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	<title>Kinder Archive - Gabriele Uhlmann</title>
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		<title>Buchbesprechung &#8211; Sorgerecht und väterliche Gewalt &#8211; Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 May 2026 13:25:37 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Cover: Sorgerecht und väterliche Gewalt &#8211; Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht) von Ilka Schnaars erschienen 2025 im Christel Göttert Verlag...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/buchbesprechung-sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt-ein-plaedoyer-gegen-die-gleichwertigkeit-der-elternschaft-von-mutter-und-vater">Buchbesprechung &#8211; Sorgerecht und väterliche Gewalt &#8211; Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/381d97b9871e447cbd1ef5d080caae60" alt="" width="1" height="1" /><br />
<img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-5284" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2026/04/Sorgerecht_Schnaars_Cover_500.png?w=200&#038;ssl=1" alt=""  /><br />
<span style="font-size: 12px;">Cover: Sorgerecht und väterliche Gewalt &#8211; Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht) von Ilka Schnaars <a href="https://www.christel-goettert-verlag.de/produkt/sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt/" target="_blank" rel="noopener">erschienen 2025 im Christel Göttert Verlag</a></span></p>
<p><strong>&#8222;Das Kind braucht keine Mutter, solange es einen Vater hat&#8220;</strong>.</p>
<p><strong>Diese Überzeugung ist nicht nur die der Leihmutterschaftsindustrie, der Erfinder der künstlichen Gebärmutter oder der Vaterrechtler. Sie ist im Kern die Haltung des Bundesverfassungsgerichtes (BVerfG), das im Jahre 2010 ein dementsprechend wirksames Urteil sprach, das für die Familiengesetzgebung wegweisend wurde. Zu dieser bedrückenden und zugleich wachrüttelnden Bilanz kommt die Juristin und Sozialpädagogin Ilka Schnaars, die mit ihren Fragen an das BVerfG eine nachhaltige Wende im gegenwärtigen Denken über das Elternrecht anmahnt.</strong></p>
<p>Die völlige Verdrehung der Tatsachen &#8211; als sei es die Mutter, die zu viel Macht habe und ihrem Kinde schade &#8211; ermöglichte es moralisch, den Vater als von den Gesetzen diskriminiert hinzustellen. In dieser Moral, so legt es Ilka Schnaars frei, hat sich das BVerfG von einem vorangegangenen Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) überzeugen lassen, nämlich, dass die Ungleichbehandlung von nichtehelichen und ehelichen Vätern eben jene Diskriminierung darstelle, und ihm im Namen der Gleichberechtigung auch gleiches Elternrecht zuzugestehen sei. Diese Haltung folgt der Überzeugung von der Richtigkeit der völligen Gleichbehandlung generell von Müttern und Vätern, welche wiederum von der verfassungsgemäßen Gleichbehandlung von Frauen und Männern abgeleitet wurde. War das Urteil nicht eine nicht zu beanstandende, ja sogar überfällige Herstellung von Gerechtigkeit? Ilka Schnaars zeigt, wie schädlich es sich in Wirklichkeit für Mutter und Kind ausgewirkt hat. Die verheerenden Folgen beweisen: es handelte sich um einen Kurzschlussgedanken, der sogar zum Fremdschämen ist. Denn ein Vater ist nicht einfach nur ein Mann mit Kind und eine Mutter ist nicht einfach nur eine Frau mit Kind. Die Differenzierung mag vordergründig fein oder gar belanglos für die Gleichberechtigung sein, doch in der Realität hat ihre Entdifferenzierung nicht nur für die betroffenen, alleinerziehenden Mütter und Kinder verheerende Konsequenzen, sondern für alle Mütter und Kinder, und damit auch perspektivisch für alle Frauen.</p>
<h2 id="leichtfertig-positives-vaterbild-des-bverfg">Das leichtfertig positive Vaterbild des Bundesverfassungsgerichts</h2>
<p>Mutter und Vater kommen auf völlig unterschiedliche Weise zu ihrem Eltern-Status: die Mutter durch die Geburt, der Vater durch das Gesetz. Blind für diese Realität, die nach Auffassung von Ilka Schnaars zu einer rechtlich ungleichen Gewichtung der juristischen Bewertung der Elternschaft von Mutter und Vater führen müsste, und auch blind für die zunehmende oft tödlich endende Gewalt der Väter gegenüber Müttern und Kindern ist das BVerfG dabei von einem ausschließlich positiven Vaterbild geleitet, von der Überzeugung der unendlichen Güte des Vaters und der vollkommenen Redlichkeit seiner Absichten, die er auf der Basis des Vaterrechtes ausüben können muss. Wer es nicht glauben will, Ilka Schnaars präsentiert die entsprechenden Gesetzeskommentare, die einen fassungslos zurücklassen.<br />
Der einfältige Vater-Mythos, der auch dem sog. Neuen Vater den Weg bereitet hatte, wurde niemals im großen Stil von der Realität bestätigt, und wird es auch niemals werden können. Was den Wenigsten nämlich bewusst ist, ist die Tatsache, dass die Institution der Vaterschaft allein auf der Macht über die Frauen beruht, wobei Männer Frauen zwingen müssen, sich ihnen unterzuordnen und anzupassen, damit sie von ihrer Vaterschaft überhaupt erfahren. Oberflächlich passiert das im Rechtsstaat nicht mit Gewalt, sondern mit der Gewalt des Gesetzes und der patriarchalen Tradition seit der unnatürlichen Entstehung des Patriarchats.<br />
Im Moment der Zerrüttung der Partnerschaft auf Augenhöhe erst wird die Gewalt spürbar und sichtbar. Keine Frau kann wissen, zu was sich der &#8222;Märchenprinz&#8220; und spätere Vater ihrer Kinder einmal entpuppt, sollte die Beziehung in Schieflage geraten. Die meisten Frauen schlagen im Namen der Romantik alle Warnungen in den Wind, ein traditionell erwartetes Verhalten, dass den Vätern, denen sie sich mit der Bekanntgabe der Vaterschaft ausliefern, in die Hände spielt.</p>
<p>Dass Frauen in der frühen Bundesrepublik auf Drängen des wachsenden Feminismus immer weiter von vaterrechtlichen Diskriminierungen und Unterdrückungsmechanismen befreit wurden, und wie dies nun zurückgedreht wurde, ist ein wichtiger Bestandteil der Recherchen zu diesem Buch, zeigen sie doch, dass wir schon einmal weiter waren und die neue Gesetzgebung zum Sorgerecht nicht auf der Basis von Unwissenheit oder gar einer deutlichen Besserung der Väter entstanden ist. Die von Ilka Schnaars gezeigten Folgen bestätigen nun auf drastische Weise die ununterbrochene Notwendigkeit der differenzierten Sicht auf Mutter und Vater.</p>
<h2 id="die-guten-gruende-der-muetter">Die guten Gründe der Mütter werden ignoriert und kriminalisiert</h2>
<p>Nicht nur alle Frauen, die ohne den Vater für ihr Kind sorgen wollen, &#8211; weil sie ihn z.B. kaum kennen oder weil er gewalttätig ist, &#8211; haben ihre guten Gründe, ein gemeinsames Sorgerecht abzulehnen. Daran muss Ilka Schnaars wiederholt erinnern, denn offenbar darf es nicht sein, dass Mütter Gründe haben; diesen Eindruck gewinnt man, wenn man die Gesetzesartikel im Vorher und Nachher vergleicht. Auch die Mütter, die sich einst entschieden hatten, mit dem Vater ihres Kindes zu leben, haben immer gute Gründe, wenn sie dem Vater keinen Anteil am Sorgerecht überlassen. Trotzdem sind Frauen, die das gemeinsame Sorgerecht ablehnen, eine sehr kleine Gruppe, wie Ilka Schnaars es ebenso betont, Boshaftigkeit ist kein Motiv für Frauen, dem Vater das Kind &#8222;vorzuenthalten&#8220;. Es wirkt vor allem der gesellschaftliche Druck, dass Mütter die Väter ins Boot holen, den sie selbst als &#8222;freien Willen&#8220; wahrnehmen. Man könnte zwar meinen, dass Menschen im 21. Jahrhundert sich einig darüber sind, dass keine Frau gezwungen sein sollte, mit einem Mann zusammenzuleben oder mit ihm Abmachungen über ihr Kind treffen zu müssen, wenn sie mit ihm nichts zu tun haben will. Dies kann sich auch nur nachteilig auf das Kind auswirken, das ist sogar juristischer Konsens. Aber ausgerechnet der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ist da aber anderer Meinung. Die Interessen und Rechte der Mutter sind demnach zweitrangig bis bedeutungslos. So sieht es nun auch das BVerfG und wähnt deshalb das Kindeswohl von der Mutter unabhängig, aber &#8211; und das ist bezeichnend &#8211; vom Vater unbedingt abhängig.<br />
Daher sind es nun auch die Familiengesetze selbst, die Druck auf die Mütter ausüben und daher die besten Gründe liefern, den Kindsvater niemals bekannt zu geben. Dies ist eine Schlussfolgerung, die übrigens immer mehr Frauen ziehen.</p>
<h2 id="blinder-fleck-des-egmr">Der blinde Fleck des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte</h2>
<p>Wie konnte es dazu kommen, dass der EGMR eine solche Haltung eingenommen hat, wohlbemerkt im 21. Jahrhundert? Ilka Schnaars entdeckte den fatalen Fehler im Dickicht der Geschichte dieser Familiengesetzgebung, den man nur mit unendlich viel Wohlwollen als &#8222;Denkfehler&#8220; bezeichnen kann. Sicher nicht nur auf Drängen von Vaterrechtlern wurden beide Augen zugedrückt. Schon Jahre zuvor, Ende 1997 hatte der Gesetzgeber eheliche mit nicht ehelichen Kindern gleichgesetzt, ein tatsächlich überfälliger Schritt, der von einer großen Mehrheit bis heute getragen wird, und uneheliche Kinder aus der Stigmatisierung holte. Der Gesetzgeber beließ &#8211; und das ist entscheidend &#8211; die Pflicht der Gegenseitigkeit der Sorge der Eltern aber exklusiv in der Ehe. Daher sind unverheiratete Eltern nur dem Kind gegenüber verpflichtet. Auf die große Bedeutung dieses Details, das der EGMR einfach &#8222;übersehen&#8220; hat, nagelt Ilka Schnaars das BVerfG mit ihren Fragen fest. Bekanntermaßen hat die unverheiratete Mutter für mindestens drei Jahre Anspruch auf den sog. Betreuungsunterhalt, weitere Ansprüche hat sie aber nicht. Die Ehe war deshalb lange ein besonderer Schutzraum, der derjenigen Mutter lebenslang finanzielle Sicherheit gewährte, die einen Mann zum sog. Familienvater machte. Jedoch wurde dieser Schutz wieder eingedampft, angefangen beim 2008 weitgehend gestrichenen Unterhalt nach einer Scheidung. Mit dem Urteil des BVerfG 2010 wurde die Bedeutung der Ehe für die Elternschaft marginalisiert und damit auch der Schutzraum der alleinerziehenden, also nicht verheirateten Mütter, so paradox es klingen mag. Denn nach der alten Gesetzeslage schützte sie ihre Nicht-Heirat vor dem Zugriff des Vaters auf ihr Kind und damit auf sie. Der Kindsvater kann seit der Entscheidung des BVerfG 2010 in jeder Konstellation Macht über Mutter und Kind ausüben, wo er vorher von der Eheschließung oder der Entscheidung der unverheirateten Mutter abhängig war. Dass das Vaterrecht Gewalt gegen die Mutter ist, wird dabei offensichtlich.</p>
<h2 id="sorgerecht-ist-institutionelle-gewalt">Das deutsche Sorgerecht ist Institutionelle Gewalt</h2>
<p>Mit dem Urteil setzte eine in der Bundesrepublik beispiellose Flut an Prozessen gegen Mütter ein, die nun nicht mehr verhindern können, dass ihnen der nichteheliche Vater das Sorgerecht vollständig entziehen kann, dies ohne, dass er dafür nachweisen muss, dass das Kindeswohl durch das alleinige Sorgerecht der Mutter in Gefahr sei. Ilka Schnaars hat aufgedeckt, wie es passieren konnte, dass diese neue und zugleich ewig gestrige Gewalt durch „Vater Staat“ &#8211; der Fachbegriff ist &#8222;institutionelle Gewalt&#8220; &#8211; zur alltäglichen Gewalt und Trennungsgewalt der Väter, die bekanntermaßen bis zum Femizid reichen kann, hinzutreten konnte. Sie beweist, wie das BVerfG selbst mit seinem Urteil das Grundgesetz, nach welchem die Mutter eigentlich besonderen Schutz genießt, konterkariert. Möglich war dies nur, weil es alle überdeutlichen Stoppzeichen und warnenden Expertisen einfach übersehen durfte.</p>
<blockquote><p>&#8222;Der Schutz, den Mütter gemäß Art. 6 Abs. 4 GG erfahren sollten, wird ihnen nicht gewährt, wenn die Gewalt vom Staat ausgeht, der die Interessen der Väter umsetzen will, statt die Mütter vor Übergriffen zu schützen&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup></blockquote>
<p>Deutlicher kann man es nicht sagen. Das Bundesverfassungsgericht als Hauptadressat des Buches wird daher nochmals auf der Basis wohlbekannter Studien daran erinnert, wie das Kindeswohl gefährdet wird, wenn das Wohl der Mutter aus dem Blickfeld gerät.</p>
<h2 id="kriminalisierung-verbrieften-rechts">Die Kriminalisierung der mütterlichen Ausübung ihres verbrieften Rechts</h2>
<p>Dass Mütter gute Gründe haben, dem Kindsvater das Sorgerecht vorzuenthalten und dies nichts mit &#8222;Macht&#8220; und &#8222;Dominanzverhalten&#8220; zu tun hat, lässt sich &#8211; das ist das bedrückende dabei &#8211; mit eben jenen Umfragen beweisen, die seinerzeit das Bundesjustizministerium (BMJ) in Auftrag gab, um das Verhalten von Müttern zu untersuchen, die das Sorgerecht nicht mit dem Kindsvater teilen wollen. Dabei ging es offenbar nicht um Verständnis, sondern um die Findung von Ansatzpunkten, wie die Gründe der Mütter entwertet werden können. Die Ergebnisse wurden vom BMJ dazu einfach von den Füßen auf den Kopf gestellt, und lieferten dem Gesetzgeber und den Vätervereinen das gewünschte Argument, die Entrechtung und, ja, letztlich die Versklavung der Mütter zu fordern und zu rechtfertigen. Blind für die Gewalterfahrungen von Müttern unterstellen auch das BVerfG und das BMJ den Müttern Machtgebaren, Boshaftigkeit, &#8222;Bindungsintoleranz&#8220; und eine willkürliche Entfremdungsabsicht. Mit dem Begriff der &#8222;Zustimmungsverweigerung&#8220; wird von BVerfG, BMJ und auch dem EGMR suggeriert, dass Mütter, die einfach nur von ihrem verbrieften Recht auf Verzicht<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup> des gemeinsamen Sorgerechts Gebrauch machen, eine strafbare Handlung begehen. Ihrer Empörung darüber gibt Ilka Schnaars mit ihren bohrenden Fragen an das BVerfG Raum. Auch wenn das BMJ eingeräumt hatte, dass diese Studie mit Vorsicht zu behandeln sei, verschwand diese Mahnung anschließend spurlos im Nebel der Rechtsfindungsbegründungen. Im Ergebnis darf der Vater einen Antrag auf das Sorgerecht stellen, selbst, wenn ihn die Mutter gar nicht näher kennt. Weil aus Sicht des BVerfG bisher &#8222;zu wenig&#8220; gemeinsame Sorge von den Müttern zugelassen wird, soll sich die Mutter nun mit diesem Mann einig werden, obwohl sie mit ihm gar nichts zu tun haben will.</p>
<h2 id="sorgerecht-wirkt-wie-zwangsheirat">Das Sorgerecht wirkt wie eine staatlich verordnete Zwangsheirat</h2>
<p>Es wirkt wie eine staatlich verordnete Zwangsheirat, sie sollen ein Paar werden, um ihre Elternschaft zu leben. Es ist Ilka Schnaars‘ Klarheit, mit der sie die Dinge auf den Punkt bringt, die dieses Plädoyer so überzeugend macht.<br />
Dem BVerfG war natürlich bekannt, dass schon bei der alten Gesetzgebung festgestellt wurde, dass ein Streit zwischen den Eltern dem Kindeswohl nicht zuträglich ist. Es ist schon eine Binsenweisheit, dass ein Gerichtsverfahren gegen die Mutter einen solchen Streit überhaupt erst auslöst, wenn er diesen nicht schon längst beweist. Dieser Widerspruch wurde aber vom Gesetzgeber vollständig ignoriert. Ein solches Verfahren darf nun einer Mutter, die gerade erst geboren hat, die noch stillt, zugemutet werden, ein Stress, der sich unmittelbar auch auf das Kind auswirkt. Diese empörende Behandlung von Müttern passiert im 21. Jahrhundert &#8211; auf dem Altar der Gleichberechtigung. Dass eine Mutter ihr Kind abstillen muss, damit der Vater das neue Recht auf &#8222;sein Kind&#8220; wahrnehmen kann, ist an Menschenfeindlichkeit kaum zu überbieten, und das sagt Ilka Schnaars auch in aller Deutlichkeit.<br />
Das Vaterbild des BVerfG ist &#8222;seltsam frei von Eigeninteressen der Väter&#8220;, wie sie es ausdrückt, der Vater erscheint dort als &#8222;<em>per se</em> gut&#8220;. Während nun das Bedürfnis des Vaters auf &#8222;sein Kind&#8220; oberste Priorität genießt, werden der Mutter keine eigenen Bedürfnisse mehr zugestanden. Es wird aber dem Kind ein Bedürfnis nach dem Vater angedichtet, dessen Erfüllung das sog. Kindeswohl erst herstelle. Ein Eigeninteresse der Mutter an Sicherheit und Ruhe für sich und ihr Kind ist aus Sicht des BVerfG offenbar irrelevant und schädlich. Dies steht zwar nicht explizit in den Texten, aber Ilka Schnaars schält diese versteckte Haltung meisterhaft aus ihnen heraus.</p>
<h2 id="das-primat-der-mutter-und-deren-diskriminierung">Das natürliche Primat der Mutter und deren Diskriminierung</h2>
<p>Die Autorin weist explizit darauf hin, dass selbst das heute noch geltende Recht eigentlich davon ausgeht, dass das Recht der Mutter das primäre ist, weil es auf der natürlichen Basis beruht, nämlich, dass sie es ist, die mit dem Kind schwanger ist, es gebiert, nährt und mit ihm vom Embryo an eine enge Bindung hat. Deswegen waren die nicht verheiratete Mutter und der Kindesvater folgerichtig in ihrem Elternrecht nicht gleichberechtigt. Die natürliche Abhängigkeit des Vaters von der Mutter, die damit nicht nur begründet ist, sondern sich außerhalb jeder Machtkategorie, also auch außerhalb von Diskriminierung bewegt, soll heute trotzdem unter Berufung auf Gleichberechtigung von Mann und Frau aufgehoben sein. Dabei, das ist wesentlich, wird Diskriminierung erst hergestellt, nämlich die Diskriminierung der Mutter! Das Vaterrecht ist ein juristisches Konstrukt, das sich nicht mit dem natürlichen Recht der Mutter vereinbaren lässt. Daher verletzt das geltende Familienrecht die Menschenrechte der Mutter und ist somit verfassungswidrig, das ist die logische Schlussfolgerung, die Ilka Schnaars dem BVerfG mit ihrer Analyse entgegenschleudert. Das BVerfG sollte eigentlich neutral sein, statt einseitig Vaterrechte zu vertreten, während es den grundgesetzlich zugestandenen Schutz der Mütter ignoriert, das ist der Kern des Plädoyers. Der Ausschluss des nichtehelichen Vaters vom Zugang zur elterlichen Sorge stellte nie einen schwerwiegenden Eingriff in das Elternrecht des Vaters dar.</p>
<h2 id="leihmutterschaft-versklavung-durch-sorgerecht">Leihmutterschaft und Versklavung durch das deutsche Sorgerecht</h2>
<p>Die heute geltende Gesetzgebung macht Frauen quasi zu Leihmüttern, noch deutlicher: Sklavinnen der Väter. Dieser Vergleich, den Schnaars zieht, ist zutreffend, weil Mütter heute nicht nur gegen ihren Willen, sondern sogar ohne Anhörung ihr Sorgerecht verlieren, nicht, weil sie ihrem Kind Schaden zufügen würden, sondern weil es das Familiengericht so beschließen darf, wenn der Vater einen entsprechenden Antrag stellt. Allein die Tatsache, dass sie den Kindsvater ablehnt &#8211; dies wohlbemerkt immer aus gutem Grund – wird nun häufig als Kindeswohlgefährdung wegen &#8222;Bindungsintoleranz&#8220;, so die Begriffsschöpfung der Vaterrechtler, ausgelegt. Jetzt haben Mütter keine faire Chance mehr, sich zu wehren und wie auch immer sie sich verhalten, es kann nur falsch sein: Wenn der Kindsvater einen Antrag auf Sorgerecht stellt, ist der Schaden für das Kind vorprogrammiert, entweder, weil das Kind mit Unterstützung der Mutter mit einem ihm fremden Mann eine Beziehung aufbauen muss, mit dem die Mutter spätestens mit Beginn des Prozesses zerstritten ist, oder weil es seine Mutter samt seiner Muttermilch verliert. Dies alles passiert, als wäre der Schaden, den der prozessbedingte Stress ausgerechnet in der sensibelsten Phase der Säuglingszeit anrichtet, nicht schon genug. Das Kindeswohl ist – nun wird es überdeutlich &#8211; zum Vehikel für das Vaterrecht mutiert. Im Namen des &#8222;Kindeswohls&#8220; wird das Kindeswohl <em>ad absurdum</em> geführt.<br />
Ilka Schnaars führt dazu in einem eigenen Kapitel den Nachweis, wie der Schlüsselbegriff &#8222;Kindeswohl&#8220; vorgeschoben wurde, um das reklamierte Wohl des Vaters durchzusetzen, das – der Anständige versteht jetzt – nichts als Machtgebaren und Gier ist, und das die einmal errungene Gleichberechtigung sogar rückgängig macht. Dazu erklärt sie nicht nur, was unter Kindeswohl zu verstehen ist, sondern auch, warum es vom Mutterwohl abhängt und deshalb vom Vaterrecht bedroht ist. Wie makaber das Urteil des BVerfG und die daran anschließende Familiengesetzgebung in Wirklichkeit sind, weist Ilka Schnaars am Begriff des Elternrechtes des Vaters nach, das in Beton gegossen zu sein scheint, dies, ob es ein geschriebenes Gesetz gibt oder nicht. Es begründet sich in der patriarchal geprägten Gesellschaft selbst, es ist eine Selbstreferenz, die die Natur der Mutterschaft und der exklusiven Mutter-Kind-Bindung einfach ignoriert. Es sollte klar sein, dass es kein Menschenrecht ist, ein Kind zu haben, aber es ist ein Menschenrecht, dass Mütter zum Vater ihres Kindes auf Distanz gehen können.</p>
<h2 id="rueckabwicklung-der-muetterrechte">Rückabwicklung der Mütterrechte auf dem Altar der Gleichberechtigung</h2>
<p>Schon 1968 hatte das Bundesverfassungsgericht anerkannt, dass das Elternrecht auch der Mutter des nichtehelichen Kindes zusteht. So bizarr das klingen mag, das musste tatsächlich erst einmal erkannt, erklärt und verankert werden, da &#8222;Frau und Recht offenbar eine zwielichtige Angelegenheit sind&#8220;, wie Ilka Schnaars es so treffend wie ironisch feststellt. Der alte, dem Patriarchat innewohnende Biologismus, dass das Kind dem Vater gehöre, während die Mutter nur das Gefäß seines &#8222;Samens&#8220; sei, wurde damals endlich per Gesetz entkräftet und damit dem Menschenrecht der Mutter und des Kindes nach Jahrtausenden Patriarchat Rechnung getragen. Schnaars erinnert notwendigerweise immer wieder daran, dass das BVerfG nun versucht hat, das Rad der Geschichte rückwärtszudrehen. Es zeigt sich uns auf erschreckende Weise, wie die feministische Forderung nach Gleichberechtigung von Mann und Frau jetzt gegen die Mütter gewendet wird, ein dreister Willkürakt des BVerfG, gegen den sich in großer Mehrheit die betroffenen Mütter empören, ohne dass sie gehört würden. Die Gesetzgebung beweist uns – das sollte eigentlich sowieso klar sein -, dass das Patriarchat allein durch die Gewaltherrschaft explizit der Väter über die Mütter begründet ist und nicht durch die zahllosen Auswüchse des Machismo und der Romantik, die doch nur Symptome sind, die den Motor aber am Laufen halten, solange die Frauen nicht in den Gebärstreik treten.</p>
<h2 id="Macht-durch-geschichtsvergessenheit">Macht durch aktives Vergessen weiblicher Geschichte</h2>
<p>Familiengesetzgebung ist kein &#8222;Gedöns&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup>, das zeigt sich hier wieder einmal deutlich. Da die Gruppe der alleinerziehenden Mütter bisher keine eigene Lobby hatte &#8211; leider auch nicht unter den bekannten Feministinnen &#8211; und sich entsprechende Verbände<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup> erst in den letzten Jahren formiert haben, wird es wohl noch eine Weile dauern, bis die unerträgliche Ungerechtigkeit auch von der Politik erkannt wird. Leider haben bereits einmal niedergeschriebene Erkenntnisse eine nur sehr kurze Halbwertszeit, sie werden einfach &#8222;vergessen&#8220;. Die Errungenschaften der Frauen, die Aufdeckung ihrer beklemmenden Geschichte im Patriarchat und der Kampf um die Gleichberechtigung werden vom Patriarchat durch Nichtbeachtung, Verdrehung und Instrumentalisierung wirkungslos gemacht. Sobald die Väter Rechte verlieren, die sie zusammen mit dem Patriarchat gewaltsam installiert hatten, nutzen sie die Geschichtsvergessenheit, um alles rückgängig zu machen. Ilka Schnaars wendet ihre Kritik auch gegen all diejenigen Frauen wie Männer, die behaupten, die heutige Familiengesetzgebung sei ein Schritt in Richtung Gleichberechtigung von Mann und Frau, insbesondere ein Fortschritt für die Frau. Sie zeigt auf bewegende Weise, dass das Gegenteil der Fall ist, und nicht nur sie bleibt in Fassungslosigkeit zurück, wie es möglich ist, dass Frauen für ihre eigenen Belange so blind sein können.</p>
<h2 id="wirkung">Wirkung</h2>
<p>Seit Inkrafttreten dieses menschenunwürdigen Familiengesetzes vor 13 Jahren standen Mütter hilflos da, wenn sie zu verstehen versuchten, was ihnen und ihrem Kind da angetan wird &#8211; wie es sein kann, dass Unrecht zu Recht erklärt wurde. Ilka Schnaars bringt jetzt &#8211; als erste Autorin überhaupt &#8211; Licht in den Nebel der Rechtsverdrehung und erklärt Schritt für Schritt, wie es dazu kommen konnte: Mit Feststellungen, die plötzlich nicht mehr galten, mit Aberkennung der Selbstbestimmung der Mutter und ihrer diskriminierenden Diffamierung durch das BVerfG selbst, sowie durch schrittweise Marginalisierung des Schutzes der unverheirateten Mütter, die schon einmal in der Geschichte der Bundesrepublik durch ihr alleiniges Sorgerecht frei waren.</p>
<p>So bedrückend die Fakten auch sind, Ilka Schnaars leitet sicher und verständlich durch den Dschungel der Rechtsentwicklung, die die so empörende Ignoranz des Bundesverfassungsgerichtes und des Gesetzgebers zur Schau stellt. Menschlich integer und mit einer gehörigen Prise Galgenhumor spricht sie aus, was einem dabei unweigerlich durch den Kopf geht. Das Buch ist nicht nur eine Botschaft an das BVerfG, ein dringendes Plädoyer, sondern es ist so spannend zu lesen wie ein Thriller, der leider keine raffinierte Fiktion ist, sondern ungeschminkt die gesetzgeberische Willkür und die dadurch entstandene, täglich erlittene Realität darstellt.</p>
<p><strong>Sorgerecht und väterliche Gewalt &#8211; Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht) von Ilka Schnaars <a href="https://www.christel-goettert-verlag.de/produkt/sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt/" target="_blank" rel="noopener">erschienen 2025 im Christel Göttert Verlag</a></strong></p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-5284" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2026/04/Sorgerecht_Schnaars_Cover_500.png?w=200&#038;ssl=1" alt=""  /></p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Schnaars 2025, S. 299</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zum fragwürdigen Begriff des &#8222;Verzichts&#8220; schreibt Ilka Schnaars in privater Korrespondenz: &#8222;Sie verzichtet damit auf Unterstützung&#8220;.</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;wie es Gerhard Schröder nach seiner Wahl zum niedersächsischen Ministerpräsidenten einmal ausdrückte</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;z.B. Die MIAs <a href="https://die-mias.de/" target="_blank" rel="noopener">https://die-mias.de/</a></div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/buchbesprechung-sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt-ein-plaedoyer-gegen-die-gleichwertigkeit-der-elternschaft-von-mutter-und-vater">Buchbesprechung &#8211; Sorgerecht und väterliche Gewalt &#8211; Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Großmutter-Hypothese? Großmutter-These!</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/grossmutter-hypothese-grossmutter-these</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Oct 2025 12:58:58 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Bild: &#8222;Großmutter und Enkelin&#8220; Ausschnitt aus einem Holzstich von Ludwig Richter (1803-1864) Die Entdeckung der evolutionären Rolle der Großmutter Der Sinn der Menopause sei, dass Mütter schneller wieder schwanger werden...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Bild: &#8222;Großmutter und Enkelin&#8220; Ausschnitt aus einem Holzstich von Ludwig Richter (1803-1864)<img decoding="async" style="display: none !important;" src="https://vg01.met.vgwort.de/na/ac227f65dc774c44a0a2c636ffe53a47" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h2 id="die-entdeckung-der-evolutionaeren-rolle-der-großmutter">Die Entdeckung der evolutionären Rolle der Großmutter</h2>
<p>Der Sinn der Menopause sei, dass Mütter schneller wieder schwanger werden können, wenn ihnen post-menopausale Frauen bei der Kinderpflege helfen. Dies war im Jahre 1998 die zentrale Aussage der Anthropologin Kristen Hawkes, die als Begründerin der Großmutter-Hypothese bekannt wurde. Auf diesen Gedanken kam sie bei Untersuchungen an dem Wildbeuter-Volk der Hazda in Tansania. Hawkes folgte damit der Auffassung, dass der evolutionäre Erfolg einer Art von der Zahl ihrer Nachkommen abhängt. Mit ihrer Hypothese<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup> erregte Hawkes im Jahre 2004 zwar Aufmerksamkeit, es kamen aber schnell Zweifel auf, denn es gibt artübergreifend neben einer hohen Populationsgröße auch andere Überlebensstrategien. Es hat sich insbesondere für uns Menschen gezeigt, dass eine hohe Kinderzahl sogar belastend ist und zu einer weltweiten Überbevölkerung geführt hat. Der Verdienst für die Wissenschaft besteht nun rückblickend vor allem darin, dass Hawkes das Thema als Erste aufs Tapet brachte und andere ForscherInnen inspirierte, daran weiterzuforschen.</p>
<h2 id="warum-gibt-es-die-grossmutter">Warum gibt es die Großmutter?</h2>
<p>Im Jahre 2003 fragten Jan Beise und Eckard Voland erneut „Warum gibt es Großmütter?“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup> und überprüften die Hypothese anhand von Kirchenbüchern aus dem 19. Jh. von der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Krummh%C3%B6rn" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Halbinsel Krummhörn</a>. Sie fanden überraschenderweise eine erhöhte Kindersterblichkeit, wenn die väterliche Großmutter mit im Hause lebte, salopp gesagt, wenn die Mutter ihre Schwiegermutter am Halse hatte. Die Sterblichkeit war sogar noch höher, als wenn keine der beiden Großmütter mit im Hause wohnte. Die geringste Sterblichkeit war also gegeben, wenn nur die mütterliche Großmutter bei der Kinderpflege mithalf. Damit wurde deutlich, dass es nicht egal ist, welche Großmutter mit im Hause lebt. Die Anwesenheit der mütterlichen Großmutter hat einen positiven Effekt auf das Überleben ihrer Enkelkinder. Das ist der wahre evolutionäre Grund für die Menopause. Kristen Hawkes These musste in dieser Weise modifziert werden und bekam nun politische Relevanz.</p>
<p>Die korrigierte Großmutter-Hypothese führte weiter ein Schattendasein, weil die Evolutionsbiologie &#8211; wie wir noch sehen werden &#8211; sich nicht von der Vorstellung trennen wollte, dass die Schwiegermutter den Fortpflanzungserfolg erhöhe, dies eingedenk der zunehmenden Überbevölkerung. Die großmütterliche Leistung war und ist den „Herren der Schöpfung“ suspekt, zumal der Großvater nun außen vor bleibt. So sehr die Herrschende Lehre die Großmutter-Hypothese zu ignorieren sucht, so groß sind aber auch die Zweifel an der Richtigkeit der positiven Bewertung der Schwiegermutter. Daher werden immer wieder Studien aufgelegt, die den Zusammenhang von Mutter, Großmüttern und Enkelkindern untersuchen.</p>
<h2 id="warum-gibt-es-die-Schwiegermutter">Warum gibt es die Schwiegermutter?</h2>
<p>Die Frage muss nun zu vorderst lauten, warum es die Schwiegermutter gibt, wenn sie doch so schädlichen Einfluss auf ihre Enkelkinder ausübt. Denn die Evolution selektiert nichts im großen Stil, was dem Nachwuchs auch nur ansatzweise schaden könnte. Das wäre ja das Ende aller Arten. Die Anwesenheit der Schwiegermutter deutet daraufhin, dass jemand in die Evolution eingegriffen hat, ohne die weitreichenden Folgen erahnen zu können. Und sie ist ein Anzeichen, dass es mit unserer Art zu Ende geht, trotz und wegen der Überbevölkerung.</p>
<p>Eine Antwort auf die Frage kann nur die unabhängige, interdisziplinäre Patriarchatsforschung liefern, denn sie allein stellt bisher die Natürlichkeit der Schwiegermutter infrage, gerade WEIL diese so einen negativen Einfluss ausübt: Die Existenz der Schwiegermutter ist an die Ehe gebunden und sie war seit dieser Erfindung sogar DIE Garantin für das Funktionieren der stets patriarchalen Familie, denn sie ersetzte die seitdem ausgeschlossene Großmutter mütterlicherseits sowie alle anderen Angehörigen der Mutter. Sie war nie ein Tausendsassa, sondern hat seit jeher nur ein Ziel: Die Sicherstellung der Vaterschaft ihrer Söhne. Ohne die Kenntnis seiner genetischen Kinder kann kein Vater Macht über sie ausüben und auch nicht über andere. Die Herrschaft der Väter, das Patriarchat, muss daher die Mutter regelrecht gefangen nehmen. Zu Recht wird vom Gefängnis der Ehe gesprochen.<br />
Aufseherin war von Beginn an die Schwiegermutter, die sich im Alltag an der sexuellen Kontrolle der jungen Ehefrau, die sie eigentlich als Eindringling wahrnahm, beteiligte, und die sie misstrauisch beäugte. In dieser <strong>Patrilokalität</strong> genannten Zwangslage lebten alle Frauen noch bis vor 100 Jahren, besonders wenn ihre Ehemänner noch Bauern geblieben waren. Das war aber nicht immer so. Diese Lebensweise kam zuerst bei den viehnomadischen Völkern auf, sie haben sie gewaltsam über die Welt verbreitet und bis heute erhalten.</p>
<p>In der Situation der Patrilokalität waren bzw. sind die jungen Mütter den sexuellen Ansprüchen des Ehemannes schutzlos ausgeliefert. Die Ehefrau und Mutter hat ihren Körper zur Verfügung zu stellen, im Gegenzug wird sie mitversorgt. Ein gutes Leben hat sie nicht. Einerseits hat sie häufig Konkurrenz von Nebenfrauen, andererseits ist sie nur geduldet, weil es ohne sie nun mal nicht geht. Die Schwiegermutter versucht, ihre Schwiegertochter, die oft schon mit der Menarche verheiratet wurde, zu erziehen bzw. ihr ihre Kultur aufzuzwingen. Die von vorne herein gestörte Beziehung der beiden führt zu enormem Stress der jungen Mutter und auch deren Kinder. Eine gestresste Mutter hat weniger Milch, wird häufiger krank und erleidet eher Fehlgeburten. Den Kindern geht es entsprechend schlecht. Dies bestätigt die Krummhörn-Studie. Die eheliche Verpflichtung führt zu beinahe jährlichen Geburten, vielen sterbenden Kindern und auch nicht selten zum Tod der Mutter unter der Geburt. Seit der Durchsetzung der Ehe seit grob 8000 Jahren bekommen Frauen wesentlich mehr Kinder als sie unter natürlichen Bedingungen jemals bekommen haben. Das Patriarchat ist unmittelbar für die Überbevölkerung verantwortlich. In Ländern mit hohem medizinischem Standard ist diese Nebenwirkung seit 50 Jahren durch die Pille weitgehend abgestellt. In den meisten Ländern aber ist Empfängnisverhütung unerwünscht, beleidigt sie ja die männliche Potenz.</p>
<h2 id="leben-in-matrifokalitae-unser-angeborenes-sozialverhalten">Leben in Matrifokalität &#8211; Unser angeborenes Sozialverhalten</h2>
<p>Im Gegensatz zu den patriarchalen Verhältnissen bekommt eine Mutter, die unter matrifokalen, also natürlichen Bedingungen lebt, deutlich weniger Kinder und auch nur etwa alle fünf Jahre. Die Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy fand heraus, dass Stillen nach Bedarf, also rund um die Uhr, die Ovulation hemmt.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup> Unter natürlichen Bedingungen sind kleine Kinder also eine wirksame Empfängnisverhütung, ein logischer evolutionärer Schutz der enormen Investitionen in ein Menschenkind. Die Lebensweise, unter der die <em><a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">female choice</a></em> frei gelebt wird<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>, hat auch weniger sexuellen Verkehr zur Folge<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup>. Automatisch ist damit eine konstante Bevölkerungszahl sichergestellt. Das kleine Kind hat, weil es nicht schon als Säugling von einem Geschwisterchen Konkurrenz bekommt, eine deutlich höhere Überlebenschance; im Übrigen auch die Mutter selbst. Zum Überleben trägt besonders auch die Hilfe der mütterlichen Großmutter und der Alloeltern, das sind die weiblichen und männlichen Mitglieder der matrilinearen Sippe, bei.<br />
Wie wir es aus rezenten matrifokalen Gemeinschaften wissen, verhindert die Großmutter nicht die freie Sexualität ihrer Tochter, sondern schützt und unterstützt sie bei Bedarf. So richtet z.B. die Mosuo-Mutter in ihrem Haus ein „Blumenzimmer“ ein, wo die Tochter tun und lassen kann, was sie will, und theoretisch vor unerwünschten Übergriffen geschützt ist. Übergriffe finden aufgrund der matrifokalen Sozialisation der Männer auch gar nicht statt, womit Frauen doppelt geschützt sind. Die mütterliche Großmutter verhindert damit nicht eine höhere Kinderzahl, sondern sie dient <em>female choice</em>, die, wenn sie konsequent gelebt wird, erst bewirkt, dass die mütterliche Großmutter im Hause lebt. Die Hilfe der Großmutter ist also nur ein Teilaspekt des komplexen Schutzsystems Matrifokalität, das die Herrschende Lehre bis heute nicht verstehen will. Ihre Menopause ist jedoch ein schlagendes Indiz der Matrifokalität.<br />
In matrifokalen Gemeinschaften spielen im Übrigen die äußeren Bedingungen eine größere Rolle. Während es in der Altsteinzeit der Sammler/Fischer/Jäger nur eine sehr geringe Population auf gleichbleibendem Niveau gab, ermöglichte die Erfindung der Landwirtschaft in Subsistenz einen Anstieg der Population, die dann auf einem höheren Niveau wiederum gleich blieb.</p>
<p>Sarah Blaffer Hrdy konnte die korrigierte Großmutterhypothese problemlos in ihre eigene These, veröffentlicht in ihrem Buch „Mothers and Others. Evolutionary Origins of Mutual Understanding“ (2009), deutsch „Mütter und andere. Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat“ (2010), integrieren, ja sie war eine wichtige Basis. Dieses Werk ist eine umfassende, stichhaltige Begründung und Darstellung unserer natürlichen matrifokalen Lebensweise.</p>
<h2 id="die-grossmuetterliche-geburtenkontrolle-schutz-vor-ueberbevoelkerung">Die großmütterliche Geburtenkontrolle &#8211; Schutz vor Überbevölkerung</h2>
<p>Am 27.09.2017 akzeptierte die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Royal_Society" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Royal Society</a> eine Metastudie<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup> der anthropologischen Arbeitsgruppe Susanne Huber, Patricia Zahourek und Martin Fieder von der Universität Wien mit dem Titel <a href="http://dx.doi.org/10.1098/rsos.170544" target="_blank" rel="noopener noreferrer">‚Mit der eigenen oder der Mutter des Ehemanns im Haushalt zu leben, ist mit einer geringeren Kinderzahl assoziiert: eine kulturübergreifene Analyse‘</a>. In ihrer Pressemitteilung teilte die Arbeitsgruppe der Studie (im Folgenden „Wiener Studie“) mit:</p>
<blockquote><p>„Frauen, die mit ihrer eigenen Mutter oder ihrer Schwiegermutter in einem gemeinsamen Haushalt leben, haben durchschnittlich weniger Kinder als jene, die nur mit ihrem Partner zusammenleben. Das haben evolutionäre AnthropologInnen um Martin Fieder von der Universität Wien in einer interkulturellen Analyse auf Basis von Daten von über 2,5 Millionen Frauen herausgefunden. EvolutionsbiologInnen gingen bislang vom Gegenteil aus.“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup></blockquote>
<p>Dieser Befund will auf den ersten Blick so gar nicht zur Krummhörn-Studie von Breise/Voland passen, wonach das Leben mit der Schwiegermutter die denkbar schlechteste Konstellation ist und das Leben mit der mütterlichen Großmutter die beste. Doch Vorsicht, in der Wiener Studie geht es nicht um die Überlebenchancen von geborenen Kindern, sondern lediglich um die Zahl der Geburten einer Frau. Dabei relativiert die Wiener Studie die Leistung der mütterlichen Großmutter, ja sie scheint sogar die Schwiegermutter zu rehabilitieren, indem sie sie jetzt mit der mütterlichen Großmutter auf eine Stufe stellt. Am Ende zählt nun vor allem die Quantität, und nicht welcher emotionaler und gesundheitlicher Aufwand betrieben wurde, um diese Quantität zu erreichen. Dennoch sind jetzt beide Großmütter auf der Anklagebank. Es scheint mir, als solle hier die Kernfamilie aus Vater, Mutter und Kindern propagiert werden. Und es scheint, dass die Royal Society genau dies honoriert.</p>
<p>In der Publikation der Wiener Studie wird Sarah Blaffer Hrdy &#8211; <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2016/10/14/zum-artikel-stark-als-paar-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-april-2015/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">wie in der Vergangenheit bereits schon einmal</a> &#8211; falsch interpretiert:</p>
<blockquote><p>„Kaplan […] berechnete, dass ein Kind von der Geburt bis zum Alter von 18 Jahren einen Überschuss von 10-13 Millionen Kalorien konsumiert. Es ist weitgehend anerkannt, dass die Unterstützung der Mutter ihren reproduktiven Output und das Überleben ihrer Kinder erhöht (…). Übereinstimmend damit formulierte Hrdy (…) die Hypothese der gemeinschaftlichen Aufzucht: Mütter sind in Gruppen eingebunden, in der <strong>nicht nur der biologische Vater</strong>, sondern auch eine Vielfalt an Individuen den Kindern Resourcen zur Verfügung stellen.“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup></blockquote>
<p>Erstens ist diese Darstellung verzerrend, denn Blaffer Hrdy hat die Ernährungsthese Kaplans nur am Rande erwähnt, während sie die Großmutterhypothese von Kristen Hawkes &#8211; welche im Literaturverzeichnis der Wiener Studie übrigens keinerlei Erwähung findet &#8211; als zentralen Bestandteil ihrer These rezipierte. Blaffer Hrdy verfolgt keinerlei Kulturmaterialismus, sondern kommt der Logik der Notwendigkeiten, die unsere Physiologische Frühgeburt nach sich zieht, auf die Spur.</p>
<p>Zweitens ist diese Darstellung dahingehend falsch, als dass Blaffer Hrdy seit Erscheinen ihres Buches „Mother and Others“ offiziell <strong>nicht</strong> mehr davon ausgeht, dass der altsteinzeitliche Kindsvater mit in der Sippe bzw. mit seinen genetischen Kindern lebt. Ja, sie zählt ihn nicht einmal zum Kreise der Alloeltern! Ihr Buch „Mother Nature“, das die Wiener Studie ebenfalls aufführt, ist damit veraltet, was die Wiener ForscherInnen aber nicht berücksichtigen.</p>
<p>Blaffer Hrdys Fehler war, ihre zentrale Aussage von „Mothers und Others“ in eine Fußnote zu verbannen. Sie schreibt dort:</p>
<blockquote><p>„<em>Ich gehörte übrigens zu denjenigen, die schon frühzeitig davon überzeugt waren, dass Menschenaffen zur Patrilokalität neigten. Ich änderte meine Meinung im Verlauf der Arbeit an ‚Mutter Natur’.</em>“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup></blockquote>
<p>Aufgrund dieses zwischenzeitlichen, notwendigen Sinneswandels geriet das Buch „Mother Nature“ leider reichlich verwirrend und widersprüchlich. Die Frage ist allerdings, ob die New York Times sonst ihre Bücher derart gelobt hätte, aber das nur am Rande.</p>
<p>Blaffer Hrdy geht auf der Basis der Großmutterthese und der Tatsache der <em>female choice</em> (Small 1995) sowie ihrer eigenen anthropologischen Forschung von der Matrilinearität der Menschheit als einzig natürlicher Lebensweise aus. Sie schreibt in „Mütter und Andere“:</p>
<blockquote><p>„Ungeachtet dogmatischer Verlautbarungen, wonach Menschen für gewöhnlich ‚eine patrilokale Familienstruktur besitzen’, weil ‚Söhne in traditionellen Gesellschaften in der Nähe ihrer Familien bleiben, während Töchter fortziehen’, wird diese grundlegende Aussage über die menschliche Natur nicht von Daten über Menschen gestützt, die tatsächlich als Jäger-Sammler leben.“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup></blockquote>
<p>Die Wiener Studie ist nun eine Momentaufnahme der Gegenwart, die nicht geeignet ist die Verhältnisse vor über 100 Jahren wie bei der Krummhörn-Studie wiederzuspiegeln. Die Wiener schreiben:</p>
<blockquote><p>“Über alle Länder hinweg lebt die Mehrheit der Frauen nur mit ihrem Ehepartner im Haushalt. Nur im Irak lebt die Mehrheit der Paare mit der Mutter des Ehemanns im Haushalt (53,15%), gefolgt von Pakistan (41,2%). In allen anderen untersuchten Ländern liegt die Häufigkeit des Lebens mit der Mutter des Ehemanns im Haushalt zwischen 1,5% (USA) und 20,5% (Rumänien). Das Leben mit der eigenen Mutter der Frau im Haushalt ist die am wenigsten verbreitete Lebensform, die von 0,8% (Malawi) bis zu 17,2% (Thailand) reicht.“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup></blockquote>
<p>Wie ist es dazu gekommen, was hat sich in den letzten 100 Jahren verändert? Die sexuelle Kontrolle durch die Schwiegermutter spielte nach Gewöhnung an das Patriarchat und durch die religiöse Indoktrination eine immer geringere Rolle. Scheidung und Ehebruch wurden allgemein behindert bzw. geächtet. Derart „befriedet“ blieb das Paar auch ohne die Kontrolle der väterlichen Familie resp. der Schwiegermutter beisammen, auch wenn in der Ehe Krieg herrschte. Mit der Industrialisierung und Landflucht sowie heute der modernen Mobilität zogen und ziehen Ehepaare immer öfter in andere Städte fernab aller Großeltern. Die Ehe wird nun aus Verliebtheit geschlossen, wirtschaftliche Aspekte bzw. die Eheanbahnung durch die Eltern spielt nur noch eine sehr geringe Rolle. Paare verlassen ihre Elternhäuser, um auswärts das materielle Glück zu suchen, sofern sie es nicht schon haben. So ist es kein Wunder, dass die Mehrzahl aller Paare nicht mehr in Patrilokalität lebt und die Soziologie um eine neue Lebensform „bereichert“ wurde, die <strong>Neolokalität</strong>, bei der der besser verdienende Ehepartner den Wohnort bestimmt. Im weiter bestehenden Patriarchat ist dies meistens der Ehemann, was der Begriff jedoch verschleiert.</p>
<p>Wir sehen an diesen Zahlen auch, wie sehr das Patriarchat über die Welt verbreitet wurde und sogar, wo es herkommt, nämlich aus viehzüchternomadischen Gebieten. Mit der Auflösung der Patrilokalität wurde das Patriarchat jedoch nicht beseitigt, sondern es zeigt sich daran im Gegenteil seine Verschärfung. Es ist ideologisch gefestigt und durch die Isolierung des Paares mit seinen Kindern wird dieses abhängiger vom Staatspatriarchat, mit dem die Sache immer fester gezurrt wird.</p>
<p>Die Wiener fanden, wie eingangs gesagt, heraus, dass die Anwesenheit einer Großmutter die Kinderzahl negativ beeinflusst. Die meisten Kinder bekamen diejenigen Mütter, die alleine mit Ehemann und Kindern in der Wohnung leben. Es wurde allerdings nicht diskutiert, dass Großeltern, zu denen ja im Übrigen auch oft noch der Großvater gehört, oft keinen Sex in „ihrer“ Wohnung dulden, aber auch Paare die Anwesenheit ihrer Eltern als beim Sex störend empfinden. Eine Tatsache ist auch, dass die Frau bei Abwesenheit der Großeltern dem Ehemann schutzlos ausgeliefert ist, was die hohen Zahlen häuslicher Gewalt veranschaulichen. Ohne Zeugen lässt sich besser gewaltsam zeugen.</p>
<h2 id="die-muetterliche-großmutter-das-unbekannte-wesen">Die mütterliche Großmutter, das unbekannte Wesen</h2>
<p>Die Wiener kamen nicht umhin, auch die Verhältnisse in matrifokalen Gemeinschaften zu beleuchten. Dass in Äthiopien gefunden wurde, dass Kinder in matrilokalen Gemeinschaften, wo die mütterliche Großmutter immer anwesend ist, eine höhere Überlebenschance haben, wurde erfreulicherweise erwähnt. Dies bestätigt den Befund von der Halbinsel Krummhörn des 19. Jhs., auch wenn dort neben Patrilokalität die Neolokalität herrschte. Aufgrund des ungenauen Lesens des letzten Buches von Sarah Blaffer Hrdy und der Ignoranz gegenüber der natürlichen Matrifokalität muss sich die Wiener Arbeitsgruppe aber bankrott erklären und sie tut es auch:</p>
<blockquote><p>“Im Vergleich zu ihrem Einfluss auf das Überleben von Kindern werden die Auswirkungen beider, der Anwesenheit der mütterlichen und väterlichen Großmutter, auf die Fruchtbarkeit weniger gut verstanden. Die meisten Untersuchungen zu mütterlichen Großmüttern zeigen einen positiven Einfluss auf die Fruchtbarkeit ihrer Tochter (…). In einer Metaanalyse fanden Sear &amp; Coall (…) dagegen, dass nur in über 30% der 39 untersuchten Studien die Anwesenheit der eigenen Mutter, aber in etwa 70% der Studien die Anwesenheit der Schwiegermutter einen pro-natalen Effekt hat.“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup></blockquote>
<p>Was ist hier nun wieder los? Wieder wurde gelesen, was sie lesen wollten. Das Paper, das einen positiven Einfluss der mütterlichen Großmutter auf die Fruchtbarkeit, also die Geburtenzahl ihrer Tochter, postulieren soll, beschäftigt sich ausschließlich mit dem Überlebenchancen der Kinder und titelt: „Who keeps children alive? A review of the effects of kin on child survival“. Autorinnen sind Rebecca Sear und Ruth Mace. Die Untersuchung bestätigt im Grunde auch das Ergebnis von der Halbinsel Krummhörn. Eine kleine Ausnahme unter vielen macht eine Untersuchung von Sear an Familien des Cheva-Volkes im bäuerlichen Malawi. Als Anmerkung finden wir dort: &#8222;Mgms borderline but significant at p&lt;.05 for girls only; mat aunts − in families where women own resources, + where men do; divorce −“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup> Das bedeutet übersetzt, dass sich die Mithilfe der mütterlichen Großmütter signifikant negativ auswirkt, aber nur grenzwertig, und nur bei einer Scheidung oder wenn die Mutter die Resourcen selbst verdienen muss.<br />
Wir haben es hier mit einer patriarchalen Gesellschaft zu tun. Die Überlebensrate ist für Mädchen schlechter, was auf deren Unterversorgung zurückgeht, wie wir sie in vielen Kulturen vorfinden. Die Mütter sind mitunter doppelt belastet, d.h. sie müssen auf dem Feld arbeiten, weshalb eine Großmutter mithelfen muss. Dass für die Überlebensrate hier allein die mütterliche Großmutter verantwortlich gemacht wird, ist schon sehr bizarr, denn offensichtlich gibt es in dieser Kultur einen mutwilligen Gynozid, den allein das von Männern installierte System, aber nicht die mütterliche Großmutter zu verantworten hat. Was gibt es da nicht zu verstehen, außer, dass wir uns darüber erschrecken müssen, in welchem Ausmaß Frauen zu Dienerinnen des Patriarchats gemacht wurden!</p>
<p>Das andere Paper wurde ebenfalls von Rebecca Sear, diesmal in Cooperation mit David Coall, verfasst (2011): „How much does family matter? Cooperative breeding and the demographic transition“. Wieder kommen sie zu ähnlichen Ergebnissen. Hier wird die Ausnahme erwähnt:</p>
<blockquote><p>“Väter und Großmütter sind nicht immer vorteilhaft für Kinder. Eine Studie fand, dass die Anwesenheit von Vätern die Sterblichkeit von Mädchen erhöhte (bäuerliches Äthiopien: Gibson 2008); <strong>eine fand einen schädlichen Effekt der mütterlichen Großmütter</strong> (bäuerliches Malawi: Sear 2008); und zwei fanden schädliche Effekte der väterlichen Großmutter [historische Studien in Deutschland und Japan: Beise 2002; Sorenson Jamison et al. 2002]. Familiäre Beziehungen können manchmal eher durch Konflikte als durch Kooperation gekennzeichnet sein.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup></blockquote>
<p>Widersprächen sich die beiden Papers grundlegend, so hätten die AutorInnen das erwähnen müssen und sicher auch getan. Davon ist aber keine Rede, statt dessen beruft sich das neuere Paper auf die Tabellen des älteren.<br />
Die Wiener AutorInnen sehen den Unterschied zwischen einer mütterlichen Großmutter, die in einer neolokalen Familie mithilft &#8211; also zur Tochter gezogen ist &#8211; und einer matrilinearen Gemeinschaft, wo diese Großmutter immer anwesend ist, nicht deutlich genug. Vor allem haben sie das Phänomen nicht verstanden, dass die mütterliche Großmutter in matrifokalen Gemeinschaften mit einer geringeren Geburtenzahl assoziiert ist, sie aber nicht deren Ursache ist. Bedeutsam ist letztlich, dass sich sogar noch in der patriarchalen Familie ihr Einfluss überwiegend positiv auf die Überlebensrate auswirkt. Der Grund dafür ist ihr starkes Engagement für ihre Gene.</p>
<p>Der bei FamilienpolitikerInnen beliebte Satz „Frauen, die mehr Hilfe bei der Erziehung haben, bekommen auch mehr Kinder“ ist natürlicherweise falsch bzw. trifft keine evolutionäre Aussage. Im Patriarchat ist eine hohe Kinderzahl aber gewünscht, denn Kinder mehren den Reichtum, aber Rücksicht auf die Gesundheit und die Gefühle der Beteiligten wird nicht genommen, auch nicht auf die Belastbarkeit von Mutter Natur. Sie hatte einst eine natürliche Geburtenkontrolle eingebaut, die dem Patriarchat jedoch zuwider läuft. Das ist die <em>female choice</em>. Patriarchen wollen die lebenslange freie Wahl der Frau nicht akzeptieren und lassen die von ihnen selbst geschaffenen Ungereimtheiten ein „Rätsel“ sein, mit dem sie sich sogar noch schmücken können. Hätten die Wiener AutorInnen sich mit den Entdeckungen von Sarah Blaffer Hrdy eingehend beschäftigt und die unabhängige interdisziplinäre Patriarchatsforschung berücksichtigt, hätten sie beschreiben können, dass eine Frau unter diesen natürlichen Bedingungen ihre <em>female choice</em> lebt und DESHALB weniger Kinder bekommt als im Patriarchat. Ein große Schwäche und keine Stärke der Wiener Studie ist also, dass sie dieses Problem mit dem einem Satz erledigt, dass es nicht verstanden sei.</p>
<h2 id="patriarchat-die geburtenrate-steigt">Patriarchat &#8211; Die Geburtenrate steigt</h2>
<p>Während also die Kinder mit einer mütterlichen Großmutter die höheren Überlebenschancen haben, ist bei einer anwesenden Schwiegermutter die Geburtenrate deutlich höher. Die Zahl der unter der Schwiegermutter verstorbenen Kinder wird durch die Vatermacht-bedingt erhöhte Geburtenrate überkompensiert, womit die Gesamtzahl der überlebenden Kinder steigt und damit auch die Zahl der Bevölkerung. Damit sieht es so aus, als sei das System Schwiegermutter erfolgreicher. Aber die Überbevölkerung gibt es nicht wegen der Schwiegermutter, sondern trotz der Schwiegermutter. Denn nach wie vor steigen die Weltbevölkerungszahlen an, auch ohne Schwiegermutter.</p>
<p>Die Studie lässt zumindest hoffen, dass der Wunsch, das „große Rätsel“ zu verstehen, auch irgendwann zu der Erkenntnis führt, dass es seine Richtigkeit damit hat, dass Mütter bei ihren Müttern leben und dort auch ihre Kinder bekommen. Die Diskrepanzen nimmt die Wiener Arbeitsgruppe aber nur zum Anlass zur Sammlung von noch mehr Daten, nämlich von 2 478 383 verheirateten Frauen zwischen 15 und 34 Jahren, anstatt sich mit dem Effekt der sexuellen Unterdrückung der Frau auf die Bevölkerungszahl zu beschäftigen.<br />
Sie stellt keine Überlegungen an zu der Frage, wie wünschenwert eine hohe Kinderzahl für Mensch und Natur eigentlich ist, ja es kommt mir so vor, als hielten sie eine hohe Kinderzahl für einen Segen.</p>
<p>Was machen die Wiener also mit ihren Zahlen? Wie gehen sie mit der von ihnen rezipierten Literatur um? Wie lautet ihre Quintessenz aus all ihren Tabellen und Kurven?</p>
<blockquote><p>&#8222;’Wir nehmen an, dass zwei Faktoren für dieses Ergebnis ausschlaggebend sind: Fortpflanzungskonkurrenz und Konkurrenz um Ressourcen zwischen Müttern bzw. Schwiegermüttern und den Töchtern bzw. Schwiegertöchtern’, so Fieder weiter. Eine Konkurrenz um Ressourcen sei auch deshalb sehr wahrscheinlich, da Datenmaterial aus einigen Entwicklungsländern in die Analysen eingeflossen ist. Und Fortpflanzungskonkurrenz als Grund für die geringere Zahl an Kindern im Haushalt wird bei besonders jungen Großmüttern schlagend: Da sie selbst noch Kinder bekommen können und daher möglicherweise eher ihr eigenes Kind als die Kinder ihrer Tochter oder Schwiegertochter großziehen wollen, scheinen sie in Konkurrenz mit ihnen zu treten“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">15</sup>.</p></blockquote>
<p>Mit dieser Aussage, mit dem Begriff &#8222;Fortpflanzungskonkurrenz&#8220; wird suggeriert, dass die Schwiegermutter schon immer eine evolutionäre Bedeutung besessen habe. Dass dem nicht der Fall ist, wissen wir jetzt. Es ist aber ein Faktum, dass es das Patriarchat ist, das mit der Unterdrückung der <em>female choice</em> in die Evolution eingreift und die Schwiegermutter etabliert hat. Aber nicht die Schwiegermutter allein, sondern das Patriarchat gefährdet den Fortbestand der Art, die nicht nur gezüchtet, sondern zunehmend an die Technik angepasst und damit von ihr abhängig gemacht wird. Es steht und fällt alles mit der Verfügbarkeit der natürlichen Ressourcen. Es ist allerdings völlig ungefährlich, die Ergebnisse der Studie ausgerechnet auf eine Ressourcen-Konkurrenz zwischen Mutter und Großmüttern zurückzuführen, also auf ein kulturmaterialistisches Problem. Konkurrenz belebt ja angeblich das Geschäft. Diese Denke folgt ganz dem patriarchalen Wachstumswahn. Und das muss die Royal Society natürlich ebenfalls honorieren.</p>
<p>Das heiße Eisen wird mit der Studie nicht angefasst, aber überzeugen können die Schlussfolgerung auch nicht mehr. Die richtigen Schlussfolgerungen muss jeder für sich alleine ziehen. Und da das kaum jemand macht, wird es vorerst dabei bleiben, dass frei von der Leber behauptet werden kann, dass Menschen Patrilokalität bevorzugen<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">16</sup>, eine Halbwahrheit, die dringend der Aufklärung bedarf.</p>
<p>Die Medien, die die Aussagen der Wiener Studie gar nicht verstanden haben und offensichtlich vollends verwirrt wurden, bringen sie mit Schlagzeilen unter die Leute, die allein die Schwiegermutter in ein schlechtes Licht stellen, damit aber nur auf den ersten Blick die Ergebnisse der Krummhörn-Studie neu auflegen: „Weniger Kinder durch ‚Schwiegermutter-Effekt’“ (<a href="http://science.orf.at/stories/2874226/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://science.orf.at/stories/2874226/</a>), „Weniger Kinder bei Schwiegermutter im Haus“ (<a href="http://www.krone.at/595291" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.krone.at/595291</a>), “Ist die Schwiegermutter im Haus gibt’s weniger Kinder“ (<a href="http://www.20min.ch/wissen/news/story/Ist-die-Schwiegermutter-im-Haus--gibts-weniger-Kinder-30328267" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.20min.ch/wissen/news/story/Ist-die-Schwiegermutter-im-Haus&#8211;gibts-weniger-Kinder-30328267</a>)<br />
Der Schwiegermutterkonflikt verkauft sich besser, und wir wissen heute aufgrund der hohen Zahlen häuslicher Gewalt an Frauen und Kindern, dass die Familie kein guter Ort, sondern der gefährlichste Ort auf Erden ist.</p>
<h2 id="die-menopause-bei-anderen-arten">Die Menopause bei anderen Arten</h2>
<p>Man glaubte lange, dass nur Menschenfrauen in die Menopause kommen, dann entdeckte man auch bei den Zahnwalarten, nämlich Kurzflossen-Grindwalen, Kleinen Schwertwalen, Orcas, Narwalen und seit 2018 auch Belugas, dass die Weibchen in die Menopause kommen.<br />
2023 wurde sie auch bei Schimpansen-Weibchen beobachtet, 2025 meldete die MPG diesen Befund auch für die Gorillas. Dass die Menopause der Säugetiere noch so wenig erforscht ist, erklärt die Max-Planck-Gesellschaft mit dem Aufwand:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die nach der Fortpflanzungsphase verbleibende Lebensdauer lässt sich in freier Wildbahn nur schwer dokumentieren, da hierfür detaillierte Informationen über das Alter der Tiere sowie die Erhebung jahrzehntelanger Daten bei langlebigen Arten erforderlich wären. Für die Dokumentation der &#8218;Menopause&#8216; (definiert als eine physiologische, dauerhafte Einstellung der Menstruation aufgrund des Verlusts der Eierstockfunktion) wäre zudem eine detaillierte Hormonanalyse notwendig.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">17</sup></blockquote>
<p>Mit der Entschlüsselung des Genoms 2012 ist klar, dass nicht die Bonobo, sondern doch die Schimpansen unsere nächsten Verwandten sind. Während Bonobo aus ihrer mütterlichen Gruppe abwandern, tun das Schimpansenweibchen nicht. Wie wir leben die Schimpansen ein ein matrifokales Sozialverhalten. Dabei gibt es jedoch die Besonderheit, dass postmenopausale Schimpansinnen sich wenig oder nicht um ihre Enkel kümmern, obwohl diese Phase ca. ein Fünftel ihres Lebens einnimmt. Dies ist jedoch kein Gegenbeweis für die Großmutter-Hypothese, wie manchmal postuliert, sondern zeigt, dass die Postmenopause der gemeinsamen Vorfahrinnen von <em>Homo Sapiens</em> und <em>Pan troglodytes</em> (Gemeiner Schimpanse) schon vor der Enkelfürsorge evolviert worden war. Nur weil sie schon da war, konnte sich auch die Enkelfürsorge mit der immer länger werdenden Kindheit herausbilden, was die &#8222;Huhn-oder-Ei-Frage&#8220; folgerichtig beantwortet. Die Bedeutung der postmenopausalen Hominidenweibchen für die Gruppe bestand mit großer Wahrscheinlichkeit in ihrer Lebenserfahrung.<br />
Wenig überraschend ist, dass auch die genannten Wal-Arten matrifokal um eine Urgroßmutter leben.</p>
<h2 id="literatur">Literatur</h2>
<ul id="liste2">
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und andere. Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat. Berlin 2010.</li>
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mother Nature. Maternal Instincts and How They Shape the Human Species. New York 2000</li>
<li>Beise, Jan; Voland, Eckart: <a href="http://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Warum gibt es Großmütter?</a> In: Spektrum der Wissenschaft 1|2003. S. 48-53.</li>
<li>Engelhardt, Sacha C.; Bergeron, Patrick; Gagnon, Alain; Dillon, Lisa; Pelletier, Fanie: Using Geographic Distance as a Potential Proxy for Help in the Assessment of the Grandmother Hypothesis. Vom 07.02.2019 DOI:<a href="https://doi.org/10.1016/j.cub.2019.01.027">https://doi.org/10.1016/j.cub.2019.01.027</a>, siehe dazu auch: <a href="https://derstandard.at/2000097723454/Forscher-finden-Beleg-fuer-die-Grossmutter-Hypothese" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://derstandard.at/2000097723454/Forscher-finden-Beleg-fuer-die-Grossmutter-Hypothese</a></li>
<li>Hawkes, Kristen: Human longevity: The grandmother effect. Editorial. Nature 2004 (428):128-9. doi:<a href="https://dx.doi.org/10.1038%2F428128a" target="_blank" rel="noopener noreferrer">10.1038/428128a</a><br />
<a href="http://www.nature.com/nature/journal/v428/n6979/full/428128a.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.nature.com/nature/journal/v428/n6979/full/428128a.html</a></li>
<li>Huber, Susanne; Zahourek, Patricia; Fieder, Martin: „Living with own or husband’s mother in the household is associated with lower number of children: a cross-cultural analysis. R.Soc.opensci. 4: 170544. 2017<br />
<a href="http://dx.doi.org/10.1098/rsos.170544" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://dx.doi.org/10.1098/rsos.170544</a><br />
<a href="http://rsos.royalsocietypublishing.org/content/royopensci/4/10/170544.full.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://rsos.royalsocietypublishing.org/content/royopensci/4/10/170544.full.pdf</a></li>
<li>MPG 2025: Berggorilla-Weibchen hören lange vor ihrem Lebensende mit der Fortpflanzung auf &#8211; Nach der Geburt des letzten Nachwuchses leben weibliche Tiere noch lange. Online-Ressource der Max-Planck-Gesellschaft vom 13.1.2025 auf <a href="https://www.mpg.de/25547012/1013-evan-berggorilla-weibchen-hoeren-lange-vor-ihrem-lebensende-mit-der-fortpflanzung-auf-150495-x" target="_blank" rel="noopener">https://www.mpg.de/25547012/1013-evan-berggorilla-weibchen-hoeren-lange-vor-ihrem-lebensende-mit-der-fortpflanzung-auf-150495-x</a></li>
<li>Sear, Rebecca; Mace, Ruth: Who keeps children alive? A review of the effects of kin on child survival. In: Evol. Hum. Behav. 29,1–18. 2008<br />
<a href="http://dx.doi.org/10.1016/j.evolhumbehav.2007.10.001" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://dx.doi.org/10.1016/j.evolhumbehav.2007.10.001</a></li>
<li>Sear, Rebecca; Coall, David. 2011 How much does family matter? Cooperative breeding and the demographic transition. Pop. Dev. Rev. 37, 81–112. 25.01.2011 doi:10.1111/j.1728-4457.2011.00379.x</li>
<li>Small, Meredith M.: Female Choices. Sexual Behavior of Female Primates. Cornell University Press (Oktober 1995)</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: <a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">female choice – unser unbekanntes Menschenrecht</a> online-Resource 2015</li>
<li>(UW) Universität Wien Medienportal: (Schwieger-)Mutter im Haus: Weniger Kinder. Veröffentlicht am 25.10.2017<br />
<a href="https://medienportal.univie.ac.at/presse/aktuelle-pressemeldungen/detailansicht/artikel/schwieger-mutter-im-haus-weniger-kinder/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://medienportal.univie.ac.at/presse/aktuelle-pressemeldungen/detailansicht/artikel/schwieger-mutter-im-haus-weniger-kinder/</a></li>
</ul>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hawkes 2004</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Beise/Voland 2003</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Blaffer Hrdy 2000</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. Small 1995</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. Uhlmann 2015</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Huber <em>et al.</em> 2017</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;UW 2017</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;UW 2017, S. 2; meine Übersetzung und Hervorhebung</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Blaffer Hrdy 2010, Fußnote 20, S. 448</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Blaffer Hrdy 2010, S. 336</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Huber/Zahourek/Fieder, S. 6; meine Übersetzung</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Huber/Zahourek/Fieder, S. 2; meine Übersetzung</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sear/Mace 2008, S.6, Tab. 2A</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sear/Coall 2011, S. 88; meine Übersetzung und Hervorhebung</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;UW 2017</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;„that humans generally favour patrilocal female dispersal“; Huber/Zahourek/Fieder, S. 6</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;MPG 2025</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/grossmutter-hypothese-grossmutter-these">Großmutter-Hypothese? Großmutter-These!</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Der Preis des Guten: Wenn Hilfe zur Herrschaft wird – eine Kritik des Helfens</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/der-preis-des-guten-wenn-hilfe-zur-herrschaft-wird-eine-kritik-des-helfens</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Jul 2025 20:02:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Analysen und Studien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Prolog In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Helfer als moralisches Rückgrat der Gesellschaft. Ob im Gesundheitswesen, im sozialen Bereich, in Familien oder im Ehrenamt: Helfer-Persönlichkeiten werden gefeiert für ihre Selbstlosigkeit, Aufopferung...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/der-preis-des-guten-wenn-hilfe-zur-herrschaft-wird-eine-kritik-des-helfens">Der Preis des Guten: Wenn Hilfe zur Herrschaft wird – eine Kritik des Helfens</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/a541d1af2b914b039c1278d9eb406025" alt="" width="1" height="1" />Prolog</p>
<p><strong>In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Helfer als moralisches Rückgrat der Gesellschaft. Ob im Gesundheitswesen, im sozialen Bereich, in Familien oder im Ehrenamt: Helfer-Persönlichkeiten werden gefeiert für ihre Selbstlosigkeit, Aufopferung und Nächstenliebe. Wer anderen dient, ist gut. Wer sich selbst dabei vergisst, wird oft sogar noch bewundert.</strong><br />
Doch dieser Mythos hat zwei Schattenseiten, die bislang kaum benannt werden und deren Opfer überwiegend weiblich sind: die Co-Abhängigkeit der Angehörigen und eine Gesellschaft, die von schädlicher Selbstausbeutung zusammengehalten wird. In der Literatur und im WWW gibt es vor allem Untersuchungen über das Leid der Helfer selbst, jedoch kaum eine unideologische Auseinandersetzung mit den Auswirkungen des exzessiven Helfens auf die Gesellschaft und noch weniger fundierte psychologische Informationen speziell über Partner von Menschen mit Helfersyndrom. Es gibt jedoch ein gewisses Bewusstsein in der Öffentlichkeit für die Probleme, die dabei als Kollateralschaden entstehen. Oft wird die Kritik an den Schäden jedoch als verzerrte Wahrnehmung oder Unmenschlichkeit, &#8222;Hass&#8220;, gecancelt. Der Wokeismus steht für diese Ideologie als Paradebeispiel. Wahlloses Helfen wird auch nicht selten schlicht als „Dummheit“ wahrgenommen. Die dahinterliegenden Aspekte werden jedoch kaum untersucht. Die Gender Pay Gap &#8211; besser <strong>Sex Pay Gap</strong>, denn es sind biologische Frauen, die benachteiligt werden und nicht eine Rolle oder eine Identität -, die Auswirkungen des Wokeismus auf die Politik und die Gesellschaft sind inzwischen hinreichend thematisiert, wenn auch nicht wirklich verstanden. Und was geschieht eigentlich mit den Menschen, die mit Helfern leben, was, wenn Hilfe zum identitätsstabilisierenden Selbstzweck wird? Meine These dabei ist: Das Patriarchat, die Herrschaft der Väter, hat sich seit jüngerer Zeit ein vorgeschobenes Helfer-Syndrom zugelegt und macht sich damit an der Wurzel unangreifbar. Es ist eine der Machtstrategien des Patriarchats. Dies erklärt die breite Zustimmung zu Appellen, dass die Väter die Care-Arbeit übernehmen sollen. Neoliberale Politik folgt diesem Muster, u.a. indem Mütter für ihre Rente Vollzeit zu arbeiten haben. Kurz gesagt: dass Väter die besseren Mütter seien, muss auf Biegen und Brechen gezeigt werden.</p>
<p>Der Blick der interdisziplinären Patriarchatsforschung auf diesen Komplex umfasst zwangsläufig auch die psychologischen Grundlagen der Krankheit Patriarchat, der Patriarchose<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup>, und ordnet das Helfer-Syndrom unter dem Kollektiven Stockholm-Syndrom<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup> ein, der Mittäterschaft der Entführten. Denn das Patriarchat ist ein Entführungsverbrechen, wie ich es an anderen Stellen bereits ausgeführt habe <sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup>. So hart der Begriff <em>Täter</em> auch klingen mag, es geht hier nicht um Verurteilung, um Schuldzuweisung an den Einzelnen, sondern um eine gesellschaftliche Analyse, die allen Beteiligten Erleichterung verschaffen soll. Sie ist dabei auch keine Entschuldigung, sondern die Aufforderung an alle, das Muster zu erkennen und daran zu arbeiten.</p>
<h3 id="Psych-Soz-Grundlagen">Psychologische und anthropologische Grundlagen</h3>
<p><em>Helfer-Syndrom</em> ist keine offizielle Diagnose, doch in der psychologischen Literatur gut beschrieben: ein starker Wunsch gebraucht zu werden, gepaart mit Schwierigkeiten, eigene Bedürfnisse zu erkennen oder Grenzen zu setzen. Dieser Wunsch kann so tief verwurzelt sein, dass er zur Grundlage der eigenen Identität wird. Das Helfer-Syndrom hat mitunter den Charakter einer Sucht<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>, eines Fetischismus<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup> oder einer Zwangsstörung, und die Angehörigen geraten nicht selten in den Zustand einer Co-Abhängigkeit. Die Folgen sind daher paradox: Wer übermäßig hilft, kann andere entmündigen. Wer sich selbst aufgibt, erwartet oft unausgesprochen Gegenleistungen – etwa Dankbarkeit, Loyalität oder emotionale Schonung.<br />
Ein Aspekt ist dabei die massive externale Fokussierung, wie sie von Schiefer und Köhler beschrieben wurde: „<em>Massive externale Fokussierung zeigt sich zum Beispiel durch Engagement speziell für Ausländer, Engagement in der Entwicklungs- oder Flüchtlingshilfe oder in der zwischenmenschlichen oder generellen Bevorzugung von Menschen möglichst völlig fremder Kulturen.</em>“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup> Die federführende Beteiligung des Intersektionalen Feminismus an Transaktivismus und Antisemitismus zeigt, wie geschickt es dem Patriarchat gelingt, insbesondere Frauen als nützliche Idioten einzuspannen. Die Selbstaufgabe wurzelt nicht selten in einem tiefen Selbsthass, der jedoch geleugnet wird und auf die Kritiker projiziert wird.<br />
Helfer-Persönlichkeiten richten ihre gesamte Wahrnehmung auf die Bedürfnisse anderer, um sich nicht mit den eigenen inneren Konflikten konfrontieren zu müssen oder wie im Beispiel des Intersektionalen Feminismus mit Kritik am Patriarchat anzuecken. Diese externalisierende Tendenz, die häufig aus früher Parentifizierung oder unaufgelösten Traumata stammt, führt dazu, dass sie ständig außerhalb ihrer selbst funktionieren – für andere, gegen sich. Der Primatenforscher Frans de Waal hat im Kontext der Verhaltensforschung auf den sogenannten &#8222;egoistischen Altruismus&#8220; hingewiesen: Auch Tiere helfen, wenn sie dadurch ihre soziale Sicherheit festigen. Altruismus, so de Waal, ist nie ganz eigennutzfrei (vgl. De Waal 2015) – und genau darin liegt auch in menschlichen Helferdynamiken eine unterschätzte Ambivalenz.<br />
Die Ursachen für das Helfer-Syndrom liegen in der Kindheit. Instrumentelle oder emotionale Parentifizierung haben das Kind in eine Elternrolle gezwungen. Die Traumatherapeutin Verena König schreibt: „<em>In Familien mit körperlich, psychisch oder suchtkranken Eltern gehört Parentifizierung zur Tagesordnung. Aber auch in jeder anderen Konstellation, in der Eltern emotional und körperlich nicht in ihrer Kraft sind, werden Kinder dem Druck ausgesetzt, für ihre Eltern zu sorgen und ihre Last mitzutragen.</em>“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup>
<h3 id="StrukturelleAusbeutung">Strukturelle Ausbeutung</h3>
<p>Das zeigt sich nicht nur im politischen oder familiären Bereich, sondern auch im Beruf: Der pflichtbewusste Angestellte, der freiwillig unbezahlte Überstunden macht, der selbstständige Dienstleister, der sich nicht traut, angemessene Preise zu verlangen, die freischaffende Frau, die glaubt, dass ihre Arbeit weniger wert sei, weil sie sich &#8222;zum Helfen geboren&#8220; fühlt und Angst vor dem „Nein“ hat – all das sind Ausprägungen eines strukturellen Helfer-Syndroms, das ökonomisch wirksam wird. Besonders sichtbar wird dies an der Mutter, deren unbezahlte Sorgearbeit als selbstverständlich gilt und systematisch unsichtbar bleibt. Diese Formen freiwilliger Selbstausbeutung stützen ein ökonomisches System, das auf kostenloser oder unterbezahlter Frauenarbeit fußt.<br />
So wird die Ausbeutung durch das Patriarchat nicht als Verbrechen erkannt, sondern als Tugend verklärt. Die Schuld wird dabei den Ausgebeuteten selbst zugeschoben: Sie hätten es so gewollt, sich selbst geopfert, sich nicht genug gewehrt. Helfer selbst zweifeln an sich und entwickeln zusätzlich das sog. Hochstapler-Syndrom: Sie seien eben tatsächlich nicht gut genug. Doch all das entspricht nicht den Tatsachen und es greift zu kurz. Auch das Helfer-Syndrom ist keine bewusste Wahl, keine angeborene Charaktereigenschaft, sondern die Folge früher Bindungsstörungen und sozialer Erwartung. Doch gefährlich wird es, wenn aus diesem Opferstatus ein Handlungsmuster entsteht, das andere mit in den Strudel zieht. Wenn Helfende sich als unersetzlich erleben, andere emotional abhängig machen oder sogar ihre Partnerinnen gezielt ausschließen – dann werden Opfer zu Mit-Tätern in einem perfekt abgesicherten System.</p>
<h3 id="Familiaere-Dynamiken">Familiäre Dynamiken</h3>
<p>Hilfe wird dann zur moralischen Waffe: Wer hilft, kann nicht falsch liegen. Wer kritisiert, wirkt herzlos. Und das System, das auf dieser Hilfe beruht, bleibt unanfechtbar. Was als Altruismus erscheint, entpuppt sich bei näherem Hinsehen oft als moralisch aufgeladene Machtausübung – ein Heldenkult in seiner stillsten, scheinbar friedfertigsten Form. Die Folgen: zerstörte Beziehungen, verdeckte Konkurrenz, psychische Überlastung und ein Gefühl von Illoyalität, das die Partnerschaft zersetzt.<br />
Wenn ein Partner heimlich Geld verschenkt oder verleiht, seine Zeit statt, wie vorgegeben mit Überstunden, in Wirklichkeit bei anderen verbringt, um deren Haus zu bauen, leidet eine Familie auch finanziell, ähnlich wie bei der Spielsucht.<br />
Das Helfer-Syndrom ist in vielen Fällen Teil einer transgenerationalen Weitergabe: Häufig sind es Männer, die als Kinder selbst parentifiziert wurden – etwa durch eine überforderte oder gewaltbetroffene Mutter –, die gelernt haben, emotional verfügbar zu sein, um Konflikte zu vermeiden. In patriarchalen Familienstrukturen werden solche Rollen unbewusst weitergetragen: Wenn sich der Vater in seine Helfer-Rolle zurückzieht, verschiebt er seine emotionale Energie auf die Kinder. Die Mutter erlebt sich als ausgegrenzt, emotional entwertet, und muss sich gleichzeitig rechtfertigen, wenn sie das Helfen hinterfragt. Sie lernt schlimmstenfalls, sich kleinzumachen oder zu schweigen, um nicht als &#8222;undankbar&#8220; zu gelten. Wenn zusätzlich ein Mutter-Tochter-Konflikt verliegt, wird der &#8222;helfende Vater&#8220; zum moralischen Bezugspunkt. Er kann sich in vermeintlicher Neutralität üben, womit er in Wirklichkeit die familiären Loyalitäten verschiebt. Wenn der Vater die Tochter auf seine Seite zieht, indirekt die Mutter als überforderte oder problematische Figur darstellt, wird ihre Autorität damit unterwandert und es entsteht ein Entfremdungsprozess, die Mutter steht zunehmend isoliert da. Die Tochter wird zum empathischen Gegenüber des Vaters, womit sich das Helfer-Syndrom nicht nur vererbt, es befeuert auch familiäre Spaltung im sensiblen, weil evolutionär wesentlichen Mutter-Tochter-Verhältnis. Wenn der helfende Vater als Großvater dabei auch die mütterliche Großmutter verdrängt, sofern das nicht schon der Vater der Enkel erledigt hat, wird die traditionell verkannte, evolutionäre Bindungsstruktur zwischen Großmutter, Mutter und Tochter endgültig zerschlagen. Die Großmutterthese<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup> zeigt, dass ohne die mütterliche Großmutter die Menschheit nicht ihr hohes Sozialverhalten, letztlich ihre Intelligenz hätte entwickeln können<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup>. Die väterliche Figur, der institutionalisierte Vater, tritt nicht nur zwischen die Mutter und das Kind, sondern verdrängt systematisch das matrifokale Generationenkontinuum. Das ist mehr als familiäre Dynamik – es wirkt wie ein symbolischer Endsieg des Patriarchats: die totale Herrschaft des Vaters über Herkunft, Bindung und Zukunft, auch wenn das gar nicht beabsichtigt war. Das Private ist das Politische, ob wir wollen oder nicht.</p>
<h3 id="Herrschaft-unter-dem-Banner-des-Guten">Herrschaft unter dem Banner des Guten &#8211; Rechtliche &amp; gesellschaftliche Instrumentalisierung</h3>
<p>In der erweiterten Perspektive wird deutlich, dass das Helfer-Syndrom eine strukturelle Funktion erfüllen kann: Es wird zu einer neuen tragenden Säule des väterlich dominierten Systems – des sogenannten Vaterrechts im Neo-Patriarchat. Dass Väter sich wie eine Mutter um die Kinder kümmern<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup>, gibt es erst flächendeckend, seit sich die Kleinfamilie durchgesetzt hat. Eine Scheidungsrate nahe 50% und eine hohe Trennungsrate machen sie mehr und mehr zu einem unsicheren Lebensmodell. <em>&#8222;Plötzlich wird alles unsicher: die Form des Zusammenlebens, wer wo wie was arbeitet, die Auffassungen von Sexualität und Liebe und ihre Einbindung in Ehe und Familie, die Institution der Elternschaft zerfällt in das Gegeneinander von Mutterschaft und Vaterschaft; Kinder mit der in ihnen enthaltenen, jetzt anachronistisch werdenden Bindungsintensität werden zu den letzten Partnern, die nicht gehen.&#8220;</em><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup> Mit der Familie verliert der Vater seine Fürsorgegruppe. In diesem Moment stürzt er sich regelrecht auf die Kinder und Kindeskinder und drängt ihnen seine Hilfe auf. Der Vater entdeckt plötzlich seine „Vatergefühle“. Bei Weitem nicht alle modernen Väter haben ein Helfer-Syndrom, aber spätestens im Falle der Trennung zeigen sie ein sehr ähnliches Verhaltensmuster, das gesellschaftlich mittlerweile hochangesehen ist.<br />
Indem sich der &#8222;helfende Vater&#8220; als ruhiger, zuverlässiger, stets verfügbarer Elternteil inszeniert, während die Mutter unter psychischer Belastung oder starker emotionaler Reaktion steht, entsteht ein verzerrtes Bild, das auch juristisch wirksam werden kann.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup> In familiengerichtlichen Auseinandersetzungen um Sorge- oder Umgangsrecht führt diese Dynamik nicht selten dazu, dass Müttern pauschal emotionale Instabilität oder fehlende Kooperationsbereitschaft unterstellt wird<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup> – während Väter als ruhig und sachlich gelten, weil sie ihre emotionalen Konflikte auslagern, etwa in Helferrollen gegenüber den Kindern. Dies kann – subtil, aber wirksam – zu einer Form von <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/buchbesprechung-sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt-ein-plaedoyer-gegen-die-gleichwertigkeit-der-elternschaft-von-mutter-und-vater" target="_blank" rel="noopener">strukturellem Kindesentzug</a> führen, legitimiert durch das Bild des &#8222;verlässlichen Helfers&#8220;.<br />
Noch paradoxer wird dies vor dem Hintergrund feministischer Forderungen: Die berechtigte gesellschaftliche Debatte um mehr väterliche Beteiligung wird – in manchen Fällen – zum Verstärker eines Systems, das auf emotionaler Entwertung der Mütter basiert. Die Forderung nach Gleichstellung wird dadurch pervertiert: <strong>Nicht zwei starke Elternteile agieren gemeinsam, sondern ein systemisch aufgewerteter Helfer-Vater tritt in Konkurrenz zur emotional ausgebremsten Mutter.</strong> Die Folge: psychische Schieflagen werden überdeckt durch rechtliche Gleichstellung – und familiäre Dysbalancen als Fortschritt verbrämt.<br />
In diesem Zusammenhang lohnt sich ein weiterer kritischer Blick auf die sogenannte PAS-Diagnose (Parental Alienation Syndrome), eine Pseudo-Diagnose, die lange Zeit in Sorgerechtskonflikten als Argumentationshilfe gegen Mütter verwendet wurde. Obwohl wissenschaftlich nicht anerkannt, wurde PAS von Gerichten wiederholt herangezogen, um Müttern Entfremdung der Kinder und eine „Bindungsintoleranz“ zu unterstellen – oft in genau jenen Fällen, in denen sie sich gegen verdeckte oder offene Vereinnahmung durch den Vater zur Wehr setzten. Ähnlich problematisch ist das Konzept des &#8222;Maternal Gatekeeping&#8220;, das Müttern unterstellt, sie würden Väter bewusst aus der Elternrolle ausschließen. Tatsächlich handelt es sich häufig um den Versuch, das eigene Beziehungsgefüge zu schützen – etwa vor einer Helferdynamik, die emotional übergriffig ist. Diese Form toxischer Männlichkeit arbeitet nicht mit plumper Gewalt, sondern subtil und oberflächlich moralisch einwandfrei. Die Protagonisten dieser Väterlobby haben in der Vergangenheit erfolgreich unter Drücken auf die Tränendrüsen zahlreiche Gesetzesänderungen erwirkt, mit denen die Abschaffung der Freiheit der Mütter verbunden war und ist<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup>.</p>
<h3 id="Psych-Soz-Folgen-fuer-Angehoerige">Psychosoziale Folgen für Angehörige</h3>
<p>Für Angehörige, die mit Helfer-Persönlichkeiten leben, entstehen daraus immer häufiger Gefühle von Nutzlosigkeit, Entwertung und Ohnmacht. Sie dürfen wenig selbst entscheiden, erleben sich zunehmend als &#8222;Störfaktor&#8220; oder Belastung. Während der Helfende von außen als stark, gut und aufopferungsvoll wahrgenommen wird, erscheinen seine engsten Bezugspersonen – insbesondere Partnerinnen – in der Öffentlichkeit leicht als undankbar, überfordernd oder sogar manipulativ und narzisstisch. Diese verzerrte Außenwirkung trägt wesentlich zur inneren Vereinsamung der Betroffenen bei und verstärkt deren Rückzug.<br />
Erschwerend kommt eine gesellschaftlich tief verwurzelte Vorstellung von &#8222;Gutmenschentum&#8220; hinzu. Die pauschale Abwertung jeder Kritik an Helfer-Persönlichkeiten als Zynismus oder Herzlosigkeit verhindert, dass über ihre destruktiven Wirkungen offen gesprochen werden kann. Wer nicht bereit ist, &#8222;die andere Wange hinzuhalten&#8220; – wie es ein bekanntes Jesus-Wort fordert –, gerät schnell unter moralischen Verdacht. Doch die völlige Selbstverleugnung als Ideal von Ethik zu verklären, führt zur paradoxen Umkehr: Die Selbstlosen beherrschen mit moralischer Überlegenheit, und jene, die sich abgrenzen, gelten als schuldig.<br />
Diese Form von Co-Abhängigkeit bei Helfer-Syndrom ist bislang kaum erforscht. Sie wird in Fachkreisen gelegentlich als &#8222;unsichtbare Belastung im Nahraum von Helfern&#8220; bezeichnet, doch systematische Studien fehlen. Die mediale Aufmerksamkeit liegt fast ausschließlich auf den Belastungen der Helfenden selbst – Burnout, Depression, Erschöpfung. Dass Helfen auch eine Form von Kontrolle und Konfliktvermeidung sein kann, wird selten thematisiert.<br />
Dabei wäre genau das dringend notwendig. Denn solange das Bild des uneigennützigen Helfens unhinterfragt bleibt, fehlt der Raum für diejenigen, die darunter leiden. Und solange Co-Abhängigkeit nur im Kontext von Sucht diskutiert wird, bleiben andere zerstörerische Beziehungsmuster im Verborgenen.<br />
In vielen Fällen erkennen betroffene Partnerinnen ihre Situation erst sehr spät, oft erst, wenn sich psychische oder psychosomatische Beschwerden manifestieren: Schlafstörungen, Angstzustände, depressive Verstimmungen oder chronische Erschöpfung. Denn das ständige Rücksichtnehmen, das &#8222;Nicht-stören-Wollen&#8220; ist kein neutraler Zustand, sondern eine Anpassung an einen emotionalen Missbrauch. Es ist ein dauerhaft erhöhter emotionaler Stress, der den Organismus genauso belasten kann wie ein akuter Konflikt. Nur eben stiller, langsamer, schwerer zu fassen.<br />
Ein weiteres Problem liegt darin, dass das Umfeld der Helfer, insbesondere die Familie, häufig zur Mitinszenierung des Helferbildes beiträgt. Kinder lernen früh, dass Hilfe leisten mit Anerkennung verbunden ist, dass Zurückhaltung der eigenen Bedürfnisse ein Zeichen von Charakterstärke sei und dass emotionale Bedürfnisse &#8222;nicht stören&#8220; sollen. So entstehen familiäre Mikro-Kulturen, in denen sich das Helfer-Syndrom von Generation zu Generation weitervererbt – oft begleitet von verdeckter Schuld, unerkannten Loyalitätskonflikten und impliziten Rollenzuschreibungen.</p>
<h3 id="Fazit-und-Ausblick">Fazit &amp; Ausblick</h3>
<p>Was es braucht, ist eine differenzierte Diskussion über die dunkle Seite des Helfens. Nicht, um die Leistung von Helfern zu diskreditieren, sondern um die psychische Integrität ihrer Angehörigen ernst zu nehmen. Hilfe kann im Privaten wie im öffentlichen Raum eine toxische Wirkung entfalten. Sie ist dann gesund, wenn sie frei gespendet wird – nicht, wenn sie zur emotionalen Infrastruktur eines Systems wird, das nur funktioniert, weil andere stillschweigend mittragen.<br />
Auch aus gesellschaftlicher Perspektive ist dieses Thema brisant. In Pflegeberufen, im Ehrenamt, in familiären Versorgungsnetzwerken sind Helfer-Persönlichkeiten strukturell unentbehrlich. Die stillen Mitträger im Hintergrund – meist weiblich, oft über Jahrzehnte angepasst und leistungsbereit – bleiben unsichtbar, solange sie funktionieren. Wenn sie jedoch ausfallen, erschüttert das nicht nur das Helfersystem, sondern auch das soziale Gefüge. Das heißt: Unsere Gesellschaft ist auf das Helfer-Syndrom angewiesen – und darauf, dass niemand laut fragt, wer darunter leidet.<br />
Wer hilft, darf das reflektiert tun. Erst dann wird Hilfe wirklich menschlich. Erst dann ist sie frei.</p>
<p>Mein Dank gilt Stephanie Gogolin für die wertvollen Hinweise.<br />
Gabriele Uhlmann im Juli 2025</p>
<h2 id="Literatur">Literatur</h2>
<ul id="liste2">
<li>Beck, Ulrich: Risikogesellschaft – Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt a. M.<br />
1986. 23. Auflage. 2016</li>
<li>De Waal, Frans: Der Mensch, der Bonobo und die Zehn Gebote. Moral ist älter als Religion. Stuttgart 2015. Am. Original-Ausgabe: New York/London 2013</li>
<li>Gogolin 2019-2024: Gogolin, Stephanie: Das patriarchale Stockholmsyndrom Teil I-IV. Online-Ressourcen auf <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" rel="noopener">https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/</a> vom 06.09.2019-09.07.2024</li>
<li>Gogolin, Stephanie: Der Beginn des Neo-Patriarchats. Online-Ressource vom 12.06.2024 auf <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2024/06/12/der-beginn-des-neo-patriarchat/" target="_blank" rel="noopener">https://marthastochter.wordpress.com/2024/06/12/der-beginn-des-neo-patriarchat/</a> abgerufen am 12.07.2025</li>
<li>Haarmann, Claudia: Mütter sind eben Mütter. Was Töchter und Mütter voneinander wissen sollten. München 2019</li>
<li>Schiefer/Köhler 2025a: Schiefer, Claudia/Köhler, Andreas: Massive externale Fokussierung &amp; Helfer-Syndrom. Undatierte Online-Ressource auf: <a href="https://www.psychologie-coaching.com/externale-fokussierung-helfer-syndrom/" target="_blank" rel="noopener">https://www.psychologie-coaching.com/externale-fokussierung-helfer-syndrom/</a> abgerufen am 12.07.2025</li>
<li>Schiefer/Köhler 2025b: Schiefer, Claudia/Köhler, Andreas: Fetischismus. Undatierte Online-Ressource auf: <a href="https://www.psychologie-coaching.com/wissen-fetischismus/" target="_blank" rel="noopener">https://www.psychologie-coaching.com/wissen-fetischismus/</a> abgerufen am 12.07.2025<br />
König, Verena: Trauma und Beziehungen. Wie wir die immergleichen Bindungsmuster hinter uns lassen. München 2024</li>
<li>Schnaars, Ilka: Sorgerecht und väterliche Gewalt – Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht). Rüsselsheim 2025</li>
<li>MIA e.V. 2018: Die schrittweise Abschaffung der Freiheit. Online-Ressource auf <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener">https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/</a> abgerufen am 25.10.2024</li>
<li>Mundlos, Christina: Mütter klagen an. Institutionelle Gewalt gegen Frauen und Kinder im Familiengericht. Marburg 2023</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Warum gibt es die Schwiegermutter? Neues zur Großmutterthese. Online-Ressource vom 29.10.2017 auf: <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/29/die-schwiegermutter-neues-zur-grossmutterhypothese/" target="_blank" rel="noopener">https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/29/die-schwiegermutter-neues-zur-grossmutterhypothese/</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Frauen – woher nehmen, wenn nicht stehlen? Über Frauenraub und seine historischen Grundlagen. Vortrag, gehalten am 3.11.2018 an der Freien Universität Berlin im Rahmen der Tagung „Frauenraub – Interdisziplinäre Tagung zum Frauenraub im Altertum“ vom 2.-3-11.2018. Online-Ressource mit Aktualisierungen auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat. Online-Ressource vom 30.05.2024 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt</a></li>
<li>Wolf, Doris: Helfer-Syndrom &#8211; Wenn Helfen zur Sucht wird. Online-Ressource vom 15.05.2024 auf <a href="https://www.palverlag.de/lebenshilfe-abc/helfersyndrom.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.palverlag.de/lebenshilfe-abc/helfersyndrom.html</a> abgerufen am 12.07.2025</li>
</ul>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;nach Dagmar Margotsdotter</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;nach Stephanie Gogolin, Vgl. Gogolin 2019-2024</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;z.B. Uhlmann 2018</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Wolf 2024</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Schiefer/Köhler 2025b</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Köhler/Schiefer 2025a</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;König, S. 103</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;bekannt als Großmutterhypothese</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2017</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Gogolin 2024</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Beck 2016, S. 180</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Schnaars 2025</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. Mundlos 2023</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. MIA e.V. 2024</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/der-preis-des-guten-wenn-hilfe-zur-herrschaft-wird-eine-kritik-des-helfens">Der Preis des Guten: Wenn Hilfe zur Herrschaft wird – eine Kritik des Helfens</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat.</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 May 2024 15:03:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Altsteinzeit]]></category>
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		<category><![CDATA[Bandkeramik]]></category>
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		<category><![CDATA[Schwiegermutterkonflikt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bild: Die Prinzessinnengruppe links Luise, rechts Friederike. Gipsausführung von 1795 in der Friedrichswerderschen Kirche, Berlin. Von Johann Gottfried Schadow Das Matrifokal Es fehlte lange für das &#8222;vorpatriarchale&#8220; Habitat der Menschheit,...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat">Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/0382958f2d7a4786988eae044a681ded" alt="" width="1" height="1" /><br />
Bild: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Prinzessinnengruppe" target="_blank" rel="noopener">Die Prinzessinnengruppe</a> links Luise, rechts Friederike. Gipsausführung von 1795 in der Friedrichswerderschen Kirche, Berlin. Von <a title="Johann Gottfried Schadow, CC BY-SA 3.0 &lt;http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/&gt;, via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Schadow-Prinzessinnen.jpg">Johann Gottfried Schadow</a></p>
<h2 id="matrifokal">Das Matrifokal</h2>
<p>Es fehlte lange für das &#8222;vorpatriarchale&#8220; Habitat der Menschheit, das die Altsteinzeit und die frühe Jungsteinzeit einschließt, ein Begriff, der ohne diese ausschließende Nennung des Patriarchats auskommt. Auch für matrifokale Gemeinschaften aus der Zeit nach der Patriarchalisierung stand nur der unbrauchbare Begriff &#8222;<a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann" target="_blank" rel="noopener">Matriarchat</a>&#8220; zur Verfügung. Daher hat die Patriarchatsforscherin Stephanie Gogolin für die &#8222;matrifokale Gemeinschaft&#8220; den Begriff <strong>DAS MATRIFOKAL</strong> definiert:</p>
<blockquote><p>&#8222;Als <strong><em>Das Matrifokal</em></strong> bezeichne ich ein real vorhandenes, naturgemäßes, dynamisches Habitat, das von Beginn des Menschseins als <strong>existenzsichernde Schutzsphäre</strong> für die Mütter und ihren Nachwuchs fungierte. In der Regel bestehend aus konsanguinen Angehörigen beiderlei Geschlechts innerhalb der frühen <strong>matrilinear und matrilokal</strong> sowie <strong>generationsübergreifend</strong> lebenden Menschengruppen. Was bedeutet: durch Geburt verwandte Menschen interagierten in ihrem Alltag in überschaubaren <strong>mutterbasierten</strong> und <strong>geschwisterbezogenen</strong> Fürsorge-Gruppen, in denen in der Regel <strong>jedes Individuum von der Geburt bis zum Tod, integriert und geborgen lebte</strong>.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup></blockquote>
<p>Das Matrifokal ist keine Gesellschaft, kein Herrschaftsgebilde, also kein Matriarchat, sondern eine zeitgleich mit der Entwicklung der Gattung <em>Homo</em> natürlich gewachsene Sozialordnung, die maximale Sicherheit bei maximal möglicher Freiheit gewährleistet. Das Sexualleben der Frau spielt sich innerhalb der Schutzsphäre des Matrifokals ab, in welcher vertrauenswürdige, fremde Männer aus dem Jagdkollektiv stets vorübergehend zu Gast sind. Die natürliche Exogamie<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup> wird also matrilokal ausgeübt, was nicht nur Inzucht verhindert, sondern vor Übergriffen schützt. Alle Frauen des Matrifokals leben daher ihre Female Choice frei und haben damit auch die Wahl, kinderlos zu bleiben. Das männliche Werbeverhalten zielt auf die Female Choice ab, die primär vom Körper des Mannes, seinem Charme und seiner guten sozialen Einbindung abhängt. Die Frauen gehen deshalb auch aktiv auf die Männer zu. Die Kinder kennen ihren genetischen Vater nicht und das gesamte Matrifokal steht ihnen als Bezugspersonen zur Verfügung, aus denen sie sich ihre &#8222;Lieblingsmenschen&#8220;, die natürlich konsanguin verwandt sind, selbst aussuchen. Wesentlich ist, dass die Männer im Matrifokal keinen Anspruch auf ihre genetischen Kinder erheben können, da diese anderswo in anderen Matrifokalen aufwachsen.<br />
Die Schwestern leben und arbeiten zusammen; kinderlose Schwestern und die Brüder gehören selbstverständlich zum Netzwerk der helfenden Hände. Meist sind die Männer und männlichen Jugendlichen unter sich und sie verlassen häufig für mehrere Tage das Lager, wobei sie nicht nur jagen, sondern auch sammeln und kochen, was sie von ihren Müttern gelernt haben. Auch temporär kinderlose Frauen tun sich zusammen, um zu jagen. Die Mitverantwortung und Betreuung der jüngeren Brüder und größeren Neffen sowie die Beschaffung von Wildbret obliegen jedoch überwiegend den männlichen Mitgliedern des Matrifokals. Kunst, Musik und Spaßmacherei, Zelt- oder Hausbau machen Männer zu egalitären Mitgliedern des Matrifokals. Sie können aus ihren Tätigkeiten keinen Machtanspruch ableiten, weil auch die Frauen diese Fähigkeiten besitzen und ausüben. Schwere Arbeit wird eher von den älteren Frauen nach der Menopause übernommen. Gefährliche Arbeit erledigen eher die Männer, wobei ihre Körperkraft und Kooperation sie schützt. Es gibt keine Festlegung in Bezug auf ein sog. soziales Geschlecht, wie es das Patriarchat kennt. Die überlebenswichtige intensive Bindung und Unterstützung zwischen den Generationen, insbesondere der Frauen, dazu auch Feste, bei denen Frauen und Männer zusammenkommen und bei denen gemeinsam gekocht und erzählt wird, sowie gegenseitiges Beschenken hält die Gemeinschaft zwanglos zusammen. Im Matrifokal gibt es kein Erbrecht, mit dem der Besitz in der nächsten Generation auf eine bestimmte Person vererbt oder in eine bestimmte Richtung abgeführt werden kann. Weil es kein klar abgegrenztes Generationen-Denken gibt, geht der Besitz kontinuierlich an alle über. Die Widerstandskraft der Gemeinschaft gegen Gefahren aller Art ergibt sich aus ihrem Zusammenhalt und ihrer bedingungslosen Zusammenarbeit. Es ist nicht notwendig, dass einzelne Männer einzelne Frauen beschützen. Die verschiedenen Matrifokale sind über das Schenken, eine Tauschökonomie und das freie Sexualverhalten verbunden, so dass kein Boden für Feindschaften bereitet wird.</p>
<h2 id="inuns">Die Matrifokalität in uns</h2>
<p>Unsere Matrifokalität ist ein Effekt des Naturgesetzes <em>Female Choice</em> sowie der langen Kindheit. Es ist daher nicht möglich, sie wegzuzüchten. Unser angeborenes Sozialverhalten hat nie aufgehört zu existieren und steuert unbewusst gegen die Herrschaft der Väter, das Patriarchat. Was dem Individuum angeboren ist, wird auch immer da sein! In jeder Familie, jeder Gesellschaft gibt es daher unauflösbare soziale Konflikte, die in ihrer penetranten Wiederholung höchst rätselhaft erscheinen: der Schwiegermutterkonflikt, der übrigens auch ein Schwiegerkinderkonflikt ist, Kontaktabbruch, der Egoismus der Älteren, der Nachbarschaftsstreit, natürlich alle Partnerkonflikte und besonders die häusliche Gewalt; dazu traurige Unausweichlichkeiten wie Umzüge, der Auszug von Zuhause, der Wechsel der Schule/Schulfreunde, das Empty-Nest-Syndrom, die Einsamkeit im Alter. Besonders die Enttäuschungen zeigen, wie groß das Bedürfnis ist, anders zu leben: die Mutter, die allein zuhause mit dem Baby sitzt, Eifersucht, Verrat und Trennungen. Wenn es sich trotzdem plötzlich einmal sehr stimmig anfühlt, ist es meist nicht von langer Dauer. Im Patriarchat befinden sich Matrifokale stets knapp vor ihrer Wiederentstehung: Alleinerziehende Mütter, Großmütter, die ihre Töchter nach deren Niederkunft unterstützen, und Schwestern, die fest zusammenhalten.</p>
<p>Die moderne Gesetzgebung unterbindet Matrifokalität immer noch ganz offen, erzeugt aber durch den Glauben an die Rechtmäßigkeit des hierarchischen Systems den Eindruck, von Gerechtigkeit im Sinne von Gleichheit geleitet zu sein. Das Patriarchat usurpiert so zu großen Teilen die natürliche Bindung der Geschwister durch Geburt und wertet die mütterliche Beziehung zum Kindsvater auf, die allein auf der genetischen Zusammensetzung des Kindes basiert, denn Gefühle allein können täuschen und sind keine Garantie.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup>
<p>Unsere Matrifokalität bricht sich immer wieder Bahn, aber in unserer Gesellschaft existiert dieses Wissen nicht. Sie lässt sich dennoch instrumentalisieren und damit gegen uns verwenden. Die zentrale Rolle spielt hier der <strong>Neid</strong>, der im Sprachgebrauch auch mit Eifersucht gleichgesetzt und ambivalent behandelt wird. Der Neid ist die Folge von Ungleichheit, die von unserem matrifokalen Erbe zutiefst abgelehnt wird, denn sie bedroht die Existenz der Gemeinschaft. Die Wirtschaft jedoch lebt vom Neid, er ist erwünscht als Triebfeder, noch mehr zu konsumieren und wird von der Werbung absichtsvoll geschürt. Dennoch ist er gesellschaftlich nicht anerkannt, weil Neid sich auch und vor allem gegen Besitzende richtet. Männlicher <strong>Gebärneid</strong> dagegen ist nicht verpönt, ja nicht einmal bewusst, weil er kaum erkennbar in den Religionen kultiviert ist, dabei ist er das eigentliche Grundproblem: Er ist als göttliche Schöpferkraft verkleidet, auch wenn noch nie ein Mann geboren hat.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup> Es muss geglaubt werden und der Glaube ist zu respektieren, er macht uns angeblich zu besseren Menschen. Desinformation nach dem Haltet-den-Dieb-Prinzip ist für das Patriarchat überlebenswichtig. Dazu gehört heute, im modernen Patriarchat, dass Frauen, die die Geburt als ihre Urkompetenz beschreiben, bzw. sich als deren natürliche Besitzende betonen, als unemanzipiert hingestellt werden. Diese Bestrafung der unbotmäßigen Richtigstellung der biologischen Tatsache trifft hart, wenn Frauen sich nicht bewusst sind, was da mit ihnen gemacht wird: Wo Männer sich lange mit dem Schöpfer &#8211; also dem vaterrechtmäßigen Besitzer der Zeugung, der Geburt und des Kindes &#8211; identifizierten, können sie sich heute zusätzlich auf das Gleichheitsgebot berufen. Die Aussage „Männer können gebären“ gilt heute als politisch korrekt, als &#8222;<em>woke</em>&#8220; (engl. für &#8222;aufgewacht&#8220;), obwohl es das genaue Gegenteil ist, eine neue Form der Religion. Die dem Gleichheitsgrundsatz folgende Aussage &#8222;das Kind braucht den Vater genauso wie die Mutter&#8220; wird regelmäßig von Vaterrechtlern kolportiert. Beides dient der Aufrechterhaltung der Vaterschaft als Institution, ist also das genaue Gegenteil von Emanzipation. Artgemäß wäre die Aussage, dass alle Kinder auch den Kontakt mit männlichen Bezugspersonen brauchen, diese sind aber nur dann kein Risiko, wenn sie konsanguin, also über die Mutter verwandt sind, und diese Matrilinearität auch konsequent leben. Die evolvierte Matrifokalität gewährleistet Menschenkindern maximalen Schutz.</p>
<p>Die Vater-Religion dient der Weismachung, Mütter und Frauen generell seien mit ihrem Freiheitsdrang im Unrecht. Im laizistischen Staat wird diese Maxime beibehalten, indem die Gewalt des Gesetzes Mütter nötigt. Mütter sind erpressbar, sobald sie eine tiefe Bindung zu ihren Kindern haben und den Vater (resp. den Staat) über seine Vaterschaft informieren (müssen), was fast immer der Fall ist. Die wirtschaftliche Schlechterstellung der Mutter macht sie vom Vater abhängig, ob verheiratet oder nicht. Deshalb keine tiefe Bindung zu den Kindern aufzubauen, ist genauso wenig emanzipiert, ja sogar eine Vergewaltigung des Selbst, die zu Lasten der Kinder geht und ein permanent schlechtes Gewissen erzeugt, ein Ruf unserer Matrifokalität.<br />
Wenn Paare heute heiraten, heiraten sie meist mit &#8222;Rückenwind&#8220;, d.h. dass sich die Frauen bis zur ersten Schwangerschaft die Option offenhalten, sich wieder zu trennen. Sie ordnen den Partner unbewusst als Fremden ein und behalten sich ebenso unbewusst ihre Female Choice bis zur Ehe vor. Schwangerschaften treten häufig auch im Moment der Trennung auf, wenn die Beziehung eigentlich schon zu Ende ist. Mit Beginn der Schwangerschaft wird die patriarchalisierte Mutter aber nicht das Weite suchen, um in Ruhe ihr Kind zu bekommen und aufzuziehen, sondern ist mit dem Kindsvater loyal, und lässt zu, dass er zu &#8222;seinem Kind&#8220; eine Beziehung aufbaut. Die Forderung, Väter noch stärker in die Erziehung einzubeziehen, klingt feministisch, ist aber eine Falle, die oft erst erkannt wird, wenn die Trennung ansteht, manchmal schon früher, nämlich wenn der Vater nur noch Augen für seine kleine Prinzessin hat statt für seine Ehefrau. Dann beginnt die Mutter, ihn wieder als das zu sehen, was er immer war, ein Fremder, dem sie einmal begegnet ist. Das Kind aber gerät in einen schweren Loyalitätskonflikt. Loyalität ist immer eine moralische Forderung, die im Großklima des Patriarchats einen Menschen einem anderen verpflichtet, sie nimmt in Geiselhaft. Dabei kann sich der Vater dieser Loyalität leicht entziehen, hat er doch die Loyalität des Gesetzes auf seiner Seite. Anders ausgedrückt: Da die Mutter <strong>ist</strong>, der Vater sich jedoch <strong>macht</strong><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup> und über die Mutter und das Kind dominiert, ist die Loyalität einseitig auf ihn gerichtet. Der Loyalitätskonflikt des Kindes beruht darin, dass es sich der Mutter zugehörig fühlt, aber den Vater nicht enttäuschen will. Mit Liebe hat das nur wenig zu tun.</p>
<h2 id="radfem">Radikaler Feminismus &#8211; der lauteste Ruf unserer Matrifokalität</h2>
<p>Ist der Leidensdruck groß genug, beginnen selbst Mütter, die den väterlichen Führungsanspruch bisher nicht infrage gestellt haben, ihre erlernten Grundsätze aufzugeben. Während und unmittelbar nach Kriegen, in Verelendung, bei Untreue und häuslicher Gewalt wird Frauen und Müttern ihre Lage bewusst. Trotz drohender Gewalt versuchen sie dann, aus ihren Käfigen auszubrechen. Das ist noch kein Feminismus, keine mentale Befreiung, nicht die Absicht das Problem für alle Frauen grundsätzlich abzustellen. Dass das Private das Politische ist, können Frauen nur begreifen, wenn sie das Tabu, darüber offen zu sprechen, brechen und ihre Lage nicht mehr als persönliches Versagen begreifen, sondern als Ergebnis des Vater-Dogmas.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup> Feministische Ziele müssen Stück für Stück gemeinschaftlich erkämpft werden. In der westlichen Welt erleben Frauen aber auch immer wieder ihre Entrechtung, den unvermeidlichen Backlash des Patriarchats, während sie in den extremen Patriarchaten nur selten aufstehen. Unsere matrifokalen Grundhaltungen der Mütterlichkeit, der Fürsorge für andere Menschen und der Liebe zum Frieden werden dabei immer wieder in erpresserischer Weise gegen die Frauen verwendet, und sie liefern sich dem aus, wenn sie aufgrund mangelnder Aufklärung nicht erkennen, wie sehr sie sich damit selbst schaden, wenn ihre vermeintlich feministische Fürsorge den Männern resp. Vätern gilt. Dagegen steht: &#8222;Die Medien und die Meute sind sich nie zu schade, um ihren Frauenhass mit irgendeiner guten Begründung öffentlich zu machen&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup>, wie Regula Stämpfli es formuliert.</p>
<p>Es ist in der weltweiten patriarchalen Geschichte aber mehrmals passiert, dass nicht nur einzelne Verbesserungen oder Anpassungen durchgesetzt wurden, sondern echte reale und mentale Befreiung geschah und Matrifokale neu entstanden sind. Es war wiederholt Frauen oder gar Schwestern die Flucht aus ihrer traumatisierenden Lage gelungen und sie hatten es fortan unterlassen, bei ihren sexuellen Kontakten wieder den Vater mitzudenken. Diese Entscheidungen führten unabdinglich zu heute noch lebenden matrifokalen Großgemeinschaften, in denen die dort hineingeborenen Jungen die Freiheit der Mütter und ihrer Schwestern als natürlich erleben dürfen und auch als Erwachsene nichts anderes von den Frauen erwarten. Bekanntere Beispiele sind die Tuareg der Sahara, ein Berbervolk, das als Besonderheit hirtennomadisch und trotzdem matrifokal lebt, sowie die Mosuo in Südchina, die von Ackerbau und Tierhaltung leben.</p>
<h2 id="jungsteinzeit">Jungsteinzeitliche Resilienz, jungsteinzeitliche Entmenschlichung</h2>
<p>Ein ursprüngliches Matrifokal kann dagegen aus der noch matrifokalen Jungsteinzeit herübergerettet und längst vom Patriarchat umgeben sein. Solche Matrifokale befinden sich mit hoher Sicherheit noch unter den unkontaktierten, isolierten Völkern.<br />
Ein neu entdecktes prähistorisches Beispiel liefert Erkenntnisse über die Besiedlung der überaus wild-, fisch- und pflanzenreichen Westsibirischen Taiga. Sie zeigen, dass sich die dort lebenden Wildbeuter-Gemeinschaften während der Misox-Schwankung<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup> mit Befestigungen, die übrigens zu den ältesten Festungen der Welt zählen, gegen die Angriffe schützen mussten und genötigt waren, hinter ihren Mauern sesshaft zu werden, so in den jüngst untersuchten Siedlungen Amnya und Imnegan.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup>
Diese neuen Funde unterscheiden sich wiederum erheblich von denen aus der Jungsteinzeit Südost- und Mitteleuropas. Die sich hier aus Südosteuropa ausbreitende Bandkeramische Kultur war nicht indigen, sondern sie wurde von ehemalig indigenen anatolischen Klimaflüchtlingen getragen, die noch matrifokal lebten, sich an verschiedenen Stellen entlang ihrer Migrationsroute niederließen und mehrere neue Kulturen entwickelten. Mit den BandkeramikerInnen hielt um 5.500 v.u.Z. in Mittel-, Süd- und Westeuropa das Neolithikum Einzug, die Jungsteinzeit mit Ackerbau und Tierhaltung, ohne dass die indigenen Wildbeuter-Matrifokale sich gegen die Neuankömmlinge schützen mussten, sie bauten keine Verteidigungsanlagen. In Mitteleuropa lebten sie über einen Zeitraum von 2000 Jahren in friedlicher Koexistenz, wobei es zu ersten Kontakten kam. Auf der iberischen Halbinsel kam es noch deutlich früher zu einer friedlichen Vermischung der beiden Gruppen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup> Die BandkeramikerInnen begannen vereinzelt, ihre Toten in denselben Höhlen wie die WildbeuterInnen zu bestatten. Das baldige Ende der Bandkeramischen Kultur zeichnete nur 500 Jahre nach ihrer Ankunft ab, als infolge einer weiteren Klimakatastrophe und Hungersnot einzelne überlebende Männer Nutztiere aus den Siedlungen stahlen und in den Mittelgebirgen mit deren Zucht begannen. Dies löste eine erste Welle der Selbstpatriarchalisierung aus, bei der Frauen geraubt und deren Brüder getötet wurden, und zwar sowohl unter den BandkeramikerInnen als auch WildbeuterInnen. Unter den Toten des Massakers von Talheim aus der Untergangszeit der Bandkeramischen Kultur fehlten fast alle Frauen im gebärfähigen Alter, die auf einem regulären Friedhof statistisch zu erwarten gewesen wären, während sich unter den toten Männern zwei fanden, die archaische Züge trugen, also von ein oder zwei WildbeuterInnen abstammten. Ihre Anwesenheit belegt, dass sie sich mit den BandkeramikerInnen bestens verstanden hatten und sie diesen wohl auch ihr Wissen vermittelten, wie man sich aus der Natur Mitteleuropas ernährt, was in Zeiten der Not äußerst angesehen und willkommen gewesen sein muss.<br />
Mit immer mehr Massakern verschwanden nicht nur die Bandkeramik, sondern auch die Nachfolgekulturen bis 4.500 v.u.Z., nämlich Hinkelstein, Groß Gartacher und Rössener Kultur. Die neolithische Bevölkerung schrumpfte in der Kaltphase zwischen 4.500 und 4.400 v.u.Z. nochmals erheblich, während die nicht sesshaften WildbeuterInnen keine Ernährungsengpässe erlitten, weil sie in günstigere Lagen ausweichen konnten. Insbesondere vielen Wildbeuterinnen, die mit ihrem Heil- und Pflanzenwissen sehr willkommen waren, gelang nun verstärkt der Eintritt in die prekären jungsteinzeitlichen Siedlungen, wo sie die geraubten Frauen ersetzten und auch die Landwirtschaft erlernten.<br />
Eine neue genetische Studie<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup> zeigt, dass sich im Pariser Becken vor 7000 Jahren ein ähnlicher Vorgang wie in Mitteleuropa abgespielt hatte. Das Gräberfeld von Gurgy &#8218;Les Noisats&#8216; zeigt eine bereits patrilineare Bevölkerung, die offenbar auf einen einzelnen &#8222;Gründervater&#8220;, richtiger: Verbrecher, zurückgeht, der kultisch verehrt wurde. Die dort gefundene vermeintliche Monogamie der Frauen UND der Männer aus sieben Generationen zeigt, dass die Söhne von Nebenfrauen nicht mitbestattet waren, sondern entweder in den Krieg gezogen waren und nicht zurückkehrten oder ermordet und nicht mitbestattet wurden. Alle Töchter wurden dagegen in die Fremde verheiratet.<br />
Es ist möglich, dass es dieser Stamm war, der die Fluchtbewegung auslöste, die nach einer Phase von 100-150 Jahren nach Untergang der Rössener Kultur im südlichen Mitteleuropa zur Herausbildung der Michelsberger Kultur führte. Diese neolithische Kultur nutzte verlassene Siedlungen nach, wie es an vielen Fundhorizonten ablesbar ist. Die Tierhaltung wurde hier zunehmend im großen Stil betrieben, erkennbar an den Ansammlungen von Kreisgrabenanlagen. Diese Kultur fällt durch die offensichtliche Egalität auf, ablesbar an Gräbern und Behausungen. Die Häuser wurden mit Reliefs aus Brüsten und die typische Keramik mit Knubben, die Brüste symbolisieren, verziert. Auch WildbeuterInnen wurden erneut integriert, aber nach knapp 1000 Jahren um 3500 v.u.Z. endete auch diese Kultur, nicht ohne wieder von den letzten WildbeuterInnen überlebt zu werden.<br />
In den südlicheren Nachfolgekulturen der nächsten 500 Jahre &#8211; auf heute west- bis mitteldeutschem Gebiet die Wartberg-Kultur, die durch Verteidigungsanlagen auffällt, und im Süden die Horgener und Chamer Kulturen &#8211; gingen die letzten Matrifokale der WildbeuterInnen auf. Im nördlichen Mitteleuropa bildete sich um schon 4200 v.u.Z. die Trichterbecher Kultur aus, die von der später eingewanderten Kugelamphoren-Kultur teilüberlagert wurde, welche ebenfalls noch das matrifokale Leben kannte. Sie assimilierte die Ertebølle-Kultur bereits keramischer WildbeuterInnen. Um ca. 3.000 v.u.Z. lebten in Mitteleuropa keine WildbeuterInnen mehr, ihre Nachfahren waren nun BäuerInnen. Um 2800 v.u.Z. gingen alle matrifokalen Kulturen nördlich der Alpen durch die patriarchale Schnurkeramische Kultur unter, die sich von Osten her ausbreitete und die Indoeuropäisierung einleitete.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup> Die Matrifokale West- und Südeuropas gingen im Zuge der Indoeuropäisierung unter. Ob und wie lange es in Eurasien noch Matrifokale in Insellage gab, ist noch nicht geklärt.</p>
<h2 id="uebergang">Übergangspatriarchate</h2>
<p>Patrilinearität muss über Patrilokalität hergestellt werden, daher finden sich heute weltweit keine patrilinearen Völker, die in regelmäßig Matrilokalität leben. Trotzdem gibt es noch Völker, die nicht vollständig patriarchalisiert sind. Bei vielen Ethnien, in denen die Mutter mit dem Vater ihrer Kinder zusammenwohnt, liegt Uxorilokalität vor, d.h. das Paar lebt vorübergehend bei den Eltern der Ehefrau, hier geht es um die Verlässlichkeit der Versorgung. Diese Gemeinschaften bezeichne ich als <strong>Übergangspatriarchat</strong>. Ein Übergangspatriarchat ist eine Gesellschaft<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup>, die noch deutlich <strong>matrifokale Züge</strong> trägt. Hier können wir sozusagen dem Prozess der Patriarchalisierung bei der Arbeit zusehen, der einsetzt, wenn kein <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" target="_blank" rel="noopener">Frauenraub</a> im Spiel ist. In vielen dieser ehemaligen Matrifokale haben Missionare dafür gesorgt, dass die genetischen Väter mit &#8222;ihren Kindern&#8220; zusammenleben. Die Kinder sollen lernen, einen Vater zu haben. Die Väter wirken in der Gemeinschaft wie plötzlich entartete Zellen, die sich langsam ausbreiten. Bei den !Kung San in der Kalahari hat sich daher auch eine komplexe Streitkultur entwickelt, wo vorher kaum gestritten wurde. Bei den Yequana in Venezuela &#8222;sind Frauen und Kinder besonders bemüht, ihr Bestes zu geben&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup>, wenn der Vater anwesend ist und die Mädchen werden dazu ermuntert, den Vater zu bedienen. Der Mann als Vater macht Probleme, sobald er auftaucht.</p>
<p>Im Verlauf der Menschheitsgeschichte haben wir es mit ursprünglichen, migrierten und auch vom Patriarchat umstellten oder sich in Insellage befindlichen matrifokalen Gemeinschaften zu tun. Sie alle können den Namen &#8222;Matrifokal&#8220; tragen. Es ist aber für solche, die noch nach Beginn der Patriarchalisierung existierten oder existieren, nicht ohne Weiteres ersichtlich, ob es sich um ursprüngliche oder sogar neu entstandene Matrifokale handelt. Matrifokale der vorpatriarchalen Zeit waren Jahrhunderttausende nicht der unmittelbaren Bedrohung ausgesetzt und mussten keine Strategie zu ihrem Schutz vorhalten. Davon unterscheiden sich alle späteren Matrifokale erheblich, denn sie müssen sich gegen den Patriarchalisierungsdruck schützen. Von diesem Umstand ist abhängig, wieviel Freiheit ihnen noch blieb oder bleibt. Daher erscheint es mir nicht angemessen, sie undifferenziert als &#8222;Matrifokal&#8220; zu bezeichnen. Wie also nennen wir solche Gemeinschaften, wenn nicht &#8211; denn dieser Begriff ist ja zu vermeiden &#8211; &#8222;Matriarchat&#8220;? Dazu noch eine Vorüberlegung.<br />
Um ungestört in Matrilokalität und Matrilinearität zu überleben, müssen sich Matrifokale den verschiedenen, patriarchalen Herausforderungen stellen. Beim <strong>Avunkulat</strong> (lat. <em>avunculus</em>, der Mutterbruder) ist der genetische Vater noch bedeutungslos und die Mutter wohnt bei ihrem Bruder, der die &#8222;Vaterrolle&#8220; für seine Neffen und Nichten innehat, d.h. als männliche Bezugsperson fungiert. Hier steht die Vererbung des Besitzes im Vordergrund, d.h., dass die Brüder begonnen haben, den Besitz zu privatisieren und ihre Schwestern werden quasi darauf trainiert, mit einem Mann in einer Ehe zu leben, die freilich noch eine Pseudoehe ist. Die Matrilokalität ist hier bereits durch eine &#8222;<strong>Fraternilokalität</strong>&#8220; (lat. <em>frater</em>, der Bruder; der Begriff ist nicht etabliert) ersetzt und die Matrilinearität nimmt sozusagen einen Umweg über den Bruder. Diese Lebensweise ist bereits eine Anpassung an das umliegende oder erobernde Patriarchat, das das ursprüngliche Matrifokal mit der Idee der männlichen Dominanz und des Besitzes angesteckt hat, also eine Spielart des Patriarchates und ebenso kein Matriarchat. Jüngst wurde das Avunkulat für die <a href="https://www.spektrum.de/news/fuerstengraeber-aus-sueddeutschland-die-dna-der-keltenfuersten/2218598" target="_blank" rel="noopener">Keltenfürsten der Hallstattzeit</a> (800 bis 450 v. Chr.) genetisch nachgewiesen, bei denen die sog. Fürstinnen als &#8222;<em>King-Mums</em>&#8220; und gleichzeitig als &#8222;<em>King-Sisters</em>&#8220; identifiziert wurden.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">15</sup> Warum nicht nur die patriarchalische biologistisch-dynastische Erklärung, also die Sicherung der väterlichen Gene, dafür herangezogen werden darf, sondern vor allem die uralte Matrifokalität Berücksichtigung finden muss, hatte Gerhard Bott bereits am Beispiel der pharaonischen <strong>Bilinearität</strong> erläutert.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">16</sup>
<h2 id="matridurat">Überdauernde Matrifokale – das Matridurat und das Neo-Matridurat</h2>
<p>Heutige reine Matrifokale leben oft in Reservaten, die sich nicht friedlich ausdehnen lassen, ohne die patriarchalen Menschen an den Grenzen von der Matrifokalität zu überzeugen. Ein schon verheiratetes Paar kann dabei nicht auf Aufnahme und Unterstützung ins Matrifokal hoffen, denn das führt unweigerlich zu Konflikten. Allem voran sind es aber die jungen Frauen, auf die bestimmte Maßnahmen abzielen müssen, wenn sich eine matrifokale Gemeinschaft nicht aufgeben will, denn sie alle sind Garantinnen der Zukunft. Das Patriarchat wirkt anziehend, sei es durch die materiellen Verlockungen, sei es durch einen attraktiven Mann, die größte Gefahr. Es muss also das Verbot ausgesprochen werden, dass junge Frauen keine Kontakte ins Patriarchat pflegen dürfen. Dies aber ist in Bezug auf die unter Matrifokalität gelebte Female Choice bereits widersinnig, eine Beschränkung, die wiederum kontraproduktiv wirken muss, denn jede Reglementierung dieser Art erzeugt insbesondere bei Jugendlichen Widerstand.<br />
Zur Lösung des Problems der Differenzierung solcher im Patriarchat überlebenden Matrifokale von den ursprünglichen Matrifokalen, habe ich den Begriff <strong>MATRIDURAT</strong> (lat. <em>durare</em>, andauern) entwickelt: Ein Matridurat ist ein Matrifokal, das vom Patriarchat umgeben und bedroht ist und sich erfolgreich, bewusst und resilient mit Regeln und/oder mittels Verteidigung gegen die patriarchale Einverleibung schützt. Im Gespräch mit Stephanie Gogolin wurde mir zudem klar, dass auch Matridurate, die von ehemals patriarchalen Frauen neu gegründet wurden, gesondert gekennzeichnet werden müssen, ich nenne sie daher <strong>NEO-MATRIDURAT</strong>.<br />
Die Mosuo sind meines Wissens das einzige Matridurat, das durch Überlieferung als neugegründet abgesichert ist, sie sind ein Neo-Matridurat. Wie ich es an anderer Stelle<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">17</sup> ausgeführt habe, sind sie Nachkommen von Frauen, die aus der nomadischen Viehzüchtergesellschaft der Mongolischen Steppe stammten. Es ist ihnen während eines Eroberungsfeldzuges ihrer Männer gelungen, zu entkommen und in dem abgelegenen Gebiet um den Lugosee, ein Gebirgssee auf dem Yunnan-Guizhou-Plateau, neu anzufangen, ohne den alten Fehler der Patrilinearität zu wiederholen. Sie leben das Prinzip der <em>tisese</em><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">18</sup>, was in westlichen Schriften als &#8222;Besuchsehe&#8220; bezeichnet wird, jedoch Sex ohne soziale oder wirtschaftliche Bindung an einen Mann meint. Ob die Mosuo-Frauen damals aus Erfahrung wussten, was genau das Problem ist, nämlich die gewaltsam aufrechterhaltene Vaterschaft, oder ob es eine psychologische Vermeidungsstrategie war, ist unbekannt. Da Matrifokalität angeborenen ist, hat jedenfalls das Heraushalten fremder Männer zu einem neuen Matrifokal geführt. Für die Tuareg in der Sahara existiert keine vergleichbare Überlieferung, jedoch wurden sie gegen ihren Willen islamisiert und mussten sich den arabischen Handelsstrukturen anpassen, so dass ihr Wirtschaftssystem heute nach außen patriarchalisch ist, während ihr Sozialsystem matrifokal geblieben ist. Ob es sich bei der jungsteinzeitlichen Michelsberger Kultur um ein Matridurat oder ein Neo-Matridurat handelte, ist noch zu klären.</p>
<h2 id="aussicht">Aussicht</h2>
<p>Die Neo-Matridurate zeigen, dass die Menschheit dem Patriarchat nicht so ausgeliefert ist, wie weithin angenommen, sie machen Hoffnung auf mehr. Daher ist ihre differenzierte Benennung so wichtig. Deutlich ist auch, dass wir sie als Übergangsform verstehen müssen, solange die Female Choice nicht weltweit gesichert ist. Es kann aber nicht Ziel sein, sie nur unter Denkmalschutz zu stellen, dann werden es erfahrungsgemäß trotzdem immer weniger. Patriarchat ist theoretisch umkehrbar, aber in der Realität aufgrund der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">Überbevölkerung</a> und der vollständigen Besiedelung noch des letzten Winkels nur schwer auf humane bzw. friedliche Art zurückzudrängen und umzuwandeln. Ohne die Stärkung der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">Female Choice</a>, ohne weltweite Aufklärung über sie und auch ohne die Durchsetzung der freien Empfängnisverhütung und Abtreibung kommt das Ziel nicht in Reichweite. Es sind die Frauen, die sich mental und körperlich befreien müssen, aber es sind die Männer, die das Unterfangen der Frauen anerkennen und schützen müssen, in der Einsicht, dass es sich nicht nur um unser kulturelles Welterbe handelt, matrifokal zu leben, sondern um unser aller Menschenrecht, unser eigentliches Sein. Nur solche Männer können auch mit Recht das Prädikat &#8222;Feminist&#8220; für sich beanspruchen.<br />
Wenn wir von dem abweichen, was uns angeboren ist, fügen wir uns Schaden zu. Kultur ist nicht in der Lage, dies vollständig zu kompensieren, chronifiziert die Komplexe sogar noch. Matridurate beweisen, dass ein Wechsel zurück zu unserem angeborenen Sozialverhalten möglich ist. <strong>Es bedarf dazu keiner Anpassungsleistung, wie sie uns das Patriarchat abverlangt,</strong> es raubt uns daher keine Energien, sondern erfordert lediglich wissenschaftliche und soziale Anerkennung.</p>
<p>Danke, Stephanie, für Deine wertvollen Hinweise und Bemerkungen!<br />
Braunschweig, 30.05.2024</p>
[Update am 04.06.2024 (Matrilinearität der Keltenfürsten)! An dieser Stelle ein globales Danke an <a href="https://denkmalpflege-bw.academia.edu/DirkKrausse" target="_blank" rel="noopener">apl. Prof. Dr. Dirk Krausse</a> und <a href="https://www.eva.mpg.de/de/archaeogenetik/mitarbeiterinnen/johannes-krause/" target="_blank" rel="noopener">Prof. Dr. Johannes Krause</a>!]
<p>&nbsp;</p>
<h2 id="literatur">Literatur</h2>
<ul id="liste2">
<li>Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter &#8211; Essays zur Politischen Theologie. Norderstedt 2009</li>
<li>Dönges, Jan: Die DNA der Keltenfürsten. In Spektrum der Wissenschaft online. Online-Ressource auf <a href="https://www.spektrum.de/news/fuerstengraeber-aus-sueddeutschland-die-dna-der-keltenfuersten/2218598" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/news/fuerstengraeber-aus-sueddeutschland-die-dna-der-keltenfuersten/2218598</a>, abgerufen am 04.06.2024</li>
<li>Gogolin, Stephanie: Wie alles begann – eine grundlegende Betrachtung zur Matrifokalität. Online-Ressource vom 27.02.2021 abgerufen am 23.02.2023 auf <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2021/02/27/wie-alles-begann-eine-grundlegende-betrachtung-zur-lebendigen-matrifokalitat/" target="_blank" rel="noopener">https://marthastochter.wordpress.com/2021/02/27/wie-alles-begann-eine-grundlegende-betrachtung-zur-lebendigen-matrifokalitat/</a></li>
<li>Gogolin, Stephanie; Uhlmann, Gabriele: Gibt oder gab es matriarchale Gesellschaften? Eine notwendige Stellungnahme von Stephanie Gogolin und Gabriele Uhlmann. Online-Ressource vom 12.02.2022 abgerufen am 23.02.2023 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann</a></li>
<li>Liedloff, Jean: Auf der Suche nach dem verlorenen Glück &#8211; Gegen die Zerstörung unserer Glücksfähigkeit in der frühen Kindheit. München 1991.</li>
<li>MPG 2023: Oldest human genome from southern Spain &#8211; A human genome from the Ice Age refuge in southern Spain. Online-Ressource vom 12.06.2020 auf <a href="https://www.mpg.de/19953334/0228-evan-human-genome-from-southern-spain-150495-x" target="_blank" rel="noopener">https://www.mpg.de/19953334/0228-evan-human-genome-from-southern-spain-150495-x</a>, abgerufen am 04.03.2023</li>
<li>MPG 2024: Wie waren die Kelten in Baden-Württemberg verwandt?, Online-Ressource vom 03.06.2024, <a href="https://www.mpg.de/21993103/0530-evan-verwandtschaft-und-herkunft-der-kelten-in-baden-wuerttemberg-150495-x" target="_blank" rel="noopener">https://www.mpg.de/21993103/0530-evan-verwandtschaft-und-herkunft-der-kelten-in-baden-wuerttemberg-150495-x</a>, abgerufen am 04.06.2024</li>
<li>Rivollat, M., Rohrlach, A.B., Ringbauer, H. <em>et al.</em>: Extensive pedigrees reveal the social organization of a Neolithic community. Nature (2023). <a href="https://doi.org/10.1038/s41586-023-06350-8" target="_blank" rel="noopener">https://doi.org/10.1038/s41586-023-06350-8</a></li>
<li>Schnaars, Ilka: Sorgerecht und väterliche Gewalt. Rüsselsheim am Main 2025</li>
<li>Schreiber, Tanja <em>et al.</em>: Steinzeitfestungen in der sibirischen Taiga. In: Archäologie in Deutschland 6/2022 S. 14-19</li>
<li>Shih, Chuan-kang: Tisese and It’s Anthropological Significance. Issues around the Visiting Sexual System among the Moso. In: L’Homme<i>.</i> Nr. 154–155: Question de parenté, April–September 2000, S. 697–712. Online-Ressource auf <a class="external text" href="https://journals.openedition.org/lhomme/56" target="_blank" rel="nofollow noopener">lhomme.revues.org</a></li>
<li>Stämpfli, Regula in: #diepodcastin: Isabel Rohner &amp; Regula Stämpfli on Lidia Poet, links/rechts, Wagenknecht/Schwarzer, Chiara Ferragni, sexistischer Karneval, MediaToo &amp; CultureToo. Online-Ressource auf<br />
<a href="https://diepodcastin.de/2023/02/18/diepodcastin-isabel-rohner-regula-stampfli-on-lidia-poet-linksrechts-wagenknechtschwarzer-chiara-ferragni-sexistischer-karneval-mediatoo-culturetoo/" target="_blank" rel="noopener">https://diepodcastin.de/2023/02/18/diepodcastin-isabel-rohner-regula-stampfli-on-lidia-poet-linksrechts-wagenknechtschwarzer-chiara-ferragni-sexistischer-karneval-mediatoo-culturetoo/</a> abgerufen am 23.02.2023</li>
<li>Universität Mainz 2013: Mitteleuropäer haben gemischte Ahnen. Online-Ressource vom 11.10.2013 abgerufen am 23.02.2023 auf <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitteleuropaeer-haben-gemischte-ahnen/" target="_blank" rel="noopener">https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitteleuropaeer-haben-gemischte-ahnen/</a> abgerufen am 23.02.2023</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat &#8211; Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt. Norderstedt 2015</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Der radikalste Feminismus: Leben in Matrifokalität. In: Störenfriedas &#8211; Feminismus radikal gedacht. Norderstedt 2018</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Explosion und Expansion &#8211; Wie Vatermacht die Welt unterjocht. Vortrag gehalten am 17.5.2019 an der Philipps-Universität Marburg im Rahmen der Studientage &#8222;Nachhaltigkeit und Gesellschaftsformen aus kritisch geographischer Sicht&#8220; im Fachbereich 19 Geographie. Online-Ressource vom 29.04.2021 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht</a></li>
<li>Uhlmann 2020: Uhlmann, Gabriele: Von den Mosuo lernen – Wie frau sich aus dem Patriarchat befreien kann. Online-Ressource vom 19.02.2020 auf<br />
<a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2020/02/19/von-den-mosuo-lernen-wie-frau-sich-aus-dem-patriarchat-befreien-kann/" target="_blank" rel="noopener">https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2020/02/19/von-den-mosuo-lernen-wie-frau-sich-aus-dem-patriarchat-befreien-kann/</a></li>
<li>Wolters, Andreas: Mutter durch Geburt – Vater durch Gesetz, Ordnungsmuster der Vergesellschaftung. Roßdorf bei Darmstadt 2018</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Gogolin 2021 und Gogolin 2022</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der soziologische Begriff der &#8222;Exogamie&#8220; wird gemeinhin als &#8222;Heiratsregel&#8220; verstanden, bezieht sich also auf den patriarchalisierten Menschen. In der Biologie wurde er unkritisch übernommen, um natürliches Sexualverhalten zu beschreiben. Es gibt keinen anderen unkontaminierten Begriff dafür. Durch Berücksichtigung der Female Choice und ihrer chemotaktischen Inzestschranke lässt sich das Problem umgehen. Siehe dazu Bott 2009, S. 57 ff.</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Schnaars 2025</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2015</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Wolters 2018 und Schnaars 2025</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2018</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kontext siehe Stämpfli 2023, Min 25:29</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Klimakatastrophe vor 8200 Jahren, die die zu diesem Zeitpunkt bereits 3200 Jahre alte, fatale Abhängigkeit von Landwirtschaft offenbar werden ließ. Vgl. Uhlmann 2019</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Schreiber <em>et al.</em> 2022</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. MPG 2023</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Rivollat <em>et al.</em> 2022</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2019 und Universität Mainz 2013</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zum Begriff der Gesellschaft siehe Gogolin/Uhlmann 2020</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Liedloff 1991, S. 130</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. MPG 2024</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Bott 2009, S. 97 ff u. 419 ff</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2020</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. Shih 2000</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat">Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Als Gott die Giftmischer schuf &#8211; eine Patriarchalisierung durch Plagiat</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/als-gott-die-giftmischer-schuf-eine-patriarchalisierung-durch-plagiat</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Aug 2021 13:34:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Analysen und Studien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bild: Schneewittchen hat in den vergifteten Apfel gebissen. Briefmarke aus dem Satz &#8222;Wohlfahrt &#8218;Schneewittchen'&#8220;, Bundesrepublik Deutschland 1962. Entwurf: Holger Börnsen. gemeinfrei. Prolog Alles fing wohl damit an, dass die AGSV...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/als-gott-die-giftmischer-schuf-eine-patriarchalisierung-durch-plagiat">Als Gott die Giftmischer schuf &#8211; eine Patriarchalisierung durch Plagiat</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/0fa672633eb04a9788fa0f7280ba01a8" alt="" width="1" height="1" /><br />
<img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-4915" title="Schneewittchen hat in den vergifteten Apfel gebissen." src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/08/1962-briefmarke-sneewittchen.jpg?w=526&#038;ssl=1" alt="Schneewittchen hat in den vergifteten Apfel gebissen."  srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/08/1962-briefmarke-sneewittchen.jpg?w=526&amp;ssl=1 526w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/08/1962-briefmarke-sneewittchen.jpg?resize=300%2C255&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 526px) 100vw, 526px" /><br />
Bild: Schneewittchen hat in den vergifteten Apfel gebissen.<br />
<span style="font-size: 9px;">Briefmarke aus dem Satz &#8222;Wohlfahrt &#8218;Schneewittchen'&#8220;, Bundesrepublik Deutschland 1962. Entwurf: Holger Börnsen. gemeinfrei.</span></p>
<h2 id="prolog">Prolog</h2>
<p>Alles fing wohl damit an, dass die AGSV Polizei NRW<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a> im Jahre 2000 in einer Beilagenbroschüre einen Text veröffentlichte, den eine mutmaßliche Verfasserin &#8222;den Männern und Frauen, die diese Welt ein Stück sicherer machen&#8220; gewidmet hatte und der &#8222;ihre Art, Danke zu sagen&#8220;, ausdrücken sollte. &#8222;Die Fantasie&#8220; habe diesen Text &#8222;erzeugt&#8220;, und so lautete er:</p>
<blockquote><p>&#8222;<strong>Als Gott die Polizei erschuf</strong></p>
<p>Am sechsten Tag ohne Rast machte Gott sich daran, Polizisten zu kreieren.</p>
<p>Ein Engel kam vorbei und sagte: &#8218;Du beschäftigtst dich aber ungewöhnlich lange mit diesem Modell&#8216;</p>
<p>Und Gott fragte: &#8218;Hast du die Kriterien gesehen, die das Modell erfüllen muss?&#8216;</p>
<p>&#8218;Ein Polizist muss in der Lage sein, fünf Kilometer durch dunkle Gassen zu rennen, Mauern und Wände heraufzuklettern, Häuser zu betreten, die der Gesundheitsminister nicht mal ansehen würde, und das alles möglichst ohne seine Uniform zu zerknittern oder zu verschmutzen. Er muss den ganzen Tag in einem zivilen Auto vor dem Haus eines Verdächtigen ausharren, gleichzeitig die Nachbarschaft nach Zeugen auskundschaften, in derselben Nacht eine Verbrechensszene untersuchen und früh am nächsten Morgen vor Gericht erscheinen und seine Aussage machen. Er muss jederzeit in Top-Kondition sein, und das nur mit schwarzem Kaffee und halb gegessenen Mahlzeiten. Und er braucht sechs Paar Hände.&#8216;</p>
<p>Der Engel schüttelte seinen Kopf und sagte: &#8218;Sechs Paar Hände&#8230; &#8211; das geht nicht.&#8216;</p>
<p>&#8218;Es sind nicht die Hände, die mir Probleme bereiten&#8216;, sagte Gott, &#8218;es sind die drei Paar Augen, die ein Polizist haben muss.&#8216;</p>
<p>&#8218;An einem ganz normalen Polizisten? Warum denn das?&#8216; fragte der Engel. Gott erklärte. &#8218;Ein Augenpaar, das durch ausgebeulte Hosentaschen sehen kann, bevor er fragte, ob er sehen darf, was drin ist (obwohl er es längst weis und wünscht, er hätte einen anderen Job angenommen).</p>
<p>Ein zweites Paar Augen an der Seite seines Kopfes, zur Sicherheit seines Partners. Und ein Paar hier vorne, das versichernd zum Verunglückten schauen kann und ihn sagen lässt: Alles wird wieder gut, obwohl er weiß, dass es nicht so ist.&#8216;</p>
<p>&#8218;Gott&#8216;, sagte der Engel und fasste ihn am Ärmel, &#8218;ruhe dich doch erst mal aus, du kannst dieses Modell doch später fertig stellen.&#8216; &#8218;Das kann ich nicht, ich habe schon ein ziemlich gutes Modell erschaffen, es kann einen 150 Kilo schweren Betrunkenen überreden, ins Polizeiauto zu steigen, ohne dass es zu Zwischenfällen kommt, und es kann eine fünfköpfige Familie mit mäßigem Gehalt durchfüttern; ich kann jetzt nicht aufgeben.&#8216;</p>
<p>Der Engel umkreiste den Polizisten sehr langsam und sah ihn sich genau an, dann sagte er:</p>
<p>&#8218;Kann dieses Modell auch denken?&#8216; &#8218;Aber natürlich&#8216;, antwortete Gott, &#8218;es kann dir die Tatbestände von tausend Verbrechen aufzählen, Verwarnungen im Schlaf aufsagen, verhaften, untersuchen, auffinden und einen Gangster schneller von der Straße holen als die Richter diskutieren, ob es berechtigt war oder nicht, während der Polizist schon den nächsten verhaftet. Und während alledem behält der Polizist noch seinen Sinn für Humor. Außerdem hat dieses Modell eine wahnsinnig gute Kontrolle über sich selbst; es ist fähig, Verbrechensszenen zu untersuchen und abzusichern, die aussehen, als wären sie der Hölle entsprungen, ohne mit der Wimper zu zucken; es kann einem Kinderschänder ein Geständnis entlocken und hat trotzdem seinen Hass unter Kontrolle, es kann die Familien von Opfern trösten und ihnen Mut zureden, obwohl die Zeitung wieder mal schreibt, Kriminelle würden nicht gerecht behandelt.&#8216;</p>
<p>Dann sah sich der Engel das Gesicht des Polizisten genauer an, er strich mit seinem Finger über die Wangen des Modells und sagte: &#8218;Siehst du´ Gott, hier ist ein Leck. Ich sagte doch, dass du dir zu viel vorgenommen hast bei diesem Modell.&#8216; &#8211; &#8218;Das ist kein Leck&#8216;, entgegnete Gott, &#8218;es ist eine Träne.&#8216; &#8218;Eine Träne? Wofür?&#8216;, wollte der Engel wissen. &#8218;Nun ja, für die aufgestauten Gefühle &#8230; für die verletzten Kameraden, für die Beschimpfungen, die er hinnehmen muss, für die Undankbarkeit und falschen Beschuldigungen, für die Frustration und Wut, für Einsamkeit, für Schmerz und Ohnmacht, für die schrecklichen Dinge, die er manchmal sieht. Für die Albträume und für die Angst.'&#8220; [sic!] <a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a></p></blockquote>
<p>Offenbar hat sich die Polizei sehr über diese Art, Danke zu sagen, gefreut, auch wenn die Frage, ob die Polizei denken könne, einiges an Selbstironie abverlangte. Doch nun, nach so langer Zeit, müssen wir die Frage erneut stellen. Denn mutmaßlich legitimierte die Polizei mit dieser Veröffentlichung ein Vergehen, für das sie offenbar aus lauter Freude und Stolz über die Beweihräucherung blind war. Worin dieses Vergehen besteht, davon handelt dieser Text und auch davon, was es im Weiteren angerichtet hat.</p>
<p>In ganz NRW und auch im Schaumburger Land verbreitet machte der Text schnell Schule. Viele Andere fühlten sich berufen, bestimmte Gruppen, die sich für die Allgemeinheit „aufopfern“, „frei nach“ diesem Vorbild zu ehren: Die Altenpflegerinnen, Erzieherinnen, Arzthelferinnen und Rettungsassistenten, später auch die Zahnarzthelferinnen und Rettungssanitäter u. v. a.. Diese Varianten verbreiten sich nun seit etlichen Jahren wie eine Epidemie mit zahllosen immer neuen Mutationen auf den Websites von z.B. Kitas, Arztpraxen, Hebammen, der Kirche oder in den Sozialen Medien.</p>
<p>Ich schaute mir zahllose Varianten an und fertigte davon spaßeshalber eine Synopse an, so wie es auch TheologInnen machen, wenn sie Bibel-Exegese betreiben und z.B. die Evangelien miteinander vergleichen, um sie zu deuten (Synopse siehe <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/08/synopse-bombeck-plagiate.pdf" target="_blank" rel="noopener">PDF</a>). Und in der Tat lesen sich diese Texte wie Bibeltexte und der Vergleich lohnt sich. Die VerfasserInnen betätigten sich wie MythenschreiberInnen, die mit jeder Überlieferung neue Veränderungen einbauen. Das Ganze hat ein solches Ausmaß angenommen, dass es mir vorkommt, als würde die Bibel gerade neu geschrieben! Und wir können davon tatsächlich lernen, wie die Bibel entstanden sein muss. Von einem Gott wurde sie jedenfalls nicht geschrieben.<br />
Aus &#8222;Gott&#8220; wurde der &#8222;liebe Gott&#8220;, &#8222;der Herr&#8220; oder &#8222;der Allmächtige&#8220; gemacht, der manchmal sogar geduzt wird, während &#8222;der Engel&#8220; immer gleichblieb. Immer wurden die Aufzählungen der &#8222;Kriterien&#8220;, &#8222;Spezifikationen&#8220;, &#8222;Wünsche&#8220;, &#8222;Lastenhefte&#8220;, &#8222;Aufgaben&#8220; oder &#8222;Anforderungsprofile&#8220; der Berufsgruppe angepasst, also z. B. &#8222;Gott antwortete: &#8218;Hast du dir das Lastenheft angesehen? Ein Rettungssanitäter muss in der Lage sein, … .'&#8220; Der Begriff &#8222;Lastenheft&#8220;<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a> ist dabei ein Indiz, dass der Text, in dem er auftaucht, möglichwerweise von einer/m IngenieurIn verbreitet wurde. Die Altenpflegerin, Erzieherin, Arzthelferin, Zahnarzthelferin etc. besitzen ein &#8222;Überlaufventil&#8220;, was vielleicht auf eine/n KlempnerIn als VerfasserIn hinweist.</p>
<h2 id="am-anfang-war-die-frau">Am Anfang war die Frau</h2>
<p>Irgendwann um 2018 tauchte auch die Variante &#8222;Frau&#8220; in den Sozialen Medien auf, wo sie massenhaft geteilt wurde. Nicht ich fand sie dort, sondern es war eine Freundin, die Balletttrainerin und ehemalige Solistin Jana Eva Ritzen. Weder sie noch ich wussten bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt etwas von der Existenz dieser großen &#8222;Textfamilie&#8220; oder ihres Ursprungs:</p>
<blockquote><p>&#8222;<strong>DIE FRAU. . . . . . . . .</strong><br />
Als Gott die Frau schuf, arbeitete er spät am 6. Tag &#8230;&#8230;.<br />
Ein Engel kam vorbei und fragte: &#8218;Warum so viel Zeit mit ihr verbringen?&#8216;<br />
Der Herr antwortete. &#8218;Hast du alle Spezifikationen gesehen, die ich treffen muss, um sie zu formen?&#8216;<br />
&#8218;Sie muss in allen möglichen Situationen funktionieren.<br />
Sie muss in der Lage sein, sich um mehrere Kinder gleichzeitig zu kümmern.<br />
Ihre Umarmung muss alles heilen können, von einem verletzten Knie bis zu einem gebrochenen Herzen.<br />
Sie muss das alles mit nur zwei Händen machen.<br />
Sie heilt sich selber und hält durch, wenn sie krank ist und kann 18 Stunden am Tag arbeiten. &#8218;<br />
DER ENGEL war beeindruckt &#8222;Nur zwei Hände &#8230;.. unmöglich!<br />
Und das ist das Standardmodell? &#8218;<br />
Der Engel kam näher und berührte die Frau &#8218;<br />
&#8218;Aber du hast sie so weich gemacht, Herr&#8216;.<br />
&#8218;Sie ist sanft&#8216;, sagte der Herr,<br />
&#8218;Aber ich habe sie stark gemacht. Du kannst dir nicht vorstellen, was sie ertragen und überwinden kann.&#8216;<br />
&#8218;Kann sie nachdenken?&#8216; fragte der Engel&#8230;<br />
Der Herr antwortete. &#8218;Sie kann nicht nur denken, sie kann argumentieren und verhandeln&#8216;<br />
Der Engel berührte ihre Wangen &#8230;.<br />
&#8218;Herr, es scheint, dass diese Schöpfung undicht ist! Du hast ihr zu viele Lasten auferlegt.&#8216;<br />
&#8218;Sie ist nicht undicht &#8230; es ist eine Träne&#8216; korrigierte der Herr den Engel &#8230;<br />
&#8218;Wofür ist das?&#8216; Fragte der Engel &#8230;..<br />
Der Herr sagte. &#8218;Tränen sind ihre Art, ihre Trauer auszudrücken, ihre Zweifel, ihre Liebe, ihre Einsamkeit, ihr Leiden und ihren Stolz.&#8216; &#8230;<br />
Das hat einen großen Eindruck auf den Engel gemacht,<br />
&#8218;Herr, du bist ein Genie. Du hast an alles gedacht.<br />
Eine Frau ist wirklich wunderbar &#8218;<br />
Der Herr antwortete . &#8218;In der Tat ist sie es.<br />
Sie hat Stärke, die einen Mann erstaunt.<br />
Sie kann mit Problemen umgehen und schwere Lasten tragen.<br />
Sie enthält Glück, Liebe und Meinungen.<br />
Sie lächelt, wenn sie schreien möchte.<br />
Sie singt, wenn sie weinen möchte, weint wenn sie glücklich ist und lacht, wenn sie Angst hat.<br />
Sie kämpft für das, woran sie glaubt.<br />
Ihre Liebe ist bedingungslos.<br />
Ihr Herz ist gebrochen, wenn ein Verwandter oder ein Freund stirbt, aber sie findet Kraft, um mit dem Leben weiterzumachen. &#8218;<br />
Der Engel fragte: Also ist sie ein perfektes Wesen?<br />
Der Herr antwortete: Nein. Sie hat nur einen Nachteil<br />
&#8218;Sie vergisst oft, was sie wert ist&#8216;.<br />
Verfasser unbekannt&#8220; [sic!]</blockquote>
<p>Jana schrieb mir, dass der Text auf einer Facebook-Seite über 1800mal ein Like oder ein Herzchen bekommen hätte, über 1700mal geteilt und über 300mal kommentiert worden sei, all das überwiegend von Frauen. Diese hätten sich davon so verstanden und wertgeschätzt gefühlt. Jana hätte das als regelrechtes Abfeiern und als Heroisierung der Leidensfähigkeit der Frau empfunden. Sie hätte davon &#8222;Würgereize&#8220; bekommen und wäre richtig wütend geworden. Sie wolle eigentlich dazu ihre Kritik posten, aber sie mache sich Sorgen, dass die Frauen, die das geherzt hatten und sich davon berührt fühlten, sich auf die Füße getreten fühlen könnten und sie angreifen würden.</p>
<p>Mein aller erster Gedanke war, dass der Text vergiftet ist, und das schrieb ich ihr zurück; vergiftet, dachte ich mir, wie der Apfel, den die böse Königin dem Schneewittchen reicht. Ich wollte nicht neudeutsch &#8222;toxisch&#8220; schreiben, denn ein Text ist von einem wahrhaftigen Menschen geschrieben und auch nicht giftig vom Himmel gefallen.<br />
Jana fragte mich darauf, ob das impliziere, dass der Mensch nichts dafür könne, wenn ein Text toxisch ist. Das ist eine gute Frage und leider lässt sie sich meiner Meinung nach nicht immer eindeutig beantworten, da wir alle Verletzungen und Haltungen in uns tragen, die an „geeigneter Stelle&#8220; unbewusst nach außen treten können, und natürlich gibt es auch böse Menschen, die ganz klar und absichtsvoll handeln.</p>
<p>Wie dem auch sei, erst konnte ich noch nicht recht in Worte fassen, was mich an dem Text stört, es hat eine Weile gedauert. Ich ahnte aber schon: Die Süße des Apfels ist die Wahrheit, dass es einerseits so ist, dass unsere Leistung nicht gewürdigt wird &#8211; weder in der Art, wie man uns begegnet, noch in finanzieller Hinsicht – und wir andererseits nach Anerkennung dursten. Damit werden wir hier geködert. Das Gift dieses Apfels befindet sich im Detail und es hat eine narkotisierende Wirkung.</p>
<p>Jana fragte mich, ob wir Menschen wirklich so blind sind, dass wir die patriarchalen Strukturen als &#8222;von der Natur&#8220; gegeben betrachten. Ich finde, ja und das ist so ein Detail: wir sind so blind &#8211; oder waren es zumindest einmal – und setzen die Natur irrigerweise mit einem männlichen, schöpfenden Vatergott gleich. Warum das so ist, und warum es nicht die Frauen waren, die das zuerst taten, darüber habe ich mir schon die Finger wund geschrieben: über das Patriarchat, das ein <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" target="_blank" rel="noopener">Entführungsverbrechen</a> ist, mit dem wir alle versklavt werden und das uns mit seinen Religionen einredet, dass dies alles ganz natürlich sei. Und dass wir darauf mit dem Stockholm-Syndrom, also mit Kooperation als Überlebensstrategie, reagieren, besonders wir Frauen. Es bringt Menschen dazu, solche Texte zu schreiben und zu verbreiten und auch solchen Idealen zu huldigen.<br />
Und ich war mir ziemlich sicher, dass der Text von einem Mann geschrieben worden sein muss, und zwar einer, der sich erlaubt, eine Frau einfach anzutatschen (&#8222;Der Engel kam näher und berührte die Frau&#8220;, &#8222;Der Engel berührte ihre Wangen&#8220;), einer, der sich gerne von einer Frau bedienen lässt. So besehen haben all die Leserinnen den Zynismus nicht bemerkt, mit dem sie doch dazu aufgestachelt werden, sich NOCH mehr aufzuopfern.<br />
Wir waren uns sofort einig, dass das die totale Verhöhnung ist, denn diese Frauen im Netz sind auch noch so verblendet und bejubeln ihre eigene Ausbeutung! Jana empfand aber nicht, dass der Engel die Frau ungehörig oder lüstern berühren würde. Sie hatte das Bild einer Puppe bei der Erschaffung der Menschen &#8211; egal ob Mann oder Frau &#8211; vor Augen, und Puppen dürfe man(n) ja anfassen. DAS wiederum fand sie sogleich interessant!<br />
Ihre Wahrnehmung ist natürlich enger am Text und ich stehe dabei auch unter dem Eindruck eines Buches, das ich letztlich scharf kritisieren musste und in welchem Sexpuppen als sinnvoller Schutz vor Gewalt durch sexuell frustrierte Männer propagiert wurden. Auch wurde ich in letzter Zeit immer wieder in den Sozialen Medien auf Sexpuppen aufmerksam gemacht, die als Kinder gestaltet sind und im größten Onlinehandel bestellbar sind. Ich gehöre auch noch der Generation Frauen an, die erlebt hat, als wortwörtlich Puppe angesprochen zu werden, während ich keinen Mann kenne, dem das gleiche passiert ist. Für mich ist die Frau als Objekt männlichen Willens in diesem Text sehr deutlich und zudem sind männliche Puppen selten. Nur in der Bibel ist Adam auch so etwas wie eine Puppe, aus Lehm geknetet, wobei aber betont wird, dass Adam nach Gottes Abbild erschaffen worden sei, also kein Design ist, sondern eine perfekte Kopie, ein Klon. Damit muss Adam perfekt sein, ein Gott. Die Blasphemie ist in die Schöpfungssgeschichte untrennbar eingebaut, daher muss geglaubt werden, dass Gott die Bibel geschrieben habe und nicht veritable Männer.<br />
Der mutmaßliche Verfasser müsste also ein Alttestamentarier sein, einer, der von der männlichen Schöpfung und des Mannes als ihrer Krone überzeugt ist und der die Evolution leugnet. Dieser &#8222;geniale&#8220; Schöpfer dieses „genialen“ Textes schafft es ja auch, so viele Frauen hinters Licht zu führen.<br />
Und wenn es doch nicht ein Mann war, der das schrieb, so dachte ich mir, dann muss es eine sehr kooperative Frau gewesen sein.</p>
<h2 id="giftiges-lob">Giftiges Lob</h2>
<p>Aber das ist bei weitem noch nicht alles, die Details sind perfide versteckt, und Jana ließ auch nicht locker, sie wollte ganz genau wissen, was ihr diese Übelkeit bereitet hat. Dann wurde ihr klar, dass der Text aussagt, dass wir in dieser Beschreibung nur FAST perfekt sind, und nur, wenn wir uns in dieser Beschreibung jetzt auch noch selbst als wertvoll betrachten würden, dann wären wir perfekt.<br />
Als sie das sagte, dachte ich sofort an die Dynamik von dem Lob, das im Text mitschwingt. Ich kenne eine psychologische Studie zur Wirkung von Lob, nach der Prüflinge gar nicht von dem öffentlich zelebrierten Lob für ihre sehr gute Leistung &#8222;profitierten&#8220;, sondern diejenigen, die noch gar kein Lob erhalten hatten. Sie begannen sich noch mehr anzustrengen, um ebenfalls eine sehr gute Note zu erzielen.<a href="#_ftn4" name="_ftnref4">[4]</a></p>
<p>Das bedeutet, dass wir nicht nur angespornt werden, uns wertzuschätzen, sondern auch dazu, immer so weiter zu machen, arbeiten bis zum Umfallen, damit wir überhaupt Wertschätzung verdienen. Da wird dem dummen Esel die Möhre an der Angel vorgehalten, damit er immer weiter geht. Aber es ist völlig unmöglich, all den Ansprüchen, die täglich an uns gerichtet werden, gerecht zu werden. Wir Frauen sind dabei besonders geneigt, das für unser persönliches Versagen zu halten, daher fällt es uns schwer, uns offen wertzuschätzen. Aber es ist in Wirklichkeit die Folge des patriarchalischen Systems. Im Text steht dafür Gott, der die Frau unperfekt gemacht hat. Aber trotz noch so großen Lobes, wir werden all die Aufgaben niemals alleine lösen können! Das hat einen Grund, der auch nicht mit der Bibel erklärt werden kann, von ihr aber geleugnet wird: Wir sind als Menschen nicht perfekt an das &#8222;Biotop&#8220;, besser den Überlebensraum Patriarchat angepasst, weil uns etwas anderes evolutionär angeboren ist: ein Leben in Matrifokalität, wo es keine Überforderung gibt. Wir haben nicht wegen Gott, sondern allein dank Mutter Natur zwei Hände, und die haben all die Jahrmillionen ausgereicht, weil wir in unserer mütterlichen Sippe nie alleine auf uns gestellt waren.</p>
<p>Das Lob, die Note, der Orden, die Bewertung, die Bestätigung ist die narzisstische Strategie des patriarchalen Systems, aber auch des einzelnen Patriarchen, mit dem er sich über die zu Lobenden erhebt und mit dem er zugleich sein Ziel, dass noch mehr für ihn gearbeitet wird, erreicht. Es &#8222;profitieren&#8220; weder die Gelobten, noch die, die dem Lob nacheifern, sondern das System, für das sie arbeiten sollen. Prestige und Lob ersetzen im patriarchalen Umfeld die innige, bedingungslose Liebe. Weil wir bei all den Erwartungen nie ganz perfekt sind, werden wir süchtig nach immer mehr Bestätigung. Die Abhängigkeit wird immer stärker und auch die Ausbeutung.<br />
Das Opfer des Narzissten lernt, es sei niemals wertvoll und richtig, so wie wir Frauen es seit Jahrtausenden eingeredet bekommen und nur dann einen Wert beigemessen bekommen, wenn wir dem männlichen Anspruch gerecht werden. Für „Liebe“ müssen wir immer etwas leisten, sie wird uns nicht bedingungslos zuteil.</p>
<p>Aber da ist noch viel, viel mehr in diesem Text und jetzt wird es richtig bösartig! Da ist nämlich tatsächlich gar kein Lob und keine Wertschätzung für uns! Das ist nur unsere Interpretation des Textes, weil wir es gerne so hätten, denn wir wertschätzen uns sehr wohl, aber nur im Unterbewusstsein. Es ist unsere Projektion. Da ist tatsächlich nur das Staunen des Engels und seine Bewunderung für Gott: &#8222;Herr, du bist ein Genie. Du hast an alles gedacht.&#8220; Deshalb funktioniert auch die Strategie des Lobes wie in der Studie erklärt.<br />
Der Text appelliert &#8222;an den Gott in uns&#8220;, der uns angeblich so geschaffen hat, dass wir gottgleich &#8222;das alles mit nur zwei Händen schaffen&#8220;. Aber anstatt die Wertschätzung nun auch einzufahren zu können, muss die Frau sich wie gelähmt damit zufrieden geben, dass Gott sie einheimst! Nicht der Gott in ihr resp. die Göttin, sondern ein außenstehender Gott wird <strong>gelobt für etwas, das die Frau selbst tut</strong>, er saugt das Lob einfach ab und wird sogar zum Genie erklärt. Er reißt sich die Wertschätzung, die ihr gehört, einfach unter den Nagel. Er verweigert ihr zudem jede Selbstwertschätzung, sie darf nicht ins Bewusstsein dringen, er hat ihr ja diesen Fehler selbst eingebaut. Im Text lässt Gott sich als Genie feiern, er wird tatsächlich für seine Manipulationskünste gefeiert. Natürlich verweigert er der Frau seine Wertschätzung, er verachtet sie, auch weil sie nicht bemerkt, wie sie manipuliert wird! Sie kann es ja auch nicht, er hat sie so gemacht. Im gleichen Moment erdreistet sich dieser Zyniker resp. der zynische Verfasser, die Frau dafür zu kritisieren, nämlich, dass sie sich nicht selbst wertschätze! Das ist eine klassische Täter-Opfer-Umkehr!</p>
<p>Jana fühlte sich an dieser Stelle des Textes &#8222;aufs Schwerste missbraucht und ungerecht behandelt, weil über mich als Frau gesprochen wird wie über eine Maschine. Es ist nicht ein einziges Mal davon die Rede, was ICH will.&#8220;<a href="#_ftn5" name="_ftnref5">[5]</a> In der Tat, allein SEIN Wille geschieht. Sie arbeitet nicht für sich selbst, sondern nur für andere. Sie ist SEIN Projekt, ihr wird keine Zeit für eigene Projekte eingeräumt. Er ist das Subjekt, sie ist das Objekt, und das wird auch noch geheiligt.<br />
Jana hatte den Text von Anfang an dahingehend interpretiert, dass die Frau von Gott zwar so gebaut ist, sich so &#8222;von Natur aus&#8220; zu VERHALTEN, sich DAFÜR aber nicht wertschätzt &#8211; wie &#8222;Gott&#8220; es gerne hätte. Dazu hat Jana die weitsichtige Frage gestellt, ob es nicht der Traum des Patriarchats wäre, wenn wir Frauen uns auf dem für uns &#8222;vorgesehenen&#8220; Platz auch noch als vollwertig betrachten würden. Da kann ich nur beipflichten, denn die Erfüllung dieses Traumes wäre ja das Ende des Widerstandes gegen das Patriarchat. Wahrscheinlich hätte in diesem Moment das Patriarchat erstmals in der Erdgeschichte Einzug in die Genetik gehalten. Und weil das immer ein Traum bleiben wird, weil die <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">Female choice</a> ein Prinzip ist, das über der Genetik einer Spezies steht, gehen Männer nun einen anderen Weg, den ihnen Medizin und Technik ermöglichen. Sie machen sich von der Frau unabhängig, indem sie sich zur Frau erklären und sich Kinder über Leihmütter oder in naher Zukunft auch mit der sog. Künstlichen Gebärmutter beschaffen.</p>
<p>Jana findet, dass der Text einen Interpretationsspielraum offenlässt: &#8222;dass die Frau sich zwar nicht für das wertschätzt, wofür &#8218;Gott&#8216; sie gemacht hat, sich aber durchaus für etwas anderes wertschätzt &#8211; z.B. für das, was sie IST&#8220;<a href="#_ftn6" name="_ftnref6">[6]</a> &#8211; das ist übrigens das, was ich damit meine, dass sie sich unterbewusst sehr wohl wertschätzt – sie ergibt sich zwar in ihr &#8218;Schicksal&#8216; &#8211; es bleibt ihr ja auch fast nichts anderes übrig -, kann darin aber nichts Wertvolles für sich erkennen. Daher findet Jana auch, dass der Text exakt die Situation beschreibt, in der die meisten Frauen sich befinden und wie sie sich fühlen, und sie beklagt die falsche Reaktion auf das falsche Programm: &#8222;Doch anstatt für eine Veränderung der Umstände zu plädieren, wird die Lösung darin gesehen, wie schön es doch wäre, wenn die Frau sich für DAS einfach wertschätzen könnte. Und damit läge in diesem Text die innere Haltung der Frau nicht in der Macht Gottes.&#8220;<a href="#_ftn7" name="_ftnref7">[7]</a> Sie resümiert: &#8222;&#8218;Etwas&#8216; in uns Frauen ist stärker als &#8218;Gott&#8216;!&#8220;<a href="#_ftn8" name="_ftnref8">[8]</a><br />
Ich tue mich zwar mit Gottesvergleichen schwer, aber dass wir Frauen das starke Geschlecht sind, daran habe auch ich keine Zweifel, denn wir beweisen, dass wir den Laden am Laufen halten, obwohl alles so organisiert ist, dass wir sehr leiden. Aber auch wir haben das Recht, dass wir uns rund um wohl fühlen. Daher müssen wir selbst begreifen, wie wir manipuliert werden. Es reicht überhaupt nicht, dass wir uns einfach nur wertschätzen!</p>
<p>Jana erzählte mir dann von einem Modell zur Traumaheilung, mit der sie sich beruflich auch beschäftigt: “Im Wesentlichen trifft der Text, was bei Menschen mit Traumatisierungen in den Kernbedürfnissen ‚Einstimmung&#8216; und ‚Unabhängigkeit/Autonomie&#8216; als ‚auf Stolz basierenden Gegenidentifikationen&#8216; zum Ausdruck kommt. Diese Gegenidentifikationen haben wir wie eine zweite Haut über unsere &#8218;auf Scham basierenden Identifikationen&#8216; übergestülpt, damit wir nicht mehr spüren und fühlen müssen, wie es uns eigentlich geht und was uns am meisten Angst macht.“<a href="#_ftn9" name="_ftnref9">[9]</a><br />
Mit dem Bedürfnis ‚Einstimmung’ sei im sog. Neuroaffektiven Beziehungsmodell (&#8222;NARM&#8220;) zur Traumaheilung des Psychologen Laurence Heller<a href="#_ftn10" name="_ftnref10">[10]</a> gemeint, &#8222;dass unsere Bedürfnisse ausreichend erfüllt werden, weil unser Umfeld in der Lage ist, diese zu erkennen, sich auf sie einzustimmen und entsprechend zu handeln.&#8220;<a href="#_ftn11" name="_ftnref11">[11]</a><br />
Wäre dies in den ersten 18 Monaten unseres Lebens nicht der Fall (aus welchen Gründen auch immer &#8211; das müsse nicht zwingend mit Gewalt oder Drama zusammenhängen), entwickelten wir der Theorie zufolge Strategien, die uns das Überleben und die Bindung an die für uns zuständigen Bezugsperson(en) sichere. Diese sähe bei einer Traumatisierung in der Einstimmung folgendermaßen aus<a href="#_ftn12" name="_ftnref12">[12]</a>: &#8222;Wir haben den Zugang &#8218;zur Wahrnehmung und Äußerung unserer persönlichen Bedürfnisse&#8216;<a href="#_ftn13" name="_ftnref13">[13]</a> versperrt. Damit die Bindung zu unseren Bezugspersonen bestehen blieb, gaben wir &#8218;unsere eigenen Bedürfnisse auf, um (uns) nach den Bedürfnissen anderer zu richten, vor allem denen (unserer) Eltern.&#8216;<a href="#_ftn14" name="_ftnref14">[14]</a>&#8222;<a href="#_ftn15" name="_ftnref15">[15]</a><br />
Die Kernangst von Menschen mit Einstimmungs-Schwierigkeiten laute<a href="#_ftn16" name="_ftnref16">[16]</a>: &#8222;&#8218;Wenn ich meine Bedürfnisse äußere, werde ich zurückgewiesen und verlassen.&#8216;<a href="#_ftn17" name="_ftnref17">[17]</a>&#8222;<a href="#_ftn18" name="_ftnref18">[18]</a><br />
Diese Menschen würden sich dafür schämen, etwas zu brauchen. Sie hätten die Schlussfolgerung gezogen, dass es &#8218;falsch&#8216; sei, etwas zu brauchen.<br />
Sie würden sich abgrundtief dafür schämen, Bedürfnisse zu haben (&#8218;Auf Scham basierende Identifikation&#8216;).<a href="#_ftn19" name="_ftnref19">[19]</a>:<br />
&#8222;Weil wir den stechenden Schmerz dieser Scham verständlicherweise nicht spüren wollen (und auch niemand da ist, der uns durch dieses Gefühl hindurchbegleiten könnte), entwickeln wir eine auf Stolz basierende Gegenidentifikation, die sich darin zeigt, dass wir niemanden zu brauchen scheinen:</p>
<ul id="liste4">
<li>Wir sind mächtig stolz darauf, die starke Schulter zu sein, die für alle da ist.</li>
<li>Wir sind mächtig stolz darauf, diejenigen zu sein, die geben.</li>
<li>Wir sind mächtig stolz darauf, gebraucht zu werden und selbst niemanden zu brauchen.</li>
</ul>
<p>Bei einer Traumatisierung im Kernbedürfnis &#8218;Autonomie und Unabhängigkeit&#8216; haben wir den Zugang &#8218;zu einem authentischen Selbstausdruck&#8216;<a href="#_ftn20" name="_ftnref20">[20]</a> versperrt und reagieren &#8218;mit dem, was andere zu erwarten scheinen.&#8216;<a href="#_ftn21" name="_ftnref21">[21]</a> Damit die Bindung zu unseren Bezugspersonen bestehen blieb, gaben wir ‚die direkten Ausdrucksformen unserer eigenen Unabhängigkeit auf, um (uns) nicht verlassen oder erdrückt zu fühlen’.<a href="#_ftn22" name="_ftnref22">[22]</a>&#8222;<a href="#_ftn23" name="_ftnref23">[23]</a></p>
<p>Die Kernangst von Menschen mit Unabhängigkeit und Autonomie-Schwierigkeiten laute<a href="#_ftn24" name="_ftnref24">[24]</a>:<br />
&#8222;&#8218;Wenn mich die Leute wirklich kennen würden, würden sie mich nicht mögen.&#8216;<a href="#_ftn25" name="_ftnref25">[25]</a> Diese Menschen schämen sich dafür, so zu sein, wie sie sind. Sie haben die Schlussfolgerung gezogen, dass sie ‚falsch‘ sind (auf Scham basierende Identifikation).<br />
Eine auf Stolz basierende Gegenidentifikation zeigt sich darin, dass wir unglaublich stolz darauf sind, wieviel wir tragen und aushalten können. Wie im Text: &#8218;Sie muss in der Lage sein, sich um mehrere Kinder gleichzeitig zu kümmern. Ihre Umarmung muss alles heilen können, von einem verletzten Knie bis zu einem gebrochenen Herzen. Sie muss das alles mit nur zwei Händen machen und hält durch, wenn sie krank ist und kann 18 Stunden am Tag arbeiten.'&#8220;<a href="#_ftn26" name="_ftnref26">[26]</a></p>
<p>Weitere Merkmale der auf Stolz basierenden Gegenidentifizierung bei dieser Traumatisierung seien<a href="#_ftn27" name="_ftnref27">[27]</a>:<br />
“Wir leiden am &#8218;<em>good girl</em>&#8218;-Komplex, sind immer &#8217;nett, liebenswürdig und gefügig&#8216;<a href="#_ftn28" name="_ftnref28">[28]</a>. Groll spielt sich nur in unserem Inneren ab und wir würden diesen Groll NIEMALS einem anderen Menschen direkt gegenüber äußern. Wir haben eine furchtbare &#8218;Angst, andere zu enttäuschen&#8216;<a href="#_ftn29" name="_ftnref29">[29]</a>. Wie im Text: &#8218;Sie lächelt, wenn sie schreien möchte. Sie singt, wenn sie weinen möchte, (&#8230;) lacht, wenn sie Angst hat.'&#8220;<a href="#_ftn30" name="_ftnref30">[309]</a><br />
Auswirkungen in einer Beeinträchtigung dieses Kernausdrucks zeige sich durch Folgendes<a href="#_ftn31" name="_ftnref31">[31]</a>: &#8220;</p>
<ul id="liste4">
<li>Wir können nicht NEIN sagen. Wir können keine Grenzen setzen.</li>
<li>Wir quetschen unser eigenes Leben immer zwischen das der anderen, gehen dem, was uns wirklich am Herzen liegt, heimlich nach, aus Angst, es könnte uns von jemandem genommen werden.</li>
<li>Wir haben panische Angst davor, zu wachsen und uns (energetisch) auszudehnen.&#8220;<a href="#_ftn32" name="_ftnref32">[32]</a></li>
</ul>
<p>Diese, Janas Ausführungen lösten bei mir einen Aha-Effekt aus in Bezug auf das <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kollektive Stockholm-Syndrom</a> (nach Stephanie Gogolin). Das sog. NARM-Modell erklärt gut, was mit den Menschen konkret passierte und heute immer noch aufs Neue passiert, nachdem sich das Stockholm-Syndrom durch Ur-Traumatisierung tradiert, also allgemein verinnerlicht hatte, &#8222;kollektiv&#8220; wurde. Das erste Opfer des Patriarchats, sozusagen das Ur-Opfer, war noch kein von Beginn an traumatisiertes Kind, sondern eine (wahrscheinlich fast) erwachsene Frau, die in einer matrifokalen Sippe aufgewachsen war, also auch nicht nur in den ersten 18 Monaten all das bekommen hatte, was zu einer liebevollen Bindung in der Sippe dazugehörte. Erst durch die Überforderung des Ur-Opfers, dieser Frau, ist dann der im Modell beschriebene Effekt eingetreten, nämlich, dass sie als allererste patriarchalisierte Mutter ihren eigenen Kindern nicht mehr das geben konnte, was sie einst selbst noch mitbekommen hatte. Wahrscheinlich war sie nicht stolz, sondern einfach nur froh, dass sie es überhaupt irgendwie hingekriegt hat, denn sie wusste ja noch ganz genau, was ihr fehlte. In der Folge wurden die Kinder und Kindeskinder immer wieder aufs Neue traumatisiert, wobei auch die Entführungssituation in Form der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Patrilokalit%C3%A4t" target="_blank" rel="noopener">Patrilokalität</a> erhalten blieb. Wir wissen heute nicht mehr, wie leicht es sein könnte, wir können uns nur noch mit denen vergleichen, die noch weniger Unterstützung haben oder denen, die &#8222;privilegiert&#8220; sind (Goldener Käfig).</p>
<p>Geiseln &#8211; sagen wir bei einem Banküberfall &#8211; haben Todesangst, entwickeln nach längerer Zeit aber Sympathie oder sogar Liebe für den Täter (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom" target="_blank" rel="noopener">Stockholm-Syndrom</a>). Erst dann beginnen sie zu kooperieren, ohne noch ihre Erpressung zum Stillhalten wahrzunehmen. Wenn der Täter dann ein positives Feedback gibt, z.B. Mitleid zeigt, lobt oder gar sich verliebt (<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Stockholm_syndrome#Lima_syndrome" target="_blank" rel="noopener">Lima-Syndrom</a>) &#8211; weil er beginnt, unter seiner selbstgemachten Überforderung zu leiden -, beginnt das Opfer zu glauben, alles richtig zu machen und davonzukommen; die Strategie des Opfers geht sozusagen auf, was es natürlich als solche nicht einmal erkennen muss. Das Opfer kann sich dessen aber nicht sicher sein, weil der Täter weiter eine Waffe in der Tasche hat. Die Sache beginnt daher, sich spiralförmig zu verselbstständigen. Irgendwann, wenn Liebe zum Täter ins Spiel kommt, kann sich auch Stolz entwickeln. Das Opfer ist stolz, alles richtig zu machen, es ist sogar stolz auf den Mut und &#8222;Ruhm&#8220; des Täters, der vielleicht irgendwann, so beginnt es zu glauben, auf das Opfer abfärbt.</p>
<p>Wir können hier sehen, dass und wie Stolz erst vom Patriarchat erzeugt wird. Es ist ein ganz eigenartig degeneriertes Gefühl von Freude und Erleichterung, es ist gemischt, oder sagen wir &#8222;toxisch verrührt&#8220;, mit vermeintlich besiegter Existenzangst. Es ist eine Form von Missbrauch. Wenn es dann heißt: &#8222;Darauf kannst Du stolz sein&#8220;, sollten unsere Alarmglocken zu läuten beginnen.<br />
Die sog. &#8222;auf Stolz basierende Gegenidentifikation&#8220; trifft in unserem Beispiel auch die Polizei NRW mit voller Wucht. In ihrem Stolz ist sie unfähig nach dem wahren Namen der Verfasserin zu fahnden, obwohl auch da schon spürbar ist, dass der Text nicht echt sein kann. Die Wahrheit wäre zu ernüchternd.</p>
<p>Die mentale Arbeit, die die Geisel leistet, ist Schwerstarbeit, die völlig allein zu erledigen ist. Sie muss alles, was einmal galt, über den Haufen werfen, die Wahrheit, die Selbstachtung und ihre Menschenrechte. Im patriarchalen Alltag kommt diese mentale Arbeit zur Alltagsarbeit noch hinzu. Da wir alle bis heute in jeder Generation schon bei der Geburt aus unserer Ursprungssippe gerissen werden und in der überforderten Familie aufwachsen müssen, haben wir die 18 Monate gar nicht, in denen unsere Bedürfnisse voll umfänglich gestillt werden könnten. Diese Frist empfinde ich mit meiner Erfahrung als Mutter und mit meinem Wissen als Patriarchatsforscherin auch als willkürlich, da wir von Natur aus lebenslang Menschenkinder bleiben und in unserer Sippe verbleiben würden. Heller/LaPierre erliegen hier m. E. der patriarchalen Norm, nach der die patriarchale Schonfrist einer jungen Mutter spätestens nach 18 Monaten abläuft. In der Realität hat eine Mutter aber keinerlei Schonfrist. Mindestens muss sie sofort nach der Geburt wieder einen flachen, sexy Bauch haben und ihre <em>Fuckability</em><a href="#_ftn33" name="_ftnref33">[33]</a> erneuern.<br />
Auch noch als Erwachsene, ob Frau oder Mann, erleiden wir immer neue Traumatisierung durch Lieblosigkeit und mangelnde Unterstützung, ein Umstand, den das Modell, das sich lediglich mit Entwicklungstraumen befasst, nicht abdeckt<a href="#_ftn34" name="_ftnref34">[34]</a>, der aber mit dem Kollektiven Stockholm-Syndrom seine Erklärung findet. Sind wir vielleicht gerade dabei, das eine Trauma halbwegs wegzustecken, passiert schon das nächste. Diese Kette an Traumatisierungen ist sozusagen die Waffe, die der Täter immer wieder zückt, ohne abzudrücken. Das ist der Motor der Spirale aus der Sucht nach Anerkennung und der Überforderung.</p>
<p>Im Text &#8222;Frau&#8220; wird auch noch unsere Fähigkeit nachzudenken infrage gestellt, uns, die wir als erste Opfer des Patriarchats mental und körperlich unentwegt am meisten und noch dazu unentgeltlich zu arbeiten haben. Dies passiert, indem der &#8222;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_den_physiologischen_Schwachsinn_des_Weibes" target="_blank" rel="noopener">physiologische Schwachsinn des Weibes</a>&#8220; als Mythos reproduziert wird, eine unfassbare Frechheit: Während der Engel nun bei allen Berufsgruppen nach ihrer Denkfähigkeit fragt, fragt er, ob die Frau &#8222;nachdenken&#8220; kann. Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Bei der Frau zweifelt der mutmaßliche Verfasser resp. der Engel nämlich konkret daran, dass sie logisch und in Konsequenzen denken kann, während dies bei den Berufsgruppen vorausgesetzt ist, und nur grundsätzlich nachgefragt wird, ob es sich quasi nicht um einen ferngesteuerten Roboter handelt, also ganz getreu dem literarischen Konzept des Produktdesigns. Bejubeln wir nun die vermeintliche Wertschätzung unserer Leistung, werden wir endgültig vorgeführt und dafür verhöhnt, dass wir nicht in der Lage sind, logisch zu denken und zu erkennen, wie bösartig der Text eigentlich ist, eine doppelte Verhöhnung.<br />
Im gleichen Moment dieser mentalen Übergriffigkeit kommt es auch zu der sexuellen Übergriffigkeit: Bei den Varianten &#8222;Rettungssanitäter&#8220; und &#8222;Rettungsassistenten&#8220; berührte der Engel Gott, um ihn fürsorglich zum Ausruhen aufzufordern. Alle Berufsgruppen berührte der Engel mit dem Finger, aber um die Flüssigkeit zu prüfen. Nicht so bei der Frau, die der Engel gleich zweimal anfasst, um festzustellen, wie weich sie sei und wie nass sie ist. Wir dürfen uns einen lüstern und fies grinsenden Engel mit einem Messer in der Tasche vorstellen, wie er um die Frau abschätzig herumgeht, sie ungefragt betatscht, sie aber unfähig ist, sich dagegen zu wehren, ihm vielleicht noch starr vor Angst und Wut mit den Augen folgt.</p>
<p>Wenn wir diesen giftigen Text als Wertschätzung schlucken, beweisen wir tatsächlich die Unfähigkeit uns selbst wertzuschätzen, ganz wie in der letzten Zeile. Wir werden vorgeführt und die Parasiten haben gewonnen: Der Engel hat seinen Spaß, Gott hat seinen Spaß, der Verfasser hat seinen Spaß und so mancher Leser. Wir haben alles über uns ergehen lassen. Wir sind verraten, verkauft, ausgebeutet, verhöhnt und verachtet.</p>
<p>Dabei brauchen wir gar keine Wertschätzung von den Männern, weil wir wertvoll SIND. Auch das ist uns angeboren, denn nur weil wir geliebt wurden, sind wir immer noch am Leben, und nur wir FRAUEN können Leben geben. Die Verachtung ist der pure Neid um unsere Fähigkeit.<br />
Aber es gibt auch eine Ironie in dieser Geschichte: Männer, die Geschichten schreiben, in denen fehlerfreie Männer uns absichtlich Fehler einbauen, verraten sich. Genau das tut das Patriarchat, die Herrschaft der Väter, nämlich seit seinen Anfängen. Dadurch, dass wir nicht unser angeborenes matrifokales Sozialverhalten leben dürfen, Männer wie Frauen, reagieren wir mit Krankheit und machen ungewollt schon unsere Kinder und mitunter schamlos unsere Mitmenschen krank.</p>
<p>Die Liebe, die uns von Natur aus in der Sippe freigiebig zuteil würde, weil wir SIND, wird uns Frauen im Patriarchat schon als kleines Mädchen entzogen, wenn wir die Kindheit überhaupt überleben. Wir befinden uns daher in permanenter Überlebensangst, fast wie die Geisel in der Bank. Bald fühlen wir uns tatsächlich wertlos und tun alles dafür, dass die Lieblosigkeit aufhört, interpretieren in jeden trockenen Brosamen, der uns vorgeworfen wird, ein fürstliches Mahl hinein und dienen bis zum Umfallen.<br />
Nicht ein Bankraub, sondern allein bedingungslose, verlässliche, Unterstützung bereichert nachhaltig, und nicht einfach &#8222;Lieben&#8220; oder Wohltätigkeit. Aber wer hilft, bekommt immer auch ein gutes Gefühl zurück und kann tatsächlich auch selbst solche Unterstützung erwarten. Das ist der uns allen angeborene sog. egoistische Altruismus<a href="#_ftn35" name="_ftnref35">[35]</a>, den zu leben wir uns verkneifen, weil wir längst überfordert sind. So werden Opfer zu Tätern, mindestens wegen unterlassener Hilfeleistung. Es gehört daher zum System, dass die Lieblosigkeit nicht aufhört. Es tut nur manchmal so, indem es lobt. Wir brauchen aber kein Lob, es ist Gift. Wir brauchen, dass alles so ist, dass wir uns gut fühlen können und unserem Sein Ausdruck verleihen können.<br />
Das Patriarchat ist dagegen vollkommen eigennützig, nichts geschieht ohne Hintergedanken. Hauptsache ist in der Tat das Wohl des Mannes, alles andere ist zweitrangig. Die Frau darf sich nur wohlfühlen, wenn daraus auch ein Vorteil für den Patriarchen erwächst. Daher baut Gott sich in der Bibel eine Frau, damit er nicht &#8222;alleine sei&#8220;, sprich, damit er die wesentliche Arbeit nicht selbst machen muss und sich an ihr ergötzen kann.</p>
<h2 id="der-fund-des-originals">Der Fund des Originals</h2>
<p>Um dem Ding an die Wurzel zu gehen, man nennt das übrigens auch Radikalität, machte ich mich auf die Suche nach dem mutmaßlichen Urheber, wohlbemerkt, wir beide kannten zu Beginn nur die Variante &#8222;Frau&#8220;. Ich fand zunächst stattdessen die vielen anderen Varianten dieses Textes, und auf der Suche nach der ältesten schließlich auch das PDF mit dem Text für die Polizei, VON der Polizei veröffentlicht. In der Suchmaschine meiner Wahl fand ich endlich einen Eintrag, wonach der Text auf die amerikanische Autorin ERMA BOMBECK zurückgehe und in ihrem Buch &#8222;Vier Hände und ein Herz voll Liebe (1976)&#8220; abgedruckt sei. Also eine Frau? Ich war perplex! Bei Wikipedia fand ich die Information, dass Erma Bombeck eine Hausfrau gewesen sei, die mit &#8222;humorvollen Büchern und Zeitungskolumnen große Popularität erreicht&#8220; hätte. Also eine brave, amerikanische Hausfrau, nicht durch Feminismus aufgefallen?<br />
Weit gefehlt! Wir müssen nur woanders nachsehen: Bei fembio.org gibt es eine Biographie, geschrieben von der großartigen Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch. Demnach war Erma Bombeck zwar zwischenzeitlich Hausfrau, aber sie wollte mit ihren Texten nicht das Herz anrühren oder einfach zum Lachen bringen, sondern ihre Texte waren echte Patriarchatskritik! Mit &#8222;beißendem Sarkasmus&#8220; blickte sie auf die Lebenswelt der Frauen, und ihre Kritik an Gatten und Kindern konnte &#8222;ätzend&#8220; sein. Luise Pusch trug auch einige Zitate zusammen, aus denen hervor geht, dass die gläubige Katholikin durchaus subtile und &#8222;blasphemische&#8220; Religionskritik übte: &#8222;God created man, but I could do better.&#8220;<a href="#_ftn36" name="_ftnref36">[36]</a><br />
Auf der Website der Erma Bombeck Collection<a href="#_ftn37" name="_ftnref37">[37]</a>, die übrigens das Copyright an allen ihren Texten hält (!), erfahren wir, dass sie 1949 einen Abschluss in Englisch an der katholischen University of Dayton erworben hatte und schließlich auch den Doktorgrad erreichte. Als Dozentin machte sie sich ebenfalls einen Namen. Am 22. April 2021 war ihr 25. Todestag, die 70jährige Schutzfrist für UrheberInnen läuft damit erst in 45 Jahren ab.</p>
<p>Das ist natürlich ein Paukenschlag: Eine schwere Urheberrechtsverletzung, legitimiert durch die Polizei NRW und zahllose immer schlechtere Plagiate &#8222;unbekannter VerfasserInnen&#8220;. Und es scheint meist völlig unnötig, die wahre Autorin zu nennen, wenn in seltenen Fällen doch, dann in dreister Weise „nach Erma Bombeck“ oder gar falsch geschrieben! Als ich Jana das berichtete, beschaffte sie sofort das Ebook, in dem der Text in deutscher Sprache nachzulesen ist. Er erschien ursprünglich im amerikanischen Original als Kolumne einer Zeitung, und zwar am Muttertag 1977. Der amerikanische Verlag vermarktet diesen Text übrigens als &#8222;Hommage an die Mütter&#8220;! Auf der Website einer Schweizer Kirchengemeinde erfahren wir, dass der Text mit dem Ende &#8222;die Träne, die Träne ist das Überlaufventil!&#8220; als &#8222;<a href="http://www.ref-eichberg-oberriet.ch/joomla/2017-05-15%20Predigt%20und%20Beispielgeschichte.pdf" target="_blank" rel="noopener">Muttertagsgeschichte von Erna Brombeck</a>&#8220; [sic!] in einer Predigt verlesen wurde. Da hat ein Pfarrer also seine exegetischen Hausaufgaben nicht gemacht!</p>
<p>Nun erst wurde das ganze, riesige Ausmaß der Fälschung deutlich. Der Text wurde regelrecht vergewaltigt. Es geht nämlich in Wahrheit um die MUTTER und die Aussage ist eine völlig andere:</p>
<blockquote><p>&#8222;<strong>ALS DER LIEBE GOTT DIE MUTTER SCHUF</strong></p>
<p>Als der liebe Gott die Mutter schuf, machte er bereits den sechsten Tag Überstunden.<br />
Da erschien der Engel und sagte: &#8218;Herr, Ihr bastelt aber lange an dieser Figur.&#8216;<br />
Der liebe Gott sprach: &#8218;Hast du die speziellen Wünsche auf der Bestellung gelesen?</p>
<ul id="liste4">
<li>Sie soll vollwaschbar, darf aber nicht aus Plastik sein;</li>
<li>sie soll 160 bewegliche austauschbare Teile haben;</li>
<li>sie soll von Essensresten und schwarzem Kaffee leben können;</li>
<li>sie soll einen Schoß haben, den man nicht mehr sieht, wenn sie aufsteht;</li>
<li>ihr Kuß soll alles heilen, vom Beinbruch bis zum Liebeskummer;</li>
<li>sie soll sechs Paar Hände haben.&#8216;</li>
</ul>
<p>Da schüttelte der Engel verwundert den Kopf und sagte: &#8218;Sechs Paar Hände? Das wird kaum zu machen sein, oder?&#8216;<br />
&#8218;Die Hände machen mir kein Kopfzerbrechen&#8216;, sagte der liebe Gott. &#8218;Aber die drei Paar Augen, die eine Mutter haben muß!&#8216;<br />
&#8218;Gehören die denn zum Standardmodell?&#8216; fragte der Engel.<br />
Der liebe Gott nickte.<br />
&#8218;Ein Paar, das durch geschlossene Türen blickt, während sie fragt: ›Was macht ihr Gören denn da drin?‹, obwohl sie es längst weiß.<br />
Ein zweites Paar im Hinterkopf, mit dem sie sieht, was sie nicht sehen soll, aber wissen muß.<br />
Und natürlich noch dieses Paar hier vorn, aus denen sie ein Kind ansehen kann, das sich unmöglich benimmt, und die sagen: &#8218;Ich verstehe dich und habe dich sehr lieb‹, ohne daß sie ein einziges Wort spricht.&#8216;<br />
&#8218;O Herr&#8216;, sagte der Engel und zupfte ihn leise am Ärmel. &#8218;Geht schlafen. Macht morgen weiter.&#8216;<br />
&#8218;Ich kann nicht&#8216;, sprach der liebe Gott, &#8218;denn ich bin nahe daran, etwas zu schaffen, das mir einigermaßen ähnelt.<br />
Ich habe bereits geschafft, daß sie sich selber heilt, wenn sie krank ist, daß sie eine sechsköpfige Familie mit einem Pfund Gehacktem satt bekommt und einen Neunjährigen dazu bewegen kann, sich unter die Dusche zu stellen.&#8216;</p>
<p>Der Engel ging langsam um das Modell der Mutter herum. &#8218;Zu weich&#8216;, seufzte er.<br />
&#8218;Aber zäh&#8216;, sagte der liebe Gott energisch. &#8218;Du glaubst gar nicht, was diese Mutter alles leisten und aushalten kann.&#8216;<br />
&#8218;Kann sie denken?&#8216;<br />
&#8218;Nicht nur denken, sondern sogar urteilen und Kompromisse schließen&#8216;, sagte der Schöpfer.<br />
Schließlich beugte sich der Engel vor und fuhr mit einem Finger über die Wange des Modells.<br />
&#8218;Da ist ein Leck&#8216;, sagte er. &#8218;Ich habe Euch ja gesagt, Ihr versucht, zu viel in dieses Modell hineinzupacken.&#8216;<br />
&#8218;Das ist kein Leck&#8216;, sagte der liebe Gott, &#8218;das ist eine Träne.&#8216;<br />
&#8218;Wofür ist die?&#8216;<br />
&#8218;Die fließt bei Freude, Trauer, Enttäuschung, Schmerz, Verlassenheit und Stolz.&#8216;<br />
&#8218;Ihr seid ein Genie&#8216;, sagte der Engel.<br />
Da blickte der liebe Gott traurig.<br />
&#8218;Die Träne&#8216;, sagte er, &#8218;ist nicht von mir.'&#8220;<a href="#_ftn38" name="_ftnref38">[38]</a></p></blockquote>
<p>Dieser Originaltext drückt mit dem, was über Erma Bombeck bekannt ist, keine Wertschätzung von wem auch immer aus, sondern ist beißende, sarkastische Kritik daran, was den Müttern &#8211; und nur den Müttern &#8211; aufgehalst wird, ohne dass ihnen geholfen wird und ohne, dass sie dafür entlohnt werden. Auch wenn der Text aus dem Neunzehnhundertsiebziger Jahren stammt, so zeigt doch die Statistik, dass sich daran bis heute wenig geändert hat und es den alleinerziehenden Müttern sogar noch schlechter geht. All die Herzchen in den Sozialen Medien am Plagiat &#8222;Frau&#8220; zeigen, wie groß das Ausmaß der Überlastung ist. Leider verwechseln all diese Frauen aber diese Form toxischer Männlichkeit mit Anerkennung.<br />
Der tiefgründige originale Schlusssatz &#8222;&#8218;Die Träne&#8216;, sagte er, &#8218;ist nicht von mir.'&#8220; ist die entscheidende Stelle, die dem ganzen Text erst seinen Sinn verleiht, aber er fehlt in allen von uns gefundenen Plagiaten. Welch eine unfassbare Dreistigkeit! Das Plagiat &#8222;Frau&#8220; endete mit:<br />
&#8222;Der Engel fragte: Also ist sie ein perfektes Wesen?<br />
Der Herr antwortete: Nein. Sie hat nur einen Nachteil<br />
&#8218;Sie vergisst oft, was sie wert ist&#8216;.&#8220;</p>
<p>Das sagt aus: Der Wert der Frau besteht in ihrer Arbeitsfähigkeit und <em>Fuckability</em>, sie ist nicht wertvoll aus sich selbst. Niemand hat es nötig, ihr Wertschätzung entgegenzubringen; wenn sie welche haben will, soll sie sich eben selbst wertschätzen. Ein Tritt in den Hintern.</p>
<p>Das Original &#8222;&#8218;Die Träne&#8216;, sagte er, &#8218;ist nicht von mir.'&#8220; sagt: Ihre Gefühle hat sie aus sich selbst und sie sind berechtigt, weil ihr Leben, das das Patriarchat ihr bereitet, eine Zumutung ist.<br />
Mit dem Wissen, das wir heute haben, sagt es uns auch, dass dieser Herr Gott gar keine Macht über die Mutter hat, er hat sie gar nicht selbst ersonnen. Er ist nur der schlechte Plagiator der Evolution. Und der Engel ist sein Mephistopheles.</p>
<p>Auch der sexuelle Übergriff aus dem Plagiat &#8222;Frau&#8220; ist im Original keiner. Dort streicht der Engel mit dem Finger über die Wange, um die Flüssigkeit zu prüfen. Es ist schlicht ein Warentest am Standardmodell, das in das literarische Konzept passt.<br />
Damit konnte Jana sich nun &#8222;der Interpretation des &#8218;Antatschens&#8216; zumindest öffnen&#8220;<a href="#_ftn39" name="_ftnref39">[39]</a>, weil der Engel die Frau &#8222;im Original nur 1x an der Wange berührt, während es im Frau-Text offen bleibt, wo er sie beim ersten Mal berührt, als er feststellt, sie sei zu weich.&#8220;<a href="#_ftn40" name="_ftnref40">[40]</a> Mit der Synopse wurde die Intention des Verfassers objektiv entlarvt. Da, wo er sich festhakt, wo er ausschmückt, da ist es ihm wichtig.</p>
<p>Dass die mutmaßliche Verfasserin des ersten Plagiats &#8222;Polizei&#8220; Bombecks Botschaft nicht begriffen hat, ist für die wahre Autorin tragisch bis verheerend. Diese humorige, &#8222;nette&#8220; Art, das Patriarchat zu kritisieren, hat offensichtlich nicht funktioniert, außer, dass sie sich gut verkaufen ließ, weil der Text allzu leicht missverstanden werden kann. Er nimmt vielleicht etwas Druck aus dem Kessel, aber verändern tut er nichts. Stattdessen gibt es immer wieder einen Backlash, der hier von den Plagiaten repräsentiert wird. Der ursprüngliche Sinn wird ins absolute Gegenteil verdreht. Er zielte einst auf die überlastete und unbezahlte Mutter, das unterste Glied der Gesellschaft und doch ihr wesentliches Standbein. Daraus machte der Verlag &#8222;eine Hommage an die Mütter&#8220; und die erste Plagiatorin ein Loblied auf die männliche dominierte Polizei (2000: 80% Männer<a href="#_ftn41" name="_ftnref41">[41]</a>), die, wenn auch nicht allzu hoch bezahlt, doch mit Beamtentum gut abgesichert und versorgt ist. In diesem Moment sind alle Dämme gebrochen und der Text wurde zum Freiwild. Alle Indizien sprechen dafür, dass der Text über die Frau von einem Mann geschrieben wurde, der am Ende den Triumph davongetragen hätte &#8230; wenn nicht eine Ballerina einen Würgereiz erlitten hätte.</p>
<p>Gabriele Uhlmann mit Jana Eva Ritzen, Braunschweig, August 2021</p>
<h2 id="anhang">Anhang Synopse</h2>
<p>Synopse siehe <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/08/synopse-bombeck-plagiate.pdf" target="_blank" rel="noopener">PDF</a></p>
<h2 id="update1">Anhang &#8222;Die eierlegende Wollmilchsau&#8220;, Update Oktober 2021</h2>
<p>Der Landbauernverband Schleswig-Holstein setzt auf seiner <a href="https://www.facebook.com/BauernverbandSchleswigHolstein/photos/a.329685690456055/4562232267201355/" target="_blank" rel="noopener">Facebock-Seite</a> dem Fall die Krone auf und führt uns die Viehzüchter-Mentalität des Patriarchats vor Augen. Die &#8222;eierlegende Wollmilchsau&#8220; ist zweifelos von der Textfamilie &#8222;inspiriert&#8220;. Siehe hier meine ausführliche Analyse im <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/10/eierlegende-wollmilchsau-bombeck-plagiate.pdf" target="_blank" rel="noopener">PDF als Anhang</a>.</p>
<h2 id="anmerkungen">Anmerkungen</h2>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Arbeitsgemeinschaft der Schwerbehindertenvertretungen Polizei NRW</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> <a href="https://www.agsv-polizei-nrw.de/app/download/5785416558/Als_Gott.pdf">https://www.agsv-polizei-nrw.de/app/download/5785416558/Als_Gott.pdf</a> abgerufen am 11.08.2021</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> Ein Lastenheft ist eine Auflistung aller Anforderungen bei der Entwicklung eines technischen Produktes.</p>
<p><a href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a> <a href="https://www.spektrum.de/news/wem-lob-wirklich-nutzt/1438800">https://www.spektrum.de/news/wem-lob-wirklich-nutzt/1438800</a> abgerufen am 11.08.2021</p>
<p><a href="#_ftnref5" name="_ftn5">[5]</a> Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref6" name="_ftn6">[6]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref7" name="_ftn7">[7]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref8" name="_ftn8">[8]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref9" name="_ftn9">[9]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref10" name="_ftn10">[10]</a> Heller, Laurence; LaPierre, Aline: Entwicklungstrauma heilen: Alte Überlebensstrategien lösen &#8211; Selbstregulierung und Beziehungsfähigkeit stärken &#8211; Das Neuroaffektive Beziehungsmodell zur Traumaheilung NARM. München 2013.</p>
<p><a href="#_ftnref11" name="_ftn11">[11]</a> Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref12" name="_ftn12">[12]</a> Paraphrasiert aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref13" name="_ftn13">[13]</a> Vgl. Heller/LaPierre 2013, S. 53</p>
<p><a href="#_ftnref14" name="_ftn14">[14]</a> Vgl. Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref15" name="_ftn15">[15]</a> Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref16" name="_ftn16">[16]</a> Paraphrasiert aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref17" name="_ftn17">[17]</a> Vgl. Heller/LaPierre 2013, S. 78</p>
<p><a href="#_ftnref18" name="_ftn18">[18]</a> Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref19" name="_ftn19">[19]</a> Paraphrasiert aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref20" name="_ftn20">[20]</a> Vgl. Heller/LaPierre 2013, S. 53 (s. FN 10)</p>
<p><a href="#_ftnref21" name="_ftn21">[21]</a> Vgl. ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref22" name="_ftn22">[22]</a> Vgl. ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref23" name="_ftn23">[23]</a> Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref24" name="_ftn24">[24]</a> Paraphrasiert aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref25" name="_ftn25">[25]</a> Vgl. Heller/LaPierre 2013, S. 108 (s. FN 10)</p>
<p><a href="#_ftnref26" name="_ftn26">[26]</a> Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref27" name="_ftn27">[27]</a> Paraphrasiert aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref28" name="_ftn28">[28]</a> Vgl. Heller/LaPierre 2013, S. 108 (s. FN 10)</p>
<p><a href="#_ftnref29" name="_ftn29">[29]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref30" name="_ftn30">[30]</a> Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref31" name="_ftn31">[31]</a> Paraphrasiert aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref32" name="_ftn32">[32]</a> Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref33" name="_ftn33">[33]</a> Das Wort <em>fuckability</em> bezeichnet auf derbe Weise die sexuelle Attraktivität einer Frau. Das Wort kam in den 2010er Jahren als Anglizismus auf, nachdem seit den 1990er Jahren Frauen, die sich dem männlichen sexuellen Diktat anpassen, als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/MILF_(Ausdruck)" target="_blank" rel="noopener">MILF</a> (engl. &#8222;Mother I&#8217;d Like to Fuck&#8220;) bezeichnet wurden.</p>
<p><a href="#_ftnref34" name="_ftn34">[34]</a> Die AutorInnen weisen daraufhin, dass Menschen mit einer sog. Kontakt-Überlebensstruktur unter einer &#8222;systematischen Dysregulation&#8220; und einem &#8222;eingeschränkten Resilienzspielraum&#8220; leiden, &#8222;was anfällig für spätere Traumen&#8220; mache (Vgl. Heller/LaPierre 2020, S. 59 und 164 ff). Die sog. Kontakt-Überlebensstruktur definiert die Folgen der ersten und ältesten Traumatisierung eines Kindes und passiert u.a., wenn das Weinen des Kindes dauerhaft nicht angemessen beantwortet wird.<br />
Hier besteht die Gefahr der Verharmlosung späterer Traumen, und es wird so getan, als gäbe es nichts, was sie verhindern könne. Die Resilienz wird m. E. zu oft als Allheilmittel gegen die patriarchale Überforderung beschworen. Alles sei nur eine Frage guter Erziehung, dann könne ein Mensch beinahe alles aushalten. Jedoch bei Dauerüberlastung wird jeder Mensch irgendwann krank, sei er noch so resilient ins Erwachsenenleben gestartet. Genau das passierte ja dem Ur-Opfer. Es liegt darin auch die große Gefahr, die Schuld für das Scheitern im Patriarchat der Mutter zu geben. So wird jedenfalls nur an den Symptomen herumgedoktert, statt die Ursache, nämlich die unnatürliche Institution der Familie und die zugehörige Isolation, also das Leben im Patriarchat, als krankmachend zu erkennén. Das NARM-Modell liefert gute Erklärungen und die NARM-Therapie kann Entwicklungstraumen möglicherweise tatsächlich lindern, aber eine dauerhafte Heilung, wie es der Buchtitel verspricht, ist im Patriarchat m. E. nicht möglich.<br />
Eine weitere Schwäche des Modells ist, dass bei der sog. &#8218;Liebe und Sexualität&#8216;-Überlebensstruktur&#8220; nicht die Sexuelle Selektion (<em><a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice">female choice</a></em>) berücksichtigt ist, nach der Liebe und Sexualität nicht so zusammenhängen, wie die AutorInnen es voraussetzen. Auch bezieht sich dieser von ihnen ausgemachte Typ einer Überlebensstruktur nicht auf die ersten 18 Lebensmonate, weshalb er einen auffälligen Fremdkörper im Modell darstellt. Insgesamt bedarf die Einbindung der dazugehörigen klinischen Bilder der sexuellen Verklemmung und der Hypersexualität in dieses Modell einer Überarbeitung, und sie sind meines Erachtens lediglich Symptome der &#8222;Kontakt-Überlebensstruktur&#8220;, der &#8222;Einstimmung-Überlebensstruktur&#8220;, der &#8222;Autonomie-Überlebensstruktur&#8220; und der &#8222;Vertrauen-Überlebensstruktur&#8220;, also aller anderen sog. Organisationsprinzipien, die dieses Modell kennzeichnen. Der Modellcharakter täuscht m.E. auch darüber hinweg, dass in jedem patriarchal lebenden Menschen alle genannten Überlebensstrukturen mehr oder weniger vorhanden sind, also in Mischung.</p>
<p><a href="#_ftnref35" name="_ftn35">[35]</a> Vgl. De Waal, Frans: Der Mensch, der Bonobo und die Zehn Gebote. Moral ist älter als Religion. Dt. Ausgabe Stuttgart 2015</p>
<p><a href="#_ftnref36" name="_ftn36">[36]</a> Vgl. <a href="https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/erma-bombeck/">https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/erma-bombeck/</a> abgerufen am 11.08.2021</p>
<p><a href="#_ftnref37" name="_ftn37">[37]</a> <a href="https://ermabombeckcollection.com/about/">https://ermabombeckcollection.com/about/</a> abgerufen am 11.08.2021</p>
<p><a href="#_ftnref38" name="_ftn38">[38]</a> Aus: Bombeck, Erma. Vier Hände und ein Herz voll Liebe (German Edition). Edel Elements. Ebook ohne Seitenzahlen. 1983 Englischer Original Titel: When God created Mothers. In einer Kolumne von 1977</p>
<p><a href="#_ftnref39" name="_ftn39">[39]</a> Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref40" name="_ftn40">[40]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref41" name="_ftn41">[41]</a> <a href="https://www.rnd.de/politik/statistik-polizei-verzeichnet-mehr-bewerbungen-frauenanteil-steigt-BM2MPT2QSOUFM7DWHRVUN3RHAY.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.rnd.de/politik/statistik-polizei-verzeichnet-mehr-bewerbungen-frauenanteil-steigt-BM2MPT2QSOUFM7DWHRVUN3RHAY.html</a> abgerufen am 11.08.2021</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/als-gott-die-giftmischer-schuf-eine-patriarchalisierung-durch-plagiat">Als Gott die Giftmischer schuf &#8211; eine Patriarchalisierung durch Plagiat</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Ein Akt tiefster Frauenverachtung. Der vorgeburtliche Missbrauch des He Jiankui und die Bewertung durch sog. Ethik-Experten</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/ein-akt-tiefster-frauenverachtung-der-vorgeburtliche-missbrauch-des-he-jiankui-und-die-bewertung-durch-sog-ethik-experten</link>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Dec 2018 17:13:12 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Nun ist es passiert, nicht unerwartet, aber unerwartet schnell. In der Tat, die Wirklichkeit des Patriarchats ist immer noch schlimmer, als es sich anständige Menschen ausdenken können. Crispr/Cas9, das Genom-Editier-Werkzeug,...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/ein-akt-tiefster-frauenverachtung-der-vorgeburtliche-missbrauch-des-he-jiankui-und-die-bewertung-durch-sog-ethik-experten">Ein Akt tiefster Frauenverachtung. Der vorgeburtliche Missbrauch des He Jiankui und die Bewertung durch sog. Ethik-Experten</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="http://vg01.met.vgwort.de/na/bd8cc9a4eeea4b06883b064f6313ab7a" alt="" width="1" height="1" /><strong>Nun ist es passiert, nicht unerwartet, aber unerwartet schnell. In der Tat, die Wirklichkeit des Patriarchats ist immer noch schlimmer, als es sich anständige Menschen ausdenken können. Crispr/Cas9, das Genom-Editier-Werkzeug, auch Gen-Schere genannt, wird im ersten Menschenversuch getestet. Schnipp/schnapp und schon war der Neue Mensch gebastelt, mit einem Gen, das gegen eine HIV-Infektion immun machen soll.</strong></p>
<p>Was das denn mit dem Patriarchat zu tun habe, höre ich es schon wieder rufen, man könne die Männer doch nicht für alles verantwortlich machen, da sind ja auch immer Frauen beteiligt! Ja, es waren leider zwei Frauen, die die Genschere erfanden, die französische Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier und die amerikanische Biochemikerin Jennifer Doudna. Sie sind auch nicht die ersten Frauen, die eine teuflische Technologie auf dem Weg brachten, ich erinnere hier nur an Marie Curie, die die Radioaktivität entdeckte, und Lise Meitner, die Entdeckerin der Kernspaltung.<br />
Die Entdeckung der Radioaktivität und der Gene waren unschuldige Anfänge, die Kernspaltung und die Gentechnik sind der Missbrauch, Missbrauch an Mutter Natur, in diesem Fall vertreten durch die zwei Zwillingsschwestern Nana und Lulu, um die es hier geht.<br />
Immer wieder stößt der Mensch an seine Grenzen. Dass der Mensch eine Fehlkonstruktion sei, weil er nicht zum System passt, hatten die patriarchal kontrollierte Wissenschaft und auch schon Frauen festgestellt, die sich ja zu allererst im Patriarchat entfremdet fühlen müssen. Deshalb kann nun unter dem Deckmantel der Gesundheitsfürsorge der Neue Mensch gezüchtet werden. Das Patriarchat macht sich jede noch so nüchterne Entdeckung zunutze, Mutter Natur nach seinem Bilde zu formen, jeder Ethik zum Trotze.</p>
<p>Der chinesische Biotechnologe He Jiankui von der Universität Schenzen, der den Missbrauch an den Zwillingsschwestern mit der Genschere durchgeführt hat, sagt: “Wenn ich es nicht tue, tut es jemand anderes.“<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a> Recht hat er, leider. Trotzdem gibt ihm das nicht das natürliche Recht, zu tun, was technisch möglich ist, schon gar nicht ohne die Einwilligung der Betroffenen. Schon die Frage, ob sich dafür jemand zur Verfügung stellt, ist ein unmoralisches Angebot.</p>
<blockquote><p>„Direkte Versuche am Menschen können nur als verrückt beschrieben werden“<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a>.</p></blockquote>
<p>Das unterschrieben 122 chinesische Forscher. „Die Genauigkeit des von He Jiankui genutzten Verfahrens der Genschere Crispr/Cas und dessen Wirkungsweise seien ein sehr kontroverses Thema unter Wissenschaftlern. ‚Aber die potenziellen Risiken und Schäden für die gesamte Menschheit, die durch einen ungerechtfertigten Einsatz des Verfahrens in der Zukunft entstehen können, sind unermesslich.&#8217;“<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a>, so gibt die FAZ deren Schreiben wieder.</p>
<p>“Die Versuche seien ein schwerer Schlag für die weltweite Reputation der chinesischen Wissenschaft’“<a href="#_ftn4" name="_ftnref4">[4]</a>, sorgen sich die Chinesen auch, was irgendwie nicht dazu passt und wobei wir aufmerken sollten!</p>
<p>Schon lange treibt auch die diversen Ethikkommissionen in der westlichen Welt ein wages Gefühl von Unrechtmäßigkeit an, die sie in der Wissenschaft ausmachen können.<br />
Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg meldet sich also zu Wort. Es handele sich „um unverantwortliche Menschenversuche“<a href="#_ftn5" name="_ftnref5">[5]</a>. Und weiter:</p>
<blockquote><p>„Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind solche Versuche und auch Ankündigungen auf Schärfste zu kritisieren“<a href="#_ftn6" name="_ftnref6">[6]</a> „Die Neben- und Spätfolgen sind noch unabsehbar und schwer zu kontrollieren.“<a href="#_ftn7" name="_ftnref7">[7]</a></p></blockquote>
<p>Das bedeutet ja nichts anderes, als dass es grundsätzlich verantwortlich und ethisch vertretbar sei, solche Menschenversuche zu machen, aber offenbar nicht so und nicht zu diesem Zeitpunkt: „Die Nachricht kommt einen Tag vor dem internationalen Gipfel zum ‚Human Genome Editing’, der am Dienstag an der Universität Hongkong stattfinden wird.“<a href="#_ftn8" name="_ftnref8">[8]</a> „Sollte es sich bewahrheiten, dass ein mithilfe von Crispr genmanipuliertes Baby erzeugt worden ist, wäre dies für die Wissenschaft ein Super-Gau. Dass ausgerechnet am Tag vor dem weltweiten Wissenschaftsgipfel in Hongkong, der über den verantwortlichen Umgang mit genome editing beim Menschen berät, ein solches Experiment bekannt wird, kann ja fast nur als Affront gegenüber dem Ansinnen verantwortlicher Wissenschaft gewertet werden.“<a href="#_ftn9" name="_ftnref9">[9]</a>, sagt Dabrock in der FAZ.</p>
<p>Das eigentliche Problem besteht für die Ethikkommission also darin, dass ein Chinese es gewagt hat, gegen das Ok der Herrschenden Lehre seine Visionen auszuleben, denn, wenn es eine regelmäßige Tagung zum „Human Genome Editing“ gibt, dann bedeutet das nichts anderes, als dass es schon lange gemacht wird und es nur eine Frage der Zeit ist, bis es schön geredet ist. Ein Machtverlust für gewisse Herren.</p>
<p>„’Ein unnötiger Skandal’“<a href="#_ftn10" name="_ftnref10">[10]</a>, so bringt das der Medizinethiker und Medizinjurist und Mitglied des Deutschen Ethikrates Jochen Taupitz auf den Punkt. Aber er meint:</p>
<blockquote><p>„Die Menschenexperimente in China könnten uns die Begründung für ein Verbot von Keimbahneingriffen unter den Füßen wegziehen. Die Rechtslage ist auch international unbefriedigend. Wir müssen reden.“<a href="#_ftn11" name="_ftnref11">[11]</a></p></blockquote>
<p><span id="more-1630"></span>Welchen unnötigen Skandal meint er also? Taupitz schreibt: „Diese Versuche halten schon aus rein medizinischer Sicht einer verantwortbaren Nutzen-Risiko-Abwägung nicht stand – selbst wenn sich im Nachhinein zeigen sollte, dass keine unbeabsichtigten Veränderungen an anderen Stellen des Erbguts herbeigeführt wurden.“<a href="#_ftn12" name="_ftnref12">[12]</a></p>
<p>Die Ethik verkommt offenbar zusehends zu einer Mathematik von Kosten und Nutzen und verrät damit ihre eigentliche Aufgabe, das ist für mich ein Skandal! Stimmt der Nutzen, dann wird &#8222;es&#8220; gemacht, auf Teufel komm raus. Doch wann ist der Nutzen höher als die Kosten? Wer bestimmt das? Offenbar ist der patriarchale Geist derart entstellt, dass auch jedes Expertentum in Bezug auf die Menschenwürde verloren gegangen ist. Und daher reden alle durcheinander und am Ende muss das Los entscheiden. Dabrock sagt: „Die Menschheit muss ein Mitspracherecht haben. Immerhin handelt es sich um einen Eingriff in die biologische Grundlage des Menschen.“<a href="#_ftn13" name="_ftnref13">[13]</a> „Eingriffe in die Keimbahn des Menschen beträfen nicht nur einen Einzelnen, sondern potentiell alle seine Nachkommen.“<a href="#_ftn14" name="_ftnref14">[14]</a></p>
<p>Es ist immer sehr gnädig, wenn die Herrschenden den Beherrschten ein Mitspracherecht einräumen, meist wenn sie mit ihrem Latein am Ende sind. Das bedeutet aber nicht, dass die Beherrschten es besser wüssten: die sechs Elternpaare, die ihre Gameten für diesen Menschenversuch zu Verfügung stellen, gehören dazu.<br />
Beherrschte sind weder autonom noch dürfen sie über sich selbst entscheiden. Das Ergebnis steht oft schon fest z.B. durch Tatsachenschaffung; Stuttgart21 ist dafür ein schönes Beispiel. Jede/r Einzelne muss sich dann dem Diktat der Meinung der Mehrheit beugen, wie fundiert diese auch immer ist, siehe Brexit.</p>
<p>Schon lange ist das Patriarchat Konsens, und die Leidenden melden sich manchmal auch zu Wort, was oft erheblichen Mutes bedarf, siehe #metoo. Aber leider sind dies nicht immer Worte radikaler Kritik, sondern oft nur Worte der Verständnisses für ihren Peiniger. Das Stockholm-Syndrom bezeichnet diese Solidarität und auch Kooperation mit dem Entführer. Aber es ist ja kein Einzeltäter auszumachen, der für alles verantwortlich ist.<br />
Es hat auch nicht die ganze Menschheit ein Mitspracherecht, sondern nur Auserwählte, die auf das zugrunde liegende Paradigma der Macht geschworen haben. Daher bleibt es beim Leid, bei heuchlerischen Sonntagsreden gegen das Leid, bei Charity, die das schlechte Gewissen beruhigt, oder bei wirkungsloser „Homöopathie“ gegen das Leid: Leid mit ähnlichem Leid bekämpfen, angeblich im Namen der Gesundheit.</p>
<p>Ich habe bei Facebook von Männern und Frauen gelesen, dass sie sich freuen würden, dass nun endlich etwas Wirksames gegen HIV gefunden sei, es sei doch gut für die Gesundheit. Sie halten He Jiankui für einen Wohltäter. Es gab auch schon wieder mehr als einen Shitstorm gegen KritikerInnen. Taupitz meint dagegen: „Eine Infektion mit dem HI-Virus ist heute sehr gut in den Griff zu bekommen: Warum also ein derart risikoreicher Eingriff in das Erbgut mit unabsehbaren Auswirkungen auch auf nachfolgende Generationen? Hier scheint allein der Wunsch chinesischer Wissenschaftler leitend gewesen zu sein, in die Schlagzeilen zu kommen – gleichgültig, um welchen moralischen Preis.“<a href="#_ftn15" name="_ftnref15">[15]</a></p>
<h2><span style="color: #ff0000;">Es ist angesichts des gerade wieder einmal aufkochenden Protests gegen Gewalt an Frauen, Mädchen und Kindern erschreckend, dass kein sog. Ethik-Experte und kein Journalist bemerkt, ja es völlig egal zu sein scheint, dass hier zwei Mädchen gequält werden!</span></h2>
<p>Wo bleibt der feministische Aufschrei? Mit Zustimmung der Eltern drang He Jiankui mit der Genschere in den entstehenden Körper der Mädchen ein, und wird damit zum Urvater aller ihrer künftigen HIV-immunen Kindeskinder werden. Für diese völlig neue Form des Sexualverbrechens gibt es noch keinen Namen.</p>
<p>Was soll nun aus diesen armen Mädchen werden, die schon vorgeburtlich einen Missbrauch erlebten? Sie haben das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben, aber wenn sie nicht schon vorher krank werden, würde jedenfalls ihre Sexualität unter Beobachtung der Medizin stehen. Da das Patriarchat Frauen noch nie ein freies, selbstbestimmtes Leben zugebilligt hat, juckt es offenbar niemanden. Nein, es ist weder biologisch noch intentionell ein Zufall, dass keine männlichen Zwillinge dafür benutzt wurden. Noch einmal: die Wirklichkeit ist immer noch schlimmer, als es sich anständige Menschen ausdenken können. Natürlich wird die Medizinethik nach der Salamitaktik in wenigen Jahren um weitere Scheiben urmenschlicher Moral beraubt worden sein. Es steht zu befürchten, dass die beiden Mädchen Nana und Lulu, wie sie nun heißen, ihre Sexualität nicht ohne Gewalt erleben, denn es muss ja nachgesehen werden, ob&#8217;s wirkt. Über weitere Gewaltanwendung, z.B. die Entnahme ihrer Eier, gelingt unkompliziert der Zugriff auf <strong>alle</strong> ihre Kinder bzw. auch die Verhinderung, dass Männer einst dieses Gen tragen werden, womit die Sache außer Kontrolle geriete.</p>
<p>Ja, warum eigentlich ausgerechnet HIV, wo es doch andere Sorgen gibt? Taupitz tappt im Dunkeln, und kann sich offenbar nicht vorstellen, dass immer alles noch schlimmer sein kann, als wir es uns vorstellen. Seine Vermutung ist keine Erklärung, denn mit jedem anderen Gen wäre der Menschenversuch genauso spektakulär gewesen und in die Schlagzeilen gekommen. Meine Befürchtung geht in Richtung „immer noch schlimmer“: HIV ist der Hauptgrund, warum Freier ein Kondom benutzen. Das keimfreie Bordell wäre noch spektakulärer als ein paar Menschen mit einem veränderten Gen! Besonders in China, wo durch die Einkind-Politik und den vorgeburtlichen Gynozid, zu viele Jungs geboren werden, ist das ein großer Antrieb.</p>
<p>Es geht hier jedenfalls nicht einfach um ein Gen und die Gesundheit, es geht um abgrundtiefe Misogynie. Was schon lange vor der Geburt der Mädchen außer Kraft gesetzt wurde, wie übrigens bei jeder reproduktionsmedizinischen Prozedur und auch in der patriarchal erzwungenen Monogamie, ist die Sexuelle Selektion der Evolution. Sie wird auch <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>female choice</em></a> genannt, weil es immer die Weibchen und Frauen sind, die die Auswahl treffen, ob und mit welchen Partnern sie Nachkommen haben. Schon Darwin hatte das entdeckt und wurde dafür abgestraft. Seine Entdeckung unterminierte das Dogma des Patriarchats und hätte den Frauen ihr Menschenrecht zurück gegeben, hätten die Patriarchen, die angeblich der Aufklärung verschrieben waren, nicht das <em>Survival of the Fittest</em> zum obersten Prinzip erhoben.</p>
<p>Mittlerweile gibt es viele Erkenntnisse, wie die <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>female choice</em></a> auch im Inneren des Körpers wirkt und welche überragende Bedeutung dem Organismus der Frau sowie auch dem Ei bei der Fortpflanzung zukommt. Mit der Entdeckung, dass der Mann „sein Kind“ nicht „zeugt“, es sich nicht um eine Befruchtung im wörtlichen Sinne handelt, und dass das Kind allein Fleisch und Blut der Mutter ist, kommen weder Wissenschaft noch PolitikerInnen bis heute zurecht.<a href="#_ftn16" name="_ftnref16">[16]</a> Die Ethik hat sich auf die Fahne geschrieben, dass das Vaterrecht ein Menschenrecht sei. Das Patriarchat baut auf der Ausbeutung des Körpers und der Arbeitskraft der Frau und Mutter auf. Die Rechte des Vaters am Kind, also das Vaterrecht, können nur deshalb von der Ethik hochgehalten werden, weil sie mit der Ausbeutung einverstanden ist.<br />
Die <em>female choice</em> kommt in der Ethik dagegen gar nicht vor und daher tappen Ethiker im Dunkeln, mit welchem Argument sie alle Mathematik von Kosten und Nutzen aushebeln können, wenn sie es denn überhaupt wollen. Der Ethik fehlt es schlicht an einem an die Wurzel des Übels gehenden Feminismus. Die Menschenwürde entspringt dem Leib der Mutter, dem Geburtsrecht jedes Kindes, der Vater hat damit nichts zu tun.</p>
<p>Das Patriarchat ist nicht natürlich, nicht vom Himmel gefallen und auch von keinem Gott installiert worden. Es ist weder heil/ig noch ein zu schützendes Kulturgut. Die ersten Patriarchen waren die Viehzüchter in der Steppe und den Bergregionen. Sie unternahmen <a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/vortrag3.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Frauenraubzüge</a> und massakrierten die uralten matrifokalen Sippen, um an Frauen heranzukommen, sie zu vergewaltigen und sie in die Steppen und Berge zu entführen. Wir alle sind Nachkommen dieser Entführungsopfer, die, wie es z.B. beim <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Romulus_und_Remus#Der_Raub_der_Sabinerinnen" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Raub der Sabinerinnen</a> anklingt, vom <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom</a> befallen wurden. Auch wir leben bis heute in diesem Sinne, denn die von uns bis heute gegen unsere Natur gelebte <strong>Patrilinearität</strong> und <strong>Patrilokalität </strong> &#8211; die Säulen des Patriarchats &#8211; in der Ehe sind nichts anderes als Frauenraub und über die Mütter auch Kinderraub.</p>
<p>Spätestens seit der Jungsteinzeit wussten Männer um ihren Beitrag an einer Schwangerschaft, aber in unserer angeborenen Matrifokalität lebt es sich frei, sicher und versorgt, ohne jede Kosten-Nutzen-Rechnung, so dass keine Nutzanwendung dafür gegeben war. Das änderte sich mit der Viehzucht, zu deren Voraussetzung es auch gehörte, dass Männer Söhne haben. Jeder Sohn lebte seitdem den Plan seines Vaters, der selbst schon eine Frau entführte.</p>
<p>Das alles sprengt &#8211; ich weiß das &#8211; die Vorstellungskraft normaler Bürger. Ich möchte Ihnen liebe Leserin, lieber Leser daher den Dokumentarfilm „Die stolzen Reiter von Lesotho“ von Eberhard Rühle (2012) ans Herz legen:</p>
<p><iframe class="youtube-player" width="1080" height="608" src="https://www.youtube.com/embed/VlfBfxQEExA?version=3&#038;rel=1&#038;showsearch=0&#038;showinfo=1&#038;iv_load_policy=1&#038;fs=1&#038;hl=de-DE&#038;autohide=2&#038;wmode=transparent" allowfullscreen="true" style="border:0;" sandbox="allow-scripts allow-same-origin allow-popups allow-presentation allow-popups-to-escape-sandbox"></iframe></p>
<p>Der Film veranschaulicht nicht nur, wie Viehzüchter ein Patriarchat errichten, sondern auch wie Patrilokalität und Patrilinearität bis heute ohne jede Rücksicht auf die junge Mutter und ihr Kind umgesetzt und bewertet wird, nämlich als für Mann und Staat selbstverständliches Opfer. Es geht uns alle an, nicht nur die Frau des „stolzen Reiters“. Denn was bedeutet es für Kinder, mit einer leidenden Mutter groß zu werden! Die Epigenetik selbst liefert uns erschütternde Erkenntnisse, wie sich das Leid von einer Generation auf die nächste vererbt. Die Kosten-Nutzen-Rechnung geht nur kurzfristig für die Männer auf, langfristig bringt diese Mathematik die Menschheit in existentielle Gefahr.</p>
<p>Das Schwerverbrechen Patriarchat wurde über eine ihm entsprechene Ideologie und Ethik zum Normalen. Schon gar nicht den Theologen geht es um das Wohl ihrer Schäfchen. Wäre das anders, wäre das Patriarchat längst abschafft. Es geht Patriarchen zu allererst um ihr eigenes Wohl, dem alles andere untergeordnet wird, daher blüht die Doppelmoral, daher werden manchmal auch Frauen vorgelassen. Ein willkommener Nebeneffekt ist, dass es dadurch nur noch schwerer durchschaubar wird.</p>
<p>Wissenschaftler wie He Jiankui wollen nicht nur Ruhm. Sie wollen ein Schöpfer sein, um ihren <a href="https://www.amazon.de/Gott-Monat-mütterlichen-Gebärfähigkeit-männlichen/dp/3738639012" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gebärneid</a> zu kompensieren, ein monotheistischer Gott, der die Mütter nicht mehr braucht und der sich jede aufwändige Entführung oder Brautwerbung &#8211; beides führt zu Patrilinearität &#8211; sparen kann. He Jiankui schwingt sich sogar zum Schöpfer einer neuen Rasse auf. Er, der Urvater zweier Urmütter: Das ist größenwahnsinnige patriarchale Mythologie at its best! Eingefleischte Patriarchen tun nicht nur verrückte Sachen, sie SIND verrückt und sie sind Frauenhasser, die in eine Klinik gehören und nicht in verantwortungsvolle Positionen.</p>
<p>Es ist offensichtlich, wie sehr der Umgang mit Frauen und Kindern &#8211; ja der ganzen Menschheit &#8211; vom Geist der Tierzucht geprägt ist, und dies nicht nur in der Hirtentheologie. Nana und Lulu stehen auch stellvertretend für die ganze Menschheit, die sowieso schon lange gezüchtet wird, seit die <em>female choice</em> vor 8000 Jahren von Männern mit dem Dogma der Monogamie außer Kraft gesetzt wurde. Der Versuch der „Selbstoptimierung“ der Menschheit ist schon im Ansatz schiefgegangen: Patriarchat bringt Überbevölkerung wie bei einer Schafherde, die immer unnatürlich groß ist. Es verursacht seit seinem Beginn Krieg, Umweltzerstörung sowie Epidemien und typische Krankheiten wie Psychopathie, Narzissmus, Machiavellismus u.a.. Aber anstatt, dass das analysiert und abgestellt wird, anstatt dass endlich das Vaterrecht als ursächlich unglückbringend entlarvt wird, wird an den Symptomen herumgebastelt. Daher wird es grundsätzlich von einer Mehrheit der Wissenschaftler nicht infrage gestellt, Manipulationen am Erbgut von Lebewesen vorzunehmen, wie Dr. Kiran Musunuru von der University of Pennsylvania, der im folgenden Video sagt, dass es noch zu früh sei für den Menschenversuch, es gäbe noch zu viele Risiken und zu wenig Nutzen.<a href="#_ftn17" name="_ftnref17">[17]</a></p>
<p><iframe class="youtube-player" width="1080" height="608" src="https://www.youtube.com/embed/C9V3mqswbv0?version=3&#038;rel=1&#038;showsearch=0&#038;showinfo=1&#038;iv_load_policy=1&#038;fs=1&#038;hl=de-DE&#038;autohide=2&#038;wmode=transparent" allowfullscreen="true" style="border:0;" sandbox="allow-scripts allow-same-origin allow-popups allow-presentation allow-popups-to-escape-sandbox"></iframe></p>
<p>He Jiankui, den wir oben im Vorschaubild des Videos sehen, sieht das anders, für diesen narzisstischen Psychopathen ist der Nutzen unmittelbar.</p>
<p>Auch für Patrilinearität musste einst ein unmittelbarer Nutzen her, nämlich die Viehzucht, aber bis heute überwiegen die Nachteile für Tier UND Mensch, und dabei wird es bleiben. Trotzdem tut sich nichts, weil kaum jemand weiß, dass das Patriarchat nicht unsere natürliche Lebensweise ist. <a href="https://www.amazon.de/Gott-Monat-mütterlichen-Gebärfähigkeit-männlichen/dp/3738639012" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Es lebt daher das Dogma, das Männer zu gebärenden Göttern zu machen versucht.</a></p>
<p>Der Erforschung der Natur folgt im Patriarchat unweigerlich erst ihre Dienstbarmachung und dann ihre Zerstörung. Jede Manipulation der Natur, jede technologische Erfindung schafft früher oder später neue Probleme. Daher müssen wir unseren Kulturoptimismus begraben. Auch die Natur schlägt immer wieder zurück, z.B. mit Naturkatastrophen und Krankheiten. Patriarchen müssen die Natur als Verschwörung gegen sich und ihr System wahrnehmen. Schon die Mythologie des Altertums wimmelt von Dämonisierungen der Mutter Natur, die zu ermorden sei. Die Mutter ist zum universellen Feindbild geworden und ist zu eliminieren. Dabei ist die Existenz der Menschheit nichts anderes als ein Ergebnis der friedlich waltenden Evolution, eben der Natur. Etwa 291.800 Jahre lang war die Menschheit nicht von sich selbst bedroht, bis zu dem Zeitpunkt vor ca. 8200 Jahren (sog. Misox-Schwankung des Klimas) als die ersten Patriarchen, die mit den ersten Viehzüchtern identisch sind, auf den Plan traten.</p>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2018/12/saint_michael_and_the_dragon.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1665" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2018/12/saint_michael_and_the_dragon.jpg?resize=516%2C534&#038;ssl=1" alt="Der Erzengel Michael tötet die Urmutter in Gestalt des Drachen" width="516" height="534" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2018/12/saint_michael_and_the_dragon.jpg?w=516&amp;ssl=1 516w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2018/12/saint_michael_and_the_dragon.jpg?resize=290%2C300&amp;ssl=1 290w" sizes="(max-width: 516px) 100vw, 516px" /></a><br />
Im Bild: Der Erzengel Michael tötet die Urmutter in Gestalt des Drachen.<br />
Unbekannter spanischer Maler &#8211; Metropolitan Museum NY, Gemeinfrei.</p>
<p>Das Patriarchat besteht seitdem &#8211; im Grunde wie der IS &#8211; aus einer Unzahl von Einzeltätern (Frauen sind wie immer mitgemeint), nur wenige treten nach außen als ihre Vertreter auf. Aber da das Patriarchat nicht als Terrororganisation gilt, obwohl es das ist, hält jeder Einzeltäter als Buhmann hin, und deckt somit das System dahinter.</p>
<p>Aber ja, es ist eine besonders perfide Verschwörung, die da im Gange ist, das Patriarchat. Aber das Endziel ist noch nicht erreicht, denn immer noch braucht es Frauen, die Kinder gebären. An der <a href="https://www.sueddeutsche.de/wissen/geburtsmedizin-laemmer-wachsen-in-kuenstlicher-gebaermutter-1.3477748" target="_blank" rel="noopener noreferrer">künstlichen Gebärmutter</a> wird allerdings auch schon gearbeitet. Es geht immer noch schlimmer!</p>
<p>Die Ethik hat sich selbst als Legitimationsapparat des Patriarchats entlarvt. Als Skandal gilt, dass Gesetze übertreten werden. Was Menschenwürde ist, was Menschenrechte sind, wurde vergessen. Der Zuchtwahn gilt als ethisch vertretbar, wenn die Kosten-Nutzen-Abwägung stimmt. Das Patriarchat ist sogar so größenwahnsinnig, dass es die Kosten bis in alle Ewigkeit einschätzen zu können glaubt.<br />
Haben wir denn die Menschenversuche der Nazis vergessen?  Besteht rückblickend ihr Verbrechen nur darin, keine Ethikkommission befragt zu haben?</p>
<p>Das Naturrecht der Frau wird mit Füßen getreten, und damit dann auch das Naturrecht der Menschheit. Das ist kein Skandal, sondern eine Katastrophe von apokalyptischem Ausmaß.</p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>N.N.: Genschere bei Menschen: Wissenschaftlerprotest in China gegen Versuch mit Zwillingsmädchen. Aus: FAZ online. <a href="http://www.faz.net/aktuell/wissen/crispr-erstmals-genetisch-veraenderte-babys-in-china-geboren-15909650.html">http://www.faz.net/aktuell/wissen/crispr-erstmals-genetisch-veraenderte-babys-in-china-geboren-15909650.html</a>, abgerufen am 2.12.2018</p>
<p>Taupitz, Jochen: Genveränderte Babys : „Ein unnötiger Skandal“. Aus: FAZ online. http://www.faz.net/aktuell/wissen/genveraenderte-babys-ein-unnoetiger-skandal-15911623.html, 27.11.2018, abgerufen am 2.12.2018</p>
<p>Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat. Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt. Norderstedt 2015</p>
<p><strong>Fußnoten:</strong></p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Zitiert nach AP 2018, <a href="https://youtu.be/C9V3mqswbv0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://youtu.be/C9V3mqswbv0</a></p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Zitiert nach N.N. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> N.N. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a> Zitiert nach N.N. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref5" name="_ftn5">[5]</a> Zitiert nach N.N. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref6" name="_ftn6">[6]</a> Zitiert nach N.N. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref7" name="_ftn7">[7]</a> Zitiert nach N.N. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref8" name="_ftn8">[8]</a> N.N. 2018, 2. Internationale Tagung ‚Human Genome Editing’ am 27.-29.11.2018 <a href="http://www.nationalacademies.org/gene-editing/2nd_summit/index.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.nationalacademies.org/gene-editing/2nd_summit/index.htm</a></p>
<p><a href="#_ftnref9" name="_ftn9">[9]</a> Zitiert nach N.N. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref10" name="_ftn10">[10]</a> Zitiert nach Taupitz 2018</p>
<p><a href="#_ftnref11" name="_ftn11">[11]</a> Taupitz 2018</p>
<p><a href="#_ftnref12" name="_ftn12">[12]</a> Taupitz 2018</p>
<p><a href="#_ftnref13" name="_ftn13">[13]</a> Zitiert nach N.N. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref14" name="_ftn14">[14]</a> N.N. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref15" name="_ftn15">[15]</a> Taupitz 2018</p>
<p><a href="#_ftnref16" name="_ftn16">[16]</a> Vgl. Georg Reischel <a href="https://konzept-der-vaterschaft.blogspot.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://konzept-der-vaterschaft.blogspot.com/</a></p>
<p><a href="#_ftnref17" name="_ftn17">[17]</a> Vgl. AP 2018, <a href="https://youtu.be/C9V3mqswbv0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://youtu.be/C9V3mqswbv0</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/ein-akt-tiefster-frauenverachtung-der-vorgeburtliche-missbrauch-des-he-jiankui-und-die-bewertung-durch-sog-ethik-experten">Ein Akt tiefster Frauenverachtung. Der vorgeburtliche Missbrauch des He Jiankui und die Bewertung durch sog. Ethik-Experten</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Machen Männer Frauen krank? – Die wahren Zusammenhänge von Gesundheit, Familienstand und Arbeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Nov 2017 17:08:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Altsteinzeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Photo by Melanie Wasser on Unsplash Aus Spaß wird Ernst In den letzten Tagen ging durch die Sozialen Netzwerke eine Schlagzeile der Frauenzeitschrift ELLE-online: &#8222;Jetzt ist es wissenschaftlich bestätigt: Männer...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/machen-maenner-frauen-krank-die-wahren-zusammenhaenge-von-gesundheit-familienstand-und-arbeit">Machen Männer Frauen krank? – Die wahren Zusammenhänge von Gesundheit, Familienstand und Arbeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/j8a-TEakg78?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Melanie Wasser</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/77c02e66fe7146deb3db734e09852a55" width="1" height="1" alt=""></p>
<h3 id="Aus-Spaß-wird-Ernst">Aus Spaß wird Ernst</h3>
<p>In den letzten Tagen ging durch die Sozialen Netzwerke eine Schlagzeile der Frauenzeitschrift ELLE-online: &#8222;<a href="http://www.elle.de/maenner-machen-frauen-krank" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jetzt ist es wissenschaftlich bestätigt: Männer machen Frauen psychisch krank!</a>&#8220; Die Resonanz war groß; Frauen versahen den Artikel mit einem schallend lachenden Smily und schrieben, dass sie &#8222;es ja schon immer gewusst&#8220; hätten, oder, dass sie &#8222;ohne Partner schon lange pumperlgsund&#8220; seien. Indirekt schwang bei den Kommentaren mit, dass es ihnen nicht nur um Depression, sondern allgemein um Krankheit geht. Und auch ELLE-online scheint das so zu sehen, denn die Internetseite trägt den Titel „Männer machen Frauen krank“. Was die ELLE da so sicher macht, dazu kommen wir später. Wäre die Krankheit von Frauen aber nicht so ein schwerwiegendes Problem, dann hätte die Schlagzeile wahrscheinlich nicht eine so eine große Aufmerksamkeit erregt.</p>
<p>Ich beschäftige mich mit dem Thema Gesundheit schon sehr lange und sammle wissenschaftliche Artikel und Studien, die gesellschaftspolitische Relevanz besitzen. Daher weiß ich, dass solche Aussagen mit Vorsicht zu genießen sind. Das Thema hat in Wahrheit so viel Brisanz und ist so ernst, dass es geradezu fahrlässig ist, die Sache leichtfertig zu behandeln und einen &#8222;Scherz-Artikel&#8220; daraus zu machen.</p>
<p>Auch wenn es manche nicht wahrhaben wollen, es ist ganz allgemein eine Tatsache, dass wir Frauen in besonderem Maße leidgeprüfte Wesen sind. Frau und Leid sind fast schon synonym. Menstruationsschmerzen, PMS, Geburtsschmerzen, Wechseljahrsbeschwerden, Blasenentzündungen, Inkontinenz, Reizdarm, Endometriose, Fibromyalgie, Lymphödem, Thromboseneigung, Depressionen, PTBS, Panikattacken und so weiter. Manches ist Veranlagung, vieles ist Geburtsfolge, manches ist auf andere &#8211; manchmal sehr schlimme &#8211; Weise erworben. Fast immer hat es mit dem spezifischen Frauenleben zu tun. Es gibt aber auch Frauen, die nichts von alledem kennen, oder solche, die eine chronische Krankheit haben, welche keine Schmerzen verursacht und gut eingestellt ist. Unter den Berufstätigen gibt es einige von ihnen, die scheinbar schwerelos durchs Leben gleiten. Sie besitzen eine besonders gute Resilienz.</p>
<p>Um nur einmal im Leben ein Kind zu bekommen, hat manche Frau mitunter 40 Jahre lang, manchmal sogar noch länger, jeden Monat starke Schmerzen. Das durchschnittliche Alter bei der Menopause liegt bei 51 Jahren. Die Zahlen schwanken sehr. Jedenfalls verliert sie viel Blut und erleidet häufig einen folgenreichen Eisenmangel, der nur schwer auszugleichen ist und oft gar nicht diagnostiziert wird. Die Krankenkasse zahlt nur in seltenen Fällen. Von der leider immer noch peinlichen Kleckserei und Geruchsentwicklung, die es aufwändig zu verhindern gilt, ganz zu schweigen. Auch der Vater des Kindes zahlt kein Schmerzensgeld, und versucht manchmal sogar ihr das schwer erarbeitete Kind, an dem er so wenig Anteil hat, zu entreißen.</p>
<p>Was Natur ist, muss ausgehalten werden. Das ist die gerechte Strafe Gottes (welcher im Übrigen selbst ein gebärender Vater sein will)! Ja, wenn sie Schmerzen hat, ist sie selbst Schuld, es gibt doch Tabletten, und es soll ja wie gesagt Frauen geben, die das nicht haben. Was können denn Gesellschaft und Väter dafür?! Tatsächlich finden sich in einer Handtasche jede Menge Tampons, Binden, Schmerztabletten und andere Dinge, die der Frau das (Über-)Leben im Patriarchat ermöglichen. Die Gesellschaft hat sehr viel damit zu tun und der Frauenkörper ist ein kultureller Körper, dessen Integrität ständig infrage gestellt wird, ganz in Gegensatz zum männlichen.</p>
<h3 id="Die-Schmerzensfrau-eine-sehr-kleine-Kulturgeschichte">Die Schmerzensfrau &#8211; eine sehr kleine Kulturgeschichte</h3>
<p>Wenn Männer also tatsächlich Frauen krank machen, wie all die Leserinnen im Internet es spüren, dann sind Frauen schon sehr lange krank, nämlich ungefähr 8000 Jahre, und das muss sich in der Geschichte niedergeschlagen haben und nicht erst heute. Ein Blick in die Bibel und wir werden fündig. Eva wird nach dem Sündenfall mit Geburtsschmerzen bestraft, Adam dagegen mit Arbeit. Das ist interessant, denn heute bekommen Frauen nicht nur unter Schmerzen Kinder, sondern müssen zusätzlich auch zur Arbeit. So will es jedenfalls die Politik, die damit die Strafe Gottes sogar noch übertrifft. Das passiert ausgerechnet in einer Zeit, in der die Bevölkerung beginnt, umzudenken gegen den Zwang zur Arbeit und mit der Forderung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Diese Forderung hat bemerkenswerterweise mehr AnhängerInnen als die Forderung nach einem Müttergehalt und Mütterrente!</p>
<p>Die Katholiken gedenken der Madonna mit den sieben Schmerzen, der Schmerzensmutter immer am 15. September. Diese sieben Schmerzen beziehen sich aber im Wesentlichen auf den Leidensweg ihres Sohnes Jesus, an dem sie als Mutter natürlich mitleiden muss. Das erste Leid ist die Prophezeiung des Simeon, dass ihre Seele von einem Schwert durchbohrt werde. Leid und Mitleiden scheinen in der Maria eins zu sein. Das Schwert symbolisiert aber auch einen vollendeten Muttermord, wenn man so will, das Ende des Leids der Mutter und &#8230;den Endsieg des Patriarchats. Wir sehen an diesem Beispiel, dass das Patriarchat eine bizarre Logik verfolgt, die den Namen nicht verdient.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Madonna mit den sieben Schmerzen, Loretokapelle mit Schwarzer Madonna bei Bad Zurzach, eigenes Werk" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/schmerzensmutter-badzurzach1.jpg?resize=300%2C427&#038;ssl=1" alt="Madonna mit den sieben Schmerzen, Loretokapelle mit Schwarzer Madonna bei Bad Zurzach, eigenes Werk" width="300" height="427" /><br />
Foto: Madonna mit den sieben Schmerzen, Loretokapelle mit Schwarzer Madonna (Hintergrund) bei Bad Zurzach/Schweiz (Gabriele Uhlmann)</p>
<p>Maria war höchstens 12 Jahre alt, als sie Jesus gebar. Denn im Judentum gilt ein Mädchen nur so lange als Jung(e)frau. Das Leid, das ihr selbst im erzpatriarchalischen Israel wegen ihrer unehelichen Schwangerschaft &#8211; aus einer Vergewaltigung und Kinderschändung &#8211; zuteil geworden ist, wurde durch die Lügengeschichte von Mariä Empfängnis vollverschleiert. Wo sie sonst geächtet und zu Tode bestraft worden wäre, muss sie nun „nur“ sieben Schmerzen erleiden, die mit denen ihres Sohnes identisch sind. Selbst Schuld ist sie, so die patriarchalische Denke! Ihr Leid hängt eindeutig mit Männern zusammen, nämlich mit ihrem Vergewaltiger und mit den Männern, die ihren Sohn hingerichtet haben. Mutterleid ist unbeschreiblich, und so manche zerbricht daran. Nicht so Maria, die später noch weitere Kinder bekommen wird, und als Schmerzensheldin gefeiert wird. Maria hält aus, Maria hält durch. Sie weint, aber nicht über sich selbst, sondern über ihren Sohn. Damit ist sie seit jeher ein Vorbild für alle Gläubigen, nicht aber für Frauen, die etwas verändern wollen. Im wahren Leben werden oder sind viele Frauen wegen einer Vergewaltigung oder Missbrauchs im Kindesalter erwerbsunfähig. In der Bibel wird stillschweigend davon ausgegangen, dass Joseph Maria ernährte.</p>
<p>In der weiblichen Literaturgeschichte heben sich besonders die Schwestern Charlotte, Emily und Anne Brontë ab, die in der ersten Hälte des 19. Jh. lebten und alle drei sehr früh starben. Ihre Bücher sind Denkmäler des Frauenleids ihrer Zeit. Schon ihre Mutter starb 38-jährig ein Jahr nach der Geburt von Anne. Die Gesundheit der Kinder litt unter der anschließenden Unterbringung im Pensionat, weshalb sie auch oft Zeit zu Hause verbrachten. Ihr Vater, ein Dorfpfarrer, verlangte von ihnen später, als Gouvernanten zu arbeiten, um ihrem Bruder Branwell das Studium zu ermöglichen. Sie hatten keine Freude an diesem Beruf, und litten unter den Arbeitsbedingungen, die sie körperlich und psychisch krank machten. Viel lieber wollen sie daheim und zusammen Autorinnen sein, aber dahin war es im frauenfeindlichen, victorianischen Zeitalter ein weiter Weg. Sie pflegten auch die kranke Kinderfrau bis an deren Lebensende. An ihrem eigenen Ende hatten sie nicht viel von ihrem Ruhm, der sich schließlich doch noch einstellte. Charlotte starb mit 39 während und wegen ihrer Schwangerschaft, Emily starb mit 30 an einer Lungenentzündung und Anne mit 29 an Tuberkulose. Ihr Vater überlebte alle seine Kinder (auch Branwell, 31) und wurde für die Zeit sehr alt. (vgl. Maletzke 2008) Wie wäre ihr Leben verlaufen, hätte die Mutter noch lange gelebt?<br />
<a title="Branwell Brontë [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AThe_Bront%C3%AB_Sisters_by_Patrick_Branwell_Bront%C3%AB_restored.jpg"><img decoding="async" title="Anne, Emily, and Charlotte Brontë" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/ab/The_Bront%C3%AB_Sisters_by_Patrick_Branwell_Bront%C3%AB_restored.jpg/256px-The_Bront%C3%AB_Sisters_by_Patrick_Branwell_Bront%C3%AB_restored.jpg" alt="Anne, Emily, and Charlotte Brontë" width="256" /></a><br />
Bild: Anne, Emily und Charlotte Brontë, Gemälde von Branwell Brontë, ca. 1834</p>
<p>In unserer modernen Welt der Hochleistungsmedizin stirbt nur noch ausnahmsweise jemand sehr früh und wer krank ist, hat trotzdem meist noch ein langes Leben vor sich. Damit rückt das Problem der Erwerbsminderung und -unfähigkeit in den Vordergrund. Wer krank ist, der ist von Arbeitslosigkeit und Armut bedroht. Unsere Leistungsgesellschaft folgt der Philosophie, dass nur der, der arbeitet, auch ein Recht auf ein gutes Leben hat. Vermögende werden in unserem Gesundheitssystem bevorzugt behandelt, und zahlen nicht einmal in die gesetzlichen Krankenkassen ein. Sie können sich in ihrer Freizeit besser regenerieren und für Körperpflege mehr Geld ausgeben. Wer mehr Geld hat, ist in der Regel schneller wieder gesund. Berufstätige Frauen besitzen eine höhere sog. Bewältigungskompetenz und bessere sog. Bewältigungsstrategien bei Belastungen aller Art. Ihre Resilienz, ihre gute Gesundheit macht sie zu dem, was sie sind. Gesundheit und finanzielle Sicherheit stehen in einer engen Wechselbeziehung zu einander.<br />
Aber jeder Kranke steht unter Generalverdacht, stinkfaul zu sein, und es sich auf Kosten anderer nett zu machen. Nun sind Kranke doppelt gestraft, denn sie leiden unter ihrer Krankheit und gut leben dürfen sie auch nicht. Vater Staat hat eine komplexe, sogenannte Sozialpolitik hervorgebracht, die alles tut, um sich davor zu drücken, sich um die kranken Mitglieder der Gesellschaft so zu kümmern, dass sie am allgemeinen Leben und Wohlstand teilhaben können. Zwar gibt es mittlerweile viele Initiativen für ein barrierefreies Leben, was Körperbehinderten zugute kommt, aber psychisch Kranke sind immer noch allein gelassen und obendrein stigmatisiert. Wenn es stimmt, dass Männer Frauen psychisch krank machen, dann wären Männer noch viel unmittelbarer an Frauenarmut beteiligt, als bisher gedacht.</p>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/440091_web_r_by_maren-bec39fler_pixelio-de.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Altersarmut ist weiblich" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/440091_web_r_by_maren-bec39fler_pixelio-de.jpg?resize=266%2C400&#038;ssl=1" alt="Altersarmut ist weiblich" width="266" height="400" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Foto: Maren Beßler / pixelio.de</span></p>
<p>Die eingangs genannten Frauenleiden, die unmittelbar mit der Gebärfähigkeit zu tun haben, haben wie die Depression nicht selten Erwerbsminderung bis hin zur Berufsunfähigkeit zur Folge. Das fällt nur deshalb nicht auf, weil viele Frauen aufgrund ihrer Beschwerden gar nicht erst versuchen, einen Beruf auszuüben. Und so fallen sie aus der Arbeitslosenstatistik heraus.</p>
<h3 id="tabu-kranke-frau">Tabu Kranke Frau</h3>
<p>Ich weiß, das lesen Feministinnen gar nicht gern, aber es ist an der Zeit, nicht nur über die Mehrwertsteuer von Binden und Tampons zu reden („<a href="http://taz.de/Petition-der-Woche/!5459147/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bluten für die Gesellschaft</a>“), sondern auch über die leidvolle Wahrheit eines Frauenlebens. <strong>Sprechen wir also endlich auch einmal über das letzte Tabu der Frauenbewegung: die kranke Frau.<br />
</strong><br />
Frauen sind, wie milliardenfach bewiesen, nicht wegen ihres Geschlechts weniger für eine Tätigkeit geeignet, und sind nicht „das kranke Geschlecht“. Ganz im Gegenteil, schon von Geburt an sind Mädchen lebensfähiger und stabiler als Jungen. Das männliche Immunsystem ist dagegen lebenslang anfälliger, weil ihm der Östrogenschutz fehlt (Kieselbach 2017).<br />
<strong>Frauen werden anders krank und sie haben andere Bedürfnisse als Männer.</strong> <strong>Sie werden auch krank, weil ihre Bedürfnisse übergangen werden.</strong> So haben Frauen im Laufe ihres Lebens vielfältige Beschwerden, die zwar nicht lebensgefährlich sind, aber in den Bereich des Normalen versetzt werden und gleichzeitig auf fatale Weise tabuisiert sind. Ob und inwieweit diese Tabus und ihre Verdrängung die Beschwerden erst herbeiführen, sollte dringend einmal untersucht werden.</p>
<p>Wie auch immer, in der einseitig auf Männer ausgerichteten Arbeitswelt fühlen sich viele Frauen den ganzen Tag nicht gut, und würden am liebsten nach Hause gehen und sich hinlegen. Frauenbeschwerden betreffen eher den Bauch und die Tabuzone ihres Intimbereiches. Sie schränken die Leistungsfähigkeit, die ein stressig gestalteter Beruf erfordert, erheblich ein. Viele Frauen gehen damit nie zur Ärztin und arrangieren sich notgedrungen irgendwie, weil</p>
<ul id="liste2">
<li>das &#8222;normal&#8220; ist,</li>
<li>es die Kasse sowieso nicht zahlt,</li>
<li>schon die Mutter &#8222;das&#8220; hatte und &#8222;nicht dran gestorben&#8220; ist,</li>
<li>sie wissen, dass die Medizin dafür noch kein Heilmittel kennt,</li>
<li>sie es aus Scham immer wieder verschieben,</li>
<li>sie Angst vor Zurückweisung, Papierkram und Gerichtsverfahren haben.</li>
</ul>
<p>Viele Frauen würden es auch niemals zugeben, dass sie sich täglich zur Arbeit quälen, weil es heutzutage <em>en vogue</em> ist, die multitaskingfähige Powerfrau raushängen zu lassen und keinerlei Schwäche zu zeigen. Denn sie laufen Gefahr, <a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-11/sexismus-buero-arbeit-maenner-frauen-beziehung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sich den Männern gegenüber lächerlich zu machen.</a> <strong>Weibliche Krankheit oder &#8222;Unpässlichkeit&#8220; wurde seit jeher dazu ausgeschlachtet, Frauen aus der Berufswelt herauszuhalten. Aus diesem Grund verdrängt die Frauenbewegung die Tatsachen.</strong> Aber das ist ein großer Fehler; ein #metoo-Aufschrei ist auch in Bezug auf Frauenkrankheit überfällig.</p>
<p>Viele Frauen sind erwerbsgemindert. Erwerbsminderung bedeutet nicht, das eine Frau nicht arbeiten kann, sondern, dass sie nicht in die Anforderungen einer Firma passt, bzw. sie aufgrund ihrer Beschwerden nur kurzzeitig arbeiten kann oder nicht schnell genug oder nur zu bestimmten Tageszeiten. Entweder bleibt eine Kranke ganz zuhause oder schleppt sich in die Firma, es gibt nur schwarz oder weiß. Aber eine dauernd fehlende Mitarbeiterin? Welche ArbeitgeberInnen und welche KollegInnen machen das (lange) mit? Fakt ist deshalb oft, dass eine Erwerbsminderung identisch ist mit Erwerbsunfähigkeit, also auch Berufsunfähigkeit. Auch Berufsunfähigkeit muss erst einmal bewiesen werden, und das ist nicht leicht. Die Ignoranz gegenüber dieser Realität spart Kassen und Versicherungen wahrscheinlich Milliarden.</p>
<h3 id="auswegsackgasse">Ausweg Ehe – Sackgasse Ehe</h3>
<p>Beschwerden sind ein wichtiger Grund, warum viele Frauen am liebsten nur Teilzeit arbeiten, trotz der trüben Aussicht auf eine geringe Rente oder die sogenannte Grundversorgung. Was liegt da näher, als auch nach anderweitiger Versorgung Ausschau zu halten? “In guten und in schlechten Zeiten, bei Gesundheit und Krankheit, bis dass der Tod Euch scheidet“, so lautet das klassische Eheversprechen, auf das sich Frauen lange verlassen konnten, allerdings nur halbwegs. Die Ehe ist traditionell eine Versorgungseinrichtung, die aber nur ein schwacher Ersatz ist für die zerstörte matrilineare Sippe, die Frauen in Europa mancherorts noch bis vor 4500 Jahren bedingungslos und voll absicherte. Frauen, die das patriarchale System nicht mehr ändern konnten und können, waren und sind meist noch heute auf die Ehe angewiesen. Bis vor kurzem funktionierte das, viel mehr schlecht als recht, aber immerhin (noch) irgendwie. Nur beim Ausbruch aus dem patriarchalischen Zwang zur Monogamie, der die Vaterschaft sicherstellen soll, also bei Ehebruch (Stichwort <em><a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">female choice</a></em>), kam eine Scheidung infrage. Welche sich den väterlichen Bedingungen nicht unterordnete, bekam gar nichts mehr, wurde ausgepeitscht oder gleich umgebracht, welche sich züchtig verhielt, wurde manchmal sogar mit Pelzen und Juwelen überhäuft.</p>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/cristian-newman-141875.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1255" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/cristian-newman-141875.jpg?resize=600%2C410&#038;ssl=1" alt="" width="600" height="410" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/cristian-newman-141875.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/cristian-newman-141875.jpg?resize=300%2C205&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/tnxRFtXI9dI?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Cristian Newman</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Seit einigen Jahren ist es mit der Versorgung nicht mehr weit her. Konnte eine Frau auch nach einer Scheidung noch bis vor kurzem Unterhaltsansprüche geltend machen, muss sie heute wieder arbeiten gehen. Es sei denn, sie ist erwerbsunfähig. Wenn sie Pech hat, entzieht sich der Exmann auch dann der Zahlungsverpflichtung. Möglich ist ihm das nämlich, und der Staat zahlt dann einen Unterhaltsvorschuss. Die Ehe soll &#8222;nach dem Willen des Gesetzgebers&#8220; keine Versorgerehe mehr sein, auch nicht für Mütter, daher wird nun auch das Ehegattensplitting infrage gestellt. Heiraten lohnt dann gar nicht mehr. Aber das ist nicht der Untergang des Abendlandes! Denn es wird Druck ausgeübt, dass die Mutter den Kindsvater benennt, um ihm das Sorgerecht zu sichern. <a href="http://www.deutschlandfunkkultur.de/elterliche-sorge-den-vaetern-die-rechte-den-muettern-die.1005.de.html?dram%3Aarticle_id=320034" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das fesselt sie wieder an ihn, ganz so als sei sie mit ihm verheiratet.</a> Existenziell bleibt die Frau aber auf sich selbst zurückgeworfen und vom guten Willen des Kindsvaters abhängig, wenn sie ihr Kind nicht in fremde Hände geben will.</p>
<p>In der Geschichte der Menschheit ist das einzigartig und brandneu. Kein Mensch, besonders keine Frau ist daran angepasst, denn wir sind soziale Wesen durch und durch. <strong>&#8222;Sozial&#8220; bedeutet nicht, miteinander zu whatsappen oder einen Hartz4-Antrag zu stellen, sondern uns gegenseitig zu helfen, und zwar lebenslang wirksam, verlässlich und bedingungslos.</strong> Wir sind so, weil unsere Kinder so lange brauchen, um erwachsen zu werden. Aus diesem Grund würden wir von Natur aus nicht patriarchal, sondern matrilinear leben, und nicht in Familien, sondern in matrilinear/matrilokalen Sippen (vgl. Blaffer Hrdy 2010b). Die Vereinbarkeit von Arbeit und Kinderpflege wäre problemlos gewährleistet. Unter diesen Bedingungen wurde der Mensch ein intelligentes, erfinderisches Wesen. Dass uns heute der Boden unter den Füßen weggerissen ist, ist der wahre Grund, warum Menschen nicht selten an ihrer Lebenssituation erkranken.<br />
<strong><br />
</strong>Kranke Frauen sind gegenüber kranken Männern noch in gewissem Vorteil &#8211; sofern sie nicht von Behinderung betroffen sind &#8211; denn sie können heiraten und sich unter Berufung auf ihre Mutterschaft und Krankheit versorgen lassen. Kein Wunder, dass eine Studie aus den USA (Waldron <em>et al. </em>1982), an welcher Hausfrauen über einen Zeitraum von fast 20 Jahren teilnahmen, Folgendes herausfand:</p>
<blockquote><p>&#8222;<strong>Stabilere und gesündere Frauen beteiligen sich eher am Arbeitsmarkt und bleiben &#8211; wenn sie die Wahl haben &#8211; auch länger erwerbstätig als labilere und weniger gesunde Frauen.</strong>&#8220; (paraphr. nach Gavranidou 1993, S. 237)</p></blockquote>
<p>Die weltweit wichtigste Expertin auf dem Gebiet der „sozialen und verhaltensbedingten Ursachen von Geschlechtsunterschieden bei Gesundheit und Sterblichkeit“, die amerikanische Biologin Ingrid Waldron, die diese Studie federführend auflegte, betont, <strong>dass diese labilen und weniger gesunden Frauen sich ihr Befinden nicht „nur“ eingebildet hatten</strong>. Das wurde durch deren nachgewiesene höhere Sterblichkeit am Ende der Untersuchungszeit bewiesen. Sie sagt damit natürlich nicht, dass Hausfrauen grundsätzlich krank sind, sondern lediglich, dass kranke Frauen dazu neigen, sich in der Ehe abzusichern &#8211; ich muss das nur dazu sagen, weil es Hausfrauen gibt, die das falsch verstehen und sich diskriminiert fühlen, wie ich es vor einiger Zeit erleben durfte.<br />
Ingrid Waldron war 1989 auch an einer Meta-Studie beteiligt, die eine Zusammenschau der Untersuchungen vieler Kollegen lieferte. Dort schreibt sie:</p>
<blockquote><p>&#8222;Jennings <em>et al.</em> zeigten zuerst, dass (&#8230;) beschäftigte Frauen gesünder waren als Hausfrauen. Insbesondere war es weniger wahrscheinlich, dass erwerbstätige Frauen berichteten, dass ihre Gesundheit schlechter war als die der anderen Frauen im gleichen Alter, und dies galt sogar für Analysen, die die Anzahl der Tage chronischer Krankheit und eingeschränkter Aktivität mit einbezogen. Die Beziehung zwischen Gesundheits- und Beschäftigungsstatus wurde erneut getestet, diesmal ausgenommen der Frauen, die berichteten, dass ihre Gesundheit ihren Beschäftigungsstatus beeinflusste. Insbesondere schloß die zweite Analyse Hausfrauen aus, die berichteten, daß ihre schlechte Gesundheit ein sehr oder mäßig wichtiger Grund für ihre Nichtanstellung sei. In dieser Analyse drehte sich die Beziehung zwischen Beschäftigungsstatus und Gesundheit um, wobei Hausfrauen jetzt einen besseren Gesundheitszustand angaben als erwerbstätige Frauen.“ (Repetti et al. 1989, S. 1395, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Die Behauptung, dass (Ehe-)Männer Frauen psychisch krank machen würden, ist damit eine unzulässige Pauschale. Dennoch erkranken in Deutschland doppelt so viele Frauen an Depressionen wie Männer (vgl. Kontio 2012). Die Studie, auf die sich die ELLE-online bezog, stammt von der Universität Padua (Trevisan <em>et al.</em> 2016) und untersuchte Daten älterer Menschen, wobei deutliche Unterschiede zwischen verwitweten Frauen und Männern festgestellt wurden. Die Schlussfolgerungen der Psychiaterin Caterina Trevisan wurden in der ELLE-online wiedergegeben:</p>
<blockquote><p>„Es ist also der viel zu hohe Anspruch an uns selbst, schier Unmögliches leisten zu wollen, der uns irgendwann umhaut. Denn selbst, wenn wir merken, dass alles über uns zusammenbricht und wir schon gar nicht mehr wissen, wie wir es managen sollen, versuchen wir es doch. Unsere eigenen Bedürfnisse haben wir dabei schon längst aus den Augen verloren. Ernste Warnhinweise wie Schlafmangel, Migräne oder Rückenschmerzen werden selbstverständlich ignoriert. Während es Männern nach einer Trennung richtig schlecht geht, blühen die meisten Frauen regelrecht auf. Die Begründung der Forscher: Weil Frauen sich ab dem Moment nicht mehr um zwei Leben kümmern müssen, was Wäsche, Haushalt und Organisation betrifft, fällt ein großer Teil der Verantwortung ab. Dadurch werden sie entspannter und haben zudem wieder mehr Zeit, sich ihren Hobbies, Freunden und sich selbst zu widmen. Männern geht es hingegen nachweisbar schlechter als vorher, weil sie sich um eben diese Dinge nun selbst kümmern müssen. Natürlich sollst du dich nun nicht sofort von deinem Freund trennen, um gesünder zu leben. Aber Psychologen raten Frauen dringlich dazu, in Beziehungen häufiger klare Ansagen zu machen, damit die Arbeit gleichmäßig verteilt wird – und die Zeit einzufordern, sich nur mit sich beschäftigen zu dürfen.“ (Koopmann 2017)</p></blockquote>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1239" title="depression" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/hanna-morris-277321.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Depression" width="600" height="400" /><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/CIVe9Ff2l1w?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Hanna Morris</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Damit scheint es, als sei die Therapie gegen Depressionen ganz simpel. Ist die weibliche Depression aber wirklich nur auf die mangelnde Mithilfe der Männer im Haushalt zurückzuführen? Die Psychologin Ursula Nuber meint dagegen:</p>
<blockquote><p>&#8222;Frauen haben eine viel höhere Beziehungsbedürftigkeit als Männer. Sie definieren sich und ihr Wohlbefinden über ihre Beziehungen zu anderen. Und genau dieses Gefühl der Abhängigkeit kann zur Depression führen&#8220;. (Nuber 2012)</p>
<p>&#8222;’Frauen haben sehr viel mehr Grund zum Grübeln als Männer, weil es in ihrem Leben mehr Anlässe zu Sorge gibt’ (&#8230;) Dazu kommt, dass sie längere Antennen als Männer haben und sensibel Leid und Nöte anderer wahrnehmen. ‚Die Sorgen der Mitmenschen werden schnell zu ihren Sorgen.’ Männer tun das nicht – so das klare Fazit.&#8220; (vgl. Kontio 2012)</p></blockquote>
<p>Die Beziehungsarbeit der Frauen ist der Kitt, der die patriarchale Gesellschaft, die Frauen krank macht, zusammenhält. Der Lohn ist die Depression, Mütterrente gibt es nicht. Die Krankheit ist ganz klar eine Reaktion auf das System, das nicht unserer artgerechten Lebensweise folgt, und keine bedingungslose Versorgung anbietet.</p>
<h3 id="machen-frauen-maenner-krank">Machen Frauen Männer krank?</h3>
<p>Auch Männer sind heute überfordert, wie es die amerikanische Soziologin Christin Munsch in den USA bei einer neuen Untersuchung herausfand. Die Studie verwendet Daten des ‚National Longitudinal Survey of Youth’ aus den Jahren 1997 bis 2011, um die Auswirkungen der Haushaltseinkommensdynamik auf das psychische Wohlbefinden und die Gesundheit in einer national repräsentativen Stichprobe von verheirateten Personen im Alter von 18 bis 32 Jahren zu untersuchen. Als wichtigstes Ergebnis stellt sie fest:</p>
<blockquote><p>„Unsere Studie trägt zu einer wachsenden Anzahl von Forschungsarbeiten bei, die zeigen, wie schädlich geschlechtsspezifische Erwartungen auch für Männer sind. Von Männern wird erwartet, dass sie der Ernährer sind, aber die Versorgung der eigenen Familie mit wenig oder gar keiner Unterstützung hat negative Auswirkungen.“ (ASA 2016, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Wir dürfen nicht vergessen, dass es einst Männer waren, die dieses System selbst installiert haben. Noch bis 1977 konnten Männer in Deutschland Frauen Berufstätigkeit verbieten, und die meisten taten das auch. Es war Jahrtausende lang für Männer die Quelle ihres Selbstbewusstseins, dass ihre Frau „nicht arbeiten musste“ und sie von ihnen abhängig war. Einerseits wird jetzt festgestellt, dass die Männer völlig überfordert sind mit ihrer Rolle, andererseits sind es die Männer selbst, die ihre Macht mit übelsten Mitteln wie dem Sexismus verteidigen. Die Journalistin Jana Hensel schreibt über die weit verbreiteten Herrenwitze im Büro:</p>
<blockquote><p>&#8222;Dieses Lachen ist in Wahrheit eine Geste der Demütigung und Unterwerfung, ein Versuch der Vertreibung, der in letzter Konsequenz sagen will: Eine Frau gehört hier nicht her, eine Frau gehört nicht dazu. Ich glaube keinem Mann, der behauptet, die Aggression so eines Lachens nicht zu bemerken. Sexismus im Büro ist eine alltägliche und ziemlich eingeübte männliche Kommunikationsform, die den Zweck hat, die eigene Macht zu sichern. Frauen, zumal wenn sie selbstbewusst auftreten, stören nämlich in den Augen vieler Männer den normalen Betriebslauf, sie verändern die Routinen, die Rituale, die Übereinkünfte. Sie mischen sich ein. Noch dazu mit einer oft anderen Art zu sprechen, zu denken, zu Entscheidungen zu gelangen. Und sie könnten besser sein als man selbst. Sie könnten eines Tages der Chef sein.<br />
Der Aufstieg der Frauen bereitet den meisten Männern Angst. Dass Frauen in großen Zahlen und mit viel Selbstbewusstsein seit einigen Jahren in die Arbeitswelt drängen, eine Sphäre, die bis vor wenigen Jahrzehnten ganz selbstverständlich ihnen gehörte, und dass der Zeitgeist dabei ganz auf der Seite der Frauen steht, versetzt viele Männer in Panik. Ich habe diese Panik in vielen Momenten gespürt, ich habe sie bei Kollegen genauso gesehen wie bei Freunden. Immer wieder droht sie dann aufzuflammen, wenn eigentlich harmlose Meinungsverschiedenheiten in grundsätzliche Auseinandersetzungen münden, wenn Kritik damit endet, dass einem gänzlich die Kompetenz abgesprochen wird.<br />
Man darf diese Angst nicht unterschätzen, man darf sie nicht bagatellisieren. Sie hat gute Gründe: Denn die Arbeitswelt ist für Männer, anders für Frauen, der fast einzige Bereich im Leben, aus denen sie Sinn schöpfen, der ihnen eine Identität und Halt gibt. Familien können, anders als für Frauen, Männern diese Stabilität nicht ersetzen. Wenn Männer ihren Einfluss in der Arbeitswelt einbüßen, dann bleibt ihnen nicht mehr viel. So einen Verlust als schmerzhaft zu beschreiben bedeutet gleichsam, ihn zu kleinzureden. Dieser Verlust ist ein existentieller.&#8220; (Hensel 2017)</p></blockquote>
<p>Männer besitzen wenig Bewusstsein für ihr selbst fabriziertes Leid, so lange sie es mit Macht kompensieren können. Es sind mächtige, egoistische Männer &#8211; neoliberale, globalisierungssüchtige CEOs – die uns die Probleme bereiten. Aber immer weniger Durchschnittsmänner haben Macht und immer weniger wollen sie eigentlich haben, denn Macht im Kleinen ist mit Verantwortung verbunden, während sich die Mächtigen ganz oben davon befreit haben. Viele Männer haben auch keine sicheren Arbeitsplätze mehr und verdienen weniger. Deshalb müssen viele Frauen heute berufstätig sein, ob sie wollen oder nicht, es wird aber auch moralischer Druck ausgeübt. Es waren die Frauen und Männer der Gender Studies, die aus falsch verstandenem Mitleid mit den „armen, rechtlosen Vätern“, angeführt von einer maskulistischen, gewaltbereiten Gurkentruppe, dafür gesorgt haben, dass die lästigen Mütter spätestens nach einer Scheidung wieder arbeiten müssen oder sich in Armut und die Kinder automatisch in der Kita oder im sog. Wechselmodell wiederfinden. Den Frauen wird allein die Schuld gegeben, für alles. Nach einer Scheidung wollen und sollen Männer wieder mit einer anderen Frau Kinder haben können, sollen wieder väterlich über sie bestimmen können, aber es fehlt den Männern an allem, was sie dazu befähigt, ein gutes Leben für ihre Familie herzustellen, nämlich das natürliche, mütterliche Netzwerk bedingungsloser Liebe und ein in diesem Sinne aufgeklärtes Problembewusstsein &#8230; und alles Elend beginnt von vorne.</p>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/alex-iby-278048a.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1252" title="Frau zwischen Wänden" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/alex-iby-278048a.jpg?resize=350%2C468&#038;ssl=1" alt="Frau zwischen Wänden" width="350" height="468" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/alex-iby-278048a.jpg?w=350&amp;ssl=1 350w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/alex-iby-278048a.jpg?resize=224%2C300&amp;ssl=1 224w" sizes="(max-width: 350px) 100vw, 350px" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/mJOCYM6NV_A?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Alex Iby</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span></p>
<h3 id="Machen-sich-Hausfrauen-an-ihrer-Gesundheit-schuldig">Machen sich Hausfrauen an ihrer Gesundheit schuldig?</h3>
<p>Um allen gerecht zu werden, sollen Frauen, die offenbar allen in jeder Lebenslage nur zur Last fallen, vollzeit berufstätig sein, müssen sich dort aber Sexismus gefallen lassen. Um es den Frauen schmackhaft zu machen, ihre Einstellung zu manipulieren, und vor allem den Politikern Argumente zu liefern, wird behauptet, dass Berufstätigkeit Frauen gesünder mache, ein wahrer Hohn. Die eben genannte Psychiaterin Christin Munsch tutet in dieses Horn.</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Versorgerrolle hat den umgekehrten Effekt für Frauen, wenn es um das psychologische Wohlbefinden geht. Es hat sich gebessert, weil sie einen größeren wirtschaftlichen Beitrag leisten. Umgekehrt verschlechterte ihr psychologisches Wohlbefinden, wenn sie weniger zum Familieneinkommen beitrugen. (&#8230;) Munsch führt diesen unterschiedlichen psychologischen Nutzen auf kulturelle Erwartungen an Männer und Frauen zurück: &#8222;’Männer, die viel mehr Geld verdienen als ihre Partnerinnen, können sich mit einem Gefühl der Verpflichtung und der Sorge um den Erhalt des Status als Ernährer mit dem Broterwerb begnügen’, sagt Munsch. ‚Frauen hingegen können den Broterwerb als Chance oder Wahlmöglichkeit ansehen. Sie können Stolz empfinden, ohne sich zu sorgen, was andere sagen werden, wenn sie es nicht können oder nicht durchhalten (&#8230;) eine gute Nachricht, wenn man bedenkt, dass beide, Ehemann und Ehefrau, normalerweise arbeiten. ‚Unsere Studie zeigt, dass die Entkoppelung von Ernährerrolle von der Männlichkeit konkrete Vorteile für Männer und Frauen hat’, sagt Munsch. ‚Während das psychische Wohlbefinden und die Gesundheit von Männern tendenziell zunehmen, wenn ihre Frauen mehr wirtschaftliche Verantwortung übernehmen, verbessert sich auch das psychische Wohlbefinden von Frauen, wenn sie mehr wirtschaftliche Verantwortung übernehmen.’&#8220; (ASA 2016, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Ist das wirklich eine gute Nachricht? Hier wird das Wohl des Vaters ganz offen gegen den Rest der Familie aufgewogen. Im Patriarchat geht es letztlich immer nur um das Wohl des Vaters. Jetzt seien es also die (Haus-)frauen, die Männer krank machen! Während Männer als Ernährer nun regelrecht psychisch krank werden, werden Frauen als Ernährerinnen angeblich einfach nur zufrieden und stolz? Aber was ist mit den Frauen, die ihre Arbeit weder als Chance noch als Wahlmöglichkeit noch als gutes Leben wahrnehmen? So etwas kommt in Munschs Denken nicht vor. Stolz scheint für sie ein erstrebenswertes Ziel zu sein. Stolz hebt von anderen ab, aber Stolz ist auch narzisstisch. Und Patriarchat macht ja immer irgendeinen stolz, bisher vor allem die Männer, deren Stolz die Welt längst in die Katastrophe getrieben hat. Und: Dummheit. Die wächst ja bekanntlich mit Stolz auf einem Holz. Was ist, wenn es eines Tages aufgrund des enormen gesellschaftlichen Drucks weibliche Vollbeschäftigung gibt und sie so selbstverständlich ist, dass es keine Chancen mehr braucht und Frauen keine Wahl mehr haben? Dann kann Stolz nicht mehr aufkommen – es sei denn alle Männer bleiben nun zuhause bei den Kindern &#8211; und dann sind die Frauen nur noch die „Dummen“, denn sie werden weiterhin Mütter, mit ihrem ganzen Körper und ihrer Seele, und werden noch kränker als die Männer. Mutterschaft ist nämlich keine Rolle, die frau ablegen kann, Vaterschaft dagegen sehr wohl. Heutzutage sind Mütter zum Wohle des Vaters längst am Rande der Erschöpfung. Aber zum Glück arbeitet das Patriarchat ja schon an der künstlichen Gebärmutter, die die lästige Mutter überflüssig macht.</p>
<p>Berufstätige Mütter müssen viel Arbeit an andere delegieren, übrigens schlechtbezahlte Frauen, meist, weil die eigene Mutter, die gar nichts bekäme, auch berufstätig ist oder weit weg wohnt. So fällt am Ende zwar weniger Haus- und Familienarbeit an, aber ein schlechtes Gewissen den Kindern gegenüber bleibt. Gegen das schlechte Gewissen, das wir ja nur haben, weil wir von Natur aus matrifokal sind, wird inzwischen intensiv mit dubiosen Studien Gehirnwäsche betrieben, nach denen Mütter ihren Kindern sogar schaden.</p>
<p>Schon seit längerem liefern auch zahlreiche deutsche Studien, die sich mit der Lebensqualität von Hausfrauen und berufstätigen Müttern befassen, PolitikerInnen Argumente. Hier wurden keine Vorher-Nachher Untersuchungen angestellt, sondern Frauen aus ihrer Situation heraus befragt und daraus Kausalketten konstruiert. Folgender Satz ist symptomatisch:</p>
<blockquote><p>&#8222;Nach unseren Ergebnissen ist daher festzuhalten, dass Berufstätigkeit von Frauen, insbesondere von Schwangeren und Müttern in hohem Ausmaß zu besserer Gesundheit, höherer Lebenszufriedenheit und deutlich gesünderer Bewältigung von Lebensanforderungen führt.&#8220; (Quelle: Borchert, Cotlatz 1992)</p></blockquote>
<p>Es macht sich demnach im Umkehrschluss eine Frau nicht nur an der Gesundheit ihres Mannes schuldig, sondern auch an ihrer eigenen, wenn sie nur Hausfrau ist. Die Vertauschung von Ursache und Wirkung, die Ingrid Waldron schon entlarvt hatte, wird uns hier geschickt untergejubelt. Etwas anderes dringt auch nicht mehr an die Öffentlichkeit. Die Botschaften solch unseriöser Forschung werden schon seit langem über Frauenzeitschriften lanciert, wie in diesem Beispiel, als es in der BRIGITTE um den Themenkreis Endometriose ging:</p>
<blockquote><p><em>&#8222;(&#8230;) Wer am Arbeitsplatz häufig wegen Regelschmerzen fehlt, stößt auf kaum Verständnis. So streben Frauen mit schweren Verläufen sogar die Frühverrentung an. ‚Dabei geht es berufstätigen Endometriose-Patientinnen nachweislich besser.’, sagt Iris Brandes. ‚Das Problem ist nicht ihr Job, sondern die Therapie: Mit der richtigen Behandlung können Frauen arbeiten.’ Doch die finden viele erst am Ende eines langen Leidensweges: auf der Reha-Station einer der wenigen auf Endometriose spezialisierten Kliniken. Dort kann die Suche nach einer individuell passenden Schmerz- und Hormonbehandlung mit Ratschlägen zur Ernährung, Bewegungs- und Körpertherapie kombiniert werden. (&#8230;)</em>&#8220;<br />
(Baumgart in: Brigitte 9/2009)</p></blockquote>
<p>Die Botschaft lautet: „Frauen, reißt Euch zusammen, geht zur Arbeit und alles wird gut.“ Oder noch schöner „es geht Euch schlecht, WEIL ihr nicht arbeitet.“ Tabletten schlucken das ganze Arbeitsleben hindurch und Operationen sollen es ermöglichen. Dass Chemie kein normales Wohlbefinden herstellen kann, ist ja jeder Frau bewusst. Schlimmer ist, dass wir uns damit neue Probleme einhandeln. Schon durchschnittliche <a href="https://generation-pille.com/byebyepille/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pillen-Nutzerinnen</a> wissen das.<br />
<a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/maira-gallardo-330697.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/maira-gallardo-330697.jpg?resize=300%2C200&#038;ssl=1" alt="" width="300" height="200" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/ix645sk3r3g?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Maira Gallardo</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Auch die im Artikel zitierte Medizinökonomin Iris Brandes vertauschte unzulässigerweise Ursache und Wirkung. Denn Frauen, die eine leichte Endometriose haben, gehen auch häufiger in den Beruf, dies aber auch nicht ohne Schmerztabletten. Ihre Behauptung, dass die Endometriose zufriedenstellend behandelbar sei, ist schlicht weg nicht wahr. Tatsächlich geht es vielen Endometriose-Patientinnen bis heute auch mit Therapie so schlecht, dass Selbsthilfegruppen und Internet-Foren regen Zulauf haben, und sie nicht berufstätig sein können. Auf der Homepage der amerikanischen „Endometriosis Association“ können wir daher immer noch lesen:</p>
<blockquote><p>&#8222;<em>Je stärker der hormonelle Eingriff um so ausgeprägter die Nebenwirkungen. Daher wird der Einsatz von GnRH -Agonisten heute kritisch gesehen. Alternativmedizinische Konzepte wie die TCM (traditionelle chinesische Medizin/ u.a. Akupunktur) können vielen Frauen eine nebenwirkungsfreie Behandlung anbieten. (&#8230;) Bei Fällen von schwerer Endometriose kann es aber sogar nach Radikaloperationen oder den Wechseljahren zum Wiederauftreten der Erkrankung im Zusammenhang mit einer Hormonersatztherapie oder noch vorhandener körpereigener Hormonproduktion kommen. Daher empfehlen manche Sachverständige, während einer kurzen Zeit nach der Entfernung der Eierstöcke auf eine Hormonersatztherapie zu verzichten. </em>(&#8230;) <em>Vielleicht werden wir eines Tages dieses komplexe Krankheitsbild verstehen und eine Lösung für alle Unklarheiten, Schmerzen und Frustrationen, die dieses Leiden mit sich bringt, finden.&#8220; (Endometriosis Association 1999)</em></p></blockquote>
<p>Früher konnte sich eine Frau mit Bauchschmerzen ins Bett legen, heute soll sie sich zur Arbeit quälen. Es ist wirklich kein Wunder: Viele Frauen mit Endometriose sind Hausfrauen oder arbeiten Teilzeit; sie sind auf die Versorgung durch ihren Partner angewiesen. Aber: Das Teuflische an der Endometriose ist, dass betroffene Frauen oft Schmerzen beim Sex haben. Anders als bei den meisten anderen Krankheiten haben sie damit genau bei der Sache Schwierigkeiten, wofür die Ehe einst erfunden wurde! Die Ehe dient ja der Kontrolle der Sexualität der Frau und der Verfügbarkeit ihres Körpers, bzw. der Unterdrückung ihrer <em>female choice</em>, und ist die Basis der Herrschaft des Vaters, kurz des Patriarchats. Daher muss sie ihrem Manne exklusiv und jederzeit zur Verfügung zu stehen und soll auch noch Freude zur Schau stellen. Heute ist die Vergewaltigung in der Ehe zwar verboten. Eine Frau, die ihrem Manne aber nicht &#8222;dienlich&#8220; sein kann und will, ist ständig von Scheidung bedroht, was ihr Verhalten wiederum beeinflusst. Und so kommt es, dass Frauen auch heute Dinge tun, die sie nicht wollen, und die sie noch kränker machen. Im Übrigen gilt das auch für Frauen, die beim Sex immer eine Blasenentzündung bekommen. Es gibt hierbei einen deutlichen Zusammenhang mit der missachteten <em>female choice</em> (vgl. Uhlmann 2015). Gleiches gilt auch für das gerade erst öffentlich gewordene Krankheitsbild der <a href="http://wienerin.at/home/lieben/psyche/5103156/Postkoitale-Dysphorie_Depressiv-nach-dem-Sex-Das-koennte-der-Grund" target="_blank" rel="noopener noreferrer">postkoitalen Dysphorie</a>, deren Ursachen nur wenig verstanden werden, weil die <em>female choice</em> in der Schulmedizin bisher nicht vorkommt. Betroffenen Frauen bleibt oft nur die Berufstätigkeit ohne männlichen Lebenspartner oder ein sehr einsichtiger Partner, den frau lange suchen muss.</p>
<p>Abgesehen von diesen, das Sexualleben einer Partnerschaft störenden Krankheiten, schützt die Partnerschaft kranke Frauen offenbar recht gut vor krankheitsbedingtem sozialem Abstieg. Ingrid Waldron legte Ende der Neunziger Jahre drei weitere Studien auf, mit denen sie die Zusammenhänge von Krankheit und Ehe untersuchte, ausgehend von der Beobachtung, dass verheiratete Erwachsene im Allgemeinen gesünder sind als unverheiratete Erwachsene. Alle drei Studien untersuchten dieselbe Gruppe von 3.331 Frauen, eine große nationale Stichprobe aus den USA, die in die „National Longitudinal Surveys of Young Women“ (nationale Langzeituntersuchung an jungen Frauen) einfloss. Die Frauen waren zu Beginn zweier aufeinanderfolgender fünfjähriger Nachbeobachtungsintervalle (<em>Follow-up</em> 1978-1983 und <em>Follow-up</em> 1983-1988) 24-34 Jahre alt.<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8816016" target="_blank" rel="noopener noreferrer" id="die-erste-studie">Die erste Studie</a> überprüfte, ob „die Ehe mit guter Gesundheit verbunden ist, weil sie gesundheitsfördernde Wirkungen hat (Heiratsschutzeffekte) und / oder weil gesündere Personen eher heiraten und verheiratet bleiben (Heiratsselektionseffekte).“ Sie kam zu folgendem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Auswertungen der (&#8230;) Daten deuten darauf hin, dass es signifikante Heiratsschutzwirkungen gab, jedoch nur bei Frauen, die nicht angestellt waren. <strong>Insbesondere bei Frauen, die nicht berufstätig waren, hatten verheiratete (&#8230;) bessere Gesundheitstrends als unverheiratete.</strong> Es scheint, dass die Ehe als alternative Quelle finanzieller und sozialer Unterstützung gesundheitsfördernde Wirkungen für Frauen hatte, die nicht berufstätig waren. <strong>(&#8230;) Insbesondere Frauen, die eine bessere Gesundheit hatten, waren anfänglich eher verheiratet und erlebten weniger wahrscheinlich eine Scheidung, was aber nur für Frauen gilt, die nicht in Vollzeit und nur während des ersten Follow-up-Intervalls beschäftigt waren.</strong> Es ist augenscheinlich, dass bei Frauen, die nicht berufstätig waren, Heiratsschutzeffekte und Heiratsselektionseffekte zum Unterschied (&#8230;) im Familienstand beitrugen. <strong>Im Gegensatz dazu wurden bei Frauen, die Vollzeit beschäftigt waren, weder Heiratsschutz- noch Heiratsselektionseffekte beobachtet.</strong> Wie erwartet, zeigen die Daten, dass die Unterschiede in der Gesundheit je nach Familienstand sehr groß waren, und für Frauen, die nicht erwerbstätig waren, hoch signifikant waren, wohingegen sie für erwerbstätige Frauen viel kleiner und oft nicht signifikant waren. <strong>Frauen, die weder verheiratet noch berufstätig waren, hatten eine besonders schlechte Gesundheit.</strong> Zusätzliche Beobachtungen deuten darauf hin, dass <strong>Frauen, die weder verheiratet noch berufstätig waren, unter mehreren wechselseitigen Benachteiligungen litten, darunter schlechte Gesundheit, niedrige Einkommen und soziodemographische Merkmale, die Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche nach sich zogen.&#8220;</strong> (Waldron <em>et al.</em> 1996, meine paraphrasierte Übersetzung, Verkürzungen dienen der Verständlichkeit, meine Hervorhebungen)</p></blockquote>
<p>Die Ausgangsannahme der gesundheitsfördernden Wirkung der Ehe wurde damit nur für wenig oder nicht berufstätige Frauen bestätigt. Während leicht kranke Hausfrauen in der Ehe sogar gesünder werden, haben schwer kranke Frauen auf dem Heiratsmarkt wenig Chancen. Vollzeit berufstätig profitiert keine Frau von der Ehe.<br />
Es ist ja ganz klar, dass Frauen, die aufgrund ihrer Verfassung in die Ehe gezwungen sind, um abgesichert zu sein, auch nicht besonders glücklich sind, aber doch immerhin glücklicher als ohne jede Sicherheit, was sich natürlich positiv auswirken muss. Gleichzeitig hatten es kranke Ehefrauen viel schwerer, überhaupt einen Partner zu finden, so dass sie wahrscheinlich einfach nur froh und dankbar sind, und sich das Gefühl von Sicherheit positiv auswirkt.</p>
<p><a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9351156" target="_blank" rel="noopener noreferrer" id="die-zweite-studie">Die zweite Studie</a> überprüfte, ob „sich der Familienstand auf die Gesundheit zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten Frauen unterschiedlich auswirkt“. Sie kam zu folgendem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>&#8222;(&#8230;) Wegen körperlicher Beeinträchtigungen und allgemeiner Gesundheitsprobleme tendierten im ersten Follow-up-Intervall nie verheiratete Frauen zu schlechterer Gesundheit als geschiedene und getrennte Frauen. <strong>Für psychosomatische Symptome gab es jedoch keine tendenziellen Unterschiede zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten Frauen des Follow-up-Intervalls auch nicht für irgendeine andere gesundheitliche Messgröße im zweiten Follow-up-Intervall.</strong> Unsere Analysen der Daten zeigten nur wenige signifikante Unterschiede im Gesundheitszustand zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten Frauen. <strong>Zusammengenommen weisen die Ergebnisse unserer Studie und früherer Studien darauf hin, dass Unterschiede zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten Frauen je nach Alter und/oder Kohorte variieren können.</strong> Die augenscheinlichen Befunde für die 1970er und 1980er Jahre legen nahe, dass bei älteren Frauen geschiedene und getrennte Frauen möglicherweise schädlichere gesundheitliche Auswirkungen davon trugen als nie verheiratete Frauen; bei jüngeren Frauen war dieser Unterschied jedoch möglicherweise nicht vorhanden oder möglicherweise aufgehoben worden.&#8220; (Vgl. Waldron <em>et al.</em> 1997, meine paraphrasierte Übersetzung, Verkürzungen dienen der Verständlichkeit, meine Hervorhebungen)</p></blockquote>
<p>Anders gesagt bedeutet das: Dass nie verheiratete Frauen häufiger körperlich krank sind, bestätigt noch einmal die Ergebnisse der ersten Studie, nach der sie schwerer einen Partner finden. Was die psychosomatischen Symptome angeht, vergleicht Waldron Getrennte und nie Verheiratete und stellt fest, dass sie ähnlich gesund oder krank sind. Dieser Befund entspricht im Grunde der Munsch-Studie, aber nur wenn wir voraussetzen, dass diese nie Verheirateten gesunde, berufsorientierte Frauen waren. Auf körperliche und psychosomatische Beschwerden gemeinsam bezogen, verwischte jeder Unterschied zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten. Wird das Alter der Frauen mitberücksichtigt, differenziert sich das Bild noch einmal. Je früher sich eine Frau trennte, desto weniger litt offenbar ihre Gesundheit darunter.</p>
<p><a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9785695" target="_blank" rel="noopener noreferrer" id="die-dritte-studie">Die dritte Studie</a> überprüfte insgesamt vier Hypothesen „über die Auswirkungen von Beschäftigung, Heirat und Mutterschaft auf die allgemeine körperliche Gesundheit von Frauen (&#8230;) Diese Hypothesen sagen voraus, wie der Gesundheitseffekt jeder Rolle variiert, abhängig von den spezifischen Rollenmerkmalen und den anderen Rollen, die eine Frau innehat.“ (Waldron <em>et al. </em>1998)</p>
<p>Die 1. Hypothese ging davon aus, „dass Beschäftigung und Ehe ähnliche Ressourcen zur Verfügung stellen (z. B. Einkommen und soziale Unterstützung), und infolgedessen können Beschäftigung und Ehe sich in ihren vorteilhaften Wirkungen auf die Gesundheit gegenseitig ersetzen.“ Die Untersuchung führte zu folgendem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>„Wie vorhergesagt, stellten wir fest, dass die Beschäftigung bei unverheirateten Frauen positive Auswirkungen auf die Gesundheit hatte, bei verheirateten Frauen jedoch nur geringe oder gar keine Auswirkungen. In ähnlicher Weise hatte die Ehe nur für Frauen, die nicht erwerbstätig waren, gesundheitsfördernde Wirkungen.&#8220; (Waldron <em>et al. </em>1998, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Die 2. Hypothese ging davon aus, dass erwerbstätige Mütter eine Doppelbelastung erfahren, was zu schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit führt. Dazu kam es zu folgendem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>&#8222;Wir fanden jedoch nur <strong>sehr wenige Beweise dafür, dass die Kombination von Beschäftigung und Mutterschaft zu schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit führte.</strong>&#8220; (Waldron <em>et al. </em>1998, meine Übersetzung, meine Hervorhebung)<strong><br />
</strong></p></blockquote>
<p>Im Gegensatz zu den Vorhersagen der 3. Hypothese, der &#8222;Rollenüberforderungshypothese&#8220;,</p>
<blockquote><p>&#8222;<strong>scheint es, dass weder längere Arbeitszeiten noch mehr Kinder schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben.</strong>&#8220; (Waldron <em>et al.</em> 1998, meine Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
<p>Wie durch die 4. Hypothese vorhergesagt,</p>
<blockquote><p>&#8222;schien <strong>das jüngere Alter bei der ersten Geburt</strong>, insbesondere eine Geburt im Teenageralter, zu schädlicheren Gesundheitsfolgen zu führen.&#8220; (Waldron <em>et al.</em> 1998, meine paraphrasierte Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
<p>Anders gesagt bedeutet das: Diese Ergebnisse bestätigen die erste und zweite Studie. Sie liefern nicht den Nachweis, dass die Berufstätigkeit verheiratete Frauen gesünder mache, aber auch nicht kränker. Wie wir ja inzwischen wissen, sind die Frauen, die in den Beruf gehen, überwiegend von vorne herein gesund. Die Studie liefert auffälligerweise kaum Beweise, dass eine Doppelbelastung krank macht. Darüber hat sich auch Ingrid Waldron gewundert. Das steht auch im Kontrast zu Caterina Trevisans Behauptung, dass mehr Mithilfe des Mannes im Haushalt vor Krankheit schützt. Aber Waldron ahnt sehr wohl  &#8211; wie wir alle eigentlich &#8211; dass viele berufstätige Mütter insbesondere kleiner Kinder am Rande der Erschöpfung sind (vgl. Repetti <em>et al.</em> 1989, S. 1394 u. 1399). Aber selbst die Kinderzahl hat der Studie zufolge keinerlei Auswirkungen auf die Gesundheit. &#8222;Nur sehr wenige Beweise&#8220; bedeutet zwar nicht &#8222;keine Beweise&#8220;, wenn wir aber bedenken, dass diese meisten Frauen 1. als Berufstätige eher von vorne herein gesund sind, 2. die Zahl ihrer Kinder selbst bestimmen können, 3. aufgrund ihrer Berufstätigkeit Zugang zu Hilfsangeboten haben, 4. sie Hausarbeit delegieren können, 5. sie das Geld haben, teure Gesundheitsangebote wahrzunehmen und 6. oft die Option haben, auch in Teilzeit zu gehen, ist das nicht verwunderlich.<br />
Ein sehr junges Alter bei der ersten Geburt ist dagegen meist eine unfreiwillige Situation. Dass hier gesundheitliche Schwierigkeiten auftreten, kann unterschiedliche Gründe haben, die aber vor allem im Umfeld der Mutter zu suchen sind, jedenfalls ist sie in Anbetracht der prekären Situation, in die sie meist gerät, zwangsläufig überfordert.</p>
<h3 id="die-patriarchale-realitaet-macht-frauen-krank">Die patriarchale Realität macht Frauen krank</h3>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/scott-webb-386701.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Mehrparteienhaus" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/scott-webb-386701.jpg?resize=300%2C445&#038;ssl=1" alt="Mehrparteienhaus" width="300" height="445" /></a></p>
<p><span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/sgMdt0sTi0s?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Scott Webb</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
<br />
Wir wissen, dass vieles, was Frauen krank macht, direkt mit der Partnerschaft zu tun hat: die Konflikte mit dem Ehemann, der indirekt aufrechterhaltene Zwang zum Geschlechtsverkehr bzw. die sexuelle Unfreiheit, ein schnarchender Ehemann, herrschsüchtige Schwiegereltern, häusliche Gewalt u. v. m.. Letzteres wurde jüngst vom BKA untersucht, mit dem Ergebnis, dass die Familie der gefährlichste Ort für Frauen und Kinder ist. Krankmachend ist auch die für das Patriarchat typische Wohnsituation. Nachbarschaftsstreit und Isolation in engen Wohnungen oder im Golden Käfig, trägt das seine dazu bei. Es ist aber auch nicht von der Hand zu weisen, dass Berufstätigkeit Frauen krank macht, und zwar vor dem Hintergrund der durch und durch patriarchalen Philosophie der Berufswelt, einer Welt, die von Männern für Männer gemacht wurde und in die Frauen sich nun integrieren (sollen).</p>
<p>Krank machende Faktoren der Arbeit selbst sind bekanntermaßen &#8211; das gilt für beide Geschlechter &#8211; lange Arbeitszeit, Schichtarbeit, schwere körperliche Arbeit oder überwiegend sitzende Tätigkeiten, Kontakt mit Giftstoffen oder Krankheitserregern, das Arbeitsklima unter den Kollegen, die Führungsqualitäten des Chefs/der Chefin, unverschämte Kunden, mangelnde Lohngerechtigkeit und die Einstellung zur Arbeit. In einer Studie der Ohio State University aus dem Jahre 2016 wurde nun festgestellt, dass zuviel Arbeit vor allem Frauen krank macht. Sie untersuchten eine Gruppe von 7492 Personen aus der „National Longitudinal Survey of Youth“, die 32 Jahre Berufserfahrung hatten (1978 bis 2009)</p>
<blockquote><p>&#8222;Diese Studie zielt darauf ab, das chronische Krankheitsrisiko im Zusammenhang mit längerer Arbeit in Stundenplänen für acht schwerwiegende chronische Krankheiten zu bewerten: Herzerkrankungen, Nicht-Hautkrebs, Arthritis, Diabetes, chronische Lungenerkrankungen, Asthma, chronische Depression und Bluthochdruck. (&#8230;) Die regelmäßige Arbeit über 32 Jahre hinweg war signifikant mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen, Hautkrebs, Arthritis und Diabetes assoziiert. Das beobachtete Risiko war bei Frauen viel größer als bei Männern. (&#8230;) Langfristige Arbeitszeitpläne über viele Jahre erhöhen das Risiko für bestimmte chronische Krankheiten, insbesondere für Frauen.&#8220; (Dembe <em>et al.</em> 2016)</p></blockquote>
<p>Frauen sind auch häufiger krankgeschrieben als Männer, obwohl sie bekanntermaßen mehr auf ihre Gesundheit achten und sich besser ernähren:</p>
<blockquote><p>„Der Krankenstand der weiblichen Versicherten ist mit durchschnittlich 4,2 Prozent – wie auch in den Vorjahren – höher als der der männlichen Versicherten (3,7 Prozent). Wie der Altersverlauf zeigt, liegt der Krankenstand der Frauen praktisch in allen Altersgruppen über dem der Männer. Der höhere Krankenstand von Frauen ist im Wesentlichen auf eine höhere Fallhäufigkeit (121,3 Fälle bei Frauen gegenüber 104,0 Fällen bei Männern je 100 Versichertenjahre) zurückzuführen.“ (Storm 2017, S. 14)</p></blockquote>
<p>Frauen leben auch länger als Männer, halten also trotz aller Schwierigkeiten länger durch. Sie sind als Berufstätige möglicherweise auch deshalb gesünder, <strong>weil</strong> sie sich häufiger krankschreiben lassen und sich so vor krankmachender Arbeit besser schützen. Sie scheuen sich weniger, sich krankschreiben zu lassen, denn sie haben meist feine Antennen dafür, was sie sich zumuten können, und oft sind sie nicht Alleinverdienerinnen, die um ihren Job fürchten müssten. Aber Frauen lassen sich noch viel zu wenig krankschreiben. Viele werden erst richtig krank, <em>weil</em> sie es sich nicht leisten können, weil sie <em>nicht krank</em> werden dürfen. Im Übrigen auch nicht ihre Kinder! Sehr kleine Kinder sind besonders anfällig und leiden besonders darunter, aber ausgerechnet sie werden in der Kita dauerhaft vielen Erregern ausgesetzt, die sie obendrein an ihre Eltern und Erzieherinnen weitergeben. Eine vergleichbare Ansteckungsgefahr hat es in der Evolution nie gegeben, und die <a href="http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/58634/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Medizin fängt jetzt erst an zu verstehen, was das anrichten kann</a>. Wenn das Kind krank wird oder wenn die Kita schließen muss, bleibt der Mutter oft nur noch, sich selbst krank zu melden, weil ihre Urlaubstage und vertraglich geregelten kindbedingten Fehlzeiten, die viel zu knapp bemessen sind, schon verbraucht sind. Manchen mag das wie eine die Gesellschaft ausbeutende Trickserei vorkommen, aber sie sollten dran denken, dass Mütter die Berufstätigen von morgen großziehen, die eines Tages auch die Rente erarbeiten.</p>
<h3 id="Schon-die-Maedchen-werden-krank-gemacht">Schon die Mädchen werden krank gemacht – Kinderarbeit und Drill</h3>
<p>Wir Frauen werden schon früh trainiert, uns anzupassen. Die Schule nimmt auf die Beschwerden von Mädchen keine Rücksicht. In der aktuellen <a href="https://www.kiggs-studie.de/deutsch/home.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) des Robert-Koch-Instituts</a> lesen wir:</p>
<blockquote><p>&#8222;In der Altersgruppe der 14- bis 17-Jährigen schätzten Mädchen ihre Lebensqualität signifikant niedriger ein als gleichaltrige Jungen. In den beiden jüngeren Altersgruppen war kein Geschlechterunterschied in der Lebensqualitätseinschätzung zu beobachten.&#8220; (Ellert et al. 2014, S. 801)</p></blockquote>
<p>Alle Jugendlichen leiden unter chronischem, von der Schule aufgezwungenem Schlafmangel und Stress, dies ausgerechnet in einer Zeit, wo sich das Gehirn noch entwickeln muss. Aber Mädchen sind besonders leidgeprüft. Es ist tatsächlich kein Geheimnis, dass Mädchen in den ersten Tagen der Menstruation oft starke Schmerzen haben und häufig dem Unterricht fernbleiben oder nicht den Anforderungen folgen können. Das Horrorszenario überhaupt ist ein Blutfleck auf der Kleidung, das es um jeden Preis zu vermeiden gilt, aber der <a href="https://www.mynfp.de/unregelmaessiger-zyklus" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zyklus</a> ist unberechenbar, und schon greifen Mädchen zur Pille.<br />
Ständig unter Konkurrenz versuchen sie ihre sexuelle Attraktivität auch durch aufwändiges Herausputzen zu steigern, evolutionär gesehen, um baldigst schwanger zu werden. So betrachtet ist es kein Wunder, dass &#8222;Germany&#8217;s Next Topmodel&#8220; so erfolgreich ist. Die KiGGS-Studie zeigt nun, dass rund jedes fünfte Kind einzelne Symptome einer Essstörung aufweist. Obendrein empfand sich fast jedes zweite Mädchen zwischen 11 und 17 Jahren als zu dick (vgl. Burger 2017). Das Schönheitsideal hat nichts mit den evolutionären Erfordernissen zu tun. Aber nicht Heidi Klum ist daran Schuld, sondern das patriarchale System, in dem junge Frauen verzweifelt nach einem guten Leben suchen müssen. Doch alle gemeinsam arbeiten daran, das zu verhindern. Die zunehmenden Fälle von Magersucht zeigen, dass Mädchen dem Druck nicht mehr gewachsen sind. Trotz aller Schwierigkeiten „ihren Mann zu stehen“ und gleichzeitig eine attraktive Frau zu sein, schaffen die Allerwenigsten. Dass Mädchen keinen Hass auf ihren Körper entwickeln, ist schon die Ausnahme.</p>
<p><span style="font-size: 8px;"><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/henrique-felix-113544.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1267" title="ein dünnes Süppchen" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/henrique-felix-113544.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="ein dünnes Süppchen" width="600" height="400" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/henrique-felix-113544.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/henrique-felix-113544.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><br />
Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/JVkGUwTYQag?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Henrique Félix</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Die amerikanische Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy klärt uns darüber auf, dass natürlicherweise die Mädchen am wenigsten arbeiten, die alten Frauen dagegen am meisten:</p>
<blockquote><p>„Bei einigen Jäger-Sammler-Gruppen wie den Pumé in Venezuela beispielsweise beginnt die Durchschnittsfrau erst mit Mitte zwanzig, ihre Nahrung für sich selbst zu sammeln. (&#8230;) Selbst wenn sie harte Arbeit leisten, etwa Knollen ausgraben, buddeln Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren weniger Knollen in einer Stunde aus als ältere Frauen, die schon über 40 sind. Wenn die Nahrung ins Lager zurückgetragen wird, sind es am Ende aus irgendeinem Grunde immer die starken jungen Frauen, die die leichtesten Lasten tragen. (&#8230;) Teenager sind (&#8230;) unter Umständen nicht mit ganzem Herzen bei der Sache, selbst dann nicht, wenn es sich um eine leichte Aufgabe handelt. (&#8230;) Es ist so, als schonen Teenager sich für etwas Besseres – was unter dem Gesichtspunkt der Fortpflanzung auch tatsächlich so ist. (&#8230;) Moderne Mütter machen grimmige Witze über den Narzissmus der jungen Frauen, ihre Ich-Bezogenheit, Unruhe und ihre Fixiertheit auf das andere Geschlecht. Doch von ihrem Standpunkt aus gesehen arbeiten die Mädchen um die Zeit der Menarche auf ihre Weise hart: sie programmieren nämlich ihren Hypothalamus und ihre Eierstöcke neu (&#8230;) Heranwachsende haben mitunter Erwartungen und setzen Prioritäten, die sich stark von denen der Eltern unterscheiden. Auch wenn sie den Grund dafür nicht kennen, werden sie, wenn es hart auf Hart kommt, ihr eigenes Fortpflanzungspotenzial nicht zu Gunsten eines fremden Babys aufs Spiel setzen. „Kinderarbeit, das soll wohl ein Witz sein“, lamentiert eine Mutter (&#8230;) ermüdet vom Widerstand ihrer Tochter gegen jede Hausarbeit.“ (Blaffer Hrdy 2010a, S. 316 f)</p></blockquote>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Mädchen auf dem Jahrmarkt" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/annie-gray-401017.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Mädchen auf dem Jahrmarkt" width="600" height="400" /><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/_O6xCs0P-NI?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Annie Gray</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Mädchen interessieren sich jedoch bei weitem nicht nur für Jungen, sondern sind schon lange bevor sie Mutter werden damit beschäftigt, <a href="http://www.spektrum.de/news/kinder-koennen-auch-ohne-vater-gluecklich-aufwachsen/1479737" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ein helfendes Netzwerk zu schaffen</a>. Sarah Blaffer Hrdy schreibt dazu:</p>
<blockquote><p>„Beginnend im Mädchenalter, werden Frauen mit zunehmendem Alter immer geschickter darin, Freundschaften zu schließen. Diese Neigungen wurzeln anders als bei Männern nicht in dem Bestreben, Jagdgefährten oder Waffenbrüder zu finden. Ob bewusst oder nicht, suchen Frauen nach ‚Schwestern’, die ihnen bei der Versorgung ihrer Kinder zur Seite stehen. Selbst der starke Drang, sich beliebt zu machen und ‚dazuzugehören’, der bei Mädchen im Teenageralter so unverkennbar ist und der zur Folge hat, dass sie äußerst empfindlich darauf regieren, was andere von ihnen denken, aber auch, dass sie sehr konkurrenzorientiert sind und andere rücksichtslos ausschließen, hat möglicherweise viel mit dem Aufbau von Bindungen zutun, die in den Umwelten unserer Vorfahren für die erfolgreiche Aufzucht von Kindern von entscheidender Bedeutung gewesen sein dürften.“ (Blaffer Hrdy 2010b, S. 372 f)</p></blockquote>
<p>Das Netzwerken ist für Frauen evolutionär gesehen eine brandneue und daher sehr anstrengende Arbeit, weil sie ursprünglich in ein bestehendes, funktionierendes Netzwerk, nämlich die matrilineare Sippe, hineingeboren wurden. Männer sind dagegen seit Urzeiten daran gewöhnt, mit fremden Männern Kontakt aufzunehmen und bildeten einst Jagdkollektive. Mittlerweile ist klar, dass das Überleben der Gruppe nicht vom Jagderfolg abhing, sondern vom Sammeltalent der Frauen. Es wurde nur selten ein großes Tier erbeutet. Männer gingen zur Jagd, um mit dem Gejagten angeben zu können. Ein erfolgreicher Mann hatte mitunter häufiger Liebhaberinnen. (vgl. Blaffer Hrdy 2010a, S. 312 u. 332)</p>
<p>Ich sehe das steinzeitliche Netzwerk der Männer als ein Werkzeug der <em>female choice</em> an. Das Netzwerk der untereinander nicht verwandten Männer war die Eintrittskarte jedes Einzelnen in die Sippe des Anderen. Nur wer zum Netzwerk gehörte, war vertrauenswürdig genug, sich den Frauen nähern zu dürfen. Das Netzwerk lieferte nicht nur neue Männer, es schützte auch vor Übergriffen.</p>
<p>Im Patriarchat, wo es keine matrilineare Sippe mehr gibt, ist es für Mädchen überlebensnotwendig geworden, ein Netzwerk aus eigentlich fremden, konkurrierenden Frauen aufzubauen. Evolutionär darauf nicht vorbereitet, läuft das nicht ohne Schwierigkeiten ab und die Netzwerke sind äußerst instabil. Zickenkrieg, Stutenbissigkeit und auch die männlichen Freunde, die überall dabei sind und obendrein eine Herausforderung für die <em>female choice</em> sind, erschweren die Herstellung von Frauenfreundschaften. Was früher von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ablief, wird durch das Internet offensichtlich. Cybermobbing ist unter Mädchen weit verbreitet und macht viele Mädchen krank.<br />
<a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/jacob-townsend-440823.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Junge Frauen in Trennung" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/jacob-townsend-440823.jpg?resize=600%2C421&#038;ssl=1" alt="Junge Frauen in Trennung" width="600" height="421" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/sOK08OmFu04?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Jacob Townsend</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Das von Mädchen mühsam und unter Einsatz ihrer Gesundheit aufgebaute Netzwerk wird mit dem Ende der Schulzeit zerstört, nämlich indem sie ihre Ausbildung nach Möglichkeit weit entfernt absolvieren sollen. Später müssen sie oft in einer anderen Stadt berufstätig sein, was dann bedeutet, dass auch die während der Ausbildung neu geknüpften Netzwerke zerstört werden. Was bedeutet es für das Gefühl der Selbstwirksamkeit einer jungen Frau, wenn das, was ihr am wichtigsten ist, immer wieder zerstört wird? Vielleicht ist die Kompensation dieses Effekts der wahre Grund, warum Mädchen zunächst bessere Noten erzielen als Jungen, im Berufsleben aber wieder in der zweiten Reihe stehen. Das Patriarchat verhindert den Aufbau dauerhafter weiblicher Netzwerke und sorgt für eine weitgehende Isolation. Im Laufe ihres Lebens zerbricht so Manche, die einst so hoffnungsvoll begann.</p>
<p>Die Gebärfähigkeit oder die Größe des sozialen Netzwerkes waren bei den Studien über arbeitende Frauen kein Kriterium für Gesundheit, obwohl das aus medizinischer und verhaltensbiologischer Sicht so ist. Es wurde aber angenommen, dass berufstätige Frauen größere Netzwerke hätten, und deshalb gesünder seien. Dem ist jedoch nicht so, und je mehr Hilfe sie brauchen, desto weniger haben sie:</p>
<blockquote><p>„Die Netzwerkarbeit ist (&#8230;) für viele Frauen nicht so einfach und so lohnend wie für Männer. NetzwerkforscherInnen konnten nachweisen, das berufstätige Frauen mit kleinen Kindern Zeit- und Energierestriktionen unterliegen, die einen negativen Einfluss auf die Größe und das Kontaktvolumen ihrer persönlichen Netzwerke haben (&#8230;).“ (Tonn 2015, S. 180)</p></blockquote>
<p>Das Vorhandensein von Netzwerken oder die Möglichkeit solche zu bilden dürfte also auch entscheidend für die gesundheitlichen Auswirkungen der Berufstätigkeit von Frauen sein.</p>
<p>Wie wir oben erfahren haben, arbeiten bei den Naturvölkern die älteren Frauen am meisten, also auch nicht die Frauen, die gerade kleine Kinder haben. Aber heute wird genau das von jungen Müttern verlangt, nachdem man ihnen alle Netzwerke zerstört hat. Das Potential, das ältere Frauen natürlicherweise noch haben, wurde im Patriarchat vorzeitig verbraucht und kann daher kaum erkannt werden. Sie sind erschöpft, und insbesondere die, die berufstätig waren, unternehmen lieber Kreuzfahrten, als ihren Töchtern zu helfen. Jetzt, sagen sie, seien sie auch mal dran. Sie waren es also während ihres ganzen Berufsleben nicht! Die, die sich einen Egotrip nicht leisten können, verbringen ein Alter im Abseits, wenn die Töchter weit entfernt wohnen. Das Patriarchat hat alles auf den Kopf gestellt. Ein gutes Leben ist damit für Mütter unmöglich gemacht. Wir meinen trotzdem häufig, alles zu haben, nennen uns zufrieden, aber wir wissen nicht, was uns entgangen ist!</p>
<p>Wie es sich schon bei Mädchen abzeichnet, haben Frauen evolutionär bedingt andere Prioritäten als Männer. Die Gesundheit einer Frau im Arbeitsleben hängt in ganz entscheidendem Maße davon ab, ob sie ihre Arbeit als sinnstiftend empfindet und freiwillig macht. Frauen sind von Natur aus viel wählerischer als Männer. Sie müssen so sein, weil sie in höherem Maße Verantwortung tragen. Die <em>female choice</em> und die richtigen Entscheidungen im Alltag, z.B. Wohnort oder Ernährung, all dies ist für Frauen extrem wichtig, weil sie für die nächste Generation mitentscheiden müssen. Warum sollte es bei der Arbeit anders sein und vor allem: warum sollte sich eine Frau festlegen müssen? Wird das alles übergangen, werden Frauen krank, das bestätigen auch die Studien:</p>
<blockquote><p>&#8222;Eine Analyse (&#8230;) spricht dafür, dass Erwerbsbeteiligung nur für verheiratete Frauen mit einer positiven Einstellung zur Erwerbstätigkeit einen positiven Einfluss auf die selbstverordnete allgemeine Gesundheit hat. Verschiedene Querschnittsstudien haben auch gefunden, dass die Verbindung von Berufstätigkeit und guter Gesundheit für diejenigen Frauen stärker ist, die eine positive Einstellung zur Berufstätigkeit haben oder für Frauen, die eine solche dem Hausfrauendasein vorziehen. (&#8230;) Zusammengefasst deuten diese Befunde daraufhin, dass Berufstätigkeit positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat, wenn es eine Übereinstimmung zwischen der Einstellung der Frauen zu oder dem Wunsch nach Berufstätigkeit und ihrem tatsächlichen Rollenstatus gibt.&#8220; (Repetti <em>et al.</em> 1989, S. 1397, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Wer eine überzeugte Hausfrau dazu zwingt, berufstätig zu werden, fügt ihr Schaden zu. Es ist nicht anderes, als wolle man eine Soziologin dazu zwingen, Ingenieurin zu sein. Gleiches gilt, wenn man eine berufsorientierte Frau dazu zwingt, Hausfrau zu sein. Es verbietet sich demnach jede Einmischung in die Lebensgestaltung von Frauen. Stattdessen muss dem Patriarchat auf den tiefsten Grund gegangen werden. Damit meine ich die Philosophie, die die Matrifokalität, das natürliche Schutz- und Netzwerk der Frau, vollverschleiert und sogar abtötet, und Vaterschaft und Familie zu einer Sache der Gerechtigkeit erklärt. Auf dem gleichen Altar der Gerechtigkeit fordert der Feminismus Gleichberechtigung. Es ist aber so, dass Gleichberechtigung nicht identisch ist mit Egalität, und sie verhindert Egalität sogar. Rechte werden vergeben &#8211; und zwar nicht ohne den Segen der Männer &#8211; und können von ihnen wieder genommen werden, solange sie die Gewalt und Macht des Vaters besitzen.</p>
<p>Die Mädchen bzw. Frauen werden schon früh gedrillt, trotz ihrer Beschwerden und Bedürfnisse zu funktionieren, in einer Weise, wie es Jungen bzw. Männern unbekannt ist. Ihre spezifischen Bedürfnisse, auch die von Kindern, werden mit Füßen getreten. Die Leistungsgesellschaft bietet nicht die Sicherheit, die junge Frauen bewusst oder unbewusst suchen und tatsächlich auch brauchen, wenn sie tatsächlich Mutter werden. Junge Frauen spüren überall, wie ihnen der schwankende Boden unter den Füßen ganz weggerissen wird.<br />
Der Feminismus hat erreicht, dass Frauen sich jetzt selbst erforschen dürfen und unendlich viele Tatsachenverdrehungen richtig stellen können. Wünschenswert wäre, dass sie es auch schonungslos tun! Wir wissen jetzt immerhin, dass Frauen, die vergewaltigt wurden, nicht selbst Schuld sind. Was aber Bedürfnisse angeht, klafft weiterhin eine riesige Lücke zwischen soziologischen Wunschträumen und medizinischer und soziologischer Realität. Daher wird noch mehr Zwang aufgebaut, statt ihn zu hinterfragen. Es ist, wie wir gesehen haben, ganz einfach, die Gruppe der Hausfrauen mit Statistik in Misskredit zu bringen und Druck auf sie auszuüben. Sie sind mittlerweile das Feindbild Nummer eins. Um Geld zu sparen, singen PolitikerInnen &#8211; unterstützt durch eine Clique bezahlter SoziologInnen &#8211; das alte Lied von der Eigenverantwortlichkeit. Das System baut darauf, dass alle gesund sind und es auch bleiben, und es gilt, das nicht sein kann, was nicht sein darf. Chronisch Schwerkranke erhalten zwar gewisse Hilfen, vegetieren aber am Existenzminimum herum und haben so keine Möglichkeit, ihre schlechte Lebensqualität durch Freizeitgestaltung zu verbessern. Besonders kranke Frauen werden diskriminiert. Frauen, die aufgrund von typischen Frauenbeschwerden im Grunde erwerbsunfähig sind, werden sogar als faul oder eingebildet krank abgestempelt. Ihr gesellschaftlicher Beitrag als Hausfrau und Mutter wird nicht honoriert. Ihnen hilft nicht einmal eine Berufsunfähigkeitsversicherung, weil sie theoretisch ja noch arbeiten könnten.</p>
<p>Das Ehegattensplitting, das heute übrigens auch gleichgeschlechtlichen Ehen zugutekommt, ist im Grunde eine Anerkennung dafür, dass eine wirtschaftlich besser gestellte Person eine andere absichert. Aber Politikerinnen und Forscherinnen legen leider viel zu oft ihren eigenen Maßstab an alle anderen Frauen an. Zwar sehen sie völlig zu Recht ein Problem darin, dass viele Frauen in und von der Partnerschaft abhängig sind, interessanterweise aber nicht, wenn Männer sich entscheiden, Hausmann zu werden. Es offenbart sich darin das uralte Ziel des Patriarchats, die Mutter abzuschaffen (vgl. Uhlmann 2015a). Statt die weibliche Care-Arbeit zu vergüten, wird Druck ausgeübt, den sie angeblich problemlos auf noch Schwächere abwälzen können: die Kinder. Erste Alarmsignale, dass Kinder immer häufiger und immer früher krank werden, gibt es schon heute.<br />
Einen Ausweg aus der Situation unter den Bedingungen des Patriarchats bzw. der Väter gibt es nicht. Matrifokales Leben ist dagegen zielführend, arbeitet nicht gegen die Natur und hat nichts mit <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/">Mutterkult</a> zu tun.</p>
<h3 id="literatur">Literatur</h3>
<p>Baumgart, Julia: Im Job bleiben aber wie? Rubrik Gesundheit: Endometriose. Das vernachlässigte Leiden. In: Brigitte 9/2008</p>
<p>Blaffer Hrdy, Sarah: Mutter Natur. Die weibliche Seite der Evolution. Berlin 2010 (engl. Originalausgabe 1999) (2010a)</p>
<p>Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere. Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat. Berlin 2010 (engl. Originalausgabe 2009) (2010b)</p>
<p>Borchert, Henning; Cotlatz, Jürgen: Empirische Analysen zu weiblichen Lebenssituationen und Gesundheit. In: Leokadia Brüderl, Bettina Paetzold (Hrsg.) Frauenleben zwischen Beruf und Familie. Psychosoziale Konsequenzen für Persönlichkeit und Gesundheit. Weinheim München 1992</p>
<p>Bundesrepublik Deutschland: Flyer der Bundesregierung. Gender Mainstreaming. Was ist das? Berlin 2006.</p>
<p>Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Mädchen und Jungen in Deutschland. Lebenssituationen, Unterschiede, Gemeinsamkeiten. Berlin 2008</p>
<p>Burger, Kathrin Magersucht: Warum nehmen Essstörungen zu? In: Spektrum der Wissenschaft online vom 24.02.2017<br />
<a href="http://www.spektrum.de/news/essstoerungen-wie-magersucht-nehmen-zu/1439050" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.spektrum.de/news/essstoerungen-wie-magersucht-nehmen-zu/1439050</a></p>
<p>Dembe, Allard E.; Yao, Xiaoxi: Chronic Disease Risks From Exposure to Long-Hour Work Schedules Over a 32-Year Period. In: Journal of Occupational &amp; Environmental Medicine: September 2016 &#8211; Volume 58 &#8211; Issue 9 &#8211; p 861–867.<br />
Doi: 10.1097/JOM.0000000000000810<br />
<a href="http://journals.lww.com/joem/Citation/2016/09000/Chronic_Disease_Risks_From_Exposure_to_Long_Hour.2.aspx" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://journals.lww.com/joem/Citation/2016/09000/Chronic_Disease_Risks_From_Exposure_to_Long_Hour.2.aspx</a></p>
<p>Donner, Susanne: Wenn harmlose Erreger psychisch krank machen. Aus: Bild der Wissenschaft online. 09.05.2007<br />
<a href="http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/58634/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/58634/</a></p>
<p>Ellert, U., Brettschneider A.-K.; Ravens-Sieberer, U.; KiGGS Study Group: Gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse der KiGGS-Studie – Erste Folgebefragung (KiGGS Welle 1) Bundesgesundheitsblatt 2014 · 57:798–806<br />
DOI 10.1007/s00103- 014 -1978- 4<br />
<a href="http://edoc.rki.de/oa/articles/rewpcO0jJpaCw/PDF/20mHufW2LSvbQ.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://edoc.rki.de/oa/articles/rewpcO0jJpaCw/PDF/20mHufW2LSvbQ.pdf</a></p>
<p>Endometriosis Association, Inc: Aufklärung Unterstützung Forschung. Flyer Issued 1980, Revised Milwaukee 1999<br />
<a href="http://www.endometriosisassn.org/brochures/german.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.endometriosisassn.org/brochures/german.pdf</a></p>
<p>Franke, Mirijam: Kampf der Geschlechter: Macht Arbeit nur Frauen krank? Auf:<br />
<a href="https://arbeits-abc.de/viel-arbeit-macht-frauen-krank/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://arbeits-abc.de/viel-arbeit-macht-frauen-krank/</a> abgerufen am 15.11.2017</p>
<p>Gavranidou, Maria: Wohlbefinden und Erwerbstätigkeit im Familienverlauf. In: Bernhard Nauck (Hrsg.) Lebensgestaltung von Frauen. Eine Regionalanalyse zur Integration von Familien- und Erwerbstätigkeit im Lebensverlauf. Weinheim; München 1993</p>
<p>Gelitz, Christiane: <span class="article-heading">Kinder können auch ohne Vater glücklich aufwachsen. Aus: Spektrum der Wissenschaft online vom 05.07.2017<br />
<a href="http://www.spektrum.de/news/kinder-koennen-auch-ohne-vater-gluecklich-aufwachsen/1479737" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.spektrum.de/news/kinder-koennen-auch-ohne-vater-gluecklich-aufwachsen/1479737</a><br />
</span></p>
<p>Hensel, Jana: Lachen als Geste der Demütigung. In: Zeit online vom 14.11.2017<br />
<a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-11/sexismus-buero-arbeit-maenner-frauen-beziehung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-11/sexismus-buero-arbeit-maenner-frauen-beziehung</a></p>
<p>Nuber, Ursula: Wer bin ich ohne dich?: Warum Frauen depressiv werden &#8211; und wie sie zu sich selbst finden. Frankfurt 2012</p>
<p>Kieselbach, Janne: Warum Männer tatsächlich leichter krank werden. Aus: Sciene ORF online. 13.11.2017<br />
<a href="http://science.orf.at/stories/2877788">http://science.orf.at/stories/2877788</a></p>
<p>Kontio, Carina: Depression. Machen Männer Frauen krank? Aus: Handelsblatt online vom 27.09.2012<br />
<a href="http://www.handelsblatt.com/unternehmen/beruf-und-buero/buero-special/depression-machen-maenner-frauen-krank/7176326.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.handelsblatt.com/unternehmen/beruf-und-buero/buero-special/depression-machen-maenner-frauen-krank/7176326.html</a></p>
<p>Koopmann, Anna-Lena: Jetzt ist es wissenschaftlich bestätigt: Männer machen Frauen psychisch krank! ELLE online vom 09. November 2017<br />
<a href="http://www.elle.de/maenner-machen-frauen-krank" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.elle.de/maenner-machen-frauen-krank</a></p>
<p>Maletzke, Elsemarie: Das Leben der Brontës. Frankfurt a.M. Leipzig 2008</p>
<p>ASA. American Sociological Association online: Being the Primary Breadwinner is Bad for Men’s Psychological Well-Being and Health. 9.8.2016:<br />
<a href="http://www.asanet.org/press-center/press-releases/being-primary-breadwinner-bad-mens-psychological-well-being-and-health" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.asanet.org/press-center/press-releases/being-primary-breadwinner-bad-mens-psychological-well-being-and-health</a></p>
<p>Repetti; Rena L.; Matthews, Karen A.; Waldron, Ingrid: Employment and Women’s Health. Effects of Paid Employment on Women’s Mental and Physical Health. In: American Psychologist Nov. 1989 Vol. 44, No. 11, 1394-1401</p>
<p>Robert Koch-Institut: Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KIGGS). Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey. Mai 2007.</p>
<p>Ruhdorfer, Karoline: Elterliche Sorge. Den Vätern die Rechte, den Müttern die Pflichten. Aus: Deutschlandfunk Kultur online vom 18.05.2015<br />
<a href="http://www.deutschlandfunkkultur.de/elterliche-sorge-den-vaetern-die-rechte-den-muettern-die.1005.de.html?dram:article_id=320034" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.deutschlandfunkkultur.de/elterliche-sorge-den-vaetern-die-rechte-den-muettern-die.1005.de.html?dram:article_id=320034</a></p>
<p>Storm, Andreas (Hrsg.): DAK Gesundheitsreport 2017. Beiträge zur Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung (Band16). Hamburg 2017<br />
<a href="https://www.dak.de/dak/download/gesundheitsreport-2017-1885298.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.dak.de/dak/download/gesundheitsreport-2017-1885298.pdf</a></p>
<p>Trevisan, Caterina <em>et al.</em>: Marital Status and Frailty in Older People: Gender Differences in the Progetto Veneto Anziani Longitudinal Study. In: Journal of Women’s Health. Volume 25, Number 6, 2016<br />
DOI: 10.1089/jwh.2015.5592<br />
<a href="http://online.liebertpub.com/doi/pdf/10.1089/jwh.2015.5592" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://online.liebertpub.com/doi/pdf/10.1089/jwh.2015.5592</a></p>
<p>Tonn, Julia Jane: Frauen in Führungspositionen: Ursachen der Unterrepräsentanz weiblicher Führungskräfte in Unternehmen. Heidelberg 2015</p>
<p>Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat – Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt. Norderstedt 2015. (2015a)</p>
<p>Uhlmann, Gabriele: Female choice – unser Menschenrecht. Online seit 2015. (2015b)<br />
<a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm</a></p>
<p>Waldron, Ingrid; Herold, Joan; Dunn, Dennis: How valid are self-report measures for evalutating relationships between women’s Health and labor force participation? In: Women &amp; Health Vol.7(2) Summer 1982.<br />
DOI:<a href="https://doi.org/10.1300/J013v07n02_06" target="_blank" rel="noopener noreferrer">10.1300/J013v07n02_06</a></p>
<p>Waldron, Ingrid; Hughes, Mary Elizabeth; Brooks, Tracy L.: Marriage protection and marriage selection&#8211;prospective evidence for reciprocal effects of marital status and health. In: Social Science and Medicine 1996 Jul; 43(1):113-23.<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8816016" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8816016</a></p>
<p>Waldron, Ingrid; Weiss, Christopher C.; Hughes, Mary Elizabeth: Marital status effects on health: are there differences between never married women and divorced and separated women? Social Science and Medicine 1997 Nov;45(9):1387-97.<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9351156" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9351156</a></p>
<p>Waldron, Ingrid; Weiss, Christopher C.; Hughes, Mary Elizabeth: Interacting effects of multiple roles on women&#8217;s health. Journal of health and social behavior.1998 Sep;39(3):216-36.<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9785695" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9785695</a></p>
<p>Wrusch, Paul: Petition der Woche. Bluten für Deutschland. Aus: TAZ online. 11.11.2017<br />
<a href="http://taz.de/Petition-der-Woche/!5459147/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://taz.de/Petition-der-Woche/!5459147/</a></p>
<p><strong>Auch zu empfehlen:</strong></p>
<ul id="liste2">
<li>Hering, Sabine; Maierhof, Gudrun. Die unpässliche Frau: Sozialgeschichte der Menstruation und Hygiene von 1860 bis 1985. Pfaffenweiler 1991.</li>
<li>Kolip, Petra (Hrsg.) Weiblichkeit ist keine Krankheit. Die Medikalisierung körperlicher Umbruchphasen im Leben von Frauen. Weinheim München 2000</li>
<li>Kühn-Mengel, Helga: &#8222;Die mündige „Patientin&#8220;? Vortrag der PatientInnenbeauftragten Berlin auf der 11. AKF-Jahrestagung, 13./14. November 2004, Berlin</li>
<li>Schindele, Eva: Pfusch an der Frau: Krankmachende Normen-Überflüssige Operationen-Lukrative Geschäfte. Frankfurt am Main 1996.</li>
<li>Schumann, Claudia: „Weiblichkeit ist keine Krankheit &#8211; was ist für Frauen gesund?“. Vortrag beim 26. Bremener Schafferinnenmahl 9.11.2000.</li>
<li>Sigel, Mira: &#8222;Wahnsinnsfrauen&#8220; – Psychische Krankheit als Mittel zur Diskriminierung von Frauen, die sich der gesellschaftlich vorgesehenen Rolle verwehren. Online-Ressource auf <a href="https://web.archive.org/web/20211027205948/https://diestoerenfriedas.de/wahnsinnsfrauen/" rel="noopener" target="_blank">https://web.archive.org/web/20211027205948/https://diestoerenfriedas.de/wahnsinnsfrauen/</a> vom 01.03.2016 abgerufen am 20.11.2017</li>
<li>Steinle-Paul, Elisabeth: &#8222;Weiblichkeit ist keine Krankheit &#8211; Über die Gesundheit in den Lebensphasen&#8220;. Vortrag anlässlich der Eröffnung des Frauentages der VHS Karlsruhe von, Stuttgart 2002</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/machen-maenner-frauen-krank-die-wahren-zusammenhaenge-von-gesundheit-familienstand-und-arbeit">Machen Männer Frauen krank? – Die wahren Zusammenhänge von Gesundheit, Familienstand und Arbeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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