, erpresserischer Mord, Raubmord, Auftragsmord, politischer Mord, Milieumord, Genozid etc.)</li>
<li>Nötigung zur Abtreibung</li>
<li>Organdiebstahl</li>
<li>Organisiertes Verbrechen</li>
<li>Piraterie</li>
<li>Pogrom</li>
<li>Raubüberfall</li>
<li>Stalking</li>
<li>Terrorismus</li>
<li>Totschlag</li>
<li>Überfall</li>
<li>Üble Nachrede</li>
<li>Vergewaltigung</li>
<li>Versklavung</li>
<li>Vorenthaltung von Eigentum</li>
<li>Waffengewalt</li>
<li>Zwang zur Prostitution</li>
</ul>
</li>
<li id="selbst">Gewalt gegen sich selbst
<ul>
<li>Abtreibung (Siehe Anmerkung unten!)</li>
<li>Akrobatik</li>
<li>Alkoholismus</li>
<li>Askese</li>
<li>Aufputschmittel (auch Kaffee, Tee, Koffeindrinks)</li>
<li>Bulimie</li>
<li>Doping</li>
<li>Drogen</li>
<li>Extremsport</li>
<li>Fahrerflucht</li>
<li>Bestimmte Fahrgeschäfte auf dem Jahrmarkt</li>
<li>Fakir</li>
<li>Fremdbetreuung (Schlechtes Gewissen, Überforderung etc.)</li>
<li>Geschlechts&#8220;umwandlung&#8220;, Selbstkastration</li>
<li>Gewollte Obdachlosigkeit</li>
<li>Gruppensex</li>
<li>High Heels, Plateauschuhe, Pumps etc.</li>
<li>Komisches Gefühl unterdrücken</li>
<li>Leihmutterschaft</li>
<li>Leistungssport</li>
<li>Lossagung von Verwandten, Kontaktabbruch</li>
<li>Magersucht</li>
<li>Mangelnde oder übertriebene Körperpflege</li>
<li>Masochismus</li>
<li>Negative Gedankenschleifen</li>
<li>Piercing, Ohrlöcher</li>
<li>Pille, Spirale, Sterilisation etc. (siehe Anmerkung unten!)</li>
<li>Poledance, Gogo-Dance</li>
<li>Prostitution</li>
<li>Rauchen</li>
<li>Religion</li>
<li>Schönheitsoperationen</li>
<li>Selbstgeißelung</li>
<li>Selbstmord</li>
<li>Selbstvermarktung</li>
<li>Selbstverletzung</li>
<li>Sexspiele</li>
<li>Sich nicht aus Gewaltbeziehungen lösen</li>
<li>Sich ritzen</li>
<li>Sich zum Sex mit dem Partner zwingen (Glaube an das Recht des Partners auf Sex)</li>
<li>Social freezing</li>
<li>Sterilisation</li>
<li>Sucht</li>
<li>Tantra, Kamasutra etc. als Therapie von sexueller Unlust</li>
<li>Tätowierung</li>
<li>Typisch weibliche Schuldgefühle und bestimmte andere Schuldgefühle</li>
<li>Ungesunde Lebensführung (Stress, Übergewicht, Bewegungsmangel)</li>
<li>Warten auf den Richtigen für eine Schwangerschaft</li>
<li>Verdrängung statt Selbstreflexion</li>
<li>Verinnerlichter gesellschaftlicher Druck (Traumatisierung, Depression, Burnout)</li>
<li>Verwahrlosung</li>
<li>Verzicht auf Kinder dem Mann zuliebe</li>
<li>Viagra</li>
<li>Warten auf den &#8222;Richtigen&#8220;</li>
<li>Wunschkaiserschnitt (Gewalt auch gegen das Kind)</li>
<li>Zwangsneurose</li>
</ul>
</li>
<li id="krankhaft">Krankhafte Gewalt
<ul>
<li>Alpine Divorce</li>
<li>Angewandter Zynismus</li>
<li>Behinderung oder Beschimpfung von Unfallhelfern</li>
<li>Drogenkriminalität</li>
<li>Drängler</li>
<li>Exhibitionismus</li>
<li>Fetish-Mining (<a href="https://threadreaderapp-com.translate.goog/thread/1917738280738582937.html?_x_tr_sl=auto&amp;_x_tr_tl=de&amp;_x_tr_hl=de&amp;_x_tr_pto=wapp" target="_blank" rel="noopener">➜</a>)</li>
<li>Fotografieren weiblicher Unfallopfer und Kommentare zu deren Unterwäsche</li>
<li>Frotteurismus</li>
<li>Gaffen</li>
<li>Gaslighting</li>
<li>Gegenstände von Brücken werfen</li>
<li>Grooming</li>
<li>Jähzorn (Bedrohung; Hasstirade; Menschen auf den Leib rücken; mit Sachen, Lebensmitteln oder Fäkalien werfen; Standpauke etc.)</li>
<li>Kleptomanie</li>
<li>Liebesentzug</li>
<li>Lovebombing</li>
<li>Machiavellismus</li>
<li>Masochismus</li>
<li>Narzissmus (Grandioser Narzissmus, Vulnerabler Narzissmus)</li>
<li>Nekrophilie (Penetration von Toten)</li>
<li>Opferbashing</li>
<li>Päderastie</li>
<li>Passive Aggression</li>
<li>Prügel, Prügelei</li>
<li>Psychopathie</li>
<li>Rituelle Gewalt</li>
<li>Sadismus</li>
<li>Sadomasochismus</li>
<li>Shibari</li>
<li>Spielsucht-Kriminalität</li>
<li>Stealthing</li>
<li>Tiere (z. B. Insekten) in Räumen aussetzen, um Veranstaltungen zu stören oder um zu ärgern.</li>
<li>Triell, Schrödingers Katze (und ähnliche mathematische und physikalische Rätsel)</li>
<li>Verwahrlosung der Kinder und anderer schutzbedürftiger Angehöriger</li>
<li>Zerstörungswut</li>
<li>Zoophilie</li>
</ul>
</li>
<li id="sprache">Gewalt durch Sprache und versteckte Gewalt
<ul>
<li>Abschreckung</li>
<li>Angeben, hochstapeln</li>
<li>Anschreien</li>
<li>Anschweigen</li>
<li>Auslachen</li>
<li>Bedrohung</li>
<li>Belästigung</li>
<li>Beleidigung</li>
<li>Catcalling</li>
<li>(Cry) Bullying</li>
<li>Clickbaiting</li>
<li>Coercive control</li>
<li>Demütigung</li>
<li>Derailing</li>
<li>Doxing</li>
<li>Emotionale Erpressung</li>
<li>Erniedrigen</li>
<li>Fishing for empathy</li>
<li>Gaslighting, jdn. für verrückt erklären</li>
<li>Geheimnis</li>
<li>Generisches Maskulinum</li>
<li>Gerücht</li>
<li>Gewaltandrohung</li>
<li>Hassrede</li>
<li>Im Stich lassen</li>
<li>Ins Wort fallen, nicht ausreden lassen</li>
<li>Ironie</li>
<li>Jemanden erschrecken</li>
<li>Jemanden gegen seinen/ihren Willen fotografieren</li>
<li>Jemanden zum Spaß untertauchen</li>
<li>Klatsch</li>
<li>Komplott, Intrige</li>
<li>Kriegslist (Trojanisches Pferd, Instrumentalisierung, Drücken auf die Tränendrüse)</li>
<li>Lügen</li>
<li>Manipulation</li>
<li>Mansplaining</li>
<li>Manspreading</li>
<li>Mythenschreibung (angeblich: <a href="https://www.sueddeutsche.de/kultur/sexualisierte-gewalt-der-mythos-der-falschen-beschuldigung-1.4166540" target="_blank" rel="noopener">Falschbeschuldigung bei sexueller Gewalt</a>, <a href="https://pub.uni-bielefeld.de/download/2528940/2653746/Kritische_Anmerkungen_zur_Gendersymmetrie_bei_Gewalt_in_Paarbeziehungen.pdf" target="_blank" rel="noopener">Symmetrie der Geschlechter bei häuslicher Gewalt</a>, <a href="https://www.welt.de/icon/partnerschaft/article233149667/Spiegel-Cover-ueber-dominante-Muetter-Reisst-Euch-mal-zusammen-Vaeter.html" target="_blank" rel="noopener"><em>Maternal Gatekeeping</em></a>, <a href="https://muetterimfamiliengericht.wordpress.com/2016/03/21/eine-mutter-zum-thema-bindungsintoleranz/" target="_blank" rel="noopener">Bindungsintoleranz</a>, <a href="https://www.kinder-verstehen.de/aktuelles/zu-enge-bindung-eine-neue-straftat/" target="_blank" rel="noopener">symbiotische Mutter-Kind-Beziehung</a>, <a href="https://die-mias.de/blog/2019/12/06/entfremdung-parental-alienation-die-pas-luege-rennt-weiter/" target="_blank" rel="noopener">Entfremdungssyndrom (PAS)</a>, <a href="https://www.chapau.online/static/Die_Toetung_des_Intimpartners.pdf" target="_blank" rel="noopener">Heimtücke statt Notwehr</a> etc.)</li>
<li>Propaganda</li>
<li>Rhetorik</li>
<li>Sabotage</li>
<li>Sarkasmus</li>
<li>Schubladen-Denken (Abstempeln, Denkweisen und Verhalten etikettieren, z.B. &#8222;Helikopter-Eltern&#8220;, &#8222;TERF&#8220;, &#8222;You lost me at&#8230;&#8220;)</li>
<li>Shitstorm, Hatestorm</li>
<li>Silencing, Redeverbot, Schweigegebot</li>
<li>Slutshaming</li>
<li>Stammtischgerede</li>
<li>bestimmte Texte jeden Genres</li>
<li>Täter-Opfer-Umkehr, Schuldumkehr</li>
<li>Tone-Policing</li>
<li>Totschlagargument</li>
<li>Üble Nachrede</li>
<li>Unterlassene Hilfeleistung</li>
<li>Verdrehung</li>
<li>Verfluchung</li>
<li>Verharmlosen</li>
<li>Verleugnung</li>
<li>Verleumdung</li>
<li>Wahrheitsrelativismus</li>
<li>Zynismus</li>
</ul>
</li>
<li id="natur">Gewalt gegen die Natur
<ul>
<li>Abraumhalde</li>
<li>Abwasser</li>
<li>Aquarium</li>
<li>Arbeitstier, Lasttier</li>
<li>Atomkraft</li>
<li>Aussetzen von Pflanzen und Tieren in andere Ökosysteme (Invasive Arten)</li>
<li>Baumfrevel, Brandrodung, Flächenrodung, Forstwirtschaft u.a.</li>
<li>Beton</li>
<li>Bergbau, Bergwerk, Tagebau, Goldmine etc.</li>
<li>Bonsai und andere Pflanzenschnitte</li>
<li>Brunnenbau</li>
<li>Chemische Erzeugnisse</li>
<li>Dressur</li>
<li>Dynamitfischerei</li>
<li>Erziehung</li>
<li>Empfängnisverhütung (siehe Anmerkung unten!)</li>
<li>Fabrik</li>
<li>Feuerwerk</li>
<li>Fracking</li>
<li>Freilaufende Katzen und Hunde</li>
<li>Fuel dumping</li>
<li>Gentechnik</li>
<li>Gipfelkreuz</li>
<li>Golfplatz</li>
<li>Haustier</li>
<li>Jägerei</li>
<li>Käfig, Käfighaltung</li>
<li>Kanalsierung</li>
<li>Kapitalistische Wirtschaft</li>
<li>Kastenstand</li>
<li>Kohlekraftwerk</li>
<li>Kontaktieren unkontaktierter Völker</li>
<li>&#8222;Künstliche Gebärmutter&#8220;: Gebär-Roboter (siehe auch <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/petition-gegen-die-sog-kuenstliche-gebaermutter" target="_blank" rel="noopener">Petition dagegen</a>))</li>
<li>Kunstdünger</li>
<li>Kunststoff (Plastik, Lacke etc.)</li>
<li>Laubsauger, Laubblaser</li>
<li>Lärm</li>
<li>Leihmutterschaft</li>
<li>Lichtsmog (nächtliche elektrische Beleuchtung, Gartenbeleuchtung)</li>
<li>Mähroboter</li>
<li>Massentierhaltung</li>
<li>Metallurgie</li>
<li>Motorsport</li>
<li>Müllberg</li>
<li>Peitsche</li>
<li>Pestizide</li>
<li>Pipeline</li>
<li>Piste</li>
<li>Pflug und Landmaschinen</li>
<li>Plantage</li>
<li>Pornographie</li>
<li>Privatisierung (Lat. <i>privare</i> = rauben) von Land und Ressourcen</li>
<li>Prostitution</li>
<li>Rasen</li>
<li>Raumfahrt</li>
<li>Reproduktionsmedizin</li>
<li>Safari</li>
<li>Satellit</li>
<li>Schallmauer durchbrechen</li>
<li>Schleppnetz</li>
<li>Schneekanone, Snowfarming</li>
<li>Schornstein</li>
<li>Selektive Abtreibung (Gynozid)</li>
<li>Sexuelle Gewalt</li>
<li>Spaltboden</li>
<li>Sportangeln</li>
<li>Spraydose</li>
<li>Sprengung</li>
<li>Strahlung (künstlich freigesetzte Radioaktivität, bestimmte Wellen)</li>
<li>Stromtrassen</li>
<li>Talsperre</li>
<li>Technokratie</li>
<li>Thunfischfang</li>
<li>Tiefbohrungen</li>
<li>Tier-, Pflanzen-, und Menschenzucht</li>
<li>Tiersport</li>
<li>Tierquälerei</li>
<li>Torfabbau</li>
<li>Trockenlegung</li>
<li>Überbevölkerung</li>
<li>Überfischung</li>
<li>Umleitung von Gewässern, Verrohrung</li>
<li>Umweltvergiftung</li>
<li>Umweltverschmutzung</li>
<li>Unterdrückung der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="blank" rel="noopener"><i>female choice</i></a></li>
<li>Unterdrückung der Homosexualität</li>
<li>&#8222;Verkipptechnik&#8220;, &#8222;Verkehrssicherung&#8220; u.a. Euphemismen, die die Schädigung der Natur rechtfertigen sollen</li>
<li>Verklappung</li>
<li>Vermüllung</li>
<li>Versiegelung (Asphalt, Solaranlage, Gewächshauswüste, Schottergarten etc.)</li>
<li>Walfang</li>
<li>Wasserkraft</li>
<li>Weltraumschrott</li>
<li>Wettermanipulation</li>
<li>Windkraftanlagen</li>
<li>Verschwendung von Nahrung</li>
<li>Zersiedelung</li>
</ul>
</li>
<li id="sachen">Gewalt gegen Sachen
<ul>
<li>Bildersturm, Sprengung von Kulturgütern</li>
<li>Brandstiftung</li>
<li>Bücherverbrennung</li>
<li>Diebstahl, Raub</li>
<li>Grabschändung</li>
<li>Krieg</li>
<li>Mutwillige Beschädigung</li>
<li>Mutwillige Zerstörung</li>
<li>Wilde Graffiti</li>
<li>Wilde Plakatierung</li>
<li>Produktpiraterie</li>
<li>Verschmutzung</li>
<li>Verschwendung von Ressourcen</li>
</ul>
</li>
</ul>
<h2 id="ueber">Über diese Liste</h2>
<p>Keine Liste der Gewalt kann einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, da immer wieder neue Gewaltformen entstehen und Gewalt oft nicht als solche erkannt oder erinnert wird. Obige Liste beschränkt sich dabei weder auf Europa noch auf einen zeitlichen Rahmen.</p>
<p>Es gibt Überschneidungen innerhalb und außerhalb einer Kategorie von Gewalt, besonders bei der <strong>väterlichen Gewalt</strong>, die mit allen Formen der Gewalt Ausdruck findet, und z.B. bei der krankhaften Gewalt, denn das Patriarchat und seine Gewalten machen krank. Gleiches gilt für die <strong>wirtschaftliche Gewalt</strong>, der ich keinen gesonderten Punkt zugesprochen habe, weil sie als elementarer Bestandteil der väterlichen Gewalt das Leben der Menschen vollkommen penetriert und zudem vaterstaatlicher Leitung unterliegt und sich ihr zugleich entzieht.</p>
<p>Ein Sonderfall ist die <strong>Abtreibung</strong>, die einerseits ein Naturrecht der Frau (<a class="textlink" href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener"><i>female choice</i></a>), andererseits Folge der Nötigung durch die Gesellschaft ist. Gleichzeitig wird sie von Staat und Kirche abgelehnt und sanktioniert, weil sie das Vaterrecht unterläuft. Die <strong>Empfängnisverhütung</strong> ist Fluch und Segen zugleich. Sie hat bereits die Bevölkerungsexplosion in den Industriestaaten gestoppt, geht aber meistens einseitig zu Lasten der Gesundheit der Frau. Milliarden Frauen können oder dürfen sich nur noch ein Kind erlauben. Dies ist Gewalt gegen die menschliche Natur, wie auch die <strong>selektive Abtreibung</strong> als vorgeburtlicher <strong>Gynozid</strong>, und zusätzlich, weil es zu unserem angeborenen Sozialverhalten dazu gehört, dass Schwestern miteinander kooperieren und Brüder Schwestern haben, auch, wenn nötigenfalls Cousinen und Cousins der mütterlichen Linie einen gewissen Ausgleich schaffen.<br />
Das ungeborene Leben als philosophisch-ethische Größe erschwert eine objektive Betrachtung. Die Symbiose von Mutter und Kind bis weit nach der Geburt lässt eine klare Trennung beider Leben nicht herstellen.<br />
<strong>Manche Gewalt ist notwendig geworden, um andere Gewalt zu verhindern oder Folgen von Gewalt zu lindern.</strong></p>
<p>Bestimmte Zwänge waren einmal gut gemeint, sind aber dem Wesen nach Gewalt, wie der <strong>Schulzwang</strong>. Er war eine Verbesserung zu anderen Missständen, geriet aber unter schulmeisterlicher Ägide sofort zur Quälerei, und schuf damit neue Probleme.</p>
<p>Auch manche menschliche Gefühle wie <strong>Aggression</strong>, <strong>Neid</strong> und <strong>Eifersucht</strong> können Gewalt antun oder dem Selbstschutz oder der Notwehr dienen.<br />
Daher habe ich sie nicht in die Liste aufgenommen. Sie werden jedoch vom Patriarchat erst getriggert und dann instrumentalisiert, auch wenn sie geächtet werden.<br />
Die <strong>Lüge</strong> ist zwar eine Fähigkeit, die auch in der Natur vorkommt, jedoch vor allem unter den Bedingungen der Bedrohung und Knappheit in einem degenerierten Sozialverband.</p>
<p>Ich habe das <strong>Opfer-Bashing</strong> der krankhaften Gewalt zugeordnet, weil es zur narzisstischen Manipulation gehört. Die Vorwürfe der Weinerlichkeit, des Selbstmitleides, der Schuldzuweisung an andere (Gegenvorwurf des Bashing!), der Verantwortungslosigkeit, der Unreflektiertheit, der Selbstgerechtigkeit, des Neides oder der Bequemlichkeit in der Opferrolle sind Abwertungen wie Narzissten sie üblicherweise vornehmen, um vom eigenen gewalttätigen Verhalten abzulenken. Bizarr und besonders unsolidarisch wird es, wenn Feministinnen, EsoterikerInnen oder VaterrechtlerInnen andere Frauen auffordern, aus der Opferrolle herauszukommen. Es ist dazu festzustellen, dass Opfersein keine Rolle ist, sondern ein <a class="textlink" href="https://suedelbien.wordpress.com/2017/09/16/existenz-bewusstsein-und-wahrheit/" target="_blank" rel="noopener">Status</a>. Frauen waren die ersten Opfer des Patriarchats und sind es bis heute. Mit dem Opfer-Bashing sollen Opfer zum Schweigen gebracht werden, denn die Sichtbarkeit und Hörbarkeit von Leid könnte zu Maßnahmen gegen das Patriarchat führen. Ein Opfer-Basher verfährt nach dem Motto: &#8222;Angriff ist die beste Verteidigung&#8220;. Dazu gehört natürlich auch die Verunglimpfung des Feminismus als Verschwörungstheorie und feministischer Forderungen als Volksverhetzung. Diese <strong>Täter-Opfer-Umkehr</strong> ist nur eine von vielen, und das Patriarchat ist ein <a class="textlink" href="explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht.htm#misox" target="_blank" rel="noopener">8200 Jahre</a> andauernder, wenn auch inzwischen vielmals unbewusster Komplott gegen Frauen, und Hass und Hetze gegen die Schwächeren sind im Patriarchat an der Tagesordnung.</p>
<p>Die <strong>Gewalt gegen sich selbst</strong> geschieht, auch wenn es nicht so aussehen mag, immer unfreiwillig unter dem Druck der anderen Gewalten, von denen ebenfalls alle unter dem Druck der einen Urgewalt entstehen, der <strong>väterlichen Gewalt</strong>, des Patriarchats. Manchmal sieht sie so aus, als würde sie Spaß machen, manchmal macht sie sogar Spaß, wie ein Fahrgeschäft auf dem Jahrmarkt, ist jedoch riskant und nie folgenlos.</p>
<p>Es vergeht kein Tag ohne Gewalt, und alle patriarchalen Menschen erleben jeden Tag Gewalt, die aber meist als solche kaum wahrgenommen wird, weil sie Alltag und Tradition ist. Das Leid gehört angeblich zum täglichen Leben dazu, weil der Mensch nun einmal leidensfähig ist. Aber nur die patriarchale Kultur baut auf Gewalt gegen das natürliche Leben und der Ausbeutung der Natur. Beides ist nicht Teil unseres angeborenen Wesens, daher werden wir krank wie die Tiere in Zoo, Wohnung und moderner Landwirtschaft.<br />
Gewalt kommt innerhalb einer gesunden Population sozialer Lebewesen nicht vor. Die sog. <a class="textlink" href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/12/das-wachtelexperiment-oder-der-mythos-von-der-hackordnung/" target="_blank" rel="noopener">Hackordnung ist ein Mythos</a>. Gerne wird auch das Beispiel der Löwen angeführt, wenn ein Löwenmännchen die Kinder einer fremden Löwin tötet, um sich mit ihr zu paaren und sie dies auch mitmacht. In einer von Menschen unbeeinflussten Natur kommt dieser Fall nur selten vor. Löwinnen leben mit ihren Schwestern in einem Rudel, ziehen ihre Kinder gemeinsam auf und können gemeinsam ihre Kinder schützen. Eine sozusagen alleinerziehende Löwenmutter hat immer Schlimmes erlebt: Menschen haben ihre Angehörigen erschossen. Wir dürfen bei solchen Bildern nicht vergessen, dass auch die Psyche der Tiere vom Patriarchat schwer geschädigt wird.</p>
<p>Gemeint ist auch nicht die &#8222;Gewalt&#8220;, die ein Raubtier gegen seine Beute oder ein Pflanzenfresser gegen Pflanzen ausübt. Dies ist ein evolutionär notwendiger Vorgang, der die Populationsgrößen reguliert, und daher hier nicht als Gewalt gewertet wird. Ein gesundes Tier entnimmt nur soviel aus dem Ökosystem, dass die eigene Existenz nicht gefährdet wird. Nicht so der patriarchale Mensch.</p>
<h2 id="familie">Die männliche Gewalt erschafft die Familie &#8211; das Private ist das Politische</h2>
<p>Isolierung ist die Höchststrafe für ein soziales Lebewesen, weil sie in den Tod führt. Die Isolation aus dem matrilinearen Sozialverband von <i>Homo Sapiens</i>, also der mütterlichen Sippe, wird im Patriarchat in der Institution der Familie, dem väterlichem Machtraum, antrainiert.<br />
D.h. Menschen haben aufgrund der Erziehung längst von klein auf eine Ahnung von Abtrennung und Abhängigkeit von einer Machtperson. Die Kompensation der begleitenden unbewussten Todesangst einer ganzen Bevölkerung nennt die Patriarchatsforschung das Kollektive Stockholm-Syndrom (nach Stephanie Gogolin).<br />
Die fortwährende Traumatisierung durch die Isolierung, also <strong>Entführung</strong>, aus dem mütterlichen Habitat führt zur universellen Erkrankung der Menschheit, die sich schlimmstenfalls in Krieg, getragen von Machtstreben, Gier und Verfolgungswahn, äußert. Die Behauptung, dass Gewalt und Krieg schon immer da gewesen seien, ist falsch und zeugt von weitgehender Unkenntnis über die Ur- und Frühgeschichte sowie die Anthropologie.<br />
<a class="textlink" href="https://www.shz.de/lokales/wedel-schulauer-tageblatt/dagmar-margotsdotter-spricht-im-interview-ueber-ihr-neues-buch-und-die-patriarchale-welt-id14997291.html" target="_blank" rel="noopener"><br />
Dagmar Margotsdotter</a> hat die patriarchale Krankheit treffend &#8222;Patriarchose&#8220; genannt. Stephanie Gogolin stellt zudem die These auf, dass der Oxytocinmangel der Menschen, insbesondere aber der Männer, ausgelöst durch die Selbstisolation von kleinen Kindern, zu Aggressivität führt und das Patriarchat seit jeher zusätzlich befeuert hat.</p>
<p>Es gelingt dem Patriarchat immer wieder &#8211; besonders durch Not, Mangel und Knappheit unter den Müttern &#8211; <strong>Nötigung</strong> -, matrifokale Eigenschaften zu instrumentalisieren. Die moderne Forderung nach dem Neuen Mann, resp. Neuen Vater instrumentalisiert <strong>unter anderem</strong> die Erkenntnis, dass tatsächlich durch Oxytocin eine höhere Bindung erreicht wird.<br />
Die Kehrseite der Medaille ist, dass dadurch das Patriarchat weiter festgezurrt wird, in eine nächste Stufe übergeht. Warum ist das so? Die Neue Vaterschaft verstärkt die Bindung der Kinder an den Vater, der damit einen Machtfaktor zugewinnt, den er in der Geschichte des Patriarchats seither nie hatte. Die (eheliche, sexuelle) Bindung zur Mutter wird nicht dadurch erhöht, dass der Vater sich um ihre Kinder kümmert. Schon die Ernährerrolle, die dem Vater der Steinzeit angedichtet wird, ist rein patriarchal bedingt und trägt nicht zu mehr innerer Bindung bei, sondern lediglich zu wirtschaftlicher Abhängigkeit.<br />
Auch die sog. &#8222;soziale Funktion von Sex&#8220; ist ein rein patriarchaler Komplex. Tatsächlich &#8211; aus dem matrifokalen Blickwinkel &#8211; macht er sich als Neuer Vater quasi zum Bruder &#8211; der unter Matrifokalität die männliche Bezugsperson der Kinder seiner Schwestern und auch ihr <strong>Mit</strong>ernährer wäre -, und wird gewissermaßen von der Mutter adoptiert, büßt damit aber an sexueller Attraktivität ein.<br />
Die eigenartige Kindlichkeit mit all ihren Konsequenzen für die Arbeitslast der Frau, die Männer in der Ehe an den Tag legen, hat hier ihre Wurzeln. Die <i>female choice</i> aller Frauen spielt dann eine entscheidende Rolle. Der Vater findet bei der Mutter keine sexuelle Befriedigung mehr, weil sie sich ihm nicht mehr erotisch nähern kann. Dies ist wohl die häufigste Quelle häuslicher Gewalt durch Männer. Die Mutter wird sich auch in andere Männer verlieben. Will sie sich daher oder wegen Überdruss oder Gewalt trennen, kommt es zum Kampf um die Kinder. Denn der verkindlichte Mann verliert nicht nur seine Ersatzmutter, sondern auch seine Spielkameraden, letztlich die Menschen, die ihm ein Heim bieten und ihn im Alter versorgen können, so hofft er jedenfalls.<br />
Vor Gericht spielt er nun häufig eine ideologische Karte aus, er wirft ihr &#8222;Gatekeeping&#8220; vor, wenn sie sich unbewusst dagegen verwahrt hatte, dass er in der Familie eine noch mächtigere Position einnimmt. Dieses Kriegsvokabular (Torhüten) zeigt bereits den aggressiven Eroberungscharakter des zum Vaterrechtler entpuppten Neuen Vaters, soll aber in Täter-Opfer-Umkehr die Mutter diskreditieren. Das von Vaterrechtlern erfundene Syndrom der &#8222;Entfremdung des Kindes vom Vater&#8220; (auch &#8222;PAS&#8220;) ist keine Krankheit des Kindes, sondern beschreibt das Gefühl des entmachteten Vaters, dessen Vorväter seit 8200 Jahren daran gearbeitet hatten, ihr Entführungsverbrechen in eine &#8222;Vergewohltätigung&#8220; umzudeuten, und der nun sieht, wie die Mutter richtig stellt, was schon seit 8200 Jahren richtig zu stellen gewesen wäre. Eine Entfremdung kann es gar nicht geben, denn der Vater ist seit seiner Inthronisation ein Fremder geblieben. In der Scheidung tritt diese Wahrheit wieder ans Licht.<br />
Die Familie ist in der modernen <i>Risikogesellschaft</i> (nach Ulrich Beck) in Auflösung begriffen. Die Wirtschaft hat die Gefahr der Globalisierung mit ihrer <strong>Mobilität</strong> und Vollbeschäftigung, ihre zerstörerische Wirkung für die Familie übersehen. Die versuchte Renaissance der Familie durch Politik und Interessengruppen spielt auf fatale Weise mit dem matrifokalen Bedürfnis nach Bindung in einem Sozialverband, die auch Männer so dringend brauchen, leistet ihnen damit aber einen Bärendienst und nimmt Mütter in <strong>Geiselhaft</strong>.<br />
Familie ist mit der Matrifokalität nicht kompatibel. Matrifokalität lässt sich weder wegzüchten, noch umerziehen, noch verbieten, allenfalls eine Zeit lang leugnen.</p>
<p>Mit der Entdeckung des Kollektiven Stockholm-Syndroms wird verständlich, warum immer wieder auch Frauen, wenn auch deutlich seltener, gewalttätig werden. Gemeint ist damit die gesamte oben aufgeführte Liste, bishin zur glühenden Verteidigung der Ehe und Familie. Die Kooperation mit dem Patriarchat ist Gewalt des Opfers, Notwehr, die in Fällen oben aufgeführter Gewalt angezeigt wäre, aber so vollkommen absurd wird. Im Großen und Ganzen ist weibliche Gewalt jedoch eher gegen sich selbst gerichtet, aus Ohnmacht, und weil Frauen im Patriarchat einen Selbsthass anerzogen bekommen.</p>
<p><strong>Jede Gewalt hat strukturelle Ursachen</strong>,<br />
die auf die gewaltsame Zerstörung des natürlichen, matrifokalen Sozialverbandes von <i>Homo sapiens</i>, der <a class="textlink" href="https://www.gabriele-uhlmann.de/matrifokal.htm">MATRIFOKALITÄT</a>, zurückgehen, und die all die Risiken des Konstruktes &#8222;Vater&#8220; aufrecht erhalten, wie in der Liste oben verzeichnet. Es ist eine bedrückende Tatsache, dass es dem patriarchalen Menschen unmöglich gemacht worden ist, zu leben ohne jeden Tag Gewalt auszuüben oder diese über sich ergehen zu lassen. Im Patriarchat sind fast alle mehr oder weniger Opfer und Täter zugleich. Auch Kinder können äußerst gewalttätig werden, nur die kleinsten Kinder können nichts dafür.</p>
<h3 id="literatur">Weiterführender Lesestoff (Auswahl)</h3>
<p>Zum Kollektiven Stockholm-Syndrom:</p>
<p>&#8211; <a class="textlink" href="https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html" target="_blank" rel="noopener">Peer-reviewte Studie aus HUMAN NATURE</a>,</p>
<p>&#8211; <a class="textlink" href="https://www.researchgate.net/publication/267777559_Fitness_Costs_of_Warfare_for_Women" target="_blank" rel="noopener">Original-Studie von Michelle Scalise Sugiyama zum Download</a>,</p>
<p>&#8211; <a class="textlink" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Begriff bei Wikipedia</a>,</p>
<p>&#8211; <a class="textlink" href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 1 (Stephanie Gogolin)</a>,</p>
<p>&#8211; <a class="textlink" href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/10/13/das-patriarchale-stockholm-syndrom-teil-ii/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 2 (Stephanie Gogolin)</a>,</p>
<p>&#8211; <a class="textlink" href="https://marthastochter.wordpress.com/2020/01/18/das-patriarchale-stockholm-syndrom-teil-iii/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 3 (Stephanie Gogolin)</a>,</p>
<p>&#8211; <a class="textlink" href="https://marthastochter.wordpress.com/2020/11/07/oxytocinmangel-ein-beschleuniger-des-patriarchats/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Oxytocinmangel &#8211; ein Beschleuniger des Patriarchats (Stephanie Gogolin)</a></p>
<p>Rassismus:</p>
<p>&#8211; <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung">Gibt es menschliche Rassen? Von Zeugung, Erziehung, Zucht und Züchtigung</a></p>
<p>Soziologie:</p>
<p>&#8211; Arendt, Hannah: Die Freiheit, frei zu sein. München 2018</p>
<p>&#8211; Beck, Ulrich: Risikogesellschaft &#8211; Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt a. M. 1986</p>
<p>&#8211; Tazi-Preve, Mariam Irene: Das Versagen der Kleinfamilie &#8211; Kapitalismus, Liebe und der Staat, Opladen, Berlin, Toronto 2018</p>
<p>&#8211; Störenfriedas: Feminismus radikal gedacht. Norderstedt 2018</p>
<p>Häusliche Gewalt:</p>
<p>&#8211; <a class="textlink" href="https://die-mias.de/tag/haeusliche-gewalt/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Blog MIA (Mütterinitiative für Alleinerziehende)</a></p>
<p>&#8211; <a class="textlink" href="https://www.bka.de/DE/Presse/Listenseite_Pressemitteilungen/2016/Presse2016/161122_Partnerschaftsgewalt.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Statistik des BKA zur häuslichen Gewalt</a></p>
<p>Jura:</p>
<p>&#8211; Wolters, Andreas: Mutter durch Geburt &#8211; Vater durch Gesetz, Ordnungsmuster der Vergesellschaftung, Roßdorf bei Darmstadt 2018</p>
<p>&#8211; White Lily Revolution &#8211; Kampagne gegen Gewalt an Frauen per Institutionen <a class="textlink" href="http://whitelilyrev.de/" target="blank" rel="noopener">https://whitelilyrev.de/</a></p>
<p>Sprache:</p>
<p>&#8211; <a class="textlink" href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2020/12/09/die-rhetorik-des-patriarchats/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rhetorik des Patriarchats</a></p>
<p>&#8211; Pusch, Luise: Die dominante Kuh &#8211; neue Glossen. Göttingen 2013; (sowie alles von Luise Pusch)</p>
<p>&#8211; Trömel-Plötz, Senta: Gewalt durch Sprache &#8211; Die Vergewaltigung von Frauen in Gesprächen, Frankfurt a. M. 1997</p>
<p>Archäologie:</p>
<p>&#8211; Uhlmann, Gabriele: Archäologie und Macht &#8211; Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte, Norderstedt 2012</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gewalt-garant-und-symptom-des-patriarchats">Gewalt &#8211; Garant und Symptom des Patriarchats</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">3998</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Frauen &#8211; woher nehmen, wenn nicht stehlen? Über Frauenraub und seine historischen Grundlagen</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Apr 2021 10:43:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grundlagen]]></category>
		<category><![CDATA[Interdisziplinäre Patriarchatsforschung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://blog.gabriele-uhlmann.de/?p=3831</guid>

					<description><![CDATA[<p>Vortrag erstmals gehalten am 3.11.2018 an der Freien Universität Berlin im Rahmen der Tagung &#8222;Frauenraub &#8211; Interdisziplinäre Tagung zum Frauenraub im Altertum&#8220; vom 2.-3-11.2018 mit Aktualisierungen Bild: Das Mädchen von...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen">Frauen &#8211; woher nehmen, wenn nicht stehlen? Über Frauenraub und seine historischen Grundlagen</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg01.met.vgwort.de/na/fdeb953b6c9e4d28aec87270a637e1a2" alt="" width="1" height="1" />Vortrag erstmals gehalten am 3.11.2018 an der Freien Universität Berlin im Rahmen der<br />
<a href="https://frauenraub2018.wordpress.com/" target="_blank" rel="noopener">Tagung &#8222;Frauenraub &#8211; Interdisziplinäre Tagung zum Frauenraub im Altertum&#8220;</a> vom 2.-3-11.2018<br />
mit Aktualisierungen<br />
<a name="das-maedchen-von-egtved"></a><br />
<a title="Roberto Fortuna, Kira Ursem, CC BY-SA 2.5 &lt;https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5&gt;, via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kvindegrav_fra_Egtved.jpg"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/a9/Kvindegrav_fra_Egtved.jpg/512px-Kvindegrav_fra_Egtved.jpg" alt="Kvindegrav fra Egtved" width="100%" /></a><br />
<span class="abb">Bild: Das Mädchen von Egtved / Jütland und ein 6-jähriges Kind (im Gefäß neben dem Kopf des Mädchens), das verbrannt wurde (um 1370 v.u.Z.), Quelle: Wikimedia Commons (<a title="Roberto Fortuna, Kira Ursem, CC BY-SA 2.5 &lt;https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5&gt;, via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kvindegrav_fra_Egtved.jpg">Roberto Fortuna, Kira Ursem</a>)</span></p>
<p><span style="font-size: 30px; font-weight: bold;">W</span>ir sehen in Abb. 1 das berühmt gewordene Mädchen von Egtved, das zusammen mit einem verbrannten etwa sechsjährigen Kind bestattet wurde (Brandreste im Gefäß neben ihrem Kopf). Die 16-18 Jährige stammte, wie anhand der Strontium-Isotopen nachgewiesen wurde, nicht aus Jütland, sondern aus dem Schwarzwald. Die Untersuchung ihrer Haare erwies einen wiederholten Wechsel vom Geburtsort zum Sterbeort in den letzten zwei Lebensjahren, also seit sie 14-16 Jahre alt war.<br />
Wegen ihres Spiralschmucks wurde sie schon als Sonnenpriesterin angesprochen oder als Prinzessin, die nach Jütland verheiratet wurde.<br />
Das Mädchen hätte ein überraschend modernes Leben geführt, titelte die Zeitschrift National Geographic:</p>
<blockquote><p>&#8222;Damit verkörpert sie eine gewisse Mobilität und Weltoffenheit. &#8218;Wir halten uns heutzutage für sehr fortschrittlich, als wäre die Globalisierung etwas vollkommen Neues&#8216;, sagt Karin Frei (&#8230;).<br />
Doch je mehr wir über die Urgeschichte erfahren, desto klarer wird, dass wir bereits global waren.&#8216; (&#8230;) Das Egtved-Mädchen hat also möglicherweise von sich ändernden gesellschaftlichen Bräuchen profitiert, die die Gastfreundschaft förderten und so das Reisen über lange Distanzen ermöglichten und den Grundstein für Handelsbeziehungen legten.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup><!--<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>--></p></blockquote>
<p>Ein viel zu früher Tod. Wer hat hier wirklich von wem profitiert? Ist das Mädchen freiwillig gereist, oder wurde sie vielmehr gezwungen? War sie vielleicht immer wieder geflohen? War es eine Krankheit oder Verletzung, warum die beiden starben, oder war es Mord oder gar Selbstmord? Dies wird nicht einmal angedacht.</p>
<p>Gewalt an Frauen und Kindern ist im Patriarchat aber an der Tagesordnung! Zur Vorstellungswelt eines bronzezeitlichen Gender Mainstreaming passt dies natürlich nicht.</p>
<p><strong>Aktualisierung: Zwischenzeitlich wurde bekannt, dass aufgrund unzureichender Strontium-Isotopen-Daten falsche Schlüsse gezogen worden sein könnten. Die Geologen Erik Thomsen und Rasmus Andreasen sagen, dass <span class="">moderner Ackerkalk das dänische Wasser verunreinigt hätte</span>. Damit wäre das Mädchen von Egtved <a href="https://videnskab.dk/kultur-samfund/professorer-derfor-kan-man-ikke-konkludere-at-egtvedpigen-er-foedt-i-udlandet" target="_blank" rel="noopener">wahrscheinlich doch einheimisch</a>. <span class="Y2IQFc" lang="de">Robert Frei, Ehemann von Karin Frei und Professor am Institut für Geowissenschaften und Naturmanagement der Universität Kopenhagen, <a href="https://videnskab.dk/forskerzonen/naturvidenskab/professor-til-aarhus-geologer-i-tager-fejl-og-bruger-misvisende-data-i-sagen-om" target="_blank" rel="noopener">hält die Kritik für unhaltbar</a>. Er hätte in einer <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S088329271000274X" target="_blank" rel="noopener">Studie von 2011</a> selbst festgestellt, dass Ackerkalk, der vor 100 Jahren erstmals ausgebracht worden sei, keine Auswirkung auf das Wasser gehabt hätte und sich immer noch in den oberen Bodenschichten befände. Dagegen steht nun eine <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0048969721008597">Studie aus dem Jahre 2021</a> von Zdzislaw Belka, Professor am Institut für Geoökologie und Geoinformation an der Adam-Mickiewicz-Universität in Posen/Polen. Danach deuten &#8222;schwankende und teilweise sehr hohe Werte für Strontium in der Landschaft auf der eigenen Strontiumkarte der Kopenhagener Forscher eindeutig darauf hin, dass Verschmutzungen durch Landwirtschaft, Industrie oder Kanalisation aller Wahrscheinlichkeit nach die Strontiummessungen in dänischen Oberflächengewässern beeinflusst haben&#8220; und „daher kann die heutige Isotopenzusammensetzung im Oberflächenwasser und in der Vegetation in Dänemark nicht verwendet werden, um die Strontiumwerte für frühere menschliche Populationen direkt abzuschätzen. Und deshalb kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Frau aus der Bronzezeit in Dänemark geboren wurde“, wie Belka gegenüber <a href="https://videnskab.dk/kultur-samfund/professorer-derfor-kan-man-ikke-konkludere-at-egtvedpigen-er-foedt-i-udlandet" target="_blank" rel="noopener">Videnskab.dk</a> mitteilt. Dies wird von gleich mehreren ProfessorInnen bestätigt. Jedoch, Karin Frei möchte die Kritik nicht anerkennen: <a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/woher-kam-das-maedchen-von-egtved-wirklich" target="_blank" rel="noopener">sie fände in der Studie von Thomsen/Andreasen nichts, was ihre Interpretation ändern würde</a>. Das Dänische Nationalmuseum, dessen Forschungsprofessorin Karin Frei ist, hat zwar <a href="https://www.nordschleswiger.dk/de/daenemark/starke-zweifel-kommt-egtved-maedchen-doch-nicht-aus-deutschland" target="_blank" rel="noopener">die Schilder geändert</a>, aber die Interpretation berücksichtigt nun &#8222;die historischen Fakten, die bei der Analyse archäologischer Funde aufgedeckt wurden&#8220;.</span></strong></p>
<p>Natürlich ändert diese neue Entwicklung nichts an meiner Kritik einer solchen Sicht auf verschleppte weibliche Kinder: Eine beschönigende Interpretation auf der Basis falsch interpretierter Strontium-Isotopen-Daten ist doppelt unhaltbar, obwohl an anderen Stellen verschleppte Frauen gefunden wurden. Denn auch an anderen Stellen ist eine Verschleppung keine zu beschönigende &#8222;weibliche Mobilität&#8220;, sondern eine Zwangsheirat, welche ein Entführungsverbrechen ist. Dabei spielt es keine Rolle, wie weit das Mädchen verschleppt wurde, ob in einen anderen Landstrich oder ins nächste Haus.</p>
<h2 id="patrilokalitaet">Patrilokalität</h2>
<p>Ein anderes Beispiel.</p>
<blockquote><p>&#8222;Unter der Leitung von Stockhammer (&#8230;) waren 84 (&#8230;) Skelette aus dem südbayerischen Lechtal aus der Zeit zwischen 2500 und 1700 v. Chr. unter die Lupe genommen worden. Die Diversität der mitochondrialen Genome (&#8230;) nahm in dieser Zeit stark zu, was auf einen Zustrom von Frauen schließen ließ. Die Analyse (&#8230;) bestätigte inzwischen, dass die Frauen großteils nicht aus der Gegend stammten. Dabei gab es auch einen Fund, bei dem zwei genetisch verwandte Menschen, die nur wenige Generationen trennten, mit Beigaben aus unterschiedlichen Kulturen begraben worden waren. Mit anderen Worten: So manche kulturelle Verschiebung in den archäologischen Funden könnte sich auch durch das Einwandern einzelner Personen erklären lassen, ohne die Annahme einer Massenmigration.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup><!--<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a>--></p></blockquote>
<p>Soweit diese Bezugnahme auf eine Untersuchung von Skelettresten aus dem Endneolithikum und der Frühbronzezeit, mit der explizit Patrilokalität bewiesen werden konnte. Der Begriff bezeichnet den Zuzug der Frauen zu den Ehemännern.</p>
<p>Im Titel der Original-Studie wird die Patrilokalität schlicht als weibliche Exogamie bezeichnet, also mit ihr gleichgesetzt. Die Resultate würden bestätigen, dass die weibliche Mobilität die treibende Kraft für regionale und überregionale Kommunikation und Austausch am Beginn der europäischen Metallzeiten sei.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup><!--<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a>--></p>
<p>Einzelne oder im großen Stil wandernde Frauen, die Kulturen immer wieder neu beeinflussen, das klingt fortschrittlich und rückt die Patrilokalität in ein sehr gutes Licht. Der Zustrom von Frauen wird sogar biologisch rechtfertigt, denn Exogamie dient ja der genetischen Vielfalt.</p>
<p>Es wird vor allem aber von einer freiwilligen Zuwanderung ausgegangen, denn es wäre ja geradezu zynisch, eine Deportation als Mobilität zu besprechen. Aber allein schon zu früh gestorbene und entwurzelte Frauen oder die abrupte, großflächige Veränderung sprechen gegen harmlose, biologische oder kulturoptimistische Erklärungen. Es wird einfach ignoriert, unter welchen Umständen die Frauen ihren Wohnort wechselten und mit ihren Kindern in der Fremde leben mussten. Und nun dient auch das Lechtal als Beispiel für friedliche Migration, taffe Frauen und gegenseitige kulturelle Bereicherung.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Das Massaker von Talheim, Quelle:zum.de" src="https://i0.wp.com/www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/geschichte/urundfrueg/steinz/talheim/fundsituation.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Das Massaker von Talheim, Quelle:zum.de" /><br />
<span class="abb">Das Massaker von Talheim (Neckar). Bandkeramische Kultur, Endzeit, ca. 5100 v.u.Z.. Quelle: © Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart</span></p>
<h2 id="frauenraub-im-befund">Frauenraub im Befund</h2>
<p>Stellen wir diese Beispiele nun offensichtlichen Fällen von Gewalt gegenüber: den bandkeramischen Massakern von Asparn Schletz, Schöneck-Kilianstädten und Talheim.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup> Das Fehlen junger Frauen im Befund führte zu der Schlussfolgerung, dass das Tatmotiv Frauenraub gewesen sei.</p>
<p>Die Anwesenheit von Gewalt an Männern führte also zur Annahme von Gewalt an Frauen! Wie oft mag Gewalt an Frauen übersehen worden sein, weil sie an den Skeletten so nicht ablesbar war?<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup><!--<a href="#_ftn4" name="_ftnref4">[4]</a>--></p>
<p>An den Skelettresten von Talheim wurde mit mehreren Studien versucht, Patrilokalität für die Bandkeramik zu beweisen. Ich konnte auf der Basis der Daten nachweisen, dass dieser Versuch gescheitert ist, und wir sogar von Matrilokalität ausgehen können.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup><!--<a href="#_ftn5" name="_ftnref5">[5]</a>--> Patrilokalität ist nicht einfach eine harmlose Residenzregel von vielen, sie ist keine friedliche, gewaltlose Form des Zusammenlebens<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup><!--<a href="#_ftn6" name="_ftnref6">[6]</a>-->.</p>
<h2 id="matrilokalitaet-und-matrilinearitaet">Matrilokalität und Matrilinearität</h2>
<p>Die Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy konnte anhand der besonderen Schwierigkeiten, die die lange Kindheit mit sich bringt, und der Strategien, die Mütter entwickelten, um diese zu bewältigen, aufzeigen, dass Matrilokalität bis in die Jungsteinzeit gelebte Wirklichkeit gewesen sein muss. Sie rekonstruierte die artgemäße Lebensweise von Homo Sapiens auf der Basis ihrer Untersuchungen an Primaten, der Darwinschen Evolutionstheorie mit dem Fokus auf die Sexuelle Selektion, also der <em>female choice</em><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup><!--<a href="#_ftn7" name="_ftnref7">[7]</a>-->, und der Großmutterthese nach Hawkes<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup><!--<a href="#_ftn8" name="_ftnref8">[8]</a>--> und Beise/Voland<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup><!--<a href="#_ftn9" name="_ftnref9">[9]</a>.

Erst nach ihrer Emeritierung schrieb sie in eine Fußnote ihres vorerst letzten Buches:


<blockquote>"Ich gehörte übrigens zu denjenigen, die schon frühzeitig davon überzeugt waren, dass Menschenaffen zur Patrilokalität neigten. Ich änderte meine Meinung im Verlauf der Arbeit an 'Mutter Natur'."[mfn]Vgl. Blaffer Hrdy 2010, S. 448, FN 20; Verweis auf Blaffer Hrdy 1999[/mfn]<!--<a href="#_ftn10" name="_ftnref10">[10]</a><a href="#_ftn11" name="_ftnref11">[11]</a>--></p>
<p>Sie hält dazu fest, dass</p>
<blockquote><p>&#8222;ungeachtet dogmatischer Verlautbarungen, wonach Menschen für gewöhnlich &#8218;eine patrilokale Familienstruktur besitzen&#8216;, weil &#8218;Söhne in traditionellen Gesellschaften in der Nähe ihrer Familien bleiben, während Töchter fortziehen&#8216;, diese grundlegende Aussage über die menschliche Natur nicht von Daten über Menschen gestützt wird, die tatsächlich als Jäger-Sammler leben.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup><!--<a href="#_ftn12" name="_ftnref12">[12]</a>--></p></blockquote>
<p>Eigentlich ist es einleuchtend: Da wo Kinder aufwachsen, muss es so sicher und verlässlich wie möglich sein. Daher hatten die Mütter der Altsteinzeit sichere und sozial stabile Bedingungen selbst geschaffen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/urmutter-statuetten.jpg?w=1080&#038;ssl=1"  /><br />
<span class="abb">Urmutter vom Hohle Fels (Schwäbische Alb), 35 &#8211; 40.000 Jahre, Urmutter von Lespugue (Frankreich), 25.000 Jahre, Urmutter von Willendorf (Österreich), 23.000 Jahre, Urmutter von Grimaldi (Italien), 21.000 Jahre, Urmutter von Gagarino (Russland), 18.000 Jahre. Bild-Kollage: Gabriele Uhlmann.</span></p>
<p>Die Matrilokalität von Homo Sapiens führte zwangsläufig zu Matrilinearität. Das ist die Ahnenreihe ausschließlich in der mütterlichen Linie, denn bei Matrilokalität ist die Vaterschaft unbekannt. Nicht nur an der Kunst bis in die Jungsteinzeit können wir das ablesen, sondern inzwischen auch an naturwissenschaftlichen Untersuchungen.<br />
Gerade die altsteinzeitlichen Statuetten stehen für eine Kontinuität, die seines Gleichen sucht. Das, was Hrdy mit Matrilokalität und Matrilinearität benannte, nannte die Archäologin Marija Gimbutas &#8218;Matrifokalität&#8216;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup><!--<a href="#_ftn13" name="_ftnref13">[13]</a>-->. Matrifokalität hat nichts mit Macht<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup><!--<a href="#_ftn14" name="_ftnref14">[14]</a>--> zu tun, sondern mit Fürsorge und Kooperation, und sie ist unsere artgemäße Lebensweise, die, weil sie angeboren ist, immer noch unser Sozialverhalten mitbestimmt.</p>
<h2 id="erkennen-der-patrilinearitaet">Erkennen der Patrilinearität</h2>
<p>Die biologische Vaterschaft wurde zwar spätestens in den sesshaften matrifokalen Gemeinschaften erkannt, zur Durchsetzung von Patrilinearität, also der Einheit von biologischer und sozialer Vaterschaft, gab es aber lange keinerlei Veranlassung. Zum mütterlichen Prinzip gehört das bedingungslose Teilen von Nahrung und Heimstatt mit den Kindern, d.h. alles wurde von allen als Eigentum angesehen. Eine Teilung des Besitzes und ein Erbrecht waren daher überflüssig. Alle Kinder wohnten lebenslang in der Sippe. Die Frauen übten ihre Exogamie natürlich matrilokal aus, und die Männer verließen dazu vorübergehend ihre Sippe.</p>
<p>Weil Mütter von Natur aus niemals freiwillig patrilokal leben würden, müssen wir den Schluss ziehen, dass die Frauen von Männern in die Patrilokalität gezwungen wurden und bis heute gezwungen werden.<br />
Warum tun Männer das, laden sie sich damit doch eine Menge Arbeit, Verantwortung und obendrein missmutige Ehefrauen und sexuelle Frustration auf?<br />
Erst unter Patrilokalität kann die Idee der Patrilinearität auch umgesetzt werden. Statt mit Sippen haben wir es dann mit Familien zu tun, deren vornehmste Aufgabe es nicht ist, zum Wohle des Nachwuchses zu wirken, sondern zum Wohle des Vaters und seines Lebenswerkes.</p>
<h2 id="ewige-gefangenschaft-der-tochter"></h2>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Links:Danaë im Turm empfängt den Goldregen des Zeus, Rechts: Odin sticht Brunhilde mit der Dornrose" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/eingesperrte-toechter.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Links:Danaë im Turm empfängt den Goldregen des Zeus, Rechts: Odin sticht Brunhilde mit der Dornrose"  /><br />
<span class="abb">Im Bild Links: Danaë im Turm empfängt den Goldregen des Zeus, Rechts: Odin sticht Brunhilde mit der Dornrose. Quellen: Links Böotische Vase (ca. 450 425 v.u.Z., Louvre, Paris). Wikimedia commons, user: Marie Lan Nguyen; Rechts: Aus: Baker, Emilie Kip. Stories from Northern Myths. New York 1914. S. 202. Wikimedia commons, user: Holt.</span></p>
<p>Insbesondere die Mythen, in denen Töchter von Göttern oder ihren Vätern eingesperrt werden, wie Persephone, Danaë oder Brunhilde, bilden das ab<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup><!--<a href="#_ftn15" name="_ftnref15">[15]</a>-->. Die Verantwortung bleibt einfach bei der Frau, sie muss dafür sorgen, dass die Arbeits- und Manneskraft des Familienvaters stetig regeneriert wird<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">15</sup><!--<a href="#_ftn16" name="_ftnref16">[16]</a>-->, und die Kinder, insbesondere die Töchter, dem Vater Ehre machen.<br />
Wie die Patriarchatsforscherin Stephanie Gogolin treffend sagt, sollten wir nicht dem Irrtum anhaften, dass das Patriarchat einst entstanden sei, damit die Väter soziale Aufgaben übernehmen können. Patrilinearität<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">16</sup><!--<a href="#_ftn17" name="_ftnref17">[17]</a>--> und Patrilokalität sind die Säulen des Patriarchats, der Herrschaft der Väter, die die Basis jeder Gesellschaft ist. Der Frauenraub steht dabei immer am Anfang des Versuchs, eine Herrschaft aufzubauen.</p>
<h2 id="patriarchalisierung">Patriarchalisierung</h2>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Von 'IS' und Boko Haram entführte Frauen und Mädchen" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/frauenraub.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Von 'IS' und Boko Haram entführte Frauen und Mädchen"  /></p>
<p>IS, Boko Haram und die <a href="https://www.emma.de/artikel/afghanistan-reicht-den-frauen-die-hand-338911" target="_blank" rel="noopener">Taliban</a> führen uns vor Augen, was sich von Anbeginn des Patriarchates abgespielt hat. Sie führen Krieg gegen die sexuelle Autonomie der Frau, also gegen die <em>female choice</em>, in dem Glauben, dass die Frau dem männlichen Fortpflanzungstrieb zu dienen hätte. Es geht Patriarchen nicht nur um Sex, es geht darum, die weibliche Gebärfähigkeit auszubeuten, d.h. möglichst viele Kinder, insbesondere Söhne, zu zeugen und ihrer auch habhaft zu werden.</p>
<p>Die früheste Patriarchalisierung Eurasiens dürfte schon während der sog. Misox-Schwankung vor 8200 Jahren stattgefunden haben, als sich das Klima nachhaltig ungünstig veränderte. Erst Dürre und Hunger ließen die Abhängigkeit der ersten Ackerbauern von konstant günstigem Klima spürbar werden und gaben Anlass, den Anteil tierischer Nahrung deutlich zu erhöhen. Überlebende Männer betrachteten die wenigen Haustiere fortan als ihren Privatbesitz, und trieben sie in das Grasland der Steppen, wo sie sie erstmals zu züchten begannen.<br />
Das neue Besitzdenken erforderte es, viele Söhne zu haben, die die Herden verteidigen und vermehren helfen. Aber ohne Frauen gibt es keine Söhne, woher also nehmen, wenn nicht stehlen?<br />
Über die Isolierung der geraubten Frauen in der Weite der Steppe, ohne den Schutz ihrer Ursprungssippen, und ihren Einsatz als besitzlose Melkerinnen der großen Herden gelang ein relativ stabiles Patriarchat.</p>
<p><a title="Firespeaker [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:So%C5%8Bk%C3%B6l_jayloo.jpg"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/29/So%C5%8Bk%C3%B6l_jayloo.jpg/512px-So%C5%8Bk%C3%B6l_jayloo.jpg" alt="So?köl jayloo" width="100%" /></a><br />
<span class="abb">Bild: Steppe mit Jurten. Quelle: Wikimedia Commons (Firespeaker)</span></p>
<p>Auch im Patriarchat der sesshaften Bauern sind Frauen in Wirklichkeit Nomadinnen. Der angeblich von Frauen getragene kulturelle Wandel ist in Wahrheit nur ein Nebeneffekt des sich konsolidierenden Patriarchats, was es aber nicht besser macht. Allein durch Patrilokalität verlieren Mütter, und auch ihre Kinder, für uns unsichtbar ihren bedingungslosen Versorgungsraum. Patrilokalität ist daher keine Win-Win-Situation, nichts, woraus Frauen Vorteile ziehen könnten. Frauen und Kinder verlieren ihre Sicherheit und ihre sexuelle Autonomie. Ihr Selbstbestimmungsrecht bleibt auf der Stecke. Sinn ist der Entzug des alleinigen Rechtes der Mutter und ihrer Sippe an den Kindern, der Zugriff des Vaters. Frauen können daher am Patriarchat nicht egalitär beteiligt werden. Zugestandene gleiche Rechte bleiben jederzeit zurücknehmbar.</p>
<h2 id="spuren-patriarchaler-gewalt-gegen-maenner-und-frauen-genetischer-flaschenhals-der-y-chromosomen">Spuren patriarchaler Gewalt gegen Männer: Genetischer Flaschenhals der Y-Chromosomen</h2>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Genetischer Flaschenhals vor 7000-10.000 Jahren" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/genetischer-flaschenhals.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Genetischer Flaschenhals vor 7000-10.000 Jahren"  border="1" /><br />
<span class="abb">Quelle: Diagramme nach <a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/" target="_blank" rel="noopener">https://www.ncbi.nlm.nih.gov</a>. Abgerufen am 1.10.2018</span></p>
<p>Dass sich das Patriarchat bald auch gegen die Männer selbst gerichtet hat, zeigt der von der ForscherInnengruppe Karmin <i>et al.</i> entdeckte weltweite genetische Flaschenhals vor 7000-10.000 Jahren.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">17</sup><!--<a href="#_ftn18" name="_ftnref18">[18]</a>--> Die amerikanischen Genetiker Zeng, Aw und Feldman führen die Dezimierung der männlichen genetischen Vielfalt auf Stammesfehden zurück, welche &#8222;neue patrilineare Gruppen&#8220; gegeneinander geführt hätten.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">18</sup><!--<a href="#_ftn19" name="_ftnref19">[19]</a>--> Die Stammesgruppen hätten aus miteinander verwandten Männern bestanden, während die Frauen oft aus anderen Stämmen gekommen seien &#8211; oder erbeutet worden seien.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Nahöstlicher Viehmarkt" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/viehmarkt.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Nahöstlicher Viehmarkt"  /><br />
<span class="abb">Bild: Tierzucht. Nahöstlicher Viehmarkt: Großvater, Vater und Sohn bieten ihre Tiere an. Bildquelle: Wikimedia Commons (Man77)</span></p>
<p>Ob alte oder neue patrilineare Gruppen, sie fallen nicht einfach vom Himmel, sondern sie müssen erst hergestellt werden. Es muss dazu eine Nutzanwendung von Patrilinearität gegeben sein, bevor die sie erst ermöglichende Patrilokalität von Männern durchgesetzt werden will. Diese Nutzanwendung war die Viehzucht.<br />
Das Patriarchat ist uns nicht angeboren und wir müssen unsere Matrifokalität fortwährend unterdrücken. Sie ist der Grund, warum wir das Patriarchat in all seinen Facetten nicht völlig widerstandslos hinnehmen können.</p>
<p>Das Patriarchat muss sich daher permanent erneuern und muss dazu Gewalt anwenden. Die durchgesetzte Patrilinearität und die damit verbundene Monogamie ist Gewalt gegen das sexuelle Selbstbestimmungsrecht der Frau und Patrilokalität ist latent wiederholter, institutionalisierter Frauenraub.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-4251" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/pt-tafel.jpg?w=600&#038;ssl=1" alt=""  srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/pt-tafel.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/pt-tafel.jpg?resize=300%2C185&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></p>
<p>Beides ist so freiwillig wie das Kopftuch, welches das Symbol für diese Gefangenschaft ist. Letztlich sind auch die Jungen wie die Mädchen über die Mütter Entführungsopfer.</p>
<h2 id="Theologie als patriarchale Rhetorik">Theologie als patriarchale Rhetorik</h2>
<p>Um Ruhe an der widerstrebenden matrifokalen Front zu haben, schufen Patriarchen eine Theologie, in der das als die natürliche Lebensweise hingestellt wird, und ein gebärender Gott am Anfang aller Dinge steht.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">19</sup><!--<a href="#_ftn20" name="_ftnref20">[20]</a>--><br />
Religion, die strukturelle Gewalt des Gesetzes und die Tradition verleihen schließlich auch noch dem friedfertigsten Mann Macht über seine Frauen und Kinder, und machen also ausnahmslos jeden Ehemann und Vater zum Patriarchen.<br />
Die Religion sei erforderlich, um die angeblich unmoralische, gewalttätige, kriegerische und hypersexuelle Natur des Menschen zu zügeln. Aber allein schon wegen unserer angeborenen hohen Sozialität verabscheuen wir normalerweise Gewalt, dafür brauchen wir gar keine Theologie<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">20</sup><!--<a href="#_ftn21" name="_ftnref21">[21]</a>-->, doch der Erhalt des Patriarchates ist davon abhängig, <a class="textlink" href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gewalt-garant-und-symptom-des-patriarchats" target="_blank" rel="noopener">dass Männer Gewalt anwenden.</a><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">21</sup><!--<a href="#_ftn22" name="_ftnref22">[22]</a>--></p>
<h2 id="gewalt-verstaendnis-in-der-rechtsprechung">Gewalt-Verständnis in der Rechtsprechung</h2>
<p>Das erklärt z.B., warum nur ein Bruchteil der Vergewaltigungen bestraft wird und das Strafmaß gering ist. Mit der puren Angst vor möglicher Gewalt werden Frauen an ihrer freien Entfaltung und der Anklage von Gewalt gehindert. Jede Mutter ist zudem über ihre Kinder erpressbar. Die Zerstörung der sozialen Bindungen und der Umwelt, sowie ein Wirtschaftssystem mit Sachzwängen, alles Gewalttätigkeiten, machen es unverheirateten Frauen und Müttern bis heute unmöglich, ohne aktive Beteiligung am Patriarchat zu überleben. Die Traumatisierungen können in der nächsten Generation nur kompensiert aber nicht geheilt werden, denn die Familie ist und bleibt der gefährlichste Ort<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">22</sup><!--<a href="#_ftn23" name="_ftnref23">[23]</a>--> und die Basis des Patriarchats.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" height="300" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-4242" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/gewalt-in-zahlen.jpg?fit=300%2C300&#038;ssl=1" alt="Gewalt in Zahlen. Tabelle des BKA." width="300" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/gewalt-in-zahlen.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/gewalt-in-zahlen.jpg?resize=300%2C107&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><br />
<span class="abb">Quelle: Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland. Eine repräsentative Untersuchung zu Gewalt gegen Frauen in Deutschland. Projektteam der Untersuchung am Interdisziplinären Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Bielefeld im Auftrag des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. 2004. Aus: <a href="https://faktenfinder.tagesschau.de/inland/fakten-gewalt-gegen-frauen-101.html" target="_blank" rel="noopener">https://faktenfinder.tagesschau.de/inland/fakten-gewalt-gegen-frauen-101.html</a></span></p>
<p>So voller Leid das auch ist, die Patrilinearität bzw. die Identität von biologischer und sozialer Vaterschaft wird auch von Frauen als angeblich gerecht und natürlich mitgetragen; auch hätte angeblich jedes Kind das natürliche Recht seinen Vater zu kennen (Gleichsetzung der Patrilinearität mit Geschlechtergerechtigkeit und Kinderrechten). Denn ausgerechnet die Aufklärung erließ an dieser Stelle ein rigoroses Denkverbot, indem sie die von Darwin entdeckte Sexuelle Selektion, die <em>female choice</em>, nicht für Homo Sapiens akzeptierte, obwohl diese die eigentlich treibende Kraft der Evolution ist.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">23</sup><!--<a href="#_ftn24" name="_ftnref24">[24]</a>--> Die Großmutterthese darf offiziell nur eine Hypothese sein und die Urmutter-Statuetten seien nur Sexpüppchen. Wir können hier ein kollektives Stockholm-Syndrom<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">24</sup><!--<a href="#_ftn25" name="_ftnref25">[25]</a>--> diagnostizieren, schließlich sind wir ja alle Entführungsopfer. In diesem komplexen Mechanismus und in der erzwungenen Vaterbindung liegt der Selbsterhalt des Systems, seine Perpetuierung, begründet.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Indische Familie" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/indische-familie.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Indische Familie"  /><br />
<span class="abb">Foto: Joshua Watson (Unsplash)</span></p>
<p>Ihrer Natur nach brauchen Mütter und Kinder aber die Absicherung durch die matrifokale Ordnung einer Sippe mit um die 80 Personen. Dieses Grundbedürfnis wurde auf den Vater als Ernährer umgelenkt und heute auch auf die Vollberufstätigkeit der jungen Mutter verengt, was eine absolute Überforderung darstellt. Aus ihrem sozialen Umfeld gerissene junge Frauen und Mütter werden aber nicht als Opfer von tätlicher oder struktureller Gewalt erkannt. Dass Wissenschaftler die Absurdität auch nur in Erwägung ziehen, dass sich weibliche Kinder freiwillig auf einen langen Weg gemacht hätten, ob massenhaft oder einzeln, um einen ihnen unbekannten Landwirt oder Krieger zu ehelichen, bezeichnet auch eine umfassende anthropologische Ahnungslosigkeit. Die Exogamie der Frau mit Patrilokalität gleichzusetzen, ist evolutionsbiologisch schlichtweg unseriös.</p>
<h2 id="matrifokale-kulturen-bis-weit-in-die-jungsteinzeit">Matrifokale Kulturen bis weit in die Jungsteinzeit</h2>
<p>Es waren sicher nicht die Sesshaftigkeit und die Erfindung des Ackerbaus, die zu ständig neuen Gesellschaften mit Hierarchie und Krieg führten; sie brachten auch ohne Patriarchat die ersten blühenden Kulturen hervor.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Çatal Höyük" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/catal-hoeyuek.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Çatal Höyük"  /><br />
<span class="abb">Bildquellen: Links: Wikimedia Commons. Rechts: Eigenes Werk, Archäologisches Museum Ankara</span></p>
<p>In Çatal Höyük z.B., einer jungsteinzeitlichen Großsiedlung und Ackerbaukultur, die insgesamt 1800 Jahre friedlich und gewaltlos bestanden hatte, musste der Grabungsleiter Ian Hodder die Abwesenheit jeglicher Anzeichen für Patriarchat feststellen. &#8218;No family plots&#8216; war das Ergebnis der Untersuchungen der Odontologin Marion Pillard.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">25</sup><!--<a href="#_ftn26" name="_ftnref26">[26]</a>--> Die hier gefundenen ersten Zivilisationskrankheiten nehmen sich gegen die Folgen des Patriarchats geradezu harmlos aus und änderten offensichtlich nichts an der hohen Zufriedenheit der Menschen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Karte Jungsteinzeit in Europa" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/karte-jungsteinzeit-in-europa.jpg?w=510&#038;ssl=1" alt="Karte Jungsteinzeit in Europa"  /><br />
<span class="abb">Karte: Jungsteinzeit in Europa. Quelle: Wikimedia Commons (nachbearbeitet)</span></p>
<p>Auch die Bandkeramiker betrieben Ackerbau und hielten lediglich wenige Tiere. Ihre Migration aus Südosteuropa verlief vollkommen friedlich und neolithisierte die mesolithische Urbevölkerung. Was beide Gruppen einte, war ihre Matrifokalität.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">26</sup><!--<a href="#_ftn27" name="_ftnref27">[27]</a>--> In den Mittelgebirgen spielte sich aber infolge des Klimawandels am Ende des Atlantikums mit dem Aufkommen der Transhumanz, also der ersten Hirten, ein ähnlicher Mechanismus ab wie in der Steppe. Die Patrilinearität war sozusagen eine Idee, deren Zeit nun auch hier gekommen war.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">27</sup><!--<a href="#_ftn28" name="_ftnref28">[28]</a>--> Anders als in der Steppe war das Land jedoch vergleichsweise begrenzt. Ohne staatliche Organisation und eine entsprechende Theologie war das Patriarchat in der Sesshaftigkeit nicht aufrecht zuerhalten, und es scheiterte bald, weil rohe Gewalt zur Selbstauslöschung führte.</p>
<p><img decoding="async" title="Wandfries der Pfahlbaukultur" src="https://i0.wp.com/www.swr.de/-/id=16823902/property=medium/pubVersion=4/3fdwb3/Montage%20der%20%22Busenwand%22.jpg" alt="Wandfries der Pfahlbaukultur" width="100%" border="1" /><br />
<span class="abb">Bild: Rekonstruktion des Frieses einer Matri-Linie aus Ludwigshafen/Seehalde mit den Originalteilen, Länge 7m, ca. 6000 Jahre alt. Quelle: Veröffentlicht auf SWR2, <a href="https://i0.wp.com/www.swr.de/-/id=16823902/property=medium/pubVersion=4/3fdwb3/Montage%20der%20%22Busenwand%22.jpg" target="_blank" rel="noopener">https://i0.wp.com/www.swr.de</a></span></p>
<p>Das Vakuum, das die vielen Massaker und Kleinkriege vor 7000 Jahren hinterließen, füllte sich erneut mit matrifokalem Leben. Die Michelsberger Kultur und die Pfahlbaukultur, von der sich bruchstückhaft ein 7m langer Fries einer matrilinearen Ahnenreihe erhalten hat<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">28</sup><!--<a href="#_ftn29" name="_ftnref29">[29]</a>-->, drehten quasi das Rad der Urgeschichte noch einmal zurück, wenngleich auch sie dem Druck der stets überbevölkerten Patriarchate nicht mehr gewachsen waren.</p>
<h2 id="viehzuechtermentalitaet-menschenzucht-maennerueberschuss">Viehzüchtermentalität &#8211; Menschenzucht &#8211; Männerüberschuss</h2>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Reiternomaden aus Zentralasien hinterließen kaum weibliche Spuren im Europäer-Erbgut. Männerüberschuss." src="https://i0.wp.com/www.scinexx.de/wp-content/uploads/0/1/01-32669-einwanderer1.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Reiternomaden aus Zentralasien hinterließen kaum weibliche Spuren im Europäer-Erbgut. Männerüberschuss."  border="1" /><br />
<span class="abb">Karte: &#8222;Reiternomaden aus Zentralasien hinterließen kaum weibliche Spuren im Europäer-Erbgut. Männerüberschuss&#8220;. Quelle: <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/bronzezeit-einwanderung-mit-maennerueberschuss/" target="_blank" rel="noopener">https://www.scinexx.de/</a></span></p>
<p>Das Patriarchat mit seinem Männerüberschuss und Krieg waren und sind bis heute der Grund für männliche Massenmigrationen. Amy Goldberg und ihr Team konnten dies für die indoeuropäische Einwanderung genetisch nachweisen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">29</sup><!--<a href="#_ftn30" name="_ftnref30">[30]</a>--> Sie ziehen übrigens wie Marija Gimbutas mit ihrer Kurganthese<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">30</sup><!--<a href="#_ftn31" name="_ftnref31">[31]</a>--> den Schluss, dass diese Migration von Viehzüchternomaden eher den Charakter eines Eroberungsfeldzugs hatte.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Links: Das verlorene Schaf 'Der gute Hirte', Willi Langbein, 1930 'Kirche Rechts: Raub der Sabinerinnen, Albrecht Dürer, 1495" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/der-gute-hirte-raub-der-sabinerinnen.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Links: Das verlorene Schaf 'Der gute Hirte', Willi Langbein, 1930 (Kirche Rechts: Raub der Sabinerinnen, Albrecht Dürer, 1495"  /><br />
<span class="abb">Bild: Links: Das verlorene Schaf (Der gute Hirte), Willi Langbein, 1930 (Kirche Allermöhe) Rechts: Raub der Sabinerinnen, Albrecht Dürer, 1495 (gemeinfrei)</span></p>
<p>Es ist bemerkenswert, wie sehr seitdem der Umgang mit Frauen und Kindern &#8211; ja der ganzen Menschheit &#8211; vom Geist der Tierzucht geprägt ist, daher noch ein paar Worte dazu. Statt einfacher Domestizierung wie in der vorpatriarchalen Jungsteinzeit, haben wir es im Patriarchat mit der gezielten Zucht von Tieren und mit unnatürlich großen Herden zu tun. Die Begriffe Tierhaltung und Tierzucht unterscheiden sich daher inhaltlich, aber auch ideologisch voneinander und sollten nicht einfach synonym gebraucht werden.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Rechts: Eine Kuh wird vergewaltigt." src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/tierzucht.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Links: Eine Ziege wird vergewaltigt."  /><br />
<span class="abb">Bild: Eine Ziege wird vergewaltigt. Eine Kuh wird vergewaltigt. Quellen: HBLFA Raumberg, Gumpenstein; Wikimedia Commons (Aleks)</span></p>
<p>Um Tiere zu züchten, müssen wilde Tierweibchen eingefangen und festgebunden werden. Die Züchter ermöglichen es dann ausgewählten männlichen Tieren, die Weibchen zu vergewaltigen. Die <em>female choice</em> der Weibchen wird vollständig unterdrückt. Um einen solchen Tabubruch zu begehen, müssen Männer jede Achtung vor dem mütterlichen Prinzip verloren haben. Auch dass der Beginn des Bergbaus mit dem Beginn des Patriarchats zusammenfällt, dürfte kein Zufall sein, denn zur Verletzung und Ausbeutung von Mutter Natur musste sie ideologisch bzw. theologisch abgewertet werden, und zwar nicht nur als dumme Kuh &#8230;</p>
<h2 id="muttermord">Muttermord</h2>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Marduk tötet Tiamat, Der Erzengel Michael 'rettet' die Seele Evas, indem er den Drachen toetet" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/drachentoeter.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Marduk tötet Tiamat, Der Erzengel Michael 'rettet' die Seele Evas, indem er den Drachen toetet"  /><br />
<span class="abb">Links: Marduk (re.) tötet die Urmutter Tiamat (li.), rechts: Der Erzengel Michael &#8222;rettet&#8220; die Seele Evas, indem er den Drachen (Pfeil) tötet. Quellen: Wikimedia Commons (Georgelazenby)</span></p>
<p>&#8230;.sondern auch als böser Drache, der angeblich das Chaos und die Unordnung regiert und einen Schatz bewacht. Ihm oder besser ihr wurde dreist angedichtet, Jungfrauen zu rauben. Eine völlige Verdrehung der Tatsachen.</p>
<p>Die mythische Drachentötung, die für den Mord an Mutter Natur und ihre Ausbeutung steht, und der Frauenraub gehören zusammen und sind in der Mythologie kein aufreizender Plot, sondern die Basis für alles Weitere.</p>
<p><!--<strong>Anmerkungen</strong>

<a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Vgl. Keim 2017

<a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Callaway 2018, S. 57

<a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> Vgl. Knipper 2017

<a href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a> Wie z.B. bei den Massakern von Wiederstedt, Achenheim und Halberstadt oder auch Menneville.

<a href="#_ftnref5" name="_ftn5">[5]</a> Vgl. Uhlmann 2012, S. 121-196; siehe auch Düring/Wahl 2014, S. 22 f

<a href="#_ftnref6" name="_ftn6">[6]</a> Unter den Studien ist besonders die von Ursula Eisenhauer (Eisenhauer 2003a) zu nennen. Sie versuchte, mit statistischen Mitteln Patrilokalität in Talheim zu beweisen. Matrilokalität ist für sie ein ethnografischer Sonderfall: "<em>Für die Älteste Bandkeramik ist, unter Berücksichtigung des gegenwärtigen Informationsstandes, auch aus ethnologischer Sicht eine matrilokale oder gar matrilineare Organisationsstruktur auszuschließen.</em>" (Eisenhauer 2003b, S. 328 zitiert nach Uhlmann 2012, S. 160f).

<a href="#_ftnref7" name="_ftn7">[7]</a> Vgl. Small 1995 und Uhlmann 2015

<a href="#_ftnref8" name="_ftn8">[8]</a> Vgl. Hawkes 2004. Hawkes geht davon aus, dass die Menopause der Menschenfrau und ihre lange Lebensspanne danach selektiert wurde, weil die Großmutter ihrer Tochter bei der Kinderpflege am besten helfen kann, wenn sie selbst nicht mit einem Kleinkind beschäftigt ist.

<a href="#_ftnref9" name="_ftn9">[9]</a> Vgl. Beise/Voland 2002 a und b. Aus den Kirchenbüchern der Halbinsel Krummhörn (Ostfriesland) ging hervor, dass die Kindersterblichkeit in Familien am höchsten war, wenn die Mutter des Kindsvaters mit im Hause wohnte, geringer ausfiel, wenn keine Großmutter im Hause wohnte, und am geringsten war, wenn die Großmutter mütterlicherseits im Hause wohnte. Daraus schlossen sie auf die Matrilokalität der Menschheit als evolutionäre Größe.

<a href="#_ftnref10" name="_ftn10">[10]</a> Vgl. Blaffer Hrdy 2010, S. 448, FN 20

<a href="#_ftnref11" name="_ftn11">[11]</a> Verweis auf Blaffer Hrdy 1999

<a href="#_ftnref12" name="_ftn12">[12]</a> Vgl. Blaffer Hrdy 2010, S. 336

<a href="#_ftnref13" name="_ftn13">[13]</a> Vgl. Gimbutas 1996, S. X, S. 346, S.349, S. 352

<a href="#_ftnref14" name="_ftn14">[14]</a> Also nicht zu verwechseln mit Matriarchat.

<a href="#_ftnref15" name="_ftn15">[15]</a> Vgl. Uhlmann 2018

<a href="#_ftnref16" name="_ftn16">[16]</a> Vgl. Hoherz 1991, S. 16

<a href="#_ftnref17" name="_ftn17">[17]</a> Patrilinearität tritt manchmal in Kombination mit Matrilinearität auf, z.B. bei den meroitischen Königshäusern. In diesem als Bilinearität bezeichneten System dient die Matrilinearität der Absicherung der Patrilinearität. Der König musste "göttlicher Abstammung" sein. Da jedoch nur die mütterliche Abstammung als sicher galt, musste der König das Kind einer königlichen Mutter sein. Dies führte in letzter Konsequenz auch zu den Geschwisterehen: "<em>Nur durch den Inzest mit seiner Schwester konnte der König erreichen, dass der erbberechtigte Sohn seiner königlichen Schwester zugleich sein Sohn war.</em>" (Bott 2009, S. 71)

<a href="#_ftnref18" name="_ftn18">[18]</a> Vgl. Karmin <em>et al.</em> 2015

<a href="#_ftnref19" name="_ftn19">[19]</a> Vgl. Zeng <em>et al.</em> 2018 und SU 2018: "<em>Das Rätselhafte daran: Dieser drastische Rückgang traf damals nur die Männer - die Population und Genvielfalt der Frauen nahm während der gleichen Zeit sogar eher zu, wie Analysen der mitochondrialen DNA ergaben. Als Folge kamen damals in vielen Regionen Europas, Asiens und Afrikas 17 Frauen auf nur einen Mann.</em>"

<a href="#_ftnref20" name="_ftn20">[20]</a> Vgl. Uhlmann 2015

<a href="#_ftnref21" name="_ftn21">[21]</a> Vgl. de Waal 2015

<a href="#_ftnref22" name="_ftn22">[22]</a> Vgl. Universität Bielefeld 2004

<a href="#_ftnref23" name="_ftn23">[23]</a> Vgl. BKA 2015

<a href="#_ftnref24" name="_ftn24">[24]</a> Vgl. Prum 2017, S. 17 ff.

<a href="#_ftnref25" name="_ftn25">[25]</a> These nach Stephanie Gogolin. Das Stockholm-Syndrom bezeichnet das kooperierende und solidarisierende Verhalten von Entführungsopfern gegenüber dem Täter.

<a href="#_ftnref26" name="_ftn26">[26]</a> Vgl. Owen 2011

<a href="#_ftnref27" name="_ftn27">[27]</a> Vgl. Uhlmann 2012, S. 53 ff

<a href="#_ftnref28" name="_ftn28">[28]</a> Vgl. Uhlmann 2012, S. 65 ff

<a href="#_ftnref29" name="_ftn29">[29]</a> Vgl. Schlichtherle 2016

<a href="#_ftnref30" name="_ftn30">[30]</a> Vgl. Goldberg <em>et al.</em> 2017

<a href="#_ftnref31" name="_ftn31">[31]</a> Vgl. Gimbutas 1996, S. 352 ff --></p>
<h2 id="literatur">LITERATUR</h2>
<p>&nbsp;</p>
<ul id="liste4">
<li>BKA (Bundeskriminalamt): Partnerschaftsgewalt Kriminalstatistische Auswertung &#8211; Berichtsjahr 2015. <a class="textlink" href="https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/Partnerschaftsgewalt/Partnerschaftsgewalt_2015.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://www.bka.de/</a></li>
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mutter Natur. Die weibliche Seite der Evolution. Berlin 2000. Am. Originalausgabe: <em>Mother Nature.</em> Natural Selection and the Female of the Species. Harvard University Press 1999</li>
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere. Wie uns die Evolution zu sozialen Wesen gemacht hat. Berlin 2010. Am. Original-Ausgabe: <em>Mothers and Others. </em>The Evolutionary Origins of Mutual Understanding. Harvard University Press 2009</li>
<li>Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter. Essays zur Politischen Theologie. Norderstedt 2009</li>
<li>Callaway, Ewen: Prähistorie &#8211; Zankapfel Paläo-DNA. In: Spektrum der Wissenschaft. 8/2018. S. 53-57. Original-Beitrag: Nature 555, S. 573-576, 30.3.2018</li>
<li>De Waal, Frans: Der Mensch, der Bonobo und die Zehn Gebote. Moral ist älter als Religion. Stuttgart 2015. Am. Original-Ausgabe: New York/London 2013</li>
<li>Düring, Andreas; Wahl, Joachim: Agentenbasierte Computersimulation als Schlüssel zur demographischen Struktur des bandkeramischen Massengrabes von Talheim. In: Fundberichte aus Badenwürttemberg, Band 34/2, Esslingen 2014. <a class="textlink" href="https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fbbw/article/view/44490/37955" target="_blank" rel="noopener">https://journals.ub.uni-heidelberg.de/</a></li>
<li>Eisenhauer, Ursula: Jüngerbandkeramische Residenzregeln: Patrilokalität in Talheim. In: J. Eckert /U. Eisenhauer/A. Zimmermann (Hrsg.), Archäologische Perspektiven &#8211; Analysen und Interpretationen im Wandel. Festschrift für Jens Lüning. Rahden/Westf. 2003a S. 561-573</li>
<li>Eisenhauer, Ursula: Matrilokalität in der Bandkeramik? Ein ethnologisches Modell und seine Interpretation. In: Archäologische Informationen 26/2 2003b. S. 321-331</li>
<li>Gimbutas, Marija: Die Zivilisation der Göttin. Die Welt des Alten Europa. Frankfurt a. M. 1996. Am. Original-Ausgabe: The Civilization of the Goddess. The World of Old Europe. New York 1991</li>
<li>Gogolin, Stephanie: Das patriarchale Stockholm-Syndrom Teil I. Das kollektive Stockholm-Syndrom in der Patriarchose. <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" rel="noopener">Online-Ressource</a> vom und abgerufen am 6.9.2019</li>
<li>Gogolin, Stephanie: Das patriarchale Stockholm-Syndrom Teil II. Die Ehe &#8211; ein verinnerlichtes Stockholm-Syndrom. <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/10/13/das-patriarchale-stockholm-syndrom-teil-ii/" target="_blank" rel="noopener">Online-Ressource</a> vom und abgerufen am 13.10.2019</li>
<li>Goldberg, Amy <em>et al.</em>: Ancient X chromosomes reveal contrasting sex bias in Neolithic and Bronze Age Eurasian migrations. PNAS March 7, 2017 114 (10) 2657-2662; published ahead of print February 21, 2017</li>
<li>Hawkes, Kristen: Human longevity: The grandmother effect. Editorial. Nature 2004 (428):128-9. doi:10.1038/428128a<br />
<a href="https://www.nature.com/nature/journal/v428/n6979/full/428128a.html" target="_blank" rel="noopener">http://www.nature.com</a></li>
<li>Hoherz, Hilde: &#8222;&#8230; die Arbeitskraft der Frau verwerten, ohne sie der eigenen Haushaltung und der Kindererziehung zu entziehen.&#8220; &#8211; Frauenarbeit im Konzept der Industriealisierung am Beispiel des preußischen Saarkohlereviers. In: Saarpfalz. Blätter für Geschichte und Volkskunde. Sonderheft 1991. Frau und Geschichte. Beiträge zur verkannten und verdrängten Wirklichkeit von Frauen. S. 15-28</li>
<li>Jarus, Owen: No Family Plots, Just Communal Burials In Ancient Settlement. Aus: <a class="textlink" href="https://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.livescience.com/</a> 29.6.2011. Abgerufen am 1.10.2018</li>
<li>Karmin, M. et al.: A recent bottleneck of Y chromosome diversity coincides with a global change in culture. In: Genome Research 2015; 25(4):459-466. doi:10.1101/gr.186684.114<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/" target="_blank" rel="noopener">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/</a> Abgerufen am 1.10.2018</li>
<li>Keim, Brandon: Frau aus der Bronzezeit führte überraschend modernes Leben. Aus: <a class="textlink" href="https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/frau-aus-der-bronzezeit-fuehrte-ueberraschend-modernes-leben" target="_blank" rel="noopener">https://www.nationalgeographic.de/</a> 30.3.2017. Abgerufen am 1.10.2018</li>
<li>Knipper, Corina <em>et al.</em>: Female exogamy and gene pool diversification at the transition from the Final Neolithic to the Early Bronze Age in central Europe. In: PNAS September 19, 2017 114 (38) 10083-10088; published ahead of print September 5, 2017 <a class="textlink" href="https://doi.org/10.1073/pnas.1706355114" target="_blank" rel="noopener">https://doi.org/10.1073/pnas.1706355114</a></li>
<li>Prum, Richard O.: The Evolution of Beauty: How Darwin&#8217;s Forgotten Theory of Mate Choice Shapes the Animal World &#8211; and Us. New York 2017</li>
<li>Schlichtherle, Helmut: Mitten im Leben. Kulthäuser und Ahnenreihen. In: 4000 Jahre Pfahlbauten. Begleitband zur Großen Landesausstellung Baden-Württemberg 2016. Ostfildern 2016</li>
<li>Schlott, Karin: Bronzezeit in Schottland: Nur die Frauen reisten in eine neue Heimat. Aus: <a target="_blank" rel="noopener">Spektrum online</a> vom 31.3.2022 abgerufen am 3.4.2022</li>
<li>Small, Meredith M.: Female Choices. Sexual Behavior of Female Primates. Cornell University Press 1995</li>
<li>SU (Stanford University): Mysteriöser Männerschwund in der Steinzeit. Dezimierten Stammeskriege die genetische Vielfalt des Y-Chromosoms vor 7.000 Jahren? Online-Resource: <a href="https://www.wissenschaft.de/scinexx/wissen-aktuell-22794-2018-06-04.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.wissenschaft.de/scinexx/</a>. Abgerufen am 1.10.2018</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte. Norderstedt 2012</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat. Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt. Norderstedt 2015</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Female choice &#8211; unser Menschenrecht. Online-Resource seit 2015: <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Aufgeschlossen: Das Frauenzimmer im Turm. Fachvortrag anlässlich des Festivals der Erzählkunst in der Markuskirche Hannover am 21.9.2018. Unveröffentliches Manuskript</li>
<li>Universität Bielefeld: Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland. Eine repräsentative Untersuchung zu Gewalt gegen Frauen in Deutschland. Projektteam der Untersuchung am Interdisziplinären Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Bielefeld im Auftrag des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. 2004. <a href="https://www.bmfsfj.de/blob/84328/0c83aab6e685eeddc01712109bcb02b0/langfassung-studie-frauen-teil-eins-data.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://www.bmfsfj.de</a></li>
<li>Voland, Eckart; Beise, Jan: Opposite Effects of Maternal and Paternal Grandmothers on Infant Survival in Historical Krummhörn. In: Behavioral Ecology and Sociobiology, Bd. 52, S. 435, 2002a</li>
<li>Voland, Eckart; Beise, Jan: A Multilevel Event History Analysis of the Effects of Grandmothers in Child Mortality in a Historical German Population (Krummhörn, Ostfriesland, 1720-1874). In: Demographic Research, Bd. 7, Article 13, 2002b</li>
<li>Zeng, Tian Chen <em>et al.</em>: Cultural hitchhiking and competition between patrilineal kin groups explain the post-Neolithic Y-chromosome bottleneck. In: Nature Communications Volume 9, Article number: 2077 (2018)<strong><br />
</strong> <a href="https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6" target="_blank" rel="noopener">https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6</a> Abgerufen am 1.10.2018</li>
</ul>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Keim 2017</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Callaway 2018, S. 57</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Knipper 2017</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Aktuell: Das Massengrab von <a href="https://www.herder.de/wbg-magazine/aktuelles/2026/raetselhafte-skelette-der-linearbandkeramik-erste-erkenntnisse-zum-aussergewoehnlichen-fundplatz-von-vrable/" target="_blank">Vráble</a> kann dazu gezählt werden, jedoch gibt es auch Stimmen, die es anders interpretieren.</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wie z.B. bei den Massakern von Wiederstedt, Achenheim und Halberstadt oder auch Menneville.</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2012, S. 121-196; siehe auch Düring/Wahl 2014, S. 22 f</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Unter den Studien ist besonders die von Ursula Eisenhauer (Eisenhauer 2003a) zu nennen. Sie versuchte, mit statistischen Mitteln Patrilokalität in Talheim zu beweisen. Matrilokalität ist für sie ein ethnografischer Sonderfall: &#8222;<em>Für die Älteste Bandkeramik ist, unter Berücksichtigung des gegenwärtigen Informationsstandes, auch aus ethnologischer Sicht eine matrilokale oder gar matrilineare Organisationsstruktur auszuschließen.</em>&#8220; (Eisenhauer 2003b, S. 328 zitiert nach Uhlmann 2012, S. 160 f).</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Small 1995 und Uhlmann 2015</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Hawkes 2004. Hawkes geht davon aus, dass die Menopause der Menschenfrau und ihre lange Lebensspanne danach selektiert wurde, weil die Großmutter ihrer Tochter bei der Kinderpflege am besten helfen kann, wenn sie selbst nicht mit einem Kleinkind beschäftigt ist.</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Beise/Voland 2002 a und b. Aus den Kirchenbüchern der Halbinsel Krummhörn (Ostfriesland) ging hervor, dass die Kindersterblichkeit in Familien am höchsten war, wenn die Mutter des Kindsvaters mit im Hause wohnte, geringer ausfiel, wenn keine Großmutter im Hause wohnte, und am geringsten war, wenn die Großmutter mütterlicherseits im Hause wohnte. Daraus schlossen sie auf die Matrilokalität der Menschheit als evolutionäre Größe.</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Blaffer Hrdy 2010, S. 336</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Gimbutas 1996, S. X, S. 346, S.349, S. 352</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Also nicht zu verwechseln mit Matriarchat.</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2018</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Hoherz 1991, S. 16</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Patrilinearität tritt manchmal in Kombination mit Matrilinearität auf, z.B. bei den meroitischen Königshäusern. In diesem als Bilinearität bezeichneten System dient die Matrilinearität der Absicherung der Patrilinearität. Der König musste &#8222;göttlicher Abstammung&#8220; sein. Da jedoch nur die mütterliche Abstammung als sicher galt, musste der König das Kind einer königlichen Mutter sein. Dies führte in letzter Konsequenz auch zu den Geschwisterehen: &#8222;<em>Nur durch den Inzest mit seiner Schwester konnte der König erreichen, dass der erbberechtigte Sohn seiner königlichen Schwester zugleich sein Sohn war.</em>&#8220; (Bott 2009, S. 71)</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Karmin <em>et al.</em> 2015</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Zeng <em>et al.</em> 2018 und SU 2018: &#8222;<em>Das Rätselhafte daran: Dieser drastische Rückgang traf damals nur die Männer &#8211; die Population und Genvielfalt der Frauen nahm während der gleichen Zeit sogar eher zu, wie Analysen der mitochondrialen DNA ergaben. Als Folge kamen damals in vielen Regionen Europas, Asiens und Afrikas 17 Frauen auf nur einen Mann.</em>&#8222;</div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2015</div><div>20&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. de Waal 2015</div><div>21&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Universität Bielefeld 2004</div><div>22&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;BKA 2015</div><div>23&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Prum 2017, S. 17 ff.</div><div>24&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;These nach Stephanie Gogolin. Das Stockholm-Syndrom bezeichnet das kooperierende und solidarisierende Verhalten von Entführungsopfern gegenüber dem Täter.</div><div>25&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Owen 2011</div><div>26&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2012, S. 53 ff</div><div>27&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2012, S. 65 ff</div><div>28&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Schlichtherle 2016</div><div>29&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Goldberg <em>et al.</em> 2017</div><div>30&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Gimbutas 1996, S. 352 ff</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen">Frauen &#8211; woher nehmen, wenn nicht stehlen? Über Frauenraub und seine historischen Grundlagen</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">3831</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Patriarchat &#8211; Definition, Entstehung, Geschichte und Symptome</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Apr 2021 08:42:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Anthropologie]]></category>
		<category><![CDATA[Ethologie]]></category>
		<category><![CDATA[Evolution]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Female Choice]]></category>
		<category><![CDATA[Gender Studies]]></category>
		<category><![CDATA[Grundlagen]]></category>
		<category><![CDATA[Interdisziplinäre Patriarchatsforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Matrifokalität]]></category>
		<category><![CDATA[Matrilinearität]]></category>
		<category><![CDATA[Patrilinearität]]></category>
		<category><![CDATA[Alleinerziehende]]></category>
		<category><![CDATA[Archäologie]]></category>
		<category><![CDATA[Aufklärung]]></category>
		<category><![CDATA[Bachofen]]></category>
		<category><![CDATA[Barbarei]]></category>
		<category><![CDATA[Biologismus]]></category>
		<category><![CDATA[Care-Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Dämonisierung der Frau]]></category>
		<category><![CDATA[Darwin]]></category>
		<category><![CDATA[Ehe]]></category>
		<category><![CDATA[Entführung]]></category>
		<category><![CDATA[Entstehung des Patriarchats]]></category>
		<category><![CDATA[Familiengesetzgebung]]></category>
		<category><![CDATA[female choice]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Fruchtbarkeitsgöttin]]></category>
		<category><![CDATA[Gebärneid]]></category>
		<category><![CDATA[Geiselhaft]]></category>
		<category><![CDATA[genetische Vaterschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberchtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Gott Vater]]></category>
		<category><![CDATA[Göttin]]></category>
		<category><![CDATA[Grundgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Gynozid]]></category>
		<category><![CDATA[Heilige Hochzeit]]></category>
		<category><![CDATA[Hexenverfolgung]]></category>
		<category><![CDATA[indoeuropäische Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Maskulismus]]></category>
		<category><![CDATA[Maskulisten]]></category>
		<category><![CDATA[Matrilokalität]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenzucht]]></category>
		<category><![CDATA[Missionierung]]></category>
		<category><![CDATA[Mondgott]]></category>
		<category><![CDATA[Monogamie]]></category>
		<category><![CDATA[Mutter]]></category>
		<category><![CDATA[Muttermord]]></category>
		<category><![CDATA[Nazismus]]></category>
		<category><![CDATA[Patriarchalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Patriarchat]]></category>
		<category><![CDATA[Patrilokalität]]></category>
		<category><![CDATA[Pflicht]]></category>
		<category><![CDATA[Polygamie]]></category>
		<category><![CDATA[Pseudowissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Recht des Kindes auf Kenntnis des Vaters]]></category>
		<category><![CDATA[Recht des Stärkeren]]></category>
		<category><![CDATA[Reproduktionsmedizin]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sippe]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialdarwinismus]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Vaterschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Steppe]]></category>
		<category><![CDATA[Stillneid]]></category>
		<category><![CDATA[Stockholm-Syndrom]]></category>
		<category><![CDATA[Tierzucht]]></category>
		<category><![CDATA[Überbevölkerung]]></category>
		<category><![CDATA[Ursprung des Patriarchats]]></category>
		<category><![CDATA[Vater]]></category>
		<category><![CDATA[Vaterrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Viehzucht]]></category>
		<category><![CDATA[Wettergott]]></category>
		<category><![CDATA[Zucht]]></category>
		<category><![CDATA[Zwangsehe]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://blog.gabriele-uhlmann.de/?p=3829</guid>

					<description><![CDATA[<p>Bildquelle: Georg Ferner, Kaiserslautern, Public domain, via Wikimedia Commons Definition Merkmal und Gemeinsamkeit aller Patriarchate ist das Vaterrecht. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gesellschaften in der Ausgestaltung der Gesetze, des...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat">Patriarchat &#8211; Definition, Entstehung, Geschichte und Symptome</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="abb">Bildquelle: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Georg_Ferner_Kaiserslautern_c1895.jpg" target="_blank" rel="noopener">Georg Ferner</a>, Kaiserslautern, Public domain, via Wikimedia Commons</span><br />
<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/d707839ebcad4474913136acac01b862" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h2 id="definition">Definition</h2>
<p><span style="font-size: 30px; font-weight: bold;">M</span>erkmal und Gemeinsamkeit aller Patriarchate ist das Vaterrecht. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gesellschaften in der Ausgestaltung der Gesetze, des Zusammenlebens, der Kultur und des Wirtschaftens.</p>
<p>Wie es der Begriff &#8222;Patriarchat&#8220;, der wörtlich übersetzt &#8222;Herrschaft der Väter&#8220; bedeutet, bereits anklingen lässt, haben wir es einerseits mit Herrschern und Beherrschten zu tun, mit Unterdrückern und Unterdrückten, Tätern und Opfern. Andererseits stehen nicht Männer im Fokus, sondern explizit Väter.<br />
Ein Mann, der einer Familie aus einer oder mehreren Ehefrauen und deren ehelichen Kindern vorsteht bzw. über sie als sein Eigentum bestimmt, wird als Patriarch bezeichnet. Daher kommt es verbreitet zu der Ansicht, dass wir in Europa nicht mehr im Patriarchat leben. <a href="https://www.christel-goettert-verlag.de/produkt/sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt/" target="_blank" rel="noopener">In Deutschland gibt es jedoch ein dezidiertes Vaterrecht, das im Grundgesetz verankert ist.</a> Ehe und Familie, also die Orte der Ausübung des Vaterrechts, sind sogar besonders geschützt.<br />
Das Patriarchat wird weltweit sowohl gewaltsam als auch mit rechtsstaatlichen Mitteln, den <strong>Gewalten</strong>, aufrecht erhalten (siehe <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gewalt-garant-und-symptom-des-patriarchats" target="_blank" rel="noopener">extra Essay</a>).</p>
<h2 id="das-patriarchat-ist-nicht-das-was-die-meisten-glauben">Das Patriarchat ist nicht das, was die meisten glauben</h2>
<p>Das Patriarchat wurde nicht geschaffen, um Männer von Care-Arbeit (Kinder- und Angehörigen-Pflege und Hausarbeit) zu befreien und auch nicht, um Väter in die Care-Arbeit einzubeziehen. Die Care-Arbeit hat erstaunlich wenig mit dem Patriarchat zu tun, außer dass sie nicht bezahlt wird und die Mutter keine Unterstützung ihrer mütterlichen Ursprungssippe erwarten kann. Daher ist das Patriarchat auch nicht zu Ende, wie es heute oft behauptet wird, <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2019/01/21/gar-nicht-einfach-die-vaterschaft-als-erklaerung-fuer-alle-menschengemachten-probleme/" target="_blank" rel="noopener"> es verschärft sich im Gegenteil immer weiter</a>.<br />
Warum also herrschen Väter, und warum hören sie nicht einfach auf damit, obwohl es bei Männern wie Frauen und auf unserem Planeten großen Schaden anrichtet? Warum sind Frauen weiter benachteiligt, auch wenn sie als emanzipiert gelten?</p>
<h2 id="entfuehrungsverbrechen-patriarchat-geschichte">Das Patriarchat ist NICHT unser angeborenes Sozialverhalten, sondern ein Entführungsverbrechen &#8211; Entstehung und Geschichte</h2>
<p>Entgegen landläufiger Meinung ist der Beginn des Patriarchats <strong>nicht</strong> mit dem Beginn der Landwirtschaft identisch, sondern die Landwirtschaft begann über 3000 Jahre vorher, vor über 12.000 Jahren. Auch noch nach Beginn der ersten Patriarchate <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">vor ca. 8200 Jahren</a> gab es vielerorts außerhalb der Steppen <a href="https://www.mdr.de/wissen/archaeologie-fruehgeschichte/landwirtschaft-bedeutet-nicht-automatisch-ungleichheit-100.html" target="_blank" rel="noopener">matrifokale Dorfgemeinschaften</a>.</p>
<p>Das Patriarchat ist nicht natürlich, <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">sondern es entstand gewaltsam</a>, speziell mit <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" target="_blank" rel="noopener">Entführungen bzw. Frauenraub</a>, begleitet von Vergewaltigungen und Bestrafung von Frauen und Mädchen, aber auch der Ermordung aller nicht patriarchalen Männer, die das zu verhindern suchten. Ziel der Täter war die Sicherstellung der <strong> genetischen Vaterschaft</strong> zur Ausübung der <strong>sozialen Vaterschaft</strong>, was nur mit Kontrolle der weiblichen Sexualität und der unter diesen Bedingungen gezeugten Kinder möglich war und ist. Dabei ging es von Beginn an nicht um die Wahrnehmung fürsorglicher Aufgaben, sondern um Machtausübung. Aufgrund der Betonung des Wertes der väterlichen Gene wohnt dem Patriarchat nicht nur untrennbar der Sexismus, sondern auch der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung" target="_blank" rel="noopener">Rassismus</a> inne. Sexismus ist dabei die Basis des Rassismus.</p>
<p>Vor der Entstehung des Patriarchats wohnten Kinder nicht bei ihrem Vater, weil er aufgrund der <a href="https://www.amazon.de/Mütter-Andere-Evolution-sozialen-gemacht/dp/3827008859" target="_blank" rel="noopener">matrifokalen Sozialstruktur von <i>Homo sapiens</i></a> unbekannt war.</p>
<p>Die ersten Patriarchen postulierten die Vaterschaft als ihr Recht und erhoben das <strong>Vaterrecht</strong> zum allein gültigen Recht, womit sich das Patriarchat in den Folgegenerationen normalisierte, verselbständigte und tradierte.<br />
Die Kontrolle dieses Rechtes kann nur unter <strong>Patrilokalität</strong> ausgeübt werden, d.h. die Kinder und die Mutter werden gezwungen, beim Vater zu wohnen und gehören ihm auch. Es etablierten sich entsprechende Gesetze und Werte unter einer männerzentrierten Religion. Bis heute führt ein Ehemann sprichwörtlich seine frischgebackene Ehefrau &#8222;heim&#8220;. Darin ist der Ursprung in den initialen Entführungen erkennbar.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Frauenraub: Raub der Sabinerinnen. Albrecht Dürer, 1495, Tusche auf Karton" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/sabinerinnen.jpg?resize=300%2C210&#038;ssl=1" alt="Frauenraub - Raub der Sabinerinnen - Albrecht Dürer" width="300" height="210" /><br />
<span class="abb">Bild: Frauenraub: Raub der Sabinerinnen. Albrecht Dürer, 1495, Tusche auf Karton</span></p>
<h2 id="symptome">Symptome</h2>
<p>Wenn die Flucht aus dem Gefängnis der <strong>Patrilokalität</strong> nicht gelang, war Kooperation die Überlebensstrategie der ersten Opfer, also der Frauen. Über sie kam es zur Mitopferschaft der Töchter und Söhne. Alle weiteren Nachkommen unterlagen dieser Dynamik und wurden Opfer und Täter zugleich. Dies führte schließlich zum Vergessen des Urverbrechens. Dabei wurde die von <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gewalt-garant-und-symptom-des-patriarchats" target="_blank" rel="noopener">Gewalt und tiefsitzenden Ängsten</a> geprägte <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann" target="_blank" rel="noopener">Gesellschaft</a> aufgebaut, die die Menschheit in Klassen einteilt. <strong>Kriege</strong> um Land, Wasser, <strong>Ideologien</strong> bzw. <strong>Religionen</strong> finden nun statt. <strong>Überbevölkerung</strong> und <strong>Elend</strong> gehören dazu wie auch <strong>Epidemien</strong>. <strong>Versklavung</strong> findet ihren ersten Ausdruck in der <strong>Unterdrückung der Frau</strong> und weitet sich über <strong>unterworfene Völker</strong> aus.<br />
<strong>Sexismus </strong>und darauf auch <strong>Rassismus, Ableismus</strong> und <strong>Homophobie</strong> haben ihren Ursprung im <strong>Zuchtgedanken</strong>, der aus der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung" target="_blank" rel="noopener"><strong>Viehzucht</strong></a> entsprang. <strong>Misogynie</strong> und <strong>häusliche Gewalt</strong> wurzeln im Anspruch, dass die Frau und Mutter dem Wohl des Mannes und Vaters stets zu dienen habe. Auch die Kinder müssen sich dem Anspruch unterwerfen, ihm nur Freude zu bereiten, daraus resultiert <strong>Kinderfeindlichkeit und Gewalt jeder Art gegen Kinder</strong>. An die Stelle der bedingungslosen Liebe sind die brüchige <strong>Solidarität</strong> und die erpresserische <strong>Loyalität</strong> (frz. <em>loi</em> = Gesetz) getreten: Weder Eltern noch Kinder können für sich beanspruchen, bedingungslos zu lieben. Die Urbedingung ist genetische väterliche Abstammung, alle weiteren ergeben sich aus der Erpressungssituation heraus.<br />
Das psychologische Phänomen des <b>Stockholm-Syndroms</b>, das bei Entführungsopfern regelmäßig auftritt und zur Kooperation mit dem Täter führt, ist die &#8222;rätselhafte&#8220; Ursache für die Kooperation auch der Frauen mit dem Patriarchat und für seine Tradition. (Link 1: nach Stephanie Gogolin &#8211; <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 1</a>, Link 2: nach Stephanie Gogolin &#8211; <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/10/13/das-patriarchale-stockholm-syndrom-teil-ii/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 2</a>), Link 3: nach Stephanie Gogolin &#8211; <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2020/01/18/das-patriarchale-stockholm-syndrom-teil-iii/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 3</a>, Link 4: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html" target="_blank" rel="noopener">Peer-reviewte Studie aus HUMAN NATURE</a>, Link 5: <a href="https://www.researchgate.net/publication/267777559_Fitness_Costs_of_Warfare_for_Women" target="_blank" rel="noopener">Original-Studie zum Download</a>, Link 6: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Begriff bei Wikipedia</a>)</p>
<p>Erst seit Beginn des Patriarchats werden Menschen auch nach ihrem Vater gefragt, denn sein Bekanntsein verschaffte nun einem Menschen Ansehen und meist auch <strong>Erbrechte</strong>. Lange war ein uneheliches Kind rechtlos. Dadurch entstand ein gefühltes Recht des Kindes, seinen Vater zu kennen. Ansehen und meist auch Wohlstand ziehen patriarchalisierte Menschen aus ihrer <strong>Patrilinearität</strong>, d.h. sie können sich auf einen <strong>Stammvater</strong> der <strong>Familie</strong> zurückführen, dessen Nachnamen sie tragen und dessen <strong>Lebenswerk</strong> sie oft fortführen.<br />
Der Nachname der Mutter wird nur selten als Doppelname vererbt, verschwindet aber spätestens in der nächsten Generation.<br />
Erst die Befreiung der Mütter aus dem Gefängnis der <strong>Ehe</strong> holte das gefühlte Recht des Mannes, seine genetischen Kinder kennen und erziehen zu dürfen, wieder an die Oberfläche, denn ein Mann ohne Kinder kann seine väterliche Linie nicht fortführen, verliert dadurch Einfluss auf die nächste Generation und läuft Gefahr, spätestens im Alter ohne Angehörige zu sein, die ihn versorgen. Vaterrechtler setzten daher durch, dass das <strong>Recht des Kindes auf Kenntnis des Vaters</strong> auch gesetzlich verankert ist.<br />
Beide Rechte, das des Kindes und das des Vaters auf gegenseitige Kenntnis, bestärken sich nun gegenseitig, und nehmen die sich trennende Mutter in wieder <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Geiselhaft</strong></a>. Das Patriarchat ist bis heute ein <b>Entführungsverbrechen</b>.</p>
<p>Das Patriarchat wäre nicht existent, zögen Männer keine Vorteile aus ihrer Vaterschaft. Mit Beginn des Patriarchats waren das rein wirtschaftliche Vorteile. Das zugehörige System heißt <strong>Kapitalismus</strong>, ein Name, der seinen Ursprung in der Viehzucht verrät, mit der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">die ersten Patriarchate</a> errichtet wurden.<br />
Das lateinische Wort &#8222;caput&#8220;, von dem sich das &#8222;Kapital&#8220; ableitet, bedeutet &#8222;Kopf&#8220;, gemeint ist die Zahl der Tierköpfe und der Köpfe, über die ein Patriarch herrscht.<br />
Die polytheistischen Religionen der Antike und die abrahamitischen Weltreligionen sind <strong>Viehzüchter-Religionen</strong> mit Göttern in Stiergestalt (oder andere männliche Nutztiere außer dem Schwein) oder in späteren Stadien alleinherrschende Götter, die zunehmend keine anderen neben sich dulden, und schließlich als Hirte und/oder Töter von Drachen, Kindern und Ungläubigen auftreten.<br />
Das erste Paar der Götterwelt ist noch eine Muttergöttin, All-Göttin oder Große Göttin mit ihrem <strong>Sohngeliebten (resp. Vegetationsgott)</strong>, mit dem sich jeder Patriarch identifizierte, bis sie zur Tochter eines <strong>Wettergottes</strong> oder <strong>Mondgottes</strong> degradiert wird. Auch im Buddhismus, Hinduismus und Shintoismus sind <strong>Muttermord</strong>, <strong>Gebärneid</strong>, <strong>Stillneid, Menstruationsneid</strong> und <strong>Dämonisierung der Frau</strong> verschlüsselt und ritualisiert, während die Viehzüchterideologie zu einer rigiden <strong>Menschenzucht-Ideologie</strong> mit noch strengerer Reglementierung der weiblichen Sexualität umgewandelt wurde. Ersatzreligionen wie die Transideologie tragen ihren Hass auf Frauen und ihren Neid offen zur Schau. Eine pragmatische Haltung zur Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele sowie <strong>Missionierung </strong>und <strong>Indokrinierung</strong> gehört zu allen patriarchalen Religionen wie auch Ideologien.</p>
<p>In der sog. <a href="https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/risikogesellschaft/4019" target="_blank" rel="noopener">Risikogesellschaft</a> (nach U. Beck), wie wir sie heute leben, in der Frauen scheinbar unabhängig werden können und damit die Familie aus Sicht der Männer in Gefahr gerät, besteht der Vorteil der Vaterschaft für Männer darin, in Unabhängigkeit von einer Frau und Mutter nicht Gefahr zu laufen, alleine zu bleiben.</p>
<p>Die Erfahrungswerte und Zahlen über die Lage der Mädchen und Frauen, Mütter und Kinder, speziell auch der alleinerziehenden Mütter in unserer Gesellschaft, werden vor diesem Hintergrund fassbar und als Symptom unseres Patriarchats begreifbar.</p>
<h2 id="matrifokalitaet-ist-unser-angeborenes-sozialverhalten">Matrifokalität ist unser angeborenes Sozialverhalten</h2>
<p>Angeboren ist uns jedoch ein <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt" target="_blank" rel="noopener">matrifokales Sozialverhalten</a> in <b>Matrilokalität</b> und <b>Matrilinearität</b>. Das Naturgesetz, das in der Evolution auf das Wohl des Nachwuchses und seiner Mütter ausgerichtet ist, wird im Patriarchat ausgehebelt und der Sozialverband auf <strong>das Wohl des Vaters</strong> ausgerichtet.<br />
Die angeborene Matrifokalität arbeitet im Untergrund weiter, so dass es einerseits zu Inkompatibilitäten kommt, z.B. dem <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/29/die-schwiegermutter-neues-zur-grossmutterhypothese/" target="_blank" rel="noopener">Schwiegermutterkonflikt</a>, andererseits <a href="https://wp.me/p3b3Fy-Dy" target="_blank" rel="noopener">macht sich das Patriarchat viele matrifokale Eigenschaften zunutze</a>, wie unser existentielles Bedürfnis, in einem Sozialverband zu leben und uns zu kümmern. Das tun wir im Patriarchat, wie unsicher die Familie und andere Konstrukte auch sein mögen.</p>
<h2 id="der-patriarchalisierte-mensch-erforscht-sich-selbst">Der patriarchalisierte Mensch erforscht sich selbst</h2>
<p>Dass nicht die Mütter herrschen, wurde seit Jahrtausenden damit erklärt, dass dies von den Göttern &#8211; und später von dem einen Gott &#8211; gewollt sei. Den angeblichen <strong>Willen der Götter</strong>, verbreitet von angeblich <strong>heiligen Männern</strong>, machten sich die <strong>Gläubigen</strong> zu eigen, entsprach er doch auch der schon länger etablierten Lebenswirklichkeit.<br />
Eine denkbare Gleichheit der Geschlechter kam daher nicht infrage. Sie wurde zwar später an manchen Stellen in den <strong>Heiligen Schriften</strong> postuliert, dies jedoch nur um die Frau an ihren Platz zu verweisen, an dem sie scheinbar gleichberechtigt war, in ihren spezifischen Rechten und <strong>Pflichten</strong> als Ehefrau und Mutter, nicht aber als autonomes Wesen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Der gute Hirte - Kirche Allermöhe" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/guterhirte.jpg?resize=290%2C406&#038;ssl=1" alt="Der gute Hirte - Kirche Allermöhe" width="290" height="406" border="0" /><br />
<span class="abb">Bild: Das verlorene Schaf (Der gute Hirte), Willi Langbein, 1930 (Kirche Allermöhe)</span></p>
<p>Die europäische <strong>Aufklärung</strong> im 18. Jh. führte zu einer Neubewertung der Glaubensvorstellungen, mitausgelöst durch die Verheerungen der <strong>Hexenverfolgung</strong> unter Federführung der Kirchen.<br />
Der beginnende Atheismus, der von patriarchalisch geprägten Denkern getragen wurde, suchte die entstandene Lücke zu schließen und bediente sich der gerade entstandenen Evolutionslehre Darwins. Darwin postulierte für alle Lebewesen einen &#8222;Kampf ums Dasein&#8220;, eine Vorstellung, die von den sog. <strong>Sozialdarwinisten</strong> auf die Beziehung von Mann und Frau angewendet wurde, als sei es ein Naturgesetz, dass es irgendwann keine Frauen mehr gäbe, sondern nur noch Männer. Es wurde also postuliert, dass der Mensch, insbesondere der Mann, von Natur aus gewalttätig sei, und die Frau daher unterlegen sein muss.<br />
Mit dem Glauben an das &#8222;<strong>Recht des Stärkeren</strong>&#8220; wurde das Patriarchat neu legitimiert, das mit der Aufweichung der einst starken Festung des Gott-Vater-Glaubens ins Wanken geraten war. Das Patriarchat wurde und wird seitdem vielfach, wenn nicht als gottgegeben, so doch als naturgegeben vorausgesetzt.</p>
<p>In meinem <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/matrifokal.htm" target="_blank" rel="noopener">Aufsatz zur Geschichte der Erforschung der Matrifokalität</a> auf dieser Homepage habe ich bereits dargestellt, welche Entwicklung sich daran anschloss, die einerseits mit dem Werk des Rechtshistorikers und Kulturanthropologen Johann Jakob Bachofen und andererseits mit den archäologischen Funden <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/venusvomhohlefels.htm" target="_blank" rel="noopener">sogenannter Venus-Figuren</a> aus der Altsteinzeit ausgelöst wurde.</p>
<p>Nach dem Ende des Feminismus alter Prägung widmen sich heute fast alle Fachbereiche unter der Bezeichnung &#8222;Gender Studies&#8220; der Frage, was dem Patriarchat fachspezifisch entgegenzusetzen sei. Mit Ausnahme der Medizin werden evolutionäre, biologische Aspekte stets ausgeklammert und als biologistisch abgewertet. Stattdessen wird versucht, eine Strategie zu entwickeln, wie mittels politischer Meinungsbildung oder Sprache Gleichberechtigung herzustellen sei. In den Naturwissenschaften wird nicht selten versucht, das kulturelle Verhalten weiblicher und männlicher Primaten untereinander und auch mit dem des patriarchalisierten Menschen als gleich darzustellen. Demnach sei alles nur eine Frage von Kultur und nicht von Verbrechen. Auf diese Weise waschen die Gender Studies das Patriarchat rein, und statt es zu beenden, werden Vorlagen geliefert, es weiter zu verschärfen.</p>
<p>Dass es <strong>Monogamie</strong> und <strong>Eheschließung</strong>, also die Familie, schon in der Altsteinzeit gegeben hätte, ist von den Gender Studies nie infrage gestellt worden. Mit dieser Rückdatierung des Patriarchats in die Anfänge der Menschheit waren die Gender Studies für das System interessant geworden, wo zuvor der Feminismus das Patriarchat zurückzudrängen begann. Entsprechend viel Geld wurde in diese Pseudowissenschaft gepumpt.</p>
<p>Die neue Ideologie, die in den Universitäten erdacht wurde, wurde mit dem Amsterdamer Vertrag von 1997/1999 in der EU-Politik als sog. <strong>Gender Mainstreaming</strong> fest verankert. Da die Gender Studies staatlich finanziert sind, war von Beginn an Skepsis angebracht, dass hiermit das Patriarchat zu beenden wäre. Es stellte sich in der Tat heraus, dass das Gender Mainstreaming zum Wohle der Wirtschaft zur Anpassung der Frau an die männliche Lebensweise führte, und Kinder dabei nur als Störfaktor angesehen werden. Als die Frauen in die Arbeitswelt drängten, sanken die Löhne drastisch, so dass heute ein Gehalt allein nicht mehr ausreicht, eine Familie zu ernähren. Mit dem Hinweis auf die Sachzwänge der Globalisierung wird dieser Umstand verschleiert.</p>
<p>Neue Denkanstöße kommen seit einigen Jahren aus der sog. Citizen Science, der unabhängigen Bürgerforschung. Mit der hier angesiedelten <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/brgerinnenwissenschaft-citizen-science-patriarchatsforschung" target="_blank" rel="noopener">kritischen Patriarchatsforschung</a> wurde begonnen, interdisziplinär, unter Einbeziehung der Anthropologie, also der menschlichen Evolution und Biologie, die Entstehung und Aufrechterhaltung des Patriarchats zu untersuchen und zu verstehen. Heute gilt daher die Unterdrückung der sog. <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener"><em>female choice</em></a> als Basis des Patriarchats und als sein einzig sicheres Erkennungszeichen. Es wurde deutlich, dass das besondere, soziale Miteinander des Menschen seine Wurzeln in der matrifokalen, also matrilokalen und matrilinearen SIPPE hat, die vom Patriarchat zerstört wurde, so dass die Mehrheit der Menschen, aber immer noch nicht alle, in patrilinearen Gruppen, den FAMILIEN, patrilokal leben. Es konnte damit nicht nur der Widerspruch aufgelöst werden, dass der Mensch einerseits gewalttätig werden kann und Kriege führt, und andererseits als höchst sozial gilt. Es wurde mit dem Wissen, dass die Mütter aus ihrem urmütterlichen Schutzraum gerissen wurden und den Vätern und deren Familie fortan ausgeliefert waren, erklärbar, warum Frauen und Kinder, letztlich also auch die Männer, im Patriarchat leiden und gleichzeitig, warum ausgerechnet die Religionen dies rechtfertigen.</p>
<h2 id="die-patriarchale-ideologie-gestern-und-heute">Die patriarchale Ideologie gestern und heute</h2>
<p>Das Patriarchat wurde vor <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">ca. 8200 Jahren (Misox-Klimaschwankung)</a> mit der Erfindung des Viehnomadismus in den Steppengebieten errichtet. Die Frau wurde in die Ehe gezwungen und sie hatte ihrem Ehemann vor allem Söhne zu gebären und ihm und seiner Herde zu folgen. Unsere <strong>indoeuropäische Sprache</strong>, die aus der Steppe stammt, ist entsprechend durchsetzt mit Metaphern aus der Tierzucht. Eine Frau, die ihre <em>female choice</em> frei lebt, also selbstgewählte, wechselnde Sexualpartner hat, wird als &#8222;unzüchtig&#8220; (sinngemäß: sich der Zucht entziehend) oder &#8222;zügellos&#8220; bezeichnet. Es handelte sich um eine bis dahin unbekannte Denk- und Lebensweise, in der sich der Mann seiner väterlichen Linie bewusst geworden war (Patrilinearität) und daher die Frauen und Kinder zwang, bei ihm zu wohnen (Patrilokalität). Damit begann er, Menschen wie ein Schöpfergott nach seinem Willen zu züchten.<br />
Bei der Tierzucht passierte der größte Irrtum der Menschheit, nämlich, dass die Frau nur <strong>das Gefäß männlichen Samens</strong> sei. Zu teuer und obendrein meist unwillig war die Frau für den Mann zur Last geworden, Ursache des <strong>tiefen Hasses auf die Frauen</strong>, sowie männlicher Überheblichkeit und des Machtstrebens. Als Ziel des Patriarchats ist in den Heiligen Schriften die <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/petition-gegen-die-sog-kuenstliche-gebaermutter" target="_blank" rel="noopener"><strong>Abschaffung der Mutter</strong></a> erkennbar, deren Metapher &#8222;<strong>Fruchtbarkeitsgöttin</strong>&#8220; sukzessive durch einen allmächtigen, d.h. <strong>unsterblichen, menstruierenden, gebärenden und stillenden Gott</strong> ersetzt wurde.<br />
Dieses Ziel erschien wie oben erwähnt im Sozialdarwinismus neu verpackt wieder an der Oberfläche patriarchalen Denkens. In unserer Zeit wird es durch die <strong>Reproduktionsmedizin</strong> mit Legalisierung der Leihmutterschaft und Eizellspende, der Entwicklung der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter" target="_blank" rel="noopener">sog. künstlichen Gebärmutter</a>, der <a href="https://netzfrauen.org/2015/07/23/nestle-besitzt-patente-auf-muttermilch-und-banken-haben-babynahrung-fuer-sich-entdeckt/" target="_blank" rel="noopener">Patentierung der Muttermilch</a>, der <strong>Fremdbetreuung der Kinder</strong> u.a. vorangetrieben, mitgetragen auch von einem falsch verstandenen Feminismus, der die Frau von dieser vermeintlich lästigen und undankbaren Aufgabe zu befreien sucht.<strong> Dass es das Patriarchat auf die besonders kostbare Fähigkeit der Frau, Mutter zu werden, abgesehen hat, wurde vom Feminismus nicht erkannt und von den Gender Studies ausgeblendet. </strong>Eine Frau, die ihr Frausein über ihre Fähigkeit, Mutter zu werden, definiert, <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/" target="_blank" rel="noopener">wird als biologistisch abgewertet</a>, sind da ja die <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2021/05/11/gegen-selbstbestimmungsgesetz-selfid-und-abschaffung-des-biologischen-geschlechts-fur-korperliche-integritat-aller-menschen-jetzt-handeln-es-eilt/" target="_blank" rel="noopener">Männer, denen das ermöglicht werden soll</a>. Tatsächlich wächst die väterliche Macht auch um so mehr, als die Bindung zum Kind immer enger wird. So begrüßenswert das auf den ersten Blick erscheint, <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener">so fatal wirkt sich das auf die Freiheit der Mutter und ihr Recht am Kinde aus</a>.<br />
Neue Begriffe wie &#8222;Bindungsintoleranz&#8220; (der Mutter unterstellter Versuch, das Kind dem Vater zu entfremden) und &#8222;neurotische Mutter-Kind-Symbiose&#8220; (nach Sigmund Freud) werden als Argumente angeführt, um Müttern das Kind direkt wegnehmen zu können. <a href="https://taz.de/Inobhutnahme-durch-das-Jugendamt/!5599059/" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Inobhutnahme&#8220; ist der euphemistische Begriff für diesen Kinderraub.</a><br />
Wenn eine Mutter ihr Kind dann einfach mitnimmt, ohne den Vater über den Verbleib zu unterrichten, dann gilt das vor dem patriarchalen Gesetz nicht als Befreiung, was es ja eigentlich ist, sondern in Verdrehung der Tatsachen als Entführung.</p>
<p>Die Strategie ist denkbar einfach. Das Kind gilt im Geiste als Besitz des Vaters. Die Mutterschaft wird der Frau unerträglich gemacht, dann von ihr abgelehnt und vom Patriarchat scheinheilig diffamiert. So kann die Mutterschaft der Frau weggenommen werden, um die Supervaterschaft, den Endsieg des Patriarchats, Wirklichkeit werden zu lassen. In den Heiligen Schriften ist dieses Ziel von Gott-Vater längst umgesetzt.</p>
<p>Was will der Patriarch mit dieser Fähigkeit anfangen? Wird sie ihm einst nicht ebenso lästig und unangenehm wie der patriarchalisierten Frau? Mit der Supervaterschaft sucht er Unsterblichkeit, die ihm zur totalen Macht fehlt. Dabei spielt es keine Rolle, wie das Leben der so gezeugten Kinder aussehen wird oder wie sie sich fühlen. Wesentlich wird sein, dass diese Kinder funktionieren und die Macht und den Reichtum des Patriarchen weiter mehren. Während matrifokale Menschen dazu anleiten, was das Kind zum Leben braucht, leitet der Patriarch dazu an, was das Kind braucht, um wie er zu werden. Bedingungslose Liebe ist ihm fremd. Er kompensiert sie mit Materialismus. Nur die Natur kann diesen Machenschaften Grenzen setzen, zerstört er doch zunehmend seine Lebensgrundlage.</p>
<h2 id="schlussbemerkung">Schlussbemerkung</h2>
<p>Erst mit der kritischen Patriarchatsforschung steht nun dieses neue Wissen zur Verfügung, mit dem nicht nur die Gender Studies als patriarchales Instrument entlarvt werden. Sie entzieht sowohl dem antifeministischen Maskulismus als auch den Theologien und dem <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/" target="_blank" rel="noopener">Nazismus</a> den Nährboden. Die Natur stellt sich jetzt nicht mehr als feindliche, zu überwindende &#8222;Barbarei&#8220; dar, sondern als Raum wahrer Gleichberechtigung, den es neu zu entdecken gilt.</p>
<p>Tieferen Einblick und weiterführende Literaturhinweise liefern diese Homepage, mein Blog <strong><a class="textlink" href="http://wahrscheinkontrolle.wordpress.com" target="_blank" rel="noopener">Wahrscheinkontrolle</a></strong> und u.a. meine beiden Bücher</p>
<ul id="liste4">
<li><a href="https://www.bod.de/buchshop/der-gott-im-9-monat-gabriele-uhlmann-9783738639018" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Der Gott im 9. Monat. Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt.&#8220;</a></li>
<li><a href="https://www.bod.de/buchshop/archaeologie-und-macht-gabriele-uhlmann-9783844814200" target="_blank" rel="noopener">Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte.</a></li>
</ul>
<p>&#8230; sowie die Faktensammlung und Buchtipps auf der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/" target="_blank" rel="noopener">Startseite</a>.<br />
<!-- JSON-LD-Markup generiert von Google Strukturierte Daten: Markup-Hilfe --><br />
<script type="application/ld+json">
  {
    "@context" : "http://schema.org",
    "@type" : "Article",
    "author" : {
      "@type" : "Person",
      "name" : "Gabriele Uhlmann"
    },
    "publisher": {
      "@type": "Organization",
      "name": "Gabriele Uhlmann",
      "logo": {
        "@type": "ImageObject",
        "url": "https://www.gabriele-uhlmann.de/images/aum/signet.jpg"
      }
    },
    "headline": "Das Patriarchat. Definition, Geschichte und Symptome.",
    "datePublished": "2015-02-15", 
    "dateModified": "2021-03-15",
    "description": "Patriarchat",
    "mainEntityOfPage": {
      "@type": "WebPage",
      "@id": "https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat-definition-geschichte-und-symptome"
    },
"articleSection" : "Merkmal und Gemeinsamkeit aller Patriarchate ist das Vaterrecht. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gesellschaften in der Ausgestaltung der Gesetze, des Zusammenlebens, der Kultur und des Wirtschaftens. Wie es der Begriff \"Patriarchat\", der wörtlich übersetzt \"Herrschaft der Väter\" bedeutet, bereits anklingen lässt, haben wir es einerseits mit Herrschern und Beherrschten zu tun, mit Unterdrückern und Unterdrückten, Tätern und Opfern. Andererseits stehen nicht Männer im Fokus, sondern explizit Väter. Ein Mann, der einer Familie aus einer oder mehreren Ehefrauen und deren ehelichen Kindern vorsteht bzw. über sie als sein Eigentum bestimmt, wird als Patriarch bezeichnet. Daher kommt es verbreitet zu der Ansicht, dass wir in Europa nicht mehr im Patriarchat leben. In Deutschland gibt es jedoch ein dezidiertes Vaterrecht, das im Grundgesetz verankert ist. Ehe und Familie, also die Orte der Ausübung des Vaterrechts, sind sogar besonders geschützt. Das Patriarchat wird weltweit sowohl gewaltsam als auch mit rechtsstaatlichen Mitteln, den Gewalten, aufrecht erhalten (siehe extra Artikel). Das Patriarchat wurde nicht geschaffen, um Männer von Care-Arbeit (Kinder- und Angehörigen-Pflege und Hausarbeit) zu befreien und auch nicht, um Väter in die Care-Arbeit einzubeziehen. Die Care-Arbeit hat erstaunlich wenig mit dem Patriarchat zu tun, außer dass sie nicht bezahlt wird und die Mutter keine Unterstützung ihrer mütterlichen Ursprungssippe erwarten kann. Daher ist das Patriarchat auch nicht zu Ende, wie es heute oft behauptet wird, es verschärft sich im Gegenteil immer weiter. Das Patriarchat ist nicht das, was die meisten glauben Daher ist es auch nicht zu Ende, wie es heute oft behauptet wird, es verschärft sich im Gegenteil immer weiter. Warum also herrschen Väter, und warum hören sie nicht einfach auf damit, obwohl es bei Männern wie Frauen und auf unserem Planeten großen Schaden anrichtet? Warum sind Frauen weiter benachteiligt, auch wenn sie als emanzipiert gelten? Das Patriarchat ist NICHT unser angeborenes Sozialverhalten, sondern ein Entführungsverbrechen Das Patriarchat ist nicht natürlich, sondern es entstand gewaltsam, speziell mit Entführungen bzw. Frauenraub, begleitet von Vergewaltigungen und Bestrafung von Frauen und Mädchen, aber auch der Ermordung aller nicht patriarchalen Männer, die das zu verhindern suchten. Ziel der Täter war die Sicherstellung der genetischen Vaterschaft zur Ausübung der sozialen Vaterschaft, was nur mit Kontrolle der weiblichen Sexualität und der unter diesen Bedingungen gezeugten Kinder möglich war und ist. Dabei ging es von Beginn an nicht um die Wahrnehmung fürsorglicher Aufgaben, sondern um Machtausübung. Aufgrund der Betonung des Wertes der väterlichen Gene wohnt dem Patriarchat nicht nur untrennbar der Sexismus, sondern auch der Rassismus inne. Sexismus ist dabei die Basis des Rassismus. Vor der Entstehung des Patriarchats wohnten Kinder nicht bei ihrem Vater, weil er aufgrund der matrifokalen Sozialstruktur von Homo sapiens unbekannt war. Die ersten Patriarchen postulierten die Vaterschaft als ihr Recht und erhoben das Vaterrecht zum allein gültigen Recht, womit sich das Patriarchat in den Folgegenerationen normalisierte, verselbständigte und tradierte. Die Kontrolle dieses Rechtes kann nur unter Patrilokalität ausgeübt werden, d.h. die Kinder und die Mutter werden gezwungen, beim Vater zu wohnen und gehören ihm auch. Es etablierten sich entsprechende Gesetze und Werte unter einer männerzentrierten Religion. Bis heute führt ein Ehemann sprichwörtlich seine frischgebackene Ehefrau \"heim\". Darin ist der Ursprung in den initialen Entführungen erkennbar. Wenn die Flucht nicht gelang, war Kooperation die Überlebensstrategie der ersten Opfer, also der Frauen. Über sie kam es zur Mitopferschaft der Töchter und Söhne. Alle weiteren Nachkommen unterlagen dieser Dynamik und wurden Opfer und Täter zugleich. Dies führte schließlich zum Vergessen des Urverbrechens. Das psychologische Phänomen des Stockholm-Syndroms, das bei Entführungsopfern regelmäßig auftritt und zur Kooperation mit dem Täter führt, ist die \"rätselhafte\" Ursache für die Kooperation auch der Frauen mit dem Patriarchat und für seine Tradition (Link 1: Peer-reviewte Studie aus HUMAN NATURE, Link 2: Original-Studie zum Download Link 3: Begriff bei Wikipedia, Link 4: nach Stephanie Gogolin - Stockholm-Syndrom Teil 1, Link 5: nach Stephanie Gogolin - Stockholm-Syndrom Teil 2). Erst seit Beginn des Patriarchats werden Menschen auch nach ihrem Vater gefragt, denn sein Bekanntsein verschaffte nun einem Menschen Ansehen und meist auch Erbrechte. Lange war ein uneheliches Kind rechtlos. Dadurch entstand ein gefühltes Recht des Kindes, seinen Vater zu kennen. Ansehen und meist auch Wohlstand ziehen patriarchalisierte Menschen aus ihrer Patrilinearität, d.h. sie können sich auf einen Stammvater zurückführen, dessen Nachnamen sie tragen und dessen Lebenswerk sie oft fortführen. Der Nachname der Mutter wird nur selten als Doppelname vererbt, verschwindet aber spätestens in der nächsten Generation. Erst die Befreiung der Mütter aus dem Gefängnis der Ehe holte das gefühlte Recht des Mannes, seine genetischen Kinder kennen und erziehen zu dürfen, wieder an die Oberfläche, denn ein Mann ohne Kinder kann seine väterliche Linie nicht fortführen, verliert dadurch Einfluss auf die nächste Generation und läuft Gefahr spätestens im Alter ohne Angehörige zu sein, die ihn versorgen. Vaterrechtler setzten daher durch, dass das Recht des Kindes auf Kenntnis des Vaters auch gesetzlich verankert ist. Beide Rechte, das des Kindes und das des Vaters auf gegenseitige Kenntnis, bestärken sich nun gegenseitig, und nehmen die sich trennende Mutter in wieder gefühlte Geiselhaft. Das Patriarchat ist bis heute ein Entführungsverbrechen. Das Patriarchat wäre nicht existent, zögen Männer keine Vorteile aus ihrer Vaterschaft. Mit Beginn des Patriarchats waren das rein wirtschaftliche Vorteile. Das zugehörige System heißt Kapitalismus, ein Name, der seinen Ursprung in der Viehzucht verrät, wo das Patriarchat tatsächlich begann. Das lateinische Wort \"caput\" bedeutet \"Kopf\", gemeint ist die Zahl der Tierköpfe und der Köpfe über die ein Patriarch herrscht. In der sog. Risikogesellschaft (nach U. Beck), wie wir sie heute leben, in der Frauen scheinbar unabhängig werden können und damit die Familie aus Sicht der Männer in Gefahr gerät, besteht der Vorteil der Vaterschaft für Männer darin, in Unabhängigkeit von einer Frau und Mutter nicht Gefahr zu laufen alleine zu bleiben. Die Erfahrungswerte und Zahlen über die Lage der Mädchen und Frauen, Mütter und Kinder, speziell auch der alleinerziehenden Mütter, in unserer Gesellschaft, werden vor diesem Hintergrund fassbar und als Symptom unseres Patriarchats begreifbar. Matrifokalität ist unser angeborenes Sozialverhalten Angeboren ist uns jedoch ein matrifokales Sozialverhalten in Matrilokalität und Matrilinearität. Das Naturgesetz, das in der Evolution auf das Wohl des Nachwuchses und seiner Mütter ausgerichtet ist, wird im Patriarchat ausgehebelt und der Sozialverband auf das Wohl des Vaters ausgerichtet. Die angeborene Matrifokalität arbeitet im Untergrund weiter, so dass es einerseits zu Inkompatibilitäten kommt, z.B. dem Schwiegermutterkonflikt, andererseits macht sich das Patriarchat viele matrifokale Eigenschaften zunutze, wie unser existentielles Bedürfnis, in einem Sozialverband zu leben. Das tun wir im Patriarchat, wie unsicher die Familie und andere Konstrukte auch sein mögen. Der patriarchalisierte Mensch erforscht sich selbst Dass nicht die Mütter herrschen, wurde seit Jahrtausenden damit erklärt, dass dies von den Göttern - und später von dem einen Gott - gewollt sei. Den angeblichen Willen der Götter, verbreitet von angeblich heiligen Männern, machten sich die Gläubigen zu eigen, entsprach er doch auch der schon länger etablierten Lebenswirklichkeit. Eine denkbare Gleichheit der Geschlechter kam daher nicht infrage. Sie wurde zwar später an manchen Stellen in den Heiligen Schriften postuliert, dies jedoch nur um die Frau an ihren Platz zu verweisen, an dem sie scheinbar gleichberechtigt war, in ihren spezifischen Rechten und Pflichten als Ehefrau und Mutter, nicht aber als autonomes Wesen. Die europäische Aufklärung im 18. Jh. führte zu einer Neubewertung der Glaubensvorstellungen, mitausgelöst durch die Verheerungen der Hexenverfolgung unter Federführung der Kirchen. Der beginnende Atheismus, der von patriarchalisch geprägten Denkern getragen wurde, suchte die entstandene Lücke zu schließen und bediente sich der gerade entstandenen Evolutionslehre Darwins. Darwin postulierte für alle Lebewesen einen \"Kampf ums Dasein\", eine Vorstellung, die von den sog. Sozialdarwinisten auf die Beziehung von Mann und Frau angewendet wurde, als sei es ein Naturgesetz, dass es irgendwann keine Frauen mehr gäbe, sondern nur noch Männer. Es wurde also postuliert, dass der Mensch, insbesondere der Mann, von Natur aus gewalttätig sei, und die Frau daher unterlegen sein muss. Mit dem Glauben an das \"Recht des Stärkeren\" wurde das Patriarchat neu legitimiert, das mit der Aufweichung der einst starken Festung des Gott-Vater-Glaubens ins Wanken geraten war. Das Patriarchat wurde und wird seitdem vielfach, wenn nicht als gottgegeben, so doch als naturgegeben vorausgesetzt. In meinem Aufsatz zur Geschichte der Erforschung der Matrifokalität auf dieser Homepage habe ich bereits dargestellt, welche Entwicklung sich daran anschloss, die einerseits mit dem Werk des Rechtshistorikers und Kulturanthropologen Johann Jakob Bachofen und andererseits mit den archäologischen Funden sogenannter Venus-Figuren aus der Altsteinzeit ausgelöst wurde. Nach dem Ende des Feminismus alter Prägung widmen sich heute fast alle Fachbereiche unter der Bezeichnung \"Gender Studies\" der Frage, was dem Patriarchat fachspezifisch entgegenzusetzen sei. Mit Ausnahme der Medizin werden evolutionäre, biologische Aspekte stets ausgeklammert und als biologistisch abgewertet. Stattdessen wird versucht, eine Strategie zu entwickeln, wie mittels politischer Meinungsbildung oder Sprache Gleichberechtigung herzustellen sei. In den Naturwissenschaften wird nicht selten versucht, das kulturelle Verhalten weiblicher und männlicher Primaten untereinander und auch mit dem des patriarchalisierten Menschen als gleich darzustellen. Demnach sei alles nur eine Frage von Kultur und nicht von Verbrechen. Auf diese Weise waschen die Gender Studies das Patriarchat rein, und statt es zu beenden, werden Vorlagen geliefert, es weiter zu verschärfen. Dass es Monogamie und Eheschließung, also die Familie, schon in der Altsteinzeit gegeben hätte, ist von den Gender Studies nie infrage gestellt worden. Mit dieser Rückdatierung des Patriarchats in die Anfänge der Menschheit waren die Gender Studies für das System interessant geworden, wo zuvor der Feminismus das Patriarchat zurückzudrängen begann. Entsprechend viel Geld wurde in diese Pseudowissenschaft gepumpt. Die neue Ideologie, die in den Universitäten erdacht wurde, wurde mit dem Amsterdamer Vertrag von 1997/1999 in der EU-Politik als sog. Gender Mainstreaming fest verankert. Da die Gender Studies staatlich finanziert sind, war von Beginn an Skepsis angebracht, dass hiermit das Patriarchat zu beenden wäre. Es stellte sich in der Tat heraus, dass das Gender Mainstreaming zum Wohle der Wirtschaft zur Anpassung der Frau an die männliche Lebensweise führte, und Kinder dabei nur als Störfaktor angesehen werden. Als die Frauen in die Arbeitswelt drängten, sanken die Löhne drastisch, so dass heute ein Gehalt allein nicht mehr ausreicht, eine Familie zu ernähren. Mit dem Hinweis auf die Sachzwänge der Globalisierung wird dieser Umstand verschleiert. Neue Denkanstöße kommen seit einigen Jahren aus der sog. Citizen Science, der unabhängigen Bürgerforschung. Mit der hier angesiedelten kritischen Patriarchatsforschung wurde begonnen, interdisziplinär, unter Einbeziehung der Anthropologie, also der menschlichen Evolution und Biologie, die Entstehung und Aufrechterhaltung des Patriarchats zu untersuchen und zu verstehen. Heute gilt daher die Unterdrückung der sog. female choice als Basis des Patriarchats und als sein einzig sicheres Erkennungszeichen. Es wurde deutlich, dass das besondere, soziale Miteinander des Menschen seine Wurzeln in der matrifokalen, also matrilokalen und matrilinearen SIPPE hat, die vom Patriarchat zerstört wurde, so dass die Mehrheit der Menschen, aber immer noch nicht alle, in patrilinearen Gruppen, den FAMILIEN, patrilokal leben. Es konnte damit nicht nur der Widerspruch aufgelöst werden, dass der Mensch einerseits gewalttätig werden kann und Kriege führt, und andererseits als höchst sozial gilt. Es wurde mit dem Wissen, dass die Mütter aus ihrem urmütterlichen Schutzraum gerissen wurden und den Vätern und deren Familie fortan ausgeliefert waren, erklärbar, warum Frauen und Kinder, letztlich also auch die Männer, im Patriarchat leiden und gleichzeitig, warum ausgerechnet die Religionen dies rechtfertigen. Patriarchale Ideologie und ihre Folgen Das Patriarchat wurde vor ca. 8200 Jahren (Misox-Klimaschwankung) mit der Erfindung des Viehnomadismus in den Steppengebieten errichtet. Die Frau wurde in die Ehe gezwungen und sie hatte ihrem Ehemann vor allem Söhne zu gebären und ihm und seiner Herde zu folgen. Unsere indoeuropäische Sprache, die aus der Steppe stammt, ist entsprechend durchsetzt mit Metaphern aus der Tierzucht. Eine Frau, die ihre female choice frei lebt, also selbstgewählte, wechselnde Sexualpartner hat, wird als \"unzüchtig\" (sinngemäß: sich der Zucht entziehend) oder \"zügellos\" bezeichnet. Es handelte sich um eine bis dahin unbekannte Denk- und Lebensweise, in der sich der Mann seiner väterlichen Linie bewusst geworden war (Patrilinearität) und daher die Frauen und Kinder zwang, bei ihm zu wohnen (Patrilokalität). Damit begann er, Menschen wie ein Schöpfergott nach seinem Willen zu züchten. Bei der Tierzucht passierte der größte Irrtum der Menschheit, nämlich, dass die Frau nur das Gefäß männlichen Samens sei. Zu teuer und obendrein meist unwillig war die Frau für den Mann zur Last geworden, Ursache des tiefen Hasses auf die Frauen, sowie männlicher Überheblichkeit und des Machtstrebens. Als Ziel des Patriarchats ist in den Heiligen Schriften die Abschaffung der Mutter erkennbar, deren Metapher \"Fruchtbarkeitsgöttin\" sukzessive durch einen allmächtigen, d.h. unsterblichen, menstruierenden, gebärenden und stillenden Gott ersetzt wurde. Dieses Ziel erschien wie oben erwähnt im Sozialdarwinismus neu verpackt wieder an der Oberfläche patriarchalen Denkens. In unserer Zeit wird es durch die Reproduktionsmedizin, die Patentierung der Muttermilch, die Fremdbetreuung der Kinder u.a. vorangetrieben, mitgetragen auch von einem falsch verstandenen Feminismus, der die Frau von dieser vermeintlich lästigen und undankbaren Aufgabe zu befreien sucht. Dass es das Patriarchat auf die besonders kostbare Fähigkeit der Frau, Mutter zu werden, abgesehen hat, wurde vom Feminismus nicht erkannt und von den Gender Studies ausgeblendet. Eine Frau, die ihr Frausein über ihre Fähigkeit, Mutter zu werden, definiert, wird als biologistisch abgewertet, sind da ja die Männer, denen das ermöglicht werden soll. Tatsächlich wächst die väterliche Macht auch um so mehr, als die Bindung zum Kind immer enger wird. So begrüßenswert das auf den ersten Blick erscheint, so fatal wirkt sich das auf die Freiheit der Mutter und ihr Recht am Kinde aus. Neue Begriffe wie \"Bindungsintoleranz\" (der Mutter unterstellter Versuch, das Kind dem Vater zu entfremden) und \"neurotische Mutter-Kind-Symbiose\" (nach Sigmund Freud) werden als Argumente angeführt, um Müttern das Kind direkt wegnehmen zu können. \"Inobhutnahme\" ist der euphemistische Begriff für diesen Kinderraub. Wenn eine Mutter ihr Kind dann einfach mitnimmt, ohne den Vater über den Verbleib zu unterrichten, dann gilt das vor dem patriarchalen Gesetz nicht als Befreiung, was es ja eigenlich ist, sondern in Verdrehung der Tatsachen als Entführung. Die Strategie ist denkbar einfach. Das Kind gilt im Geiste als Besitz des Vaters. Die Mutterschaft wird der Frau unerträglich gemacht, dann von ihr abgelehnt und vom Patriarchat scheinheilig diffamiert. So kann die Mutterschaft der Frau weggenommen werden, um die Supervaterschaft, den Endsieg des Patriarchats, Wirklichkeit werden zu lassen. In den Heiligen Schriften ist dieses Ziel von Gott-Vater längst umgesetzt. Aber was will der Patriarch mit dieser Fähigkeit? Wird sie ihm einst nicht ebenso lästig und unangenehm wie der patriarchalisierten Frau? Mit der Supervaterschaft sucht der Mann Unsterblichkeit, die ihm zur totalen Macht fehlt. Dabei spielt es keine Rolle, wie das Leben der so gezeugten Kinder aussehen wird oder wie sie sich fühlen. Wesentlich wird sein, dass diese Kinder funktionieren und die Macht und den Reichtum des Patriarchen weiter mehren. Liebe ist dem Patriarchen fremd. Er kompensiert sie mit Materialismus. Doch die Natur wird diesen Machenschaften einst Grenzen setzen, zerstört er doch zunehmend seine Lebensgrundlage, unsere Mutter Erde."
  }]
  </script></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat">Patriarchat &#8211; Definition, Entstehung, Geschichte und Symptome</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">3829</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Explosion und Expansion &#8211; wie Vatermacht die Welt unterjocht.</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Apr 2021 10:41:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grundlagen]]></category>
		<category><![CDATA[Interdisziplinäre Patriarchatsforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Abtreibung]]></category>
		<category><![CDATA[Bevölkerungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Club of Rome]]></category>
		<category><![CDATA[Ice rafted debris]]></category>
		<category><![CDATA[IRD]]></category>
		<category><![CDATA[Megacity]]></category>
		<category><![CDATA[Misox-Schwankung]]></category>
		<category><![CDATA[Patriarchalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Rauchloch]]></category>
		<category><![CDATA[Tengrismus]]></category>
		<category><![CDATA[Überbevölkerung]]></category>
		<category><![CDATA[Viehzucht]]></category>
		<category><![CDATA[Zucht]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://blog.gabriele-uhlmann.de/?p=3827</guid>

					<description><![CDATA[<p>Vortrag gehalten am 17.5.2019 an der Philipps-Universität Marburg im Rahmen der Studientage &#8222;Nachhaltigkeit und Gesellschaftsformen aus kritisch geographischer Sicht&#8220; im Fachbereich 19 Geographie. Bild: Plastik &#8222;Überbevölkerung&#8220;, Neanderthal-Museum Mettmann. Bildquelle: wikimedia...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht">Explosion und Expansion &#8211; wie Vatermacht die Welt unterjocht.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg01.met.vgwort.de/na/5710b41230c54a228868564a00a0c210" alt="" width="1" height="1" />Vortrag gehalten am 17.5.2019 an der Philipps-Universität Marburg im Rahmen der <a href="https://www.uni-marburg.de/de/fb19/aktuelles/termine/studientage_nachhaltigkeit-1" target="_blank" rel="noopener">Studientage &#8222;Nachhaltigkeit und Gesellschaftsformen aus kritisch geographischer Sicht&#8220;</a> im Fachbereich 19 Geographie.</p>
<p><span class="abb">Bild: Plastik &#8222;Überbevölkerung&#8220;, Neanderthal-Museum Mettmann.<br />
Bildquelle: wikimedia commons (user: Fährtenleser)</span></p>
<h2 id="ueberbev">Überbevölkerung</h2>
<p>Im Jahre 1972 veröffentlichte der Club of Rome die Aufsehen erregende Studie &#8222;Die Grenzen des Wachstums&#8220;<!--<a href="#_ftn1" name="_ftnref1" class="footn">[1]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup>, mit der er vor dem ungebremsten Wachstum der Weltbevölkerung warnte. Damals lebten 3,84 Milliarden Menschen und China war mit 862 Mio. Einwohnern das bevölkerungsreichste Land. Ab 1979 versuchte China mit der 1-Kind-Politik Hungersnöten entgegenzuwirken. In der Folge wurden zahllose Mädchen abgetrieben. Dennoch leben in China inzwischen 1,3 Milliarden Menschen. Aber für junge Männer ist es schwer geworden, eine Frau zu finden.</p>
<p>Knappheit führt im Allgemeinen zu einem Wertzuwachs des knappen Gutes. Die chinesische Frau wird heute aber nicht höher geachtet, sondern wie eine teure Mingvase gehandelt. Menschenhandel, Entführungen und Prostitution sind immer lukrativere Einnahmequellen geworden.</p>
<p>Indien, wo 1972 noch 579 Mio. Menschen lebten, macht China mit 1,2 Milliarden nun die Führung streitig. Der Journalist Arne Perras recherchierte:</p>
<blockquote><p>&#8222;Delhi setzte auf Massen-Sterilisationen. Sie sind bis heute die häufigste Form der Verhütung im bald bevölkerungsreichsten Land der Welt. In &#8222;Sterilisations-Camps&#8220;, die in kühleren Monaten vielerorts eingerichtet werden, arbeiten Ärzte wie am Fließband. 80 Operationen in weniger als fünf Stunden sind keine Seltenheit. Mangelnde Hygiene, fehlende Geräte, Schlamperei und in einzelnen Fällen sogar Trunkenheit der Männer mit dem Skalpell führten zu zahlreichen Todesfällen. 2014 starben in einem Dorf innerhalb weniger Stunden 15 Frauen. Oft wissen die Frauen gar nicht genau, was sie erwartet, sie werden von ihren Männern gedrängt oder gezwungen.&#8220;<!--<a href="#_ftn2" name="_ftnref2" class="footn">[2]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup></blockquote>
<p>Aufgrund der weltweiten Bevölkerungsexplosion, wobei natürlich auch Afrika und Länder wie Indonesien besonders zu nennen sind, ist die Weltbevölkerung bis 2018 auf 7,65 Milliarden angestiegen. Die Prognose des Club of Rome war damit sehr genau. Der Geograph Michael Sypien schreibt darüber:</p>
<blockquote><p>&#8222;Auf die Bevölkerungsanzahl wirken zwei Faktoren ein. Die Fruchtbarkeit vergrößert die Bevölkerung exponentiell, da sich bei gleichbleibender Geburtenrate die Basis der Bevölkerungsanzahl immer mehr verbreitert. Diesem positiven Regelkreis wirkt der negative Regelkreis der Todesfälle entgegen. Die Sterblichkeit wirkt auf die Bevölkerungsanzahl regulierend. Seit der industriellen Revolution ist der negative Regelkreis aber zunehmend geschwächt; durch eine bessere medizinische Fürsorge nimmt die Sterblichkeit ab, und durch ein erhöhtes Nahrungsmittelangebot hat sich das Durchschnittsalter von 30 Jahre (1650) auf 53 Jahre (1972) weltweit erhöht. Da sich auch die Geburtenrate erhöht hat, nennen die Autoren (des Club of Rome) das Bevölkerungswachstum gar &#8217;superexponentiell&#8216;.&#8220;<!--<a href="#_ftn3" name="_ftnref3" class="footn">[3]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup></blockquote>
<p>2016 forderten der norwegische Zukunftsforscher Jørgen Randers und der britische Ökonom Graeme Maxton &#8211; beide Mitglieder des Club of Rome &#8211; in ihrer Veröffentlichung mit dem Namen &#8222;Ein Prozent ist genug&#8220;<!--<a href="#_ftn4" name="_ftnref4" class="footn">[4]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup> ein politisches Umsteuern. Durch die Presse ging vor allem ihr Vorschlag, Frauen mit nur einem Kind im Alter von 50 Jahren mit einer Prämie von 80.000 Dollar zu belohnen, was von der Öffentlichkeit empört als Bestechung zurückgewiesen wurde.</p>
<p>Darüber, wie Frauen das schaffen sollen, wie sie das Geld für sich behalten können, und wie ein neuer Gynozid verhindert werden könnte, schwiegen sich die beiden Männer jedoch aus, in dem Wissen, dass Gynozid schon jetzt ein weltweites Problem ist.</p>
<p>Die Überbevölkerung ist entgegen landläufiger Vorstellung gar <strong>kein modernes Problem</strong>. Sie ist schon seit Anbeginn des Patriarchats festzustellen. Ein Ausdruck dessen dürfte der babylonische Atra-Hasis-Mythos sein, ein Vorläufer der Arche Noah-Geschichte, im Folgenden erhellt durch die Archäologin Eva Götting:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Menschen hatten sich, nachdem sie geschaffen wurden, auf der Welt vermehrt und erzeugten einen derartigen Lärm, dass sich der Gott Enlil in seinem Schlaf gestört fühlte. Er schickte die Sintflut, die das Problem ein für alle Mal aus der Welt schaffen sollte. Nur einige Menschen überlebten durch das Eingreifen des Weisheitsgottes Ea und auf Drängen der Göttin Aruru. Um einer künftigen Lärmbelästigung vorzubeugen, wurden Wesen auf die Erde gesandt, die eine Überbevölkerung unterbinden sollten.&#8220;<!--<a href="#_ftn5" name="_ftnref5" class="footn">[5]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup></blockquote>
<p>Statt es ursächlich zu lösen, versuchte die Menschheit das Problem seit seinem ersten Auftreten zu kompensieren. Dazu gehören z.B. der Pflug, der Dünger und die staatlich organisierte Bewässerung. Diese Technologien beruhten auf Ausbeutung und Gewalt gegen die belebte und unbelebte Natur, wie die großflächigen Rodungen, die Tier- und Pflanzenzucht, der Bergbau, die kriegerische Expansion und heute auch die sog. Schädlingsbekämpfung. Jedoch führen diese zu nur noch mehr Überbevölkerung, so dass das Ziel &#8211; kaum nähern wir uns ihm an &#8211; sukkzessive wieder in uneinholbare Ferne rückt. Die Erde kann keine unendlich große Zahl an Menschen aufnehmen, auch wenn wir noch so viel Nahrung um den Globus verschiffen oder fliegen. Die Umverteilung und Kühlung von Nahrungsmitteln verbraucht obendrein Unmengen an Energie, was unseren Planeten weiter schädigt. Hilfsorganisationen glauben dennoch fest daran, dass es für alle reiche, wenn es nur richtig verteilt würde.</p>
<p>Das Erkennen und Abstellen der Ursache rüttelt am größten Tabu, nämlich an der Vaterschaft. Männern ist es offenbar nicht zuzumuten, ihre Fruchtbarkeit zu begrenzen, geschweige denn ganz auf Kinder zu verzichten.</p>
<p>Dagegen wird Frauen alles nur denkbare angetan, um die Kinderzahl wahlweise zu erhöhen oder zu begrenzen oder eine Schwangerschaft ganz zu verhindern. Dabei wird über zahllose weibliche Leichen gegangen.<br />
Dies ist der Stand der Dinge.</p>
<h2 id="fc">Unterdrückte Female Choice</h2>
<p>Jede Einmischung in die Sexualität einer Frau verstößt nicht nur gegen ihr verbrieftes Persönlichkeitsrecht, sondern vor allem gegen ihr Naturrecht, der <em>female choice</em>, demjenigen evolutionären Regulativ, das Überbevölkerung ohne jedes Leid verhindert. Die <em>female choice</em> ist die naturgegebene sexuelle Entscheidungsfreiheit aller weiblichen Lebewesen über ihren Körper und der eigentliche Hintergrund der sog. Sexuellen Selektion, die Charles Darwin entdeckte und neben die Natürliche Selektion stellte. Nur sehr wenige Wissenschaftler anerkannten seitdem seine These, denn eine wählerische, freie Frau gilt als unzüchtig, ungehorsam oder gefährlich und ist daher undenkbar.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup>
<p>Erst in den 1990iger Jahren wagte es die amerikanische Anthropologin Meredith F. Small, die Wirkungen der <em>female choice</em> an Primaten zu beschreiben und erregte damit die Aufmerksamkeit eines größeren Publikums.<!--<a href="#_ftn6" name="_ftnref6" class="footn">[6]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup> Nachdem es um ihre Untersuchungen wieder sehr ruhig geworden war, startete im Jahr 2017 der amerikanische Ornithologe Richard O. Prum einen neuerlichen Anlauf, als er die <em>female choice</em> der Vogel-Weibchen als treibende Kraft für Veränderungen an Aussehen und Verhalten iher Arten beschrieb.<!--<a href="#_ftn7" name="_ftnref7" class="footn">[7]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup>
Mit seiner Übertragung auf den Menschen verwickelte er sich jedoch leider in Widersprüche, weil er es als Familienvater und Gläubiger als selbstverständlich ansah, dass Menschen wie die Vögel in Paarbeziehungen leben. Damit unterschätzte er bei weitem die menschliche <em>female choice</em>, die er auf die einmalige Wahl des Ehemanns beschränkte. Für seine Nominierung für den Pulitzer-Preis war das aber offensichtlich hilfreich.</p>
<p>Die Sexuelle Selektion wird oft als Sonderfall der Natürlichen Selektion bezeichnet, welche aber lediglich die Anpassung an Umwelteinflüsse meint. Die <em>female choice</em> entfaltet jedoch eine eigenständige Kraft, wie es Darwin, Small und auch Prum entdeckten. Sie steht noch über der Natürlichen Selektion, denn sie kann unmittelbar jede Generation spürbar verändern, während die Natürliche Selektion nur zu allmählichem Wandel führt und manchmal sogar zum Aussterben einzelner Arten oder gar ganzer Ökosysteme.</p>
<p>Das Vorrecht der freien Wahl durch die Weibchen ist ein <strong>Urinstinkt</strong>. Er ist so tief in der Phylogenese, also der Entwicklung aller Lebewesen, verankert, dass er nicht weggezüchtet werden kann. Die <em>female choice</em> läuft bewusst und unbewusst aber auch ebenso unbemerkt im Körper ab. Es kann ihr daher niemand gänzlich entkommen. Sie ist das Gegenteil von sexueller Unterdrückung, und sie macht, wenn sie frei gelebt werden darf, die Frau zur Regisseurin der Sexualität.</p>
<p>Die <em>female choice</em> erfüllt in der Evolution elementare, <strong>Leben schützende</strong> Funktionen.<br />
Die Menschenfrau hat relativ selten Nachkommen, und daher hat jedes ihrer Kinder idealerweise einen <strong>anderen</strong> genetischen Vater. Dies dient naürlich der genetischen Vielfalt, die die Gesundheit der Population schützt.</p>
<p>Eine Frau, die ihre <em>female choice</em> lebt, gebiert nicht mehr Kinder sondern weniger als eine patriarchalisierte Frau, denn sie hat insgesamt weniger Sex. Das mag Sie überraschen, denn eine Welt freier Frauen stellen sich viele als Sexparadies vor. Warum ist dem nicht so?</p>
<p>Unter natürlichen Bedingungen gibt es nur lustvollen Sex ohne jeden Hintergedanken daran, Mutter zu werden oder dem Partner zu gefallen. Jeder Hintergedanke würde die <em>female choice</em> bereits einengen. Dass dabei ein Kind entstehen sein kann, bereitet keine Angst und wird einfach in Kauf genommen. Wenn die Verliebtheit nachlässt, geht die Frau ihrer Wege, und das ist meist schon nach wenigen Monaten so.</p>
<p>Die wild lebende Frau kann sich das leisten, denn sollte sie schwanger geworden sein, ist sie existentiell über ihre mütterliche Sippe abgesichert.</p>
<p>Damit schläft im Bett der jungen Mutter kein <strong>Vater</strong>, sondern dort liegt ihr Kind. Dies gewährleistet, dass das Baby und Kleinkind jederzeit Zugang zur Milchquelle hat, selbst wenn die Mutter schläft. Durch das Stillen rund um die Uhr werden die Still-Hormone so hoch gehalten, dass die Mutter nicht sofort wieder schwanger wird.<!--<a href="#_ftn8" name="_ftnref8" class="footn">[8]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup> Einerseits bleibt die Menstruation länger aus, andererseits hat die Mutter länger kein Bedürfnis nach einem neuen Liebhaber, denn Einsamkeit kennt sie nicht, und sie ist durch das Oxytocin in ihr Baby verliebt.</p>
<p>Im Patriarchat mit seinem Zwang zur Monogamie ist eine Frau den sexuellen Begierden des Mannes im Ehebett schutzlos ausgeliefert. Er glaubt, ein Recht auf Sex zu haben, und sie glaubt, ihm dies geben zu müssen, denn sie und ihre Kinder sind von seinem Wohlwollen existentiell abhängig.</p>
<p><a title="Wolfgang Sauber [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kulturen_B%C3%A4uerliche_Kultur_-_Himmelbett_3.jpg"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/2d/Kulturen_B%C3%A4uerliche_Kultur_-_Himmelbett_3.jpg/512px-Kulturen_B%C3%A4uerliche_Kultur_-_Himmelbett_3.jpg" alt="Kulturen Bäuerliche Kultur - Himmelbett 3" width="100%" /></a></p>
<p><span class="abb">Bild: Ehebett und Wiege</span></p>
<p>Patriarchale Wissenschaft machte daraus übrigens das Dogma der &#8222;sozialen Funktion von Sex&#8220; als einer naturgegebenen Tatsache und ersann die Begriffe Paarbildungssex und Paarbindungssex. Beides ist der wild lebenden Frau unbekannt.</p>
<p>Es ist klar, dass eine Frau, die in fester Partnerschaft lebt und keinen Zugang zu Verhütungsmitteln hat, kurz aufeinanderfolgend schwanger werden muss. Alte Kirchenbücher belegen, dass dies auch bei uns noch bis ins letzte Jahrhundert der Fall war. Oft verhinderte nur der Tod der Mutter unter der Geburt weitere Geburten. Doch weder das noch die Konkurrenz durch ein älteres Stillkind kann im Sinne eines Babys sein. Beide bedrohen sich sogar gegenseitig in ihrer Existenz. Tatsächlich starben von den nicht selten über 10 Kindern manchmal mehr als die Hälfte. Übrig blieben dennoch weit mehr Kinder als Haus und Hof, letztlich das ganze Land, tragen konnte.</p>
<p>Nicht nur viele Schwangerschaften und fehlende Hilfen sind eine enorme Belastung für Frauen, sondern auch der Tod ihrer Kinder und natürlich die Tatsache, sexuelle Dienste gegen ihre innere Neigung leisten zu müssen. Ohne einen Mann, der permanente sexuelle Ansprüche stellt, führt die beinahe ganzjährige Fruchtbarkeit der Frau nicht zu zuvielen Kindern, sondern ermöglicht es bei den natürlicherweise seltenen Kontakten mit fremden Männern überhaupt schwanger zu werden. Zudem gibt es in der Natur aufgrund der <em>female choice</em> keinen Zwang zur Mutterschaft.</p>
<p>Viele Frauen würden unter natürlichen Bedingungen kinderlos bleiben und niemand würde sich daran stören. Der <em><strong>female choice</strong></em> kommt also die Schlüsselstellung bei der Verhinderung von Überbevölkerung und deren Folgen zu.</p>
<p>Wir haben damit auch die Gründe kennengelernt, warum unsere Biologie eigentlich FÜR uns Frauen und nicht gegen uns arbeitet, wie es die meisten Feministinnen leider glauben. Erst das Patriarchat macht unsere Biologie zu einer Bürde.</p>
<h2 id="matrifokalitaet">Matrifokalität, unser angeborenes Sozialverhalten</h2>
<p>Die amerikanische Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy konnte anhand der besonderen Probleme, die die zunehmend lange Kindheit mit sich brachte, aufzeigen, dass die Einheirat und der Zuzug einer Frau und künftigen Mutter in die Familie eines Ehemanns für den Fortbestand der Menschheit in der Altsteinzeit fatal gewesen wäre. Daher ist uns nicht Patrilokalität, sondern Matrilokalität angeboren. Sie rekonstruierte die artgemäße Lebensweise von Homo Sapiens auf der Basis der <em>female choice</em> und der Großmutterthese nach Hawkes und Beise/Voland.<!--<a href="#_ftn9" name="_ftnref9" class="footn">[9]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup>
<p>Das <strong>Großmutter-Mutter-Kind-Kontinuum</strong> war demnach eine Erfolgsgeschichte der Evolution. Die Großmutter mütterlicherseits trug entscheidend dazu bei, dass der Nachwuchs ihrer Tochter überlebte. Dies ist übrigens auch der Grund, warum wir Frauen eine Menopause erleben können.</p>
<p>Erst nach ihrer Emeritierung schrieb Blaffer Hrdy in eine Fußnote ihres vorerst letzten Buches:</p>
<blockquote><p>&#8222;Ich gehörte übrigens zu denjenigen, die schon frühzeitig davon überzeugt waren, dass Menschenaffen zur Patrilokalität neigten. Ich änderte meine Meinung im Verlauf der Arbeit an &#8218;Mutter Natur&#8216;.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup></blockquote>
<p>Sie stellt vor allem fest, dass &#8230;</p>
<blockquote><p>&#8222;&#8230; ungeachtet dogmatischer Verlautbarungen, wonach Menschen für gewöhnlich &#8218;eine patrilokale Familienstruktur besitzen&#8216;, weil &#8218;Söhne in traditionellen Gesellschaften in der Nähe ihrer Familien bleiben, während Töchter fortziehen&#8216;, diese grundlegende Aussage über die menschliche Natur nicht von Daten über Menschen gestützt wird, die tatsächlich als Jäger-Sammler leben.&#8220; <sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup></blockquote>
<p>Entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der hohen menschlichen Sozialität hatte ihr zufolge das Leben in matrilokalen und matrilinearen Gemeinschaften. Der immer wieder betonten männlichen Jagd kommt dabei nicht die Bedeutung zu, die ihr meistens zugeschrieben wird. Blaffer Hrdy schreibt darüber:</p>
<blockquote><p>&#8222;Auch wenn der Jäger noch so geschickt ist, ist das Aufspüren und Töten von Beutetieren ein riskantes Unterfangen mit unbestimmtem Ausgang. Ein Mann kann jeden Tag auf die Jagd gehen und trotzdem wochenlang mit leeren Händen heimkehren. Ein Jäger (&#8230;) kann sich den Misserfolg leisten, weil er davon ausgehen kann, einen Anteil an den von den Frauen gesammelten Früchten, Nüssen und Knollen zu erhalten, und auch weil andere Männer an diesem Tag mehr Glück haben mögen&#8220;.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup></blockquote>
<p><a title="Woodlouse [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hadzabe_Hunters.jpg"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/1f/Hadzabe_Hunters.jpg/512px-Hadzabe_Hunters.jpg" alt="Hadzabe Hunters" width="100%" /></a><br />
<span class="abb">Bild: Jäger der Hazda, Nord-Tansania. Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<p>In ihrem Buch &#8222;Mutter Natur&#8220; (2010a) weist sie daraufhin, dass es den Jägern weit mehr um &#8211; wörtlich &#8211; Angeberei geht, als darum, Fleisch für die Kinder ins Lager zu tragen.</p>
<p>Nachtrag 12.12.2019: Dies bestätigt eine neu gefundene 40.000 Jahre alte Felszeichnung mit der Abbildung von Jägerlatein. &#8222;Riesenzwergbüffel&#8220; werden darin von mehreren &#8222;mutigen&#8220;, als Tiere verkleideten Männern mit Speeren angegriffen. So etwas wird am Lagerfeuer erzählt oder eben auf Wände gemalt:</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Bildquelle: https://www.scinexx.de/news/geowissen/aelteste-jagdszene-der-menschheit-entdeckt/ , © Griffith University/ Aubert et al." src="https://i0.wp.com/www.scinexx.de/wp-content/uploads/j/a/jagdszene2g.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Bildquelle: https://www.scinexx.de/news/geowissen/aelteste-jagdszene-der-menschheit-entdeckt/ , © Griffith University/ Aubert et al."  border="0" /></p>
<p><span class="abb">Bildquelle: <a class="textlink" href="https://www.scinexx.de/news/geowissen/aelteste-jagdszene-der-menschheit-entdeckt/" target="_blank" rel="noopener">https://www.scinexx.de</a><br />
Offizielle Interpretation im <a class="textlink" href="https://www.scinexx.de/news/geowissen/aelteste-jagdszene-der-menschheit-entdeckt/" target="_blank" rel="noopener">Scinexx-Artikel</a>: &#8222;&#8218;Die frühe Kunst auf Sulawesi könnte unbezahlbare Einblicke in die Entwicklung der menschlichen Spiritualität und die Verbreitung der künstlerischen Praktiken geben, die das Denken auch des modernen Menschen geprägt haben&#8216;, sagt Co-Autor Adhi Agus Oktaviana vom ARKENAS-Forschungsinstitut in Jakarta. (<a href="https://www.nature.com/articles/s41586-019-1806-y" target="_blank" rel="noopener">Nature, 2019; doi: 10.1038/s41586-019-1806-y</a>)&#8220;</span><br />
Nachtrag ENDE</p>
<p>Ich gehe daher davon aus, dass die Jagd überwiegend eine sexuelle Aufgabe erfüllte. Sich einander fremde Männer entwickelten über die Jagd Männerfreundschaften und gegenseitiges Vertrauen. Sie bekamen damit Zutritt in andere Sippen zu ihnen nicht verwandten Frauen. Auf diese Weise wurde die matrilokale Ausübung der Exogamie gefördert.</p>
<p>Der rein männliche Blick auf die Menschheitsgeschichte mit dem Dogma des Familienvaters als Ernährer ist völlig verfehlt und geht an der Basis der Evolution vorbei, nämlich der verlässlichen Versorgung des Nachwuchses und seiner Mütter. Auch das Faktum, dass Männer bis ins hohe Alter, wo sie schon gar nicht mehr auf die Jagd gehen, zeugungsfähig sind, ist ein ganz klares Indiz dafür, dass der genetische Vater nicht der Ernährer war.</p>
<p>Die Sozialanthropologin Julia Colette Berbesque und ihre Kollegen von der University of Roehampton in London haben in einer Studie</p>
<blockquote><p>&#8222;den Ernährungszustand von 36 heutigen Jäger-und-Sammler-Völkern mit dem ursprünglicher, nicht industrialisierter Bauernkulturen verglichen &#8211; und dies getrennt nach warmen und kalten Lebensräumen. (&#8230;) Das überraschende Ergebnis: Jäger und Sammler leiden nicht häufiger, sondern sogar deutlich seltener unter Nahrungsmangel &#8211; zumindest dann, wenn sie in gemäßigtem oder warmem Klima leben. Hungersnöte sind bei ihnen sowohl seltener als auch kürzer.&#8220;<!--<a href="#_ftn10" name="_ftnref10" class="footn">[10]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup></blockquote>
<p>Tatsächlich sind wir auf regelmäßige Nahrung und auf Wasser angewiesen. Kinder reagieren mit lautem Weinen, wenn sie Hunger oder Durst haben, Mütter werden also danach trachten, dies zu verhindern. Unsere Vorfahren hielten sich, wie jede andere Tierart auch, nach Möglichkeit nur dort auf, wo die Natur sie gut versorgte. Auch die Menschen der <strong>europäischen</strong> Altsteinzeit lebten nicht auf dem ewigen Eis wie die rezenten Inuit, sondern vor allem in den Gebieten, wohin sich alle heute in Europa einheimischen Pflanzen zurückgezogen hatten und die Eiszeit überlebten.</p>
<p>Das sind die Gegenden, wo wir heute altsteinzeitliche Bilderhöhlen und Frauenstatuetten finden. Die Bevölkerungsdichte war dabei vor 40.000 Jahren mit europaweit nur ca. 1500 Individuen, was etwa 10-15 matrifokalen Sippen entspricht, sehr gering, wie es jüngst vom Projekt &#8222;Our Way to Europe&#8220; unter der Leitung der Geoarchäologin Isabell Schmidt errechnet wurde.<!--<a href="#_ftn11" name="_ftnref11" class="footn">[11]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">15</sup>
<p>Eigentlich ist es einleuchtend: Da wo Kinder aufwachsen, muss es so sicher und verlässlich wie möglich sein. Deshalb hatten die Mütter der Altsteinzeit sichere und sozial stabile Bedingungen selbst geschaffen. Sie lebten nicht wie die meisten Menschen heute an eigentlich unwirtlichen, lebensfeindlichen Orten und sie lebten nicht in Familien, sondern in Sippen. Statt <strong>Patrilokalität</strong> war die lebenslange <strong>Matrilokalität</strong> die effizientere Strategie, mit der die Mütter alle Schwierigkeiten der langen Kindheit bewältigten.</p>
<p>Die Archäologin Marija Gimbutas nannte diese Lebensweise <strong>Matrifokalität</strong>. Matrifokalität hat nichts mit <strong>Macht</strong> zu tun, sondern mit <strong>Fürsorge und Kooperation in der mütterlichen Linie</strong>, der <strong>Matrilinearität</strong>, und sie ist unsere artgemäße Lebensweise, die, weil sie uns angeboren ist, immer noch unser patriarchal überformtes Sozialverhalten mitbestimmt. Sie war, wie Marija Gimbutas es entdeckte, auch nachdem die Landwirtschaft erfunden war, bis weit in die Jungsteinzeit gelebte Wirklichkeit.</p>
<p>Die biologische Vaterschaft konnte erst in der Sesshaftigkeit erkannt werden. Zur Durchsetzung von Patrilinearität, also der Einheit von biologischer und sozialer Vaterschaft, gab es aber zunächst keinerlei Veranlassung. Zum mütterlichen Prinzip gehört das bedingungslose Teilen von Nahrung und Heimstatt mit den Kindern, d.h. alles wurde von allen als Eigentum angesehen. Eine Teilung des Besitzes und ein Erbrecht waren daher überflüssig. Alle Kinder wohnten sowieso lebenslang in der Sippe. Als Brüder und Onkel hatten die Männer die Rolle des sozialen Vaters inne, übten damit aber keine Herrschaft aus, denn sie konnten ihre Angehörigen nicht mit dem Entzug des Erbes erpressen oder andere Machtmittel einsetzen. Vor allem aber fehlte ihnen das Verlangen danach.</p>
<p>Diese Lebensweise ist mittlerweile auch mit naturwissenschaftlichen Methoden nachweisbar, das sind die Genetik und die Epigenetik bzw. Osteologie und Odontologie, also Knochen- und Zahnkunde sowie die Isotopen-Analyse.</p>
<h2 id="ch">Matrifokale Jungsteinzeit</h2>
<p>In der größten jungsteinzeitlichen Siedlung und Ackerbaukultur Çatal Höyük beispielsweise lebten bis zu 8.000 Menschen über 2200 Jahre lang friedlich und herrschaftsfrei zusammen. Der Grabungsleiter Ian Hodder nennt es sogar &#8222;aggressively egalitarian&#8220;. Die Odontologin Marin Pilloud fand keinerlei epigenetische Hinweise auf Kernfamilien, &#8222;No family plots&#8220;<!--<a href="#_ftn12" name="_ftnref12" class="footn">[12]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">16</sup>, wie sie es ausdrückte. Damit fehlen jegliche Anzeichen für ein Patriarchat.</p>
<p>(Nachtrag: Daran ändert auch nichts die jüngste Studie (Juni 2019)<!--<a href="#_ftn13" name="_ftnref13" class="footn">[13]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">17</sup> der bioarchäologischen Arbeitsgruppe unter Clark Spencer Larsen, in der Pilloud mitwirkte, und die darauf abzielt, ein Patriarchat in Çatal Höyük nachzuweisen. Ich konnte nachweisen, dass <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2019/07/16/patriarchat-und-gewalt-in-catal-hoeyuek-bioarchaeologie-versucht-ein-altes-problem-endgueltig-aus-der-welt-zu-schaffen-wieder-ohne-erfolg/" target="_blank" rel="noopener">die Studie manipulativ ist und auf tönernden Füßen steht.</a> Sie ist ein besonders schönes Beispiel patriarchaler Methodik.)</p>
<p>Eine jüngst von den Paläogenetikern Haak/Krause/Jeong <a href="https://www.mpg.de/13245281/anatolische-jaeger-sammler-erste-bauern" target="_blank" rel="noopener">veröffentliche Untersuchung</a> deckte auf, dass die ersten Ackerbauern Anatoliens, zu denen auch Çatal Höyük gehört, indigene Anatolier waren, die seit der Altsteinzeit dort ansässig gewesen sind.<!--<a href="#_ftn14" name="_ftnref14" class="footn">[14]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">18</sup> Das bedeutet, dass sie die gelebte Matrifokalität in die Sesshaftigkeit mit herüber genommen hatten.</p>
<p>Von Çatal Höyük können wir lernen, dass Sesshaftigkeit nicht automatisch ins Patriarchat führt, und Hochkultur nicht von Hierarchie und Unterdrückung abhängig ist. Die hier freilich gefundenen ersten Zivilisationskrankheiten nehmen sich gegen die Folgen des Patriarchats aber geradezu harmlos aus und änderten offensichtlich nichts an der hohen Zufriedenheit der Menschen. Aber der Ackerbau wiegte die Menschen lange in trügerischer Sicherheit.</p>
<blockquote><p>&#8222;In guten Jahren können Bauern zwar weitaus mehr Kalorien pro Fläche Land erwirtschaften als die Wildbeuter, dafür aber können diese wegziehen, wenn Dürren oder Überschwemmungen die Nahrung knapp werden lassen.&#8220;<!--<a href="#_ftn15" name="_ftnref15" class="footn">[15]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">19</sup></blockquote>
<p>Gegenüber den Bauernkulturen waren die Menschen der Altsteinzeit also klar im Vorteil.</p>
<h2 id="misox">Klimakrise Misox-Schwankung</h2>
<p>Ihre vollständige Abhängigkeit von konstant günstigem Klima spürten die Ackerbäuerinnen erst ca. 3000 Jahre nach Beginn der sog. Präkeramischen Jungsteinzeit im Nahen Osten. Im sog. Klimaoptimum nach der Eiszeit, dem Atlantikum, war es zunächst zu einer deutlichen Erwärmung gekommen und dann plötzlich zu immer wieder zu 100-160 Jahre andauernden Abkühlungen um bis zu 2° Celsius, die zu Dürren und Missernten führten. Die Misox-Schwankung vor 8200 Jahren ist die erste und prominenteste Klimakrise dieser Art.</p>
<p><img decoding="async" title="Misox-Schwankung" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/1a/TempAndSnowAccumulation_GISP2_Alley2000-de.svg/800px-TempAndSnowAccumulation_GISP2_Alley2000-de.svg.png" alt="Misox-Schwankung" width="100%" border="0" /><br />
<span class="abb">Diagramm: Misox-Schwankung. Quelle: <a class="textlink" href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75931263" target="_blank" rel="noopener">Wikimedia commons</a></span></p>
<p>Zu dieser Zeit existierten im Nahen Osten viele neolithische Siedlungen, und auch Çatal Höyük wurde nach 1200 Jahren Siedlungszeit davon getroffen. Nachweislich begann eine Hungerphase, in der die Menschen begannen, vermehrt tierische Nahrung zu sich zu nehmen, wie es jüngst Spuren in der Keramik offenbarten.<!--<a href="#_ftn16" name="_ftnref16" class="footn">[16]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">20</sup> Dennoch musste der Hügel aufgegeben werden. Gleich nebenan wurde allerdings ein zweiter Hügel gegründet, offenbar ohne eine ausgeprägte Siedlungslücke. Ob es tatsächlich dieselben Bewohner waren, die neu anfingen, ist aber noch unbekannt.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Çatal Höyük Lageplan" src="https://i0.wp.com/www.researchgate.net/profile/Christopher_Knuesel/publication/283714695/figure/fig1/AS%3A464538719002624%401487766069297/Catalhoeyuek-site-plan-showing-the-areas-of-study-Figure-created-for-the-Catalhoeyuek.png?w=1080&#038;ssl=1" alt="Çatal Höyük Lageplan"  border="1" /><br />
<span class="abb">Bild: Lageplan Çatal Höyük. Bildquelle: <a class="textlink" href="https://www.researchgate.net/figure/Catalhoeyuek-site-plan-showing-the-areas-of-study-Figure-created-for-the-Catalhoeyuek_fig1_283714695" target="_blank" rel="noopener">researchgate.net</a></span></p>
<p>Çatal Höyük stellt sich uns daher als Doppelhügel mit dem älteren Ost-Hügel und dem jüngeren und auch kleineren West-Hügel dar.<br />
Wegen des Fundes von <a class="textlink" href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/tuerkei-wiege-der-metallurgie-war-keine/" target="_blank" rel="noopener">15 Brocken Kupferschlacke</a> wurde der West-Hügel lange der frühesten Metallzeit, der Kupfersteinzeit, zugerechnet. Damit verbunden war die Annahme, dass spätestens jetzt eine hierarchische Gesellschaft gegeben sein musste. Aber die Kupferschlacke war kein Nebenprodukt eines frühen Verhüttungsverfahrens, sondern entstand durch einen chemischen Zufall aus Kupfererzen in einem Grab, wie es eine erst vor kurzem angestrengte Nachuntersuchung ergab.<!--<a href="#_ftn17" name="_ftnref17" class="footn">[17]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">21</sup>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Kupferschlacke aus Çatal Höyük" src="https://i0.wp.com/www.scinexx.de/wp-content/uploads/0/1/01-34142.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Kupferschlacke aus Çatal Höyük"  border="0" /><br />
<span class="abb">Bild: Kupferschlacke aus einem Grab in Çatal Höyük. Bildquelle: <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/tuerkei-wiege-der-metallurgie-war-keine/" target="_blank" rel="noopener">https://www.scinexx.de/</a></span></p>
<p>Damit kann nun Metallurgie und ein daran gebundenes Patriarchat vor Ort als Grund für den Untergang Çatal Höyüks ausgeschlossen werden. Çatal Höyük wurde nie patriarchalisiert.<br />
Da auch der West-Hügel wieder völlig friedlich verlassen wurde, können wir annehmen, dass eine erneute Dürre und eventuell auch eine dadurch bedingte Seuche zur endgültigen Aufgabe des Ortes geführt hat.</p>
<h2 id="steppe">Früheste Patriarchalisierung in der Steppe &#8211; Indoeuropäer</h2>
<p>Unmittelbar infolge der Misox-Schwankung wurden in der Südrussischen Steppe die ersten nachweisbaren Patriarchate errichtet. Dort verortete die Archäologin Marija Gimbutas die Herkunft der indoeuropäischen Sprache (siehe Karte 1, rote Pfeile). Der britische Archäologe Colin Renfrew nahm dagegen an, dass sie aus Anatolien stammte (siehe Karte 1, gelbe Pfeile).</p>
<p>1<img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Indoeuropäisierung Renfrew vs. Gimbutas" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/indoeuropaeisierung1.jpg?w=300&#038;ssl=1" alt="Indoeuropäisierung Renfrew vs. Gimbutas"  border="0" /><br />
2<img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Indoeuropäisierung nach MPG" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/indoeuropaeisierung2.jpg?w=300&#038;ssl=1" alt="Indoeuropäisierung nach MPG"  border="0" /><br />
<span class="abb">Karte 1 oben: Indoeuropäisierung nach Renfrew (gelb), nach Gimbutas (rot),<br />
Karte 2 unten: Indoeuropäisierung nach MPG (orange/rot)</span></p>
<p>Wie eine neue genetische Untersuchung der Max Planck-Gesellschaft zeigt, lag Gimbutas richtig, aber Renfrew konnte nicht völlig widerlegt werden (siehe Karte 2, orange/rote Pfeile).<!--<a href="#_ftn18" name="_ftnref18" class="footn">[18]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">22</sup> Es ist daher anzunehmen, dass die Indoeuropäer Klimaflüchtlinge aus Anatolien waren, aber nicht direkt von Anatolien über Südosteuropa einwanderten, sondern erst über den Kaukasus in die Steppe zogen, wo sie sich patriarchalisierten, und später von dort aus nach Mitteleuropa einbrachen, und zwar spätestens im 5. Jahrtausend v.u.Z.. Die Indoeuropäer waren Viehzüchter und keine Ackerbauern. Sie lebten nomadisch oder halbsesshaft mit großen Rinder- und Schafherden und später auch mit Pferdeherden. Aufgrund der Befunde dürfen wir uns überlebende, anatolische Männer vorstellen, die die Haustiere aus den ursprünglichen Gemeinschaftsbesitztümern der egalitären Siedlungen fortan als ihren Privatbesitz betrachteten, und in das Grasland der Steppen trieben.</p>
<p><img decoding="async" title="Der Gute Hirte" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/15/Rom%2C_Domitilla-Katakomben%2C_Der_gute_Hirte.jpg/341px-Rom%2C_Domitilla-Katakomben%2C_Der_gute_Hirte.jpg" alt="Der Gute Hirte" width="100%" border="0" /></p>
<p><span class="abb">Bild: Der gute Hirte, Rom, Domitilla-Katakomben. Quelle: Dnalor 01, CC BY-SA 3.0 &lt;https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0&gt;, via Wikimedia Commons</span></p>
<p>Um eine wachsende Herde zusammenzuhalten, braucht es immer mehr verlässliche Helfer, die keine Tiere stehlen. Und solche galt es nun vor Ort zu rekrutieren. Die männlichen Indigenen der Steppe und Waldsteppe, die Bug-Dnister-Kultur, waren altsteinzeitlich lebende Fischer, Jäger und Sammler, die dafür nicht infrage kamen. Aber die indigenen Frauen waren sehr gelegen, und zwar besonders als Mütter künftiger Helfer, also von Söhnen. In gewohnter Auslebung ihrer <em>female choice</em> wären ihre Kinder aber für die Eindringlinge verloren gewesen. Die einzige Möglichkeit war, die Frauen zu rauben und gefangen zu nehmen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Raub der Sabinerinnen" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/sabinerinnen.jpg?w=300&#038;ssl=1" alt="Raub der Sabinerinnen"  border="0" /><br />
<span class="abb">Bild: Raub der Sabinerinnen, Albrecht Dürer, 1495 (Ausschnitt)</span></p>
<p>Tatsächlich gelang über die Isolierung der indigenen Frauen in der Weite der Steppe, ohne den Schutz ihrer Ursprungssippen, binnen weniger Generationen ein relativ stabiles Patriarchat.</p>
<p><a title="Firespeaker [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:So%C5%8Bk%C3%B6l_jayloo.jpg"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/29/So%C5%8Bk%C3%B6l_jayloo.jpg/512px-So%C5%8Bk%C3%B6l_jayloo.jpg" alt="So?köl jayloo" width="100%" /></a><br />
<span class="abb">Bild: Jurten in der Steppe, Schafe und Ziegen. Bildquelle: Wikimedia Commons (firespeaker)</span></p>
<p>Statt frei zu sammeln, zu fischen und zu jagen, waren die Frauen fortan unfreie, besitzlose Melkerinnen und die Gebärerinnen der Söhne, die ihren Vätern uneigennützig halfen und auch die Herden erbten. Die Zahl der Tiere erhöhte sich dabei kontinuierlich, sie waren aber genetisch beinahe noch wild und schwer handzuhaben. Das brachte die Männer auf die Idee, die Tiere zu optimieren. Vorbild dazu war die eigene Reproduktion, wie sie jetzt praktiziert wurde: Die Weibchen wurden eingepfercht und festgebunden und ausgewählte männliche Tiere durften sie vergewaltigen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Zucht: Vergewaltigung einer Ziege" src="https://i0.wp.com/raumberg-gumpenstein.at/images/thumbnails/_R___44_absamung____paracc9b512efdf2bc8e2f9538209db54af_dat1342759690.jpeg?w=300&#038;ssl=1" alt="Zucht: Vergewaltigung einer Ziege"  border="0" /><br />
<span class="abb">Bild: Zucht &#8211; Vergewaltigung einer Ziege.<br />
Bildquelle: <a class="textlink" href="https://raumberg-gumpenstein.at">raumberg-gumpenstein.at</a></span></p>
<p><a title="Aleks [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Artificial_insemination_of_a_dairy_cow.jpg"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/25/Artificial_insemination_of_a_dairy_cow.jpg/256px-Artificial_insemination_of_a_dairy_cow.jpg" alt="Artificial insemination of a dairy cow" width="256" /></a><br />
<span class="abb">Bild: Künstliche Besamung &#8211; Vergewaltigung einer Kuh.<br />
Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<p>Wie die Tiere gebaren auch die geraubten Frauen ihren Entführern, die schon in der nächsten Generation als Ehemänner daher kamen, zahllose Kinder. Söhne waren aus wirtschaftlichen Gründen von Beginn an bevorzugt. Patrilinear und hierarchisch organisiert mit einem starkem Mann, dem Häuptling an der Spitze, können wir nun von den ersten Stämmen sprechen.</p>
<p>Gefestigt wurden die Stämme nicht nur mit Gewalt sondern auch mit der Erfindung der ersten institutionalisierten Religion, die ein Sonnenkult war.</p>
<p><a title="https://www.flickr.com/people/ifl/, CC BY-SA 2.0 &lt;https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0&gt;, via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kyrgyz_flag_yurt_Tengri_symbol.jpg"><img decoding="async" width="330" alt="Kyrgyz flag yurt Tengri symbol" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/8c/Kyrgyz_flag_yurt_Tengri_symbol.jpg/330px-Kyrgyz_flag_yurt_Tengri_symbol.jpg?utm_source=commons.wikimedia.org&#038;utm_campaign=index&#038;utm_content=thumbnail"></a><br />
<span class="abb">Bild: Rauchloch der Jurte. Symbol für den Steppengott Tengri.<br />
Bildquelle Wikimedia Commons, user Henephon</span></p>
<p>Da die ersten Patriarchen noch aus matrifokalen Sippen stammten, kannten sie ihre Väter nicht, und konnten sich daher selbst auf eine männliche Gottheit zurückführen, wie es übrigens noch Jesus nach alter Steppengewohnheit tat und sich als das Licht bezeichnete. Mit der Expansion der gewaltbereiten Nomadenstämme fand der Sonnenkult als sog. Tengrismus asienweite und auch europaweite Verbreitung, wurde hier aber nicht mehr so genannt. Dies ist die Entstehungszeit der ersten Kriege, mit denen die Claims, die die Stämme für ihre Herden benötigten, abgesteckt wurden. Niemand konnte buchstäblich zurückstecken, denn das hätte bedeutet, dass wiederum die Erben zu wenig Land für die weiter wachsenden Herden bekommen hätten.</p>
<p>Die ersten Viehzüchter hatten auch zuerst die fatale Idee von <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung" target="_blank" rel="noopener">Rasse</a>, die sie bei der Zucht von Tieren und auch Menschen mit der Unterdrückung der <em>female choice</em> entwickelten. Daher unterscheiden sich Tierhaltung und Tierzucht ideologisch voneinander und sollten nicht einfach synonym gebraucht werden. Die indoeuropäische Sprachfamilie ist bemerkenswert stark von Metaphern aus der Tierzucht durchzogen. Eine freie Frau, die selbstgewählte, wechselnde Sexualpartner hat, die also ihre <em>female choice</em> frei lebt und sich vom <strong>Joch</strong> des Patriarchats befreit, wird als <strong>zügellos</strong> <strong>gebrandmarkt </strong>oder bestenfalls als<strong> rassig </strong>bezeichnet. In der Kirche wird für <strong>Zucht und Ordnung</strong> und gegen <strong>Unzucht</strong> gepredigt. Die Gläubigen werden als <strong>Schäflein</strong> bezeichnet und vom <strong>Oberhirten</strong> mit seinem <strong>Hirtenstab</strong> in der Prozession angeführt, ganz wie bei einem Almauftrieb.</p>
<h2 id="lbk">Bandkeramische Migration &#8211; Beginn der Jungsteinzeit in Europa</h2>
<p><strong>Szenenwechsel.</strong> Fast zeitgleich mit der endgültigen Aufgabe Çatal Höyüks erreichte die jungsteinzeitliche Starčevo-Kultur Europa und führte den Ackerbau und die Tier<strong>haltung</strong> ein. Auch sie kam ursprünglich aus Anatolien, zog aber Richtung Südosteuropa und erreichte als sog. Bandkeramische Kultur schließlich Mitteleuropa.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Karte: Verbreitung der Bandkeramischen Kultur in Europa" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/LBK1.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Karte: Verbreitung der Bandkeramischen Kultur in Europa"  border="0" /><br />
<span class="abb">Karte: Verbreitung der Bandkeramischen Kultur (LBK) in Europa.</span></p>
<p>Ihre Migration konnte der Prähistoriker und Paläoklimatologe Detlef Gronenborn mit Klimadaten, die aus Meeres-Sedimenten gewonnen wurden, korrelieren, und entdeckte den Zusammenhang mit den sog. &#8222;IRD-Perioden&#8220;.<!--<a href="#_ftn19" name="_ftnref19" class="footn">[19]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">23</sup>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="IRD 5a+b" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/ird5a-b.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="IRD 5a+b"  border="1" /><br />
<span class="abb">Diagramm: IRD 5a+b. LBK gelb markiert. Nach Quelle: Gronenborn 2011, Abb. 4, S. 116</span></p>
<p>IRD steht dabei für <em>ice-rafted debris</em> und bezeichnet Sediment jeder Größe, das durch fließendes Eis in andere Gebiete transportiert wurde. IRD steht mit <strong>geringerer Sonnenaktivität</strong> in Zusammenhang, die zu einer erhöhten Eisdrift führt. Der Effekt kann genutzt werden, um das Klima vergangener Epochen zu rekonstruieren.</p>
<p>Die bandkeramische Migration aus dem Karpathenbecken, die eine der frühesten Fluchtbewegungen vor patriarchalen Horden aus der Steppe war<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">24</sup>, dürfen wir uns als <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/multikulti-in-der-steinzeit-a-95a20604-0002-0001-0000-000131578982" target="_blank" rel="noopener">Wanderung von Tanten, Onkeln und Schwestern</a> vorstellen, wie es der Anthropologe Kurt Alt mit seinem Team von der Mainzer Arbeitsgruppe Paläogenetik herausfand.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">25</sup> Sie verlief vollkommen friedlich und die mesolithische Urbevölkerung blieb lange unbehelligt. Nachgewiesen ist auch, dass <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitteleuropaeer-haben-gemischte-ahnen/" target="_blank" rel="noopener">beide Gruppen für über zweitausend Jahre nebeneinander her lebten</a>, bevor die Indigenen den Ackerbau übernahmen und sich auch mit Bandkeramikern vermischten.<!--<a href="#_ftn20" name="_ftnref209" class="footn">[20]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">26</sup> Was beide Gruppen gemeinsam hatten, war ihre Matrifokalität, die dem Krieg keinen Boden bereitete und schließlich neugierig aufeinander machte.</p>
<p>Die Bandkeramiker siedelten immer in den fruchtbarsten Gegenden, auf Löß und entlang der Flüsse. Sie hielten pro Langhaus nicht mehr als zwei bis drei Kühe sowie Schweine und Ziegen. Erste große Erdwerke, die sog. Kreisgrabenanlagen, zeugen von einer hohen Gemeinschaftsleistung. Deren Funktion ist allerdings noch weitgehend ungeklärt, sie könnten Sonnenobservatorien und/oder rituelle Versammlungsplätze gewesen sein, manche halten sie auch für Verteidigungsanlagen oder Fluchtburgen.</p>
<h2 id="ird5">Gewalt und Krieg unter der Klimakrise IRD 5a+b</h2>
<p>Infolge der anhaltenden Klimaschwankungen in der zweiten Hälfte von IRD5b kam es erneut zu Hunger und nun auch zu einer Verstärkung der Tierhaltung.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone wp-image-5491 size-full" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/5-1-schwankung-Kopie.jpg?resize=827%2C588&#038;ssl=1" alt="" width="827" height="588" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/5-1-schwankung-Kopie.jpg?w=827&amp;ssl=1 827w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/5-1-schwankung-Kopie.jpg?resize=300%2C213&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/5-1-schwankung-Kopie.jpg?resize=770%2C547&amp;ssl=1 770w" sizes="(max-width: 827px) 100vw, 827px" /><br />
<span class="abb">Diagramm: IRD 5.1-Schwankung (vgl. mit oben Diagramm IRD 5a+b oben rechts). Quelle: <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75931263" target="_blank" rel="noopener">Wikimedia commons</a></span></p>
<p>Nachweislich begannen vereinzelt Männer mit mobiler Viehwirtschaft und trieben Tiere erstmals saisonal in die Mittelgebirge.<!--<a href="#_ftn21" name="_ftnref21" class="footn">[21]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">27</sup> Es vollzog sich dann ein ähnlicher Mechanismus wie in der Steppe. Die Patrilinearität war sozusagen eine Idee, deren Zeit nun auch hier gekommen war.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Das Massaker von Talheim" src="https://i0.wp.com/www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/geschichte/urundfrueg/steinz/talheim/fundsituation.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Das Massaker von Talheim"  border="0" /><br />
<span class="abb">Bild: Das Massaker von Talheim/Neckar. Bandkeramische Kultur, Endzeit, ca. 5100 v.u.Z..<br />
Bildquelle: © Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart</span></p>
<p>Vor 7000 Jahren begannen Männerhorden Siedlungen zu überfallen, dort alle männlichen Bewohner zu töten und die Frauen zu rauben. Davon legen die vielen Massaker wie in Talheim am Neckar, in Schöneck-Kilianstädten bei Frankfurt oder in Asparn Schletz in Österreich ein Zeugnis ab. Ohne staatsähnliche Organisation, wie es die Stämme in der Steppe praktizierten, und ohne eine entsprechende Theologie war das Patriarchat in der Sesshaftigkeit jedoch nicht aufrecht zuerhalten, und es scheiterte bald, weil immense Gewalt zur Selbstauslöschung führte, ironischerweise unmittelbar bevor sich das Klima wieder besserte. Heute finden wir in unserem Genom weniger Spuren der Bandkeramiker als der indigenen Mesolithiker.</p>
<p>Dass sich das Patriarchat bald auch gegen die Männer selbst gerichtet hat, zeigen nicht nur die bandkeramischen Massaker.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Genetischer Flaschenhals vor 7000-10.000 Jahren" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/genetischer-flaschenhals.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Genetischer Flaschenhals vor 7000-10.000 Jahren"  border="1" /><br />
<span class="abb">Quelle: Diagramme nach <a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/" target="_blank" rel="noopener">https://www.ncbi.nlm.nih.gov</a>. Abgerufen am 1.10.2018</span></p>
<p>Die ForscherInnengruppe Karmin <em>et al.</em> entdeckte einen weltweiten <a class="textlink" href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/" target="_blank" rel="noopener">genetischen Flaschenhals der Y-Chromosomen vor 7000-10.000 Jahren</a> (siehe Pfeil im Diagramm). Die amerikanischen Genetiker Zeng, Aw und Feldman führen diese Dezimierung der männlichen genetischen Vielfalt auf den Tod der Männer bei Stammesfehden zurück, welche <strong>neue</strong> patrilineare Gruppen gegeneinander geführt hätten. Die Stammesgruppen hätten aus miteinander verwandten Männern bestanden, während die Frauen oft aus anderen Stämmen gekommen oder erbeutet worden seien.<!--<a href="#_ftn22" name="_ftnref22" class="footn">[22]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">28</sup>
Das ist jedoch nur eine Interpretation. Die geraubten Frauen stammten <strong>nicht</strong> aus Stämmen, sondern aus den ursprünglichen matrilinearen Sippen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Nahöstlicher Viehmarkt" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/viehmarkt.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Nahöstlicher Viehmarkt"  /><br />
<span class="abb">Bild: Nahöstlicher Viehmarkt. Bildquelle: Wikimedia Commons (Man77)</span></p>
<p>Es muss vor allem auch eine Nutzanwendung von <strong>Patrilinearität</strong> gegeben sein, bevor die sie erst ermöglichende <strong>Patrilokalität</strong> von Männern durchgesetzt werden will.</p>
<h2 id="ird4">Rückkehr matrifokaler Kultur unter der Klimakrise IRD4</h2>
<p>Das Vakuum, das die vielen Massaker und die Kriege vor 7000 Jahren hinterließen, füllte sich vor 6400 Jahren erneut mit matrifokalem Leben und zwar erstaunlicherweise mitten in einer weiteren Periode geringer Sonnenaktivität, der IRD4, ein weiterer Beweis, dass ungünstiges Klima nicht zwangsläufig ins Patriarchat führen muss.<!--<a href="#_ftn23" name="_ftnref23" class="footn">[23]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">29</sup>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="IRD 4" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/ird4.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="IRD 4"  border="1" /><br />
<span class="abb">Diagramm: IRD 4. Michelsberger Kultur orange markiert. Nach Quelle: Gronenborn 2011, Abb. 5, S. 119</span></p>
<p>Aus dem Pariser Becken wanderten Menschen der Chasséen- und Cerny-Kultur in die nun menschenleeren Gebiete Süddeutschlands ein und gründeten neue miteinander verwandte Kulturen. Der Landesausbau erfolgte sowohl im Tiefland als auch in Höhenlagen. Die als Michelsberger Kultur benannte jungsteinzeitliche Bevölkerung, hier im Diagramm als MK und mit der orangefarbenen Linie gekennzeichnet, führte die Idee der bandkeramischen Kreisgrabenanlagen fort.</p>
<p>Ihre Funktion wird allerdings noch kontroverser diskutiert, denn sie wiesen nun zahlreiche Öffnungen auf. Viele Forscher halten sie noch für Verteidigungsanlagen von Häuptlingssitzen. Der ausgewiesene Experte für diese Kultur, der Prähistoriker Christian Jeunesse von der Universität Strasburg, glaubt daran jedoch nicht mehr. Die Öffnungen erschweren Verteidigung und die Erdwerke lagen auch teils nur wenige Kilometer auseinander, zu nahe um als Stammessitz zu dienen. An den Bestattungen und materiellen Funden kann eine hierarchische Gesellschaft auch nicht nachgewiesen werden, weshalb Jeunesse die Michelsberger Kultur als <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Akephalie" target="_blank" rel="noopener">akephal</a></strong> bezeichnet. Zudem stellt er fest, dass die Zeit des 5. Jahrtausends von einer großen Kontinuität geprägt war.<!--<a href="#_ftn24" name="_ftnref24" class="footn">[24]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">30</sup> Offenbar gelang es, mit der Tierhaltung den Schwankungen der IRD 4-Periode gut zu begegnen. Die manchmal sogar Quadratkilometer großen Bauwerke dürften Jeunesse zufolge als Pferche gedient haben, übrigens eine sehr bequeme Art eine größere Anzahl von Tieren zu halten, ganz ohne die Not, viele Söhne haben zu müssen. Auch wenn die Zahl der Tiere nun höher war, ist m.E. davon auszugehen, dass sie Gesamthandseigentum waren, wie aller Besitz in matrifokalen Kulturen.</p>
<p><img decoding="async" title="Wandfries der Pfahlbaukultur" src="https://i0.wp.com/www.swr.de/-/id=16823902/property=medium/pubVersion=4/3fdwb3/Montage%20der%20%22Busenwand%22.jpg" alt="Wandfries der Pfahlbaukultur" width="100%" border="1" /><br />
<span class="abb">Bild: Rekonstruktion des Frieses einer Matri-Linie aus Ludwigshafen/Seehalde mit den Originalteilen, Länge 7m, ca. 6000 Jahre alt. Quelle: Veröffentlicht auf SWR2, <a href="https://i0.wp.com/www.swr.de/-/id=16823902/property=medium/pubVersion=4/3fdwb3/Montage%20der%20%22Busenwand%22.jpg" target="_blank" rel="noopener">https://i0.wp.com/www.swr.de</a></span></p>
<p>Im klimatisch begünstigten Bodenseeraum blühte die Pfahlbaukultur mit der Schussenrieder- und Pfyner-Kultur, die überwiegend Fischfang betrieben. In Ludwigshafen am Bodensee hat sich ein 7m langer Fries einer matrilinearen Ahnenreihe (s.o.) erhalten, die das Team von Helmut Schlichtherle aus den im See gefundenen Bruchstücken rekonstruieren konnte.<!--<a href="#_ftn25" name="_ftnref25" class="footn">[25]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">31</sup>
<h2 id="k4">Patriarchale Expansion seit der Klimakrise K4 &#8211; Kurgan-Wellen</h2>
<p>Während die Michelsberger und nördlicher übrigens auch die sog. Trichterbecher-Kultur blühte, braute sich in der Zeit <strong>vor</strong> 3600 in der Steppe Südrusslands eine neue Katastrophe zusammen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone wp-image-5493 size-full" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/k4-schwankung.jpg?resize=813%2C583&#038;ssl=1" alt="" width="813" height="583" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/k4-schwankung.jpg?w=813&amp;ssl=1 813w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/k4-schwankung.jpg?resize=300%2C215&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/k4-schwankung.jpg?resize=770%2C552&amp;ssl=1 770w" sizes="(max-width: 813px) 100vw, 813px" /><br />
<span class="abb">Diagramm: K4-Schwankung, ca. 3550 v.u.Z.. Nach Quelle: Gronenborn 2011, Abb. 5, S. 119</span></p>
<p>Niemals zuvor lebten dort so viele Menschen und Tiere, die sich schließlich als frühbronzezeitliche Maikop-Kultur und Jamnaja-Kultur ausbreiteten, durch Marija Gimbutas 2. und 3. Kurgan-Welle genannt. Das Ende der 900 Jahre währenden friedvollen Zeit in Mitteleuropa brachte um 3550 das Klimaereignis K4 der IRD 4 mit einer außergewöhnlich schwachen Sonnenaktivität, die exteme Dürre und Kälte zur Folge hatte.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Maikop- formt Trichterbecher- in Kugelamphoren-Kultur um." src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/trichterbecher.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Maikop- formt Trichterbecher- in Kugelamphoren-Kultur um."  border="0" /></p>
<p><span class="abb">Karte: Maikop-Kultur formt Trichterbecher- in Kugelamphoren-Kultur um (Kurgan II). Karte nach: Wikimedia Commons (user: Sir Henry)</span></p>
<p>Nach einer <a href="https://www.shh.mpg.de/1197459/pr-caucasus-haak" target="_blank" rel="noopener">Studie</a> der Arbeitsgruppe um den Molekular-Anthropologen Wolfgang Haak von der Max-Planck-Gesellschaft sei anzunehmen, dass die Steppenbewohner mit Menschen, die aus dem Westen kamen, in Kontakt gerieten und zwar schon lange vor Entstehung der Jamnaja-Kultur. Dies seien mutmaßlich Angehörige der sog. Kugelamphoren-Kultur gewesen.<!--<a href="#_ftn26" name="_ftnref26" class="footn">[26]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">32</sup> Gimbutas vertrat die These, dass sich umgekehrt die Kugelamphoren-Kultur durch eine 2. Kurgan-Welle herausgebildet hätte, und zwar durch die Invasion der Maikop-Kultur in die matrifokale Trichterbecher-Kultur.<!--<a href="#_ftn27" name="_ftnref27" class="footn">[27]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">33</sup> Meines Erachtens deuten die genetischen Befunde in der Steppe daraufhin, dass Maikop-Männer immer wieder Trichterbecher-Frauen auch in die Steppe entführten, womit beide Theorien zusammengeführt wären, und was erklären kann, warum die Kugelamphoren-Kultur noch keine Kurgane aufwies und weniger Frauengräber zählt. Die gerade veröffentlichten Untersuchungen zu den Verwandtschaftsverhältnissen der Opfer des <a href="https://www.spektrum.de/news/das-massengrab-von-koszyce/1643358" target="_blank" rel="noopener">Massakers im südpolnischen Koszyce</a><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">34</sup>, welches Jamnaja-Männer vor 4800 Jahren anrichteten, erhärten die Vermutung, dass die Kugelamphoren-Kultur noch matrifokales Leben kannte.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Invasion der Jamnaja: Schnurkeramische Kultur" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/schnurkeramik.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Invasion der Jamnaja: Schnurkeramische Kultur"  /><br />
<span class="abb">Karte: Expansion der Jamnaja-Leute (Kurgan III). Nach: Wikimedia Commons (user: Sir Henry)</span></p>
<p>Mit einer weiteren Ausbreitung der Jamnaja-Leute, der 3. Kurgan-Welle, ging um 2800 die Kugelamphoren-Kultur unter und die Schnurkeramische Kultur entstand. Deren DNA stimmt zu 75 % mit der der Jamnaja-Leute überein, was deren massive Einwanderung und Auslöschung der ursprünglich ansässigen Bevölkerung beweist. Nach einer <a href="https://www.sciencemag.org/news/2017/02/thousands-horsemen-may-have-swept-bronze-age-europe-transforming-local-population" target="_blank" rel="noopener">neuen Berechnung</a> des Genetikers Mattias Jakobsson der Universität von Uppsala kamen auf eine Frau <strong>10 Männer</strong> aus der Steppe.<!--<a href="#_ftn28" name="_ftnref28" class="footn">[28]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">35</sup>
<p><a title="Wolfgang Sauber, CC BY-SA 3.0 &lt;https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0&gt;, via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Linz_Schlossmuseum_-_Stein%C3%A4xte.jpg"><img decoding="async" width="250" alt="Linz Schlossmuseum - Steinäxte" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/95/Linz_Schlossmuseum_-_Stein%C3%A4xte.jpg/250px-Linz_Schlossmuseum_-_Stein%C3%A4xte.jpg?utm_source=commons.wikimedia.org&#038;utm_campaign=index&#038;utm_content=thumbnail"></a></p>
<p><span class="abb">Bild: Streitäxte der Schnurkeramik.<br />
Bildquelle: Wikimedia Commons, user Rotatebot</span></p>
<p>Typisch für die Schnurkeramik waren ihre überlegenen Waffen, wegen derer sie auch Streitaxt-Kultur genannt wurde. Ihre Bestattungsweise in Grabhügeln war identisch mit derjenigen in der Steppe.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Reiternomaden aus Zentralasien hinterließen kaum weibliche Spuren im Europäer-Erbgut. Männerüberschuss." src="https://i0.wp.com/www.scinexx.de/wp-content/uploads/0/1/01-32669-einwanderer1.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Reiternomaden aus Zentralasien hinterließen kaum weibliche Spuren im Europäer-Erbgut. Männerüberschuss."  border="1" /><br />
<span class="abb">Karte: &#8222;Reiternomaden aus Zentralasien hinterließen kaum weibliche Spuren im Europäer-Erbgut. Männerüberschuss&#8220;. Quelle: <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/bronzezeit-einwanderung-mit-maennerueberschuss/" target="_blank" rel="noopener">https://www.scinexx.de/</a></span></p>
<h2 id="bronzezeit">Bronzezeit &#8211; neue Invasionen aus der Steppe nach Europa und Einfluss auf Mesopotamien</h2>
<p>In der Bronzezeit zogen überwiegend Männer aus der Steppe nach Zentraleuropa nach. Dies konnten die amerikanische Paläogenetikerin Amy Goldberg und ihr Team von der Duke University in Durham beweisen. Auch sie ziehen den Schluss, dass diese Migration von Reiternomaden eher den Charakter eines Eroberungsfeldzugs hatte.<!--<a href="#_ftn29" name="_ftnref29" class="footn">[29]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">36</sup>
<p>Heute finden wir überall in der Landschaft Eurasiens und Japans die Grabhügel der Steppenfürsten und ihrer Nachfahren, die die altansässige Bevölkerung unterjochten, ausbeuteten und ermordeten.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">37</sup>
<p><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/20/Trakijskata_Grobnica.jpg/640px-Trakijskata_Grobnica.jpg" alt="" width="100%" border="0" /><br />
<span class="abb">Bild: Thrakisches Hügelgrab nahe Pomorje, Bulgarien, ca. 1200 v.u.Z. Bildquelle:<br />
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurgan_(Grabh%C3%BCgel)#/media/Datei:Trakijskata_Grobnica.jpg" target="_blank" rel="noopener">Wikimedia Commons (user: Polini~commonswiki)</a></span></p>
<p><img decoding="async" title="Sarmatischer Kurgan" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/51/LYablonskyFilipovkaKurganR1.jpg" alt="Sarmatischer Kurgan" width="100%" border="0" /><br />
<span class="abb"> Bild: Ältester erhaltener Kurgan der Sarmaten, 400 v.u.Z. Bildquelle: <a class="textlink" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:LYablonskyFilipovkaKurganR1.jpg" target="_blank" rel="noopener">Wikimedia Commons (Fillipovka, S. Urals Archeological dig lead by Russian Academy of Sciences Institute of Anthropology Prof. L.Yablonsky, Summer of 2006)</a></span>.</p>
<p><a title="Hannibal21 [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Grabhugel_Glauberg.JPG"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/06/Grabhugel_Glauberg.JPG/512px-Grabhugel_Glauberg.JPG" alt="Grabhugel Glauberg" width="100%" /></a><br />
<span class="abb">Bild: Keltisches Hügelgrab auf dem Glauberg 500 v.u.Z.</span></p>
<p><a title="Saigen Jiro [CC0], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Inariyama_Kofun_(Gyoda),_zenkei.JPG"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/0a/Inariyama_Kofun_%28Gyoda%29%2C_zenkei.JPG/512px-Inariyama_Kofun_%28Gyoda%29%2C_zenkei.JPG" alt="Inariyama Kofun (Gyoda), zenkei" width="100%" /></a><br />
<span class="abb">Bild: Japan: Inariyama Kofun in Gyoda, Präfektur Zenkei, 3. &#8211; 7. Jhd. n.u.Z.</span></p>
<p>Die Arbeitsgruppe um Wolfgang Haak wies auch nach, dass schon lange vor der Entstehung der Jamnaja-Kultur ein Austausch der Steppenleute mit Mesopotamien bestand.<!--<a href="#_ftn30" name="_ftnref30" class="footn">[30]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">38</sup> In welche Richtung die genetische Verbindung weist, ist allerdings noch ungeklärt. Es wurde auch schon lange von vielen Forschern die Meinung vertreten, dass die Maikop-Kultur das Rad und den Wagen von dort übernahm. In der Steppe wurde wahrscheinlich der Streitwagen erfunden, sozusagen der erste Panzer, der wiederum in Mesopotamien übernommen wurde.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Feldzüge der Maikop-Kultur nach Mesopotamien (Hypothese) und Richtung Mitteleuropa (nachgewiesen)" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/maikop.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Feldzüge der Maikop-Kultur nach Mesopotamien (Hypothese) und Richtung Mitteleuropa (nachgewiesen)"  border="0" /></p>
<p><span class="abb">Karte: Feldzüge der Maikop-Kultur nach Mesopotamien (Hypothese) und Richtung Mitteleuropa (nachgewiesen)</span></p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Assyrischer Streitwagen" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/streitwagen.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Assyrischer Streitwagen"  border="0" /><br />
<span class="abb">Bild: Assyrische Krieger mit Pfeil und Bogen auf Streitwagen. Zeichnung eines Flachreliefs aus Nimrud 1852. British Museum. Bildquelle: <a class="textlink" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Assyr_Krieger_auf_Streitwagen.jpg" target="_blank" rel="noopener">Wikimedia Commons (user: Magnus Manske)</a></span></p>
<h2 id="mesopotamien">Überbevölkerung in Mesopotamien &#8211; erste Megacities und ihr patriarchaler Kult</h2>
<p>Es lässt sich nun aus genetischer Sicht noch nicht viel darüber sagen, ob die Patriarchalisierung Mesopotamiens von der Steppe ausging oder indigen einsetzte. Eine ideologisch/theologische Umformung, die zu den ersten Großen Göttinnen und ihren Vegetationsgöttern in Sumer und schließlich zu den babylonischen Hochgöttern führte, geht jedoch aus den frühesten Schriften hervor. Der eingangs erwähnte Atra-Hasis-Mythos stammt aus der Zeit als das fruchtbare Zweistromland die Menschenmassen kaum noch ernähren konnte. Babylon hatte um 1700 v.u.Z. ca. 200.000 Einwohner.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Gilgamesh und Enkidu töten Humbaba" src="https://i0.wp.com/wiki.uiowa.edu/download/attachments/49484768/Enkidu%20and%20Humbaba.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Gilgamesh und Enkidu töten Humbaba"  border="0" /><br />
<span class="abb">Bildquelle: <a class="textlink" href="https://wiki.uiowa.edu/display/theatre/Humbaba+Dramaturgical+Information?preview=%2F49484768%2F49645443%2FEnkidu+and+Gilgamesh+Battle+with+Humbaba.jpg">University of Iowa</a></span></p>
<p>Als erste Megacity der Welt gilt aber das sumerische Uruk, das schon 2000 Jahre früher am Euphrat entstand und ca. 40.000 Einwohner hatte. Das erst in babylonischer Zeit verfasste Gründungsepos von Uruk beschreibt die Heldentaten des König Gilgamesh, der zu einem Drittel menschlich und zu zwei Dritteln göttlich war: Er ermordete (Abb. oben) den Wächter des Waldes der Großen Göttin Inanna, fällte ihre Zedern und verweigerte ihr das Ritual der Heiligen Hochzeit.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Heilige Hochzeit auf einem Rollsiegel" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/Heilige-Hochzeit.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Heilige Hochzeit auf einem Rollsiegel"  /></p>
<p><span class="abb">Bild: Heilige Hochzeit. Rollsiegel aus Latakia (Syrien), mittelassyrisch. Bildquelle: <a class="textlink" href="https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/138333/1/Winter_1983_Frau_und_Goettin.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/138333/1/Winter_1983_Frau_und_Goettin.pdf</a></span></p>
<p>Ihr Rachefeldzug gegen ihn endet mit dem Tod seines Freundes Enkidu, was ihm seine eigene Sterblichkeit bewusst macht. Auf der Suche nach Unsterblichkeit trifft er den weisen Utana-pishdi, der ihm eine Flutgeschichte erzählt und ihm rät, erst einmal den Schlaf zu besiegen. Nachdem ihm dies nicht gelingt, sucht Gilgamesch nach dem Kraut der ewigen Jugend, das ihm &#8211; als er es gefunden hat &#8211; eine Schlange wieder entreißt. Er muss einsehen, dass er seinen Ruhm anders begründen muss, kehrt nach Uruk zurück und lässt die Stadtmauer, die er erbaut hat, bestaunen.</p>
<p>Es wurde vermutet, dass das Ritual der Heiligen Hochzeit Ausdruck eines Matriarchates, einer Frauenherrschaft sei. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Heilige Hochzeit ist schon vor dem Hintergrund der unterdrückten <em>female choice</em> der beteiligten Priesterin ein Vergewaltigungsritual, mit dem sich die Herrscher legitimierten und ihre Göttlichkeit und Unsterblichkeit postulierten. Die Unsterblichkeit konnte nur von der Göttin verliehen werden. Genau das wollte der Held Gilgamesh im Mythos nicht wahrhaben. Er hielt die Zurschaustellung seiner Potenz nicht mehr für nötig und wurde dafür gedemütigt. So wurde aus babylonischer Rückschau erklärt, dass Inanna Stadtgöttin des patriarchalischen Uruk war. Unter fortschreitender Patriarchalisierung und auf dem langen Weg zu einer rein männlichen Religion wurde das Ritual schließlich doch entbehrlich und gegen 2300 v.u.Z. schaffte es der akkadische Großkönig Naram-Sin als erster ab.</p>
<p>Durch Eroberungen wurde die Zahl der männlichen und weiblichen Gottheiten im Pantheon immer größer. Nach und nach wurden alle Muttergöttinnen mythographisch zu Töchtern oder Geliebten von Vatergöttern degradiert.</p>
<p><a title="editor Austen Henry Layard , drawing by L. Gruner [Public domain], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chaos_Monster_and_Sun_God.png"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/c/c3/Chaos_Monster_and_Sun_God.png/512px-Chaos_Monster_and_Sun_God.png" alt="Chaos Monster and Sun God" width="100%" /></a></p>
<p><span class="abb">Bild: Marduk tötet die dämonisierte Urmutter Tiamat. Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<p>Schon damals wurde über weibliche Leichen gegangen. Nachdem die Muttergöttinnen dämonisiert und ermordert waren, wie hier z.B. die Urmutter Tiamat von dem babylonischen Hochgott Marduk, stand am Ende der Entwicklung ein einziger männlicher Gott. Die Überbevölkerung im Pantheon wurde damit zwar besiegt, nicht aber die auf Erden. Denn der einsame Vater-Gott befahl: Seid fruchtbar und mehret euch!</p>
<p>Neben sich duldet er aber niemanden mehr außer seinem Sohn, dem guten Hirten.</p>
<h2 id="exfc">Bevölkerungsexplosion und Patriarchat mit der Female Choice stoppen</h2>
<p>Damit komme ich langsam zum Schluss. Eine konstante Bevölkerungszahl ist ein Menschheitsrecht, das wir als solches noch gar nicht erkannt haben, denn nur sie verhindert die Ausbeutung der Erde und damit die Bedrohung der eigenen Existenz. Mit der Aushebelung der <em>female choice</em> von Menschen, Tieren und Pflanzen schufen Männer eine neue Welt voller Leid. Zwar gelang ihnen damit, zunächst eigentlich unbewohnbare Teile der Erde zu bevölkern, aber zu einem hohen Preis, den die Menschenkinder und die Ökosysteme bis heute bezahlen müssen.</p>
<p>Die Überbevölkerung und ihre Kompensationen verursachen das Artensterben und den Klimawandel.<br />
Die gute Nachricht lautet: Sie lässt sich mit der Sicherstellung der <em>female choice</em> und einer matrifokalen Sozialordnung in den Griff bekommen.<br />
Die schlechte Nachricht lautet: Es ist extrem schwer, den Männern und auch Frauen klarzumachen, dass es die gelebte Vaterschaft selbst ist, die das Unheil anrichtet. Bei uns wird der sog. neue Vater sogar mit Preisen überhäuft. Aber um nur einen einzigen lieben Vater kennenzulernen, brauchen wir ein ganzes gewalttätiges System um ihn herum, und niemand kann vorhersagen, zu was er sich einst entpuppt, wenn sich die Mutter von ihm trennen will. Um nur ein einziges solches Exemplar zu schützen, nehmen wir die vielen Väter in Kauf, die das Patriarchat immer wieder mit allen Mitteln erneuern.</p>
<p>Wir müssen begreifen, dass die Idee der Patrilinearität nur unter der erzwungenen Patrilokalität umgesetzt werden kann. Um ihre genetischen Kinder erziehen zu können, <strong>müssen</strong> Väter Gewalt ausüben &#8211; ob tätlich oder gesetzlich. Männer leisten sich mit der Vaterschaft einen Luxus, der gar nicht zu verantworten ist. Schließlich erweist sich die Familie bis heute als der gefährlichste Ort für Mütter und Kinder. Auch Männer leiden von Kindheit an. Die Familie dient nicht in erster Linie dem Wohle des Nachwuchses, sondern dem des Vaters und seines Lebenswerkes, wie schon seit dem Beginn in der Steppe.</p>
<p>Weil uns, Männern wie Frauen, die Matrifokalität angeboren ist, weil Mütter von Natur aus niemals freiwillig patrilokal leben würden, weil Frauen von Männern in die Patrilokalität entführt wurden und bis heute werden, und wir durch gesellschaftlichen Druck immer aufs Neue aus unseren matrilinearen Sippen gerissen werden, müssen wir den Schluss ziehen, dass wir im Grunde alle Entführungsopfer sind, auch wenn wir unsere Väter lieben und glauben, freiwillig in die Ehe zu gehen. Die Paarbindung ist so freiwillig wie das Kopftuch, das ein Symbol für die Patrilokalität ist und ein Bekenntnis zur Patrilinearität, ganz so wie der erklärte Wille der meisten Ehefrauen, ihren Nachnamen aufzugeben und den des Ehemannes anzunehmen.</p>
<p>Wie die Patriarchatsforscherin Stephanie Gogolin <!--<a href="#_ftn31" name="_ftnref31" class="footn">[31]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">39</sup> es nennt, sind wir dem kollektiven Stockholm-Syndrom verfallen, daher kooperieren wir mit unseren Entführern.<!--<a href="#_ftn32" name="_ftnref32" class="footn">[32]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">40</sup> Wir haben dabei auch ein seltsames Gerechtkeitsverständnis entwickelt, das auf der Ideologie der Zucht und des Rassegedankens beruht, und so einem Vater seine genetischen Kinder sichert und ihm die Möglichkeit gibt, noch auf die Väter seiner Enkelkinder Einfluss zu nehmen. Es wird dabei auch deutlich, dass der allgemeine Rassismus letztlich auf dem Sexismus gegen Frauen beruht, und nicht umgekehrt. Sexismus ist die Urform und Ursache der Diskriminierung.<br />
Es ist klar, dass ein System, das buchstäblich so tief eingebrannt ist, nicht von heute auf Morgen verschwindet. Wir erleben sogar gerade, wie unsere Politikerinnen auf Druck von gewaltbereiten Vaterrechtlern alleinerziehenden Müttern das im Grundgesetz verankerte Recht auf Freiheit der Wohnung wegnehmen, weil sich herausstellte, dass das Patriarchat in Gefahr geriet. Unsere Gleichstellungspolitik kann, das wird hier deutlich, nicht nachhaltig sein, solange das Dogma der Vaterschaft existiert.<br />
Auch im Angesicht der Globalisierung ist es nur mit Aufklärung und unendlich viel Zeit möglich, das Patriarchat, das die Meisten in der Tat nur als &#8222;das System&#8220; oder &#8222;Kapitalismus&#8220; benennen können, irgendwann wieder loszuwerden. Der Club of Rome, der die Überbevölkerung als einzige Instanz immer wieder anprangert, macht nur hilflose ja bizarre Vorschläge. Auch aus der UNO kommt dazu kein sinnvoller Impuls. Doch die Menschheit steht vor dem Kollaps und es bleibt uns, wenn überhaupt, nur wenig Zeit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2 id="literatur">Literatur</h2>
<ul id="liste4">
<li>Ansede, Manuel: The invasion that wiped out every man from Spain 4,500 years ago. Aus: EL PAÍS online vom 4.10.2018, Englisch von Melissa Kitson <a href="https://english.elpais.com/elpais/2018/10/03/inenglish/1538568010_930565.html" target="_blank" rel="noopener">https://english.elpais.com/elpais/2018/10/03/inenglish/1538568010_930565.html</a></li>
<li>Beise, Jan; Voland, Eckart: Warum gibt es Großmütter? In: Spektrum der Wissenschaft 1|2003. S. 48-53. <a class="textlink" href="https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410</a></li>
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mutter Natur. Die weibliche Seite der Evolution. Berlin 2010a. Am. Original-Ausgabe: Mothers, Infants, and Natural Selektion. New York 1999</li>
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere. Wie uns die Evolution zu sozialen Wesen gemacht hat. Berlin 2010b. Am. Original-Ausgabe: Mothers and Others. The Evolutionary Origins of Mutual Understanding. Harvard University Press 2009</li>
<li>Duffy, Paul R. <em>et al.</em>: Five thousand years of inequality in the Carpathian Basin. In: Science Advances<br />
06.08.2025, Vol 11, Issue 32 <a href="https://doi.org/10.1126/sciadv.adu0323" target="_blank" rel="noopener">DOI: 10.1126/sciadv.adu0323</a></li>
<li>Feldman, M. <em>et al.</em>: Late Pleistocene human genome suggests a local origin for the first farmers of central Anatolia. Nature Communications 10, Article number: 1218 (2019) 19.3.2019 <a href="https://www.nature.com/articles/s41467-019-09209-7" target="_blank" rel="noopener">https://www.nature.com/articles/s41467-019-09209-7</a> abgerufen am 5.5.2019</li>
<li>Fischer, Lars: Das Massengrab von Koszyce. Aus: Spektrum online vom 6.5.2019 <a href="https://www.spektrum.de/news/das-massengrab-von-koszyce/1643358" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/news/das-massengrab-von-koszyce/1643358</a></li>
<li>Gibbons, Ann: Thousands of horsemen may have swept into Bronze Age Europe, transforming the local population. Aus: SCIENCE online vom 12.2.2017 <a href="https://www.sciencemag.org/news/2017/02/thousands-horsemen-may-have-swept-bronze-age-europe-transforming-local-population" target="_blank" rel="noopener">https://www.sciencemag.org/news/2017/02/thousands-horsemen-may-have-swept-bronze-age-europe-transforming-local-population</a></li>
<li>Gimbutas, Marija: Die Zivilisation der Göttin. Die Welt des Alten Europa. Frankfurt a. M. 1996. Am. Original-Ausgabe: The Civilization of the Goddess. The World of Old Europe. New York 1991</li>
<li>Götting, Eva: Exportschlager Dämon? Zur Verbreitung altorientalischer Lamaštu-Amulette. S. 439. In: Göbel, J.; Zech, T. (Hrsg.): Exportschlager: Kultureller Austausch, wirtschaftliche Beziehungen und transnationale Entwicklungen in der antiken Welt. Humboldts studentische Konferenz der Altertumswissenschaften. Berlin 2009. S. 437-456<br />
<a href="https://www.academia.edu/1822803/Exportschlager_D%C3%A4mon_Zur_Verbreitung_Altorientalischer_Lama%C5%A1tu-Amulette" target="_blank" rel="noopener">https://www.academia.edu/1822803/Exportschlager_D%C3%A4mon_Zur_Verbreitung_Altorientalischer_Lama%C5%A1tu-Amulette</a></li>
<li>Gogolin, Stephanie: Das patriarchale Stockholm-Syndrom Teil I. Das kollektive Stockholm-Syndrom in der Patriarchose. <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" rel="noopener">Online-Ressource</a> vom und abgerufen am 6.9.2019</li>
<li>Gogolin, Stephanie: Das patriarchale Stockholm-Syndrom Teil II. Die Ehe &#8211; ein verinnerlichtes Stockholm-Syndrom. <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/10/13/das-patriarchale-stockholm-syndrom-teil-ii/" target="_blank" rel="noopener">Online-Ressource</a> vom und abgerufen am 13.10.2019</li>
<li>Goldberg, Amy <em>et al.</em>: Ancient X chromosomes reveal contrasting sex bias in Neolithic and Bronze Age Eurasian migrations. PNAS March 7, 2017 114 (10) 2657-2662; published ahead of print February 21, 2017</li>
<li>Gronenborn, Detlef: Klimainduzierte Umweltkrisen und ihre soziopolitischen Auswirkungen auf prähistorische Gesellschaften In: Daim, F.; Gronenborn, D.; Schreg, R. (hrsg.), Strategien zum Überleben. Umweltkrisen und ihre Bewältigung. RGZM Tagungen 11., 2011, S. 111-127 <a href="https://www.researchgate.net/publication/230704707_Klimainduzierte_Umweltkrisen_und_ihre_soziopolitischen_Auswirkungen_auf_prahistorische_Gesellschaften" target="_blank" rel="noopener">https://www.researchgate.net/publication/230704707_Klimainduzierte_Umweltkrisen_und_ihre_soziopolitischen_Auswirkungen_auf_prahistorische_Gesellschaften</a></li>
<li>Haak, Wolfgang <em>et al.</em>: Massive migration from the steppe is a source for Indo-European languages in Europe In: Nature 522, S. 207-211 (11.6.2015) <a href="https://www.nature.com/articles/nature14317" target="_blank" rel="noopener">https://www.nature.com/</a> abgerufen am 5.5.2019</li>
<li>Hawkes, Kristen: Human longevity: The grandmother effect. Editorial. Nature 2004 (428): 128-9. doi:10.1038/428128a<br />
<a href="https://www.nature.com/nature/journal/v428/n6979/full/428128a.html" target="_blank" rel="noopener">http://www.nature.com</a></li>
<li>Jarus, Owen: No Family Plots, Just Communal Burials In Ancient Settlement. Aus: <a href="https://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.livescience.com/</a> 29.6.2011. Abgerufen: 1.10.2018</li>
<li>Jeunesse, Christian: The fifth millennium BC in central Europe. Minor changes, structural continuity: a period of cultural stability. In: Gleser, Ralf; Hofmann, Daniela: Contacts, Boundaries &amp; Innovation in the Fifth Millenium. Exploring Developed Neolithic societies in central Europe. Leiden 2019</li>
<li>Jeunesse, Chr.; Seidel, U.: Die Erdwerke der Michelsberger Kultur. In : Die Michelsberger Kultur und Mitteleuropa vor 6000 Jahren, catalogue d&#8217;exposition, Badisches Landesmuseum, Karlsruhe 2010, 58-69 <a href="https://www.academia.edu/7382134/45_Die_Erdwerke_der_Michelsberger_Kultur" target="_blank" rel="noopener">https://www.academia.edu/7382134/45_Die_Erdwerke_der_Michelsberger_Kultur</a></li>
<li>Karmin, M. <em>et al.</em>: A recent bottleneck of Y chromosome diversity coincides with a global change in culture. In: Genome Research 2015; 25(4):459-466. doi:10.1101/gr.186684.114<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/" target="_blank" rel="noopener">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/</a> Abgerufen: 1.10.2018</li>
<li>Larsen, Clark Spencer <em>et al.</em>: Bioarchaeology of Neolithic Çatalhöyük reveals fundamental transitions in health, mobility, and lifestyle in early farmers. In: <a href="https://www.pnas.org/content/116/26/12615" target="_blank" rel="noopener">PNAS June 25, 2019 116 (26) 12615-12623</a>; first published June 17, 2019 <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1904345116" target="_blank" rel="noopener">https://doi.org/10.1073/pnas.1904345116</a> vom 29.06.2019, abgerufen am 30.06.2019</li>
<li>MDR 2025: Vor 8.000 Jahren &#8211; Landwirtschaft führte nicht automatisch zu Ungleichheit. Online-Ressource vom 07.08.2025 auf <a href="https://www.mdr.de/wissen/archaeologie-fruehgeschichte/landwirtschaft-bedeutet-nicht-automatisch-ungleichheit-100.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.mdr.de/wissen/archaeologie-fruehgeschichte/landwirtschaft-bedeutet-nicht-automatisch-ungleichheit-100.html</a> abgerufen am 13.08.2025</li>
<li>Meadows, Donella; Meadows, Dennis; Randers, J.; Behrens III, W.: Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit. Aus dem Amerikanischen von Hans-Dieter Heck. Stuttgart 1972</li>
<li>Meseg-Rutzen, Gabriele: In Europa lebten im frühen Jungpaläolithikum im Schnitt nur 1.500 Menschen <a href="https://idw-online.de/de/news711519" target="_blank" rel="noopener">https://idw-online.de/de/news711519</a></li>
<li>MPG 2019:<a href="https://www.shh.mpg.de/1237022/anatolia-neolithic-transition" target="_blank" rel="noopener">https://www.shh.mpg.de/1237022/anatolia-neolithic-transition</a> abgerufen am 5.5.2019</li>
<li>MPI für Menschheitsgeschichte: Kaukasus: Kultureller Austausch über biologische Grenzen hinweg. <a href="https://www.shh.mpg.de/1197459/pr-caucasus-haak" target="_blank" rel="noopener">https://www.shh.mpg.de/1197459/pr-caucasus-haak</a> abgerufen am 5.5.2019</li>
<li>Osterkamp, Jan: &#8222;Indoeuropäisch kommt aus der Steppe&#8220;. In: Spektrum- Online vopm 04.03.2015, <a href="https://www.spektrum.de/news/indoeuropaeisch-kommt-aus-der-steppe/1335235 class=" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/</a></li>
<li>Perras, Arne: Wie rabiat Indien gegen Überbevölkerung vorgeht. Aus: Süddeutsche Zeitung online vom 7. Juni 2017 <a class="textlink" href="https://www.sueddeutsche.de/wissen/demografie-wie-rabiat-indien-gegen-ueberbevoelkerung-vorgeht-1.3537692" target="_blank" rel="noopener">https://www.sueddeutsche.de/wissen/demografie-wie-rabiat-indien-gegen-ueberbevoelkerung-vorgeht-1.3537692</a> abgerufen am 2.4.2019</li>
<li>Podbregar, Nadja nach Berbesque, J. Colette; Marlowe, Frank W.; Shaw, Peter; Thompson, Peter: Hunter-gatherers have less famine than agriculturalists. <a href="https://royalsocietypublishing.org/doi/full/10.1098/rsbl.2013.0853" target="_blank" rel="noopener">https://royalsocietypublishing.org/doi/full/10.1098/rsbl.2013.0853</a> 01.01.2014. In: Urmenschen: Hungern als Ausnahme. <a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/urmenschen-hungern-als-ausnahme/" target="_blank" rel="noopener">https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/urmenschen-hungern-als-ausnahme/</a> vom 8. Januar 2014, abgerufen am 27. Januar 2019</li>
<li>Prum, Richard O.: The Evolution of Beauty: How Darwin&#8217;s Forgotten Theory of Mate Choice Shapes the Animal World &#8211; and Us. New York 2017</li>
<li>Randers, Jørgen; Maxton, Graeme: Ein Prozent ist genug: Mit wenig Wachstum soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel bekämpfen. München 2016 <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Prozent_ist_genug" target="_blank" rel="noopener">https://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Prozent_ist_genug</a></li>
<li>Römer, Jörg: Ausgrabungen belegen wie ein Klimawandel das leben veränderte. SPIEGEL online vom 14.08.2018 <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/tuerkei-ausgrabungen-belegen-wie-ein-klimawandel-das-leben-veraenderte-a-1222964.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/tuerkei-ausgrabungen-belegen-wie-ein-klimawandel-das-leben-veraenderte-a-1222964.html</a></li>
<li>Roffet-Salque, M. <em>et al.</em>: Evidence for the impact of the 8.2-kyBP climate event on Near Eastern early farmers. In: PNAS August 28, 2018 115(35) 8705-8709; 13.8.2018 <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1803607115" target="_blank" rel="noopener">https://doi.org/10.1073/pnas.1803607115</a> abgerufen am 5.5.2019</li>
<li>Schlichtherle, Helmut: Kultbilder in den Pfahlbauten des Bodensees. In: Jungsteinzeit im Umbruch. Die Michelsberger Kultur und Mitteleuropa vor 6000 Jahren. Darmstadt 2010, S. 266-277</li>
<li>Schulz, Matthias: Multikulti in der Steinzeit. In: DER SPIEGEL 6/2015 <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/multikulti-in-der-steinzeit-a-95a20604-0002-0001-0000-000131578982" target="_blank" rel="noopener">https://www.spiegel.de/wissenschaft/multikulti-in-der-steinzeit-a-95a20604-0002-0001-0000-000131578982</a></li>
<li>Small, Meredith F.: Female Choices. Sexual Behavior of Female Primates. Cornell University Press 1995</li>
<li>SU (Stanford University): Mysteriöser Männerschwund in der Steinzeit. Dezimierten Stammeskriege die genetische Vielfalt des Y-Chromosoms vor 7.000 Jahren? Online-Resource: <a href="https://www.wissenschaft.de/scinexx/wissen-aktuell-22794-2018-06-04.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.wissenschaft.de/scinexx/</a>. Abgerufen am 1.10.2018</li>
<li>Sugiyama, Michelle S.: Fitness Costs of Warfare for Women. In: Human Nature 25(4), November 2014, <a href="10.1007/s12110-014-9216-1" target="_blank" rel="noopener">DOI: 10.1007/s12110-014-9216-1</a> Artikel in &#8222;WELT online&#8220;: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html</a></li>
<li>Sypien, Michael: Der Club of Rome und die Grenzen des Wachstums. Seminararbeit. Otto-Friedrich-Universität Bamberg WS 2008/09. Lehrstuhl für Geographie. <a href="https://www.grin.com/document/127836" target="_blank" rel="noopener">https://www.grin.com/document/127836</a></li>
<li>UC (University of Cambridge): Türkei: &#8222;Wiege der Metallurgie&#8220; war keine Kupferschlacke aus der Steinzeit-Siedlung Çatalhöyük entstand wohl zufällig. 16.08.2017 &#8211; DAL <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/tuerkei-wiege-der-metallurgie-war-keine/" target="_blank" rel="noopener"><br />
https://www.scinexx.de/news/biowissen/tuerkei-wiege-der-metallurgie-war-keine/</a><br />
Originalveröffentlichung: Journal of Archaeological Science, 2017. <a href="10.1016/j.jas.2017.07.001" target="_blank" rel="noopener">doi: 10.1016/j.jas.2017.07.001</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte. Norderstedt 2012</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat. Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt. Norderstedt 2015</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Female choice &#8211; unser unbekanntes Menschenrecht. Online-Resource seit 2015: <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice</a></li>
<li>UM (Universität Mainz): &#8222;Mitteleuropäer haben gemischte Ahnen &#8211; Wildbeuter und eingewanderte Ackerbauern lebten 2.000 Jahre lang gemeinsam&#8220; vom 11.10.2013. Online-Ressource <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitteleuropaeer-haben-gemischte-ahnen/" target="_blank" rel="noopener">https://www.scinexx.de/</a></li>
<li>Valde-Nowak P.; Kienlin, T. L.: Neolithische Transhumanz in den Mittelgebirgen. Ein Survey im westlichen Schwarzwald. Prähistorische Zeitschrift 77, 2002, 29-75.</li>
<li>Voland, Eckart; Beise, Jan: Opposite Effects of Maternal and Paternal Grandmothers on Infant Survival in Historical Krummhörn. In: Behavioral Ecology and Sociobiology, Bd. 52, S. 435, 2002a</li>
<li>Voland, Eckart; Beise, Jan: A Multilevel Event History Analysis of the Effects of Grandmothers in Child Mortality in a Historical German Population (Krummhörn, Ostfriesland, 1720-1874). In: Demographic Research, Bd. 7, Article 13, 2002b</li>
<li>Zeng, Tian Chen <em>et al.</em>: Cultural hitchhiking and competition between patrilineal kin groups explain the post-Neolithic Y-chromosome bottleneck. In: Nature Communications Volume 9, Article number: 2077 (2018) <a href="https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6" target="_blank" rel="noopener">https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6</a> Abgerufen am 1.10.2018</li>
</ul>
<p><!--FUSSNOTEN:

<a href="#_ftnref1" name="_ftn1" class="footn">[1]</a> [mfn]Meadows, Donella; Meadows, Dennis; Randers, J.; Behrens III, W.: Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit. Aus dem Amerikanischen von Hans-Dieter Heck. Stuttgart 1972[/mfn]

<a href="#_ftnref2" name="_ftn2" class="footn">[2]</a> Perras, Arne: Wie rabiat Indien gegen &Uuml;berbev&ouml;lkerung vorgeht. Aus: S&uuml;ddeutsche Zeitung online vom 7. Juni 2017 <a href="https://www.sueddeutsche.de/wissen/demografie-wie-rabiat-indien-gegen-ueberbevoelkerung-vorgeht-1.3537692" target="_blank" rel="noopener">https://www.sueddeutsche.de/wissen/demografie-wie-rabiat-indien-gegen-ueberbevoelkerung-vorgeht-1.3537692</a> abgerufen am 2.4.2019

<a href="#_ftnref3" name="_ftn3" class="footn">[3]</a> Sypien, Michael: Der Club of Rome und die Grenzen des Wachstums. Seminararbeit. Otto-Friedrich-Universit&auml;t Bamberg WS 2008/09. Lehrstuhl f&uuml;r Geographie. S. 5 <a href="https://www.grin.com/document/127836" target="_blank" rel="noopener">https://www.grin.com/document/127836</a>

<a href="#_ftnref4" name="_ftn4" class="footn">[4]</a> Randers, J&oslash;rgen; Maxton, Graeme: Ein Prozent ist genug: Mit wenig Wachstum soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel bek&auml;mpfen. M&uuml;nchen 2016 <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Prozent_ist_genug" class="textlink" target="_blank" rel="noopener">https://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Prozent_ist_genug</a>

<a href="#_ftnref5" name="_ftn5" class="footn">[5]</a> G&ouml;tting, Eva: Exportschlager D&auml;mon? Zur Verbreitung altorientalischer Lama&scaron;tu-Amulette. S. 439. In: G&ouml;bel, J.; Zech, T. (Hrsg.): Exportschlager: Kultureller Austausch, wirtschaftliche Beziehungen und transnationale Entwicklungen in der antiken Welt. Humboldts studentische Konferenz der Altertumswissenschaften. Berlin 2009. S. 437-456 <a href="https://www.academia.edu/1822803/Exportschlager_D%C3%A4mon_Zur_Verbreitung_Altorientalischer_Lama%C5%A1tu-Amulette" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://www.academia.edu/1822803/Exportschlager_D%C3%A4mon_Zur_Verbreitung_Altorientalischer_Lama%C5%A1tu-Amulette</a>

<a href="#_ftnref6" name="_ftn6" class="footn">[6]</a> Small , Meredith M.: Female Choices. Sexual Behavior of Female Primates. 1995

<a href="#_ftnref7" name="_ftn7" class="footn">[7]</a> Prum, Richard O.: The Evolution of Beauty. How Darwin's Forgotten Theory of Mate Choice Shapes the Animal World - and Us. New York 2017

<a href="#_ftnref8" name="_ftn8" class="footn">[8]</a> Blaffer Hrdy, Sarah: M&uuml;tter Natur. Die weibliche Seite der Evolution. Berlin 2010, S. 233 f.

<a href="#_ftnref9" name="_ftn9" class="footn">[9]</a> Beise, Jan; Voland, Eckart: Warum gibt es Gro&szlig;m&uuml;tter? In: Spektrum der Wissenschaft 1|2003. S. 48-53. <a href="https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410" class="textlink" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410</a>

<a href="#_ftnref10" name="_ftn10" class="footn">[10]</a> Podbregar, Nadja nach Berbesque, J. Colette; Marlowe, Frank W.; Shaw, Peter; Thompson, Peter: Hunter-gatherers have less famine than agriculturalists. <a href="https://royalsocietypublishing.org/doi/full/10.1098/rsbl.2013.0853" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://royalsocietypublishing.org/doi/full/10.1098/rsbl.2013.0853</a> 01.01.2014. In: Urmenschen: Hungern als Ausnahme. <a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/urmenschen-hungern-als-ausnahme/" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/urmenschen-hungern-als-ausnahme/</a> vom 8. Januar 2014, abgerufen am 27. Januar 2019

<a href="#_ftnref11" name="_ftn11" class="footn">[11]</a> Vgl. Meseg-Rutzen, Gabriele: In Europa lebten im fr&uuml;hen Jungpal&auml;olithikum im Schnitt nur 1.500 Menschen<a href="https://idw-online.de/de/news711519" class="textlink" target="_blank" rel="noopener">https://idw-online.de/de/news711519</a>

<a href="#_ftnref12" name="_ftn12" class="footn">[12]</a> Jarus, Owen: No Family Plots, Just Communal Burials In Ancient Settlement. <a href="https://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.htm" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html</a> abgerufen am 10.11.2019

<a href="#_ftnref13" name="_ftn13" class="footn">[13]</a> Clark Spencer Larsen, Christopher J. Kn&uuml;sel, Scott D. Haddow, Marin A. Pilloud, Marco Milella, Joshua W. Sadvari, Jessica Pearson, Christopher B. Ruff, Evan M. Garofalo, Emmy Bocaege, Barbara J. Betz, Irene Dori, and Bonnie Glencross: Bioarchaeology of Neolithic &Ccedil;atalh&ouml;y&uuml;k reveals fundamental transitions in health, mobility, and lifestyle in early farmers. In: <a href="https://www.pnas.org/content/116/26/12615" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">PNAS June 25, 2019 116 (26) 12615-12623</a>; first published June 17, 2019 <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1904345116" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://doi.org/10.1073/pnas.1904345116</a> vom 29.06.2019, abgerufen am 30.06.2019

<a href="#_ftnref14" name="_ftn14" class="footn">[14]</a> <a href="https://www.shh.mpg.de/1237022/anatolia-neolithic-transition" class="textlink" target="_blank" rel="noopener">https://www.shh.mpg.de/1237022/anatolia-neolithic-transition</a> abgerufen am 5.5.2019, siehe auch: Feldman, M. et al.: Late Pleistocene human genome suggests a local origin for the first farmers of central Anatolia. Nature Communications 10, Article number: 1218 (2019) 19.3.2019 <a href="https://www.nature.com/articles/s41467-019-09209-7" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://www.nature.com/articles/s41467-019-09209-7</a> abgerufen am 5.5.2019

<a href="#_ftnref15" name="_ftn15" class="footn">[15]</a> Podbregar, Nadja nach Berbesque, J. Colette; Marlowe, Frank W.; Shaw, Peter; Thompson, Peter: Hunter-gatherers have less famine than agriculturalists. <a href="https://royalsocietypublishing.org/doi/full/10.1098/rsbl.2013.0853" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://royalsocietypublishing.org/doi/full/10.1098/rsbl.2013.0853</a> 01.01.2014. In: Urmenschen: Hungern als Ausnahme. <a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/urmenschen-hungern-als-ausnahme/" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/urmenschen-hungern-als-ausnahme/</a> vom 8. Januar 2014, abgerufen am 27. Januar 2019

<a href="#_ftnref16" name="_ftn16" class="footn">[16]</a> <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/tuerkei-ausgrabungen-belegen-wie-ein-klimawandel-das-leben-veraenderte-a-1222964.html" class="textlink" target="_blank" rel="noopener">https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/tuerkei-ausgrabungen-belegen-wie-ein-klimawandel-das-leben-veraenderte-a-1222964.html</a>, siehe auch: Roffet-Salque, M. et al.: Evidence for the impact of the 8.2-kyBP climate event on Near Eastern early farmers. In: PNAS August 28, 2018 115(35) 8705-8709; 13.8.2018 <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1803607115" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://doi.org/10.1073/pnas.1803607115</a> abgerufen am 5.5.2019

<a href="#_ftnref17" name="_ftn17" class="footn">[17]</a> University of Cambridge: T&uuml;rkei: &quot;Wiege der Metallurgie&quot; war keine Kupferschlacke aus der Steinzeit-Siedlung &Ccedil;atalh&ouml;y&uuml;k entstand wohl zuf&auml;llig. 16.08.2017 - DAL <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/tuerkei-wiege-der-metallurgie-war-keine/" class="textlink" target="_blank" rel="noopener">
https://www.scinexx.de/news/biowissen/tuerkei-wiege-der-metallurgie-war-keine/</a>
Originalver&ouml;ffentlichung: Journal of Archaeological Science, 2017. <a href="10.1016/j.jas.2017.07.001" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">doi: 10.1016/j.jas.2017.07.001</a>

<a href="#_ftnref18" name="_ftn18" class="footn">[18]</a> Vgl. Osterkamp, Jan: "Indoeurop&auml;isch kommt aus der Steppe". In: Spektrum- Online vopm 04.03.2015, <a href="https://www.spektrum.de/news/indoeuropaeisch-kommt-aus-der-steppe/1335235 class="textlink" target="_blank" class="textlink">https://www.spektrum.de/</a>

Siehe auch: Wolfgang Haak et al.: Massive migration from the steppe is a source for Indo-European languages in Europe In: Nature 522, S. 207-211 (11.6.2015) <a href="https://www.nature.com/articles/nature14317" class="textlink" target="_blank" rel="noopener">https://www.nature.com/</a> abgerufen am 5.5.2019

<a href="#_ftnref19" name="_ftn19" class="footn">[19]</a> Gronenborn, Detlef: Klimainduzierte Umweltkrisen und ihre soziopolitischen Auswirkungen auf pr&auml;historische Gesellschaften In: F. Daim / D. Gronenborn / R. Schreg (hrsg.), Strategien zum &Uuml;berleben. Umweltkrisen und ihre Bew&auml;ltigung. RGZM Tagungen 11., 2011, Abb. 4, S. 116

<a href="#_ftnref20" name="_ftn20" class="footn">[20]</a> Vgl. Universit&auml;t Mainz: "Mitteleurop&auml;er haben gemischte Ahnen - Wildbeuter und eingewanderte Ackerbauern lebten 2.000 Jahre lang gemeinsam" vom 11.10.2013. <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitteleuropaeer-haben-gemischte-ahnen/" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://www.scinexx.de/</a>

<a href="#_ftnref21" name="_ftn21" class="footn">[21]</a> P. Valde-Nowak/T. L. Kienlin: Neolithische Transhumanz in den Mittelgebirgen. Ein Survey im westlichen Schwarzwald. Pr&auml;historische Zeitschrift 77, 2002, 29-75.

<a href="#_ftnref22" name="_ftn22" class="footn">[22]</a> Karmin, M.; Saag, L.; Vicente M.; et al.: "A recent bottleneck of Y chromosome diversity coincides with a global change in culture." In: Genome Res. 2015;25(4):459-466. doi:10.1101/gr.186684.114

<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/</a>; Zeng, Tian Chen; Aw, Alan J.; Feldman, Marcus W.: Cultural hitchhiking and competition between patrilineal kin groups explain the post-Neolithic Y-chromosome bottleneck. Nature Communications Volume 9. <a href="https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">Article number: 2077 (2018)</a>

<a href="#_ftnref23" name="_ftn23" class="footn">[23]</a> Gronenborn, Detlef: Klimainduzierte Umweltkrisen und ihre soziopolitischen Auswirkungen auf pr&auml;historische Gesellschaften In: F. Daim / D. Gronenborn / R. Schreg (hrsg.), Strategien zum &Uuml;berleben. Umweltkrisen und ihre Bew&auml;ltigung. RGZM Tagungen 11., 2011, Abb. 5, S. 119

<a href="#_ftnref24" name="_ftn24" class="footn">[24]</a> Jeunesse, Christian: The fifth millennium BC in central Europe. Minor changes, structural continuity: a period of cultural stability. In: Gleser, Ralf; Hofmann, Daniela: Contacts, Boundaries &amp; Innovation in the Fifth Millenium. Exploring Developed Neolithic societies in central Europe. Leiden 2019

Jeunesse, Chr.; Seidel, U.: Die Erdwerke der Michelsberger Kultur. In : Die Michelsberger Kultur und Mitteleuropa vor 6000 Jahren, catalogue d'exposition, Badisches Landesmuseum, Karlsruhe 2010, 58-69 <a href="https://www.academia.edu/7382134/45_Die_Erdwerke_der_Michelsberger_Kultur" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://www.academia.edu/7382134/45_Die_Erdwerke_der_Michelsberger_Kultur</a>

<a href="#_ftnref25" name="_ftn25" class="footn">[25]</a> Vgl. Schlichtherle, Helmut: Kultbilder in den Pfahlbauten des Bodensees. In: Jungsteinzeit im Umbruch. Die Michelsberger Kultur und Mitteleuropa vor 6000 Jahren. Darmstadt 2010, S. 266-277

<a href="#_ftnref26" name="_ftn26" class="footn">[26]</a> Vgl. MPI f&uuml;r Menschheitsgeschichte: Kaukasus: Kultureller Austausch &uuml;ber biologische Grenzen hinweg. <a href="https://www.shh.mpg.de/1197459/pr-caucasus-haak" class="textlink" target="_blank" rel="noopener">https://www.shh.mpg.de/1197459/pr-caucasus-haak</a> abgerufen am 5.5.2019

<a href="#_ftnref27" name="_ftn27" class="footn">[27]</a> Gimbutas, Marija: Die Zivilisation der G&ouml;ttin, Frankfurt a.M. 1996 (am. Originalausg. 1991, S. 381

<a href="#_ftnref28" name="_ftn28" class="footn">[28]</a> Vgl. <a href="https://www.sciencemag.org/news/2017/02/thousands-horsemen-may-have-swept-bronze-age-europe-transforming-local-population" class="textlink" target="_blank" rel="noopener">https://www.sciencemag.org/news/2017/02/thousands-horsemen-may-have-swept-bronze-age-europe-transforming-local-population</a>

<a href="#_ftnref29" name="_ftn29" class="footn">[29]</a> Vgl. Goldberg, Amy; G&uuml;nther, Torsten; Rosenberg, Noah A.; Jakobsson, Mattias: Ancient X chromosomes reveal contrasting sex bias in Neolithic and Bronze Age Eurasian migrations <a href="https://www.pnas.org/content/114/10/2657" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">PNAS 7.3.2017</a>, 114 (10), S. 2657-2662; Online 21.2.2017 <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1616392114" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://doi.org/10.1073/pnas.1616392114</a> . Abgerufen am 1.10.2018

<a href="#_ftnref30" name="_ftn30" class="footn">[30]</a> Vgl. <a href="https://www.shh.mpg.de/1197459/pr-caucasus-haak" class="textlink" target="_blank" rel="noopener">https://www.shh.mpg.de/1197459/pr-caucasus-haak</a> abgerufen am 5.5.2019

<a href="#_ftnref31" name="_ftn31" class="footn">[31]</a> Vgl. Gogolin, Stephanie: <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">Das patriarchale Stockholm-Syndrom Teil I. Das kollektive Stockholm-Syndrom in der Patriarchose</a> Online-Ressource: abgerufen am 6.9.2019 und Gogolin, Stephanie: <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">Das patriarchale Stockholm-Syndrom Teil II. Die Ehe - ein verinnerlichtes Stockholm-Syndrom</a> Online-Ressource: abgerufen am 13.10.2019

<a href="#_ftnref32" name="_ftn32" class="footn">[32]</a> [mfn]Sugiyama, Michelle S.: Fitness Costs of Warfare for Women. In: Human Nature 25(4), November 2014, <a href="10.1007/s12110-014-9216-1" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">DOI: 10.1007/s12110-014-9216-1</a> Artikel in der WELT-online: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html</a>[/mfn]
--></p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Meadows/Meadows/Randers/Behrens 1972</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Perras 2017</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sypien 2008/09, S. 5</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Randers/Maxton 2016</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Götting 2009, S. 439</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Uhlmann 2015</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Small 1995</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Prum 2017</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Blaffer Hrdy 2010a, 233 f.</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Hawkes 2004 und Voland/Beise 2002a+b, Beise/Voland 2003</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Blaffer Hrdy 2010b, Fußnote 20, S. 448</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Blaffer Hrdy 2010, S. 336</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Blaffer Hrdy 2010b, S. 27</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Podbregar 2014</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Meseg-Rutzen 2019</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Jarus 2011</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Larsen <em>et al.</em> 2019</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. MPG 2019, Vgl. auch Feldman <em>et al.</em> 2019</div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Podbregar 2014</div><div>20&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Römer 2018<br />
Siehe auch: Roffet-Salque <em>et al.</em> 2018</div><div>21&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;UC 2017</div><div>22&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Osterkamp 2015<br />
Siehe auch: Wolfgang Haak <em>et al.</em> 2015</div><div>23&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gronenborn 2011, Abb. 4, S. 116</div><div>24&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Maria Gimbutas nannte diese Phase 1. Kurgan-Welle, benannt nach den typischen Grabhügeln, die seit dieser Zeit hier außerhalb der Steppe errichtet wurden. Duffy <em>et al.</em> 2025 und MDR 2025</div><div>25&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Schulz 2015</div><div>26&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. UM 2013</div><div>27&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Valde-Nowak/Kienlin 2002</div><div>28&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Karmin <em>et al.</em> 2015 und Zeng <em>et al.</em> 2018</div><div>29&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gronenborn 2011, Abb. 5, S. 119</div><div>30&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Jeunesse 2019 und Jeunesse/Seidel 2010</div><div>31&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Schlichtherle 2010, S. 266-277</div><div>32&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. MPI für Menschheitsgeschichte 2019</div><div>33&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gimbutas 1996, S. 381</div><div>34&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Fischer 2019</div><div>35&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Gibbons 2017</div><div>36&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Goldberg <em>et al.</em> 2017</div><div>37&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Ansede 2018 und Uhlmann 2015, S. 204 ff</div><div>38&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Haak 2015</div><div>39&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Gogolin 2019a und Gogolin 2019b</div><div>40&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Sugiyama 2014</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht">Explosion und Expansion &#8211; wie Vatermacht die Welt unterjocht.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">3827</post-id>	</item>
	</channel>
</rss>
