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Als Gott die Giftmischer schuf – eine Patriarchalisierung durch Plagiat

By 12. August 2021August 24th, 2021No Comments


Schneewittchen hat in den vergifteten Apfel gebissen.
Bild: Schneewittchen hat in den vergifteten Apfel gebissen.
Briefmarke aus dem Satz „Wohlfahrt ‚Schneewittchen'“, Bundesrepublik Deutschland 1962. Entwurf: Holger Börnsen. gemeinfrei.

Prolog

Alles fing wohl damit an, dass die AGSV Polizei NRW[1] im Jahre 2000 in einer Beilagenbroschüre einen Text veröffentlichte, den eine mutmaßliche Verfasserin „den Männern und Frauen, die diese Welt ein Stück sicherer machen“ gewidmet hatte und der „ihre Art, Danke zu sagen“, ausdrücken sollte. „Die Fantasie“ habe diesen Text „erzeugt“, und so lautete er:

Als Gott die Polizei erschuf

Am sechsten Tag ohne Rast machte Gott sich daran, Polizisten zu kreieren.

Ein Engel kam vorbei und sagte: ‚Du beschäftigtst dich aber ungewöhnlich lange mit diesem Modell‘

Und Gott fragte: ‚Hast du die Kriterien gesehen, die das Modell erfüllen muss?‘

‚Ein Polizist muss in der Lage sein, fünf Kilometer durch dunkle Gassen zu rennen, Mauern und Wände heraufzuklettern, Häuser zu betreten, die der Gesundheitsminister nicht mal ansehen würde, und das alles möglichst ohne seine Uniform zu zerknittern oder zu verschmutzen. Er muss den ganzen Tag in einem zivilen Auto vor dem Haus eines Verdächtigen ausharren, gleichzeitig die Nachbarschaft nach Zeugen auskundschaften, in derselben Nacht eine Verbrechensszene untersuchen und früh am nächsten Morgen vor Gericht erscheinen und seine Aussage machen. Er muss jederzeit in Top-Kondition sein, und das nur mit schwarzem Kaffee und halb gegessenen Mahlzeiten. Und er braucht sechs Paar Hände.‘

Der Engel schüttelte seinen Kopf und sagte: ‚Sechs Paar Hände… – das geht nicht.‘

‚Es sind nicht die Hände, die mir Probleme bereiten‘, sagte Gott, ‚es sind die drei Paar Augen, die ein Polizist haben muss.‘

‚An einem ganz normalen Polizisten? Warum denn das?‘ fragte der Engel. Gott erklärte. ‚Ein Augenpaar, das durch ausgebeulte Hosentaschen sehen kann, bevor er fragte, ob er sehen darf, was drin ist (obwohl er es längst weis und wünscht, er hätte einen anderen Job angenommen).

Ein zweites Paar Augen an der Seite seines Kopfes, zur Sicherheit seines Partners. Und ein Paar hier vorne, das versichernd zum Verunglückten schauen kann und ihn sagen lässt: Alles wird wieder gut, obwohl er weiß, dass es nicht so ist.‘

‚Gott‘, sagte der Engel und fasste ihn am Ärmel, ‚ruhe dich doch erst mal aus, du kannst dieses Modell doch später fertig stellen.‘ ‚Das kann ich nicht, ich habe schon ein ziemlich gutes Modell erschaffen, es kann einen 150 Kilo schweren Betrunkenen überreden, ins Polizeiauto zu steigen, ohne dass es zu Zwischenfällen kommt, und es kann eine fünfköpfige Familie mit mäßigem Gehalt durchfüttern; ich kann jetzt nicht aufgeben.‘

Der Engel umkreiste den Polizisten sehr langsam und sah ihn sich genau an, dann sagte er:

‚Kann dieses Modell auch denken?‘ ‚Aber natürlich‘, antwortete Gott, ‚es kann dir die Tatbestände von tausend Verbrechen aufzählen, Verwarnungen im Schlaf aufsagen, verhaften, untersuchen, auffinden und einen Gangster schneller von der Straße holen als die Richter diskutieren, ob es berechtigt war oder nicht, während der Polizist schon den nächsten verhaftet. Und während alledem behält der Polizist noch seinen Sinn für Humor. Außerdem hat dieses Modell eine wahnsinnig gute Kontrolle über sich selbst; es ist fähig, Verbrechensszenen zu untersuchen und abzusichern, die aussehen, als wären sie der Hölle entsprungen, ohne mit der Wimper zu zucken; es kann einem Kinderschänder ein Geständnis entlocken und hat trotzdem seinen Hass unter Kontrolle, es kann die Familien von Opfern trösten und ihnen Mut zureden, obwohl die Zeitung wieder mal schreibt, Kriminelle würden nicht gerecht behandelt.‘

Dann sah sich der Engel das Gesicht des Polizisten genauer an, er strich mit seinem Finger über die Wangen des Modells und sagte: ‚Siehst du´ Gott, hier ist ein Leck. Ich sagte doch, dass du dir zu viel vorgenommen hast bei diesem Modell.‘ – ‚Das ist kein Leck‘, entgegnete Gott, ‚es ist eine Träne.‘ ‚Eine Träne? Wofür?‘, wollte der Engel wissen. ‚Nun ja, für die aufgestauten Gefühle … für die verletzten Kameraden, für die Beschimpfungen, die er hinnehmen muss, für die Undankbarkeit und falschen Beschuldigungen, für die Frustration und Wut, für Einsamkeit, für Schmerz und Ohnmacht, für die schrecklichen Dinge, die er manchmal sieht. Für die Albträume und für die Angst.'“ [sic!] [2]

Offenbar hat sich die Polizei sehr über diese Art, Danke zu sagen, gefreut, auch wenn die Frage, ob die Polizei denken könne, einiges an Selbstironie abverlangte. Doch nun, nach so langer Zeit, müssen wir die Frage erneut stellen. Denn mutmaßlich legitimierte die Polizei mit dieser Veröffentlichung ein Vergehen, für das sie offenbar aus lauter Freude und Stolz über die Beweihräucherung blind war. Worin dieses Vergehen besteht, davon handelt dieser Text und auch davon, was es im Weiteren angerichtet hat.

In ganz NRW und auch im Schaumburger Land verbreitet machte der Text schnell Schule. Viele Andere fühlten sich berufen, bestimmte Gruppen, die sich für die Allgemeinheit „aufopfern“, „frei nach“ diesem Vorbild zu ehren: Die Altenpflegerinnen, Erzieherinnen, Arzthelferinnen und Rettungsassistenten, später auch die Zahnarzthelferinnen und Rettungssanitäter u. v. a.. Diese Varianten verbreiten sich nun seit etlichen Jahren wie eine Epidemie mit zahllosen immer neuen Mutationen auf den Websites von z.B. Kitas, Arztpraxen, Hebammen, der Kirche oder in den Sozialen Medien.

Ich schaute mir zahllose Varianten an und fertigte davon spaßeshalber eine Synopse an, so wie es auch TheologInnen machen, wenn sie Bibel-Exegese betreiben und z.B. die Evangelien miteinander vergleichen, um sie zu deuten (Synopse siehe PDF). Und in der Tat lesen sich diese Texte wie Bibeltexte und der Vergleich lohnt sich. Die VerfasserInnen betätigten sich wie MythenschreiberInnen, die mit jeder Überlieferung neue Veränderungen einbauen. Das Ganze hat ein solches Ausmaß angenommen, dass es mir vorkommt, als würde die Bibel gerade neu geschrieben! Und wir können davon tatsächlich lernen, wie die Bibel entstanden sein muss. Von einem Gott wurde sie jedenfalls nicht geschrieben.
Aus „Gott“ wurde der „liebe Gott“, „der Herr“ oder „der Allmächtige“ gemacht, der manchmal sogar geduzt wird, während „der Engel“ immer gleichblieb. Immer wurden die Aufzählungen der „Kriterien“, „Spezifikationen“, „Wünsche“, „Lastenhefte“, „Aufgaben“ oder „Anforderungsprofile“ der Berufsgruppe angepasst, also z. B. „Gott antwortete: ‚Hast du dir das Lastenheft angesehen? Ein Rettungssanitäter muss in der Lage sein, … .'“ Der Begriff „Lastenheft“[3] ist dabei ein Indiz, dass der Text, in dem er auftaucht, möglichwerweise von einer/m IngenieurIn verbreitet wurde. Die Altenpflegerin, Erzieherin, Arzthelferin, Zahnarzthelferin etc. besitzen ein „Überlaufventil“, was vielleicht auf eine/n KlempnerIn als VerfasserIn hinweist.

Am Anfang war die Frau

Irgendwann um 2018 tauchte auch die Variante „Frau“ in den Sozialen Medien auf, wo sie massenhaft geteilt wurde. Nicht ich fand sie dort, sondern es war eine Freundin, die Balletttrainerin und ehemalige Solistin Jana Eva Ritzen. Weder sie noch ich wussten bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt etwas von der Existenz dieser großen „Textfamilie“ oder ihres Ursprungs:

DIE FRAU. . . . . . . . .
Als Gott die Frau schuf, arbeitete er spät am 6. Tag …….
Ein Engel kam vorbei und fragte: ‚Warum so viel Zeit mit ihr verbringen?‘
Der Herr antwortete. ‚Hast du alle Spezifikationen gesehen, die ich treffen muss, um sie zu formen?‘
‚Sie muss in allen möglichen Situationen funktionieren.
Sie muss in der Lage sein, sich um mehrere Kinder gleichzeitig zu kümmern.
Ihre Umarmung muss alles heilen können, von einem verletzten Knie bis zu einem gebrochenen Herzen.
Sie muss das alles mit nur zwei Händen machen.
Sie heilt sich selber und hält durch, wenn sie krank ist und kann 18 Stunden am Tag arbeiten. ‚
DER ENGEL war beeindruckt „Nur zwei Hände ….. unmöglich!
Und das ist das Standardmodell? ‚
Der Engel kam näher und berührte die Frau ‚
‚Aber du hast sie so weich gemacht, Herr‘.
‚Sie ist sanft‘, sagte der Herr,
‚Aber ich habe sie stark gemacht. Du kannst dir nicht vorstellen, was sie ertragen und überwinden kann.‘
‚Kann sie nachdenken?‘ fragte der Engel…
Der Herr antwortete. ‚Sie kann nicht nur denken, sie kann argumentieren und verhandeln‘
Der Engel berührte ihre Wangen ….
‚Herr, es scheint, dass diese Schöpfung undicht ist! Du hast ihr zu viele Lasten auferlegt.‘
‚Sie ist nicht undicht … es ist eine Träne‘ korrigierte der Herr den Engel …
‚Wofür ist das?‘ Fragte der Engel …..
Der Herr sagte. ‚Tränen sind ihre Art, ihre Trauer auszudrücken, ihre Zweifel, ihre Liebe, ihre Einsamkeit, ihr Leiden und ihren Stolz.‘ …
Das hat einen großen Eindruck auf den Engel gemacht,
‚Herr, du bist ein Genie. Du hast an alles gedacht.
Eine Frau ist wirklich wunderbar ‚
Der Herr antwortete . ‚In der Tat ist sie es.
Sie hat Stärke, die einen Mann erstaunt.
Sie kann mit Problemen umgehen und schwere Lasten tragen.
Sie enthält Glück, Liebe und Meinungen.
Sie lächelt, wenn sie schreien möchte.
Sie singt, wenn sie weinen möchte, weint wenn sie glücklich ist und lacht, wenn sie Angst hat.
Sie kämpft für das, woran sie glaubt.
Ihre Liebe ist bedingungslos.
Ihr Herz ist gebrochen, wenn ein Verwandter oder ein Freund stirbt, aber sie findet Kraft, um mit dem Leben weiterzumachen. ‚
Der Engel fragte: Also ist sie ein perfektes Wesen?
Der Herr antwortete: Nein. Sie hat nur einen Nachteil
‚Sie vergisst oft, was sie wert ist‘.
Verfasser unbekannt“ [sic!]

Jana schrieb mir, dass der Text auf einer Facebook-Seite über 1800mal ein Like oder ein Herzchen bekommen hätte, über 1700mal geteilt und über 300mal kommentiert worden sei, all das überwiegend von Frauen. Diese hätten sich davon so verstanden und wertgeschätzt gefühlt. Jana hätte das als regelrechtes Abfeiern und als Heroisierung der Leidensfähigkeit der Frau empfunden. Sie hätte davon „Würgereize“ bekommen und wäre richtig wütend geworden. Sie wolle eigentlich dazu ihre Kritik posten, aber sie mache sich Sorgen, dass die Frauen, die das geherzt hatten und sich davon berührt fühlten, sich auf die Füße getreten fühlen könnten und sie angreifen würden.

Mein aller erster Gedanke war, dass der Text vergiftet ist, und das schrieb ich ihr zurück; vergiftet, dachte ich mir, wie der Apfel, den die böse Königin dem Schneewittchen reicht. Ich wollte nicht neudeutsch „toxisch“ schreiben, denn ein Text ist von einem wahrhaftigen Menschen geschrieben und auch nicht giftig vom Himmel gefallen.
Jana fragte mich darauf, ob das impliziere, dass der Mensch nichts dafür könne, wenn ein Text toxisch ist. Das ist eine gute Frage und leider lässt sie sich meiner Meinung nach nicht immer eindeutig beantworten, da wir alle Verletzungen und Haltungen in uns tragen, die an „geeigneter Stelle“ unbewusst nach außen treten können, und natürlich gibt es auch böse Menschen, die ganz klar und absichtsvoll handeln.

Wie dem auch sei, erst konnte ich noch nicht recht in Worte fassen, was mich an dem Text stört, es hat eine Weile gedauert. Ich ahnte aber schon: Die Süße des Apfels ist die Wahrheit, dass es einerseits so ist, dass unsere Leistung nicht gewürdigt wird – weder in der Art, wie man uns begegnet, noch in finanzieller Hinsicht – und wir andererseits nach Anerkennung dursten. Damit werden wir hier geködert. Das Gift dieses Apfels befindet sich im Detail und es hat eine narkotisierende Wirkung.

Jana fragte mich, ob wir Menschen wirklich so blind sind, dass wir die patriarchalen Strukturen als „von der Natur“ gegeben betrachten. Ich finde, ja und das ist so ein Detail: wir sind so blind – oder waren es zumindest einmal – und setzen die Natur irrigerweise mit einem männlichen, schöpfenden Vatergott gleich. Warum das so ist, und warum es nicht die Frauen waren, die das zuerst taten, darüber habe ich mir schon die Finger wund geschrieben: über das Patriarchat, das ein Entführungsverbrechen ist, mit dem wir alle versklavt werden und das uns mit seinen Religionen einredet, dass dies alles ganz natürlich sei. Und dass wir darauf mit dem Stockholm-Syndrom, also mit Kooperation als Überlebensstrategie, reagieren, besonders wir Frauen. Es bringt Menschen dazu, solche Texte zu schreiben und zu verbreiten und auch solchen Idealen zu huldigen.
Und ich war mir ziemlich sicher, dass der Text von einem Mann geschrieben worden sein muss, und zwar einer, der sich erlaubt, eine Frau einfach anzutatschen („Der Engel kam näher und berührte die Frau“, „Der Engel berührte ihre Wangen“), einer, der sich gerne von einer Frau bedienen lässt. So besehen haben all die Leserinnen den Zynismus nicht bemerkt, mit dem sie doch dazu aufgestachelt werden, sich NOCH mehr aufzuopfern.
Wir waren uns sofort einig, dass das die totale Verhöhnung ist, denn diese Frauen im Netz sind auch noch so verblendet und bejubeln ihre eigene Ausbeutung! Jana empfand aber nicht, dass der Engel die Frau ungehörig oder lüstern berühren würde. Sie hatte das Bild einer Puppe bei der Erschaffung der Menschen – egal ob Mann oder Frau – vor Augen, und Puppen dürfe man(n) ja anfassen. DAS wiederum fand sie sogleich interessant!
Ihre Wahrnehmung ist natürlich enger am Text und ich stehe dabei auch unter dem Eindruck eines Buches, das ich letztlich scharf kritisieren musste und in welchem Sexpuppen als sinnvoller Schutz vor Gewalt durch sexuell frustrierte Männer propagiert wurden. Auch wurde ich in letzter Zeit immer wieder in den Sozialen Medien auf Sexpuppen aufmerksam gemacht, die als Kinder gestaltet sind und im größten Onlinehandel bestellbar sind. Ich gehöre auch noch der Generation Frauen an, die erlebt hat, als wortwörtlich Puppe angesprochen zu werden, während ich keinen Mann kenne, dem das gleiche passiert ist. Für mich ist die Frau als Objekt männlichen Willens in diesem Text sehr deutlich und zudem sind männliche Puppen selten. Nur in der Bibel ist Adam auch so etwas wie eine Puppe, aus Lehm geknetet, wobei aber betont wird, dass Adam nach Gottes Abbild erschaffen worden sei, also kein Design ist, sondern eine perfekte Kopie, ein Klon. Damit muss Adam perfekt sein, ein Gott. Die Blasphemie ist in die Schöpfungssgeschichte untrennbar eingebaut, daher muss geglaubt werden, dass Gott die Bibel geschrieben habe und nicht veritable Männer.
Der mutmaßliche Verfasser müsste also ein Alttestamentarier sein, einer, der von der männlichen Schöpfung und des Mannes als ihrer Krone überzeugt ist und der die Evolution leugnet. Dieser „geniale“ Schöpfer dieses „genialen“ Textes schafft es ja auch, so viele Frauen hinters Licht zu führen.
Und wenn es doch nicht ein Mann war, der das schrieb, so dachte ich mir, dann muss es eine sehr kooperative Frau gewesen sein.

Giftiges Lob

Aber das ist bei weitem noch nicht alles, die Details sind perfide versteckt, und Jana ließ auch nicht locker, sie wollte ganz genau wissen, was ihr diese Übelkeit bereitet hat. Dann wurde ihr klar, dass der Text aussagt, dass wir in dieser Beschreibung nur FAST perfekt sind, und nur, wenn wir uns in dieser Beschreibung jetzt auch noch selbst als wertvoll betrachten würden, dann wären wir perfekt.
Als sie das sagte, dachte ich sofort an die Dynamik von dem Lob, das im Text mitschwingt. Ich kenne eine psychologische Studie zur Wirkung von Lob, nach der Prüflinge gar nicht von dem öffentlich zelebrierten Lob für ihre sehr gute Leistung „profitierten“, sondern diejenigen, die noch gar kein Lob erhalten hatten. Sie begannen sich noch mehr anzustrengen, um ebenfalls eine sehr gute Note zu erzielen.[4]

Das bedeutet, dass wir nicht nur angespornt werden, uns wertzuschätzen, sondern auch dazu, immer so weiter zu machen, arbeiten bis zum Umfallen, damit wir überhaupt Wertschätzung verdienen. Da wird dem dummen Esel die Möhre an der Angel vorgehalten, damit er immer weiter geht. Aber es ist völlig unmöglich, all den Ansprüchen, die täglich an uns gerichtet werden, gerecht zu werden. Wir Frauen sind dabei besonders geneigt, das für unser persönliches Versagen zu halten, daher fällt es uns schwer, uns offen wertzuschätzen. Aber es ist in Wirklichkeit die Folge des patriarchalischen Systems. Im Text steht dafür Gott, der die Frau unperfekt gemacht hat. Aber trotz noch so großen Lobes, wir werden all die Aufgaben niemals alleine lösen können! Das hat einen Grund, der auch nicht mit der Bibel erklärt werden kann, von ihr aber geleugnet wird: Wir sind als Menschen nicht perfekt an das „Biotop“, besser den Überlebensraum Patriarchat angepasst, weil uns etwas anderes evolutionär angeboren ist: ein Leben in Matrifokalität, wo es keine Überforderung gibt. Wir haben nicht wegen Gott, sondern allein dank Mutter Natur zwei Hände, und die haben all die Jahrmillionen ausgereicht, weil wir in unserer mütterlichen Sippe nie alleine auf uns gestellt waren.

Das Lob, die Note, der Orden, die Bewertung, die Bestätigung ist die narzisstische Strategie des patriarchalen Systems, aber auch des einzelnen Patriarchen, mit dem er sich über die zu Lobenden erhebt und mit dem er zugleich sein Ziel, dass noch mehr für ihn gearbeitet wird, erreicht. Es „profitieren“ weder die Gelobten, noch die, die dem Lob nacheifern, sondern das System, für das sie arbeiten sollen. Prestige und Lob ersetzen im patriarchalen Umfeld die innige, bedingungslose Liebe. Weil wir bei all den Erwartungen nie ganz perfekt sind, werden wir süchtig nach immer mehr Bestätigung. Die Abhängigkeit wird immer stärker und auch die Ausbeutung.
Das Opfer des Narzissten lernt, es sei niemals wertvoll und richtig, so wie wir Frauen es seit Jahrtausenden eingeredet bekommen und nur dann einen Wert beigemessen bekommen, wenn wir dem männlichen Anspruch gerecht werden. Für „Liebe“ müssen wir immer etwas leisten, sie wird uns nicht bedingungslos zuteil.

Aber da ist noch viel, viel mehr in diesem Text und jetzt wird es richtig bösartig! Da ist nämlich tatsächlich gar kein Lob und keine Wertschätzung für uns! Das ist nur unsere Interpretation des Textes, weil wir es gerne so hätten, denn wir wertschätzen uns sehr wohl, aber nur im Unterbewusstsein. Es ist unsere Projektion. Da ist tatsächlich nur das Staunen des Engels und seine Bewunderung für Gott: „Herr, du bist ein Genie. Du hast an alles gedacht.“ Deshalb funktioniert auch die Strategie des Lobes wie in der Studie erklärt.
Der Text appelliert „an den Gott in uns“, der uns angeblich so geschaffen hat, dass wir gottgleich „das alles mit nur zwei Händen schaffen“. Aber anstatt die Wertschätzung nun auch einzufahren zu können, muss die Frau sich wie gelähmt damit zufrieden geben, dass Gott sie einheimst! Nicht der Gott in ihr resp. die Göttin, sondern ein außenstehender Gott wird gelobt für etwas, das die Frau selbst tut, er saugt das Lob einfach ab und wird sogar zum Genie erklärt. Er reißt sich die Wertschätzung, die ihr gehört, einfach unter den Nagel. Er verweigert ihr zudem jede Selbstwertschätzung, sie darf nicht ins Bewusstsein dringen, er hat ihr ja diesen Fehler selbst eingebaut. Im Text lässt Gott sich als Genie feiern, er wird tatsächlich für seine Manipulationskünste gefeiert. Natürlich verweigert er der Frau seine Wertschätzung, er verachtet sie, auch weil sie nicht bemerkt, wie sie manipuliert wird! Sie kann es ja auch nicht, er hat sie so gemacht. Im gleichen Moment erdreistet sich dieser Zyniker resp. der zynische Verfasser, die Frau dafür zu kritisieren, nämlich, dass sie sich nicht selbst wertschätze! Das ist eine klassische Täter-Opfer-Umkehr!

Jana fühlte sich an dieser Stelle des Textes „aufs Schwerste missbraucht und ungerecht behandelt, weil über mich als Frau gesprochen wird wie über eine Maschine. Es ist nicht ein einziges Mal davon die Rede, was ICH will.“[5] In der Tat, allein SEIN Wille geschieht. Sie arbeitet nicht für sich selbst, sondern nur für andere. Sie ist SEIN Projekt, ihr wird keine Zeit für eigene Projekte eingeräumt. Er ist das Subjekt, sie ist das Objekt, und das wird auch noch geheiligt.
Jana hatte den Text von Anfang an dahingehend interpretiert, dass die Frau von Gott zwar so gebaut ist, sich so „von Natur aus“ zu VERHALTEN, sich DAFÜR aber nicht wertschätzt – wie „Gott“ es gerne hätte. Dazu hat Jana die weitsichtige Frage gestellt, ob es nicht der Traum des Patriarchats wäre, wenn wir Frauen uns auf dem für uns „vorgesehenen“ Platz auch noch als vollwertig betrachten würden. Da kann ich nur beipflichten, denn die Erfüllung dieses Traumes wäre ja das Ende des Widerstandes gegen das Patriarchat. Wahrscheinlich hätte in diesem Moment das Patriarchat erstmals in der Erdgeschichte Einzug in die Genetik gehalten. Und weil das immer ein Traum bleiben wird, weil die Female choice ein Prinzip ist, das über der Genetik einer Spezies steht, gehen Männer nun einen anderen Weg, den ihnen Medizin und Technik ermöglichen. Sie machen sich von der Frau unabhängig, indem sie sich zur Frau erklären und sich Kinder über Leihmütter oder in naher Zukunft auch mit der sog. Künstlichen Gebärmutter beschaffen.

Jana findet, dass der Text einen Interpretationsspielraum offenlässt: „dass die Frau sich zwar nicht für das wertschätzt, wofür ‚Gott‘ sie gemacht hat, sich aber durchaus für etwas anderes wertschätzt – z.B. für das, was sie IST“[6] – das ist übrigens das, was ich damit meine, dass sie sich unterbewusst sehr wohl wertschätzt – sie ergibt sich zwar in ihr ‚Schicksal‘ – es bleibt ihr ja auch fast nichts anderes übrig -, kann darin aber nichts Wertvolles für sich erkennen. Daher findet Jana auch, dass der Text exakt die Situation beschreibt, in der die meisten Frauen sich befinden und wie sie sich fühlen, und sie beklagt die falsche Reaktion auf das falsche Programm: „Doch anstatt für eine Veränderung der Umstände zu plädieren, wird die Lösung darin gesehen, wie schön es doch wäre, wenn die Frau sich für DAS einfach wertschätzen könnte. Und damit läge in diesem Text die innere Haltung der Frau nicht in der Macht Gottes.“[7] Sie resümiert: „‚Etwas‘ in uns Frauen ist stärker als ‚Gott‘!“[8]
Ich tue mich zwar mit Gottesvergleichen schwer, aber dass wir Frauen das starke Geschlecht sind, daran habe auch ich keine Zweifel, denn wir beweisen, dass wir den Laden am Laufen halten, obwohl alles so organisiert ist, dass wir sehr leiden. Aber auch wir haben das Recht, dass wir uns rund um wohl fühlen. Daher müssen wir selbst begreifen, wie wir manipuliert werden. Es reicht überhaupt nicht, dass wir uns einfach nur wertschätzen!

Jana erzählte mir dann von einem Modell zur Traumaheilung, mit der sie sich beruflich auch beschäftigt: “Im Wesentlichen trifft der Text, was bei Menschen mit Traumatisierungen in den Kernbedürfnissen ‚Einstimmung‘ und ‚Unabhängigkeit/Autonomie‘ als ‚auf Stolz basierenden Gegenidentifikationen‘ zum Ausdruck kommt. Diese Gegenidentifikationen haben wir wie eine zweite Haut über unsere ‚auf Scham basierenden Identifikationen‘ übergestülpt, damit wir nicht mehr spüren und fühlen müssen, wie es uns eigentlich geht und was uns am meisten Angst macht.“[9]
Mit dem Bedürfnis ‚Einstimmung’ sei im sog. Neuroaffektiven Beziehungsmodell („NARM“) zur Traumaheilung des Psychologen Laurence Heller[10] gemeint, „dass unsere Bedürfnisse ausreichend erfüllt werden, weil unser Umfeld in der Lage ist, diese zu erkennen, sich auf sie einzustimmen und entsprechend zu handeln.“[11]
Wäre dies in den ersten 18 Monaten unseres Lebens nicht der Fall (aus welchen Gründen auch immer – das müsse nicht zwingend mit Gewalt oder Drama zusammenhängen), entwickelten wir der Theorie zufolge Strategien, die uns das Überleben und die Bindung an die für uns zuständigen Bezugsperson(en) sichere. Diese sähe bei einer Traumatisierung in der Einstimmung folgendermaßen aus[12]: „Wir haben den Zugang ‚zur Wahrnehmung und Äußerung unserer persönlichen Bedürfnisse‘[13] versperrt. Damit die Bindung zu unseren Bezugspersonen bestehen blieb, gaben wir ‚unsere eigenen Bedürfnisse auf, um (uns) nach den Bedürfnissen anderer zu richten, vor allem denen (unserer) Eltern.‘[14][15]
Die Kernangst von Menschen mit Einstimmungs-Schwierigkeiten laute[16]: „‚Wenn ich meine Bedürfnisse äußere, werde ich zurückgewiesen und verlassen.‘[17][18]
Diese Menschen würden sich dafür schämen, etwas zu brauchen. Sie hätten die Schlussfolgerung gezogen, dass es ‚falsch‘ sei, etwas zu brauchen.
Sie würden sich abgrundtief dafür schämen, Bedürfnisse zu haben (‚Auf Scham basierende Identifikation‘).[19]:
„Weil wir den stechenden Schmerz dieser Scham verständlicherweise nicht spüren wollen (und auch niemand da ist, der uns durch dieses Gefühl hindurchbegleiten könnte), entwickeln wir eine auf Stolz basierende Gegenidentifikation, die sich darin zeigt, dass wir niemanden zu brauchen scheinen:

  • Wir sind mächtig stolz darauf, die starke Schulter zu sein, die für alle da ist.
  • Wir sind mächtig stolz darauf, diejenigen zu sein, die geben.
  • Wir sind mächtig stolz darauf, gebraucht zu werden und selbst niemanden zu brauchen.

Bei einer Traumatisierung im Kernbedürfnis ‚Autonomie und Unabhängigkeit‘ haben wir den Zugang ‚zu einem authentischen Selbstausdruck‘[20] versperrt und reagieren ‚mit dem, was andere zu erwarten scheinen.‘[21] Damit die Bindung zu unseren Bezugspersonen bestehen blieb, gaben wir ‚die direkten Ausdrucksformen unserer eigenen Unabhängigkeit auf, um (uns) nicht verlassen oder erdrückt zu fühlen’.[22][23]

Die Kernangst von Menschen mit Unabhängigkeit und Autonomie-Schwierigkeiten laute[24]:
„‚Wenn mich die Leute wirklich kennen würden, würden sie mich nicht mögen.‘[25] Diese Menschen schämen sich dafür, so zu sein, wie sie sind. Sie haben die Schlussfolgerung gezogen, dass sie ‚falsch‘ sind (auf Scham basierende Identifikation).
Eine auf Stolz basierende Gegenidentifikation zeigt sich darin, dass wir unglaublich stolz darauf sind, wieviel wir tragen und aushalten können. Wie im Text: ‚Sie muss in der Lage sein, sich um mehrere Kinder gleichzeitig zu kümmern. Ihre Umarmung muss alles heilen können, von einem verletzten Knie bis zu einem gebrochenen Herzen. Sie muss das alles mit nur zwei Händen machen und hält durch, wenn sie krank ist und kann 18 Stunden am Tag arbeiten.'“[26]

Weitere Merkmale der auf Stolz basierenden Gegenidentifizierung bei dieser Traumatisierung seien[27]:
“Wir leiden am ‚good girl‚-Komplex, sind immer ’nett, liebenswürdig und gefügig‘[28]. Groll spielt sich nur in unserem Inneren ab und wir würden diesen Groll NIEMALS einem anderen Menschen direkt gegenüber äußern. Wir haben eine furchtbare ‚Angst, andere zu enttäuschen‘[29]. Wie im Text: ‚Sie lächelt, wenn sie schreien möchte. Sie singt, wenn sie weinen möchte, (…) lacht, wenn sie Angst hat.'“[309]
Auswirkungen in einer Beeinträchtigung dieses Kernausdrucks zeige sich durch Folgendes[31]: “

  • Wir können nicht NEIN sagen. Wir können keine Grenzen setzen.
  • Wir quetschen unser eigenes Leben immer zwischen das der anderen, gehen dem, was uns wirklich am Herzen liegt, heimlich nach, aus Angst, es könnte uns von jemandem genommen werden.
  • Wir haben panische Angst davor, zu wachsen und uns (energetisch) auszudehnen.“[32]

Diese, Janas Ausführungen lösten bei mir einen Aha-Effekt aus in Bezug auf das Kollektive Stockholm-Syndrom (nach Stephanie Gogolin). Das sog. NARM-Modell erklärt gut, was mit den Menschen konkret passierte und heute immer noch aufs Neue passiert, nachdem sich das Stockholm-Syndrom durch Ur-Traumatisierung tradiert, also allgemein verinnerlicht hatte, „kollektiv“ wurde. Das erste Opfer des Patriarchats, sozusagen das Ur-Opfer, war noch kein von Beginn an traumatisiertes Kind, sondern eine (wahrscheinlich fast) erwachsene Frau, die in einer matrifokalen Sippe aufgewachsen war, also auch nicht nur in den ersten 18 Monaten all das bekommen hatte, was zu einer liebevollen Bindung in der Sippe dazugehörte. Erst durch die Überforderung des Ur-Opfers, dieser Frau, ist dann der im Modell beschriebene Effekt eingetreten, nämlich, dass sie als allererste patriarchalisierte Mutter ihren eigenen Kindern nicht mehr das geben konnte, was sie einst selbst noch mitbekommen hatte. Wahrscheinlich war sie nicht stolz, sondern einfach nur froh, dass sie es überhaupt irgendwie hingekriegt hat, denn sie wusste ja noch ganz genau, was ihr fehlte. In der Folge wurden die Kinder und Kindeskinder immer wieder aufs Neue traumatisiert, wobei auch die Entführungssituation in Form der Patrilokalität erhalten blieb. Wir wissen heute nicht mehr, wie leicht es sein könnte, wir können uns nur noch mit denen vergleichen, die noch weniger Unterstützung haben oder denen, die „privilegiert“ sind (Goldener Käfig).

Geiseln – sagen wir bei einem Banküberfall – haben Todesangst, entwickeln nach längerer Zeit aber Sympathie oder sogar Liebe für den Täter (Stockholm-Syndrom). Erst dann beginnen sie zu kooperieren, ohne noch ihre Erpressung zum Stillhalten wahrzunehmen. Wenn der Täter dann ein positives Feedback gibt, z.B. Mitleid zeigt, lobt oder gar sich verliebt (Lima-Syndrom) – weil er beginnt, unter seiner selbstgemachten Überforderung zu leiden -, beginnt das Opfer zu glauben, alles richtig zu machen und davonzukommen; die Strategie des Opfers geht sozusagen auf, was es natürlich als solche nicht einmal erkennen muss. Das Opfer kann sich dessen aber nicht sicher sein, weil der Täter weiter eine Waffe in der Tasche hat. Die Sache beginnt daher, sich spiralförmig zu verselbstständigen. Irgendwann, wenn Liebe zum Täter ins Spiel kommt, kann sich auch Stolz entwickeln. Das Opfer ist stolz, alles richtig zu machen, es ist sogar stolz auf den Mut und „Ruhm“ des Täters, der vielleicht irgendwann, so beginnt es zu glauben, auf das Opfer abfärbt.

Wir können hier sehen, dass und wie Stolz erst vom Patriarchat erzeugt wird. Es ist ein ganz eigenartig degeneriertes Gefühl von Freude und Erleichterung, es ist gemischt, oder sagen wir „toxisch verrührt“, mit vermeintlich besiegter Existenzangst. Es ist eine Form von Missbrauch. Wenn es dann heißt: „Darauf kannst Du stolz sein“, sollten unsere Alarmglocken zu läuten beginnen.
Die sog. „auf Stolz basierende Gegenidentifikation“ trifft in unserem Beispiel auch die Polizei NRW mit voller Wucht. In ihrem Stolz ist sie unfähig nach dem wahren Namen der Verfasserin zu fahnden, obwohl auch da schon spürbar ist, dass der Text nicht echt sein kann. Die Wahrheit wäre zu ernüchternd.

Die mentale Arbeit, die die Geisel leistet, ist Schwerstarbeit, die völlig allein zu erledigen ist. Sie muss alles, was einmal galt, über den Haufen werfen, die Wahrheit, die Selbstachtung und seine Menschenrechte. Im patriarchalen Alltag kommt diese mentale Arbeit zur Alltagsarbeit noch hinzu. Da wir alle bis heute in jeder Generation schon bei der Geburt aus unserer Ursprungssippe gerissen werden und in der überforderten Familie aufwachsen müssen, haben wir die 18 Monate gar nicht, in denen unsere Bedürfnisse voll umfänglich gestillt werden könnten. Diese Frist empfinde ich mit meiner Erfahrung als Mutter und mit meinem Wissen als Patriarchatsforscherin auch als willkürlich, da wir von Natur aus lebenslang Menschenkinder bleiben und in unserer Sippe verbleiben würden. Heller/LaPierre erliegen hier m. E. der patriarchalen Norm, nach der die patriarchale Schonfrist einer jungen Mutter spätestens nach 18 Monaten abläuft. In der Realität hat eine Mutter aber keinerlei Schonfrist. Mindestens muss sie sofort nach der Geburt wieder einen flachen, sexy Bauch haben und ihre Fuckability[33] erneuern.
Auch noch als Erwachsene, ob Frau oder Mann, erleiden wir immer neue Traumatisierung durch Lieblosigkeit und mangelnde Unterstützung, ein Umstand, den das Modell, das sich lediglich mit Entwicklungstraumen befasst, nicht abdeckt[34], der aber mit dem Kollektiven Stockholm-Syndrom seine Erklärung findet. Sind wir vielleicht gerade dabei, das eine Trauma halbwegs wegzustecken, passiert schon das nächste. Diese Kette an Traumatisierungen ist sozusagen die Waffe, die der Täter immer wieder zückt, ohne abzudrücken. Das ist der Motor der Spirale aus der Sucht nach Anerkennung und der Überforderung.

Im Text „Frau“ wird auch noch unsere Fähigkeit nachzudenken infrage gestellt, uns, die wir als erste Opfer des Patriarchats mental und körperlich unentwegt, am meisten und noch dazu unentgeltlich zu arbeiten haben. Dies passiert, indem der „physiologische Schwachsinn des Weibes“ als Mythos reproduziert wird, eine unfassbare Frechheit: Während der Engel nun bei allen Berufsgruppen nach ihrer Denkfähigkeit fragt, fragt er, ob die Frau „nachdenken“ kann. Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Bei der Frau zweifelt der mutmaßliche Verfasser resp. der Engel nämlich konkret daran, dass sie logisch und in Konsequenzen denken kann, während dies bei den Berufsgruppen vorausgesetzt ist, und nur grundsätzlich nachgefragt wird, ob es sich quasi nicht um einen ferngesteuerten Roboter handelt, also ganz getreu dem literarischen Konzept des Produktdesigns. Bejubeln wir nun die vermeintliche Wertschätzung unserer Leistung, werden wir endgültig vorgeführt und dafür verhöhnt, dass wir nicht in der Lage sind, logisch zu denken und zu erkennen, wie bösartig der Text eigentlich ist, eine doppelte Verhöhnung.
Im gleichen Moment dieser mentalen Übergriffigkeit kommt es auch zu der sexuellen Übergriffigkeit: Bei den Varianten „Rettungssanitäter“ und „Rettungsassistenten“ berührte der Engel Gott, um ihn fürsorglich zum Ausruhen aufzufordern. Alle Berufsgruppen berührte der Engel mit dem Finger, aber um die Flüssigkeit zu prüfen. Nicht so bei der Frau, die der Engel gleich zweimal anfasst, um festzustellen, wie weich sie sei und wie nass sie ist. Wir dürfen uns einen lüstern und fies grinsenden Engel mit einem Messer in der Tasche vorstellen, wie er um die Frau abschätzig herumgeht, sie ungefragt betatscht, sie aber unfähig ist, sich dagegen zu wehren, ihm vielleicht noch starr vor Angst und Wut mit den Augen folgt.

Wenn wir diesen giftigen Text als Wertschätzung schlucken, beweisen wir tatsächlich die Unfähigkeit uns selbst wertzuschätzen, ganz wie in der letzten Zeile. Wir werden vorgeführt und die Parasiten haben gewonnen: Der Engel hat seinen Spaß, Gott hat seinen Spaß, der Verfasser hat seinen Spaß und so mancher Leser. Wir haben alles über uns ergehen lassen. Wir sind verraten, verkauft, ausgebeutet, verhöhnt und verachtet.

Dabei brauchen wir gar keine Wertschätzung von den Männern, weil wir wertvoll SIND. Auch das ist uns angeboren, denn nur weil wir geliebt wurden, sind wir immer noch am Leben, und nur wir FRAUEN können Leben geben. Die Verachtung ist der pure Neid um unsere Fähigkeit.
Aber es gibt auch eine Ironie in dieser Geschichte: Männer, die Geschichten schreiben, in denen fehlerfreie Männer uns absichtlich Fehler einbauen, verraten sich. Genau das tut das Patriarchat, die Herrschaft der Väter, nämlich seit seinen Anfängen. Dadurch, dass wir nicht unser angeborenes matrifokales Sozialverhalten leben dürfen, Männer wie Frauen, reagieren wir mit Krankheit und machen ungewollt schon unsere Kinder und mitunter schamlos unsere Mitmenschen krank.

Die Liebe, die uns von Natur aus in der Sippe freigiebig zuteil würde, weil wir SIND, wird uns Frauen im Patriarchat schon als kleines Mädchen entzogen, wenn wir die Kindheit überhaupt überleben. Wir befinden uns daher in permanenter Überlebensangst, fast wie die Geisel in der Bank. Bald fühlen wir uns tatsächlich wertlos und tun alles dafür, dass die Lieblosigkeit aufhört, interpretieren in jeden trockenen Brosamen, der uns vorgeworfen wird, ein fürstliches Mahl hinein und dienen bis zum Umfallen.
Nicht ein Bankraub, sondern allein bedingungslose, verlässliche, Unterstützung bereichert nachhaltig, und nicht einfach „Lieben“ oder Wohltätigkeit. Aber wer hilft, bekommt immer auch ein gutes Gefühl zurück und kann tatsächlich auch selbst solche Unterstützung erwarten. Das ist der uns allen angeborene sog. egoistische Altruismus[35], den zu leben wir uns verkneifen, weil wir längst überfordert sind. So werden Opfer zu Tätern, mindestens wegen unterlassener Hilfeleistung. Es gehört daher zum System, dass die Lieblosigkeit nicht aufhört. Es tut nur manchmal so, indem es lobt. Wir brauchen aber kein Lob, es ist Gift. Wir brauchen, dass alles so ist, dass wir uns gut fühlen können und unserem Sein Ausdruck verleihen können.
Das Patriarchat ist dagegen vollkommen eigennützig, nichts geschieht ohne Hintergedanken. Hauptsache ist in der Tat das Wohl des Mannes, alles andere ist zweitrangig. Die Frau darf sich nur wohlfühlen, wenn daraus auch ein Vorteil für den Patriarchen erwächst. Daher baut Gott sich in der Bibel eine Frau, damit er nicht „alleine sei“, sprich, damit er die wesentliche Arbeit nicht selbst machen muss und sich an ihr ergötzen kann.

Der Fund des Originals

Um dem Ding an die Wurzel zu gehen, man nennt das übrigens auch Radikalität, machte ich mich auf die Suche nach dem mutmaßlichen Urheber, wohlbemerkt, wir beide kannten zu Beginn nur die Variante „Frau“. Ich fand zunächst stattdessen die vielen anderen Varianten dieses Textes, und auf der Suche nach der ältesten, schließlich auch das PDF mit dem Text für die Polizei, VON der Polizei veröffentlicht. In der Suchmaschine meiner Wahl fand ich endlich einen Eintrag, wonach der Text auf die amerikanische Autorin ERMA BOMBECK zurückgehe und in ihrem Buch „Vier Hände und ein Herz voll Liebe (1976)“ abgedruckt sei. Also eine Frau? Ich war perplex! Bei Wikipedia fand ich die Information, dass Erma Bombeck eine Hausfrau gewesen sei, die mit „humorvollen Büchern und Zeitungskolumnen große Popularität erreicht“ hätte. Also eine brave, amerikanische Hausfrau, nicht durch Feminismus aufgefallen?
Weit gefehlt! Wir müssen nur woanders nachsehen: Bei fembio.org gibt es eine Biographie, geschrieben von der großartigen Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch. Demnach war Erma Bombeck zwar zwischenzeitlich Hausfrau, aber sie wollte mit ihren Texten nicht das Herz anrühren oder einfach zum Lachen bringen, sondern ihre Texte waren echte Patriarchatskritik! Mit „beißendem Sarkasmus“ blickte sie auf die Lebenswelt der Frauen, und ihre Kritik an Gatten und Kindern konnte „ätzend“ sein. Luise Pusch trug auch einige Zitate zusammen, aus denen hervor geht, dass die gläubige Katholikin durchaus subtile und „blasphemische“ Religionskritik übte: „God created man, but I could do better.“[36]
Auf der Website der Erma Bombeck Collection[37], die übrigens das Copyright an allen ihren Texten hält (!), erfahren wir, dass sie 1949 einen Abschluss in Englisch an der katholischen University of Dayton erworben hatte und schließlich auch den Doktorgrad erreichte. Als Dozentin machte sie sich ebenfalls einen Namen. Am 22. April 2021 war ihr 25. Todestag, die 70jährige Schutzfrist für UrheberInnen läuft damit erst in 45 Jahren ab.

Das ist natürlich ein Paukenschlag: Eine schwere Urheberrechtsverletzung, legitimiert durch die Polizei NRW und zahllose immer schlechtere Plagiate „unbekannter VerfasserInnen“. Und es scheint meist völlig unnötig, die wahre Autorin zu nennen, wenn in seltenen Fällen doch, dann in dreister Weise „nach Erma Bombeck“ oder gar falsch geschrieben! Als ich Jana das berichtete, beschaffte sie sofort das Ebook, in dem der Text in deutscher Sprache nachzulesen ist. Er erschien ursprünglich im amerikanischen Original als Kolumne einer Zeitung, und zwar am Muttertag 1977. Der amerikanische Verlag vermarktet diesen Text übrigens als „Hommage an die Mütter“! Auf der Website einer Schweizer Kirchengemeinde erfahren wir, dass der Text mit dem Ende „die Träne, die Träne ist das Überlaufventil!“ als „Muttertagsgeschichte von Erna Brombeck“ [sic!] in einer Predigt verlesen wurde. Da hat ein Pfarrer also seine exegetischen Hausaufgaben nicht gemacht!

Nun erst wurde das ganze, riesige Ausmaß der Fälschung deutlich. Der Text wurde regelrecht vergewaltigt. Es geht nämlich in Wahrheit um die MUTTER und die Aussage ist eine völlig andere:

ALS DER LIEBE GOTT DIE MUTTER SCHUF

Als der liebe Gott die Mutter schuf, machte er bereits den sechsten Tag Überstunden.
Da erschien der Engel und sagte: ‚Herr, Ihr bastelt aber lange an dieser Figur.‘
Der liebe Gott sprach: ‚Hast du die speziellen Wünsche auf der Bestellung gelesen?

  • Sie soll vollwaschbar, darf aber nicht aus Plastik sein;
  • sie soll 160 bewegliche austauschbare Teile haben;
  • sie soll von Essensresten und schwarzem Kaffee leben können;
  • sie soll einen Schoß haben, den man nicht mehr sieht, wenn sie aufsteht;
  • ihr Kuß soll alles heilen, vom Beinbruch bis zum Liebeskummer;
  • sie soll sechs Paar Hände haben.‘

Da schüttelte der Engel verwundert den Kopf und sagte: ‚Sechs Paar Hände? Das wird kaum zu machen sein, oder?‘
‚Die Hände machen mir kein Kopfzerbrechen‘, sagte der liebe Gott. ‚Aber die drei Paar Augen, die eine Mutter haben muß!‘
‚Gehören die denn zum Standardmodell?‘ fragte der Engel.
Der liebe Gott nickte.
‚Ein Paar, das durch geschlossene Türen blickt, während sie fragt: ›Was macht ihr Gören denn da drin?‹, obwohl sie es längst weiß.
Ein zweites Paar im Hinterkopf, mit dem sie sieht, was sie nicht sehen soll, aber wissen muß.
Und natürlich noch dieses Paar hier vorn, aus denen sie ein Kind ansehen kann, das sich unmöglich benimmt, und die sagen: ‚Ich verstehe dich und habe dich sehr lieb‹, ohne daß sie ein einziges Wort spricht.‘
‚O Herr‘, sagte der Engel und zupfte ihn leise am Ärmel. ‚Geht schlafen. Macht morgen weiter.‘
‚Ich kann nicht‘, sprach der liebe Gott, ‚denn ich bin nahe daran, etwas zu schaffen, das mir einigermaßen ähnelt.
Ich habe bereits geschafft, daß sie sich selber heilt, wenn sie krank ist, daß sie eine sechsköpfige Familie mit einem Pfund Gehacktem satt bekommt und einen Neunjährigen dazu bewegen kann, sich unter die Dusche zu stellen.‘

Der Engel ging langsam um das Modell der Mutter herum. ‚Zu weich‘, seufzte er.
‚Aber zäh‘, sagte der liebe Gott energisch. ‚Du glaubst gar nicht, was diese Mutter alles leisten und aushalten kann.‘
‚Kann sie denken?‘
‚Nicht nur denken, sondern sogar urteilen und Kompromisse schließen‘, sagte der Schöpfer.
Schließlich beugte sich der Engel vor und fuhr mit einem Finger über die Wange des Modells.
‚Da ist ein Leck‘, sagte er. ‚Ich habe Euch ja gesagt, Ihr versucht, zu viel in dieses Modell hineinzupacken.‘
‚Das ist kein Leck‘, sagte der liebe Gott, ‚das ist eine Träne.‘
‚Wofür ist die?‘
‚Die fließt bei Freude, Trauer, Enttäuschung, Schmerz, Verlassenheit und Stolz.‘
‚Ihr seid ein Genie‘, sagte der Engel.
Da blickte der liebe Gott traurig.
‚Die Träne‘, sagte er, ‚ist nicht von mir.'“[38]

Dieser Originaltext drückt mit dem, was über Erma Bombeck bekannt ist, keine Wertschätzung von wem auch immer aus, sondern ist beißende, sarkastische Kritik daran, was den Müttern – und nur den Müttern – aufgehalst wird, ohne dass ihnen geholfen wird und ohne, dass sie dafür entlohnt werden. Auch wenn der Text aus dem Neunzehnhundertsiebziger Jahren stammt, so zeigt doch die Statistik, dass sich daran bis heute wenig geändert hat und es den alleinerziehenden Müttern sogar noch schlechter geht. All die Herzchen in den Sozialen Medien am Plagiat „Frau“ zeigen, wie groß das Ausmaß der Überlastung ist. Leider verwechseln all diese Frauen aber diese Form toxischer Männlichkeit mit Anerkennung.
Der tiefgründige originale Schlusssatz „‚Die Träne‘, sagte er, ‚ist nicht von mir.'“ ist die entscheidende Stelle, die dem ganzen Text erst seinen Sinn verleiht, aber er fehlt in allen von uns gefundenen Plagiaten. Welch eine unfassbare Dreistigkeit! Das Plagiat „Frau“ endete mit:
„Der Engel fragte: Also ist sie ein perfektes Wesen?
Der Herr antwortete: Nein. Sie hat nur einen Nachteil
‚Sie vergisst oft, was sie wert ist‘.“

Das sagt aus: Der Wert der Frau besteht in ihrer Arbeitsfähigkeit und Fuckability, sie ist nicht wertvoll aus sich selbst. Niemand hat es nötig, ihr Wertschätzung entgegenzubringen; wenn sie welche haben will, soll sie sich eben selbst wertschätzen. Ein Tritt in den Hintern.

Das Original „‚Die Träne‘, sagte er, ‚ist nicht von mir.'“ sagt: Ihre Gefühle hat sie aus sich selbst und sie sind berechtigt, weil ihr Leben, das das Patriarchat ihr bereitet, eine Zumutung ist.
Mit dem Wissen, das wir heute haben, sagt es uns auch, dass dieser Herr Gott gar keine Macht über die Mutter hat, er hat sie gar nicht selbst ersonnen. Er ist nur der schlechte Plagiator der Evolution. Und der Engel ist sein Mephistopheles.

Auch der sexuelle Übergriff aus dem Plagiat „Frau“ ist im Original keiner. Dort streicht der Engel mit dem Finger über die Wange, um die Flüssigkeit zu prüfen. Es ist schlicht ein Warentest am Standardmodell, das in das literarische Konzept passt.
Damit konnte Jana sich nun „der Interpretation des ‚Antatschens‘ zumindest öffnen“[39], weil der Engel die Frau „im Original nur 1x an der Wange berührt, während es im Frau-Text offen bleibt, wo er sie beim ersten Mal berührt, als er feststellt, sie sei zu weich.“[40] Mit der Synopse wurde die Intention des Verfassers objektiv entlarvt. Da, wo er sich festhakt, wo er ausschmückt, da ist es ihm wichtig.

Dass die mutmaßliche Verfasserin des ersten Plagiats „Polizei“ Bombecks Botschaft nicht begriffen hat, ist für die wahre Autorin tragisch bis verheerend. Diese humorige, „nette“ Art, das Patriarchat zu kritisieren, hat offensichtlich nicht funktioniert, außer, dass sie sich gut verkaufen ließ, weil der Text allzu leicht missverstanden werden kann. Er nimmt vielleicht etwas Druck aus dem Kessel, aber verändern tut er nichts. Stattdessen gibt es immer wieder einen Backlash, der hier von den Plagiaten repräsentiert wird. Der ursprüngliche Sinn wird ins absolute Gegenteil verdreht. Er zielte einst auf die überlastete und unbezahlte Mutter, das unterste Glied der Gesellschaft und doch ihr wesentliches Standbein. Daraus machte der Verlag „eine Hommage an die Mütter“ und die erste Plagiatorin ein Loblied auf die männliche dominierte Polizei (2000: 80% Männer[41]), die, wenn auch nicht allzu hoch bezahlt, doch mit Beamtentum gut abgesichert und versorgt ist. In diesem Moment sind alle Dämme gebrochen und der Text wurde zum Freiwild. Alle Indizien sprechen dafür, dass der Text über die Frau von einem Mann geschrieben wurde, der am Ende den Triumph davongetragen hätte … wenn nicht eine Ballerina einen Würgereiz erlitten hätte.

Gabriele Uhlmann mit Jana Eva Ritzen, Braunschweig, August 2021

Anhang Synopse

Synopse siehe PDF

Anmerkungen

[1] Arbeitsgemeinschaft der Schwerbehindertenvertretungen Polizei NRW

[2] https://www.agsv-polizei-nrw.de/app/download/5785416558/Als_Gott.pdf abgerufen am 11.08.2021

[3] Ein Lastenheft ist eine Auflistung aller Anforderungen bei der Entwicklung eines technischen Produktes.

[4] https://www.spektrum.de/news/wem-lob-wirklich-nutzt/1438800 abgerufen am 11.08.2021

[5] Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen

[6] Ebd.

[7] Ebd.

[8] Ebd.

[9] Ebd.

[10] Heller, Laurence; LaPierre, Aline: Entwicklungstrauma heilen: Alte Überlebensstrategien lösen – Selbstregulierung und Beziehungsfähigkeit stärken – Das Neuroaffektive Beziehungsmodell zur Traumaheilung NARM. München 2013.

[11] Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen

[12] Paraphrasiert aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen

[13] Vgl. Heller/LaPierre 2013, S. 53

[14] Vgl. Ebd.

[15] Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen

[16] Paraphrasiert aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen

[17] Vgl. Heller/LaPierre 2013, S. 78

[18] Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen

[19] Paraphrasiert aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen

[20] Vgl. Heller/LaPierre 2013, S. 53 (s. FN 10)

[21] Vgl. ebd.

[22] Vgl. ebd.

[23] Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen

[24] Paraphrasiert aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen

[25] Vgl. Heller/LaPierre 2013, S. 108 (s. FN 10)

[26] Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen

[27] Paraphrasiert aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen

[28] Vgl. Heller/LaPierre 2013, S. 108 (s. FN 10)

[29] Ebd.

[30] Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen

[31] Paraphrasiert aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen

[32] Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen

[33] Das Wort fuckability bezeichnet auf derbe Weise die sexuelle Attraktivität einer Frau. Das Wort kam in den 2010er Jahren als Anglizismus auf, nachdem seit den 1990er Jahren Frauen, die sich dem männlichen sexuellen Diktat anpassen, als MILF (engl. „Mother I’d Like to Fuck“) bezeichnet wurden.

[34] Die AutorInnen weisen daraufhin, dass Menschen mit einer sog. Kontakt-Überlebensstruktur unter einer „systematischen Dysregulation“ und einem „eingeschränkten Resilienzspielraum“ leiden, „was anfällig für spätere Traumen“ mache (Vgl. Heller/LaPierre 2020, S. 59 und 164 ff). Die sog. Kontakt-Überlebensstruktur definiert die Folgen der ersten und ältesten Traumatisierung eines Kindes und passiert u.a., wenn das Weinen des Kindes dauerhaft nicht angemessen beantwortet wird.
Hier besteht die Gefahr der Verharmlosung späterer Traumen, und es wird so getan, als gäbe es nichts, was sie verhindern könne. Die Resilienz wird m. E. zu oft als Allheilmittel gegen die patriarchale Überforderung beschworen. Alles sei nur eine Frage guter Erziehung, dann könne ein Mensch beinahe alles aushalten. Jedoch bei Dauerüberlastung wird jeder Mensch irgendwann krank, sei er noch so resilient ins Erwachsenenleben gestartet. Genau das passierte ja dem Ur-Opfer. Es liegt darin auch die große Gefahr, die Schuld für das Scheitern im Patriarchat der Mutter zu geben. So wird jedenfalls nur an den Symptomen herumgedoktert, statt die Ursache, nämlich die unnatürliche Institution der Familie und die zugehörige Isolation, also das Leben im Patriarchat, als krankmachend zu erkennén. Das NARM-Modell liefert gute Erklärungen und die NARM-Therapie kann Entwicklungstraumen möglicherweise tatsächlich lindern, aber eine dauerhafte Heilung, wie es der Buchtitel verspricht, ist im Patriarchat m. E. nicht möglich.
Eine weitere Schwäche des Modells ist, dass bei der sog. ‚Liebe und Sexualität‘-Überlebensstruktur“ nicht die Sexuelle Selektion (female choice) berücksichtigt ist, nach der Liebe und Sexualität nicht so zusammenhängen, wie die AutorInnen es voraussetzen. Auch bezieht sich dieser von ihnen ausgemachte Typ einer Überlebensstruktur nicht auf die ersten 18 Lebensmonate, weshalb er einen auffälligen Fremdkörper im Modell darstellt. Insgesamt bedarf die Einbindung der dazugehörigen klinischen Bilder der sexuellen Verklemmung und der Hypersexualität in dieses Modell einer Überarbeitung, und sie sind meines Erachtens lediglich Symptome der „Kontakt-Überlebensstruktur“, der „Einstimmung-Überlebensstruktur“, der „Autonomie-Überlebensstruktur“ und der „Vertrauen-Überlebensstruktur“, also aller anderen sog. Organisationsprinzipien, die dieses Modell kennzeichnen. Der Modellcharakter täuscht m.E. auch darüber hinweg, dass in jedem patriarchal lebenden Menschen alle genannten Überlebensstrukturen mehr oder weniger vorhanden sind, also in Mischung.

[35] Vgl. De Waal, Frans: Der Mensch, der Bonobo und die Zehn Gebote. Moral ist älter als Religion. Dt. Ausgabe Stuttgart 2015

[36] Vgl. https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/erma-bombeck/ abgerufen am 11.08.2021

[37] https://ermabombeckcollection.com/about/ abgerufen am 11.08.2021

[38] Aus: Bombeck, Erma. Vier Hände und ein Herz voll Liebe (German Edition). Edel Elements. Ebook ohne Seitenzahlen. 1983 Englischer Original Titel: When God created Mothers. In einer Kolumne von 1977

[39] Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen

[40] Ebd.

[41] https://www.rnd.de/politik/statistik-polizei-verzeichnet-mehr-bewerbungen-frauenanteil-steigt-BM2MPT2QSOUFM7DWHRVUN3RHAY.html abgerufen am 11.08.2021