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	<title>Überbevölkerung Archive - Gabriele Uhlmann</title>
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		<title>Apokalyptische Reiter reloaded – Warum Kulturen immer wieder untergehen und was das für die Gesellschaft bedeutet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jul 2024 15:41:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Im Bild: Die vier Reiter der Apokalypse (Beatus-von-Osma-Codex, 11. Jahrhundert) von Martinus (Scribe-Petrus) &#8211; Archives de la Cathédrale, Gemeinfrei Gesellschaftlicher Zerfall als Phänomen Die Archäologie beobachtet schon seit Langem, dass...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/apokalyptische-reiter-warum-gehen-kulturen-immer-wieder-unter-und-was-bedeutet-das-fuer-die-gesellschaft">Apokalyptische Reiter reloaded – Warum Kulturen immer wieder untergehen und was das für die Gesellschaft bedeutet</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Bild: Die vier Reiter der Apokalypse (Beatus-von-Osma-Codex, 11. Jahrhundert) von Martinus (Scribe-Petrus) &#8211; Archives de la Cathédrale, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=499335" target="_blank" rel="noopener">Gemeinfrei</a><br />
<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/a00aea18be514d1ea55b8d7cae8b307b" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h2 id="gesellschaftlicher-zerfall-als-phaenomen">Gesellschaftlicher Zerfall als Phänomen</h2>
<p>Die Archäologie beobachtet schon seit Langem, dass sich in Europa ab einem gewissen Zeitpunkt in der Jungsteinzeit immer neue Kulturen quasi die Klinke in die Hand gaben. Kaum war eine neue Kultur entstanden, verschwand sie auch schon wieder. Bandkeramik, Hinkelstein Kultur, Groß Gartacher Kultur, Rössener Kultur, Michelsberger Kultur etc., sie alle entstanden und verschwanden in Zeitrahmen von nur wenigen hundert Jahren. Wo die Menschen geblieben sind, war lange ein Rätsel und Gegenstand von Spekulationen, bis die Genetik zeigen konnte, dass manche Kulturen tatsächlich spurlos verschwanden, andere dagegen in neuen Kulturen aufgingen, also assimiliert wurden.</p>
<p>Der Kultur-Begriff muss dabei kurz erklärt werden. Mit z. B. der Rössener Kultur ist eine prähistorische Gemeinschaft gemeint, die eine für sie typische materielle Ausprägung zeigt. So angewendet dient der Kultur-Begriff lediglich zur Unterscheidung von Gemeinschaften über Raum und Zeit, sagt aber noch nichts über das Wesen ihrer Sozialordnungen aus. Im Folgenden gebrauche ich den schwer definierbaren Kultur-Begriff &#8211; um den Rahmen nicht zu sprengen &#8211; als die Gesamtheit des tradierten Schaffens, Erfindens, Denkens und Verhaltens, die sog. <a href="https://openevo.eva.mpg.de/teachingbase/kumulative-kultur/?lang=de" target="_blank" rel="noopener">kumulative Kultur</a>.<br />
Im medialen Sprachgebrauch wird eher nicht vom Zusammenbruch von Kulturen gesprochen, sondern von Gesellschaften, womit meist Vorstellungen von Gesellschaft verbunden sind, wie wir sie leben. Der „Untergang der Gesellschaft“ ist zudem ein Schreckgespenst, das gerne an die Wand gemalt wird. Daher müssen wir uns dieses Wort ebenfalls genauer ansehen. Eine Gesellschaft ist entgegen dem Sprachgebrauch keine natürliche Sozialordnung, sondern immer von Männern gewaltsam hergestellt und aufrechterhalten. Dabei haben sie eine spezifische Kultur hervorgebracht, die nur im Patriarchat denkbar ist. Deshalb ist die Gewalt untrennbarer Teil der patriarchalen Kultur, die eine Andro-Kultur<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup> ist. Einer Gesellschaft wird ihre Beschreibung allein über materielle Güter nicht mehr gerecht. In jeden Gegenstand kann nun potentiell auch eine höhere Bedeutung hineininterpretiert werden. Bis heute wird Gewalt und Gewaltverhalten kultiviert, was sich meist auch an den Gütern spiegelt. Kriegswaffenfunde bei einer archäologischen Grabung müssen in patriarchale Zeit datiert werden, wobei der regionale Ursprung der Waffe wie bei jedem anderen Einzelfund genauer untersucht werden muss. Bei z.B. dem Fund eines harmlosen Plastikeimers können wir darüber nachdenken, was alles geschehen musste, bis die Kultur in der Lage war, ihn herzustellen. Entsprechend muss hier auch mit einer immateriellen Gewalt-Kultur gerechnet werden. Findet sich aber ein solcher Eimer in einem bis dahin unkontaktierten Volk, muss das kein Beweis für eine Gewalt-Kultur sein.<br />
Das globale Patriarchat, auch „die Gesellschaft“ genannt, setzt sich aus vielen Einzel-Gesellschaften zusammen, die auf Stämme mit Stammvätern zurückgehen, und die jede für sich zerfallen kann, ohne dass das Patriarchat bedroht wäre. Solange irgendwo Patriarchat, sprich ein „böser Nachbar“ zu finden ist, werden Gesellschaften zerfallen und neu entstehen, weil das Patriarchat aufgrund seiner Überbevölkerung expansiv ist und jeden verwaisten Landstrich wiederbesetzt, allen Überlebenden eine neue Herrschaft überstülpt. Dabei verändert sich die materielle Kultur und die Regierung wechselt, aber aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit werden die Menschen schnell wieder zur Normalität zurückfinden. Dafür arbeitet wiederum ihr privates Patriarchat, denn es gilt: Das Private ist das Politische. Daher ist das Szenario eines Untergangs der Gesellschaft ein Phantom, solange nicht die Gemeinschaft der Unterdrückten dieser Welt erkennt, dass ihre private Lebensweise das Problem ist.<br />
Zerfällt eine bestimmte Gesellschaft, zerfällt auch ihre Kultur, und ohne die Kulturträger, die Menschen, ist alles nur noch ein archäologischer Fund. Es ist aber auch umgekehrt so, dass der Zusammenbruch einer Kultur sofort den Zusammenbruch einer Einzel-Gesellschaft nach sich zieht, die sie hervorgebracht hat, weil eine bestimmte Gesellschaft auch eine bestimmte Kultur mit einer entsprechenden Ideologie braucht, ohne die sich ihre Mitglieder in schwere Auseinandersetzungen verwickeln. Je mehr kulturelle Optionen vorhanden sind, desto größer auch die Meinungsvielfalt, die ohne sanktionierte Debattenkultur oder Unterdrückung anderer Meinungen zum Bürgerkrieg führt. Gemeint ist eigentlich immer die Frage, wie wir ein gutes Leben hinkriegen, und da unterscheiden sich im Patriarchat insbesondere Männer und Frauen fundamental. Auch Männer können sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen, dann aber geht es den Frauen noch schlechter. Die gewaltgeprägte Andro-Kultur ist der Kitt, der eine Gesellschaft zusammenhält, so paradox das klingt. Daher wird es trotz aller gutgemeinter Appelle kein Patriarchat ohne Gewalt gegen Frauen geben.<br />
Der Zusammenbruch „der Gesellschaft“ ist daher genaugenommen eine Befreiung vom Patriarchat, jedoch nur wenn dabei auch das Patriarchat aus den Köpfen verschwindet. Eine vorherige Aufklärungsbewegung erweist sich dann überlebenswichtig für die gesamte Menschheit, die Idee muss schon irgendwo <em>in petto</em> sein. Wie bereits an anderer Stelle ausgeführt, ist die Gesellschaft immer ein patriarchales, also auch hierarchisches System. Eine Andro-Kultur bringt daher auch Güter hervor, die diese Hierarchie (übersetzt „heilige Herrschaft“) nicht nur ausdrücken, sondern ihr huldigen bzw. als heilsbringend verklären. In einer akut zu zerfallen drohenden Gesellschaft wird stets auch der Ruf nach einem Heilsbringer laut. Personenkult und die Radikalisierung der religiösen Weltanschauung oder gar die Entstehung von Ersatz-Religion gehören dazu. Beide, eine Gesellschaft und ihre Andro-Kultur bedingen sich gegenseitig. Die Frage ist, ob sie aufgrund interner Probleme quasi implodiert ist, oder ob sie durch Angreifer zerstört wird.</p>
<p>Dagegen braucht unser angeborenes Sozialverhalten, die Matrifokalität, keinen kulturellen Kitt, sondern ist egalitär und friedlich und bringt Kulturtechniken hervor, die das Leben erleichtern und den Nachwuchs in jeder Hinsicht fördern und erhalten, weshalb sie an die nächste Generation weitergegeben werden. Daher müssen z.B. über einen langen Zeitraum gleichartige Gefäße oder Werkzeuge nicht bedeuten, dass ihre Ausformung die gelebte Identität der Menschen ausdrückt, sondern können auch einfach bedeuten, dass der Gegenstand optimiert war. Selbst grafische Muster können sich ohne höheren Sinn so über einen langen Zeitraum wiederholen. Ähnlich wie die Sprache verändern sich die Dinge dennoch, weil kein Mensch immer alles genau so machen kann wie ein Vorfahr. Die sich wandelnden naturräumlichen Bedingungen beeinflussen ebenfalls quasi evolutionär die Ausgestaltung von Gegenständen. Im Matrifokal wird der Wandel nicht forciert oder nur herbeigesehnt, sondern er passiert und die Menschen passen sich unbewusst an. Entsprechend verändert sich auch Erinnerung und ihre erzählte Geschichte. Die Sozialordnung des Matrifokals ist äußerst stabil und sie war über 3 Millionen Jahre Menschheitsentwicklung die optimale Lebensweise. Sie ist von innen nicht bedroht, solange sich die Menschen nicht blindlings von einer Technologie abhängig machen, die konstante naturräumliche Bedingungen voraussetzt.</p>
<h2 id="gewalt-andro-kultur">Die Gewalt als Voraussetzung von Gesellschaft und Andro-Kultur</h2>
<p>Jede Gesellschaft wird von archäologisch oder gegenwärtig unsichtbarer Gewalt zusammengehalten: von Ideologie und entsprechender häuslicher Gewalt, deren Existenz nur durch empirischen Vergleich rückgeschlossen werden kann. Das Patriarchat baut auf Gewalt gegen seine eigenen Mitglieder, zuerst gegen die Frauen, auf, es ist der sprichwörtliche falsche Film.<br />
Innerhalb eines Patriarchats sind nicht alle gleich, insbesondere werden die Frauen, die durchaus Raum gewinnen können, wenn sie sich zusammentun oder Einfluss haben und Forderungen stellen, immer wieder mehr oder weniger subtil auf ihre Plätze verwiesen. Dann haben wir es mit einem sogenannten Backlash (engl. für „Rückschlag“). Die Zukunftsforscherin Riane Eisler hat erkannt, dass jedem Krieg eine Welle der Frauenfeindlichkeit vorausging.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup> In den Nachkriegsjahrzehnten kommen die Menschen zur Besinnung, und erkennen, dass ein Krieg niemals die Lösung aller Probleme ist, um &#8211; zu vorgerückter Stunde &#8211; wieder zur patriarchalen Tagesordnung zurückzukehren. Der nächste Krieg ist damit vorprogrammiert.<br />
Zur inneren Gewalt einer Gesellschaft tritt, wenn sie nicht bald zur Auslöschung führt, immer wieder auch äußere Gewalt durch benachbarte Gesellschaften hinzu, die zweierlei Wirkungen auf die bedrohte Gesellschaft haben kann. Einerseits kann ein gemeinsamer Feind, ein Angreifer, zusammenschweißen, andererseits können sich zwei Lager bilden, von denen sich das eine tendenziell unterwerfen will, während das andere versucht, sich zu wehren, wenn alle Diplomatie zu versagen droht, mit oder ohne Erfolg. Despoten setzen gerne auf die Propaganda des Zusammenhalts, während Demokratien dazu neigen, sich darüber zu zerstreiten, wovon dann die innere Gewalt angeheizt wird. So kann ein Feind allein durch seine Drohungen eine Gesellschaft von innen zermürben. Wir erleben das gerade. Die Spirale der Gewalt, die durch gleich starke, verfeindete Gesellschaften angekurbelt wird, schweißt auch Demokratien im Innern eher zusammen, es sei denn eine starke Gruppe mahnt zum Abrüsten und löst damit eine Debatte aus.</p>
<p><strong>Eine Gesellschaft ist zwar nicht angelegt, um zu zerfallen, ganz im Gegenteil, aber sie kann nur so angelegt werden, dass sie zerfallen muss, früher oder später, weil gleich drei Faktoren gegen sie arbeiten: unser matrifokales Erbe, die innere Gewalt und die feindlichen Gesellschaften.</strong> Aus der Arbeit gegen den Zerfall ziehen im Übrigen wenige Privilegierte innerhalb der Gesellschaft Profit, nicht nur Politiker und Konzerne, sondern auch Kirchenfürsten und Militärs. Honig wird schon allein aus der Warnung vor dem Untergang gesaugt, wobei völlig andere Ziele durchgesetzt werden sollen.<br />
Der endgültige Niedergang einer Gesellschaft ist immer mit vielen Toten verbunden, denn große patriarchalisierte Menschengruppen ringen gegeneinander ums Überleben, statt zu kooperieren. Das gefürchtete Chaos, das Faustrecht bricht aus. Aber es ist äußerst selten, dass niemand übrigbleibt. Die Überlebenden werden in der Regel ihre Andro-Kultur zu restaurieren versuchen. Es braucht aber schon ein starkes ideologisches Umdenken, um etwas Neues zu probieren, um nicht wieder an denselben Fehlern unterzugehen. Der Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg ist dafür ein Beispiel. Man bemühte sich, die alten sozialen Probleme zu bekämpfen, indem der billige Wohnungsbau vorangetrieben wurde, &#8211; wovon wenige Männer reich geworden sind -, viele dieser Bauten machen heute Probleme oder mussten schon wieder abgerissen werden -, und man machte den Fehler der autogerechten Stadt. Nicht das führt zum nächsten Untergang, aber er ist bereits vorprogrammiert, weil das Patriarchat mit dem 2. Weltkrieg nicht mituntergegangen ist und seine modernen Strömungen schon wieder zerstritten sind.</p>
<h2 id="zahlen-statt-meinung">Zahlen statt Meinung – die Auswirkungen von Gewalt und Klima</h2>
<p>Die Offenbarung des Johannes machte die vier apokalypischen Reiter als die Geißel der Menschheit aus. Der erste Reiter stand für Siegeslust und Gerechtigkeit, der zweite für Krieg, der dritte für Tod und Hunger, und der vierte für Angst und Krankheit.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup> Mit Katastrophen war immer auch der Gedanke der göttlichen Reinigung verbunden, sie wurden durchaus auch als etwas Positives gesehen. Dies steht in der babylonischen Tradition des Atra-Hasis-Mythos, Vorläufer der Sintflut-Geschichte, wo Heimsuchungen als Begrenzung der Überbevölkerung durch die Götter verstanden wurden.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>
In der jüngeren Vergangenheit gab es so manche spekulative Meinung, woran der schnelle Wechsel der jungsteinzeitlichen Kulturen liegen könnte, bis die Archäologie begann, das Phänomen des Zerfalls mit naturwissenschaftlichen und mathematischen Methoden eingehend zu untersuchen. In Deutschland federführend bei der Erforschung der Entwicklung ist der Prähistoriker und Paläoklimatologe Detlef Gronenborn, der im Jahre 2011 einen signifikanten Zusammenhang zwischen Klimaeinbrüchen und Migration entdeckt hat.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup> Diese Studie habe ich vor einigen Jahren mit den Spuren der Entstehung des Patriarchats in Verbindung gebracht und konnte zeigen, dass der Beginn des Patriarchats nicht einfach mit dem Beginn der Landwirtschaft identisch ist, wie es vielfach behauptet wird, sondern ca. 3000 Jahre dazwischen liegen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup> Die Archäologie und die Archäogenetik konnten beweisen, dass die sog. Misox-Schwankung vor 8200 Jahren eine bis dahin beispiellose Migration auslöste. Aus dem gleichen Zeitraum finden sich erste Spuren von Kriegen und patrilokaler Lebensweise. Es war aber das Patriarchat selbst, das die völlig neue Dynamik aus Entstehung und Verfall von Kulturen im Gang hielt und eine Kette weiterer Migrationen &#8211; wir können auch sagen &#8211; Feldzügen nach sich zog. Es gab seitdem auch immer wieder Klimakrisen, die jedoch nur noch geringen Einfluss auf die Vorgänge hatten, denn nun war die Ideologie des Patriarchats der Motor, also geistige Gewalt, die andere Gewaltformen impliziert. Nicht das Klima allein kann für Gewalt und Untergang verantwortlich gemacht werden, es war lediglich die Initialzündung eines Prozesses, der zum Selbstläufer wurde. Es hat nun allenfalls verstärkende Wirkung.<br />
Wesentlich dabei war, dass das Patriarchat an die Viehzucht geknüpft ist, die als Reaktion auf die Hungersnot zur Zeit der Misox-Schwankung in der südrussischen Steppe erfunden wurde, und die in sich nomadisch statt sesshaft angelegt war. Das enorme Wachstum der Herden erforderte die Migration der Hirten und ihres Besitzes, und solange die sesshafte Stallhaltung mit Zuchtaustausch bzw. die teilsesshafte Transhumanz noch nicht eingeführt war, führte das an den Stammesgrenzen zu den ersten Kriegen. Die Unterdrückung der Sexualität der Frau &#8211; also Menschenzucht &#8211; und die einseitige Ernährung mit gezüchtetem Fleisch führte zu einer nie dagewesenen Überbevölkerung, wobei männliche Kinder bevorzugt wurden. Aus den überzähligen Männern generierte sich eine gewaltbereite, patriarchatsideologisch gefestigte Kriegerkaste, die zum Selbstzweck immer wieder gen Westen oder weiter nach Osten strebte. Dieser archäologisch-kulturhistorische Ansatz, der insbesondere von der Archäologin Marija Gimbutas ausformuliert wurde &#8211; als sog. Kurgan-These – ist inzwischen auf breiter Basis anerkannt und erfährt seit Jahren durch immer neue Studien weitere Bestätigung.</p>
<p>Darüber, was Kulturen oder Gesellschaften zum Zusammenbruch bringt, wurde wie angedeutet lange mit empirisch-logischen Kausalketten diskutiert. Dabei waren vor allem zwei Argumente wesentlich, gesellschaftliche Konflikte und das Klima. Die Klima-These wurde dabei immer beliebter, ja Konsens, und sie bedient mittlerweile die aktuelle Politik, geht doch die Angst um, dass der Klimawandel nicht nur Katastrophen, sondern auch eine unbeherrschbare Migrationswelle auslöst. Das vorindustrielle Klima eignet sich hervorragend, die Verantwortung auf die böse Natur zu schieben.<br />
Jedoch seit Mitte 2023 liegen Computer-Modelle vor, mit denen die Stichhaltigkeit der Argumente überprüft wurden. Ein interdisziplinäres Team unter der Leitung des russisch-US-amerikanischen Biologen, Komplexitätsforschers und Sozialwissenschaftlers Peter Turchin, dem wieder Detlef Gronenborn angehört, untersuchte die dabei simulierten Bevölkerungsdynamiken über die letzten 9000 Jahre, die, einmal angeworfen, von Kreisläufen aus boomen Kulturen und deren Zusammenbrüchen gekennzeichnet ist.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup>
Zwar wurde das Ergebnis dieser Studie sofort in einem der wichtigsten Fachmagazine publiziert, eine breitere Öffentlichkeit erfuhr aber erst ein halbes Jahr später davon, vielleicht, weil es zu unwichtig oder unspektakulär erschien. Anfang 2024 meldete die „Archäologie in Deutschland“: „<em>Eine Metastudie soll zeigen, dass der Zusammenbruch vergangener Kulturen hauptsächlich mit dem Verfall von gesellschaftlichem Zusammenhalt einhergeht.</em>“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup> Bei einer solchen Tautologie sollte es kein Wunder sein, dass die Resonanz mäßig bis gering ausfällt. Wer jetzt wenigstens erheitert weiterliest, verpasst nicht Detlef Gronenborns Auskunft, dass die Auswirkungen klimabedingter und gesellschaftlicher Faktoren in einer Simulation überprüft wurden.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup> Das hat meine Aufmerksamkeit endgültig erregt, denn ich kannte ja längst seine ältere Studie. Sollte er sich nun selbst widersprechen? Mitnichten! Die Studie bestätigt sogar seine älteren Ergebnisse, und sie ist es wert, näher angeschaut zu werden. Sie zeigt, dass der <em>Impact</em> von Klima und Gewalt (die er oben als „gesellschaftlicher Faktor“ verklausuliert hat) auf eine Gesellschaft unterschiedlich schnell abflaut. Das Klima kann eine ankurbelnde Wirkung auf die Gewalt haben, muss aber nicht. Während nach einer Klimakrise relativ bald alle Schäden an Gütern und Leben kompensiert sind und wieder Ruhe einkehren kann, wirft die Gewalt, sofern sie stattfindet, dann selbst einen Motor an. Ob Gewalt ins Spiel kommt, hängt davon ab, wie abhängig die Menschen zuvor von ihren Technologien geworden waren.<br />
Die Blaupause dafür sind die Vorgänge während und nach der Misox-Schwankung. Während die noch wildbeuterisch lebenden Männer Mitteleuropas auf die Misox-Schwankung adaptiv reagierten und nicht gewalttätig gegen die Frauen und sich selbst wurden, haben die überlebenden, ehemals matrifokalen, nun aber mutterlosen anatolischen Bauern die Kühe aus dem ehemaligen Gesamthandseigentum in die Steppe getrieben, wo sie sie erstmals der Zucht unterwarfen. Analog entführten diese verrohten Männer auch überlebende Frauen und die indigenen Frauen der Steppe und vergewaltigten sie. Als sich die so entstandene sog. Sredny-Stog-Kultur etabliert hatte und begann sich auszubreiten, stieß sie im heutigen Nord-Kasachstan auf die indigene, sesshafte Botai-Kultur und deren Pferdebesitz. Die Botai, die keine Pferdezucht, sondern Pferdehaltung betrieben, um leichter an das Fleisch und die Milch zu gelangen, lebten noch matrifokal. Nachdem die Sredny-Stog-Männer sich deren Wissen, wie ein Pferd zu zähmen und zu reiten sei, angeeignet hatten, endete der „Kontakt“ mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Massaker an den Botai. Sie wurden demnach von diesen ersten Patriarchen ausgelöscht, jedoch ohne dass die Botai-Frauen das überlebt hätten. Ich vermute, dass die Botai-Frauen, die auf einem Pferd reiten konnten, leicht hätten aus ihrer Gefangenschaft fliehen können und das Wissen auch ihren Töchtern verraten hätten. Das musste künftig verhindert werden, wie später lange Zeit den Saudi-Arabischen Frauen das Autofahren nicht gelehrt werden durfte.</p>
<p>Zu Pferde wurde schließlich die gesamte Welt patriarchalisiert, heute können Drohnen den auch für Männer nicht ungefährlichen Job der Vorväter übernehmen. Der Motor der Gewalt kommt erst zum Stillstand, wenn der letzte Kraftstoff verbraucht ist, das letzte Pulver verschossen wurde. Der totale Ressourcen-Verbrauch, aber auch die Dynamik des „Auge um Auge“-Prinzips bilden sich daran trefflich ab. Die Ideologie, die systemische und häusliche Gewalt gegen Frauen bleiben dabei aber unsichtbar. Der letzte Mann wird kinderlos bleiben, ob er sich neuerdings als Frau identifiziert oder nicht. Ohne das Wissen um die Patriarchalisierung und das gewaltsame Wesen aller Gesellschaften ist das Ergebnis der Studie nicht zu verstehen. Wenn das Patriarchat erst einmal ins Rollen geraten ist, ist es praktisch fast nicht mehr zu stoppen, auch wenn sich das Klima wieder bessert, bzw. auch gerade dann, denn günstiges Wetter fördert auch den Wohlstand, es liefert Brot und animiert zu Spielen, verhindert also Revolutionen, und ändert nichts an der Ideologie und häuslichen Gewalt. Aber dieser Umstand taucht nirgendwo auf, wenn es um dieses Thema geht. Es darf alles sein, alles wird in Erwägung gezogen, nur nicht, dass die Herrschaft der Väter, das Patriarchat, Schuld ist an seinen Untergängen.</p>
<h2 id="ersatzmann-schwarzer-tod">Ersatzmann Schwarzer Tod</h2>
<p>In der Zeit ab 5550 Jahren vor heute wurden in ganz Europa Gebiete von Angehörigen der Jamnaja-Kultur aus der Steppe Südrusslands überfallen. Die Jamnaja waren die ersten Reiternomaden, hervorgegangen aus dem Sredny-Stog-Patriarchat. Der dänische Genetiker Eske Willerslev ist davon überzeugt, dass die Ausrottung von teils 90% der Bevölkerung nicht durch deren rohe Gewalt, sondern durch die Pest getötet und die Überlebenden so genetisch überformt worden seien. „<em>Die Pest machte uns zu dem, was wir Nordeuropäer sind</em>“, sagt er in einer Fernseh-Doku.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup> Die Jamnaja hätten nicht nur die Pest, sondern eine neue Sozialordnung eingeführt, die Kleinfamilie – hier fällt erwartungsgemäß nicht das nötige Wort Patriarchat.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup> Dazu sehen wir romantische Bilder einer lachenden Mutter, die ihren Kindern zu essen gibt. Zwar haben wir es hier mit nicht weniger als der Anerkennung der Patriarchalisierung zu tun, aber die Kleinfamilie wird auf diese Weise als positive Neuerung hingestellt. Denn die Familie, die auch unter den Jamnaja vielmehr eine Großfamilie im heutigen Sinne war, der Großväter ihren Namen geben, ist das Herrschaftsgebiet des <em>Pater familias</em> (lat. für Familienvater) und damit für das Vorpatriarchat ein unzulässiger Begriff. Vor dem Patriarchat gab es keine Familienstrukturen irgendwelcher Art, sondern ausschließlich <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt" target="_blank" rel="noopener">Matrifokale</a>. Auch der Paläogenetiker Johannes Krause meint in der Doku, dass allein durch Krieg nicht so viele Menschen sterben könnten wie durch die Pest.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup> Die neue Gewalt gegen die Frauen zeigt dagegen ganz klar: das war keine friedliche Migration, sondern ein klassischer Eroberungsfeldzug mit den ihn begleitenden Vergewaltigungen. Auf die beiden &#8222;Mitbringsel&#8220; der Jamnaja hätten die Frauen gerne verzichtet. Aber es soll so aussehen: „war ja nicht alles schlecht“ unter den Jamnaja!</p>
<p>Mit dem Beginn des Patriarchats lebten deutlich weniger Menschen, es gab keinerlei Gesetze oder Moraltheologie, die die Kriegsopfer vor der Gewalt der Invasoren geschützt hätten, und die Jamnaja-Leute waren, anders als die Opfer, zu Pferde unterwegs, eine militärische Überlegenheit, die bis zur Atombombe nie wieder erreicht wurde. Dass die Jamnaja mit einer gewissen Resistenz gegen die Pest die Indigenen dann einfach aufgrund ihrer Anzahl genetisch dominierten haben sollen, blendet die unliebsame sexuelle Konkurrenz durch die indigenen Männer völlig aus. Besonders eindeutig ist da der archäogenetische Befund aus Spanien, wo vor 4500 Jahren die Hälfte der Bevölkerung durch Abkömmlinge der Jamnaja, die Glockenbecher-Leute, getötet wurde. Wenn es die Pest war, die sie tötete, warum blieben dann dort die indigenen Frauen am Leben, während die Männer umkamen? Mit Leichtigkeit hätte noch die weibliche Hälfte der Bevölkerung ausgerottet werden können, aber das haben weder die Steppenkrieger noch die Pest getan.</p>
<p>Eine Studie eines norwegischen Teams aus 2015 ergab, dass sich das Pest-Bakterium <em>Yersinia pestis</em> niemals in Europa festsetzte, sondern vor jeder Pestwelle stets aus der Steppe importiert wurde.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup> Dafür verantwortlich war ein ungünstiges Klima in der Steppe Zentralasiens:</p>
<blockquote><p>&#8222;Es ist bereits bekannt, dass Klimaeffekte zu einem Ausbruch der Pest aus schlummernden Reservoirs führen können. Kommt es zu einem besonders warmen Frühling und feuchten Sommer, können sich Nagetierpopulationen besonders stark vermehren – und mit ihnen auch ihre Flöhe, in denen die Pesterreger leben. Werden die Bedingungen anschließend wieder schlechter für die Nager, geht ihr Bestand zurück – der ihrer Flöhe aber nicht analog: Die Parasiten suchen deshalb nach Alternativen. So nehmen die hungrigen Rattenflöhe auch Vorlieb mit dem Menschen – und das Unheil nimmt seinen Lauf.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup></blockquote>
<p>Die Bevölkerungen wurden von der Pest nie vollständig dahingerafft, sondern erholten und vermehrten sich wieder. Für eine Ausrottung von 90% der Menschen in einer Region ist nicht allein die klimaabhängige Pest verantwortlich, wie es Johannes Krause glaubt. Im Gegenteil, allein Gewalt kann solche Zahlen erklären. Das bestätigt auch die neue Studie unter Peter Turchin.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">15</sup> Selbst modellhaft sollte sich die Theorie von den Epidemien, die ganze Gesellschaften auslöschen, nicht beweisen lassen. Die Studie erwähnt das am Rande. Die Forscher gehen davon aus, dass Epidemien vergleichbar dem Klima nur einen kurzfristigen Effekt nach sich ziehen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">16</sup> Die Pest muss als Ursache für die Ausrottung ganzer Kulturen ausgeschlossen werden. Auch die vollständige Ausrottung der Botai, über die wir in der o.g. Doku erfahren, die als Indigene längst immun gegen die Pest waren, kann nicht mit der Pest erklärt werden. Das Urbild der Apokalypischen Reiter waren niemand anderes als die Jamnaja-Reiter, aber nicht unabsichtlich, wie es in der o.g. Doku kolportiert wird.</p>
<h2 id="denkverbot-schuld-des-patriarchats">Das Denkverbot über die Schuld des Patriarchats, der Urväter und ihrer männlichen Erben</h2>
<p>Die Pest lenkt mit den gruseligen Vorstellungen, die mit ihr verbunden sind, von der Gewaltbereitschaft der frühen Patriarchen ab, wie generell darüber ein Denkverbot ausgesprochen wird, so auch im EU-Bericht über die bereits erwähnte Studie, nach der auf der iberischen Halbinsel vor 4500 Jahren alle indigenen Männer umkamen:<br />
&#8222;<em>Der beste Beweis dafür sind die Überreste eines Mannes und einer Frau, die in der Bronzezeit zusammen an einem Ort in Spanien begraben wurden. Die Daten zeigen, dass die Frau eine Einheimische war und die jüngsten Vorfahren des Mannes aus Mitteleuropa stammten. &#8218;Es wäre ein Fehler, zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass die iberischen Männer getötet oder gewaltsam vertrieben wurden&#8220;, so Dr. Olalde gegenüber der ‚BBC‘. ‚Die archäologischen Befunde liefern keine eindeutigen Hinweise auf einen Gewaltausbruch in dieser Zeit.‘</em>&#8222;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">17</sup>
Nein, es ist kein „Fehler“, es ist sogar notwendig. Aus der Forensik ist hinlänglich bekannt, dass einem Leichnam nicht unbedingt die Gewalt anzusehen ist, die zum Tod geführt hat. Wirft man einen Leichnam sogar den Tieren zum Fraß vor, bleibt oft noch weniger übrig als z.B. bei einer Kremation. Wären die Männer als Sklaven in die Steppe verschleppt worden, wäre ebenfalls nichts von ihnen zurückgeblieben. Es dürften sich dennoch in der Zukunft klare Beweise zeigen, dass ihnen tötliche Gewalt angetan wurde, wo und wie auch immer. Iñigo Olalde von der Harvard Medical School, Hauptautor der Studie, blendet das vollständig aus: &#8222;<em>Dies ist einer der stärksten Beweise für die sexuelle Selektion in der Vorgeschichte auf dem Gebiet der Erforschung alter DNA</em>.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">18</sup> Die Gewalt gegen die Frauen, die sich den Eroberern verweigerten, interessiert den Autor gar nicht. Er will glauben machen, dass die Jamnaja in friedlicher Absicht nach Spanien kamen. Warum waren sie dann bis an die Zähne bewaffnet und warum starben nur die Männer? Mit seinem evolutionistischen Argument bedient er sich der Instrumentalisierung der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">Female Choice</a>, der wahren Sexuellen Selektion. Das hat nicht nur das Potential, noch die Mörder in ein gutes Licht tauchen und die Frauen in ein schlechtes, sondern ist vor dem Hintergrund des Patriarchats, das eine „Male Choice“ gewaltsam herstellt, vollständig abzulehnen. Denn mit seiner Ideologie der Patrilinearität, welche die Female Choice unterdrücken muss und dafür gewaltsam Patrilokalität herstellt, praktiziert das von Viehzüchter-Mentalität geprägte Patriarchat gleichsam Menschenzucht, die die natürliche Evolution auszuschalten sucht. Unabhängig davon ist mehr als unwahrscheinlich, dass indigene Männer, die sich nicht mehr fortpflanzen durften, schadlos davonkamen. Der „indigene INCEL“ ist im Übrigen ein moderner Mythos, der herangezogen wird, um die Gefahr für Frauen, die von heutigen, real existierenden INCELs ausgeht, mit Pornographie und Prostitution, also wieder auf Kosten der Frauen, einzudämmen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">19</sup>
<h2 id="der-backlash-unserer-zeit">Der Backlash unserer Zeit</h2>
<p>Die Zukunfts- und Friedensforschung kann aus der Archäologie und der Archäogenetik jene Muster ableiten, die sich im Großen wie im Kleinen ständig wiederholen, schließlich ist wie erwähnt das Private das Politische. Demnach ist es nicht nur ein vages Gefühl &#8222;spätrömischer Dekadenz&#8220; oder eine Untergangsstimmung, was gerade viele beschleicht, sondern durchaus auch eine Art kollektiver Weisheit, die aus der Erfahrung der Jahrtausende schöpft, die älter ist als die Geschichte von der troianischen Seherin Kassandra oder der apokalypischen Reiter der Offenbarung des Johannes. Die &#8222;letzte Generation&#8220; dürfte aber noch lange nicht geboren sein.<br />
Jeder Backlash sollte als Zusammenbruch eines andro-kulturellen Fortschritts, ja einer Kultur im besten Sinne gesehen werden, er ist der Krieg gegen die Frauen, eine Unkultur. Ein Beispiel ist die Familienpolitik der letzten 50 Jahre in der Bundesrepublik, insbesondere die Behandlung geschiedener Frauen und Mütter.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">20</sup> Damit bedroht er auch unmittelbar die Gesellschaft, Männer selbst, Kinder wie Frauen. Frauen können sich auf ihren Errungenschaften nicht ausruhen, sondern müssen aufmerksam die Entwicklung beobachten, aufklären und weiterkämpfen, damit es nicht einen Schritt vorwärts und zwei zurück geht. Nichts bleibt selbstverständlich oder ist erledigt. Der aktuelle frauenfeindliche und antifeministische Backlash, der nach Riane Eisler einen baldigen Krieg als realistisch erscheinen lässt, wird gezielt von der Vaterrechtsbewegung, islamistischen und klerikalen Verbänden, NGOs und Medien, ja sogar aus dem Ausland lanciert, beworben und finanziert, während die demokratischen Parteien unter dem Druck dieser Lobbyisten Gesetze erlassen, die Frauen in prekäre Verhältnisse zwingen oder verhindern, dass sie sich befreien können. Verstärkt wird der Backlash noch, weil diese empörende Politik Teile der Bevölkerung dazu bringt, totalitäre Parteien zu unterstützen, die Abhilfe versprechen, ohne diese Versprechen halten zu wollen.<br />
Mittel und Zweck zugleich des Patriarchats ist die Ausbeutung der Frauenkörper zur Menschenproduktion, daher haben totalitäre Parteien eine rigide Familienpolitik, die Restauration der Ehe und Homophobie im Programm. In einem Backlash bilden sich in den demokratischen Parteien zunehmend totalitäre Tendenzen heraus, womit sich der Effekt selbst verstärkt, ein Beispiel ist die Trans-Propaganda für das Selbstbestimmungsgesetz und seine reale Umsetzung, die nicht nur offen gebärneidisch, stillneidisch und frauenfeindlich, sondern auch homophob ist. Nicht umsonst wird Homosexuellen im Iran „nahegelegt“, sich einer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Transsexualit%C3%A4t_im_Iran" target="_blank" rel="noopener">Trans-OP</a> zu unterziehen.<br />
Zu einem Backlash gehört die Verrohung der Männer, denen Frauen- und Homorechte herzlich egal sind. Sie werden bei Gelegenheit nicht nur Belästigungen, Sexismus und Massenvergewaltigungen inszenieren, oder Femizide begehen, sondern auch die eigene Frau schlagen und vergewaltigen, damit sie nicht aufbegehrt. Die Heiratsindustrie und Romantikwelle des angehenden 3. Jahrtausends bildet die wieder zunehmende Ausbeutung der Frauenkörper in rosigen Bildern ab. Viele Stimmen fordern die Förderung der Prostitution, auch um INCELs zu befrieden, der Euphemismus der sog. Sexarbeiterin soll den Beruf normalisieren. Der Transhumanismus der libertären Bewegung fordert die Legalisierung der Leihmutterschaft und Eizellspende und <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter" target="_blank" rel="noopener">die sog. künstliche Gebärmutter</a>, womit Mütter überflüssig gemacht werden sollen.<br />
Eins ist gewiss, jedem Backlash folgt ein Zusammenbruch, dann eine Schockstarre, ein „das konnten wir doch nicht ahnen“, dann wieder ein Aufbegehren und ein Zurückgewinn an Lebensqualität, die überwiegend durch die Arbeit der Frauen und Mütter hergestellt wird. Es sind immer nur Frauen, die entsprechende Forderungen stellen, und es muss Männer geben, die das zulassen. Das Patriarchat bewegt sich in Sinuskurven. Gerade sind wir wieder ziemlich weit unten. Es ist die Frage, ob wir noch rechtzeitig die Kurve kriegen.</p>
<p>Gabriele Uhlmann im Juli 2024</p>
<p><strong>Update 10.09.2024:</strong><br />
Eine <a href="https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/138-pest-hund" target="_blank" rel="noopener">neue Studie</a> bestätigt wieder, dass die Theorie, dass die Pest ganze Landstriche entvölkerte, nicht haltbar ist.</p>
<h2 id="literatur">LITERATUR</h2>
<ul id="liste2">
<li>AiD 1/2014: &#8222;Archäologie in Deutschland&#8220;, Heft 1/2024</li>
<li>Baudelaire, Claire: Die schrittweise Abschaffung der Freiheit. Online-Ressource des Mia e. V. vom 06.05.2018 auf <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener">https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/</a> abgerufen am 06.07.2024</li>
<li>Eisler, Riane: Kelch und Schwert, Kelch &amp; Schwert &#8211; Unsere Geschichte, unsere Zukunft. Weibliches und männliches Prinzip in der Geschichte. Freiburg 1985, 2005</li>
<li>EK 2019: &#8222;Wissenschaft im Trend: Wie Massenmigration Spaniens DNA transformierte.&#8220; Online-Ressource der Europäischen Kommission vom 21.03.2019 abgerufen am 01.07.2024 auf <a href="https://cordis.europa.eu/article/id/124947-trending-science-how-mass-migration-transformed-spains-dna/de" target="_blank" rel="noopener">https://cordis.europa.eu/article/id/124947-trending-science-how-mass-migration-transformed-spains-dna/de</a></li>
<li>Gronenborn, Detlef: Klimainduzierte Umweltkrisen und ihre soziopolitischen Auswirkungen auf prähistorische Gesellschaften In: Daim, F.; Gronenborn, D.; Schreg, R. (hrsg.), Strategien zum Überleben. Umweltkrisen und ihre Bewältigung. RGZM Tagungen 11., 2011, S. 111-127. Online-Ressource auf <a href="https://www.researchgate.net/publication/230704707_Klimainduzierte_Umweltkrisen_und_ihre_soziopolitischen_Auswirkungen_auf_prahistorische_Gesellschaften" target="_blank" rel="noopener">https://www.researchgate.net/publication/230704707_Klimainduzierte_Umweltkrisen_und_ihre_soziopolitischen_Auswirkungen_auf_prahistorische_Gesellschaften</a></li>
<li>Kondor <em>et al.</em>: Explaining population booms and busts in Mid Holocene Europe. Online-Ressource auf https://www.nature.com/articles/s41598-023-35920-z vom 03.06.2023 abgerufen am 01.07.2024</li>
<li>Krause-Kyora, Ben: Jungsteinzeitliches Pestbakterium verursachte kein Massensterben. Online-Ressource auf <a href="https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/138-pest-hund" target="_blank" rel="noopener">https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/138-pest-hund</a> vom 06.09.2024 abgerufen am 10.09.2024</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Explosion und Expansion. Vortrag gehalten am 17.05.2019 an der Philipps-Universität Marburg im Rahmen der Studientage „Nachhaltigkeit und Gesellschaftsformen aus kritisch geographischer Sicht“ im Fachbereich 19 Geographie. Online-Ressource auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Antwort auf Meike Stoverocks &#8222;Female Choice&#8220;. Online-Ressource vom 08.04.2021 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice</a></li>
<li>Vieweg, Martin: Die Pest war ein klimagetriebener Importschlager. Online-Ressource vom 13.02.2015 auf <a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/die-pest-war-ein-klimagetriebener-importschlager/" target="_blank" rel="noopener">https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/die-pest-war-ein-klimagetriebener-importschlager/</a> abgerufen am 01.07.2023</li>
<li>ZDF 2019: Die Geschichte von Mensch und Pferd &#8211; Equus. Doku im Rahmen der ZDF-Sendereihe TerraX &#8211; taglicht media Film-&amp;Fernsehproduktion GmbH von 2019. Online-Ressource auf <a href="https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/equus-die-geschichte-von-mensch-und-pferd-100.html?at_specific=TerraX" target="_blank" rel="noopener">https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/equus-die-geschichte-von-mensch-und-pferd-100.html?at_specific=TerraX</a> abgerufen am 09.07.2024</li>
</ul>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Begriff „Andro-Kultur“ von Stephanie Gogolin beschreibt die männlich inszenierte und dominierte Kultur des Patriarchats. Sie beinhaltet Gewalt und Experimente, die massiv in die Natur eingreifen.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Eisler 2005, S. 230 ff</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Bibel, NT, Offenbarung des Johannes, 6. Kapitel</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2019</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Gronenborn 2011</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2019</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Kondor <em>et al.</em>: 2023</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;AiD Heft 1/2024, S. 76</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. ebd., S. 77</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eske Willerslev in ZDF 2019 ab Min. 40:45.</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. ebd. Min 37:15.</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Interview Johannes Krause ebd. ab Min. 38:08</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Vieweg 2015</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ebd.</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Kondor <em>et al.</em>, S. 6</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Kondor <em>et al.</em>, S. 7</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. EK 2019</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ebd.</div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2021</div><div>20&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Baudelaire 2018</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/apokalyptische-reiter-warum-gehen-kulturen-immer-wieder-unter-und-was-bedeutet-das-fuer-die-gesellschaft">Apokalyptische Reiter reloaded – Warum Kulturen immer wieder untergehen und was das für die Gesellschaft bedeutet</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Patriarchat und Gewalt in Çatal Höyük?</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat-und-gewalt-in-catal-hoeyuek</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Jul 2021 17:12:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Analysen und Studien]]></category>
		<category><![CDATA[Anthropologie]]></category>
		<category><![CDATA[Archäologie]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Female Choice]]></category>
		<category><![CDATA[Interdisziplinäre Patriarchatsforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Jungsteinzeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ausgrabung von Çatal Höyük Bildquelle: Wikimedia Commons Die Meldungen in der Presse Nachdem über Jahrzehnte keinerlei Spuren von Gewalt in Çatal Höyük gefunden wurden bzw. nichts darüber berichtet wurde und...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat-und-gewalt-in-catal-hoeyuek">Patriarchat und Gewalt in Çatal Höyük?</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg01.met.vgwort.de/na/5ca4160dc67e4d6c96b0e14383e0043f" alt="" width="1" height="1" /><br />
<a title="Stipich Béla [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_7.JPG"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone" title="Ausgrabung in Catal Hüyük - Ausschnitt" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/04/Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_7.JPG/512px-Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_7.JPG" alt="Ausgrabung in Catal Hüyük - Ausschnitt" width="512" height="340" /></a><br />
Ausgrabung von Çatal Höyük<br />
<span style="font-size: 8px;">Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<h2 id="die-meldungen-in-der-presse">Die Meldungen in der Presse</h2>
<p>Nachdem über Jahrzehnte keinerlei Spuren von Gewalt in Çatal Höyük gefunden wurden bzw. nichts darüber berichtet wurde und Matrifokalität ohne jeden Gegenbeweis mit einer erdrückenden Fülle von Indizien evident geworden war, ging am 17. Juni 2019 ein Forscherteam unter der Leitung von Clark S. Larsen (Ohio State University) mit einer Studie an die breite Öffentlichkeit, mit der der jungsteinzeitliche Siedlungshügel nun als elender Ort geprägt von patriarchaler Überbevölkerung, Krankheit und Gewalt hingestellt wird.</p>
<p>Das online-Magazin <em>Wissenschaft.de</em> schrieb unter dem Titel „Städtische Probleme – schon vor 9000 Jahren“:</p>
<blockquote><p>„Auch was das gesundheitliche Niveau in der Proto-Stadt betrifft, fanden die Forscher Hinweise auf einen Niedergang: Offenbar litten die Bewohner unter einer hohen Infektionsrate – konkret weisen bis zu einem Drittel der Überreste die Spuren von Infektionen an den Knochen auf. Vermutlich war dies auf die hohe Bevölkerungsdichte und die mangelnde Hygiene in der engen Siedlung zurückzuführen. Die Untersuchungen der Baustrukturen zeigen in diesem Zusammenhang: In der Blütezeit wurden die Wohneinheiten ohne Zwischenräume gebaut und die Bewohner kamen und gingen über Leitern.</p>
<p>In den durch Lehm verputzen Innenräumen ging es wohl auch nicht immer gerade sauber zu: Die Forscher fanden Spuren von tierischen und menschlichen Fäkalien. ‚Die Bewohner lebten unter sehr beengten Verhältnissen, mit Müllgruben und Tierställen direkt neben einigen ihrer Häuser. Es gab also offenbar eine ganze Reihe von Hygieneproblemen, die zur Ausbreitung von Infektionskrankheiten beitragen haben könnten’, resümiert Larsen. (…)<br />
Die Untersuchung einer Stichprobe von 93 Schädeln aus Çatalhöyük ergab, dass mehr als ein Viertel die Spuren geheilter Frakturen aufwiesen. Zwölf waren sogar mehrmals Opfer geworden – mit zwei bis fünf Verletzungen im Laufe der Zeit. Mehr als die Hälfte der Opfer waren dabei Frauen (…)<br />
‚Wir fanden eine Zunahme dieser Schädelverletzungen während der mittleren Periode, als die Bevölkerung am größten und am dichtesten war’, sagt Larsen. ‚Somit könnte man interpretieren, dass die Überbevölkerung zu erhöhtem Stress und zu Konflikten innerhalb der Siedlung geführt hat’, so der Wissenschaftler.“ (<a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/staedtische-probleme-schon-vor-9000-jahren/" target="_blank" rel="noopener">Vieweg 2019</a>)</p></blockquote>
<p><strong>Wie viele Frauen also wurden verletzt und wie viele mehrfach verletzt?</strong> Überlegen Sie kurz!<br />
<span id="more-2027"></span><br />
Wer den Text nur überfliegt, zieht schon schnell mal aus so einer Meldung, dass die Hälfte aller Schädel – also rund 47 – Verletzungen aufwiesen und zudem weiblich waren. Doch es sind der Formulierung zufolge ca. 24 (93/4) Verletzte und davon wurden 12, also die ca. Hälfte, mehrmals verletzt. „Mehr als die Hälfte der Opfer“ sind weiblich – das könnten wieder mindestens 12 sein, was zur Verwirrung beiträgt – , vielleicht sind es aber auch nur 6, wenn nur die mehrfach verletzten Opfer gemeint sind, wie es das Wörtchen „dabei“ suggeriert.<br />
Es geht aus der Formulierung nicht hervor, wie viele Frauen verletzt waren, wie viele mehrfach verletzt waren und auch nicht, wie hoch der Anteil der Frauen in der Stichprobe überhaupt war. Dazu später noch einmal.<br />
Es würde mich interessieren, wie Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser, diesen Text im ersten Moment wahrgenommen haben, schreiben Sie mir bitte unten….</p>
<p>Wie dem auch sei, mit diesem Paukenschlag wird alles vom Tisch gewischt, was bisher über Çatal Höyük bekannt war. Denn mindestens bis 2010 wurde nichts über Spuren von Gewalt veröffentlicht, obwohl dies für das Gastgeberland Türkei eine große Freude gewesen wäre, ist doch schon die Ahnung von matrifokalem Leben in grauer Vorzeit ein Schreckgespenst für jeden Patriarchen.</p>
<p>Ein anderes Magazin, <em>Der Standard.at</em>, titelte &#8222;9.000 Jahre alte Steinzeit-Stadt litt an modernen urbanen Problemen“ und schrieb u.a.:</p>
<blockquote><p>’Pflanzenanbau und Tierhaltung gab es von Anfang an, doch mit wachsender Bevölkerung intensivierte sich auch die Landwirtschaft dramatisch’, sagt Larsen. Der hohe Getreideanteil bei der Ernährung führte schnell zu typischen Zivilisationskrankheiten, darunter vor allem Karies: Zehn bis 13 Prozent aller gefundenen Zähne von Erwachsenen wiesen entsprechende Schädigungen auf.<br />
Und ein weiterer anatomischer Wandel ging mit dem Wachstum einher. Knochenuntersuchungen zeigten, dass die Bewohner von Çatalhöyük mit zunehmender Ausdehnung der Siedlung immer mehr zu Fuß unterwegs waren. Die Forscher schließen daraus, dass die Weide- und Ackerflächen im Laufe der Zeit weiter von der ‚Stadt’ wegrückten. ‚Wir glauben, dass die landwirtschaftlich ausgelaugte Umgebung und Klimaveränderungen die Bevölkerung dazu zwang, immer weitere Strecken zurückzulegen, um die Siedlung versorgen zu können’, meint Larsen. ‚Das dürfte letztlich auch zum Niedergang von Çatalhöyük beigetragen haben.&#8220;<br />
(<a href="https://www.derstandard.at/story/2000105111331/9-000-jahre-alte-steinzeit-stadt-litt-an-modernen-urbanen" target="_blank" rel="noopener">Berg 2019</a>)</p></blockquote>
<p>In der Tat, wir wussten schon, dass Çatal Höyük untergegangen ist. Und zwar aufgrund des dramatischen Klimawandels, der mit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Misox-Schwankung" target="_blank" rel="noopener">Misox-Schwankung</a> vor 8200 Jahren einher ging, was vor einem Jahr bekannt wurde (Roffet-Salque <em>et al.</em> 2018). Das können wir aber nicht der Matrifokalität anlasten und mit Patrilokalität hat das auch nichts zu tun. Überbevölkerung ist ein relativer Begriff: Seit dem 12. Jtd. verloren nun sesshafte Menschen nach und nach das Wissen, sich durch Sammeln zu ernähren und entwickelten den Garten- und Ackerbau, der etwa ab 9.500 v.u.Z. (Präkeramisches Neolithikum) voll ausgeprägt war. Die völlige Abhängigkeit der Landwirtschaft von günstigem Wetter blieb über 3000 Jahre lang unbemerkt, auch der damit einhergehende Anstieg der Bevölkerung auf ein höheres Niveau war kein Problem. Aufgrund des plötzlich eintretenden Klimawandels konnten sich die Menschen nicht mehr ausreichend ernähren. Ohne eine globale Vernetzung, mit welcher Nahrung über Ländergrenzen hinweg geliefert werden kann, gab es keine Kompensationsmöglichkeit, außer der Verlagerung auf tierische Nahrung (Roffet-Salque <em>et al.</em> 2018), was offenbar auch nicht genug war. Die Probleme, mit denen Çatal Höyük zu kämpfen hätte, waren daher alles andere als modern.</p>
<p>Wir wissen auch, dass die damals in den Steppen Südrusslands beginnende Tierzucht das erste Patriachat nach sich zog. Es hat viele Klimaflüchtlinge gegeben, die die Tiere in die Steppe trieben (vgl. <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat" target="_blank" rel="noopener">Uhlmann 2019</a>) und die wir als Indoeuropäer kennen. Heute ist die Überbevölkerung ein Dauerproblem, dessen Lösung trotz immer neuer Erfindungen der Hochleistungslandwirtschaft suksessive in immer weitere Ferne rückt. Denn das Patriarchat erzeugt nicht nur eine Bevölkerungsexplosion, sondern es betreibt schweren Raubbau an den Ressourcen, so dass die Tragfähigkeit der Erde bereits überschritten ist.</p>
<p>Wir wussten auch schon lange, dass es erste Zivilisationskrankheiten gab, aber auch das ist nicht der Matrifokalität geschuldet und nimmt sich im Vergleich damit, was das Patriarchat zusätzlich anrichtet, harmlos aus. Allein die Tatsache, dass der Doppel-Hügel 2200 Jahre Bestand hatte, beweist ein weitgehend intaktes Gemeinschaftsleben, ganz so, wie es bisher entdeckt wurde.</p>
<h2 id="friedliches-catal-hoeyuek-alles-veraltet">Friedliches Çatal Höyük &#8211; Alles veraltet?</h2>
<p>Als Jahrzehnte lange, skeptische Beobachterin der Ausgrabung habe ich immer damit gerechnet, dass so etwas kommt, denn ich kenne ja meine Pappenheimer. Die Herrschende Lehre arbeitet schon lange daran, die These von der Matrifokalität Çatal Höyüks zum Einsturz zu bringen, die schon der erste Ausgräber James Mellaart (1961-1964) aufgestellt hatte. Ian Hodder, Grabungsleiter bis 2018, musste feststellen, dass sein mit Schimpf und Schande aus dem Amt geworfener Vorgänger Mellaart mit seinen wesentlichen Aussagen Recht hatte. Es war sicherlich kaum möglich, dies vor der türkischen Regierung zu vertreten und ein kurzzeitiger Grabungsstopp zwischen 2010 und 2012 lässt vermuten, dass dies auch Konsequenzen hatte. Hodder entließ große Teile des Teams, mit der Begründung, &#8222;<strong>es hätte sich auf seinen Interpretationen ausgeruht, hätte sich nicht gegenseitig herausgefordert oder hätte die Annahmen, die für selbstverständlich gehalten wurden, nicht als Herausforderung gesehen.</strong>&#8220; (<a href="https://www.sciencemag.org/news/2010/09/hodder-cleans-house-famed-atalh-y-k-dig" target="_blank" rel="noopener">Balter 2010</a>, meine Übersetzung, meine Hervorhebung. Vgl. auch Farid 2014)</p>
<p>Also Matrifokalität nicht als Herausforderung gesehen? Ein Aufruf zum Kampf gegen das, was nicht sein darf? Was hatte dieses Grabungsteam entdeckt? Hodder fasste es im letzten Grabungsbericht dieses Teams (Archive Report 2010) zusammen:</p>
<blockquote><p>„Eine weitere neue Perspektive betrifft die soziale Organisation in Çatalhöyük. Wir haben lange angenommen, dass sie ziemlich egalitär war, aber in den letzten Jahren haben wir ‚Geschichtshäuser‘ identifiziert, die mehr Bestattungen enthielten und in Bezug auf Architektur und Installationen aufwändiger waren. <strong>Man hätte erwarten können, dass von diesen speziellen Häusern mehr Kontrolle über die Produktion ausging, reichere Bestattungen in ihnen gefunden würden oder gesündere Menschen in ihnen gelebt hätten.</strong> Aber je mehr Daten hereinkamen, desto klarer wurde, dass die Geschichtshäuser in keiner Weise etwas Besonderes waren, weder was Bestattungen noch Sorgfalt anging.<strong> Dies deutet darauf hin, dass Tendenzen zur sozialen Differenzierung in Çatalhöyük stark gedämpft waren.</strong> Von den vielen anderen neuen Erkenntnissen, die aufgelistet werden könnten, möchte ich nur eine weitere erwähnen, nämlich, was das bioarchäologische Team, das an den Skeletten arbeitet, die unter den Stockwerken von Gebäuden ausgegraben wurden, herausgefunden hat. <strong>Man hätte erwarten können, dass die Einwohner von Çatalhöyük von schlechter Gesundheit waren.</strong> Es wird oft angenommen, dass sich das Wohnen in Großsiedlungen negativ auf die Gesundheit der Menschen auswirkt. Und in der Tat weist die dichte Ansammlung von Häusern in Çatalhöyük, die von ausgedehnten Abfallzonen umgeben sind, in denen menschliche und tierische Fäkalien gefunden wurden, auf schlechte hygienische Bedingungen hin. Wir wissen auch, dass Ungeziefer weit verbreitet war. <strong>Es war also eine Überraschung, dass die Gesundheit der Bewohner bei einer Vielzahl von Untersuchungen tatsächlich gut war.</strong> Es scheint so, als hätten sie eine Möglichkeit gefunden, den Unrat zu entsorgen (<strong>wir wissen, dass sie den Dreck einebneten und mit Kalkasche bedeckt haben</strong>), um die negativen Auswirkungen zu minimieren, und sie haben <strong>ihre Häuser peinlichst sauber gehalten</strong>. Wir können nicht davon ausgehen, dass sie etwas von Krankheitserregern ahnten, <strong>aber ihre Praktiken haben es ihnen ermöglicht, gesund zu bleiben</strong>.“<br />
(Hodder 2010, S. 1; meine Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
<p>Diese Beschreibungen passten immer noch sehr gut zu einem Szenario mit hohem kulturellen Standard und Egalität, wie sie nur unter Matrifokalität anzutreffen ist, wo soziale Differenzierung aber nicht aktiv gedämpft werden muss, sondern entsprechend dem angeborenen Sozialverhalten in Sippenverbänden einfach nicht vorkommen kann.</p>
<p>Die am 17. Juni 2019 veröffentlichte Studie stammt nun von einem völlig anderen Team, das – oh Wunder – auch zu völlig anderen Ergebnissen gekommen ist, wie wir oben schon gesehen haben. Mit ihr werden die Ergebnisse, die im Archive Report 2010 veröffentlicht wurden, im Grunde dementiert. Die Arbeit von 17 Jahren für die Mülltonne?</p>
<h2 id="2011-den-wildbeutern-aehnlich-zusammengelebt-keine-familien-nachweisbar">2011: &#8222;den Wildbeutern ähnlich zusammengelebt &#8211; keine Familien nachweisbar&#8220;</h2>
<p>Wie ich bei meinen weiteren Recherchen entdeckte, ist die Studie aber nur die Krönung einer Kette von Studien, die seit 2011 nach und nach erschienen und zunächst von der Presse weitgehend unerwähnt blieben, bis auf eine: Sie trägt den Titel „’Offizielle’ und ‚praktische’ Verwandtschaft: Herleitung der sozialen und der Gemeinschaftstruktur aus dem Zahnphänotyp im neolithischen Çatalhöyük, Türkei (meine Übersetzung, im Original online:<a href="https://www.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ajpa.21520" target="_blank" rel="noopener"> “Official” and &#8222;practical&#8220; kin: Inferring social and community structure from dental phenotype at Neolithic Çatalhöyük, Turkey</a>).<br />
<a href="https://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html" target="_blank" rel="noopener">Das Ergebnis der Studie</a> wurde im Online-Magazin <em>Livescience</em> (Jarus 2011) unter dem Titel „Keine Familiengräber, nur Gemeinschaftsbegräbnisse in uralter Siedlung“ (meine Übersetzung, Originaltitel: „No family plots, Just Communal Burials In Ancient Settlement“) vorgestellt. An den Zähnen aus Gräbern in Çatal Höyük konnten keine Merkmale festgestellt werden, mit denen Verwandtschaften hätten nachgewiesen werden können.<br />
Dieses Ergebnis wirkt wie ein Salomonisches Urteil. Es wurden keine Kernfamilien – also Vater, Mutter und Kind – gefunden, aber das tut dem Team nicht weh, denn auf den ersten Blick lässt es auch Matrifokalität unwahrscheinlich erscheinen.</p>
<p>Ian Hodder zeigte sich darüber erstaunt und befand, dass die Bewohner den Wildbeutern ähnlich zusammengelebt haben müssten. Vielleicht tat er das in der Hoffnung, dass sich die Menschen die Steinzeit immer noch als patriarchales Jägerparadies vorstellen, wo Männer mit Keulen die Frauen an den Haaren hinter sich herzogen. Vielleicht war das auch bewusst diplomatisch ausgedrückt. Vielleicht denkt Hodder aber auch bis heute etwas anderes als das, was er verlauten lässt. Ich hoffe, wir werden es irgendwann erfahren.</p>
<p>Für mich kann es nichts anderes bedeuten, als dass die Menschen von Çatal Höyük wie noch die altsteinzeitlichen Wildbeuter <strong>matrifokal</strong> gelebt haben müssen, und zwar aus zwei Gründen:</p>
<ol class="liste1">
<li>ist es der Menschheit angeboren, dass Kinder bei ihren Müttern aufwachsen und es ist unwahrscheinlich, dass die Kinder in Çatal Höyük ihren Müttern weggenommen wurden. Zudem sind Mütter natürlicherweise auf die Hilfe ihrer Mütter, Schwestern und Cousinen angewiesen (<a href="https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410" target="_blank" rel="noopener">Großmutter-These, Beise/Voland 2003</a>). Dieses hochsoziale Kontinuum ist das Erfolgsgeheimnis der Menschheit mit ihrer extrem langen Kindheit.</li>
<li>legen patriarchale Familien stets besonderen Wert darauf, wenn möglich zusammen bestattet zu werden. Hintergrund ist, dass der familiäre Zusammenhalt in Patrilinearität in besonderer Weise zum Ausdruck gebracht werden muss. Die Notwendigkeit dazu ergibt sich aus der Unnatürlichkeit von Patrilinearität, die künstlich und gewaltsam hergestellt werden muss, indem die Mütter in der Familie regelrecht in Geiselhaft genommen werden, wie ich es bereits <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat" target="_blank" rel="noopener">an anderer Stelle</a> dargestellt habe. Familien sind infolgedessen brüchig und das gilt es zu vertuschen und zu beschönigen. Patrilinearität dient der Legitimation des Vaters und seines Erbes.<br />
Etwas, das mit so viel Aufwand installiert wurde, wird nicht im Tod ignoriert, sondern zelebriert, um der Patrilinie einen Ort zu geben, wo sie ihre Geschichte hochhalten kann. Etwas Vergleichbares oder bildliche Kunst, die darauf hinweisen könnte, gibt es in Çatal Höyük aber nicht.</li>
</ol>
<p>Ich vermute, dass Pilloud und Larsen vor allem nachweisen wollten, dass die Kinder mit den älteren Männern engst verwandt waren, sie haben sicher die Väter gesucht, aber ohne Erfolg. Was haben wir da also vor uns? Unter Matrifokalität leben die Onkel mit den Kindern ihrer Schwestern zusammen, aber das lässt sich nicht unbedingt an den Befunden aus der Studie ablesen, es fehlt ein Mitochondrien-DNA-Abgleich (mtDNA). Die Ähnlichkeit der Sippenmitglieder ist unter der gelebten <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">Female choice</a>, wie sie in Matrifokalität selbstverständlich ist, geringer, weil die nur über die Mutter blutsverwandten Sippenmitglieder genetisch voneinander weiter entfernt sind. Die Geschwister haben unterschiedliche Väter. Der Onkel hat damit auch einen anderen Vater als seine Schwester, ist also relativ weit von seinen Nichten und Neffen entfernt, obwohl er ihre mtDNA teilt, die nur über die Mutter vererbt wird. Größere genetische Vielfalt und nicht Endogamie (Inzucht) ist typisch für Matrifokalität. Das ist der entscheidende Unterschied zum Patriarchat, wo immer eifersüchtig darauf geachtet wird, dass eine Frau innerhalb des eigenen patrilinearen Stammes heiratet und monogam lebt. Bei einer Geschwisterehe (wie z.B. bei den ägyptischen Pharaonen) sind dann immer nur zwei Genpools beteiligt, und zwar der des Elternpaares. Unter Matrifokalität wären immer drei Genpools beteiligt, der der Mutter und die der beiden Väter. Aufgrund der chemotaktischen Inzest-Schranke kommt das so gut wie nie vor.<br />
Ob Hodder und sein neues Team dies alles vollständig durchdacht und verstanden hatten?</p>
<p>Die Studie gab damals Anlass zur Freude, bestätigte sie doch neuerlich Mellaarts Grundannahme. AutorInnen der Studie waren übrigens die Odontologin Marin A. Pilloud und der Bioarchäologe Clark S. Larson. Larsen gilt als Kapazität und war von 2001-2007 Chefredakteur eben jenes Magazins, in welchem die Studie 2011 veröffentlicht wurde, nämlich dem <em>American Journal of Physical Anthropology</em> ! Beide arbeiten seit der Entlassung des alten Teams immer wieder mit Ian Hodder zusammen und gehören auch jetzt wieder, nachdem Hodder sein Amt zurück gegeben hat und Çiler Çilingiroğlu von der Universität Izmir neue Grabungsleiterin ist, zum Studienteam. Es wurde dann für 8 Jahre ruhig um dieses Thema bis zu jenem 17. Juni 2019.</p>
<h2 id="2019-schwierigkeiten-mit-ueberbevoelkerung-gewalt-und-umweltproblemen">2019: &#8222;Schwierigkeiten mit Überbevölkerung, Gewalt und Umweltproblemen&#8220;</h2>
<p>Ich erfuhr von der neuen Studie auf der Facebook-Seite der Zeitschrift <a href="https://www.aid-magazin.de/startseite.html" target="_blank" rel="noopener"><em>Archäologie in Deutschland</em></a>, wo der entsprechende Artikel der <em>Ohio State News</em> verlinkt war (wofür hiermit gedankt sei!) und mit „Vor 9.000 Jahren, eine Gemeinschaft hatte mit modernen, urbanen Problemen zu kämpfen. Çatalhöyük hatte Schwierigkeiten mit Überbevölkerung, Gewalt und Umweltproblemen“ titelte (meine Übersetzung, <a href="https://news.osu.edu/9000-years-ago-a-community-with-modern-urban-problems/?fbclid=IwAR0-tx1IurYIziXbZWGwZ9wpuLCGKYsuuDik4T8_7tVANaK40XH9Z8LIz_E" target="_blank" rel="noopener">Originaltitel</a>).<br />
Mir fiel dabei auch besonders der folgende Satz auf:</p>
<blockquote><p>„Die Form der Verletzungen lässt darauf schließen, dass harte, runde Objekte auf die Schädel eingewirkt hatten – und Lehmkugeln in der richtigen Größe wurden ebenfalls gefunden.“<br />
(Grabmeier 2019, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Da erinnerte ich mich wieder, dass ja diese Lehmkugeln schon in den Neunziger Jahren gefunden worden waren, <a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/clay_balls/" target="_blank" rel="noopener">genauer gesagt Tausende davon</a>. Aufgrund fehlender Anzeichen für Gewalt waren sie ein Rätsel, aber das verschwieg die neue Studie. Sie wurden damals nur von manchen als Schleuergeschosse angesehen, auch als Sportgeräte konnte man sie sich vorstellen, besonders aber als Kochgeräte:</p>
<blockquote><p>„Wir sind nicht wirklich sicher, wofür sie benutzt wurden. Wir denken, sie könnten etwas mit dem Kochen zu tun haben. Denn sie wurden mit Ascheresten gefunden. Hier können Sie Asche und Kohle sehen, die wahrscheinlich von dem Feuer kamen.“<br />
(<em>Roddy Reagan in <a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/clay_balls/roddy/" target="_blank" rel="noopener">SMM 2003</a>, meine Übersetzung</em>)</p></blockquote>
<p>Die Archäologin Sonya Atalay wurde damals mit der Untersuchung der Kugeln betraut, die sie in 3 Kategorien einteilen konnte: Balloide, Minibälle und sogar „komisch“ geformt, dies alles in den unterschiedlichsten Größen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/www.smm.org/catal/media/images/mysteries/clay_balls/all_balls.jpg?w=349&#038;ssl=1" alt="Lehmkugel aus Catal Höyük - Bildquelle: https://www.smm.org"  border="0" /><br />
<span style="font-size: 9px;">Bildquelle: <a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/clay_balls/sonya/ball_types/" target="_blank" rel="noopener">https://www.smm.org/</a></span></p>
<p>Nun also sollen sie Wurfgeschosse sein, mit denen sich die Bewohner gegenseitig bewarfen und verletzten. Eine sehr steile These, denn es wurden der Studie zufolge auch nur geheilte Schädelverletzungen gefunden. Niemand wurde offenbar mit einem Stoß an den Kopf umgebracht.</p>
<p>Ich könnte mir aufgrund ihrer Menge vorstellen, dass die Lehmkugeln als Bettwärmer dienten. Denn die Winter waren kalt, so dass die Dachöffnungen sicherlich nachts geschlossen werden mussten und es daher nicht möglich war, nachts ein Feuer brennen zu lassen. Auf den <a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/clay_balls/" target="_blank" rel="noopener">Abbildungen</a> sieht man, dass sie in den Häusern nicht wild herum lagen, sondern in Clustern ordentlich abgelegt waren. Sie könnten zum Aufheizen in die Feuer gelegt worden sein, was die Brandspuren erklärt. Sowohl für diesen Zweck als auch als Wurfgeschoss hätten die BewohnerInnen genauso gut Steine nehmen können, haben sie aber nicht.</p>
<p>Die Schädelverletzungen insbesondere bei Frauen ließen sich auch ganz anders erklären, z.B. mit Stürzen von den zahllosen Leitern, über die die Häuser betreten werden mussten. Auch die begehbaren Dächer dürften öfter nachgegeben haben, denn sie waren nur von lehmverstärkten Flechtwerk abgedeckt. Sicherlich hatten die Frauen bereits damals eine größere Arbeitsbelastung und mussten über die Leitern schwere Lasten in die Häuser tragen. Dass dabei viel passieren konnte, sollte kein Wunder sein, ebenso wie das damit verbundene hohe Infektionsrisiko. Dass nach einer Dürre hungernde Menschen geringere Abwehrkräfte haben, ist auch nichts Neues, ebenso, dass sie aufgrund der allgemeinen Schwäche sich häufiger verletzten konnten. Dass die Frauen ihre Schädel-Verletzungen überlebten, zeugt aber dennoch von einer großen Fürsorge und auch einer gewissen Erfahrung, wie Wundinfektionen einzudämmen sind. Auch die allgemeine Karies-Rate von nur 10-13% zeugt von Wissen, dass und wie Zähne zu pflegen sind. Der Vergleich mit der Gegenwart zeigt, dass Larsen auch hier dramatisiert: <a href="https://www.derwesten.de/incoming/karies-ist-die-haeufigste-erkrankung-in-deutschland-id109385.html" target="_blank" rel="noopener">Laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung der deutschen Zahnärzte</a> hatte vor vierzig Jahren jeder Jugendliche im Schnitt sieben Zähne, die an Karies erkrankt waren. Gehen wir mal von 28 sichtbaren bleibenden Zähnen aus, ist das eine Rate von 25%, im Laufe des Lebens kamen dann noch die meisten anderen Zähne dazu. Viele Menschen tragen heute Vollprothesen, und das, obwohl vor 40 Jahren bereits eine Erziehung zur Zahnpflege erfolgte und Fluorzahnpasten die Regel waren.<br />
Çatal Höyük war bei weitem nicht so ein gruseliger Ort, wie er jetzt hingestellt werden soll!</p>
<h2 id="die-studie-unter-der-lupe">Die Studie unter der Lupe</h2>
<p>Noch am gleichen Tag begann ich damit, der Sache nachzugehen. Ich besorge mir natürlich immer die Originalstudien. Am von der Presse verlinkten Ort des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Peer-Review" target="_blank" rel="noopener">peer-reviewten</a> Magazins <a href="https://www.pnas.org/content/116/26/12615" target="_blank" rel="noopener">PNAS</a> befindet sich jedoch eine Bezahlschranke (<em>Paywall</em>), und wir können nur das <em>Abstract</em> lesen. Eine kostenlose Version müssen wir uns über die Suchmaschine unserer Wahl suchen und glücklicherweise werden wir auch <a href="https://www.researchgate.net/publication/333828774_Bioarchaeology_of_Neolithic_Çatalhoyuk_reveals_fundamental_transitions_in_health_mobility_and_lifestyle_in_early_farmers" target="_blank" rel="noopener">sofort fündig</a>.</p>
<p>Ich fand die wesentlichen Aussagen von der Presse gut wiedergegeben. Die Sache mit den Schädelverletzungen (vgl. oben) haben sie wie folgt ausgeführt:</p>
<blockquote><p>„Die Gemeinschaft von Çatalhöyük zeigt ein erhöhtes Maß an zwischenmenschlicher Gewalt, das durch geheilte Schädel-Depressionsfrakturen bei 25 Personen der Stichprobe von 93 Schädeln dargestellt wird (…) Insgesamt sind etwas mehr Frauen als Männer betroffen (13 gegenüber 10 bei Schädeln mit eindeutiger Geschlechtsidentifikation). Zwölf der 93 (13%) waren Mehrfachverletzte, die sich im Laufe der Zeit 2 bis 5 Verletzungen zugezogen hatten. Diejenigen mit den meisten Wiederverletzungen sind erwachsene Frauen.“ (Larsen <em>et al.</em> 2019, S. 7, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Sie haben es also fertig gebracht, 93 Schädel in die Studie aufzunehmen, von denen bei manchen das Geschlecht gar nicht festzustellen ist! So wird es simpel möglich zu behaupten, dass etwas mehr Frauen betroffen sind. Das Ergebnis bedeutet nicht, dass mindestens 7 Frauen Mehrfachverletzte waren, sondern unter den 12 Mehrfachverletzten waren mehr Frauen, die besonders viele Verletzungen erlitten, es können also auch weniger als 6 gewesen sein. Eine einfache Liste hätte geholfen, die Sache klar und deutlich zu machen, aber sie verstecken ihren Befund hinter unklaren Formulierungen. Leider fehlen auch jegliche Fotos von diesen Verletzungen.</p>
<p>Ein äußerst bedeutender Absatz der Original-Studie jedoch wird erstaunlicherweise in der Presse weggelassen:</p>
<blockquote><p>„Auf einer größeren regionalen Skala zeigt die Analyse der phänotypischen Variationen der Zähne aus Çatalhöyük und von zwei anderen zentralanatolischen neolithischen Gemeinschaften – Aşıklı Höyük und Musular – eine allgemeine Ähnlichkeit, was auf eine regional enger verwurzelte Variation hindeutet (60). Darüber hinaus gibt es in Çatalhöyük bei Männern ein Muster geringerer Unterschiede im dentalen Phänotyp als bei Frauen, das die Wahrscheinlichkeit eines <strong>patrilokalen, ehelichen Aufenthalts</strong> dokumentiert (61) und was Auswirkungen auf Personenbewegungen, Muster des Genflusses und die Strukturierung der Bevölkerung hat, basierend auf Frauen, die in die Gemeinschaft ziehen“. (Larsen <em>et al.</em> 2019; meine Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
<p>Dies bedeutet, dass nun ein Patriarchat – und damit Familien – für wahrscheinlich gehalten wird. Das ist natürlich ein noch größerer Paukenschlag! Und dem musste weiter nachgegangen werden…</p>
<p>Die beiden Literaturangaben beziehen sich auf 60 = &#8222;Pilloud <em>et al.</em> 2018&#8243; und 61 = &#8222;Königsberg 1988&#8220;. Letztere beschreibt eine schon 30 Jahre alte Methode zur Interpretation von Messdaten, die anhand von Schädeln nordamerikanischer Indianer entwickelt wurde und bis in die Gegenwart Anwendung findet. Ersteres aber ist brisant. Marin A. Pilloud, Clark S. Larsen und Kollegen hatten im Jahre 2018 an der jährlichen Konferenz der <em>American Association of Physical Anthropologists</em> teilgenommen und die obige Literaturangabe bezieht sich auf ein Poster (von zweien), das anlässlich der Konferenz gestaltet wurde und bei <a href="https://scholar.google.com/scholar_lookup?author=M.+A.+Pilloud&amp;title=Mobility+in+Neolithic+central+Anatolia%3A+A+comparison+of+dental+morphometrics+and+aDNA&amp;publication_year=2017&amp;journal=Am.+J.+Phys.+Anthropol.&amp;volume=162" target="_blank" rel="noopener">Google Scholar</a> verlinkt ist, sowie auf ein Abstract, das in einem Beiheft des <em>American Journal of Physical Anthropology</em> abgedruckt ist.</p>
<h2 id="sekundaerquellenkritik-poster-1-von-2018">Sekundärquellenkritik &#8211; Poster 1 von 2018</h2>
<p>Zur Fragestellung findet sich auf dem Poster aber lediglich folgende Angabe:</p>
<blockquote><p>“Frühere Analysen der Zahnmorphology und Maße (Aşıklı Höyük, Musular, and Çatalhöyük) weisen darauf hin, dass eine patrilokale, eheliche Residenzpraxis betrieben wurde (Pilloud 2013), was sich auf die räumlichen Bewegungen von Menschen und die Entwicklung strukturierter Gesellschaften im Laufe der Zeit auswirkt.“<br />
(Pilloud <em>et al.</em> 2018, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Die Studie von 2019 beruft sich also auf ein Poster, welches nur plakative Angaben macht und sich damit wiederum auf eine andere Quelle, und zwar von 2013 beruft, die wir uns natürlich wieder beschaffen müssen! Die Quelle ist Marin A. Pilloud, diesmal ganz alleine, die uns schon aus dem Jahre 2011 bekannt ist als diejenige, die keine Familiengräber finden konnte. Nach der Quellenangabe „S. 221-222“ waren zwei DINA4 Seiten zu erwarten. Das erstaunte mich doch sehr und dem bin ich weiter nachgegangen, erwartete ich doch eigentlich, nun endlich eine groß angelegte Studie mit Aussagen über die Zahl, das Geschlecht, den Fundort, Erhaltungszustand etc. der Zähne und Angaben über die verwendeten Methoden zu finden. Leider (oder natürlich?) ist diese Quelle nicht im Internet abrufbar.</p>
<h2 id="primaerquellenkritik-supplement-von-2013-das-duennste-brettchen-der-welt">&#8222;Primärquellen&#8220;kritik &#8211; Supplement von 2013: Das dünnste Brettchen der Welt</h2>
<p>Also habe ich meinen Universitätsbibliotheks-Account geöffnet und in der GBV-Fernleihe-Datenbank danach gesucht. Die betreffende Zeitschrift ist bei mir vor Ort nur bis zum Jahrgang 1999 einsehbar, lässt sich jedoch über Fernleihe bestellen. Dies funktionierte aber nicht und lieferte die Meldung zurück, dass ich das Heft ja in meiner Bibliothek einsehen könne. Darum musste ich mich persönlich auf den Weg in die Bibliothek machen, um das Problem dort einer Fachkraft vorzutragen. Es handele sich um einen nicht seltenen Fehler und ich könne es in der Fernleihstelle per Email melden, wo man mir helfen würde. Tatsächlich wurde der gesuchte Artikel nach ein paar Tagen von der Staatsbibliothek Berlin nach Braunschweig gesendet, der Fehler konnte aber nicht behoben werden. Die Dame am Ausleiheschalter, die ja einiges gewohnt ist, meinte „oh, das ist aber dünn“ und händigte mir drei zusammengetackerte DINA4-Seiten aus. Seite 1 war das Deckblatt der Bibliothek. Seite 2 und 3 waren die Kopien mit dem Artikel. Jedoch – die Seiten waren 3-spaltig aufgebaut und der gesuchte Text begann auf Seite 2 erst in Spalte 3 ganz unten, letzte 8 Zeilen, und endete schon wieder auf Seite 3 in der Mitte der Spalte 1. Da hat Pilloud aber „Glück“ gehabt, dass der Text, eine Ergänzung (Supplement) von vielen zu der zugehörigen Zeitschrift, der locker auf einer Postkarte Platz gefunden hätte, nicht nur auf Seite 3 abgedruckt wurde!</p>
<p><img data-recalc-dims="1" height="300" width="300" decoding="async" class="size-medium wp-image-4790 aligncenter" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/text.jpg?fit=300%2C300&#038;ssl=1" alt="Kopien, 2 DIN A4-Seiten" /></p>
<p>Der Kürze und Brisanz wegen kann bzw. muss ich hier den gesamten Text zitieren:</p>
<blockquote><p>“<strong>Eheliche Residenz im neolithischen Anatolien.</strong><br />
MARIN A. Pilloud. Central Identification Laboratory, Joint POW / MIA Accounting Command.<br />
Die neolithische Anlage von Çatalhöyük, Türkei (7400-5600 cal BC) ist bekannt für eine Bilderwelt mit weiblicher Symbolik, die dort entdeckt wurde, darunter die sogenannten Göttin-Figurinen. Das Vorhandensein solcher Artefakte hat einige Forscher zu dem Schluss geführt, dass in Çatalhöyük eine Art Fruchtbarkeitskult mit dem Weiblichen als zentraler Figur betrieben wurde. Diese Art der Verehrung gepaart mit der Tatsache, dass Çatalhöyük ein frühes Zentrum der Landwirtschaft war, führte andere zu der Argumention, dass Çatalhöyük eine matriarchale Gesellschaft gewesen sei. Jedoch, archäologische Untersuchungen des Ortes haben gezeigt, dass zwischen den Geschlechtern in Bezug auf Ernährung, Aktivitäten und Bestattung sehr wenig Unterschied besteht. Die vorliegende Studie prüft die Hypothese einer weiblich zentrierten Gesellschaft mittels einer Analyse des ehelichen Wohnsitzes basierend auf der Zahn-Metrik und -Morphologie. Die Daten wurden an erwachsenen Gebissen aus Çatalhöyük sowie zwei weiteren neolithischen Stätten in Anatolien, Aşıklı Höyük und Musular, gesammelt. Die Daten von Männern und Frauen wurden innerhalb von Çatalhöyük verglichen sowie zwischen den drei neolithischen Standorten, um die phänotypische Variation der Zähne zu bewerten.<br />
Innerhalb Çatalhöyük zeigen Varianz-Unterschiede in Bezug auf eine Variable, dass die Frauen mehr Variation in der Zahngröße aufweisen als die Männer. Zwischen den drei Standorten zeigten Tests in Bezug auf eine Variable, der Zahngröße, große Unterschiede bei den Männern, während die Frauen sehr ähnlich waren. Die Zahn-Morphologie identifizierte wenige Unterschiede sowohl innerhalb von Çatalhöyük als auch zwischen den drei Standorten für Mann oder Frau. Basierend auf diesen Ergebnissen scheint es, dass die Frauen das mobilere Geschlecht waren, was mit der Erwartung einer patrilokalen Gesellschaft in Einklang steht.<br />
Gefördert durch Zuschüsse von der Ohio State University, American Research Institute in der Türkei und National Geographic.“<br />
(Pilloud 2013, S. 221 f, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Was sagt uns das? <strong>Erst einmal gibt es wieder Grund zur Freude</strong>: Unbeabsichtigt hat Marin A. Pilloud ihrer Logik nach den Nachweis geführt, dass die Menschen von Aşıklı Höyük und Musular deutlich matrilokal gelebt haben müssen. Größere Ähnlichkeit der Zähne der Männer innerhalb eines Ortes und geringere Ähnlichkeit in einem weiteren Raum bedeutet, dass die Männer ortstreu seien, also patrilokal heiraten, aber nur, wenn für die Frauen etwas anderes festgestellt wird. Das war an diesen beiden Orten NICHT der Fall. Auch in Çatal Höyük war das nur für die <strong>Zahngröße</strong> festgestellt worden, nicht aber für die Form, die <strong>Morphologie</strong> der Zähne! In der Studie von 2019 wird aber behauptet – ich wiederhole: „<em>Darüber hinaus gibt es in Çatal Höyük bei Männern ein Muster geringerer Unterschiede im dentalen Phänotyp als bei Frauen, das die Wahrscheinlichkeit eines <strong>patrilokalen, ehelichen Aufenthalts</strong> dokumentiert</em>“ (Larsen <em>et al.</em> 2019, m. Ü., m. H.) Im Poster wird sogar behauptet – ich wiederhole: “<em>Vorherige Analysen der <strong>Morphology und Maße </strong>der Zähne (Aşıklı Höyük, Musular and Çatalhöyük) deuten an, dass eine patrilokale, eheliche Residenzpraxis betrieben wurde (Pilloud 2013), welche Auswirkungen auf die Bewegungen über den Raum und die Entwicklungen strukturierter Gesellschaften im Laufe der Zeit hatte.</em>“ (Pilloud <em>et al.</em> 2018, m. Ü., m. H.)</p>
<p>Es sind in Çatal Höyük nur Unterschiede in der <strong>GRÖSSE</strong> gefunden worden und an den anderen neolithischen Orten nicht einmal das. Für das viel bedeutendere Kriterium, nämlich die <strong>FORM,</strong> weist Çatal Höyük nur wenige, das heißt keine signifikaten Unterschiede auf. Damit handelt es sich hier um eine Falschaussage in dem Poster von 2018 und um eine Übertreibung („phänotypisch“) in der Studie vom 17. Juni 2019.</p>
<p>Da dem Text von Pilloud 2013 keine Tabellen beiliegen, dürfen wir uns fragen, nach welchen Kriterien die Zähne ausgesucht wurden. Wo wurden sie z.B. gefunden? Dazu keinerlei Angabe, auch nicht zur Anzahl der untersuchten Individuen.</p>
<p>Marin A. Pilloud schreibt von „sog. Göttinnen-Figurinen“, was bereits eine klare, ideologische Absage an Marija Gimbutas und James Mellaart ist, und schlimmer noch, sie wischt mit einem rhetorischen Schachzug Matrifokalität vom Tisch, in dem sie von einem Matriarchat im Sinne von Frauenherrschaft, also von Ungleichheit spricht, von der insbesondere aber Marija Gimbutas nie gesprochen hat. Dass Matrifokalität die einzige Lebensform ist, die echte Egalität ermöglicht, weiß Pilloud entweder nicht, oder sie WILL es nicht wissen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, und das habe ich leider erst jetzt bemerkt, dass sie zum Zeitpunkt dieser „Untersuchung“ und insgesamt vier Jahre für das US-Verteidigungsministerium (Central Identification Laboratory, Joint POW / MIA Accounting Command) gearbeitet hat, dessen erzpatriarchale Gesinnung wir nicht ausführen müssen.</p>
<p>Weil leider nicht immer nur Wissen erschaffen, sondern auch Wissen vorgetäuscht wird, hat die Wissenschaftsethik 12 zu erfüllende Kriterien aufgestellt. Dies sind<br />
1. Ehrlichkeit<br />
2. Objektivität<br />
3. Überprüfbarkeit<br />
4. Reliabilität<br />
5. Validität<br />
6. Verständlichkeit<br />
7. Relevanz<br />
8. Logische Argumentation<br />
9. Originalität<br />
10. Nachvollziehbarkeit<br />
11. Fairness<br />
12. Verantwortung<br />
(FH DO 2011, S. 15, <a href="https://www.springer-campus-it-onlinestudium.de/w3lmedia/W3L/Medium112698/9783868340341_Leseprobe.pdf" target="_blank" rel="noopener">online, im PDF S. 3</a>)</p>
<p>Menschen können sich auch irren, nicht nur JournalistInnen, auch ArchäologInnen stehen unter Druck. Einerseits müssen sie sensationelle Ergebnisse vorweisen, um Geld für den Fortgang einer Grabung einfordern zu können, andererseits sind die Geldgeber und Archäologen daran interessiert, dass die Grabungsergebnisse ihr Weltbild bestätigen, das ja immer ein patriarchales ist. Insbesondere die Grabungsgeschichte von Çatal Höyük, das in der Zentral-Türkei gelegen ist, ist ein Beispiel dafür, wie schnell eine Grabung für beendet erklärt wird und missliebige Archäologen entfernt werden. Nach Hodders unspektakulärem Abgang ist die Grabung wieder ganz in türkischen Händen. Ein anderes Beispiel ist die Ausgrabung in Ephesus, wo dem österreichischen Team im Jahre 2016 aus politischen Gründen die Grabungslizenz entzogen wurde (<a href="https://science.orf.at/stories/2891594/" target="_blank" rel="noopener">Sciene ORF 2018</a>). Aber das nur am Rande.</p>
<p>Das Poster 1 <em>Pilloud et al. 2018</em> wirft damit noch weitere Fragen auf.</p>
<ol class="liste1">
<li>Unter &#8222;Materialien und Methoden&#8220; wird die Tabelle 2, die nur Daten aus Aşıklı Höyük, Musular and Çatal Höyük enthält, falsch zugeordnet: „<em>Data were collected on nuDNA from a subset of Individuals from Boncuklu und Tepecik-Çiftlik (Table 2).</em>“ Die Daten zur nuDNA befinden sich jedoch in „Figure 3“. Ein einfacher Schreibfehler ist das nicht, sondern bereits Nachlässigkeit, und dies auf einem kleinen Poster, das eine Aussage von erheblicher Tragweite trifft. Der Satz lässt ein zweites Mal aufmerken. Denn die Überschrift des Posters lautet „Mobility in Neolithic Central Anatolia: A Comparison of Dental Morphometrics and aDNA“. Aber die Untersuchung der Zähne aus Çatal Höyük wurde <strong>NICHT</strong> durch eine DNA-Untersuchung abgesichert! Dies ist in gewisser Weise eine manipulative Gestaltung der Studie und ihrer Überschrift.</li>
<li>Das Poster enthält insgesamt 3 Tabellen und eine Abbildung, die möglicherweise schon 2013 von Marin A. Pilloud produziert worden sind. Hat es 4 Jahre gedauert, bis das Forscherteam, zu dem wieder Marin A. Pilloud gehörte, damit auf eine Konferenz gegangen ist? Das Poster erweckt aber den Eindruck, als seien es völlig neue Daten. Aber waren die Daten vielleicht noch so wenig aussagekräftig, dass sie weiter verwertet werden mussten oder gibt es einen anderen Grund? Denn das vorliegende Poster soll primär etwas anderes zum Ausdruck bringen. Wir lesen dort als Ergebnis (das ich abschreiben musste, weil das PDF des Posters kopiergeschützt ist):<br />
<blockquote><p>„Diese Ergebnisse legen die regionale Entwicklung von Gemeinschaften nahe, die im Laufe der Zeit begannen, miteinander zu interagieren, was schließlich zu größeren dörflichen Siedlungen führte.“<br />
(Pilloud <em>et al. </em>2018; meine Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
</li>
</ol>
<p>Pillouds „Studie“ von 2013 hat, das zeigen nun diese Tabellen im Poster 1 von 2018 (wenn es tatsächlich diejenigen sind), große Schwächen, von der Tatsache abgesehen, dass allein das Kriterium der Zahngröße zu der brisanten Aussage herangezogen werden konnte. Da ist schon einmal die geringe Anzahl und das ungleiche Geschlechterverhältnis der untersuchten Individuen. Um Residenzregeln zu beweisen, müssen gleich viele Männer wie Frauen untersucht werden. (Dieser Fehler wurde schon bei den <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/das-massaker-von-talheim" target="_blank" rel="noopener">Untersuchungen am bandkeramischen Massaker von Talheim/Neckar</a> gemacht, wo die Archäologin Ursula Eisenhauer ebenfalls Patrilokalität nachzuweisen versuchte, was ich ebenfalls entkräften konnte; vgl. Uhlmann 2012 und Düring/Wahl 2014, S. 22 f).<br />
Aber es wurden hier 56 Männer und 67 Frauen (Verhältnis 0,84) untersucht. Dass bei mehr Frauen auch mehr Unterschiede festgestellt werden, sollte uns nicht wundern. In Aşıklı Höyük wurden 11 Männer und 14 Frauen (Verhältnis 0,79) und nur in Musular gleich viele, jedoch nur 3 Männer und 3 Frauen untersucht und hier wurden auch die geringsten Unterschiede gefunden.<br />
Wir erfahren wie gesagt auch nichts darüber, an welchen Stellen die Zähne gefunden wurden, denn Çatal Höyük ist viel größer als Aşıklı Höyük und Musular. Durch gezielte Auswahl von weiblichen Zähnen an unterschiedlichen Orten, wäre das Ergebnis leicht zu manipulieren gewesen. Wir erfahren auch nichts über das mutmaßliche Alter der „Frauen“ zum Todeszeitpunkt und den Erhaltungszustand im Vergleich der Zähne untereinander. Auch Fotos wären anschaulich gewesen.</p>
<p>Der verwendete Datensatz ist leider auch nicht identisch mit dem aus der Studie von Pilloud/Larsen 2011, bei der keine Familiengräber gefunden wurden. 2011 wurden 266 Individuen einbezogen, 2013 offenbar (wenn die Tabelle im Poster von 2017 tatsächlich aus dem Jahre 2013 stammt) nur 256. Als Untermauerung einer so schwerwiegenden Aussage ist diese Quelle <em>Pilloud 2013</em> völlig ungeeignet und hat, obwohl auch sie in dem sog. peer-reviewten Fachmagazin „American Journal of Physical Anthropology“ veröffentlicht wurde, lediglich den Wert einer Zeitungsmeldung.</p>
<h2 id="sekundaerquellenkritik-poster-2-von-2018">Sekundärquellenkritik &#8211; Poster 2 von 2018</h2>
<p>Werfen wir noch einen Blick auf das <a href="https://www.researchgate.net/publication/327537029_Dental_Diversity_and_Population_Movement_in_Neolithic_Central_Anatolia" target="_blank" rel="noopener">2. Poster</a> (Philbin/Pilloud 2018), das auf der Konferenz präsentiert wurde. Es geht darin wieder um Zahn-Untersuchungen aus den gleichen Orten, nur Tepecik-Çiftlik fehlt. Die AutorInnen sind diesmal Casey S. Philbin und Marin A. Pilloud. Sie betonen in der rechten Seitenspalte, dass Clark S. Larsen Einfluss auf die Studie genommen hat. Es wurden zwei Hypothesen überprüft. 1. die neolithischen Gemeinschaften entwickelten sich regional, und 2. während des jüngeren Neolithikums gab es verstärkten Kontakt zwischen den Siedlungen und einen Genfluss. Im Ergebnis hätte sich beides bestätigt, alle Orte hätten an Diversität zugenommen. Die Zunahme an Merkmalen deute auf eine Zunahme der Komplexität der Gemeinschaft hin. Die Studie diene dem Verständnis, wie sich die Sesshaftigkeit über Europa ausgebreitet hatte, mit Anatolien als führender Rolle.<br />
Diesmal wurde kein Augenmerk auf das Geschlecht der untersuchten Individuen gelegt. Aus Çatal Höyük wurden deutlich weniger Zähne ausgewertet, nämlich nur 137, während die Anzahl aus Aşıklı Höyük mit 39 etwas mehr war und Musular mit 7 gleich blieb. Diese DNA-Untersuchungen können also keine Patrilokalität beweisen, lediglich die Vermischung der Gene in der Region, was ja auch erwartet war.</p>
<p>Wir können daraus ablesen, dass Çatal Höyük eine starke Anziehungskraft ausübte. Die Sogwirkung beweist, dass Çatal Höyük über einen sehr langen Zeitraum nicht so unwirtlich und so gewalttätig gewesen sein kann, wie es Larsen am 17. Juni 2019 verlauten ließ.<br />
Die Sogwirkung allein dem massenhaften Zuzug von Ehefrauen zuzuschreiben, ist nicht haltbar, auch hätte es dann vor Ort einen permanenten Männerüberschuss, also einen Heiratsmarkt, hätte geben müssen, wenn die Männer nicht polygam gelebt haben. Das wiederum dürfte angesichts der Bildsprache der Rauminstallationen in den Häusern kaum der Fall gewesen sein. Im Gegenteil, die Menge verbauter Bukranien (Rindergehörne), die wenn sie denn tatsächlich männliche Tiere bzw. Männer repräsentieren, ist deutlich größer als die Zahl der Frauenfiguren, neben denen sie angeordnet sind. Ich würde sie eher als Symbole der vielen Liebhaber einer Mutter ansehen. Es ist nachvollziehbar, dass die zugezogenen Frauen ihre Liebhaber vor Ort ausgewählt und getauscht haben. Aber deswegen muss frau ja nicht gleich heiraten, wie es so schön heißt.</p>
<p><a title="Elelicht [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_EL.JPG"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/08/Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_EL.JPG/512px-Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_EL.JPG" alt="Catal Hüyük EL" width="512" /></a><br />
Installation aus Çatal Höyük: Oben Urmutter in Gebärhaltung, unten Bukranien. Neben dem Ofen erkennen wir Lehmkugeln.<br />
Rekonstruktion im Museum of Anatolian Civilizations, Ankara<br />
<span style="font-size: 8px;">Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<p>Es dürfte sich daher um den Zuzug ganzer Sippen oder Teilen von Sippen gehandelt haben, wobei vor allem die Frauen es attraktiv fanden, fortan in der Metropole zu wohnen und die Zuwanderung auch der Männer maßgeblich vorantrieben. Es müssen sich daraus Vorteile für sie selbst ergeben haben, u.a., auf den ersten Blick, eine größere Auswahl an Männern. Natürlich kann so der Eindruck entstehen, es hätte sich um patrilokale Familienbeziehungen gehandelt. Mangelnde Vorstellungskraft und Rückwärtsprojektion patriarchaler Verhältnisse führen zu solchen Verlautbarungen. Auf der Basis der Beobachtung, dass in patriarchalen Gesellschaften darauf geachtet wird, dass Familienmitglieder gemeinsam bestattet werden, gehen Hodder, Larsen und Pilloud davon aus, dass von der Art der Bestattung auf die des sozialen Zusammenlebens geschlossen werden kann. Bei matrifokalen Gemeinschaften ist das aber nicht so einfach. So wissen wir aus dem matrilinearen Völkern in Amerika, Afrika und Asien, dass die Kinder oft gar nicht wissen, welche Frau ihre eigene Mutter ist (Tazi-Preve 2017, S. 155f und 2018). Es gibt dann kein Wort für Tante, sondern nur das Wort Mutter.</p>
<p>Çatal Höyük war keine Ansammlung von Parallelgesellschaften, sondern ein echter Schmelztiegel. Wir können davon ausgehen, dass die Kinder auch von Nachbarsippen mitbetreut wurden und, wenn ein Kind Waise, also mutterlos wurde, nahtlos von anderen Sippen adoptiert wurde, was aus psychologischer Sicht sicher hilfreich war. Vielleicht war ja genau das der größte Vorteil, den Kinder dort hatten, dies in der Zeit des Hungers nach der Misox-Schwankung. In großen sesshaften, matrifokalen Gemeinschaften ist demnach gar nicht zu erwarten, dass die mütterlichen Linien beieinander bestattet sind. Für altsteinzeitliche, nichtsesshafte Wildbeutergruppen dürfte dies anders gewesen sein, da die Gruppen wesentlich kleiner waren, nur aus einer Sippe bestehend, mit ca. 80-120 Personen und nicht wie in Çatal Höyük mit mehreren Tausend.</p>
<p><a title="Stipich Béla [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_Restauration.JPG"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/7b/Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_Restauration.JPG/256px-Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_Restauration.JPG" alt="Catal Hüyük Restauration" width="256" /></a><br />
Raum aus Çatal Höyük: Unter den Schlaf-Plattformen wurden die Angehörigen bestattet. Rekonstruktion im Museum of Anatolian Civilizations, Ankara<br />
<span style="font-size: 8px;">Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<h2 id="neue-verwandtschaftsstudie-von-2019-aehnlich-den-matrilinearen-Pueblo">Neue Verwandtschaftsstudie von 2019: Ähnlich den matrilinearen Pueblo?</h2>
<p>Bei meiner Recherche entdeckte ich eine weitere 2019 erschienene, wesentlich nüchternere (<a href="https://www.mdpi.com/2073-4425/10/3/207" target="_blank" rel="noopener">und auch frei im Internet abrufbare</a>) Studie eines völlig anderen Teams polnischer, tschechischer, schwedischer und türkischer BiologInnen und ArchäologInnen. Sie untersuchten 4 benachbarte Häuser in Çatal Höyük aus der sog. Mellaart-Phase VI A und konnten dort insgesamt 10 verschiedene Mitochondrien-DNAs (mtDNA) identifizieren, also im Schnitt 2,5 mtDNAs pro Haus. Insgesamt wurden 37 Individuen untersucht, und zwar zehn aus Gebäude 96, sechs aus Gebäude 97, fünf aus Gebäude 89, und 16 aus Gebäude 80, wo nebenbei erwähnt besonders viele Installationen gefunden wurden.<br />
Davon waren viele Proben kontaminiert, so dass am Ende nur 10 Individuen berücksichtigt werden konnten. Es waren 5 Kinder und 5 Erwachsene. Es konnten nur 3 weibliche Individuen eindeutig indentifiziert werden, davon zwei Kinder. Nach der DNA konnte kein Mann zweifelsfrei identifiziert werden, nach der Morphologie ist vermutlich nur ein Mann dabei.<br />
Keine der mtDNAs kam in ein und demselben Haus mehrfach vor, aber in den 4 benachbarten Häusern fanden sich VertreterInnen von insgesamt 6 „Lineagen“ (U, K, H, W, N und X), die aber zu 10 verschiedenen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Haplotyp" target="_blank" rel="noopener">Haplotypen</a> gehörten. Alle Erwachsenen gehörten unterschiedlichen „Lineagen“ an.<br />
Im Gebäude 96 wurden eine Frau und 3 Kinder gefunden, die keine Verwandten ersten Grades waren. Dies wird wie folgt interpretiert:</p>
<blockquote><p>“Der Fall der im Gebäude 96 begrabenen Personen ist besonders interessant, da vier verschiedene mitochondriale Haplotypen darauf hindeuten, dass mindestens vier verschiedene mütterliche Abstammungslinien in der Gruppe der Personen vorlagen, die in diesem bestimmten Haus beigesetzt wurden. Eine derart hohe Variabilität mitochondrialer Haplogruppen in einer Verwandtschaftsgruppe, insbesondere bei Kindern und Frauen, <strong>könnte durch die Patrilokalität erklärt werden</strong>. Unter der Annahme, dass das Haus als für Çatal Höyük typische Struktur für 3-4 Generationen bewohnt war (…) und von einer matrilokalen oder bilateralen biologischen Verwandtschaftsgruppe bewohnt wurde, ist die Möglichkeit unplausibel, vier Individuen zu finden, die unterschiedliche mütterliche Abstammungslinien repräsentieren und die in Geschlecht und Alter zusammen passen. Zur Untermauerung dieser Interpretation sollten jedoch entweder die väterlichen Abstammungslinien analysiert werden, die in den Y-Chromosomen-Daten widergespiegelt sind, oder es ist eine genaue Schätzung der Größe der betreffenden Verwandtschaftsgruppe erforderlich. Da das Gebäude 96 nicht vollständig ausgegraben wurde (…), wurden bisher nur zehn Personen freigelegt. Es ist nicht auszuschließen, dass sich noch mehr Verstorbene unter seinem Boden befinden.“<br />
(Chyleŉski et al. 2019, S. 8)</p></blockquote>
<p>Die Ergebnisse passen natürlich gut zu der ersten Studie Pilloud/Larsen 2011 und es fällt wohltuend auf, dass erwähnt wird, dass die Ergebnisse mit den Daten der Y-Chromosomen abgesichert werden müssen und zudem die Zahl der Untersuchten unvollständig ist.<br />
Nicht ausschließlich Patrilokalität, mit der sich ja Marin A. Pilloud viel zu weit aus dem Fenster lehnt, sondern auch andere Arten des Zusammenlebens werden erwogen, z.B. wird auch ein Vergleich mit den Pueblo Nordamerikas angestellt. Dass die Pueblo matrifokal waren, wird allerdings unterschlagen. Die Siedlungen der Pueblo dienten immer wieder als Vorbild bei der Rekonstruktion des Siedlungshügels.</p>
<p><a title="Popular Science Monthly Volume 41 [Public domain], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:PSM_V41_D825_Terrace_houses_of_the_pueblo_indians_in_new_mexico.jpg"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/d2/PSM_V41_D825_Terrace_houses_of_the_pueblo_indians_in_new_mexico.jpg/256px-PSM_V41_D825_Terrace_houses_of_the_pueblo_indians_in_new_mexico.jpg" alt="PSM V41 D825 Terrace houses of the pueblo indians in new mexico" width="300" /></a><br />
Pueblo-Terrassenhäuser in New Mexiko<br />
<span style="font-size: 8px;">Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<p>Es wird auch überhaupt nicht in Betracht gezogen, dass Adoptionen häufig vorgekommen sein müssen. Wichtig ist aber der Hinweis, dass es in Tepecik-Çiftlik und Boncuklu Höyük starke Indizien für mitochondriale Verwandtschaft gibt. Auch das legt nahe, dass diese Orte noch keine Metropolen waren, sondern matrilinear gewachsene, geschlossene Gemeinschaften. Insbesondere Boncuklu Höyük wird als einer der genetischen Ursprungsorte Çatal Höyüks vermutet (Chyleŉski <em>et al.</em> 2019, S. 9).</p>
<p>Matrilokalität und Matrilinearität ist unser angeborenes Sozialverhalten. Patrilokalität und Patrilinearität, also Patriarchat, ist keine natürliche Option für den Menschen, sondern es gibt dafür immer einen unnatürlichen Grund, und zwar wirtschaftlicher Art, und es ist natürlich nicht egalitär. Die Entstehung eines Patriarchats ist an die Tierzucht in Herdenhaltung gebunden, und dafür gibt es in Çatal Höyük keine Anzeichen, lediglich Tierhaltung im kleinen Rahmen und Jagd sind belegt. Daher ist plausibel, dass die BewohnerInnen ihre gewohnte Freiheit weiterlebten, nachdem sie in Çatal Höyük angekommen waren. Çatal Höyük kann als Beleg dafür herangezogen werden, dass Matrifokalität zu größerer Toleranz unter Fremden und zu starker Gemeinschaft führen kann. Es spricht vor allem auch für meine These, dass matrifokal aufwachsende Kinder sich ihre wichtigsten Bezugspersonen selbst suchen und selber wissen, was und wen sie brauchen.</p>
<p>Eine archäologische Stätte, die derart bedeutend für die Menschheit ist, weil sie die Überreste unseres matrifokalen Erbes bewahrt, sollte, wie jeder andere Forschungsgegenstand auch verantwortungsvoll erforscht werden. Verantwortung ist in einer Zeit von wieder erstarkender patriarchaler Ideologie ein immer wichtigeres wissenschaftsethisches Kriterium.</p>
<h2 id="nachtrag">Nachtrag</h2>
<p>Am 14. April 2021 bestätigten türkische Forscher erneut die Matrifokalität jungsteinzeitlicher Siedlungen, u.a. Çatal Höyük <a href="https://www.miragenews.com/ancient-dna-hints-at-diverse-stone-age-543915/" target="_blank" rel="noopener">Zum Artikel im Magazin miragenews.com</a></p>
<h2 id="literatur">Literatur</h2>
<ul id="liste4">
<li>Balter 2010: Michael Balter: <strong>Hodder Cleans House at Famed Çatalhöyük Dig</strong>. Veröffentlicht am 2.9.2010<br />
<a href="https://www.sciencemag.org/news/2010/09/hodder-cleans-house-famed-atalh-y-k-dig">https://www.sciencemag.org/news/2010/09/hodder-cleans-house-famed-atalh-y-k-dig</a></li>
<li>Beise/Voland 2003: Jan Beise und Eckart Voland: <strong>Warum gibt es Großmütter?</strong> In: Spektrum online, veröffentlicht am 01.01.2003. <a href="https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410</a></li>
<li>Berg 2019: T. Berg: <strong>9.000 Jahre alte Steinzeit-Stadt litt an modernen urbanen Problemen. In einer der ersten Großsiedlungen der Menschheit grassierten Krankheiten, Umweltzerstörung und Gewalt. Abgerufen am 15.7.2019<br />
</strong><a href="https://www.derstandard.at/story/2000105111331/9-000-jahre-alte-steinzeit-stadt-litt-an-modernen-urbanen">https://www.derstandard.at/story/2000105111331/9-000-jahre-alte-steinzeit-stadt-litt-an-modernen-urbanen</a></li>
<li>Chyleŉski <em>et al.</em> 2019: Maciej Chyleŉski , Edvard Ehler, Mehmet Somel, Reyhan Yaka, Maja Krzewiŉska, Mirosława Dabert, Anna Juras and Arkadiusz Marciniak: <strong>Ancient Mitochondrial Genomes Reveal the Absence of Maternal Kinship in the Burials of Çatalhöyük People and Their Genetic Affinities</strong>. In: Genes 2019, 10, 207; doi:10.3390/genes10030207, Published: 11 March 2019</li>
<li>Düring, Andreas; Wahl, Joachim: <strong>Agentenbasierte Computersimulationen als Schlüssel zur demographischen Struktur des bandkeramischen Massengrabs von Talheim.</strong> In: <a href="https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fbbw/article/download/44490/37955" target="_blank" rel="noopener">Fundberichte aus Badenwürttemberg, Band 34/2, Darmstadt 2014, S. 5-24</a></li>
<li>Farid 2014: Shahina Farid: <strong>‘Proportional representation’ multiple voices in archeological interpretation at Çatalhöyük</strong>. In: Robert Chapman, Alison Wylie Material Evidence: Learning from Archaeological Practice, Routledge, 05.12.2014, S. 75f</li>
<li>Grabmeier 2019: Jeff Grabmeier: <strong>9,000 years ago, a community with modern urban problems. Çatalhöyük had overcrowding, violence, environmental troubles. </strong>Ohio State News, 17.06.2019<br />
<a href="https://news.osu.edu/9000-years-ago-a-community-with-modern-urban-problems/">https://news.osu.edu/9000-years-ago-a-community-with-modern-urban-problems/</a></li>
<li>Hodder 2010: Ian Hodder: <strong>2010 SEASON REVIEW. A Decorated House Found at Çatalhöyük. In Çatalhöyük Archive Report 2010, S. 1-5</strong> <a href="http://www.catalhoyuk.com/sites/default/files/media/pdf/Archive_Report_2010.pdf">http://www.catalhoyuk.com/sites/default/files/media/pdf/Archive_Report_2010.pdf</a></li>
<li>Jarus 2011: Owen Jarus:<strong> No Family Plots, Just Communal Burials In Ancient Settlement</strong>. Live Science Contributor, veröffentlicht am 29.6.2011. Abgerufen am 15.7.2019<br />
<a href="https://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html">https://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html</a></li>
<li>Konigsberg 1988: L. W. Konigsberg: <strong>Migration models of prehistoric postmarital residence.</strong> Am. J. Phys. Anthropol. 77, 471–482 (1988).</li>
<li>Larsen <em>et al.</em> 2019: Clark Spencer Larsen, Christopher J. Knüsel, Scott D. Haddow, Marin A. Pilloud, Marco Milella, Joshua W. Sadvari, Jessica Pearson, Christopher B. Ruff, Evan M. Garofalo, Emmy Bocaege, Barbara J. Betz, Irene Dori, and Bonnie Glencross: <strong>Bioarchaeology of Neolithic Çatalhöyük reveals fundamental transitions in health, mobility, and lifestyle in early farmers</strong>. In: PNAS June 25, 2019 116 (26) 12615-12623; first published June 17, 2019 <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1904345116">https://doi.org/10.1073/pnas.1904345116</a></li>
<li>Lauer 2019: Céline Lauer: <strong>Wie Städte Gewalt erzeugen.</strong> Veröffentlicht am 25.06.2019, abgerufen am 15.07.2019<br />
<a href="https://www.welt.de/wissenschaft/plus195816815/Untergang-von-Çatalhoeyuek-Wie-Staedte-Gewalt-erzeugen.html" rel="nofollow">https://www.welt.de/wissenschaft/plus195816815/Untergang-von-Çatalhoeyuek-Wie-Staedte-Gewalt-erzeugen.html</a></li>
<li>Philbin/Pilloud 2018: Casey S. Philbin and Marin A. Pilloud Department of Chemistry, University of Nevada, Reno; Department of Anthropology, University of Nevada, Reno: <strong>Dental Diversity and Population Movement in Neolithic Central Anatolia</strong>. Conference Paper, September 2018<br />
= POSTER 2: <a href="https://www.researchgate.net/publication/327537029_Dental_Diversity_and_Population_Movement_in_Neolithic_Central_Anatolia">https://www.researchgate.net/publication/327537029_Dental_Diversity_and_Population_Movement_in_Neolithic_Central_Anatolia</a></li>
<li>Pilloud 2013: Pilloud MA. 2013. <strong>Postmarital residence in Neolithic Anatolia.</strong> In: American journal of physical anthropology Supplement S. 150, S. 221-222.</li>
<li>Pilloud <em>et al.</em> 2018: Marin A. Pilloud, Mehmet Somel, Scott D. Haddow, Christopher J. Knüsel, Clark Spencer Larsen, Mihriban Ӧzbaşaran, Omur Dilek Erdal, Douglas Baird, Jessica Pearson, Anders Götherström, Jan Storå, Mattias Jakobsson, Gülşah Merve Kılınç Füsun Özer, Dilek Koptekin, Nihan Dilşad Dağtaş: <strong>Mobility in Neolithic Central Anatolia: A Comparison of Dental Morphometrics and aDNA</strong>. Conference Paper, September 2018<br />
= POSTER 1: <a href="https://www.researchgate.net/publication/327536930_Mobility_in_Neolithic_Central_Anatolia_A_Comparison_of_Dental_Morphometrics_and_aDNA">https://www.researchgate.net/publication/327536930_Mobility_in_Neolithic_Central_Anatolia_A_Comparison_of_Dental_Morphometrics_and_aDNA</a></li>
<li>Pilloud/Larsen 2011: Marin A. Pilloud, Clark Spencer Larsen: <strong>“Official” and “practical” kin: Inferring social and community structure from dental phenotype at Neolithic Çatalhöyük, Turkey.</strong> In: In: American journal of physical anthropology, S. 145, S. 519-530. First published: 17 May 2011. <a href="https://doi.org/10.1002/ajpa.21520d">https://doi.org/10.1002/ajpa.21520d</a><br />
<a href="https://www.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ajpa.21520">https://www.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ajpa.21520</a></li>
<li>Roffet-Salque <em>et al.</em> 2018: Mélanie Roffet-Salque, Arkadiusz Marciniak, Paul J. Valdes, Kamilla Pawłowska, Joanna Pyzel, Lech Czerniak, Marta Krüger, C. Neil Roberts, Sharmini Pitter, and Richard P. Evershed: <strong>Evidence for the impact of the 8.2-kyBP climate event on Near Eastern early farmers.</strong> PNAS August 28, 2018 115 (35) 8705-8709; first published August 13, 2018 <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1803607115">https://doi.org/10.1073/pnas.1803607115</a></li>
<li>FH DO 2011: Springer Campus IT Online-Studium in Zusammenarbeit mit der FH Dortmund 2011: <strong>Wissenschaftsethik: Qualitätskriterien</strong>.<br />
<a href="https://www.springer-campus-it-onlinestudium.de/w3lmedia/W3L/Medium112698/9783868340341_Leseprobe.pdf">https://www.springer-campus-it-onlinestudium.de/w3lmedia/W3L/Medium112698/9783868340341_Leseprobe.pdf</a></li>
<li>Science ORF 2018: <strong>Archäologen dürfen zurück nach Ephesos</strong>. <a href="https://science.orf.at/stories/2891594/">https://science.orf.at/stories/2891594/</a> Publiziert am25.01.2018</li>
<li>SMM 2003: Mysteries of Çatalhöyük 2003. Science Museum of Minnesota<br />
<a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/" target="_blank" rel="noopener">https://www.smm.org/catal/mysteries/</a></li>
<li>Tazi-Preve 2017: Mariam Irene Tazi-Preve: <strong>Das Versagen der Kleinfamilie. Kapitalismus, Liebe und der Staat</strong>. Opladen. Berlin, Toronto 2017</li>
<li>Tazi-Preve 2018: <strong>Vereinbarkeitsdebatte. Wir müssen Familie anders denken</strong>. Interview mit Mariam Irene Tazi-Preve von Anja Wasserbäch am 06.02.2018. Stuttgarter Nachrichten.<br />
<a href="https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.vereinbarkeitsdebatte-wir-muessen-familie-anders-denken.f0e056a4-6943-4975-8fab-6bdf47e97adf.html">https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.vereinbarkeitsdebatte-wir-muessen-familie-anders-denken.f0e056a4-6943-4975-8fab-6bdf47e97adf.html</a></li>
<li>Uhlmann 2012: Gabriele Uhlmann: <strong>Das Massaker von Talheim.</strong> In: Gabriele Uhlmann: Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte. Norderstedt 2012</li>
<li>Uhlmann 2019: Online-Ressource <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat" target="_blank" rel="noopener">Patriarchat- Definition, Geschichte und Symptome</a></li>
<li>Vieweg 2019: Martin Vieweg: <strong>Städtische Probleme – schon vor 9000 Jahren.</strong><br />
<a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/staedtische-probleme-schon-vor-9000-jahren/">https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/staedtische-probleme-schon-vor-9000-jahren/</a> Veröffentlicht am 17. Juni 2019</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat-und-gewalt-in-catal-hoeyuek">Patriarchat und Gewalt in Çatal Höyük?</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Patriarchat &#8211; Definition, Entstehung, Geschichte und Symptome</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Apr 2021 08:42:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Anthropologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bildquelle: Georg Ferner, Kaiserslautern, Public domain, via Wikimedia Commons Definition Merkmal und Gemeinsamkeit aller Patriarchate ist das Vaterrecht. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gesellschaften in der Ausgestaltung der Gesetze, des...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat">Patriarchat &#8211; Definition, Entstehung, Geschichte und Symptome</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="abb">Bildquelle: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Georg_Ferner_Kaiserslautern_c1895.jpg" target="_blank" rel="noopener">Georg Ferner</a>, Kaiserslautern, Public domain, via Wikimedia Commons</span><br />
<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/d707839ebcad4474913136acac01b862" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h2 id="definition">Definition</h2>
<p><span style="font-size: 30px; font-weight: bold;">M</span>erkmal und Gemeinsamkeit aller Patriarchate ist das Vaterrecht. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gesellschaften in der Ausgestaltung der Gesetze, des Zusammenlebens, der Kultur und des Wirtschaftens.</p>
<p>Wie es der Begriff &#8222;Patriarchat&#8220;, der wörtlich übersetzt &#8222;Herrschaft der Väter&#8220; bedeutet, bereits anklingen lässt, haben wir es einerseits mit Herrschern und Beherrschten zu tun, mit Unterdrückern und Unterdrückten, Tätern und Opfern. Andererseits stehen nicht Männer im Fokus, sondern explizit Väter.<br />
Ein Mann, der einer Familie aus einer oder mehreren Ehefrauen und deren ehelichen Kindern vorsteht bzw. über sie als sein Eigentum bestimmt, wird als Patriarch bezeichnet. Daher kommt es verbreitet zu der Ansicht, dass wir in Europa nicht mehr im Patriarchat leben. <a href="https://www.christel-goettert-verlag.de/produkt/sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt/" target="_blank" rel="noopener">In Deutschland gibt es jedoch ein dezidiertes Vaterrecht, das im Grundgesetz verankert ist.</a> Ehe und Familie, also die Orte der Ausübung des Vaterrechts, sind sogar besonders geschützt.<br />
Das Patriarchat wird weltweit sowohl gewaltsam als auch mit rechtsstaatlichen Mitteln, den <strong>Gewalten</strong>, aufrecht erhalten (siehe <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gewalt-garant-und-symptom-des-patriarchats" target="_blank" rel="noopener">extra Essay</a>).</p>
<h2 id="das-patriarchat-ist-nicht-das-was-die-meisten-glauben">Das Patriarchat ist nicht das, was die meisten glauben</h2>
<p>Das Patriarchat wurde nicht geschaffen, um Männer von Care-Arbeit (Kinder- und Angehörigen-Pflege und Hausarbeit) zu befreien und auch nicht, um Väter in die Care-Arbeit einzubeziehen. Die Care-Arbeit hat erstaunlich wenig mit dem Patriarchat zu tun, außer dass sie nicht bezahlt wird und die Mutter keine Unterstützung ihrer mütterlichen Ursprungssippe erwarten kann. Daher ist das Patriarchat auch nicht zu Ende, wie es heute oft behauptet wird, <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2019/01/21/gar-nicht-einfach-die-vaterschaft-als-erklaerung-fuer-alle-menschengemachten-probleme/" target="_blank" rel="noopener"> es verschärft sich im Gegenteil immer weiter</a>.<br />
Warum also herrschen Väter, und warum hören sie nicht einfach auf damit, obwohl es bei Männern wie Frauen und auf unserem Planeten großen Schaden anrichtet? Warum sind Frauen weiter benachteiligt, auch wenn sie als emanzipiert gelten?</p>
<h2 id="entfuehrungsverbrechen-patriarchat-geschichte">Das Patriarchat ist NICHT unser angeborenes Sozialverhalten, sondern ein Entführungsverbrechen &#8211; Entstehung und Geschichte</h2>
<p>Entgegen landläufiger Meinung ist der Beginn des Patriarchats <strong>nicht</strong> mit dem Beginn der Landwirtschaft identisch, sondern die Landwirtschaft begann über 3000 Jahre vorher, vor über 12.000 Jahren. Auch noch nach Beginn der ersten Patriarchate <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">vor ca. 8200 Jahren</a> gab es vielerorts außerhalb der Steppen <a href="https://www.mdr.de/wissen/archaeologie-fruehgeschichte/landwirtschaft-bedeutet-nicht-automatisch-ungleichheit-100.html" target="_blank" rel="noopener">matrifokale Dorfgemeinschaften</a>.</p>
<p>Das Patriarchat ist nicht natürlich, <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">sondern es entstand gewaltsam</a>, speziell mit <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" target="_blank" rel="noopener">Entführungen bzw. Frauenraub</a>, begleitet von Vergewaltigungen und Bestrafung von Frauen und Mädchen, aber auch der Ermordung aller nicht patriarchalen Männer, die das zu verhindern suchten. Ziel der Täter war die Sicherstellung der <strong> genetischen Vaterschaft</strong> zur Ausübung der <strong>sozialen Vaterschaft</strong>, was nur mit Kontrolle der weiblichen Sexualität und der unter diesen Bedingungen gezeugten Kinder möglich war und ist. Dabei ging es von Beginn an nicht um die Wahrnehmung fürsorglicher Aufgaben, sondern um Machtausübung. Aufgrund der Betonung des Wertes der väterlichen Gene wohnt dem Patriarchat nicht nur untrennbar der Sexismus, sondern auch der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung" target="_blank" rel="noopener">Rassismus</a> inne. Sexismus ist dabei die Basis des Rassismus.</p>
<p>Vor der Entstehung des Patriarchats wohnten Kinder nicht bei ihrem Vater, weil er aufgrund der <a href="https://www.amazon.de/Mütter-Andere-Evolution-sozialen-gemacht/dp/3827008859" target="_blank" rel="noopener">matrifokalen Sozialstruktur von <i>Homo sapiens</i></a> unbekannt war.</p>
<p>Die ersten Patriarchen postulierten die Vaterschaft als ihr Recht und erhoben das <strong>Vaterrecht</strong> zum allein gültigen Recht, womit sich das Patriarchat in den Folgegenerationen normalisierte, verselbständigte und tradierte.<br />
Die Kontrolle dieses Rechtes kann nur unter <strong>Patrilokalität</strong> ausgeübt werden, d.h. die Kinder und die Mutter werden gezwungen, beim Vater zu wohnen und gehören ihm auch. Es etablierten sich entsprechende Gesetze und Werte unter einer männerzentrierten Religion. Bis heute führt ein Ehemann sprichwörtlich seine frischgebackene Ehefrau &#8222;heim&#8220;. Darin ist der Ursprung in den initialen Entführungen erkennbar.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Frauenraub: Raub der Sabinerinnen. Albrecht Dürer, 1495, Tusche auf Karton" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/sabinerinnen.jpg?resize=300%2C210&#038;ssl=1" alt="Frauenraub - Raub der Sabinerinnen - Albrecht Dürer" width="300" height="210" /><br />
<span class="abb">Bild: Frauenraub: Raub der Sabinerinnen. Albrecht Dürer, 1495, Tusche auf Karton</span></p>
<h2 id="symptome">Symptome</h2>
<p>Wenn die Flucht aus dem Gefängnis der <strong>Patrilokalität</strong> nicht gelang, war Kooperation die Überlebensstrategie der ersten Opfer, also der Frauen. Über sie kam es zur Mitopferschaft der Töchter und Söhne. Alle weiteren Nachkommen unterlagen dieser Dynamik und wurden Opfer und Täter zugleich. Dies führte schließlich zum Vergessen des Urverbrechens. Dabei wurde die von <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gewalt-garant-und-symptom-des-patriarchats" target="_blank" rel="noopener">Gewalt und tiefsitzenden Ängsten</a> geprägte <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann" target="_blank" rel="noopener">Gesellschaft</a> aufgebaut, die die Menschheit in Klassen einteilt. <strong>Kriege</strong> um Land, Wasser, <strong>Ideologien</strong> bzw. <strong>Religionen</strong> finden nun statt. <strong>Überbevölkerung</strong> und <strong>Elend</strong> gehören dazu wie auch <strong>Epidemien</strong>. <strong>Versklavung</strong> findet ihren ersten Ausdruck in der <strong>Unterdrückung der Frau</strong> und weitet sich über <strong>unterworfene Völker</strong> aus.<br />
<strong>Sexismus </strong>und darauf auch <strong>Rassismus, Ableismus</strong> und <strong>Homophobie</strong> haben ihren Ursprung im <strong>Zuchtgedanken</strong>, der aus der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung" target="_blank" rel="noopener"><strong>Viehzucht</strong></a> entsprang. <strong>Misogynie</strong> und <strong>häusliche Gewalt</strong> wurzeln im Anspruch, dass die Frau und Mutter dem Wohl des Mannes und Vaters stets zu dienen habe. Auch die Kinder müssen sich dem Anspruch unterwerfen, ihm nur Freude zu bereiten, daraus resultiert <strong>Kinderfeindlichkeit und Gewalt jeder Art gegen Kinder</strong>. An die Stelle der bedingungslosen Liebe sind die brüchige <strong>Solidarität</strong> und die erpresserische <strong>Loyalität</strong> (frz. <em>loi</em> = Gesetz) getreten: Weder Eltern noch Kinder können für sich beanspruchen, bedingungslos zu lieben. Die Urbedingung ist genetische väterliche Abstammung, alle weiteren ergeben sich aus der Erpressungssituation heraus.<br />
Das psychologische Phänomen des <b>Stockholm-Syndroms</b>, das bei Entführungsopfern regelmäßig auftritt und zur Kooperation mit dem Täter führt, ist die &#8222;rätselhafte&#8220; Ursache für die Kooperation auch der Frauen mit dem Patriarchat und für seine Tradition. (Link 1: nach Stephanie Gogolin &#8211; <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 1</a>, Link 2: nach Stephanie Gogolin &#8211; <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/10/13/das-patriarchale-stockholm-syndrom-teil-ii/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 2</a>), Link 3: nach Stephanie Gogolin &#8211; <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2020/01/18/das-patriarchale-stockholm-syndrom-teil-iii/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 3</a>, Link 4: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html" target="_blank" rel="noopener">Peer-reviewte Studie aus HUMAN NATURE</a>, Link 5: <a href="https://www.researchgate.net/publication/267777559_Fitness_Costs_of_Warfare_for_Women" target="_blank" rel="noopener">Original-Studie zum Download</a>, Link 6: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Begriff bei Wikipedia</a>)</p>
<p>Erst seit Beginn des Patriarchats werden Menschen auch nach ihrem Vater gefragt, denn sein Bekanntsein verschaffte nun einem Menschen Ansehen und meist auch <strong>Erbrechte</strong>. Lange war ein uneheliches Kind rechtlos. Dadurch entstand ein gefühltes Recht des Kindes, seinen Vater zu kennen. Ansehen und meist auch Wohlstand ziehen patriarchalisierte Menschen aus ihrer <strong>Patrilinearität</strong>, d.h. sie können sich auf einen <strong>Stammvater</strong> der <strong>Familie</strong> zurückführen, dessen Nachnamen sie tragen und dessen <strong>Lebenswerk</strong> sie oft fortführen.<br />
Der Nachname der Mutter wird nur selten als Doppelname vererbt, verschwindet aber spätestens in der nächsten Generation.<br />
Erst die Befreiung der Mütter aus dem Gefängnis der <strong>Ehe</strong> holte das gefühlte Recht des Mannes, seine genetischen Kinder kennen und erziehen zu dürfen, wieder an die Oberfläche, denn ein Mann ohne Kinder kann seine väterliche Linie nicht fortführen, verliert dadurch Einfluss auf die nächste Generation und läuft Gefahr, spätestens im Alter ohne Angehörige zu sein, die ihn versorgen. Vaterrechtler setzten daher durch, dass das <strong>Recht des Kindes auf Kenntnis des Vaters</strong> auch gesetzlich verankert ist.<br />
Beide Rechte, das des Kindes und das des Vaters auf gegenseitige Kenntnis, bestärken sich nun gegenseitig, und nehmen die sich trennende Mutter in wieder <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Geiselhaft</strong></a>. Das Patriarchat ist bis heute ein <b>Entführungsverbrechen</b>.</p>
<p>Das Patriarchat wäre nicht existent, zögen Männer keine Vorteile aus ihrer Vaterschaft. Mit Beginn des Patriarchats waren das rein wirtschaftliche Vorteile. Das zugehörige System heißt <strong>Kapitalismus</strong>, ein Name, der seinen Ursprung in der Viehzucht verrät, mit der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">die ersten Patriarchate</a> errichtet wurden.<br />
Das lateinische Wort &#8222;caput&#8220;, von dem sich das &#8222;Kapital&#8220; ableitet, bedeutet &#8222;Kopf&#8220;, gemeint ist die Zahl der Tierköpfe und der Köpfe, über die ein Patriarch herrscht.<br />
Die polytheistischen Religionen der Antike und die abrahamitischen Weltreligionen sind <strong>Viehzüchter-Religionen</strong> mit Göttern in Stiergestalt (oder andere männliche Nutztiere außer dem Schwein) oder in späteren Stadien alleinherrschende Götter, die zunehmend keine anderen neben sich dulden, und schließlich als Hirte und/oder Töter von Drachen, Kindern und Ungläubigen auftreten.<br />
Das erste Paar der Götterwelt ist noch eine Muttergöttin, All-Göttin oder Große Göttin mit ihrem <strong>Sohngeliebten (resp. Vegetationsgott)</strong>, mit dem sich jeder Patriarch identifizierte, bis sie zur Tochter eines <strong>Wettergottes</strong> oder <strong>Mondgottes</strong> degradiert wird. Auch im Buddhismus, Hinduismus und Shintoismus sind <strong>Muttermord</strong>, <strong>Gebärneid</strong>, <strong>Stillneid, Menstruationsneid</strong> und <strong>Dämonisierung der Frau</strong> verschlüsselt und ritualisiert, während die Viehzüchterideologie zu einer rigiden <strong>Menschenzucht-Ideologie</strong> mit noch strengerer Reglementierung der weiblichen Sexualität umgewandelt wurde. Ersatzreligionen wie die Transideologie tragen ihren Hass auf Frauen und ihren Neid offen zur Schau. Eine pragmatische Haltung zur Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele sowie <strong>Missionierung </strong>und <strong>Indokrinierung</strong> gehört zu allen patriarchalen Religionen wie auch Ideologien.</p>
<p>In der sog. <a href="https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/risikogesellschaft/4019" target="_blank" rel="noopener">Risikogesellschaft</a> (nach U. Beck), wie wir sie heute leben, in der Frauen scheinbar unabhängig werden können und damit die Familie aus Sicht der Männer in Gefahr gerät, besteht der Vorteil der Vaterschaft für Männer darin, in Unabhängigkeit von einer Frau und Mutter nicht Gefahr zu laufen, alleine zu bleiben.</p>
<p>Die Erfahrungswerte und Zahlen über die Lage der Mädchen und Frauen, Mütter und Kinder, speziell auch der alleinerziehenden Mütter in unserer Gesellschaft, werden vor diesem Hintergrund fassbar und als Symptom unseres Patriarchats begreifbar.</p>
<h2 id="matrifokalitaet-ist-unser-angeborenes-sozialverhalten">Matrifokalität ist unser angeborenes Sozialverhalten</h2>
<p>Angeboren ist uns jedoch ein <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt" target="_blank" rel="noopener">matrifokales Sozialverhalten</a> in <b>Matrilokalität</b> und <b>Matrilinearität</b>. Das Naturgesetz, das in der Evolution auf das Wohl des Nachwuchses und seiner Mütter ausgerichtet ist, wird im Patriarchat ausgehebelt und der Sozialverband auf <strong>das Wohl des Vaters</strong> ausgerichtet.<br />
Die angeborene Matrifokalität arbeitet im Untergrund weiter, so dass es einerseits zu Inkompatibilitäten kommt, z.B. dem <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/29/die-schwiegermutter-neues-zur-grossmutterhypothese/" target="_blank" rel="noopener">Schwiegermutterkonflikt</a>, andererseits <a href="https://wp.me/p3b3Fy-Dy" target="_blank" rel="noopener">macht sich das Patriarchat viele matrifokale Eigenschaften zunutze</a>, wie unser existentielles Bedürfnis, in einem Sozialverband zu leben und uns zu kümmern. Das tun wir im Patriarchat, wie unsicher die Familie und andere Konstrukte auch sein mögen.</p>
<h2 id="der-patriarchalisierte-mensch-erforscht-sich-selbst">Der patriarchalisierte Mensch erforscht sich selbst</h2>
<p>Dass nicht die Mütter herrschen, wurde seit Jahrtausenden damit erklärt, dass dies von den Göttern &#8211; und später von dem einen Gott &#8211; gewollt sei. Den angeblichen <strong>Willen der Götter</strong>, verbreitet von angeblich <strong>heiligen Männern</strong>, machten sich die <strong>Gläubigen</strong> zu eigen, entsprach er doch auch der schon länger etablierten Lebenswirklichkeit.<br />
Eine denkbare Gleichheit der Geschlechter kam daher nicht infrage. Sie wurde zwar später an manchen Stellen in den <strong>Heiligen Schriften</strong> postuliert, dies jedoch nur um die Frau an ihren Platz zu verweisen, an dem sie scheinbar gleichberechtigt war, in ihren spezifischen Rechten und <strong>Pflichten</strong> als Ehefrau und Mutter, nicht aber als autonomes Wesen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Der gute Hirte - Kirche Allermöhe" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/guterhirte.jpg?resize=290%2C406&#038;ssl=1" alt="Der gute Hirte - Kirche Allermöhe" width="290" height="406" border="0" /><br />
<span class="abb">Bild: Das verlorene Schaf (Der gute Hirte), Willi Langbein, 1930 (Kirche Allermöhe)</span></p>
<p>Die europäische <strong>Aufklärung</strong> im 18. Jh. führte zu einer Neubewertung der Glaubensvorstellungen, mitausgelöst durch die Verheerungen der <strong>Hexenverfolgung</strong> unter Federführung der Kirchen.<br />
Der beginnende Atheismus, der von patriarchalisch geprägten Denkern getragen wurde, suchte die entstandene Lücke zu schließen und bediente sich der gerade entstandenen Evolutionslehre Darwins. Darwin postulierte für alle Lebewesen einen &#8222;Kampf ums Dasein&#8220;, eine Vorstellung, die von den sog. <strong>Sozialdarwinisten</strong> auf die Beziehung von Mann und Frau angewendet wurde, als sei es ein Naturgesetz, dass es irgendwann keine Frauen mehr gäbe, sondern nur noch Männer. Es wurde also postuliert, dass der Mensch, insbesondere der Mann, von Natur aus gewalttätig sei, und die Frau daher unterlegen sein muss.<br />
Mit dem Glauben an das &#8222;<strong>Recht des Stärkeren</strong>&#8220; wurde das Patriarchat neu legitimiert, das mit der Aufweichung der einst starken Festung des Gott-Vater-Glaubens ins Wanken geraten war. Das Patriarchat wurde und wird seitdem vielfach, wenn nicht als gottgegeben, so doch als naturgegeben vorausgesetzt.</p>
<p>In meinem <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/matrifokal.htm" target="_blank" rel="noopener">Aufsatz zur Geschichte der Erforschung der Matrifokalität</a> auf dieser Homepage habe ich bereits dargestellt, welche Entwicklung sich daran anschloss, die einerseits mit dem Werk des Rechtshistorikers und Kulturanthropologen Johann Jakob Bachofen und andererseits mit den archäologischen Funden <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/venusvomhohlefels.htm" target="_blank" rel="noopener">sogenannter Venus-Figuren</a> aus der Altsteinzeit ausgelöst wurde.</p>
<p>Nach dem Ende des Feminismus alter Prägung widmen sich heute fast alle Fachbereiche unter der Bezeichnung &#8222;Gender Studies&#8220; der Frage, was dem Patriarchat fachspezifisch entgegenzusetzen sei. Mit Ausnahme der Medizin werden evolutionäre, biologische Aspekte stets ausgeklammert und als biologistisch abgewertet. Stattdessen wird versucht, eine Strategie zu entwickeln, wie mittels politischer Meinungsbildung oder Sprache Gleichberechtigung herzustellen sei. In den Naturwissenschaften wird nicht selten versucht, das kulturelle Verhalten weiblicher und männlicher Primaten untereinander und auch mit dem des patriarchalisierten Menschen als gleich darzustellen. Demnach sei alles nur eine Frage von Kultur und nicht von Verbrechen. Auf diese Weise waschen die Gender Studies das Patriarchat rein, und statt es zu beenden, werden Vorlagen geliefert, es weiter zu verschärfen.</p>
<p>Dass es <strong>Monogamie</strong> und <strong>Eheschließung</strong>, also die Familie, schon in der Altsteinzeit gegeben hätte, ist von den Gender Studies nie infrage gestellt worden. Mit dieser Rückdatierung des Patriarchats in die Anfänge der Menschheit waren die Gender Studies für das System interessant geworden, wo zuvor der Feminismus das Patriarchat zurückzudrängen begann. Entsprechend viel Geld wurde in diese Pseudowissenschaft gepumpt.</p>
<p>Die neue Ideologie, die in den Universitäten erdacht wurde, wurde mit dem Amsterdamer Vertrag von 1997/1999 in der EU-Politik als sog. <strong>Gender Mainstreaming</strong> fest verankert. Da die Gender Studies staatlich finanziert sind, war von Beginn an Skepsis angebracht, dass hiermit das Patriarchat zu beenden wäre. Es stellte sich in der Tat heraus, dass das Gender Mainstreaming zum Wohle der Wirtschaft zur Anpassung der Frau an die männliche Lebensweise führte, und Kinder dabei nur als Störfaktor angesehen werden. Als die Frauen in die Arbeitswelt drängten, sanken die Löhne drastisch, so dass heute ein Gehalt allein nicht mehr ausreicht, eine Familie zu ernähren. Mit dem Hinweis auf die Sachzwänge der Globalisierung wird dieser Umstand verschleiert.</p>
<p>Neue Denkanstöße kommen seit einigen Jahren aus der sog. Citizen Science, der unabhängigen Bürgerforschung. Mit der hier angesiedelten <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/brgerinnenwissenschaft-citizen-science-patriarchatsforschung" target="_blank" rel="noopener">kritischen Patriarchatsforschung</a> wurde begonnen, interdisziplinär, unter Einbeziehung der Anthropologie, also der menschlichen Evolution und Biologie, die Entstehung und Aufrechterhaltung des Patriarchats zu untersuchen und zu verstehen. Heute gilt daher die Unterdrückung der sog. <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener"><em>female choice</em></a> als Basis des Patriarchats und als sein einzig sicheres Erkennungszeichen. Es wurde deutlich, dass das besondere, soziale Miteinander des Menschen seine Wurzeln in der matrifokalen, also matrilokalen und matrilinearen SIPPE hat, die vom Patriarchat zerstört wurde, so dass die Mehrheit der Menschen, aber immer noch nicht alle, in patrilinearen Gruppen, den FAMILIEN, patrilokal leben. Es konnte damit nicht nur der Widerspruch aufgelöst werden, dass der Mensch einerseits gewalttätig werden kann und Kriege führt, und andererseits als höchst sozial gilt. Es wurde mit dem Wissen, dass die Mütter aus ihrem urmütterlichen Schutzraum gerissen wurden und den Vätern und deren Familie fortan ausgeliefert waren, erklärbar, warum Frauen und Kinder, letztlich also auch die Männer, im Patriarchat leiden und gleichzeitig, warum ausgerechnet die Religionen dies rechtfertigen.</p>
<h2 id="die-patriarchale-ideologie-gestern-und-heute">Die patriarchale Ideologie gestern und heute</h2>
<p>Das Patriarchat wurde vor <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">ca. 8200 Jahren (Misox-Klimaschwankung)</a> mit der Erfindung des Viehnomadismus in den Steppengebieten errichtet. Die Frau wurde in die Ehe gezwungen und sie hatte ihrem Ehemann vor allem Söhne zu gebären und ihm und seiner Herde zu folgen. Unsere <strong>indoeuropäische Sprache</strong>, die aus der Steppe stammt, ist entsprechend durchsetzt mit Metaphern aus der Tierzucht. Eine Frau, die ihre <em>female choice</em> frei lebt, also selbstgewählte, wechselnde Sexualpartner hat, wird als &#8222;unzüchtig&#8220; (sinngemäß: sich der Zucht entziehend) oder &#8222;zügellos&#8220; bezeichnet. Es handelte sich um eine bis dahin unbekannte Denk- und Lebensweise, in der sich der Mann seiner väterlichen Linie bewusst geworden war (Patrilinearität) und daher die Frauen und Kinder zwang, bei ihm zu wohnen (Patrilokalität). Damit begann er, Menschen wie ein Schöpfergott nach seinem Willen zu züchten.<br />
Bei der Tierzucht passierte der größte Irrtum der Menschheit, nämlich, dass die Frau nur <strong>das Gefäß männlichen Samens</strong> sei. Zu teuer und obendrein meist unwillig war die Frau für den Mann zur Last geworden, Ursache des <strong>tiefen Hasses auf die Frauen</strong>, sowie männlicher Überheblichkeit und des Machtstrebens. Als Ziel des Patriarchats ist in den Heiligen Schriften die <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/petition-gegen-die-sog-kuenstliche-gebaermutter" target="_blank" rel="noopener"><strong>Abschaffung der Mutter</strong></a> erkennbar, deren Metapher &#8222;<strong>Fruchtbarkeitsgöttin</strong>&#8220; sukzessive durch einen allmächtigen, d.h. <strong>unsterblichen, menstruierenden, gebärenden und stillenden Gott</strong> ersetzt wurde.<br />
Dieses Ziel erschien wie oben erwähnt im Sozialdarwinismus neu verpackt wieder an der Oberfläche patriarchalen Denkens. In unserer Zeit wird es durch die <strong>Reproduktionsmedizin</strong> mit Legalisierung der Leihmutterschaft und Eizellspende, der Entwicklung der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter" target="_blank" rel="noopener">sog. künstlichen Gebärmutter</a>, der <a href="https://netzfrauen.org/2015/07/23/nestle-besitzt-patente-auf-muttermilch-und-banken-haben-babynahrung-fuer-sich-entdeckt/" target="_blank" rel="noopener">Patentierung der Muttermilch</a>, der <strong>Fremdbetreuung der Kinder</strong> u.a. vorangetrieben, mitgetragen auch von einem falsch verstandenen Feminismus, der die Frau von dieser vermeintlich lästigen und undankbaren Aufgabe zu befreien sucht.<strong> Dass es das Patriarchat auf die besonders kostbare Fähigkeit der Frau, Mutter zu werden, abgesehen hat, wurde vom Feminismus nicht erkannt und von den Gender Studies ausgeblendet. </strong>Eine Frau, die ihr Frausein über ihre Fähigkeit, Mutter zu werden, definiert, <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/" target="_blank" rel="noopener">wird als biologistisch abgewertet</a>, sind da ja die <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2021/05/11/gegen-selbstbestimmungsgesetz-selfid-und-abschaffung-des-biologischen-geschlechts-fur-korperliche-integritat-aller-menschen-jetzt-handeln-es-eilt/" target="_blank" rel="noopener">Männer, denen das ermöglicht werden soll</a>. Tatsächlich wächst die väterliche Macht auch um so mehr, als die Bindung zum Kind immer enger wird. So begrüßenswert das auf den ersten Blick erscheint, <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener">so fatal wirkt sich das auf die Freiheit der Mutter und ihr Recht am Kinde aus</a>.<br />
Neue Begriffe wie &#8222;Bindungsintoleranz&#8220; (der Mutter unterstellter Versuch, das Kind dem Vater zu entfremden) und &#8222;neurotische Mutter-Kind-Symbiose&#8220; (nach Sigmund Freud) werden als Argumente angeführt, um Müttern das Kind direkt wegnehmen zu können. <a href="https://taz.de/Inobhutnahme-durch-das-Jugendamt/!5599059/" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Inobhutnahme&#8220; ist der euphemistische Begriff für diesen Kinderraub.</a><br />
Wenn eine Mutter ihr Kind dann einfach mitnimmt, ohne den Vater über den Verbleib zu unterrichten, dann gilt das vor dem patriarchalen Gesetz nicht als Befreiung, was es ja eigentlich ist, sondern in Verdrehung der Tatsachen als Entführung.</p>
<p>Die Strategie ist denkbar einfach. Das Kind gilt im Geiste als Besitz des Vaters. Die Mutterschaft wird der Frau unerträglich gemacht, dann von ihr abgelehnt und vom Patriarchat scheinheilig diffamiert. So kann die Mutterschaft der Frau weggenommen werden, um die Supervaterschaft, den Endsieg des Patriarchats, Wirklichkeit werden zu lassen. In den Heiligen Schriften ist dieses Ziel von Gott-Vater längst umgesetzt.</p>
<p>Was will der Patriarch mit dieser Fähigkeit anfangen? Wird sie ihm einst nicht ebenso lästig und unangenehm wie der patriarchalisierten Frau? Mit der Supervaterschaft sucht er Unsterblichkeit, die ihm zur totalen Macht fehlt. Dabei spielt es keine Rolle, wie das Leben der so gezeugten Kinder aussehen wird oder wie sie sich fühlen. Wesentlich wird sein, dass diese Kinder funktionieren und die Macht und den Reichtum des Patriarchen weiter mehren. Während matrifokale Menschen dazu anleiten, was das Kind zum Leben braucht, leitet der Patriarch dazu an, was das Kind braucht, um wie er zu werden. Bedingungslose Liebe ist ihm fremd. Er kompensiert sie mit Materialismus. Nur die Natur kann diesen Machenschaften Grenzen setzen, zerstört er doch zunehmend seine Lebensgrundlage.</p>
<h2 id="schlussbemerkung">Schlussbemerkung</h2>
<p>Erst mit der kritischen Patriarchatsforschung steht nun dieses neue Wissen zur Verfügung, mit dem nicht nur die Gender Studies als patriarchales Instrument entlarvt werden. Sie entzieht sowohl dem antifeministischen Maskulismus als auch den Theologien und dem <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/" target="_blank" rel="noopener">Nazismus</a> den Nährboden. Die Natur stellt sich jetzt nicht mehr als feindliche, zu überwindende &#8222;Barbarei&#8220; dar, sondern als Raum wahrer Gleichberechtigung, den es neu zu entdecken gilt.</p>
<p>Tieferen Einblick und weiterführende Literaturhinweise liefern diese Homepage, mein Blog <strong><a class="textlink" href="http://wahrscheinkontrolle.wordpress.com" target="_blank" rel="noopener">Wahrscheinkontrolle</a></strong> und u.a. meine beiden Bücher</p>
<ul id="liste4">
<li><a href="https://www.bod.de/buchshop/der-gott-im-9-monat-gabriele-uhlmann-9783738639018" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Der Gott im 9. Monat. Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt.&#8220;</a></li>
<li><a href="https://www.bod.de/buchshop/archaeologie-und-macht-gabriele-uhlmann-9783844814200" target="_blank" rel="noopener">Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte.</a></li>
</ul>
<p>&#8230; sowie die Faktensammlung und Buchtipps auf der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/" target="_blank" rel="noopener">Startseite</a>.<br />
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"articleSection" : "Merkmal und Gemeinsamkeit aller Patriarchate ist das Vaterrecht. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gesellschaften in der Ausgestaltung der Gesetze, des Zusammenlebens, der Kultur und des Wirtschaftens. Wie es der Begriff \"Patriarchat\", der wörtlich übersetzt \"Herrschaft der Väter\" bedeutet, bereits anklingen lässt, haben wir es einerseits mit Herrschern und Beherrschten zu tun, mit Unterdrückern und Unterdrückten, Tätern und Opfern. Andererseits stehen nicht Männer im Fokus, sondern explizit Väter. Ein Mann, der einer Familie aus einer oder mehreren Ehefrauen und deren ehelichen Kindern vorsteht bzw. über sie als sein Eigentum bestimmt, wird als Patriarch bezeichnet. Daher kommt es verbreitet zu der Ansicht, dass wir in Europa nicht mehr im Patriarchat leben. In Deutschland gibt es jedoch ein dezidiertes Vaterrecht, das im Grundgesetz verankert ist. Ehe und Familie, also die Orte der Ausübung des Vaterrechts, sind sogar besonders geschützt. Das Patriarchat wird weltweit sowohl gewaltsam als auch mit rechtsstaatlichen Mitteln, den Gewalten, aufrecht erhalten (siehe extra Artikel). Das Patriarchat wurde nicht geschaffen, um Männer von Care-Arbeit (Kinder- und Angehörigen-Pflege und Hausarbeit) zu befreien und auch nicht, um Väter in die Care-Arbeit einzubeziehen. Die Care-Arbeit hat erstaunlich wenig mit dem Patriarchat zu tun, außer dass sie nicht bezahlt wird und die Mutter keine Unterstützung ihrer mütterlichen Ursprungssippe erwarten kann. Daher ist das Patriarchat auch nicht zu Ende, wie es heute oft behauptet wird, es verschärft sich im Gegenteil immer weiter. Das Patriarchat ist nicht das, was die meisten glauben Daher ist es auch nicht zu Ende, wie es heute oft behauptet wird, es verschärft sich im Gegenteil immer weiter. Warum also herrschen Väter, und warum hören sie nicht einfach auf damit, obwohl es bei Männern wie Frauen und auf unserem Planeten großen Schaden anrichtet? Warum sind Frauen weiter benachteiligt, auch wenn sie als emanzipiert gelten? Das Patriarchat ist NICHT unser angeborenes Sozialverhalten, sondern ein Entführungsverbrechen Das Patriarchat ist nicht natürlich, sondern es entstand gewaltsam, speziell mit Entführungen bzw. Frauenraub, begleitet von Vergewaltigungen und Bestrafung von Frauen und Mädchen, aber auch der Ermordung aller nicht patriarchalen Männer, die das zu verhindern suchten. Ziel der Täter war die Sicherstellung der genetischen Vaterschaft zur Ausübung der sozialen Vaterschaft, was nur mit Kontrolle der weiblichen Sexualität und der unter diesen Bedingungen gezeugten Kinder möglich war und ist. Dabei ging es von Beginn an nicht um die Wahrnehmung fürsorglicher Aufgaben, sondern um Machtausübung. Aufgrund der Betonung des Wertes der väterlichen Gene wohnt dem Patriarchat nicht nur untrennbar der Sexismus, sondern auch der Rassismus inne. Sexismus ist dabei die Basis des Rassismus. Vor der Entstehung des Patriarchats wohnten Kinder nicht bei ihrem Vater, weil er aufgrund der matrifokalen Sozialstruktur von Homo sapiens unbekannt war. Die ersten Patriarchen postulierten die Vaterschaft als ihr Recht und erhoben das Vaterrecht zum allein gültigen Recht, womit sich das Patriarchat in den Folgegenerationen normalisierte, verselbständigte und tradierte. Die Kontrolle dieses Rechtes kann nur unter Patrilokalität ausgeübt werden, d.h. die Kinder und die Mutter werden gezwungen, beim Vater zu wohnen und gehören ihm auch. Es etablierten sich entsprechende Gesetze und Werte unter einer männerzentrierten Religion. Bis heute führt ein Ehemann sprichwörtlich seine frischgebackene Ehefrau \"heim\". Darin ist der Ursprung in den initialen Entführungen erkennbar. Wenn die Flucht nicht gelang, war Kooperation die Überlebensstrategie der ersten Opfer, also der Frauen. Über sie kam es zur Mitopferschaft der Töchter und Söhne. Alle weiteren Nachkommen unterlagen dieser Dynamik und wurden Opfer und Täter zugleich. Dies führte schließlich zum Vergessen des Urverbrechens. Das psychologische Phänomen des Stockholm-Syndroms, das bei Entführungsopfern regelmäßig auftritt und zur Kooperation mit dem Täter führt, ist die \"rätselhafte\" Ursache für die Kooperation auch der Frauen mit dem Patriarchat und für seine Tradition (Link 1: Peer-reviewte Studie aus HUMAN NATURE, Link 2: Original-Studie zum Download Link 3: Begriff bei Wikipedia, Link 4: nach Stephanie Gogolin - Stockholm-Syndrom Teil 1, Link 5: nach Stephanie Gogolin - Stockholm-Syndrom Teil 2). Erst seit Beginn des Patriarchats werden Menschen auch nach ihrem Vater gefragt, denn sein Bekanntsein verschaffte nun einem Menschen Ansehen und meist auch Erbrechte. Lange war ein uneheliches Kind rechtlos. Dadurch entstand ein gefühltes Recht des Kindes, seinen Vater zu kennen. Ansehen und meist auch Wohlstand ziehen patriarchalisierte Menschen aus ihrer Patrilinearität, d.h. sie können sich auf einen Stammvater zurückführen, dessen Nachnamen sie tragen und dessen Lebenswerk sie oft fortführen. Der Nachname der Mutter wird nur selten als Doppelname vererbt, verschwindet aber spätestens in der nächsten Generation. Erst die Befreiung der Mütter aus dem Gefängnis der Ehe holte das gefühlte Recht des Mannes, seine genetischen Kinder kennen und erziehen zu dürfen, wieder an die Oberfläche, denn ein Mann ohne Kinder kann seine väterliche Linie nicht fortführen, verliert dadurch Einfluss auf die nächste Generation und läuft Gefahr spätestens im Alter ohne Angehörige zu sein, die ihn versorgen. Vaterrechtler setzten daher durch, dass das Recht des Kindes auf Kenntnis des Vaters auch gesetzlich verankert ist. Beide Rechte, das des Kindes und das des Vaters auf gegenseitige Kenntnis, bestärken sich nun gegenseitig, und nehmen die sich trennende Mutter in wieder gefühlte Geiselhaft. Das Patriarchat ist bis heute ein Entführungsverbrechen. Das Patriarchat wäre nicht existent, zögen Männer keine Vorteile aus ihrer Vaterschaft. Mit Beginn des Patriarchats waren das rein wirtschaftliche Vorteile. Das zugehörige System heißt Kapitalismus, ein Name, der seinen Ursprung in der Viehzucht verrät, wo das Patriarchat tatsächlich begann. Das lateinische Wort \"caput\" bedeutet \"Kopf\", gemeint ist die Zahl der Tierköpfe und der Köpfe über die ein Patriarch herrscht. In der sog. Risikogesellschaft (nach U. Beck), wie wir sie heute leben, in der Frauen scheinbar unabhängig werden können und damit die Familie aus Sicht der Männer in Gefahr gerät, besteht der Vorteil der Vaterschaft für Männer darin, in Unabhängigkeit von einer Frau und Mutter nicht Gefahr zu laufen alleine zu bleiben. Die Erfahrungswerte und Zahlen über die Lage der Mädchen und Frauen, Mütter und Kinder, speziell auch der alleinerziehenden Mütter, in unserer Gesellschaft, werden vor diesem Hintergrund fassbar und als Symptom unseres Patriarchats begreifbar. Matrifokalität ist unser angeborenes Sozialverhalten Angeboren ist uns jedoch ein matrifokales Sozialverhalten in Matrilokalität und Matrilinearität. Das Naturgesetz, das in der Evolution auf das Wohl des Nachwuchses und seiner Mütter ausgerichtet ist, wird im Patriarchat ausgehebelt und der Sozialverband auf das Wohl des Vaters ausgerichtet. Die angeborene Matrifokalität arbeitet im Untergrund weiter, so dass es einerseits zu Inkompatibilitäten kommt, z.B. dem Schwiegermutterkonflikt, andererseits macht sich das Patriarchat viele matrifokale Eigenschaften zunutze, wie unser existentielles Bedürfnis, in einem Sozialverband zu leben. Das tun wir im Patriarchat, wie unsicher die Familie und andere Konstrukte auch sein mögen. Der patriarchalisierte Mensch erforscht sich selbst Dass nicht die Mütter herrschen, wurde seit Jahrtausenden damit erklärt, dass dies von den Göttern - und später von dem einen Gott - gewollt sei. Den angeblichen Willen der Götter, verbreitet von angeblich heiligen Männern, machten sich die Gläubigen zu eigen, entsprach er doch auch der schon länger etablierten Lebenswirklichkeit. Eine denkbare Gleichheit der Geschlechter kam daher nicht infrage. Sie wurde zwar später an manchen Stellen in den Heiligen Schriften postuliert, dies jedoch nur um die Frau an ihren Platz zu verweisen, an dem sie scheinbar gleichberechtigt war, in ihren spezifischen Rechten und Pflichten als Ehefrau und Mutter, nicht aber als autonomes Wesen. Die europäische Aufklärung im 18. Jh. führte zu einer Neubewertung der Glaubensvorstellungen, mitausgelöst durch die Verheerungen der Hexenverfolgung unter Federführung der Kirchen. Der beginnende Atheismus, der von patriarchalisch geprägten Denkern getragen wurde, suchte die entstandene Lücke zu schließen und bediente sich der gerade entstandenen Evolutionslehre Darwins. Darwin postulierte für alle Lebewesen einen \"Kampf ums Dasein\", eine Vorstellung, die von den sog. Sozialdarwinisten auf die Beziehung von Mann und Frau angewendet wurde, als sei es ein Naturgesetz, dass es irgendwann keine Frauen mehr gäbe, sondern nur noch Männer. Es wurde also postuliert, dass der Mensch, insbesondere der Mann, von Natur aus gewalttätig sei, und die Frau daher unterlegen sein muss. Mit dem Glauben an das \"Recht des Stärkeren\" wurde das Patriarchat neu legitimiert, das mit der Aufweichung der einst starken Festung des Gott-Vater-Glaubens ins Wanken geraten war. Das Patriarchat wurde und wird seitdem vielfach, wenn nicht als gottgegeben, so doch als naturgegeben vorausgesetzt. In meinem Aufsatz zur Geschichte der Erforschung der Matrifokalität auf dieser Homepage habe ich bereits dargestellt, welche Entwicklung sich daran anschloss, die einerseits mit dem Werk des Rechtshistorikers und Kulturanthropologen Johann Jakob Bachofen und andererseits mit den archäologischen Funden sogenannter Venus-Figuren aus der Altsteinzeit ausgelöst wurde. Nach dem Ende des Feminismus alter Prägung widmen sich heute fast alle Fachbereiche unter der Bezeichnung \"Gender Studies\" der Frage, was dem Patriarchat fachspezifisch entgegenzusetzen sei. Mit Ausnahme der Medizin werden evolutionäre, biologische Aspekte stets ausgeklammert und als biologistisch abgewertet. Stattdessen wird versucht, eine Strategie zu entwickeln, wie mittels politischer Meinungsbildung oder Sprache Gleichberechtigung herzustellen sei. In den Naturwissenschaften wird nicht selten versucht, das kulturelle Verhalten weiblicher und männlicher Primaten untereinander und auch mit dem des patriarchalisierten Menschen als gleich darzustellen. Demnach sei alles nur eine Frage von Kultur und nicht von Verbrechen. Auf diese Weise waschen die Gender Studies das Patriarchat rein, und statt es zu beenden, werden Vorlagen geliefert, es weiter zu verschärfen. Dass es Monogamie und Eheschließung, also die Familie, schon in der Altsteinzeit gegeben hätte, ist von den Gender Studies nie infrage gestellt worden. Mit dieser Rückdatierung des Patriarchats in die Anfänge der Menschheit waren die Gender Studies für das System interessant geworden, wo zuvor der Feminismus das Patriarchat zurückzudrängen begann. Entsprechend viel Geld wurde in diese Pseudowissenschaft gepumpt. Die neue Ideologie, die in den Universitäten erdacht wurde, wurde mit dem Amsterdamer Vertrag von 1997/1999 in der EU-Politik als sog. Gender Mainstreaming fest verankert. Da die Gender Studies staatlich finanziert sind, war von Beginn an Skepsis angebracht, dass hiermit das Patriarchat zu beenden wäre. Es stellte sich in der Tat heraus, dass das Gender Mainstreaming zum Wohle der Wirtschaft zur Anpassung der Frau an die männliche Lebensweise führte, und Kinder dabei nur als Störfaktor angesehen werden. Als die Frauen in die Arbeitswelt drängten, sanken die Löhne drastisch, so dass heute ein Gehalt allein nicht mehr ausreicht, eine Familie zu ernähren. Mit dem Hinweis auf die Sachzwänge der Globalisierung wird dieser Umstand verschleiert. Neue Denkanstöße kommen seit einigen Jahren aus der sog. Citizen Science, der unabhängigen Bürgerforschung. Mit der hier angesiedelten kritischen Patriarchatsforschung wurde begonnen, interdisziplinär, unter Einbeziehung der Anthropologie, also der menschlichen Evolution und Biologie, die Entstehung und Aufrechterhaltung des Patriarchats zu untersuchen und zu verstehen. Heute gilt daher die Unterdrückung der sog. female choice als Basis des Patriarchats und als sein einzig sicheres Erkennungszeichen. Es wurde deutlich, dass das besondere, soziale Miteinander des Menschen seine Wurzeln in der matrifokalen, also matrilokalen und matrilinearen SIPPE hat, die vom Patriarchat zerstört wurde, so dass die Mehrheit der Menschen, aber immer noch nicht alle, in patrilinearen Gruppen, den FAMILIEN, patrilokal leben. Es konnte damit nicht nur der Widerspruch aufgelöst werden, dass der Mensch einerseits gewalttätig werden kann und Kriege führt, und andererseits als höchst sozial gilt. Es wurde mit dem Wissen, dass die Mütter aus ihrem urmütterlichen Schutzraum gerissen wurden und den Vätern und deren Familie fortan ausgeliefert waren, erklärbar, warum Frauen und Kinder, letztlich also auch die Männer, im Patriarchat leiden und gleichzeitig, warum ausgerechnet die Religionen dies rechtfertigen. Patriarchale Ideologie und ihre Folgen Das Patriarchat wurde vor ca. 8200 Jahren (Misox-Klimaschwankung) mit der Erfindung des Viehnomadismus in den Steppengebieten errichtet. Die Frau wurde in die Ehe gezwungen und sie hatte ihrem Ehemann vor allem Söhne zu gebären und ihm und seiner Herde zu folgen. Unsere indoeuropäische Sprache, die aus der Steppe stammt, ist entsprechend durchsetzt mit Metaphern aus der Tierzucht. Eine Frau, die ihre female choice frei lebt, also selbstgewählte, wechselnde Sexualpartner hat, wird als \"unzüchtig\" (sinngemäß: sich der Zucht entziehend) oder \"zügellos\" bezeichnet. Es handelte sich um eine bis dahin unbekannte Denk- und Lebensweise, in der sich der Mann seiner väterlichen Linie bewusst geworden war (Patrilinearität) und daher die Frauen und Kinder zwang, bei ihm zu wohnen (Patrilokalität). Damit begann er, Menschen wie ein Schöpfergott nach seinem Willen zu züchten. Bei der Tierzucht passierte der größte Irrtum der Menschheit, nämlich, dass die Frau nur das Gefäß männlichen Samens sei. Zu teuer und obendrein meist unwillig war die Frau für den Mann zur Last geworden, Ursache des tiefen Hasses auf die Frauen, sowie männlicher Überheblichkeit und des Machtstrebens. Als Ziel des Patriarchats ist in den Heiligen Schriften die Abschaffung der Mutter erkennbar, deren Metapher \"Fruchtbarkeitsgöttin\" sukzessive durch einen allmächtigen, d.h. unsterblichen, menstruierenden, gebärenden und stillenden Gott ersetzt wurde. Dieses Ziel erschien wie oben erwähnt im Sozialdarwinismus neu verpackt wieder an der Oberfläche patriarchalen Denkens. In unserer Zeit wird es durch die Reproduktionsmedizin, die Patentierung der Muttermilch, die Fremdbetreuung der Kinder u.a. vorangetrieben, mitgetragen auch von einem falsch verstandenen Feminismus, der die Frau von dieser vermeintlich lästigen und undankbaren Aufgabe zu befreien sucht. Dass es das Patriarchat auf die besonders kostbare Fähigkeit der Frau, Mutter zu werden, abgesehen hat, wurde vom Feminismus nicht erkannt und von den Gender Studies ausgeblendet. Eine Frau, die ihr Frausein über ihre Fähigkeit, Mutter zu werden, definiert, wird als biologistisch abgewertet, sind da ja die Männer, denen das ermöglicht werden soll. Tatsächlich wächst die väterliche Macht auch um so mehr, als die Bindung zum Kind immer enger wird. So begrüßenswert das auf den ersten Blick erscheint, so fatal wirkt sich das auf die Freiheit der Mutter und ihr Recht am Kinde aus. Neue Begriffe wie \"Bindungsintoleranz\" (der Mutter unterstellter Versuch, das Kind dem Vater zu entfremden) und \"neurotische Mutter-Kind-Symbiose\" (nach Sigmund Freud) werden als Argumente angeführt, um Müttern das Kind direkt wegnehmen zu können. \"Inobhutnahme\" ist der euphemistische Begriff für diesen Kinderraub. Wenn eine Mutter ihr Kind dann einfach mitnimmt, ohne den Vater über den Verbleib zu unterrichten, dann gilt das vor dem patriarchalen Gesetz nicht als Befreiung, was es ja eigenlich ist, sondern in Verdrehung der Tatsachen als Entführung. Die Strategie ist denkbar einfach. Das Kind gilt im Geiste als Besitz des Vaters. Die Mutterschaft wird der Frau unerträglich gemacht, dann von ihr abgelehnt und vom Patriarchat scheinheilig diffamiert. So kann die Mutterschaft der Frau weggenommen werden, um die Supervaterschaft, den Endsieg des Patriarchats, Wirklichkeit werden zu lassen. In den Heiligen Schriften ist dieses Ziel von Gott-Vater längst umgesetzt. Aber was will der Patriarch mit dieser Fähigkeit? Wird sie ihm einst nicht ebenso lästig und unangenehm wie der patriarchalisierten Frau? Mit der Supervaterschaft sucht der Mann Unsterblichkeit, die ihm zur totalen Macht fehlt. Dabei spielt es keine Rolle, wie das Leben der so gezeugten Kinder aussehen wird oder wie sie sich fühlen. Wesentlich wird sein, dass diese Kinder funktionieren und die Macht und den Reichtum des Patriarchen weiter mehren. Liebe ist dem Patriarchen fremd. Er kompensiert sie mit Materialismus. Doch die Natur wird diesen Machenschaften einst Grenzen setzen, zerstört er doch zunehmend seine Lebensgrundlage, unsere Mutter Erde."
  }]
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<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat">Patriarchat &#8211; Definition, Entstehung, Geschichte und Symptome</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Explosion und Expansion &#8211; wie Vatermacht die Welt unterjocht.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Apr 2021 10:41:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Vortrag gehalten am 17.5.2019 an der Philipps-Universität Marburg im Rahmen der Studientage &#8222;Nachhaltigkeit und Gesellschaftsformen aus kritisch geographischer Sicht&#8220; im Fachbereich 19 Geographie. Bild: Plastik &#8222;Überbevölkerung&#8220;, Neanderthal-Museum Mettmann. Bildquelle: wikimedia...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht">Explosion und Expansion &#8211; wie Vatermacht die Welt unterjocht.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg01.met.vgwort.de/na/5710b41230c54a228868564a00a0c210" alt="" width="1" height="1" />Vortrag gehalten am 17.5.2019 an der Philipps-Universität Marburg im Rahmen der <a href="https://www.uni-marburg.de/de/fb19/aktuelles/termine/studientage_nachhaltigkeit-1" target="_blank" rel="noopener">Studientage &#8222;Nachhaltigkeit und Gesellschaftsformen aus kritisch geographischer Sicht&#8220;</a> im Fachbereich 19 Geographie.</p>
<p><span class="abb">Bild: Plastik &#8222;Überbevölkerung&#8220;, Neanderthal-Museum Mettmann.<br />
Bildquelle: wikimedia commons (user: Fährtenleser)</span></p>
<h2 id="ueberbev">Überbevölkerung</h2>
<p>Im Jahre 1972 veröffentlichte der Club of Rome die Aufsehen erregende Studie &#8222;Die Grenzen des Wachstums&#8220;<!--<a href="#_ftn1" name="_ftnref1" class="footn">[1]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup>, mit der er vor dem ungebremsten Wachstum der Weltbevölkerung warnte. Damals lebten 3,84 Milliarden Menschen und China war mit 862 Mio. Einwohnern das bevölkerungsreichste Land. Ab 1979 versuchte China mit der 1-Kind-Politik Hungersnöten entgegenzuwirken. In der Folge wurden zahllose Mädchen abgetrieben. Dennoch leben in China inzwischen 1,3 Milliarden Menschen. Aber für junge Männer ist es schwer geworden, eine Frau zu finden.</p>
<p>Knappheit führt im Allgemeinen zu einem Wertzuwachs des knappen Gutes. Die chinesische Frau wird heute aber nicht höher geachtet, sondern wie eine teure Mingvase gehandelt. Menschenhandel, Entführungen und Prostitution sind immer lukrativere Einnahmequellen geworden.</p>
<p>Indien, wo 1972 noch 579 Mio. Menschen lebten, macht China mit 1,2 Milliarden nun die Führung streitig. Der Journalist Arne Perras recherchierte:</p>
<blockquote><p>&#8222;Delhi setzte auf Massen-Sterilisationen. Sie sind bis heute die häufigste Form der Verhütung im bald bevölkerungsreichsten Land der Welt. In &#8222;Sterilisations-Camps&#8220;, die in kühleren Monaten vielerorts eingerichtet werden, arbeiten Ärzte wie am Fließband. 80 Operationen in weniger als fünf Stunden sind keine Seltenheit. Mangelnde Hygiene, fehlende Geräte, Schlamperei und in einzelnen Fällen sogar Trunkenheit der Männer mit dem Skalpell führten zu zahlreichen Todesfällen. 2014 starben in einem Dorf innerhalb weniger Stunden 15 Frauen. Oft wissen die Frauen gar nicht genau, was sie erwartet, sie werden von ihren Männern gedrängt oder gezwungen.&#8220;<!--<a href="#_ftn2" name="_ftnref2" class="footn">[2]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup></blockquote>
<p>Aufgrund der weltweiten Bevölkerungsexplosion, wobei natürlich auch Afrika und Länder wie Indonesien besonders zu nennen sind, ist die Weltbevölkerung bis 2018 auf 7,65 Milliarden angestiegen. Die Prognose des Club of Rome war damit sehr genau. Der Geograph Michael Sypien schreibt darüber:</p>
<blockquote><p>&#8222;Auf die Bevölkerungsanzahl wirken zwei Faktoren ein. Die Fruchtbarkeit vergrößert die Bevölkerung exponentiell, da sich bei gleichbleibender Geburtenrate die Basis der Bevölkerungsanzahl immer mehr verbreitert. Diesem positiven Regelkreis wirkt der negative Regelkreis der Todesfälle entgegen. Die Sterblichkeit wirkt auf die Bevölkerungsanzahl regulierend. Seit der industriellen Revolution ist der negative Regelkreis aber zunehmend geschwächt; durch eine bessere medizinische Fürsorge nimmt die Sterblichkeit ab, und durch ein erhöhtes Nahrungsmittelangebot hat sich das Durchschnittsalter von 30 Jahre (1650) auf 53 Jahre (1972) weltweit erhöht. Da sich auch die Geburtenrate erhöht hat, nennen die Autoren (des Club of Rome) das Bevölkerungswachstum gar &#8217;superexponentiell&#8216;.&#8220;<!--<a href="#_ftn3" name="_ftnref3" class="footn">[3]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup></blockquote>
<p>2016 forderten der norwegische Zukunftsforscher Jørgen Randers und der britische Ökonom Graeme Maxton &#8211; beide Mitglieder des Club of Rome &#8211; in ihrer Veröffentlichung mit dem Namen &#8222;Ein Prozent ist genug&#8220;<!--<a href="#_ftn4" name="_ftnref4" class="footn">[4]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup> ein politisches Umsteuern. Durch die Presse ging vor allem ihr Vorschlag, Frauen mit nur einem Kind im Alter von 50 Jahren mit einer Prämie von 80.000 Dollar zu belohnen, was von der Öffentlichkeit empört als Bestechung zurückgewiesen wurde.</p>
<p>Darüber, wie Frauen das schaffen sollen, wie sie das Geld für sich behalten können, und wie ein neuer Gynozid verhindert werden könnte, schwiegen sich die beiden Männer jedoch aus, in dem Wissen, dass Gynozid schon jetzt ein weltweites Problem ist.</p>
<p>Die Überbevölkerung ist entgegen landläufiger Vorstellung gar <strong>kein modernes Problem</strong>. Sie ist schon seit Anbeginn des Patriarchats festzustellen. Ein Ausdruck dessen dürfte der babylonische Atra-Hasis-Mythos sein, ein Vorläufer der Arche Noah-Geschichte, im Folgenden erhellt durch die Archäologin Eva Götting:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Menschen hatten sich, nachdem sie geschaffen wurden, auf der Welt vermehrt und erzeugten einen derartigen Lärm, dass sich der Gott Enlil in seinem Schlaf gestört fühlte. Er schickte die Sintflut, die das Problem ein für alle Mal aus der Welt schaffen sollte. Nur einige Menschen überlebten durch das Eingreifen des Weisheitsgottes Ea und auf Drängen der Göttin Aruru. Um einer künftigen Lärmbelästigung vorzubeugen, wurden Wesen auf die Erde gesandt, die eine Überbevölkerung unterbinden sollten.&#8220;<!--<a href="#_ftn5" name="_ftnref5" class="footn">[5]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup></blockquote>
<p>Statt es ursächlich zu lösen, versuchte die Menschheit das Problem seit seinem ersten Auftreten zu kompensieren. Dazu gehören z.B. der Pflug, der Dünger und die staatlich organisierte Bewässerung. Diese Technologien beruhten auf Ausbeutung und Gewalt gegen die belebte und unbelebte Natur, wie die großflächigen Rodungen, die Tier- und Pflanzenzucht, der Bergbau, die kriegerische Expansion und heute auch die sog. Schädlingsbekämpfung. Jedoch führen diese zu nur noch mehr Überbevölkerung, so dass das Ziel &#8211; kaum nähern wir uns ihm an &#8211; sukkzessive wieder in uneinholbare Ferne rückt. Die Erde kann keine unendlich große Zahl an Menschen aufnehmen, auch wenn wir noch so viel Nahrung um den Globus verschiffen oder fliegen. Die Umverteilung und Kühlung von Nahrungsmitteln verbraucht obendrein Unmengen an Energie, was unseren Planeten weiter schädigt. Hilfsorganisationen glauben dennoch fest daran, dass es für alle reiche, wenn es nur richtig verteilt würde.</p>
<p>Das Erkennen und Abstellen der Ursache rüttelt am größten Tabu, nämlich an der Vaterschaft. Männern ist es offenbar nicht zuzumuten, ihre Fruchtbarkeit zu begrenzen, geschweige denn ganz auf Kinder zu verzichten.</p>
<p>Dagegen wird Frauen alles nur denkbare angetan, um die Kinderzahl wahlweise zu erhöhen oder zu begrenzen oder eine Schwangerschaft ganz zu verhindern. Dabei wird über zahllose weibliche Leichen gegangen.<br />
Dies ist der Stand der Dinge.</p>
<h2 id="fc">Unterdrückte Female Choice</h2>
<p>Jede Einmischung in die Sexualität einer Frau verstößt nicht nur gegen ihr verbrieftes Persönlichkeitsrecht, sondern vor allem gegen ihr Naturrecht, der <em>female choice</em>, demjenigen evolutionären Regulativ, das Überbevölkerung ohne jedes Leid verhindert. Die <em>female choice</em> ist die naturgegebene sexuelle Entscheidungsfreiheit aller weiblichen Lebewesen über ihren Körper und der eigentliche Hintergrund der sog. Sexuellen Selektion, die Charles Darwin entdeckte und neben die Natürliche Selektion stellte. Nur sehr wenige Wissenschaftler anerkannten seitdem seine These, denn eine wählerische, freie Frau gilt als unzüchtig, ungehorsam oder gefährlich und ist daher undenkbar.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup>
<p>Erst in den 1990iger Jahren wagte es die amerikanische Anthropologin Meredith F. Small, die Wirkungen der <em>female choice</em> an Primaten zu beschreiben und erregte damit die Aufmerksamkeit eines größeren Publikums.<!--<a href="#_ftn6" name="_ftnref6" class="footn">[6]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup> Nachdem es um ihre Untersuchungen wieder sehr ruhig geworden war, startete im Jahr 2017 der amerikanische Ornithologe Richard O. Prum einen neuerlichen Anlauf, als er die <em>female choice</em> der Vogel-Weibchen als treibende Kraft für Veränderungen an Aussehen und Verhalten iher Arten beschrieb.<!--<a href="#_ftn7" name="_ftnref7" class="footn">[7]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup>
Mit seiner Übertragung auf den Menschen verwickelte er sich jedoch leider in Widersprüche, weil er es als Familienvater und Gläubiger als selbstverständlich ansah, dass Menschen wie die Vögel in Paarbeziehungen leben. Damit unterschätzte er bei weitem die menschliche <em>female choice</em>, die er auf die einmalige Wahl des Ehemanns beschränkte. Für seine Nominierung für den Pulitzer-Preis war das aber offensichtlich hilfreich.</p>
<p>Die Sexuelle Selektion wird oft als Sonderfall der Natürlichen Selektion bezeichnet, welche aber lediglich die Anpassung an Umwelteinflüsse meint. Die <em>female choice</em> entfaltet jedoch eine eigenständige Kraft, wie es Darwin, Small und auch Prum entdeckten. Sie steht noch über der Natürlichen Selektion, denn sie kann unmittelbar jede Generation spürbar verändern, während die Natürliche Selektion nur zu allmählichem Wandel führt und manchmal sogar zum Aussterben einzelner Arten oder gar ganzer Ökosysteme.</p>
<p>Das Vorrecht der freien Wahl durch die Weibchen ist ein <strong>Urinstinkt</strong>. Er ist so tief in der Phylogenese, also der Entwicklung aller Lebewesen, verankert, dass er nicht weggezüchtet werden kann. Die <em>female choice</em> läuft bewusst und unbewusst aber auch ebenso unbemerkt im Körper ab. Es kann ihr daher niemand gänzlich entkommen. Sie ist das Gegenteil von sexueller Unterdrückung, und sie macht, wenn sie frei gelebt werden darf, die Frau zur Regisseurin der Sexualität.</p>
<p>Die <em>female choice</em> erfüllt in der Evolution elementare, <strong>Leben schützende</strong> Funktionen.<br />
Die Menschenfrau hat relativ selten Nachkommen, und daher hat jedes ihrer Kinder idealerweise einen <strong>anderen</strong> genetischen Vater. Dies dient naürlich der genetischen Vielfalt, die die Gesundheit der Population schützt.</p>
<p>Eine Frau, die ihre <em>female choice</em> lebt, gebiert nicht mehr Kinder sondern weniger als eine patriarchalisierte Frau, denn sie hat insgesamt weniger Sex. Das mag Sie überraschen, denn eine Welt freier Frauen stellen sich viele als Sexparadies vor. Warum ist dem nicht so?</p>
<p>Unter natürlichen Bedingungen gibt es nur lustvollen Sex ohne jeden Hintergedanken daran, Mutter zu werden oder dem Partner zu gefallen. Jeder Hintergedanke würde die <em>female choice</em> bereits einengen. Dass dabei ein Kind entstehen sein kann, bereitet keine Angst und wird einfach in Kauf genommen. Wenn die Verliebtheit nachlässt, geht die Frau ihrer Wege, und das ist meist schon nach wenigen Monaten so.</p>
<p>Die wild lebende Frau kann sich das leisten, denn sollte sie schwanger geworden sein, ist sie existentiell über ihre mütterliche Sippe abgesichert.</p>
<p>Damit schläft im Bett der jungen Mutter kein <strong>Vater</strong>, sondern dort liegt ihr Kind. Dies gewährleistet, dass das Baby und Kleinkind jederzeit Zugang zur Milchquelle hat, selbst wenn die Mutter schläft. Durch das Stillen rund um die Uhr werden die Still-Hormone so hoch gehalten, dass die Mutter nicht sofort wieder schwanger wird.<!--<a href="#_ftn8" name="_ftnref8" class="footn">[8]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup> Einerseits bleibt die Menstruation länger aus, andererseits hat die Mutter länger kein Bedürfnis nach einem neuen Liebhaber, denn Einsamkeit kennt sie nicht, und sie ist durch das Oxytocin in ihr Baby verliebt.</p>
<p>Im Patriarchat mit seinem Zwang zur Monogamie ist eine Frau den sexuellen Begierden des Mannes im Ehebett schutzlos ausgeliefert. Er glaubt, ein Recht auf Sex zu haben, und sie glaubt, ihm dies geben zu müssen, denn sie und ihre Kinder sind von seinem Wohlwollen existentiell abhängig.</p>
<p><a title="Wolfgang Sauber [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kulturen_B%C3%A4uerliche_Kultur_-_Himmelbett_3.jpg"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/2d/Kulturen_B%C3%A4uerliche_Kultur_-_Himmelbett_3.jpg/512px-Kulturen_B%C3%A4uerliche_Kultur_-_Himmelbett_3.jpg" alt="Kulturen Bäuerliche Kultur - Himmelbett 3" width="100%" /></a></p>
<p><span class="abb">Bild: Ehebett und Wiege</span></p>
<p>Patriarchale Wissenschaft machte daraus übrigens das Dogma der &#8222;sozialen Funktion von Sex&#8220; als einer naturgegebenen Tatsache und ersann die Begriffe Paarbildungssex und Paarbindungssex. Beides ist der wild lebenden Frau unbekannt.</p>
<p>Es ist klar, dass eine Frau, die in fester Partnerschaft lebt und keinen Zugang zu Verhütungsmitteln hat, kurz aufeinanderfolgend schwanger werden muss. Alte Kirchenbücher belegen, dass dies auch bei uns noch bis ins letzte Jahrhundert der Fall war. Oft verhinderte nur der Tod der Mutter unter der Geburt weitere Geburten. Doch weder das noch die Konkurrenz durch ein älteres Stillkind kann im Sinne eines Babys sein. Beide bedrohen sich sogar gegenseitig in ihrer Existenz. Tatsächlich starben von den nicht selten über 10 Kindern manchmal mehr als die Hälfte. Übrig blieben dennoch weit mehr Kinder als Haus und Hof, letztlich das ganze Land, tragen konnte.</p>
<p>Nicht nur viele Schwangerschaften und fehlende Hilfen sind eine enorme Belastung für Frauen, sondern auch der Tod ihrer Kinder und natürlich die Tatsache, sexuelle Dienste gegen ihre innere Neigung leisten zu müssen. Ohne einen Mann, der permanente sexuelle Ansprüche stellt, führt die beinahe ganzjährige Fruchtbarkeit der Frau nicht zu zuvielen Kindern, sondern ermöglicht es bei den natürlicherweise seltenen Kontakten mit fremden Männern überhaupt schwanger zu werden. Zudem gibt es in der Natur aufgrund der <em>female choice</em> keinen Zwang zur Mutterschaft.</p>
<p>Viele Frauen würden unter natürlichen Bedingungen kinderlos bleiben und niemand würde sich daran stören. Der <em><strong>female choice</strong></em> kommt also die Schlüsselstellung bei der Verhinderung von Überbevölkerung und deren Folgen zu.</p>
<p>Wir haben damit auch die Gründe kennengelernt, warum unsere Biologie eigentlich FÜR uns Frauen und nicht gegen uns arbeitet, wie es die meisten Feministinnen leider glauben. Erst das Patriarchat macht unsere Biologie zu einer Bürde.</p>
<h2 id="matrifokalitaet">Matrifokalität, unser angeborenes Sozialverhalten</h2>
<p>Die amerikanische Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy konnte anhand der besonderen Probleme, die die zunehmend lange Kindheit mit sich brachte, aufzeigen, dass die Einheirat und der Zuzug einer Frau und künftigen Mutter in die Familie eines Ehemanns für den Fortbestand der Menschheit in der Altsteinzeit fatal gewesen wäre. Daher ist uns nicht Patrilokalität, sondern Matrilokalität angeboren. Sie rekonstruierte die artgemäße Lebensweise von Homo Sapiens auf der Basis der <em>female choice</em> und der Großmutterthese nach Hawkes und Beise/Voland.<!--<a href="#_ftn9" name="_ftnref9" class="footn">[9]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup>
<p>Das <strong>Großmutter-Mutter-Kind-Kontinuum</strong> war demnach eine Erfolgsgeschichte der Evolution. Die Großmutter mütterlicherseits trug entscheidend dazu bei, dass der Nachwuchs ihrer Tochter überlebte. Dies ist übrigens auch der Grund, warum wir Frauen eine Menopause erleben können.</p>
<p>Erst nach ihrer Emeritierung schrieb Blaffer Hrdy in eine Fußnote ihres vorerst letzten Buches:</p>
<blockquote><p>&#8222;Ich gehörte übrigens zu denjenigen, die schon frühzeitig davon überzeugt waren, dass Menschenaffen zur Patrilokalität neigten. Ich änderte meine Meinung im Verlauf der Arbeit an &#8218;Mutter Natur&#8216;.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup></blockquote>
<p>Sie stellt vor allem fest, dass &#8230;</p>
<blockquote><p>&#8222;&#8230; ungeachtet dogmatischer Verlautbarungen, wonach Menschen für gewöhnlich &#8218;eine patrilokale Familienstruktur besitzen&#8216;, weil &#8218;Söhne in traditionellen Gesellschaften in der Nähe ihrer Familien bleiben, während Töchter fortziehen&#8216;, diese grundlegende Aussage über die menschliche Natur nicht von Daten über Menschen gestützt wird, die tatsächlich als Jäger-Sammler leben.&#8220; <sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup></blockquote>
<p>Entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der hohen menschlichen Sozialität hatte ihr zufolge das Leben in matrilokalen und matrilinearen Gemeinschaften. Der immer wieder betonten männlichen Jagd kommt dabei nicht die Bedeutung zu, die ihr meistens zugeschrieben wird. Blaffer Hrdy schreibt darüber:</p>
<blockquote><p>&#8222;Auch wenn der Jäger noch so geschickt ist, ist das Aufspüren und Töten von Beutetieren ein riskantes Unterfangen mit unbestimmtem Ausgang. Ein Mann kann jeden Tag auf die Jagd gehen und trotzdem wochenlang mit leeren Händen heimkehren. Ein Jäger (&#8230;) kann sich den Misserfolg leisten, weil er davon ausgehen kann, einen Anteil an den von den Frauen gesammelten Früchten, Nüssen und Knollen zu erhalten, und auch weil andere Männer an diesem Tag mehr Glück haben mögen&#8220;.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup></blockquote>
<p><a title="Woodlouse [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hadzabe_Hunters.jpg"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/1f/Hadzabe_Hunters.jpg/512px-Hadzabe_Hunters.jpg" alt="Hadzabe Hunters" width="100%" /></a><br />
<span class="abb">Bild: Jäger der Hazda, Nord-Tansania. Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<p>In ihrem Buch &#8222;Mutter Natur&#8220; (2010a) weist sie daraufhin, dass es den Jägern weit mehr um &#8211; wörtlich &#8211; Angeberei geht, als darum, Fleisch für die Kinder ins Lager zu tragen.</p>
<p>Nachtrag 12.12.2019: Dies bestätigt eine neu gefundene 40.000 Jahre alte Felszeichnung mit der Abbildung von Jägerlatein. &#8222;Riesenzwergbüffel&#8220; werden darin von mehreren &#8222;mutigen&#8220;, als Tiere verkleideten Männern mit Speeren angegriffen. So etwas wird am Lagerfeuer erzählt oder eben auf Wände gemalt:</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Bildquelle: https://www.scinexx.de/news/geowissen/aelteste-jagdszene-der-menschheit-entdeckt/ , © Griffith University/ Aubert et al." src="https://i0.wp.com/www.scinexx.de/wp-content/uploads/j/a/jagdszene2g.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Bildquelle: https://www.scinexx.de/news/geowissen/aelteste-jagdszene-der-menschheit-entdeckt/ , © Griffith University/ Aubert et al."  border="0" /></p>
<p><span class="abb">Bildquelle: <a class="textlink" href="https://www.scinexx.de/news/geowissen/aelteste-jagdszene-der-menschheit-entdeckt/" target="_blank" rel="noopener">https://www.scinexx.de</a><br />
Offizielle Interpretation im <a class="textlink" href="https://www.scinexx.de/news/geowissen/aelteste-jagdszene-der-menschheit-entdeckt/" target="_blank" rel="noopener">Scinexx-Artikel</a>: &#8222;&#8218;Die frühe Kunst auf Sulawesi könnte unbezahlbare Einblicke in die Entwicklung der menschlichen Spiritualität und die Verbreitung der künstlerischen Praktiken geben, die das Denken auch des modernen Menschen geprägt haben&#8216;, sagt Co-Autor Adhi Agus Oktaviana vom ARKENAS-Forschungsinstitut in Jakarta. (<a href="https://www.nature.com/articles/s41586-019-1806-y" target="_blank" rel="noopener">Nature, 2019; doi: 10.1038/s41586-019-1806-y</a>)&#8220;</span><br />
Nachtrag ENDE</p>
<p>Ich gehe daher davon aus, dass die Jagd überwiegend eine sexuelle Aufgabe erfüllte. Sich einander fremde Männer entwickelten über die Jagd Männerfreundschaften und gegenseitiges Vertrauen. Sie bekamen damit Zutritt in andere Sippen zu ihnen nicht verwandten Frauen. Auf diese Weise wurde die matrilokale Ausübung der Exogamie gefördert.</p>
<p>Der rein männliche Blick auf die Menschheitsgeschichte mit dem Dogma des Familienvaters als Ernährer ist völlig verfehlt und geht an der Basis der Evolution vorbei, nämlich der verlässlichen Versorgung des Nachwuchses und seiner Mütter. Auch das Faktum, dass Männer bis ins hohe Alter, wo sie schon gar nicht mehr auf die Jagd gehen, zeugungsfähig sind, ist ein ganz klares Indiz dafür, dass der genetische Vater nicht der Ernährer war.</p>
<p>Die Sozialanthropologin Julia Colette Berbesque und ihre Kollegen von der University of Roehampton in London haben in einer Studie</p>
<blockquote><p>&#8222;den Ernährungszustand von 36 heutigen Jäger-und-Sammler-Völkern mit dem ursprünglicher, nicht industrialisierter Bauernkulturen verglichen &#8211; und dies getrennt nach warmen und kalten Lebensräumen. (&#8230;) Das überraschende Ergebnis: Jäger und Sammler leiden nicht häufiger, sondern sogar deutlich seltener unter Nahrungsmangel &#8211; zumindest dann, wenn sie in gemäßigtem oder warmem Klima leben. Hungersnöte sind bei ihnen sowohl seltener als auch kürzer.&#8220;<!--<a href="#_ftn10" name="_ftnref10" class="footn">[10]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup></blockquote>
<p>Tatsächlich sind wir auf regelmäßige Nahrung und auf Wasser angewiesen. Kinder reagieren mit lautem Weinen, wenn sie Hunger oder Durst haben, Mütter werden also danach trachten, dies zu verhindern. Unsere Vorfahren hielten sich, wie jede andere Tierart auch, nach Möglichkeit nur dort auf, wo die Natur sie gut versorgte. Auch die Menschen der <strong>europäischen</strong> Altsteinzeit lebten nicht auf dem ewigen Eis wie die rezenten Inuit, sondern vor allem in den Gebieten, wohin sich alle heute in Europa einheimischen Pflanzen zurückgezogen hatten und die Eiszeit überlebten.</p>
<p>Das sind die Gegenden, wo wir heute altsteinzeitliche Bilderhöhlen und Frauenstatuetten finden. Die Bevölkerungsdichte war dabei vor 40.000 Jahren mit europaweit nur ca. 1500 Individuen, was etwa 10-15 matrifokalen Sippen entspricht, sehr gering, wie es jüngst vom Projekt &#8222;Our Way to Europe&#8220; unter der Leitung der Geoarchäologin Isabell Schmidt errechnet wurde.<!--<a href="#_ftn11" name="_ftnref11" class="footn">[11]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">15</sup>
<p>Eigentlich ist es einleuchtend: Da wo Kinder aufwachsen, muss es so sicher und verlässlich wie möglich sein. Deshalb hatten die Mütter der Altsteinzeit sichere und sozial stabile Bedingungen selbst geschaffen. Sie lebten nicht wie die meisten Menschen heute an eigentlich unwirtlichen, lebensfeindlichen Orten und sie lebten nicht in Familien, sondern in Sippen. Statt <strong>Patrilokalität</strong> war die lebenslange <strong>Matrilokalität</strong> die effizientere Strategie, mit der die Mütter alle Schwierigkeiten der langen Kindheit bewältigten.</p>
<p>Die Archäologin Marija Gimbutas nannte diese Lebensweise <strong>Matrifokalität</strong>. Matrifokalität hat nichts mit <strong>Macht</strong> zu tun, sondern mit <strong>Fürsorge und Kooperation in der mütterlichen Linie</strong>, der <strong>Matrilinearität</strong>, und sie ist unsere artgemäße Lebensweise, die, weil sie uns angeboren ist, immer noch unser patriarchal überformtes Sozialverhalten mitbestimmt. Sie war, wie Marija Gimbutas es entdeckte, auch nachdem die Landwirtschaft erfunden war, bis weit in die Jungsteinzeit gelebte Wirklichkeit.</p>
<p>Die biologische Vaterschaft konnte erst in der Sesshaftigkeit erkannt werden. Zur Durchsetzung von Patrilinearität, also der Einheit von biologischer und sozialer Vaterschaft, gab es aber zunächst keinerlei Veranlassung. Zum mütterlichen Prinzip gehört das bedingungslose Teilen von Nahrung und Heimstatt mit den Kindern, d.h. alles wurde von allen als Eigentum angesehen. Eine Teilung des Besitzes und ein Erbrecht waren daher überflüssig. Alle Kinder wohnten sowieso lebenslang in der Sippe. Als Brüder und Onkel hatten die Männer die Rolle des sozialen Vaters inne, übten damit aber keine Herrschaft aus, denn sie konnten ihre Angehörigen nicht mit dem Entzug des Erbes erpressen oder andere Machtmittel einsetzen. Vor allem aber fehlte ihnen das Verlangen danach.</p>
<p>Diese Lebensweise ist mittlerweile auch mit naturwissenschaftlichen Methoden nachweisbar, das sind die Genetik und die Epigenetik bzw. Osteologie und Odontologie, also Knochen- und Zahnkunde sowie die Isotopen-Analyse.</p>
<h2 id="ch">Matrifokale Jungsteinzeit</h2>
<p>In der größten jungsteinzeitlichen Siedlung und Ackerbaukultur Çatal Höyük beispielsweise lebten bis zu 8.000 Menschen über 2200 Jahre lang friedlich und herrschaftsfrei zusammen. Der Grabungsleiter Ian Hodder nennt es sogar &#8222;aggressively egalitarian&#8220;. Die Odontologin Marin Pilloud fand keinerlei epigenetische Hinweise auf Kernfamilien, &#8222;No family plots&#8220;<!--<a href="#_ftn12" name="_ftnref12" class="footn">[12]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">16</sup>, wie sie es ausdrückte. Damit fehlen jegliche Anzeichen für ein Patriarchat.</p>
<p>(Nachtrag: Daran ändert auch nichts die jüngste Studie (Juni 2019)<!--<a href="#_ftn13" name="_ftnref13" class="footn">[13]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">17</sup> der bioarchäologischen Arbeitsgruppe unter Clark Spencer Larsen, in der Pilloud mitwirkte, und die darauf abzielt, ein Patriarchat in Çatal Höyük nachzuweisen. Ich konnte nachweisen, dass <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2019/07/16/patriarchat-und-gewalt-in-catal-hoeyuek-bioarchaeologie-versucht-ein-altes-problem-endgueltig-aus-der-welt-zu-schaffen-wieder-ohne-erfolg/" target="_blank" rel="noopener">die Studie manipulativ ist und auf tönernden Füßen steht.</a> Sie ist ein besonders schönes Beispiel patriarchaler Methodik.)</p>
<p>Eine jüngst von den Paläogenetikern Haak/Krause/Jeong <a href="https://www.mpg.de/13245281/anatolische-jaeger-sammler-erste-bauern" target="_blank" rel="noopener">veröffentliche Untersuchung</a> deckte auf, dass die ersten Ackerbauern Anatoliens, zu denen auch Çatal Höyük gehört, indigene Anatolier waren, die seit der Altsteinzeit dort ansässig gewesen sind.<!--<a href="#_ftn14" name="_ftnref14" class="footn">[14]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">18</sup> Das bedeutet, dass sie die gelebte Matrifokalität in die Sesshaftigkeit mit herüber genommen hatten.</p>
<p>Von Çatal Höyük können wir lernen, dass Sesshaftigkeit nicht automatisch ins Patriarchat führt, und Hochkultur nicht von Hierarchie und Unterdrückung abhängig ist. Die hier freilich gefundenen ersten Zivilisationskrankheiten nehmen sich gegen die Folgen des Patriarchats aber geradezu harmlos aus und änderten offensichtlich nichts an der hohen Zufriedenheit der Menschen. Aber der Ackerbau wiegte die Menschen lange in trügerischer Sicherheit.</p>
<blockquote><p>&#8222;In guten Jahren können Bauern zwar weitaus mehr Kalorien pro Fläche Land erwirtschaften als die Wildbeuter, dafür aber können diese wegziehen, wenn Dürren oder Überschwemmungen die Nahrung knapp werden lassen.&#8220;<!--<a href="#_ftn15" name="_ftnref15" class="footn">[15]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">19</sup></blockquote>
<p>Gegenüber den Bauernkulturen waren die Menschen der Altsteinzeit also klar im Vorteil.</p>
<h2 id="misox">Klimakrise Misox-Schwankung</h2>
<p>Ihre vollständige Abhängigkeit von konstant günstigem Klima spürten die Ackerbäuerinnen erst ca. 3000 Jahre nach Beginn der sog. Präkeramischen Jungsteinzeit im Nahen Osten. Im sog. Klimaoptimum nach der Eiszeit, dem Atlantikum, war es zunächst zu einer deutlichen Erwärmung gekommen und dann plötzlich zu immer wieder zu 100-160 Jahre andauernden Abkühlungen um bis zu 2° Celsius, die zu Dürren und Missernten führten. Die Misox-Schwankung vor 8200 Jahren ist die erste und prominenteste Klimakrise dieser Art.</p>
<p><img decoding="async" title="Misox-Schwankung" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/1a/TempAndSnowAccumulation_GISP2_Alley2000-de.svg/800px-TempAndSnowAccumulation_GISP2_Alley2000-de.svg.png" alt="Misox-Schwankung" width="100%" border="0" /><br />
<span class="abb">Diagramm: Misox-Schwankung. Quelle: <a class="textlink" href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75931263" target="_blank" rel="noopener">Wikimedia commons</a></span></p>
<p>Zu dieser Zeit existierten im Nahen Osten viele neolithische Siedlungen, und auch Çatal Höyük wurde nach 1200 Jahren Siedlungszeit davon getroffen. Nachweislich begann eine Hungerphase, in der die Menschen begannen, vermehrt tierische Nahrung zu sich zu nehmen, wie es jüngst Spuren in der Keramik offenbarten.<!--<a href="#_ftn16" name="_ftnref16" class="footn">[16]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">20</sup> Dennoch musste der Hügel aufgegeben werden. Gleich nebenan wurde allerdings ein zweiter Hügel gegründet, offenbar ohne eine ausgeprägte Siedlungslücke. Ob es tatsächlich dieselben Bewohner waren, die neu anfingen, ist aber noch unbekannt.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Çatal Höyük Lageplan" src="https://i0.wp.com/www.researchgate.net/profile/Christopher_Knuesel/publication/283714695/figure/fig1/AS%3A464538719002624%401487766069297/Catalhoeyuek-site-plan-showing-the-areas-of-study-Figure-created-for-the-Catalhoeyuek.png?w=1080&#038;ssl=1" alt="Çatal Höyük Lageplan"  border="1" /><br />
<span class="abb">Bild: Lageplan Çatal Höyük. Bildquelle: <a class="textlink" href="https://www.researchgate.net/figure/Catalhoeyuek-site-plan-showing-the-areas-of-study-Figure-created-for-the-Catalhoeyuek_fig1_283714695" target="_blank" rel="noopener">researchgate.net</a></span></p>
<p>Çatal Höyük stellt sich uns daher als Doppelhügel mit dem älteren Ost-Hügel und dem jüngeren und auch kleineren West-Hügel dar.<br />
Wegen des Fundes von <a class="textlink" href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/tuerkei-wiege-der-metallurgie-war-keine/" target="_blank" rel="noopener">15 Brocken Kupferschlacke</a> wurde der West-Hügel lange der frühesten Metallzeit, der Kupfersteinzeit, zugerechnet. Damit verbunden war die Annahme, dass spätestens jetzt eine hierarchische Gesellschaft gegeben sein musste. Aber die Kupferschlacke war kein Nebenprodukt eines frühen Verhüttungsverfahrens, sondern entstand durch einen chemischen Zufall aus Kupfererzen in einem Grab, wie es eine erst vor kurzem angestrengte Nachuntersuchung ergab.<!--<a href="#_ftn17" name="_ftnref17" class="footn">[17]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">21</sup>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Kupferschlacke aus Çatal Höyük" src="https://i0.wp.com/www.scinexx.de/wp-content/uploads/0/1/01-34142.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Kupferschlacke aus Çatal Höyük"  border="0" /><br />
<span class="abb">Bild: Kupferschlacke aus einem Grab in Çatal Höyük. Bildquelle: <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/tuerkei-wiege-der-metallurgie-war-keine/" target="_blank" rel="noopener">https://www.scinexx.de/</a></span></p>
<p>Damit kann nun Metallurgie und ein daran gebundenes Patriarchat vor Ort als Grund für den Untergang Çatal Höyüks ausgeschlossen werden. Çatal Höyük wurde nie patriarchalisiert.<br />
Da auch der West-Hügel wieder völlig friedlich verlassen wurde, können wir annehmen, dass eine erneute Dürre und eventuell auch eine dadurch bedingte Seuche zur endgültigen Aufgabe des Ortes geführt hat.</p>
<h2 id="steppe">Früheste Patriarchalisierung in der Steppe &#8211; Indoeuropäer</h2>
<p>Unmittelbar infolge der Misox-Schwankung wurden in der Südrussischen Steppe die ersten nachweisbaren Patriarchate errichtet. Dort verortete die Archäologin Marija Gimbutas die Herkunft der indoeuropäischen Sprache (siehe Karte 1, rote Pfeile). Der britische Archäologe Colin Renfrew nahm dagegen an, dass sie aus Anatolien stammte (siehe Karte 1, gelbe Pfeile).</p>
<p>1<img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Indoeuropäisierung Renfrew vs. Gimbutas" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/indoeuropaeisierung1.jpg?w=300&#038;ssl=1" alt="Indoeuropäisierung Renfrew vs. Gimbutas"  border="0" /><br />
2<img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Indoeuropäisierung nach MPG" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/indoeuropaeisierung2.jpg?w=300&#038;ssl=1" alt="Indoeuropäisierung nach MPG"  border="0" /><br />
<span class="abb">Karte 1 oben: Indoeuropäisierung nach Renfrew (gelb), nach Gimbutas (rot),<br />
Karte 2 unten: Indoeuropäisierung nach MPG (orange/rot)</span></p>
<p>Wie eine neue genetische Untersuchung der Max Planck-Gesellschaft zeigt, lag Gimbutas richtig, aber Renfrew konnte nicht völlig widerlegt werden (siehe Karte 2, orange/rote Pfeile).<!--<a href="#_ftn18" name="_ftnref18" class="footn">[18]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">22</sup> Es ist daher anzunehmen, dass die Indoeuropäer Klimaflüchtlinge aus Anatolien waren, aber nicht direkt von Anatolien über Südosteuropa einwanderten, sondern erst über den Kaukasus in die Steppe zogen, wo sie sich patriarchalisierten, und später von dort aus nach Mitteleuropa einbrachen, und zwar spätestens im 5. Jahrtausend v.u.Z.. Die Indoeuropäer waren Viehzüchter und keine Ackerbauern. Sie lebten nomadisch oder halbsesshaft mit großen Rinder- und Schafherden und später auch mit Pferdeherden. Aufgrund der Befunde dürfen wir uns überlebende, anatolische Männer vorstellen, die die Haustiere aus den ursprünglichen Gemeinschaftsbesitztümern der egalitären Siedlungen fortan als ihren Privatbesitz betrachteten, und in das Grasland der Steppen trieben.</p>
<p><img decoding="async" title="Der Gute Hirte" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/15/Rom%2C_Domitilla-Katakomben%2C_Der_gute_Hirte.jpg/341px-Rom%2C_Domitilla-Katakomben%2C_Der_gute_Hirte.jpg" alt="Der Gute Hirte" width="100%" border="0" /></p>
<p><span class="abb">Bild: Der gute Hirte, Rom, Domitilla-Katakomben. Quelle: Dnalor 01, CC BY-SA 3.0 &lt;https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0&gt;, via Wikimedia Commons</span></p>
<p>Um eine wachsende Herde zusammenzuhalten, braucht es immer mehr verlässliche Helfer, die keine Tiere stehlen. Und solche galt es nun vor Ort zu rekrutieren. Die männlichen Indigenen der Steppe und Waldsteppe, die Bug-Dnister-Kultur, waren altsteinzeitlich lebende Fischer, Jäger und Sammler, die dafür nicht infrage kamen. Aber die indigenen Frauen waren sehr gelegen, und zwar besonders als Mütter künftiger Helfer, also von Söhnen. In gewohnter Auslebung ihrer <em>female choice</em> wären ihre Kinder aber für die Eindringlinge verloren gewesen. Die einzige Möglichkeit war, die Frauen zu rauben und gefangen zu nehmen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Raub der Sabinerinnen" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/sabinerinnen.jpg?w=300&#038;ssl=1" alt="Raub der Sabinerinnen"  border="0" /><br />
<span class="abb">Bild: Raub der Sabinerinnen, Albrecht Dürer, 1495 (Ausschnitt)</span></p>
<p>Tatsächlich gelang über die Isolierung der indigenen Frauen in der Weite der Steppe, ohne den Schutz ihrer Ursprungssippen, binnen weniger Generationen ein relativ stabiles Patriarchat.</p>
<p><a title="Firespeaker [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:So%C5%8Bk%C3%B6l_jayloo.jpg"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/29/So%C5%8Bk%C3%B6l_jayloo.jpg/512px-So%C5%8Bk%C3%B6l_jayloo.jpg" alt="So?köl jayloo" width="100%" /></a><br />
<span class="abb">Bild: Jurten in der Steppe, Schafe und Ziegen. Bildquelle: Wikimedia Commons (firespeaker)</span></p>
<p>Statt frei zu sammeln, zu fischen und zu jagen, waren die Frauen fortan unfreie, besitzlose Melkerinnen und die Gebärerinnen der Söhne, die ihren Vätern uneigennützig halfen und auch die Herden erbten. Die Zahl der Tiere erhöhte sich dabei kontinuierlich, sie waren aber genetisch beinahe noch wild und schwer handzuhaben. Das brachte die Männer auf die Idee, die Tiere zu optimieren. Vorbild dazu war die eigene Reproduktion, wie sie jetzt praktiziert wurde: Die Weibchen wurden eingepfercht und festgebunden und ausgewählte männliche Tiere durften sie vergewaltigen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Zucht: Vergewaltigung einer Ziege" src="https://i0.wp.com/raumberg-gumpenstein.at/images/thumbnails/_R___44_absamung____paracc9b512efdf2bc8e2f9538209db54af_dat1342759690.jpeg?w=300&#038;ssl=1" alt="Zucht: Vergewaltigung einer Ziege"  border="0" /><br />
<span class="abb">Bild: Zucht &#8211; Vergewaltigung einer Ziege.<br />
Bildquelle: <a class="textlink" href="https://raumberg-gumpenstein.at">raumberg-gumpenstein.at</a></span></p>
<p><a title="Aleks [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Artificial_insemination_of_a_dairy_cow.jpg"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/25/Artificial_insemination_of_a_dairy_cow.jpg/256px-Artificial_insemination_of_a_dairy_cow.jpg" alt="Artificial insemination of a dairy cow" width="256" /></a><br />
<span class="abb">Bild: Künstliche Besamung &#8211; Vergewaltigung einer Kuh.<br />
Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<p>Wie die Tiere gebaren auch die geraubten Frauen ihren Entführern, die schon in der nächsten Generation als Ehemänner daher kamen, zahllose Kinder. Söhne waren aus wirtschaftlichen Gründen von Beginn an bevorzugt. Patrilinear und hierarchisch organisiert mit einem starkem Mann, dem Häuptling an der Spitze, können wir nun von den ersten Stämmen sprechen.</p>
<p>Gefestigt wurden die Stämme nicht nur mit Gewalt sondern auch mit der Erfindung der ersten institutionalisierten Religion, die ein Sonnenkult war.</p>
<p><a title="https://www.flickr.com/people/ifl/, CC BY-SA 2.0 &lt;https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0&gt;, via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kyrgyz_flag_yurt_Tengri_symbol.jpg"><img decoding="async" width="330" alt="Kyrgyz flag yurt Tengri symbol" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/8c/Kyrgyz_flag_yurt_Tengri_symbol.jpg/330px-Kyrgyz_flag_yurt_Tengri_symbol.jpg?utm_source=commons.wikimedia.org&#038;utm_campaign=index&#038;utm_content=thumbnail"></a><br />
<span class="abb">Bild: Rauchloch der Jurte. Symbol für den Steppengott Tengri.<br />
Bildquelle Wikimedia Commons, user Henephon</span></p>
<p>Da die ersten Patriarchen noch aus matrifokalen Sippen stammten, kannten sie ihre Väter nicht, und konnten sich daher selbst auf eine männliche Gottheit zurückführen, wie es übrigens noch Jesus nach alter Steppengewohnheit tat und sich als das Licht bezeichnete. Mit der Expansion der gewaltbereiten Nomadenstämme fand der Sonnenkult als sog. Tengrismus asienweite und auch europaweite Verbreitung, wurde hier aber nicht mehr so genannt. Dies ist die Entstehungszeit der ersten Kriege, mit denen die Claims, die die Stämme für ihre Herden benötigten, abgesteckt wurden. Niemand konnte buchstäblich zurückstecken, denn das hätte bedeutet, dass wiederum die Erben zu wenig Land für die weiter wachsenden Herden bekommen hätten.</p>
<p>Die ersten Viehzüchter hatten auch zuerst die fatale Idee von <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung" target="_blank" rel="noopener">Rasse</a>, die sie bei der Zucht von Tieren und auch Menschen mit der Unterdrückung der <em>female choice</em> entwickelten. Daher unterscheiden sich Tierhaltung und Tierzucht ideologisch voneinander und sollten nicht einfach synonym gebraucht werden. Die indoeuropäische Sprachfamilie ist bemerkenswert stark von Metaphern aus der Tierzucht durchzogen. Eine freie Frau, die selbstgewählte, wechselnde Sexualpartner hat, die also ihre <em>female choice</em> frei lebt und sich vom <strong>Joch</strong> des Patriarchats befreit, wird als <strong>zügellos</strong> <strong>gebrandmarkt </strong>oder bestenfalls als<strong> rassig </strong>bezeichnet. In der Kirche wird für <strong>Zucht und Ordnung</strong> und gegen <strong>Unzucht</strong> gepredigt. Die Gläubigen werden als <strong>Schäflein</strong> bezeichnet und vom <strong>Oberhirten</strong> mit seinem <strong>Hirtenstab</strong> in der Prozession angeführt, ganz wie bei einem Almauftrieb.</p>
<h2 id="lbk">Bandkeramische Migration &#8211; Beginn der Jungsteinzeit in Europa</h2>
<p><strong>Szenenwechsel.</strong> Fast zeitgleich mit der endgültigen Aufgabe Çatal Höyüks erreichte die jungsteinzeitliche Starčevo-Kultur Europa und führte den Ackerbau und die Tier<strong>haltung</strong> ein. Auch sie kam ursprünglich aus Anatolien, zog aber Richtung Südosteuropa und erreichte als sog. Bandkeramische Kultur schließlich Mitteleuropa.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Karte: Verbreitung der Bandkeramischen Kultur in Europa" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/LBK1.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Karte: Verbreitung der Bandkeramischen Kultur in Europa"  border="0" /><br />
<span class="abb">Karte: Verbreitung der Bandkeramischen Kultur (LBK) in Europa.</span></p>
<p>Ihre Migration konnte der Prähistoriker und Paläoklimatologe Detlef Gronenborn mit Klimadaten, die aus Meeres-Sedimenten gewonnen wurden, korrelieren, und entdeckte den Zusammenhang mit den sog. &#8222;IRD-Perioden&#8220;.<!--<a href="#_ftn19" name="_ftnref19" class="footn">[19]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">23</sup>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="IRD 5a+b" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/ird5a-b.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="IRD 5a+b"  border="1" /><br />
<span class="abb">Diagramm: IRD 5a+b. LBK gelb markiert. Nach Quelle: Gronenborn 2011, Abb. 4, S. 116</span></p>
<p>IRD steht dabei für <em>ice-rafted debris</em> und bezeichnet Sediment jeder Größe, das durch fließendes Eis in andere Gebiete transportiert wurde. IRD steht mit <strong>geringerer Sonnenaktivität</strong> in Zusammenhang, die zu einer erhöhten Eisdrift führt. Der Effekt kann genutzt werden, um das Klima vergangener Epochen zu rekonstruieren.</p>
<p>Die bandkeramische Migration aus dem Karpathenbecken, die eine der frühesten Fluchtbewegungen vor patriarchalen Horden aus der Steppe war<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">24</sup>, dürfen wir uns als <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/multikulti-in-der-steinzeit-a-95a20604-0002-0001-0000-000131578982" target="_blank" rel="noopener">Wanderung von Tanten, Onkeln und Schwestern</a> vorstellen, wie es der Anthropologe Kurt Alt mit seinem Team von der Mainzer Arbeitsgruppe Paläogenetik herausfand.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">25</sup> Sie verlief vollkommen friedlich und die mesolithische Urbevölkerung blieb lange unbehelligt. Nachgewiesen ist auch, dass <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitteleuropaeer-haben-gemischte-ahnen/" target="_blank" rel="noopener">beide Gruppen für über zweitausend Jahre nebeneinander her lebten</a>, bevor die Indigenen den Ackerbau übernahmen und sich auch mit Bandkeramikern vermischten.<!--<a href="#_ftn20" name="_ftnref209" class="footn">[20]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">26</sup> Was beide Gruppen gemeinsam hatten, war ihre Matrifokalität, die dem Krieg keinen Boden bereitete und schließlich neugierig aufeinander machte.</p>
<p>Die Bandkeramiker siedelten immer in den fruchtbarsten Gegenden, auf Löß und entlang der Flüsse. Sie hielten pro Langhaus nicht mehr als zwei bis drei Kühe sowie Schweine und Ziegen. Erste große Erdwerke, die sog. Kreisgrabenanlagen, zeugen von einer hohen Gemeinschaftsleistung. Deren Funktion ist allerdings noch weitgehend ungeklärt, sie könnten Sonnenobservatorien und/oder rituelle Versammlungsplätze gewesen sein, manche halten sie auch für Verteidigungsanlagen oder Fluchtburgen.</p>
<h2 id="ird5">Gewalt und Krieg unter der Klimakrise IRD 5a+b</h2>
<p>Infolge der anhaltenden Klimaschwankungen in der zweiten Hälfte von IRD5b kam es erneut zu Hunger und nun auch zu einer Verstärkung der Tierhaltung.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone wp-image-5491 size-full" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/5-1-schwankung-Kopie.jpg?resize=827%2C588&#038;ssl=1" alt="" width="827" height="588" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/5-1-schwankung-Kopie.jpg?w=827&amp;ssl=1 827w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/5-1-schwankung-Kopie.jpg?resize=300%2C213&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/5-1-schwankung-Kopie.jpg?resize=770%2C547&amp;ssl=1 770w" sizes="(max-width: 827px) 100vw, 827px" /><br />
<span class="abb">Diagramm: IRD 5.1-Schwankung (vgl. mit oben Diagramm IRD 5a+b oben rechts). Quelle: <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75931263" target="_blank" rel="noopener">Wikimedia commons</a></span></p>
<p>Nachweislich begannen vereinzelt Männer mit mobiler Viehwirtschaft und trieben Tiere erstmals saisonal in die Mittelgebirge.<!--<a href="#_ftn21" name="_ftnref21" class="footn">[21]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">27</sup> Es vollzog sich dann ein ähnlicher Mechanismus wie in der Steppe. Die Patrilinearität war sozusagen eine Idee, deren Zeit nun auch hier gekommen war.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Das Massaker von Talheim" src="https://i0.wp.com/www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/geschichte/urundfrueg/steinz/talheim/fundsituation.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Das Massaker von Talheim"  border="0" /><br />
<span class="abb">Bild: Das Massaker von Talheim/Neckar. Bandkeramische Kultur, Endzeit, ca. 5100 v.u.Z..<br />
Bildquelle: © Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart</span></p>
<p>Vor 7000 Jahren begannen Männerhorden Siedlungen zu überfallen, dort alle männlichen Bewohner zu töten und die Frauen zu rauben. Davon legen die vielen Massaker wie in Talheim am Neckar, in Schöneck-Kilianstädten bei Frankfurt oder in Asparn Schletz in Österreich ein Zeugnis ab. Ohne staatsähnliche Organisation, wie es die Stämme in der Steppe praktizierten, und ohne eine entsprechende Theologie war das Patriarchat in der Sesshaftigkeit jedoch nicht aufrecht zuerhalten, und es scheiterte bald, weil immense Gewalt zur Selbstauslöschung führte, ironischerweise unmittelbar bevor sich das Klima wieder besserte. Heute finden wir in unserem Genom weniger Spuren der Bandkeramiker als der indigenen Mesolithiker.</p>
<p>Dass sich das Patriarchat bald auch gegen die Männer selbst gerichtet hat, zeigen nicht nur die bandkeramischen Massaker.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Genetischer Flaschenhals vor 7000-10.000 Jahren" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/genetischer-flaschenhals.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Genetischer Flaschenhals vor 7000-10.000 Jahren"  border="1" /><br />
<span class="abb">Quelle: Diagramme nach <a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/" target="_blank" rel="noopener">https://www.ncbi.nlm.nih.gov</a>. Abgerufen am 1.10.2018</span></p>
<p>Die ForscherInnengruppe Karmin <em>et al.</em> entdeckte einen weltweiten <a class="textlink" href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/" target="_blank" rel="noopener">genetischen Flaschenhals der Y-Chromosomen vor 7000-10.000 Jahren</a> (siehe Pfeil im Diagramm). Die amerikanischen Genetiker Zeng, Aw und Feldman führen diese Dezimierung der männlichen genetischen Vielfalt auf den Tod der Männer bei Stammesfehden zurück, welche <strong>neue</strong> patrilineare Gruppen gegeneinander geführt hätten. Die Stammesgruppen hätten aus miteinander verwandten Männern bestanden, während die Frauen oft aus anderen Stämmen gekommen oder erbeutet worden seien.<!--<a href="#_ftn22" name="_ftnref22" class="footn">[22]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">28</sup>
Das ist jedoch nur eine Interpretation. Die geraubten Frauen stammten <strong>nicht</strong> aus Stämmen, sondern aus den ursprünglichen matrilinearen Sippen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Nahöstlicher Viehmarkt" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/viehmarkt.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Nahöstlicher Viehmarkt"  /><br />
<span class="abb">Bild: Nahöstlicher Viehmarkt. Bildquelle: Wikimedia Commons (Man77)</span></p>
<p>Es muss vor allem auch eine Nutzanwendung von <strong>Patrilinearität</strong> gegeben sein, bevor die sie erst ermöglichende <strong>Patrilokalität</strong> von Männern durchgesetzt werden will.</p>
<h2 id="ird4">Rückkehr matrifokaler Kultur unter der Klimakrise IRD4</h2>
<p>Das Vakuum, das die vielen Massaker und die Kriege vor 7000 Jahren hinterließen, füllte sich vor 6400 Jahren erneut mit matrifokalem Leben und zwar erstaunlicherweise mitten in einer weiteren Periode geringer Sonnenaktivität, der IRD4, ein weiterer Beweis, dass ungünstiges Klima nicht zwangsläufig ins Patriarchat führen muss.<!--<a href="#_ftn23" name="_ftnref23" class="footn">[23]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">29</sup>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="IRD 4" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/ird4.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="IRD 4"  border="1" /><br />
<span class="abb">Diagramm: IRD 4. Michelsberger Kultur orange markiert. Nach Quelle: Gronenborn 2011, Abb. 5, S. 119</span></p>
<p>Aus dem Pariser Becken wanderten Menschen der Chasséen- und Cerny-Kultur in die nun menschenleeren Gebiete Süddeutschlands ein und gründeten neue miteinander verwandte Kulturen. Der Landesausbau erfolgte sowohl im Tiefland als auch in Höhenlagen. Die als Michelsberger Kultur benannte jungsteinzeitliche Bevölkerung, hier im Diagramm als MK und mit der orangefarbenen Linie gekennzeichnet, führte die Idee der bandkeramischen Kreisgrabenanlagen fort.</p>
<p>Ihre Funktion wird allerdings noch kontroverser diskutiert, denn sie wiesen nun zahlreiche Öffnungen auf. Viele Forscher halten sie noch für Verteidigungsanlagen von Häuptlingssitzen. Der ausgewiesene Experte für diese Kultur, der Prähistoriker Christian Jeunesse von der Universität Strasburg, glaubt daran jedoch nicht mehr. Die Öffnungen erschweren Verteidigung und die Erdwerke lagen auch teils nur wenige Kilometer auseinander, zu nahe um als Stammessitz zu dienen. An den Bestattungen und materiellen Funden kann eine hierarchische Gesellschaft auch nicht nachgewiesen werden, weshalb Jeunesse die Michelsberger Kultur als <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Akephalie" target="_blank" rel="noopener">akephal</a></strong> bezeichnet. Zudem stellt er fest, dass die Zeit des 5. Jahrtausends von einer großen Kontinuität geprägt war.<!--<a href="#_ftn24" name="_ftnref24" class="footn">[24]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">30</sup> Offenbar gelang es, mit der Tierhaltung den Schwankungen der IRD 4-Periode gut zu begegnen. Die manchmal sogar Quadratkilometer großen Bauwerke dürften Jeunesse zufolge als Pferche gedient haben, übrigens eine sehr bequeme Art eine größere Anzahl von Tieren zu halten, ganz ohne die Not, viele Söhne haben zu müssen. Auch wenn die Zahl der Tiere nun höher war, ist m.E. davon auszugehen, dass sie Gesamthandseigentum waren, wie aller Besitz in matrifokalen Kulturen.</p>
<p><img decoding="async" title="Wandfries der Pfahlbaukultur" src="https://i0.wp.com/www.swr.de/-/id=16823902/property=medium/pubVersion=4/3fdwb3/Montage%20der%20%22Busenwand%22.jpg" alt="Wandfries der Pfahlbaukultur" width="100%" border="1" /><br />
<span class="abb">Bild: Rekonstruktion des Frieses einer Matri-Linie aus Ludwigshafen/Seehalde mit den Originalteilen, Länge 7m, ca. 6000 Jahre alt. Quelle: Veröffentlicht auf SWR2, <a href="https://i0.wp.com/www.swr.de/-/id=16823902/property=medium/pubVersion=4/3fdwb3/Montage%20der%20%22Busenwand%22.jpg" target="_blank" rel="noopener">https://i0.wp.com/www.swr.de</a></span></p>
<p>Im klimatisch begünstigten Bodenseeraum blühte die Pfahlbaukultur mit der Schussenrieder- und Pfyner-Kultur, die überwiegend Fischfang betrieben. In Ludwigshafen am Bodensee hat sich ein 7m langer Fries einer matrilinearen Ahnenreihe (s.o.) erhalten, die das Team von Helmut Schlichtherle aus den im See gefundenen Bruchstücken rekonstruieren konnte.<!--<a href="#_ftn25" name="_ftnref25" class="footn">[25]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">31</sup>
<h2 id="k4">Patriarchale Expansion seit der Klimakrise K4 &#8211; Kurgan-Wellen</h2>
<p>Während die Michelsberger und nördlicher übrigens auch die sog. Trichterbecher-Kultur blühte, braute sich in der Zeit <strong>vor</strong> 3600 in der Steppe Südrusslands eine neue Katastrophe zusammen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone wp-image-5493 size-full" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/k4-schwankung.jpg?resize=813%2C583&#038;ssl=1" alt="" width="813" height="583" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/k4-schwankung.jpg?w=813&amp;ssl=1 813w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/k4-schwankung.jpg?resize=300%2C215&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/04/k4-schwankung.jpg?resize=770%2C552&amp;ssl=1 770w" sizes="(max-width: 813px) 100vw, 813px" /><br />
<span class="abb">Diagramm: K4-Schwankung, ca. 3550 v.u.Z.. Nach Quelle: Gronenborn 2011, Abb. 5, S. 119</span></p>
<p>Niemals zuvor lebten dort so viele Menschen und Tiere, die sich schließlich als frühbronzezeitliche Maikop-Kultur und Jamnaja-Kultur ausbreiteten, durch Marija Gimbutas 2. und 3. Kurgan-Welle genannt. Das Ende der 900 Jahre währenden friedvollen Zeit in Mitteleuropa brachte um 3550 das Klimaereignis K4 der IRD 4 mit einer außergewöhnlich schwachen Sonnenaktivität, die exteme Dürre und Kälte zur Folge hatte.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Maikop- formt Trichterbecher- in Kugelamphoren-Kultur um." src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/trichterbecher.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Maikop- formt Trichterbecher- in Kugelamphoren-Kultur um."  border="0" /></p>
<p><span class="abb">Karte: Maikop-Kultur formt Trichterbecher- in Kugelamphoren-Kultur um (Kurgan II). Karte nach: Wikimedia Commons (user: Sir Henry)</span></p>
<p>Nach einer <a href="https://www.shh.mpg.de/1197459/pr-caucasus-haak" target="_blank" rel="noopener">Studie</a> der Arbeitsgruppe um den Molekular-Anthropologen Wolfgang Haak von der Max-Planck-Gesellschaft sei anzunehmen, dass die Steppenbewohner mit Menschen, die aus dem Westen kamen, in Kontakt gerieten und zwar schon lange vor Entstehung der Jamnaja-Kultur. Dies seien mutmaßlich Angehörige der sog. Kugelamphoren-Kultur gewesen.<!--<a href="#_ftn26" name="_ftnref26" class="footn">[26]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">32</sup> Gimbutas vertrat die These, dass sich umgekehrt die Kugelamphoren-Kultur durch eine 2. Kurgan-Welle herausgebildet hätte, und zwar durch die Invasion der Maikop-Kultur in die matrifokale Trichterbecher-Kultur.<!--<a href="#_ftn27" name="_ftnref27" class="footn">[27]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">33</sup> Meines Erachtens deuten die genetischen Befunde in der Steppe daraufhin, dass Maikop-Männer immer wieder Trichterbecher-Frauen auch in die Steppe entführten, womit beide Theorien zusammengeführt wären, und was erklären kann, warum die Kugelamphoren-Kultur noch keine Kurgane aufwies und weniger Frauengräber zählt. Die gerade veröffentlichten Untersuchungen zu den Verwandtschaftsverhältnissen der Opfer des <a href="https://www.spektrum.de/news/das-massengrab-von-koszyce/1643358" target="_blank" rel="noopener">Massakers im südpolnischen Koszyce</a><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">34</sup>, welches Jamnaja-Männer vor 4800 Jahren anrichteten, erhärten die Vermutung, dass die Kugelamphoren-Kultur noch matrifokales Leben kannte.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Invasion der Jamnaja: Schnurkeramische Kultur" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/schnurkeramik.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Invasion der Jamnaja: Schnurkeramische Kultur"  /><br />
<span class="abb">Karte: Expansion der Jamnaja-Leute (Kurgan III). Nach: Wikimedia Commons (user: Sir Henry)</span></p>
<p>Mit einer weiteren Ausbreitung der Jamnaja-Leute, der 3. Kurgan-Welle, ging um 2800 die Kugelamphoren-Kultur unter und die Schnurkeramische Kultur entstand. Deren DNA stimmt zu 75 % mit der der Jamnaja-Leute überein, was deren massive Einwanderung und Auslöschung der ursprünglich ansässigen Bevölkerung beweist. Nach einer <a href="https://www.sciencemag.org/news/2017/02/thousands-horsemen-may-have-swept-bronze-age-europe-transforming-local-population" target="_blank" rel="noopener">neuen Berechnung</a> des Genetikers Mattias Jakobsson der Universität von Uppsala kamen auf eine Frau <strong>10 Männer</strong> aus der Steppe.<!--<a href="#_ftn28" name="_ftnref28" class="footn">[28]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">35</sup>
<p><a title="Wolfgang Sauber, CC BY-SA 3.0 &lt;https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0&gt;, via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Linz_Schlossmuseum_-_Stein%C3%A4xte.jpg"><img decoding="async" width="250" alt="Linz Schlossmuseum - Steinäxte" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/95/Linz_Schlossmuseum_-_Stein%C3%A4xte.jpg/250px-Linz_Schlossmuseum_-_Stein%C3%A4xte.jpg?utm_source=commons.wikimedia.org&#038;utm_campaign=index&#038;utm_content=thumbnail"></a></p>
<p><span class="abb">Bild: Streitäxte der Schnurkeramik.<br />
Bildquelle: Wikimedia Commons, user Rotatebot</span></p>
<p>Typisch für die Schnurkeramik waren ihre überlegenen Waffen, wegen derer sie auch Streitaxt-Kultur genannt wurde. Ihre Bestattungsweise in Grabhügeln war identisch mit derjenigen in der Steppe.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Reiternomaden aus Zentralasien hinterließen kaum weibliche Spuren im Europäer-Erbgut. Männerüberschuss." src="https://i0.wp.com/www.scinexx.de/wp-content/uploads/0/1/01-32669-einwanderer1.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Reiternomaden aus Zentralasien hinterließen kaum weibliche Spuren im Europäer-Erbgut. Männerüberschuss."  border="1" /><br />
<span class="abb">Karte: &#8222;Reiternomaden aus Zentralasien hinterließen kaum weibliche Spuren im Europäer-Erbgut. Männerüberschuss&#8220;. Quelle: <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/bronzezeit-einwanderung-mit-maennerueberschuss/" target="_blank" rel="noopener">https://www.scinexx.de/</a></span></p>
<h2 id="bronzezeit">Bronzezeit &#8211; neue Invasionen aus der Steppe nach Europa und Einfluss auf Mesopotamien</h2>
<p>In der Bronzezeit zogen überwiegend Männer aus der Steppe nach Zentraleuropa nach. Dies konnten die amerikanische Paläogenetikerin Amy Goldberg und ihr Team von der Duke University in Durham beweisen. Auch sie ziehen den Schluss, dass diese Migration von Reiternomaden eher den Charakter eines Eroberungsfeldzugs hatte.<!--<a href="#_ftn29" name="_ftnref29" class="footn">[29]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">36</sup>
<p>Heute finden wir überall in der Landschaft Eurasiens und Japans die Grabhügel der Steppenfürsten und ihrer Nachfahren, die die altansässige Bevölkerung unterjochten, ausbeuteten und ermordeten.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">37</sup>
<p><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/20/Trakijskata_Grobnica.jpg/640px-Trakijskata_Grobnica.jpg" alt="" width="100%" border="0" /><br />
<span class="abb">Bild: Thrakisches Hügelgrab nahe Pomorje, Bulgarien, ca. 1200 v.u.Z. Bildquelle:<br />
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kurgan_(Grabh%C3%BCgel)#/media/Datei:Trakijskata_Grobnica.jpg" target="_blank" rel="noopener">Wikimedia Commons (user: Polini~commonswiki)</a></span></p>
<p><img decoding="async" title="Sarmatischer Kurgan" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/51/LYablonskyFilipovkaKurganR1.jpg" alt="Sarmatischer Kurgan" width="100%" border="0" /><br />
<span class="abb"> Bild: Ältester erhaltener Kurgan der Sarmaten, 400 v.u.Z. Bildquelle: <a class="textlink" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:LYablonskyFilipovkaKurganR1.jpg" target="_blank" rel="noopener">Wikimedia Commons (Fillipovka, S. Urals Archeological dig lead by Russian Academy of Sciences Institute of Anthropology Prof. L.Yablonsky, Summer of 2006)</a></span>.</p>
<p><a title="Hannibal21 [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Grabhugel_Glauberg.JPG"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/06/Grabhugel_Glauberg.JPG/512px-Grabhugel_Glauberg.JPG" alt="Grabhugel Glauberg" width="100%" /></a><br />
<span class="abb">Bild: Keltisches Hügelgrab auf dem Glauberg 500 v.u.Z.</span></p>
<p><a title="Saigen Jiro [CC0], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Inariyama_Kofun_(Gyoda),_zenkei.JPG"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/0a/Inariyama_Kofun_%28Gyoda%29%2C_zenkei.JPG/512px-Inariyama_Kofun_%28Gyoda%29%2C_zenkei.JPG" alt="Inariyama Kofun (Gyoda), zenkei" width="100%" /></a><br />
<span class="abb">Bild: Japan: Inariyama Kofun in Gyoda, Präfektur Zenkei, 3. &#8211; 7. Jhd. n.u.Z.</span></p>
<p>Die Arbeitsgruppe um Wolfgang Haak wies auch nach, dass schon lange vor der Entstehung der Jamnaja-Kultur ein Austausch der Steppenleute mit Mesopotamien bestand.<!--<a href="#_ftn30" name="_ftnref30" class="footn">[30]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">38</sup> In welche Richtung die genetische Verbindung weist, ist allerdings noch ungeklärt. Es wurde auch schon lange von vielen Forschern die Meinung vertreten, dass die Maikop-Kultur das Rad und den Wagen von dort übernahm. In der Steppe wurde wahrscheinlich der Streitwagen erfunden, sozusagen der erste Panzer, der wiederum in Mesopotamien übernommen wurde.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Feldzüge der Maikop-Kultur nach Mesopotamien (Hypothese) und Richtung Mitteleuropa (nachgewiesen)" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/maikop.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Feldzüge der Maikop-Kultur nach Mesopotamien (Hypothese) und Richtung Mitteleuropa (nachgewiesen)"  border="0" /></p>
<p><span class="abb">Karte: Feldzüge der Maikop-Kultur nach Mesopotamien (Hypothese) und Richtung Mitteleuropa (nachgewiesen)</span></p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Assyrischer Streitwagen" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/streitwagen.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Assyrischer Streitwagen"  border="0" /><br />
<span class="abb">Bild: Assyrische Krieger mit Pfeil und Bogen auf Streitwagen. Zeichnung eines Flachreliefs aus Nimrud 1852. British Museum. Bildquelle: <a class="textlink" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Assyr_Krieger_auf_Streitwagen.jpg" target="_blank" rel="noopener">Wikimedia Commons (user: Magnus Manske)</a></span></p>
<h2 id="mesopotamien">Überbevölkerung in Mesopotamien &#8211; erste Megacities und ihr patriarchaler Kult</h2>
<p>Es lässt sich nun aus genetischer Sicht noch nicht viel darüber sagen, ob die Patriarchalisierung Mesopotamiens von der Steppe ausging oder indigen einsetzte. Eine ideologisch/theologische Umformung, die zu den ersten Großen Göttinnen und ihren Vegetationsgöttern in Sumer und schließlich zu den babylonischen Hochgöttern führte, geht jedoch aus den frühesten Schriften hervor. Der eingangs erwähnte Atra-Hasis-Mythos stammt aus der Zeit als das fruchtbare Zweistromland die Menschenmassen kaum noch ernähren konnte. Babylon hatte um 1700 v.u.Z. ca. 200.000 Einwohner.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Gilgamesh und Enkidu töten Humbaba" src="https://i0.wp.com/wiki.uiowa.edu/download/attachments/49484768/Enkidu%20and%20Humbaba.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Gilgamesh und Enkidu töten Humbaba"  border="0" /><br />
<span class="abb">Bildquelle: <a class="textlink" href="https://wiki.uiowa.edu/display/theatre/Humbaba+Dramaturgical+Information?preview=%2F49484768%2F49645443%2FEnkidu+and+Gilgamesh+Battle+with+Humbaba.jpg">University of Iowa</a></span></p>
<p>Als erste Megacity der Welt gilt aber das sumerische Uruk, das schon 2000 Jahre früher am Euphrat entstand und ca. 40.000 Einwohner hatte. Das erst in babylonischer Zeit verfasste Gründungsepos von Uruk beschreibt die Heldentaten des König Gilgamesh, der zu einem Drittel menschlich und zu zwei Dritteln göttlich war: Er ermordete (Abb. oben) den Wächter des Waldes der Großen Göttin Inanna, fällte ihre Zedern und verweigerte ihr das Ritual der Heiligen Hochzeit.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Heilige Hochzeit auf einem Rollsiegel" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/exex/Heilige-Hochzeit.jpg?w=1080&#038;ssl=1" alt="Heilige Hochzeit auf einem Rollsiegel"  /></p>
<p><span class="abb">Bild: Heilige Hochzeit. Rollsiegel aus Latakia (Syrien), mittelassyrisch. Bildquelle: <a class="textlink" href="https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/138333/1/Winter_1983_Frau_und_Goettin.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/138333/1/Winter_1983_Frau_und_Goettin.pdf</a></span></p>
<p>Ihr Rachefeldzug gegen ihn endet mit dem Tod seines Freundes Enkidu, was ihm seine eigene Sterblichkeit bewusst macht. Auf der Suche nach Unsterblichkeit trifft er den weisen Utana-pishdi, der ihm eine Flutgeschichte erzählt und ihm rät, erst einmal den Schlaf zu besiegen. Nachdem ihm dies nicht gelingt, sucht Gilgamesch nach dem Kraut der ewigen Jugend, das ihm &#8211; als er es gefunden hat &#8211; eine Schlange wieder entreißt. Er muss einsehen, dass er seinen Ruhm anders begründen muss, kehrt nach Uruk zurück und lässt die Stadtmauer, die er erbaut hat, bestaunen.</p>
<p>Es wurde vermutet, dass das Ritual der Heiligen Hochzeit Ausdruck eines Matriarchates, einer Frauenherrschaft sei. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Heilige Hochzeit ist schon vor dem Hintergrund der unterdrückten <em>female choice</em> der beteiligten Priesterin ein Vergewaltigungsritual, mit dem sich die Herrscher legitimierten und ihre Göttlichkeit und Unsterblichkeit postulierten. Die Unsterblichkeit konnte nur von der Göttin verliehen werden. Genau das wollte der Held Gilgamesh im Mythos nicht wahrhaben. Er hielt die Zurschaustellung seiner Potenz nicht mehr für nötig und wurde dafür gedemütigt. So wurde aus babylonischer Rückschau erklärt, dass Inanna Stadtgöttin des patriarchalischen Uruk war. Unter fortschreitender Patriarchalisierung und auf dem langen Weg zu einer rein männlichen Religion wurde das Ritual schließlich doch entbehrlich und gegen 2300 v.u.Z. schaffte es der akkadische Großkönig Naram-Sin als erster ab.</p>
<p>Durch Eroberungen wurde die Zahl der männlichen und weiblichen Gottheiten im Pantheon immer größer. Nach und nach wurden alle Muttergöttinnen mythographisch zu Töchtern oder Geliebten von Vatergöttern degradiert.</p>
<p><a title="editor Austen Henry Layard , drawing by L. Gruner [Public domain], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chaos_Monster_and_Sun_God.png"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/c/c3/Chaos_Monster_and_Sun_God.png/512px-Chaos_Monster_and_Sun_God.png" alt="Chaos Monster and Sun God" width="100%" /></a></p>
<p><span class="abb">Bild: Marduk tötet die dämonisierte Urmutter Tiamat. Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<p>Schon damals wurde über weibliche Leichen gegangen. Nachdem die Muttergöttinnen dämonisiert und ermordert waren, wie hier z.B. die Urmutter Tiamat von dem babylonischen Hochgott Marduk, stand am Ende der Entwicklung ein einziger männlicher Gott. Die Überbevölkerung im Pantheon wurde damit zwar besiegt, nicht aber die auf Erden. Denn der einsame Vater-Gott befahl: Seid fruchtbar und mehret euch!</p>
<p>Neben sich duldet er aber niemanden mehr außer seinem Sohn, dem guten Hirten.</p>
<h2 id="exfc">Bevölkerungsexplosion und Patriarchat mit der Female Choice stoppen</h2>
<p>Damit komme ich langsam zum Schluss. Eine konstante Bevölkerungszahl ist ein Menschheitsrecht, das wir als solches noch gar nicht erkannt haben, denn nur sie verhindert die Ausbeutung der Erde und damit die Bedrohung der eigenen Existenz. Mit der Aushebelung der <em>female choice</em> von Menschen, Tieren und Pflanzen schufen Männer eine neue Welt voller Leid. Zwar gelang ihnen damit, zunächst eigentlich unbewohnbare Teile der Erde zu bevölkern, aber zu einem hohen Preis, den die Menschenkinder und die Ökosysteme bis heute bezahlen müssen.</p>
<p>Die Überbevölkerung und ihre Kompensationen verursachen das Artensterben und den Klimawandel.<br />
Die gute Nachricht lautet: Sie lässt sich mit der Sicherstellung der <em>female choice</em> und einer matrifokalen Sozialordnung in den Griff bekommen.<br />
Die schlechte Nachricht lautet: Es ist extrem schwer, den Männern und auch Frauen klarzumachen, dass es die gelebte Vaterschaft selbst ist, die das Unheil anrichtet. Bei uns wird der sog. neue Vater sogar mit Preisen überhäuft. Aber um nur einen einzigen lieben Vater kennenzulernen, brauchen wir ein ganzes gewalttätiges System um ihn herum, und niemand kann vorhersagen, zu was er sich einst entpuppt, wenn sich die Mutter von ihm trennen will. Um nur ein einziges solches Exemplar zu schützen, nehmen wir die vielen Väter in Kauf, die das Patriarchat immer wieder mit allen Mitteln erneuern.</p>
<p>Wir müssen begreifen, dass die Idee der Patrilinearität nur unter der erzwungenen Patrilokalität umgesetzt werden kann. Um ihre genetischen Kinder erziehen zu können, <strong>müssen</strong> Väter Gewalt ausüben &#8211; ob tätlich oder gesetzlich. Männer leisten sich mit der Vaterschaft einen Luxus, der gar nicht zu verantworten ist. Schließlich erweist sich die Familie bis heute als der gefährlichste Ort für Mütter und Kinder. Auch Männer leiden von Kindheit an. Die Familie dient nicht in erster Linie dem Wohle des Nachwuchses, sondern dem des Vaters und seines Lebenswerkes, wie schon seit dem Beginn in der Steppe.</p>
<p>Weil uns, Männern wie Frauen, die Matrifokalität angeboren ist, weil Mütter von Natur aus niemals freiwillig patrilokal leben würden, weil Frauen von Männern in die Patrilokalität entführt wurden und bis heute werden, und wir durch gesellschaftlichen Druck immer aufs Neue aus unseren matrilinearen Sippen gerissen werden, müssen wir den Schluss ziehen, dass wir im Grunde alle Entführungsopfer sind, auch wenn wir unsere Väter lieben und glauben, freiwillig in die Ehe zu gehen. Die Paarbindung ist so freiwillig wie das Kopftuch, das ein Symbol für die Patrilokalität ist und ein Bekenntnis zur Patrilinearität, ganz so wie der erklärte Wille der meisten Ehefrauen, ihren Nachnamen aufzugeben und den des Ehemannes anzunehmen.</p>
<p>Wie die Patriarchatsforscherin Stephanie Gogolin <!--<a href="#_ftn31" name="_ftnref31" class="footn">[31]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">39</sup> es nennt, sind wir dem kollektiven Stockholm-Syndrom verfallen, daher kooperieren wir mit unseren Entführern.<!--<a href="#_ftn32" name="_ftnref32" class="footn">[32]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">40</sup> Wir haben dabei auch ein seltsames Gerechtkeitsverständnis entwickelt, das auf der Ideologie der Zucht und des Rassegedankens beruht, und so einem Vater seine genetischen Kinder sichert und ihm die Möglichkeit gibt, noch auf die Väter seiner Enkelkinder Einfluss zu nehmen. Es wird dabei auch deutlich, dass der allgemeine Rassismus letztlich auf dem Sexismus gegen Frauen beruht, und nicht umgekehrt. Sexismus ist die Urform und Ursache der Diskriminierung.<br />
Es ist klar, dass ein System, das buchstäblich so tief eingebrannt ist, nicht von heute auf Morgen verschwindet. Wir erleben sogar gerade, wie unsere Politikerinnen auf Druck von gewaltbereiten Vaterrechtlern alleinerziehenden Müttern das im Grundgesetz verankerte Recht auf Freiheit der Wohnung wegnehmen, weil sich herausstellte, dass das Patriarchat in Gefahr geriet. Unsere Gleichstellungspolitik kann, das wird hier deutlich, nicht nachhaltig sein, solange das Dogma der Vaterschaft existiert.<br />
Auch im Angesicht der Globalisierung ist es nur mit Aufklärung und unendlich viel Zeit möglich, das Patriarchat, das die Meisten in der Tat nur als &#8222;das System&#8220; oder &#8222;Kapitalismus&#8220; benennen können, irgendwann wieder loszuwerden. Der Club of Rome, der die Überbevölkerung als einzige Instanz immer wieder anprangert, macht nur hilflose ja bizarre Vorschläge. Auch aus der UNO kommt dazu kein sinnvoller Impuls. Doch die Menschheit steht vor dem Kollaps und es bleibt uns, wenn überhaupt, nur wenig Zeit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2 id="literatur">Literatur</h2>
<ul id="liste4">
<li>Ansede, Manuel: The invasion that wiped out every man from Spain 4,500 years ago. Aus: EL PAÍS online vom 4.10.2018, Englisch von Melissa Kitson <a href="https://english.elpais.com/elpais/2018/10/03/inenglish/1538568010_930565.html" target="_blank" rel="noopener">https://english.elpais.com/elpais/2018/10/03/inenglish/1538568010_930565.html</a></li>
<li>Beise, Jan; Voland, Eckart: Warum gibt es Großmütter? In: Spektrum der Wissenschaft 1|2003. S. 48-53. <a class="textlink" href="https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410</a></li>
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mutter Natur. Die weibliche Seite der Evolution. Berlin 2010a. Am. Original-Ausgabe: Mothers, Infants, and Natural Selektion. New York 1999</li>
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere. Wie uns die Evolution zu sozialen Wesen gemacht hat. Berlin 2010b. Am. Original-Ausgabe: Mothers and Others. The Evolutionary Origins of Mutual Understanding. Harvard University Press 2009</li>
<li>Duffy, Paul R. <em>et al.</em>: Five thousand years of inequality in the Carpathian Basin. In: Science Advances<br />
06.08.2025, Vol 11, Issue 32 <a href="https://doi.org/10.1126/sciadv.adu0323" target="_blank" rel="noopener">DOI: 10.1126/sciadv.adu0323</a></li>
<li>Feldman, M. <em>et al.</em>: Late Pleistocene human genome suggests a local origin for the first farmers of central Anatolia. Nature Communications 10, Article number: 1218 (2019) 19.3.2019 <a href="https://www.nature.com/articles/s41467-019-09209-7" target="_blank" rel="noopener">https://www.nature.com/articles/s41467-019-09209-7</a> abgerufen am 5.5.2019</li>
<li>Fischer, Lars: Das Massengrab von Koszyce. Aus: Spektrum online vom 6.5.2019 <a href="https://www.spektrum.de/news/das-massengrab-von-koszyce/1643358" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/news/das-massengrab-von-koszyce/1643358</a></li>
<li>Gibbons, Ann: Thousands of horsemen may have swept into Bronze Age Europe, transforming the local population. Aus: SCIENCE online vom 12.2.2017 <a href="https://www.sciencemag.org/news/2017/02/thousands-horsemen-may-have-swept-bronze-age-europe-transforming-local-population" target="_blank" rel="noopener">https://www.sciencemag.org/news/2017/02/thousands-horsemen-may-have-swept-bronze-age-europe-transforming-local-population</a></li>
<li>Gimbutas, Marija: Die Zivilisation der Göttin. Die Welt des Alten Europa. Frankfurt a. M. 1996. Am. Original-Ausgabe: The Civilization of the Goddess. The World of Old Europe. New York 1991</li>
<li>Götting, Eva: Exportschlager Dämon? Zur Verbreitung altorientalischer Lamaštu-Amulette. S. 439. In: Göbel, J.; Zech, T. (Hrsg.): Exportschlager: Kultureller Austausch, wirtschaftliche Beziehungen und transnationale Entwicklungen in der antiken Welt. Humboldts studentische Konferenz der Altertumswissenschaften. Berlin 2009. S. 437-456<br />
<a href="https://www.academia.edu/1822803/Exportschlager_D%C3%A4mon_Zur_Verbreitung_Altorientalischer_Lama%C5%A1tu-Amulette" target="_blank" rel="noopener">https://www.academia.edu/1822803/Exportschlager_D%C3%A4mon_Zur_Verbreitung_Altorientalischer_Lama%C5%A1tu-Amulette</a></li>
<li>Gogolin, Stephanie: Das patriarchale Stockholm-Syndrom Teil I. Das kollektive Stockholm-Syndrom in der Patriarchose. <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" rel="noopener">Online-Ressource</a> vom und abgerufen am 6.9.2019</li>
<li>Gogolin, Stephanie: Das patriarchale Stockholm-Syndrom Teil II. Die Ehe &#8211; ein verinnerlichtes Stockholm-Syndrom. <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/10/13/das-patriarchale-stockholm-syndrom-teil-ii/" target="_blank" rel="noopener">Online-Ressource</a> vom und abgerufen am 13.10.2019</li>
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<li>Gronenborn, Detlef: Klimainduzierte Umweltkrisen und ihre soziopolitischen Auswirkungen auf prähistorische Gesellschaften In: Daim, F.; Gronenborn, D.; Schreg, R. (hrsg.), Strategien zum Überleben. Umweltkrisen und ihre Bewältigung. RGZM Tagungen 11., 2011, S. 111-127 <a href="https://www.researchgate.net/publication/230704707_Klimainduzierte_Umweltkrisen_und_ihre_soziopolitischen_Auswirkungen_auf_prahistorische_Gesellschaften" target="_blank" rel="noopener">https://www.researchgate.net/publication/230704707_Klimainduzierte_Umweltkrisen_und_ihre_soziopolitischen_Auswirkungen_auf_prahistorische_Gesellschaften</a></li>
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<li>Hawkes, Kristen: Human longevity: The grandmother effect. Editorial. Nature 2004 (428): 128-9. doi:10.1038/428128a<br />
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<li>Meadows, Donella; Meadows, Dennis; Randers, J.; Behrens III, W.: Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit. Aus dem Amerikanischen von Hans-Dieter Heck. Stuttgart 1972</li>
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<li>Perras, Arne: Wie rabiat Indien gegen Überbevölkerung vorgeht. Aus: Süddeutsche Zeitung online vom 7. Juni 2017 <a class="textlink" href="https://www.sueddeutsche.de/wissen/demografie-wie-rabiat-indien-gegen-ueberbevoelkerung-vorgeht-1.3537692" target="_blank" rel="noopener">https://www.sueddeutsche.de/wissen/demografie-wie-rabiat-indien-gegen-ueberbevoelkerung-vorgeht-1.3537692</a> abgerufen am 2.4.2019</li>
<li>Podbregar, Nadja nach Berbesque, J. Colette; Marlowe, Frank W.; Shaw, Peter; Thompson, Peter: Hunter-gatherers have less famine than agriculturalists. <a href="https://royalsocietypublishing.org/doi/full/10.1098/rsbl.2013.0853" target="_blank" rel="noopener">https://royalsocietypublishing.org/doi/full/10.1098/rsbl.2013.0853</a> 01.01.2014. In: Urmenschen: Hungern als Ausnahme. <a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/urmenschen-hungern-als-ausnahme/" target="_blank" rel="noopener">https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/urmenschen-hungern-als-ausnahme/</a> vom 8. Januar 2014, abgerufen am 27. Januar 2019</li>
<li>Prum, Richard O.: The Evolution of Beauty: How Darwin&#8217;s Forgotten Theory of Mate Choice Shapes the Animal World &#8211; and Us. New York 2017</li>
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<li>Römer, Jörg: Ausgrabungen belegen wie ein Klimawandel das leben veränderte. SPIEGEL online vom 14.08.2018 <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/tuerkei-ausgrabungen-belegen-wie-ein-klimawandel-das-leben-veraenderte-a-1222964.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/tuerkei-ausgrabungen-belegen-wie-ein-klimawandel-das-leben-veraenderte-a-1222964.html</a></li>
<li>Roffet-Salque, M. <em>et al.</em>: Evidence for the impact of the 8.2-kyBP climate event on Near Eastern early farmers. In: PNAS August 28, 2018 115(35) 8705-8709; 13.8.2018 <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1803607115" target="_blank" rel="noopener">https://doi.org/10.1073/pnas.1803607115</a> abgerufen am 5.5.2019</li>
<li>Schlichtherle, Helmut: Kultbilder in den Pfahlbauten des Bodensees. In: Jungsteinzeit im Umbruch. Die Michelsberger Kultur und Mitteleuropa vor 6000 Jahren. Darmstadt 2010, S. 266-277</li>
<li>Schulz, Matthias: Multikulti in der Steinzeit. In: DER SPIEGEL 6/2015 <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/multikulti-in-der-steinzeit-a-95a20604-0002-0001-0000-000131578982" target="_blank" rel="noopener">https://www.spiegel.de/wissenschaft/multikulti-in-der-steinzeit-a-95a20604-0002-0001-0000-000131578982</a></li>
<li>Small, Meredith F.: Female Choices. Sexual Behavior of Female Primates. Cornell University Press 1995</li>
<li>SU (Stanford University): Mysteriöser Männerschwund in der Steinzeit. Dezimierten Stammeskriege die genetische Vielfalt des Y-Chromosoms vor 7.000 Jahren? Online-Resource: <a href="https://www.wissenschaft.de/scinexx/wissen-aktuell-22794-2018-06-04.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.wissenschaft.de/scinexx/</a>. Abgerufen am 1.10.2018</li>
<li>Sugiyama, Michelle S.: Fitness Costs of Warfare for Women. In: Human Nature 25(4), November 2014, <a href="10.1007/s12110-014-9216-1" target="_blank" rel="noopener">DOI: 10.1007/s12110-014-9216-1</a> Artikel in &#8222;WELT online&#8220;: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html</a></li>
<li>Sypien, Michael: Der Club of Rome und die Grenzen des Wachstums. Seminararbeit. Otto-Friedrich-Universität Bamberg WS 2008/09. Lehrstuhl für Geographie. <a href="https://www.grin.com/document/127836" target="_blank" rel="noopener">https://www.grin.com/document/127836</a></li>
<li>UC (University of Cambridge): Türkei: &#8222;Wiege der Metallurgie&#8220; war keine Kupferschlacke aus der Steinzeit-Siedlung Çatalhöyük entstand wohl zufällig. 16.08.2017 &#8211; DAL <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/tuerkei-wiege-der-metallurgie-war-keine/" target="_blank" rel="noopener"><br />
https://www.scinexx.de/news/biowissen/tuerkei-wiege-der-metallurgie-war-keine/</a><br />
Originalveröffentlichung: Journal of Archaeological Science, 2017. <a href="10.1016/j.jas.2017.07.001" target="_blank" rel="noopener">doi: 10.1016/j.jas.2017.07.001</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte. Norderstedt 2012</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat. Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt. Norderstedt 2015</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Female choice &#8211; unser unbekanntes Menschenrecht. Online-Resource seit 2015: <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice</a></li>
<li>UM (Universität Mainz): &#8222;Mitteleuropäer haben gemischte Ahnen &#8211; Wildbeuter und eingewanderte Ackerbauern lebten 2.000 Jahre lang gemeinsam&#8220; vom 11.10.2013. Online-Ressource <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitteleuropaeer-haben-gemischte-ahnen/" target="_blank" rel="noopener">https://www.scinexx.de/</a></li>
<li>Valde-Nowak P.; Kienlin, T. L.: Neolithische Transhumanz in den Mittelgebirgen. Ein Survey im westlichen Schwarzwald. Prähistorische Zeitschrift 77, 2002, 29-75.</li>
<li>Voland, Eckart; Beise, Jan: Opposite Effects of Maternal and Paternal Grandmothers on Infant Survival in Historical Krummhörn. In: Behavioral Ecology and Sociobiology, Bd. 52, S. 435, 2002a</li>
<li>Voland, Eckart; Beise, Jan: A Multilevel Event History Analysis of the Effects of Grandmothers in Child Mortality in a Historical German Population (Krummhörn, Ostfriesland, 1720-1874). In: Demographic Research, Bd. 7, Article 13, 2002b</li>
<li>Zeng, Tian Chen <em>et al.</em>: Cultural hitchhiking and competition between patrilineal kin groups explain the post-Neolithic Y-chromosome bottleneck. In: Nature Communications Volume 9, Article number: 2077 (2018) <a href="https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6" target="_blank" rel="noopener">https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6</a> Abgerufen am 1.10.2018</li>
</ul>
<p><!--FUSSNOTEN:

<a href="#_ftnref1" name="_ftn1" class="footn">[1]</a> [mfn]Meadows, Donella; Meadows, Dennis; Randers, J.; Behrens III, W.: Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit. Aus dem Amerikanischen von Hans-Dieter Heck. Stuttgart 1972[/mfn]

<a href="#_ftnref2" name="_ftn2" class="footn">[2]</a> Perras, Arne: Wie rabiat Indien gegen &Uuml;berbev&ouml;lkerung vorgeht. Aus: S&uuml;ddeutsche Zeitung online vom 7. Juni 2017 <a href="https://www.sueddeutsche.de/wissen/demografie-wie-rabiat-indien-gegen-ueberbevoelkerung-vorgeht-1.3537692" target="_blank" rel="noopener">https://www.sueddeutsche.de/wissen/demografie-wie-rabiat-indien-gegen-ueberbevoelkerung-vorgeht-1.3537692</a> abgerufen am 2.4.2019

<a href="#_ftnref3" name="_ftn3" class="footn">[3]</a> Sypien, Michael: Der Club of Rome und die Grenzen des Wachstums. Seminararbeit. Otto-Friedrich-Universit&auml;t Bamberg WS 2008/09. Lehrstuhl f&uuml;r Geographie. S. 5 <a href="https://www.grin.com/document/127836" target="_blank" rel="noopener">https://www.grin.com/document/127836</a>

<a href="#_ftnref4" name="_ftn4" class="footn">[4]</a> Randers, J&oslash;rgen; Maxton, Graeme: Ein Prozent ist genug: Mit wenig Wachstum soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel bek&auml;mpfen. M&uuml;nchen 2016 <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Prozent_ist_genug" class="textlink" target="_blank" rel="noopener">https://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Prozent_ist_genug</a>

<a href="#_ftnref5" name="_ftn5" class="footn">[5]</a> G&ouml;tting, Eva: Exportschlager D&auml;mon? Zur Verbreitung altorientalischer Lama&scaron;tu-Amulette. S. 439. In: G&ouml;bel, J.; Zech, T. (Hrsg.): Exportschlager: Kultureller Austausch, wirtschaftliche Beziehungen und transnationale Entwicklungen in der antiken Welt. Humboldts studentische Konferenz der Altertumswissenschaften. Berlin 2009. S. 437-456 <a href="https://www.academia.edu/1822803/Exportschlager_D%C3%A4mon_Zur_Verbreitung_Altorientalischer_Lama%C5%A1tu-Amulette" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://www.academia.edu/1822803/Exportschlager_D%C3%A4mon_Zur_Verbreitung_Altorientalischer_Lama%C5%A1tu-Amulette</a>

<a href="#_ftnref6" name="_ftn6" class="footn">[6]</a> Small , Meredith M.: Female Choices. Sexual Behavior of Female Primates. 1995

<a href="#_ftnref7" name="_ftn7" class="footn">[7]</a> Prum, Richard O.: The Evolution of Beauty. How Darwin's Forgotten Theory of Mate Choice Shapes the Animal World - and Us. New York 2017

<a href="#_ftnref8" name="_ftn8" class="footn">[8]</a> Blaffer Hrdy, Sarah: M&uuml;tter Natur. Die weibliche Seite der Evolution. Berlin 2010, S. 233 f.

<a href="#_ftnref9" name="_ftn9" class="footn">[9]</a> Beise, Jan; Voland, Eckart: Warum gibt es Gro&szlig;m&uuml;tter? In: Spektrum der Wissenschaft 1|2003. S. 48-53. <a href="https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410" class="textlink" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410</a>

<a href="#_ftnref10" name="_ftn10" class="footn">[10]</a> Podbregar, Nadja nach Berbesque, J. Colette; Marlowe, Frank W.; Shaw, Peter; Thompson, Peter: Hunter-gatherers have less famine than agriculturalists. <a href="https://royalsocietypublishing.org/doi/full/10.1098/rsbl.2013.0853" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://royalsocietypublishing.org/doi/full/10.1098/rsbl.2013.0853</a> 01.01.2014. In: Urmenschen: Hungern als Ausnahme. <a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/urmenschen-hungern-als-ausnahme/" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/urmenschen-hungern-als-ausnahme/</a> vom 8. Januar 2014, abgerufen am 27. Januar 2019

<a href="#_ftnref11" name="_ftn11" class="footn">[11]</a> Vgl. Meseg-Rutzen, Gabriele: In Europa lebten im fr&uuml;hen Jungpal&auml;olithikum im Schnitt nur 1.500 Menschen<a href="https://idw-online.de/de/news711519" class="textlink" target="_blank" rel="noopener">https://idw-online.de/de/news711519</a>

<a href="#_ftnref12" name="_ftn12" class="footn">[12]</a> Jarus, Owen: No Family Plots, Just Communal Burials In Ancient Settlement. <a href="https://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.htm" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html</a> abgerufen am 10.11.2019

<a href="#_ftnref13" name="_ftn13" class="footn">[13]</a> Clark Spencer Larsen, Christopher J. Kn&uuml;sel, Scott D. Haddow, Marin A. Pilloud, Marco Milella, Joshua W. Sadvari, Jessica Pearson, Christopher B. Ruff, Evan M. Garofalo, Emmy Bocaege, Barbara J. Betz, Irene Dori, and Bonnie Glencross: Bioarchaeology of Neolithic &Ccedil;atalh&ouml;y&uuml;k reveals fundamental transitions in health, mobility, and lifestyle in early farmers. In: <a href="https://www.pnas.org/content/116/26/12615" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">PNAS June 25, 2019 116 (26) 12615-12623</a>; first published June 17, 2019 <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1904345116" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://doi.org/10.1073/pnas.1904345116</a> vom 29.06.2019, abgerufen am 30.06.2019

<a href="#_ftnref14" name="_ftn14" class="footn">[14]</a> <a href="https://www.shh.mpg.de/1237022/anatolia-neolithic-transition" class="textlink" target="_blank" rel="noopener">https://www.shh.mpg.de/1237022/anatolia-neolithic-transition</a> abgerufen am 5.5.2019, siehe auch: Feldman, M. et al.: Late Pleistocene human genome suggests a local origin for the first farmers of central Anatolia. Nature Communications 10, Article number: 1218 (2019) 19.3.2019 <a href="https://www.nature.com/articles/s41467-019-09209-7" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://www.nature.com/articles/s41467-019-09209-7</a> abgerufen am 5.5.2019

<a href="#_ftnref15" name="_ftn15" class="footn">[15]</a> Podbregar, Nadja nach Berbesque, J. Colette; Marlowe, Frank W.; Shaw, Peter; Thompson, Peter: Hunter-gatherers have less famine than agriculturalists. <a href="https://royalsocietypublishing.org/doi/full/10.1098/rsbl.2013.0853" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://royalsocietypublishing.org/doi/full/10.1098/rsbl.2013.0853</a> 01.01.2014. In: Urmenschen: Hungern als Ausnahme. <a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/urmenschen-hungern-als-ausnahme/" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/urmenschen-hungern-als-ausnahme/</a> vom 8. Januar 2014, abgerufen am 27. Januar 2019

<a href="#_ftnref16" name="_ftn16" class="footn">[16]</a> <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/tuerkei-ausgrabungen-belegen-wie-ein-klimawandel-das-leben-veraenderte-a-1222964.html" class="textlink" target="_blank" rel="noopener">https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/tuerkei-ausgrabungen-belegen-wie-ein-klimawandel-das-leben-veraenderte-a-1222964.html</a>, siehe auch: Roffet-Salque, M. et al.: Evidence for the impact of the 8.2-kyBP climate event on Near Eastern early farmers. In: PNAS August 28, 2018 115(35) 8705-8709; 13.8.2018 <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1803607115" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://doi.org/10.1073/pnas.1803607115</a> abgerufen am 5.5.2019

<a href="#_ftnref17" name="_ftn17" class="footn">[17]</a> University of Cambridge: T&uuml;rkei: &quot;Wiege der Metallurgie&quot; war keine Kupferschlacke aus der Steinzeit-Siedlung &Ccedil;atalh&ouml;y&uuml;k entstand wohl zuf&auml;llig. 16.08.2017 - DAL <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/tuerkei-wiege-der-metallurgie-war-keine/" class="textlink" target="_blank" rel="noopener">
https://www.scinexx.de/news/biowissen/tuerkei-wiege-der-metallurgie-war-keine/</a>
Originalver&ouml;ffentlichung: Journal of Archaeological Science, 2017. <a href="10.1016/j.jas.2017.07.001" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">doi: 10.1016/j.jas.2017.07.001</a>

<a href="#_ftnref18" name="_ftn18" class="footn">[18]</a> Vgl. Osterkamp, Jan: "Indoeurop&auml;isch kommt aus der Steppe". In: Spektrum- Online vopm 04.03.2015, <a href="https://www.spektrum.de/news/indoeuropaeisch-kommt-aus-der-steppe/1335235 class="textlink" target="_blank" class="textlink">https://www.spektrum.de/</a>

Siehe auch: Wolfgang Haak et al.: Massive migration from the steppe is a source for Indo-European languages in Europe In: Nature 522, S. 207-211 (11.6.2015) <a href="https://www.nature.com/articles/nature14317" class="textlink" target="_blank" rel="noopener">https://www.nature.com/</a> abgerufen am 5.5.2019

<a href="#_ftnref19" name="_ftn19" class="footn">[19]</a> Gronenborn, Detlef: Klimainduzierte Umweltkrisen und ihre soziopolitischen Auswirkungen auf pr&auml;historische Gesellschaften In: F. Daim / D. Gronenborn / R. Schreg (hrsg.), Strategien zum &Uuml;berleben. Umweltkrisen und ihre Bew&auml;ltigung. RGZM Tagungen 11., 2011, Abb. 4, S. 116

<a href="#_ftnref20" name="_ftn20" class="footn">[20]</a> Vgl. Universit&auml;t Mainz: "Mitteleurop&auml;er haben gemischte Ahnen - Wildbeuter und eingewanderte Ackerbauern lebten 2.000 Jahre lang gemeinsam" vom 11.10.2013. <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitteleuropaeer-haben-gemischte-ahnen/" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://www.scinexx.de/</a>

<a href="#_ftnref21" name="_ftn21" class="footn">[21]</a> P. Valde-Nowak/T. L. Kienlin: Neolithische Transhumanz in den Mittelgebirgen. Ein Survey im westlichen Schwarzwald. Pr&auml;historische Zeitschrift 77, 2002, 29-75.

<a href="#_ftnref22" name="_ftn22" class="footn">[22]</a> Karmin, M.; Saag, L.; Vicente M.; et al.: "A recent bottleneck of Y chromosome diversity coincides with a global change in culture." In: Genome Res. 2015;25(4):459-466. doi:10.1101/gr.186684.114

<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/</a>; Zeng, Tian Chen; Aw, Alan J.; Feldman, Marcus W.: Cultural hitchhiking and competition between patrilineal kin groups explain the post-Neolithic Y-chromosome bottleneck. Nature Communications Volume 9. <a href="https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">Article number: 2077 (2018)</a>

<a href="#_ftnref23" name="_ftn23" class="footn">[23]</a> Gronenborn, Detlef: Klimainduzierte Umweltkrisen und ihre soziopolitischen Auswirkungen auf pr&auml;historische Gesellschaften In: F. Daim / D. Gronenborn / R. Schreg (hrsg.), Strategien zum &Uuml;berleben. Umweltkrisen und ihre Bew&auml;ltigung. RGZM Tagungen 11., 2011, Abb. 5, S. 119

<a href="#_ftnref24" name="_ftn24" class="footn">[24]</a> Jeunesse, Christian: The fifth millennium BC in central Europe. Minor changes, structural continuity: a period of cultural stability. In: Gleser, Ralf; Hofmann, Daniela: Contacts, Boundaries &amp; Innovation in the Fifth Millenium. Exploring Developed Neolithic societies in central Europe. Leiden 2019

Jeunesse, Chr.; Seidel, U.: Die Erdwerke der Michelsberger Kultur. In : Die Michelsberger Kultur und Mitteleuropa vor 6000 Jahren, catalogue d'exposition, Badisches Landesmuseum, Karlsruhe 2010, 58-69 <a href="https://www.academia.edu/7382134/45_Die_Erdwerke_der_Michelsberger_Kultur" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://www.academia.edu/7382134/45_Die_Erdwerke_der_Michelsberger_Kultur</a>

<a href="#_ftnref25" name="_ftn25" class="footn">[25]</a> Vgl. Schlichtherle, Helmut: Kultbilder in den Pfahlbauten des Bodensees. In: Jungsteinzeit im Umbruch. Die Michelsberger Kultur und Mitteleuropa vor 6000 Jahren. Darmstadt 2010, S. 266-277

<a href="#_ftnref26" name="_ftn26" class="footn">[26]</a> Vgl. MPI f&uuml;r Menschheitsgeschichte: Kaukasus: Kultureller Austausch &uuml;ber biologische Grenzen hinweg. <a href="https://www.shh.mpg.de/1197459/pr-caucasus-haak" class="textlink" target="_blank" rel="noopener">https://www.shh.mpg.de/1197459/pr-caucasus-haak</a> abgerufen am 5.5.2019

<a href="#_ftnref27" name="_ftn27" class="footn">[27]</a> Gimbutas, Marija: Die Zivilisation der G&ouml;ttin, Frankfurt a.M. 1996 (am. Originalausg. 1991, S. 381

<a href="#_ftnref28" name="_ftn28" class="footn">[28]</a> Vgl. <a href="https://www.sciencemag.org/news/2017/02/thousands-horsemen-may-have-swept-bronze-age-europe-transforming-local-population" class="textlink" target="_blank" rel="noopener">https://www.sciencemag.org/news/2017/02/thousands-horsemen-may-have-swept-bronze-age-europe-transforming-local-population</a>

<a href="#_ftnref29" name="_ftn29" class="footn">[29]</a> Vgl. Goldberg, Amy; G&uuml;nther, Torsten; Rosenberg, Noah A.; Jakobsson, Mattias: Ancient X chromosomes reveal contrasting sex bias in Neolithic and Bronze Age Eurasian migrations <a href="https://www.pnas.org/content/114/10/2657" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">PNAS 7.3.2017</a>, 114 (10), S. 2657-2662; Online 21.2.2017 <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1616392114" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://doi.org/10.1073/pnas.1616392114</a> . Abgerufen am 1.10.2018

<a href="#_ftnref30" name="_ftn30" class="footn">[30]</a> Vgl. <a href="https://www.shh.mpg.de/1197459/pr-caucasus-haak" class="textlink" target="_blank" rel="noopener">https://www.shh.mpg.de/1197459/pr-caucasus-haak</a> abgerufen am 5.5.2019

<a href="#_ftnref31" name="_ftn31" class="footn">[31]</a> Vgl. Gogolin, Stephanie: <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">Das patriarchale Stockholm-Syndrom Teil I. Das kollektive Stockholm-Syndrom in der Patriarchose</a> Online-Ressource: abgerufen am 6.9.2019 und Gogolin, Stephanie: <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">Das patriarchale Stockholm-Syndrom Teil II. Die Ehe - ein verinnerlichtes Stockholm-Syndrom</a> Online-Ressource: abgerufen am 13.10.2019

<a href="#_ftnref32" name="_ftn32" class="footn">[32]</a> [mfn]Sugiyama, Michelle S.: Fitness Costs of Warfare for Women. In: Human Nature 25(4), November 2014, <a href="10.1007/s12110-014-9216-1" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">DOI: 10.1007/s12110-014-9216-1</a> Artikel in der WELT-online: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html" target="_blank" class="textlink" rel="noopener">https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html</a>[/mfn]
--></p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Meadows/Meadows/Randers/Behrens 1972</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Perras 2017</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sypien 2008/09, S. 5</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Randers/Maxton 2016</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Götting 2009, S. 439</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Uhlmann 2015</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Small 1995</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Prum 2017</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Blaffer Hrdy 2010a, 233 f.</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Hawkes 2004 und Voland/Beise 2002a+b, Beise/Voland 2003</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Blaffer Hrdy 2010b, Fußnote 20, S. 448</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Blaffer Hrdy 2010, S. 336</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Blaffer Hrdy 2010b, S. 27</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Podbregar 2014</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Meseg-Rutzen 2019</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Jarus 2011</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Larsen <em>et al.</em> 2019</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. MPG 2019, Vgl. auch Feldman <em>et al.</em> 2019</div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Podbregar 2014</div><div>20&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Römer 2018<br />
Siehe auch: Roffet-Salque <em>et al.</em> 2018</div><div>21&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;UC 2017</div><div>22&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Osterkamp 2015<br />
Siehe auch: Wolfgang Haak <em>et al.</em> 2015</div><div>23&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gronenborn 2011, Abb. 4, S. 116</div><div>24&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Maria Gimbutas nannte diese Phase 1. Kurgan-Welle, benannt nach den typischen Grabhügeln, die seit dieser Zeit hier außerhalb der Steppe errichtet wurden. Duffy <em>et al.</em> 2025 und MDR 2025</div><div>25&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Schulz 2015</div><div>26&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. UM 2013</div><div>27&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Valde-Nowak/Kienlin 2002</div><div>28&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Karmin <em>et al.</em> 2015 und Zeng <em>et al.</em> 2018</div><div>29&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gronenborn 2011, Abb. 5, S. 119</div><div>30&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Jeunesse 2019 und Jeunesse/Seidel 2010</div><div>31&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Schlichtherle 2010, S. 266-277</div><div>32&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. MPI für Menschheitsgeschichte 2019</div><div>33&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gimbutas 1996, S. 381</div><div>34&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Fischer 2019</div><div>35&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Gibbons 2017</div><div>36&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Goldberg <em>et al.</em> 2017</div><div>37&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Ansede 2018 und Uhlmann 2015, S. 204 ff</div><div>38&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Haak 2015</div><div>39&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Gogolin 2019a und Gogolin 2019b</div><div>40&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Sugiyama 2014</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht">Explosion und Expansion &#8211; wie Vatermacht die Welt unterjocht.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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