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	<title>Patriarchat Archive - Gabriele Uhlmann</title>
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		<title>Der Preis des Guten: Wenn Hilfe zur Herrschaft wird – eine Kritik des Helfens</title>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Jul 2025 20:02:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Analysen und Studien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Prolog In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Helfer als moralisches Rückgrat der Gesellschaft. Ob im Gesundheitswesen, im sozialen Bereich, in Familien oder im Ehrenamt: Helfer-Persönlichkeiten werden gefeiert für ihre Selbstlosigkeit, Aufopferung...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/der-preis-des-guten-wenn-hilfe-zur-herrschaft-wird-eine-kritik-des-helfens">Der Preis des Guten: Wenn Hilfe zur Herrschaft wird – eine Kritik des Helfens</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/a541d1af2b914b039c1278d9eb406025" alt="" width="1" height="1" />Prolog</p>
<p><strong>In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Helfer als moralisches Rückgrat der Gesellschaft. Ob im Gesundheitswesen, im sozialen Bereich, in Familien oder im Ehrenamt: Helfer-Persönlichkeiten werden gefeiert für ihre Selbstlosigkeit, Aufopferung und Nächstenliebe. Wer anderen dient, ist gut. Wer sich selbst dabei vergisst, wird oft sogar noch bewundert.</strong><br />
Doch dieser Mythos hat zwei Schattenseiten, die bislang kaum benannt werden und deren Opfer überwiegend weiblich sind: die Co-Abhängigkeit der Angehörigen und eine Gesellschaft, die von schädlicher Selbstausbeutung zusammengehalten wird. In der Literatur und im WWW gibt es vor allem Untersuchungen über das Leid der Helfer selbst, jedoch kaum eine unideologische Auseinandersetzung mit den Auswirkungen des exzessiven Helfens auf die Gesellschaft und noch weniger fundierte psychologische Informationen speziell über Partner von Menschen mit Helfersyndrom. Es gibt jedoch ein gewisses Bewusstsein in der Öffentlichkeit für die Probleme, die dabei als Kollateralschaden entstehen. Oft wird die Kritik an den Schäden jedoch als verzerrte Wahrnehmung oder Unmenschlichkeit, &#8222;Hass&#8220;, gecancelt. Der Wokeismus steht für diese Ideologie als Paradebeispiel. Wahlloses Helfen wird auch nicht selten schlicht als „Dummheit“ wahrgenommen. Die dahinterliegenden Aspekte werden jedoch kaum untersucht. Die Gender Pay Gap &#8211; besser <strong>Sex Pay Gap</strong>, denn es sind biologische Frauen, die benachteiligt werden und nicht eine Rolle oder eine Identität -, die Auswirkungen des Wokeismus auf die Politik und die Gesellschaft sind inzwischen hinreichend thematisiert, wenn auch nicht wirklich verstanden. Und was geschieht eigentlich mit den Menschen, die mit Helfern leben, was, wenn Hilfe zum identitätsstabilisierenden Selbstzweck wird? Meine These dabei ist: Das Patriarchat, die Herrschaft der Väter, hat sich seit jüngerer Zeit ein vorgeschobenes Helfer-Syndrom zugelegt und macht sich damit an der Wurzel unangreifbar. Es ist eine der Machtstrategien des Patriarchats. Dies erklärt die breite Zustimmung zu Appellen, dass die Väter die Care-Arbeit übernehmen sollen. Neoliberale Politik folgt diesem Muster, u.a. indem Mütter für ihre Rente Vollzeit zu arbeiten haben. Kurz gesagt: dass Väter die besseren Mütter seien, muss auf Biegen und Brechen gezeigt werden.</p>
<p>Der Blick der interdisziplinären Patriarchatsforschung auf diesen Komplex umfasst zwangsläufig auch die psychologischen Grundlagen der Krankheit Patriarchat, der Patriarchose<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup>, und ordnet das Helfer-Syndrom unter dem Kollektiven Stockholm-Syndrom<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup> ein, der Mittäterschaft der Entführten. Denn das Patriarchat ist ein Entführungsverbrechen, wie ich es an anderen Stellen bereits ausgeführt habe <sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup>. So hart der Begriff <em>Täter</em> auch klingen mag, es geht hier nicht um Verurteilung, um Schuldzuweisung an den Einzelnen, sondern um eine gesellschaftliche Analyse, die allen Beteiligten Erleichterung verschaffen soll. Sie ist dabei auch keine Entschuldigung, sondern die Aufforderung an alle, das Muster zu erkennen und daran zu arbeiten.</p>
<h3 id="Psych-Soz-Grundlagen">Psychologische und anthropologische Grundlagen</h3>
<p><em>Helfer-Syndrom</em> ist keine offizielle Diagnose, doch in der psychologischen Literatur gut beschrieben: ein starker Wunsch gebraucht zu werden, gepaart mit Schwierigkeiten, eigene Bedürfnisse zu erkennen oder Grenzen zu setzen. Dieser Wunsch kann so tief verwurzelt sein, dass er zur Grundlage der eigenen Identität wird. Das Helfer-Syndrom hat mitunter den Charakter einer Sucht<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>, eines Fetischismus<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup> oder einer Zwangsstörung, und die Angehörigen geraten nicht selten in den Zustand einer Co-Abhängigkeit. Die Folgen sind daher paradox: Wer übermäßig hilft, kann andere entmündigen. Wer sich selbst aufgibt, erwartet oft unausgesprochen Gegenleistungen – etwa Dankbarkeit, Loyalität oder emotionale Schonung.<br />
Ein Aspekt ist dabei die massive externale Fokussierung, wie sie von Schiefer und Köhler beschrieben wurde: „<em>Massive externale Fokussierung zeigt sich zum Beispiel durch Engagement speziell für Ausländer, Engagement in der Entwicklungs- oder Flüchtlingshilfe oder in der zwischenmenschlichen oder generellen Bevorzugung von Menschen möglichst völlig fremder Kulturen.</em>“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup> Die federführende Beteiligung des Intersektionalen Feminismus an Transaktivismus und Antisemitismus zeigt, wie geschickt es dem Patriarchat gelingt, insbesondere Frauen als nützliche Idioten einzuspannen. Die Selbstaufgabe wurzelt nicht selten in einem tiefen Selbsthass, der jedoch geleugnet wird und auf die Kritiker projiziert wird.<br />
Helfer-Persönlichkeiten richten ihre gesamte Wahrnehmung auf die Bedürfnisse anderer, um sich nicht mit den eigenen inneren Konflikten konfrontieren zu müssen oder wie im Beispiel des Intersektionalen Feminismus mit Kritik am Patriarchat anzuecken. Diese externalisierende Tendenz, die häufig aus früher Parentifizierung oder unaufgelösten Traumata stammt, führt dazu, dass sie ständig außerhalb ihrer selbst funktionieren – für andere, gegen sich. Der Primatenforscher Frans de Waal hat im Kontext der Verhaltensforschung auf den sogenannten &#8222;egoistischen Altruismus&#8220; hingewiesen: Auch Tiere helfen, wenn sie dadurch ihre soziale Sicherheit festigen. Altruismus, so de Waal, ist nie ganz eigennutzfrei (vgl. De Waal 2015) – und genau darin liegt auch in menschlichen Helferdynamiken eine unterschätzte Ambivalenz.<br />
Die Ursachen für das Helfer-Syndrom liegen in der Kindheit. Instrumentelle oder emotionale Parentifizierung haben das Kind in eine Elternrolle gezwungen. Die Traumatherapeutin Verena König schreibt: „<em>In Familien mit körperlich, psychisch oder suchtkranken Eltern gehört Parentifizierung zur Tagesordnung. Aber auch in jeder anderen Konstellation, in der Eltern emotional und körperlich nicht in ihrer Kraft sind, werden Kinder dem Druck ausgesetzt, für ihre Eltern zu sorgen und ihre Last mitzutragen.</em>“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup>
<h3 id="StrukturelleAusbeutung">Strukturelle Ausbeutung</h3>
<p>Das zeigt sich nicht nur im politischen oder familiären Bereich, sondern auch im Beruf: Der pflichtbewusste Angestellte, der freiwillig unbezahlte Überstunden macht, der selbstständige Dienstleister, der sich nicht traut, angemessene Preise zu verlangen, die freischaffende Frau, die glaubt, dass ihre Arbeit weniger wert sei, weil sie sich &#8222;zum Helfen geboren&#8220; fühlt und Angst vor dem „Nein“ hat – all das sind Ausprägungen eines strukturellen Helfer-Syndroms, das ökonomisch wirksam wird. Besonders sichtbar wird dies an der Mutter, deren unbezahlte Sorgearbeit als selbstverständlich gilt und systematisch unsichtbar bleibt. Diese Formen freiwilliger Selbstausbeutung stützen ein ökonomisches System, das auf kostenloser oder unterbezahlter Frauenarbeit fußt.<br />
So wird die Ausbeutung durch das Patriarchat nicht als Verbrechen erkannt, sondern als Tugend verklärt. Die Schuld wird dabei den Ausgebeuteten selbst zugeschoben: Sie hätten es so gewollt, sich selbst geopfert, sich nicht genug gewehrt. Helfer selbst zweifeln an sich und entwickeln zusätzlich das sog. Hochstapler-Syndrom: Sie seien eben tatsächlich nicht gut genug. Doch all das entspricht nicht den Tatsachen und es greift zu kurz. Auch das Helfer-Syndrom ist keine bewusste Wahl, keine angeborene Charaktereigenschaft, sondern die Folge früher Bindungsstörungen und sozialer Erwartung. Doch gefährlich wird es, wenn aus diesem Opferstatus ein Handlungsmuster entsteht, das andere mit in den Strudel zieht. Wenn Helfende sich als unersetzlich erleben, andere emotional abhängig machen oder sogar ihre Partnerinnen gezielt ausschließen – dann werden Opfer zu Mit-Tätern in einem perfekt abgesicherten System.</p>
<h3 id="Familiaere-Dynamiken">Familiäre Dynamiken</h3>
<p>Hilfe wird dann zur moralischen Waffe: Wer hilft, kann nicht falsch liegen. Wer kritisiert, wirkt herzlos. Und das System, das auf dieser Hilfe beruht, bleibt unanfechtbar. Was als Altruismus erscheint, entpuppt sich bei näherem Hinsehen oft als moralisch aufgeladene Machtausübung – ein Heldenkult in seiner stillsten, scheinbar friedfertigsten Form. Die Folgen: zerstörte Beziehungen, verdeckte Konkurrenz, psychische Überlastung und ein Gefühl von Illoyalität, das die Partnerschaft zersetzt.<br />
Wenn ein Partner heimlich Geld verschenkt oder verleiht, seine Zeit statt, wie vorgegeben mit Überstunden, in Wirklichkeit bei anderen verbringt, um deren Haus zu bauen, leidet eine Familie auch finanziell, ähnlich wie bei der Spielsucht.<br />
Das Helfer-Syndrom ist in vielen Fällen Teil einer transgenerationalen Weitergabe: Häufig sind es Männer, die als Kinder selbst parentifiziert wurden – etwa durch eine überforderte oder gewaltbetroffene Mutter –, die gelernt haben, emotional verfügbar zu sein, um Konflikte zu vermeiden. In patriarchalen Familienstrukturen werden solche Rollen unbewusst weitergetragen: Wenn sich der Vater in seine Helfer-Rolle zurückzieht, verschiebt er seine emotionale Energie auf die Kinder. Die Mutter erlebt sich als ausgegrenzt, emotional entwertet, und muss sich gleichzeitig rechtfertigen, wenn sie das Helfen hinterfragt. Sie lernt schlimmstenfalls, sich kleinzumachen oder zu schweigen, um nicht als &#8222;undankbar&#8220; zu gelten. Wenn zusätzlich ein Mutter-Tochter-Konflikt verliegt, wird der &#8222;helfende Vater&#8220; zum moralischen Bezugspunkt. Er kann sich in vermeintlicher Neutralität üben, womit er in Wirklichkeit die familiären Loyalitäten verschiebt. Wenn der Vater die Tochter auf seine Seite zieht, indirekt die Mutter als überforderte oder problematische Figur darstellt, wird ihre Autorität damit unterwandert und es entsteht ein Entfremdungsprozess, die Mutter steht zunehmend isoliert da. Die Tochter wird zum empathischen Gegenüber des Vaters, womit sich das Helfer-Syndrom nicht nur vererbt, es befeuert auch familiäre Spaltung im sensiblen, weil evolutionär wesentlichen Mutter-Tochter-Verhältnis. Wenn der helfende Vater als Großvater dabei auch die mütterliche Großmutter verdrängt, sofern das nicht schon der Vater der Enkel erledigt hat, wird die traditionell verkannte, evolutionäre Bindungsstruktur zwischen Großmutter, Mutter und Tochter endgültig zerschlagen. Die Großmutterthese<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup> zeigt, dass ohne die mütterliche Großmutter die Menschheit nicht ihr hohes Sozialverhalten, letztlich ihre Intelligenz hätte entwickeln können<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup>. Die väterliche Figur, der institutionalisierte Vater, tritt nicht nur zwischen die Mutter und das Kind, sondern verdrängt systematisch das matrifokale Generationenkontinuum. Das ist mehr als familiäre Dynamik – es wirkt wie ein symbolischer Endsieg des Patriarchats: die totale Herrschaft des Vaters über Herkunft, Bindung und Zukunft, auch wenn das gar nicht beabsichtigt war. Das Private ist das Politische, ob wir wollen oder nicht.</p>
<h3 id="Herrschaft-unter-dem-Banner-des-Guten">Herrschaft unter dem Banner des Guten &#8211; Rechtliche &amp; gesellschaftliche Instrumentalisierung</h3>
<p>In der erweiterten Perspektive wird deutlich, dass das Helfer-Syndrom eine strukturelle Funktion erfüllen kann: Es wird zu einer neuen tragenden Säule des väterlich dominierten Systems – des sogenannten Vaterrechts im Neo-Patriarchat. Dass Väter sich wie eine Mutter um die Kinder kümmern<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup>, gibt es erst flächendeckend, seit sich die Kleinfamilie durchgesetzt hat. Eine Scheidungsrate nahe 50% und eine hohe Trennungsrate machen sie mehr und mehr zu einem unsicheren Lebensmodell. <em>&#8222;Plötzlich wird alles unsicher: die Form des Zusammenlebens, wer wo wie was arbeitet, die Auffassungen von Sexualität und Liebe und ihre Einbindung in Ehe und Familie, die Institution der Elternschaft zerfällt in das Gegeneinander von Mutterschaft und Vaterschaft; Kinder mit der in ihnen enthaltenen, jetzt anachronistisch werdenden Bindungsintensität werden zu den letzten Partnern, die nicht gehen.&#8220;</em><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup> Mit der Familie verliert der Vater seine Fürsorgegruppe. In diesem Moment stürzt er sich regelrecht auf die Kinder und Kindeskinder und drängt ihnen seine Hilfe auf. Der Vater entdeckt plötzlich seine „Vatergefühle“. Bei Weitem nicht alle modernen Väter haben ein Helfer-Syndrom, aber spätestens im Falle der Trennung zeigen sie ein sehr ähnliches Verhaltensmuster, das gesellschaftlich mittlerweile hochangesehen ist.<br />
Indem sich der &#8222;helfende Vater&#8220; als ruhiger, zuverlässiger, stets verfügbarer Elternteil inszeniert, während die Mutter unter psychischer Belastung oder starker emotionaler Reaktion steht, entsteht ein verzerrtes Bild, das auch juristisch wirksam werden kann.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup> In familiengerichtlichen Auseinandersetzungen um Sorge- oder Umgangsrecht führt diese Dynamik nicht selten dazu, dass Müttern pauschal emotionale Instabilität oder fehlende Kooperationsbereitschaft unterstellt wird<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup> – während Väter als ruhig und sachlich gelten, weil sie ihre emotionalen Konflikte auslagern, etwa in Helferrollen gegenüber den Kindern. Dies kann – subtil, aber wirksam – zu einer Form von <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/buchbesprechung-sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt-ein-plaedoyer-gegen-die-gleichwertigkeit-der-elternschaft-von-mutter-und-vater" target="_blank" rel="noopener">strukturellem Kindesentzug</a> führen, legitimiert durch das Bild des &#8222;verlässlichen Helfers&#8220;.<br />
Noch paradoxer wird dies vor dem Hintergrund feministischer Forderungen: Die berechtigte gesellschaftliche Debatte um mehr väterliche Beteiligung wird – in manchen Fällen – zum Verstärker eines Systems, das auf emotionaler Entwertung der Mütter basiert. Die Forderung nach Gleichstellung wird dadurch pervertiert: <strong>Nicht zwei starke Elternteile agieren gemeinsam, sondern ein systemisch aufgewerteter Helfer-Vater tritt in Konkurrenz zur emotional ausgebremsten Mutter.</strong> Die Folge: psychische Schieflagen werden überdeckt durch rechtliche Gleichstellung – und familiäre Dysbalancen als Fortschritt verbrämt.<br />
In diesem Zusammenhang lohnt sich ein weiterer kritischer Blick auf die sogenannte PAS-Diagnose (Parental Alienation Syndrome), eine Pseudo-Diagnose, die lange Zeit in Sorgerechtskonflikten als Argumentationshilfe gegen Mütter verwendet wurde. Obwohl wissenschaftlich nicht anerkannt, wurde PAS von Gerichten wiederholt herangezogen, um Müttern Entfremdung der Kinder und eine „Bindungsintoleranz“ zu unterstellen – oft in genau jenen Fällen, in denen sie sich gegen verdeckte oder offene Vereinnahmung durch den Vater zur Wehr setzten. Ähnlich problematisch ist das Konzept des &#8222;Maternal Gatekeeping&#8220;, das Müttern unterstellt, sie würden Väter bewusst aus der Elternrolle ausschließen. Tatsächlich handelt es sich häufig um den Versuch, das eigene Beziehungsgefüge zu schützen – etwa vor einer Helferdynamik, die emotional übergriffig ist. Diese Form toxischer Männlichkeit arbeitet nicht mit plumper Gewalt, sondern subtil und oberflächlich moralisch einwandfrei. Die Protagonisten dieser Väterlobby haben in der Vergangenheit erfolgreich unter Drücken auf die Tränendrüsen zahlreiche Gesetzesänderungen erwirkt, mit denen die Abschaffung der Freiheit der Mütter verbunden war und ist<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup>.</p>
<h3 id="Psych-Soz-Folgen-fuer-Angehoerige">Psychosoziale Folgen für Angehörige</h3>
<p>Für Angehörige, die mit Helfer-Persönlichkeiten leben, entstehen daraus immer häufiger Gefühle von Nutzlosigkeit, Entwertung und Ohnmacht. Sie dürfen wenig selbst entscheiden, erleben sich zunehmend als &#8222;Störfaktor&#8220; oder Belastung. Während der Helfende von außen als stark, gut und aufopferungsvoll wahrgenommen wird, erscheinen seine engsten Bezugspersonen – insbesondere Partnerinnen – in der Öffentlichkeit leicht als undankbar, überfordernd oder sogar manipulativ und narzisstisch. Diese verzerrte Außenwirkung trägt wesentlich zur inneren Vereinsamung der Betroffenen bei und verstärkt deren Rückzug.<br />
Erschwerend kommt eine gesellschaftlich tief verwurzelte Vorstellung von &#8222;Gutmenschentum&#8220; hinzu. Die pauschale Abwertung jeder Kritik an Helfer-Persönlichkeiten als Zynismus oder Herzlosigkeit verhindert, dass über ihre destruktiven Wirkungen offen gesprochen werden kann. Wer nicht bereit ist, &#8222;die andere Wange hinzuhalten&#8220; – wie es ein bekanntes Jesus-Wort fordert –, gerät schnell unter moralischen Verdacht. Doch die völlige Selbstverleugnung als Ideal von Ethik zu verklären, führt zur paradoxen Umkehr: Die Selbstlosen beherrschen mit moralischer Überlegenheit, und jene, die sich abgrenzen, gelten als schuldig.<br />
Diese Form von Co-Abhängigkeit bei Helfer-Syndrom ist bislang kaum erforscht. Sie wird in Fachkreisen gelegentlich als &#8222;unsichtbare Belastung im Nahraum von Helfern&#8220; bezeichnet, doch systematische Studien fehlen. Die mediale Aufmerksamkeit liegt fast ausschließlich auf den Belastungen der Helfenden selbst – Burnout, Depression, Erschöpfung. Dass Helfen auch eine Form von Kontrolle und Konfliktvermeidung sein kann, wird selten thematisiert.<br />
Dabei wäre genau das dringend notwendig. Denn solange das Bild des uneigennützigen Helfens unhinterfragt bleibt, fehlt der Raum für diejenigen, die darunter leiden. Und solange Co-Abhängigkeit nur im Kontext von Sucht diskutiert wird, bleiben andere zerstörerische Beziehungsmuster im Verborgenen.<br />
In vielen Fällen erkennen betroffene Partnerinnen ihre Situation erst sehr spät, oft erst, wenn sich psychische oder psychosomatische Beschwerden manifestieren: Schlafstörungen, Angstzustände, depressive Verstimmungen oder chronische Erschöpfung. Denn das ständige Rücksichtnehmen, das &#8222;Nicht-stören-Wollen&#8220; ist kein neutraler Zustand, sondern eine Anpassung an einen emotionalen Missbrauch. Es ist ein dauerhaft erhöhter emotionaler Stress, der den Organismus genauso belasten kann wie ein akuter Konflikt. Nur eben stiller, langsamer, schwerer zu fassen.<br />
Ein weiteres Problem liegt darin, dass das Umfeld der Helfer, insbesondere die Familie, häufig zur Mitinszenierung des Helferbildes beiträgt. Kinder lernen früh, dass Hilfe leisten mit Anerkennung verbunden ist, dass Zurückhaltung der eigenen Bedürfnisse ein Zeichen von Charakterstärke sei und dass emotionale Bedürfnisse &#8222;nicht stören&#8220; sollen. So entstehen familiäre Mikro-Kulturen, in denen sich das Helfer-Syndrom von Generation zu Generation weitervererbt – oft begleitet von verdeckter Schuld, unerkannten Loyalitätskonflikten und impliziten Rollenzuschreibungen.</p>
<h3 id="Fazit-und-Ausblick">Fazit &amp; Ausblick</h3>
<p>Was es braucht, ist eine differenzierte Diskussion über die dunkle Seite des Helfens. Nicht, um die Leistung von Helfern zu diskreditieren, sondern um die psychische Integrität ihrer Angehörigen ernst zu nehmen. Hilfe kann im Privaten wie im öffentlichen Raum eine toxische Wirkung entfalten. Sie ist dann gesund, wenn sie frei gespendet wird – nicht, wenn sie zur emotionalen Infrastruktur eines Systems wird, das nur funktioniert, weil andere stillschweigend mittragen.<br />
Auch aus gesellschaftlicher Perspektive ist dieses Thema brisant. In Pflegeberufen, im Ehrenamt, in familiären Versorgungsnetzwerken sind Helfer-Persönlichkeiten strukturell unentbehrlich. Die stillen Mitträger im Hintergrund – meist weiblich, oft über Jahrzehnte angepasst und leistungsbereit – bleiben unsichtbar, solange sie funktionieren. Wenn sie jedoch ausfallen, erschüttert das nicht nur das Helfersystem, sondern auch das soziale Gefüge. Das heißt: Unsere Gesellschaft ist auf das Helfer-Syndrom angewiesen – und darauf, dass niemand laut fragt, wer darunter leidet.<br />
Wer hilft, darf das reflektiert tun. Erst dann wird Hilfe wirklich menschlich. Erst dann ist sie frei.</p>
<p>Mein Dank gilt Stephanie Gogolin für die wertvollen Hinweise.<br />
Gabriele Uhlmann im Juli 2025</p>
<h2 id="Literatur">Literatur</h2>
<ul id="liste2">
<li>Beck, Ulrich: Risikogesellschaft – Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt a. M.<br />
1986. 23. Auflage. 2016</li>
<li>De Waal, Frans: Der Mensch, der Bonobo und die Zehn Gebote. Moral ist älter als Religion. Stuttgart 2015. Am. Original-Ausgabe: New York/London 2013</li>
<li>Gogolin 2019-2024: Gogolin, Stephanie: Das patriarchale Stockholmsyndrom Teil I-IV. Online-Ressourcen auf <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" rel="noopener">https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/</a> vom 06.09.2019-09.07.2024</li>
<li>Gogolin, Stephanie: Der Beginn des Neo-Patriarchats. Online-Ressource vom 12.06.2024 auf <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2024/06/12/der-beginn-des-neo-patriarchat/" target="_blank" rel="noopener">https://marthastochter.wordpress.com/2024/06/12/der-beginn-des-neo-patriarchat/</a> abgerufen am 12.07.2025</li>
<li>Haarmann, Claudia: Mütter sind eben Mütter. Was Töchter und Mütter voneinander wissen sollten. München 2019</li>
<li>Schiefer/Köhler 2025a: Schiefer, Claudia/Köhler, Andreas: Massive externale Fokussierung &amp; Helfer-Syndrom. Undatierte Online-Ressource auf: <a href="https://www.psychologie-coaching.com/externale-fokussierung-helfer-syndrom/" target="_blank" rel="noopener">https://www.psychologie-coaching.com/externale-fokussierung-helfer-syndrom/</a> abgerufen am 12.07.2025</li>
<li>Schiefer/Köhler 2025b: Schiefer, Claudia/Köhler, Andreas: Fetischismus. Undatierte Online-Ressource auf: <a href="https://www.psychologie-coaching.com/wissen-fetischismus/" target="_blank" rel="noopener">https://www.psychologie-coaching.com/wissen-fetischismus/</a> abgerufen am 12.07.2025<br />
König, Verena: Trauma und Beziehungen. Wie wir die immergleichen Bindungsmuster hinter uns lassen. München 2024</li>
<li>Schnaars, Ilka: Sorgerecht und väterliche Gewalt – Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht). Rüsselsheim 2025</li>
<li>MIA e.V. 2018: Die schrittweise Abschaffung der Freiheit. Online-Ressource auf <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener">https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/</a> abgerufen am 25.10.2024</li>
<li>Mundlos, Christina: Mütter klagen an. Institutionelle Gewalt gegen Frauen und Kinder im Familiengericht. Marburg 2023</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Warum gibt es die Schwiegermutter? Neues zur Großmutterthese. Online-Ressource vom 29.10.2017 auf: <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/29/die-schwiegermutter-neues-zur-grossmutterhypothese/" target="_blank" rel="noopener">https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/29/die-schwiegermutter-neues-zur-grossmutterhypothese/</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Frauen – woher nehmen, wenn nicht stehlen? Über Frauenraub und seine historischen Grundlagen. Vortrag, gehalten am 3.11.2018 an der Freien Universität Berlin im Rahmen der Tagung „Frauenraub – Interdisziplinäre Tagung zum Frauenraub im Altertum“ vom 2.-3-11.2018. Online-Ressource mit Aktualisierungen auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat. Online-Ressource vom 30.05.2024 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt</a></li>
<li>Wolf, Doris: Helfer-Syndrom &#8211; Wenn Helfen zur Sucht wird. Online-Ressource vom 15.05.2024 auf <a href="https://www.palverlag.de/lebenshilfe-abc/helfersyndrom.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.palverlag.de/lebenshilfe-abc/helfersyndrom.html</a> abgerufen am 12.07.2025</li>
</ul>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;nach Dagmar Margotsdotter</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;nach Stephanie Gogolin, Vgl. Gogolin 2019-2024</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;z.B. Uhlmann 2018</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Wolf 2024</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Schiefer/Köhler 2025b</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Köhler/Schiefer 2025a</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;König, S. 103</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;bekannt als Großmutterhypothese</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2017</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Gogolin 2024</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Beck 2016, S. 180</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Schnaars 2025</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. Mundlos 2023</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. MIA e.V. 2024</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/der-preis-des-guten-wenn-hilfe-zur-herrschaft-wird-eine-kritik-des-helfens">Der Preis des Guten: Wenn Hilfe zur Herrschaft wird – eine Kritik des Helfens</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Patriarchat &#8211; Definition, Entstehung, Geschichte und Symptome</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Apr 2021 08:42:48 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Bildquelle: Georg Ferner, Kaiserslautern, Public domain, via Wikimedia Commons Definition Merkmal und Gemeinsamkeit aller Patriarchate ist das Vaterrecht. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gesellschaften in der Ausgestaltung der Gesetze, des...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat">Patriarchat &#8211; Definition, Entstehung, Geschichte und Symptome</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="abb">Bildquelle: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Georg_Ferner_Kaiserslautern_c1895.jpg" target="_blank" rel="noopener">Georg Ferner</a>, Kaiserslautern, Public domain, via Wikimedia Commons</span><br />
<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/d707839ebcad4474913136acac01b862" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h2 id="definition">Definition</h2>
<p><span style="font-size: 30px; font-weight: bold;">M</span>erkmal und Gemeinsamkeit aller Patriarchate ist das Vaterrecht. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gesellschaften in der Ausgestaltung der Gesetze, des Zusammenlebens, der Kultur und des Wirtschaftens.</p>
<p>Wie es der Begriff &#8222;Patriarchat&#8220;, der wörtlich übersetzt &#8222;Herrschaft der Väter&#8220; bedeutet, bereits anklingen lässt, haben wir es einerseits mit Herrschern und Beherrschten zu tun, mit Unterdrückern und Unterdrückten, Tätern und Opfern. Andererseits stehen nicht Männer im Fokus, sondern explizit Väter.<br />
Ein Mann, der einer Familie aus einer oder mehreren Ehefrauen und deren ehelichen Kindern vorsteht bzw. über sie als sein Eigentum bestimmt, wird als Patriarch bezeichnet. Daher kommt es verbreitet zu der Ansicht, dass wir in Europa nicht mehr im Patriarchat leben. <a href="https://www.christel-goettert-verlag.de/produkt/sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt/" target="_blank" rel="noopener">In Deutschland gibt es jedoch ein dezidiertes Vaterrecht, das im Grundgesetz verankert ist.</a> Ehe und Familie, also die Orte der Ausübung des Vaterrechts, sind sogar besonders geschützt.<br />
Das Patriarchat wird weltweit sowohl gewaltsam als auch mit rechtsstaatlichen Mitteln, den <strong>Gewalten</strong>, aufrecht erhalten (siehe <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gewalt-garant-und-symptom-des-patriarchats" target="_blank" rel="noopener">extra Essay</a>).</p>
<h2 id="das-patriarchat-ist-nicht-das-was-die-meisten-glauben">Das Patriarchat ist nicht das, was die meisten glauben</h2>
<p>Das Patriarchat wurde nicht geschaffen, um Männer von Care-Arbeit (Kinder- und Angehörigen-Pflege und Hausarbeit) zu befreien und auch nicht, um Väter in die Care-Arbeit einzubeziehen. Die Care-Arbeit hat erstaunlich wenig mit dem Patriarchat zu tun, außer dass sie nicht bezahlt wird und die Mutter keine Unterstützung ihrer mütterlichen Ursprungssippe erwarten kann. Daher ist das Patriarchat auch nicht zu Ende, wie es heute oft behauptet wird, <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2019/01/21/gar-nicht-einfach-die-vaterschaft-als-erklaerung-fuer-alle-menschengemachten-probleme/" target="_blank" rel="noopener"> es verschärft sich im Gegenteil immer weiter</a>.<br />
Warum also herrschen Väter, und warum hören sie nicht einfach auf damit, obwohl es bei Männern wie Frauen und auf unserem Planeten großen Schaden anrichtet? Warum sind Frauen weiter benachteiligt, auch wenn sie als emanzipiert gelten?</p>
<h2 id="entfuehrungsverbrechen-patriarchat-geschichte">Das Patriarchat ist NICHT unser angeborenes Sozialverhalten, sondern ein Entführungsverbrechen &#8211; Entstehung und Geschichte</h2>
<p>Das Patriarchat ist nicht natürlich, <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">sondern es entstand gewaltsam</a>, speziell mit <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" target="_blank" rel="noopener">Entführungen bzw. Frauenraub</a>, begleitet von Vergewaltigungen und Bestrafung von Frauen und Mädchen, aber auch der Ermordung aller nicht patriarchalen Männer, die das zu verhindern suchten. Ziel der Täter war die Sicherstellung der <strong> genetischen Vaterschaft</strong> zur Ausübung der <strong>sozialen Vaterschaft</strong>, was nur mit Kontrolle der weiblichen Sexualität und der unter diesen Bedingungen gezeugten Kinder möglich war und ist. Dabei ging es von Beginn an nicht um die Wahrnehmung fürsorglicher Aufgaben, sondern um Machtausübung. Aufgrund der Betonung des Wertes der väterlichen Gene wohnt dem Patriarchat nicht nur untrennbar der Sexismus, sondern auch der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung" target="_blank" rel="noopener">Rassismus</a> inne. Sexismus ist dabei die Basis des Rassismus.</p>
<p>Vor der Entstehung des Patriarchats wohnten Kinder nicht bei ihrem Vater, weil er aufgrund der <a href="https://www.amazon.de/Mütter-Andere-Evolution-sozialen-gemacht/dp/3827008859" target="_blank" rel="noopener">matrifokalen Sozialstruktur von <i>Homo sapiens</i></a> unbekannt war.</p>
<p>Die ersten Patriarchen postulierten die Vaterschaft als ihr Recht und erhoben das <strong>Vaterrecht</strong> zum allein gültigen Recht, womit sich das Patriarchat in den Folgegenerationen normalisierte, verselbständigte und tradierte.<br />
Die Kontrolle dieses Rechtes kann nur unter <strong>Patrilokalität</strong> ausgeübt werden, d.h. die Kinder und die Mutter werden gezwungen, beim Vater zu wohnen und gehören ihm auch. Es etablierten sich entsprechende Gesetze und Werte unter einer männerzentrierten Religion. Bis heute führt ein Ehemann sprichwörtlich seine frischgebackene Ehefrau &#8222;heim&#8220;. Darin ist der Ursprung in den initialen Entführungen erkennbar.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" title="Frauenraub: Raub der Sabinerinnen. Albrecht Dürer, 1495, Tusche auf Karton" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/sabinerinnen.jpg?resize=300%2C210&#038;ssl=1" alt="Frauenraub - Raub der Sabinerinnen - Albrecht Dürer" width="300" height="210" /><br />
<span class="abb">Bild: Frauenraub: Raub der Sabinerinnen. Albrecht Dürer, 1495, Tusche auf Karton</span></p>
<h2 id="symptome">Symptome</h2>
<p>Wenn die Flucht aus dem Gefängnis der <strong>Patrilokalität</strong> nicht gelang, war Kooperation die Überlebensstrategie der ersten Opfer, also der Frauen. Über sie kam es zur Mitopferschaft der Töchter und Söhne. Alle weiteren Nachkommen unterlagen dieser Dynamik und wurden Opfer und Täter zugleich. Dies führte schließlich zum Vergessen des Urverbrechens. Dabei wurde die von <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gewalt-garant-und-symptom-des-patriarchats" target="_blank" rel="noopener">Gewalt und tiefsitzenden Ängsten</a> geprägte <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann" target="_blank" rel="noopener">Gesellschaft</a> aufgebaut, die die Menschheit in Klassen einteilt. <strong>Kriege</strong> um Land, Wasser, <strong>Ideologien</strong> bzw. <strong>Religionen</strong> finden nun statt. <strong>Überbevölkerung</strong> und <strong>Elend</strong> gehören dazu wie auch <strong>Epidemien</strong>. <strong>Versklavung</strong> findet ihren ersten Ausdruck in der <strong>Unterdrückung der Frau</strong> und weitet sich über <strong>unterworfene Völker</strong> aus.<br />
<strong>Sexismus </strong>und darauf auch <strong>Rassismus, Ableismus</strong> und <strong>Homophobie</strong> haben ihren Ursprung im <strong>Zuchtgedanken</strong>, der aus der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung" target="_blank" rel="noopener"><strong>Viehzucht</strong></a> entsprang. <strong>Misogynie</strong> und <strong>häusliche Gewalt</strong> wurzeln im Anspruch, dass die Frau und Mutter dem Wohl des Mannes und Vaters stets zu dienen habe. Auch die Kinder müssen sich dem Anspruch unterwerfen, ihm nur Freude zu bereiten, daraus resultiert <strong>Kinderfeindlichkeit und Gewalt jeder Art gegen Kinder</strong>. An die Stelle der bedingungslosen Liebe sind die brüchige <strong>Solidarität</strong> und die erpresserische <strong>Loyalität</strong> (frz. <em>loi</em> = Gesetz) getreten: Weder Eltern noch Kinder können für sich beanspruchen, bedingungslos zu lieben. Die Urbedingung ist genetische väterliche Abstammung, alle weiteren ergeben sich aus der Erpressungssituation heraus.<br />
Das psychologische Phänomen des <b>Stockholm-Syndroms</b>, das bei Entführungsopfern regelmäßig auftritt und zur Kooperation mit dem Täter führt, ist die &#8222;rätselhafte&#8220; Ursache für die Kooperation auch der Frauen mit dem Patriarchat und für seine Tradition. (Link 1: nach Stephanie Gogolin &#8211; <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 1</a>, Link 2: nach Stephanie Gogolin &#8211; <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/10/13/das-patriarchale-stockholm-syndrom-teil-ii/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 2</a>), Link 3: nach Stephanie Gogolin &#8211; <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2020/01/18/das-patriarchale-stockholm-syndrom-teil-iii/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 3</a>, Link 4: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html" target="_blank" rel="noopener">Peer-reviewte Studie aus HUMAN NATURE</a>, Link 5: <a href="https://www.researchgate.net/publication/267777559_Fitness_Costs_of_Warfare_for_Women" target="_blank" rel="noopener">Original-Studie zum Download</a>, Link 6: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Begriff bei Wikipedia</a>)</p>
<p>Erst seit Beginn des Patriarchats werden Menschen auch nach ihrem Vater gefragt, denn sein Bekanntsein verschaffte nun einem Menschen Ansehen und meist auch <strong>Erbrechte</strong>. Lange war ein uneheliches Kind rechtlos. Dadurch entstand ein gefühltes Recht des Kindes, seinen Vater zu kennen. Ansehen und meist auch Wohlstand ziehen patriarchalisierte Menschen aus ihrer <strong>Patrilinearität</strong>, d.h. sie können sich auf einen <strong>Stammvater</strong> der <strong>Familie</strong> zurückführen, dessen Nachnamen sie tragen und dessen <strong>Lebenswerk</strong> sie oft fortführen.<br />
Der Nachname der Mutter wird nur selten als Doppelname vererbt, verschwindet aber spätestens in der nächsten Generation.<br />
Erst die Befreiung der Mütter aus dem Gefängnis der <strong>Ehe</strong> holte das gefühlte Recht des Mannes, seine genetischen Kinder kennen und erziehen zu dürfen, wieder an die Oberfläche, denn ein Mann ohne Kinder kann seine väterliche Linie nicht fortführen, verliert dadurch Einfluss auf die nächste Generation und läuft Gefahr, spätestens im Alter ohne Angehörige zu sein, die ihn versorgen. Vaterrechtler setzten daher durch, dass das <strong>Recht des Kindes auf Kenntnis des Vaters</strong> auch gesetzlich verankert ist.<br />
Beide Rechte, das des Kindes und das des Vaters auf gegenseitige Kenntnis, bestärken sich nun gegenseitig, und nehmen die sich trennende Mutter in wieder <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Geiselhaft</strong></a>. Das Patriarchat ist bis heute ein <b>Entführungsverbrechen</b>.</p>
<p>Das Patriarchat wäre nicht existent, zögen Männer keine Vorteile aus ihrer Vaterschaft. Mit Beginn des Patriarchats waren das rein wirtschaftliche Vorteile. Das zugehörige System heißt <strong>Kapitalismus</strong>, ein Name, der seinen Ursprung in der Viehzucht verrät, mit der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">die ersten Patriarchate</a> errichtet wurden.<br />
Das lateinische Wort &#8222;caput&#8220;, von dem sich das &#8222;Kapital&#8220; ableitet, bedeutet &#8222;Kopf&#8220;, gemeint ist die Zahl der Tierköpfe und der Köpfe, über die ein Patriarch herrscht.<br />
Die polytheistischen Religionen der Antike und die abrahamitischen Weltreligionen sind <strong>Viehzüchter-Religionen</strong> mit Göttern in Stiergestalt (oder andere männliche Nutztiere außer dem Schwein) oder in späteren Stadien alleinherrschende Götter, die zunehmend keine anderen neben sich dulden, und schließlich als Hirte und/oder Töter von Drachen, Kindern und Ungläubigen auftreten.<br />
Das erste Paar der Götterwelt ist noch eine Muttergöttin, All-Göttin oder Große Göttin mit ihrem <strong>Sohngeliebten (resp. Vegetationsgott)</strong>, mit dem sich jeder Patriarch identifizierte, bis sie zur Tochter eines <strong>Wettergottes</strong> oder <strong>Mondgottes</strong> degradiert wird. Auch im Buddhismus, Hinduismus und Shintoismus sind <strong>Muttermord</strong>, <strong>Gebärneid</strong>, <strong>Stillneid, Menstruationsneid</strong> und <strong>Dämonisierung der Frau</strong> verschlüsselt und ritualisiert, während die Viehzüchterideologie zu einer rigiden <strong>Menschenzucht-Ideologie</strong> mit noch strengerer Reglementierung der weiblichen Sexualität umgewandelt wurde. Ersatzreligionen wie die Transideologie tragen ihren Hass auf Frauen und ihren Neid offen zur Schau. Eine pragmatische Haltung zur Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele sowie <strong>Missionierung </strong>und <strong>Indokrinierung</strong> gehört zu allen patriarchalen Religionen wie auch Ideologien.</p>
<p>In der sog. <a href="https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/risikogesellschaft/4019" target="_blank" rel="noopener">Risikogesellschaft</a> (nach U. Beck), wie wir sie heute leben, in der Frauen scheinbar unabhängig werden können und damit die Familie aus Sicht der Männer in Gefahr gerät, besteht der Vorteil der Vaterschaft für Männer darin, in Unabhängigkeit von einer Frau und Mutter nicht Gefahr zu laufen, alleine zu bleiben.</p>
<p>Die Erfahrungswerte und Zahlen über die Lage der Mädchen und Frauen, Mütter und Kinder, speziell auch der alleinerziehenden Mütter in unserer Gesellschaft, werden vor diesem Hintergrund fassbar und als Symptom unseres Patriarchats begreifbar.</p>
<h2 id="matrifokalitaet-ist-unser-angeborenes-sozialverhalten">Matrifokalität ist unser angeborenes Sozialverhalten</h2>
<p>Angeboren ist uns jedoch ein <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt" target="_blank" rel="noopener">matrifokales Sozialverhalten</a> in <b>Matrilokalität</b> und <b>Matrilinearität</b>. Das Naturgesetz, das in der Evolution auf das Wohl des Nachwuchses und seiner Mütter ausgerichtet ist, wird im Patriarchat ausgehebelt und der Sozialverband auf <strong>das Wohl des Vaters</strong> ausgerichtet.<br />
Die angeborene Matrifokalität arbeitet im Untergrund weiter, so dass es einerseits zu Inkompatibilitäten kommt, z.B. dem <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/29/die-schwiegermutter-neues-zur-grossmutterhypothese/" target="_blank" rel="noopener">Schwiegermutterkonflikt</a>, andererseits <a href="https://wp.me/p3b3Fy-Dy" target="_blank" rel="noopener">macht sich das Patriarchat viele matrifokale Eigenschaften zunutze</a>, wie unser existentielles Bedürfnis, in einem Sozialverband zu leben und uns zu kümmern. Das tun wir im Patriarchat, wie unsicher die Familie und andere Konstrukte auch sein mögen.</p>
<h2 id="der-patriarchalisierte-mensch-erforscht-sich-selbst">Der patriarchalisierte Mensch erforscht sich selbst</h2>
<p>Dass nicht die Mütter herrschen, wurde seit Jahrtausenden damit erklärt, dass dies von den Göttern &#8211; und später von dem einen Gott &#8211; gewollt sei. Den angeblichen <strong>Willen der Götter</strong>, verbreitet von angeblich <strong>heiligen Männern</strong>, machten sich die <strong>Gläubigen</strong> zu eigen, entsprach er doch auch der schon länger etablierten Lebenswirklichkeit.<br />
Eine denkbare Gleichheit der Geschlechter kam daher nicht infrage. Sie wurde zwar später an manchen Stellen in den <strong>Heiligen Schriften</strong> postuliert, dies jedoch nur um die Frau an ihren Platz zu verweisen, an dem sie scheinbar gleichberechtigt war, in ihren spezifischen Rechten und <strong>Pflichten</strong> als Ehefrau und Mutter, nicht aber als autonomes Wesen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Der gute Hirte - Kirche Allermöhe" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/guterhirte.jpg?resize=290%2C406&#038;ssl=1" alt="Der gute Hirte - Kirche Allermöhe" width="290" height="406" border="0" /><br />
<span class="abb">Bild: Das verlorene Schaf (Der gute Hirte), Willi Langbein, 1930 (Kirche Allermöhe)</span></p>
<p>Die europäische <strong>Aufklärung</strong> im 18. Jh. führte zu einer Neubewertung der Glaubensvorstellungen, mitausgelöst durch die Verheerungen der <strong>Hexenverfolgung</strong> unter Federführung der Kirchen.<br />
Der beginnende Atheismus, der von patriarchalisch geprägten Denkern getragen wurde, suchte die entstandene Lücke zu schließen und bediente sich der gerade entstandenen Evolutionslehre Darwins. Darwin postulierte für alle Lebewesen einen &#8222;Kampf ums Dasein&#8220;, eine Vorstellung, die von den sog. <strong>Sozialdarwinisten</strong> auf die Beziehung von Mann und Frau angewendet wurde, als sei es ein Naturgesetz, dass es irgendwann keine Frauen mehr gäbe, sondern nur noch Männer. Es wurde also postuliert, dass der Mensch, insbesondere der Mann, von Natur aus gewalttätig sei, und die Frau daher unterlegen sein muss.<br />
Mit dem Glauben an das &#8222;<strong>Recht des Stärkeren</strong>&#8220; wurde das Patriarchat neu legitimiert, das mit der Aufweichung der einst starken Festung des Gott-Vater-Glaubens ins Wanken geraten war. Das Patriarchat wurde und wird seitdem vielfach, wenn nicht als gottgegeben, so doch als naturgegeben vorausgesetzt.</p>
<p>In meinem <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/matrifokal.htm" target="_blank" rel="noopener">Aufsatz zur Geschichte der Erforschung der Matrifokalität</a> auf dieser Homepage habe ich bereits dargestellt, welche Entwicklung sich daran anschloss, die einerseits mit dem Werk des Rechtshistorikers und Kulturanthropologen Johann Jakob Bachofen und andererseits mit den archäologischen Funden <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/venusvomhohlefels.htm" target="_blank" rel="noopener">sogenannter Venus-Figuren</a> aus der Altsteinzeit ausgelöst wurde.</p>
<p>Nach dem Ende des Feminismus alter Prägung widmen sich heute fast alle Fachbereiche unter der Bezeichnung &#8222;Gender Studies&#8220; der Frage, was dem Patriarchat fachspezifisch entgegenzusetzen sei. Mit Ausnahme der Medizin werden evolutionäre, biologische Aspekte stets ausgeklammert und als biologistisch abgewertet. Stattdessen wird versucht, eine Strategie zu entwickeln, wie mittels politischer Meinungsbildung oder Sprache Gleichberechtigung herzustellen sei. In den Naturwissenschaften wird nicht selten versucht, das kulturelle Verhalten weiblicher und männlicher Primaten untereinander und auch mit dem des patriarchalisierten Menschen als gleich darzustellen. Demnach sei alles nur eine Frage von Kultur und nicht von Verbrechen. Auf diese Weise waschen die Gender Studies das Patriarchat rein, und statt es zu beenden, werden Vorlagen geliefert, es weiter zu verschärfen.</p>
<p>Dass es <strong>Monogamie</strong> und <strong>Eheschließung</strong>, also die Familie, schon in der Altsteinzeit gegeben hätte, ist von den Gender Studies nie infrage gestellt worden. Mit dieser Rückdatierung des Patriarchats in die Anfänge der Menschheit waren die Gender Studies für das System interessant geworden, wo zuvor der Feminismus das Patriarchat zurückzudrängen begann. Entsprechend viel Geld wurde in diese Pseudowissenschaft gepumpt.</p>
<p>Die neue Ideologie, die in den Universitäten erdacht wurde, wurde mit dem Amsterdamer Vertrag von 1997/1999 in der EU-Politik als sog. <strong>Gender Mainstreaming</strong> fest verankert. Da die Gender Studies staatlich finanziert sind, war von Beginn an Skepsis angebracht, dass hiermit das Patriarchat zu beenden wäre. Es stellte sich in der Tat heraus, dass das Gender Mainstreaming zum Wohle der Wirtschaft zur Anpassung der Frau an die männliche Lebensweise führte, und Kinder dabei nur als Störfaktor angesehen werden. Als die Frauen in die Arbeitswelt drängten, sanken die Löhne drastisch, so dass heute ein Gehalt allein nicht mehr ausreicht, eine Familie zu ernähren. Mit dem Hinweis auf die Sachzwänge der Globalisierung wird dieser Umstand verschleiert.</p>
<p>Neue Denkanstöße kommen seit einigen Jahren aus der sog. Citizen Science, der unabhängigen Bürgerforschung. Mit der hier angesiedelten <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/brgerinnenwissenschaft-citizen-science-patriarchatsforschung" target="_blank" rel="noopener">kritischen Patriarchatsforschung</a> wurde begonnen, interdisziplinär, unter Einbeziehung der Anthropologie, also der menschlichen Evolution und Biologie, die Entstehung und Aufrechterhaltung des Patriarchats zu untersuchen und zu verstehen. Heute gilt daher die Unterdrückung der sog. <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener"><em>female choice</em></a> als Basis des Patriarchats und als sein einzig sicheres Erkennungszeichen. Es wurde deutlich, dass das besondere, soziale Miteinander des Menschen seine Wurzeln in der matrifokalen, also matrilokalen und matrilinearen SIPPE hat, die vom Patriarchat zerstört wurde, so dass die Mehrheit der Menschen, aber immer noch nicht alle, in patrilinearen Gruppen, den FAMILIEN, patrilokal leben. Es konnte damit nicht nur der Widerspruch aufgelöst werden, dass der Mensch einerseits gewalttätig werden kann und Kriege führt, und andererseits als höchst sozial gilt. Es wurde mit dem Wissen, dass die Mütter aus ihrem urmütterlichen Schutzraum gerissen wurden und den Vätern und deren Familie fortan ausgeliefert waren, erklärbar, warum Frauen und Kinder, letztlich also auch die Männer, im Patriarchat leiden und gleichzeitig, warum ausgerechnet die Religionen dies rechtfertigen.</p>
<h2 id="die-patriarchale-ideologie-gestern-und-heute">Die patriarchale Ideologie gestern und heute</h2>
<p>Das Patriarchat wurde vor <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">ca. 8200 Jahren (Misox-Klimaschwankung)</a> mit der Erfindung des Viehnomadismus in den Steppengebieten errichtet. Die Frau wurde in die Ehe gezwungen und sie hatte ihrem Ehemann vor allem Söhne zu gebären und ihm und seiner Herde zu folgen. Unsere <strong>indoeuropäische Sprache</strong>, die aus der Steppe stammt, ist entsprechend durchsetzt mit Metaphern aus der Tierzucht. Eine Frau, die ihre <em>female choice</em> frei lebt, also selbstgewählte, wechselnde Sexualpartner hat, wird als &#8222;unzüchtig&#8220; (sinngemäß: sich der Zucht entziehend) oder &#8222;zügellos&#8220; bezeichnet. Es handelte sich um eine bis dahin unbekannte Denk- und Lebensweise, in der sich der Mann seiner väterlichen Linie bewusst geworden war (Patrilinearität) und daher die Frauen und Kinder zwang, bei ihm zu wohnen (Patrilokalität). Damit begann er, Menschen wie ein Schöpfergott nach seinem Willen zu züchten.<br />
Bei der Tierzucht passierte der größte Irrtum der Menschheit, nämlich, dass die Frau nur <strong>das Gefäß männlichen Samens</strong> sei. Zu teuer und obendrein meist unwillig war die Frau für den Mann zur Last geworden, Ursache des <strong>tiefen Hasses auf die Frauen</strong>, sowie männlicher Überheblichkeit und des Machtstrebens. Als Ziel des Patriarchats ist in den Heiligen Schriften die <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/petition-gegen-die-sog-kuenstliche-gebaermutter" target="_blank" rel="noopener"><strong>Abschaffung der Mutter</strong></a> erkennbar, deren Metapher &#8222;<strong>Fruchtbarkeitsgöttin</strong>&#8220; sukzessive durch einen allmächtigen, d.h. <strong>unsterblichen, menstruierenden, gebärenden und stillenden Gott</strong> ersetzt wurde.<br />
Dieses Ziel erschien wie oben erwähnt im Sozialdarwinismus neu verpackt wieder an der Oberfläche patriarchalen Denkens. In unserer Zeit wird es durch die <strong>Reproduktionsmedizin</strong> mit Legalisierung der Leihmutterschaft und Eizellspende, der Entwicklung der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter" target="_blank" rel="noopener">sog. künstlichen Gebärmutter</a>, der <a href="https://netzfrauen.org/2015/07/23/nestle-besitzt-patente-auf-muttermilch-und-banken-haben-babynahrung-fuer-sich-entdeckt/" target="_blank" rel="noopener">Patentierung der Muttermilch</a>, der <strong>Fremdbetreuung der Kinder</strong> u.a. vorangetrieben, mitgetragen auch von einem falsch verstandenen Feminismus, der die Frau von dieser vermeintlich lästigen und undankbaren Aufgabe zu befreien sucht.<strong> Dass es das Patriarchat auf die besonders kostbare Fähigkeit der Frau, Mutter zu werden, abgesehen hat, wurde vom Feminismus nicht erkannt und von den Gender Studies ausgeblendet. </strong>Eine Frau, die ihr Frausein über ihre Fähigkeit, Mutter zu werden, definiert, <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/" target="_blank" rel="noopener">wird als biologistisch abgewertet</a>, sind da ja die <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2021/05/11/gegen-selbstbestimmungsgesetz-selfid-und-abschaffung-des-biologischen-geschlechts-fur-korperliche-integritat-aller-menschen-jetzt-handeln-es-eilt/" target="_blank" rel="noopener">Männer, denen das ermöglicht werden soll</a>. Tatsächlich wächst die väterliche Macht auch um so mehr, als die Bindung zum Kind immer enger wird. So begrüßenswert das auf den ersten Blick erscheint, <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener">so fatal wirkt sich das auf die Freiheit der Mutter und ihr Recht am Kinde aus</a>.<br />
Neue Begriffe wie &#8222;Bindungsintoleranz&#8220; (der Mutter unterstellter Versuch, das Kind dem Vater zu entfremden) und &#8222;neurotische Mutter-Kind-Symbiose&#8220; (nach Sigmund Freud) werden als Argumente angeführt, um Müttern das Kind direkt wegnehmen zu können. <a href="https://taz.de/Inobhutnahme-durch-das-Jugendamt/!5599059/" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Inobhutnahme&#8220; ist der euphemistische Begriff für diesen Kinderraub.</a><br />
Wenn eine Mutter ihr Kind dann einfach mitnimmt, ohne den Vater über den Verbleib zu unterrichten, dann gilt das vor dem patriarchalen Gesetz nicht als Befreiung, was es ja eigentlich ist, sondern in Verdrehung der Tatsachen als Entführung.</p>
<p>Die Strategie ist denkbar einfach. Das Kind gilt im Geiste als Besitz des Vaters. Die Mutterschaft wird der Frau unerträglich gemacht, dann von ihr abgelehnt und vom Patriarchat scheinheilig diffamiert. So kann die Mutterschaft der Frau weggenommen werden, um die Supervaterschaft, den Endsieg des Patriarchats, Wirklichkeit werden zu lassen. In den Heiligen Schriften ist dieses Ziel von Gott-Vater längst umgesetzt.</p>
<p>Was will der Patriarch mit dieser Fähigkeit anfangen? Wird sie ihm einst nicht ebenso lästig und unangenehm wie der patriarchalisierten Frau? Mit der Supervaterschaft sucht er Unsterblichkeit, die ihm zur totalen Macht fehlt. Dabei spielt es keine Rolle, wie das Leben der so gezeugten Kinder aussehen wird oder wie sie sich fühlen. Wesentlich wird sein, dass diese Kinder funktionieren und die Macht und den Reichtum des Patriarchen weiter mehren. Während matrifokale Menschen dazu anleiten, was das Kind zum Leben braucht, leitet der Patriarch dazu an, was das Kind braucht, um wie er zu werden. Bedingungslose Liebe ist ihm fremd. Er kompensiert sie mit Materialismus. Nur die Natur kann diesen Machenschaften Grenzen setzen, zerstört er doch zunehmend seine Lebensgrundlage.</p>
<h2 id="schlussbemerkung">Schlussbemerkung</h2>
<p>Erst mit der kritischen Patriarchatsforschung steht nun dieses neue Wissen zur Verfügung, mit dem nicht nur die Gender Studies als patriarchales Instrument entlarvt werden. Sie entzieht sowohl dem antifeministischen Maskulismus als auch den Theologien und dem <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/" target="_blank" rel="noopener">Nazismus</a> den Nährboden. Die Natur stellt sich jetzt nicht mehr als feindliche, zu überwindende &#8222;Barbarei&#8220; dar, sondern als Raum wahrer Gleichberechtigung, den es neu zu entdecken gilt.</p>
<p>Tieferen Einblick und weiterführende Literaturhinweise liefern diese Homepage, mein Blog <strong><a class="textlink" href="http://wahrscheinkontrolle.wordpress.com" target="_blank" rel="noopener">Wahrscheinkontrolle</a></strong> und u.a. meine beiden Bücher</p>
<ul id="liste4">
<li><a href="https://www.bod.de/buchshop/der-gott-im-9-monat-gabriele-uhlmann-9783738639018" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Der Gott im 9. Monat. Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt.&#8220;</a></li>
<li><a href="https://www.bod.de/buchshop/archaeologie-und-macht-gabriele-uhlmann-9783844814200" target="_blank" rel="noopener">Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte.</a></li>
</ul>
<p>&#8230; sowie die Faktensammlung und Buchtipps auf der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/" target="_blank" rel="noopener">Startseite</a>.<br />
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"articleSection" : "Merkmal und Gemeinsamkeit aller Patriarchate ist das Vaterrecht. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gesellschaften in der Ausgestaltung der Gesetze, des Zusammenlebens, der Kultur und des Wirtschaftens. Wie es der Begriff \"Patriarchat\", der wörtlich übersetzt \"Herrschaft der Väter\" bedeutet, bereits anklingen lässt, haben wir es einerseits mit Herrschern und Beherrschten zu tun, mit Unterdrückern und Unterdrückten, Tätern und Opfern. Andererseits stehen nicht Männer im Fokus, sondern explizit Väter. Ein Mann, der einer Familie aus einer oder mehreren Ehefrauen und deren ehelichen Kindern vorsteht bzw. über sie als sein Eigentum bestimmt, wird als Patriarch bezeichnet. Daher kommt es verbreitet zu der Ansicht, dass wir in Europa nicht mehr im Patriarchat leben. In Deutschland gibt es jedoch ein dezidiertes Vaterrecht, das im Grundgesetz verankert ist. Ehe und Familie, also die Orte der Ausübung des Vaterrechts, sind sogar besonders geschützt. Das Patriarchat wird weltweit sowohl gewaltsam als auch mit rechtsstaatlichen Mitteln, den Gewalten, aufrecht erhalten (siehe extra Artikel). Das Patriarchat wurde nicht geschaffen, um Männer von Care-Arbeit (Kinder- und Angehörigen-Pflege und Hausarbeit) zu befreien und auch nicht, um Väter in die Care-Arbeit einzubeziehen. Die Care-Arbeit hat erstaunlich wenig mit dem Patriarchat zu tun, außer dass sie nicht bezahlt wird und die Mutter keine Unterstützung ihrer mütterlichen Ursprungssippe erwarten kann. Daher ist das Patriarchat auch nicht zu Ende, wie es heute oft behauptet wird, es verschärft sich im Gegenteil immer weiter. Das Patriarchat ist nicht das, was die meisten glauben Daher ist es auch nicht zu Ende, wie es heute oft behauptet wird, es verschärft sich im Gegenteil immer weiter. Warum also herrschen Väter, und warum hören sie nicht einfach auf damit, obwohl es bei Männern wie Frauen und auf unserem Planeten großen Schaden anrichtet? Warum sind Frauen weiter benachteiligt, auch wenn sie als emanzipiert gelten? Das Patriarchat ist NICHT unser angeborenes Sozialverhalten, sondern ein Entführungsverbrechen Das Patriarchat ist nicht natürlich, sondern es entstand gewaltsam, speziell mit Entführungen bzw. Frauenraub, begleitet von Vergewaltigungen und Bestrafung von Frauen und Mädchen, aber auch der Ermordung aller nicht patriarchalen Männer, die das zu verhindern suchten. Ziel der Täter war die Sicherstellung der genetischen Vaterschaft zur Ausübung der sozialen Vaterschaft, was nur mit Kontrolle der weiblichen Sexualität und der unter diesen Bedingungen gezeugten Kinder möglich war und ist. Dabei ging es von Beginn an nicht um die Wahrnehmung fürsorglicher Aufgaben, sondern um Machtausübung. Aufgrund der Betonung des Wertes der väterlichen Gene wohnt dem Patriarchat nicht nur untrennbar der Sexismus, sondern auch der Rassismus inne. Sexismus ist dabei die Basis des Rassismus. Vor der Entstehung des Patriarchats wohnten Kinder nicht bei ihrem Vater, weil er aufgrund der matrifokalen Sozialstruktur von Homo sapiens unbekannt war. Die ersten Patriarchen postulierten die Vaterschaft als ihr Recht und erhoben das Vaterrecht zum allein gültigen Recht, womit sich das Patriarchat in den Folgegenerationen normalisierte, verselbständigte und tradierte. Die Kontrolle dieses Rechtes kann nur unter Patrilokalität ausgeübt werden, d.h. die Kinder und die Mutter werden gezwungen, beim Vater zu wohnen und gehören ihm auch. Es etablierten sich entsprechende Gesetze und Werte unter einer männerzentrierten Religion. Bis heute führt ein Ehemann sprichwörtlich seine frischgebackene Ehefrau \"heim\". Darin ist der Ursprung in den initialen Entführungen erkennbar. Wenn die Flucht nicht gelang, war Kooperation die Überlebensstrategie der ersten Opfer, also der Frauen. Über sie kam es zur Mitopferschaft der Töchter und Söhne. Alle weiteren Nachkommen unterlagen dieser Dynamik und wurden Opfer und Täter zugleich. Dies führte schließlich zum Vergessen des Urverbrechens. Das psychologische Phänomen des Stockholm-Syndroms, das bei Entführungsopfern regelmäßig auftritt und zur Kooperation mit dem Täter führt, ist die \"rätselhafte\" Ursache für die Kooperation auch der Frauen mit dem Patriarchat und für seine Tradition (Link 1: Peer-reviewte Studie aus HUMAN NATURE, Link 2: Original-Studie zum Download Link 3: Begriff bei Wikipedia, Link 4: nach Stephanie Gogolin - Stockholm-Syndrom Teil 1, Link 5: nach Stephanie Gogolin - Stockholm-Syndrom Teil 2). Erst seit Beginn des Patriarchats werden Menschen auch nach ihrem Vater gefragt, denn sein Bekanntsein verschaffte nun einem Menschen Ansehen und meist auch Erbrechte. Lange war ein uneheliches Kind rechtlos. Dadurch entstand ein gefühltes Recht des Kindes, seinen Vater zu kennen. Ansehen und meist auch Wohlstand ziehen patriarchalisierte Menschen aus ihrer Patrilinearität, d.h. sie können sich auf einen Stammvater zurückführen, dessen Nachnamen sie tragen und dessen Lebenswerk sie oft fortführen. Der Nachname der Mutter wird nur selten als Doppelname vererbt, verschwindet aber spätestens in der nächsten Generation. Erst die Befreiung der Mütter aus dem Gefängnis der Ehe holte das gefühlte Recht des Mannes, seine genetischen Kinder kennen und erziehen zu dürfen, wieder an die Oberfläche, denn ein Mann ohne Kinder kann seine väterliche Linie nicht fortführen, verliert dadurch Einfluss auf die nächste Generation und läuft Gefahr spätestens im Alter ohne Angehörige zu sein, die ihn versorgen. Vaterrechtler setzten daher durch, dass das Recht des Kindes auf Kenntnis des Vaters auch gesetzlich verankert ist. Beide Rechte, das des Kindes und das des Vaters auf gegenseitige Kenntnis, bestärken sich nun gegenseitig, und nehmen die sich trennende Mutter in wieder gefühlte Geiselhaft. Das Patriarchat ist bis heute ein Entführungsverbrechen. Das Patriarchat wäre nicht existent, zögen Männer keine Vorteile aus ihrer Vaterschaft. Mit Beginn des Patriarchats waren das rein wirtschaftliche Vorteile. Das zugehörige System heißt Kapitalismus, ein Name, der seinen Ursprung in der Viehzucht verrät, wo das Patriarchat tatsächlich begann. Das lateinische Wort \"caput\" bedeutet \"Kopf\", gemeint ist die Zahl der Tierköpfe und der Köpfe über die ein Patriarch herrscht. In der sog. Risikogesellschaft (nach U. Beck), wie wir sie heute leben, in der Frauen scheinbar unabhängig werden können und damit die Familie aus Sicht der Männer in Gefahr gerät, besteht der Vorteil der Vaterschaft für Männer darin, in Unabhängigkeit von einer Frau und Mutter nicht Gefahr zu laufen alleine zu bleiben. Die Erfahrungswerte und Zahlen über die Lage der Mädchen und Frauen, Mütter und Kinder, speziell auch der alleinerziehenden Mütter, in unserer Gesellschaft, werden vor diesem Hintergrund fassbar und als Symptom unseres Patriarchats begreifbar. Matrifokalität ist unser angeborenes Sozialverhalten Angeboren ist uns jedoch ein matrifokales Sozialverhalten in Matrilokalität und Matrilinearität. Das Naturgesetz, das in der Evolution auf das Wohl des Nachwuchses und seiner Mütter ausgerichtet ist, wird im Patriarchat ausgehebelt und der Sozialverband auf das Wohl des Vaters ausgerichtet. Die angeborene Matrifokalität arbeitet im Untergrund weiter, so dass es einerseits zu Inkompatibilitäten kommt, z.B. dem Schwiegermutterkonflikt, andererseits macht sich das Patriarchat viele matrifokale Eigenschaften zunutze, wie unser existentielles Bedürfnis, in einem Sozialverband zu leben. Das tun wir im Patriarchat, wie unsicher die Familie und andere Konstrukte auch sein mögen. Der patriarchalisierte Mensch erforscht sich selbst Dass nicht die Mütter herrschen, wurde seit Jahrtausenden damit erklärt, dass dies von den Göttern - und später von dem einen Gott - gewollt sei. Den angeblichen Willen der Götter, verbreitet von angeblich heiligen Männern, machten sich die Gläubigen zu eigen, entsprach er doch auch der schon länger etablierten Lebenswirklichkeit. Eine denkbare Gleichheit der Geschlechter kam daher nicht infrage. Sie wurde zwar später an manchen Stellen in den Heiligen Schriften postuliert, dies jedoch nur um die Frau an ihren Platz zu verweisen, an dem sie scheinbar gleichberechtigt war, in ihren spezifischen Rechten und Pflichten als Ehefrau und Mutter, nicht aber als autonomes Wesen. Die europäische Aufklärung im 18. Jh. führte zu einer Neubewertung der Glaubensvorstellungen, mitausgelöst durch die Verheerungen der Hexenverfolgung unter Federführung der Kirchen. Der beginnende Atheismus, der von patriarchalisch geprägten Denkern getragen wurde, suchte die entstandene Lücke zu schließen und bediente sich der gerade entstandenen Evolutionslehre Darwins. Darwin postulierte für alle Lebewesen einen \"Kampf ums Dasein\", eine Vorstellung, die von den sog. Sozialdarwinisten auf die Beziehung von Mann und Frau angewendet wurde, als sei es ein Naturgesetz, dass es irgendwann keine Frauen mehr gäbe, sondern nur noch Männer. Es wurde also postuliert, dass der Mensch, insbesondere der Mann, von Natur aus gewalttätig sei, und die Frau daher unterlegen sein muss. Mit dem Glauben an das \"Recht des Stärkeren\" wurde das Patriarchat neu legitimiert, das mit der Aufweichung der einst starken Festung des Gott-Vater-Glaubens ins Wanken geraten war. Das Patriarchat wurde und wird seitdem vielfach, wenn nicht als gottgegeben, so doch als naturgegeben vorausgesetzt. In meinem Aufsatz zur Geschichte der Erforschung der Matrifokalität auf dieser Homepage habe ich bereits dargestellt, welche Entwicklung sich daran anschloss, die einerseits mit dem Werk des Rechtshistorikers und Kulturanthropologen Johann Jakob Bachofen und andererseits mit den archäologischen Funden sogenannter Venus-Figuren aus der Altsteinzeit ausgelöst wurde. Nach dem Ende des Feminismus alter Prägung widmen sich heute fast alle Fachbereiche unter der Bezeichnung \"Gender Studies\" der Frage, was dem Patriarchat fachspezifisch entgegenzusetzen sei. Mit Ausnahme der Medizin werden evolutionäre, biologische Aspekte stets ausgeklammert und als biologistisch abgewertet. Stattdessen wird versucht, eine Strategie zu entwickeln, wie mittels politischer Meinungsbildung oder Sprache Gleichberechtigung herzustellen sei. In den Naturwissenschaften wird nicht selten versucht, das kulturelle Verhalten weiblicher und männlicher Primaten untereinander und auch mit dem des patriarchalisierten Menschen als gleich darzustellen. Demnach sei alles nur eine Frage von Kultur und nicht von Verbrechen. Auf diese Weise waschen die Gender Studies das Patriarchat rein, und statt es zu beenden, werden Vorlagen geliefert, es weiter zu verschärfen. Dass es Monogamie und Eheschließung, also die Familie, schon in der Altsteinzeit gegeben hätte, ist von den Gender Studies nie infrage gestellt worden. Mit dieser Rückdatierung des Patriarchats in die Anfänge der Menschheit waren die Gender Studies für das System interessant geworden, wo zuvor der Feminismus das Patriarchat zurückzudrängen begann. Entsprechend viel Geld wurde in diese Pseudowissenschaft gepumpt. Die neue Ideologie, die in den Universitäten erdacht wurde, wurde mit dem Amsterdamer Vertrag von 1997/1999 in der EU-Politik als sog. Gender Mainstreaming fest verankert. Da die Gender Studies staatlich finanziert sind, war von Beginn an Skepsis angebracht, dass hiermit das Patriarchat zu beenden wäre. Es stellte sich in der Tat heraus, dass das Gender Mainstreaming zum Wohle der Wirtschaft zur Anpassung der Frau an die männliche Lebensweise führte, und Kinder dabei nur als Störfaktor angesehen werden. Als die Frauen in die Arbeitswelt drängten, sanken die Löhne drastisch, so dass heute ein Gehalt allein nicht mehr ausreicht, eine Familie zu ernähren. Mit dem Hinweis auf die Sachzwänge der Globalisierung wird dieser Umstand verschleiert. Neue Denkanstöße kommen seit einigen Jahren aus der sog. Citizen Science, der unabhängigen Bürgerforschung. Mit der hier angesiedelten kritischen Patriarchatsforschung wurde begonnen, interdisziplinär, unter Einbeziehung der Anthropologie, also der menschlichen Evolution und Biologie, die Entstehung und Aufrechterhaltung des Patriarchats zu untersuchen und zu verstehen. Heute gilt daher die Unterdrückung der sog. female choice als Basis des Patriarchats und als sein einzig sicheres Erkennungszeichen. Es wurde deutlich, dass das besondere, soziale Miteinander des Menschen seine Wurzeln in der matrifokalen, also matrilokalen und matrilinearen SIPPE hat, die vom Patriarchat zerstört wurde, so dass die Mehrheit der Menschen, aber immer noch nicht alle, in patrilinearen Gruppen, den FAMILIEN, patrilokal leben. Es konnte damit nicht nur der Widerspruch aufgelöst werden, dass der Mensch einerseits gewalttätig werden kann und Kriege führt, und andererseits als höchst sozial gilt. Es wurde mit dem Wissen, dass die Mütter aus ihrem urmütterlichen Schutzraum gerissen wurden und den Vätern und deren Familie fortan ausgeliefert waren, erklärbar, warum Frauen und Kinder, letztlich also auch die Männer, im Patriarchat leiden und gleichzeitig, warum ausgerechnet die Religionen dies rechtfertigen. Patriarchale Ideologie und ihre Folgen Das Patriarchat wurde vor ca. 8200 Jahren (Misox-Klimaschwankung) mit der Erfindung des Viehnomadismus in den Steppengebieten errichtet. Die Frau wurde in die Ehe gezwungen und sie hatte ihrem Ehemann vor allem Söhne zu gebären und ihm und seiner Herde zu folgen. Unsere indoeuropäische Sprache, die aus der Steppe stammt, ist entsprechend durchsetzt mit Metaphern aus der Tierzucht. Eine Frau, die ihre female choice frei lebt, also selbstgewählte, wechselnde Sexualpartner hat, wird als \"unzüchtig\" (sinngemäß: sich der Zucht entziehend) oder \"zügellos\" bezeichnet. Es handelte sich um eine bis dahin unbekannte Denk- und Lebensweise, in der sich der Mann seiner väterlichen Linie bewusst geworden war (Patrilinearität) und daher die Frauen und Kinder zwang, bei ihm zu wohnen (Patrilokalität). Damit begann er, Menschen wie ein Schöpfergott nach seinem Willen zu züchten. Bei der Tierzucht passierte der größte Irrtum der Menschheit, nämlich, dass die Frau nur das Gefäß männlichen Samens sei. Zu teuer und obendrein meist unwillig war die Frau für den Mann zur Last geworden, Ursache des tiefen Hasses auf die Frauen, sowie männlicher Überheblichkeit und des Machtstrebens. Als Ziel des Patriarchats ist in den Heiligen Schriften die Abschaffung der Mutter erkennbar, deren Metapher \"Fruchtbarkeitsgöttin\" sukzessive durch einen allmächtigen, d.h. unsterblichen, menstruierenden, gebärenden und stillenden Gott ersetzt wurde. Dieses Ziel erschien wie oben erwähnt im Sozialdarwinismus neu verpackt wieder an der Oberfläche patriarchalen Denkens. In unserer Zeit wird es durch die Reproduktionsmedizin, die Patentierung der Muttermilch, die Fremdbetreuung der Kinder u.a. vorangetrieben, mitgetragen auch von einem falsch verstandenen Feminismus, der die Frau von dieser vermeintlich lästigen und undankbaren Aufgabe zu befreien sucht. Dass es das Patriarchat auf die besonders kostbare Fähigkeit der Frau, Mutter zu werden, abgesehen hat, wurde vom Feminismus nicht erkannt und von den Gender Studies ausgeblendet. Eine Frau, die ihr Frausein über ihre Fähigkeit, Mutter zu werden, definiert, wird als biologistisch abgewertet, sind da ja die Männer, denen das ermöglicht werden soll. Tatsächlich wächst die väterliche Macht auch um so mehr, als die Bindung zum Kind immer enger wird. So begrüßenswert das auf den ersten Blick erscheint, so fatal wirkt sich das auf die Freiheit der Mutter und ihr Recht am Kinde aus. Neue Begriffe wie \"Bindungsintoleranz\" (der Mutter unterstellter Versuch, das Kind dem Vater zu entfremden) und \"neurotische Mutter-Kind-Symbiose\" (nach Sigmund Freud) werden als Argumente angeführt, um Müttern das Kind direkt wegnehmen zu können. \"Inobhutnahme\" ist der euphemistische Begriff für diesen Kinderraub. Wenn eine Mutter ihr Kind dann einfach mitnimmt, ohne den Vater über den Verbleib zu unterrichten, dann gilt das vor dem patriarchalen Gesetz nicht als Befreiung, was es ja eigenlich ist, sondern in Verdrehung der Tatsachen als Entführung. Die Strategie ist denkbar einfach. Das Kind gilt im Geiste als Besitz des Vaters. Die Mutterschaft wird der Frau unerträglich gemacht, dann von ihr abgelehnt und vom Patriarchat scheinheilig diffamiert. So kann die Mutterschaft der Frau weggenommen werden, um die Supervaterschaft, den Endsieg des Patriarchats, Wirklichkeit werden zu lassen. In den Heiligen Schriften ist dieses Ziel von Gott-Vater längst umgesetzt. Aber was will der Patriarch mit dieser Fähigkeit? Wird sie ihm einst nicht ebenso lästig und unangenehm wie der patriarchalisierten Frau? Mit der Supervaterschaft sucht der Mann Unsterblichkeit, die ihm zur totalen Macht fehlt. Dabei spielt es keine Rolle, wie das Leben der so gezeugten Kinder aussehen wird oder wie sie sich fühlen. Wesentlich wird sein, dass diese Kinder funktionieren und die Macht und den Reichtum des Patriarchen weiter mehren. Liebe ist dem Patriarchen fremd. Er kompensiert sie mit Materialismus. Doch die Natur wird diesen Machenschaften einst Grenzen setzen, zerstört er doch zunehmend seine Lebensgrundlage, unsere Mutter Erde."
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<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat">Patriarchat &#8211; Definition, Entstehung, Geschichte und Symptome</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Female choice &#8211; unser unbekanntes Menschenrecht</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice-unser-unbekanntes-menschenrecht</link>
		
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		<pubDate>Wed, 28 Apr 2021 15:50:25 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Bild: Mädchen am Brunnen, Ölgemälde von Jacob Becker (1810-1872) Da kommen die Mädchen aus der Stadt und holen Wasser, das harmloseste Geschäft und das nötigste, das ehemals die Töchter der...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice-unser-unbekanntes-menschenrecht">Female choice &#8211; unser unbekanntes Menschenrecht</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a name="prolog"></a><br />
<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/f637bdf5bf4b471f8ea677092fa03bee" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Bild: Mädchen am Brunnen, Ölgemälde von Jacob Becker (1810-1872)</p>
<blockquote><p>Da kommen die Mädchen aus der Stadt und holen Wasser, das harmloseste Geschäft und das nötigste, das ehemals die Töchter der Könige selbst verrichteten. Wenn ich da sitze, so lebt die patriarchalische Idee so lebhaft um mich, wie sie, alle die Altväter, am Brunnen Bekanntschaft machen und freien, und wie um die Brunnen und Quellen wohltätige Geister schweben.</p></blockquote>
<p>Dies schrieb Johann Wolfgang von Goethe seinem Werther ins Tagebuch. Wir wissen, wie die Geschichte endet: Werther wird die Angebetete seines Herzens nicht bekommen, sie heiratet einen anderen und er bringt sich um.</p>
<h2 id="es-ist-die-Frau-die-waehlt">Es ist die Frau, die wählt.</h2>
<p>Dieser Satz, den ich 1998 in einer knappen Zeitungsmeldung gelesen hatte, war für mich eine Offenbarung. Er lieferte mir die Bestätigung für so viele flüchtige Erlebnisse, Gefühle, Beobachtungen und Haltungen, die mit der gesellschaftlichen Norm und meiner Erziehung nicht übereinstimmten. Im selben Jahr war der in der Zeitung erwähnte Artikel &#8222;Wie Weibchen Partner wählen&#8220; in der Zeitschrift &#8222;Spektrum der Wissenschaft&#8220; (1998/6, S. 72-77) abgedruckt (<a class="textlink" href="https://www.spektrum.de/magazin/wie-weibchen-partner-waehlen/824605" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/magazin/wie-weibchen-partner-waehlen/824605</a>). Darin wurde ausführlich und reich bebildert beschrieben, was über die sogenannte Weibchenwahl (auch &#8222;Damenwahl&#8220;) bei Tier und Mensch zu diesem Zeitpunkt bekannt war.<br />
Es war einst der Begründer der Evolutionsbiologie Charles Darwin, der die <b>Sexuelle Selektion</b>, wie er sie nannte, erkannte, aber nur wenige Wissenschaftler anerkannten seine These, weil sie im Viktorianischen Zeitalter allgemeine Empörung hervorrief. Bis heute beschäftigten sich nur wenige WissenschaftlerInnen damit. So verschwand das Thema auch wieder aus der Öffentlichkeit und nur Darwins These von der Natürlichen Selektion findet bis heute Beachtung. Die Sexuelle Selektion, auch <b><em>female choice</em></b>, wie sie in der Evolutionslehre nun bezeichnet wird, ist <b>kein Sonderfall der <i>Natürlichen Selektion</i></b>, wie es oft behauptet wird, sondern eine eigenständige Kraft, wie es Darwin schon sagte und es der Ornithologe Richard O. Prum (2017) erläutert hat. Sie steht noch <b>über</b> der Natürlichen Selektion, denn sie kann unmittelbar jede Generation spürbar verändern, während die Natürliche Selektion nur zu allmählichem Wandel führt und manchmal sogar zum Aussterben einzelner Arten oder gar ganzer Ökosysteme.<br />
Die <em>female choice</em> arbeitet also aktiv für das Leben, während die Natürliche Selektion das Leben immer wieder herausfordert, oft mit tödlichem Ausgang. Dass die Natürliche Selektion die Herrschende Lehre mit ihrem patriarchalen Dogma besonders interessiert, während die <em>female choice</em> ihr unheimlich geblieben ist, ist daher kein Wunder.</p>
<p>Darüber, wann genau die sexuelle Fortpflanzung entstand, herrscht noch keine Einigkeit. Die Zahlen bewegen sich zwischen 2 Milliarden und 300 Millionen Jahren vor heute. Spätestens im Erdzeitalter des Karbon war die Sexualität und damit die <em>female choice </em>voll entwickelt und hatte sich auf dem Globus durchgesetzt. Die biologische Forschung trug eine erdrückende Beweislast zusammen, nach der sie nicht mehr ignoriert und als &#8222;Sexuelle Selektion&#8220; oder &#8222;Mate Choice&#8220; (Partnerwahl) verschleiert werden konnte; Letzteres nicht zu verwechseln mit &#8222;male choice&#8220; (männliche Wahl, die zweitrangig oder auch nicht vorhanden ist). Die Anthropologie, die wie alle Wissenschaften stark von gesellschaftlichen Normen beeinflusst ist, musste zu dem Ergebnis kommen, dass nicht nur in der übrigen Tierwelt, sondern auch beim Menschen das weibliche Wahlrecht oberstes Naturgesetz ist. Die Reproduktion des Lebens unter weiblicher Ägide ist die Basis der Evolution. Dennoch wurde dieses Wissen bisher nur wenig verbreitet, steckt darin doch enorme Sprengkraft, auch für die Gesellschaft, so wie wir sie heute leben. Ja, es gibt sogar viele Wissenschaftler, die dieses Wissen hartnäckig ignorieren oder leugnen.<br />
Nehmen wir das beliebte Beispiel der Rothirsche. Als Platzhirsche, die mit ihren &#8222;stolzen Geweihen&#8220; eindrucksvolle, martialisch wirkende Rangkämpfe austragen, werden die Hirschbullen häufig als &#8222;Patriarch&#8220; oder als &#8222;Chef&#8220; bezeichnet. Aber auch der Hirschbulle kann sich nicht gegen den Willen der Hirschkuh mit ihr paaren und sie paart sich am Rande des Kampfplatzes auch mit anderen Bullen. Denn ein einzelnes Männchen hat keine Handhabe, alle Weibchen gleichzeitig unter Kontrolle zu bekommen. Hirschbullen kümmern sich auch nicht um die Ernährung ihrer Kinder oder bestimmen über sie; das aber macht letztlich einen echten Patriarchen aus. Dennoch ist der männliche Hirsch ein zufriedenes und sogar eindrucksvolles Tier. Es wollte doch auch niemand behaupten, dass die Hirschkuh dem Hirschenbullen Hörner aufsetzt, oder?</p>
<p>Welch überragende Bedeutung die Entdeckung der &#8222;wählerischen Frau&#8220; für die Menschheit hat, sollte sich auch erst in jüngerer Zeit herauskristallisieren, als ich 2007 den Patriarchatsforscher <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Bott_(Fernsehjournalist)" target="_blank" rel="noopener">Gerhard Bott</a> kennen lernte und er mir sein erstes Manuskript zu seinem Buch &#8222;<a href="http://gerhardbott.de/" target="_blank" rel="noopener">Die Erfindung der Götter</a>&#8220; (2009) zu lesen gab. Ich arbeitete zu dieser Zeit an einem Buch über die Blasenentzündung nach Sex bei der Frau und erkannte sofort den Wert seines Werkes für die Gesundung jeder Frau und sogar der gesamten Menschheit. Um ihn zitieren zu können, bemühte ich mich 2 Jahre lang, ihn zu bewegen, das Manuskript als Buch zu veröffentlichen, was mir schließlich gelang.</p>
<p>So, wie ich vor 1998, weiß noch heute kaum eine Frau, dass sie ein bestimmtes von Mutter Natur, der Evolution, vermachtes Wahlrecht besitzt, die <em>female choice</em>. Der folgende Foreneintrag im Internet, mit dem die Userin &#8222;petit_fleur&#8220; Hilfe sucht, weil sie immer nach dem Sex mit ihrem Freund eine Blasenentzündung bekommt, führt dies vor Augen:</p>
<blockquote><p>(&#8230;) Ich bin schon fast am Verzweifeln&#8230;ich kann doch nicht jedes Mal nach dem Sex ein Antibiotikum einnehmen?! Ich habe mich an alles gehalten &#8211; Wasserlassen nach dem GV, 2 Gläser trinken, keine übertriebene Intimhygiene, sogar eine Blasentee habe ich gekauft und getrunken. Wenn das jedes Mal kommt, wie soll es dann mit meinem Sexleben weitergehen? (Ganz zu schweigen von den Kosten, die das jedes Mal verursacht&#8230;) Muss ich ein Leben ohne Sex führen? Ich kann meinem Freund doch nicht zumuten, auf Sex zu verzichten. (&#8230;)<br />
<cite><a class="textlink" href="http://www.planet-liebe.de/threads/verzweifeln-wegen-blasenentz%C3%BCndungen.529788/" target="_blank" rel="noopener">Quelle</a></cite></p></blockquote>
<p>Diese Frau glaubt also, dass ein Mann ein Recht auf Sex hätte, womit sie tief in ein Dilemma gerät. Sie ist beileibe kein Einzelfall. Unter der Überschrift &#8222;Keine Lust mehr auf Sex Angst vor Blasenentzündungen&#8220; schreibt die Userin &#8222;ach_pustekuchen&#8220; in einem anderen Forum:</p>
<blockquote><p>Ich bin seit fast 3 Jahren mit meinem Freund (mein Erster) zusammen. Damals bekam ich direkt nach meinem &#8222;ersten Mal&#8220; eine heftige Blasenentzündung. Habe dann Antibiotika bekommen und dann war sie nach ein paar Tagen wieder weg. Dabei blieb es aber leider nicht. In den letzten knapp 3 Jahren habe ich immer wieder Blasenentzündungen vom Sex, teilweise jeden Monat mindestens eine. Ohne Antibiotikum gehen die auch nicht weg. Ich befolge auch alle Tipps, die man überall bekommt: nach dem Sex sofort auf die Toilette, Cranberries essen, jede Woche mindestens ein mal Blasen- und Nierentee trinken usw. Habe mich auf vor einem Jahr ca. dagegen impfen lassen. Trotzdem habe ich wieder Blasenentzündungen bekommen. Das wirkt sich mittlerweile bzw. schon seit längerem auf mein Sexleben aus. Ich habe nur noch panische Angst davor. Zumal ich es mir Arbeitstechnisch nicht mehr leisten kann, so oft krank zu sein. Ich habe keinerlei Lust mehr, denke nur daran, dass ich danach sowieso wieder ne Blasenentzündung kriege. Ich bin mit meinem Freund teilweise darauf umgestiegen, dass wir quasi Sex haben, aber ohne dass er eindringt. Dadurch geht es. Aber das ist auf Dauer auch keine Lösung und das gefährdet auf Dauer auch die Beziehung.<br />
<cite><a class="textlink" href="http://www.erdbeerlounge.de/forum/kummerkasten/keine-lust-mehr-auf-sex-angst-vor-blasenentzuendungen/" target="_blank" rel="noopener">Quelle</a></cite></p></blockquote>
<p>Darauf antwortet &#8222;bananee&#8220;:</p>
<blockquote><p>Oh man, ich verstehe dich so gut. Ich habe auch jahrelang mit Blasenentzündungen gekämpft. War auch mit meinem ersten Freund (der hat sich beim Arzt untersuchen lassen- war alles ok) fast 5 Jahre zusammen und ich habe nach jedem Sex eine Blasenentzündung bekommen. Nachdem ich alles aus der Schulmedizin und der Homöopathie versucht habe war ich mit den Nerven am Ende und das ging auch auf die Psyche. Ich hatte täglich Schmerzen. Ich musste auch monatlich Antibiotika nehmen, da ich nur damit die Blasenentzündungen wegbekam. Ich habe kein einziges Antibiotikum vertragen und mit einer heftigen allergischen Reaktion häufig im Krankenhaus gelandet. Der Urologe konnte wie bei dir auch nichts feststellen. Wie gesagt, nach paar Jahren wurde das bei mir auch psychosomatisch, da ich ja wusste, was passiert wenn ich mit meinem Freund schlafe. Er reagierte zum Glück sehr verständnisvoll und drängte mich zu Nichts. Mittlerweile bin ich 24 und ich hatte seit fast 3,5 Jahren keine Blasenentzündung mehr. Ich bin wieder seit 3 Jahren in einer neuen Beziehung und ich habe trotz viel Sex absolut keine Beschwerden mehr. Leider kann ich dir nicht sagen, was mir geholfen hat- ich weiß es einfach nicht.<br />
<cite><a class="textlink" href="http://www.erdbeerlounge.de/forum/kummerkasten/keine-lust-mehr-auf-sex-angst-vor-blasenentzuendungen/" target="_blank" rel="noopener">Quelle</a></cite></p></blockquote>
<p>Das Internet ist voll von solchen Einträgen, und hätte irgendein Arzt, irgendeine Pharma-Firma gegen die Sex-bedingte Blasenentzündung ein zu 100% wirksames prophylaktisches Mittel, wäre das ein epochaler Meilenstein der Medizingeschichte. Mittlerweile wirken auch die Antibiotika nur noch unzureichend bei Blasenentzündung, das Problem wird immer gravierender. Offiziell geschätzt leiden 25% aller Frauen darunter, und je patriarchalischer eine Gesellschaft ist, desto größer wird diese Zahl noch. Bei weitem nicht jeder Fall gelangt zum Arzt, daher ist die Dunkelziffer unschätzbar hoch. Zahllose Frauen müssen nicht mehr zum Arzt gehen, weil sie sich dem Sex völlig verweigern. Das Leid ist unvorstellbar groß, wird aber als &#8222;Honeymoon-Zystitis&#8220; verharmlost und mit einem Schmunzeln quittiert.<br />
Immer wieder berichten Frauen, dass sie mit einem neuen Partner entweder krank oder automatisch völlig gesund wurden. Offensichtlich spielt also die Wahl des Partners eine Rolle, und wie ebenfalls in den Foren nachlesbar, nicht, weil er sich nicht wäscht oder Bakterienträger ist, sondern aus &#8222;unbekannten Gründen&#8220;. Wir können davon ausgehen, dass eine Urmenschenfrau, die so etwas erlebt hätte, nicht lange überlegt und den betreffenden Mann fortan gemieden hätte. Aber in unserer patriarchalischen Gesellschaft hängen die Existenz der Frau und ihr Status eng mit ihrem Sexualleben zusammen.</p>
<h2 id="wasistmitfemalechoicegemeint">Was ist mit <em>female choice</em> gemeint? &#8211; Definition</h2>
<p>Beim Menschen ist die <em>female choice</em> durch das patriarchale System so undeutlich wie nur möglich gemacht, unter natürlichen Bedingungen ist sie aber deutlicher als bei allen anderen Tierarten. Unter der freien <em>female choice</em> gibt es keinen Zwang zum Sex, sondern jederzeit die freie Wahl</p>
<ul id="liste2">
<li>des Partners,</li>
<li>der Zeit,</li>
<li>des Ortes und</li>
<li>der Art</li>
</ul>
<p>von Sex. Unter frei gelebter <em>female choice</em> hat Sex beim Menschen <b>keine soziale Funktion</b>! Jeder Hintergedanke, z.B. schwanger zu werden oder dem Partner zu gefallen, würde sie bereits einschränken. Erst im Patriarchat müssen Frauen Sex einsetzen, um nicht aus ihrem Sozialgefüge, der Familie, der Partnerschaft bzw. ihrer materiellen Existenz herauszufallen.</p>
<h2 id="cfc"><em>Cryptic female choice</em></h2>
<p>Die <em>female choice</em> findet vor, während und nach dem Verkehr bewusst und unbewusst, &#8222;versteckt&#8220;, statt. Beim ersten persönlichen Kontakt analysiert eine Frau unbewusst die sog. chemotaktischen Signale eines Mannes. Hat er diese Prüfung bestanden, beginnt eine Frau sich für ihn zu interessieren, jedoch bleibt es nicht dabei. Bewusst prüft sie sein Aussehen nun genauer, seinen Geruch, sein Verhalten, seine Intelligenz und seine Worte. Wird alles für passend befunden, kann seitens der Frau freiwilliger Sex stattfinden, wann, wo und wie bestimmt sie ebenfalls.<br />
Während des Sex bewirkt die Erregung der Frau eine Veränderung der Schleimproduktion. Kommt es bei der Frau zum Orgasmus, werden die Spermien regelrecht angesaugt, und eine Schwangerschaft wird wahrscheinlicher. Gelingt es also dem Partner nicht, seine Partnerin zu erfreuen, zieht ihre <em>cryptic female choice</em> erste Konsequenzen. Das bedeutet natürlich nicht, dass eine Frau, die keinen Orgasmus hat, nicht schwanger werden kann.<br />
Nicht das schnellste Spermium gewinnt im Wettrennen, sondern die Spermien werden von der weiblichen Schleimhaut passiv transportiert und von ihrem sauren Milieu sogar angegriffen. Je weiter die Spermien angesaugt werden, desto kürzer ist die Einwirkzeit des sauren Schleims und desto größer sind die Überlebenschancen für die Spermien. Die überlebenden Spermien gelangen dann in die Eileiter, wo eine weitere Hürde auf sie wartet.<br />
Nicht das erste Spermium gelangt in die Eizelle, sondern dasjenige, welches sie hereinlässt (Vgl. <span class="x193iq5w xeuugli x13faqbe x1vvkbs x1xmvt09 x1lliihq x1s928wv xhkezso x1gmr53x x1cpjm7i x1fgarty x1943h6x xudqn12 x3x7a5m x6prxxf xvq8zen xo1l8bm xzsf02u x1yc453h" dir="auto">Fitzpatrick <em>et al.</em> 2020</span>). Das Spermium verschmilzt dann nicht mit dem Ei, sondern das Ei verarbeitet lediglich seine DNA, also das Gen-Molekül, das im Spermium enthalten ist. Beginnt die Eizelle sich danach zu teilen und wächst ein Embryo heran, prüft der weibliche Körper die Lebensfähigkeit des heranwachsenden Kindes und entscheidet, ob es zur Geburt kommen wird oder zu einer Fehlgeburt bzw. Frühgeburt. Die meisten Frauen wissen gar nicht, dass sie schon viele Fehlgeburten hatten, ja es kommt aufgrund der <em>cryptic female choice</em> zu mehr Fehlgeburten als zu Geburten. Nach der Geburt, bevor das Kind abgestillt wird, verhindert die <em>female choice</em> eine weitere Schwangerschaft.</p>
<h2 id="warum">Warum <em>female choice</em>?</h2>
<p>Ein möglicher Grund, warum die <em>female choice</em> in der Natur eine so große Rolle spielt, ist das höhere Investment, das die Weibchen bei der Fortpflanzung betreiben. Sie stellen dem Nachwuchs ihren Körper für sehr lange Zeit zur Verfügung und tragen die größte Arbeitslast. Dieser Aspekt ist leider oft der einzige, der angeführt wird und damit erscheint die <em>female choice</em> lediglich als eine Art Geschäft. Schon für Vögel, bei denen beide Partner an der Brutpflege beteiligt sind, greift dieses Argument nicht.</p>
<p>Immer wieder wird behauptet, der Sinn der <em>female choice</em> bestünde darin, dass die Frau einen starken Mann auswählen muss, der ihre Kinder am besten ernähren kann. Diese Behauptung beruht auf der falschen Annahme, dass es schon in der Altsteinzeit die Familie aus Vater, Mutter und Kind gab. Die <em>female choice</em> endet aber nicht mit einer Eheschließung, sondern sie bleibt der Frau lebenslang erhalten. Da ihre Kinder viele Jahre ernährt werden müssen, hätte das der falschen Annahme folgend bedeutet, dass eine Frau viele Jahre ihre <em>female choice</em> hätte unterdrücken müssen. In der Altsteinzeit tat sie dies jedoch nicht, sondern folgte dem lauten Ruf der Natur. Auch in der Realität des Patriarchats brechen viele Frauen aus. Die <em>female choice</em> ist eine mächtige Größe, die sich nicht vollständig unterdrücken lässt. Das Treuegelöbnis der Ehe wurde schon immer von beiden Partnern umgangen. Bei den Männern galten Eskapaden als Kavaliersdelikt, und man bedauerte sie dafür, wenn sie von ihrer Frau nicht geliebt wurden. Frauen blieb, wie dem Werther, oft nur die heimliche, unglückliche Verliebtheit oder die heimliche Abtreibung. Im Schnitt ist dennoch jedes zehnte Kind ein Kuckuckskind, das Ergebnis der heimlich ausgeübten <em>female choice</em>. Die Anthropologen nennen das &#8222;Gen-Shopping&#8220;.</p>
<p>Wir werden sehen, dass die frei gelebte <em>female choice</em> Bedingungen schafft, die einen Ernährer überflüssig machen. Die wahren Kriterien, die die <em>female choice</em> so bedeutsam machen, sind völlig andere. Die <em>female choice</em> ist auch keine rein persönliche Angelegenheit, vielmehr hat sie evolutionäre Tragweite:</p>
<p>1. Sie verändert das Aussehen und das Verhalten der Arten und bewirkt damit Vielfalt.</p>
<p>2. Sie sorgt für genetische Vielfalt und die Gesundheit der Population.</p>
<p>3. Sie verhindert eine Schwangerschaft in belastenden Fällen.</p>
<p>4. Sie sorgt für ein artgemäßes Zahlenverhältnis der Geschlechter.</p>
<p>5. Sie verhindert Überbevölkerung.</p>
<p>6. Sie führt zu Matrifokalität und damit zu größtmöglicher Solidarität unter den Sippenmitgliedern, zu Fürsorge und Kooperation.</p>
<p>Warum ist das so? Betrachten wir diese Funktionen im Einzelnen:</p>
<h3 id="av">1. Aussehen und Verhalten der Arten, Vielfalt</h3>
<p>Der Ornithologe Richard O. Prum beschreibt, wie die <em>female choice</em> bei den Vögeln die &#8222;Schönheit&#8220; der Männchen hervorbringt. Weibchen wählen ihm zufolge nicht nur nach chemotaktischen Erwägungen, sondern einfach nach persönlicher Vorliebe. Die Schönheit der Männchen scheint keinerlei anderen Sinn zu haben, als ein Weibchen zu beeindrucken. Das auffällige Gefieder enttarnt die Männchen aber auch und macht sie zu leicht zu entdeckenden Beutetieren. Die erst in zweiter Linie wirkende Natürliche Selektion wirkt dabei als &#8222;zusätzliche Stellschraube&#8220;. Die Färbung, der am ehesten die Gratwanderung zwischen Schönheit und gefährlicher Auffälligkeit gelingt, wird einer Art eigen.<br />
An Anolis-Leguanen auf den Großen Antillen haben Jonathan Losos und sein Team nicht nur die sog. Konvergenz erforscht &#8211; das ist das Phänomen, dass sich an verschiedenen Orten mit ähnlichen Bedingungen auch ähnliche Arten entwickeln &#8211; sondern auch entdeckt, dass die Evolution extrem schnell ablaufen kann, und innerhalb weniger Generationen völlig neue Arten entstehen können. Das zeigt, dass die <em>female choice</em> nach optischen Kriterien extrem flexibel reagieren kann, und eine Art nicht sofort vor dem Aussterben stehen muss, wenn sich die Bedingungen kurzfristig ändern.</p>
<p>Übertragen auf uns Menschen können wir sagen, dass auch eine Frau &#8222;schöne Männer&#8220; mit einem freundlichen Verhalten bevorzugt. Schönheit liegt dabei im Auge der Betrachterin und ist mehr als Optik. Im Patriarchat mit seiner rudimentären Form der <em>female choice</em> &#8211; wenn sie überhaupt gelebt werden darf &#8211; treten andere Kriterien wie Status und Vermögen hinzu, die bereits weitgehend von den natürlichen Eigenschaften eines Mannes abgetrennt sind. In dem Moment, wo die <em>female choice</em> aufgrund patriarchaler Zwänge und Werte nicht mehr frei gelebt werden kann und darf, sind die Grenzen zur <a class="textlink" href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2019/11/28/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung/" target="_blank" rel="noopener">MENSCHENZUCHT</a> überschritten.</p>
<h3 id="vg">2. Genetische Vielfalt und Gesundheit der menschlichen Population.</h3>
<p>Eine Frau, die ihre <em>female choice</em> frei auslebt, hat immer wieder neue Partner. Im Idealfall hat jedes ihrer Kinder einen anderen Vater. Die Chemotaxis selektiert dabei Männer, die besonders gut zu den Genen der Frau passen, d.h. sich unterscheiden. Eine starke Durchmischung der Gene und die exogame Sexualität &#8211; bei uns Menschen die matrilokale Ausübung der Exogamie &#8211; verhindern, dass zu häufig zwei Chromosomensätze aufeinandertreffen, die die gleichen Schäden aufweisen und daher nicht mehr kompensiert werden könnten. Die <em>female choice</em> verhindert in der Regel, dass Geschwister miteinander Sex haben. Im seltenen Falle einer Geschwisterliebe sind aber unter dem Idealfall verschiedener Väter statt zwei nun drei verschiedene Genpools an der Entstehung eines Kindes beteiligt, nämlich der der Mutter und die Genpools der beiden unterschiedlichen Väter.</p>
<h3 id="vs">3. Verhinderung von Schwangerschaft in belastenden Fällen.</h3>
<p>Bei starker Unterernährung und bestimmten Krankheiten aber auch bei extremer Arbeitsbelastung oder extremem Sport bleibt die Menstruation ganz aus und es kann keine Schwangerschaft zustande kommen. Sie würde die Frau lebensbedrohlich auszehren und auch für den Fötus stünden nicht genügend Nährstoffe zur Verfügung. Studien belegen, dass bei einem schlechten Ernährungszustand der Mutter die Wahrscheinlichkeit, ein Mädchen zu gebären steigt. Eine Ursache ist, dass männliche Föten die Schwangere mehr Energie kosten und daher häufiger von Fehlgeburten betroffen sind. Weitere Ursachen warten noch auf ihre Entdeckung. Eine empfängnisverhütende Wirkung hat aber vor allem das Stillen. Nicht das Stillen nach Zeitplan und auch nicht häufiges Stillen am Tage verhindert eine Schwangerschaft, sondern allein das Stillen rund um die Uhr, immer dann, wenn das Kind trinken möchte. Dies nützt rückkoppelnd Mutter und Kind, denn Mütter empfinden das Stillen, wenn es unbehindert stattfindet, als Steigerung des Wohlbefindens. Die Natur verlangt einer Frau also nicht ab, die Belastung mehrerer Kinder zur gleichen Zeit zu stemmen, und gestaltet ihre Arbeit zudem angenehm.</p>
<h3 id="zg">4. Artgemäßes Zahlenverhältnis der Geschlechter.</h3>
<p>In patriarchalen Gesellschaften gilt ein Mädchen wenig bis nichts. Der Vater bevorzugt Söhne, und eine Frau, die keine Söhne bekommt, wird dafür schuldig gesprochen. Eine patriarchalisierte Mutter bekommt solange Kinder, bis mindestens ein Sohn, der Erbe, geboren ist. Das sorgt zunächst für viele Töchter. Umgekehrt wird sie nicht absichtlich so viele Söhne bekommen, bis endlich eine Tochter dabei ist. Mädchen werden schlechter ernährt und in vielen Gesellschaften werden weibliche Föten heute abgetrieben, so dass mehr Mädchen im Kindesalter oder vor ihrer Geburt sterben als Jungen. Die <em>female choice</em> jedoch kennt keine Geschlechterdiskriminierung, allerdings kommt es bei einer schlechten Ernährung der Mutter häufiger zu Fehlgeburten, wovon männliche Föten stärker betroffen sind (siehe Punkt 3). Zudem sind bis zum Erwachsenenalter Jungen gefährdeter als Mädchen, und zwar aufgrund ihrer Konstitution und aufgrund ihres Verhaltens. Es werden also in der Natur etwas mehr Mädchen als Jungen geboren und erwachsen. Dies gleicht einerseits die (in der Natur allerdings geringe) Müttersterblichkeit aus, und ist andererseits in der Gruppe von Vorteil, weil Mädchen sich stärker an der Betreuung von Geschwistern beteiligen.<br />
Gerade entdeckt wurde die Strategie der Cryptic Female Choice beim Asiatischen Baumwollwurm, mittels vererbter Viren-RNA männliche Embyonen abzutöten. Ähnliche Strategien sind auch bei anderen Insektenarten länger bekannt. (Vgl. RND/DPA 2023)<br />
Da Spermien mit Y-Chromosom leichter sind als mit X-Chromosom, können Reproduktionsmediziner das Geschlecht vor der künstlichen Befruchtung <a href="https://nationalgeographic.de/wissenschaft/2023/04/das-geschlecht-des-babys-beeinflussen-studie-stellt-neue-treffsichere-methode-vor/" target="_blank" rel="noopener">herausfiltern</a>. Dieser Gewichtsunterschied kann auch auf natürlichem Wege dem Ei signalisieren, ob es sich um ein &#8222;männliches&#8220; oder &#8222;weibliches&#8220; Spermium handelt. Auf diese Weise könnte das Ei das Geschlecht wählen, dies ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Eine <a href="https://hsph.harvard.edu/news/biological-sex-at-birth-isnt-random-study-finds/" target="_blank" rel="noopener">Studie</a> von 2025 zeigt jedoch bereits, dass <span dir="auto"><span class="" dir="auto">das Geschlecht eines Kindes offenbar mit dem Alter der Mutter, bestimmten Genen und dem Geschlecht der älteren Geschwister zusammenhängt.</span></span></p>
<h3 id="uev">5. Verhinderung von Überbevölkerung.</h3>
<p>Eine Frau, die ihre <em>female choice</em> lebt, hat nicht mehr Sex als eine patriarchale Frau, sondern weniger. Im patriarchalen Ehebett ist die Ehefrau den sexuellen Begierden ihres Mannes schutzlos ausgeliefert. Er glaubt, ein Recht auf Sex zu haben, sie glaubt, ihm dies geben zu müssen. Entsprechend schnell wird sie kurz aufeinanderfolgend und damit häufiger schwanger. Ein Kind ist die beste Verhütung, diesen Spruch kennen dagegen viele moderne Eltern, angeblich eine Folge von Überlastung und Müdigkeit. Unter natürlichen Bedingungen schläft der Vater gar nicht im Bett der Mutter, sondern dort liegt ihr Kind. Denn mit dem Ende der Verliebtheit nach ca. 3 Monaten geht auch das Bedürfnis der Frau mit diesem Mann zu schlafen stark zurück bzw. verschwindet ganz. Daher ist das Paar meist schon lange getrennt, wenn die Geburt stattfindet. Das Baby hat daher jederzeit Zugang zur Milchquelle, auch wenn die Mutter schläft. In dieser bis zu fünf Jahre dauernden Stillzeit bewirken die Still-Hormone, dass die Mutter nicht schwanger wird (siehe Punkt 3) und sie hat oft auch keinen neuen Liebhaber, weil sie in ihr Baby verliebt ist. Die menschliche Natur kennt zudem keinen Zwang zur Mutterschaft. Viele Frauen bleiben unter natürlichen Bedingungen kinderlos. Der <em>female choice</em> kommt aus diesen Gründen die Schlüsselstellung bei der Verhinderung von Überbevölkerung und deren Folgen zu.</p>
<h3 id="sfk">6. Matrifokalität: Solidarität, Fürsorge und Kooperation.</h3>
<p>Der Mensch ist ein sehr soziales Wesen, das ohne eine Fokussierung auf die Frau mit ihrem Kind, also auf die Mutter, in der Wildnis nicht hätte überleben können. Die lange Baby- und Kleinkindphase machte es erforderlich, dass die Gruppe auf das Wohlergehen von Mutter und Kind ausgerichtet war. Mütter haben das Überleben der Gruppe gesichert, indem sie auch als Großmütter, Schwestern, Töchter und Cousinen der mütterlichen Linie zusammenhielten und sich gegenseitig über die lange Kleinkind- bzw. Stillzeit hinweghalfen. In der &#8222;Sippe&#8220; genannten Gruppe hielten auch die männlichen Mitglieder solidarisch zu ihnen und fühlten sich für die blutsverwandten Kinder mitverantwortlich, obwohl es nicht ihre leiblichen Kinder waren.</p>
<p>Unter der <em>female choice</em> binden sich Frauen nicht lange an Männer und haben dafür wechselnde Liebhaber. Daher ist der biologische Vater eines Kindes unsicher oder unbekannt. Alle Kinder einer Mutter gelten als Vollgeschwister und sie führen sich auf sie allein zurück. Eine Mutter wird für ihre Schwangerschaft nicht im negativen Sinne verantwortlich gemacht, sondern es gilt als selbstverständlich, dass eine Frau Kinder bekommt. Diese Kinder sind in der Sippe hochwillkommen. Jedes Kind wird geachtet und geliebt, und von allen, auch den männlichen Mitgliedern betreut. Die Natur bürdet also die Belastung durch die Kinder nicht der Mutter alleine auf.<br />
In matrifokalen Gemeinschaften sind alle Menschen über die Mutter blutsverwandt. Der biologische Vater hat keine Bedeutung, also können Väter keinen Einfluss auf ihre Kinder ausüben. Das Vaterrecht ist also kein Naturgesetz, sondern kulturell hergestellt. Das heißt aber nicht, dass die Männer generell keine Bedeutung hätten. Sippen sind egalitäre Gemeinschaften, denn die Männer haben hier ein anderes Selbstverständnis. Sie fühlen sich als Söhne, Brüder, Onkel und Cousins und kümmern sich um alle Kinder der Sippe, können aber keine Macht über sie ausüben, denn sie können ihre Angehörigen nicht mit dem Entzug eines Erbes erpressen oder andere Machtmittel einsetzen, vor allem aber fehlt ihnen das Verlangen danach. Auch die Mütter üben keine Macht aus, sondern haben aufgrund ihres Status als Urmütter der Sippe, der Bindung der Kinder an sie und ihres Wissens Autorität. Statt Hierarchien gibt es also Autoritäten, die aber auch männlich sein können.</p>
<p>Stets wird die überragende Bedeutung der Jagd für die Entwicklung unseres Sozialverhaltens beschworen. Sie ist aber allenfalls zweitrangig.</p>
<blockquote><p>Auch wenn der Jäger noch so geschickt ist, ist das Aufspüren und Töten von Beutetieren ein riskantes Unterfangen mit unbestimmtem Ausgang. Ein Mann kann jeden Tag auf die Jagd gehen und trotzdem wochenlang mit leeren Händen heimkehren. Ein Jäger (&#8230;) kann sich den Misserfolg leisten, weil er davon ausgehen kann, einen Anteil an den von den Frauen gesammelten Früchten, Nüssen und Knollen zu erhalten, und auch weil andere Männer an diesem Tag mehr Glück haben mögen.<cite>BLAFFER HRDY 2010, S. 27</cite></p></blockquote>
<p>In ihrem Buch &#8222;Mutter Natur&#8220; weist Sarah Blaffer Hrdy daraufhin, dass es den Jägern weit mehr um &#8211; wörtlich &#8211; Angeberei geht, als darum, Fleisch für die Kinder ins Lager zu tragen (BLAFFER HRDY 2000, S. 312).<br />
Wir können davon ausgehen, dass die Jagd überwiegend eine sexuelle Aufgabe erfüllte. Die Männer verlassen die Sippe für Sex und die Jagd, und schließen sich mit Männern anderer Sippen zusammen, um den Jagderfolg zu erhöhen. Männer haben daher Übung in friedlichen Außenkontakten: sich einander fremde Männer entwickelten gegenseitiges Vertrauen und Männerfreundschaften, eine selektierte Eigenschaft, die von der Sippe entsprechend genutzt wurde, ohne dass die Männer daraus Macht bezogen hätten.<br />
Sie bekamen damit Zutritt in andere Sippen zu ihnen nicht verwandten Frauen. Auf diese Weise wurde die matrilokale Ausübung der Exogamie gefördert. Ein Mann, der viele männliche Freunde in anderen Sippen hatte, hatte auch häufiger Gelegenheit, eine Frau kennenzulernen.</p>
<p>Sex wurde aber nicht gegen Fleisch getauscht, wie es gerne phantasiert wird. Ein solches Tauschgeschäft wäre nicht im Gleichgewicht mit der <em>female choice</em>. Die Ernährung bestand zu 75% aus von Frauen gesammelter Nahrung. Tierisches Eiweiß stand dabei auch über von Frauen gesammelte oder gefangene Kleintiere und Eier zur Verfügung.</p>
<p>Die Kooperation in der Sippe bedeutete, dass Mütter immer auch Zeit für anderes hatten. So gilt heute als gesichert, dass sie die wesentlichen Erfindungen der Menschheit machten, die den Menschen von der übrigen Fauna unterscheiden: die Tragevorrichtung für das Baby, Tragebeutel und Sammeltasche in einem, mit dem die Mutter die Hände frei bekam, die Herstellung von Kleidung aus Pflanzenfasern und Tierfellen, das Zelt, die Flechtkunst, die Fischreuse, die Weberei, das Kochen, die Töpferei und die bildende Kunst. Frauen stellten die Werkzeuge ihrer Technologien selbst her. Als Kennerinnen der Pflanzenwelt und als Hebammen erfanden sie die Medizin und durch Mondbeobachtung den Menstruationskalender. Als Heilerinnen und Schamaninnen waren sie spirituelle Autoritäten. Sie stellten ihre Produkte anderen zur Verfügung: wo ein Problem war, halfen sie selbstlos. Zu Beginn der Jungsteinzeit erfanden sie die Landwirtschaft in Hack- bzw. Gartenbau und zogen Tierkinder auf, die sie in der Wildnis gefunden hatten. Sie waren am Hausbau beteiligt, indem sie Flechtwände herstellten, mit Lehm abdichteten und Dächer mit ihren geflochtenen Matten oder mit Stroh abdeckten.<br />
Die Menschheit wanderte, so geht es aus Berechnungen hervor, etwa 10 km pro Generation voran. Diese Wanderung, der Auszug aus Afrika, geht auf die Frauen zurück, wie genetische Untersuchungen es aufdeckten. Nicht Verheiratung bzw. Patrilokalität waren dafür der Grund, sondern ihre Neugier, die Notwendigkeit der Suche nach neuen Sammelgründen, bei denen sie nebenbei auch Gelegenheit hatten, neuen Männern zu begegnen. Die Männer, die übers Jahr den festen Pfaden der Tiere folgten, kehrten dagegen stets zum Ursprung zurück. Die Suche nach neuen Jagdgründen wurde erst notwendig, wenn sich die Sippe zu weit von den alten entfernt hatte, bzw. wenn sich die naturräumlichen Bedingungen änderten. Männer wie Frauen beobachteten auch die Sterne, um sich orientieren zu können und aus Neugier. Die Männer entwickelten und perfektionierten schon früh ihre Jagdwaffen, stellten Werkzeuge zu deren Herstellung und zur Zerkleinerung der Jagdbeute her und erfanden zum Fischen auch das Boot, für das sie Bäume fällten. Sie erfanden wahrscheinlich auch die ersten Musikinstrumente, Flöten aus Vogelknochen. Wahrscheinlich tauschten Männer auch schon früh ihre Produkte. In der Jungsteinzeit waren sie am Hausbau beteiligt, sie errichteten die Pfostenwerke der Häuser aus dicken Baumstämmen. Das Hüten der wenigen Rinder gehörte zu ihren Aufgaben. Fern der Sippe wandten sie das als Kind erlernte Wissen an, um in der Wildnis wenige Tage überleben zu können, dazu gehörte das Sammeln und die Erstversorgung von Wunden.<br />
Die Arbeitsteilung der Geschlechter war bald ausgeprägt, aber wenige Frauen übten auch die Großwildjagd, während manche Männer z.B. auch Kleidung herstellten. Trotz der Arbeitsteilung gab es keinen Besitz, allen gehörte alles, weil alle alles zum Überleben brauchten. Die matrilineare Kooperation von Frauen und Männern ist in der Tierwelt einzigartig und macht den Erfolg der Menschheit aus.</p>
<h2 id="menschenrecht">Menschenrecht <em>female choice</em>.</h2>
<p>Die Zusammenarbeit beider Geschlechter in der Sippe, in der die Mütter und Kinder stets im Zentrum der Fürsorge standen, ist das Erfolgsgeheimnis der menschlichen Evolution, unseres Menschseins. Die <em>female choice</em> als Basis dieser Kooperation kommt also nicht der Frau allein zugute, sondern allen Menschen, denn der Mann kommt aus der Frau und nicht umgekehrt. Die <em>female choice</em> ist nicht nur ein Frauenrecht, sondern ein echtes Menschenrecht, und die Männer täten auch im eigenen Interesse gut daran, sie zu achten.</p>
<h2 id="irrtum">Patriarchat, der fatale Irrtum von der Frau als Gefäß des &#8222;Samens&#8220;.</h2>
<p>Die ersten Patriarchen überhaupt, nomadische Viehzüchter der eurasischen Steppe und der vorderasiatischen Bergwelten, glaubten dagegen erkannt zu haben, dass der Stier die Kuh, der Hengst die Stute oder der Widder das Schaf befruchtet, was ja &#8222;mit einer Frucht versehen&#8220; bedeutet, und verrannten sich in der Annahme, dass die Frau nur das Gefäß des Samens sei, gewissermaßen ein Obstkorb. Männliche Überheblichkeit wurzelt auf diesem Irrtum. Auf dieser Basis forderten <a class="textlink" href="explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht.htm" target="_blank" rel="noopener">vor 8200 Jahren</a> Männer erstmals das Vaterrecht ein, ein für die Evolution der Menschheit von <a class="textlink" href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2020/05/02/neue-studie-zeigt-die-matrifokalitaet-ist-ueber-3-millionen-jahre-alt/" target="_blank" rel="noopener">mindestens 3 Millionen Jahren</a> verschwindend kleiner Zeitraum.</p>
<p>Goethe schrieb im &#8222;Werther&#8220;:</p>
<blockquote><p>So sehnt sich der unruhigste Vagabund zuletzt wieder nach seinem Vaterlande und findet in seiner Hütte, an der Brust seiner Gattin, in dem Kreise seiner Kinder, in den Geschäften zu ihrer Erhaltung die Wonne, die er in der weiten Welt vergebens suchte. Wenn ich des Morgens mit Sonnenaufgange hinausgehe nach meinem Wahlheim und dort im Wirtsgarten mir meine Zuckererbsen selbst pflücke, mich hinsetze, sie abfädne und dazwischen in meinem Homer lese; wenn ich in der kleinen Küche mir einen Topf wähle, mir Butter aussteche, Schoten ans Feuer stelle, zudecke und mich dazusetze, sie manchmal umzuschütteln: da fühl&#8216; ich so lebhaft, wie die übermütigen Freier der Penelope Ochsen und Schweine schlachten, zerlegen und braten. Es ist nichts, das mich so mit einer stillen, wahren Empfindung ausfüllte als die Züge patriarchalischen Lebens, die ich, Gott sei Dank, ohne Affektation in meine Lebensart verweben kann.</p></blockquote>
<p>Goethe schrieb diese Sätze, die mit sexuellen Anspielungen gespickt sind und ein Nomadenleben zeichnen, ohne über die Entstehung des Patriarchats im Bilde gewesen zu sein!</p>
<p>Die Vorstellung von der Frau als Gefäß hielt mit den erobernden, nomadischen Indoeuropäern vor grob 6000 Jahren auch im ackerbäuerlichen Leben Einzug, wo die Ackerfurche mit den weiblichen Geschlechtsorganen gleichgesetzt wurde. Der Sämann wurde dort der Herr über das Leben der Pflanzen, wo ursprünglich die Frauen den Ackerbau ersannen und die Felder bestellten. Dabei ist der vermeintliche Samen im biologischen Sinne lediglich Pollen. Seine Unfähigkeit zu gebären, führte dem Patriarchen jedoch seine Abhängigkeit vor Augen. Der daraus resultierende Gebärneid wurde ideologisch verarbeitet. An dieser Stelle erfanden Patriarchen den männlichen Gott, <a class="textlink" href="venus-vom-hohle-fels.htm" target="_blank" rel="noopener">den es bis dahin gar nicht gab</a>, und die <a class="textlink" href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/01/17/warum-man-sich-von-gott-kein-bild-machen-soll/" target="_blank" rel="noopener">Theologie, die ihn legitimierte</a>.<br />
Regional unterschiedlich waren dies ein Sonnengott oder ein Wettergott (der Sonderfall des Vegetationsgottes war ihre Vorstufe). Diese Götter wurden nun schwanger und gebaren in Ermangelung der weiblichen Organe Kinder aus verschiedenen Körperteilen. Der darauf einsetzende Stillneid wurde mit dem Konzept des Wettergottes kompensiert, dessen Ejakulat mit der Milch gleichgesetzt wurde und der als Ursprung des fruchtbaren Regens ansehen wurde. Jetzt fühlte sich der Patriarch unsterblich und allmächtig, denn als Wettergott konnte er auch mit Sintfluten alles wieder zerstören. Nun begann der Mann auch den Menschen nach seinen Vorstellungen zu züchten. Dabei spielen bis heute die primären Geschlechtsorgane der Frau eine Rolle, aber auch ihre Intelligenz, die nicht zu hoch sein darf, sowie ihre Herkunft und ihre Mitgift. Schönheitsideale wurden entwickelt und selektiert. Daneben begann auch die Frau, den besonders kühnen und starken Ernährer zu bevorzugen, der zudem noch gewaltbereit war. &#8222;Er formte den Menschen nach seinem Bilde&#8220;, so steht es sinngemäß im Alten Testament.<br />
Heute wissen wir, dass die Vorstellung von der Frau als Gefäß nicht nur falsch ist, sondern dass wir mehr Mutter als Vater sind.</p>
<h2 id="mehrmutter">Deutlich mehr als 50% Mutter</h2>
<ul id="liste3">
<li>Mit ihrer <em>female choice</em> wählt eine Frau den Vater ihres Kindes aus &#8211; sie bestimmt also über die Zusammensetzung der Gene des Kindes &#8211; und mit der <em>cryptic female choice</em> auch über dessen Geschlecht.</li>
<li>Die Mitochondrien, also die Kraftwerke der Zelle, die Lebenskraft, werden immer nur von der Mutter vererbt.</li>
<li>Bei einer Tochter stammen etwas mehr als 50% der Gene im Zellkern von der Mutter, bei einem Sohn sogar deutlich weniger als 50% vom Vater, weil er von ihm lediglich das kleinere Y-Chromosom erbt. Auf dem X-Chromosom liegen <a href="https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Das-X-Chromosom-ist-fuer-die-Hirnfunktionen-ungewoehnlich-wichtig-334143.html" target="_blank" rel="noopener">1098 Gene</a>, auf dem Y-Chromoson nur 63 Gene. Bei allen Menschen sind im Schnitt 4,7 mitochondriale Einschübe in der Kern-DNA zu finden. Bei ca. jedem 4000. Menschen werden Teile der <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitochondrien-dna-torpediert-lehrmeinung/" target="_blank" rel="noopener">Mitochondrien-DNA in den Zellkern eingebaut</a> und väterliche Gene dabei anteilig verdrängt, wodurch ihr Gesamtanteil auch bei Mädchen unter 50% sinkt. Mit zunehmendem Alter <a href="https://www.scinexx.de/news/medizin/y-chromosom-verlust-macht-maenner-kraenker/" target="_blank" rel="noopener">verlieren sogar</a> immer mehr Körper- und Blutzellen der Männer ihr Y-Chromosom.</li>
<li>Im frühen Embryo laufen dramatische Reprogrammierungsprozesse ab, die fast vollständig unter mütterlicher Kontrolle, d.h. vom weiblichen Genom, gesteuert werden. Im Gegensatz zum Spermium liefert die befruchtete Eizelle nicht nur das mütterliche Genom, sondern auch die zelluläre Maschinerie für die Reprogrammierung von väterlichem und mütterlichem Genom. (paraphr. n. HAAF 2003, S. A2304)</li>
<li>Der für die Entstehung eines Kindes relevante männliche Anteil wiegt 3,65 Billionstel Gramm; das ist das Gewicht eines halben Chromosomensatzes. Die gesamte Masse des Kindes wird allein vom mütterlichen Körper gebildet. Das Kind ist &#8222;Fleisch und Blut&#8220; nur der Mutter.</li>
<li>Die Mutter trägt das Kind neun Monate. Das Genom wird während der Schwangerschaft epigenetisch verändert: Hormone der Mutter, Erleben der Mutter und Umweltfaktoren schalten Gene aus oder an.</li>
<li>Wir alle tragen Originalzellen unserer Mutter und Großmutter mütterlicherseits in uns. Diese Entdeckung wird Mikrochimärismus genannt. Die Zellen enthalten also nicht unseren eigenen DNA-Code. Das bedeutet, dass Männer weibliche Zellen in sich tragen, umgekehrt tragen die Mütter die Zellen ihrer Kinder in sich, was eine lebenslange körperliche Verbindung bedeutet, die Väter nicht herstellen können.</li>
<li>Bei der Geburt wird das Kind mit den lebensnotwendigen Darmkeimen der Mutter geimpft.</li>
<li>Die Mutter stillt und gibt dem Kind damit mehr als Geborgenheit und Nahrung: über die Milch nimmt es Immunglobuline und weitere Stoffe auf, die sein Leben prägen werden.</li>
<li>Die Mutter ist bei allen Sorgen und Nöten des Kindes der erste Anlaufpunkt. Es schöpft aus der Mutter sein Urvertrauen.</li>
</ul>
<h2 id="erzfeind">Die <em>female choice</em> als Erzfeind des Patriarchats.</h2>
<p>Die erste Maßnahme des Patriarchats war die Ausschaltung der <em>female choice</em>, salopp gesagt brachte es die weibliche Sexualität unter Kontrolle. Der Patriarch stellt mit der Ehe die &#8222;male choice&#8220; her, die es in der Natur nicht gibt. Zu Beginn des Patriarchats, in der mittleren Jungsteinzeit, war <a class="textlink" href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" target="_blank" rel="noopener">Frauenraub</a> die einzige Möglichkeit, eine Frau in die Ehe zu zwingen. Zahllose Massaker wie die von Talheim, Asparn Schletz, Schöneck-Kilianstätten oder Koszyce<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup> legen davon ein archäologisches Zeugnis ab; ein genetischer Flaschenhals der Y-Chromosomen vor 7000 Jahren belegt das genetisch. Das Patriarchat begann gewaltsam. Frauenraub ist auch in historischer Zeit und in der Gegenwart (Boko Haram, IS) belegt. Die Ehe im großflächig durchgesetzten Patriarchat wird manchmal durch Brautwerbung gestiftet, wobei die Frau ein Vetorecht besitzt. Diese rudimentäre Form der <em>female choice</em> bleibt der Frau bis zur Ehe, danach ist sie dem Ehemann verpflichtet. Doch dies ist die Ausnahme. Die Ehestiftung durch die Eltern findet oft schon zu einer Zeit statt, wo das Mädchen noch nicht weiß, was das für sie bedeutet. Auch die Verheiratung einer erwachsenen Tochter geschieht nie ohne Druck und meist sogar gegen ihren ausdrücklichen Willen. Die Liebesheirat als relativ junge Erfindung folgt der romantischen Vorstellung, einem Zurück zur Natur. Aber auch sie wird per Gesetz zementiert. Goethes Werther verklärt die patriarchalische Zeit der Antike. Dabei befindet er sich immer noch mittendrin im Patriarchat.</p>
<p>Statt mit unserer matrilinearen <b>Sippe</b>, haben wir es im Patriarchat mit der <b>Familie</b> zu tun, deren Oberhaupt der Vater ist und in Abwesenheit der Sohn. Die Familie versteht sich patrilinear und lebt daher auch patrilokal zusammen. Die Frauen befinden sich also in einem fremden Umfeld und sind fremden Männern und Frauen ausgeliefert, welche sie nicht nur befehligen, sondern auch Gewalt gegen sie ausüben. Junge Mütter arbeiten daher am meisten, in einer Zeit, wo ihre Kinder sie am dringendsten bräuchten. Da Frauen in der Altsteinzeit keine Solidarität mit fremden Frauen geübt haben, dieses Verhalten also nur rudimentär selektiert wurde, ist jede fern von ihrer Familie lebende Frau und Mutter bis heute überfordert. Selbst die väterliche Großmutter ist kein Ersatz für die Mutter der Mutter, und richtet sogar noch Schaden an (<a class="textlink" href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/29/die-schwiegermutter-neues-zur-grossmutterhypothese/" target="_blank" rel="noopener">Großmutter-These</a>). Eine Frau sucht sich Freundinnen, die ein Schwester-Ersatz sind, aber oft münden auch Freundschaften im Zickenkrieg. Die Überforderung äußert sich auch in einem schlechten Gewissen, wenn eine Mutter ihr Kind in die Kita bringt. Die Trennung der Mutter vom Kinde ist vom Patriarchat seit jeher gewollt, weil traumatisierte Kinder sich leichter einem Anführer unterordnen. Um die Trennung zu erleichtern, wird der Mutter das Muttersein unerträglich gemacht. Viele Frauen halten Muttersein heute für eine Bürde, die Männer dagegen beneiden sie um ihre Fähigkeit, und der Staat setzt alles daran, die Mutter zu eliminieren.</p>
<h2 id="auswirkungen">Zwischenmenschliche Auswirkungen der Unterdrückung der <em>female choice</em>.</h2>
<p>Die sexuelle Unterdrückung ist kein naturgegebenes Verhalten, wäre dies der Fall, gäbe es die vielen Probleme nicht, die damit verbunden sind. Auch die meisten Zivilisationskrankheiten, Epidemien sowie psychologischen Probleme stehen mit dem Patriarchat in Verbindung. Die Evolution selektierte keine entsprechende verhaltensbiologische Anpassung daran, und auch der weibliche Körper ist nicht an widerwilligen Sex angepasst. Aber heißt das lediglich, dass das <a class="textlink" href="explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht.htm" target="_blank" rel="noopener">8200jährige Patriarchat</a> noch zu jung ist, als dass die Evolution darauf hätte reagieren können? Müssen wir ihr nur mehr Zeit geben? Die <i>female choice</i> ist ein <b>Urinstinkt</b>, der so tief in der Phylogenese aller Lebewesen verankert ist, dass er nicht weggezüchtet werden kann. Und das ist auch gut so, denn in der <i>female choice</i> liegt die einzig humanitäre Lösung aller menschengemachten Probleme, z.B. auch der Umweltzerstörung.</p>
<p>Schon am Anfang des Patriarchats steht die <a class="textlink" href="gewalt.htm" target="_blank" rel="noopener">Gewalt</a> und zwar zunächst mit Entführungen und Vergewaltigung von Frauen und der Tötung ihrer Brüder und Mütter. Mit der Überwachung der Jungfräulichkeit und der vielfach tödlichen Sanktionierung ihres Verlustes vor der Ehe, mit Genitalverstümmelung, Prügeln, Psychoterror, Vergewaltigungen und Erpressung bzw. Androhung der Wegnahme der Kinder wird der Zustand aufrechterhalten. Männer opfern, töten oder missbrauchen ihre Kinder. Die Religionen halten die Heiligen Bücher bereit, in denen die frauenfeindlichen Sitten wie die Züchtigung, das Menstruationstabu oder die Verschleierung vorgeschrieben sind. Die Gewalt steht auch am Ende. Die Last der Kindererziehung liegt in der Familie auf zwei eigentlich fremden Personen, wobei die Mutter die Hauptlast trägt. Konkurrenzkampf und Leistungsdruck terrorisieren jede Familie und entsprechend gering ist die innerfamiliäre Solidarität mit allen psychischen Folgen. Mann und Frau geben sich für die insgesamt unbefriedigende und prekäre Situation meist gegenseitig die Schuld. Und der Mann beschuldigt die Frau, keine Lust mehr zu haben. Die Probleme werden wieder mit Gewalt &#8222;gelöst&#8220;, gegen die Frau, weit seltener gegen den Mann. Mit Prostitution wird das Problem nur umgelenkt. Frauen werden krank und/oder entziehen sich mit Verweigerung, ständigem Streit mit der Familie, Flucht, Selbstmord oder Selbstverteidigung, die aber häufig als Mord abgeurteilt wird, und sie töten ihre Kinder, gezwungenermaßen oder aus Verzweiflung.<br />
Die Frauen dieser Welt sind Kindeskinder von Entführungsopfern des Patriarchats. Als solche sind sie von einem kollektiven Stockholm-Syndrom befallen (Link 1: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html" target="_blank" rel="noopener">Zur peer-reviewten Studie aus HUMAN NATURE</a>, Link 2: <a href="https://www.researchgate.net/publication/267777559_Fitness_Costs_of_Warfare_for_Women" target="_blank" rel="noopener">Original-Studie zum Download</a> Link 3: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Begriff bei Wikipedia</a>, Link 4: nach <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2018/05/10/die-natuerliche-matrifokalitaet-besonderheit-der-menschlichen-spezies/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stephanie Gogolin</a>). Dies erklärt auch die Mitarbeit der Frauen am patriarchalen System und die Verteidigung patriarchaler Werte durch Frauen, wie wir sie z.B. bei &#8222;petit_fleur&#8220; gesehen haben.</p>
<h2 id="gewalt">Gewalt durch Gesetzgebung und Normalität.</h2>
<p>In vielen Gesellschaften ist es der Frau bis heute nicht erlaubt, sich scheiden zu lassen. Viele Frauen werden hingerichtet, weil sie vergewaltigt wurden oder fremdgegangen sind. Die Vergewaltigung in der Ehe gilt dort nicht als Verbrechen, Sex in der Ehe ist Pflicht. Auch in Deutschland gilt der Sex in der Ehe als Kriterium für eine intakte Ehe, er ist eine &#8222;rechtliche Erwartung&#8220;, wenngleich er nicht mehr einklagbar ist, weil die Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt wurde. Dafür bzw. trotzdem nimmt nun die häusliche Gewalt wieder zu. Die <em>female choice</em> ist auch nicht in der UN-Menschenrechtscarta geschützt. Dies wundert nicht, wird dieses Papier doch von Patriarchen abgestimmt.<br />
Ein Menschenrecht wird erst UN-Recht, wenn auch die Männer für sich selbst darin einen Vorteil erkennen. Es sind also die Anthropologen gefragt, dieses Wissen entsprechend zu vermitteln. Eine Aufnahme in die Lehrpläne ist längst überfällig. Die mit der Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai berühmt gewordene Forderung nach dem Schulrecht für Mädchen gehört dazu.</p>
<h2 id="schluss">Schluss.</h2>
<p>Wir ahnen jetzt, dass unserem Werther nicht mehr Patriarchat, sondern KEIN Patriarchat geholfen und das Leben gerettet hätte. Von ihren urologischen Problemen befreit wären auch zahllose Frauen, von denen die Pharmaindustrie so prächtig lebt. Dies sind nur Beispiele; die zahllosen, schweren Probleme der Menschheit sind auf das Patriarchat zurückzuführen. Mit diesem Wissen steht die Lösung schon im Raum.</p>
<p>G. U.</p>
<p>Erstfassung 2015, fortlaufende Aktualisierungen</p>
<h3 id="kritik">Das könnte Sie auch interessieren</h3>
<p><a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice" rel="noopener">&#8222;Antwort auf Meike Stoverocks &#8218;Female Choice&#8216; (2021)&#8220;</a></p>
<h2 id="literatur">Literatur.</h2>
<ul id="liste4">
<li>Alt, Kurt <em>et al.</em>: Insights into the Social Structure of the PPNB Site of Kfar HaHoresh, Israel, Based on Dental Remains. Online-Ressource auf Plos One vom 16.09.2015<a href="https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0134528" target="_blank" rel="noopener">https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0134528</a></li>
<li>Arnold, Carrie: Females&#8216; Eggs May Actively Select Certain Sperm. New evidence challenges the oldest law of genetics. Auf: theatlantic.com vom 25.11.2017 <a class="textlink" href="https://www.theatlantic.com/science/archive/2017/11/choosy-eggs/546062/" target="_blank" rel="noopener">https://www.theatlantic.com/science/archive/2017/11/choosy-eggs/546062/</a><br />
abgerufen am 31.5.2019</li>
<li>Bayer, Johanna: Der Spermien-Mythos. Kein Kampf, kein Wettschwimmen. Auf: WDR-online. 26. Juli 2011<br />
<a class="textlink" href="https://www1.wdr.de/fernsehen/wissen/quarks/sendungen/spermien102.html" target="_blank" rel="noopener">https://www1.wdr.de/fernsehen/wissen/quarks/sendungen/spermien102.html</a></li>
<li>Beicht, Layla: Untersuchung zur Sexualhygiene bei arabischen und deutschen Patientinnen. Dissertation München 2006<br />
<a href="https://edoc.ub.uni-muenchen.de/6487/1/Beicht_Layla.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://edoc.ub.uni-muenchen.de/6487/1/Beicht_Layla.pdf</a></li>
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mutter Natur. Die weibliche Seite der Evolution. Berlin 2000</li>
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere. Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat. Berlin 2010</li>
<li>Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter. Norderstedt 2009</li>
<li>Dugatkin, Lee Alan; Godin, Jean-Guy J.: Wie Weibchen Partner wählen. In: Spektrum der Wissenschaft. 1998, Heft 6, S. 72-77. <a class="textlink" href="https://www.spektrum.de/magazin/wie-weibchen-partner-waehlen/824605" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/magazin/wie-weibchen-partner-waehlen/824605</a></li>
<li>Europäische Kommission: Schöne neue Welt? Prototyp einer künstlichen Gebärmutter bietet Hoffnung für Frühgeborene. https://cordis.europa.eu/article/id/411541-brave-new-world-artificial-womb-prototype-offering-hope-for-premature-babies/de 1.10.2019</li>
<li><span class="x193iq5w xeuugli x13faqbe x1vvkbs x1xmvt09 x1lliihq x1s928wv xhkezso x1gmr53x x1cpjm7i x1fgarty x1943h6x xudqn12 x3x7a5m x6prxxf xvq8zen xo1l8bm xzsf02u x1yc453h" dir="auto">Fitzpatrick, J. L.; Evans, J. P.; Short, R. V.: Chemical signals from eggs facilitate cryptic female choice in humans. In: Proceedings of the Royal Society B, 287, Online-Ressource vom 08.05.</span><span class="x193iq5w xeuugli x13faqbe x1vvkbs x1xmvt09 x1lliihq x1s928wv xhkezso x1gmr53x x1cpjm7i x1fgarty x1943h6x xudqn12 x3x7a5m x6prxxf xvq8zen xo1l8bm xzsf02u x1yc453h" dir="auto">2020</span><span class="x193iq5w xeuugli x13faqbe x1vvkbs x1xmvt09 x1lliihq x1s928wv xhkezso x1gmr53x x1cpjm7i x1fgarty x1943h6x xudqn12 x3x7a5m x6prxxf xvq8zen xo1l8bm xzsf02u x1yc453h" dir="auto"> auf <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32517615/" target="_blank" rel="noopener">https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32517615/</a></span></li>
<li>Gimbutas, Marija: Die Zivilisation der Göttin. Dt. Ausg. Frankfurt 1996</li>
<li>Goethe, Johann Wolfgang von: Die Leiden des jungen Werther. Auf: Gutenberg-Projekt. <a class="textlink" href="https://www.gutenberg.org/cache/epub/2407/pg2407.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.gutenberg.org/cache/epub/2407/pg2407.html</a></li>
<li>Grätzel von Grätz, Philipp: Das X-Chromosom ist für die Hirnfunktionen ungewöhnlich wichtig. In: ÄrzteZeitung, online-Ressource vom 22.04.2005, abgerufen am 23.02.2023. https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Das-X-Chromosom-ist-fuer-die-Hirnfunktionen-ungewoehnlich-wichtig-334143.html</li>
<li>Haaf, Thomas: Geschlechterkonflikt im frühen Embryo. Elternspezifische Reprogrammierung des väterlichen und mütterlichen Erbguts nach der Befruchtung. In: Deutsches Ärzteblatt 2003; 100: A 2300-2308 [Heft 36]
<a href="https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&amp;wo=17&amp;typ=16&amp;aid=38271&amp;s=geschlechterkonflikt" target="_blank" rel="noopener">https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&amp;wo=17&amp;typ=16&amp;aid=38271&amp;s=geschlechterkonflikt</a></li>
<li>Hatt, Hanns; Dee, Regine: Niemand riecht so gut wie du. Aus: Spektrum der Wissenschaft online vom 09.01.2019, abgerufen am 31.5.2019 <a class="textlink" href="https://www.spektrum.de/kolumne/die-magie-der-duftbotschaften-niemand-riecht-so-gut-wie-du/1617470" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/kolumne/die-magie-der-duftbotschaften-niemand-riecht-so-gut-wie-du/1617470</a></li>
<li>Heidinger, Felix; Sommer, Volker: Strategien der Liebe. Zweiteilige Dokumentation 2001</li>
<li>Iven, Jens Peter: Fehlgeburt: Das Trauma vieler Schwangerer. Auf: Urbia<br />
<a href="https://www.urbia.de/magazin/schwangerschaft/fehlgeburt-das-trauma-vieler-schwangerer" target="_blank" rel="noopener">https://www.urbia.de/magazin/schwangerschaft/fehlgeburt-das-trauma-vieler-schwangerer</a> Stand 2015</li>
<li>Losos, Jonathan B.: Wenn die Evolution sich wiederholt. In: Spektrum der Wissenschaft 5 / 2001, S. 36-42; <a href="https://www.spektrum.de/magazin/wenn-die-evolution-sich-wiederholt/827563" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/magazin/wenn-die-evolution-sich-wiederholt/827563</a>, abgerufen am 23.02.2023</li>
<li>Merkelt, Judith: Mikrochimärismus. Wir Omamutterkind-Mischwesen. Online in:<br />
<a href="https://www.spektrum.de/news/wir-omamutterkind-mischwesen/1345475" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/news/wir-omamutterkind-mischwesen/1345475</a> 10.05.2015</li>
<li>Parson, P; Hoffmann-Ammann, B.: Dogma bestätigt: Nur Mütter vererben mitochondriale DNA. Publikation der Medizinischen Universität Innsbruck online vom 12.03.2021 <a href="https://www.i-med.ac.at/mypoint/news/751726.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.i-med.ac.at/mypoint/news/751726.html</a></li>
<li>Podbregar, Nadja: Mitochondrien-DNA torpediert Lehrmeinung &#8211; Anders als gedacht kann mitochondriale DNA in das Zellkern-Erbgut eingebaut werden. In: Scinexx.de vom 07.10.2022 <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitochondrien-dna-torpediert-lehrmeinung/" target="_blank" rel="noopener">https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitochondrien-dna-torpediert-lehrmeinung/</a></li>
<li>Podbregar, Nadja: Y-Chromosom: Verlust macht Männer kränker &#8211; Im Alter wegmutiertes Geschlechtschromosom schädigt Herz und Organe. In: Scinexx.de vom 15.07.2022 <a href="https://www.scinexx.de/news/medizin/y-chromosom-verlust-macht-maenner-kraenker/" target="_blank" rel="noopener">https://www.scinexx.de/news/medizin/y-chromosom-verlust-macht-maenner-kraenker/</a></li>
<li>Prum, Richard O.: The Evolution of Beauty. How Darwin’s Forgotten Theory of Mate Choice Shapes the Animal World – and Us. New York 2017</li>
<li>RND/DPA: Männerkiller im Gewächshaus entdeckt &#8211; Ein Virus tötet ausschließlich Männchen – aber warum? Auf: Redaktionsnetzwerk Deutschland rnd.de vom 10.11.2023 <a class="textlink" href="https://www.rnd.de/wissen/virus-toetet-ausschliesslich-maennchen-aber-warum-DYVHKLO6ARGJZGJVLIVAKVW4NY.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.rnd.de/wissen/virus-toetet-ausschliesslich-maennchen-aber-warum-DYVHKLO6ARGJZGJVLIVAKVW4NY.html</a> abgerufen am 10.11.2023</li>
<li>Schulz, Matthias: Multikulti in der Steinzeit. In: Der Spiegel Nr. 6, 31.1.2015, S.118-119 <a class="textlink" href="https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-131578982.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-131578982.html</a></li>
<li>Schwarzer, Alice: Ask Alice! Gibt es ein Menschenrecht auf Sex? In: EMMA online vom 4. Mai 2015 <a href="https://www.emma.de/artikel/ask-alice-gibt-es-ein-menschenrecht-auf-sex-330063" target="_blank" rel="noopener">https://www.emma.de/artikel/ask-alice-gibt-es-ein-menschenrecht-auf-sex-330063</a> abgerufen am 4. Mai 2015</li>
<li>Seewald, Berthold: So wehren sich gefangene Frauen gegen die Peiniger. Über Jahrtausende hinweg waren Frauen Opfer feindlicher Übergriffe. Aus dieser Erfahrung heraus entstanden Überlebensstrategien wie das Stockholm-Syndrom, sagt eine Evolutionspsychologin. Aus: WELT online, veröffentlicht am 26.11.2014 <a class="textlink" href="https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html</a></li>
<li>Small, Meredith F.: Female choices. Sexual Behavior of female Primates. Ithaca/London 1995</li>
<li>Spiegel-Online: Höhen-Gen: Urmenschen-Erbe gibt Tibetern Kraft<br />
<a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/hoehen-gen-der-tibeter-stammt-vondenisova- menschen-sibiriens-a-978933.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/hoehen-gen-der-tibeter-stammt-vondenisova-<br />
menschen-sibiriens-a-978933.html</a> 03.07.2014</li>
<li>von Streit, Cornelia: Der Mythos vom Jungfernhäutchen. Trends über die Jahrhunderte bis heute. In: Terre des Femmes. Frauensolidarität 2/2009. S. 22-23<br />
<a href="https://www.frauenrechte.de/images/downloads/zeitschriften/Frauensolidaritaet-108-Mythos-Jungfernhaeutchen.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://www.frauenrechte.de/images/downloads/zeitschriften/Frauensolidaritaet-108-Mythos-Jungfernhaeutchen.pdf</a></li>
<li>Sugiyama, Michelle Scalise: Fitness Costs of Warfare for Women. In: Human Nature 25(4), 11/2014. DOI: 10.1007/s12110-014-9216-1 <a class="textlink" href="https://www.researchgate.net/publication/267777559_Fitness_Costs_of_Warfare_for_Women" target="_blank" rel="noopener">https://www.researchgate.net/publication/267777559_Fitness_Costs_of_Warfare_for_Women</a></li>
<li>Suhr, Valerie; Valentiner, Dana-Sophia: Sex in der Ehe als rechtliche Erwartung. Online auf: Forum Recht 02/14<br />
<a href="https://forum-recht-online.de/wp/wp-content/uploads/2014/06/FoR1402_54_Suhr- Valentiner.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://forum-recht-online.de/wp/wp-content/uploads/2014/06/FoR1402_54_Suhr-Valentiner.pdf</a></li>
<li>Tanner, Nancy M.: Der Anteil der Frau an der Entstehung des Menschen. Eine neue Theorie zur Evolution. Frankfurt/M., New York 1994</li>
<li>Terre de Femme: <a href="https://www.frauenrechte.de/unsere-arbeit/themen/gewalt-im-namen-der-ehre/mythos-jungfraeulichkeit/informationen-fuer-maedchen/aktuelle-beitraege">Gewalt im Namen der Ehre: Mythos Jungfräulichkeit</a>. Online-Ressource abgerufen am 11.07.2021</li>
<li>Uhlmann, Berit: Mädchen oder Junge. Kann man das Geschlecht des Kindes beeinflussen? In: Süddeutsche Zeitung online. 23. April 2012<br />
<a href="https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/maedchen-oder-junge-kann-man-dasgeschlecht- des-kindes-beeinflussen-1.1310115" target="_blank" rel="noopener">https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/maedchen-oder-junge-kann-man-dasgeschlecht-des-kindes-beeinflussen-1.1310115</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Vorpatriarchale Kulturleistungen der Frau: In: Schacht, Johanna: Europa heißt die Weitblickende. Norderstedt 2012</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte. Norderstedt 2012</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat. Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt.<br />
Norderstedt 2015</li>
<li>Verrijt, Harrie: Miljoenen om Eindhovense kunstbaarmoeder verder te ontwikkelen. In: Eindhovens Dagblad online vom 08.10.2019 <a href="https://www.ed.nl/economie/miljoenen-om-eindhovense-kunstbaarmoeder-verder-te-ontwikkelen~abb38260/" target="_blank" rel="noopener">https://www.ed.nl/economie/miljoenen-om-eindhovense-kunstbaarmoeder-verder-te-ontwikkelen~abb38260/</a></li>
<li>Yousafzai, Malala; Guggenheim, Davis: Malala &#8211; Ihr Recht auf Bildung. Dokumentarfilm 2015</li>
<li>Zeng <i>et al.</i>: Cultural hitchhiking and competition between patrilineal kin groups explain the post-Neolithic Y-chromosome bottleneck. Nature Communications Vol. 9, Article number: 2077 (2018)<a class="textlink" href="https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6" target="_blank" rel="noopener"> https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6</a> Abgerufen am 1.10.2018</li>
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    "articleSection" : [ "Blasenentzündung nach Sex bei der Frau", "Diese Frau glaubt also, dass ein Mann ein Recht auf Sex hätte, womit sie tief in ein Dilemma gerät.", "Honeymoon-Zystitis", "Immer wieder wird behauptet, der Sinn der female choice bestünde darin, dass die Frau einen starken Mann auswählen muss, der ihre Kinder am besten ernähren kann. Diese Behauptung beruht auf der falschen Annahme, dass es schon in der Altsteinzeit die Familie aus Vater, Mutter und Kind gab.", "Im Schnitt ist dennoch jedes zehnte Kind ein Kuckuckskind, das Ergebnis der heimlich ausgeübten female choice. Die Anthropologen nennen das \"Gen-Shopping\".", "Als Platzhirsche, die mit ihren stolzen Geweihen eindrucksvolle, martialisch wirkende Rangkämpfe austragen, werden sie häufig als \"Patriarch\" oder als \"Chef\" bezeichnet. Aber auch der Hirsch kann sich nicht gegen den Willen der Hirschkuh mit ihr paaren und sie paart sich am Rande des Kampfplatzes auch mit anderen Hirschen. 
    Denn ein einzelnes Männchen hat keine Handhabe, alle Weibchen gleichzeitig unter Kontrolle zu bekommen. Hirsche kümmern sich auch nicht um die Ernährung ihrer Kinder oder bestimmen über sie; das aber macht letztlich einen echten Patriarchen aus. Dennoch ist der männliche Hirsch ein zufriedenes und sogar eindrucksvolles Tier. Es wollte doch auch niemand behaupten, dass die Hirschkuh dem Hirschen Hörner aufsetzt, oder?", "Unter der freien female choice gibt es keinen Zwang zum Sex, sondern die freie Wahl des Partners, der Zeit, des Ortes und der Art von Sex. Unter frei gelebter female choice hat Sex beim Menschen keine soziale Funktion!", "Beim ersten persönlichen Kontakt analysiert eine Frau unbewusst die sog. chemotaktischen Signale eines Mannes.", "versteckte female choice", "cryptic female choice", "Nicht das schnellste Spermium gewinnt im Wettrennen, sondern die Spermien werden von der weiblichen Schleimhaut passiv transportiert und von ihrem sauren Milieu sogar angegriffen.", "Nicht das erste Spermium gelangt in die Eizelle, sondern dasjenige, welches sie hereinlässt.", "Beginnt die Eizelle sich danach zu teilen und wächst ein Embryo heran, prüft der weibliche Körper die Lebensfähigkeit des heranwachsenden Kindes und entscheidet, ob es zur Geburt kommen wird oder zu einer Fehlgeburt. Die meisten Frauen wissen gar nicht, dass sie schon viele Fehlgeburten hatten, ja es kommt aufgrund der unbewussten female choice zu mehr Fehlgeburten als zu Geburten.", "female choice", "female choice", "Auch beim Menschen ist die female choice keine rein persönliche Angelegenheit, vielmehr hat sie evolutionäre Tragweite: 1. Sie verändert das Aussehen und das Verhalten der Arten und bewirkt damit Vielfalt. 2. Sie sorgt für genetische Vielfalt und die Gesundheit der Population. 3. Sie verhindert eine Schwangerschaft in belastenden Fällen. 4. Sie sorgt für ein artgemäßes Zahlenverhältnis der Geschlechter. 
    5. Sie verhindert Überbevölkerung. 6. Sie führt zu Matrifokalität und damit zu größtmöglicher Solidarität unter den Sippenmitgliedern, zu Fürsorge und Kooperation.", "female choice", "female choice", "female choice", "In dem Moment, wo die female choice aufgrund patriarchaler Zwänge und Werte nicht mehr frei gelebt werden kann und darf, sind die Grenzen zur MENSCHENZUCHT überschritten.", "Eine Frau, die ihre female choice frei auslebt, hat immer wieder neue Partner. Im Idealfall hat jedes ihrer Kinder einen anderen Vater. Die Chemotaxis selektiert dabei Männer, die besonders gut zu den Genen der Frau passen, d.h. sich unterscheiden. Eine starke Durchmischung der Gene und die exogame Sexualität, bei uns Menschen die matrilokale Ausübung der Exogamie, verhindern, dass zu häufig zwei Chromosomensätze aufeinander treffen, die die gleichen Schäden aufweisen und daher nicht mehr kompensiert werden könnten. 
    Die female choice verhindert in der Regel, dass Geschwister miteinander Sex haben. Im seltenen Falle einer Geschwisterliebe sind aber unter dem Idealfall verschiedener Väter statt zwei nun drei verschiedene Genpools an der Entstehung eines Kindes beteiligt, nämlich der der Mutter und die Genpools der beiden unterschiedlichen Väter.", "Verhinderung von Schwangerschaft in belastenden Fällen.", "Artgemäßes Zahlenverhältnis der Geschlechter.", "Verhinderung von Überbevölkerung. Eine Frau, die ihre female choice lebt, hat nicht mehr Sex als eine patriarchale Frau, sondern weniger. Im patriarchalen Ehebett ist die Ehefrau den sexuellen Begierden ihres Mannes schutzlos ausgeliefert. Er glaubt, ein Recht auf Sex zu haben, sie glaubt, ihm dies geben zu müssen. Entsprechend schnell wird sie kurz aufeinanderfolgend und damit häufiger schwanger.", "Denn mit dem Ende der Verliebtheit nach ca. 3 Monaten geht auch das Bedürfnis der Frau mit diesem Mann 
    zu schlafen stark zurück bzw. verschwindet ganz.", "In dieser bis zu fünf Jahre dauernden Stillzeit bewirken die Still-Hormone, dass die Mutter nicht schwanger wird (siehe Punkt 3) und sie hat oft auch keinen neuen Liebhaber, weil sie in ihr Baby verliebt ist. Die menschliche Natur kennt zudem keinen Zwang zur Mutterschaft.", "Matrifokalität: Solidarität, Fürsorge und Kooperation. Der Mensch ist ein sehr soziales Wesen, das ohne eine Fokussierung auf die Frau mit ihrem Kind, also auf die Mutter, in der Wildnis nicht hätte Überleben können. Die lange Baby- und Kleinkindphase machte es erforderlich, dass die Gruppe auf das Wohlergehen von Mutter und Kind ausgerichtet war. Mütter haben das überleben der Gruppe gesichert, indem sie auch als Großmütter, Schwestern, Töchter und Cousinen der mütterlichen Linie zusammenhielten und sich gegenseitig über die lange Kleinkind- bzw. Stillzeit hinweg halfen. In der \"Sippe\" genannten Gruppe 
    hielten auch die männlichen Mitglieder solidarisch zu ihnen und fühlten sich für die blutsverwandten Kinder mitverantwortlich, obwohl es nicht ihre leiblichen Kinder waren.", "Unter der female choice binden sich Frauen nicht lange an Männer und haben dafür wechselnde Liebhaber. Daher ist der biologische Vater eines Kindes unsicher oder unbekannt. Alle Kinder einer Mutter gelten als Vollgeschwister und sie führen sich auf sie allein zurück.", "Das Vaterrecht ist also kein Naturgesetz, sondern kulturell hergestellt.", "In ihrem Buch \"Mutter Natur\" weist sie daraufhin, dass es den Jägern weit mehr um - wörtlich - Angeberei geht, als darum, Fleisch für die Kinder ins Lager zu tragen", "Auf diese Weise wurde die matrilokale Ausübung der Exogamie gefördert. Ein Mann, der viele männliche Freunde in anderen Sippen hatte, hatte auch häufiger Gelegenheit, eine Frau kennenzulernen. Sex wurde aber nicht gegen Fleisch getauscht, wie es gerne phantasiert wird. 
    Ein solches Tauschgeschäft wäre nicht im Gleichgewicht mit der female choice.", "Die Kooperation in der Sippe bedeutete, dass Mütter immer auch Zeit für anderes hatten. So gilt heute als gesichert, dass sie die wesentlichen Erfindungen der Menschheit machten, die den Menschen von der übrigen Fauna unterscheiden: Die Tragevorrichtung für das Baby, Tragebeutel und Sammeltasche in einem, mit dem die Mutter die Hände frei bekam, die Herstellung von Kleidung aus Pflanzenfasern und Tierfellen, das Zelt, die Flechtkunst, die Fischreuse, die Weberei, das Kochen, die Töpferei und die bildende Kunst. Frauen stellten die Werkzeuge ihrer Technologien selbst her. Als Kennerinnen der Pflanzenwelt und als Hebammen erfanden sie die Medizin und durch Mondbeobachtung den Menstruationskalender. Als Heilerinnen und Schamaninnen waren sie spirituelle Autoritäten. Sie stellten ihre Produkte anderen zur Verfügung: wo ein Problem war, halfen sie selbstlos. Zu Beginn der Jungsteinzeit erfanden 
    sie die Landwirtschaft in Hack- bzw. Gartenbau und zogen Tierkinder auf, die sie in der Wildnis gefunden hatten. Sie waren am Hausbau beteiligt, indem sie Flechtwände herstellten, mit Lehm abdichteten und Dächer mit ihren geflochtenen Matten oder mit Stroh abdeckten.", "Die Arbeitsteilung der Geschlechter war bald ausgeprägt, aber wenige Frauen übten auch die Großwildjagd, während manche Männer z.B. auch Kleidung herstellten.", "Menschenrecht female choice. Die Zusammenarbeit beider Geschlechter in der Sippe, in der die Mütter und Kinder stets im Zentrum der Fürsorge standen, ist das Erfolgsgeheimnis der menschlichen Evolution, unseres Menschseins. Die female choice als Basis dieser Kooperation kommt also nicht der Frau allein zugute, sondern allen Menschen, denn der Mann kommt aus der Frau und nicht umgekehrt. Die female choice ist nicht nur ein Frauenrecht, sondern ein echtes Menschenrecht, und die Männer täten auch im eigenen Interesse gut daran, sie zu achten.", 
    "Die ersten Patriarchen überhaupt, nomadische Viehzüchter der eurasischen Steppe und der vorderasiatischen Bergwelten, glaubten dagegen erkannt zu haben, dass der Stier die Kuh, der Hengst die Stute oder der Widder das Schaf befruchtet , was ja mit Frucht versehen bedeutet, und verrannten sich in der Annahme, dass die Frau nur das Gefäß des Samens sei, gewissermaßen ein Obstkorb.", "Die Vorstellung von der Frau als Gefäß hielt mit den erobernden, nomadischen Indoeuropäern vor grob 6000 Jahren auch im ackerbäuerlichen Leben Einzug, wo die Ackerfurche mit den weiblichen Geschlechtsorganen gleichgesetzt wurde. Der Sämann wurde dort der Herr über das Leben der Pflanzen, wo ursprünglich die Frauen den Ackerbau ersannen und die Felder bestellten. Dabei ist der vermeintliche Samen im biologischen Sinne lediglich Pollen. Seine Unfähigkeit zu gebären, führte dem Patriarchen jedoch seine Abhängigkeit vor Augen. Der daraus resultierende Gebärneid 
    wurde ideologisch verarbeitet. An dieser Stelle erfanden Patriarchen den männlichen Gott, den es bis dahin gar nicht gab, und die Theologie, die ihn legitimierte. 
    Regional unterschiedlich waren dies ein Sonnengott oder ein Wettergott (der Sonderfall des Vegetationsgottes war ihre Vorstufe). Diese Götter wurden nun schwanger und gebaren in Ermangelung der weiblichen Organe Kinder aus verschiedenen Körperteilen. Der darauf einsetzende Stillneid wurde mit dem Konzept des Wettergottes kompensiert, dessen Ejakulat mit der Milch gleichgesetzt wurde und der als Ursprung des fruchtbaren Regens ansehen wurde. Jetzt fühlte sich der Patriarch unsterblich und allmächtig, denn als Wettergott konnte er auch mit Sintfluten alles wieder zerstören. Nun begann der Mann auch den Menschen nach seinen Vorstellungen zu züchten.", "Heute wissen wir, dass die Vorstellung von der Frau als Gefäß nicht nur falsch ist, sondern dass wir mehr Mutter als Vater sind: Mit ihrer female choice wählt eine Frau den Vater ihres Kindes aus, sie bestimmt also über die Zusammensetzung der Gene des Kindes. Bei einer Tochter stammen etwas mehr als 50% der Gene im Zellkern von der Mutter, bei einem Sohn sogar deutlich weniger als 50% vom Vater, weil er von ihm lediglich das kleinere Y-Chromosom erbt. Auf dem X-Chromosom liegen 1098 Gene, auf dem Y-Chromoson nur 63 Gene. Bei jedem Menschen werden auch Teile der Mitochondrien-DNA in den Zellkern eingebaut. Mit zunehmendem Alter verlieren sogar immer mehr Körper- und Blutzellen der Männer ihr Y-Chromosom. Dazu kommt: Im frühen Embryo laufen dramatische Reprogrammierungsprozesse ab, die fast vollständig unter mütterlicher Kontrolle, d.h. vom weiblichen Genom, gesteuert werden. Im Gegensatz zum Spermium liefert die befruchtete Eizelle nicht nur das mütterliche Genom, sondern auch die zelluläre Maschinerie für die Reprogrammierung von väterlichem und mütterlichem Genom. (paraphr. n. HAAF 2003, S. A2304) Die Mitochondrien, also die Kraftwerke der Zelle, die Lebenskraft, werden immer nur von und über die Mutter vererbt. Der für die Entstehung eines Kindes relevante männliche Anteil wiegt 3,65 Billionstel Gramm; das ist das Gewicht eines halben Chromosomensatzes. Die gesamte Masse des Kindes wird allein vom mütterlichen Körper gebildet. Das Kind ist \"Fleisch und Blut\" nur der Mutter. Die Mutter trägt das Kind neun Monate. Das Genom wird während der Schwangerschaft epigenetisch verändert: Hormone der Mutter, Erleben der Mutter und Umweltfaktoren schalten Gene aus oder an. Wir alle tragen Originalzellen unserer Mutter und Großmutter mütterlicherseits in uns. Diese Entdeckung wird Mikrochimärismus genannt. Die Zellen enthalten also nicht unseren eigenen DNA-Code. Das bedeutet, dass Männer weibliche Zellen in sich tragen, umgekehrt tragen die Mütter die Zellen ihrer Kinder in sich, was eine lebenslange körperliche Verbindung bedeutet, die Väter nicht herstellen können. Bei der Geburt wird das Kind mit den lebensnotwendigen Darmkeimen der Mutter geimpft. Die Mutter stillt und gibt dem Kind damit mehr als Geborgenheit und Nahrung: über die Milch nimmt es Immunglobuline und weitere Stoffe auf, die sein Leben prägen werden. Die Mutter ist bei allen Sorgen und Nöten des Kindes der erste Anlaufpunkt. Es schöpft aus der Mutter sein Urvertrauen.", "Die female choice als Erzfeind des Patriarchats. 
    Die erste Maßnahme des Patriarchats war die Ausschaltung der female choice, salopp gesagt brachte es die weibliche Sexualität unter Kontrolle. Der Patriarch stellt mit der Ehe die \"male choice\" her, die es in der Natur nicht gibt. Zu Beginn des Patriarchats, in der mittleren Jungsteinzeit, war Frauenraub die einzige Möglichkeit, eine Frau in die Ehe zu zwingen. Zahllose Massaker wie die von Talheim, Asparn Schletz oder Schöneck-Kilianstätten legen davon ein archäologisches Zeugnis ab; ein genetischer Flaschenhals der Y-Chromosomen vor 7000 Jahren belegt das genetisch. Das Patriarchat begann gewaltsam. Frauenraub ist auch in historischer Zeit und in der Gegenwart (Boko Haram, IS) belegt. Die Ehe im großflächig durchgesetzten Patriarchat wird manchmal durch Brautwerbung gestiftet, wobei die Frau ein Vetorecht besitzt. Diese rudimentäre Form der female choice bleibt der Frau bis zur Ehe, danach ist sie dem Ehemann verpflichtet.", ". Die Liebesheirat als relativ junge Erfindung folgt 
    der romantischen Vorstellung, einem Zurück zur Natur. Aber auch sie wird per Gesetz zementiert.", "Statt mit unserer matrilinearen Sippe, haben wir es im Patriarchat mit der Familie zu tun, deren Oberhaupt der Vater ist und in Abwesenheit der Sohn. Die Familie versteht sich patrilinear und lebt daher auch patrilokal zusammen. Die Frauen befinden sich also in einem fremden Umfeld und sind fremden Männern und Frauen ausgeliefert, welche sie nicht nur befehligen, sondern auch Gewalt gegen sie ausüben.", "Die sexuelle Unterdrückung ist kein naturgegebenes Verhalten, wäre dies der Fall, gäbe es die vielen Probleme nicht, die damit verbunden sind. Auch die meisten Zivilisationskrankheiten, Epidemien sowie psychologischen Probleme stehen mit dem Patriarchat in Verbindung. Die Evolution selektierte keine entsprechende verhaltensbiologische Anpassung daran, und auch der weibliche Körper ist nicht an widerwilligen Sex angepasst.", "Die female choice ist ein Urstinkt, der so tief in der Phylogenese aller 
    Lebewesen verankert ist, dass er nicht weggezüchtet werden kann.", "Die Religionen halten die Heiligen Bücher bereit, in denen die frauenfeindlichen Sitten wie die Züchtigung, das Menstruationstabu oder die Verschleierung vorgeschrieben sind.", "Die Frauen dieser Welt sind Kindeskinder von Entführungsopfern des Patriarchats. Als solche sind sie von einem kollektiven Stockholm-Syndrom befallen" ]
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<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das Massengrab von <a href="https://www.herder.de/wbg-magazine/aktuelles/2026/raetselhafte-skelette-der-linearbandkeramik-erste-erkenntnisse-zum-aussergewoehnlichen-fundplatz-von-vrable/" target="_blank">Vráble</a> kann dazu gezählt werden, jedoch gibt es auch Stimmen, die es anders interpretieren.</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice-unser-unbekanntes-menschenrecht">Female choice &#8211; unser unbekanntes Menschenrecht</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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