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	<title>Gleichberechtigung Archive - Gabriele Uhlmann</title>
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		<title>Der Preis des Guten: Wenn Hilfe zur Herrschaft wird – eine Kritik des Helfens</title>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Jul 2025 20:02:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Analysen und Studien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Prolog In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Helfer als moralisches Rückgrat der Gesellschaft. Ob im Gesundheitswesen, im sozialen Bereich, in Familien oder im Ehrenamt: Helfer-Persönlichkeiten werden gefeiert für ihre Selbstlosigkeit, Aufopferung...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/der-preis-des-guten-wenn-hilfe-zur-herrschaft-wird-eine-kritik-des-helfens">Der Preis des Guten: Wenn Hilfe zur Herrschaft wird – eine Kritik des Helfens</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/a541d1af2b914b039c1278d9eb406025" alt="" width="1" height="1" />Prolog</p>
<p><strong>In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Helfer als moralisches Rückgrat der Gesellschaft. Ob im Gesundheitswesen, im sozialen Bereich, in Familien oder im Ehrenamt: Helfer-Persönlichkeiten werden gefeiert für ihre Selbstlosigkeit, Aufopferung und Nächstenliebe. Wer anderen dient, ist gut. Wer sich selbst dabei vergisst, wird oft sogar noch bewundert.</strong><br />
Doch dieser Mythos hat zwei Schattenseiten, die bislang kaum benannt werden und deren Opfer überwiegend weiblich sind: die Co-Abhängigkeit der Angehörigen und eine Gesellschaft, die von schädlicher Selbstausbeutung zusammengehalten wird. In der Literatur und im WWW gibt es vor allem Untersuchungen über das Leid der Helfer selbst, jedoch kaum eine unideologische Auseinandersetzung mit den Auswirkungen des exzessiven Helfens auf die Gesellschaft und noch weniger fundierte psychologische Informationen speziell über Partner von Menschen mit Helfersyndrom. Es gibt jedoch ein gewisses Bewusstsein in der Öffentlichkeit für die Probleme, die dabei als Kollateralschaden entstehen. Oft wird die Kritik an den Schäden jedoch als verzerrte Wahrnehmung oder Unmenschlichkeit, &#8222;Hass&#8220;, gecancelt. Der Wokeismus steht für diese Ideologie als Paradebeispiel. Wahlloses Helfen wird auch nicht selten schlicht als „Dummheit“ wahrgenommen. Die dahinterliegenden Aspekte werden jedoch kaum untersucht. Die Gender Pay Gap &#8211; besser <strong>Sex Pay Gap</strong>, denn es sind biologische Frauen, die benachteiligt werden und nicht eine Rolle oder eine Identität -, die Auswirkungen des Wokeismus auf die Politik und die Gesellschaft sind inzwischen hinreichend thematisiert, wenn auch nicht wirklich verstanden. Und was geschieht eigentlich mit den Menschen, die mit Helfern leben, was, wenn Hilfe zum identitätsstabilisierenden Selbstzweck wird? Meine These dabei ist: Das Patriarchat, die Herrschaft der Väter, hat sich seit jüngerer Zeit ein vorgeschobenes Helfer-Syndrom zugelegt und macht sich damit an der Wurzel unangreifbar. Es ist eine der Machtstrategien des Patriarchats. Dies erklärt die breite Zustimmung zu Appellen, dass die Väter die Care-Arbeit übernehmen sollen. Neoliberale Politik folgt diesem Muster, u.a. indem Mütter für ihre Rente Vollzeit zu arbeiten haben. Kurz gesagt: dass Väter die besseren Mütter seien, muss auf Biegen und Brechen gezeigt werden.</p>
<p>Der Blick der interdisziplinären Patriarchatsforschung auf diesen Komplex umfasst zwangsläufig auch die psychologischen Grundlagen der Krankheit Patriarchat, der Patriarchose<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup>, und ordnet das Helfer-Syndrom unter dem Kollektiven Stockholm-Syndrom<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup> ein, der Mittäterschaft der Entführten. Denn das Patriarchat ist ein Entführungsverbrechen, wie ich es an anderen Stellen bereits ausgeführt habe <sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup>. So hart der Begriff <em>Täter</em> auch klingen mag, es geht hier nicht um Verurteilung, um Schuldzuweisung an den Einzelnen, sondern um eine gesellschaftliche Analyse, die allen Beteiligten Erleichterung verschaffen soll. Sie ist dabei auch keine Entschuldigung, sondern die Aufforderung an alle, das Muster zu erkennen und daran zu arbeiten.</p>
<h3 id="Psych-Soz-Grundlagen">Psychologische und anthropologische Grundlagen</h3>
<p><em>Helfer-Syndrom</em> ist keine offizielle Diagnose, doch in der psychologischen Literatur gut beschrieben: ein starker Wunsch gebraucht zu werden, gepaart mit Schwierigkeiten, eigene Bedürfnisse zu erkennen oder Grenzen zu setzen. Dieser Wunsch kann so tief verwurzelt sein, dass er zur Grundlage der eigenen Identität wird. Das Helfer-Syndrom hat mitunter den Charakter einer Sucht<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>, eines Fetischismus<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup> oder einer Zwangsstörung, und die Angehörigen geraten nicht selten in den Zustand einer Co-Abhängigkeit. Die Folgen sind daher paradox: Wer übermäßig hilft, kann andere entmündigen. Wer sich selbst aufgibt, erwartet oft unausgesprochen Gegenleistungen – etwa Dankbarkeit, Loyalität oder emotionale Schonung.<br />
Ein Aspekt ist dabei die massive externale Fokussierung, wie sie von Schiefer und Köhler beschrieben wurde: „<em>Massive externale Fokussierung zeigt sich zum Beispiel durch Engagement speziell für Ausländer, Engagement in der Entwicklungs- oder Flüchtlingshilfe oder in der zwischenmenschlichen oder generellen Bevorzugung von Menschen möglichst völlig fremder Kulturen.</em>“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup> Die federführende Beteiligung des Intersektionalen Feminismus an Transaktivismus und Antisemitismus zeigt, wie geschickt es dem Patriarchat gelingt, insbesondere Frauen als nützliche Idioten einzuspannen. Die Selbstaufgabe wurzelt nicht selten in einem tiefen Selbsthass, der jedoch geleugnet wird und auf die Kritiker projiziert wird.<br />
Helfer-Persönlichkeiten richten ihre gesamte Wahrnehmung auf die Bedürfnisse anderer, um sich nicht mit den eigenen inneren Konflikten konfrontieren zu müssen oder wie im Beispiel des Intersektionalen Feminismus mit Kritik am Patriarchat anzuecken. Diese externalisierende Tendenz, die häufig aus früher Parentifizierung oder unaufgelösten Traumata stammt, führt dazu, dass sie ständig außerhalb ihrer selbst funktionieren – für andere, gegen sich. Der Primatenforscher Frans de Waal hat im Kontext der Verhaltensforschung auf den sogenannten &#8222;egoistischen Altruismus&#8220; hingewiesen: Auch Tiere helfen, wenn sie dadurch ihre soziale Sicherheit festigen. Altruismus, so de Waal, ist nie ganz eigennutzfrei (vgl. De Waal 2015) – und genau darin liegt auch in menschlichen Helferdynamiken eine unterschätzte Ambivalenz.<br />
Die Ursachen für das Helfer-Syndrom liegen in der Kindheit. Instrumentelle oder emotionale Parentifizierung haben das Kind in eine Elternrolle gezwungen. Die Traumatherapeutin Verena König schreibt: „<em>In Familien mit körperlich, psychisch oder suchtkranken Eltern gehört Parentifizierung zur Tagesordnung. Aber auch in jeder anderen Konstellation, in der Eltern emotional und körperlich nicht in ihrer Kraft sind, werden Kinder dem Druck ausgesetzt, für ihre Eltern zu sorgen und ihre Last mitzutragen.</em>“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup>
<h3 id="StrukturelleAusbeutung">Strukturelle Ausbeutung</h3>
<p>Das zeigt sich nicht nur im politischen oder familiären Bereich, sondern auch im Beruf: Der pflichtbewusste Angestellte, der freiwillig unbezahlte Überstunden macht, der selbstständige Dienstleister, der sich nicht traut, angemessene Preise zu verlangen, die freischaffende Frau, die glaubt, dass ihre Arbeit weniger wert sei, weil sie sich &#8222;zum Helfen geboren&#8220; fühlt und Angst vor dem „Nein“ hat – all das sind Ausprägungen eines strukturellen Helfer-Syndroms, das ökonomisch wirksam wird. Besonders sichtbar wird dies an der Mutter, deren unbezahlte Sorgearbeit als selbstverständlich gilt und systematisch unsichtbar bleibt. Diese Formen freiwilliger Selbstausbeutung stützen ein ökonomisches System, das auf kostenloser oder unterbezahlter Frauenarbeit fußt.<br />
So wird die Ausbeutung durch das Patriarchat nicht als Verbrechen erkannt, sondern als Tugend verklärt. Die Schuld wird dabei den Ausgebeuteten selbst zugeschoben: Sie hätten es so gewollt, sich selbst geopfert, sich nicht genug gewehrt. Helfer selbst zweifeln an sich und entwickeln zusätzlich das sog. Hochstapler-Syndrom: Sie seien eben tatsächlich nicht gut genug. Doch all das entspricht nicht den Tatsachen und es greift zu kurz. Auch das Helfer-Syndrom ist keine bewusste Wahl, keine angeborene Charaktereigenschaft, sondern die Folge früher Bindungsstörungen und sozialer Erwartung. Doch gefährlich wird es, wenn aus diesem Opferstatus ein Handlungsmuster entsteht, das andere mit in den Strudel zieht. Wenn Helfende sich als unersetzlich erleben, andere emotional abhängig machen oder sogar ihre Partnerinnen gezielt ausschließen – dann werden Opfer zu Mit-Tätern in einem perfekt abgesicherten System.</p>
<h3 id="Familiaere-Dynamiken">Familiäre Dynamiken</h3>
<p>Hilfe wird dann zur moralischen Waffe: Wer hilft, kann nicht falsch liegen. Wer kritisiert, wirkt herzlos. Und das System, das auf dieser Hilfe beruht, bleibt unanfechtbar. Was als Altruismus erscheint, entpuppt sich bei näherem Hinsehen oft als moralisch aufgeladene Machtausübung – ein Heldenkult in seiner stillsten, scheinbar friedfertigsten Form. Die Folgen: zerstörte Beziehungen, verdeckte Konkurrenz, psychische Überlastung und ein Gefühl von Illoyalität, das die Partnerschaft zersetzt.<br />
Wenn ein Partner heimlich Geld verschenkt oder verleiht, seine Zeit statt, wie vorgegeben mit Überstunden, in Wirklichkeit bei anderen verbringt, um deren Haus zu bauen, leidet eine Familie auch finanziell, ähnlich wie bei der Spielsucht.<br />
Das Helfer-Syndrom ist in vielen Fällen Teil einer transgenerationalen Weitergabe: Häufig sind es Männer, die als Kinder selbst parentifiziert wurden – etwa durch eine überforderte oder gewaltbetroffene Mutter –, die gelernt haben, emotional verfügbar zu sein, um Konflikte zu vermeiden. In patriarchalen Familienstrukturen werden solche Rollen unbewusst weitergetragen: Wenn sich der Vater in seine Helfer-Rolle zurückzieht, verschiebt er seine emotionale Energie auf die Kinder. Die Mutter erlebt sich als ausgegrenzt, emotional entwertet, und muss sich gleichzeitig rechtfertigen, wenn sie das Helfen hinterfragt. Sie lernt schlimmstenfalls, sich kleinzumachen oder zu schweigen, um nicht als &#8222;undankbar&#8220; zu gelten. Wenn zusätzlich ein Mutter-Tochter-Konflikt verliegt, wird der &#8222;helfende Vater&#8220; zum moralischen Bezugspunkt. Er kann sich in vermeintlicher Neutralität üben, womit er in Wirklichkeit die familiären Loyalitäten verschiebt. Wenn der Vater die Tochter auf seine Seite zieht, indirekt die Mutter als überforderte oder problematische Figur darstellt, wird ihre Autorität damit unterwandert und es entsteht ein Entfremdungsprozess, die Mutter steht zunehmend isoliert da. Die Tochter wird zum empathischen Gegenüber des Vaters, womit sich das Helfer-Syndrom nicht nur vererbt, es befeuert auch familiäre Spaltung im sensiblen, weil evolutionär wesentlichen Mutter-Tochter-Verhältnis. Wenn der helfende Vater als Großvater dabei auch die mütterliche Großmutter verdrängt, sofern das nicht schon der Vater der Enkel erledigt hat, wird die traditionell verkannte, evolutionäre Bindungsstruktur zwischen Großmutter, Mutter und Tochter endgültig zerschlagen. Die Großmutterthese<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup> zeigt, dass ohne die mütterliche Großmutter die Menschheit nicht ihr hohes Sozialverhalten, letztlich ihre Intelligenz hätte entwickeln können<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup>. Die väterliche Figur, der institutionalisierte Vater, tritt nicht nur zwischen die Mutter und das Kind, sondern verdrängt systematisch das matrifokale Generationenkontinuum. Das ist mehr als familiäre Dynamik – es wirkt wie ein symbolischer Endsieg des Patriarchats: die totale Herrschaft des Vaters über Herkunft, Bindung und Zukunft, auch wenn das gar nicht beabsichtigt war. Das Private ist das Politische, ob wir wollen oder nicht.</p>
<h3 id="Herrschaft-unter-dem-Banner-des-Guten">Herrschaft unter dem Banner des Guten &#8211; Rechtliche &amp; gesellschaftliche Instrumentalisierung</h3>
<p>In der erweiterten Perspektive wird deutlich, dass das Helfer-Syndrom eine strukturelle Funktion erfüllen kann: Es wird zu einer neuen tragenden Säule des väterlich dominierten Systems – des sogenannten Vaterrechts im Neo-Patriarchat. Dass Väter sich wie eine Mutter um die Kinder kümmern<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup>, gibt es erst flächendeckend, seit sich die Kleinfamilie durchgesetzt hat. Eine Scheidungsrate nahe 50% und eine hohe Trennungsrate machen sie mehr und mehr zu einem unsicheren Lebensmodell. <em>&#8222;Plötzlich wird alles unsicher: die Form des Zusammenlebens, wer wo wie was arbeitet, die Auffassungen von Sexualität und Liebe und ihre Einbindung in Ehe und Familie, die Institution der Elternschaft zerfällt in das Gegeneinander von Mutterschaft und Vaterschaft; Kinder mit der in ihnen enthaltenen, jetzt anachronistisch werdenden Bindungsintensität werden zu den letzten Partnern, die nicht gehen.&#8220;</em><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup> Mit der Familie verliert der Vater seine Fürsorgegruppe. In diesem Moment stürzt er sich regelrecht auf die Kinder und Kindeskinder und drängt ihnen seine Hilfe auf. Der Vater entdeckt plötzlich seine „Vatergefühle“. Bei Weitem nicht alle modernen Väter haben ein Helfer-Syndrom, aber spätestens im Falle der Trennung zeigen sie ein sehr ähnliches Verhaltensmuster, das gesellschaftlich mittlerweile hochangesehen ist.<br />
Indem sich der &#8222;helfende Vater&#8220; als ruhiger, zuverlässiger, stets verfügbarer Elternteil inszeniert, während die Mutter unter psychischer Belastung oder starker emotionaler Reaktion steht, entsteht ein verzerrtes Bild, das auch juristisch wirksam werden kann.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup> In familiengerichtlichen Auseinandersetzungen um Sorge- oder Umgangsrecht führt diese Dynamik nicht selten dazu, dass Müttern pauschal emotionale Instabilität oder fehlende Kooperationsbereitschaft unterstellt wird<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup> – während Väter als ruhig und sachlich gelten, weil sie ihre emotionalen Konflikte auslagern, etwa in Helferrollen gegenüber den Kindern. Dies kann – subtil, aber wirksam – zu einer Form von <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/buchbesprechung-sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt-ein-plaedoyer-gegen-die-gleichwertigkeit-der-elternschaft-von-mutter-und-vater" target="_blank" rel="noopener">strukturellem Kindesentzug</a> führen, legitimiert durch das Bild des &#8222;verlässlichen Helfers&#8220;.<br />
Noch paradoxer wird dies vor dem Hintergrund feministischer Forderungen: Die berechtigte gesellschaftliche Debatte um mehr väterliche Beteiligung wird – in manchen Fällen – zum Verstärker eines Systems, das auf emotionaler Entwertung der Mütter basiert. Die Forderung nach Gleichstellung wird dadurch pervertiert: <strong>Nicht zwei starke Elternteile agieren gemeinsam, sondern ein systemisch aufgewerteter Helfer-Vater tritt in Konkurrenz zur emotional ausgebremsten Mutter.</strong> Die Folge: psychische Schieflagen werden überdeckt durch rechtliche Gleichstellung – und familiäre Dysbalancen als Fortschritt verbrämt.<br />
In diesem Zusammenhang lohnt sich ein weiterer kritischer Blick auf die sogenannte PAS-Diagnose (Parental Alienation Syndrome), eine Pseudo-Diagnose, die lange Zeit in Sorgerechtskonflikten als Argumentationshilfe gegen Mütter verwendet wurde. Obwohl wissenschaftlich nicht anerkannt, wurde PAS von Gerichten wiederholt herangezogen, um Müttern Entfremdung der Kinder und eine „Bindungsintoleranz“ zu unterstellen – oft in genau jenen Fällen, in denen sie sich gegen verdeckte oder offene Vereinnahmung durch den Vater zur Wehr setzten. Ähnlich problematisch ist das Konzept des &#8222;Maternal Gatekeeping&#8220;, das Müttern unterstellt, sie würden Väter bewusst aus der Elternrolle ausschließen. Tatsächlich handelt es sich häufig um den Versuch, das eigene Beziehungsgefüge zu schützen – etwa vor einer Helferdynamik, die emotional übergriffig ist. Diese Form toxischer Männlichkeit arbeitet nicht mit plumper Gewalt, sondern subtil und oberflächlich moralisch einwandfrei. Die Protagonisten dieser Väterlobby haben in der Vergangenheit erfolgreich unter Drücken auf die Tränendrüsen zahlreiche Gesetzesänderungen erwirkt, mit denen die Abschaffung der Freiheit der Mütter verbunden war und ist<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup>.</p>
<h3 id="Psych-Soz-Folgen-fuer-Angehoerige">Psychosoziale Folgen für Angehörige</h3>
<p>Für Angehörige, die mit Helfer-Persönlichkeiten leben, entstehen daraus immer häufiger Gefühle von Nutzlosigkeit, Entwertung und Ohnmacht. Sie dürfen wenig selbst entscheiden, erleben sich zunehmend als &#8222;Störfaktor&#8220; oder Belastung. Während der Helfende von außen als stark, gut und aufopferungsvoll wahrgenommen wird, erscheinen seine engsten Bezugspersonen – insbesondere Partnerinnen – in der Öffentlichkeit leicht als undankbar, überfordernd oder sogar manipulativ und narzisstisch. Diese verzerrte Außenwirkung trägt wesentlich zur inneren Vereinsamung der Betroffenen bei und verstärkt deren Rückzug.<br />
Erschwerend kommt eine gesellschaftlich tief verwurzelte Vorstellung von &#8222;Gutmenschentum&#8220; hinzu. Die pauschale Abwertung jeder Kritik an Helfer-Persönlichkeiten als Zynismus oder Herzlosigkeit verhindert, dass über ihre destruktiven Wirkungen offen gesprochen werden kann. Wer nicht bereit ist, &#8222;die andere Wange hinzuhalten&#8220; – wie es ein bekanntes Jesus-Wort fordert –, gerät schnell unter moralischen Verdacht. Doch die völlige Selbstverleugnung als Ideal von Ethik zu verklären, führt zur paradoxen Umkehr: Die Selbstlosen beherrschen mit moralischer Überlegenheit, und jene, die sich abgrenzen, gelten als schuldig.<br />
Diese Form von Co-Abhängigkeit bei Helfer-Syndrom ist bislang kaum erforscht. Sie wird in Fachkreisen gelegentlich als &#8222;unsichtbare Belastung im Nahraum von Helfern&#8220; bezeichnet, doch systematische Studien fehlen. Die mediale Aufmerksamkeit liegt fast ausschließlich auf den Belastungen der Helfenden selbst – Burnout, Depression, Erschöpfung. Dass Helfen auch eine Form von Kontrolle und Konfliktvermeidung sein kann, wird selten thematisiert.<br />
Dabei wäre genau das dringend notwendig. Denn solange das Bild des uneigennützigen Helfens unhinterfragt bleibt, fehlt der Raum für diejenigen, die darunter leiden. Und solange Co-Abhängigkeit nur im Kontext von Sucht diskutiert wird, bleiben andere zerstörerische Beziehungsmuster im Verborgenen.<br />
In vielen Fällen erkennen betroffene Partnerinnen ihre Situation erst sehr spät, oft erst, wenn sich psychische oder psychosomatische Beschwerden manifestieren: Schlafstörungen, Angstzustände, depressive Verstimmungen oder chronische Erschöpfung. Denn das ständige Rücksichtnehmen, das &#8222;Nicht-stören-Wollen&#8220; ist kein neutraler Zustand, sondern eine Anpassung an einen emotionalen Missbrauch. Es ist ein dauerhaft erhöhter emotionaler Stress, der den Organismus genauso belasten kann wie ein akuter Konflikt. Nur eben stiller, langsamer, schwerer zu fassen.<br />
Ein weiteres Problem liegt darin, dass das Umfeld der Helfer, insbesondere die Familie, häufig zur Mitinszenierung des Helferbildes beiträgt. Kinder lernen früh, dass Hilfe leisten mit Anerkennung verbunden ist, dass Zurückhaltung der eigenen Bedürfnisse ein Zeichen von Charakterstärke sei und dass emotionale Bedürfnisse &#8222;nicht stören&#8220; sollen. So entstehen familiäre Mikro-Kulturen, in denen sich das Helfer-Syndrom von Generation zu Generation weitervererbt – oft begleitet von verdeckter Schuld, unerkannten Loyalitätskonflikten und impliziten Rollenzuschreibungen.</p>
<h3 id="Fazit-und-Ausblick">Fazit &amp; Ausblick</h3>
<p>Was es braucht, ist eine differenzierte Diskussion über die dunkle Seite des Helfens. Nicht, um die Leistung von Helfern zu diskreditieren, sondern um die psychische Integrität ihrer Angehörigen ernst zu nehmen. Hilfe kann im Privaten wie im öffentlichen Raum eine toxische Wirkung entfalten. Sie ist dann gesund, wenn sie frei gespendet wird – nicht, wenn sie zur emotionalen Infrastruktur eines Systems wird, das nur funktioniert, weil andere stillschweigend mittragen.<br />
Auch aus gesellschaftlicher Perspektive ist dieses Thema brisant. In Pflegeberufen, im Ehrenamt, in familiären Versorgungsnetzwerken sind Helfer-Persönlichkeiten strukturell unentbehrlich. Die stillen Mitträger im Hintergrund – meist weiblich, oft über Jahrzehnte angepasst und leistungsbereit – bleiben unsichtbar, solange sie funktionieren. Wenn sie jedoch ausfallen, erschüttert das nicht nur das Helfersystem, sondern auch das soziale Gefüge. Das heißt: Unsere Gesellschaft ist auf das Helfer-Syndrom angewiesen – und darauf, dass niemand laut fragt, wer darunter leidet.<br />
Wer hilft, darf das reflektiert tun. Erst dann wird Hilfe wirklich menschlich. Erst dann ist sie frei.</p>
<p>Mein Dank gilt Stephanie Gogolin für die wertvollen Hinweise.<br />
Gabriele Uhlmann im Juli 2025</p>
<h2 id="Literatur">Literatur</h2>
<ul id="liste2">
<li>Beck, Ulrich: Risikogesellschaft – Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt a. M.<br />
1986. 23. Auflage. 2016</li>
<li>De Waal, Frans: Der Mensch, der Bonobo und die Zehn Gebote. Moral ist älter als Religion. Stuttgart 2015. Am. Original-Ausgabe: New York/London 2013</li>
<li>Gogolin 2019-2024: Gogolin, Stephanie: Das patriarchale Stockholmsyndrom Teil I-IV. Online-Ressourcen auf <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" rel="noopener">https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/</a> vom 06.09.2019-09.07.2024</li>
<li>Gogolin, Stephanie: Der Beginn des Neo-Patriarchats. Online-Ressource vom 12.06.2024 auf <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2024/06/12/der-beginn-des-neo-patriarchat/" target="_blank" rel="noopener">https://marthastochter.wordpress.com/2024/06/12/der-beginn-des-neo-patriarchat/</a> abgerufen am 12.07.2025</li>
<li>Haarmann, Claudia: Mütter sind eben Mütter. Was Töchter und Mütter voneinander wissen sollten. München 2019</li>
<li>Schiefer/Köhler 2025a: Schiefer, Claudia/Köhler, Andreas: Massive externale Fokussierung &amp; Helfer-Syndrom. Undatierte Online-Ressource auf: <a href="https://www.psychologie-coaching.com/externale-fokussierung-helfer-syndrom/" target="_blank" rel="noopener">https://www.psychologie-coaching.com/externale-fokussierung-helfer-syndrom/</a> abgerufen am 12.07.2025</li>
<li>Schiefer/Köhler 2025b: Schiefer, Claudia/Köhler, Andreas: Fetischismus. Undatierte Online-Ressource auf: <a href="https://www.psychologie-coaching.com/wissen-fetischismus/" target="_blank" rel="noopener">https://www.psychologie-coaching.com/wissen-fetischismus/</a> abgerufen am 12.07.2025<br />
König, Verena: Trauma und Beziehungen. Wie wir die immergleichen Bindungsmuster hinter uns lassen. München 2024</li>
<li>Schnaars, Ilka: Sorgerecht und väterliche Gewalt – Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht). Rüsselsheim 2025</li>
<li>MIA e.V. 2018: Die schrittweise Abschaffung der Freiheit. Online-Ressource auf <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener">https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/</a> abgerufen am 25.10.2024</li>
<li>Mundlos, Christina: Mütter klagen an. Institutionelle Gewalt gegen Frauen und Kinder im Familiengericht. Marburg 2023</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Warum gibt es die Schwiegermutter? Neues zur Großmutterthese. Online-Ressource vom 29.10.2017 auf: <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/29/die-schwiegermutter-neues-zur-grossmutterhypothese/" target="_blank" rel="noopener">https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/29/die-schwiegermutter-neues-zur-grossmutterhypothese/</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Frauen – woher nehmen, wenn nicht stehlen? Über Frauenraub und seine historischen Grundlagen. Vortrag, gehalten am 3.11.2018 an der Freien Universität Berlin im Rahmen der Tagung „Frauenraub – Interdisziplinäre Tagung zum Frauenraub im Altertum“ vom 2.-3-11.2018. Online-Ressource mit Aktualisierungen auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat. Online-Ressource vom 30.05.2024 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt</a></li>
<li>Wolf, Doris: Helfer-Syndrom &#8211; Wenn Helfen zur Sucht wird. Online-Ressource vom 15.05.2024 auf <a href="https://www.palverlag.de/lebenshilfe-abc/helfersyndrom.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.palverlag.de/lebenshilfe-abc/helfersyndrom.html</a> abgerufen am 12.07.2025</li>
</ul>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;nach Dagmar Margotsdotter</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;nach Stephanie Gogolin, Vgl. Gogolin 2019-2024</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;z.B. Uhlmann 2018</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Wolf 2024</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Schiefer/Köhler 2025b</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Köhler/Schiefer 2025a</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;König, S. 103</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;bekannt als Großmutterhypothese</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2017</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Gogolin 2024</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Beck 2016, S. 180</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Schnaars 2025</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. Mundlos 2023</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. MIA e.V. 2024</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/der-preis-des-guten-wenn-hilfe-zur-herrschaft-wird-eine-kritik-des-helfens">Der Preis des Guten: Wenn Hilfe zur Herrschaft wird – eine Kritik des Helfens</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Patriarchat &#8211; Definition, Entstehung, Geschichte und Symptome</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Apr 2021 08:42:48 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Bildquelle: Georg Ferner, Kaiserslautern, Public domain, via Wikimedia Commons Definition Merkmal und Gemeinsamkeit aller Patriarchate ist das Vaterrecht. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gesellschaften in der Ausgestaltung der Gesetze, des...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat">Patriarchat &#8211; Definition, Entstehung, Geschichte und Symptome</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="abb">Bildquelle: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Georg_Ferner_Kaiserslautern_c1895.jpg" target="_blank" rel="noopener">Georg Ferner</a>, Kaiserslautern, Public domain, via Wikimedia Commons</span><br />
<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/d707839ebcad4474913136acac01b862" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h2 id="definition">Definition</h2>
<p><span style="font-size: 30px; font-weight: bold;">M</span>erkmal und Gemeinsamkeit aller Patriarchate ist das Vaterrecht. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gesellschaften in der Ausgestaltung der Gesetze, des Zusammenlebens, der Kultur und des Wirtschaftens.</p>
<p>Wie es der Begriff &#8222;Patriarchat&#8220;, der wörtlich übersetzt &#8222;Herrschaft der Väter&#8220; bedeutet, bereits anklingen lässt, haben wir es einerseits mit Herrschern und Beherrschten zu tun, mit Unterdrückern und Unterdrückten, Tätern und Opfern. Andererseits stehen nicht Männer im Fokus, sondern explizit Väter.<br />
Ein Mann, der einer Familie aus einer oder mehreren Ehefrauen und deren ehelichen Kindern vorsteht bzw. über sie als sein Eigentum bestimmt, wird als Patriarch bezeichnet. Daher kommt es verbreitet zu der Ansicht, dass wir in Europa nicht mehr im Patriarchat leben. <a href="https://www.christel-goettert-verlag.de/produkt/sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt/" target="_blank" rel="noopener">In Deutschland gibt es jedoch ein dezidiertes Vaterrecht, das im Grundgesetz verankert ist.</a> Ehe und Familie, also die Orte der Ausübung des Vaterrechts, sind sogar besonders geschützt.<br />
Das Patriarchat wird weltweit sowohl gewaltsam als auch mit rechtsstaatlichen Mitteln, den <strong>Gewalten</strong>, aufrecht erhalten (siehe <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gewalt-garant-und-symptom-des-patriarchats" target="_blank" rel="noopener">extra Essay</a>).</p>
<h2 id="das-patriarchat-ist-nicht-das-was-die-meisten-glauben">Das Patriarchat ist nicht das, was die meisten glauben</h2>
<p>Das Patriarchat wurde nicht geschaffen, um Männer von Care-Arbeit (Kinder- und Angehörigen-Pflege und Hausarbeit) zu befreien und auch nicht, um Väter in die Care-Arbeit einzubeziehen. Die Care-Arbeit hat erstaunlich wenig mit dem Patriarchat zu tun, außer dass sie nicht bezahlt wird und die Mutter keine Unterstützung ihrer mütterlichen Ursprungssippe erwarten kann. Daher ist das Patriarchat auch nicht zu Ende, wie es heute oft behauptet wird, <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2019/01/21/gar-nicht-einfach-die-vaterschaft-als-erklaerung-fuer-alle-menschengemachten-probleme/" target="_blank" rel="noopener"> es verschärft sich im Gegenteil immer weiter</a>.<br />
Warum also herrschen Väter, und warum hören sie nicht einfach auf damit, obwohl es bei Männern wie Frauen und auf unserem Planeten großen Schaden anrichtet? Warum sind Frauen weiter benachteiligt, auch wenn sie als emanzipiert gelten?</p>
<h2 id="entfuehrungsverbrechen-patriarchat-geschichte">Das Patriarchat ist NICHT unser angeborenes Sozialverhalten, sondern ein Entführungsverbrechen &#8211; Entstehung und Geschichte</h2>
<p>Das Patriarchat ist nicht natürlich, <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">sondern es entstand gewaltsam</a>, speziell mit <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" target="_blank" rel="noopener">Entführungen bzw. Frauenraub</a>, begleitet von Vergewaltigungen und Bestrafung von Frauen und Mädchen, aber auch der Ermordung aller nicht patriarchalen Männer, die das zu verhindern suchten. Ziel der Täter war die Sicherstellung der <strong> genetischen Vaterschaft</strong> zur Ausübung der <strong>sozialen Vaterschaft</strong>, was nur mit Kontrolle der weiblichen Sexualität und der unter diesen Bedingungen gezeugten Kinder möglich war und ist. Dabei ging es von Beginn an nicht um die Wahrnehmung fürsorglicher Aufgaben, sondern um Machtausübung. Aufgrund der Betonung des Wertes der väterlichen Gene wohnt dem Patriarchat nicht nur untrennbar der Sexismus, sondern auch der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung" target="_blank" rel="noopener">Rassismus</a> inne. Sexismus ist dabei die Basis des Rassismus.</p>
<p>Vor der Entstehung des Patriarchats wohnten Kinder nicht bei ihrem Vater, weil er aufgrund der <a href="https://www.amazon.de/Mütter-Andere-Evolution-sozialen-gemacht/dp/3827008859" target="_blank" rel="noopener">matrifokalen Sozialstruktur von <i>Homo sapiens</i></a> unbekannt war.</p>
<p>Die ersten Patriarchen postulierten die Vaterschaft als ihr Recht und erhoben das <strong>Vaterrecht</strong> zum allein gültigen Recht, womit sich das Patriarchat in den Folgegenerationen normalisierte, verselbständigte und tradierte.<br />
Die Kontrolle dieses Rechtes kann nur unter <strong>Patrilokalität</strong> ausgeübt werden, d.h. die Kinder und die Mutter werden gezwungen, beim Vater zu wohnen und gehören ihm auch. Es etablierten sich entsprechende Gesetze und Werte unter einer männerzentrierten Religion. Bis heute führt ein Ehemann sprichwörtlich seine frischgebackene Ehefrau &#8222;heim&#8220;. Darin ist der Ursprung in den initialen Entführungen erkennbar.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" title="Frauenraub: Raub der Sabinerinnen. Albrecht Dürer, 1495, Tusche auf Karton" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/sabinerinnen.jpg?resize=300%2C210&#038;ssl=1" alt="Frauenraub - Raub der Sabinerinnen - Albrecht Dürer" width="300" height="210" /><br />
<span class="abb">Bild: Frauenraub: Raub der Sabinerinnen. Albrecht Dürer, 1495, Tusche auf Karton</span></p>
<h2 id="symptome">Symptome</h2>
<p>Wenn die Flucht aus dem Gefängnis der <strong>Patrilokalität</strong> nicht gelang, war Kooperation die Überlebensstrategie der ersten Opfer, also der Frauen. Über sie kam es zur Mitopferschaft der Töchter und Söhne. Alle weiteren Nachkommen unterlagen dieser Dynamik und wurden Opfer und Täter zugleich. Dies führte schließlich zum Vergessen des Urverbrechens. Dabei wurde die von <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gewalt-garant-und-symptom-des-patriarchats" target="_blank" rel="noopener">Gewalt und tiefsitzenden Ängsten</a> geprägte <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann" target="_blank" rel="noopener">Gesellschaft</a> aufgebaut, die die Menschheit in Klassen einteilt. <strong>Kriege</strong> um Land, Wasser, <strong>Ideologien</strong> bzw. <strong>Religionen</strong> finden nun statt. <strong>Überbevölkerung</strong> und <strong>Elend</strong> gehören dazu wie auch <strong>Epidemien</strong>. <strong>Versklavung</strong> findet ihren ersten Ausdruck in der <strong>Unterdrückung der Frau</strong> und weitet sich über <strong>unterworfene Völker</strong> aus.<br />
<strong>Sexismus </strong>und darauf auch <strong>Rassismus, Ableismus</strong> und <strong>Homophobie</strong> haben ihren Ursprung im <strong>Zuchtgedanken</strong>, der aus der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung" target="_blank" rel="noopener"><strong>Viehzucht</strong></a> entsprang. <strong>Misogynie</strong> und <strong>häusliche Gewalt</strong> wurzeln im Anspruch, dass die Frau und Mutter dem Wohl des Mannes und Vaters stets zu dienen habe. Auch die Kinder müssen sich dem Anspruch unterwerfen, ihm nur Freude zu bereiten, daraus resultiert <strong>Kinderfeindlichkeit und Gewalt jeder Art gegen Kinder</strong>. An die Stelle der bedingungslosen Liebe sind die brüchige <strong>Solidarität</strong> und die erpresserische <strong>Loyalität</strong> (frz. <em>loi</em> = Gesetz) getreten: Weder Eltern noch Kinder können für sich beanspruchen, bedingungslos zu lieben. Die Urbedingung ist genetische väterliche Abstammung, alle weiteren ergeben sich aus der Erpressungssituation heraus.<br />
Das psychologische Phänomen des <b>Stockholm-Syndroms</b>, das bei Entführungsopfern regelmäßig auftritt und zur Kooperation mit dem Täter führt, ist die &#8222;rätselhafte&#8220; Ursache für die Kooperation auch der Frauen mit dem Patriarchat und für seine Tradition. (Link 1: nach Stephanie Gogolin &#8211; <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 1</a>, Link 2: nach Stephanie Gogolin &#8211; <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/10/13/das-patriarchale-stockholm-syndrom-teil-ii/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 2</a>), Link 3: nach Stephanie Gogolin &#8211; <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2020/01/18/das-patriarchale-stockholm-syndrom-teil-iii/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 3</a>, Link 4: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html" target="_blank" rel="noopener">Peer-reviewte Studie aus HUMAN NATURE</a>, Link 5: <a href="https://www.researchgate.net/publication/267777559_Fitness_Costs_of_Warfare_for_Women" target="_blank" rel="noopener">Original-Studie zum Download</a>, Link 6: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Begriff bei Wikipedia</a>)</p>
<p>Erst seit Beginn des Patriarchats werden Menschen auch nach ihrem Vater gefragt, denn sein Bekanntsein verschaffte nun einem Menschen Ansehen und meist auch <strong>Erbrechte</strong>. Lange war ein uneheliches Kind rechtlos. Dadurch entstand ein gefühltes Recht des Kindes, seinen Vater zu kennen. Ansehen und meist auch Wohlstand ziehen patriarchalisierte Menschen aus ihrer <strong>Patrilinearität</strong>, d.h. sie können sich auf einen <strong>Stammvater</strong> der <strong>Familie</strong> zurückführen, dessen Nachnamen sie tragen und dessen <strong>Lebenswerk</strong> sie oft fortführen.<br />
Der Nachname der Mutter wird nur selten als Doppelname vererbt, verschwindet aber spätestens in der nächsten Generation.<br />
Erst die Befreiung der Mütter aus dem Gefängnis der <strong>Ehe</strong> holte das gefühlte Recht des Mannes, seine genetischen Kinder kennen und erziehen zu dürfen, wieder an die Oberfläche, denn ein Mann ohne Kinder kann seine väterliche Linie nicht fortführen, verliert dadurch Einfluss auf die nächste Generation und läuft Gefahr, spätestens im Alter ohne Angehörige zu sein, die ihn versorgen. Vaterrechtler setzten daher durch, dass das <strong>Recht des Kindes auf Kenntnis des Vaters</strong> auch gesetzlich verankert ist.<br />
Beide Rechte, das des Kindes und das des Vaters auf gegenseitige Kenntnis, bestärken sich nun gegenseitig, und nehmen die sich trennende Mutter in wieder <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Geiselhaft</strong></a>. Das Patriarchat ist bis heute ein <b>Entführungsverbrechen</b>.</p>
<p>Das Patriarchat wäre nicht existent, zögen Männer keine Vorteile aus ihrer Vaterschaft. Mit Beginn des Patriarchats waren das rein wirtschaftliche Vorteile. Das zugehörige System heißt <strong>Kapitalismus</strong>, ein Name, der seinen Ursprung in der Viehzucht verrät, mit der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">die ersten Patriarchate</a> errichtet wurden.<br />
Das lateinische Wort &#8222;caput&#8220;, von dem sich das &#8222;Kapital&#8220; ableitet, bedeutet &#8222;Kopf&#8220;, gemeint ist die Zahl der Tierköpfe und der Köpfe, über die ein Patriarch herrscht.<br />
Die polytheistischen Religionen der Antike und die abrahamitischen Weltreligionen sind <strong>Viehzüchter-Religionen</strong> mit Göttern in Stiergestalt (oder andere männliche Nutztiere außer dem Schwein) oder in späteren Stadien alleinherrschende Götter, die zunehmend keine anderen neben sich dulden, und schließlich als Hirte und/oder Töter von Drachen, Kindern und Ungläubigen auftreten.<br />
Das erste Paar der Götterwelt ist noch eine Muttergöttin, All-Göttin oder Große Göttin mit ihrem <strong>Sohngeliebten (resp. Vegetationsgott)</strong>, mit dem sich jeder Patriarch identifizierte, bis sie zur Tochter eines <strong>Wettergottes</strong> oder <strong>Mondgottes</strong> degradiert wird. Auch im Buddhismus, Hinduismus und Shintoismus sind <strong>Muttermord</strong>, <strong>Gebärneid</strong>, <strong>Stillneid, Menstruationsneid</strong> und <strong>Dämonisierung der Frau</strong> verschlüsselt und ritualisiert, während die Viehzüchterideologie zu einer rigiden <strong>Menschenzucht-Ideologie</strong> mit noch strengerer Reglementierung der weiblichen Sexualität umgewandelt wurde. Ersatzreligionen wie die Transideologie tragen ihren Hass auf Frauen und ihren Neid offen zur Schau. Eine pragmatische Haltung zur Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele sowie <strong>Missionierung </strong>und <strong>Indokrinierung</strong> gehört zu allen patriarchalen Religionen wie auch Ideologien.</p>
<p>In der sog. <a href="https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/risikogesellschaft/4019" target="_blank" rel="noopener">Risikogesellschaft</a> (nach U. Beck), wie wir sie heute leben, in der Frauen scheinbar unabhängig werden können und damit die Familie aus Sicht der Männer in Gefahr gerät, besteht der Vorteil der Vaterschaft für Männer darin, in Unabhängigkeit von einer Frau und Mutter nicht Gefahr zu laufen, alleine zu bleiben.</p>
<p>Die Erfahrungswerte und Zahlen über die Lage der Mädchen und Frauen, Mütter und Kinder, speziell auch der alleinerziehenden Mütter in unserer Gesellschaft, werden vor diesem Hintergrund fassbar und als Symptom unseres Patriarchats begreifbar.</p>
<h2 id="matrifokalitaet-ist-unser-angeborenes-sozialverhalten">Matrifokalität ist unser angeborenes Sozialverhalten</h2>
<p>Angeboren ist uns jedoch ein <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt" target="_blank" rel="noopener">matrifokales Sozialverhalten</a> in <b>Matrilokalität</b> und <b>Matrilinearität</b>. Das Naturgesetz, das in der Evolution auf das Wohl des Nachwuchses und seiner Mütter ausgerichtet ist, wird im Patriarchat ausgehebelt und der Sozialverband auf <strong>das Wohl des Vaters</strong> ausgerichtet.<br />
Die angeborene Matrifokalität arbeitet im Untergrund weiter, so dass es einerseits zu Inkompatibilitäten kommt, z.B. dem <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/29/die-schwiegermutter-neues-zur-grossmutterhypothese/" target="_blank" rel="noopener">Schwiegermutterkonflikt</a>, andererseits <a href="https://wp.me/p3b3Fy-Dy" target="_blank" rel="noopener">macht sich das Patriarchat viele matrifokale Eigenschaften zunutze</a>, wie unser existentielles Bedürfnis, in einem Sozialverband zu leben und uns zu kümmern. Das tun wir im Patriarchat, wie unsicher die Familie und andere Konstrukte auch sein mögen.</p>
<h2 id="der-patriarchalisierte-mensch-erforscht-sich-selbst">Der patriarchalisierte Mensch erforscht sich selbst</h2>
<p>Dass nicht die Mütter herrschen, wurde seit Jahrtausenden damit erklärt, dass dies von den Göttern &#8211; und später von dem einen Gott &#8211; gewollt sei. Den angeblichen <strong>Willen der Götter</strong>, verbreitet von angeblich <strong>heiligen Männern</strong>, machten sich die <strong>Gläubigen</strong> zu eigen, entsprach er doch auch der schon länger etablierten Lebenswirklichkeit.<br />
Eine denkbare Gleichheit der Geschlechter kam daher nicht infrage. Sie wurde zwar später an manchen Stellen in den <strong>Heiligen Schriften</strong> postuliert, dies jedoch nur um die Frau an ihren Platz zu verweisen, an dem sie scheinbar gleichberechtigt war, in ihren spezifischen Rechten und <strong>Pflichten</strong> als Ehefrau und Mutter, nicht aber als autonomes Wesen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Der gute Hirte - Kirche Allermöhe" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/guterhirte.jpg?resize=290%2C406&#038;ssl=1" alt="Der gute Hirte - Kirche Allermöhe" width="290" height="406" border="0" /><br />
<span class="abb">Bild: Das verlorene Schaf (Der gute Hirte), Willi Langbein, 1930 (Kirche Allermöhe)</span></p>
<p>Die europäische <strong>Aufklärung</strong> im 18. Jh. führte zu einer Neubewertung der Glaubensvorstellungen, mitausgelöst durch die Verheerungen der <strong>Hexenverfolgung</strong> unter Federführung der Kirchen.<br />
Der beginnende Atheismus, der von patriarchalisch geprägten Denkern getragen wurde, suchte die entstandene Lücke zu schließen und bediente sich der gerade entstandenen Evolutionslehre Darwins. Darwin postulierte für alle Lebewesen einen &#8222;Kampf ums Dasein&#8220;, eine Vorstellung, die von den sog. <strong>Sozialdarwinisten</strong> auf die Beziehung von Mann und Frau angewendet wurde, als sei es ein Naturgesetz, dass es irgendwann keine Frauen mehr gäbe, sondern nur noch Männer. Es wurde also postuliert, dass der Mensch, insbesondere der Mann, von Natur aus gewalttätig sei, und die Frau daher unterlegen sein muss.<br />
Mit dem Glauben an das &#8222;<strong>Recht des Stärkeren</strong>&#8220; wurde das Patriarchat neu legitimiert, das mit der Aufweichung der einst starken Festung des Gott-Vater-Glaubens ins Wanken geraten war. Das Patriarchat wurde und wird seitdem vielfach, wenn nicht als gottgegeben, so doch als naturgegeben vorausgesetzt.</p>
<p>In meinem <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/matrifokal.htm" target="_blank" rel="noopener">Aufsatz zur Geschichte der Erforschung der Matrifokalität</a> auf dieser Homepage habe ich bereits dargestellt, welche Entwicklung sich daran anschloss, die einerseits mit dem Werk des Rechtshistorikers und Kulturanthropologen Johann Jakob Bachofen und andererseits mit den archäologischen Funden <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/venusvomhohlefels.htm" target="_blank" rel="noopener">sogenannter Venus-Figuren</a> aus der Altsteinzeit ausgelöst wurde.</p>
<p>Nach dem Ende des Feminismus alter Prägung widmen sich heute fast alle Fachbereiche unter der Bezeichnung &#8222;Gender Studies&#8220; der Frage, was dem Patriarchat fachspezifisch entgegenzusetzen sei. Mit Ausnahme der Medizin werden evolutionäre, biologische Aspekte stets ausgeklammert und als biologistisch abgewertet. Stattdessen wird versucht, eine Strategie zu entwickeln, wie mittels politischer Meinungsbildung oder Sprache Gleichberechtigung herzustellen sei. In den Naturwissenschaften wird nicht selten versucht, das kulturelle Verhalten weiblicher und männlicher Primaten untereinander und auch mit dem des patriarchalisierten Menschen als gleich darzustellen. Demnach sei alles nur eine Frage von Kultur und nicht von Verbrechen. Auf diese Weise waschen die Gender Studies das Patriarchat rein, und statt es zu beenden, werden Vorlagen geliefert, es weiter zu verschärfen.</p>
<p>Dass es <strong>Monogamie</strong> und <strong>Eheschließung</strong>, also die Familie, schon in der Altsteinzeit gegeben hätte, ist von den Gender Studies nie infrage gestellt worden. Mit dieser Rückdatierung des Patriarchats in die Anfänge der Menschheit waren die Gender Studies für das System interessant geworden, wo zuvor der Feminismus das Patriarchat zurückzudrängen begann. Entsprechend viel Geld wurde in diese Pseudowissenschaft gepumpt.</p>
<p>Die neue Ideologie, die in den Universitäten erdacht wurde, wurde mit dem Amsterdamer Vertrag von 1997/1999 in der EU-Politik als sog. <strong>Gender Mainstreaming</strong> fest verankert. Da die Gender Studies staatlich finanziert sind, war von Beginn an Skepsis angebracht, dass hiermit das Patriarchat zu beenden wäre. Es stellte sich in der Tat heraus, dass das Gender Mainstreaming zum Wohle der Wirtschaft zur Anpassung der Frau an die männliche Lebensweise führte, und Kinder dabei nur als Störfaktor angesehen werden. Als die Frauen in die Arbeitswelt drängten, sanken die Löhne drastisch, so dass heute ein Gehalt allein nicht mehr ausreicht, eine Familie zu ernähren. Mit dem Hinweis auf die Sachzwänge der Globalisierung wird dieser Umstand verschleiert.</p>
<p>Neue Denkanstöße kommen seit einigen Jahren aus der sog. Citizen Science, der unabhängigen Bürgerforschung. Mit der hier angesiedelten <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/brgerinnenwissenschaft-citizen-science-patriarchatsforschung" target="_blank" rel="noopener">kritischen Patriarchatsforschung</a> wurde begonnen, interdisziplinär, unter Einbeziehung der Anthropologie, also der menschlichen Evolution und Biologie, die Entstehung und Aufrechterhaltung des Patriarchats zu untersuchen und zu verstehen. Heute gilt daher die Unterdrückung der sog. <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener"><em>female choice</em></a> als Basis des Patriarchats und als sein einzig sicheres Erkennungszeichen. Es wurde deutlich, dass das besondere, soziale Miteinander des Menschen seine Wurzeln in der matrifokalen, also matrilokalen und matrilinearen SIPPE hat, die vom Patriarchat zerstört wurde, so dass die Mehrheit der Menschen, aber immer noch nicht alle, in patrilinearen Gruppen, den FAMILIEN, patrilokal leben. Es konnte damit nicht nur der Widerspruch aufgelöst werden, dass der Mensch einerseits gewalttätig werden kann und Kriege führt, und andererseits als höchst sozial gilt. Es wurde mit dem Wissen, dass die Mütter aus ihrem urmütterlichen Schutzraum gerissen wurden und den Vätern und deren Familie fortan ausgeliefert waren, erklärbar, warum Frauen und Kinder, letztlich also auch die Männer, im Patriarchat leiden und gleichzeitig, warum ausgerechnet die Religionen dies rechtfertigen.</p>
<h2 id="die-patriarchale-ideologie-gestern-und-heute">Die patriarchale Ideologie gestern und heute</h2>
<p>Das Patriarchat wurde vor <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">ca. 8200 Jahren (Misox-Klimaschwankung)</a> mit der Erfindung des Viehnomadismus in den Steppengebieten errichtet. Die Frau wurde in die Ehe gezwungen und sie hatte ihrem Ehemann vor allem Söhne zu gebären und ihm und seiner Herde zu folgen. Unsere <strong>indoeuropäische Sprache</strong>, die aus der Steppe stammt, ist entsprechend durchsetzt mit Metaphern aus der Tierzucht. Eine Frau, die ihre <em>female choice</em> frei lebt, also selbstgewählte, wechselnde Sexualpartner hat, wird als &#8222;unzüchtig&#8220; (sinngemäß: sich der Zucht entziehend) oder &#8222;zügellos&#8220; bezeichnet. Es handelte sich um eine bis dahin unbekannte Denk- und Lebensweise, in der sich der Mann seiner väterlichen Linie bewusst geworden war (Patrilinearität) und daher die Frauen und Kinder zwang, bei ihm zu wohnen (Patrilokalität). Damit begann er, Menschen wie ein Schöpfergott nach seinem Willen zu züchten.<br />
Bei der Tierzucht passierte der größte Irrtum der Menschheit, nämlich, dass die Frau nur <strong>das Gefäß männlichen Samens</strong> sei. Zu teuer und obendrein meist unwillig war die Frau für den Mann zur Last geworden, Ursache des <strong>tiefen Hasses auf die Frauen</strong>, sowie männlicher Überheblichkeit und des Machtstrebens. Als Ziel des Patriarchats ist in den Heiligen Schriften die <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/petition-gegen-die-sog-kuenstliche-gebaermutter" target="_blank" rel="noopener"><strong>Abschaffung der Mutter</strong></a> erkennbar, deren Metapher &#8222;<strong>Fruchtbarkeitsgöttin</strong>&#8220; sukzessive durch einen allmächtigen, d.h. <strong>unsterblichen, menstruierenden, gebärenden und stillenden Gott</strong> ersetzt wurde.<br />
Dieses Ziel erschien wie oben erwähnt im Sozialdarwinismus neu verpackt wieder an der Oberfläche patriarchalen Denkens. In unserer Zeit wird es durch die <strong>Reproduktionsmedizin</strong> mit Legalisierung der Leihmutterschaft und Eizellspende, der Entwicklung der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter" target="_blank" rel="noopener">sog. künstlichen Gebärmutter</a>, der <a href="https://netzfrauen.org/2015/07/23/nestle-besitzt-patente-auf-muttermilch-und-banken-haben-babynahrung-fuer-sich-entdeckt/" target="_blank" rel="noopener">Patentierung der Muttermilch</a>, der <strong>Fremdbetreuung der Kinder</strong> u.a. vorangetrieben, mitgetragen auch von einem falsch verstandenen Feminismus, der die Frau von dieser vermeintlich lästigen und undankbaren Aufgabe zu befreien sucht.<strong> Dass es das Patriarchat auf die besonders kostbare Fähigkeit der Frau, Mutter zu werden, abgesehen hat, wurde vom Feminismus nicht erkannt und von den Gender Studies ausgeblendet. </strong>Eine Frau, die ihr Frausein über ihre Fähigkeit, Mutter zu werden, definiert, <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/" target="_blank" rel="noopener">wird als biologistisch abgewertet</a>, sind da ja die <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2021/05/11/gegen-selbstbestimmungsgesetz-selfid-und-abschaffung-des-biologischen-geschlechts-fur-korperliche-integritat-aller-menschen-jetzt-handeln-es-eilt/" target="_blank" rel="noopener">Männer, denen das ermöglicht werden soll</a>. Tatsächlich wächst die väterliche Macht auch um so mehr, als die Bindung zum Kind immer enger wird. So begrüßenswert das auf den ersten Blick erscheint, <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener">so fatal wirkt sich das auf die Freiheit der Mutter und ihr Recht am Kinde aus</a>.<br />
Neue Begriffe wie &#8222;Bindungsintoleranz&#8220; (der Mutter unterstellter Versuch, das Kind dem Vater zu entfremden) und &#8222;neurotische Mutter-Kind-Symbiose&#8220; (nach Sigmund Freud) werden als Argumente angeführt, um Müttern das Kind direkt wegnehmen zu können. <a href="https://taz.de/Inobhutnahme-durch-das-Jugendamt/!5599059/" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Inobhutnahme&#8220; ist der euphemistische Begriff für diesen Kinderraub.</a><br />
Wenn eine Mutter ihr Kind dann einfach mitnimmt, ohne den Vater über den Verbleib zu unterrichten, dann gilt das vor dem patriarchalen Gesetz nicht als Befreiung, was es ja eigentlich ist, sondern in Verdrehung der Tatsachen als Entführung.</p>
<p>Die Strategie ist denkbar einfach. Das Kind gilt im Geiste als Besitz des Vaters. Die Mutterschaft wird der Frau unerträglich gemacht, dann von ihr abgelehnt und vom Patriarchat scheinheilig diffamiert. So kann die Mutterschaft der Frau weggenommen werden, um die Supervaterschaft, den Endsieg des Patriarchats, Wirklichkeit werden zu lassen. In den Heiligen Schriften ist dieses Ziel von Gott-Vater längst umgesetzt.</p>
<p>Was will der Patriarch mit dieser Fähigkeit anfangen? Wird sie ihm einst nicht ebenso lästig und unangenehm wie der patriarchalisierten Frau? Mit der Supervaterschaft sucht er Unsterblichkeit, die ihm zur totalen Macht fehlt. Dabei spielt es keine Rolle, wie das Leben der so gezeugten Kinder aussehen wird oder wie sie sich fühlen. Wesentlich wird sein, dass diese Kinder funktionieren und die Macht und den Reichtum des Patriarchen weiter mehren. Während matrifokale Menschen dazu anleiten, was das Kind zum Leben braucht, leitet der Patriarch dazu an, was das Kind braucht, um wie er zu werden. Bedingungslose Liebe ist ihm fremd. Er kompensiert sie mit Materialismus. Nur die Natur kann diesen Machenschaften Grenzen setzen, zerstört er doch zunehmend seine Lebensgrundlage.</p>
<h2 id="schlussbemerkung">Schlussbemerkung</h2>
<p>Erst mit der kritischen Patriarchatsforschung steht nun dieses neue Wissen zur Verfügung, mit dem nicht nur die Gender Studies als patriarchales Instrument entlarvt werden. Sie entzieht sowohl dem antifeministischen Maskulismus als auch den Theologien und dem <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/" target="_blank" rel="noopener">Nazismus</a> den Nährboden. Die Natur stellt sich jetzt nicht mehr als feindliche, zu überwindende &#8222;Barbarei&#8220; dar, sondern als Raum wahrer Gleichberechtigung, den es neu zu entdecken gilt.</p>
<p>Tieferen Einblick und weiterführende Literaturhinweise liefern diese Homepage, mein Blog <strong><a class="textlink" href="http://wahrscheinkontrolle.wordpress.com" target="_blank" rel="noopener">Wahrscheinkontrolle</a></strong> und u.a. meine beiden Bücher</p>
<ul id="liste4">
<li><a href="https://www.bod.de/buchshop/der-gott-im-9-monat-gabriele-uhlmann-9783738639018" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Der Gott im 9. Monat. Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt.&#8220;</a></li>
<li><a href="https://www.bod.de/buchshop/archaeologie-und-macht-gabriele-uhlmann-9783844814200" target="_blank" rel="noopener">Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte.</a></li>
</ul>
<p>&#8230; sowie die Faktensammlung und Buchtipps auf der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/" target="_blank" rel="noopener">Startseite</a>.<br />
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"articleSection" : "Merkmal und Gemeinsamkeit aller Patriarchate ist das Vaterrecht. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gesellschaften in der Ausgestaltung der Gesetze, des Zusammenlebens, der Kultur und des Wirtschaftens. Wie es der Begriff \"Patriarchat\", der wörtlich übersetzt \"Herrschaft der Väter\" bedeutet, bereits anklingen lässt, haben wir es einerseits mit Herrschern und Beherrschten zu tun, mit Unterdrückern und Unterdrückten, Tätern und Opfern. Andererseits stehen nicht Männer im Fokus, sondern explizit Väter. Ein Mann, der einer Familie aus einer oder mehreren Ehefrauen und deren ehelichen Kindern vorsteht bzw. über sie als sein Eigentum bestimmt, wird als Patriarch bezeichnet. Daher kommt es verbreitet zu der Ansicht, dass wir in Europa nicht mehr im Patriarchat leben. In Deutschland gibt es jedoch ein dezidiertes Vaterrecht, das im Grundgesetz verankert ist. Ehe und Familie, also die Orte der Ausübung des Vaterrechts, sind sogar besonders geschützt. Das Patriarchat wird weltweit sowohl gewaltsam als auch mit rechtsstaatlichen Mitteln, den Gewalten, aufrecht erhalten (siehe extra Artikel). Das Patriarchat wurde nicht geschaffen, um Männer von Care-Arbeit (Kinder- und Angehörigen-Pflege und Hausarbeit) zu befreien und auch nicht, um Väter in die Care-Arbeit einzubeziehen. Die Care-Arbeit hat erstaunlich wenig mit dem Patriarchat zu tun, außer dass sie nicht bezahlt wird und die Mutter keine Unterstützung ihrer mütterlichen Ursprungssippe erwarten kann. Daher ist das Patriarchat auch nicht zu Ende, wie es heute oft behauptet wird, es verschärft sich im Gegenteil immer weiter. Das Patriarchat ist nicht das, was die meisten glauben Daher ist es auch nicht zu Ende, wie es heute oft behauptet wird, es verschärft sich im Gegenteil immer weiter. Warum also herrschen Väter, und warum hören sie nicht einfach auf damit, obwohl es bei Männern wie Frauen und auf unserem Planeten großen Schaden anrichtet? Warum sind Frauen weiter benachteiligt, auch wenn sie als emanzipiert gelten? Das Patriarchat ist NICHT unser angeborenes Sozialverhalten, sondern ein Entführungsverbrechen Das Patriarchat ist nicht natürlich, sondern es entstand gewaltsam, speziell mit Entführungen bzw. Frauenraub, begleitet von Vergewaltigungen und Bestrafung von Frauen und Mädchen, aber auch der Ermordung aller nicht patriarchalen Männer, die das zu verhindern suchten. Ziel der Täter war die Sicherstellung der genetischen Vaterschaft zur Ausübung der sozialen Vaterschaft, was nur mit Kontrolle der weiblichen Sexualität und der unter diesen Bedingungen gezeugten Kinder möglich war und ist. Dabei ging es von Beginn an nicht um die Wahrnehmung fürsorglicher Aufgaben, sondern um Machtausübung. Aufgrund der Betonung des Wertes der väterlichen Gene wohnt dem Patriarchat nicht nur untrennbar der Sexismus, sondern auch der Rassismus inne. Sexismus ist dabei die Basis des Rassismus. Vor der Entstehung des Patriarchats wohnten Kinder nicht bei ihrem Vater, weil er aufgrund der matrifokalen Sozialstruktur von Homo sapiens unbekannt war. Die ersten Patriarchen postulierten die Vaterschaft als ihr Recht und erhoben das Vaterrecht zum allein gültigen Recht, womit sich das Patriarchat in den Folgegenerationen normalisierte, verselbständigte und tradierte. Die Kontrolle dieses Rechtes kann nur unter Patrilokalität ausgeübt werden, d.h. die Kinder und die Mutter werden gezwungen, beim Vater zu wohnen und gehören ihm auch. Es etablierten sich entsprechende Gesetze und Werte unter einer männerzentrierten Religion. Bis heute führt ein Ehemann sprichwörtlich seine frischgebackene Ehefrau \"heim\". Darin ist der Ursprung in den initialen Entführungen erkennbar. Wenn die Flucht nicht gelang, war Kooperation die Überlebensstrategie der ersten Opfer, also der Frauen. Über sie kam es zur Mitopferschaft der Töchter und Söhne. Alle weiteren Nachkommen unterlagen dieser Dynamik und wurden Opfer und Täter zugleich. Dies führte schließlich zum Vergessen des Urverbrechens. Das psychologische Phänomen des Stockholm-Syndroms, das bei Entführungsopfern regelmäßig auftritt und zur Kooperation mit dem Täter führt, ist die \"rätselhafte\" Ursache für die Kooperation auch der Frauen mit dem Patriarchat und für seine Tradition (Link 1: Peer-reviewte Studie aus HUMAN NATURE, Link 2: Original-Studie zum Download Link 3: Begriff bei Wikipedia, Link 4: nach Stephanie Gogolin - Stockholm-Syndrom Teil 1, Link 5: nach Stephanie Gogolin - Stockholm-Syndrom Teil 2). Erst seit Beginn des Patriarchats werden Menschen auch nach ihrem Vater gefragt, denn sein Bekanntsein verschaffte nun einem Menschen Ansehen und meist auch Erbrechte. Lange war ein uneheliches Kind rechtlos. Dadurch entstand ein gefühltes Recht des Kindes, seinen Vater zu kennen. Ansehen und meist auch Wohlstand ziehen patriarchalisierte Menschen aus ihrer Patrilinearität, d.h. sie können sich auf einen Stammvater zurückführen, dessen Nachnamen sie tragen und dessen Lebenswerk sie oft fortführen. Der Nachname der Mutter wird nur selten als Doppelname vererbt, verschwindet aber spätestens in der nächsten Generation. Erst die Befreiung der Mütter aus dem Gefängnis der Ehe holte das gefühlte Recht des Mannes, seine genetischen Kinder kennen und erziehen zu dürfen, wieder an die Oberfläche, denn ein Mann ohne Kinder kann seine väterliche Linie nicht fortführen, verliert dadurch Einfluss auf die nächste Generation und läuft Gefahr spätestens im Alter ohne Angehörige zu sein, die ihn versorgen. Vaterrechtler setzten daher durch, dass das Recht des Kindes auf Kenntnis des Vaters auch gesetzlich verankert ist. Beide Rechte, das des Kindes und das des Vaters auf gegenseitige Kenntnis, bestärken sich nun gegenseitig, und nehmen die sich trennende Mutter in wieder gefühlte Geiselhaft. Das Patriarchat ist bis heute ein Entführungsverbrechen. Das Patriarchat wäre nicht existent, zögen Männer keine Vorteile aus ihrer Vaterschaft. Mit Beginn des Patriarchats waren das rein wirtschaftliche Vorteile. Das zugehörige System heißt Kapitalismus, ein Name, der seinen Ursprung in der Viehzucht verrät, wo das Patriarchat tatsächlich begann. Das lateinische Wort \"caput\" bedeutet \"Kopf\", gemeint ist die Zahl der Tierköpfe und der Köpfe über die ein Patriarch herrscht. In der sog. Risikogesellschaft (nach U. Beck), wie wir sie heute leben, in der Frauen scheinbar unabhängig werden können und damit die Familie aus Sicht der Männer in Gefahr gerät, besteht der Vorteil der Vaterschaft für Männer darin, in Unabhängigkeit von einer Frau und Mutter nicht Gefahr zu laufen alleine zu bleiben. Die Erfahrungswerte und Zahlen über die Lage der Mädchen und Frauen, Mütter und Kinder, speziell auch der alleinerziehenden Mütter, in unserer Gesellschaft, werden vor diesem Hintergrund fassbar und als Symptom unseres Patriarchats begreifbar. Matrifokalität ist unser angeborenes Sozialverhalten Angeboren ist uns jedoch ein matrifokales Sozialverhalten in Matrilokalität und Matrilinearität. Das Naturgesetz, das in der Evolution auf das Wohl des Nachwuchses und seiner Mütter ausgerichtet ist, wird im Patriarchat ausgehebelt und der Sozialverband auf das Wohl des Vaters ausgerichtet. Die angeborene Matrifokalität arbeitet im Untergrund weiter, so dass es einerseits zu Inkompatibilitäten kommt, z.B. dem Schwiegermutterkonflikt, andererseits macht sich das Patriarchat viele matrifokale Eigenschaften zunutze, wie unser existentielles Bedürfnis, in einem Sozialverband zu leben. Das tun wir im Patriarchat, wie unsicher die Familie und andere Konstrukte auch sein mögen. Der patriarchalisierte Mensch erforscht sich selbst Dass nicht die Mütter herrschen, wurde seit Jahrtausenden damit erklärt, dass dies von den Göttern - und später von dem einen Gott - gewollt sei. Den angeblichen Willen der Götter, verbreitet von angeblich heiligen Männern, machten sich die Gläubigen zu eigen, entsprach er doch auch der schon länger etablierten Lebenswirklichkeit. Eine denkbare Gleichheit der Geschlechter kam daher nicht infrage. Sie wurde zwar später an manchen Stellen in den Heiligen Schriften postuliert, dies jedoch nur um die Frau an ihren Platz zu verweisen, an dem sie scheinbar gleichberechtigt war, in ihren spezifischen Rechten und Pflichten als Ehefrau und Mutter, nicht aber als autonomes Wesen. Die europäische Aufklärung im 18. Jh. führte zu einer Neubewertung der Glaubensvorstellungen, mitausgelöst durch die Verheerungen der Hexenverfolgung unter Federführung der Kirchen. Der beginnende Atheismus, der von patriarchalisch geprägten Denkern getragen wurde, suchte die entstandene Lücke zu schließen und bediente sich der gerade entstandenen Evolutionslehre Darwins. Darwin postulierte für alle Lebewesen einen \"Kampf ums Dasein\", eine Vorstellung, die von den sog. Sozialdarwinisten auf die Beziehung von Mann und Frau angewendet wurde, als sei es ein Naturgesetz, dass es irgendwann keine Frauen mehr gäbe, sondern nur noch Männer. Es wurde also postuliert, dass der Mensch, insbesondere der Mann, von Natur aus gewalttätig sei, und die Frau daher unterlegen sein muss. Mit dem Glauben an das \"Recht des Stärkeren\" wurde das Patriarchat neu legitimiert, das mit der Aufweichung der einst starken Festung des Gott-Vater-Glaubens ins Wanken geraten war. Das Patriarchat wurde und wird seitdem vielfach, wenn nicht als gottgegeben, so doch als naturgegeben vorausgesetzt. In meinem Aufsatz zur Geschichte der Erforschung der Matrifokalität auf dieser Homepage habe ich bereits dargestellt, welche Entwicklung sich daran anschloss, die einerseits mit dem Werk des Rechtshistorikers und Kulturanthropologen Johann Jakob Bachofen und andererseits mit den archäologischen Funden sogenannter Venus-Figuren aus der Altsteinzeit ausgelöst wurde. Nach dem Ende des Feminismus alter Prägung widmen sich heute fast alle Fachbereiche unter der Bezeichnung \"Gender Studies\" der Frage, was dem Patriarchat fachspezifisch entgegenzusetzen sei. Mit Ausnahme der Medizin werden evolutionäre, biologische Aspekte stets ausgeklammert und als biologistisch abgewertet. Stattdessen wird versucht, eine Strategie zu entwickeln, wie mittels politischer Meinungsbildung oder Sprache Gleichberechtigung herzustellen sei. In den Naturwissenschaften wird nicht selten versucht, das kulturelle Verhalten weiblicher und männlicher Primaten untereinander und auch mit dem des patriarchalisierten Menschen als gleich darzustellen. Demnach sei alles nur eine Frage von Kultur und nicht von Verbrechen. Auf diese Weise waschen die Gender Studies das Patriarchat rein, und statt es zu beenden, werden Vorlagen geliefert, es weiter zu verschärfen. Dass es Monogamie und Eheschließung, also die Familie, schon in der Altsteinzeit gegeben hätte, ist von den Gender Studies nie infrage gestellt worden. Mit dieser Rückdatierung des Patriarchats in die Anfänge der Menschheit waren die Gender Studies für das System interessant geworden, wo zuvor der Feminismus das Patriarchat zurückzudrängen begann. Entsprechend viel Geld wurde in diese Pseudowissenschaft gepumpt. Die neue Ideologie, die in den Universitäten erdacht wurde, wurde mit dem Amsterdamer Vertrag von 1997/1999 in der EU-Politik als sog. Gender Mainstreaming fest verankert. Da die Gender Studies staatlich finanziert sind, war von Beginn an Skepsis angebracht, dass hiermit das Patriarchat zu beenden wäre. Es stellte sich in der Tat heraus, dass das Gender Mainstreaming zum Wohle der Wirtschaft zur Anpassung der Frau an die männliche Lebensweise führte, und Kinder dabei nur als Störfaktor angesehen werden. Als die Frauen in die Arbeitswelt drängten, sanken die Löhne drastisch, so dass heute ein Gehalt allein nicht mehr ausreicht, eine Familie zu ernähren. Mit dem Hinweis auf die Sachzwänge der Globalisierung wird dieser Umstand verschleiert. Neue Denkanstöße kommen seit einigen Jahren aus der sog. Citizen Science, der unabhängigen Bürgerforschung. Mit der hier angesiedelten kritischen Patriarchatsforschung wurde begonnen, interdisziplinär, unter Einbeziehung der Anthropologie, also der menschlichen Evolution und Biologie, die Entstehung und Aufrechterhaltung des Patriarchats zu untersuchen und zu verstehen. Heute gilt daher die Unterdrückung der sog. female choice als Basis des Patriarchats und als sein einzig sicheres Erkennungszeichen. Es wurde deutlich, dass das besondere, soziale Miteinander des Menschen seine Wurzeln in der matrifokalen, also matrilokalen und matrilinearen SIPPE hat, die vom Patriarchat zerstört wurde, so dass die Mehrheit der Menschen, aber immer noch nicht alle, in patrilinearen Gruppen, den FAMILIEN, patrilokal leben. Es konnte damit nicht nur der Widerspruch aufgelöst werden, dass der Mensch einerseits gewalttätig werden kann und Kriege führt, und andererseits als höchst sozial gilt. Es wurde mit dem Wissen, dass die Mütter aus ihrem urmütterlichen Schutzraum gerissen wurden und den Vätern und deren Familie fortan ausgeliefert waren, erklärbar, warum Frauen und Kinder, letztlich also auch die Männer, im Patriarchat leiden und gleichzeitig, warum ausgerechnet die Religionen dies rechtfertigen. Patriarchale Ideologie und ihre Folgen Das Patriarchat wurde vor ca. 8200 Jahren (Misox-Klimaschwankung) mit der Erfindung des Viehnomadismus in den Steppengebieten errichtet. Die Frau wurde in die Ehe gezwungen und sie hatte ihrem Ehemann vor allem Söhne zu gebären und ihm und seiner Herde zu folgen. Unsere indoeuropäische Sprache, die aus der Steppe stammt, ist entsprechend durchsetzt mit Metaphern aus der Tierzucht. Eine Frau, die ihre female choice frei lebt, also selbstgewählte, wechselnde Sexualpartner hat, wird als \"unzüchtig\" (sinngemäß: sich der Zucht entziehend) oder \"zügellos\" bezeichnet. Es handelte sich um eine bis dahin unbekannte Denk- und Lebensweise, in der sich der Mann seiner väterlichen Linie bewusst geworden war (Patrilinearität) und daher die Frauen und Kinder zwang, bei ihm zu wohnen (Patrilokalität). Damit begann er, Menschen wie ein Schöpfergott nach seinem Willen zu züchten. Bei der Tierzucht passierte der größte Irrtum der Menschheit, nämlich, dass die Frau nur das Gefäß männlichen Samens sei. Zu teuer und obendrein meist unwillig war die Frau für den Mann zur Last geworden, Ursache des tiefen Hasses auf die Frauen, sowie männlicher Überheblichkeit und des Machtstrebens. Als Ziel des Patriarchats ist in den Heiligen Schriften die Abschaffung der Mutter erkennbar, deren Metapher \"Fruchtbarkeitsgöttin\" sukzessive durch einen allmächtigen, d.h. unsterblichen, menstruierenden, gebärenden und stillenden Gott ersetzt wurde. Dieses Ziel erschien wie oben erwähnt im Sozialdarwinismus neu verpackt wieder an der Oberfläche patriarchalen Denkens. In unserer Zeit wird es durch die Reproduktionsmedizin, die Patentierung der Muttermilch, die Fremdbetreuung der Kinder u.a. vorangetrieben, mitgetragen auch von einem falsch verstandenen Feminismus, der die Frau von dieser vermeintlich lästigen und undankbaren Aufgabe zu befreien sucht. Dass es das Patriarchat auf die besonders kostbare Fähigkeit der Frau, Mutter zu werden, abgesehen hat, wurde vom Feminismus nicht erkannt und von den Gender Studies ausgeblendet. Eine Frau, die ihr Frausein über ihre Fähigkeit, Mutter zu werden, definiert, wird als biologistisch abgewertet, sind da ja die Männer, denen das ermöglicht werden soll. Tatsächlich wächst die väterliche Macht auch um so mehr, als die Bindung zum Kind immer enger wird. So begrüßenswert das auf den ersten Blick erscheint, so fatal wirkt sich das auf die Freiheit der Mutter und ihr Recht am Kinde aus. Neue Begriffe wie \"Bindungsintoleranz\" (der Mutter unterstellter Versuch, das Kind dem Vater zu entfremden) und \"neurotische Mutter-Kind-Symbiose\" (nach Sigmund Freud) werden als Argumente angeführt, um Müttern das Kind direkt wegnehmen zu können. \"Inobhutnahme\" ist der euphemistische Begriff für diesen Kinderraub. Wenn eine Mutter ihr Kind dann einfach mitnimmt, ohne den Vater über den Verbleib zu unterrichten, dann gilt das vor dem patriarchalen Gesetz nicht als Befreiung, was es ja eigenlich ist, sondern in Verdrehung der Tatsachen als Entführung. Die Strategie ist denkbar einfach. Das Kind gilt im Geiste als Besitz des Vaters. Die Mutterschaft wird der Frau unerträglich gemacht, dann von ihr abgelehnt und vom Patriarchat scheinheilig diffamiert. So kann die Mutterschaft der Frau weggenommen werden, um die Supervaterschaft, den Endsieg des Patriarchats, Wirklichkeit werden zu lassen. In den Heiligen Schriften ist dieses Ziel von Gott-Vater längst umgesetzt. Aber was will der Patriarch mit dieser Fähigkeit? Wird sie ihm einst nicht ebenso lästig und unangenehm wie der patriarchalisierten Frau? Mit der Supervaterschaft sucht der Mann Unsterblichkeit, die ihm zur totalen Macht fehlt. Dabei spielt es keine Rolle, wie das Leben der so gezeugten Kinder aussehen wird oder wie sie sich fühlen. Wesentlich wird sein, dass diese Kinder funktionieren und die Macht und den Reichtum des Patriarchen weiter mehren. Liebe ist dem Patriarchen fremd. Er kompensiert sie mit Materialismus. Doch die Natur wird diesen Machenschaften einst Grenzen setzen, zerstört er doch zunehmend seine Lebensgrundlage, unsere Mutter Erde."
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<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat">Patriarchat &#8211; Definition, Entstehung, Geschichte und Symptome</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Machen Männer Frauen krank? – Die wahren Zusammenhänge von Gesundheit, Familienstand und Arbeit</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/machen-maenner-frauen-krank-die-wahren-zusammenhaenge-von-gesundheit-familienstand-und-arbeit</link>
					<comments>https://blog.gabriele-uhlmann.de/machen-maenner-frauen-krank-die-wahren-zusammenhaenge-von-gesundheit-familienstand-und-arbeit#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Nov 2017 17:08:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Photo by Melanie Wasser on Unsplash Aus Spaß wird Ernst In den letzten Tagen ging durch die Sozialen Netzwerke eine Schlagzeile der Frauenzeitschrift ELLE-online: &#8222;Jetzt ist es wissenschaftlich bestätigt: Männer...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/machen-maenner-frauen-krank-die-wahren-zusammenhaenge-von-gesundheit-familienstand-und-arbeit">Machen Männer Frauen krank? – Die wahren Zusammenhänge von Gesundheit, Familienstand und Arbeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/j8a-TEakg78?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Melanie Wasser</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/77c02e66fe7146deb3db734e09852a55" width="1" height="1" alt=""></p>
<h3 id="Aus-Spaß-wird-Ernst">Aus Spaß wird Ernst</h3>
<p>In den letzten Tagen ging durch die Sozialen Netzwerke eine Schlagzeile der Frauenzeitschrift ELLE-online: &#8222;<a href="http://www.elle.de/maenner-machen-frauen-krank" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jetzt ist es wissenschaftlich bestätigt: Männer machen Frauen psychisch krank!</a>&#8220; Die Resonanz war groß; Frauen versahen den Artikel mit einem schallend lachenden Smily und schrieben, dass sie &#8222;es ja schon immer gewusst&#8220; hätten, oder, dass sie &#8222;ohne Partner schon lange pumperlgsund&#8220; seien. Indirekt schwang bei den Kommentaren mit, dass es ihnen nicht nur um Depression, sondern allgemein um Krankheit geht. Und auch ELLE-online scheint das so zu sehen, denn die Internetseite trägt den Titel „Männer machen Frauen krank“. Was die ELLE da so sicher macht, dazu kommen wir später. Wäre die Krankheit von Frauen aber nicht so ein schwerwiegendes Problem, dann hätte die Schlagzeile wahrscheinlich nicht eine so eine große Aufmerksamkeit erregt.</p>
<p>Ich beschäftige mich mit dem Thema Gesundheit schon sehr lange und sammle wissenschaftliche Artikel und Studien, die gesellschaftspolitische Relevanz besitzen. Daher weiß ich, dass solche Aussagen mit Vorsicht zu genießen sind. Das Thema hat in Wahrheit so viel Brisanz und ist so ernst, dass es geradezu fahrlässig ist, die Sache leichtfertig zu behandeln und einen &#8222;Scherz-Artikel&#8220; daraus zu machen.</p>
<p>Auch wenn es manche nicht wahrhaben wollen, es ist ganz allgemein eine Tatsache, dass wir Frauen in besonderem Maße leidgeprüfte Wesen sind. Frau und Leid sind fast schon synonym. Menstruationsschmerzen, PMS, Geburtsschmerzen, Wechseljahrsbeschwerden, Blasenentzündungen, Inkontinenz, Reizdarm, Endometriose, Fibromyalgie, Lymphödem, Thromboseneigung, Depressionen, PTBS, Panikattacken und so weiter. Manches ist Veranlagung, vieles ist Geburtsfolge, manches ist auf andere &#8211; manchmal sehr schlimme &#8211; Weise erworben. Fast immer hat es mit dem spezifischen Frauenleben zu tun. Es gibt aber auch Frauen, die nichts von alledem kennen, oder solche, die eine chronische Krankheit haben, welche keine Schmerzen verursacht und gut eingestellt ist. Unter den Berufstätigen gibt es einige von ihnen, die scheinbar schwerelos durchs Leben gleiten. Sie besitzen eine besonders gute Resilienz.</p>
<p>Um nur einmal im Leben ein Kind zu bekommen, hat manche Frau mitunter 40 Jahre lang, manchmal sogar noch länger, jeden Monat starke Schmerzen. Das durchschnittliche Alter bei der Menopause liegt bei 51 Jahren. Die Zahlen schwanken sehr. Jedenfalls verliert sie viel Blut und erleidet häufig einen folgenreichen Eisenmangel, der nur schwer auszugleichen ist und oft gar nicht diagnostiziert wird. Die Krankenkasse zahlt nur in seltenen Fällen. Von der leider immer noch peinlichen Kleckserei und Geruchsentwicklung, die es aufwändig zu verhindern gilt, ganz zu schweigen. Auch der Vater des Kindes zahlt kein Schmerzensgeld, und versucht manchmal sogar ihr das schwer erarbeitete Kind, an dem er so wenig Anteil hat, zu entreißen.</p>
<p>Was Natur ist, muss ausgehalten werden. Das ist die gerechte Strafe Gottes (welcher im Übrigen selbst ein gebärender Vater sein will)! Ja, wenn sie Schmerzen hat, ist sie selbst Schuld, es gibt doch Tabletten, und es soll ja wie gesagt Frauen geben, die das nicht haben. Was können denn Gesellschaft und Väter dafür?! Tatsächlich finden sich in einer Handtasche jede Menge Tampons, Binden, Schmerztabletten und andere Dinge, die der Frau das (Über-)Leben im Patriarchat ermöglichen. Die Gesellschaft hat sehr viel damit zu tun und der Frauenkörper ist ein kultureller Körper, dessen Integrität ständig infrage gestellt wird, ganz in Gegensatz zum männlichen.</p>
<h3 id="Die-Schmerzensfrau-eine-sehr-kleine-Kulturgeschichte">Die Schmerzensfrau &#8211; eine sehr kleine Kulturgeschichte</h3>
<p>Wenn Männer also tatsächlich Frauen krank machen, wie all die Leserinnen im Internet es spüren, dann sind Frauen schon sehr lange krank, nämlich ungefähr 8000 Jahre, und das muss sich in der Geschichte niedergeschlagen haben und nicht erst heute. Ein Blick in die Bibel und wir werden fündig. Eva wird nach dem Sündenfall mit Geburtsschmerzen bestraft, Adam dagegen mit Arbeit. Das ist interessant, denn heute bekommen Frauen nicht nur unter Schmerzen Kinder, sondern müssen zusätzlich auch zur Arbeit. So will es jedenfalls die Politik, die damit die Strafe Gottes sogar noch übertrifft. Das passiert ausgerechnet in einer Zeit, in der die Bevölkerung beginnt, umzudenken gegen den Zwang zur Arbeit und mit der Forderung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Diese Forderung hat bemerkenswerterweise mehr AnhängerInnen als die Forderung nach einem Müttergehalt und Mütterrente!</p>
<p>Die Katholiken gedenken der Madonna mit den sieben Schmerzen, der Schmerzensmutter immer am 15. September. Diese sieben Schmerzen beziehen sich aber im Wesentlichen auf den Leidensweg ihres Sohnes Jesus, an dem sie als Mutter natürlich mitleiden muss. Das erste Leid ist die Prophezeiung des Simeon, dass ihre Seele von einem Schwert durchbohrt werde. Leid und Mitleiden scheinen in der Maria eins zu sein. Das Schwert symbolisiert aber auch einen vollendeten Muttermord, wenn man so will, das Ende des Leids der Mutter und &#8230;den Endsieg des Patriarchats. Wir sehen an diesem Beispiel, dass das Patriarchat eine bizarre Logik verfolgt, die den Namen nicht verdient.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Madonna mit den sieben Schmerzen, Loretokapelle mit Schwarzer Madonna bei Bad Zurzach, eigenes Werk" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/schmerzensmutter-badzurzach1.jpg?resize=300%2C427&#038;ssl=1" alt="Madonna mit den sieben Schmerzen, Loretokapelle mit Schwarzer Madonna bei Bad Zurzach, eigenes Werk" width="300" height="427" /><br />
Foto: Madonna mit den sieben Schmerzen, Loretokapelle mit Schwarzer Madonna (Hintergrund) bei Bad Zurzach/Schweiz (Gabriele Uhlmann)</p>
<p>Maria war höchstens 12 Jahre alt, als sie Jesus gebar. Denn im Judentum gilt ein Mädchen nur so lange als Jung(e)frau. Das Leid, das ihr selbst im erzpatriarchalischen Israel wegen ihrer unehelichen Schwangerschaft &#8211; aus einer Vergewaltigung und Kinderschändung &#8211; zuteil geworden ist, wurde durch die Lügengeschichte von Mariä Empfängnis vollverschleiert. Wo sie sonst geächtet und zu Tode bestraft worden wäre, muss sie nun „nur“ sieben Schmerzen erleiden, die mit denen ihres Sohnes identisch sind. Selbst Schuld ist sie, so die patriarchalische Denke! Ihr Leid hängt eindeutig mit Männern zusammen, nämlich mit ihrem Vergewaltiger und mit den Männern, die ihren Sohn hingerichtet haben. Mutterleid ist unbeschreiblich, und so manche zerbricht daran. Nicht so Maria, die später noch weitere Kinder bekommen wird, und als Schmerzensheldin gefeiert wird. Maria hält aus, Maria hält durch. Sie weint, aber nicht über sich selbst, sondern über ihren Sohn. Damit ist sie seit jeher ein Vorbild für alle Gläubigen, nicht aber für Frauen, die etwas verändern wollen. Im wahren Leben werden oder sind viele Frauen wegen einer Vergewaltigung oder Missbrauchs im Kindesalter erwerbsunfähig. In der Bibel wird stillschweigend davon ausgegangen, dass Joseph Maria ernährte.</p>
<p>In der weiblichen Literaturgeschichte heben sich besonders die Schwestern Charlotte, Emily und Anne Brontë ab, die in der ersten Hälte des 19. Jh. lebten und alle drei sehr früh starben. Ihre Bücher sind Denkmäler des Frauenleids ihrer Zeit. Schon ihre Mutter starb 38-jährig ein Jahr nach der Geburt von Anne. Die Gesundheit der Kinder litt unter der anschließenden Unterbringung im Pensionat, weshalb sie auch oft Zeit zu Hause verbrachten. Ihr Vater, ein Dorfpfarrer, verlangte von ihnen später, als Gouvernanten zu arbeiten, um ihrem Bruder Branwell das Studium zu ermöglichen. Sie hatten keine Freude an diesem Beruf, und litten unter den Arbeitsbedingungen, die sie körperlich und psychisch krank machten. Viel lieber wollen sie daheim und zusammen Autorinnen sein, aber dahin war es im frauenfeindlichen, victorianischen Zeitalter ein weiter Weg. Sie pflegten auch die kranke Kinderfrau bis an deren Lebensende. An ihrem eigenen Ende hatten sie nicht viel von ihrem Ruhm, der sich schließlich doch noch einstellte. Charlotte starb mit 39 während und wegen ihrer Schwangerschaft, Emily starb mit 30 an einer Lungenentzündung und Anne mit 29 an Tuberkulose. Ihr Vater überlebte alle seine Kinder (auch Branwell, 31) und wurde für die Zeit sehr alt. (vgl. Maletzke 2008) Wie wäre ihr Leben verlaufen, hätte die Mutter noch lange gelebt?<br />
<a title="Branwell Brontë [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AThe_Bront%C3%AB_Sisters_by_Patrick_Branwell_Bront%C3%AB_restored.jpg"><img decoding="async" title="Anne, Emily, and Charlotte Brontë" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/ab/The_Bront%C3%AB_Sisters_by_Patrick_Branwell_Bront%C3%AB_restored.jpg/256px-The_Bront%C3%AB_Sisters_by_Patrick_Branwell_Bront%C3%AB_restored.jpg" alt="Anne, Emily, and Charlotte Brontë" width="256" /></a><br />
Bild: Anne, Emily und Charlotte Brontë, Gemälde von Branwell Brontë, ca. 1834</p>
<p>In unserer modernen Welt der Hochleistungsmedizin stirbt nur noch ausnahmsweise jemand sehr früh und wer krank ist, hat trotzdem meist noch ein langes Leben vor sich. Damit rückt das Problem der Erwerbsminderung und -unfähigkeit in den Vordergrund. Wer krank ist, der ist von Arbeitslosigkeit und Armut bedroht. Unsere Leistungsgesellschaft folgt der Philosophie, dass nur der, der arbeitet, auch ein Recht auf ein gutes Leben hat. Vermögende werden in unserem Gesundheitssystem bevorzugt behandelt, und zahlen nicht einmal in die gesetzlichen Krankenkassen ein. Sie können sich in ihrer Freizeit besser regenerieren und für Körperpflege mehr Geld ausgeben. Wer mehr Geld hat, ist in der Regel schneller wieder gesund. Berufstätige Frauen besitzen eine höhere sog. Bewältigungskompetenz und bessere sog. Bewältigungsstrategien bei Belastungen aller Art. Ihre Resilienz, ihre gute Gesundheit macht sie zu dem, was sie sind. Gesundheit und finanzielle Sicherheit stehen in einer engen Wechselbeziehung zu einander.<br />
Aber jeder Kranke steht unter Generalverdacht, stinkfaul zu sein, und es sich auf Kosten anderer nett zu machen. Nun sind Kranke doppelt gestraft, denn sie leiden unter ihrer Krankheit und gut leben dürfen sie auch nicht. Vater Staat hat eine komplexe, sogenannte Sozialpolitik hervorgebracht, die alles tut, um sich davor zu drücken, sich um die kranken Mitglieder der Gesellschaft so zu kümmern, dass sie am allgemeinen Leben und Wohlstand teilhaben können. Zwar gibt es mittlerweile viele Initiativen für ein barrierefreies Leben, was Körperbehinderten zugute kommt, aber psychisch Kranke sind immer noch allein gelassen und obendrein stigmatisiert. Wenn es stimmt, dass Männer Frauen psychisch krank machen, dann wären Männer noch viel unmittelbarer an Frauenarmut beteiligt, als bisher gedacht.</p>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/440091_web_r_by_maren-bec39fler_pixelio-de.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Altersarmut ist weiblich" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/440091_web_r_by_maren-bec39fler_pixelio-de.jpg?resize=266%2C400&#038;ssl=1" alt="Altersarmut ist weiblich" width="266" height="400" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Foto: Maren Beßler / pixelio.de</span></p>
<p>Die eingangs genannten Frauenleiden, die unmittelbar mit der Gebärfähigkeit zu tun haben, haben wie die Depression nicht selten Erwerbsminderung bis hin zur Berufsunfähigkeit zur Folge. Das fällt nur deshalb nicht auf, weil viele Frauen aufgrund ihrer Beschwerden gar nicht erst versuchen, einen Beruf auszuüben. Und so fallen sie aus der Arbeitslosenstatistik heraus.</p>
<h3 id="tabu-kranke-frau">Tabu Kranke Frau</h3>
<p>Ich weiß, das lesen Feministinnen gar nicht gern, aber es ist an der Zeit, nicht nur über die Mehrwertsteuer von Binden und Tampons zu reden („<a href="http://taz.de/Petition-der-Woche/!5459147/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bluten für die Gesellschaft</a>“), sondern auch über die leidvolle Wahrheit eines Frauenlebens. <strong>Sprechen wir also endlich auch einmal über das letzte Tabu der Frauenbewegung: die kranke Frau.<br />
</strong><br />
Frauen sind, wie milliardenfach bewiesen, nicht wegen ihres Geschlechts weniger für eine Tätigkeit geeignet, und sind nicht „das kranke Geschlecht“. Ganz im Gegenteil, schon von Geburt an sind Mädchen lebensfähiger und stabiler als Jungen. Das männliche Immunsystem ist dagegen lebenslang anfälliger, weil ihm der Östrogenschutz fehlt (Kieselbach 2017).<br />
<strong>Frauen werden anders krank und sie haben andere Bedürfnisse als Männer.</strong> <strong>Sie werden auch krank, weil ihre Bedürfnisse übergangen werden.</strong> So haben Frauen im Laufe ihres Lebens vielfältige Beschwerden, die zwar nicht lebensgefährlich sind, aber in den Bereich des Normalen versetzt werden und gleichzeitig auf fatale Weise tabuisiert sind. Ob und inwieweit diese Tabus und ihre Verdrängung die Beschwerden erst herbeiführen, sollte dringend einmal untersucht werden.</p>
<p>Wie auch immer, in der einseitig auf Männer ausgerichteten Arbeitswelt fühlen sich viele Frauen den ganzen Tag nicht gut, und würden am liebsten nach Hause gehen und sich hinlegen. Frauenbeschwerden betreffen eher den Bauch und die Tabuzone ihres Intimbereiches. Sie schränken die Leistungsfähigkeit, die ein stressig gestalteter Beruf erfordert, erheblich ein. Viele Frauen gehen damit nie zur Ärztin und arrangieren sich notgedrungen irgendwie, weil</p>
<ul id="liste2">
<li>das &#8222;normal&#8220; ist,</li>
<li>es die Kasse sowieso nicht zahlt,</li>
<li>schon die Mutter &#8222;das&#8220; hatte und &#8222;nicht dran gestorben&#8220; ist,</li>
<li>sie wissen, dass die Medizin dafür noch kein Heilmittel kennt,</li>
<li>sie es aus Scham immer wieder verschieben,</li>
<li>sie Angst vor Zurückweisung, Papierkram und Gerichtsverfahren haben.</li>
</ul>
<p>Viele Frauen würden es auch niemals zugeben, dass sie sich täglich zur Arbeit quälen, weil es heutzutage <em>en vogue</em> ist, die multitaskingfähige Powerfrau raushängen zu lassen und keinerlei Schwäche zu zeigen. Denn sie laufen Gefahr, <a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-11/sexismus-buero-arbeit-maenner-frauen-beziehung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sich den Männern gegenüber lächerlich zu machen.</a> <strong>Weibliche Krankheit oder &#8222;Unpässlichkeit&#8220; wurde seit jeher dazu ausgeschlachtet, Frauen aus der Berufswelt herauszuhalten. Aus diesem Grund verdrängt die Frauenbewegung die Tatsachen.</strong> Aber das ist ein großer Fehler; ein #metoo-Aufschrei ist auch in Bezug auf Frauenkrankheit überfällig.</p>
<p>Viele Frauen sind erwerbsgemindert. Erwerbsminderung bedeutet nicht, das eine Frau nicht arbeiten kann, sondern, dass sie nicht in die Anforderungen einer Firma passt, bzw. sie aufgrund ihrer Beschwerden nur kurzzeitig arbeiten kann oder nicht schnell genug oder nur zu bestimmten Tageszeiten. Entweder bleibt eine Kranke ganz zuhause oder schleppt sich in die Firma, es gibt nur schwarz oder weiß. Aber eine dauernd fehlende Mitarbeiterin? Welche ArbeitgeberInnen und welche KollegInnen machen das (lange) mit? Fakt ist deshalb oft, dass eine Erwerbsminderung identisch ist mit Erwerbsunfähigkeit, also auch Berufsunfähigkeit. Auch Berufsunfähigkeit muss erst einmal bewiesen werden, und das ist nicht leicht. Die Ignoranz gegenüber dieser Realität spart Kassen und Versicherungen wahrscheinlich Milliarden.</p>
<h3 id="auswegsackgasse">Ausweg Ehe – Sackgasse Ehe</h3>
<p>Beschwerden sind ein wichtiger Grund, warum viele Frauen am liebsten nur Teilzeit arbeiten, trotz der trüben Aussicht auf eine geringe Rente oder die sogenannte Grundversorgung. Was liegt da näher, als auch nach anderweitiger Versorgung Ausschau zu halten? “In guten und in schlechten Zeiten, bei Gesundheit und Krankheit, bis dass der Tod Euch scheidet“, so lautet das klassische Eheversprechen, auf das sich Frauen lange verlassen konnten, allerdings nur halbwegs. Die Ehe ist traditionell eine Versorgungseinrichtung, die aber nur ein schwacher Ersatz ist für die zerstörte matrilineare Sippe, die Frauen in Europa mancherorts noch bis vor 4500 Jahren bedingungslos und voll absicherte. Frauen, die das patriarchale System nicht mehr ändern konnten und können, waren und sind meist noch heute auf die Ehe angewiesen. Bis vor kurzem funktionierte das, viel mehr schlecht als recht, aber immerhin (noch) irgendwie. Nur beim Ausbruch aus dem patriarchalischen Zwang zur Monogamie, der die Vaterschaft sicherstellen soll, also bei Ehebruch (Stichwort <em><a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">female choice</a></em>), kam eine Scheidung infrage. Welche sich den väterlichen Bedingungen nicht unterordnete, bekam gar nichts mehr, wurde ausgepeitscht oder gleich umgebracht, welche sich züchtig verhielt, wurde manchmal sogar mit Pelzen und Juwelen überhäuft.</p>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/cristian-newman-141875.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1255" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/cristian-newman-141875.jpg?resize=600%2C410&#038;ssl=1" alt="" width="600" height="410" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/cristian-newman-141875.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/cristian-newman-141875.jpg?resize=300%2C205&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/tnxRFtXI9dI?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Cristian Newman</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Seit einigen Jahren ist es mit der Versorgung nicht mehr weit her. Konnte eine Frau auch nach einer Scheidung noch bis vor kurzem Unterhaltsansprüche geltend machen, muss sie heute wieder arbeiten gehen. Es sei denn, sie ist erwerbsunfähig. Wenn sie Pech hat, entzieht sich der Exmann auch dann der Zahlungsverpflichtung. Möglich ist ihm das nämlich, und der Staat zahlt dann einen Unterhaltsvorschuss. Die Ehe soll &#8222;nach dem Willen des Gesetzgebers&#8220; keine Versorgerehe mehr sein, auch nicht für Mütter, daher wird nun auch das Ehegattensplitting infrage gestellt. Heiraten lohnt dann gar nicht mehr. Aber das ist nicht der Untergang des Abendlandes! Denn es wird Druck ausgeübt, dass die Mutter den Kindsvater benennt, um ihm das Sorgerecht zu sichern. <a href="http://www.deutschlandfunkkultur.de/elterliche-sorge-den-vaetern-die-rechte-den-muettern-die.1005.de.html?dram%3Aarticle_id=320034" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das fesselt sie wieder an ihn, ganz so als sei sie mit ihm verheiratet.</a> Existenziell bleibt die Frau aber auf sich selbst zurückgeworfen und vom guten Willen des Kindsvaters abhängig, wenn sie ihr Kind nicht in fremde Hände geben will.</p>
<p>In der Geschichte der Menschheit ist das einzigartig und brandneu. Kein Mensch, besonders keine Frau ist daran angepasst, denn wir sind soziale Wesen durch und durch. <strong>&#8222;Sozial&#8220; bedeutet nicht, miteinander zu whatsappen oder einen Hartz4-Antrag zu stellen, sondern uns gegenseitig zu helfen, und zwar lebenslang wirksam, verlässlich und bedingungslos.</strong> Wir sind so, weil unsere Kinder so lange brauchen, um erwachsen zu werden. Aus diesem Grund würden wir von Natur aus nicht patriarchal, sondern matrilinear leben, und nicht in Familien, sondern in matrilinear/matrilokalen Sippen (vgl. Blaffer Hrdy 2010b). Die Vereinbarkeit von Arbeit und Kinderpflege wäre problemlos gewährleistet. Unter diesen Bedingungen wurde der Mensch ein intelligentes, erfinderisches Wesen. Dass uns heute der Boden unter den Füßen weggerissen ist, ist der wahre Grund, warum Menschen nicht selten an ihrer Lebenssituation erkranken.<br />
<strong><br />
</strong>Kranke Frauen sind gegenüber kranken Männern noch in gewissem Vorteil &#8211; sofern sie nicht von Behinderung betroffen sind &#8211; denn sie können heiraten und sich unter Berufung auf ihre Mutterschaft und Krankheit versorgen lassen. Kein Wunder, dass eine Studie aus den USA (Waldron <em>et al. </em>1982), an welcher Hausfrauen über einen Zeitraum von fast 20 Jahren teilnahmen, Folgendes herausfand:</p>
<blockquote><p>&#8222;<strong>Stabilere und gesündere Frauen beteiligen sich eher am Arbeitsmarkt und bleiben &#8211; wenn sie die Wahl haben &#8211; auch länger erwerbstätig als labilere und weniger gesunde Frauen.</strong>&#8220; (paraphr. nach Gavranidou 1993, S. 237)</p></blockquote>
<p>Die weltweit wichtigste Expertin auf dem Gebiet der „sozialen und verhaltensbedingten Ursachen von Geschlechtsunterschieden bei Gesundheit und Sterblichkeit“, die amerikanische Biologin Ingrid Waldron, die diese Studie federführend auflegte, betont, <strong>dass diese labilen und weniger gesunden Frauen sich ihr Befinden nicht „nur“ eingebildet hatten</strong>. Das wurde durch deren nachgewiesene höhere Sterblichkeit am Ende der Untersuchungszeit bewiesen. Sie sagt damit natürlich nicht, dass Hausfrauen grundsätzlich krank sind, sondern lediglich, dass kranke Frauen dazu neigen, sich in der Ehe abzusichern &#8211; ich muss das nur dazu sagen, weil es Hausfrauen gibt, die das falsch verstehen und sich diskriminiert fühlen, wie ich es vor einiger Zeit erleben durfte.<br />
Ingrid Waldron war 1989 auch an einer Meta-Studie beteiligt, die eine Zusammenschau der Untersuchungen vieler Kollegen lieferte. Dort schreibt sie:</p>
<blockquote><p>&#8222;Jennings <em>et al.</em> zeigten zuerst, dass (&#8230;) beschäftigte Frauen gesünder waren als Hausfrauen. Insbesondere war es weniger wahrscheinlich, dass erwerbstätige Frauen berichteten, dass ihre Gesundheit schlechter war als die der anderen Frauen im gleichen Alter, und dies galt sogar für Analysen, die die Anzahl der Tage chronischer Krankheit und eingeschränkter Aktivität mit einbezogen. Die Beziehung zwischen Gesundheits- und Beschäftigungsstatus wurde erneut getestet, diesmal ausgenommen der Frauen, die berichteten, dass ihre Gesundheit ihren Beschäftigungsstatus beeinflusste. Insbesondere schloß die zweite Analyse Hausfrauen aus, die berichteten, daß ihre schlechte Gesundheit ein sehr oder mäßig wichtiger Grund für ihre Nichtanstellung sei. In dieser Analyse drehte sich die Beziehung zwischen Beschäftigungsstatus und Gesundheit um, wobei Hausfrauen jetzt einen besseren Gesundheitszustand angaben als erwerbstätige Frauen.“ (Repetti et al. 1989, S. 1395, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Die Behauptung, dass (Ehe-)Männer Frauen psychisch krank machen würden, ist damit eine unzulässige Pauschale. Dennoch erkranken in Deutschland doppelt so viele Frauen an Depressionen wie Männer (vgl. Kontio 2012). Die Studie, auf die sich die ELLE-online bezog, stammt von der Universität Padua (Trevisan <em>et al.</em> 2016) und untersuchte Daten älterer Menschen, wobei deutliche Unterschiede zwischen verwitweten Frauen und Männern festgestellt wurden. Die Schlussfolgerungen der Psychiaterin Caterina Trevisan wurden in der ELLE-online wiedergegeben:</p>
<blockquote><p>„Es ist also der viel zu hohe Anspruch an uns selbst, schier Unmögliches leisten zu wollen, der uns irgendwann umhaut. Denn selbst, wenn wir merken, dass alles über uns zusammenbricht und wir schon gar nicht mehr wissen, wie wir es managen sollen, versuchen wir es doch. Unsere eigenen Bedürfnisse haben wir dabei schon längst aus den Augen verloren. Ernste Warnhinweise wie Schlafmangel, Migräne oder Rückenschmerzen werden selbstverständlich ignoriert. Während es Männern nach einer Trennung richtig schlecht geht, blühen die meisten Frauen regelrecht auf. Die Begründung der Forscher: Weil Frauen sich ab dem Moment nicht mehr um zwei Leben kümmern müssen, was Wäsche, Haushalt und Organisation betrifft, fällt ein großer Teil der Verantwortung ab. Dadurch werden sie entspannter und haben zudem wieder mehr Zeit, sich ihren Hobbies, Freunden und sich selbst zu widmen. Männern geht es hingegen nachweisbar schlechter als vorher, weil sie sich um eben diese Dinge nun selbst kümmern müssen. Natürlich sollst du dich nun nicht sofort von deinem Freund trennen, um gesünder zu leben. Aber Psychologen raten Frauen dringlich dazu, in Beziehungen häufiger klare Ansagen zu machen, damit die Arbeit gleichmäßig verteilt wird – und die Zeit einzufordern, sich nur mit sich beschäftigen zu dürfen.“ (Koopmann 2017)</p></blockquote>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1239" title="depression" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/hanna-morris-277321.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Depression" width="600" height="400" /><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/CIVe9Ff2l1w?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Hanna Morris</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Damit scheint es, als sei die Therapie gegen Depressionen ganz simpel. Ist die weibliche Depression aber wirklich nur auf die mangelnde Mithilfe der Männer im Haushalt zurückzuführen? Die Psychologin Ursula Nuber meint dagegen:</p>
<blockquote><p>&#8222;Frauen haben eine viel höhere Beziehungsbedürftigkeit als Männer. Sie definieren sich und ihr Wohlbefinden über ihre Beziehungen zu anderen. Und genau dieses Gefühl der Abhängigkeit kann zur Depression führen&#8220;. (Nuber 2012)</p>
<p>&#8222;’Frauen haben sehr viel mehr Grund zum Grübeln als Männer, weil es in ihrem Leben mehr Anlässe zu Sorge gibt’ (&#8230;) Dazu kommt, dass sie längere Antennen als Männer haben und sensibel Leid und Nöte anderer wahrnehmen. ‚Die Sorgen der Mitmenschen werden schnell zu ihren Sorgen.’ Männer tun das nicht – so das klare Fazit.&#8220; (vgl. Kontio 2012)</p></blockquote>
<p>Die Beziehungsarbeit der Frauen ist der Kitt, der die patriarchale Gesellschaft, die Frauen krank macht, zusammenhält. Der Lohn ist die Depression, Mütterrente gibt es nicht. Die Krankheit ist ganz klar eine Reaktion auf das System, das nicht unserer artgerechten Lebensweise folgt, und keine bedingungslose Versorgung anbietet.</p>
<h3 id="machen-frauen-maenner-krank">Machen Frauen Männer krank?</h3>
<p>Auch Männer sind heute überfordert, wie es die amerikanische Soziologin Christin Munsch in den USA bei einer neuen Untersuchung herausfand. Die Studie verwendet Daten des ‚National Longitudinal Survey of Youth’ aus den Jahren 1997 bis 2011, um die Auswirkungen der Haushaltseinkommensdynamik auf das psychische Wohlbefinden und die Gesundheit in einer national repräsentativen Stichprobe von verheirateten Personen im Alter von 18 bis 32 Jahren zu untersuchen. Als wichtigstes Ergebnis stellt sie fest:</p>
<blockquote><p>„Unsere Studie trägt zu einer wachsenden Anzahl von Forschungsarbeiten bei, die zeigen, wie schädlich geschlechtsspezifische Erwartungen auch für Männer sind. Von Männern wird erwartet, dass sie der Ernährer sind, aber die Versorgung der eigenen Familie mit wenig oder gar keiner Unterstützung hat negative Auswirkungen.“ (ASA 2016, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Wir dürfen nicht vergessen, dass es einst Männer waren, die dieses System selbst installiert haben. Noch bis 1977 konnten Männer in Deutschland Frauen Berufstätigkeit verbieten, und die meisten taten das auch. Es war Jahrtausende lang für Männer die Quelle ihres Selbstbewusstseins, dass ihre Frau „nicht arbeiten musste“ und sie von ihnen abhängig war. Einerseits wird jetzt festgestellt, dass die Männer völlig überfordert sind mit ihrer Rolle, andererseits sind es die Männer selbst, die ihre Macht mit übelsten Mitteln wie dem Sexismus verteidigen. Die Journalistin Jana Hensel schreibt über die weit verbreiteten Herrenwitze im Büro:</p>
<blockquote><p>&#8222;Dieses Lachen ist in Wahrheit eine Geste der Demütigung und Unterwerfung, ein Versuch der Vertreibung, der in letzter Konsequenz sagen will: Eine Frau gehört hier nicht her, eine Frau gehört nicht dazu. Ich glaube keinem Mann, der behauptet, die Aggression so eines Lachens nicht zu bemerken. Sexismus im Büro ist eine alltägliche und ziemlich eingeübte männliche Kommunikationsform, die den Zweck hat, die eigene Macht zu sichern. Frauen, zumal wenn sie selbstbewusst auftreten, stören nämlich in den Augen vieler Männer den normalen Betriebslauf, sie verändern die Routinen, die Rituale, die Übereinkünfte. Sie mischen sich ein. Noch dazu mit einer oft anderen Art zu sprechen, zu denken, zu Entscheidungen zu gelangen. Und sie könnten besser sein als man selbst. Sie könnten eines Tages der Chef sein.<br />
Der Aufstieg der Frauen bereitet den meisten Männern Angst. Dass Frauen in großen Zahlen und mit viel Selbstbewusstsein seit einigen Jahren in die Arbeitswelt drängen, eine Sphäre, die bis vor wenigen Jahrzehnten ganz selbstverständlich ihnen gehörte, und dass der Zeitgeist dabei ganz auf der Seite der Frauen steht, versetzt viele Männer in Panik. Ich habe diese Panik in vielen Momenten gespürt, ich habe sie bei Kollegen genauso gesehen wie bei Freunden. Immer wieder droht sie dann aufzuflammen, wenn eigentlich harmlose Meinungsverschiedenheiten in grundsätzliche Auseinandersetzungen münden, wenn Kritik damit endet, dass einem gänzlich die Kompetenz abgesprochen wird.<br />
Man darf diese Angst nicht unterschätzen, man darf sie nicht bagatellisieren. Sie hat gute Gründe: Denn die Arbeitswelt ist für Männer, anders für Frauen, der fast einzige Bereich im Leben, aus denen sie Sinn schöpfen, der ihnen eine Identität und Halt gibt. Familien können, anders als für Frauen, Männern diese Stabilität nicht ersetzen. Wenn Männer ihren Einfluss in der Arbeitswelt einbüßen, dann bleibt ihnen nicht mehr viel. So einen Verlust als schmerzhaft zu beschreiben bedeutet gleichsam, ihn zu kleinzureden. Dieser Verlust ist ein existentieller.&#8220; (Hensel 2017)</p></blockquote>
<p>Männer besitzen wenig Bewusstsein für ihr selbst fabriziertes Leid, so lange sie es mit Macht kompensieren können. Es sind mächtige, egoistische Männer &#8211; neoliberale, globalisierungssüchtige CEOs – die uns die Probleme bereiten. Aber immer weniger Durchschnittsmänner haben Macht und immer weniger wollen sie eigentlich haben, denn Macht im Kleinen ist mit Verantwortung verbunden, während sich die Mächtigen ganz oben davon befreit haben. Viele Männer haben auch keine sicheren Arbeitsplätze mehr und verdienen weniger. Deshalb müssen viele Frauen heute berufstätig sein, ob sie wollen oder nicht, es wird aber auch moralischer Druck ausgeübt. Es waren die Frauen und Männer der Gender Studies, die aus falsch verstandenem Mitleid mit den „armen, rechtlosen Vätern“, angeführt von einer maskulistischen, gewaltbereiten Gurkentruppe, dafür gesorgt haben, dass die lästigen Mütter spätestens nach einer Scheidung wieder arbeiten müssen oder sich in Armut und die Kinder automatisch in der Kita oder im sog. Wechselmodell wiederfinden. Den Frauen wird allein die Schuld gegeben, für alles. Nach einer Scheidung wollen und sollen Männer wieder mit einer anderen Frau Kinder haben können, sollen wieder väterlich über sie bestimmen können, aber es fehlt den Männern an allem, was sie dazu befähigt, ein gutes Leben für ihre Familie herzustellen, nämlich das natürliche, mütterliche Netzwerk bedingungsloser Liebe und ein in diesem Sinne aufgeklärtes Problembewusstsein &#8230; und alles Elend beginnt von vorne.</p>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/alex-iby-278048a.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1252" title="Frau zwischen Wänden" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/alex-iby-278048a.jpg?resize=350%2C468&#038;ssl=1" alt="Frau zwischen Wänden" width="350" height="468" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/alex-iby-278048a.jpg?w=350&amp;ssl=1 350w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/alex-iby-278048a.jpg?resize=224%2C300&amp;ssl=1 224w" sizes="(max-width: 350px) 100vw, 350px" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/mJOCYM6NV_A?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Alex Iby</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span></p>
<h3 id="Machen-sich-Hausfrauen-an-ihrer-Gesundheit-schuldig">Machen sich Hausfrauen an ihrer Gesundheit schuldig?</h3>
<p>Um allen gerecht zu werden, sollen Frauen, die offenbar allen in jeder Lebenslage nur zur Last fallen, vollzeit berufstätig sein, müssen sich dort aber Sexismus gefallen lassen. Um es den Frauen schmackhaft zu machen, ihre Einstellung zu manipulieren, und vor allem den Politikern Argumente zu liefern, wird behauptet, dass Berufstätigkeit Frauen gesünder mache, ein wahrer Hohn. Die eben genannte Psychiaterin Christin Munsch tutet in dieses Horn.</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Versorgerrolle hat den umgekehrten Effekt für Frauen, wenn es um das psychologische Wohlbefinden geht. Es hat sich gebessert, weil sie einen größeren wirtschaftlichen Beitrag leisten. Umgekehrt verschlechterte ihr psychologisches Wohlbefinden, wenn sie weniger zum Familieneinkommen beitrugen. (&#8230;) Munsch führt diesen unterschiedlichen psychologischen Nutzen auf kulturelle Erwartungen an Männer und Frauen zurück: &#8222;’Männer, die viel mehr Geld verdienen als ihre Partnerinnen, können sich mit einem Gefühl der Verpflichtung und der Sorge um den Erhalt des Status als Ernährer mit dem Broterwerb begnügen’, sagt Munsch. ‚Frauen hingegen können den Broterwerb als Chance oder Wahlmöglichkeit ansehen. Sie können Stolz empfinden, ohne sich zu sorgen, was andere sagen werden, wenn sie es nicht können oder nicht durchhalten (&#8230;) eine gute Nachricht, wenn man bedenkt, dass beide, Ehemann und Ehefrau, normalerweise arbeiten. ‚Unsere Studie zeigt, dass die Entkoppelung von Ernährerrolle von der Männlichkeit konkrete Vorteile für Männer und Frauen hat’, sagt Munsch. ‚Während das psychische Wohlbefinden und die Gesundheit von Männern tendenziell zunehmen, wenn ihre Frauen mehr wirtschaftliche Verantwortung übernehmen, verbessert sich auch das psychische Wohlbefinden von Frauen, wenn sie mehr wirtschaftliche Verantwortung übernehmen.’&#8220; (ASA 2016, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Ist das wirklich eine gute Nachricht? Hier wird das Wohl des Vaters ganz offen gegen den Rest der Familie aufgewogen. Im Patriarchat geht es letztlich immer nur um das Wohl des Vaters. Jetzt seien es also die (Haus-)frauen, die Männer krank machen! Während Männer als Ernährer nun regelrecht psychisch krank werden, werden Frauen als Ernährerinnen angeblich einfach nur zufrieden und stolz? Aber was ist mit den Frauen, die ihre Arbeit weder als Chance noch als Wahlmöglichkeit noch als gutes Leben wahrnehmen? So etwas kommt in Munschs Denken nicht vor. Stolz scheint für sie ein erstrebenswertes Ziel zu sein. Stolz hebt von anderen ab, aber Stolz ist auch narzisstisch. Und Patriarchat macht ja immer irgendeinen stolz, bisher vor allem die Männer, deren Stolz die Welt längst in die Katastrophe getrieben hat. Und: Dummheit. Die wächst ja bekanntlich mit Stolz auf einem Holz. Was ist, wenn es eines Tages aufgrund des enormen gesellschaftlichen Drucks weibliche Vollbeschäftigung gibt und sie so selbstverständlich ist, dass es keine Chancen mehr braucht und Frauen keine Wahl mehr haben? Dann kann Stolz nicht mehr aufkommen – es sei denn alle Männer bleiben nun zuhause bei den Kindern &#8211; und dann sind die Frauen nur noch die „Dummen“, denn sie werden weiterhin Mütter, mit ihrem ganzen Körper und ihrer Seele, und werden noch kränker als die Männer. Mutterschaft ist nämlich keine Rolle, die frau ablegen kann, Vaterschaft dagegen sehr wohl. Heutzutage sind Mütter zum Wohle des Vaters längst am Rande der Erschöpfung. Aber zum Glück arbeitet das Patriarchat ja schon an der künstlichen Gebärmutter, die die lästige Mutter überflüssig macht.</p>
<p>Berufstätige Mütter müssen viel Arbeit an andere delegieren, übrigens schlechtbezahlte Frauen, meist, weil die eigene Mutter, die gar nichts bekäme, auch berufstätig ist oder weit weg wohnt. So fällt am Ende zwar weniger Haus- und Familienarbeit an, aber ein schlechtes Gewissen den Kindern gegenüber bleibt. Gegen das schlechte Gewissen, das wir ja nur haben, weil wir von Natur aus matrifokal sind, wird inzwischen intensiv mit dubiosen Studien Gehirnwäsche betrieben, nach denen Mütter ihren Kindern sogar schaden.</p>
<p>Schon seit längerem liefern auch zahlreiche deutsche Studien, die sich mit der Lebensqualität von Hausfrauen und berufstätigen Müttern befassen, PolitikerInnen Argumente. Hier wurden keine Vorher-Nachher Untersuchungen angestellt, sondern Frauen aus ihrer Situation heraus befragt und daraus Kausalketten konstruiert. Folgender Satz ist symptomatisch:</p>
<blockquote><p>&#8222;Nach unseren Ergebnissen ist daher festzuhalten, dass Berufstätigkeit von Frauen, insbesondere von Schwangeren und Müttern in hohem Ausmaß zu besserer Gesundheit, höherer Lebenszufriedenheit und deutlich gesünderer Bewältigung von Lebensanforderungen führt.&#8220; (Quelle: Borchert, Cotlatz 1992)</p></blockquote>
<p>Es macht sich demnach im Umkehrschluss eine Frau nicht nur an der Gesundheit ihres Mannes schuldig, sondern auch an ihrer eigenen, wenn sie nur Hausfrau ist. Die Vertauschung von Ursache und Wirkung, die Ingrid Waldron schon entlarvt hatte, wird uns hier geschickt untergejubelt. Etwas anderes dringt auch nicht mehr an die Öffentlichkeit. Die Botschaften solch unseriöser Forschung werden schon seit langem über Frauenzeitschriften lanciert, wie in diesem Beispiel, als es in der BRIGITTE um den Themenkreis Endometriose ging:</p>
<blockquote><p><em>&#8222;(&#8230;) Wer am Arbeitsplatz häufig wegen Regelschmerzen fehlt, stößt auf kaum Verständnis. So streben Frauen mit schweren Verläufen sogar die Frühverrentung an. ‚Dabei geht es berufstätigen Endometriose-Patientinnen nachweislich besser.’, sagt Iris Brandes. ‚Das Problem ist nicht ihr Job, sondern die Therapie: Mit der richtigen Behandlung können Frauen arbeiten.’ Doch die finden viele erst am Ende eines langen Leidensweges: auf der Reha-Station einer der wenigen auf Endometriose spezialisierten Kliniken. Dort kann die Suche nach einer individuell passenden Schmerz- und Hormonbehandlung mit Ratschlägen zur Ernährung, Bewegungs- und Körpertherapie kombiniert werden. (&#8230;)</em>&#8220;<br />
(Baumgart in: Brigitte 9/2009)</p></blockquote>
<p>Die Botschaft lautet: „Frauen, reißt Euch zusammen, geht zur Arbeit und alles wird gut.“ Oder noch schöner „es geht Euch schlecht, WEIL ihr nicht arbeitet.“ Tabletten schlucken das ganze Arbeitsleben hindurch und Operationen sollen es ermöglichen. Dass Chemie kein normales Wohlbefinden herstellen kann, ist ja jeder Frau bewusst. Schlimmer ist, dass wir uns damit neue Probleme einhandeln. Schon durchschnittliche <a href="https://generation-pille.com/byebyepille/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pillen-Nutzerinnen</a> wissen das.<br />
<a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/maira-gallardo-330697.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/maira-gallardo-330697.jpg?resize=300%2C200&#038;ssl=1" alt="" width="300" height="200" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/ix645sk3r3g?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Maira Gallardo</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Auch die im Artikel zitierte Medizinökonomin Iris Brandes vertauschte unzulässigerweise Ursache und Wirkung. Denn Frauen, die eine leichte Endometriose haben, gehen auch häufiger in den Beruf, dies aber auch nicht ohne Schmerztabletten. Ihre Behauptung, dass die Endometriose zufriedenstellend behandelbar sei, ist schlicht weg nicht wahr. Tatsächlich geht es vielen Endometriose-Patientinnen bis heute auch mit Therapie so schlecht, dass Selbsthilfegruppen und Internet-Foren regen Zulauf haben, und sie nicht berufstätig sein können. Auf der Homepage der amerikanischen „Endometriosis Association“ können wir daher immer noch lesen:</p>
<blockquote><p>&#8222;<em>Je stärker der hormonelle Eingriff um so ausgeprägter die Nebenwirkungen. Daher wird der Einsatz von GnRH -Agonisten heute kritisch gesehen. Alternativmedizinische Konzepte wie die TCM (traditionelle chinesische Medizin/ u.a. Akupunktur) können vielen Frauen eine nebenwirkungsfreie Behandlung anbieten. (&#8230;) Bei Fällen von schwerer Endometriose kann es aber sogar nach Radikaloperationen oder den Wechseljahren zum Wiederauftreten der Erkrankung im Zusammenhang mit einer Hormonersatztherapie oder noch vorhandener körpereigener Hormonproduktion kommen. Daher empfehlen manche Sachverständige, während einer kurzen Zeit nach der Entfernung der Eierstöcke auf eine Hormonersatztherapie zu verzichten. </em>(&#8230;) <em>Vielleicht werden wir eines Tages dieses komplexe Krankheitsbild verstehen und eine Lösung für alle Unklarheiten, Schmerzen und Frustrationen, die dieses Leiden mit sich bringt, finden.&#8220; (Endometriosis Association 1999)</em></p></blockquote>
<p>Früher konnte sich eine Frau mit Bauchschmerzen ins Bett legen, heute soll sie sich zur Arbeit quälen. Es ist wirklich kein Wunder: Viele Frauen mit Endometriose sind Hausfrauen oder arbeiten Teilzeit; sie sind auf die Versorgung durch ihren Partner angewiesen. Aber: Das Teuflische an der Endometriose ist, dass betroffene Frauen oft Schmerzen beim Sex haben. Anders als bei den meisten anderen Krankheiten haben sie damit genau bei der Sache Schwierigkeiten, wofür die Ehe einst erfunden wurde! Die Ehe dient ja der Kontrolle der Sexualität der Frau und der Verfügbarkeit ihres Körpers, bzw. der Unterdrückung ihrer <em>female choice</em>, und ist die Basis der Herrschaft des Vaters, kurz des Patriarchats. Daher muss sie ihrem Manne exklusiv und jederzeit zur Verfügung zu stehen und soll auch noch Freude zur Schau stellen. Heute ist die Vergewaltigung in der Ehe zwar verboten. Eine Frau, die ihrem Manne aber nicht &#8222;dienlich&#8220; sein kann und will, ist ständig von Scheidung bedroht, was ihr Verhalten wiederum beeinflusst. Und so kommt es, dass Frauen auch heute Dinge tun, die sie nicht wollen, und die sie noch kränker machen. Im Übrigen gilt das auch für Frauen, die beim Sex immer eine Blasenentzündung bekommen. Es gibt hierbei einen deutlichen Zusammenhang mit der missachteten <em>female choice</em> (vgl. Uhlmann 2015). Gleiches gilt auch für das gerade erst öffentlich gewordene Krankheitsbild der <a href="http://wienerin.at/home/lieben/psyche/5103156/Postkoitale-Dysphorie_Depressiv-nach-dem-Sex-Das-koennte-der-Grund" target="_blank" rel="noopener noreferrer">postkoitalen Dysphorie</a>, deren Ursachen nur wenig verstanden werden, weil die <em>female choice</em> in der Schulmedizin bisher nicht vorkommt. Betroffenen Frauen bleibt oft nur die Berufstätigkeit ohne männlichen Lebenspartner oder ein sehr einsichtiger Partner, den frau lange suchen muss.</p>
<p>Abgesehen von diesen, das Sexualleben einer Partnerschaft störenden Krankheiten, schützt die Partnerschaft kranke Frauen offenbar recht gut vor krankheitsbedingtem sozialem Abstieg. Ingrid Waldron legte Ende der Neunziger Jahre drei weitere Studien auf, mit denen sie die Zusammenhänge von Krankheit und Ehe untersuchte, ausgehend von der Beobachtung, dass verheiratete Erwachsene im Allgemeinen gesünder sind als unverheiratete Erwachsene. Alle drei Studien untersuchten dieselbe Gruppe von 3.331 Frauen, eine große nationale Stichprobe aus den USA, die in die „National Longitudinal Surveys of Young Women“ (nationale Langzeituntersuchung an jungen Frauen) einfloss. Die Frauen waren zu Beginn zweier aufeinanderfolgender fünfjähriger Nachbeobachtungsintervalle (<em>Follow-up</em> 1978-1983 und <em>Follow-up</em> 1983-1988) 24-34 Jahre alt.<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8816016" target="_blank" rel="noopener noreferrer" id="die-erste-studie">Die erste Studie</a> überprüfte, ob „die Ehe mit guter Gesundheit verbunden ist, weil sie gesundheitsfördernde Wirkungen hat (Heiratsschutzeffekte) und / oder weil gesündere Personen eher heiraten und verheiratet bleiben (Heiratsselektionseffekte).“ Sie kam zu folgendem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Auswertungen der (&#8230;) Daten deuten darauf hin, dass es signifikante Heiratsschutzwirkungen gab, jedoch nur bei Frauen, die nicht angestellt waren. <strong>Insbesondere bei Frauen, die nicht berufstätig waren, hatten verheiratete (&#8230;) bessere Gesundheitstrends als unverheiratete.</strong> Es scheint, dass die Ehe als alternative Quelle finanzieller und sozialer Unterstützung gesundheitsfördernde Wirkungen für Frauen hatte, die nicht berufstätig waren. <strong>(&#8230;) Insbesondere Frauen, die eine bessere Gesundheit hatten, waren anfänglich eher verheiratet und erlebten weniger wahrscheinlich eine Scheidung, was aber nur für Frauen gilt, die nicht in Vollzeit und nur während des ersten Follow-up-Intervalls beschäftigt waren.</strong> Es ist augenscheinlich, dass bei Frauen, die nicht berufstätig waren, Heiratsschutzeffekte und Heiratsselektionseffekte zum Unterschied (&#8230;) im Familienstand beitrugen. <strong>Im Gegensatz dazu wurden bei Frauen, die Vollzeit beschäftigt waren, weder Heiratsschutz- noch Heiratsselektionseffekte beobachtet.</strong> Wie erwartet, zeigen die Daten, dass die Unterschiede in der Gesundheit je nach Familienstand sehr groß waren, und für Frauen, die nicht erwerbstätig waren, hoch signifikant waren, wohingegen sie für erwerbstätige Frauen viel kleiner und oft nicht signifikant waren. <strong>Frauen, die weder verheiratet noch berufstätig waren, hatten eine besonders schlechte Gesundheit.</strong> Zusätzliche Beobachtungen deuten darauf hin, dass <strong>Frauen, die weder verheiratet noch berufstätig waren, unter mehreren wechselseitigen Benachteiligungen litten, darunter schlechte Gesundheit, niedrige Einkommen und soziodemographische Merkmale, die Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche nach sich zogen.&#8220;</strong> (Waldron <em>et al.</em> 1996, meine paraphrasierte Übersetzung, Verkürzungen dienen der Verständlichkeit, meine Hervorhebungen)</p></blockquote>
<p>Die Ausgangsannahme der gesundheitsfördernden Wirkung der Ehe wurde damit nur für wenig oder nicht berufstätige Frauen bestätigt. Während leicht kranke Hausfrauen in der Ehe sogar gesünder werden, haben schwer kranke Frauen auf dem Heiratsmarkt wenig Chancen. Vollzeit berufstätig profitiert keine Frau von der Ehe.<br />
Es ist ja ganz klar, dass Frauen, die aufgrund ihrer Verfassung in die Ehe gezwungen sind, um abgesichert zu sein, auch nicht besonders glücklich sind, aber doch immerhin glücklicher als ohne jede Sicherheit, was sich natürlich positiv auswirken muss. Gleichzeitig hatten es kranke Ehefrauen viel schwerer, überhaupt einen Partner zu finden, so dass sie wahrscheinlich einfach nur froh und dankbar sind, und sich das Gefühl von Sicherheit positiv auswirkt.</p>
<p><a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9351156" target="_blank" rel="noopener noreferrer" id="die-zweite-studie">Die zweite Studie</a> überprüfte, ob „sich der Familienstand auf die Gesundheit zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten Frauen unterschiedlich auswirkt“. Sie kam zu folgendem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>&#8222;(&#8230;) Wegen körperlicher Beeinträchtigungen und allgemeiner Gesundheitsprobleme tendierten im ersten Follow-up-Intervall nie verheiratete Frauen zu schlechterer Gesundheit als geschiedene und getrennte Frauen. <strong>Für psychosomatische Symptome gab es jedoch keine tendenziellen Unterschiede zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten Frauen des Follow-up-Intervalls auch nicht für irgendeine andere gesundheitliche Messgröße im zweiten Follow-up-Intervall.</strong> Unsere Analysen der Daten zeigten nur wenige signifikante Unterschiede im Gesundheitszustand zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten Frauen. <strong>Zusammengenommen weisen die Ergebnisse unserer Studie und früherer Studien darauf hin, dass Unterschiede zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten Frauen je nach Alter und/oder Kohorte variieren können.</strong> Die augenscheinlichen Befunde für die 1970er und 1980er Jahre legen nahe, dass bei älteren Frauen geschiedene und getrennte Frauen möglicherweise schädlichere gesundheitliche Auswirkungen davon trugen als nie verheiratete Frauen; bei jüngeren Frauen war dieser Unterschied jedoch möglicherweise nicht vorhanden oder möglicherweise aufgehoben worden.&#8220; (Vgl. Waldron <em>et al.</em> 1997, meine paraphrasierte Übersetzung, Verkürzungen dienen der Verständlichkeit, meine Hervorhebungen)</p></blockquote>
<p>Anders gesagt bedeutet das: Dass nie verheiratete Frauen häufiger körperlich krank sind, bestätigt noch einmal die Ergebnisse der ersten Studie, nach der sie schwerer einen Partner finden. Was die psychosomatischen Symptome angeht, vergleicht Waldron Getrennte und nie Verheiratete und stellt fest, dass sie ähnlich gesund oder krank sind. Dieser Befund entspricht im Grunde der Munsch-Studie, aber nur wenn wir voraussetzen, dass diese nie Verheirateten gesunde, berufsorientierte Frauen waren. Auf körperliche und psychosomatische Beschwerden gemeinsam bezogen, verwischte jeder Unterschied zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten. Wird das Alter der Frauen mitberücksichtigt, differenziert sich das Bild noch einmal. Je früher sich eine Frau trennte, desto weniger litt offenbar ihre Gesundheit darunter.</p>
<p><a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9785695" target="_blank" rel="noopener noreferrer" id="die-dritte-studie">Die dritte Studie</a> überprüfte insgesamt vier Hypothesen „über die Auswirkungen von Beschäftigung, Heirat und Mutterschaft auf die allgemeine körperliche Gesundheit von Frauen (&#8230;) Diese Hypothesen sagen voraus, wie der Gesundheitseffekt jeder Rolle variiert, abhängig von den spezifischen Rollenmerkmalen und den anderen Rollen, die eine Frau innehat.“ (Waldron <em>et al. </em>1998)</p>
<p>Die 1. Hypothese ging davon aus, „dass Beschäftigung und Ehe ähnliche Ressourcen zur Verfügung stellen (z. B. Einkommen und soziale Unterstützung), und infolgedessen können Beschäftigung und Ehe sich in ihren vorteilhaften Wirkungen auf die Gesundheit gegenseitig ersetzen.“ Die Untersuchung führte zu folgendem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>„Wie vorhergesagt, stellten wir fest, dass die Beschäftigung bei unverheirateten Frauen positive Auswirkungen auf die Gesundheit hatte, bei verheirateten Frauen jedoch nur geringe oder gar keine Auswirkungen. In ähnlicher Weise hatte die Ehe nur für Frauen, die nicht erwerbstätig waren, gesundheitsfördernde Wirkungen.&#8220; (Waldron <em>et al. </em>1998, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Die 2. Hypothese ging davon aus, dass erwerbstätige Mütter eine Doppelbelastung erfahren, was zu schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit führt. Dazu kam es zu folgendem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>&#8222;Wir fanden jedoch nur <strong>sehr wenige Beweise dafür, dass die Kombination von Beschäftigung und Mutterschaft zu schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit führte.</strong>&#8220; (Waldron <em>et al. </em>1998, meine Übersetzung, meine Hervorhebung)<strong><br />
</strong></p></blockquote>
<p>Im Gegensatz zu den Vorhersagen der 3. Hypothese, der &#8222;Rollenüberforderungshypothese&#8220;,</p>
<blockquote><p>&#8222;<strong>scheint es, dass weder längere Arbeitszeiten noch mehr Kinder schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben.</strong>&#8220; (Waldron <em>et al.</em> 1998, meine Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
<p>Wie durch die 4. Hypothese vorhergesagt,</p>
<blockquote><p>&#8222;schien <strong>das jüngere Alter bei der ersten Geburt</strong>, insbesondere eine Geburt im Teenageralter, zu schädlicheren Gesundheitsfolgen zu führen.&#8220; (Waldron <em>et al.</em> 1998, meine paraphrasierte Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
<p>Anders gesagt bedeutet das: Diese Ergebnisse bestätigen die erste und zweite Studie. Sie liefern nicht den Nachweis, dass die Berufstätigkeit verheiratete Frauen gesünder mache, aber auch nicht kränker. Wie wir ja inzwischen wissen, sind die Frauen, die in den Beruf gehen, überwiegend von vorne herein gesund. Die Studie liefert auffälligerweise kaum Beweise, dass eine Doppelbelastung krank macht. Darüber hat sich auch Ingrid Waldron gewundert. Das steht auch im Kontrast zu Caterina Trevisans Behauptung, dass mehr Mithilfe des Mannes im Haushalt vor Krankheit schützt. Aber Waldron ahnt sehr wohl  &#8211; wie wir alle eigentlich &#8211; dass viele berufstätige Mütter insbesondere kleiner Kinder am Rande der Erschöpfung sind (vgl. Repetti <em>et al.</em> 1989, S. 1394 u. 1399). Aber selbst die Kinderzahl hat der Studie zufolge keinerlei Auswirkungen auf die Gesundheit. &#8222;Nur sehr wenige Beweise&#8220; bedeutet zwar nicht &#8222;keine Beweise&#8220;, wenn wir aber bedenken, dass diese meisten Frauen 1. als Berufstätige eher von vorne herein gesund sind, 2. die Zahl ihrer Kinder selbst bestimmen können, 3. aufgrund ihrer Berufstätigkeit Zugang zu Hilfsangeboten haben, 4. sie Hausarbeit delegieren können, 5. sie das Geld haben, teure Gesundheitsangebote wahrzunehmen und 6. oft die Option haben, auch in Teilzeit zu gehen, ist das nicht verwunderlich.<br />
Ein sehr junges Alter bei der ersten Geburt ist dagegen meist eine unfreiwillige Situation. Dass hier gesundheitliche Schwierigkeiten auftreten, kann unterschiedliche Gründe haben, die aber vor allem im Umfeld der Mutter zu suchen sind, jedenfalls ist sie in Anbetracht der prekären Situation, in die sie meist gerät, zwangsläufig überfordert.</p>
<h3 id="die-patriarchale-realitaet-macht-frauen-krank">Die patriarchale Realität macht Frauen krank</h3>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/scott-webb-386701.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Mehrparteienhaus" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/scott-webb-386701.jpg?resize=300%2C445&#038;ssl=1" alt="Mehrparteienhaus" width="300" height="445" /></a></p>
<p><span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/sgMdt0sTi0s?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Scott Webb</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
<br />
Wir wissen, dass vieles, was Frauen krank macht, direkt mit der Partnerschaft zu tun hat: die Konflikte mit dem Ehemann, der indirekt aufrechterhaltene Zwang zum Geschlechtsverkehr bzw. die sexuelle Unfreiheit, ein schnarchender Ehemann, herrschsüchtige Schwiegereltern, häusliche Gewalt u. v. m.. Letzteres wurde jüngst vom BKA untersucht, mit dem Ergebnis, dass die Familie der gefährlichste Ort für Frauen und Kinder ist. Krankmachend ist auch die für das Patriarchat typische Wohnsituation. Nachbarschaftsstreit und Isolation in engen Wohnungen oder im Golden Käfig, trägt das seine dazu bei. Es ist aber auch nicht von der Hand zu weisen, dass Berufstätigkeit Frauen krank macht, und zwar vor dem Hintergrund der durch und durch patriarchalen Philosophie der Berufswelt, einer Welt, die von Männern für Männer gemacht wurde und in die Frauen sich nun integrieren (sollen).</p>
<p>Krank machende Faktoren der Arbeit selbst sind bekanntermaßen &#8211; das gilt für beide Geschlechter &#8211; lange Arbeitszeit, Schichtarbeit, schwere körperliche Arbeit oder überwiegend sitzende Tätigkeiten, Kontakt mit Giftstoffen oder Krankheitserregern, das Arbeitsklima unter den Kollegen, die Führungsqualitäten des Chefs/der Chefin, unverschämte Kunden, mangelnde Lohngerechtigkeit und die Einstellung zur Arbeit. In einer Studie der Ohio State University aus dem Jahre 2016 wurde nun festgestellt, dass zuviel Arbeit vor allem Frauen krank macht. Sie untersuchten eine Gruppe von 7492 Personen aus der „National Longitudinal Survey of Youth“, die 32 Jahre Berufserfahrung hatten (1978 bis 2009)</p>
<blockquote><p>&#8222;Diese Studie zielt darauf ab, das chronische Krankheitsrisiko im Zusammenhang mit längerer Arbeit in Stundenplänen für acht schwerwiegende chronische Krankheiten zu bewerten: Herzerkrankungen, Nicht-Hautkrebs, Arthritis, Diabetes, chronische Lungenerkrankungen, Asthma, chronische Depression und Bluthochdruck. (&#8230;) Die regelmäßige Arbeit über 32 Jahre hinweg war signifikant mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen, Hautkrebs, Arthritis und Diabetes assoziiert. Das beobachtete Risiko war bei Frauen viel größer als bei Männern. (&#8230;) Langfristige Arbeitszeitpläne über viele Jahre erhöhen das Risiko für bestimmte chronische Krankheiten, insbesondere für Frauen.&#8220; (Dembe <em>et al.</em> 2016)</p></blockquote>
<p>Frauen sind auch häufiger krankgeschrieben als Männer, obwohl sie bekanntermaßen mehr auf ihre Gesundheit achten und sich besser ernähren:</p>
<blockquote><p>„Der Krankenstand der weiblichen Versicherten ist mit durchschnittlich 4,2 Prozent – wie auch in den Vorjahren – höher als der der männlichen Versicherten (3,7 Prozent). Wie der Altersverlauf zeigt, liegt der Krankenstand der Frauen praktisch in allen Altersgruppen über dem der Männer. Der höhere Krankenstand von Frauen ist im Wesentlichen auf eine höhere Fallhäufigkeit (121,3 Fälle bei Frauen gegenüber 104,0 Fällen bei Männern je 100 Versichertenjahre) zurückzuführen.“ (Storm 2017, S. 14)</p></blockquote>
<p>Frauen leben auch länger als Männer, halten also trotz aller Schwierigkeiten länger durch. Sie sind als Berufstätige möglicherweise auch deshalb gesünder, <strong>weil</strong> sie sich häufiger krankschreiben lassen und sich so vor krankmachender Arbeit besser schützen. Sie scheuen sich weniger, sich krankschreiben zu lassen, denn sie haben meist feine Antennen dafür, was sie sich zumuten können, und oft sind sie nicht Alleinverdienerinnen, die um ihren Job fürchten müssten. Aber Frauen lassen sich noch viel zu wenig krankschreiben. Viele werden erst richtig krank, <em>weil</em> sie es sich nicht leisten können, weil sie <em>nicht krank</em> werden dürfen. Im Übrigen auch nicht ihre Kinder! Sehr kleine Kinder sind besonders anfällig und leiden besonders darunter, aber ausgerechnet sie werden in der Kita dauerhaft vielen Erregern ausgesetzt, die sie obendrein an ihre Eltern und Erzieherinnen weitergeben. Eine vergleichbare Ansteckungsgefahr hat es in der Evolution nie gegeben, und die <a href="http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/58634/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Medizin fängt jetzt erst an zu verstehen, was das anrichten kann</a>. Wenn das Kind krank wird oder wenn die Kita schließen muss, bleibt der Mutter oft nur noch, sich selbst krank zu melden, weil ihre Urlaubstage und vertraglich geregelten kindbedingten Fehlzeiten, die viel zu knapp bemessen sind, schon verbraucht sind. Manchen mag das wie eine die Gesellschaft ausbeutende Trickserei vorkommen, aber sie sollten dran denken, dass Mütter die Berufstätigen von morgen großziehen, die eines Tages auch die Rente erarbeiten.</p>
<h3 id="Schon-die-Maedchen-werden-krank-gemacht">Schon die Mädchen werden krank gemacht – Kinderarbeit und Drill</h3>
<p>Wir Frauen werden schon früh trainiert, uns anzupassen. Die Schule nimmt auf die Beschwerden von Mädchen keine Rücksicht. In der aktuellen <a href="https://www.kiggs-studie.de/deutsch/home.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) des Robert-Koch-Instituts</a> lesen wir:</p>
<blockquote><p>&#8222;In der Altersgruppe der 14- bis 17-Jährigen schätzten Mädchen ihre Lebensqualität signifikant niedriger ein als gleichaltrige Jungen. In den beiden jüngeren Altersgruppen war kein Geschlechterunterschied in der Lebensqualitätseinschätzung zu beobachten.&#8220; (Ellert et al. 2014, S. 801)</p></blockquote>
<p>Alle Jugendlichen leiden unter chronischem, von der Schule aufgezwungenem Schlafmangel und Stress, dies ausgerechnet in einer Zeit, wo sich das Gehirn noch entwickeln muss. Aber Mädchen sind besonders leidgeprüft. Es ist tatsächlich kein Geheimnis, dass Mädchen in den ersten Tagen der Menstruation oft starke Schmerzen haben und häufig dem Unterricht fernbleiben oder nicht den Anforderungen folgen können. Das Horrorszenario überhaupt ist ein Blutfleck auf der Kleidung, das es um jeden Preis zu vermeiden gilt, aber der <a href="https://www.mynfp.de/unregelmaessiger-zyklus" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zyklus</a> ist unberechenbar, und schon greifen Mädchen zur Pille.<br />
Ständig unter Konkurrenz versuchen sie ihre sexuelle Attraktivität auch durch aufwändiges Herausputzen zu steigern, evolutionär gesehen, um baldigst schwanger zu werden. So betrachtet ist es kein Wunder, dass &#8222;Germany&#8217;s Next Topmodel&#8220; so erfolgreich ist. Die KiGGS-Studie zeigt nun, dass rund jedes fünfte Kind einzelne Symptome einer Essstörung aufweist. Obendrein empfand sich fast jedes zweite Mädchen zwischen 11 und 17 Jahren als zu dick (vgl. Burger 2017). Das Schönheitsideal hat nichts mit den evolutionären Erfordernissen zu tun. Aber nicht Heidi Klum ist daran Schuld, sondern das patriarchale System, in dem junge Frauen verzweifelt nach einem guten Leben suchen müssen. Doch alle gemeinsam arbeiten daran, das zu verhindern. Die zunehmenden Fälle von Magersucht zeigen, dass Mädchen dem Druck nicht mehr gewachsen sind. Trotz aller Schwierigkeiten „ihren Mann zu stehen“ und gleichzeitig eine attraktive Frau zu sein, schaffen die Allerwenigsten. Dass Mädchen keinen Hass auf ihren Körper entwickeln, ist schon die Ausnahme.</p>
<p><span style="font-size: 8px;"><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/henrique-felix-113544.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1267" title="ein dünnes Süppchen" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/henrique-felix-113544.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="ein dünnes Süppchen" width="600" height="400" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/henrique-felix-113544.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/henrique-felix-113544.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><br />
Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/JVkGUwTYQag?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Henrique Félix</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Die amerikanische Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy klärt uns darüber auf, dass natürlicherweise die Mädchen am wenigsten arbeiten, die alten Frauen dagegen am meisten:</p>
<blockquote><p>„Bei einigen Jäger-Sammler-Gruppen wie den Pumé in Venezuela beispielsweise beginnt die Durchschnittsfrau erst mit Mitte zwanzig, ihre Nahrung für sich selbst zu sammeln. (&#8230;) Selbst wenn sie harte Arbeit leisten, etwa Knollen ausgraben, buddeln Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren weniger Knollen in einer Stunde aus als ältere Frauen, die schon über 40 sind. Wenn die Nahrung ins Lager zurückgetragen wird, sind es am Ende aus irgendeinem Grunde immer die starken jungen Frauen, die die leichtesten Lasten tragen. (&#8230;) Teenager sind (&#8230;) unter Umständen nicht mit ganzem Herzen bei der Sache, selbst dann nicht, wenn es sich um eine leichte Aufgabe handelt. (&#8230;) Es ist so, als schonen Teenager sich für etwas Besseres – was unter dem Gesichtspunkt der Fortpflanzung auch tatsächlich so ist. (&#8230;) Moderne Mütter machen grimmige Witze über den Narzissmus der jungen Frauen, ihre Ich-Bezogenheit, Unruhe und ihre Fixiertheit auf das andere Geschlecht. Doch von ihrem Standpunkt aus gesehen arbeiten die Mädchen um die Zeit der Menarche auf ihre Weise hart: sie programmieren nämlich ihren Hypothalamus und ihre Eierstöcke neu (&#8230;) Heranwachsende haben mitunter Erwartungen und setzen Prioritäten, die sich stark von denen der Eltern unterscheiden. Auch wenn sie den Grund dafür nicht kennen, werden sie, wenn es hart auf Hart kommt, ihr eigenes Fortpflanzungspotenzial nicht zu Gunsten eines fremden Babys aufs Spiel setzen. „Kinderarbeit, das soll wohl ein Witz sein“, lamentiert eine Mutter (&#8230;) ermüdet vom Widerstand ihrer Tochter gegen jede Hausarbeit.“ (Blaffer Hrdy 2010a, S. 316 f)</p></blockquote>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Mädchen auf dem Jahrmarkt" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/annie-gray-401017.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Mädchen auf dem Jahrmarkt" width="600" height="400" /><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/_O6xCs0P-NI?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Annie Gray</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Mädchen interessieren sich jedoch bei weitem nicht nur für Jungen, sondern sind schon lange bevor sie Mutter werden damit beschäftigt, <a href="http://www.spektrum.de/news/kinder-koennen-auch-ohne-vater-gluecklich-aufwachsen/1479737" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ein helfendes Netzwerk zu schaffen</a>. Sarah Blaffer Hrdy schreibt dazu:</p>
<blockquote><p>„Beginnend im Mädchenalter, werden Frauen mit zunehmendem Alter immer geschickter darin, Freundschaften zu schließen. Diese Neigungen wurzeln anders als bei Männern nicht in dem Bestreben, Jagdgefährten oder Waffenbrüder zu finden. Ob bewusst oder nicht, suchen Frauen nach ‚Schwestern’, die ihnen bei der Versorgung ihrer Kinder zur Seite stehen. Selbst der starke Drang, sich beliebt zu machen und ‚dazuzugehören’, der bei Mädchen im Teenageralter so unverkennbar ist und der zur Folge hat, dass sie äußerst empfindlich darauf regieren, was andere von ihnen denken, aber auch, dass sie sehr konkurrenzorientiert sind und andere rücksichtslos ausschließen, hat möglicherweise viel mit dem Aufbau von Bindungen zutun, die in den Umwelten unserer Vorfahren für die erfolgreiche Aufzucht von Kindern von entscheidender Bedeutung gewesen sein dürften.“ (Blaffer Hrdy 2010b, S. 372 f)</p></blockquote>
<p>Das Netzwerken ist für Frauen evolutionär gesehen eine brandneue und daher sehr anstrengende Arbeit, weil sie ursprünglich in ein bestehendes, funktionierendes Netzwerk, nämlich die matrilineare Sippe, hineingeboren wurden. Männer sind dagegen seit Urzeiten daran gewöhnt, mit fremden Männern Kontakt aufzunehmen und bildeten einst Jagdkollektive. Mittlerweile ist klar, dass das Überleben der Gruppe nicht vom Jagderfolg abhing, sondern vom Sammeltalent der Frauen. Es wurde nur selten ein großes Tier erbeutet. Männer gingen zur Jagd, um mit dem Gejagten angeben zu können. Ein erfolgreicher Mann hatte mitunter häufiger Liebhaberinnen. (vgl. Blaffer Hrdy 2010a, S. 312 u. 332)</p>
<p>Ich sehe das steinzeitliche Netzwerk der Männer als ein Werkzeug der <em>female choice</em> an. Das Netzwerk der untereinander nicht verwandten Männer war die Eintrittskarte jedes Einzelnen in die Sippe des Anderen. Nur wer zum Netzwerk gehörte, war vertrauenswürdig genug, sich den Frauen nähern zu dürfen. Das Netzwerk lieferte nicht nur neue Männer, es schützte auch vor Übergriffen.</p>
<p>Im Patriarchat, wo es keine matrilineare Sippe mehr gibt, ist es für Mädchen überlebensnotwendig geworden, ein Netzwerk aus eigentlich fremden, konkurrierenden Frauen aufzubauen. Evolutionär darauf nicht vorbereitet, läuft das nicht ohne Schwierigkeiten ab und die Netzwerke sind äußerst instabil. Zickenkrieg, Stutenbissigkeit und auch die männlichen Freunde, die überall dabei sind und obendrein eine Herausforderung für die <em>female choice</em> sind, erschweren die Herstellung von Frauenfreundschaften. Was früher von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ablief, wird durch das Internet offensichtlich. Cybermobbing ist unter Mädchen weit verbreitet und macht viele Mädchen krank.<br />
<a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/jacob-townsend-440823.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Junge Frauen in Trennung" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/jacob-townsend-440823.jpg?resize=600%2C421&#038;ssl=1" alt="Junge Frauen in Trennung" width="600" height="421" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/sOK08OmFu04?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Jacob Townsend</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Das von Mädchen mühsam und unter Einsatz ihrer Gesundheit aufgebaute Netzwerk wird mit dem Ende der Schulzeit zerstört, nämlich indem sie ihre Ausbildung nach Möglichkeit weit entfernt absolvieren sollen. Später müssen sie oft in einer anderen Stadt berufstätig sein, was dann bedeutet, dass auch die während der Ausbildung neu geknüpften Netzwerke zerstört werden. Was bedeutet es für das Gefühl der Selbstwirksamkeit einer jungen Frau, wenn das, was ihr am wichtigsten ist, immer wieder zerstört wird? Vielleicht ist die Kompensation dieses Effekts der wahre Grund, warum Mädchen zunächst bessere Noten erzielen als Jungen, im Berufsleben aber wieder in der zweiten Reihe stehen. Das Patriarchat verhindert den Aufbau dauerhafter weiblicher Netzwerke und sorgt für eine weitgehende Isolation. Im Laufe ihres Lebens zerbricht so Manche, die einst so hoffnungsvoll begann.</p>
<p>Die Gebärfähigkeit oder die Größe des sozialen Netzwerkes waren bei den Studien über arbeitende Frauen kein Kriterium für Gesundheit, obwohl das aus medizinischer und verhaltensbiologischer Sicht so ist. Es wurde aber angenommen, dass berufstätige Frauen größere Netzwerke hätten, und deshalb gesünder seien. Dem ist jedoch nicht so, und je mehr Hilfe sie brauchen, desto weniger haben sie:</p>
<blockquote><p>„Die Netzwerkarbeit ist (&#8230;) für viele Frauen nicht so einfach und so lohnend wie für Männer. NetzwerkforscherInnen konnten nachweisen, das berufstätige Frauen mit kleinen Kindern Zeit- und Energierestriktionen unterliegen, die einen negativen Einfluss auf die Größe und das Kontaktvolumen ihrer persönlichen Netzwerke haben (&#8230;).“ (Tonn 2015, S. 180)</p></blockquote>
<p>Das Vorhandensein von Netzwerken oder die Möglichkeit solche zu bilden dürfte also auch entscheidend für die gesundheitlichen Auswirkungen der Berufstätigkeit von Frauen sein.</p>
<p>Wie wir oben erfahren haben, arbeiten bei den Naturvölkern die älteren Frauen am meisten, also auch nicht die Frauen, die gerade kleine Kinder haben. Aber heute wird genau das von jungen Müttern verlangt, nachdem man ihnen alle Netzwerke zerstört hat. Das Potential, das ältere Frauen natürlicherweise noch haben, wurde im Patriarchat vorzeitig verbraucht und kann daher kaum erkannt werden. Sie sind erschöpft, und insbesondere die, die berufstätig waren, unternehmen lieber Kreuzfahrten, als ihren Töchtern zu helfen. Jetzt, sagen sie, seien sie auch mal dran. Sie waren es also während ihres ganzen Berufsleben nicht! Die, die sich einen Egotrip nicht leisten können, verbringen ein Alter im Abseits, wenn die Töchter weit entfernt wohnen. Das Patriarchat hat alles auf den Kopf gestellt. Ein gutes Leben ist damit für Mütter unmöglich gemacht. Wir meinen trotzdem häufig, alles zu haben, nennen uns zufrieden, aber wir wissen nicht, was uns entgangen ist!</p>
<p>Wie es sich schon bei Mädchen abzeichnet, haben Frauen evolutionär bedingt andere Prioritäten als Männer. Die Gesundheit einer Frau im Arbeitsleben hängt in ganz entscheidendem Maße davon ab, ob sie ihre Arbeit als sinnstiftend empfindet und freiwillig macht. Frauen sind von Natur aus viel wählerischer als Männer. Sie müssen so sein, weil sie in höherem Maße Verantwortung tragen. Die <em>female choice</em> und die richtigen Entscheidungen im Alltag, z.B. Wohnort oder Ernährung, all dies ist für Frauen extrem wichtig, weil sie für die nächste Generation mitentscheiden müssen. Warum sollte es bei der Arbeit anders sein und vor allem: warum sollte sich eine Frau festlegen müssen? Wird das alles übergangen, werden Frauen krank, das bestätigen auch die Studien:</p>
<blockquote><p>&#8222;Eine Analyse (&#8230;) spricht dafür, dass Erwerbsbeteiligung nur für verheiratete Frauen mit einer positiven Einstellung zur Erwerbstätigkeit einen positiven Einfluss auf die selbstverordnete allgemeine Gesundheit hat. Verschiedene Querschnittsstudien haben auch gefunden, dass die Verbindung von Berufstätigkeit und guter Gesundheit für diejenigen Frauen stärker ist, die eine positive Einstellung zur Berufstätigkeit haben oder für Frauen, die eine solche dem Hausfrauendasein vorziehen. (&#8230;) Zusammengefasst deuten diese Befunde daraufhin, dass Berufstätigkeit positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat, wenn es eine Übereinstimmung zwischen der Einstellung der Frauen zu oder dem Wunsch nach Berufstätigkeit und ihrem tatsächlichen Rollenstatus gibt.&#8220; (Repetti <em>et al.</em> 1989, S. 1397, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Wer eine überzeugte Hausfrau dazu zwingt, berufstätig zu werden, fügt ihr Schaden zu. Es ist nicht anderes, als wolle man eine Soziologin dazu zwingen, Ingenieurin zu sein. Gleiches gilt, wenn man eine berufsorientierte Frau dazu zwingt, Hausfrau zu sein. Es verbietet sich demnach jede Einmischung in die Lebensgestaltung von Frauen. Stattdessen muss dem Patriarchat auf den tiefsten Grund gegangen werden. Damit meine ich die Philosophie, die die Matrifokalität, das natürliche Schutz- und Netzwerk der Frau, vollverschleiert und sogar abtötet, und Vaterschaft und Familie zu einer Sache der Gerechtigkeit erklärt. Auf dem gleichen Altar der Gerechtigkeit fordert der Feminismus Gleichberechtigung. Es ist aber so, dass Gleichberechtigung nicht identisch ist mit Egalität, und sie verhindert Egalität sogar. Rechte werden vergeben &#8211; und zwar nicht ohne den Segen der Männer &#8211; und können von ihnen wieder genommen werden, solange sie die Gewalt und Macht des Vaters besitzen.</p>
<p>Die Mädchen bzw. Frauen werden schon früh gedrillt, trotz ihrer Beschwerden und Bedürfnisse zu funktionieren, in einer Weise, wie es Jungen bzw. Männern unbekannt ist. Ihre spezifischen Bedürfnisse, auch die von Kindern, werden mit Füßen getreten. Die Leistungsgesellschaft bietet nicht die Sicherheit, die junge Frauen bewusst oder unbewusst suchen und tatsächlich auch brauchen, wenn sie tatsächlich Mutter werden. Junge Frauen spüren überall, wie ihnen der schwankende Boden unter den Füßen ganz weggerissen wird.<br />
Der Feminismus hat erreicht, dass Frauen sich jetzt selbst erforschen dürfen und unendlich viele Tatsachenverdrehungen richtig stellen können. Wünschenswert wäre, dass sie es auch schonungslos tun! Wir wissen jetzt immerhin, dass Frauen, die vergewaltigt wurden, nicht selbst Schuld sind. Was aber Bedürfnisse angeht, klafft weiterhin eine riesige Lücke zwischen soziologischen Wunschträumen und medizinischer und soziologischer Realität. Daher wird noch mehr Zwang aufgebaut, statt ihn zu hinterfragen. Es ist, wie wir gesehen haben, ganz einfach, die Gruppe der Hausfrauen mit Statistik in Misskredit zu bringen und Druck auf sie auszuüben. Sie sind mittlerweile das Feindbild Nummer eins. Um Geld zu sparen, singen PolitikerInnen &#8211; unterstützt durch eine Clique bezahlter SoziologInnen &#8211; das alte Lied von der Eigenverantwortlichkeit. Das System baut darauf, dass alle gesund sind und es auch bleiben, und es gilt, das nicht sein kann, was nicht sein darf. Chronisch Schwerkranke erhalten zwar gewisse Hilfen, vegetieren aber am Existenzminimum herum und haben so keine Möglichkeit, ihre schlechte Lebensqualität durch Freizeitgestaltung zu verbessern. Besonders kranke Frauen werden diskriminiert. Frauen, die aufgrund von typischen Frauenbeschwerden im Grunde erwerbsunfähig sind, werden sogar als faul oder eingebildet krank abgestempelt. Ihr gesellschaftlicher Beitrag als Hausfrau und Mutter wird nicht honoriert. Ihnen hilft nicht einmal eine Berufsunfähigkeitsversicherung, weil sie theoretisch ja noch arbeiten könnten.</p>
<p>Das Ehegattensplitting, das heute übrigens auch gleichgeschlechtlichen Ehen zugutekommt, ist im Grunde eine Anerkennung dafür, dass eine wirtschaftlich besser gestellte Person eine andere absichert. Aber Politikerinnen und Forscherinnen legen leider viel zu oft ihren eigenen Maßstab an alle anderen Frauen an. Zwar sehen sie völlig zu Recht ein Problem darin, dass viele Frauen in und von der Partnerschaft abhängig sind, interessanterweise aber nicht, wenn Männer sich entscheiden, Hausmann zu werden. Es offenbart sich darin das uralte Ziel des Patriarchats, die Mutter abzuschaffen (vgl. Uhlmann 2015a). Statt die weibliche Care-Arbeit zu vergüten, wird Druck ausgeübt, den sie angeblich problemlos auf noch Schwächere abwälzen können: die Kinder. Erste Alarmsignale, dass Kinder immer häufiger und immer früher krank werden, gibt es schon heute.<br />
Einen Ausweg aus der Situation unter den Bedingungen des Patriarchats bzw. der Väter gibt es nicht. Matrifokales Leben ist dagegen zielführend, arbeitet nicht gegen die Natur und hat nichts mit <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/">Mutterkult</a> zu tun.</p>
<h3 id="literatur">Literatur</h3>
<p>Baumgart, Julia: Im Job bleiben aber wie? Rubrik Gesundheit: Endometriose. Das vernachlässigte Leiden. In: Brigitte 9/2008</p>
<p>Blaffer Hrdy, Sarah: Mutter Natur. Die weibliche Seite der Evolution. Berlin 2010 (engl. Originalausgabe 1999) (2010a)</p>
<p>Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere. Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat. Berlin 2010 (engl. Originalausgabe 2009) (2010b)</p>
<p>Borchert, Henning; Cotlatz, Jürgen: Empirische Analysen zu weiblichen Lebenssituationen und Gesundheit. In: Leokadia Brüderl, Bettina Paetzold (Hrsg.) Frauenleben zwischen Beruf und Familie. Psychosoziale Konsequenzen für Persönlichkeit und Gesundheit. Weinheim München 1992</p>
<p>Bundesrepublik Deutschland: Flyer der Bundesregierung. Gender Mainstreaming. Was ist das? Berlin 2006.</p>
<p>Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Mädchen und Jungen in Deutschland. Lebenssituationen, Unterschiede, Gemeinsamkeiten. Berlin 2008</p>
<p>Burger, Kathrin Magersucht: Warum nehmen Essstörungen zu? In: Spektrum der Wissenschaft online vom 24.02.2017<br />
<a href="http://www.spektrum.de/news/essstoerungen-wie-magersucht-nehmen-zu/1439050" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.spektrum.de/news/essstoerungen-wie-magersucht-nehmen-zu/1439050</a></p>
<p>Dembe, Allard E.; Yao, Xiaoxi: Chronic Disease Risks From Exposure to Long-Hour Work Schedules Over a 32-Year Period. In: Journal of Occupational &amp; Environmental Medicine: September 2016 &#8211; Volume 58 &#8211; Issue 9 &#8211; p 861–867.<br />
Doi: 10.1097/JOM.0000000000000810<br />
<a href="http://journals.lww.com/joem/Citation/2016/09000/Chronic_Disease_Risks_From_Exposure_to_Long_Hour.2.aspx" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://journals.lww.com/joem/Citation/2016/09000/Chronic_Disease_Risks_From_Exposure_to_Long_Hour.2.aspx</a></p>
<p>Donner, Susanne: Wenn harmlose Erreger psychisch krank machen. Aus: Bild der Wissenschaft online. 09.05.2007<br />
<a href="http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/58634/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/58634/</a></p>
<p>Ellert, U., Brettschneider A.-K.; Ravens-Sieberer, U.; KiGGS Study Group: Gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse der KiGGS-Studie – Erste Folgebefragung (KiGGS Welle 1) Bundesgesundheitsblatt 2014 · 57:798–806<br />
DOI 10.1007/s00103- 014 -1978- 4<br />
<a href="http://edoc.rki.de/oa/articles/rewpcO0jJpaCw/PDF/20mHufW2LSvbQ.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://edoc.rki.de/oa/articles/rewpcO0jJpaCw/PDF/20mHufW2LSvbQ.pdf</a></p>
<p>Endometriosis Association, Inc: Aufklärung Unterstützung Forschung. Flyer Issued 1980, Revised Milwaukee 1999<br />
<a href="http://www.endometriosisassn.org/brochures/german.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.endometriosisassn.org/brochures/german.pdf</a></p>
<p>Franke, Mirijam: Kampf der Geschlechter: Macht Arbeit nur Frauen krank? Auf:<br />
<a href="https://arbeits-abc.de/viel-arbeit-macht-frauen-krank/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://arbeits-abc.de/viel-arbeit-macht-frauen-krank/</a> abgerufen am 15.11.2017</p>
<p>Gavranidou, Maria: Wohlbefinden und Erwerbstätigkeit im Familienverlauf. In: Bernhard Nauck (Hrsg.) Lebensgestaltung von Frauen. Eine Regionalanalyse zur Integration von Familien- und Erwerbstätigkeit im Lebensverlauf. Weinheim; München 1993</p>
<p>Gelitz, Christiane: <span class="article-heading">Kinder können auch ohne Vater glücklich aufwachsen. Aus: Spektrum der Wissenschaft online vom 05.07.2017<br />
<a href="http://www.spektrum.de/news/kinder-koennen-auch-ohne-vater-gluecklich-aufwachsen/1479737" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.spektrum.de/news/kinder-koennen-auch-ohne-vater-gluecklich-aufwachsen/1479737</a><br />
</span></p>
<p>Hensel, Jana: Lachen als Geste der Demütigung. In: Zeit online vom 14.11.2017<br />
<a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-11/sexismus-buero-arbeit-maenner-frauen-beziehung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-11/sexismus-buero-arbeit-maenner-frauen-beziehung</a></p>
<p>Nuber, Ursula: Wer bin ich ohne dich?: Warum Frauen depressiv werden &#8211; und wie sie zu sich selbst finden. Frankfurt 2012</p>
<p>Kieselbach, Janne: Warum Männer tatsächlich leichter krank werden. Aus: Sciene ORF online. 13.11.2017<br />
<a href="http://science.orf.at/stories/2877788">http://science.orf.at/stories/2877788</a></p>
<p>Kontio, Carina: Depression. Machen Männer Frauen krank? Aus: Handelsblatt online vom 27.09.2012<br />
<a href="http://www.handelsblatt.com/unternehmen/beruf-und-buero/buero-special/depression-machen-maenner-frauen-krank/7176326.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.handelsblatt.com/unternehmen/beruf-und-buero/buero-special/depression-machen-maenner-frauen-krank/7176326.html</a></p>
<p>Koopmann, Anna-Lena: Jetzt ist es wissenschaftlich bestätigt: Männer machen Frauen psychisch krank! ELLE online vom 09. November 2017<br />
<a href="http://www.elle.de/maenner-machen-frauen-krank" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.elle.de/maenner-machen-frauen-krank</a></p>
<p>Maletzke, Elsemarie: Das Leben der Brontës. Frankfurt a.M. Leipzig 2008</p>
<p>ASA. American Sociological Association online: Being the Primary Breadwinner is Bad for Men’s Psychological Well-Being and Health. 9.8.2016:<br />
<a href="http://www.asanet.org/press-center/press-releases/being-primary-breadwinner-bad-mens-psychological-well-being-and-health" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.asanet.org/press-center/press-releases/being-primary-breadwinner-bad-mens-psychological-well-being-and-health</a></p>
<p>Repetti; Rena L.; Matthews, Karen A.; Waldron, Ingrid: Employment and Women’s Health. Effects of Paid Employment on Women’s Mental and Physical Health. In: American Psychologist Nov. 1989 Vol. 44, No. 11, 1394-1401</p>
<p>Robert Koch-Institut: Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KIGGS). Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey. Mai 2007.</p>
<p>Ruhdorfer, Karoline: Elterliche Sorge. Den Vätern die Rechte, den Müttern die Pflichten. Aus: Deutschlandfunk Kultur online vom 18.05.2015<br />
<a href="http://www.deutschlandfunkkultur.de/elterliche-sorge-den-vaetern-die-rechte-den-muettern-die.1005.de.html?dram:article_id=320034" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.deutschlandfunkkultur.de/elterliche-sorge-den-vaetern-die-rechte-den-muettern-die.1005.de.html?dram:article_id=320034</a></p>
<p>Storm, Andreas (Hrsg.): DAK Gesundheitsreport 2017. Beiträge zur Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung (Band16). Hamburg 2017<br />
<a href="https://www.dak.de/dak/download/gesundheitsreport-2017-1885298.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.dak.de/dak/download/gesundheitsreport-2017-1885298.pdf</a></p>
<p>Trevisan, Caterina <em>et al.</em>: Marital Status and Frailty in Older People: Gender Differences in the Progetto Veneto Anziani Longitudinal Study. In: Journal of Women’s Health. Volume 25, Number 6, 2016<br />
DOI: 10.1089/jwh.2015.5592<br />
<a href="http://online.liebertpub.com/doi/pdf/10.1089/jwh.2015.5592" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://online.liebertpub.com/doi/pdf/10.1089/jwh.2015.5592</a></p>
<p>Tonn, Julia Jane: Frauen in Führungspositionen: Ursachen der Unterrepräsentanz weiblicher Führungskräfte in Unternehmen. Heidelberg 2015</p>
<p>Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat – Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt. Norderstedt 2015. (2015a)</p>
<p>Uhlmann, Gabriele: Female choice – unser Menschenrecht. Online seit 2015. (2015b)<br />
<a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm</a></p>
<p>Waldron, Ingrid; Herold, Joan; Dunn, Dennis: How valid are self-report measures for evalutating relationships between women’s Health and labor force participation? In: Women &amp; Health Vol.7(2) Summer 1982.<br />
DOI:<a href="https://doi.org/10.1300/J013v07n02_06" target="_blank" rel="noopener noreferrer">10.1300/J013v07n02_06</a></p>
<p>Waldron, Ingrid; Hughes, Mary Elizabeth; Brooks, Tracy L.: Marriage protection and marriage selection&#8211;prospective evidence for reciprocal effects of marital status and health. In: Social Science and Medicine 1996 Jul; 43(1):113-23.<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8816016" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8816016</a></p>
<p>Waldron, Ingrid; Weiss, Christopher C.; Hughes, Mary Elizabeth: Marital status effects on health: are there differences between never married women and divorced and separated women? Social Science and Medicine 1997 Nov;45(9):1387-97.<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9351156" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9351156</a></p>
<p>Waldron, Ingrid; Weiss, Christopher C.; Hughes, Mary Elizabeth: Interacting effects of multiple roles on women&#8217;s health. Journal of health and social behavior.1998 Sep;39(3):216-36.<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9785695" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9785695</a></p>
<p>Wrusch, Paul: Petition der Woche. Bluten für Deutschland. Aus: TAZ online. 11.11.2017<br />
<a href="http://taz.de/Petition-der-Woche/!5459147/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://taz.de/Petition-der-Woche/!5459147/</a></p>
<p><strong>Auch zu empfehlen:</strong></p>
<ul id="liste2">
<li>Hering, Sabine; Maierhof, Gudrun. Die unpässliche Frau: Sozialgeschichte der Menstruation und Hygiene von 1860 bis 1985. Pfaffenweiler 1991.</li>
<li>Kolip, Petra (Hrsg.) Weiblichkeit ist keine Krankheit. Die Medikalisierung körperlicher Umbruchphasen im Leben von Frauen. Weinheim München 2000</li>
<li>Kühn-Mengel, Helga: &#8222;Die mündige „Patientin&#8220;? Vortrag der PatientInnenbeauftragten Berlin auf der 11. AKF-Jahrestagung, 13./14. November 2004, Berlin</li>
<li>Schindele, Eva: Pfusch an der Frau: Krankmachende Normen-Überflüssige Operationen-Lukrative Geschäfte. Frankfurt am Main 1996.</li>
<li>Schumann, Claudia: „Weiblichkeit ist keine Krankheit &#8211; was ist für Frauen gesund?“. Vortrag beim 26. Bremener Schafferinnenmahl 9.11.2000.</li>
<li>Sigel, Mira: &#8222;Wahnsinnsfrauen&#8220; – Psychische Krankheit als Mittel zur Diskriminierung von Frauen, die sich der gesellschaftlich vorgesehenen Rolle verwehren. Online-Ressource auf <a href="https://web.archive.org/web/20211027205948/https://diestoerenfriedas.de/wahnsinnsfrauen/" rel="noopener" target="_blank">https://web.archive.org/web/20211027205948/https://diestoerenfriedas.de/wahnsinnsfrauen/</a> vom 01.03.2016 abgerufen am 20.11.2017</li>
<li>Steinle-Paul, Elisabeth: &#8222;Weiblichkeit ist keine Krankheit &#8211; Über die Gesundheit in den Lebensphasen&#8220;. Vortrag anlässlich der Eröffnung des Frauentages der VHS Karlsruhe von, Stuttgart 2002</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/machen-maenner-frauen-krank-die-wahren-zusammenhaenge-von-gesundheit-familienstand-und-arbeit">Machen Männer Frauen krank? – Die wahren Zusammenhänge von Gesundheit, Familienstand und Arbeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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