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	<title>Patrilinearität Archive - Gabriele Uhlmann</title>
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		<title>Apokalyptische Reiter reloaded – Warum Kulturen immer wieder untergehen und was das für die Gesellschaft bedeutet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jul 2024 15:41:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Analysen und Studien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Bild: Die vier Reiter der Apokalypse (Beatus-von-Osma-Codex, 11. Jahrhundert) von Martinus (Scribe-Petrus) &#8211; Archives de la Cathédrale, Gemeinfrei Gesellschaftlicher Zerfall als Phänomen Die Archäologie beobachtet schon seit Langem, dass...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/apokalyptische-reiter-warum-gehen-kulturen-immer-wieder-unter-und-was-bedeutet-das-fuer-die-gesellschaft">Apokalyptische Reiter reloaded – Warum Kulturen immer wieder untergehen und was das für die Gesellschaft bedeutet</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Bild: Die vier Reiter der Apokalypse (Beatus-von-Osma-Codex, 11. Jahrhundert) von Martinus (Scribe-Petrus) &#8211; Archives de la Cathédrale, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=499335" target="_blank" rel="noopener">Gemeinfrei</a><br />
<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/a00aea18be514d1ea55b8d7cae8b307b" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h2 id="gesellschaftlicher-zerfall-als-phaenomen">Gesellschaftlicher Zerfall als Phänomen</h2>
<p>Die Archäologie beobachtet schon seit Langem, dass sich in Europa ab einem gewissen Zeitpunkt in der Jungsteinzeit immer neue Kulturen quasi die Klinke in die Hand gaben. Kaum war eine neue Kultur entstanden, verschwand sie auch schon wieder. Bandkeramik, Hinkelstein Kultur, Groß Gartacher Kultur, Rössener Kultur, Michelsberger Kultur etc., sie alle entstanden und verschwanden in Zeitrahmen von nur wenigen hundert Jahren. Wo die Menschen geblieben sind, war lange ein Rätsel und Gegenstand von Spekulationen, bis die Genetik zeigen konnte, dass manche Kulturen tatsächlich spurlos verschwanden, andere dagegen in neuen Kulturen aufgingen, also assimiliert wurden.</p>
<p>Der Kultur-Begriff muss dabei kurz erklärt werden. Mit z. B. der Rössener Kultur ist eine prähistorische Gemeinschaft gemeint, die eine für sie typische materielle Ausprägung zeigt. So angewendet dient der Kultur-Begriff lediglich zur Unterscheidung von Gemeinschaften über Raum und Zeit, sagt aber noch nichts über das Wesen ihrer Sozialordnungen aus. Im Folgenden gebrauche ich den schwer definierbaren Kultur-Begriff &#8211; um den Rahmen nicht zu sprengen &#8211; als die Gesamtheit des tradierten Schaffens, Erfindens, Denkens und Verhaltens, die sog. <a href="https://openevo.eva.mpg.de/teachingbase/kumulative-kultur/?lang=de" target="_blank" rel="noopener">kumulative Kultur</a>.<br />
Im medialen Sprachgebrauch wird eher nicht vom Zusammenbruch von Kulturen gesprochen, sondern von Gesellschaften, womit meist Vorstellungen von Gesellschaft verbunden sind, wie wir sie leben. Der „Untergang der Gesellschaft“ ist zudem ein Schreckgespenst, das gerne an die Wand gemalt wird. Daher müssen wir uns dieses Wort ebenfalls genauer ansehen. Eine Gesellschaft ist entgegen dem Sprachgebrauch keine natürliche Sozialordnung, sondern immer von Männern gewaltsam hergestellt und aufrechterhalten. Dabei haben sie eine spezifische Kultur hervorgebracht, die nur im Patriarchat denkbar ist. Deshalb ist die Gewalt untrennbarer Teil der patriarchalen Kultur, die eine Andro-Kultur<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup> ist. Einer Gesellschaft wird ihre Beschreibung allein über materielle Güter nicht mehr gerecht. In jeden Gegenstand kann nun potentiell auch eine höhere Bedeutung hineininterpretiert werden. Bis heute wird Gewalt und Gewaltverhalten kultiviert, was sich meist auch an den Gütern spiegelt. Kriegswaffenfunde bei einer archäologischen Grabung müssen in patriarchale Zeit datiert werden, wobei der regionale Ursprung der Waffe wie bei jedem anderen Einzelfund genauer untersucht werden muss. Bei z.B. dem Fund eines harmlosen Plastikeimers können wir darüber nachdenken, was alles geschehen musste, bis die Kultur in der Lage war, ihn herzustellen. Entsprechend muss hier auch mit einer immateriellen Gewalt-Kultur gerechnet werden. Findet sich aber ein solcher Eimer in einem bis dahin unkontaktierten Volk, muss das kein Beweis für eine Gewalt-Kultur sein.<br />
Das globale Patriarchat, auch „die Gesellschaft“ genannt, setzt sich aus vielen Einzel-Gesellschaften zusammen, die auf Stämme mit Stammvätern zurückgehen, und die jede für sich zerfallen kann, ohne dass das Patriarchat bedroht wäre. Solange irgendwo Patriarchat, sprich ein „böser Nachbar“ zu finden ist, werden Gesellschaften zerfallen und neu entstehen, weil das Patriarchat aufgrund seiner Überbevölkerung expansiv ist und jeden verwaisten Landstrich wiederbesetzt, allen Überlebenden eine neue Herrschaft überstülpt. Dabei verändert sich die materielle Kultur und die Regierung wechselt, aber aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit werden die Menschen schnell wieder zur Normalität zurückfinden. Dafür arbeitet wiederum ihr privates Patriarchat, denn es gilt: Das Private ist das Politische. Daher ist das Szenario eines Untergangs der Gesellschaft ein Phantom, solange nicht die Gemeinschaft der Unterdrückten dieser Welt erkennt, dass ihre private Lebensweise das Problem ist.<br />
Zerfällt eine bestimmte Gesellschaft, zerfällt auch ihre Kultur, und ohne die Kulturträger, die Menschen, ist alles nur noch ein archäologischer Fund. Es ist aber auch umgekehrt so, dass der Zusammenbruch einer Kultur sofort den Zusammenbruch einer Einzel-Gesellschaft nach sich zieht, die sie hervorgebracht hat, weil eine bestimmte Gesellschaft auch eine bestimmte Kultur mit einer entsprechenden Ideologie braucht, ohne die sich ihre Mitglieder in schwere Auseinandersetzungen verwickeln. Je mehr kulturelle Optionen vorhanden sind, desto größer auch die Meinungsvielfalt, die ohne sanktionierte Debattenkultur oder Unterdrückung anderer Meinungen zum Bürgerkrieg führt. Gemeint ist eigentlich immer die Frage, wie wir ein gutes Leben hinkriegen, und da unterscheiden sich im Patriarchat insbesondere Männer und Frauen fundamental. Auch Männer können sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen, dann aber geht es den Frauen noch schlechter. Die gewaltgeprägte Andro-Kultur ist der Kitt, der eine Gesellschaft zusammenhält, so paradox das klingt. Daher wird es trotz aller gutgemeinter Appelle kein Patriarchat ohne Gewalt gegen Frauen geben.<br />
Der Zusammenbruch „der Gesellschaft“ ist daher genaugenommen eine Befreiung vom Patriarchat, jedoch nur wenn dabei auch das Patriarchat aus den Köpfen verschwindet. Eine vorherige Aufklärungsbewegung erweist sich dann überlebenswichtig für die gesamte Menschheit, die Idee muss schon irgendwo <em>in petto</em> sein. Wie bereits an anderer Stelle ausgeführt, ist die Gesellschaft immer ein patriarchales, also auch hierarchisches System. Eine Andro-Kultur bringt daher auch Güter hervor, die diese Hierarchie (übersetzt „heilige Herrschaft“) nicht nur ausdrücken, sondern ihr huldigen bzw. als heilsbringend verklären. In einer akut zu zerfallen drohenden Gesellschaft wird stets auch der Ruf nach einem Heilsbringer laut. Personenkult und die Radikalisierung der religiösen Weltanschauung oder gar die Entstehung von Ersatz-Religion gehören dazu. Beide, eine Gesellschaft und ihre Andro-Kultur bedingen sich gegenseitig. Die Frage ist, ob sie aufgrund interner Probleme quasi implodiert ist, oder ob sie durch Angreifer zerstört wird.</p>
<p>Dagegen braucht unser angeborenes Sozialverhalten, die Matrifokalität, keinen kulturellen Kitt, sondern ist egalitär und friedlich und bringt Kulturtechniken hervor, die das Leben erleichtern und den Nachwuchs in jeder Hinsicht fördern und erhalten, weshalb sie an die nächste Generation weitergegeben werden. Daher müssen z.B. über einen langen Zeitraum gleichartige Gefäße oder Werkzeuge nicht bedeuten, dass ihre Ausformung die gelebte Identität der Menschen ausdrückt, sondern können auch einfach bedeuten, dass der Gegenstand optimiert war. Selbst grafische Muster können sich ohne höheren Sinn so über einen langen Zeitraum wiederholen. Ähnlich wie die Sprache verändern sich die Dinge dennoch, weil kein Mensch immer alles genau so machen kann wie ein Vorfahr. Die sich wandelnden naturräumlichen Bedingungen beeinflussen ebenfalls quasi evolutionär die Ausgestaltung von Gegenständen. Im Matrifokal wird der Wandel nicht forciert oder nur herbeigesehnt, sondern er passiert und die Menschen passen sich unbewusst an. Entsprechend verändert sich auch Erinnerung und ihre erzählte Geschichte. Die Sozialordnung des Matrifokals ist äußerst stabil und sie war über 3 Millionen Jahre Menschheitsentwicklung die optimale Lebensweise. Sie ist von innen nicht bedroht, solange sich die Menschen nicht blindlings von einer Technologie abhängig machen, die konstante naturräumliche Bedingungen voraussetzt.</p>
<h2 id="gewalt-andro-kultur">Die Gewalt als Voraussetzung von Gesellschaft und Andro-Kultur</h2>
<p>Jede Gesellschaft wird von archäologisch oder gegenwärtig unsichtbarer Gewalt zusammengehalten: von Ideologie und entsprechender häuslicher Gewalt, deren Existenz nur durch empirischen Vergleich rückgeschlossen werden kann. Das Patriarchat baut auf Gewalt gegen seine eigenen Mitglieder, zuerst gegen die Frauen, auf, es ist der sprichwörtliche falsche Film.<br />
Innerhalb eines Patriarchats sind nicht alle gleich, insbesondere werden die Frauen, die durchaus Raum gewinnen können, wenn sie sich zusammentun oder Einfluss haben und Forderungen stellen, immer wieder mehr oder weniger subtil auf ihre Plätze verwiesen. Dann haben wir es mit einem sogenannten Backlash (engl. für „Rückschlag“). Die Zukunftsforscherin Riane Eisler hat erkannt, dass jedem Krieg eine Welle der Frauenfeindlichkeit vorausging.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup> In den Nachkriegsjahrzehnten kommen die Menschen zur Besinnung, und erkennen, dass ein Krieg niemals die Lösung aller Probleme ist, um &#8211; zu vorgerückter Stunde &#8211; wieder zur patriarchalen Tagesordnung zurückzukehren. Der nächste Krieg ist damit vorprogrammiert.<br />
Zur inneren Gewalt einer Gesellschaft tritt, wenn sie nicht bald zur Auslöschung führt, immer wieder auch äußere Gewalt durch benachbarte Gesellschaften hinzu, die zweierlei Wirkungen auf die bedrohte Gesellschaft haben kann. Einerseits kann ein gemeinsamer Feind, ein Angreifer, zusammenschweißen, andererseits können sich zwei Lager bilden, von denen sich das eine tendenziell unterwerfen will, während das andere versucht, sich zu wehren, wenn alle Diplomatie zu versagen droht, mit oder ohne Erfolg. Despoten setzen gerne auf die Propaganda des Zusammenhalts, während Demokratien dazu neigen, sich darüber zu zerstreiten, wovon dann die innere Gewalt angeheizt wird. So kann ein Feind allein durch seine Drohungen eine Gesellschaft von innen zermürben. Wir erleben das gerade. Die Spirale der Gewalt, die durch gleich starke, verfeindete Gesellschaften angekurbelt wird, schweißt auch Demokratien im Innern eher zusammen, es sei denn eine starke Gruppe mahnt zum Abrüsten und löst damit eine Debatte aus.</p>
<p><strong>Eine Gesellschaft ist zwar nicht angelegt, um zu zerfallen, ganz im Gegenteil, aber sie kann nur so angelegt werden, dass sie zerfallen muss, früher oder später, weil gleich drei Faktoren gegen sie arbeiten: unser matrifokales Erbe, die innere Gewalt und die feindlichen Gesellschaften.</strong> Aus der Arbeit gegen den Zerfall ziehen im Übrigen wenige Privilegierte innerhalb der Gesellschaft Profit, nicht nur Politiker und Konzerne, sondern auch Kirchenfürsten und Militärs. Honig wird schon allein aus der Warnung vor dem Untergang gesaugt, wobei völlig andere Ziele durchgesetzt werden sollen.<br />
Der endgültige Niedergang einer Gesellschaft ist immer mit vielen Toten verbunden, denn große patriarchalisierte Menschengruppen ringen gegeneinander ums Überleben, statt zu kooperieren. Das gefürchtete Chaos, das Faustrecht bricht aus. Aber es ist äußerst selten, dass niemand übrigbleibt. Die Überlebenden werden in der Regel ihre Andro-Kultur zu restaurieren versuchen. Es braucht aber schon ein starkes ideologisches Umdenken, um etwas Neues zu probieren, um nicht wieder an denselben Fehlern unterzugehen. Der Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg ist dafür ein Beispiel. Man bemühte sich, die alten sozialen Probleme zu bekämpfen, indem der billige Wohnungsbau vorangetrieben wurde, &#8211; wovon wenige Männer reich geworden sind -, viele dieser Bauten machen heute Probleme oder mussten schon wieder abgerissen werden -, und man machte den Fehler der autogerechten Stadt. Nicht das führt zum nächsten Untergang, aber er ist bereits vorprogrammiert, weil das Patriarchat mit dem 2. Weltkrieg nicht mituntergegangen ist und seine modernen Strömungen schon wieder zerstritten sind.</p>
<h2 id="zahlen-statt-meinung">Zahlen statt Meinung – die Auswirkungen von Gewalt und Klima</h2>
<p>Die Offenbarung des Johannes machte die vier apokalypischen Reiter als die Geißel der Menschheit aus. Der erste Reiter stand für Siegeslust und Gerechtigkeit, der zweite für Krieg, der dritte für Tod und Hunger, und der vierte für Angst und Krankheit.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup> Mit Katastrophen war immer auch der Gedanke der göttlichen Reinigung verbunden, sie wurden durchaus auch als etwas Positives gesehen. Dies steht in der babylonischen Tradition des Atra-Hasis-Mythos, Vorläufer der Sintflut-Geschichte, wo Heimsuchungen als Begrenzung der Überbevölkerung durch die Götter verstanden wurden.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>
In der jüngeren Vergangenheit gab es so manche spekulative Meinung, woran der schnelle Wechsel der jungsteinzeitlichen Kulturen liegen könnte, bis die Archäologie begann, das Phänomen des Zerfalls mit naturwissenschaftlichen und mathematischen Methoden eingehend zu untersuchen. In Deutschland federführend bei der Erforschung der Entwicklung ist der Prähistoriker und Paläoklimatologe Detlef Gronenborn, der im Jahre 2011 einen signifikanten Zusammenhang zwischen Klimaeinbrüchen und Migration entdeckt hat.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup> Diese Studie habe ich vor einigen Jahren mit den Spuren der Entstehung des Patriarchats in Verbindung gebracht und konnte zeigen, dass der Beginn des Patriarchats nicht einfach mit dem Beginn der Landwirtschaft identisch ist, wie es vielfach behauptet wird, sondern ca. 3000 Jahre dazwischen liegen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup> Die Archäologie und die Archäogenetik konnten beweisen, dass die sog. Misox-Schwankung vor 8200 Jahren eine bis dahin beispiellose Migration auslöste. Aus dem gleichen Zeitraum finden sich erste Spuren von Kriegen und patrilokaler Lebensweise. Es war aber das Patriarchat selbst, das die völlig neue Dynamik aus Entstehung und Verfall von Kulturen im Gang hielt und eine Kette weiterer Migrationen &#8211; wir können auch sagen &#8211; Feldzügen nach sich zog. Es gab seitdem auch immer wieder Klimakrisen, die jedoch nur noch geringen Einfluss auf die Vorgänge hatten, denn nun war die Ideologie des Patriarchats der Motor, also geistige Gewalt, die andere Gewaltformen impliziert. Nicht das Klima allein kann für Gewalt und Untergang verantwortlich gemacht werden, es war lediglich die Initialzündung eines Prozesses, der zum Selbstläufer wurde. Es hat nun allenfalls verstärkende Wirkung.<br />
Wesentlich dabei war, dass das Patriarchat an die Viehzucht geknüpft ist, die als Reaktion auf die Hungersnot zur Zeit der Misox-Schwankung in der südrussischen Steppe erfunden wurde, und die in sich nomadisch statt sesshaft angelegt war. Das enorme Wachstum der Herden erforderte die Migration der Hirten und ihres Besitzes, und solange die sesshafte Stallhaltung mit Zuchtaustausch bzw. die teilsesshafte Transhumanz noch nicht eingeführt war, führte das an den Stammesgrenzen zu den ersten Kriegen. Die Unterdrückung der Sexualität der Frau &#8211; also Menschenzucht &#8211; und die einseitige Ernährung mit gezüchtetem Fleisch führte zu einer nie dagewesenen Überbevölkerung, wobei männliche Kinder bevorzugt wurden. Aus den überzähligen Männern generierte sich eine gewaltbereite, patriarchatsideologisch gefestigte Kriegerkaste, die zum Selbstzweck immer wieder gen Westen oder weiter nach Osten strebte. Dieser archäologisch-kulturhistorische Ansatz, der insbesondere von der Archäologin Marija Gimbutas ausformuliert wurde &#8211; als sog. Kurgan-These – ist inzwischen auf breiter Basis anerkannt und erfährt seit Jahren durch immer neue Studien weitere Bestätigung.</p>
<p>Darüber, was Kulturen oder Gesellschaften zum Zusammenbruch bringt, wurde wie angedeutet lange mit empirisch-logischen Kausalketten diskutiert. Dabei waren vor allem zwei Argumente wesentlich, gesellschaftliche Konflikte und das Klima. Die Klima-These wurde dabei immer beliebter, ja Konsens, und sie bedient mittlerweile die aktuelle Politik, geht doch die Angst um, dass der Klimawandel nicht nur Katastrophen, sondern auch eine unbeherrschbare Migrationswelle auslöst. Das vorindustrielle Klima eignet sich hervorragend, die Verantwortung auf die böse Natur zu schieben.<br />
Jedoch seit Mitte 2023 liegen Computer-Modelle vor, mit denen die Stichhaltigkeit der Argumente überprüft wurden. Ein interdisziplinäres Team unter der Leitung des russisch-US-amerikanischen Biologen, Komplexitätsforschers und Sozialwissenschaftlers Peter Turchin, dem wieder Detlef Gronenborn angehört, untersuchte die dabei simulierten Bevölkerungsdynamiken über die letzten 9000 Jahre, die, einmal angeworfen, von Kreisläufen aus boomen Kulturen und deren Zusammenbrüchen gekennzeichnet ist.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup>
Zwar wurde das Ergebnis dieser Studie sofort in einem der wichtigsten Fachmagazine publiziert, eine breitere Öffentlichkeit erfuhr aber erst ein halbes Jahr später davon, vielleicht, weil es zu unwichtig oder unspektakulär erschien. Anfang 2024 meldete die „Archäologie in Deutschland“: „<em>Eine Metastudie soll zeigen, dass der Zusammenbruch vergangener Kulturen hauptsächlich mit dem Verfall von gesellschaftlichem Zusammenhalt einhergeht.</em>“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup> Bei einer solchen Tautologie sollte es kein Wunder sein, dass die Resonanz mäßig bis gering ausfällt. Wer jetzt wenigstens erheitert weiterliest, verpasst nicht Detlef Gronenborns Auskunft, dass die Auswirkungen klimabedingter und gesellschaftlicher Faktoren in einer Simulation überprüft wurden.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup> Das hat meine Aufmerksamkeit endgültig erregt, denn ich kannte ja längst seine ältere Studie. Sollte er sich nun selbst widersprechen? Mitnichten! Die Studie bestätigt sogar seine älteren Ergebnisse, und sie ist es wert, näher angeschaut zu werden. Sie zeigt, dass der <em>Impact</em> von Klima und Gewalt (die er oben als „gesellschaftlicher Faktor“ verklausuliert hat) auf eine Gesellschaft unterschiedlich schnell abflaut. Das Klima kann eine ankurbelnde Wirkung auf die Gewalt haben, muss aber nicht. Während nach einer Klimakrise relativ bald alle Schäden an Gütern und Leben kompensiert sind und wieder Ruhe einkehren kann, wirft die Gewalt, sofern sie stattfindet, dann selbst einen Motor an. Ob Gewalt ins Spiel kommt, hängt davon ab, wie abhängig die Menschen zuvor von ihren Technologien geworden waren.<br />
Die Blaupause dafür sind die Vorgänge während und nach der Misox-Schwankung. Während die noch wildbeuterisch lebenden Männer Mitteleuropas auf die Misox-Schwankung adaptiv reagierten und nicht gewalttätig gegen die Frauen und sich selbst wurden, haben die überlebenden, ehemals matrifokalen, nun aber mutterlosen anatolischen Bauern die Kühe aus dem ehemaligen Gesamthandseigentum in die Steppe getrieben, wo sie sie erstmals der Zucht unterwarfen. Analog entführten diese verrohten Männer auch überlebende Frauen und die indigenen Frauen der Steppe und vergewaltigten sie. Als sich die so entstandene sog. Sredny-Stog-Kultur etabliert hatte und begann sich auszubreiten, stieß sie im heutigen Nord-Kasachstan auf die indigene, sesshafte Botai-Kultur und deren Pferdebesitz. Die Botai, die keine Pferdezucht, sondern Pferdehaltung betrieben, um leichter an das Fleisch und die Milch zu gelangen, lebten noch matrifokal. Nachdem die Sredny-Stog-Männer sich deren Wissen, wie ein Pferd zu zähmen und zu reiten sei, angeeignet hatten, endete der „Kontakt“ mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Massaker an den Botai. Sie wurden demnach von diesen ersten Patriarchen ausgelöscht, jedoch ohne dass die Botai-Frauen das überlebt hätten. Ich vermute, dass die Botai-Frauen, die auf einem Pferd reiten konnten, leicht hätten aus ihrer Gefangenschaft fliehen können und das Wissen auch ihren Töchtern verraten hätten. Das musste künftig verhindert werden, wie später lange Zeit den Saudi-Arabischen Frauen das Autofahren nicht gelehrt werden durfte.</p>
<p>Zu Pferde wurde schließlich die gesamte Welt patriarchalisiert, heute können Drohnen den auch für Männer nicht ungefährlichen Job der Vorväter übernehmen. Der Motor der Gewalt kommt erst zum Stillstand, wenn der letzte Kraftstoff verbraucht ist, das letzte Pulver verschossen wurde. Der totale Ressourcen-Verbrauch, aber auch die Dynamik des „Auge um Auge“-Prinzips bilden sich daran trefflich ab. Die Ideologie, die systemische und häusliche Gewalt gegen Frauen bleiben dabei aber unsichtbar. Der letzte Mann wird kinderlos bleiben, ob er sich neuerdings als Frau identifiziert oder nicht. Ohne das Wissen um die Patriarchalisierung und das gewaltsame Wesen aller Gesellschaften ist das Ergebnis der Studie nicht zu verstehen. Wenn das Patriarchat erst einmal ins Rollen geraten ist, ist es praktisch fast nicht mehr zu stoppen, auch wenn sich das Klima wieder bessert, bzw. auch gerade dann, denn günstiges Wetter fördert auch den Wohlstand, es liefert Brot und animiert zu Spielen, verhindert also Revolutionen, und ändert nichts an der Ideologie und häuslichen Gewalt. Aber dieser Umstand taucht nirgendwo auf, wenn es um dieses Thema geht. Es darf alles sein, alles wird in Erwägung gezogen, nur nicht, dass die Herrschaft der Väter, das Patriarchat, Schuld ist an seinen Untergängen.</p>
<h2 id="ersatzmann-schwarzer-tod">Ersatzmann Schwarzer Tod</h2>
<p>In der Zeit ab 5550 Jahren vor heute wurden in ganz Europa Gebiete von Angehörigen der Jamnaja-Kultur aus der Steppe Südrusslands überfallen. Die Jamnaja waren die ersten Reiternomaden, hervorgegangen aus dem Sredny-Stog-Patriarchat. Der dänische Genetiker Eske Willerslev ist davon überzeugt, dass die Ausrottung von teils 90% der Bevölkerung nicht durch deren rohe Gewalt, sondern durch die Pest getötet und die Überlebenden so genetisch überformt worden seien. „<em>Die Pest machte uns zu dem, was wir Nordeuropäer sind</em>“, sagt er in einer Fernseh-Doku.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup> Die Jamnaja hätten nicht nur die Pest, sondern eine neue Sozialordnung eingeführt, die Kleinfamilie – hier fällt erwartungsgemäß nicht das nötige Wort Patriarchat.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup> Dazu sehen wir romantische Bilder einer lachenden Mutter, die ihren Kindern zu essen gibt. Zwar haben wir es hier mit nicht weniger als der Anerkennung der Patriarchalisierung zu tun, aber die Kleinfamilie wird auf diese Weise als positive Neuerung hingestellt. Denn die Familie, die auch unter den Jamnaja vielmehr eine Großfamilie im heutigen Sinne war, der Großväter ihren Namen geben, ist das Herrschaftsgebiet des <em>Pater familias</em> (lat. für Familienvater) und damit für das Vorpatriarchat ein unzulässiger Begriff. Vor dem Patriarchat gab es keine Familienstrukturen irgendwelcher Art, sondern ausschließlich <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt" target="_blank" rel="noopener">Matrifokale</a>. Auch der Paläogenetiker Johannes Krause meint in der Doku, dass allein durch Krieg nicht so viele Menschen sterben könnten wie durch die Pest.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup> Die neue Gewalt gegen die Frauen zeigt dagegen ganz klar: das war keine friedliche Migration, sondern ein klassischer Eroberungsfeldzug mit den ihn begleitenden Vergewaltigungen. Auf die beiden &#8222;Mitbringsel&#8220; der Jamnaja hätten die Frauen gerne verzichtet. Aber es soll so aussehen: „war ja nicht alles schlecht“ unter den Jamnaja!</p>
<p>Mit dem Beginn des Patriarchats lebten deutlich weniger Menschen, es gab keinerlei Gesetze oder Moraltheologie, die die Kriegsopfer vor der Gewalt der Invasoren geschützt hätten, und die Jamnaja-Leute waren, anders als die Opfer, zu Pferde unterwegs, eine militärische Überlegenheit, die bis zur Atombombe nie wieder erreicht wurde. Dass die Jamnaja mit einer gewissen Resistenz gegen die Pest die Indigenen dann einfach aufgrund ihrer Anzahl genetisch dominierten haben sollen, blendet die unliebsame sexuelle Konkurrenz durch die indigenen Männer völlig aus. Besonders eindeutig ist da der archäogenetische Befund aus Spanien, wo vor 4500 Jahren die Hälfte der Bevölkerung durch Abkömmlinge der Jamnaja, die Glockenbecher-Leute, getötet wurde. Wenn es die Pest war, die sie tötete, warum blieben dann dort die indigenen Frauen am Leben, während die Männer umkamen? Mit Leichtigkeit hätte noch die weibliche Hälfte der Bevölkerung ausgerottet werden können, aber das haben weder die Steppenkrieger noch die Pest getan.</p>
<p>Eine Studie eines norwegischen Teams aus 2015 ergab, dass sich das Pest-Bakterium <em>Yersinia pestis</em> niemals in Europa festsetzte, sondern vor jeder Pestwelle stets aus der Steppe importiert wurde.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup> Dafür verantwortlich war ein ungünstiges Klima in der Steppe Zentralasiens:</p>
<blockquote><p>&#8222;Es ist bereits bekannt, dass Klimaeffekte zu einem Ausbruch der Pest aus schlummernden Reservoirs führen können. Kommt es zu einem besonders warmen Frühling und feuchten Sommer, können sich Nagetierpopulationen besonders stark vermehren – und mit ihnen auch ihre Flöhe, in denen die Pesterreger leben. Werden die Bedingungen anschließend wieder schlechter für die Nager, geht ihr Bestand zurück – der ihrer Flöhe aber nicht analog: Die Parasiten suchen deshalb nach Alternativen. So nehmen die hungrigen Rattenflöhe auch Vorlieb mit dem Menschen – und das Unheil nimmt seinen Lauf.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup></blockquote>
<p>Die Bevölkerungen wurden von der Pest nie vollständig dahingerafft, sondern erholten und vermehrten sich wieder. Für eine Ausrottung von 90% der Menschen in einer Region ist nicht allein die klimaabhängige Pest verantwortlich, wie es Johannes Krause glaubt. Im Gegenteil, allein Gewalt kann solche Zahlen erklären. Das bestätigt auch die neue Studie unter Peter Turchin.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">15</sup> Selbst modellhaft sollte sich die Theorie von den Epidemien, die ganze Gesellschaften auslöschen, nicht beweisen lassen. Die Studie erwähnt das am Rande. Die Forscher gehen davon aus, dass Epidemien vergleichbar dem Klima nur einen kurzfristigen Effekt nach sich ziehen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">16</sup> Die Pest muss als Ursache für die Ausrottung ganzer Kulturen ausgeschlossen werden. Auch die vollständige Ausrottung der Botai, über die wir in der o.g. Doku erfahren, die als Indigene längst immun gegen die Pest waren, kann nicht mit der Pest erklärt werden. Das Urbild der Apokalypischen Reiter waren niemand anderes als die Jamnaja-Reiter, aber nicht unabsichtlich, wie es in der o.g. Doku kolportiert wird.</p>
<h2 id="denkverbot-schuld-des-patriarchats">Das Denkverbot über die Schuld des Patriarchats, der Urväter und ihrer männlichen Erben</h2>
<p>Die Pest lenkt mit den gruseligen Vorstellungen, die mit ihr verbunden sind, von der Gewaltbereitschaft der frühen Patriarchen ab, wie generell darüber ein Denkverbot ausgesprochen wird, so auch im EU-Bericht über die bereits erwähnte Studie, nach der auf der iberischen Halbinsel vor 4500 Jahren alle indigenen Männer umkamen:<br />
&#8222;<em>Der beste Beweis dafür sind die Überreste eines Mannes und einer Frau, die in der Bronzezeit zusammen an einem Ort in Spanien begraben wurden. Die Daten zeigen, dass die Frau eine Einheimische war und die jüngsten Vorfahren des Mannes aus Mitteleuropa stammten. &#8218;Es wäre ein Fehler, zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass die iberischen Männer getötet oder gewaltsam vertrieben wurden&#8220;, so Dr. Olalde gegenüber der ‚BBC‘. ‚Die archäologischen Befunde liefern keine eindeutigen Hinweise auf einen Gewaltausbruch in dieser Zeit.‘</em>&#8222;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">17</sup>
Nein, es ist kein „Fehler“, es ist sogar notwendig. Aus der Forensik ist hinlänglich bekannt, dass einem Leichnam nicht unbedingt die Gewalt anzusehen ist, die zum Tod geführt hat. Wirft man einen Leichnam sogar den Tieren zum Fraß vor, bleibt oft noch weniger übrig als z.B. bei einer Kremation. Wären die Männer als Sklaven in die Steppe verschleppt worden, wäre ebenfalls nichts von ihnen zurückgeblieben. Es dürften sich dennoch in der Zukunft klare Beweise zeigen, dass ihnen tötliche Gewalt angetan wurde, wo und wie auch immer. Iñigo Olalde von der Harvard Medical School, Hauptautor der Studie, blendet das vollständig aus: &#8222;<em>Dies ist einer der stärksten Beweise für die sexuelle Selektion in der Vorgeschichte auf dem Gebiet der Erforschung alter DNA</em>.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">18</sup> Die Gewalt gegen die Frauen, die sich den Eroberern verweigerten, interessiert den Autor gar nicht. Er will glauben machen, dass die Jamnaja in friedlicher Absicht nach Spanien kamen. Warum waren sie dann bis an die Zähne bewaffnet und warum starben nur die Männer? Mit seinem evolutionistischen Argument bedient er sich der Instrumentalisierung der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">Female Choice</a>, der wahren Sexuellen Selektion. Das hat nicht nur das Potential, noch die Mörder in ein gutes Licht tauchen und die Frauen in ein schlechtes, sondern ist vor dem Hintergrund des Patriarchats, das eine „Male Choice“ gewaltsam herstellt, vollständig abzulehnen. Denn mit seiner Ideologie der Patrilinearität, welche die Female Choice unterdrücken muss und dafür gewaltsam Patrilokalität herstellt, praktiziert das von Viehzüchter-Mentalität geprägte Patriarchat gleichsam Menschenzucht, die die natürliche Evolution auszuschalten sucht. Unabhängig davon ist mehr als unwahrscheinlich, dass indigene Männer, die sich nicht mehr fortpflanzen durften, schadlos davonkamen. Der „indigene INCEL“ ist im Übrigen ein moderner Mythos, der herangezogen wird, um die Gefahr für Frauen, die von heutigen, real existierenden INCELs ausgeht, mit Pornographie und Prostitution, also wieder auf Kosten der Frauen, einzudämmen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">19</sup>
<h2 id="der-backlash-unserer-zeit">Der Backlash unserer Zeit</h2>
<p>Die Zukunfts- und Friedensforschung kann aus der Archäologie und der Archäogenetik jene Muster ableiten, die sich im Großen wie im Kleinen ständig wiederholen, schließlich ist wie erwähnt das Private das Politische. Demnach ist es nicht nur ein vages Gefühl &#8222;spätrömischer Dekadenz&#8220; oder eine Untergangsstimmung, was gerade viele beschleicht, sondern durchaus auch eine Art kollektiver Weisheit, die aus der Erfahrung der Jahrtausende schöpft, die älter ist als die Geschichte von der troianischen Seherin Kassandra oder der apokalypischen Reiter der Offenbarung des Johannes. Die &#8222;letzte Generation&#8220; dürfte aber noch lange nicht geboren sein.<br />
Jeder Backlash sollte als Zusammenbruch eines andro-kulturellen Fortschritts, ja einer Kultur im besten Sinne gesehen werden, er ist der Krieg gegen die Frauen, eine Unkultur. Ein Beispiel ist die Familienpolitik der letzten 50 Jahre in der Bundesrepublik, insbesondere die Behandlung geschiedener Frauen und Mütter.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">20</sup> Damit bedroht er auch unmittelbar die Gesellschaft, Männer selbst, Kinder wie Frauen. Frauen können sich auf ihren Errungenschaften nicht ausruhen, sondern müssen aufmerksam die Entwicklung beobachten, aufklären und weiterkämpfen, damit es nicht einen Schritt vorwärts und zwei zurück geht. Nichts bleibt selbstverständlich oder ist erledigt. Der aktuelle frauenfeindliche und antifeministische Backlash, der nach Riane Eisler einen baldigen Krieg als realistisch erscheinen lässt, wird gezielt von der Vaterrechtsbewegung, islamistischen und klerikalen Verbänden, NGOs und Medien, ja sogar aus dem Ausland lanciert, beworben und finanziert, während die demokratischen Parteien unter dem Druck dieser Lobbyisten Gesetze erlassen, die Frauen in prekäre Verhältnisse zwingen oder verhindern, dass sie sich befreien können. Verstärkt wird der Backlash noch, weil diese empörende Politik Teile der Bevölkerung dazu bringt, totalitäre Parteien zu unterstützen, die Abhilfe versprechen, ohne diese Versprechen halten zu wollen.<br />
Mittel und Zweck zugleich des Patriarchats ist die Ausbeutung der Frauenkörper zur Menschenproduktion, daher haben totalitäre Parteien eine rigide Familienpolitik, die Restauration der Ehe und Homophobie im Programm. In einem Backlash bilden sich in den demokratischen Parteien zunehmend totalitäre Tendenzen heraus, womit sich der Effekt selbst verstärkt, ein Beispiel ist die Trans-Propaganda für das Selbstbestimmungsgesetz und seine reale Umsetzung, die nicht nur offen gebärneidisch, stillneidisch und frauenfeindlich, sondern auch homophob ist. Nicht umsonst wird Homosexuellen im Iran „nahegelegt“, sich einer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Transsexualit%C3%A4t_im_Iran" target="_blank" rel="noopener">Trans-OP</a> zu unterziehen.<br />
Zu einem Backlash gehört die Verrohung der Männer, denen Frauen- und Homorechte herzlich egal sind. Sie werden bei Gelegenheit nicht nur Belästigungen, Sexismus und Massenvergewaltigungen inszenieren, oder Femizide begehen, sondern auch die eigene Frau schlagen und vergewaltigen, damit sie nicht aufbegehrt. Die Heiratsindustrie und Romantikwelle des angehenden 3. Jahrtausends bildet die wieder zunehmende Ausbeutung der Frauenkörper in rosigen Bildern ab. Viele Stimmen fordern die Förderung der Prostitution, auch um INCELs zu befrieden, der Euphemismus der sog. Sexarbeiterin soll den Beruf normalisieren. Der Transhumanismus der libertären Bewegung fordert die Legalisierung der Leihmutterschaft und Eizellspende und <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter" target="_blank" rel="noopener">die sog. künstliche Gebärmutter</a>, womit Mütter überflüssig gemacht werden sollen.<br />
Eins ist gewiss, jedem Backlash folgt ein Zusammenbruch, dann eine Schockstarre, ein „das konnten wir doch nicht ahnen“, dann wieder ein Aufbegehren und ein Zurückgewinn an Lebensqualität, die überwiegend durch die Arbeit der Frauen und Mütter hergestellt wird. Es sind immer nur Frauen, die entsprechende Forderungen stellen, und es muss Männer geben, die das zulassen. Das Patriarchat bewegt sich in Sinuskurven. Gerade sind wir wieder ziemlich weit unten. Es ist die Frage, ob wir noch rechtzeitig die Kurve kriegen.</p>
<p>Gabriele Uhlmann im Juli 2024</p>
<p><strong>Update 10.09.2024:</strong><br />
Eine <a href="https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/138-pest-hund" target="_blank" rel="noopener">neue Studie</a> bestätigt wieder, dass die Theorie, dass die Pest ganze Landstriche entvölkerte, nicht haltbar ist.</p>
<h2 id="literatur">LITERATUR</h2>
<ul id="liste2">
<li>AiD 1/2014: &#8222;Archäologie in Deutschland&#8220;, Heft 1/2024</li>
<li>Baudelaire, Claire: Die schrittweise Abschaffung der Freiheit. Online-Ressource des Mia e. V. vom 06.05.2018 auf <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener">https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/</a> abgerufen am 06.07.2024</li>
<li>Eisler, Riane: Kelch und Schwert, Kelch &amp; Schwert &#8211; Unsere Geschichte, unsere Zukunft. Weibliches und männliches Prinzip in der Geschichte. Freiburg 1985, 2005</li>
<li>EK 2019: &#8222;Wissenschaft im Trend: Wie Massenmigration Spaniens DNA transformierte.&#8220; Online-Ressource der Europäischen Kommission vom 21.03.2019 abgerufen am 01.07.2024 auf <a href="https://cordis.europa.eu/article/id/124947-trending-science-how-mass-migration-transformed-spains-dna/de" target="_blank" rel="noopener">https://cordis.europa.eu/article/id/124947-trending-science-how-mass-migration-transformed-spains-dna/de</a></li>
<li>Gronenborn, Detlef: Klimainduzierte Umweltkrisen und ihre soziopolitischen Auswirkungen auf prähistorische Gesellschaften In: Daim, F.; Gronenborn, D.; Schreg, R. (hrsg.), Strategien zum Überleben. Umweltkrisen und ihre Bewältigung. RGZM Tagungen 11., 2011, S. 111-127. Online-Ressource auf <a href="https://www.researchgate.net/publication/230704707_Klimainduzierte_Umweltkrisen_und_ihre_soziopolitischen_Auswirkungen_auf_prahistorische_Gesellschaften" target="_blank" rel="noopener">https://www.researchgate.net/publication/230704707_Klimainduzierte_Umweltkrisen_und_ihre_soziopolitischen_Auswirkungen_auf_prahistorische_Gesellschaften</a></li>
<li>Kondor <em>et al.</em>: Explaining population booms and busts in Mid Holocene Europe. Online-Ressource auf https://www.nature.com/articles/s41598-023-35920-z vom 03.06.2023 abgerufen am 01.07.2024</li>
<li>Krause-Kyora, Ben: Jungsteinzeitliches Pestbakterium verursachte kein Massensterben. Online-Ressource auf <a href="https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/138-pest-hund" target="_blank" rel="noopener">https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/138-pest-hund</a> vom 06.09.2024 abgerufen am 10.09.2024</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Explosion und Expansion. Vortrag gehalten am 17.05.2019 an der Philipps-Universität Marburg im Rahmen der Studientage „Nachhaltigkeit und Gesellschaftsformen aus kritisch geographischer Sicht“ im Fachbereich 19 Geographie. Online-Ressource auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Antwort auf Meike Stoverocks &#8222;Female Choice&#8220;. Online-Ressource vom 08.04.2021 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice</a></li>
<li>Vieweg, Martin: Die Pest war ein klimagetriebener Importschlager. Online-Ressource vom 13.02.2015 auf <a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/die-pest-war-ein-klimagetriebener-importschlager/" target="_blank" rel="noopener">https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/die-pest-war-ein-klimagetriebener-importschlager/</a> abgerufen am 01.07.2023</li>
<li>ZDF 2019: Die Geschichte von Mensch und Pferd &#8211; Equus. Doku im Rahmen der ZDF-Sendereihe TerraX &#8211; taglicht media Film-&amp;Fernsehproduktion GmbH von 2019. Online-Ressource auf <a href="https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/equus-die-geschichte-von-mensch-und-pferd-100.html?at_specific=TerraX" target="_blank" rel="noopener">https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/equus-die-geschichte-von-mensch-und-pferd-100.html?at_specific=TerraX</a> abgerufen am 09.07.2024</li>
</ul>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Begriff „Andro-Kultur“ von Stephanie Gogolin beschreibt die männlich inszenierte und dominierte Kultur des Patriarchats. Sie beinhaltet Gewalt und Experimente, die massiv in die Natur eingreifen.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Eisler 2005, S. 230 ff</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Bibel, NT, Offenbarung des Johannes, 6. Kapitel</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2019</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Gronenborn 2011</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2019</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Kondor <em>et al.</em>: 2023</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;AiD Heft 1/2024, S. 76</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. ebd., S. 77</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eske Willerslev in ZDF 2019 ab Min. 40:45.</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. ebd. Min 37:15.</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Interview Johannes Krause ebd. ab Min. 38:08</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Vieweg 2015</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ebd.</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Kondor <em>et al.</em>, S. 6</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Kondor <em>et al.</em>, S. 7</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. EK 2019</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ebd.</div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2021</div><div>20&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Baudelaire 2018</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/apokalyptische-reiter-warum-gehen-kulturen-immer-wieder-unter-und-was-bedeutet-das-fuer-die-gesellschaft">Apokalyptische Reiter reloaded – Warum Kulturen immer wieder untergehen und was das für die Gesellschaft bedeutet</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Gibt oder gab es matriarchale Gesellschaften? Eine notwendige Stellungnahme von Stephanie Gogolin und Gabriele Uhlmann</title>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Aug 2022 15:30:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Begriffe und Definitionen]]></category>
		<category><![CDATA[Bronzezeit]]></category>
		<category><![CDATA[Matrifokalität]]></category>
		<category><![CDATA[Matrilinearität]]></category>
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		<category><![CDATA[Goethe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>“Matriarchale Gesellschaften“ ist ein Begriff, der uns oft begegnet, wenn eigentlich von Matrifokalität, unserem angeborenen Sozialverhalten, gesprochen wird oder von indigenen Ethnien, deren kulturelles Alltagsgeschehen noch im matrifokalem Kontext stattfindet....</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann">Gibt oder gab es matriarchale Gesellschaften? Eine notwendige Stellungnahme von Stephanie Gogolin und Gabriele Uhlmann</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg01.met.vgwort.de/na/f7721289c1d343a0b68d3198a6187ec5" alt="" width="1" height="1"><strong>“Matriarchale Gesellschaften“ ist ein Begriff, der uns oft begegnet, wenn eigentlich von Matrifokalität, unserem angeborenen Sozialverhalten, gesprochen wird oder von indigenen Ethnien, deren kulturelles Alltagsgeschehen noch im matrifokalem Kontext stattfindet. Von „matriarchalen Gesellschaften“ wird aber auch gern gesprochen, wenn die oberste Gottheit eine Göttin war oder ist und die Frauen „selbstbewusst“ und „emanzipiert“ gewesen sein sollen. „Matriarchale Gesellschaften“ seien egalitär und friedlich und manchmal stünde eine Königin oder sogar ein König an ihrer Spitze, die ihre Untertanen weise regierten.</strong></p>
<p>Die führende Mariarchatsforscherin Heide Göttner-Abendroth setzt der Definition von Matriarchat als „Herrschaft der Mütter“ eine eigene dagegen:</p>
<blockquote><p>&#8222;<em>Die begriffliche Verwirrung geht auf die scheinbare Parallele der Begriffe ‚Patriarchat’ und ‚Matriarchat’ zurück. Doch der Schein trügt! In sprachlicher Hinsicht muss man keineswegs der üblichen, vorurteilshaften Übersetzung des Begriffs als ‚Herrschaft der Mütter’ folgen. Das griechische Wort ‚arché’ hat nämlich eine doppelte Bedeutung und heißt sowohl ‚Anfang’ als auch ‚Herrschaft’. Der Begriff ‚Matriarchat’ bedeutet daher korrekt übersetzt ‚am Anfang die Mütter’, und das trifft die Sache. Im Falle der patriarchalen Gesellschaftsform ist hingegen die Übersetzung mit ‚Herrschaft der Väter/Männer’ zutreffend.</em>“<!--<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup></blockquote>
<p>Auf diese Weise erfährt man jedoch nicht, dass es der niederländische Rechtsethnologe George Alexander Wilken war, der die Bezeichnung <em>Matriarchat</em> 1884 einführte. In seinem Buch <em>Das Matriarchat (Das Mutterrecht) bei den alten Arabern</em> schrieb er:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Frage nach einem ursprünglichen Matriarchat (Mutterrecht) hat in letzter Zeit die Aufmerksamkeit Vieler auf sich gelenkt. Man weiß, was darunter verstanden werden muss. Das Matriarchat ist die Verwandtschaft durch die Mutter, wie das Patriarchat (Vaterrecht) die durch den Vater ist; bei jenem wird die Abstammung ausschließlich in der weiblichen, bei diesem in der männlichen Linie verfolgt. Von diesen beiden ist die mütterliche Verwandtschaft die am meisten ursprüngliche. Man könnte behaupten, dass sie einer der Phasen ist, welche das Familienleben überall in seiner Entwicklung durchlaufen hat.&#8220;<!--<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup></blockquote>
<p>Wilken sagte damit, dass ein Matriarchat ein umgedrehtes Patriarchat sei, dies, weil er nicht verstanden hatte, dass <em>Patrilinearität</em> (&#8222;männliche Linie&#8220;) nicht einfach der natürliche Gegenpart zur <em>Matrilinearität</em> (&#8222;weibliche Linie&#8220;) ist. Denn Matrilinearität ist die unmittelbare Folge der angeborenen <em>Matrilokalität</em> (Kinder bleiben bei der Mutter) unserer Spezies. Männer stellten eine kulturelle Ideologie von Patrilinearität dagegen. Und nur wenn sie zusätzlich <em>Patrilokalität</em> (Kinder müssen beim Vater wohnen) erzwingen, wird aus der Idee auch eine stabile Realität. Zwar bezieht Wilken sich in der Tat auf den Ursprung, aber er setzt den Begriff mit Bachofens „Mutterrecht“ gleich und schafft damit die Grundlage für die Begriffsverwirrung und angeblich „scheinbare Parallele“. Denn schon bei Bachofen haben wir die Verknüpfung von Recht und Herrschaft.<br />
Der Patriarchatsforscher Gerhard Bott schrieb dazu in der Antwort auf einen Leserinnenbrief, nach dem Bachofen deutlich gemacht habe, dass aus &#8222;dem gebärenden Muttertum&#8220; eben nicht &#8222;Weiberherrschaft&#8220; aufsteige, sondern &#8222;die allgemeine Brüderlichkeit aller Menschen, deren Bewusstsein und Anerkennung mit der Ausbildung der Paternität untergehe&#8220;, (sie zitiert Bachofen, 1954, S. 89) das Folgende:</p>
<blockquote><p>&#8222;<em>Das &#8218;</em><strong>Mutterrecht</strong><em>’ ist für Bachofen <strong>immer</strong> grausam und negativ. (&#8230;) Aus Bachofens ‚</em><strong>Mutterrecht</strong><em>&#8218; geht (&#8230;) eindeutig hervor, dass er immer dann, wenn er vom </em><strong>MutterTUM</strong><em> spricht, nicht etwa die fürchterliche Zeit des </em><strong>MutterRECHTS</strong> <em>meint, sondern die ‚<strong>befriedete Zeit</strong></em>’<em>, <strong>nach der ‚</strong></em><strong>Versöhnung</strong><em><strong>’</strong> der Frauen mit dem Primat der Männer. Er bezieht sich damit auf jene &#8218;gute&#8216; Zeit, <strong>die nach dem Ende des </strong></em><strong>Mutterrechts</strong><em><strong>, der </strong></em><strong>Gynaikokratie</strong><em><strong> oder ‚</strong></em><strong>Weiberherrschaft</strong><em><strong>&#8218;</strong>, ihren Anfang nahm, und zwar durch die ‚Versöhnung’ der Frau mit dem Mann. Erst in der vaterrechtlichen monogamen Ehe, in der sich die Frau dem Mann ‚</em><strong>lustvoll</strong><em>’. unterordnet, wurde das ‚</em><strong>Durchdringen</strong><em>’ der Frau zum ‚</em><strong>Muttertum</strong><em>’ möglich. Das &#8218;</em><strong>Mutterrecht</strong><em>’, hingegen stellt Bachofen durchgehend als negativen ZERR-Spiegel des ‚</em>Vaterrechts<em>&#8218;, des Patriarchats, dar.</em>&#8222;<!--<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup></blockquote>
<p>Schon Bachofens Begriff der <em><strong>Brüder</strong>lichkeit</em> hätte aufmerken lassen müssen, dass da etwas grundsätzlich nicht stimmig ist. <span id="more-5239"></span>Der Begriff „<strong>Recht</strong>“ selbst zeigt auf eine nicht egalitäre Absprache. Denn Recht, auch das sogenannte Mutterrecht, setzt bereits so was wie eine Gesetzeslage (wiederholbare Abmachung oder angeordnetes Gebot) voraus, die verbindlich für bestimmte Interessengruppen und exponierte Personen festgelegt und für diese einzufordern sind. <strong>Im Naturkontext gibt es keine Rechte</strong>, sondern nur natürliche Effekte, die in evolutionären Abläufen wirksam sind. Beispiel: Das Muttertier zieht ihr Junges auf und wird dabei von einer sie umgebenden Gruppe unterstützt (aus einem angeborenen, epigenetisch hinterlegten, Reflex heraus) oder es ist in der Lage, ihren Nachwuchs selbst zu verteidigen und optimal zu beschützen (siehe einige Raubtiere, hier die größeren Katzenarten). Ein Muttertier kann sich beispielsweise auf kein Recht berufen, ihr Junges störungsfrei aufzuziehen &#8211; es muss selbst dafür sorgen bzw. wird bei bestimmten Spezies vor allem der Säugetiere von einer Nähegemeinschaft unterstützt. Die Mensch lebte lange genug innerhalb eines Naturgeschehens, um eine bio-soziale Alltagsethik zu entwickeln, die eine egalitäre Gemeinschaft hervorbrachte und als erfolgreiche Überlebensstrategie epigenetisch verankerte &#8211; auf <strong>geschwisterlich</strong>er Basis, sowie <strong>mütterzentriert</strong> und vor allem <strong>generationsübergreifend</strong>.</p>
<p>Der Begriff <strong><em>Mutterrecht </em></strong>ist also der patriarchösen Vorstellungswelt der letzten Jahrhunderte entsprungen und ist in seiner Variante <em>Matriarchat</em> eine ähnlich missverständliche Wortschöpfung.</p>
<p>Ein <em>Recht</em> ist nicht nur als allgemeines Bekanntsein determiniert, sondern gilt auch nicht für jeden. Ein Recht zieht als Einrichtung eine Art Exekutive nach sich, die eingeführtes Recht und Gesetz beaufsichtigt, dessen Einhaltung kontrolliert und gegebenenfalls Sanktionen durchführt.</p>
<p><em>Matriarchat</em> (als angenommene Gesellschaftsform) sowie<em> Mutterrecht</em> (als eine Art konstituierte Überlieferung) setzt als inhaltlicher Begriff die organisierte Form einer (An)Leitung zur Steuerung des <strong>kollektiven Verhaltens </strong>voraus &#8211; sowie eine Art übergeordnetes Schema, was wiederum einen stringenten komplexen Kommunikationsfluss erforderlich macht, wie wir ihn nicht aus der Natur, sondern nur von Herrschaftsstrukturen her kennen. Eine (Groß)Gesellschaft, die auf dem Primat der Männer basiert, hat nichts mehr mit dem <strong>Naturgeschehen einer auf die Mutter bezogenen Gemeinschaftsform</strong> zu tun, die evo-biotisch, also damit menschenartgerecht agiert und sich als beginnende Kulturgemeinschaft an überliefertem Brauchtum orientiert, das keinerlei Recht oder Gesetz unterworfen ist.</p>
<p><strong><em>Ein Recht zu haben,</em></strong> setzt eine Kontrolle der Einhaltung voraus und eine Art Gremium, das die Einhaltungen der Rechte überwacht. Sobald der Begriff <em>Recht </em>ins Spiel kommt, schwingt Instruktion und Herrschaft mit. Nur das willkürliche Herrschaftsverhalten fordert eine Steuerung durch festgelegte Rechte und willkürliche gesetzlich festgelegte Privilegien heraus.</p>
<p>Eine egalitär lebende, auf gegenseitiger Fürsorge beruhende (Mütter)Gemeinschaft bedarf keiner festgelegten (auf Gebote und Gesetzes gestützte) Rechte, hier werden Unstimmigkeiten oder Ungerechtigkeiten ausgeräumt, indem Absprachen im Konsens das Zusammenleben im Sinne einer lebenswerten Gemeinsamkeit ausbalanciert werden.</p>
<h4>Die Göttin-Heros-Theorie, eine nicht beweisbare Hypothese</h4>
<p>Göttner-Abendroth greift das Mutterrecht des Erzpatriarchen Bachofen auf und verschärft noch das Problem mit ihrer Göttin-Heros-Theorie: Sie zeichnet damit das Vollbild einer patriarchalen Gesellschaft, aber mit weiblichem Vorzeichen, nach der das <strong>bronzezeitliche</strong> sumerische Ritual der <em>Heiligen Hochzeit</em> das zentrale matriarchale Fest sei. Aus der Warte der Evolutionstheorie stellt es jedoch eine Missachtung der <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener"><em>female choice</em></a> dar, womit es sich um die Vergewaltigung der Priesterin handelt, und auch kulturwissenschaftlich muss es als Initialisierung der königlichen und damit väterlichen Macht gewertet werden. Göttner-Abendroth aber deutet das Wilkensche Matriarchat positiv. Die Unterscheidung sei, dass die Königin/der König nicht grausam sei, sondern eine mütterlich-weise Leitung innehabe. Damit füttert sie unbeabsichtigt aber in fataler Weise den Mythos vom Matriarchat als Frauenherrschaft.</p>
<p>Es sprechen aber alle Indizien dafür, dass die Bronzezeit mit ihrer voll ausgebildeten Kriegstechnik die erste Epoche mit einem flächendeckenden Patriarchat gewesen ist, mit nicht egalitären Hierarchien, ersten Kriegen (beginnend in der Späten Jungsteinzeit), Sklavenhalterei, fundamentaler Frauenunterdrückung und Besitztum des Kindes. All das wurde in den beginnenden kapitalistischen Wirtschaftsstrukturen etabliert. Mit der Schrift, die die Sumerer als angeblich erste <em>Hochkultur</em> ausweist, überlieferten sie ihre in Stein gehauene Königsliste und damit ein rein patrilineares, also auch nach Wilkens, patriarchales Weltbild. Wirkliche Patrilinearität geht immer mit dem völligen Verlust an Selbstbestimmung für die Frau und Mutter einher, und ist damit der Hauptmarker der Patriarchose.</p>
<p><a title="HJunghans [CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sumerische_K%C3%B6nigsliste.JPG"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/52/Sumerische_K%C3%B6nigsliste.JPG/256px-Sumerische_K%C3%B6nigsliste.JPG" alt="Sumerische Königsliste" width="256"></a><br />
<span style="font-size:10px;">Sumerische Königsliste, Larsa/Tell Senkerech (Irak), 1740 v. Chr., Ton, Museum Oxford.<br />
Siehe auch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sumerische_K%C3%B6nigsliste" target="_blank" rel="noopener">Sumerische Königsliste bei Wikipedia</a></span>.</p>
<p>Allerdings besteht Heide Göttner-Abendroths großes Verdienst darin, das Volk der Mosuo in Europa bekannt gemacht und damit Beweismaterial geliefert zu haben, dass es Männern nicht schlechter geht, wenn sie keine Macht besitzen. Die Mosuo leben matrilokal und matrilinear, und die Vaterschaft bedeutet ihnen nichts. Kapitalismus ist ihnen unbekannt, denn sie leben subsistent in einer von der Natur begünstigten Umwelt.<br />
Die Mosuo begehen keine Heilige Hochzeit und es gibt keine Königin. Wichtige Entscheidungen, die oft auch erst das patriarchale Umland aufnötigt, werden im Konsens getroffen. Erst auf Befehl der chinesischen Regierung erhielten Männer das Amt des Bürgermeisters. Von den Modernen Matriarchatsforscherinnen werden die Mosuo als „Matriarchale Gesellschaft“ bezeichnet.</p>
<h4><strong>Aber ist es sinnvoll ein solches Zusammenleben eine Gesellschaft zu nennen?</strong> <strong>Und was überhaupt ist eine Gesellschaft?</strong></h4>
<p>Befragen wir das Internet, so zeichnet sich ein sehr facettenreiches Meinungsbild, je nachdem, welche Disziplin zu Rate gezogen wird, ob Soziologie, Ethnologie, Staats- oder Wirtschaftsrecht.</p>
<p>Gerhard Bott zog es daher vor, ausgehend von der Begriffsgeschichte, die auf das Zunftrecht der Handwerker mit ihren Lehrlingen, Gesellen, Jungmeistern und Altmeistern zurückgeht, Gesellschaft als eine hierarchische, männerbündische Organisation anzusehen, die er, wie schon der Philosoph Friedrich Schleiermacher, klar von <em>Gemeinschaft</em> abgrenzte<!--<a href="#_ftn4" name="_ftnref4">[4]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>.</p>
<p><strong>Eine Gesellschaft hat eine hierarchische Struktur. Sie wird durch Gewalt(en) und Verwaltung zusammengehalten. Wir finden hier keine zwingende, die Gesellschaft kennzeichnende Verwandtschaft innerhalb der Bevölkerung. </strong></p>
<p>Gesellschaft ist ein<strong> pluralistisches </strong>(politisches, wirtschaftliches sowie Personen bezogenes alltägliches)<strong> Geschehen</strong> in einem begrenzten Territorium bzw. einem ideellen Hoheitsgebiet.<br />
Die ersten, durch Eroberung entstandenen Staatsgebilde (Herrschaftsbereiche) sind die Basis dessen, was wir heute unter <strong><em>Gesellschaft </em></strong>verstehen. Zuvor gab es eine gewachsene indigene Grundbevölkerung, die in der Regel noch keine übergeordnete politische Struktur besaß und sich wie das evolutionäre Lebenssystem selbstorganisierend darstellte, indem notwendige Anpassungen um des Überlebens willen umgesetzt wurden.</p>
<p>Die Archäologin Marija Gimbutas hat mit ihrer inzwischen von der Genetik bestätigten Kurgan-These nachgewiesen, dass die jungsteinzeitlichen, noch matrifokalen Kulturen von Kriegern aus der Steppe Südrusslands unterworfen wurden. Die seitdem Herrschenden sind dabei immer die Abkömmlinge oder Günstlinge der einstmaligen Eroberer aller in der Gesellschaft versammelten <em>Volksgruppen</em> und <em>Kulturen</em>. Sie legte Wert darauf, die vorpatriarchalen Kulturen nicht als Gesellschaft, sondern als Zivilisationen zu benennen. Sie schrieb dazu in ihrem Buch über die Jungsteinzeit im Alten Europa &#8222;Die Zivilisation der Göttin&#8220;:</p>
<blockquote><p>&#8222;<em>Ich lehne die Ansicht ab, dass der Begriff Zivilisation nur auf androkratische Kriegergesellschaften angewendet werden dürfe. Die generative Basis jeder Zivilisation liegt in ihrem jeweiligen Maß an künstlerischem Schaffen, ästhetischen Errungenschaften, immateriellen Werten und Freiheit, die das Leben sinnvoll und lebenswert machen, sowie in einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Die Jungsteinzeit in Europa war keine Zeit &#8218;vor der Zivilisation&#8216; (Before civilization &#8211; so der Titel eines 1973 erschienenen Buches von Colin Renfrew über Europa zur Jungsteinzeit und Kupferzeit); sie war vielmehr wirklich eine Zivilisation im besten Sinne des Wortes. </em>(&#8230;)<em>.</em>&#8222;<!--<a href="#_ftn5" name="_ftnref5">[5]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup></blockquote>
<p>Im Grunde nimmt also Gimbutas auch hier eine Neudefinition vor, allerdings ohne Verwirrung zu stiften, denn sie kann sich auf die seit Kant und Goethe landläufig positive Konnotation des Adjektivs „zivilisiert“ im Gegensatz zu „unmoralisch“ berufen. Zudem findet sich ungeachtet der historischen Entwicklung in der Sprache eine Abgrenzung der <em>Zivilgesellschaft</em>, also des <em>Bürgertums</em>, vom Militär.<br />
Das Problem ist ein grundsätzliches. Unsere Wirtschafts-, Umgangs- sowie literarische Sprache ist patriarchal. Sie geht auf die Eroberer aus der Steppe, die Viehzüchternomaden waren, zurück. Daher ist sie von Metaphern aus der Viehzucht durchdrungen, insbesondere, wenn es um die Beziehung der Menschen zueinander geht, wie z.B. bei <em>Erziehung, Beziehung</em> und <em>Unzucht</em> oder im Begriff von <em>Zucht und Ordnung</em>. Nachdem sich Ursprachen quasi organisch entwickelt hatten, wurde mit der Patriarchalisierung Sprache von oben vorgeschrieben und damit über große Flächen vereinheitlicht als das, was wir heute „Indoeuropäische Sprachfamilie“ nennen. Sie zeigt sich in Form von einzuhaltenden Sprachformeln (wie Herrscheranreden) und auch das generische Maskulinum stammt aus dieser Zeit. In dem Herrschaftsgebiet, in dem es anfangs nur mündliche Überlieferung gab, war Kontrolle nur mit einer gut organisierten Verwaltung und möglichst einheitlichen Sprache möglich. Die patriarchalisierte Sprache trug dazu bei, unser angeborenes Sozialverhalten, die Matrifokalität, in Vergessenheit zu bringen.</p>
<p>Der veraltete Begriff des <em>Oheims</em>, des Bruders der Mutter, gehört wie auch die <em>Geschwister</em> zu den letzten Resten matrifokalen Verständnisses von verwandtschaftlichem Zusammenleben. Das Wort kennt kaum noch jemand. Allgegenwärtig ist dagegen das Wort <em>Onkel</em>, mit dem sich der <em>Oheim</em> sprachlich durch nichts mehr vom Vaterbruder unterscheidet. Die noch weniger bekannte <em>Muhme</em> als die Bezeichnung der Mutterschwester, ist aus dem Sprachgebrauch fast vollständig verschwunden. Die <em>Muhme</em> besaß vielfach eine besondere Bedeutung. Sie galt da, wo es keine Großmutter im Wohnumfeld (mehr) gab, als Beimutter und manche Frau schätzte sich glücklich, wenn ihre (unverheiratete und Kinderlose) Schwester mit in ihrem Haushalt lebte. Die Patrilokalität war/ist für jede Frau eine strapaziöse Lebensvariante. Die Muhme wurde gern als Patin für ein Kind (wohl vor allem für eine Tochter) genommen und die Pate oder Gode oder die immer noch im hessischen Raum übliche Götti, erhielt so gemeinsam mit der Mutter ein matrifokales Feeling, dessen sie sich meist nicht bewusst waren/sind. Sie folgten damit nur ihrem menschen-mütterlichen Instinkt.</p>
<p>Für das verwandtschaftliche Zusammenleben gibt es heute die Begriffe <em>Familie</em>, <em>Blutsverwandtschaft, Geschlecht, Verwandtschaft, Sippe,</em> <em>Clan, Stamm, und Angehörige</em>.</p>
<p><strong>Familie </strong>definiert sich im ursprünglichen (römischen) Sinn lediglich als Hausgemeinschaft und somit als der Herrschaftsbereich eines (privilegierten) Mannes – Familie ist <strong>keine</strong> konsanguine Zugehörigkeit für alle beteiligten Personen.<br />
Derzeit finden wir unter dem Begriff der Familie die verschiedensten Ableitungen. Im Sinne der Kleinfamilie wird eine alleinerziehende Mutter mit Kindern genauso als Familie bezeichnet, wie ein kinderloses Paar. Der Ausdruck Großfamilie bezieht sich heute eher auf die Anzahl (der Kinder), als auf einen generationsübergreifenden Status, bei dem die väterlichen Großeltern mit im Hause wohnen.</p>
<p><strong>Blutsverwandtschaft</strong> (oder durch Geburt verwandt, vornehm auch <strong>Geblüt</strong>) ist nur im matrilinearen Sinne schlüssig. Hier beziehen wir uns ausschließlich auf die direkte Herkunft innerhalb der weiblichen plazentaren Fortpflanzungslinie, daher bin ich auch als Frau mit meinem Bruder blutsverwandt, mit meinem Vater jedoch nicht (allerdings kann jedeR diesen Punkt sehen wie sie möchte).</p>
<p>Ein <strong>Geschlecht</strong> bezeichnet miteinander über die väterliche Linie Verwandte, die sich auf einen gemeinsamen adligen Stammvater zurückführen. Es entspricht einer Großfamilie, die hier jedoch aufgrund von Eroberungen und Heiratspolitik nicht auf ein geografisches Gebiet begrenzt ist. In neuerer Zeit kommt der Begriff auch im Bürgertum zur Anwendung, wenn der Stammvater in der Gesellschaft Bedeutung erlangt hat und seine Nachkommen sein Lebenswerk fortführen oder gewisse Bekanntheit erreicht haben.<strong><br />
</strong></p>
<p><strong>Verwandtschaft</strong> meint heute sowohl Blutsverwandte als auch durch Bereitschaftserklärung verbundene Zusammenlebende, also bei Heirat, Adoption, Pflegschaft, Beziehungsformen aller Art. Umgangssprachlich ist der Begriff der Verwandtschaft in heutiger Anwendung viel weitreichender, als im gesetzlichen oder juristischen Sinne.</p>
<p>Die <strong>Sippe</strong> wird heute soziologisch praktisch nur als patrilineares Verwandtschaftssystem verstanden, wenngleich der Begriff in der Bevölkerung eher auf die Mutterlinie bezogen ist, und zwar als <em>Sippschaft</em>, die jedoch eine negative Konnotation hat. Die Bedeutung als Mutterlinie geht auf das Althochdeutsche zurück, wo das Wort &#8222;kunni&#8220; für die Sippe steht. Dieses Wort geht wiederum auf die Ur-Silbe &#8222;kun&#8220; zurück, die &#8222;Vulva&#8220; oder &#8222;Frau&#8220; bedeutet, z.B. indoeuropäisch Lateinisch &#8222;cunnus&#8220; für die Vulva und im ureuropäischen Baskischen &#8222;gun&#8220; für Frau.<!--<a href="#_ftn6" name="_ftnref6">[6]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup>
<p>Der <strong>Clan</strong> ist ein (pseudo)patrilinearer Verbund von mehreren Patrilokalitäten (Familien), die einen begrenzten Lebensraum miteinander teilen und einem patriarchalen Kodex unterworfen sind. Es ist üblich, auch sogenannte matriarchale Gruppierungen als Clans zu bezeichnen, weil sie sich heute mit einen Kodex gegen die Patriarchalisierung zur Wehr setzen müssen. Dazu gehört der mütterliche Rat, sich nicht mit Männern des patriarchalen Umlandes zu verpartnern, um nicht von deren Ideologie unterminiert zu werden.</p>
<p>Der <strong>Stamm</strong> impliziert die Auffassung der sogenannten männlichen Abstammung, eine bis in unser letztes Jahrhundert nicht genetisch nachweisbare Patrilinearität, die sich auf einen mythischen Urvater, aber auch auf ein weibliches Tierwesen, und dessen Sohn zurückführt. Daher ist dieser Begriff in Bezug auf die Matrifokalität, unserem angeborenen Sozialverhalten, ebenfalls unbrauchbar.</p>
<p>Als <strong>Angehörige</strong> werden heute die entweder unmittelbar (durch Geburt) verwandten, aber auch angeheiratete oder anderweitig (mit und ohne Bereitschaftserklärung) einer Lebens- bzw. Wohngemeinschaft zugehörige Personen verstanden. (Ohne eigene Bereitschaft &#8211; z.B. ein junges Kind wird nicht wirklich gefragt, ob es der neuen Lebenspartnerschaft der Mutter beitreten will.)</p>
<p>Für das matrifokale Verwandtschaftssystem gibt es keinen solchen anerkannten, feststehenden Begriff, außer, dass es als „Kultur mit matrilokalen Residenzregeln“ und „Matrilinearität“ besprochen wird. Am ehesten passt der Begriff der Sippe, der jedoch rehabilitiert und attributiv spezifiziert werden muss. Die<strong> matrilokale und matrilineare Sippe</strong> können wir als eine generationsübergreifende, geschwisterliche und sich aufeinander beziehende Gemeinschaft aller in unmittelbarer Nähe lebenden Gruppierungen, verorten. Sippe deutet hier die direkte mütterliche Bindung an (laut Wahrig Wörterbuch: Gesamtheit der Blutsverwandten). Die konsanguinen<!--<a href="#_ftn7" name="_ftnref7">[7]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup> Angehörigen, die <strong>Sipplinge</strong>, sind über Mutterbindung miteinander verwandt und damit matrifokal.</p>
<p>Matrifokale Völker leben demnach in matrilokalen und matrilinearen Sippen. Nach dem zur Verfügung stehenden Vokabular leben solche über die Mutter nicht verwandten Sippen, die sich sexuell und materiell oder in Ideen austauschen, in <em>Gemeinschaft. </em>Für das außerpatriarchale Leben aller Menschen gibt es bislang keinen unpolitischen, <strong>eindeutigen</strong> Begriff. Stephanie Gogolins Wortschöpfung „<strong><em>das Matrifokal</em></strong>“ behebt diesen Mangel.</p>
<p><em>Das Matrifokal</em> ist ihre Bezeichnung für das naturgemäße Bindungssystem der Menschen (der menschlichen Mutter) in einem real vorhandenen, dynamischen Habitat<!--<a href="#_ftn8" name="_ftnref8">[8]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup>, welches von Beginn des Menschseins als <strong>existenzsichernde Schutzsphäre</strong> <strong>für</strong> Mütter <strong>und</strong> ihren Nachwuchs fungierte.</p>
<p>Matrifokale bestehen aus den konsanguinen Angehörigen (beiderlei Geschlechts), innerhalb der matrilinear und matrilokal sowie generationsübergreifend lebenden frühen Menschengruppen. Das bedeutet: durch Geburt verwandte Menschen interagierten in ihrem Alltag in einer überschaubaren, <strong>mutterbasierten</strong> und <strong>geschwisterbezogenen Fürsorge- also Nähegemeinschaft</strong>, in der <strong>jedes Individuum integriert und geborgen lebte</strong>. Das Matrifokal ist die naturgemäße, menschenartgerechte Fürsorgegemeinschaft.</p>
<p>Matrifokalität – ist unser ur-natürliches Dasein im evolutionär entstandenen Kontinuum des Menschseins und unser angeborenes Sozialverhalten<!--<a href="#_ftn9" name="_ftnref9">[9]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup>.</p>
<p><strong><em>Die Menschheit wurde in einem Matrifokal geboren</em></strong> – in einer unmittelbaren Nähe- und mütterlichen Fürsorgegruppe. Diese Form des Zusammenlebens der Spezies Mensch beruht auf biologisch angelegter Bindung, ist also die natürliche, durch Evolution entstandene menschliche Überlebensstrategie. Das Matrifokal ist die Basis des menschenartgerechten Kontinuums.</p>
<p>Die Mosuo leben demnach in Matrifokalen. Sie sollten nicht als Gesellschaft verallgemeinert werden. Auch die Kulturen der vorpatriarchalen Zeit waren keine Gesellschaft. Das laut oder deutlich zu sagen, erregt jedoch regelmäßig den Protest der Matriarchatsforscherinnen, die den Begriff <em>Gesellschaft</em> offenbar für ein Prädikat, einen Ehrentitel halten. Für Heide Göttner-Abendroth ist <em>Matriarchat</em> nach eigener Aussage ein <strong>Kampfbegriff</strong>, also ein politischer Begriff. Daher wird er auch und insbesondere der vorpatriarchalen Zeit, als die Matrifokale noch nicht um ihre Existenz gegen das Patriarchat kämpfen mussten, nicht gerecht.</p>
<p>Ein weiterer Denkfehler der „Matriarchatsfrauen“ besteht darin, zu glauben, dass eine Königin mit ihren Untertanen und Besitztümern Egalität auf dem Programm hätte. Da, wo Macht ist, ist auch Machtmissbrauch nicht weit. Da, wo es Herrschaft gibt, ent- und besteht inhumane Hierarchie. Rechte, die Gleichheit garantieren sollen, können jederzeit von einer herrschenden Persönlichkeit oder Gruppierung zurückgenommen werden. <strong><em>Egalität</em> darf daher nicht mit <em>Gleichberechtigung</em> verwechselt werden. </strong>Gemäß obiger Ausführungen kann Gleichberechtigung nur eine Rechtsform sein aber keine natürliche Eigenschaft.</p>
<h4><strong>Im Mainstream ist <em>Matriarchat</em> ein Schimpfwort</strong></h4>
<p>Wie bereits angedeutet, gelten im allgemeinen Verständnis „Matriarchale Gesellschaften“ als noch viel schlimmer als das Patriarchat, denn dort würden ja Männer unterdrückt. Frauen zu unterdrücken wäre nach dieser Logik völlig in Ordnung. Zu diesem Umkehrkehrschluss kommt mann aber nicht, leider auch nicht die Frauen. Die so unbedingt beschworenen „Matriarchalen Gesellschaften“ hat es nie gegeben. Daher kann auch niemand wissen, ob eine matriarchale Gesellschaft schlimmer wäre als eine patriarchale Gesellschaft. Ein Beispiel einer solchen Umkehrung der Verhältnisse ist der Umgang mit dem „Megxit“ (Austritt von Prinz Harry und Herzogin Meghan aus dem engl. Königshaus). Darüber schreibt die Journalistin Margarete Stokowski:</p>
<blockquote><p>„‚Die Zeit’ schreibt: ’Früher endeten die Märchen so, dass die Frauen den Prinzen heiraten durften, im modernen Märchen entführen sie ihn aus dem Palast, um fortan in Kanada zu leben.’ Eine Entführung also.“<!--<a href="#_ftn10" name="_ftnref10">[10]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup></blockquote>
<p>Das entspräche natürlich dem Mythos vom schrecklichen Matriarchat. Solange ein Mann „seine Frau“ „entführt“, solange ist das völlig in Ordnung. Der Euphemismus für diese Entführung ist die „<strong>Heimführung der Braut</strong>“. Dass ein Partner dem anderen folgt, wird natürlich nicht als Entführung gewertet, sondern als <em>normal</em> angesehen. Die Betroffenen (in der Regel die Frau) unterwerfen sich dabei (den Interessen des männlichen) Partners. In der Soziologie wird das <em>Patrilokalität</em> genannt, was als Begriff ebenso harmlos daher kommt, wie wir es schon bei Wilken beobachtet haben. Die Ehe ist in der Tat eine Entführung der Frau, denn unser angeborenes Sozialverhalten kennt keine Patrilokalität, sondern nur Matrilokalität, die wiederum keinen Vater kennt. Der Megxit zeigt: erst, wenn es einen Mann trifft, er also heimgeführt wird, erkennen die Leute, dass es sich um eine Entführung handelt.</p>
<p>Dem Mann mutet man das im sozialen Alltag<!--<a href="#_ftn11" name="_ftnref11">[11]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup> nicht zu. Es ist allein dem Sohne vorbehalten, lebenslang bei seiner Mutter wohnen zu bleiben, er darf die Mutter-Kind-Bindung solange leben, wie er will, die Tochter aber nicht. Die Mutter-Sohn-Dyade, bis heute verehrt in Maria mit dem Jesuskinde und ihren religionshistorischen Vorläufern, ist in gewisser Weise der letzte Rest gelebter Matrifokalität, aber unter dem Dach der Väterlichkeit. Im Gegensatz dazu muss die Tochter ihre natürlichen Bindungen lösen, insbesondere die zur <strong>Mutter. Von jedem Mädchen, jeder Frau wird erwartet, dass sie sich einem (nicht verwandten) Mann (oder einer anderen Person) auf Lebenszeit anschließt</strong>, als wäre sie kein fühlendes Wesen mit einem Begriff von „zuhause“, „Heimat“ oder „Familie“, oder wie wir das sonst auch immer nennen mögen, als sei sie eine Sache, die klaglos den Besitzer wechselt. Auch die moderne Grausamkeit eines verordneten sog. Wechselmodells gehört hier hin. Das Kind wird wie eine Sache eventuell jahrelang zwischen den getrennten Eltern hin und her gereicht.</p>
<p>Es ist für alle, Männer, Frauen und Kinder, in der Regel ein schwerer persönlicher Einschnitt, aus den vertrauten Bindungen gerissen zu werden. Das wird in unserem kulturellen Verständnis verdrängt. Mobilität gilt sogar als Ausdruck einer anzustrebenden Unabhängigkeit. Tatsächlich gerät die Mutter durch Mobilität in noch größere Abhängigkeit vom Kindsvater, da sie ihr seit Kindheit aufgebautes, vertrautes Netzwerk verliert.</p>
<p>Gesellschaftsleben ist eine nicht naturgemäße Form des menschlichen Zusammenlebens und je komplexer und damit unübersichtlicher eine Gesellschaft für das Individuum ist, desto ungeborgener muss es in ihr leben. Wir haben hier bereits den verstörenden Effekt, dass sich die Mensch per se in den bestehenden gesellschaftlichen Zusammenhängen verlassen fühlt.</p>
<h4>Das kollektive Stockholmsyndrom</h4>
<p>Die patriarchal performte Gesellschaft ist ein einziges Geiseldrama und damit ein Verbrechen, dessen Opfer wir alle sind. Was wiederum bedeutet, wir konnten in diesen Verhältnissen nur halbwegs überleben, indem wir ein kollektives Stockholmsyndrom entwickelten. Im westlichen Kulturkreis ist es üblich, in die vorhandene Patrilokalität hineingeboren zu werden. Da die sogenannte Patrilinearität ohnehin nur ein gewaltsam aufrecht gehaltenes Ideengebäude ist, sind nach wie vor Angstauslöser, Denkgebote und Tabus erforderlich, um das Stockholmsyndrom zu füttern. Nur über die geistige und gefühlsmäßige Hörigkeit gegenüber den Geiselnehmern, ist die anonyme Masse der Gesellschaft steuerbar.</p>
<p>Das kollektive Stockholmsyndrom, ohne das die Patriarchose nicht dauerhaft funktionieren würde, entstand unter den Bedingungen von Heimatlosigkeit, Kriegsschrecken, Gefangenschaft, Verschleppung, Sklaverei und als deren zivilisiert geltenden Form, der Ehe &#8211; die Zugehörigkeit zu <strong>einem</strong> Mann.</p>
<p>Die gewaltsam eingeführten patriarchalen Strukturen vereinzelten Menschen, die sich wiederum in Interessengruppen auf androzentrierter Basis zusammenschlossen oder in die Unterdrückung gezwungen wurden. Hier traf es vor allem und allen voran <strong>die Leben erhaltende Frau</strong> – <strong><em>die Mutter. </em></strong>Und eigentlich noch bevor sie Mütter wurden &#8211; die Töchter der „Anderen“ waren ab nun der Kern der Begierde, die Beute. Die von den ersten Geiselnehmern verschleppten Töchter sind die Mütter, die uns ihr überlebensnotwendig entwickeltes Stockholmsyndrom vererbten, auch indem sie es wie ein Brauchtum pflegten.<br />
Die Unterwerfung unter die Gewaltstrukturen des uns umgebenden gesellschaftlichen Aggregatzustandes ist Teil unserer weiblichen Identität geworden. Wir sind kulturell auf den Mann geprägt, da er als patriarchaler Herrschaftsvertreter seine Vorgaben als Gesetzmäßigkeiten festlegt, bestimmt, kontrolliert und durchsetzt.</p>
<p>Ein entscheidender Hinweis auf unsere exzellente Konditionierung wird in dem Beispiel sichtbar, dass kaum eine alleinerziehende Mutter, die es in unserer Gesellschaft zuhauf gibt, auf die Idee kommt, mit ihren Kindern zu ihrer Mutter zurückzukehren und vielleicht noch ihre Schwester mit ins Boot zu holen. Selbst wenn die Großmutter auch ohne Mann lebt, kommt es zu keinen wirklichen matrifokalen Allianzen. Das Dogma des angeblich „natürlichen Biotops“ <em>Gesellschaft </em>ist zu stark in uns verankert – durch permanente Gehirnwäsche und väterlichen Territorialanspruch, selbst wenn diese Väter als Person im Lebensraum von Müttern und Kindern gar nicht mehr vorkommen.</p>
<p>Die Gesellschaft in die wir hineingeboren wurden, die uns erzieht und züchtigt, ist der Nährboden für das Stockholmsyndrom, das uns nicht selbstbestimmt denken und handeln lässt. In einem <strong><em>Matrifokal</em></strong> gäbe es keine Bedrohungssituationen und beides wäre völlig unspektakulär möglich.</p>
<h4>FAZIT</h4>
<p>Es gab weder matriarchale noch matrifokale Gesellschaften. Gesellschaft ist ein Gebilde, bestehend aus teilweise anonym interagierenden Gruppierungen und bindungslos gemachten Einzelpersonen in einem ansonsten unverbindlichen System, das durch ideologische Vorgaben gesteuert wird. Es gab im naturgemäßen menschlichem Kontinuum keine zugewiesene Zugehörigkeit, wie wir sie heute verinnerlicht haben, sondern eine gewachsene, muttergebundene Angehörigkeit. In einer Gesellschaft sind Menschen in der Regel nicht verwandt im Sinne einer unmittelbaren geburtlichen Zu- bzw. Angehörigkeit, obwohl solche Konstellationen in gesellschaftlichen Strukturen vorhanden sind und auch sein müssen, um die menschliche Reproduktion innerhalb der Gesellschaft zu sichern. Gesellschaft ist eine Errungenschaft patriarchaler Herrschaft und deren bindungsloser Ideologie.</p>
<p>Als Kennzeichnung von Gesellschaft finden wir sozio-kulturell-politische Labels vor wie patriarchal, feudal, Sklaven haltend oder die modernen Formen des Kapitalismus oder Imperialismus<strong>.</strong> In diese illustre Reihe sollen Gemeinschaften gestellt werden, die von Matriarchatsforscherinnen als „matriarchale Gesellschaft<em>“</em> bezeichnet werden. Dieses Bestreben wäre also wirklich zu überdenken.<br />
Wir hoffen damit deutlich gemacht zu haben, dass wir nicht mit anderen Denkerinnen konkurrieren, sondern aufklären möchten und an einer konstruktiven Definitionsarbeit interessiert sind. Im Allgemeinen leiden Frauen an einem Mangel an Loyalität und gegenseitiger Akzeptanz, weshalb es auch für forschende Frau nicht einfach ist, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Schließen möchten wir daher mit einen Zitat von Mirna Funk:</p>
<blockquote><p>“Wir machten ein bisschen Small-Talk, bestellten Getränke und das Essen, und als alles nach 15 Minuten auf dem Tisch stand, sagte sie zu mir: ‚Ich finde die Quote unnötig. Sexismus habe ich noch nie erlebt, sondern nur große Unterstützung von Männern erfahren. Das größte Problem sind die Frauen selbst. Sie stehen sich im Weg, sind illoyal und schaden sich gegenseitig.’ Ich starrte auf meinen Teller, rollte traurig die Pasta auf meine Gabel, verdrehte vor Erschöpfung die Augen, ohne dass sie es sehen konnte, und antwortete nur: ‚Ja, das mit der fehlenden Loyalität ist wirklich schade.’“<!--<a href="#_ftn12" name="_ftnref12">[12]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup></blockquote>
<p>Lüneburg und Braunschweig 12.02.2020</p>
<p>Lesen Sie bitte im Anschluss an diesen Text das Update, mit dem die Fragestellung geklärt wird, wie wir matrifokale Gemeinschaften nennen können: <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt">Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat</a>.</p>
<p><!--<strong>Anmerkungen</strong>

<a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> <a href="https://www.goettner-abendroth.de/matriarchat/der-begriff-matriarchat/">https://www.goettner-abendroth.de/matriarchat/der-begriff-matriarchat/</a> abgerufen am 27.01.2020

<a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> <a href="http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/ssg/content/pageview/421896?query=matriarchat">http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/ssg/content/pageview/421896?query=matriarchat</a> abgerufen am 27.01.2020

<a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> <a href="http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/mutterrecht-versus-muttertum-bei-bachofen.html">http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/mutterrecht-versus-muttertum-bei-bachofen.html</a> abgerufen am 27.01.2020

<a href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a> Aus privater Korrespondenz mit Gabriele Uhlmann

<a href="#_ftnref5" name="_ftn5">[5]</a> Gimbutas, Marija: <em>Die Zivilisation der Göttin</em>, Frankfurt a.M. 1996 (am. Originalausg. 1991)

<a href="#_ftnref6" name="_ftn6">[6]</a> Vgl. Fester, Richard: Das Protokoll der Sprache. In: Weib und Macht. Fünf Millionen Jahre Urgeschichte der Frau. 3. Aufl., Frankfurt 1983, S. 79-106

<a href="#_ftnref7" name="_ftn7">[7]</a> Konsanguine Angehörige sind durch Geburt in Matrilinearität verbunden. (abgeleitet von dem Begriff <em>cognati consanguinii</em> - „von der Mutter her“ siehe Bott, Gerhard, <em>Die Erfindung der Götter</em>, S. 350)

<a href="#_ftnref8" name="_ftn8">[8]</a> Wohnplatz von Ur- und Frühmenschen

<a href="#_ftnref9" name="_ftn9">[9]</a> Zitat von Gabriele Uhlmann - „Matrifokalität ist keine Gesellschaftsform, sondern unser angeborenes Sozialverhalten.“

<a href="#_ftnref10" name="_ftn10">[10]</a> <a href="https://www.spiegel.de/kultur/meghan-markle-die-eigentliche-queen-kolumne-a-9cbe281d-72ae-413c-bf27-f423cfbfb98a">https://www.spiegel.de/kultur/meghan-markle-die-eigentliche-queen-kolumne-a-9cbe281d-72ae-413c-bf27-f423cfbfb98a</a> abgerufen am 21.01.2020

<a href="#_ftnref11" name="_ftn11">[11]</a> Gerät ein Mann im patriarchösen Milieu in Gefangenschaft oder in Sklaverei, wird ihm jedoch, auch als Kind, jedes Leid zugemutet.

<a href="#_ftnref12" name="_ftn12">[12]</a> <a href="https://editionf.com/wie-gehe-ich-mit-frauen-um-die-feminismus-unnoetig-finden/">https://editionf.com/wie-gehe-ich-mit-frauen-um-die-feminismus-unnoetig-finden/</a> abgerufen am 7.2.2020
--></p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://www.goettner-abendroth.de/matriarchat/der-begriff-matriarchat/">https://www.goettner-abendroth.de/matriarchat/der-begriff-matriarchat/</a> abgerufen am 27.01.2020</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/ssg/content/pageview/421896?query=matriarchat">http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/ssg/content/pageview/421896?query=matriarchat</a> abgerufen am 27.01.2020</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/mutterrecht-versus-muttertum-bei-bachofen.html">http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/mutterrecht-versus-muttertum-bei-bachofen.html</a> abgerufen am 27.01.2020</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Aus privater Korrespondenz mit Gabriele Uhlmann</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gimbutas, Marija: <em>Die Zivilisation der Göttin</em>, Frankfurt a.M. 1996 (am. Originalausg. 1991)</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Fester, Richard: Das Protokoll der Sprache. In: Weib und Macht. Fünf Millionen Jahre Urgeschichte der Frau. 3. Aufl., Frankfurt 1983, S. 79-106</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Konsanguine Angehörige sind durch Geburt in Matrilinearität verbunden. (abgeleitet von dem Begriff <em>cognati consanguinii</em> &#8211; „von der Mutter her“ siehe Bott, Gerhard, <em>Die Erfindung der Götter</em>, S. 350)<br />
</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wohnplatz von Ur- und Frühmenschen</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zitat von Gabriele Uhlmann &#8211; „Matrifokalität ist keine Gesellschaftsform, sondern unser angeborenes Sozialverhalten.“</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://www.spiegel.de/kultur/meghan-markle-die-eigentliche-queen-kolumne-a-9cbe281d-72ae-413c-bf27-f423cfbfb98a">https://www.spiegel.de/kultur/meghan-markle-die-eigentliche-queen-kolumne-a-9cbe281d-72ae-413c-bf27-f423cfbfb98a</a> abgerufen am 21.01.2020</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gerät ein Mann im patriarchösen Milieu in Gefangenschaft oder in Sklaverei, wird ihm jedoch, auch als Kind, jedes Leid zugemutet.</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://editionf.com/wie-gehe-ich-mit-frauen-um-die-feminismus-unnoetig-finden/">https://editionf.com/wie-gehe-ich-mit-frauen-um-die-feminismus-unnoetig-finden/</a> abgerufen am 7.2.2020</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann">Gibt oder gab es matriarchale Gesellschaften? Eine notwendige Stellungnahme von Stephanie Gogolin und Gabriele Uhlmann</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Gibt es menschliche Rassen? Von Zeugung, Erziehung, Zucht und Züchtigung.*</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung</link>
		
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		<pubDate>Thu, 04 Nov 2021 13:49:15 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das Interview &#8222;&#8218;Wir waren alle mal schwarz'&#8220; mit dem Untertitel &#8222;Der Zoologe Martin Fischer und der Paläogenetiker Johannes Krause erklären, wieso es keine menschlichen &#8218;Rassen&#8216; gibt &#8211; und warum die...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung">Gibt es menschliche Rassen? Von Zeugung, Erziehung, Zucht und Züchtigung.*</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg01.met.vgwort.de/na/ec3ed5ea7b5d4679bb28eb38a65403f2" alt="" width="1" height="1" />Das Interview <a href="https://www.sueddeutsche.de/wissen/genetik-rassen-ueberfremdung-1.4692679" target="_blank" rel="noopener">&#8222;&#8218;Wir waren alle mal schwarz'&#8220;</a> mit dem Untertitel &#8222;Der Zoologe Martin Fischer und der Paläogenetiker Johannes Krause erklären, wieso es keine menschlichen &#8218;Rassen&#8216; gibt &#8211; und warum die Angst vor einer &#8218;Überfremdung&#8216; falsch ist&#8220; von Felix Hütten (Süddeutsche Zeitung Online vom 24.11.2019) sowie der Artikel <a href="https://www.faz.net/aktuell/wissen/leben-gene/gibt-es-menschliche-rassen-genetische-unterschiede-erklaert-13917542.html" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Gibt es menschliche Rassen&#8220;</a> von Jörg Albrecht (FAZ Online vom 17.11.2015), die beide sehr lesenswert sind, waren für mich Anlass mich einmal zu diesem brisanten Thema zu äußern, denn beide lassen leider einen wesentlichen Punkt vermissen, nämlich die Zucht des Menschen durch den Menschen im Patriarchat.</p>
<h2 id="verschieden-und-doch-gleich">Verschieden und doch gleich</h2>
<p>Natürlich haben wir unterschiedliche Gene: die Afrikaner haben einen wesentlich geringeren Neanderthaler-Anteil<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup>, den Europäern fehlt überwiegend das Denisova-Gen<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup>. Den Männern fehlen ca. 1000 Gene auf dem Y-Chromosom, und wir sehen alle anders aus, was ja in den Genen festgelegt ist. Aber das ist auch egal, denn wir teilen alle dasselbe angeborene Sozialverhalten, die MATRIFOKALITÄT. Sie hat in der Urgeschichte dafür gesorgt, dass wir uns friedlich vermischten! Denn Matrifokalität macht neugierig auf Menschen mit anderen Genen. Dieses Verhalten ist evolutionär durch die Sexuelle Selektion (nach Darwin), auch <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">Female Choice</a> genannt, abgesichert und dient auf natürliche Weise der Auffrischung des Gen-Pools.</p>
<h2 id="die-zucht-erschafft-rassen">Die Zucht erschafft Rassen</h2>
<p>Der Rasse-Begriff soll für Menschen keine Anwendung mehr finden. RASSEN beschreiben aber weniger natürliche Unterschiede, als vielmehr ZUCHTMERKMALE, die durch aufgezwungene Isolation und künstliche Selektion entstehen. Leider gehören auch wir Menschen inzwischen zu solchen Zuchtrassen, und zwar seit ca. <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht#misox" target="_blank" rel="noopener">8200 Jahren</a>. Das sind die patrilinearen STÄMME, die die Gesamtheit aller patriarchal lebenden Menschen bilden.</p>
<p>Erst durch das gewaltsam installierte PATRIARCHAT im Viehzüchternomadentum kam die Idee der Rasse auf. Männer begannen Tiere zu züchten, indem sie weibliche Tiere festbanden und so ermöglichten, dass ausgesuchte männliche Tiere sie vergewaltigen konnten. Dabei produzierten sie nicht nur bestimmte Merkmale, sondern auch eine Überbevölkerung der Tiere und wurden dadurch zu Kapitalisten (lat. <em>caput</em>=Kopf).<br />
Dieses Vorbild wendeten Männer auch auf die Frauen an und tun es bis heute.</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-media-max-width="560">
<p dir="ltr" lang="en">Islamic regime iman: “Women are animals created by Allah to be used by men.</p>
<p>Women are no different from cows, sheep, horses, or mules. God made women resemble humans so they wouldn’t frighten men.”</p>
<p>Why do they hate women so much?! <a href="https://t.co/q6WnzfpyFK">pic.twitter.com/q6WnzfpyFK</a></p>
<p>— Dr. Maalouf ‏ (@realMaalouf) <a href="https://twitter.com/realMaalouf/status/1851365057071808859?ref_src=twsrc%5Etfw">October 29, 2024</a></p>
<p><a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/impressum-datenschutz" target="_blank" rel="noopener">Zur Datenschutzerklärung</a></p></blockquote>
<p><script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script><br />
Sie produzier(t)en auf diese Weise die Überbevölkerung der Menschheit, den Hauptgrund für Migration. Bei der Menschenzucht, die mit der gewaltsamen Installation der Vaterschaft begann, kann noch der Großvater Einfluss auf die genetische Zusammensetzung seiner Enkelkinder nehmen, indem er seine Tochter zwangsverheiratet, oder sie so erzieht (das Wort <em>Erziehung</em> stammt von Zucht ab, das Wort <em>Vater</em> bedeutet indoeurop. &#8222;Hirte&#8220; und &#8222;Führer&#8220;), dass sie &#8222;freiwillig&#8220; nach seinem Willen handelt. Die Töchter haben sich wählen zu lassen, von Söhnen anderer Männer, die &#8222;standesgemäß&#8220; sind. Die Rassenlehre treibt das Patriarchat auf die Spitze, indem bewusst nur innerhalb der Ethnie/des Stammes geheiratet werden darf.<br />
Wenn wir uns ansehen, wie das Patriarchat in Mitteleuropa entstanden ist (siehe <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">Marburger Vortrag</a>), nämlich durch die Migration gewaltbereiter Viehzüchternomaden, dann ist gut vorstellbar, dass Menschen am Ende der Jungsteinzeit panische Angst vor Einwanderung bekommen hatten. Denn in dieser Zeit der Entstehung des Patriarchats war sie meist mit (Massen)mord und Totschlag zum Zwecke der Vergewaltigung und Entführung der Frauen verbunden (wiss. Nachweise im Vortrag). Ist diese Angst möglicherweise traumatogen epigenetisch verankert worden, und haben deshalb so viele Menschen Angst vor Flüchtlingen?<br />
Wenn auch die meisten in friedlicher Absicht und aus echter Not kommen, und ihnen geholfen werden muss, ist die Angst vor ihnen leider immer noch nicht völlig unberechtigt, denn immer noch wandern überwiegend Männer ein, und zwar aus Ländern mit einer extrem frauenfeindlichen Mentalität und entsprechender Überbevölkerung. Unsere feministischen Errungenschaften werden plötzlich wieder infrage gestellt, wenn z.B. SchulleiterInnen Mädchen verbieten, kurze Röcke zu tragen, damit sie die männlichen Mitschüler nicht reizen, oder wenn das Kopftuch bei Kindern erlaubt bleibt und das Gesetz sogar Polygamie zulässt. Das alles zu kritisieren ist kein Rassismus, sondern radikale Patriarchatskritik, die Rassismus- und Sexismuskritik beeinhaltet. Dazu kommt der patriarchale Backlash als Reaktion auf die berechtigten und legitimen Autonomiebestrebungen der Mütter: PolitikerInnen, die auf Druck gewaltbereiter Vaterrechtler Gesetze verabschieden, die alleinerziehende Mütter und deren Kinder aushungern und an den Kindsvater fesseln, selbst, wenn er gewalttätig ist oder keinen Cent bezahlt. RichterInnen, die in Täter-Opfer-Umkehr Müttern das Sorgerecht entziehen, weil sie vor Gericht seine Gewalt thematisiert.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone wp-image-5142 size-full" title="Das schwarze Quadrat der Black-Life-Matters-Bewegung" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/11/blackouttuesday-everylifematters.png?resize=300%2C300&#038;ssl=1" alt="Das schwarze Quadrat der Black-Life-Matters-Bewegung" width="300" height="300" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/11/blackouttuesday-everylifematters.png?w=300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/11/blackouttuesday-everylifematters.png?resize=100%2C100&amp;ssl=1 100w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/11/blackouttuesday-everylifematters.png?resize=140%2C140&amp;ssl=1 140w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/11/blackouttuesday-everylifematters.png?resize=120%2C120&amp;ssl=1 120w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<h2 id="sexismus-ist-der-ur-rassismus">Sexismus ist der Ur-Rassismus</h2>
<p>Rassismus und Diskriminierung hat viele offensichtliche Gesichter, aber alle Aufklärung war bislang erfolglos. Eine wesentliche Grundannahme, die zum normalen Leben der weitaus meisten Menschen gehört &#8211; ein Dogma &#8211; bewirkt, dass in der Mitte der Gesellschaft ein latenter Rassismus vorhanden ist, aus dem immer wieder schamloser und gewalttätiger Rassismus aufblüht. Wir können mit dem heutigen Wissen den Rassisten den Wind endgültig aus den Segeln nehmen, weil deren menschenverachtende Haltung und Argumentation auf als falsch erkannten evolutionären Annahmen basiert. Aber alle gutgemeinten Artikel thematisieren das noch zu benennende Dogma leider nicht, sie gehen nicht an die Wurzel. Darum sind unter Anderem die Wirkungen der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">Female choice</a> bei Rassisten gänzlich unbekannt: Es hat zum Beispiel absolut nichts mit Epigenetik zu tun, wenn Neonazis Angst haben, dass Ausländer ihnen die Frauen wegnehmen könnten, als wären die Frauen irgend jemandes Besitz! Das ist in der Tat reinster Rassismus, aber es ist auch immer Sexismus. Sexismus ist der Ur-Rassismus.</p>
<h2 id="menschenzucht-die-viehzuechtermentalitaet-des-patriarchats">Menschenzucht: Die Viehzüchtermentalität des Patriarchats</h2>
<p>Es ist erfreulich, dass sich Wissenschaftler zu der fatalen Idee der Rasse äußern. Mir fällt aber auf, dass keinem Wissenschaftler wirklich bewusst ist, dass wir Menschen uns selber züchten. Nicht nur Nazis wollen Menschen züchten. Ganz normale Bürger beteiligen sich sogar aktiv daran, ohne es zu wollen:<span id="more-5114"></span></p>
<ul id="liste2">
<li>Alle Menschen, die aus Prinzip sexuell treu sind</li>
<li>Eltern, die die Jungfräulichkeit für einen Wert halten</li>
<li>Väter und Brüder, die ihre Tochter/Schwester bewachen und ihr den Freund vorschreiben oder verbieten</li>
<li>Solche, die nicht wollen, dass ihre Tochter &#8222;irgendeinen dahergelaufenen&#8220; Partner hat, sondern nur einen standesgemäßen</li>
<li>Eltern, die ihre Tochter ermahnen, einen reichen oder besonders intelligenten Mann zu heiraten</li>
<li>Eltern, die ihre Tochter religiös erziehen, damit sie nicht vor der Ehe Sex hat oder einen Menschen anderer Konfession heiratet</li>
<li>Eltern, die es nicht ertragen können, wenn ihre Kinder nicht so sind, wie sie sich das vorstellen</li>
<li>Eltern, die an ihren Kindern mit allen Mitteln herum erziehen</li>
<li>Ganz normale Eltern, die die Sexualität ihrer Tochter kommentieren</li>
<li>Menschen, die Reproduktionsmedizin anwenden</li>
<li>Menschen, die den Kindern den Namen des Vaters geben</li>
<li>usw. usw.</li>
</ul>
<h4><strong>All das erinnert an die Mentalität von Tierzüchtern<br />
</strong></h4>
<p>Das Kind im Patriarchat ist nicht aus momentaner Zuneigung von Frau und Mann entstanden, sondern aus klarem Kalkül, es ist ein Zuchtprodukt, versehen mit dem Brandzeichen des Vaters.</p>
<p><a title="Sini Merikallio [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Astutus.jpg"><img decoding="async" class="alignnone" title="Vergewaltigung einer Stute unter der Zucht. Quelle: Wikimedia Commons, user: Sini Merikallio" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/e/e7/Astutus.jpg/512px-Astutus.jpg" alt="Vergewaltigung einer Stute unter der Zucht. Quelle: Wikimedia Commons, user: Sini Merikallio" width="512" height="421" /></a><br />
<span style="font-size: 10px;">Bild: Vergewaltigung einer Stute unter der Zucht. Quelle: Wikimedia Commons, user: Sini Merikallio</span></p>
<p>Jede Einmischung in die Sexualität einer Frau ist Menschenzucht, also Rassismus. Wir müssen auch den Begriff der Vergewaltigung erweitern. Wie sollen wir es sonst nennen, wenn eine Frau, die nicht frei wählen kann, mit einem bestimmten Mann Sex haben soll und muss? Das <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" rel="noopener">kollektive Stockholm-Syndrom</a> ist der Grund, warum Frauen sich das gefallen lassen.</p>
<h2 id="staatsrassismus">Staatsrassismus</h2>
<p>Schon Bevölkerungspolitik ist Menschenzucht. Denn die Politik will,</p>
<ul id="liste2">
<li>dass Frauen mehr Kinder bekommen</li>
<li>dass Akademikerinnen mehr Kinder bekommen als Frauen, die bildungsfern sind</li>
<li>dass Frauen ihre Kinder unbedingt von ein und demselben Vater bekommen, also Alleinerziehende züchtigt</li>
<li>dass Frauen den Vater ihrer Kinder nennen, und Kinder damit ihre Herkunft kennen sollen</li>
<li>usw. usw.</li>
</ul>
<p>Frauenhäuser berichten, dass es viele Frauen gibt, die den Familiennachzug nach Deutschland nutzen, um sich hier von ihrem Ehemann zu befreien. Aber wir dürfen ihnen nicht helfen, solange sie nicht schon drei Jahre hier leben.</p>
<blockquote><p>Für Nicht-EU-Bürgerinnen kann die Trennung von ihrem Mann wegen häuslicher Gewalt besondere Probleme bedeuten, denn häufig haben sie kein eigenständiges Aufenthaltsrecht. Hat jedoch ihre eheliche Lebensgemeinschaft mindestens drei Jahre lang rechtmäßig in Deutschland bestanden, wird ein eigenständiges, von den Voraussetzungen des Familiennachzuges unabhängiges Aufenthaltsrecht anerkannt bzw. verlängert (§ 31 Aufenthaltsgesetz).</p>
<p>Quelle: <a href="https://www.ms.niedersachsen.de/startseite/frauen_gleichstellung/wer_schlagt_muss_gehen/migrantinnen-und-haeusliche-gewalt-14107.html" target="_blank" rel="noopener">Niedersächisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, &#8222;Migrantinnen und häusliche Gewalt&#8220;</a></p></blockquote>
<p>Dieses Gesetz ist rassistisch, weil es die Frau zum rechtlosen Anhängsel ihres Gatten macht. Es anerkennt nicht ihre sexuelle Freiheit, nicht ihre Menschenwürde und schützt dafür die gewalttätigen und rassistischen Ehemänner. Möglich ist dies, weil unser Grundgesetz die Ehe schützt und damit das Patriarchat. Unser Grundgesetz hat einen grundrassistischen Anspruch.<br />
Unser Grundgesetz besiegelt damit auch die Gewalt gegen Frauen. Denn nur mit Gewalt, ob gesetzlich, moralisch, psychisch oder tätlich kann eine Frau dazu gebracht werden, lebenslang beim Vater ihres/r Kindes/r zu verharren oder ihn nur über seine Vaterschaft aufzuklären. Heute kommt die Gewalt in Form der Gehirnwäsche Romantik daher oder als Gerechtigkeitsgefühl und Gleichheitsideologie. Der Status der Mutterschaft wird zur Rolle erklärt und damit der eigentlichen Vaterrolle angeglichen. Das festigt den Vater in einer Zeit, in der durch sexuelle Befreiungsversuche die Vaterschaft in Gefahr geriet. So wendet sich der Feminismus schließlich gegen die Frau.</p>
<p>Rassismus war nicht zuerst da. Zuerst war die Unterdrückung aller weiblichen Lebewesen da. Der Ur-Rassismus ist der Glaube, dass Frauen ihre Sexualität dem Dogma der Vaterschaft unterzuordnen haben. Und wir lernen daraus, dass es kein Patriarchat ohne Rassismus geben kann, wie es auch kein Patriarchat ohne Gewalt gibt. Nazismus ist da nur die Spitze des Eisberges!</p>
<h2 id="rassismus-keule">Rassismus-Keule</h2>
<p>Nicht jede ablehnende Haltung ist Rassismus. Der Aufschrei kommt vor allem aus den Reihen der sog. identitären Linken, den Woken. All jenen Menschen ist dieser Artikel ins Tagebuch geschrieben. Die Rassismus-Keule ist wie die <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/" target="_blank" rel="noopener">Mutterkult-Keule</a> meistens hilflose Rhetorik von Menschen, die eigentlich Gutes wollen, aber das Kind mit dem Bade ausschütten. Sie wollen, teilweise ohne es selbst zu wissen, das Patriarchat bekämpfen. Die Unwissenheit über die <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat" target="_blank" rel="noopener">Entstehung des Patriarchats</a> führt dazu, dass sich am Ende das Patriarchat immer wieder durchsetzt. Statt, dass sich Menschen über eine Sache einig werden können, zerfleischen sie sich bis aufs Blut und alles bleibt beim alten.<br />
Es gibt leider auch viele selbsterklärte Rassismus-Gegner, die explizit nicht das Patriarchat bekämpfen wollen, sondern die Kritik <strong>ihres</strong> Patriarchats. Das Patriarchat ist, das habe ich in meinen Texten mehrfach ausgeführt, ein Entführungsverbrechen. Es ist damit auch ein <strong>Ver</strong>führungsverbrechen, aber wir wissen oder merken überwiegend nicht, was mit uns Tag für Tag geschieht. Die Patriarchatskritik ist pure Selbstverteidigung, wozu auch jede Frau das Recht hat, aber sie muss fundiert sein, sonst wendet sie sich, leicht gegen uns.<br />
Es sollte klar werden, dass die vorschnelle Verwendung des Wortes &#8222;Rassismus&#8220; vor dem Hintergrund und in Ausnutzung der allgemeinen Verwirrung geschieht. Verführung kann daher von allen Seiten als Propaganda eingesetzt werden und verwirrt immer weiter. Die Ursache für die Verwirrung ist ein patriarchales Denkverbot, nämlich, <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2019/01/21/gar-nicht-einfach-die-vaterschaft-als-erklaerung-fuer-alle-menschengemachten-probleme/" target="_blank" rel="noopener">dass die Vaterschaft nicht zum Menschsein gehört, und die Ursache für Entführung und Verführung ist</a>.</p>
<h2 id="unsere-afrikanischen-wurzeln">Unsere afrikanischen Wurzeln</h2>
<p>Ja, wir alle waren einmal schwarz. Die erste Kunst Europas, die altsteinzeitlichen Urmutterstatuetten zeigen eine dunkelhäutige, kraushaarige, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Steatopygie" target="_blank" rel="noopener">steatopyge</a> Frau. Dazu gibt es kein männliches Pendant, weil die Vaterschaft, als Urvater symbolisiert, noch unbekannt war.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone wp-image-5143" title="Urmutter-Statuetten: Lespugue (Frankreich), 25.000 Jahre; Willendorf (Österreich), 23.000 Jahre; Grimaldi (Italien), 21.000 Jahre; Gagarino (Russland), 18.000 Jahre. Collage: Gabriele Uhlmann" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/11/urmeutter2.webp?resize=533%2C213&#038;ssl=1" alt="Urmutter-Statuetten: Lespugue (Frankreich), 25.000 Jahre; Willendorf (Österreich), 23.000 Jahre; Grimaldi (Italien), 21.000 Jahre; Gagarino (Russland), 18.000 Jahre. Collage: Gabriele Uhlmann" width="533" height="213" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/11/urmeutter2.webp?resize=300%2C120&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/11/urmeutter2.webp?resize=1024%2C410&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/11/urmeutter2.webp?resize=770%2C309&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/11/urmeutter2.webp?w=1150&amp;ssl=1 1150w" sizes="(max-width: 533px) 100vw, 533px" /></p>
<p><span style="font-size: 12px;">Bild: Urmutter-Statuetten: Lespugue (Frankreich), 25.000 Jahre; Willendorf (Österreich), 23.000 Jahre; Grimaldi (Italien), 21.000 Jahre; Gagarino (Russland), 18.000 Jahre. Collage: Gabriele Uhlmann</span></p>
<p>Unsere afrikanischen Wurzeln hat die amerikanische Patriarchatsforscherin Lucia Chiavola Birnbaum in ihrem <a href="https://books.google.de/books?id=ku8VZKrESuUC&amp;lpg=PP1&amp;dq=dark%20mother%20book&amp;hl=de&amp;pg=PP1#v=onepage&amp;q=dark%20mother%20book&amp;f=false" target="_blank" rel="noopener">Buch &#8222;Dark Mother&#8220;</a> wunderbar ausgeführt. Diese Wurzeln schlagen sich noch in der Darstellung der Madonna nieder, deren erste europäische Darstellung in der Höhle von Brucoli auf Sizilien ebenfalls schwarz war. Auch alle Schwarzen Madonnen sind von ihr abgeleitet. Doch die Madonna zeigt sich nur mit einem Sohn. Was bedeutet das für uns Frauen? Nur Söhne haben im Patriarchat das Privileg lebenslang mit ihrer Mutter leben zu dürfen. Die uralte, evolutionär notwendige Großmutter-Mutter-Tochter-Verbindung ist gekappt. Maria mit dem Kinde ist Ausdruck dieser Zwangslage. Wo die Matrilinearität zerstört ist, ist die Mutter-Sohn-Dyade der letzte Rest natürlicher Bindung im Familienverband. Denn in der matrifokalen Sippe leben die Söhne ebenfalls lebenslang bei der Mutter, <strong>aber eben auch die Töchter!</strong><br />
Im Patriarchat dreht sich alles um den Vater, wir haben einen ausgeprägten Vaterkult, der seit der Bronzezeit durch den Sonnen- und Wettergott repräsentiert war. Die Verehrung der Mutter ist inzwischen viertrangig, erst nach Vater, Sohn und Heiligem Geist ist sie dran. Der Herr ist Dein Hirte, und da haben wir ihn wieder, den Viehzüchter!</p>
<h2 id="anmerkung-zur-ueberschrift">Anmerkung zur Überschrift</h2>
<p>* Die Mutter ist im Patriarchat nur Zeugin der Zeugung durch den Mann. Zur Wortfamilie &#8222;Zucht&#8220; siehe die Abstammung im <a href="https://books.google.de/books?id=XaWdCgAAQBAJ&amp;pg=PA781&amp;lpg=PA781&amp;dq=zeuge%20zucht%20indogermanisch&amp;source=bl&amp;ots=J8T71Ak3j2&amp;sig=ACfU3U23bVVoBvHhdGyBKYw8qCcv6QbaUA&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ved=2ahUKEwjX-Ov-yu7lAhWPPFAKHWsyA4YQ6AEwAXoECAkQAQ&amp;fbclid=IwAR2GQCIVkJgaOzL14eCHsNuRNeMBWp4glBxuNFy3P3Y1udkvyd2e-4onll0#v=onepage&amp;q=zeuge%20zucht%20indogermanisch&amp;f=false" target="_blank" rel="noopener">Vergleichenden Wörterbuch der indogermanischen Sprachen</a> von Julius Pokorny (hrsg.)</p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Im afrikanischen Genom sind <a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/afrikaner-mehr-neandertaler-als-gedacht/" target="_blank" rel="noopener">Spuren von Neanderthaler-DNA</a> gefunden worden, die wahrscheinlich durch Re-Import aus Europa vor 20.000 Jahren nach Afrika kamen.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe: <a href="https://www.mpg.de/15935178/1023-evan-019609-fruehe-ostasiaten" target="_blank" rel="noopener">https://www.mpg.de/15935178/1023-evan-019609-fruehe-ostasiaten</a></div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung">Gibt es menschliche Rassen? Von Zeugung, Erziehung, Zucht und Züchtigung.*</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Patriarchat und Gewalt in Çatal Höyük?</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat-und-gewalt-in-catal-hoeyuek</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Jul 2021 17:12:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Analysen und Studien]]></category>
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		<guid isPermaLink="false">https://blog.gabriele-uhlmann.de/?p=4786</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ausgrabung von Çatal Höyük Bildquelle: Wikimedia Commons Die Meldungen in der Presse Nachdem über Jahrzehnte keinerlei Spuren von Gewalt in Çatal Höyük gefunden wurden bzw. nichts darüber berichtet wurde und...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat-und-gewalt-in-catal-hoeyuek">Patriarchat und Gewalt in Çatal Höyük?</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg01.met.vgwort.de/na/5ca4160dc67e4d6c96b0e14383e0043f" alt="" width="1" height="1" /><br />
<a title="Stipich Béla [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_7.JPG"><img decoding="async" class="alignnone" title="Ausgrabung in Catal Hüyük - Ausschnitt" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/04/Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_7.JPG/512px-Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_7.JPG" alt="Ausgrabung in Catal Hüyük - Ausschnitt" width="512" height="340" /></a><br />
Ausgrabung von Çatal Höyük<br />
<span style="font-size: 8px;">Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<h2 id="die-meldungen-in-der-presse">Die Meldungen in der Presse</h2>
<p>Nachdem über Jahrzehnte keinerlei Spuren von Gewalt in Çatal Höyük gefunden wurden bzw. nichts darüber berichtet wurde und Matrifokalität ohne jeden Gegenbeweis mit einer erdrückenden Fülle von Indizien evident geworden war, ging am 17. Juni 2019 ein Forscherteam unter der Leitung von Clark S. Larsen (Ohio State University) mit einer Studie an die breite Öffentlichkeit, mit der der jungsteinzeitliche Siedlungshügel nun als elender Ort geprägt von patriarchaler Überbevölkerung, Krankheit und Gewalt hingestellt wird.</p>
<p>Das online-Magazin <em>Wissenschaft.de</em> schrieb unter dem Titel „Städtische Probleme – schon vor 9000 Jahren“:</p>
<blockquote><p>„Auch was das gesundheitliche Niveau in der Proto-Stadt betrifft, fanden die Forscher Hinweise auf einen Niedergang: Offenbar litten die Bewohner unter einer hohen Infektionsrate – konkret weisen bis zu einem Drittel der Überreste die Spuren von Infektionen an den Knochen auf. Vermutlich war dies auf die hohe Bevölkerungsdichte und die mangelnde Hygiene in der engen Siedlung zurückzuführen. Die Untersuchungen der Baustrukturen zeigen in diesem Zusammenhang: In der Blütezeit wurden die Wohneinheiten ohne Zwischenräume gebaut und die Bewohner kamen und gingen über Leitern.</p>
<p>In den durch Lehm verputzen Innenräumen ging es wohl auch nicht immer gerade sauber zu: Die Forscher fanden Spuren von tierischen und menschlichen Fäkalien. ‚Die Bewohner lebten unter sehr beengten Verhältnissen, mit Müllgruben und Tierställen direkt neben einigen ihrer Häuser. Es gab also offenbar eine ganze Reihe von Hygieneproblemen, die zur Ausbreitung von Infektionskrankheiten beitragen haben könnten’, resümiert Larsen. (…)<br />
Die Untersuchung einer Stichprobe von 93 Schädeln aus Çatalhöyük ergab, dass mehr als ein Viertel die Spuren geheilter Frakturen aufwiesen. Zwölf waren sogar mehrmals Opfer geworden – mit zwei bis fünf Verletzungen im Laufe der Zeit. Mehr als die Hälfte der Opfer waren dabei Frauen (…)<br />
‚Wir fanden eine Zunahme dieser Schädelverletzungen während der mittleren Periode, als die Bevölkerung am größten und am dichtesten war’, sagt Larsen. ‚Somit könnte man interpretieren, dass die Überbevölkerung zu erhöhtem Stress und zu Konflikten innerhalb der Siedlung geführt hat’, so der Wissenschaftler.“ (<a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/staedtische-probleme-schon-vor-9000-jahren/" target="_blank" rel="noopener">Vieweg 2019</a>)</p></blockquote>
<p><strong>Wie viele Frauen also wurden verletzt und wie viele mehrfach verletzt?</strong> Überlegen Sie kurz!<br />
<span id="more-2027"></span><br />
Wer den Text nur überfliegt, zieht schon schnell mal aus so einer Meldung, dass die Hälfte aller Schädel – also rund 47 – Verletzungen aufwiesen und zudem weiblich waren. Doch es sind der Formulierung zufolge ca. 24 (93/4) Verletzte und davon wurden 12, also die ca. Hälfte, mehrmals verletzt. „Mehr als die Hälfte der Opfer“ sind weiblich – das könnten wieder mindestens 12 sein, was zur Verwirrung beiträgt – , vielleicht sind es aber auch nur 6, wenn nur die mehrfach verletzten Opfer gemeint sind, wie es das Wörtchen „dabei“ suggeriert.<br />
Es geht aus der Formulierung nicht hervor, wie viele Frauen verletzt waren, wie viele mehrfach verletzt waren und auch nicht, wie hoch der Anteil der Frauen in der Stichprobe überhaupt war. Dazu später noch einmal.<br />
Es würde mich interessieren, wie Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser, diesen Text im ersten Moment wahrgenommen haben, schreiben Sie mir bitte unten….</p>
<p>Wie dem auch sei, mit diesem Paukenschlag wird alles vom Tisch gewischt, was bisher über Çatal Höyük bekannt war. Denn mindestens bis 2010 wurde nichts über Spuren von Gewalt veröffentlicht, obwohl dies für das Gastgeberland Türkei eine große Freude gewesen wäre, ist doch schon die Ahnung von matrifokalem Leben in grauer Vorzeit ein Schreckgespenst für jeden Patriarchen.</p>
<p>Ein anderes Magazin, <em>Der Standard.at</em>, titelte &#8222;9.000 Jahre alte Steinzeit-Stadt litt an modernen urbanen Problemen“ und schrieb u.a.:</p>
<blockquote><p>’Pflanzenanbau und Tierhaltung gab es von Anfang an, doch mit wachsender Bevölkerung intensivierte sich auch die Landwirtschaft dramatisch’, sagt Larsen. Der hohe Getreideanteil bei der Ernährung führte schnell zu typischen Zivilisationskrankheiten, darunter vor allem Karies: Zehn bis 13 Prozent aller gefundenen Zähne von Erwachsenen wiesen entsprechende Schädigungen auf.<br />
Und ein weiterer anatomischer Wandel ging mit dem Wachstum einher. Knochenuntersuchungen zeigten, dass die Bewohner von Çatalhöyük mit zunehmender Ausdehnung der Siedlung immer mehr zu Fuß unterwegs waren. Die Forscher schließen daraus, dass die Weide- und Ackerflächen im Laufe der Zeit weiter von der ‚Stadt’ wegrückten. ‚Wir glauben, dass die landwirtschaftlich ausgelaugte Umgebung und Klimaveränderungen die Bevölkerung dazu zwang, immer weitere Strecken zurückzulegen, um die Siedlung versorgen zu können’, meint Larsen. ‚Das dürfte letztlich auch zum Niedergang von Çatalhöyük beigetragen haben.&#8220;<br />
(<a href="https://www.derstandard.at/story/2000105111331/9-000-jahre-alte-steinzeit-stadt-litt-an-modernen-urbanen" target="_blank" rel="noopener">Berg 2019</a>)</p></blockquote>
<p>In der Tat, wir wussten schon, dass Çatal Höyük untergegangen ist. Und zwar aufgrund des dramatischen Klimawandels, der mit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Misox-Schwankung" target="_blank" rel="noopener">Misox-Schwankung</a> vor 8200 Jahren einher ging, was vor einem Jahr bekannt wurde (Roffet-Salque <em>et al.</em> 2018). Das können wir aber nicht der Matrifokalität anlasten und mit Patrilokalität hat das auch nichts zu tun. Überbevölkerung ist ein relativer Begriff: Seit dem 12. Jtd. verloren nun sesshafte Menschen nach und nach das Wissen, sich durch Sammeln zu ernähren und entwickelten den Garten- und Ackerbau, der etwa ab 9.500 v.u.Z. (Präkeramisches Neolithikum) voll ausgeprägt war. Die völlige Abhängigkeit der Landwirtschaft von günstigem Wetter blieb über 3000 Jahre lang unbemerkt, auch der damit einhergehende Anstieg der Bevölkerung auf ein höheres Niveau war kein Problem. Aufgrund des plötzlich eintretenden Klimawandels konnten sich die Menschen nicht mehr ausreichend ernähren. Ohne eine globale Vernetzung, mit welcher Nahrung über Ländergrenzen hinweg geliefert werden kann, gab es keine Kompensationsmöglichkeit, außer der Verlagerung auf tierische Nahrung (Roffet-Salque <em>et al.</em> 2018), was offenbar auch nicht genug war. Die Probleme, mit denen Çatal Höyük zu kämpfen hätte, waren daher alles andere als modern.</p>
<p>Wir wissen auch, dass die damals in den Steppen Südrusslands beginnende Tierzucht das erste Patriachat nach sich zog. Es hat viele Klimaflüchtlinge gegeben, die die Tiere in die Steppe trieben (vgl. <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat" target="_blank" rel="noopener">Uhlmann 2019</a>) und die wir als Indoeuropäer kennen. Heute ist die Überbevölkerung ein Dauerproblem, dessen Lösung trotz immer neuer Erfindungen der Hochleistungslandwirtschaft suksessive in immer weitere Ferne rückt. Denn das Patriarchat erzeugt nicht nur eine Bevölkerungsexplosion, sondern es betreibt schweren Raubbau an den Ressourcen, so dass die Tragfähigkeit der Erde bereits überschritten ist.</p>
<p>Wir wussten auch schon lange, dass es erste Zivilisationskrankheiten gab, aber auch das ist nicht der Matrifokalität geschuldet und nimmt sich im Vergleich damit, was das Patriarchat zusätzlich anrichtet, harmlos aus. Allein die Tatsache, dass der Doppel-Hügel 2200 Jahre Bestand hatte, beweist ein weitgehend intaktes Gemeinschaftsleben, ganz so, wie es bisher entdeckt wurde.</p>
<h2 id="friedliches-catal-hoeyuek-alles-veraltet">Friedliches Çatal Höyük &#8211; Alles veraltet?</h2>
<p>Als Jahrzehnte lange, skeptische Beobachterin der Ausgrabung habe ich immer damit gerechnet, dass so etwas kommt, denn ich kenne ja meine Pappenheimer. Die Herrschende Lehre arbeitet schon lange daran, die These von der Matrifokalität Çatal Höyüks zum Einsturz zu bringen, die schon der erste Ausgräber James Mellaart (1961-1964) aufgestellt hatte. Ian Hodder, Grabungsleiter bis 2018, musste feststellen, dass sein mit Schimpf und Schande aus dem Amt geworfener Vorgänger Mellaart mit seinen wesentlichen Aussagen Recht hatte. Es war sicherlich kaum möglich, dies vor der türkischen Regierung zu vertreten und ein kurzzeitiger Grabungsstopp zwischen 2010 und 2012 lässt vermuten, dass dies auch Konsequenzen hatte. Hodder entließ große Teile des Teams, mit der Begründung, &#8222;<strong>es hätte sich auf seinen Interpretationen ausgeruht, hätte sich nicht gegenseitig herausgefordert oder hätte die Annahmen, die für selbstverständlich gehalten wurden, nicht als Herausforderung gesehen.</strong>&#8220; (<a href="https://www.sciencemag.org/news/2010/09/hodder-cleans-house-famed-atalh-y-k-dig" target="_blank" rel="noopener">Balter 2010</a>, meine Übersetzung, meine Hervorhebung. Vgl. auch Farid 2014)</p>
<p>Also Matrifokalität nicht als Herausforderung gesehen? Ein Aufruf zum Kampf gegen das, was nicht sein darf? Was hatte dieses Grabungsteam entdeckt? Hodder fasste es im letzten Grabungsbericht dieses Teams (Archive Report 2010) zusammen:</p>
<blockquote><p>„Eine weitere neue Perspektive betrifft die soziale Organisation in Çatalhöyük. Wir haben lange angenommen, dass sie ziemlich egalitär war, aber in den letzten Jahren haben wir ‚Geschichtshäuser‘ identifiziert, die mehr Bestattungen enthielten und in Bezug auf Architektur und Installationen aufwändiger waren. <strong>Man hätte erwarten können, dass von diesen speziellen Häusern mehr Kontrolle über die Produktion ausging, reichere Bestattungen in ihnen gefunden würden oder gesündere Menschen in ihnen gelebt hätten.</strong> Aber je mehr Daten hereinkamen, desto klarer wurde, dass die Geschichtshäuser in keiner Weise etwas Besonderes waren, weder was Bestattungen noch Sorgfalt anging.<strong> Dies deutet darauf hin, dass Tendenzen zur sozialen Differenzierung in Çatalhöyük stark gedämpft waren.</strong> Von den vielen anderen neuen Erkenntnissen, die aufgelistet werden könnten, möchte ich nur eine weitere erwähnen, nämlich, was das bioarchäologische Team, das an den Skeletten arbeitet, die unter den Stockwerken von Gebäuden ausgegraben wurden, herausgefunden hat. <strong>Man hätte erwarten können, dass die Einwohner von Çatalhöyük von schlechter Gesundheit waren.</strong> Es wird oft angenommen, dass sich das Wohnen in Großsiedlungen negativ auf die Gesundheit der Menschen auswirkt. Und in der Tat weist die dichte Ansammlung von Häusern in Çatalhöyük, die von ausgedehnten Abfallzonen umgeben sind, in denen menschliche und tierische Fäkalien gefunden wurden, auf schlechte hygienische Bedingungen hin. Wir wissen auch, dass Ungeziefer weit verbreitet war. <strong>Es war also eine Überraschung, dass die Gesundheit der Bewohner bei einer Vielzahl von Untersuchungen tatsächlich gut war.</strong> Es scheint so, als hätten sie eine Möglichkeit gefunden, den Unrat zu entsorgen (<strong>wir wissen, dass sie den Dreck einebneten und mit Kalkasche bedeckt haben</strong>), um die negativen Auswirkungen zu minimieren, und sie haben <strong>ihre Häuser peinlichst sauber gehalten</strong>. Wir können nicht davon ausgehen, dass sie etwas von Krankheitserregern ahnten, <strong>aber ihre Praktiken haben es ihnen ermöglicht, gesund zu bleiben</strong>.“<br />
(Hodder 2010, S. 1; meine Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
<p>Diese Beschreibungen passten immer noch sehr gut zu einem Szenario mit hohem kulturellen Standard und Egalität, wie sie nur unter Matrifokalität anzutreffen ist, wo soziale Differenzierung aber nicht aktiv gedämpft werden muss, sondern entsprechend dem angeborenen Sozialverhalten in Sippenverbänden einfach nicht vorkommen kann.</p>
<p>Die am 17. Juni 2019 veröffentlichte Studie stammt nun von einem völlig anderen Team, das – oh Wunder – auch zu völlig anderen Ergebnissen gekommen ist, wie wir oben schon gesehen haben. Mit ihr werden die Ergebnisse, die im Archive Report 2010 veröffentlicht wurden, im Grunde dementiert. Die Arbeit von 17 Jahren für die Mülltonne?</p>
<h2 id="2011-den-wildbeutern-aehnlich-zusammengelebt-keine-familien-nachweisbar">2011: &#8222;den Wildbeutern ähnlich zusammengelebt &#8211; keine Familien nachweisbar&#8220;</h2>
<p>Wie ich bei meinen weiteren Recherchen entdeckte, ist die Studie aber nur die Krönung einer Kette von Studien, die seit 2011 nach und nach erschienen und zunächst von der Presse weitgehend unerwähnt blieben, bis auf eine: Sie trägt den Titel „’Offizielle’ und ‚praktische’ Verwandtschaft: Herleitung der sozialen und der Gemeinschaftstruktur aus dem Zahnphänotyp im neolithischen Çatalhöyük, Türkei (meine Übersetzung, im Original online:<a href="https://www.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ajpa.21520" target="_blank" rel="noopener"> “Official” and &#8222;practical&#8220; kin: Inferring social and community structure from dental phenotype at Neolithic Çatalhöyük, Turkey</a>).<br />
<a href="https://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html" target="_blank" rel="noopener">Das Ergebnis der Studie</a> wurde im Online-Magazin <em>Livescience</em> (Jarus 2011) unter dem Titel „Keine Familiengräber, nur Gemeinschaftsbegräbnisse in uralter Siedlung“ (meine Übersetzung, Originaltitel: „No family plots, Just Communal Burials In Ancient Settlement“) vorgestellt. An den Zähnen aus Gräbern in Çatal Höyük konnten keine Merkmale festgestellt werden, mit denen Verwandtschaften hätten nachgewiesen werden können.<br />
Dieses Ergebnis wirkt wie ein Salomonisches Urteil. Es wurden keine Kernfamilien – also Vater, Mutter und Kind – gefunden, aber das tut dem Team nicht weh, denn auf den ersten Blick lässt es auch Matrifokalität unwahrscheinlich erscheinen.</p>
<p>Ian Hodder zeigte sich darüber erstaunt und befand, dass die Bewohner den Wildbeutern ähnlich zusammengelebt haben müssten. Vielleicht tat er das in der Hoffnung, dass sich die Menschen die Steinzeit immer noch als patriarchales Jägerparadies vorstellen, wo Männer mit Keulen die Frauen an den Haaren hinter sich herzogen. Vielleicht war das auch bewusst diplomatisch ausgedrückt. Vielleicht denkt Hodder aber auch bis heute etwas anderes als das, was er verlauten lässt. Ich hoffe, wir werden es irgendwann erfahren.</p>
<p>Für mich kann es nichts anderes bedeuten, als dass die Menschen von Çatal Höyük wie noch die altsteinzeitlichen Wildbeuter <strong>matrifokal</strong> gelebt haben müssen, und zwar aus zwei Gründen:</p>
<ol class="liste1">
<li>ist es der Menschheit angeboren, dass Kinder bei ihren Müttern aufwachsen und es ist unwahrscheinlich, dass die Kinder in Çatal Höyük ihren Müttern weggenommen wurden. Zudem sind Mütter natürlicherweise auf die Hilfe ihrer Mütter, Schwestern und Cousinen angewiesen (<a href="https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410" target="_blank" rel="noopener">Großmutter-These, Beise/Voland 2003</a>). Dieses hochsoziale Kontinuum ist das Erfolgsgeheimnis der Menschheit mit ihrer extrem langen Kindheit.</li>
<li>legen patriarchale Familien stets besonderen Wert darauf, wenn möglich zusammen bestattet zu werden. Hintergrund ist, dass der familiäre Zusammenhalt in Patrilinearität in besonderer Weise zum Ausdruck gebracht werden muss. Die Notwendigkeit dazu ergibt sich aus der Unnatürlichkeit von Patrilinearität, die künstlich und gewaltsam hergestellt werden muss, indem die Mütter in der Familie regelrecht in Geiselhaft genommen werden, wie ich es bereits <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat" target="_blank" rel="noopener">an anderer Stelle</a> dargestellt habe. Familien sind infolgedessen brüchig und das gilt es zu vertuschen und zu beschönigen. Patrilinearität dient der Legitimation des Vaters und seines Erbes.<br />
Etwas, das mit so viel Aufwand installiert wurde, wird nicht im Tod ignoriert, sondern zelebriert, um der Patrilinie einen Ort zu geben, wo sie ihre Geschichte hochhalten kann. Etwas Vergleichbares oder bildliche Kunst, die darauf hinweisen könnte, gibt es in Çatal Höyük aber nicht.</li>
</ol>
<p>Ich vermute, dass Pilloud und Larsen vor allem nachweisen wollten, dass die Kinder mit den älteren Männern engst verwandt waren, sie haben sicher die Väter gesucht, aber ohne Erfolg. Was haben wir da also vor uns? Unter Matrifokalität leben die Onkel mit den Kindern ihrer Schwestern zusammen, aber das lässt sich nicht unbedingt an den Befunden aus der Studie ablesen, es fehlt ein Mitochondrien-DNA-Abgleich (mtDNA). Die Ähnlichkeit der Sippenmitglieder ist unter der gelebten <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">Female choice</a>, wie sie in Matrifokalität selbstverständlich ist, geringer, weil die nur über die Mutter blutsverwandten Sippenmitglieder genetisch voneinander weiter entfernt sind. Die Geschwister haben unterschiedliche Väter. Der Onkel hat damit auch einen anderen Vater als seine Schwester, ist also relativ weit von seinen Nichten und Neffen entfernt, obwohl er ihre mtDNA teilt, die nur über die Mutter vererbt wird. Größere genetische Vielfalt und nicht Endogamie (Inzucht) ist typisch für Matrifokalität. Das ist der entscheidende Unterschied zum Patriarchat, wo immer eifersüchtig darauf geachtet wird, dass eine Frau innerhalb des eigenen patrilinearen Stammes heiratet und monogam lebt. Bei einer Geschwisterehe (wie z.B. bei den ägyptischen Pharaonen) sind dann immer nur zwei Genpools beteiligt, und zwar der des Elternpaares. Unter Matrifokalität wären immer drei Genpools beteiligt, der der Mutter und die der beiden Väter. Aufgrund der chemotaktischen Inzest-Schranke kommt das so gut wie nie vor.<br />
Ob Hodder und sein neues Team dies alles vollständig durchdacht und verstanden hatten?</p>
<p>Die Studie gab damals Anlass zur Freude, bestätigte sie doch neuerlich Mellaarts Grundannahme. AutorInnen der Studie waren übrigens die Odontologin Marin A. Pilloud und der Bioarchäologe Clark S. Larson. Larsen gilt als Kapazität und war von 2001-2007 Chefredakteur eben jenes Magazins, in welchem die Studie 2011 veröffentlicht wurde, nämlich dem <em>American Journal of Physical Anthropology</em> ! Beide arbeiten seit der Entlassung des alten Teams immer wieder mit Ian Hodder zusammen und gehören auch jetzt wieder, nachdem Hodder sein Amt zurück gegeben hat und Çiler Çilingiroğlu von der Universität Izmir neue Grabungsleiterin ist, zum Studienteam. Es wurde dann für 8 Jahre ruhig um dieses Thema bis zu jenem 17. Juni 2019.</p>
<h2 id="2019-schwierigkeiten-mit-ueberbevoelkerung-gewalt-und-umweltproblemen">2019: &#8222;Schwierigkeiten mit Überbevölkerung, Gewalt und Umweltproblemen&#8220;</h2>
<p>Ich erfuhr von der neuen Studie auf der Facebook-Seite der Zeitschrift <a href="https://www.aid-magazin.de/startseite.html" target="_blank" rel="noopener"><em>Archäologie in Deutschland</em></a>, wo der entsprechende Artikel der <em>Ohio State News</em> verlinkt war (wofür hiermit gedankt sei!) und mit „Vor 9.000 Jahren, eine Gemeinschaft hatte mit modernen, urbanen Problemen zu kämpfen. Çatalhöyük hatte Schwierigkeiten mit Überbevölkerung, Gewalt und Umweltproblemen“ titelte (meine Übersetzung, <a href="https://news.osu.edu/9000-years-ago-a-community-with-modern-urban-problems/?fbclid=IwAR0-tx1IurYIziXbZWGwZ9wpuLCGKYsuuDik4T8_7tVANaK40XH9Z8LIz_E" target="_blank" rel="noopener">Originaltitel</a>).<br />
Mir fiel dabei auch besonders der folgende Satz auf:</p>
<blockquote><p>„Die Form der Verletzungen lässt darauf schließen, dass harte, runde Objekte auf die Schädel eingewirkt hatten – und Lehmkugeln in der richtigen Größe wurden ebenfalls gefunden.“<br />
(Grabmeier 2019, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Da erinnerte ich mich wieder, dass ja diese Lehmkugeln schon in den Neunziger Jahren gefunden worden waren, <a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/clay_balls/" target="_blank" rel="noopener">genauer gesagt Tausende davon</a>. Aufgrund fehlender Anzeichen für Gewalt waren sie ein Rätsel, aber das verschwieg die neue Studie. Sie wurden damals nur von manchen als Schleuergeschosse angesehen, auch als Sportgeräte konnte man sie sich vorstellen, besonders aber als Kochgeräte:</p>
<blockquote><p>„Wir sind nicht wirklich sicher, wofür sie benutzt wurden. Wir denken, sie könnten etwas mit dem Kochen zu tun haben. Denn sie wurden mit Ascheresten gefunden. Hier können Sie Asche und Kohle sehen, die wahrscheinlich von dem Feuer kamen.“<br />
(<em>Roddy Reagan in <a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/clay_balls/roddy/" target="_blank" rel="noopener">SMM 2003</a>, meine Übersetzung</em>)</p></blockquote>
<p>Die Archäologin Sonya Atalay wurde damals mit der Untersuchung der Kugeln betraut, die sie in 3 Kategorien einteilen konnte: Balloide, Minibälle und sogar „komisch“ geformt, dies alles in den unterschiedlichsten Größen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/www.smm.org/catal/media/images/mysteries/clay_balls/all_balls.jpg?w=349&#038;ssl=1" alt="Lehmkugel aus Catal Höyük - Bildquelle: https://www.smm.org"  border="0" /><br />
<span style="font-size: 9px;">Bildquelle: <a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/clay_balls/sonya/ball_types/" target="_blank" rel="noopener">https://www.smm.org/</a></span></p>
<p>Nun also sollen sie Wurfgeschosse sein, mit denen sich die Bewohner gegenseitig bewarfen und verletzten. Eine sehr steile These, denn es wurden der Studie zufolge auch nur geheilte Schädelverletzungen gefunden. Niemand wurde offenbar mit einem Stoß an den Kopf umgebracht.</p>
<p>Ich könnte mir aufgrund ihrer Menge vorstellen, dass die Lehmkugeln als Bettwärmer dienten. Denn die Winter waren kalt, so dass die Dachöffnungen sicherlich nachts geschlossen werden mussten und es daher nicht möglich war, nachts ein Feuer brennen zu lassen. Auf den <a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/clay_balls/" target="_blank" rel="noopener">Abbildungen</a> sieht man, dass sie in den Häusern nicht wild herum lagen, sondern in Clustern ordentlich abgelegt waren. Sie könnten zum Aufheizen in die Feuer gelegt worden sein, was die Brandspuren erklärt. Sowohl für diesen Zweck als auch als Wurfgeschoss hätten die BewohnerInnen genauso gut Steine nehmen können, haben sie aber nicht.</p>
<p>Die Schädelverletzungen insbesondere bei Frauen ließen sich auch ganz anders erklären, z.B. mit Stürzen von den zahllosen Leitern, über die die Häuser betreten werden mussten. Auch die begehbaren Dächer dürften öfter nachgegeben haben, denn sie waren nur von lehmverstärkten Flechtwerk abgedeckt. Sicherlich hatten die Frauen bereits damals eine größere Arbeitsbelastung und mussten über die Leitern schwere Lasten in die Häuser tragen. Dass dabei viel passieren konnte, sollte kein Wunder sein, ebenso wie das damit verbundene hohe Infektionsrisiko. Dass nach einer Dürre hungernde Menschen geringere Abwehrkräfte haben, ist auch nichts Neues, ebenso, dass sie aufgrund der allgemeinen Schwäche sich häufiger verletzten konnten. Dass die Frauen ihre Schädel-Verletzungen überlebten, zeugt aber dennoch von einer großen Fürsorge und auch einer gewissen Erfahrung, wie Wundinfektionen einzudämmen sind. Auch die allgemeine Karies-Rate von nur 10-13% zeugt von Wissen, dass und wie Zähne zu pflegen sind. Der Vergleich mit der Gegenwart zeigt, dass Larsen auch hier dramatisiert: <a href="https://www.derwesten.de/incoming/karies-ist-die-haeufigste-erkrankung-in-deutschland-id109385.html" target="_blank" rel="noopener">Laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung der deutschen Zahnärzte</a> hatte vor vierzig Jahren jeder Jugendliche im Schnitt sieben Zähne, die an Karies erkrankt waren. Gehen wir mal von 28 sichtbaren bleibenden Zähnen aus, ist das eine Rate von 25%, im Laufe des Lebens kamen dann noch die meisten anderen Zähne dazu. Viele Menschen tragen heute Vollprothesen, und das, obwohl vor 40 Jahren bereits eine Erziehung zur Zahnpflege erfolgte und Fluorzahnpasten die Regel waren.<br />
Çatal Höyük war bei weitem nicht so ein gruseliger Ort, wie er jetzt hingestellt werden soll!</p>
<h2 id="die-studie-unter-der-lupe">Die Studie unter der Lupe</h2>
<p>Noch am gleichen Tag begann ich damit, der Sache nachzugehen. Ich besorge mir natürlich immer die Originalstudien. Am von der Presse verlinkten Ort des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Peer-Review" target="_blank" rel="noopener">peer-reviewten</a> Magazins <a href="https://www.pnas.org/content/116/26/12615" target="_blank" rel="noopener">PNAS</a> befindet sich jedoch eine Bezahlschranke (<em>Paywall</em>), und wir können nur das <em>Abstract</em> lesen. Eine kostenlose Version müssen wir uns über die Suchmaschine unserer Wahl suchen und glücklicherweise werden wir auch <a href="https://www.researchgate.net/publication/333828774_Bioarchaeology_of_Neolithic_Çatalhoyuk_reveals_fundamental_transitions_in_health_mobility_and_lifestyle_in_early_farmers" target="_blank" rel="noopener">sofort fündig</a>.</p>
<p>Ich fand die wesentlichen Aussagen von der Presse gut wiedergegeben. Die Sache mit den Schädelverletzungen (vgl. oben) haben sie wie folgt ausgeführt:</p>
<blockquote><p>„Die Gemeinschaft von Çatalhöyük zeigt ein erhöhtes Maß an zwischenmenschlicher Gewalt, das durch geheilte Schädel-Depressionsfrakturen bei 25 Personen der Stichprobe von 93 Schädeln dargestellt wird (…) Insgesamt sind etwas mehr Frauen als Männer betroffen (13 gegenüber 10 bei Schädeln mit eindeutiger Geschlechtsidentifikation). Zwölf der 93 (13%) waren Mehrfachverletzte, die sich im Laufe der Zeit 2 bis 5 Verletzungen zugezogen hatten. Diejenigen mit den meisten Wiederverletzungen sind erwachsene Frauen.“ (Larsen <em>et al.</em> 2019, S. 7, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Sie haben es also fertig gebracht, 93 Schädel in die Studie aufzunehmen, von denen bei manchen das Geschlecht gar nicht festzustellen ist! So wird es simpel möglich zu behaupten, dass etwas mehr Frauen betroffen sind. Das Ergebnis bedeutet nicht, dass mindestens 7 Frauen Mehrfachverletzte waren, sondern unter den 12 Mehrfachverletzten waren mehr Frauen, die besonders viele Verletzungen erlitten, es können also auch weniger als 6 gewesen sein. Eine einfache Liste hätte geholfen, die Sache klar und deutlich zu machen, aber sie verstecken ihren Befund hinter unklaren Formulierungen. Leider fehlen auch jegliche Fotos von diesen Verletzungen.</p>
<p>Ein äußerst bedeutender Absatz der Original-Studie jedoch wird erstaunlicherweise in der Presse weggelassen:</p>
<blockquote><p>„Auf einer größeren regionalen Skala zeigt die Analyse der phänotypischen Variationen der Zähne aus Çatalhöyük und von zwei anderen zentralanatolischen neolithischen Gemeinschaften – Aşıklı Höyük und Musular – eine allgemeine Ähnlichkeit, was auf eine regional enger verwurzelte Variation hindeutet (60). Darüber hinaus gibt es in Çatalhöyük bei Männern ein Muster geringerer Unterschiede im dentalen Phänotyp als bei Frauen, das die Wahrscheinlichkeit eines <strong>patrilokalen, ehelichen Aufenthalts</strong> dokumentiert (61) und was Auswirkungen auf Personenbewegungen, Muster des Genflusses und die Strukturierung der Bevölkerung hat, basierend auf Frauen, die in die Gemeinschaft ziehen“. (Larsen <em>et al.</em> 2019; meine Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
<p>Dies bedeutet, dass nun ein Patriarchat – und damit Familien – für wahrscheinlich gehalten wird. Das ist natürlich ein noch größerer Paukenschlag! Und dem musste weiter nachgegangen werden…</p>
<p>Die beiden Literaturangaben beziehen sich auf 60 = &#8222;Pilloud <em>et al.</em> 2018&#8243; und 61 = &#8222;Königsberg 1988&#8220;. Letztere beschreibt eine schon 30 Jahre alte Methode zur Interpretation von Messdaten, die anhand von Schädeln nordamerikanischer Indianer entwickelt wurde und bis in die Gegenwart Anwendung findet. Ersteres aber ist brisant. Marin A. Pilloud, Clark S. Larsen und Kollegen hatten im Jahre 2018 an der jährlichen Konferenz der <em>American Association of Physical Anthropologists</em> teilgenommen und die obige Literaturangabe bezieht sich auf ein Poster (von zweien), das anlässlich der Konferenz gestaltet wurde und bei <a href="https://scholar.google.com/scholar_lookup?author=M.+A.+Pilloud&amp;title=Mobility+in+Neolithic+central+Anatolia%3A+A+comparison+of+dental+morphometrics+and+aDNA&amp;publication_year=2017&amp;journal=Am.+J.+Phys.+Anthropol.&amp;volume=162" target="_blank" rel="noopener">Google Scholar</a> verlinkt ist, sowie auf ein Abstract, das in einem Beiheft des <em>American Journal of Physical Anthropology</em> abgedruckt ist.</p>
<h2 id="sekundaerquellenkritik-poster-1-von-2018">Sekundärquellenkritik &#8211; Poster 1 von 2018</h2>
<p>Zur Fragestellung findet sich auf dem Poster aber lediglich folgende Angabe:</p>
<blockquote><p>“Frühere Analysen der Zahnmorphology und Maße (Aşıklı Höyük, Musular, and Çatalhöyük) weisen darauf hin, dass eine patrilokale, eheliche Residenzpraxis betrieben wurde (Pilloud 2013), was sich auf die räumlichen Bewegungen von Menschen und die Entwicklung strukturierter Gesellschaften im Laufe der Zeit auswirkt.“<br />
(Pilloud <em>et al.</em> 2018, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Die Studie von 2019 beruft sich also auf ein Poster, welches nur plakative Angaben macht und sich damit wiederum auf eine andere Quelle, und zwar von 2013 beruft, die wir uns natürlich wieder beschaffen müssen! Die Quelle ist Marin A. Pilloud, diesmal ganz alleine, die uns schon aus dem Jahre 2011 bekannt ist als diejenige, die keine Familiengräber finden konnte. Nach der Quellenangabe „S. 221-222“ waren zwei DINA4 Seiten zu erwarten. Das erstaunte mich doch sehr und dem bin ich weiter nachgegangen, erwartete ich doch eigentlich, nun endlich eine groß angelegte Studie mit Aussagen über die Zahl, das Geschlecht, den Fundort, Erhaltungszustand etc. der Zähne und Angaben über die verwendeten Methoden zu finden. Leider (oder natürlich?) ist diese Quelle nicht im Internet abrufbar.</p>
<h2 id="primaerquellenkritik-supplement-von-2013-das-duennste-brettchen-der-welt">&#8222;Primärquellen&#8220;kritik &#8211; Supplement von 2013: Das dünnste Brettchen der Welt</h2>
<p>Also habe ich meinen Universitätsbibliotheks-Account geöffnet und in der GBV-Fernleihe-Datenbank danach gesucht. Die betreffende Zeitschrift ist bei mir vor Ort nur bis zum Jahrgang 1999 einsehbar, lässt sich jedoch über Fernleihe bestellen. Dies funktionierte aber nicht und lieferte die Meldung zurück, dass ich das Heft ja in meiner Bibliothek einsehen könne. Darum musste ich mich persönlich auf den Weg in die Bibliothek machen, um das Problem dort einer Fachkraft vorzutragen. Es handele sich um einen nicht seltenen Fehler und ich könne es in der Fernleihstelle per Email melden, wo man mir helfen würde. Tatsächlich wurde der gesuchte Artikel nach ein paar Tagen von der Staatsbibliothek Berlin nach Braunschweig gesendet, der Fehler konnte aber nicht behoben werden. Die Dame am Ausleiheschalter, die ja einiges gewohnt ist, meinte „oh, das ist aber dünn“ und händigte mir drei zusammengetackerte DINA4-Seiten aus. Seite 1 war das Deckblatt der Bibliothek. Seite 2 und 3 waren die Kopien mit dem Artikel. Jedoch – die Seiten waren 3-spaltig aufgebaut und der gesuchte Text begann auf Seite 2 erst in Spalte 3 ganz unten, letzte 8 Zeilen, und endete schon wieder auf Seite 3 in der Mitte der Spalte 1. Da hat Pilloud aber „Glück“ gehabt, dass der Text, eine Ergänzung (Supplement) von vielen zu der zugehörigen Zeitschrift, der locker auf einer Postkarte Platz gefunden hätte, nicht nur auf Seite 3 abgedruckt wurde!</p>
<p><img data-recalc-dims="1" height="300" width="300" decoding="async" class="size-medium wp-image-4790 aligncenter" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/text.jpg?fit=300%2C300&#038;ssl=1" alt="Kopien, 2 DIN A4-Seiten" /></p>
<p>Der Kürze und Brisanz wegen kann bzw. muss ich hier den gesamten Text zitieren:</p>
<blockquote><p>“<strong>Eheliche Residenz im neolithischen Anatolien.</strong><br />
MARIN A. Pilloud. Central Identification Laboratory, Joint POW / MIA Accounting Command.<br />
Die neolithische Anlage von Çatalhöyük, Türkei (7400-5600 cal BC) ist bekannt für eine Bilderwelt mit weiblicher Symbolik, die dort entdeckt wurde, darunter die sogenannten Göttin-Figurinen. Das Vorhandensein solcher Artefakte hat einige Forscher zu dem Schluss geführt, dass in Çatalhöyük eine Art Fruchtbarkeitskult mit dem Weiblichen als zentraler Figur betrieben wurde. Diese Art der Verehrung gepaart mit der Tatsache, dass Çatalhöyük ein frühes Zentrum der Landwirtschaft war, führte andere zu der Argumention, dass Çatalhöyük eine matriarchale Gesellschaft gewesen sei. Jedoch, archäologische Untersuchungen des Ortes haben gezeigt, dass zwischen den Geschlechtern in Bezug auf Ernährung, Aktivitäten und Bestattung sehr wenig Unterschied besteht. Die vorliegende Studie prüft die Hypothese einer weiblich zentrierten Gesellschaft mittels einer Analyse des ehelichen Wohnsitzes basierend auf der Zahn-Metrik und -Morphologie. Die Daten wurden an erwachsenen Gebissen aus Çatalhöyük sowie zwei weiteren neolithischen Stätten in Anatolien, Aşıklı Höyük und Musular, gesammelt. Die Daten von Männern und Frauen wurden innerhalb von Çatalhöyük verglichen sowie zwischen den drei neolithischen Standorten, um die phänotypische Variation der Zähne zu bewerten.<br />
Innerhalb Çatalhöyük zeigen Varianz-Unterschiede in Bezug auf eine Variable, dass die Frauen mehr Variation in der Zahngröße aufweisen als die Männer. Zwischen den drei Standorten zeigten Tests in Bezug auf eine Variable, der Zahngröße, große Unterschiede bei den Männern, während die Frauen sehr ähnlich waren. Die Zahn-Morphologie identifizierte wenige Unterschiede sowohl innerhalb von Çatalhöyük als auch zwischen den drei Standorten für Mann oder Frau. Basierend auf diesen Ergebnissen scheint es, dass die Frauen das mobilere Geschlecht waren, was mit der Erwartung einer patrilokalen Gesellschaft in Einklang steht.<br />
Gefördert durch Zuschüsse von der Ohio State University, American Research Institute in der Türkei und National Geographic.“<br />
(Pilloud 2013, S. 221 f, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Was sagt uns das? <strong>Erst einmal gibt es wieder Grund zur Freude</strong>: Unbeabsichtigt hat Marin A. Pilloud ihrer Logik nach den Nachweis geführt, dass die Menschen von Aşıklı Höyük und Musular deutlich matrilokal gelebt haben müssen. Größere Ähnlichkeit der Zähne der Männer innerhalb eines Ortes und geringere Ähnlichkeit in einem weiteren Raum bedeutet, dass die Männer ortstreu seien, also patrilokal heiraten, aber nur, wenn für die Frauen etwas anderes festgestellt wird. Das war an diesen beiden Orten NICHT der Fall. Auch in Çatal Höyük war das nur für die <strong>Zahngröße</strong> festgestellt worden, nicht aber für die Form, die <strong>Morphologie</strong> der Zähne! In der Studie von 2019 wird aber behauptet – ich wiederhole: „<em>Darüber hinaus gibt es in Çatal Höyük bei Männern ein Muster geringerer Unterschiede im dentalen Phänotyp als bei Frauen, das die Wahrscheinlichkeit eines <strong>patrilokalen, ehelichen Aufenthalts</strong> dokumentiert</em>“ (Larsen <em>et al.</em> 2019, m. Ü., m. H.) Im Poster wird sogar behauptet – ich wiederhole: “<em>Vorherige Analysen der <strong>Morphology und Maße </strong>der Zähne (Aşıklı Höyük, Musular and Çatalhöyük) deuten an, dass eine patrilokale, eheliche Residenzpraxis betrieben wurde (Pilloud 2013), welche Auswirkungen auf die Bewegungen über den Raum und die Entwicklungen strukturierter Gesellschaften im Laufe der Zeit hatte.</em>“ (Pilloud <em>et al.</em> 2018, m. Ü., m. H.)</p>
<p>Es sind in Çatal Höyük nur Unterschiede in der <strong>GRÖSSE</strong> gefunden worden und an den anderen neolithischen Orten nicht einmal das. Für das viel bedeutendere Kriterium, nämlich die <strong>FORM,</strong> weist Çatal Höyük nur wenige, das heißt keine signifikaten Unterschiede auf. Damit handelt es sich hier um eine Falschaussage in dem Poster von 2018 und um eine Übertreibung („phänotypisch“) in der Studie vom 17. Juni 2019.</p>
<p>Da dem Text von Pilloud 2013 keine Tabellen beiliegen, dürfen wir uns fragen, nach welchen Kriterien die Zähne ausgesucht wurden. Wo wurden sie z.B. gefunden? Dazu keinerlei Angabe, auch nicht zur Anzahl der untersuchten Individuen.</p>
<p>Marin A. Pilloud schreibt von „sog. Göttinnen-Figurinen“, was bereits eine klare, ideologische Absage an Marija Gimbutas und James Mellaart ist, und schlimmer noch, sie wischt mit einem rhetorischen Schachzug Matrifokalität vom Tisch, in dem sie von einem Matriarchat im Sinne von Frauenherrschaft, also von Ungleichheit spricht, von der insbesondere aber Marija Gimbutas nie gesprochen hat. Dass Matrifokalität die einzige Lebensform ist, die echte Egalität ermöglicht, weiß Pilloud entweder nicht, oder sie WILL es nicht wissen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, und das habe ich leider erst jetzt bemerkt, dass sie zum Zeitpunkt dieser „Untersuchung“ und insgesamt vier Jahre für das US-Verteidigungsministerium (Central Identification Laboratory, Joint POW / MIA Accounting Command) gearbeitet hat, dessen erzpatriarchale Gesinnung wir nicht ausführen müssen.</p>
<p>Weil leider nicht immer nur Wissen erschaffen, sondern auch Wissen vorgetäuscht wird, hat die Wissenschaftsethik 12 zu erfüllende Kriterien aufgestellt. Dies sind<br />
1. Ehrlichkeit<br />
2. Objektivität<br />
3. Überprüfbarkeit<br />
4. Reliabilität<br />
5. Validität<br />
6. Verständlichkeit<br />
7. Relevanz<br />
8. Logische Argumentation<br />
9. Originalität<br />
10. Nachvollziehbarkeit<br />
11. Fairness<br />
12. Verantwortung<br />
(FH DO 2011, S. 15, <a href="https://www.springer-campus-it-onlinestudium.de/w3lmedia/W3L/Medium112698/9783868340341_Leseprobe.pdf" target="_blank" rel="noopener">online, im PDF S. 3</a>)</p>
<p>Menschen können sich auch irren, nicht nur JournalistInnen, auch ArchäologInnen stehen unter Druck. Einerseits müssen sie sensationelle Ergebnisse vorweisen, um Geld für den Fortgang einer Grabung einfordern zu können, andererseits sind die Geldgeber und Archäologen daran interessiert, dass die Grabungsergebnisse ihr Weltbild bestätigen, das ja immer ein patriarchales ist. Insbesondere die Grabungsgeschichte von Çatal Höyük, das in der Zentral-Türkei gelegen ist, ist ein Beispiel dafür, wie schnell eine Grabung für beendet erklärt wird und missliebige Archäologen entfernt werden. Nach Hodders unspektakulärem Abgang ist die Grabung wieder ganz in türkischen Händen. Ein anderes Beispiel ist die Ausgrabung in Ephesus, wo dem österreichischen Team im Jahre 2016 aus politischen Gründen die Grabungslizenz entzogen wurde (<a href="https://science.orf.at/stories/2891594/" target="_blank" rel="noopener">Sciene ORF 2018</a>). Aber das nur am Rande.</p>
<p>Das Poster 1 <em>Pilloud et al. 2018</em> wirft damit noch weitere Fragen auf.</p>
<ol class="liste1">
<li>Unter &#8222;Materialien und Methoden&#8220; wird die Tabelle 2, die nur Daten aus Aşıklı Höyük, Musular and Çatal Höyük enthält, falsch zugeordnet: „<em>Data were collected on nuDNA from a subset of Individuals from Boncuklu und Tepecik-Çiftlik (Table 2).</em>“ Die Daten zur nuDNA befinden sich jedoch in „Figure 3“. Ein einfacher Schreibfehler ist das nicht, sondern bereits Nachlässigkeit, und dies auf einem kleinen Poster, das eine Aussage von erheblicher Tragweite trifft. Der Satz lässt ein zweites Mal aufmerken. Denn die Überschrift des Posters lautet „Mobility in Neolithic Central Anatolia: A Comparison of Dental Morphometrics and aDNA“. Aber die Untersuchung der Zähne aus Çatal Höyük wurde <strong>NICHT</strong> durch eine DNA-Untersuchung abgesichert! Dies ist in gewisser Weise eine manipulative Gestaltung der Studie und ihrer Überschrift.</li>
<li>Das Poster enthält insgesamt 3 Tabellen und eine Abbildung, die möglicherweise schon 2013 von Marin A. Pilloud produziert worden sind. Hat es 4 Jahre gedauert, bis das Forscherteam, zu dem wieder Marin A. Pilloud gehörte, damit auf eine Konferenz gegangen ist? Das Poster erweckt aber den Eindruck, als seien es völlig neue Daten. Aber waren die Daten vielleicht noch so wenig aussagekräftig, dass sie weiter verwertet werden mussten oder gibt es einen anderen Grund? Denn das vorliegende Poster soll primär etwas anderes zum Ausdruck bringen. Wir lesen dort als Ergebnis (das ich abschreiben musste, weil das PDF des Posters kopiergeschützt ist):<br />
<blockquote><p>„Diese Ergebnisse legen die regionale Entwicklung von Gemeinschaften nahe, die im Laufe der Zeit begannen, miteinander zu interagieren, was schließlich zu größeren dörflichen Siedlungen führte.“<br />
(Pilloud <em>et al. </em>2018; meine Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
</li>
</ol>
<p>Pillouds „Studie“ von 2013 hat, das zeigen nun diese Tabellen im Poster 1 von 2018 (wenn es tatsächlich diejenigen sind), große Schwächen, von der Tatsache abgesehen, dass allein das Kriterium der Zahngröße zu der brisanten Aussage herangezogen werden konnte. Da ist schon einmal die geringe Anzahl und das ungleiche Geschlechterverhältnis der untersuchten Individuen. Um Residenzregeln zu beweisen, müssen gleich viele Männer wie Frauen untersucht werden. (Dieser Fehler wurde schon bei den <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/das-massaker-von-talheim" target="_blank" rel="noopener">Untersuchungen am bandkeramischen Massaker von Talheim/Neckar</a> gemacht, wo die Archäologin Ursula Eisenhauer ebenfalls Patrilokalität nachzuweisen versuchte, was ich ebenfalls entkräften konnte; vgl. Uhlmann 2012 und Düring/Wahl 2014, S. 22 f).<br />
Aber es wurden hier 56 Männer und 67 Frauen (Verhältnis 0,84) untersucht. Dass bei mehr Frauen auch mehr Unterschiede festgestellt werden, sollte uns nicht wundern. In Aşıklı Höyük wurden 11 Männer und 14 Frauen (Verhältnis 0,79) und nur in Musular gleich viele, jedoch nur 3 Männer und 3 Frauen untersucht und hier wurden auch die geringsten Unterschiede gefunden.<br />
Wir erfahren wie gesagt auch nichts darüber, an welchen Stellen die Zähne gefunden wurden, denn Çatal Höyük ist viel größer als Aşıklı Höyük und Musular. Durch gezielte Auswahl von weiblichen Zähnen an unterschiedlichen Orten, wäre das Ergebnis leicht zu manipulieren gewesen. Wir erfahren auch nichts über das mutmaßliche Alter der „Frauen“ zum Todeszeitpunkt und den Erhaltungszustand im Vergleich der Zähne untereinander. Auch Fotos wären anschaulich gewesen.</p>
<p>Der verwendete Datensatz ist leider auch nicht identisch mit dem aus der Studie von Pilloud/Larsen 2011, bei der keine Familiengräber gefunden wurden. 2011 wurden 266 Individuen einbezogen, 2013 offenbar (wenn die Tabelle im Poster von 2017 tatsächlich aus dem Jahre 2013 stammt) nur 256. Als Untermauerung einer so schwerwiegenden Aussage ist diese Quelle <em>Pilloud 2013</em> völlig ungeeignet und hat, obwohl auch sie in dem sog. peer-reviewten Fachmagazin „American Journal of Physical Anthropology“ veröffentlicht wurde, lediglich den Wert einer Zeitungsmeldung.</p>
<h2 id="sekundaerquellenkritik-poster-2-von-2018">Sekundärquellenkritik &#8211; Poster 2 von 2018</h2>
<p>Werfen wir noch einen Blick auf das <a href="https://www.researchgate.net/publication/327537029_Dental_Diversity_and_Population_Movement_in_Neolithic_Central_Anatolia" target="_blank" rel="noopener">2. Poster</a> (Philbin/Pilloud 2018), das auf der Konferenz präsentiert wurde. Es geht darin wieder um Zahn-Untersuchungen aus den gleichen Orten, nur Tepecik-Çiftlik fehlt. Die AutorInnen sind diesmal Casey S. Philbin und Marin A. Pilloud. Sie betonen in der rechten Seitenspalte, dass Clark S. Larsen Einfluss auf die Studie genommen hat. Es wurden zwei Hypothesen überprüft. 1. die neolithischen Gemeinschaften entwickelten sich regional, und 2. während des jüngeren Neolithikums gab es verstärkten Kontakt zwischen den Siedlungen und einen Genfluss. Im Ergebnis hätte sich beides bestätigt, alle Orte hätten an Diversität zugenommen. Die Zunahme an Merkmalen deute auf eine Zunahme der Komplexität der Gemeinschaft hin. Die Studie diene dem Verständnis, wie sich die Sesshaftigkeit über Europa ausgebreitet hatte, mit Anatolien als führender Rolle.<br />
Diesmal wurde kein Augenmerk auf das Geschlecht der untersuchten Individuen gelegt. Aus Çatal Höyük wurden deutlich weniger Zähne ausgewertet, nämlich nur 137, während die Anzahl aus Aşıklı Höyük mit 39 etwas mehr war und Musular mit 7 gleich blieb. Diese DNA-Untersuchungen können also keine Patrilokalität beweisen, lediglich die Vermischung der Gene in der Region, was ja auch erwartet war.</p>
<p>Wir können daraus ablesen, dass Çatal Höyük eine starke Anziehungskraft ausübte. Die Sogwirkung beweist, dass Çatal Höyük über einen sehr langen Zeitraum nicht so unwirtlich und so gewalttätig gewesen sein kann, wie es Larsen am 17. Juni 2019 verlauten ließ.<br />
Die Sogwirkung allein dem massenhaften Zuzug von Ehefrauen zuzuschreiben, ist nicht haltbar, auch hätte es dann vor Ort einen permanenten Männerüberschuss, also einen Heiratsmarkt, hätte geben müssen, wenn die Männer nicht polygam gelebt haben. Das wiederum dürfte angesichts der Bildsprache der Rauminstallationen in den Häusern kaum der Fall gewesen sein. Im Gegenteil, die Menge verbauter Bukranien (Rindergehörne), die wenn sie denn tatsächlich männliche Tiere bzw. Männer repräsentieren, ist deutlich größer als die Zahl der Frauenfiguren, neben denen sie angeordnet sind. Ich würde sie eher als Symbole der vielen Liebhaber einer Mutter ansehen. Es ist nachvollziehbar, dass die zugezogenen Frauen ihre Liebhaber vor Ort ausgewählt und getauscht haben. Aber deswegen muss frau ja nicht gleich heiraten, wie es so schön heißt.</p>
<p><a title="Elelicht [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_EL.JPG"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/08/Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_EL.JPG/512px-Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_EL.JPG" alt="Catal Hüyük EL" width="512" /></a><br />
Installation aus Çatal Höyük: Oben Urmutter in Gebärhaltung, unten Bukranien. Neben dem Ofen erkennen wir Lehmkugeln.<br />
Rekonstruktion im Museum of Anatolian Civilizations, Ankara<br />
<span style="font-size: 8px;">Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<p>Es dürfte sich daher um den Zuzug ganzer Sippen oder Teilen von Sippen gehandelt haben, wobei vor allem die Frauen es attraktiv fanden, fortan in der Metropole zu wohnen und die Zuwanderung auch der Männer maßgeblich vorantrieben. Es müssen sich daraus Vorteile für sie selbst ergeben haben, u.a., auf den ersten Blick, eine größere Auswahl an Männern. Natürlich kann so der Eindruck entstehen, es hätte sich um patrilokale Familienbeziehungen gehandelt. Mangelnde Vorstellungskraft und Rückwärtsprojektion patriarchaler Verhältnisse führen zu solchen Verlautbarungen. Auf der Basis der Beobachtung, dass in patriarchalen Gesellschaften darauf geachtet wird, dass Familienmitglieder gemeinsam bestattet werden, gehen Hodder, Larsen und Pilloud davon aus, dass von der Art der Bestattung auf die des sozialen Zusammenlebens geschlossen werden kann. Bei matrifokalen Gemeinschaften ist das aber nicht so einfach. So wissen wir aus dem matrilinearen Völkern in Amerika, Afrika und Asien, dass die Kinder oft gar nicht wissen, welche Frau ihre eigene Mutter ist (Tazi-Preve 2017, S. 155f und 2018). Es gibt dann kein Wort für Tante, sondern nur das Wort Mutter.</p>
<p>Çatal Höyük war keine Ansammlung von Parallelgesellschaften, sondern ein echter Schmelztiegel. Wir können davon ausgehen, dass die Kinder auch von Nachbarsippen mitbetreut wurden und, wenn ein Kind Waise, also mutterlos wurde, nahtlos von anderen Sippen adoptiert wurde, was aus psychologischer Sicht sicher hilfreich war. Vielleicht war ja genau das der größte Vorteil, den Kinder dort hatten, dies in der Zeit des Hungers nach der Misox-Schwankung. In großen sesshaften, matrifokalen Gemeinschaften ist demnach gar nicht zu erwarten, dass die mütterlichen Linien beieinander bestattet sind. Für altsteinzeitliche, nichtsesshafte Wildbeutergruppen dürfte dies anders gewesen sein, da die Gruppen wesentlich kleiner waren, nur aus einer Sippe bestehend, mit ca. 80-120 Personen und nicht wie in Çatal Höyük mit mehreren Tausend.</p>
<p><a title="Stipich Béla [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_Restauration.JPG"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/7b/Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_Restauration.JPG/256px-Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_Restauration.JPG" alt="Catal Hüyük Restauration" width="256" /></a><br />
Raum aus Çatal Höyük: Unter den Schlaf-Plattformen wurden die Angehörigen bestattet. Rekonstruktion im Museum of Anatolian Civilizations, Ankara<br />
<span style="font-size: 8px;">Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<h2 id="neue-verwandtschaftsstudie-von-2019-aehnlich-den-matrilinearen-Pueblo">Neue Verwandtschaftsstudie von 2019: Ähnlich den matrilinearen Pueblo?</h2>
<p>Bei meiner Recherche entdeckte ich eine weitere 2019 erschienene, wesentlich nüchternere (<a href="https://www.mdpi.com/2073-4425/10/3/207" target="_blank" rel="noopener">und auch frei im Internet abrufbare</a>) Studie eines völlig anderen Teams polnischer, tschechischer, schwedischer und türkischer BiologInnen und ArchäologInnen. Sie untersuchten 4 benachbarte Häuser in Çatal Höyük aus der sog. Mellaart-Phase VI A und konnten dort insgesamt 10 verschiedene Mitochondrien-DNAs (mtDNA) identifizieren, also im Schnitt 2,5 mtDNAs pro Haus. Insgesamt wurden 37 Individuen untersucht, und zwar zehn aus Gebäude 96, sechs aus Gebäude 97, fünf aus Gebäude 89, und 16 aus Gebäude 80, wo nebenbei erwähnt besonders viele Installationen gefunden wurden.<br />
Davon waren viele Proben kontaminiert, so dass am Ende nur 10 Individuen berücksichtigt werden konnten. Es waren 5 Kinder und 5 Erwachsene. Es konnten nur 3 weibliche Individuen eindeutig indentifiziert werden, davon zwei Kinder. Nach der DNA konnte kein Mann zweifelsfrei identifiziert werden, nach der Morphologie ist vermutlich nur ein Mann dabei.<br />
Keine der mtDNAs kam in ein und demselben Haus mehrfach vor, aber in den 4 benachbarten Häusern fanden sich VertreterInnen von insgesamt 6 „Lineagen“ (U, K, H, W, N und X), die aber zu 10 verschiedenen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Haplotyp" target="_blank" rel="noopener">Haplotypen</a> gehörten. Alle Erwachsenen gehörten unterschiedlichen „Lineagen“ an.<br />
Im Gebäude 96 wurden eine Frau und 3 Kinder gefunden, die keine Verwandten ersten Grades waren. Dies wird wie folgt interpretiert:</p>
<blockquote><p>“Der Fall der im Gebäude 96 begrabenen Personen ist besonders interessant, da vier verschiedene mitochondriale Haplotypen darauf hindeuten, dass mindestens vier verschiedene mütterliche Abstammungslinien in der Gruppe der Personen vorlagen, die in diesem bestimmten Haus beigesetzt wurden. Eine derart hohe Variabilität mitochondrialer Haplogruppen in einer Verwandtschaftsgruppe, insbesondere bei Kindern und Frauen, <strong>könnte durch die Patrilokalität erklärt werden</strong>. Unter der Annahme, dass das Haus als für Çatal Höyük typische Struktur für 3-4 Generationen bewohnt war (…) und von einer matrilokalen oder bilateralen biologischen Verwandtschaftsgruppe bewohnt wurde, ist die Möglichkeit unplausibel, vier Individuen zu finden, die unterschiedliche mütterliche Abstammungslinien repräsentieren und die in Geschlecht und Alter zusammen passen. Zur Untermauerung dieser Interpretation sollten jedoch entweder die väterlichen Abstammungslinien analysiert werden, die in den Y-Chromosomen-Daten widergespiegelt sind, oder es ist eine genaue Schätzung der Größe der betreffenden Verwandtschaftsgruppe erforderlich. Da das Gebäude 96 nicht vollständig ausgegraben wurde (…), wurden bisher nur zehn Personen freigelegt. Es ist nicht auszuschließen, dass sich noch mehr Verstorbene unter seinem Boden befinden.“<br />
(Chyleŉski et al. 2019, S. 8)</p></blockquote>
<p>Die Ergebnisse passen natürlich gut zu der ersten Studie Pilloud/Larsen 2011 und es fällt wohltuend auf, dass erwähnt wird, dass die Ergebnisse mit den Daten der Y-Chromosomen abgesichert werden müssen und zudem die Zahl der Untersuchten unvollständig ist.<br />
Nicht ausschließlich Patrilokalität, mit der sich ja Marin A. Pilloud viel zu weit aus dem Fenster lehnt, sondern auch andere Arten des Zusammenlebens werden erwogen, z.B. wird auch ein Vergleich mit den Pueblo Nordamerikas angestellt. Dass die Pueblo matrifokal waren, wird allerdings unterschlagen. Die Siedlungen der Pueblo dienten immer wieder als Vorbild bei der Rekonstruktion des Siedlungshügels.</p>
<p><a title="Popular Science Monthly Volume 41 [Public domain], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:PSM_V41_D825_Terrace_houses_of_the_pueblo_indians_in_new_mexico.jpg"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/d2/PSM_V41_D825_Terrace_houses_of_the_pueblo_indians_in_new_mexico.jpg/256px-PSM_V41_D825_Terrace_houses_of_the_pueblo_indians_in_new_mexico.jpg" alt="PSM V41 D825 Terrace houses of the pueblo indians in new mexico" width="300" /></a><br />
Pueblo-Terrassenhäuser in New Mexiko<br />
<span style="font-size: 8px;">Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<p>Es wird auch überhaupt nicht in Betracht gezogen, dass Adoptionen häufig vorgekommen sein müssen. Wichtig ist aber der Hinweis, dass es in Tepecik-Çiftlik und Boncuklu Höyük starke Indizien für mitochondriale Verwandtschaft gibt. Auch das legt nahe, dass diese Orte noch keine Metropolen waren, sondern matrilinear gewachsene, geschlossene Gemeinschaften. Insbesondere Boncuklu Höyük wird als einer der genetischen Ursprungsorte Çatal Höyüks vermutet (Chyleŉski <em>et al.</em> 2019, S. 9).</p>
<p>Matrilokalität und Matrilinearität ist unser angeborenes Sozialverhalten. Patrilokalität und Patrilinearität, also Patriarchat, ist keine natürliche Option für den Menschen, sondern es gibt dafür immer einen unnatürlichen Grund, und zwar wirtschaftlicher Art, und es ist natürlich nicht egalitär. Die Entstehung eines Patriarchats ist an die Tierzucht in Herdenhaltung gebunden, und dafür gibt es in Çatal Höyük keine Anzeichen, lediglich Tierhaltung im kleinen Rahmen und Jagd sind belegt. Daher ist plausibel, dass die BewohnerInnen ihre gewohnte Freiheit weiterlebten, nachdem sie in Çatal Höyük angekommen waren. Çatal Höyük kann als Beleg dafür herangezogen werden, dass Matrifokalität zu größerer Toleranz unter Fremden und zu starker Gemeinschaft führen kann. Es spricht vor allem auch für meine These, dass matrifokal aufwachsende Kinder sich ihre wichtigsten Bezugspersonen selbst suchen und selber wissen, was und wen sie brauchen.</p>
<p>Eine archäologische Stätte, die derart bedeutend für die Menschheit ist, weil sie die Überreste unseres matrifokalen Erbes bewahrt, sollte, wie jeder andere Forschungsgegenstand auch verantwortungsvoll erforscht werden. Verantwortung ist in einer Zeit von wieder erstarkender patriarchaler Ideologie ein immer wichtigeres wissenschaftsethisches Kriterium.</p>
<h2 id="nachtrag">Nachtrag</h2>
<p>Am 14. April 2021 bestätigten türkische Forscher erneut die Matrifokalität jungsteinzeitlicher Siedlungen, u.a. Çatal Höyük <a href="https://www.miragenews.com/ancient-dna-hints-at-diverse-stone-age-543915/" target="_blank" rel="noopener">Zum Artikel im Magazin miragenews.com</a></p>
<h2 id="literatur">Literatur</h2>
<ul id="liste4">
<li>Balter 2010: Michael Balter: <strong>Hodder Cleans House at Famed Çatalhöyük Dig</strong>. Veröffentlicht am 2.9.2010<br />
<a href="https://www.sciencemag.org/news/2010/09/hodder-cleans-house-famed-atalh-y-k-dig">https://www.sciencemag.org/news/2010/09/hodder-cleans-house-famed-atalh-y-k-dig</a></li>
<li>Beise/Voland 2003: Jan Beise und Eckart Voland: <strong>Warum gibt es Großmütter?</strong> In: Spektrum online, veröffentlicht am 01.01.2003. <a href="https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410</a></li>
<li>Berg 2019: T. Berg: <strong>9.000 Jahre alte Steinzeit-Stadt litt an modernen urbanen Problemen. In einer der ersten Großsiedlungen der Menschheit grassierten Krankheiten, Umweltzerstörung und Gewalt. Abgerufen am 15.7.2019<br />
</strong><a href="https://www.derstandard.at/story/2000105111331/9-000-jahre-alte-steinzeit-stadt-litt-an-modernen-urbanen">https://www.derstandard.at/story/2000105111331/9-000-jahre-alte-steinzeit-stadt-litt-an-modernen-urbanen</a></li>
<li>Chyleŉski <em>et al.</em> 2019: Maciej Chyleŉski , Edvard Ehler, Mehmet Somel, Reyhan Yaka, Maja Krzewiŉska, Mirosława Dabert, Anna Juras and Arkadiusz Marciniak: <strong>Ancient Mitochondrial Genomes Reveal the Absence of Maternal Kinship in the Burials of Çatalhöyük People and Their Genetic Affinities</strong>. In: Genes 2019, 10, 207; doi:10.3390/genes10030207, Published: 11 March 2019</li>
<li>Düring, Andreas; Wahl, Joachim: <strong>Agentenbasierte Computersimulationen als Schlüssel zur demographischen Struktur des bandkeramischen Massengrabs von Talheim.</strong> In: <a href="https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fbbw/article/download/44490/37955" target="_blank" rel="noopener">Fundberichte aus Badenwürttemberg, Band 34/2, Darmstadt 2014, S. 5-24</a></li>
<li>Farid 2014: Shahina Farid: <strong>‘Proportional representation’ multiple voices in archeological interpretation at Çatalhöyük</strong>. In: Robert Chapman, Alison Wylie Material Evidence: Learning from Archaeological Practice, Routledge, 05.12.2014, S. 75f</li>
<li>Grabmeier 2019: Jeff Grabmeier: <strong>9,000 years ago, a community with modern urban problems. Çatalhöyük had overcrowding, violence, environmental troubles. </strong>Ohio State News, 17.06.2019<br />
<a href="https://news.osu.edu/9000-years-ago-a-community-with-modern-urban-problems/">https://news.osu.edu/9000-years-ago-a-community-with-modern-urban-problems/</a></li>
<li>Hodder 2010: Ian Hodder: <strong>2010 SEASON REVIEW. A Decorated House Found at Çatalhöyük. In Çatalhöyük Archive Report 2010, S. 1-5</strong> <a href="http://www.catalhoyuk.com/sites/default/files/media/pdf/Archive_Report_2010.pdf">http://www.catalhoyuk.com/sites/default/files/media/pdf/Archive_Report_2010.pdf</a></li>
<li>Jarus 2011: Owen Jarus:<strong> No Family Plots, Just Communal Burials In Ancient Settlement</strong>. Live Science Contributor, veröffentlicht am 29.6.2011. Abgerufen am 15.7.2019<br />
<a href="https://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html">https://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html</a></li>
<li>Konigsberg 1988: L. W. Konigsberg: <strong>Migration models of prehistoric postmarital residence.</strong> Am. J. Phys. Anthropol. 77, 471–482 (1988).</li>
<li>Larsen <em>et al.</em> 2019: Clark Spencer Larsen, Christopher J. Knüsel, Scott D. Haddow, Marin A. Pilloud, Marco Milella, Joshua W. Sadvari, Jessica Pearson, Christopher B. Ruff, Evan M. Garofalo, Emmy Bocaege, Barbara J. Betz, Irene Dori, and Bonnie Glencross: <strong>Bioarchaeology of Neolithic Çatalhöyük reveals fundamental transitions in health, mobility, and lifestyle in early farmers</strong>. In: PNAS June 25, 2019 116 (26) 12615-12623; first published June 17, 2019 <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1904345116">https://doi.org/10.1073/pnas.1904345116</a></li>
<li>Lauer 2019: Céline Lauer: <strong>Wie Städte Gewalt erzeugen.</strong> Veröffentlicht am 25.06.2019, abgerufen am 15.07.2019<br />
<a href="https://www.welt.de/wissenschaft/plus195816815/Untergang-von-Çatalhoeyuek-Wie-Staedte-Gewalt-erzeugen.html" rel="nofollow">https://www.welt.de/wissenschaft/plus195816815/Untergang-von-Çatalhoeyuek-Wie-Staedte-Gewalt-erzeugen.html</a></li>
<li>Philbin/Pilloud 2018: Casey S. Philbin and Marin A. Pilloud Department of Chemistry, University of Nevada, Reno; Department of Anthropology, University of Nevada, Reno: <strong>Dental Diversity and Population Movement in Neolithic Central Anatolia</strong>. Conference Paper, September 2018<br />
= POSTER 2: <a href="https://www.researchgate.net/publication/327537029_Dental_Diversity_and_Population_Movement_in_Neolithic_Central_Anatolia">https://www.researchgate.net/publication/327537029_Dental_Diversity_and_Population_Movement_in_Neolithic_Central_Anatolia</a></li>
<li>Pilloud 2013: Pilloud MA. 2013. <strong>Postmarital residence in Neolithic Anatolia.</strong> In: American journal of physical anthropology Supplement S. 150, S. 221-222.</li>
<li>Pilloud <em>et al.</em> 2018: Marin A. Pilloud, Mehmet Somel, Scott D. Haddow, Christopher J. Knüsel, Clark Spencer Larsen, Mihriban Ӧzbaşaran, Omur Dilek Erdal, Douglas Baird, Jessica Pearson, Anders Götherström, Jan Storå, Mattias Jakobsson, Gülşah Merve Kılınç Füsun Özer, Dilek Koptekin, Nihan Dilşad Dağtaş: <strong>Mobility in Neolithic Central Anatolia: A Comparison of Dental Morphometrics and aDNA</strong>. Conference Paper, September 2018<br />
= POSTER 1: <a href="https://www.researchgate.net/publication/327536930_Mobility_in_Neolithic_Central_Anatolia_A_Comparison_of_Dental_Morphometrics_and_aDNA">https://www.researchgate.net/publication/327536930_Mobility_in_Neolithic_Central_Anatolia_A_Comparison_of_Dental_Morphometrics_and_aDNA</a></li>
<li>Pilloud/Larsen 2011: Marin A. Pilloud, Clark Spencer Larsen: <strong>“Official” and “practical” kin: Inferring social and community structure from dental phenotype at Neolithic Çatalhöyük, Turkey.</strong> In: In: American journal of physical anthropology, S. 145, S. 519-530. First published: 17 May 2011. <a href="https://doi.org/10.1002/ajpa.21520d">https://doi.org/10.1002/ajpa.21520d</a><br />
<a href="https://www.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ajpa.21520">https://www.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ajpa.21520</a></li>
<li>Roffet-Salque <em>et al.</em> 2018: Mélanie Roffet-Salque, Arkadiusz Marciniak, Paul J. Valdes, Kamilla Pawłowska, Joanna Pyzel, Lech Czerniak, Marta Krüger, C. Neil Roberts, Sharmini Pitter, and Richard P. Evershed: <strong>Evidence for the impact of the 8.2-kyBP climate event on Near Eastern early farmers.</strong> PNAS August 28, 2018 115 (35) 8705-8709; first published August 13, 2018 <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1803607115">https://doi.org/10.1073/pnas.1803607115</a></li>
<li>FH DO 2011: Springer Campus IT Online-Studium in Zusammenarbeit mit der FH Dortmund 2011: <strong>Wissenschaftsethik: Qualitätskriterien</strong>.<br />
<a href="https://www.springer-campus-it-onlinestudium.de/w3lmedia/W3L/Medium112698/9783868340341_Leseprobe.pdf">https://www.springer-campus-it-onlinestudium.de/w3lmedia/W3L/Medium112698/9783868340341_Leseprobe.pdf</a></li>
<li>Science ORF 2018: <strong>Archäologen dürfen zurück nach Ephesos</strong>. <a href="https://science.orf.at/stories/2891594/">https://science.orf.at/stories/2891594/</a> Publiziert am25.01.2018</li>
<li>SMM 2003: Mysteries of Çatalhöyük 2003. Science Museum of Minnesota<br />
<a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/" target="_blank" rel="noopener">https://www.smm.org/catal/mysteries/</a></li>
<li>Tazi-Preve 2017: Mariam Irene Tazi-Preve: <strong>Das Versagen der Kleinfamilie. Kapitalismus, Liebe und der Staat</strong>. Opladen. Berlin, Toronto 2017</li>
<li>Tazi-Preve 2018: <strong>Vereinbarkeitsdebatte. Wir müssen Familie anders denken</strong>. Interview mit Mariam Irene Tazi-Preve von Anja Wasserbäch am 06.02.2018. Stuttgarter Nachrichten.<br />
<a href="https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.vereinbarkeitsdebatte-wir-muessen-familie-anders-denken.f0e056a4-6943-4975-8fab-6bdf47e97adf.html">https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.vereinbarkeitsdebatte-wir-muessen-familie-anders-denken.f0e056a4-6943-4975-8fab-6bdf47e97adf.html</a></li>
<li>Uhlmann 2012: Gabriele Uhlmann: <strong>Das Massaker von Talheim.</strong> In: Gabriele Uhlmann: Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte. Norderstedt 2012</li>
<li>Uhlmann 2019: Online-Ressource <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat" target="_blank" rel="noopener">Patriarchat- Definition, Geschichte und Symptome</a></li>
<li>Vieweg 2019: Martin Vieweg: <strong>Städtische Probleme – schon vor 9000 Jahren.</strong><br />
<a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/staedtische-probleme-schon-vor-9000-jahren/">https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/staedtische-probleme-schon-vor-9000-jahren/</a> Veröffentlicht am 17. Juni 2019</li>
</ul>
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		<title>Das Massaker von Talheim</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/das-massaker-von-talheim</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Jul 2021 13:59:38 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das Massaker von Talheim ist das prominenteste Beispiel für die beginnende Gewalt in Mitteleuropa um ca. 5000 v.u.Z. und damit für die beginnende Patriarchalisierung. Das Massaker, welches am Ende der...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Massaker von Talheim ist das prominenteste Beispiel für die beginnende Gewalt in Mitteleuropa um ca. 5000 v.u.Z. und damit für die beginnende Patriarchalisierung. Das Massaker, welches am Ende der Bandkeramischen Kultur stattgefunden hat, wird auch von der Herrschenden Lehre als einer der ersten Kriegsschauplätze bezeichnet.</strong></p>
<p><a href="https://i0.wp.com/www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/geschichte/urundfrueg/steinz/talheim/fundsituation.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="bild" title="Massaker von Talheim" src="https://i0.wp.com/www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/geschichte/urundfrueg/steinz/talheim/fundsituation.jpg?w=300" alt="Massaker von Talheim"  border="0" /></a><br />
<span class="abb">Foto: © Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart</span></p>
<p>An diesem Fund hatten die Ur- und Frühgeschichte und die Naturwissenschaft Hand in Hand gearbeitet, um zu beweisen, dass die Jungsteinzeit Mitteleuropas mit ihrer sesshaften, bäuerlichen Lebensweise von Anfang an patriarchalisch geprägt gewesen sei, also schon 500 Jahre früher als das Datum des Massakers.</p>
<p>Der naturwissenschaftliche Befund, der Patrilokalität bezeugen soll, steht im krassen Gegensatz zu den kulturellen Hinterlassenschaften der Bandkeramischen Kultur. Daher hatte ich erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der Schlussfolgerungen, die aus den Datensätzen der Untersuchungen gezogen wurden. Ich habe dann analysiert und in meinem Buch &#8222;Archäologie und Macht&#8220; (siehe rechte Spalte) dokumentiert, wie die vermeintliche Beweisführung strategisch aufgebaut wurde und wie im Einzelnen argumentiert wird. Erstaunlich war dabei, wie schlampig anthropologische Methoden angewendet wurden und wie leichtfertig mit den Befunden umgegangen wurde, um die Hypothese zu bestätigen. Ergebnis meiner Recherchen ist, dass am Ende gar nichts bewiesen wurde, die Untersuchungsergebnisse also nicht für eine solide These verwertbar sind, aber deutliche Hinweise auf Matrilokalität ignoriert wurden.</p>
<p>Dass sich lange niemand über diesen Skandal empört hatte, ist bezeichnend für unseren Wissenschaftsbetrieb, auch dafür, wie gründlich Forschungsberichte gelesen werden und wie blind den Aussagen von Experten vertraut wird. Zwei Jahre nach Veröffentlichung meiner Analyse erschien &#8211; von der Öffentlichkeit unbemerkt &#8211; im Band 34/2 der &#8222;Fundberichte aus Badenwürttemberg&#8220; (Esslingen 2014, S. 22 f), der Artikel <a class="textlink" href="https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fbbw/article/view/44490/37955" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Agentenbasierte Computersimulation als Schlüssel zur demographischen Struktur des bandkeramischen Massengrabes von Talheim.&#8220;</a> Darin stellten Joachim Wahl (Universität Tübingen), der federführend an der Talheimforschung beteiligt war, sowie der Archäologe Andreas Düring (Universität Oxford) fest:</p>
<blockquote><p>&#8222;In der Zwischenzeit wurden mehrere, z. T. auf archäometrischen Analysen basierende, auch fiktionale Versuche unternommen, um &#8222;Familien&#8220; oder andere, auf Ähnlichkeiten basierende Gruppierungen innerhalb der 34 ausgegrabenen Talheimer Lebendpopulation aufzudecken,<strong>41</strong> die sich jedoch aufgrund von Überschneidungen, unvollständigen Datensätzen oder sonstigen Unsicherheiten sämtlich als unbefriedigend erwiesen haben. Auch eine angenommene, generell höhere Ähnlichkeit aller vorgefundenen Individuen ließe sich nur mit Hilfe breiter angelegter, vergleichender, überregionaler Studien abklären.<strong>42</strong>&#8222;.</p>
[ebd. <strong>FN 41</strong> &#8222;Vgl. Wahl/König 1987 (Anm. 3). &#8211; Alt et al. 1995 (Anm. 9). &#8211; Eisenhauer 2003 (Anm. 3). &#8211; Wahl/Strien 2009 (Anm. 9) &#8211; T. D. Price/J. Wahl/R. A. Bentley, Isotopic Evidence for Mobility and Group Organization Among Neolithic Farmers at Talheim, Germany, 5000 BC. Europ. Journal Arch. 9, 2006, 259-284. Zusammengestellt in Wahl/Trautmann 2012 (Anm. 3).</p>
<p>ebd. <strong>FN 42 Vgl. G. Uhlmann, Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte (Norderstedt 2012)</strong>&#8222;]</blockquote>
<p>Der Artikel wurde auch <a class="textlink" href="https://www.academia.edu/19528481/A_massacred_village_community_Agent-based_modelling_sheds_new_light_on_the_demography_of_the_Neolithic_mass_grave_of_Talheim" target="_blank" rel="noopener">ins Englische</a> übersetzt.</p>
<p>Die von mir kritisierte Interpretation des Befundes entspringt m. E. der patriarchalischen Ideologie: Das Patriarchat soll von dem Verdacht freigesprochen werden, unnatürlich und gewalttätig zu sein, und wird stattdessen als der Motor für Kultur schlechthin aufgebaut. Die Tatsache, dass seit Abschluss der Talheimforschung besonders viele Ausstellungen zur Jungsteinzeit stattfanden, nährt den Verdacht, dass diese der schnellen Verbreitung genau dieser These dienten, denn in keinem Ausstellungskatalog fehlten mehr entsprechende Literaturhinweise und Hinweise auf die vermeintliche Patrilokalität der gesamten bandkeramischen ja sogar frühneolithischen Kultur, die uns durch ihre wunderschön dekorierten Gefäße bezaubert.</p>
<p>Weitere ABBILDUNGEN finden Sie hier:</p>
<p>Homepage der &#8218;Zentrale für Unterrichtsmedien&#8216;:<br />
<a class="textlink" href="http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/geschichte/urundfrueg/steinz/talheim/" target="_blank" rel="noopener">http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/geschichte/urundfrueg/steinz/talheim/</a></p>
<p>Homepage des &#8218;Museums im Deutschhof&#8216; Heilbronn, wo die Funde heute ausgestellt sind:<br />
<a class="textlink" href="http://www.museen-heilbronn.de/museum/sonderausstellungen/rueckblick/archaeologie/tatort_talheim/" target="_blank" rel="noopener">http://www.museen-heilbronn.de/museum/sonderausstellungen/rueckblick/archaeologie/tatort_talheim/ </a></p>
<p>Homepage der Stadt Talheim mit Abbildungen zur musealen Aufbereitung des Massakers:<br />
<a class="textlink" href="http://www.talheim.de/ceasy/modules/cms/main.php5?cPageId=46" target="_blank" rel="noopener">http://www.talheim.de/ceasy/modules/cms/main.php5?cPageId=46</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Antwort auf Meike Stoverock s &#8222;Female Choice&#8220;</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Jul 2021 16:15:53 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Veröffentlicht 08.04.2021 Warum diese Kritische Rezension? &#8222;In der Natur müssen Männchen singen, tanzen, kämpfen, bauen, während die Weibchen die Show genießen und anschließend mit dem Sieger abziehen. Die Konkurrenz liegt...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice">Antwort auf Meike Stoverock s &#8222;Female Choice&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Veröffentlicht 08.04.2021</p>
<h2 id="kritische-rezension">Warum diese Kritische Rezension?</h2>
<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/367fbce435c64285befffc6565c3bbc5" alt="" width="1" height="1" />&#8222;<em>In der Natur müssen Männchen singen, tanzen, kämpfen, bauen, während die Weibchen die Show genießen und anschließend mit dem Sieger abziehen. Die Konkurrenz liegt bei den Männchen. Das Prinzip nennt man Female Choice. Bei den Menschen wurde dieses Prinzip nach der Entdeckung des Ackerbaus ausgehebelt. Es entstand eine Welt, die von Männern für Männer gemacht ist. &#8230; Mit einer bestechenden Verbindung aus Biologie, Kulturgeschichte und einem ebenso klaren wie humorvollen Ton beschreibt Meike Stoverock nicht nur, wo die Menschheit vor über 10 000 Jahren falsch abgebogen ist, sondern auch, was sich ändern muss, damit Mann und Frau heute miteinander glücklich werden.</em>&#8222;<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></p>
<p>Mit diesem Klappentext wurde das Buch „Female Choice &#8211; Vom Anfang und Ende der männlichen Zivilisation&#8220; der Biologin Dr. Meike Stoverock (erschienen Februar 2021) im November 2020 angekündigt. Schon jetzt zeichnete sich ab, dass ich diese kritische Rezension bzw. Antwort würde schreiben müssen, enthielt dieser erste kurze Text doch schon schwerwiegende Fehler, die durch eine interdisziplinäre Betrachtung, wie sie die Patriarchatsforschung vornimmt, nicht passiert wären: Denn nicht der Ackerbau war Auslöser der Entstehung des Patriarchats, sondern ein Klimawandel, <strong>in dessen Folge der Ackerbau und auch einfache Tierhaltung an Bedeutung verloren und durch die Viehzucht verdrängt wurden</strong>.<br />
Wie ich bereits vielfach ausgeführt habe, wurden Frauen im Viehzüchternomadentum der Steppen und Bergregionen Eurasiens erstmals ins Patriarchat gezwungen. Erst hier erklärten Männer die Monogamie (Stoverock nennt sie Monogynie, dies aus Sicht der Männer) mit Ehe und Familie zur &#8222;normalen&#8220; Lebensweise. Die so versklavten Frauen hatten nun den Männern zu folgen, denn da wo das Vieh war, war auch der Mann und Gebieter über Mensch und Tier. Auf dieser Basis entstand das von der <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2019/11/28/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Viehzüchtermentalität</a> durchdrungene Vaterrecht, das die Patrilinearität mit Namens- und Erbrecht festschrieb. Das Patriarchat entstand damit nicht &#8222;vor über 10.000 Jahren&#8220;, sondern vor ca. 8200 Jahren (Klimaereignis Misox-Schwankung). Bis zu diesem Zeitpunkt war die Sesshaftigkeit schon über 3000 Jahre friedlich verlaufen (Präkeramisches Neolithikum, 9500v. u. Z.) und die ersten Versuche, Getreide anzubauen, lagen schon ca. 5800 Jahre zurück (12. Jtd.). Erste Großsiedlungen wie <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/catal_hoeyuek.htm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Çatal Höyük</a> entstanden und erreichten schnell ein hohes Zivilisationsniveau. [siehe hierzu auch &#8222;Nachtrag Aktuelles&#8220; unten]
<p>Um zu retten, was noch zu retten war, bevor das Buch veröffentlicht werden sollte, schrieb ich der Autorin auf Twitter eine kurze Privatnachricht mit meinen Anmerkungen und den Links zu meinem Artikel &#8222;<a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Female Choice &#8211; unser unbekanntes Menschenrecht</a>&#8222;, in dem ich auf diese Zusammenhänge schon 2015 eingegangen war, sowie zu meinem Vortrag &#8222;<a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Explosion und Expansion</a>&#8222;, in dem ich die regionalen Vorgänge detailliert dargestellt habe.<br />
In ihrer Antwort berief sich Stoverock auf ihre Expertise als Biologin und auf nicht näher spezifizierte Literatur, in der sie schwankende Angaben zum Beginn der &#8222;Landwirtschaft&#8220;, die sie als &#8222;Ackerbau und Viehzucht&#8220; definierte, nachgelesen haben will. Die Jahreszahlen seien <strong>Details</strong>. Minuten später twitterte sie öffentlich: &#8222;<em>Jemand mansplaint mir mein Buch aufgrund des Umschlagtextes. Plottwist: es ist eine Frau.</em>&#8220;</p>
<p>Inzwischen wurde der Werbetext zum Buch auf der <a href="https://www.klett-cotta.de/buch/Tropen-Sachbuch/Female_Choice/136739">Homepage des Klett-Cotta-Verlages (Tropen)</a> geändert, und ist so auch als Klappentext im Buch wiederzufinden: &#8222;<em>… Mit der Landwirtschaft wurden die Menschen sesshaft und die Frauen aus der Öffentlichkeit ins private Heim gedrängt. &#8230; Klug, provokant und anschaulich beschreibt Meike Stoverock nicht nur, wo die Menschheit vor über 10 000 Jahren falsch abgebogen ist, sondern auch, was sich ändern muss, damit Männer und Frauen eine gemeinsame Zukunft haben.</em>&#8220;</p>
<p>Das Wort &#8222;Ackerbau&#8220; ist nun verschwunden und durch sinngemäß &#8222;sesshafte Landwirtschaft&#8220; ersetzt, was die Sache nicht besser macht. Immer noch ist die Zeitangabe &#8222;vor über 10.000 Jahren&#8220; zu lesen.<br />
Am 20. Februar erschien das Buch begleitet von der üblichen Pressekampagne des Verlages in allen einschlägigen Medien. An diesem Tag und den darauffolgenden hatte ich ungewöhnlich viel Besuch auf meiner Homepage, und zwar über den Google-Suchbegriff &#8222;female choice&#8220;, und es erreichten mich Zuschriften, von denen ich eine <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2021/03/03/female-choice-langsam-immer-bekannter-aber-weiter-unverstanden/" target="_blank" rel="noopener">hier</a> besprochen habe.</p>
<p>Inzwischen habe ich das Buch gründlich und mit dem Bleistift in der Hand gelesen, und ich könnte den nun folgenden Text abkürzen mit: das Buch ist eine einsame Katastrophe für den Feminismus, die Patriarchatsforschung, die Aufklärung und die Female Choice, und es ist einer Doktorin der Biologie nicht würdig. Aber ich wurde mehrfach um eine ausführliche Stellungnahme gebeten und in der Tat bedarf es einer umfassenden Korrektur bzw. Kritik.</p>
<h2 id="zum-vorliegenden-buch">Zum vorliegenden Buch</h2>
<p>Mein erster Blick galt den letzten Seiten des Buches, dem Literaturverzeichnis &#8211; denn es interessierte mich, ob Stoverock Autorinnen der Patriarchatsforschung, z.B. Rona Duwe und meine Person &#8211; wir hatten ihr über Twitter einiges Wissen zugetragen &#8211; auch genannt hat und noch viel wichtiger: ob sie die Entdeckung des Zusammenhangs der Unterdrückung der Female Choice mit dem Patriarchat wissenschaftsgeschichtlich richtig dem Patriarchatsforscher Gerhard Bott zugeordnet hat, der seine Theorie 2009 in dem immer noch erhältlichen Buch &#8222;Die Erfindung der Götter&#8220; veröffentlicht hatte. Kurz gesagt: Hat sie nicht, weder das eine noch das andere.<br />
Meinen Hinweis bei Twitter auf diese nicht gemachten Hausaufgaben, die von einer Doktorin aber unbedingt zu erwarten seien, und auch die erste Kritik vieler anderer Frauen, wie z. B. Rona Duwe, die aufgrund der Medienbeiträge hellhörig wurden, bürstete sie harsch ab, das sei, sinngemäß, nur Gnatz und mangelnde Frauensolidarität.</p>
<p>Eigentlich sollte ein Literaturverzeichnis die Behauptungen in einem Buch belegen, eine Lesehilfe sein und Interessierten weiterhelfen. Aber es fehlen jegliche Fußnoten und Literaturhinweise im Text, womit eine wesentliche Regel wissenschaftlichen Arbeitens gebrochen ist. Auch ein Stichwortverzeichnis fehlt schmerzlich. Das Literaturverzeichnis liefert neben 16 unkategorisierten, aber alphabetisch geordneten Büchern größtenteils Artikel aus Zeitschriften und Internetlinks, was grundsätzlich in Ordnung ist. Die Links bestehen aber teils nur aus aussagelosen Zeichen, die wir mühsam in den Browser abtippen müssen, ohne zuvor auch nur einen Anhaltspunkt zu bekommen, was sich dahinter verbirgt. Alles ist dennoch nach bestimmten Kategorien sortiert, jedoch nicht alphabetisch oder nach einer sinnvollen Vorsortierung. Es gibt z. B. auf Seite 344 die Kategorien &#8222;Pflegearbeit&#8220;, &#8222;Altsteinzeit und Altertum&#8220;, &#8222;Verhütung&#8220;, &#8222;Kernfamilie&#8220; sowie &#8222;Höhlenmalerei und erotische Kunst&#8220; und auf Seite 345 &#8222;Antike Gesetzestexte&#8220;, &#8222;Wechsel von Gleichheit zu Patriarchat&#8220; sowie &#8222;Genetischer Flaschenhals&#8220;, alles in dieser merkwürdigen Reihenfolge. Hier suchte ich nun weiter nach der Literatur zur Sesshaftwerdung und Erfindung der Landwirtschaft, die sie ja gelesen haben will, sowie nach anderen Texten zur Entstehung des Patriarchats.</p>
<p>Ein einzelner &#8222;sprechender Link&#8220;, nämlich <a href="https://www.spektrum.de/news/kernfamilie-schon-in-der-steinzeit/973990" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/news/kernfamilie-schon-in-der-steinzeit/973990</a>, ist unter &#8222;Kernfamilie&#8220; zu finden. Er verweist auf einen Artikel, der die kupfersteinzeitliche Grabungsstätte bei Eulau thematisiert, wo in einem Grab die älteste bekannte Kernfamilie der Welt entdeckt wurde. Das Grab ist ca. 4600 Jahre alt; die &#8222;Steinzeit&#8220; befindet sich hier an ihrer Schwelle zu den Metallzeiten!<br />
Die Überschrift des Artikels aus dem renommierten populärwissenschaftlichen Magazin &#8222;Spektrum der Wissenschaft&#8220; zeigt hier einmal mehr, wie gefährlich leicht die Steinzeit als Einheit ohne jede Entwicklung hingestellt werden kann, obwohl sie Millionen Jahre gedauert hat und in die Alt-, Mittel- und Jungsteinzeit gegliedert und noch einmal vielfach untergliedert ist. So aber lassen sich LeserInnen vortrefflich täuschen und derart vereinfacht erscheinen Jahreszahlen tatsächlich nur als &#8222;Details&#8220;, als unwichtiges Beiwerk.<br />
Die Kategorie &#8222;Wechsel von Gleichheit zu Patriarchat&#8220; ist bemerkenswert, weil hier eigentlich das geballte Wissen der Patriarchatsforschung seinen Platz haben müsste. Wir finden hier aber nur vier Links, von denen einer nicht einmal nutzbar ist. Zwei befassen sich mit Aristoteles‘ einschlägigen Werken und ein Artikel vergleicht die Lebensweise von <em>Homo Erectus</em> mit der des Pavians. Das muss nicht weiter kommentiert werden.<br />
Ein Link von 2012 (von zweien neben einem falsch zitierten Buchartikel) unter der Kategorie &#8222;Altsteinzeit und Altertum&#8220; liefert einen Kommentar zur Interpretation altsteinzeitlicher Urmutterfigurinen als Pornografie. Interessant ist, dass dieser sehr kritische Kommentar nicht in der zugehörigen Kategorie einsortiert ist, nämlich „Höhlenmalerei und erotische Kunst“, wobei der Name dieser Kategorie genaugenommen ebenfalls irreführend ist. Diese Kategorie ist ein chaotischer Ritt durch alle Zeiten, der aber mit der Altsteinzeit beginnt und mit ihr wieder endet, tatsächlich ein deutliches Vorzeichen auf den Text, in dem die Autorin beinahe die gesamte Kunst der Menschheit, die nackte Frauen abbildet, als Pornografie ansieht und es daher unerheblich ist, wann sie geschaffen wurde (alles nur Details!) und insbesondere in welchem Kontext.</p>
<h2 id="altsteinzeitliche-kunst-als-pornografie">Altsteinzeitliche Kunst als Pornografie</h2>
<p>Ich könnte noch mehr bald Ermüdendes über das Literaturverzeichnis sagen, nutze aber lieber die Interpretation altsteinzeitlicher Kunst als Pornografie zum Einstieg in die Kritik des Buches, ist sie doch zentral für das Weltbild der Dr. Meike Stoverock. Die Autorin braucht sie zwingend für ihre These, dass die Männer von Natur aus in Alpha- und Beta-Männer einzuteilen seien, wobei die Beta-Männer unter Triebstau litten, der dadurch entstanden sei, dass sie &#8211; als von den Frauen stets Verschmähte &#8211; niemals Sex hatten.<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a> Schon in der Altsteinzeit hätten diese Incels<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a> Wege gesucht, ihren Triebstau abzubauen. Sie hätten sich daher ein Sexpüppchen geformt, das sie liebhatten und überallhin mitnehmen konnten.</p>
<blockquote><p>&#8222;Obwohl die Figuren also Symbole für Fruchtbarkeit und Geburt darstellen sollen, verzichtet man auf alles, was Fortpflanzung, Mutterschaft oder Versorgung anzeigt? Die Theorie von der Übermutter oder auch Göttin erscheint mir wegen dieser Widersprüche einfach nicht plausibel.&#8220;<a href="#_ftn4" name="_ftnref1">[4]</a></p></blockquote>
<p>Aber frau muss sich schon mit dem breiten Thema beschäftigen und auch mal so kluge Frauen wie die Archäologin Marija Gimbutas<a href="#_ftn5" name="_ftnref5">[5]</a> zu Rate ziehen, um das zu verstehen, denn in der Schule erfahren wir darüber nichts und auch nicht im Biologiestudium. Es ist leider so, dass das Patriarchat als Habitat nicht die Voraussetzungen schafft, matrifokales Leben und seine Kunst auf Anhieb plausibel zu finden. Anderenfalls könnten wir uns alle feministische Literatur und die Patriarchatsforschung sparen. Die Incel-Hypothese erinnert dann auch an die Verlautbarungen der Personen um Prof. Conard, dessen Mitarbeiterin Maria Malina die mittlerweile zum Weltkulturerbe gehörende sog. Venus vom Hohle Fels (35.000 bis 40.000 Jahre alt) entdeckt hatte. <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/venus-vom-hohle-fels.htm" target="_blank" rel="noopener">Die Presse schlachtete das regelrecht aus</a> und zog die Fundsache weiter ins Lächerliche. Die Theorie ist also nicht neu und war schon damals nicht überzeugend: Da das &#8222;Sexpüppchen&#8220; die erste Kunst der Menschheit überhaupt ist, müsste sie also mit einem Incel begonnen haben, der die Figur formte, in einer versteckten Höhle ablegte und so vor den eifersüchtigen Blicken der anderen Incels, die zum Püppchenbasteln noch nicht fähig waren, verbarg. Demzufolge müssten Menschen ohne Triebstau auch noch viel länger nicht zur Abbildung einer Frau in der Lage gewesen sein, aber wann sie es dann doch waren, erfahren wir nicht. Die Theorie wirft weitere Fragen auf: Was haben die Incels nur all die Millionen Jahre zuvor getan, als das &#8222;Sexpüppchen&#8220; noch nicht erfunden war? Wie erklärt sich die Autorin den Kontext des Fundes? Und warum hat die Autorin nicht auch den angeblichen Steinphallus, den Conard ebenfalls in der Höhle entdeckt haben will, berücksichtigt? Die Abbildung von Penissen verlegt sie nämlich erstaunlicherweise in die Römerzeit:</p>
<blockquote><p>&#8222;Nachdem die Männer viele Jahrtausende lang Höhlen mit Abbildungen der Vulva bemalt haben, bricht nun das Zeitalter des Penis an, in dem sich Darstellungen prächtiger Erektionen auf zahlreichen Gegenständen des täglichen Lebens finden.&#8220;<a href="#_ftn6" name="_ftnref6">[6]</a></p></blockquote>
<p>War Conards &#8222;Steinpenis&#8220; dann nicht ein Dildo, den sich einsame Frauen bastelten? Aber nein, Frauen waren ja stets bemannt und kannten keinen Triebstau; es hätte die Beweisführung nur gestört. Tatsächlich ist auch diese Deutung dieses Objektes mehr als fragwürdig, wie <a href="http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/wo-ist-der-phallus-des-urvaters-.html" target="_blank" rel="noopener">Gerhard Bott</a> es seinerzeit aufgeschrieben hat.<a href="#_ftn7" name="_ftnref7">[7]</a><br />
Wir werden noch sehen, dass Stoverocks Mitgefühl vor allem mit sexuell unterversorgten Männern, aber auch die Angst vor diesem Personenkreis das gesamte Buch durchzieht. Wir sollen der Autorin aber zu Gute halten, dass sie ihre Charakterisierungen stets nach der Gaußschen Glockenkurve vornehme, es also nicht nur schwarz und weiß gibt, sondern die große Masse aus den Zwischentönen besteht.<a href="#_ftn8" name="_ftnref8">[8]</a></p>
<h2 id="die-sesshaftigkeit-und-die-female-choice">Die Sesshaftigkeit und die Female Choice</h2>
<p>Die Female Choice sei &#8222;ein unglaublich zeitraubendes Prinzip&#8220;, so sagt sie, weil Männer fast alle Energie in das Finden und Überzeugen von Partnerinnen stecken müssten. Diese Zeit hätten sie später nicht mehr gehabt, weil ihre Kapazitäten in der Landwirtschaft gebunden gewesen seien.<a href="#_ftn9" name="_ftnref9">[9]</a></p>
<blockquote><p>&#8222;Vereinfacht gesagt, muss ein Mann besseren Zugang zu Sex (und damit Fortpflanzung) haben, damit er sich überhaupt dem Fortschritt zuwenden kann. Das Prinzip der Female Choice einzuschränken, war daher einer der für die Anfänge der Zivilisation wichtigste Schritt, den Männer am Übergang zur Sesshaftigkeit unternahmen. Die Landwirtschaft und mit ihr die Möglichkeit, Besitz anzuhäufen, gab ihnen ein Mittel, die Ressource Sex fast vollständig zu kontrollieren.“<a href="#_ftn10" name="_ftnref10">[10]</a></p></blockquote>
<p>Was war demzufolge also zuerst da? Der Fortschritt (= Landwirtschaft), der den Zugang zu Sex erleichterte, oder der leichte Zugang zu Sex, der den Fortschritt überhaupt erst ermöglichte? Damit lässt sie uns das gesamte Buch über allein. Aber auf diese Weise setzt Stoverock den Beginn des Patriarchats mit dem Übergang zur Sesshaftigkeit gleich! Ihre These klingt auf den ersten Blick vielleicht sogar plausibel &#8211; der Verlag hat es jedenfalls nicht bemerkt &#8211; aber sie lässt entscheidende Faktoren außer Acht: Es ist alter Konsens, dass es die Frauen waren, die als Expertinnen für Pflanzen die Landwirtschaft mit Hackbau, anfangs als Gartenbau, und damit die Sesshaftigkeit erfunden haben. Demnach begannen die Männer erst mit der viel späteren Erfindung des Pfluges, auf Feldern zu arbeiten. Dies deckt sich beispielsweise mit den Abbildungen aus Çatal Höyük, wo Männer stets jagend oder &#8211; viel seltener &#8211; mit Haustier abgebildet sind, während das Getreide durch in Vorratsbehältern abgelegte Frauenstatuetten in weiblichem Kontext steht. Die bekannteste dieser Schutzmutter-Figuren ist die <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/catal_hoeyuek_3.htm#gg" target="_blank" rel="noopener">Urmutter auf dem &#8222;Leopardenthron&#8220;</a> (Bild unten), eine zwischen zwei Großkatzen sitzende, den Körperformen nach deutlich ältere, nackte gebärende Frau. Aber das sind ja nach Stoverock alles nur &#8222;Sexpüppchen&#8220;.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4727 size-full" title="Urmutter auf dem 'Leopardenthron' bzw. Gebärstuhl" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/stea1.gif?resize=241%2C298&#038;ssl=1" alt="Urmutter auf dem 'Leopardenthron' bzw. Gebärstuhl" width="241" height="298" /></p>
<p>Insbesondere bleibt Stoverock eine Erklärung schuldig, wie es den ersten Patriarchen gelungen sei, alleine &#8211; denn Männer (demnach auch Brüder) standen ihrer These nach immer in aggressiver, sexueller Konkurrenz<a href="#_ftn11" name="_ftnref11">[11]</a> &#8211; große Häuser und bald ganze Siedlungen bauten, um ihrer Meinung nach dort die ersten Frauen in die Ehe zu zwingen. Sesshaftigkeit und Ackerbau als Fallenstellerei von Einzeltätern? In einer Siedlung treffen zudem viele fremde Männer aufeinander, was ihrer Logik zufolge unweigerlich auch Krieg bedeutet hätte. Hier sichert sie sich ab, indem sie behauptet, dass die Männer &#8222;<em>durch Maßnahmen der sesshaften Zivilisation zu umgänglichen, verlässlichen Familiengefährten</em>&#8222;<a href="#_ftn12" name="_ftnref12">[12]</a> geworden seien, und dass die Landwirtschaft den Männern <em>„das Leben erleichtert und mit Möglichkeiten gefüllt“</em><a href="#_ftn13" name="_ftnref13">[13]</a> habe. Und sie kommt zu dem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Ehe verbessert, mildert ab, lindert die fortschrittsfeindlichen Begleiterscheinungen der männlichen Sexualität.&#8220;<a href="#_ftn14" name="_ftnref14">[14]</a></p></blockquote>
<p>Ein erstaunliches Welt- und Männerbild offenbart sich da: Kulturlose, aggressive Wilde, die nur Sex im Kopf haben, aber keine Frau finden, die daher wie aus dem Nichts den Fortschritt, also die Landwirtschaft erfinden und Häuser bauen, um Frauen einzufangen, und dabei ihre Möglichkeiten entdecken und zivilisierte Gefährten der Frauen würden, aber ohne all das gar nicht fähig zur Erfindung der Landwirtschaft wären. Nun, schon jedes Opfer häuslicher Gewalt kann hier Einwände haben. Und es ist allgemein bekannt, was für eine Plackerei die Landwirtschaft ist, so sehr, dass sie sogar in der Genesis als Strafe genannt wird. Die Autorin erliegt vor allem einem Zirkelschluss.<br />
Das Loblied auf die Ehe und den Fortschritt zeugt nicht von Feminismus, sondern von einem fortschrittsgläubigen, konservativen Denken, das der Zeit der Industrialisierung entstammt. Wie sagte doch sogar Albert Einstein: <em>&#8222;Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt.&#8220;</em> Tatsächlich hat männlich kontrollierter Fortschritt Kinder erst unglücklich gemacht. Daher gibt es u. a. Feminismus.</p>
<p>Die Hypothese hat aber noch einen anderen Haken: zielführender wäre es doch gewesen, gar nicht erst mit dem Ackerbau anzufangen und die Frauen einfach zu <strong>rauben</strong>. Das hätte viel Arbeit gespart, und es hätte keinen Zeitmangel erzeugt, der die Fallenstellerei dieser Logik zufolge doch erst gerechtfertigt hat. Vor allem: diese aggressiven Männer wären „echte Männer“ geblieben, was doch sicher in ihrem Interesse gelegen hätte, so wie es auch heute ist. Wir werden aber noch sehen, dass diese einfachere Strategie tatsächlich Wirklichkeit geworden ist, jedoch einige tausend Jahre später &#8211; sind aber nur Details, gell?</p>
<p>Patrilokalität<a href="#_ftn15" name="_ftnref15">[15]</a> wird nicht dadurch hergestellt, dass wilde Frauen sesshaft werden wollen, um in der Landwirtschaft ihr Glück bei einem einzelnen Mann zu finden. Das ist vollkommen absurd. Eine freie Frau geht nicht durch ihre Female Choice freiwillig in die Knechtschaft. Auch war Landwirtschaft harte Arbeit, und sie beeindruckte nicht Frauen, sondern die Männer, die die Frauen bei der Arbeit sahen und von ihren Produkten profitierten. Patrilokalität muss durch Gewalt hergestellt werden, und sie ist selbst die Quelle weiterer Gewalt. Dass diese Gewalt von viehnomadischen Kriegern ausging, und nicht von Ackerbauern, konnten die Archäologie und die Genetik längst nachweisen. Zahllose Quellen sind dazu zu finden, die übrigens <strong>nur</strong> die Patriarchatsforschung zusammengetragen hat, um das in der Fachwelt fehlende Gesamtbild mit der Masse neuer Studien zusammenzusetzen. Diese Quellen zeigen vor allem eins: die Gewalt begann mit <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/frauenraub.htm" target="_blank" rel="noopener">Frauenraub</a>, und zwar nicht durch ackerbauende Incels, sondern durch Männer, die Land erobern wollten und verlässliche Helfer rekrutieren mussten, zu denen sie ihre Söhne machten. Erst in Monogamie haben Männer Triebstau erlebt und wurden aggressiv gegen die Frauen, die sich ihnen aufgrund ihrer Female Choice verweigerten. Die Aggression ist, wie wir noch sehen werden, vor allem Folge der patriarchalen kinder- und frauenfeindlichen Lebensführung. Ehemänner sind nicht weniger aggressiv als andere Männer, denn die Female Choice endet nicht an der Haustür. Das aber sagt Stoverock mit ihrer Hypothese aus, auch wenn sie es selbst besser weiß.</p>
<p>Auf geradezu kindliche Weise stellt Stoverock sich vor, wie die Viehzucht entstanden sei:</p>
<blockquote><p>&#8222;Im Laufe der Zeit wird aus dem Verfolgen der Viehherden ein Begleiten und noch etwas später aus dem Begleiten ein Zähmen. Die Menschen leben jetzt als Pastoralnomaden, was bedeutet, dass sie mit zahmen Viehherden auf der Suche nach natürlichen Weidegründen umherziehen. Doch erst als es gelingt, dass auch Nahrungspflanzen für die Rinder und Ziegen anzubauen, sind die Umstände geschaffen, dauerhaft an einem Ort zu bleiben und sesshaft zu werden. Erste Anzeichen für Ackerbau finden sich zwar ab 10.000 v. Chr., aber bis die Bewirtschaftung der Felder ganzjährig gelingt, um daraus den vollständigen Nahrungsbedarf der Menschen und ihrer Nutztiere zu decken, dauert es eine ganze Weile.&#8220;<a href="#_ftn16" name="_ftnref16">[16]</a></p></blockquote>
<p>Sie behauptet hier nun unvermittelt, dass die Viehzucht und nicht der Ackerbau zur Sesshaftwerdung führte, und zwar um die Herden zu ernähren, eine totale Umkehr jeder Logik. Sie vermischt dabei das von ihr fragmentierte Wissen der Patriarchatsforschung, nach der das Patriarchat mit der Viehzucht begann, mit der Theorie der sog. Neolithischen Revolution (NR). Sie ignoriert dabei die Chronologie der NR &#8211; sind ja alles &#8222;nur Details&#8220; -, nach der Wildbeuterinnen zunächst zum Anbau von Getreide übergingen &#8211; und zwar lange bevor Männer begannen, Tiere zu zähmen. Die Menschen wurden also über ihre Mütter sesshaft, und erst nachdem Jagdwild aufgrund eines Klimawandels zurückging, wurden auch erste Tiere gehalten. Der bislang älteste Getreidespeicher ist ca. 11.300 Jahre alt und wurde in Dhra‘ (Jordanien) gefunden<a href="#_ftn17" name="_ftnref17">[17]</a>, ein Ort, der im Gebiet des sog. Fruchtbaren Halbmondes liegt. Die Grabung brachte mehrere Gebäudestrukturen zutage, die auch als Wohngebäude anzusprechen sind. Es gibt dort keine Anzeichen von Viehhaltung oder Viehzucht, weshalb auch davon gesprochen wird, dass eine &#8222;Jäger-Sammlergesellschaft&#8220; dort sesshaft wurde und nicht Viehzüchter.<br />
Dies deckt sich wiederum mit den Funden aus Çatal Höyük, wo nur die Jagd und die Haltung einzelner Tiere aber keine Tierzucht nachgewiesen werden kann, und zwar mit den Methoden der Genetik, die allenfalls die Spuren erster Domestizierung (Einpferchung) findet. Natürlich wurden diese Tiere gefüttert, aber nicht mit dem kostbaren Getreide, sondern mit Stroh, Speiseresten und dem Gras, das im Flusstal rund um Çatal Höyük reichlich vorhanden war und die natürliche Ernährung dieser Tierarten ist.</p>
<p>Die Kultur ist maßgeblich das Ergebnis mütterlicher Arbeit und hat unter Matrifokalität ein vergleichsweise hohes Maß erreicht. Fast alle wichtigen Erfindungen wurden aus der Matrifokalität heraus von Frauen gemacht. Als Männer die Sache gewaltsam übernahmen, entwickelte sich der Segen zunehmend zum Fluch, und das mit einer sehr starken Dynamik. Das könnte ein Hinweis für die Richtigkeit obiger Behauptung sein, aber dass die männliche Technologie durch mehr Sex für Incels entstand, besser werde oder gar erst zum Guten wendet, daran müssen wir leider erhebliche Zweifel haben, denn die wesentliche Technologie, mit der das Patriarchat entstand, war die Tierzucht, also die Unterwerfung der Female Choice der Tiere.</p>
<h2 id="die-maslowsche-beduerfnispyramide">Die Maslowsche Bedürfnispyramide</h2>
<p>Stoverock glaubt fest an die natürliche Hierarchie unter Männern, die „<em>für fast alle männlichen Säugetiere die natürliche Lebensweise</em>“<a href="#_ftn18" name="_ftnref18">[18]</a> sei. Dabei trifft sie leider keine Aussage, ob die Männer einer Hierarchie miteinander verwandt sind oder Fremde. Es erschiene ihnen aber „<em>so selbstverständlich, Hierarchien zu bilden, dass ihnen andere Lebensweisen auch dann nicht in den Sinn kommen, wenn sie selbst die Schlusslichter der Hierarchie sind.</em>“<a href="#_ftn19" name="_ftnref19">[19]</a> Die These ist nicht ohne Reiz, wenn wir sie z. B. an Fußballclubs und ihren Ultras überprüfen; wir befinden uns da aber im Patriarchat, das von seinen Hierarchien lebt. An anderer Stelle zitiert sie John Steinbeck: &#8222;<em>Die ausgebeuteten Arbeiter sehen sich nicht als ausgebeutete Arbeiter, sondern als vorübergehend in die Klemme geratene Kapitalisten.</em>&#8222;<a href="#_ftn20" name="_ftnref20">[20]</a> Steinbeck beschrieb hier die amerikanische Gesellschaft und zeichnete dabei ein Bild, das heute die SPD abgibt, und das ist nicht unsere Natur, sondern das Patriarchat einer satten, demokratischen, neoliberalen Wohlfahrtsgesellschaft, die um der Teilhabe an der Macht willen alles mitspielt, aber keine neuen Impulse mehr setzen kann.<br />
Angst macht ihr insbesondere die Gruppe der aggressiven, organisierten Incels.<br />
Stoverock untermauert ihre Behauptung mit der sog. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnishierarchie" target="_blank" rel="noopener">Maslowschen Bedürfnispyramide</a><a href="#_ftn21" name="_ftnref21">[21]</a>, ein psychologisches Denkmodell, das in letzter Zeit in den Sozialen Medien regelrecht Karriere gemacht hat und das sie deshalb als allgemein bekannt voraussetzen kann.</p>
<p><a title="PNG by Philipp Guttmann, SVG by Jüppsche, Public domain, via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Einfache_Bed%C3%BCrfnishierarchie_nach_Maslow.svg"><img decoding="async" class="aligncenter" title="Einfache Bedürfnishierarchie nach Maslow" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/98/Einfache_Bed%C3%BCrfnishierarchie_nach_Maslow.svg/512px-Einfache_Bed%C3%BCrfnishierarchie_nach_Maslow.svg.png" alt="Einfache Bedürfnishierarchie nach Maslow" width="512" height="443" /></a></p>
<p>Das Denkmodell stammt jedoch aus den Neunzehnhundertvierziger Jahren und wurde vom Autor und seinen Nachfolgern auch weiterentwickelt. <strong>Es gilt in der Soziologie aber zurecht als veraltet.</strong> Das Wiederaufleben dieser Theorie gerade in diesen Zeiten ist daher bemerkenswert und Stoverock tut so, als handele es sich um einen soziologischen Standard.<br />
Ich beschreibe kurz, worum es geht: Die Pyramide geht von hierarchischen Bedürfnissen in 5 Stufen aus. Die unterste Stufe 1 enthält die physiologischen Bedürfnisse wie Hunger, Durst, Schlaf und Sexualität. Stufe 2 enthält die Sicherheitsbedürfnisse mit Geborgenheit und Schutz, Stufe 3 steht für die sozialen Bedürfnisse wie Zugehörigkeitsgefühl und Freundschaft, Stufe 4 meint die Wertschätzung mit dem Bedürfnis nach Anerkennung und Status und Stufe 5 ganz oben steht für die Selbstverwirklichung mit der Entfaltung der Persönlichkeit.<br />
Die Form der Pyramide wurde allerdings nicht von Maslow selbst gewählt, sondern geht auf eine Falschinterpretation seiner Nachfolger zurück, und u. a. darin liegt die Schwäche des Modells. Stoverocks einzige Kritik ist:</p>
<blockquote><p>&#8222;Das Problem ist, dass das Bedürfnismodell von einer gewissen Gleichheit der Menschen ausgeht. Doch die Bedürfnisse der Menschen und besonders diejenigen von Männern und Frauen stehen nicht an gleicher Stelle in der Pyramide.&#8220;<a href="#_ftn22" name="_ftnref22">[22]</a></p></blockquote>
<p>Ja, die Menschen sind verschieden, aber da wäre noch mehr: Die Pyramide bildet die Bedürfnisse des von seinen Urbedürfnissen abgeschnittenen Menschen im Patriarchat ab und nicht die Lebenswirklichkeit der Urmenschen. Sie unterscheidet nicht zwischen natürlicher und kultureller Evolution, die genaugenommen auch keine Stufen kennt, sondern nur Zeit und Raum. Wenn wir das Wesen der Female Choice und ihre Wirkung erfassen wollen, müssen wir in der Zeit sehr weit hinter die Landwirtschaft zurückgehen und da ist immer weniger Kultur.</p>
<p>Anerkennung und Status (Stufe 4) gehören dann nicht zu den menschlichen Urbedürfnissen, sie sind eine später kulturell erworbene Größe, und zwar des Patriarchats, und haben unter der über 3 Millionen Jahre alten Matrifokalität keine bewusste Bedeutung. Denn im Sozialverband der mütterlichen Sippe erhalten alle Kinder die gleiche Anerkennung und wachsen derart gestärkt mit ihren spezifischen Talenten in die Sippe hinein. Nicht durch Rangkämpfe, sondern aufgrund von besonderen Fähigkeiten erlangen sie auch besondere Autorität auf ihren Spezialgebieten. Autorität ist aber kein explizites Lebensziel, kein Bedürfnis, sondern hat Gruppenfunktion, und sie entsteht im Gegensatz zur Hierarchie im Miteinander, nicht im Gegeneinander, und wird daher nicht mit Gewalt hergestellt und erhalten.<br />
Wer Verantwortung trägt, hat auch mehr Arbeit und bekanntlich sind Menschen &#8222;faul&#8220;. Wer talentiert ist, empfindet die entsprechende Arbeit jedoch nicht als belastend oder als Privileg, sondern als Befriedigung des Bedürfnisses nach Selbstentfaltung. Das ist aber auch nicht so egoistisch wie es aussieht, sondern es dient wiederum der Gruppe. Die Gruppe wird jemanden zurückpfeifen, der daraus irgendwelche besonderen Vorteile ableiten würde oder der Gruppe schaden würde. Das angeborene Gefühl des Neides, eng verwandt mit dem Gerechtigkeitsgefühl, dient dieser Kontrolle und dem Schutz der Egalität, deren Wesen die Abwesenheit von Hierarchie ist. Neid ist das Gefühl der Hilflosigkeit, Gerechtigkeit herzustellen und Hierarchien aufzulösen, und ist daher im Patriarchat geächtet und doch an der Tagesordnung. Neid ist aber auch ein Antrieb des Patriarchats, der Motor des Wettbewerbes und wird daher geschürt. Männer, die dagegen wie selbstverständlich Hierarchien anzuerkennen scheinen, sehen für sich keine Vorteile, da oben zu stehen, sondern Vorteile, am Erfolg teilhaben zu können. Sie wissen, dass man da unten weniger Verantwortung tragen muss und im Grunde mehr Spaß hat, weil da einfach mehr nette Leute sind. Männer können sich zudem damit begnügen, ihr vom Patriarchat geschaffenes Machtbedürfnis an den ihnen nahestehenden Frauen und Kindern auszuleben. Im Grunde sind sie Rosinenpicker, sie genießen die Vorteile von Patriarchat UND können ihre angeborenen Urbedürfnisse weitgehend ausleben.<br />
Die Stufe 4 der Bedürfnispyramide (Anerkennung und Status) ist Ergebnis der typisch patriarchalen Bedürfnisschaffung, mit der die Hierarchie sich selbst legitimiert. Sie verschmilzt daher meist mit Stufe 5, denn im hohen Status fühlen sich Patriarchen selbstverwirklicht.</p>
<p>Die Bedürfnispyramide als Ganzes ist an einem erwachsenen Einzelkämpfer orientiert, der sich aggressiv durchs Leben schlagen muss und dem nichts geschenkt wird:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Aggressivität, mit der Menschen um die Erfüllung eines Bedürfnisses kämpfen, hängt von seiner Position in der Pyramide ab und damit seiner Notwendigkeit ab.&#8220;<a href="#_ftn23" name="_ftnref23">[23]</a></p></blockquote>
<p>Das suggeriert also: Ein Mensch (oder gleich &#8222;Mann&#8220;?), der Hunger und keinen Sex hat, wird ums Essen heftig kämpfen &#8211; sonst stirbt er &#8211; und eine Frau vergewaltigen &#8211; sonst stirbt er aus (Stufe 1). Da er sich nicht sicher und geborgen fühlt (Stufe 2), muss er kämpfen. Weil er einsam ist, muss er um Freunde kämpfen (Stufe 3), aber bitte nicht zu heftig. Weil er keine Anerkennung hat (Stufe 4), kann er zwar irgendwie leben, aber er wird dennoch darum kämpfen, aber nicht mehr so heftig. Und es müsste schon viel passieren, dass er sich aufrafft, um um die Entfaltung seiner Persönlichkeit zu kämpfen (Stufe 5).<br />
Damit wäre es erstaunlich, dass ein solch aggressiver Loser überhaupt eine Frau und Freunde gefunden hat und dann auch noch zu Kultur fähig wurde. Und weil Stoverock das offenbar auch findet, meint sie, mit Sex müsste frau den Männern auch noch Beine machen. Das ist so hanebüchen wie falsch.</p>
<p>Stoverocks Theorie baut auf tönernen Füßen, auf Hypothesen, die nicht in den tatsächlichen Funden und Befunden gespiegelt sind. Sie baut vor allem auf einem grundsätzlichen Unverständnis der Matrifokalität, die bei <em>Homo Sapiens</em> durch die Female Choice in einem wechselseitigen Prozess hergestellt und bewahrt wird. Die Bedürfnispyramide fällt nämlich unter egalitären Bedingungen in sich zusammen.<br />
So ist der Autorin leider nicht aufgefallen, dass die Reihenfolge der Stufen falsch ist und den Menschen nicht zuerst als <strong>soziales Wesen</strong> darstellt. Wir erinnern uns, Stufe 2 enthält die Sicherheitsbedürfnisse mit Geborgenheit und Schutz, Stufe 3 erst steht für die sozialen Bedürfnisse wie Zugehörigkeitsgefühl und Freundschaft. Aber es ist anders. Der Mensch &#8211; und schon gar nicht der Mann &#8211; entsteht nicht durch Selbsterzeugung, auch wenn die Genesis das behauptet. Das Kind wird geboren und die Mutter und ihre Angehörigen sind schon da. Ohne diese Voraussetzung würde ein Kind von Tieren gefressen (Stufe 2), noch bevor es irgendetwas zu sich genommen hätte (Stufe1). Dass ein Kind anerkannt wird (Stufe 4), äußert sich darin, dass es Geborgenheit und Schutz erfährt (Stufe 2), und zwar durch seine Angehörigen (Stufe 3) und schließlich, dass es von ihnen etwas zu essen bekommt (Stufe 1)! Stufe 2, 3 und 4 sind untrennbar und gehören an die Basis. Es ist das Wesen des menschlichen Sozialverbandes, dass die Basis nicht das Essen, sondern die Geburt des Menschenkindes in die Gemeinschaft ist, wo es lebenslang aufgehoben ist. Wäre es nicht von den Angehörigen anerkannt und beschützt, dann stürbe es, daher ist das Zugehörigkeitsgefühl der stärkste Trieb und nicht die Sexualität. Das Zugehörigkeitsgefühl ist den Menschen in die Wiege gelegt und wirkt von Beginn an, während die Sexualität viel später erst Bedeutung bekommt, so wie sie auch erst spät in der Evolution aufgetaucht ist. Ohne die Gemeinschaft würde auch eine erwachsene Person nicht lange überleben. Alles, was die Zugehörigkeit infrage stellt, macht Menschen existentielle Angst, nicht aber ein Mangel an Sexualität. Erst in der Isolierung der Menschen im Patriarchat wird Anerkennung zu einem Wert, und dabei sogleich zu einem Fetisch, der sogar noch über dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit stehen kann. Die Sexualität ist erst im Patriarchat an die nackte Existenz, an das Aufgehoben sein in eine Familie und damit auch wirtschaftliches Auskommen gekoppelt, und das macht sie dann so wichtig.</p>
<p>Die Bedürfnispyramide braucht Stoverock für ihre Behauptung, dass Männer freien Zugang zu Sex brauchen, um den Fortschritt überhaupt vorantreiben zu können<a href="#_ftn24" name="_ftnref24">[24]</a> und sie liebt den Fortschritt und die Segnungen des Patriarchats. Die Female Choice, so glaubt sie, mache es Männern schwer, ihr Sex-Bedürfnis zu leben. Und deshalb hat sie Angst vor sich selbst als Frau, Feministin und Evolutionsbiologin:</p>
<blockquote><p>&#8222;Ich plädiere folglich nicht für eine Rückkehr zum <em>Female-Choice</em>-Prinzip in seiner Reinform. Denn Fortschritt, friedliches Zusammenleben und hohe Sexualkonkurrenz schließen sich ab einem gewissen Grad aus. Die Unterdrückung der weiblichen Sexualität hat unsere Zivilisation erst entstehen lassen. Es besteht deshalb die Gefahr, dass uns alle zivilisatorischen Errungenschaften um die Ohren fliegen, wenn wir die Unterdrückung ohne zusätzliche Sicherheitsnetze aufheben.&#8220;<a href="#_ftn25" name="_ftnref25">[25]</a></p></blockquote>
<p>Es ist erstaunlich: da wird es der Menschheit gerade erst bewusst, wohin uns &#8222;die Zivilisation&#8220; gebracht hat, nämlich an den Rand des Abgrundes, da feiert Frau Dr. Stoverock das Patriarchat und seine Errungenschaften, weil sie glaubt, dass es ohne Patriarchat mehr Krieg und Gewalt gäbe, wir dazu in großer Kulturlosigkeit unser Leben fristen müssten, ja die Abschaffung des Patriarchats uns in den Abgrund triebe. Das ist schon ein krasser Fall des Kollektiven Stockholm-Syndroms (nach Stephanie Gogolin), das Menschen dazu bringt, mit dem System zu kooperieren!</p>
<p>Würde die Behauptung stimmen, wäre die Kultur quasi ein Nebenprodukt der Fortpflanzung, das Baby des gebärenden Mannes. Das lässt eine Patriarchatsforscherin, die sich mit dem männlichen Gebärneid auskennt, aufmerken, z.B. mich. Männer werden einen solchen Zusammenhang sicher überraschend finden. Und auch ganz normale Frauen wissen: So mancher Heimwerker hat über seiner Tüftelei seine Frau völlig vergessen, die Anerkennung im Bastelclub war ihm wichtiger.<br />
Was treibt Stoverock an? Nur die Verkaufszahlen ihres Buches? Oder will sie den Männern Sex liefern, damit sie Erfindungen machen? Dann würde sie sich einreihen in die Phalanx der Antreiber, Sklavenhalter und Kapitalisten, den Befürwortern der Leistungsgesellschaft, den Neoliberalen.</p>
<p>Es ist natürlich richtig, dass Menschen im Patriarchat weniger um Anerkennung kämpfen würden als um Nahrung, wenn von Letzterer nicht genug vorhanden wäre. Die Methode &#8222;Brot und Spiele&#8220; &#8211; also &#8222;Nahrung&#8220; und &#8222;Gemeinschaftsgefühl&#8220; &#8211; zur Herstellung von Ruhe im Staat und der Sicherung der Macht würde aber nicht funktionieren, wären satte und lustige Menschen automatisch auch mehr an Wertschätzung, also Status und Anerkennung interessiert. Zwar identifizieren sich beispielsweise Fußballfans mit ihrer siegreichen Mannschaft, halten aber auch zu ihr, wenn sie verliert. Sie wünschen sich, dass sie gewinnt und fühlen sich als Gewinner, aber es steht nicht der persönliche Status im Vordergrund, sondern das Gruppenerlebnis.</p>
<p>Weil wir davon ausgehen können, dass Menschen in vorpatriarchaler Zeit mit sich selbst eins waren, nicht unterdrückt wurden und schon kleine Kinder eine maximale Bedürfnisbefriedigung erleben durften, illustriert diese Pyramide vor allem die Bedürftigkeit der Menschen im Patriarchat, und in der Tat, vor allem des patriarchalen Mannes. Es ist ja schon ein Grundbedürfnis des Patriarchen, alles in Hierarchien zu ordnen, im Grunde die Stufe 0 der Pyramide, der geistige Boden, auf dem sie wächst. Es ist das Körperlose oder sagen wir, die göttliche Ordnung, die die Basis der patriarchalen Ideologie ist. In der göttlichen Hierarchie der Könige steht Gott an oberster Stelle, weil sich dort der König befindet, der sich mit Gott gleichsetzt, sozusagen seine &#8222;Selbstverwirklichung&#8220;. Damit ist verschleiert, dass auch die Menschen ganz unten fest auf dem geistigen Boden des Patriarchats stehen und es nicht nur unfreiwillig stützen, sondern selbst Täter sind. „Mutter Erde“ als ursprüngliche Einheit von Körper und Geist ist gewaltsam besetzt.<br />
Die Patriarchen dieser Welt beweisen: da ganz oben wird die Gier und Aggressivität immer größer, ja sogar Atombomben kommen zum Einsatz. Die da unten reagieren ihren Frust mit der Faust oder ihrem Geschlechtsteil an anderen ab, ohne dass sie damit etwas Substantielles erreichen würden.</p>
<h2 id="gewalt-und-sex">Gewalt und Sex</h2>
<p>Die Hierarchie ist nicht egalitär wie es die urmenschlichen Bedürfnisse aber sind. Sie widerspricht dem angeborenen Gerechtigkeitsempfinden. Stoverocks Liebe zur Hierarchie gipfelt in der biologistischen Erklärung für Vergewaltigung, die beinahe einer Entschuldigung gleich kommt. Gewalt sei eine Lösung<a href="#_ftn26" name="_ftnref26">[26]</a>, wenn Männer die ihnen zustehende Anerkennung und damit Sex nicht bekommen. Da ist die Natur offenbar selbst Schuld, wenn Frauen Gewalt angetan wird!</p>
<blockquote><p>&#8222;Das Geschlecht, dessen Reproduktionsstrategie Rücksichtslosigkeit und Aggressivität beinhaltet, steht in der Natur einem Fortpflanzungssystem gegenüber, in dem sein Paarungstrieb kaum befriedigt wird. Man muss kein Genie sein, um vorauszusehen, dass das früher oder später zu Problemen führt.&#8220;<a href="#_ftn27" name="_ftnref27">[27]</a></p></blockquote>
<p>Ihre Aussage untermauert sie mit ethnologischen Untersuchungen an den &#8222;Buschleuten&#8220; der Kalahari, die diese Probleme gemeistert zu haben scheinen:</p>
<blockquote><p>&#8222;Bei den San ist die Gruppe ein wichtiges Regulativ. Gewalttätige Auseinandersetzungen oder Misshandlungen von Schwächeren werden in der Regel durch die Gruppe unterbunden. Daran ändert sich erst nach der Erfindung der Landwirtschaft etwas.&#8220;<a href="#_ftn28" name="_ftnref28">[28]</a></p></blockquote>
<p>Das alles ruft nicht nur meine Empörung hervor, es ist auch falsch. Gewalt ist im menschlichen Sozialverhalten nicht als angeborenes sexuelles Verhalten verankert, sie widerspricht der freien Female Choice, die einen so hohen Stellenwert in der Evolution hat, ja ihr Grundprinzip ist, dass es &#8222;verlorene Liebesmüh&#8220; wäre, dagegen anzukämpfen. Daher ist Gewalt auch allgemein unerwünscht, und <em>nicht eine</em> Frau wird durch Vergewaltigung von den &#8222;Fähigkeiten&#8220; eines Mannes überzeugt!<br />
<strong>Eine matrifokale Sippe unterbindet nicht ständig aktiv Gewalt, sondern liefert erst gar keinen Nährboden für Gewalt, weil sexuelle Frustration nicht regelhaft ist, wie Stoverock das postuliert.</strong> Im Gegenteil, erst die erzwungene Monogamie der Frau entzieht sie dem Pool potentieller Sex-Partnerinnen. Mehr freie Frauen bedeutet insbesondere für &#8222;Beta-Männer&#8220; mehr Gelegenheiten. Bei den San ist die Matrifokalität schon durch den Einfluss von Missionaren (mit den vielsagenden Titeln &#8222;Pastor&#8220;, &#8222;Hirte&#8220;) aufgeweicht, so dass die Vaterschaft und damit die Partnerschaft zwischen Mann und Frau Bedeutung bekommen hat. Es leben also auch fremde Männer mit in der Gruppe, die jetzt regelmäßig einschreiten muss, wenn sie aneinandergeraten. Das weiß und bemerkt Stoverock nicht, denn sie schreibt ja ausdrücklich, dass das Patriarchat erst mit der Erfindung der Landwirtschaft aufkäme. Aber sie liefert sich die Begründung dafür, dass Männern geholfen werden müsse, damit es keine Gewalt gibt.</p>
<p>Ihre ganze Sorge gilt nicht den Frauen, deren Sexualität im Patriarchat fast auf den Nullpunkt gedrückt wird, sondern den Männern, die keine Frau finden, und zwar nicht nur im Patriarchat des Hier und Jetzt, sondern angeblich auch schon in der Urzeit:</p>
<blockquote><p>&#8222;Man mag sich fragen, wer sich diesen dysfunktionalen Mist ausgedacht hat, und wie er sich so sehr ausbreiten konnte. Der Grund dafür liegt darin, dass kein anderer Mechanismus der Evolution so antriebt wie das strenge Aussiebungsverfahren der Weibchen. Der Kampf um ihre kostbaren Eizellen erzeugt einen so hohen Selektionsdruck auf die Männchen, dass er letztlich die Gene hervorbringt, die eine Population widerstandfähig und flexibel machen. Und das so effizient, dass es im Lauf der Jahrmillionen keinen Grund gab, etwas daran zu ändern, auch wenn ein Großteil der Männchen frustriert und kinderlos stirbt. <em>Female Choice</em> und speziell der Sexuelle Konflikt mögen klingen wie die Idee eines verrückten Erfinders, sind aber das stabilste und am weitesten verbreitete Fortpflanzungsmodell überhaupt.&#8220;<a href="#_ftn29" name="_ftnref29">[29]</a></p></blockquote>
<p>An dieser Stelle wäre ein kleiner Hinweis, dass die Evolution absichtslos ist, schon sinnvoll gewesen. Die Vermenschlichung der Evolution grenzte tatsächlich fast schon an eine Verschwörungstheorie, wäre die Autorin nicht einfach von einem naiven, aber fehlgeleiteten Gerechtigkeitsgefühl getrieben.<br />
Für die evolutionären Vorgänge spielt es keine Rolle, ob sich ein bestimmtes Männchen fortpflanzt, sie gehen trotzdem weiter. Woher will Stoverock auch wissen, dass alle Männchen traurig sind, wenn sie kinderlos sterben? Derartige Gefühle können nur entstehen, wenn im ersten Schritt Väter wissen können, dass sie Vater werden können und sich im zweiten Schritt sicher sein können, dass sie Vater geworden sind oder nicht. Sie müssen im dritten Schritt ein Gefühl für ihre Lebensspanne haben, um ermessen zu können, dass sie keine Kinder mehr haben werden. Im vierten Schritt müssen sie an ihre Vaterschaft einen Wert knüpfen.<br />
Sicher ist doch nur, dass Männchen hartnäckig sind und es so lange probieren, sich fortzupflanzen, bis sie sterben. Diese &#8222;Hoffnung&#8220; geben sie nie auf, ohne dass es sich wie Hoffnung anfühlen muss. Auch ob sexuelle Frustration sozusagen zum Alltag von Männchen gehört, darf bezweifelt werden, auch wenn es sicher häufig vorkommt, dass sie warten müssen, bis sie dran sind. Offenbar hat es sie Millionen von Jahren eben NICHT gestört! Eine starke Frustration könnte zu Aggression gegen die Weibchen führen, ja. Aber dennoch sind männliche Tiere nur selten aggressiv gegen Weibchen. Dass männliche Tiere weibliche hassen, ist sowieso völlig undenkbar. Wir müssen sogar davon ausgehen, dass es der Mensch selbst ist, der solche Beobachtungen erst ermöglicht: durch die Zerstörung und Eingrenzung der natürlichen Habitate, durch Ermordung der erfahrenen Tiere einer Gruppe und letztlich durch Projektion.</p>
<p>Wie jedes Gefühl ist auch das Gefühl der Frustration evolutionär über Hormone gesteuert, so dass es denkbar ist, dass „Beta-Männchen“ sozusagen hormonell gedimmt werden. Bei vielen Arten tun sich Jungmännchen zusammen, ohne aggressiv gegen Weibchen vorzugehen. Das muss noch genauer erforscht werden. Und ist es nicht das Patriarchat selbst, das „Beta-Männer“ kleiner redet als sie sind? Wird das weibliche Interesse an ihnen nicht auch gebremst, weil Incels sich selbst unattraktiv machen, durch ihr Gehabe, ihre Uniformen und ihre Sprüche? Haben Eltern im Patriarchat der westlichen Gegenwart, wo nicht mehr Patrilokalität, sondern Neolokalität gelebt wird, nicht sogar ein Interesse daran, dass ihre Kinder Incels sind, weil sie sie dann nicht im Alter alleine lassen? Ist es nicht so, dass Eltern ihre Kinder zu Incels machen, indem sie ihnen eine verklemmte Sexualmoral anerziehen? Ist es nicht sogar auch so, dass es deshalb auch viele weibliche Incels gibt, um die sich keine selbsternannte Feministin sorgt?</p>
<h2 id="der-genetische-flaschenhals-der-jungsteinzeit">Der Genetische Flaschenhals der Jungsteinzeit</h2>
<p>Stoverock liefert konkrete Zahlen für das Ausmaß angeblicher männlicher Benachteiligung durch die Female Choice:</p>
<blockquote><p>&#8222;Eine grobe Faustregel besagt, dass 80% der geschlechtsreifen Weibchen nur 20% der Männchen ranlassen &#8211; dass also 80% der Männchen für Sex mit ihnen nicht in Frage kommen. Die müssen sich um die verbliebenen 20% der Weibchen prügeln. … Genetische Untersuchungen lassen darauf schließen, dass es bei unseren menschlichen Ahnen nicht anders war: Die heutige Weltbevölkerung hat ungefähr doppelt so viele weibliche wie männliche Vorfahren, in präkulturellen Zeiten haben sich also ungefähr 70% der Frauen mit 35% der Männer gepaart…. Das Verhältnis von 2:1 zugunsten der Frauen verschärfte sich nach der Erfindung der Landwirtschaft sogar noch auf unglaubliche 17:1.&#8220;<a href="#_ftn30" name="_ftnref30">[30]</a></p></blockquote>
<p>An anderer Stelle bläht sie den Wert noch einmal auf:</p>
<blockquote><p>&#8222;Denn das verschiebt sich nach der Entstehung der Landwirtschaft bis auf ein erbarmungsloses 95:5. Die Frauen wählen am Übergang zur Sesshaftigkeit nur noch eine verschwindend geringe Zahl der Männer als Partner aus. Ein internationales Forscherteam konnte 2015 anhand genetischer Studien nachweisen, dass … sich nur noch ein Bruchteil der Männer fortpflanzte.&#8220;<a href="#_ftn31" name="_ftnref31">[31]</a></p></blockquote>
<p>Sie suggeriert damit, dass es plötzlich eine ungeheure Menge an Incels gegeben haben muss, ein perfides Argument, das gar nicht so leicht zu durchschauen ist. Denn die Zahlen geben zunächst überhaupt nicht her, ob diese gigantische Abweichung tatsächlich auf wenige, alles absahnende Alpha-Männer zurückgeht, also auf viel mehr Incels hinweist, oder darauf, dass die Zahl der Männer stark zurückging. Angesichts des Wesens der Female Choice, nach der eine Frau viele Männer haben will und eben nicht nur ein einziges Alpha-Männchen, kann so oder so nicht davon die Rede sein, dass sich die Lage zugunsten der Frau entwickelte!</p>
<p>Wir müssen angesichts ihrer Behauptung noch einmal zur Entstehung der Landwirtschaft zurück. Wir erinnern uns, Stoverock behauptet, dass die Erfindung der Sesshaftigkeit und Landwirtschaft durch Männer die Ursache allen Übels, aber zugleich ein viel größerer Segen sei, und daher verlegt sie den Beginn des Patriarchats auf die Zeit &#8222;vor über 10.000 Jahren&#8220;. Es handelt sich bei den von ihr benutzten Zahlen um nicht weniger als die Entdeckung des sog. Genetischen Flaschenhalses durch die GenetikerInnen Karmin <em>et al.</em> im Jahre 2015<a href="#_ftn32" name="#_ftnref32"><strong>[32]</strong></a>. Es wird sich aber nicht nur zeigen, dass Frau Dr. Stoverock den Beginn des Patriarchats mal eben um mindestens 3000 Jahre verschoben hat, sondern auch, dass die Zahlen für ihre Incel-These unbrauchbar sind, und sie eine wesentliche, weiterführende Studie dazu ignoriert hat.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone wp-image-4730 size-medium" title="Genetischer Flaschenhals nach Karmin et al. 2015" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/41467_2018_4375_fig1.jpg?resize=300%2C137&#038;ssl=1" alt="Genetischer Flaschenhals nach Karmin et al. 2015" width="300" height="137" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/41467_2018_4375_fig1.jpg?resize=300%2C137&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/41467_2018_4375_fig1.jpg?resize=770%2C351&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/41467_2018_4375_fig1.jpg?w=900&amp;ssl=1 900w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><br />
Bildquelle: Karmin <em>et al.</em> 2015</p>
<p>Die Abbildung des Genetischen Flaschenhalses zeigt einen starken Abfall und Wiederanstieg der Vielfalt des Y-Chromosoms über einen Zeitraum von ca. 5000 Jahren (im Bild links), während die Mitochondrien-DNA (mtDNA, im Bild rechts) keinen nennenswerten Einbruch erfährt.<a href="#_ftn33" name="_ftnref33">[33]</a> Tatsächlich scheinen die Zahlen mit der Erfindung der Sesshaftigkeit und Landwirtschaft zu korrelieren.<br />
Schauen wir uns diese Studie, deren Diskussion der Ergebnisse und später auch die wichtige Rezeption durch die Genetiker Zeng <em>et al.</em> genauer an: In den Anhängen finden wir ein <a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/bin/supp_gr.186684.114_Supplemental_Figures.pdf" target="_blank" rel="noopener">PDF</a> (dort Seite 4), das die Gesamtansicht regional aufgespaltet zeigt, und daher deutlicher ist: Wir sehen, dass die Y-Kurve im Kernland der Neolithisierung, dem Fruchtbaren Halbmond im Nahen Osten, ganz langsam 11.300 Jahre vor heute zu sinken beginnt, zu der Zeit, wo im jordanischen Dhra‘ schon so viel Getreide angebaut wurde, dass ein ganzer Speicher gefüllt werden konnte, was bedeutet, dass die Sesshaftigkeit und Landwirtschaft viel noch früher eingesetzt haben müsste. Seinen Tiefpunkt erreicht der Flaschenhals ca. 3-4000 Jahre später. Von da an geht es sprunghaft wieder aufwärts, was ganz deutlich zeigt, dass auch da etwas Gravierendes passiert sein muss, aber das ignoriert Stoverock. Auch in Europa gibt es diesen Flaschenhals mit seinem steilen Wiederanstieg, jedoch deutlich später. Die Vielfalt der mtDNA steigt dem gegenüber vielerorts schon vor über 20.000 Jahren weltweit an, wofür die höhere Mutationsrate der mtDNA verantwortlich gemacht werden kann. Die Zahlen zeigen insgesamt nicht nur die Veränderungen der Vielfalt der Geschlechtschromosomen, sondern auch die Bevölkerungsentwicklung mit ihrem starken Zuwachs nach Überwindung des Flaschenhalses, denn in jüngerer Zeit explodiert auch die Vielfalt der mtDNA.<br />
Die AutorInnen halten die Natürliche Selektion als Ursache für den Abfall für unwahrscheinlich, da das gefundene Muster nicht auf einen einzelnen oder einige wenige Haplotypen beschränkt zu sein scheint, stattdessen sei sie auf einen geringeren Fortpflanzungserfolg in Rahmen eines kulturellen Wandels zurückzuführen.<br />
In einem populärwissenschaftlichen Online-Magazin äußern sich zwei Mitglieder des Studien-Teams zu ihren Vermutungen, was die Zahlen ausdrücken. Demnach wären die Männer nicht alle gestorben, sondern einige wenige Männer hätten Reichtum angehäuft und auf ihre Söhne vererbt und dadurch den Reproduktionserfolg ihrer Patrilinie gesteigert.<a href="#_ftn34" name="_ftnref34">[34]</a> Dem folgt Stoverock in ihrer Argumentation blind. Aber die MacherInnen der Studie haben sich nicht mit den grundsätzlichen Problemen bei der Interpretation solcher Zahlen beschäftigt, sondern lediglich spekuliert!<br />
In einer zweiten Studie im Jahre 2018 haben sich Zeng <em>et al.</em> diese 2015 gewonnen Daten noch einmal vorgenommen und gezeigt, wie schwer es ist, von solchen Zahlen auf tatsächliche Vorgänge zu schließen. Es mussten komplexe mathematische Modelle aufgesetzt werden, um sie näherungsweise richtig zu deuten. Sie führten den modellgestützten Nachweis, dass Krieg zwischen neuen Patrilinien die Ursache für den Flaschenhals sein müsste:</p>
<blockquote><p>„Here, bringing together anthropological theory, recent population genomic studies and mathematical models, we propose a sociocultural hypothesis, involving the formation of patrilineal kin groups and intergroup competition among these groups.“<a href="#_ftn35" name="_ftnref35">[35]</a></p></blockquote>
<p>Zeng <em>et al.</em> widersprechen Karmin <em>et al.</em> entschieden und erklären mit ihrer Studie, dass die Zahlen tatsächlich nur mit einer deutlich gesunkenen Anzahl der Männer, also mit ihrem Tod, erklärbar sind. Ihr wichtigstes Argument: Wenn soziale Unterschiede einen Rückgang der Y-Varianz erklären, warum steigt die tatsächliche Y-Varianz in genau dem Moment wieder an, als soziale Unterschiede überhaupt erst archäologisch greifbar werden? Zudem gehen die Mitochondrien der überlebenden Frauen in Westeurasien überwiegend auf eingewanderte Neolithikerinnen zurück, das heißt, dass die Y-Varianz schon lange vor der Einwanderung nach Europa abgenommen haben müsste und nicht erst am Zielort. Selbst die Ethnologie kann, wie die Autoren es anführen, nicht feststellen, dass regelmäßig ein Mann 17 Frauen monopolisiert.</p>
<p>Die Interpretation durch Zeng <em>et al.</em> wird von der Patriarchatsforschung um weitere Faktoren ergänzt: Der Tiefpunkt fällt mit dem Klimaereignis der sog. Misox-Schwankung zusammen, dem Zeitpunkt, wo die Steppe erstmals von Viehzüchtern besiedelt wird. Die wenigen überlebenden Männer verließen die Heimat zusammen mit den Tieren und begannen in der Steppe das Patriarchat zu errichten. Sprachwissenschaftlich und genetisch nachgewiesen vermischten sich dabei die Gene der Indigenen der Steppe und Waldsteppe mit denen der ausgewanderten Anatolier. Zudem kämpften nicht nur Patrilinien gegeneinander, sondern Patrilinien rotteten die indigenen, matrifokalen Männer aus, und weitere Effekte können hinzutreten wie Mangelernährung und Hunger einseitig durch Getreide und Missernten, Nahrungsraub oder die Schwerarbeit der Frauen, die zu Fehlgeburten und einer hohen Säuglingssterblichkeit bei den männlichen Kindern geführt haben kann. Ein insgesamt multifaktorielles Geschehen führte zu diesen Zahlen.</p>
<p>Statt dass Männer immer weniger Sex hatten, ist das Gegenteil der Fall: die Frauen hatten kaum noch Auswahl. Stoverock möchte aber, dass es den besitzenden Alpha-Mann gibt, auf den sich alle Frauen stürzen, weshalb es dann gigantisch viele Incels geben müsste. Sie geht sogar davon aus, dass im landwirtschaftlichen Patriarchat, also in der beginnenden Zivilisation nach ihrer Definition, die Female Choice noch einmal an Dynamik zugelegt hätte und dabei übers Ziel hinausschoss! Das ist wirklich mehr als erstaunlich, das ist absurd! Denn sie behauptet ja auch, dass der Mann erst durch die Einschränkung der Female Choice &#8222;zivilisiert&#8220; worden sei und begann am Fortschritt zu arbeiten:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die prähistorische Kunst gibt einen Hinweis darauf, dass sich in den Männern ein ganz neues Bedürfnis zu regen beginnt. Ein Impuls, der die Strukturen der künftigen Zivilisation stark prägen wird: Der Wunsch, die Kontrolle über die weibliche Sexualität zu erlangen. Doch als Nomaden haben Männer weder Möglichkeiten noch Kapazitäten, sich der weiblichen Sexualität zu bemächtigen. &#8230; Im Laufe der Zeit wird aus dem Verfolgen der Viehherden ein Begleiten &#8230; ein Zähmen &#8230; als es gelingt auch Nahrungspflanzen für die Rinder und Ziegen &#8230;&#8220;<a href="#_ftn36" name="#_ftnref36">[36]</a></p></blockquote>
<p>&#8230; soll die Landwirtschaft begonnen haben (wir kennen das bereits) &#8230;</p>
<blockquote><p>&#8222;Nur die intelligentesten und geschicktesten Männer kommen mit den Anforderungen der sich im Höllentempo verändernden Welt zurecht und können sich fortpflanzen. Das hat zur Folge, dass die Female Chocie den Mann jetzt mit ganzer Härte trifft &#8230; [der Genetische Flaschenhals] zeigt auch, dass zu diesem Zeitpunkt ganz offenbar die <em>Female Choice</em> noch in vollem Gange war &#8230; Der Rest der Männer starb in der neuen Lebensweise kinderlos. … Die Sesshaftwerdung bewirkt ein unbarmherziges Aussieben &#8230; Die Fortpflanzungssituation ist für Männer eine Katastrophe. Der ohnehin hohe sexuelle Selektionsdruck steigert sich durch den genetischen Flaschenhals bis ins Unermessliche. &#8230; Obwohl die Landwirtschaft das Leben so sehr erleichtert, stehen die ersten Bauernkulturen statt vor einer blühenden Zukunft vor der Barberei.&#8220;<a href="#_ftn37" name="_ftnref37">[37]</a></p></blockquote>
<p>Böse, böse Female Choice! Böse Frau! Das klingt wie die Urschuld Evas. Es handelt sich hier um eine Täter-Opfer-Umkehr &#8230; nicht die Männer, die sich gegenseitig hochrüsten und damit auch im Stich lassen, sind Schuld, sondern die Female Choice.<br />
Sie hält Gewalt für eine Lösung des Problems, aber es ist ihr doch lieber, wenn die Frauen sich selbst einschränken, damit der Alpha-Mann weiter unbehelligt am Fortschritt bauen kann. Das zeugt von einem grundlegenden Unverständnis der Female Choice, die Abwechslung liebt; dabei bleibt kein Mann ewig Alpha-Mann.</p>
<p>Es ist aber auch eine Tatsache, dass die Y-Varianz in patriarchalen Residenzformen stark absinkt. Die am nachhaltigsten patriarchalisierte Bevölkerung mit der höchsten Unterdrückungsrate der Female Choice finden wir immer noch bei den viehnomadischen Völkern Zentralasiens:</p>
<blockquote><p>&#8222;Central Asian pastoralists, who are organized into patriclans, have high levels of intergroup competition and demonstrate ethnolinguistic and population-genetic turnover down into the historical period. They also have a markedly lower diversity in Y-chromosomal lineages than nearby agriculturalists. In fact, Central Asians are the only population whose male effective population size has not recovered from the post-Neolithic bottleneck; it remains disproportionately reduced, compared to female estimates using mtDNA.&#8220;<a href="#_ftn38" name="_ftnref38">[38]</a></p></blockquote>
<p>Hier herrscht ein großer Männerüberschuss, weil Söhne bevorzugt werden, nur die ältesten das Erbe antreten und in Polygamie leben dürfen, und den Nicht-Erben obendrein ein Heiratsverbot auferlegt ist. Entsprechend erklären sich die wiederholten Raubzüge, die diese Völker in Richtung Westen unternahmen.<br />
Das ebenfalls zu beobachtende, <strong>leichte</strong> Absinken der Y-Varianz in der frühen, noch matrifokalen Landwirtschaft lässt sich wie gesehen nicht mit Kriegen erklären, sie hätten sofort einen wesentlich stärken Einschlag erzeugt. Es gibt andere Erklärungsansätze der Patriarchatsforschung:</p>
<ol id="liste1">
<li>Die in der Landwirtschaft arbeitenden Frauen hatten zu wenig Zeit, nach Männern zu suchen, nahmen daher erstmals fremde Männer als Dauergäste in die Sippe auf, schränkten damit aber ihre Female Choice selbst ein. Dies kann einen Einfluss auf die Geburtenzahl UND die absolute Zahl der Y-Varianten haben.</li>
<li>Etliche Männer, quer durch alle Haplogruppen, verließen die Sippen Richtung Steppe.</li>
<li>Fehlgeburten und hohe Säuglingssterblichkeit bei den männlichen Kindern.</li>
</ol>
<p>Ansatz 1 zufolge hätte ein Mann nach einer Weile wieder gehen müssen oder hätte sich einer interessierten Schwester zugewandt oder wäre auch ohne sexuelles Interesse der Frauen geduldet worden, hätte er sich anständig verhalten. Diese Lebensweise birgt die Gefahr, dass Männer nun ihre Vaterschaft wahrnehmen und irgendwann daraus Rechte ableiten. Zudem steigt die Gefahr sexueller Übergriffe.<br />
Im Ansatz 2 könnten die vorliegenden Daten bedeuten, dass die Patriarchalisierung in der Steppe früher stattgefunden hat. Denn eine Auswanderung anatolischer Männer in die Steppe ist wie erwähnt nachgewiesen worden.<br />
Ansatz 3 ist generell eine Folge der Landwirtschaft und unter Matrifokalität und im Patriarchat ähnlich hoch. Er zeigt vor allem an, wie erfolgreich die Landwirtschaft betrieben wurde und ob Überschüsse verbunden mit einer extrem hohen Arbeitsbelastung erbracht wurden.</p>
<p>Erinnern wir uns, es war Stoverock wichtig, darauf hinzuweisen, dass sie &#8222;<em>nicht für eine Rückkehr zum Female-Choice-Prinzip in seiner Reinform</em>&#8222;<a href="#_ftn39" name="_ftnref39">[39]</a> sei. Das Problem der Sesshaftigkeit ist aber nicht eine überbordende Female Choice, sondern das Gegenteil: Erst die Selbsteinschränkung, die mit einem Minus an Lebensfreude, dem Risiko der Partnerschaft und einer, wenn auch kleinen, Verarmung des männlichen Genoms einhergeht. Dann, als die Landwirtschaft von den Männern übernommen wird, eine starke Verarmung des männlichen Genoms. Die Vielfalt geht mit ihrer Unterdrückung relativ zurück, wird aber durch die ansteigende Bevölkerungszahl kompensiert, steigt also absolut an. Der evolutionäre Nutzen der Female Choice entfaltet sich aber bei weitem nicht nur bei den Geschlechtschromosomen, sondern im gesamten Genom, ein Effekt, der beide Geschlechter betrifft. Auch das Genom der Pflanzen und Tiere verarmt durch Domestikation und mehr noch durch ihre Zucht im Patriarchat.</p>
<p>Wir können nicht wissen, warum die Frauen der Jungsteinzeit keine besseren Bedingungen schaffen konnten. Hinterher ist frau aber immer schlauer. Die Lösung wäre gewesen, keine Männer in die Sippen aufzunehmen, sondern die Feldarbeit schon früh auch auf die Brüder zu verteilen. Wir könnten auch anders herum sagen: Wären die Brüder nicht so faul gewesen und hätten &#8211; statt sich weiter altsteinzeitlich bei der Jagd ein schöneres Leben zu machen und zuhause Kuchen zu essen &#8211; besser ihren Schwestern auf dem Feld geholfen. UND hätten die Schwestern wieder mehr gesammelt, hätte es für beide Seiten gleich viele Gelegenheiten für Sex gegeben. Nebenbei wäre die hohe Sammelkompetenz, das große Wissen über Pflanzen und Tiere, das durch die Landwirtschaft verloren gegangen ist, erhalten geblieben. Offenbar war die uralte, sexuelle Arbeitsteilung aber ein Hindernis.</p>
<p>Stoverock braucht den Genetischen Flaschenhals, um ein Schreckgespenst der Female Choice zu zeichnen. Sich damit näher zu befassen, hätte ihre These gefährdet. Sie gibt ihm auf Seite 90 nicht einmal einen Namen, und lagert das Problem zunächst in die Tierwelt aus, in Zahlen zu den Seeelefanten und Beobachtungen an Adeliepinguinen, Schimpansen und Bonobo.<a href="#_ftn40" name="_ftnref40">[40]</a> Schnell wechselt sie also wieder das Thema, kaum dass es auf dem Tapet ist, und wir müssen ihr folgen: Die Bonobo-Weibchen sollen sich aufgrund der Knappheit der Ressource Sex &#8222;einkaufen&#8220; lassen. Kurz, sie erklärt die weiblichen Tiere dieser Arten zu Prostituierten, die nicht aufgrund einer schönen Morgengabe ein talentiertes Männchen erkennen und begehren, sondern lediglich die Morgengabe begehren, und sie gegen Sex tauschen, wobei ihnen das Männchen egal ist. Eine derart frauenfeindliche Sicht auf die Weibchen sollten wir von einer Autorin, die sich der Female Choice verschrieben hat, nicht erwarten! Die Female Choice ist kein Tauschgeschäft, sondern ein grundsätzlicher, unveränderlicher Lebenseffekt.<br />
Hier zeigt sich besonders deutlich, wie wenig die Autorin die Female Choice selbst verstanden hat:</p>
<blockquote><p>&#8222;Bei einigen Watvögeln verhalten sich die Weibchen so wie es normalerweise die Männchen tun. Nach der Eiablage macht sich das Weibchen auf und davon, um sich mit weiteren Männchen zu paaren, während der erste Partner im wahrsten Sinne des Wortes auf den befruchteten Eiern sitzenbleibt, um sie auszubrüten. Gäbe es nicht diese wenigen Ausnahmen, könnte man die Female Choice ein Naturgesetz nennen, so unumstößlich wie die Erdanziehungskraft. Danke also für nichts, Watvögel und Seepferdchen.&#8220;<a href="#_ftn41" name="_ftnref41">[41]</a></p></blockquote>
<p>Es ist zum Heulen. Geht es bei der Female Choice nicht etwa darum, besonders viele verschiedene fähige Männchen zu finden? Ist die Strategie der Watvogelhennen etwa nicht die effektivste Art der Female Choice? Wir Menschen sind keine Vögel, und es ist nicht so, dass die Menschenfrauen ihre Female Choice zu Beginn der Landwirtschaft auf eben diese Weise ausgelebt hätten; sie haben ihre Kinder natürlich bei sich behalten. In die Logik, die Stoverock fährt, hätten die Watvogelhennen aber perfekt gepasst. Danke also für nichts, Frau Dr. Stoverock. Auf Seite 136 setzt sie noch einmal an und benennt den Genetischen Flaschenhals um der Dramatik willen, die ihr Kapitel &#8222;Die Stunde Null&#8220; abschließen soll, um zu nächsten Kapitel &#8222;Haben und Sein&#8220; überzuleiten.</p>
<h2 id="Maenner-die-frauen-bewachen-das-sog-mate-guarding">Männer, die Frauen bewachen? Das sog. <em>Mate Guarding</em></h2>
<p>Da wären aber noch die Reiskärpflinge, eine kleine Süßwasserfischart, an der Stoverock das sog. <em>Mate guarding</em> erklären will:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Männchen der Reiskärpflinge versuchen, sich stets so positionieren, dass das Weibchen etwaige Rivalen gar nicht sehen kann. Der Umstand, dass Weibchen für Männchen in erster Linie eine begrenzte Ressource sind, führt dazu, dass sie sie eifersüchtig bewachen. Nachdem sie sich die Zugriffsrechte durch Wettkampf untereinander geklärt haben, werden sie zu besitzergreifenden Hausherren, die versuchen, den Verlust der Ressource um jeden Preis zu verhindern.&#8220;<a href="#_ftn42" name="_ftnref42">[42]</a></p></blockquote>
<p>Das ist patriarchale Berichterstattung <em>par excellence</em>. Denken wir doch bitte die Female Choice konsequent, immer und immer wieder! Dann zeigt sich ein völlig anderes Bild: Es gibt in der Natur keine Zugriffsrechte, die unter den Männchen ausgefechtet werden! Es gibt nur das Weibchen, das ein Männchen gewählt hat, in diesem Fall das, welches im Kampf gewonnen hat. Es ist aber immer wieder zu beobachten, dass sich Weibchen am Rande des Kampfplatzes auch mit anderen Männchen paaren. Hören wir doch endlich auf mit der ewig androzentrischen Sicht auf die Tierwelt! Nicht die Weibchen sollen andere Rivalen nicht sehen, sondern umgekehrt, ein anderes Männchen als das gewählte soll das Weibchen nicht sehen, sie versteckt sich. Die Female Choice der Reiskärpflinge hat Männchen selektiert, die die Female Choice beschützen. Das ist keine Eifersucht, die mit einem Besitzrecht korrelieren würde, sondern eine Form der &#8222;Pflichterfüllung&#8220;. Dieses sog. <em>Mate Guarding</em> beschützt nicht die „Rechte“ des Männchens, sondern die Wahl des Weibchens. Würden sich andere Männchen in der Nähe aufhalten, könnte es passieren, dass vom Weibchen unerwünschtes Sperma die Eier erreicht.</p>
<p>Stoverock möchte gerne zeigen, dass die Female Choice auch im Patriarchat weiter wirksam ist, hierin liegt die Stärke und &#8211; wie könnte es jetzt noch anders sein &#8211; zugleich die große Schwäche des Buches. Es fällt ihr schwer, patriarchale Muster von denen der Evolution zu trennen:</p>
<blockquote><p>&#8222;Immer betreibt der Mann ein Riesentamtam, und die Holde muss nur ja sagen. Das spiegelt sich auch in unseren modernen Zeiten: Einer Umfrage zufolge sind 69% der Frauen gar nicht oder nur im Ausnahmefall dazu bereit, beim Flirten den ersten Schritt zu machen.&#8220;<a href="#_ftn43" name="_ftnref43">[43]</a></p></blockquote>
<p>Sie hält dies offenbar für natürlich. Aber natürlich gilt es im Patriarchat als unschicklich, wenn Frauen den ersten Schritt machen. Das ist deshalb so stark sanktioniert, weil die patriarchale Male Choice oberstes Gebot sein soll. Eine Frau, die wählt, ist unter der Würde des Patriarchen. Hier wird ihr unterstellt, sie wolle sich einen angeln, ihn festnageln, sie wolle nur sein Geld, sie sei nymphoman etc.. Tatsache ist, dass dieses Tabu großen Schaden anrichtet: viele Frauen bleiben &#8222;Incel&#8220; (die Alte Jungfer, das Mauerblümchen, der Blaustrumpf), weil sie einerseits immer nur Angebote ablehnen dürfen und andererseits Milchbubis, Nerds und Lauchs sich für Superhelden halten und daher nur auf Models stehen, um es einmal zugespitzt auszudrücken. Das Märchen von König Drosselbart lehrt schon kleine Mädchen, ihrem Gefühl nicht zu trauen und ein Angebot besser anzunehmen. Das Patriarchat hat aber auch dafür eine Lösung, und es würde mich nicht wundern, wenn Stoverock die Zwangsheirat für natürliches männliches Verhalten hält, wie auch das angebliche <em>Mate Guarding</em>, das sie unkritisch aus der Herrschenden Lehre übernimmt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Auch das <em>mate guarding</em> finden wir bei uns Menschen. Es zeigt sich im Extremfall an dem islamischen Verbot für Frauen, sich ohne männliche Begleitung an öffentlichen Plätzen aufzuhalten oder zu verreisen. Auch die Verschleierung dient seit rund dreitausend Jahren dazu, Frauen vor Blicken (und damit Versuchungen) anderer Männer zu verstecken.“<a href="#_ftn44" name="_ftnref44">[44]</a></p></blockquote>
<p>Sie liefert dazu auch Anekdotisches aus der Welt der Studien:</p>
<blockquote><p>&#8222;Auch hinsichtlich der Triebstärke gibt es Hinweise, die klare Unterschiede aufzeigen: Eine australische Studie aus dem Jahr 2011 ergab, dass 56% der Männer in Langzeitbeziehungen sich mehr Sex von ihren Partnerinnen wünschen, jedoch nur 28% der Frauen. 14% der Frauen hätten sogar gerne weniger Sex mit ihrem Partner.&#8220;<a href="#_ftn45" name="_ftnref45">[45]</a></p></blockquote>
<p>Die Studie zeigt aber auch, dass 14% der australischen Frauen in ihrer Beziehung vergewaltigt werden, was Stoverock aber nicht so zu sehen scheint.</p>
<blockquote><p>&#8222;Kanadische Wissenschaftler kamen bei einer Befragung von 170 Studenten zu ähnlichen Ergebnissen. Besonders in längeren Beziehungen spielt bei dem asymmetrischen Begehren nicht nur die Triebstärke, sondern auch die serielle Monoandrie der Frauen eine Rolle – die evolutionäre Reproduktionsstrategie findet einfach, dass es an der Zeit ist, sich nach Ablauf einer Reproduktionsphase mit einem anderen Mann zusammenzutun.&#8220;<a href="#_ftn46" name="_ftnref46">[46]</a></p></blockquote>
<p>Sie erklärt, dass sich an schwulen und lesbischen Paaren überprüfen ließe, ob die Triebstärke dennoch bei Männern stärker ausgeprägt ist, und siehe da, tatsächlich wollen Männer angeblich mehr Sex! Eine derart weitreichende Aussage mit einer einzigen Studie zu belegen, das ist leider zu dünn.<a href="#_ftn47" name="_ftnref47">[47]</a> Es wäre auch nur aussagekräftig, wenn bereits feststünde, dass sich homo- und heterosexuelle Menschen in dieser Frage nicht unterscheiden.</p>
<h2 id="nein-gewalt-ist-keine-loesung-nie-und-auch-nicht-die-unterdrueckung-der-female-choice">Nein, Gewalt ist keine Lösung. Nie. Und auch nicht die Unterdrückung der Female Choice.</h2>
<p>Tatsächlich, und nun wird es besonders problematisch und zugleich höchst inkonsequent, Stoverock leugnet die sexuelle Gewalt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Frauenbewegung hat lange die Behauptung verbreitet, bei sexuellen Angriffen ginge es vor allem um Macht (einen Willensakt) und nicht um Sex (einen Triebakt). Der Gedanke dahinter ist verständlich, aber aufgrund der evolutionären Besonderheiten der sexuellen Fortpflanzung halte ich &#8217;sexuelle Gewalt‘ für den unzutreffenden Begriff. Das kulturelle Faktoren die Entscheidung zur Vergewaltigung zusätzlich befeuern können, bezweifle ich aber keineswegs. Bitte denken Sie daran, dass es mir bei der Erklärung – nicht der Entschuldigung – von sexueller Gewalt darum geht, ihre Ursache zu verstehen, um sinnvolle Lösungen zu ihrer Eindämmung zu entwickeln.&#8220;<a href="#_ftn48" name="_ftnref48">[48]</a></p></blockquote>
<p>Wir werden noch sehen, wie sinnvoll die Lösungen sind, die sie auf den falsch hergeleiteten Ursachen entwirft. Ihre Beschwichtigung ist nicht nur unglaubwürdig, sie kommt auch noch auf derselben Seite zur Sache:</p>
<blockquote><p>&#8222;Wir haben gesehen, dass Gewaltbereitschaft integraler Bestandteil der männlichen Reproduktionsstrategie ist.&#8220;<a href="#_ftn49" name="_ftnref49">[49]</a></p></blockquote>
<p>Nein! Wir haben es hier leider mit einem besonders schwerwiegenden Fall von Biologismus zu tun, der den Mann an seinen Platz im Patriarchat verweist und besonders die Frau. Ausgerechnet die Female Choice, mit deren Hilfe wir alle Biologismen beseitigen können, muss dafür herhalten; dies nachdem es so schwer war, sie überhaupt zu entdecken. Es ist zum wirklich zum Auf-dem-Hut-herumtrampeln!</p>
<p>Nachdem sie also ordentlich Angst vor Männern geschürt hat, erfahren wir, wem ihre ganze Sorge gilt: den Incels, deren Gewaltbereitschaft sie ausführlich darstellt, und bei der es angeblich nicht um Macht geht.</p>
<blockquote><p>&#8222;Zahlen belegen, dass die meisten weiblichen Opfer von Sexualgewalt im geschlechtsreifen Alter sind. Dies ist ein Hinweis darauf, dass es bei den Taten deutlich stärker um Sex geht als bisher im Diskurs behandelt. Ginge es ausschließlich um Macht, wie der Feminismus seit Jahrzehnten behauptet, dann könnten ebenso oft Kinder oder Greisinnen betroffen sein.&#8220;<a href="#_ftn50" name="_ftnref50">[50]</a></p></blockquote>
<p>Es ist ja schon erstaunlich genug, dass der Feminismus über all die Jahre, wo das Wort „Patriarchat“ im Umlauf ist, nicht darauf gekommen ist, dass es um die Macht der Vaterschaft geht, was das Wort ja schon treffend aussagt. Aber immerhin hat der Feminismus erkannt, dass es um Macht geht. Nur ohne das Wörtchen &#8222;Vater&#8220; ist das Wort &#8222;Macht&#8220; natürlich nur ein Schlagwort, das einer auch um die Ohren gehauen werden kann, Stichwort &#8222;Matriarchat&#8220;. Es wird von Feministinnen davon abgelenkt, dass es sich um die Macht der Väter handelt, weil die Mutterschaft ein rotes Tuch ist und die Väter gefälligst im Kinder versorgenden Alltag mithelfen sollen. So gilt der männlichen Macht in der Arbeitswelt und der sexuellen Gewalt am Arbeitsplatz die Hauptsorge, während die Partnerschaftsgewalt erst langsam beginnt, in ihrem ganzen Ausmaß erkannt und erforscht zu werden, aber meist noch entschuldigt wird. Diese Bewegung kommt aber nicht aus dem Mainstreamfeminismus, sondern von den <a href="https://die-mias.de/" target="_blank" rel="noopener">alleinerziehenden Müttern</a>!<br />
<strong>Über Sex werden Männer im Patriarchat zu Familienvätern (= Familienvorstand) und daher gilt es, über die Sexualität der Frau Kontrolle zu erlangen.</strong> Alle Macht geht davon aus, dass Männer im Patriarchat nicht einfach Sex haben wollen, sondern Väter werden wollen, oder die Vaterschaft potentieller Väter sicherstellen sollen. Frauen werden über ihre Mutterschaft dahin erpressbar, selbst die Vaterschaft zu festigen.<br />
Über die Vaterschaft und die Vererbung über den Sohn gelingt die Anhäufung von Besitz. Die Gier nach mehr ist im Patriarchat in die Welt gekommen, weil alles unsicher geworden ist, weil die elementarsten Bedürfnisse nicht gestillt werden. Wir erinnern uns, Stoverock braucht die Bedürfnispyramide, wo Sex auf Stufe 1 angesiedelt ist, für ihre Argumentation. Aber Sex gehört nicht dazu, das ist ein Mythos! Sex kompensiert im Patriarchat einen großen Teil des Bereichs, der schon in der Kindheit nicht ausreichend von den Müttern gestillt werden darf: Körperliche Nähe, Zärtlichkeit, natürlich ohne Sex, und Geborgenheit, die gepaart sind mit dem Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens. Die <strong>Trauung</strong> von Mann und Frau soll all das ersetzen, was das Patriarchat zuvor genommen hat; es ist ein Perpetuum Mobile. Die Sucht nach Besitz und Sex sind Symptome der Krankheit Patriarchat. Natürlich ist ein Incel nicht einfach nur notgeil. Ein Incel hat die nackte Angst, keine Familie gründen zu können, womit er von der Gesellschaft ausgeschlossen würde. Sexpüppchen, wie Stoverock es dann als sinnvolle Maßnahme vorschlägt, und denen sie im Literaturverzeichnis erstaunlich viel Raum gibt, werden dieses Problem niemals lösen können! Das Incel-Phänomen ist auch kaum vor dem Hintergrund der erwachenden Sexualität der Frauen zu verstehen, sondern viel mehr vor dem Hintergrund der <strong>Individualisierung in der sog. <a href="https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/risikogesellschaft/4019" target="_blank" rel="noopener">Risikogesellschaft</a> (nach Ulrich Beck)</strong>. Wenn Frauen mobil werden müssen, quasi zu Nomadinnen, um im Beruf Erfolg zu haben, dann funktioniert das Modell Kleinfamilie nicht mehr und dann werden es sich Frauen zweimal überlegen, ob sie das Wagnis des Mangelkonstruktes Kleinfamilie eingehen wollen. Viele Frauen bleiben daher auch kinderlos und partnerlos, aber ohne vergewaltigend und pöbelnd umherzuziehen, wie Stoverock es für die künftigen Männer an die Wand malt.</p>
<h2 id="female-choice-und-matrifokalitaet-nicht-verstanden">Female Choice und Matrifokalität nicht verstanden</h2>
<p>Nachdem Stoverock viele Buchseiten damit zugebracht hat, die Entstehung des Patriarchats in die Zeit der Erfindung der Landwirtschaft zu verlegen, konstatiert sie:</p>
<blockquote><p>&#8222;Der evolutionäre [!] Druck hat auch bei den Menschen vor allem polygyn-monoandrische Systeme hervorgebracht.&#8220;<a href="#_ftn51" name="_ftnref51">[51]</a></p></blockquote>
<p>Es scheint ihr dabei unbekannt, dass polygyn-monoandrische Systeme immer im Patriarchat angesiedelt und nicht evolviert sind. Das Patriarchat gehört nicht in die Altsteinzeit. Unbekannt ist ihr scheinbar auch, dass Menschen nicht viele &#8222;Systeme&#8220;, sondern ein einziges angeborenes Sozialverhalten eigen ist, die Matrifokalität, wie es u.a. Sarah Blaffer Hrdy nachweisen konnte. Schon für die Primaten stellt die berühmte Anthropologin fest:</p>
<blockquote><p>&#8222;Ich gehörte übrigens zu denjenigen, die schon frühzeitig davon überzeugt waren, dass Menschenaffen zur Patrilokalität neigten. Ich änderte meine Meinung im Verlauf der Arbeit an &#8218;Mutter Natur&#8216;.&#8220;<a href="#_ftn52" name="_ftnref52">[52]</a></p></blockquote>
<p>Die Matrifokalität ist Stoverock dennoch durch Twitter bekannt, sie akzeptiert sie auch ausdrücklich, erwähnt sie auch mehrmals im Text, aber ohne diese Inspiration im Text oder Literaturverzeichnis zu würdigen.<a href="#_ftn53" name="_ftnref53">[53]</a> Es ist auch besonders verwerflich, dass sie behauptet, dass es Studien gäbe, die beweisen sollen, dass es die monogyn-monoandrische Lebensweise, also die Ehe, seit gut 10.000 Jahren gäbe, ohne ihre Quellen zu benennen<a href="#_ftn54" name="_ftnref54">[54]</a>. Meiner Erfahrung nach haben die AutorInnen solcher Studien einen extrem engen Blickwinkel, bei dem schon zu Studienbeginn das gewünschte Ergebnis feststeht,<a href="#_ftn55" name="_ftnref55">[55]</a> und sie produzieren häufig ähnliche Sätze wie Stoverock:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Kinder einer Frau stammen oft von unterschiedlichen Vätern, Partnerschaft-auf-zeit ist primäre Beziehungsform. Die menschlichen Körper wurden von der Evolution so konstruiert, dass sie in erster Linie so lange zusammenbleiben, bis die aus der Beziehung resultierenden Kinder selbstständig essen und die nomadisch umherziehende Gruppe aus eigener Kraft begleiten können. Längere Beziehungen sind eher Ausnahme.“<a href="#_ftn56" name="_ftnref56">[56]</a></p></blockquote>
<p>Hier wird er konstruiert: der Vater als Ernährer. Aber Stoverock denkt nicht darüber nach, was z.B. passiert, wenn die Gruppe resp. Sippe weiterzieht. Glaubt sie wirklich, dass das aggressive Sexmonster 9 Monate lang eine Schwangere verfolgt, um dann für das Kind Nahrung zu beschaffen? Das passt weder in ihr Weltbild, noch passt das zu Matrifokalität. Ist es nicht vielmehr so, dass sich Männer für Kinder erst dann wirklich zu interessieren beginnen, wenn die Kinder laufen und sprechen können? Was würde denn passieren, wenn der Vater verunglückt? Sie weiß es nicht. Sie weiß nicht, dass der Vater unter Matrifokalität weder der Ernährer ist, noch überhaupt bekannt ist, dass er einfach nur hinderlich wäre, übrigens auch weil in der Sippe immer mehrere Mütter sind. Wird das Baby geboren, ist er schon lange weg, denn er zieht mit seiner eigenen Sippe weiter. Merkwürdig, dass ihr, der Evolutionsbiologin, das nicht klar ist, besonders wo sie doch den Männern ein überbordendes, aggressives Sexleben andichtet.</p>
<h2 id="geschichtsfeindlichkeit">Geschichtsfeindlichkeit</h2>
<p>In ihrem Kapitel &#8222;Haben und Sein&#8220;<a href="#_ftn57" name="_ftnref57">[57]</a> beschäftigt sich Stoverock nun damit, wie der Mann über seinen Besitz die Frau ans Haus gefesselt habe.</p>
<blockquote><p>&#8222;Der Besitz wird dem Mann zugeordnet. Territorien und die dort vorkommenden Ressourcen sind auch in der Natur eher Männersache.&#8220;<a href="#_ftn58" name="_ftnref58">[58]</a></p></blockquote>
<p>Mit diesem hanebüchenen Biologismus, der jede Arbeitsleistung der Frau der Steinzeit übergeht, braucht sie nicht erwähnen, dass die Matrifokalität keinen Besitz kennt und auch die frühen Sippenhäuser allen gehörten. Ihre Erklärung dafür, wie der Besitz in Männerhand geraten ist: der Wunsch nach Abgrenzung<a href="#_ftn59" name="_ftnref59">[59]</a>. Hier liefert die Patriarchatsforschung jede Menge wirklich Erhellendes, aber das sind ja alles Schmuddelkinder.<br />
Woher sie das Wissen nimmt, dass &#8222;<em>Anführer, die behaupten, von den Göttern direkt in ihr Amt berufen worden zu sein</em>&#8222;, schon &#8222;<em>von Anfang an zu den Begleiterscheinungen sesshafter Gemeinschaften</em>&#8220; gehört haben, erraten wir nicht, sie kann auch nur mit dem bronzezeitlichen, babylonischen König Hammurapi aufwarten. Und doch, Frau Dr. Stoverock! Wir dürfen getrost vergessen, &#8222;<em>dass die alttestamentarischen Erzählungen ihre Anfänge in der mündlichen Folklore haben</em>&#8222;.<a href="#_ftn60" name="_ftnref60">[60]</a><br />
Ihr Ritt durch die Zeiten, mit rasendem Wechsel von Alt- zu Jungsteinzeit, dann nahtlos in die Bronzezeit, Neuzeit und wieder zurück, alles nur &#8222;Details&#8220;. Hier zeigt sich unhistorisches Denken gepaart mit Halbwissen und ein durch und durch patriarchales Weltbild, das im Widerspruch zu allem steht, was wir doch längst besser wissen. Die Krönung ist dann diese Plattitüde:</p>
<blockquote><p>&#8222;Früher ging der Mann jagen, um die Frau zu ernähren, heute geht er halt ins Büro.&#8220;<a href="#_ftn61" name="_ftnref61">[61]</a></p></blockquote>
<p>Aber dann ist für sie die „<em>Spaltung der menschlichen Gemeinschaften in außen und innen nicht weniger als die Geburtsstunde des Androzentrismus, der männlichen Zivilisation.</em>&#8222;<a href="#_ftn62" name="_ftnref62">[62]</a> Oho und Aha! Mit diesem geistvollen Sinnspruch von biblischer Gewalt zeigt sie, dass sie nichts weiß über die Entstehung des Patriarchats im Viehzüchternomadismus und den daraus resultierenden <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung" target="_blank" rel="noopener">Zuchtgedanken mit seinem Sexismus und Rassismus</a>. Und genau DAS ist es, was &#8222;<em>die Völker, die uns Pornografie in der beschriebenen Eindeutigkeit hinterlassen haben</em>&#8220; eint und nicht die &#8222;besitzbasierte Sesshaftigkeit&#8220;<a href="#_ftn63" name="_ftnref63">[63]</a>.</p>
<h2 id="porno-sells-und-der-angebliche-sexuelle-konflikt">Porno sells und der angebliche Sexuelle Konflikt</h2>
<p>Überhaupt Pornografie. Stoverock, die sich als &#8222;sexpositiv&#8220;<a href="#_ftn64" name="_ftnref64">[64]</a> bezeichnet, liebt die Pornografie, wir ahnten es schon. Was wurde in den letzten Jahrzehnten nicht alles geschrieben, um zu den Leuten verständlich zu machen, dass Pornografie Frauen, ja allen Menschen erheblichen Schaden zufügt! Es scheint, als würden all diese Feministinnen gegen Wände geredet haben, wenn Stoverock so etwas schreibt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Doch schaut man genauer hin, zeigt die Mainstream-Pornografie jedoch mehr. Die Frau steht dem Mann in der Pornografie uneingeschränkt zur Verfügung, das ist wahr, doch willenlos ist sie keineswegs. Sowohl in antiken als auch modernen Darstellungen verhält sich die Frau lüstern, sie begegnet dem Mann mit offenen Armen und erwidert seine Annäherung. … Im Grunde simuliert er die freie Partnerwahl einer Frau, wie sie in der <em>Female Choice</em> gegeben ist. Erotische Darstellungen vor allem des Mainstreams zeigen einen Akt, an dem sich die Frau freiwillig und mit Genuss beteiligt (im Fetischbereich sind natürlich auch andere Spielarten möglich). … In dem Ideal offenbart sich tiefste und persönliche Sehnsucht, die der Sexuelle Konflikt seit Millionen von Jahren beiden Männern hinterlassen hat: Eine Frau, die ihn und seinen Penis von ganzem Herzen begehrt, und bei der er keine Angst vor Zurückweisung haben muss. …&#8220;<a href="#_ftn65" name="_ftnref65">[65]</a></p></blockquote>
<p>Welche jetzt noch nicht heult, dürfte spätestens jetzt dazu genötigt sein:</p>
<blockquote><p>&#8222;Hätte diese Sehnsucht nicht dazu geführt, dass die Männer frauenunterdrückende Strukturen schufen, um mehr Zugang zu Sex zu bekommen – man könnte ihr Mitgefühl entgegenbringen. Kein verächtliches, überhebliches Mitgefühl, sondern ein liebevolles, ebenbürtiges Verständnis, das den Mann als fühlendes, begehrendes Wesen ernstnimmt, dem der Sexuelle Konflikt ebenso übel mitgespielt hat wie der Frau. …&#8220;<a href="#_ftn66" name="_ftnref66">[66]</a>.</p></blockquote>
<p>NEIN, Frau Dr. Stoverock, das nehme ich Ihnen nicht ab, auch wenn Sie zum Ende noch schreiben, dass die Frau sich angesichts der gefährlichen Folgen der Partnerschaft kein Mitleid leisten könne<a href="#_ftn67" name="_ftnref67">[67]</a>.<br />
Der Sexuelle Konflikt ist unter Biologen <em>en vogue</em>, da sind noch Meriten zu verdienen, und dieses Buch ist Stoverocks Beitrag:</p>
<blockquote><p>&#8222;Unsere zentrale These lautet, dass wesentliche Strukturen der männlichen Zivilisation dazu dienten, die Folgen der unterschiedlichen Reproduktionsstrategien der Geschlechter abzufangen. Zu diesen Folgen gehört der Sexuelle Konflikt aus einander gegenläufigen sexuellen Bedürfnissen, aber auch das Paarungssystem der <em>Female Choice</em>, in dem die Frau den Zugang zu Sex für Männer regelt.&#8220;<a href="#_ftn68" name="_ftnref68">[68]</a></p></blockquote>
<p>In der Natur war der angebliche Sexuelle Konflikt nie ein Problem, die Female Choice wurde zum Problem für Männer, als sie mit Gewalt Frauen unterwarfen. Die Sesshaftigkeit trifft so wenig Schuld, wie eine Frau, die vergewaltigt wurde. Die Theorie des Sexuellen Konflikts, die alles, was die Female Choice betrifft, problematisiert, sogar bis in die Cryptic Female Choice hinein, ist ein Irrweg wie auch Freuds Ödipus-Komplex und Penisneid. Der &#8222;Konflikt&#8220; ist identisch mit dem Problem, das Patriarchen mit der Female Choice haben, und ein moralisierender Begriff, der bei der Betrachtung der Evolution nichts verloren hat und in den Biologismus führt. Er ist auch identisch mit dem Widerstreit des Patriarchats mit der <strong>Matrifokalität, die sexuelle Konflikte sozusagen aufs Genialste verhindert hat.</strong> In Bezug auf den Menschen (und Primaten) wird er aber immer wieder beschworen, um die menschliche Monogamie, die die Female Choice unterdrückt, als evolvierten Schutz der Frauen und Kinder vor Vergewaltigung und Infantizid hinzustellen.<a href="#_ftn69" name="_ftnref69">[69]</a> Kein Wunder, dass Stoverock mit der Female Choice das Ende der Zivilisation nahen sieht, wie es schon der Buchtitel andeutet, bei dem optimistische LeserInnen zunächst glauben könnten, es sei das Ende des Patriarchats gemeint.</p>
<h2>Incels, das Schreckgespenst der Evolution?</h2>
<p>Im letzten Drittel des Buches widmet sich Stoverock nun ganz ihren Schützlingen, den Incels. Sie beschreibt sehr detailliert die Amokläufe in den USA, und besonders den von Elliot Rodger. Dazu erzählt sie, wie sich Incels im Netz zusammenrotten und radikalisieren. Auch das möchte sie erklären:</p>
<blockquote><p>&#8222;Erinnern wir uns an die Maslowsche Bedürfnispyramide. Die bloße Existenz von gewaltbereiten Incels und das gleichzeitige Fehlen eines weiblichen Äquivalents zeigt, dass das Bedürfnis nach Sexualität für Männer deutlich weiter unten in der Pyramide steht, und seine Erfüllung damit eine wesentlich höhere Priorität hat als für Frauen. Je dringlicher ein Bedürfnis ist, desto verzweifelter und aggressiver kämpft der Mensch um seine Erfüllung. Es käme daher einer groben Fahrlässigkeit gleich, diese Gruppe nicht besonders im Auge zu behalten.&#8220;<a href="#_ftn70" name="#_ftnref70">[70]</a></p></blockquote>
<p>Erinnern wir uns auch daran, dass die Maslowsche Bedürfnispyramide die Bedürfnisse des patriarchalen Mannes abbildet und Stoverock das nicht bemerkt hat. Männer können keine Kinder kriegen, sie müssen im Patriarchat eine Frau festsetzen, um sich überhaupt um Kinder kümmern zu können. Es droht ihnen die Einsamkeit im Alter, aber auch geringerer sozialer Status, der sich durchaus in barer Münze bemerkbar macht. Während nämlich das Gehalt von Müttern ins Bodenlose sinkt, verdienen Familienväter mehr als kinderlose Männer. In den USA ist diese Diskrepanz übrigens besonders deutlich.<a href="#_ftn71" name="_ftnref71">[71]</a> Dass Kinder einen Mann arm machen, Sex mit einer Frau daher &#8222;zu einer wirtschaftlichen Gefahr&#8220; werde, wie Stoverock es ja auch behauptet hat<a href="#_ftn72" name="_ftnref72">[72]</a>, stimmt also nur teilweise. Tatsächlich haben schon die frühen Patriarchen erkannt, dass Kinder billige Arbeitskräfte sind, die, ordentlich erzogen die Zukunft so gestalten, wie es sich der Vater wünscht. Sie verleihen ihm Macht, er kann seine Frau über sie erpressen und er spart sich das Geld für eine Dienerin und Prostituierte. Eine Ehefrau, würde sie anständig bezahlt, wäre so teuer, dass ein normaler Mann sie sich nicht leisten könnte.<br />
Stoverock kennt sich gut aus in der &#8222;Manosphere&#8220; und bescheinigt ihr &#8222;<em>erstaunliches Wissen über die evolutionsbiologischen Grundlagen der Geschlechterbeziehung</em>&#8222;<a href="#_ftn73" name="_ftnref73">[73].</a> Wenn es dieses Wissen ist, das sie in diesem Buch zum Besten gibt, ist alles klar! Hier liegt das Problem des Buches nun offen zutage; ihre Inspiration holt sie sich bei den Misogynisten, und sie gibt es auch zu:</p>
<blockquote><p>&#8222;Stimmen, die sich um die Einbettung der physischen Prozesse in die Kultur bemühen, gibt es nur wenige. Eine von ihnen gehört dem kanadischen Psychologen Jordan Peterson. Er hat erkannt, dass unsere Zivilisation nur unter Abschaffung von evolutionsbiologischen Mustern möglich war.&#8220;<a href="#_ftn74" name="_ftnref74">[74]</a><br />
&#8222;Er weist darauf hin, dass die Menschheit am Anfang ihrer sesshaften Lebensweise die Incels nur über die sozial erzwungene Monogynie in den Griff bekommen hat, und dass also ein Aufweichen dieser Monogynie einem Angriff auf die Zivilisation gleichkommt.“<a href="#_ftn75" name="_ftnref75">[75]</a></p></blockquote>
<p>Ja, Frau Dr. Stoverock, ich &#8222;atme scharf ein&#8220; und zwar mehrfach, da hilft Ihnen auch nicht Ihre Immunisierungsstrategie<a href="#_ftn76" name="_ftnref76">[76]</a>. Und zwar aus zwei Gründen:</p>
<p>1. Der Satz suggeriert, dass Jordan Peterson der Begründer der Patriarchatsforschung sei. Das ist falsch. Es war Dr. Gerhard Bott, den ich oben bereits erwähnte, der erstmals den Zusammenhang zwischen der Patriarchalisierung und der Aushebelung der Female Choice erkannte. Er berief sich dabei auf die Arbeiten von Meredith M. Small und Gerda Lerner.<a href="#_ftn77" name="_ftnref77">[77]</a><br />
2. Jordan Peterson ist ein Antifeminist, der mit Aussagen wie &#8222;<em>You know you can say, ‘Well isn’t it unfortunate that chaos is represented by the feminine’ — well, it might be unfortunate, but it doesn’t matter because that is how it’s represented. It’s been represented like that forever. And there are reasons for it. You can’t change it. It’s not possible. This is underneath everything. If you change those basic categories, people wouldn’t be human anymore. They’d be something else. They’d be transhuman or something. We wouldn’t be able to talk to these new creatures</em>“ bei den organisierten Incels punktet. Eines seiner Bücher trägt den Untertitel “An Antidote to Chaos”.<a href="#_ftn78" name="_ftnref78">[78]</a></p>
<p>&#8222;Chaos&#8220;, das ist das Wort, das Erzkonservative immer in den Mund nehmen, wenn sie Gegner diskreditieren wollen. Auch Donald Trump verwendete es inflationär und produzierte doch selbst das allergrößte Chaos. Aber tatsächlich fallen WählerInnen (und auch LeserInnen) immer wieder auf das Geschäft mit der Angst herein. Und in diese Kerbe haut auch Stoverock:</p>
<blockquote><p>&#8222;Und da die Kontrolle der &#8218;Ressource Frau&#8216; durch die Männer nicht die Folge der Kultur war, sondern der erste, sie begründende Schritt, können die Maßnahmen nicht einfach rückgängig gemacht werden.&#8220;<a href="#_ftn79" name="_ftnref79">[79]</a></p></blockquote>
<p>Damit beweist sie auch einmal mehr ihre weitreichende Unbildung. Schon Tiere haben nämlich Kultur und die menschliche Zivilisation gab es schon lange ehe das Patriarchat über die Menschheit hereinbrach.</p>
<p>Ihr Manifest lautet konsequent:</p>
<blockquote><p>&#8222;Wir müssen das Gute aus dem Nomadenleben mit dem Guten aus der Sesshaftigkeit verbinden. Und weil allein die Größe dieser Aufgabe Kopfschmerzen bereitet, beginnen wir im Kleinen, dort, wo jeder Mensch in seinem Leben etwas verändern kann, und vergrößern die Idee so lange, bis wir am Ende vor einer neuen Weltordnung stehen.&#8220;<a href="#_ftn80" name="_ftnref80">[80]</a></p></blockquote>
<p>Wir können den Anfang wie folgt abändern, denn das ist es, was sie in Wahrheit sagen will, hat sie doch seitenweise den &#8222;Nachweis&#8220; geführt: Wir sollen das Gute aus dem Nomadenleben mit dem angeblich Guten aus dem Patriarchat verbinden. Wie naiv das ist, zeigt der aktuelle Backlash. Es gibt nicht &#8222;ein bisschen Patriarchat&#8220;. Das Patriarchat wird sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen, solange das Vaterrecht nicht durchschaut und abgeschafft ist. DAS ist das Problem vor dem wir stehen … aber auch die Mauer hat nicht ewig gestanden. Jedoch, das Patriarchat ist eine &#8222;etwas&#8220; härtere Nuss, so dass noch sehr viel Wasser den Rhein herunterfließen wird. Würden die Männer erkennen, wie sehr sie sich selbst schaden, dann wäre viel gewonnen. Aber dieses Buch klärt nicht darüber auf, sondern tut das genaue Gegenteil.</p>
<h2>Scheinfeminismus und Prostitutionsverherrlichung</h2>
<p>Dr. Meike Stoverock ist keine Feministin. Die sexuelle Freiheit der Frau, die Female Choice, und damit die Freiheit überhaupt, ist ihr so zuwider, dass sie sie weiter eingeschränkt sehen will. Das äußert sich auch in ihrem Loblied auf die Pille, auch wenn sie deren Risiken und die Folgen für die Female Choice kennt:</p>
<blockquote><p>&#8222;Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschen erfahren Frauen so etwas wie echte Freiheit. Die Freiheit über das Treiben in ihren Eierstöcken bestimmen zu können. … Die selbstgewählte Kinderlosigkeit versetzt Frauen in die Lage, Berufe zu ergreifen, sich zu bilden, zu reisen und ihre Sexualität zu entdecken.&#8220;<a href="#_ftn81" name="_ftnref81">[81]</a></p></blockquote>
<p>Das ist aber nur die halbe Wahrheit: Ausgerechnet Letzteres ist durch die Pille stark eingeschränkt und immer weniger Frauen nehmen die Pille, weil sie die schädlichen Effekte nicht mehr tragen wollen und zudem erkannt haben, dass sie nur eine Scheinfreiheit gewährt, verfügbar macht und obendrein Einsamkeit beschert, genau das, wovor männliche Incels in Wahrheit Angst haben! In den Entwicklungsländern ist die Pille eine echte SOS-Maßnahme, aber als Lifestyle-Produkt taugt sie gar nichts. Im Übrigen bedeutet Female Choice auch, sich einem Partner zu verweigern.<br />
Ein Feminismus, der die Kraft der Female Choice diskreditiert, nicht den Weg MIT ihr aufzeigt, wie sie Frauen ein freies Leben mit ihrer kompletten positiv erlebten Körperlichkeit ermöglicht, ist nicht für Frauen, sondern gegen sie. Und Stoverock hat noch nicht erkannt, wie sehr der Feminismus vom Patriarchat instrumentalisiert wird, denn sie glaubt, dass er nur vorwärts ginge, &#8222;nie rückwärts&#8220;.<a href="#_ftn82" name="_ftnref82">[82]</a> Sie selbst liefert mit ihrem Buch das beste Beispiel für einen echten Rückschritt. Der Schlüssel zur Lösung ist mit der Female Choice längst gefunden, aber sie schmiert nun Klebstoff ins Schlüsselloch.</p>
<p>Sex für alle, das ist Stoverocks Forderung,<a href="#_ftn83" name="_ftnref83">[83]</a> und ihr Respekt vor der Pornografie ist bemerkenswert. Und damit alle zu ihrem angeblichen Recht kommen, präsentiert sie den ganzen Katalog patriarchaler Sexfürsorge.</p>
<blockquote><p>&#8222;Prostitution kann gerade jenen Teil der männlichen Sexualität abfangen, der sonst unkontrolliert und potentiell gefährlich in die Gesellschaft sickern würde: die nicht gesellschaftskonformen Neigungen, den Triebstau bei Unterversorgung.&#8220;<a href="#_ftn84" name="_ftnref84">[84]</a></p></blockquote>
<p>Ihr wesentliches Argument gegen ein Prostitutionsverbot ist:</p>
<blockquote><p>&#8222;Interessanterweise gehören Länder mit striktem Prostitutionsverbot zu denen mit den höchsten Vergewaltigungsfällen in Europa.&#8220;<a href="#_ftn85" name="_ftnref85">[85]</a></p></blockquote>
<p>Dieser perfide Mythos wurde von TERRE DE FEMME und der Aussteigerin Huschke Mau längst entlarvt.<a href="#_ftn86" name="_ftnref86">[86]</a> Tatsächlich sind es die Prostituierten, die dann stellvertretend vergewaltigt werden; Prostitution ist keine Female Choice! Und daher gibt es auch keine &#8222;anständigen&#8220; Freier, wie Stoverock behauptet.<a href="#_ftn87" name="_ftnref87">[87]</a> Stoverock glaubt auch fest daran, dass Prostitution eine &#8222;wirksame Incel-Prophylaxe&#8220;<a href="#_ftn88" name="_ftnref88">[88]</a> sei. Dann ich frage mich aber, warum es die organisierten, aggressiven Incels jetzt schon gibt, obwohl die Prostitution noch überall blüht.<br />
Zwar kennt sie die Kritik ganz genau, wischt sie aber vom Tisch:</p>
<blockquote><p>&#8222;Eine Korrelation gibt es, auch eine unmittelbare Wirkung, beides ist nicht zu leugnen. Ob jedoch auch eine persönlichkeitsformende Kausalität besteht und wenn ja, in welche Richtung diese verläuft, kann bisher nicht geklärt werden. Denn es ist sowohl möglich, dass Pornos zu Gewalttaten führen, als auch dass zu Gewalttaten neigende Männer eher zum Porno greifen. Der Beweis eines ursächlichen Zusammenhanges steht bislang noch aus.<a href="#_ftn89" name="_ftnref89">[89]</a>&#8222;</p></blockquote>
<p>Das ist falsch. Wenn wir davon ausgehen, dass die Täter nicht wissen, wie ein Porno entsteht, dann ist Pornogucken wie der Blick in die Zeitung. Konsumenten von Kinderpornos werden aber deshalb bestraft, weil bekannt ist, dass diese Filme Gewalttaten dokumentieren und sie sich deshalb mitschuldig machen. Einen Porno zu schauen ist eine Gewalttat, übrigens auch gegen sich selbst. Konsumenten wissen ganz genau, was sie da sehen! Ebenso sind erwachsene Pornodarstellerinnen nicht einfach nur Schauspielerinnen, sondern sie werden vor der Kamera vergewaltigt, sind allerdings oft auf Droge oder so abgestumpft, dass sie es selbst nicht mehr mitbekommen. Pornos sind keine Female Choice. Es ist auch bekannt, dass schon alltägliche Sexszenen normalen Schauspielerinnen, von denen viele es gar nicht erwarten würden, erhebliche Probleme bereiten.</p>
<p>Und dann die Sexpuppen und all die anderen Produkte, die die Industrie bereithält, es liest sich wie die Hochglanzbroschüre der Pornolobby:</p>
<blockquote><p>&#8222;Aber auch anderen Orts wächst der Markt – wenn auch nicht so schnell, wie er könnte, weil die lebensechten Puppen mit mehreren tausend Euro sehr teuer sind.&#8220;<a href="#_ftn90" name="_ftnref90">[90]</a><br />
&#8222;Heutige Puppen sind lebensgroß, aus weichem Silikon gefertigt, mit Brüsten, die sich wenigstens ein bisschen danach anfühlen, und anatomisch genauen Genitalien. Kunden mit dem nötigen Kleingeld können Größe, Proportionen, Haar- und Hautfarbe ihrer Puppe individuell zusammenstellen. Technologische Weiterentwicklungen geben Puppen sogar Mimik …&#8220;<a href="#_ftn91" name="_ftnref91">[91]</a></p></blockquote>
<p>Ehrlich gesagt, ich will das alles gar nicht so genau wissen. Aber das sollen alles ganz normale Produkte sein, die es schon in der Antike gab<a href="#_ftn92" name="_ftnref92">[92]</a>; Patriarchat mit Patriarchat legitimiert.<br />
Als vorläufigen Höhepunkt ihres geistigen Exzesses, bei dem wir doch uns langsam fragen müssen, ob Stoverock nicht doch eher eine Ghostwriterin ist, lehnt sie sich an den Vorschlag eines Autors an, der &#8222;<em>Ausgleichszahlungen für sexuell unterprivilegierte Männer, die ihnen womöglich helfen könnten, leichter Partnerinnen zu finden</em>&#8220; fordert.<a href="#_ftn93" name="_ftnref93">[93]</a> Das ist schon besonders bizarr angesichts des Kampfes alleinerziehender Mütter um jeden Cent. Dafür hat die Gesellschaft also Geld übrig? Dies alles sind keine innovativen Vorschläge, sondern schlicht eine Aufforderung zum Zurück ins vorletzte Jahrhundert, wo Frauen noch &#8222;eine gute Partie&#8220; machen mussten, und ihre Female Choice keinerlei Rolle spielte.<br />
Im scheinbaren Widerspruch zu ihren Ausführungen schreibt sie aber:</p>
<blockquote><p>&#8222;Wir müssen die Gesellschaft liebevoll auffangen. Müssen das Narrativ ändern von &#8218;Jeder kann Sex haben, wenn …&#8216; zu &#8218;Nicht jeder hat Sex, das ist ganz normal'&#8220;<a href="#_ftn94" name="_ftnref94">[94]</a>.</p></blockquote>
<p>Mit einem solchen Vorschlag kann Stoverock sich nicht freischwimmen, im Gegenteil: Für sie ist die Female Choice ein Narrativ. Und wir wissen wie sie, dass Narrative jederzeit austauschbar und revidierbar sind im Sinne von: Was schert mich mein Geschwätz von gestern? Die Erziehung nur mit Parolen wird nicht nachhaltig sein, denn das grundsätzliche Problem liegt nicht beim Sex, sondern in der im Patriarchat schon mit der Geburt beginnenden Trennung von der Mutter und anderen Bezugspersonen, so dass das Kind keine stabile Bindung aufbauen kann und sein tiefes Bedürfnis nach körperlicher Nähe nicht befriedigt wird. Wir erinnern uns: das Bedürfnis nach Zugehörigkeit ist das am stärksten ausgeprägte. Der folgende lebenslange Durst nach inniger körperlicher Nähe wird mit Sex kompensiert, und bleibt dies aus, mündet er in aggressivem Verhalten.<br />
Dies aber noch zu bedienen, wie Stoverock es fordert, käme einer Gesetzgebung gleich, die es Einbrechern erlaubte, in bestimmte staatlich zur Verfügung gestellte Häuser einzubrechen, damit sie ihren Trieb abreagieren können und andere Häuser verschonen.</p>
<h2 id="zu-guter-letzt">Zu guter Letzt</h2>
<p>Es gibt auch kluge Sätze in diesem Buch, wie ihre Ausführungen zur Abtreibungspolitik oder z.B.:</p>
<blockquote><p>„Tatsächlich aber ist der ganze Schönheitsdruck auf Frauen nur ein kultureller Trick zur Luststeigerung der Männer – im Zweifelsfall geben sie sich auch mit viel weniger zufrieden“<a href="#_ftn95" name="_ftnref95">[95]</a><br />
&#8222;Alles, was die Frau tut, misst sie an den möglichen Folgen für ihr Kind … noch vor ihren eigenen Bedürfnissen.&#8220;<a href="#_ftn96" name="#_ftnref96">[96]</a><br />
&#8222;Sich für die Ehe zu entscheiden, bedeutet, den Ursprung und Zweck der Ehe mitzutragen. Und daran ändert sich auch nichts, wenn Frau und Mann verliebt ineinander sind und sich ohne wirtschaftlichen Zwang zu einer Heirat entschließen.&#8220;<a href="#_ftn97" name="_ftnref97">[97]</a><br />
&#8222;Jemand, dessen Arbeit einen möglichst hohen Geldwert produzieren kann, gilt als wertvoller als jemand, dessen Arbeit nur einen geringen Geldwert erzielt, oder jemand, der gar nicht produziert.&#8220;<a href="#_ftn98" name="_ftnref98">[98]</a></p></blockquote>
<p>Da sehe ich das Potential der Autorin, finde aber im Gegensatz zu ihr, dass es völlig ok ist, wenn uns dieses System „eines Tages um die Ohren fliegt“.<a href="#_ftn99" name="_ftnref99">[99]</a> Aber immer wieder macht sich Stoverock Sorgen, dass der Mann aufhören könnte, an der Zivilisation zu arbeiten:</p>
<blockquote><p>&#8222;Auch wenn es uns nicht schmecken will: Monogynie, also eine Art sexuelle Grundversorgung, macht die vormals 80% potentiell gewaltbereiten Gewalt [sic] neigenden Männer überhaupt erst tauglich für eine dicht beieinander lebende Menschengemeinschaft.&#8220;<a href="#_ftn100" name="_ftnref100">[100]</a></p></blockquote>
<p>Das schmeckt nicht nur nicht, das ist auch blanker Unsinn, toxische Pseudowissenschaft. Und selbst wenn, was nützt uns ein äußerlich braver Mitbürger, wenn er zuhause seine Ehefrau verprügelt und vergewaltigt? Die Risikoabwägung zugunsten einer stereotyp gedachten männlichen Sexualität &#8211; mit in die Halbwelt outgesourcter Gewalt &#8211; führt uns überhaupt nicht weiter, es ist nämlich bereits der Status quo. Vor allem: das Patriarchat selbst ist für die Dichte der Überbevölkerung verantwortlich, die allein durch die Unterdrückung der Female Choice entstand; diese Selbstlegitimation muss endlich erkannt und durchbrochen werden.</p>
<h2 id="nachtrag01">NACHTRAG Aktuelles</h2>
<p>Mit einer neuen genetischen Studie (Pressemitteilung 14. April 2021) bestätigten türkische Forscher nochmals die Matrifokalität jungsteinzeitlicher Siedlungen. <a href="https://www.miragenews.com/ancient-dna-hints-at-diverse-stone-age-543915/" target="_blank" rel="noopener">Zum Artikel im Magazin miragenews.com</a><br />
In Çatal Höyük wurde Matrifokalität nun auch molekulargenetisch nachgewiesen. <a href="https://www.nzz.ch/wissenschaft/catalhoeyuek-und-matriarchat-neue-hinweise-auf-rolle-der-frauen-ld.1895649" target="_blank" rel="noopener">Zum Artikel auf NZZ.ch</a><br />
Die bandkeramische Migration aus dem Karpathenbecken, die eine der frühesten Fluchtbewegungen vor patriarchalen Horden war und die Landwirtschaft nach Mitteleuropa brachte, geschah aus Furcht vor der drohenden Ungleichheit, die Patriarchat genannt werden muss. <a href="https://www.mdr.de/wissen/archaeologie-fruehgeschichte/landwirtschaft-bedeutet-nicht-automatisch-ungleichheit-100.html" target="_blank" rel="noopener">Zum Artikel auf mdr.de</a></p>
<h2 id="literatur">LITERATUR</h2>
<p>&nbsp;</p>
<ul id="liste4">
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere, Berlin 2010</li>
<li>Beck, Ulrich: Risikogesellschaft &#8211; Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt a. M. 1986</li>
<li>Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter. Norderstedt 2009</li>
<li>Bowles, Nellie: Jordan Peterson, Custodian of the Patriarchy. In: New York Times online vom 18.05.2018 <a href="https://www.nytimes.com/2018/05/18/style/jordan-peterson-12-rules-for-life.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.nytimes.com/2018/05/18/style/jordan-peterson-12-rules-for-life.html</a> abgerufen am 26.03.2021</li>
<li>Conley, T. D.: Women, Men, and the Bedroom, 2011, S. 296-300</li>
<li>Diep, Francie: 8,000 Years Ago, 17 Women Reproduced for Every One Man. An analysis of modern DNA uncovers a rough dating scene after the advent of agriculture. Aus: Pacific Standard Online. Original: 17.03.2015. Updated: 14.06.2017 <a href="https://psmag.com/environment/17-to-1-reproductive-success" target="_blank" rel="noopener">https://psmag.com/environment/17-to-1-reproductive-success</a> abgerufen am 26.03.2021</li>
<li>Duffy, Paul R. <em>et al.</em>: Five thousand years of inequality in the Carpathian Basin. In: Science Advances<br />
06.08.2025, Vol 11, Issue 32 <a href="https://doi.org/10.1126/sciadv.adu0323" target="_blank" rel="noopener">DOI: 10.1126/sciadv.adu0323</a></li>
<li>Duwe, Rona: Mutterwut Muttermut. Fundamente und Anstoß für die Revolte der Mütter, Norderstedt 2021</li>
<li>Gimbutas, Marija: Die Zivilisation der Göttin. Frankfurt a.M. 1996 (am. Originalausg. &#8222;The Civilization of the Goddess&#8220; 1991)</li>
<li>Gogolin, Stephanie: <a href="https://marthastochter.wordpress.com/" target="_blank" rel="noopener">https://marthastochter.wordpress.com/</a></li>
<li>Karmin, M. <em>et al.</em>: A recent bottleneck of Y chromosome diversity coincides with a global change in culture. In: Genome Research 2015; 25(4):459-466. doi:10.1101/gr.186684.114<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/" target="_blank" rel="noopener">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4381518/</a> abgerufen: 26.03.2021</li>
<li>Lerner, Gerda: Die Entstehung des Patriarchats. Frankfurt/New York 1991 (am. Originalausg. &#8222;The Creation of Patriarchy&#8220; 1986)</li>
<li>Mau, Huschke: <a href="https://huschkemau.de/" target="_blank" rel="noopener">https://huschkemau.de/</a></li>
<li>MDR 2025: Vor 8.000 Jahren &#8211; Landwirtschaft führte nicht automatisch zu Ungleichheit. Online-Ressource vom 07.08.2025 auf <a href="https://www.mdr.de/wissen/archaeologie-fruehgeschichte/landwirtschaft-bedeutet-nicht-automatisch-ungleichheit-100.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.mdr.de/wissen/archaeologie-fruehgeschichte/landwirtschaft-bedeutet-nicht-automatisch-ungleichheit-100.html</a> abgerufen am 13.08.2025</li>
<li>Die MIAs, Mütterinitiative für Alleinerziehende e.V. i.G. <a href="https://die-mias.de/" target="_blank" rel="noopener"> https://die-mias.de/</a></li>
<li>Schediwy, Dagmar: Was ist dran am Matriarchat in einer der ältesten Siedlungen der Menschheit? Archäologen finden Hinweise, dass Frauen in Çatalhöyük tatsächlich gewisse Vorteile hatten. Online-Ressource auf NZZ vom 31.07.2025: <a href="https://www.nzz.ch/wissenschaft/catalhoeyuek-und-matriarchat-neue-hinweise-auf-rolle-der-frauen-ld.1895649" target="_blank" rel="noopener">https://www.nzz.ch/wissenschaft/catalhoeyuek-und-matriarchat-neue-hinweise-auf-rolle-der-frauen-ld.1895649</a></li>
<li>Small, Meredith M.: Female Choices. Sexual Behavior of Female Primates. Cornell University Press (Oktober 1995)</li>
<li>Stoverock, Meike: Female Choice – Vom Anfang und Ende der menschlichen Zivilisation, Stuttgart 2021</li>
<li>Strauch, Stefanie: Als die Jäger sesshaft wurden. Aus: Wissenschaft.de vom 23.06.2009<a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/als-die-jaeger-sesshaft-wurden/" target="_blank" rel="noopener">https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/als-die-jaeger-sesshaft-wurden/</a> abgerufen am 26.03.2021</li>
<li>Terre de Femme: <a href="https://www.frauenrechte.de/" target="_blank" rel="noopener">https://www.frauenrechte.de/</a></li>
<li>Weingrill,Tony; van Schaik, Carel P.: Sexueller Zwang bei Primaten: Evolutionäre Ursachen und Gegenstrategien der Weibchen. June 2011. Zeitschrift für Sexualforschung 24(02):111-133 <a href="10.1055/s-0031-1271474" target="_blank" rel="noreferrer noopener">DOI: 10.1055/s-0031-1271474</a></li>
<li>WIWO 2014: Wirtschaftswoche online vom 11.09.2014: Väter verdienen mehr, Mütter weniger &#8211; Bekommen US-Familien Kinder, verdienen die Väter sechs Prozent mehr &#8211; und Mütter vier Prozent weniger. Wie kommt diese Ungerechtigkeit zustande?<br />
<a href="https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/kinder-und-karriere-vaeter-verdienen-mehr-muetter-weniger/10685690.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/kinder-und-karriere-vaeter-verdienen-mehr-muetter-weniger/10685690.html</a> abgerufen am 26.03.2021</li>
<li>Zeng, Tian Chen <em>et al.</em>: Cultural hitchhiking and competition between patrilineal kin groups explain the post-Neolithic Y-chromosome bottleneck. In: Nature Communications Volume 9, Article number: 2077 (2018) <a href="https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6" target="_blank" rel="noopener">https://www.nature.com/articles/s41467-018-04375-6</a> abgerufen am 26.03.2021</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<p>&nbsp;</p>
<h2 id="anmerkungen">Anmerkungen</h2>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> <a href="https://web.archive.org/web/20201120201128/https:/www.klett-cotta.de/buch/Tropen-Sachbuch/Female_Choice/136739">https://web.archive.org/web/20201120201128/https://www.klett-cotta.de/buch/Tropen-Sachbuch/Female_Choice/136739</a> abgerufen am 14.03.2021</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 130 f</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> &#8222;Incel&#8220; nach Wikipedia: Kofferwort aus <strong><em>in</em></strong><em>voluntary</em>, dem englischen Wort für &#8222;unfreiwillig&#8220;, und <strong><em>cel</em></strong><em>ibate</em>, dem englischen Wort für &#8222;Zölibat&#8220;) bedeutet.</p>
<p><a href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a> Stoverock 2021, S. 132</p>
<p><a href="#_ftnref5" name="_ftn5">[5]</a> Vgl. Gimbutas 1998</p>
<p><a href="#_ftnref6" name="_ftn6">[6]</a> Stoverock 2021, S. 190</p>
<p><a href="#_ftnref7" name="_ftn7">[7]</a> Vgl. Bott, Gerhard: Wo ist der Phallus des Urvaters? <a href="http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/wo-ist-der-phallus-des-urvaters-.html">http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/wo-ist-der-phallus-des-urvaters-.html</a> abgerufen am 14.03.2021</p>
<p><a href="#_ftnref8" name="_ftn8">[8]</a> Vgl. Stoverock, 2021, S. 27</p>
<p><a href="#_ftnref9" name="_ftn9">[9]</a> Vgl. Ebd., S. 16</p>
<p><a href="#_ftnref10" name="_ftn10">[10]</a> Stoverock 2021, S. 16</p>
<p><a href="#_ftnref11" name="_ftn11">[11]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 136</p>
<p><a href="#_ftnref12" name="_ftn12">[12]</a> Vgl. ebd., S. 201</p>
<p><a href="#_ftnref13" name="_ftn13">[13]</a> Vgl. ebd., S. 216</p>
<p><a href="#_ftnref14" name="_ftn14">[14]</a> Stoverock 2021, S. 189</p>
<p><a href="#_ftnref15" name="_ftn15">[15]</a> Patrilokalität. Residenzform, bei der die Ehefrau zum Ehemann und dessen Eltern ziehen muss. In Industriestaaten überwiegt heute die sog. Neolokalität, ebenfalls eine patriarchale Residenzform, bei der die Frau dem Mann dorthin folgt, wo er Arbeit findet, und das ist immer seltener sein Geburtsort.</p>
<p><a href="#_ftnref16" name="_ftn16">[16]</a> Stoverock 2021, S. 134</p>
<p><a href="#_ftnref17" name="_ftn17">[17]</a> Vgl. Strauch 2009</p>
<p><a href="#_ftnref18" name="_ftn18">[18]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 57</p>
<p><a href="#_ftnref19" name="_ftn19">[19]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref20" name="_ftn20">[20]</a> Stoverock 2021, S. 59</p>
<p><a href="#_ftnref21" name="_ftn21">[21]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 234. Eigentlich &#8222;Maslowsche Bedürfnishierarchie&#8220;: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnishierarchie" target="_blank" rel="noopener">https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnishierarchie</a></p>
<p><a href="#_ftnref22" name="_ftn22">[22]</a> Ebd., S. 18</p>
<p><a href="#_ftnref23" name="_ftn23">[23]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref24" name="_ftn24">[24]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 18 ff</p>
<p><a href="#_ftnref25" name="_ftn25">[25]</a> Stoverock 2021, S. 23</p>
<p><a href="#_ftnref26" name="_ftn26">[26]</a> Ebd., S. 93 f</p>
<p><a href="#_ftnref27" name="_ftn27">[27]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref28" name="_ftn28">[28]</a> Ebd., S. 134</p>
<p><a href="#_ftnref29" name="_ftn29">[29]</a> Ebd., S. 92</p>
<p><a href="#_ftnref30" name="_ftn30">[30]</a> Ebd., S. 90</p>
<p><a href="#_ftnref31" name="_ftn31">[31]</a> Ebd., S. 136. Anmerkung: 95/5=19 und nicht 17!</p>
<p><a href="#_ftnref32" name="_ftn32">[32]</a> Vgl. Karmin et al., 2018</p>
<p><a href="#_ftnref33" name="_ftn33">[33]</a> Das Y-Chromosom wird nur über die männliche Linie vererbt, die MtDNA nur über die weibliche Linie, findet sich aber bei Frauen und Männern in den Mitochondrien.</p>
<p><a href="#_ftnref34" name="_ftn34">[34]</a> Vgl. Diep 2015/18</p>
<p><a href="#_ftnref35" name="_ftn35">[35]</a> Zeng et al. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref36" name="_ftn36">[36]</a> Stoverock 2021, S. 133 f</p>
<p><a href="#_ftnref37" name="_ftn37">[37]</a> Stoverock 2021, S. 136 f</p>
<p><a href="#_ftnref38" name="_ftn38">[38]</a> Zeng <em>et al. </em>2018</p>
<p><a href="#_ftnref39" name="_ftn39">[39]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 23</p>
<p><a href="#_ftnref40" name="_ftn40">[40]</a> Vgl. ebd., S. 90 f</p>
<p><a href="#_ftnref41" name="_ftn41">[41]</a> Stoverock 2021, S. 91</p>
<p><a href="#_ftnref42" name="_ftn42">[42]</a> Ebd., S. 95</p>
<p><a href="#_ftnref43" name="_ftn43">[43]</a> Ebd., S. 108 f</p>
<p><a href="#_ftnref44" name="_ftn44">[44]</a> Ebd., S. 110</p>
<p><a href="#_ftnref45" name="_ftn45">[45]</a> Ebd., 2021, S. 106</p>
<p><a href="#_ftnref46" name="_ftn46">[46]</a> Ebd., S. 106 f</p>
<p><a href="#_ftnref47" name="_ftn47">[47]</a> Siehe hierzu auch Conley 2011</p>
<p><a href="#_ftnref48" name="_ftn48">[48]</a> Stoverock 2021, S. 111</p>
<p><a href="#_ftnref49" name="_ftn49">[49]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref50" name="_ftn50">[50]</a> Ebd., S. 113</p>
<p><a href="#_ftnref51" name="_ftn51">[51]</a> Ebd., S. 115</p>
<p><a href="#_ftnref52" name="_ftn52">[52]</a> Blaffer Hrdy 2010, S. 448, FN 20</p>
<p><a href="#_ftnref53" name="_ftn53">[53]</a> Stoverock 2021, S. 125, S. 145, S. 306</p>
<p><a href="#_ftnref54" name="_ftn54">[54]</a> Ebd., S. 118 f</p>
<p><a href="#_ftnref55" name="_ftn55">[55]</a> Als Beispiel sei ein Aufsatz genannt aus dem &#8222;Spektrum der Wissenschaft&#8220; mit dem Titel &#8222;Stark als Paar“ von Blake Edgar (Heft April 2015), den ich bereits an anderer Stelle als Leserinbrief rezensiert habe, der im Spektrum auch abgedruckt wurde. <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2016/10/14/zum-artikel-stark-als-paar-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-april-2015/" target="_blank" rel="noopener">https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2016/10/14/zum-artikel-stark-als-paar-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-april-2015/</a></p>
<p><a href="#_ftnref56" name="_ftn56">[56]</a> Stoverock 2021, Ebd. S. 128</p>
<p><a href="#_ftnref57" name="_ftn57">[57]</a> Ebd., S. 140</p>
<p><a href="#_ftnref58" name="_ftn58">[58]</a> Ebd., S. 140</p>
<p><a href="#_ftnref59" name="_ftn59">[59]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 139</p>
<p><a href="#_ftnref60" name="_ftn60">[60]</a> Vgl. ebd., S. 173 ff</p>
<p><a href="#_ftnref61" name="_ftn61">[61]</a> Stoverock 2021, S. 143. Vgl. auch S. 328, wo sie behauptet: <em>&#8222;Ein Stück Fleisch ist schwerer zu beschaffen und damit wertvoller als etwa Brennholz. Jäger sind daher wichtiger.&#8220;</em> Hier folgt sie blind der patriarchalen Anthropologie, die die Jagd als Motor der Menschwerdung ansieht.</p>
<p><a href="#_ftnref62" name="_ftn62">[62]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 141</p>
<p><a href="#_ftnref63" name="_ftn63">[63]</a> Vgl. ebd., S. 199</p>
<p><a href="#_ftnref64" name="_ftn64">[64]</a> Vgl. ebd., S. 293</p>
<p><a href="#_ftnref65" name="_ftn65">[65]</a> Stoverock 2021, S. 200</p>
<p><a href="#_ftnref66" name="_ftn66">[66]</a> Ebd., S. 200 f</p>
<p><a href="#_ftnref67" name="_ftn67">[67]</a> Ebd., S. 201 f</p>
<p><a href="#_ftnref68" name="_ftn68">[68]</a> Ebd. S. 218. Der &#8222;<em>Pluralis Majestatis</em>&#8220; an dieser Stelle imitiert wohl den Sprech von wissenschaftlichen Studien, an denen meist mindestens zwei beteiligt sind. Aber sind vielleicht doch mehr als eine AutorIn beteiligt?</p>
<p><a href="#_ftnref69" name="_ftn69">[69]</a> Zum Beispiel bei Weingrill/van Schaik 2011</p>
<p><a href="#_ftnref70" name="_ftn70">[70]</a> Stoverock 2021, S. 234</p>
<p><a href="#_ftnref71" name="_ftn71">[71]</a> WIWO 2014: Väter verdienen mehr, Mütter weniger &#8211; Bekommen US-Familien Kinder, verdienen die Väter sechs Prozent mehr &#8211; und Mütter vier Prozent weniger. Wie kommt diese Ungerechtigkeit zustande?<br />
<a href="https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/kinder-und-karriere-vaeter-verdienen-mehr-muetter-weniger/10685690.html">https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/kinder-und-karriere-vaeter-verdienen-mehr-muetter-weniger/10685690.html</a> abgerufen am 26.03.2021</p>
<p><a href="#_ftnref72" name="_ftn72">[72]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 162</p>
<p><a href="#_ftnref73" name="_ftn73">[73]</a> Stoverock 2021, S. 235</p>
<p><a href="#_ftnref74" name="_ftn74">[74]</a> Ebd., S. 22</p>
<p><a href="#_ftnref75" name="_ftn75">[75]</a> Ebd., S. 243</p>
<p><a href="#_ftnref76" name="_ftn76">[76]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 22 und S. 243</p>
<p><a href="#_ftnref77" name="_ftn77">[77]</a> Vgl. Bott 2009, Vgl. Small 1995, Vgl. Lerner 1986</p>
<p><a href="#_ftnref78" name="_ftn78">[78]</a> Bowles 2018</p>
<p><a href="#_ftnref79" name="_ftn79">[79]</a> Stoverock 2021, S. 243</p>
<p><a href="#_ftnref80" name="_ftn80">[80]</a> Ebd., S. 262</p>
<p><a href="#_ftnref81" name="_ftn81">[81]</a> Ebd., S. 212</p>
<p><a href="#_ftnref82" name="_ftn82">[82]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 217</p>
<p><a href="#_ftnref83" name="_ftn83">[83]</a> Vgl. ebd., S. 280</p>
<p><a href="#_ftnref84" name="_ftn84">[84]</a> Stoverock 2021, S. 282</p>
<p><a href="#_ftnref85" name="_ftn85">[85]</a> Ebd., S. 283</p>
<p><a href="#_ftnref86" name="_ftn86">[86]</a> Terre de Femme: 7 Mythen der Prostitution: <a href="https://www.frauenrechte.de/rss/380-prostitution/sieben-mythen-der-prostitution/2557-mythos-4-prostitution-verhindert-vergewaltigungen-maenner-brauchen-ein-ventil-fuer-ihre-uellen-beduerfnisse%20abgerufen%20am%2026.03.20121">https://www.frauenrechte.de/rss/380-prostitution/sieben-mythen-der-prostitution/2557-mythos-4-prostitution-verhindert-vergewaltigungen-maenner-brauchen-ein-ventil-fuer-ihre-uellen-beduerfnisse abgerufen am 26.03.20121</a><br />
https://huschkemau.de</p>
<p><a href="#_ftnref87" name="_ftn87">[87]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 283</p>
<p><a href="#_ftnref88" name="_ftn88">[88]</a> Vgl. ebd., S. 284</p>
<p><a href="#_ftnref89" name="_ftn89">[89]</a> Stoverock 2021, S. 288</p>
<p><a href="#_ftnref90" name="_ftn90">[90]</a> Ebd., S. 291</p>
<p><a href="#_ftnref91" name="_ftn91">[91]</a> Ebd., S. 290</p>
<p><a href="#_ftnref92" name="_ftn92">[92]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 289</p>
<p><a href="#_ftnref93" name="_ftn93">[93]</a> Vgl. ebd., S. 280</p>
<p><a href="#_ftnref94" name="_ftn94">[94]</a> Stoverock 2021, S. 274</p>
<p><a href="#_ftnref95" name="_ftn95">[95]</a> Ebd., S. 227</p>
<p><a href="#_ftnref96" name="_ftn96">[96]</a> Ebd., S. 246</p>
<p><a href="#_ftnref97" name="_ftn97">[97]</a> Ebd., S. 299. Analoges auch zur Mitgliedschaft in einer Glaubensgemeinschaft.</p>
<p><a href="#_ftnref98" name="_ftn98">[98]</a> Vgl. Stoverock 2021, S. 144</p>
<p><a href="#_ftnref99" name="_ftn99">[99]</a> Stoverock 2021, S. 23</p>
<p><a href="#_ftnref100" name="_ftn100">[100]</a> Ebd., S. 167</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice">Antwort auf Meike Stoverock s &#8222;Female Choice&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Patriarchat &#8211; Definition, Entstehung, Geschichte und Symptome</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Apr 2021 08:42:48 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Bildquelle: Georg Ferner, Kaiserslautern, Public domain, via Wikimedia Commons Definition Merkmal und Gemeinsamkeit aller Patriarchate ist das Vaterrecht. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gesellschaften in der Ausgestaltung der Gesetze, des...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat">Patriarchat &#8211; Definition, Entstehung, Geschichte und Symptome</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="abb">Bildquelle: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Georg_Ferner_Kaiserslautern_c1895.jpg" target="_blank" rel="noopener">Georg Ferner</a>, Kaiserslautern, Public domain, via Wikimedia Commons</span><br />
<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/d707839ebcad4474913136acac01b862" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h2 id="definition">Definition</h2>
<p><span style="font-size: 30px; font-weight: bold;">M</span>erkmal und Gemeinsamkeit aller Patriarchate ist das Vaterrecht. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gesellschaften in der Ausgestaltung der Gesetze, des Zusammenlebens, der Kultur und des Wirtschaftens.</p>
<p>Wie es der Begriff &#8222;Patriarchat&#8220;, der wörtlich übersetzt &#8222;Herrschaft der Väter&#8220; bedeutet, bereits anklingen lässt, haben wir es einerseits mit Herrschern und Beherrschten zu tun, mit Unterdrückern und Unterdrückten, Tätern und Opfern. Andererseits stehen nicht Männer im Fokus, sondern explizit Väter.<br />
Ein Mann, der einer Familie aus einer oder mehreren Ehefrauen und deren ehelichen Kindern vorsteht bzw. über sie als sein Eigentum bestimmt, wird als Patriarch bezeichnet. Daher kommt es verbreitet zu der Ansicht, dass wir in Europa nicht mehr im Patriarchat leben. <a href="https://www.christel-goettert-verlag.de/produkt/sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt/" target="_blank" rel="noopener">In Deutschland gibt es jedoch ein dezidiertes Vaterrecht, das im Grundgesetz verankert ist.</a> Ehe und Familie, also die Orte der Ausübung des Vaterrechts, sind sogar besonders geschützt.<br />
Das Patriarchat wird weltweit sowohl gewaltsam als auch mit rechtsstaatlichen Mitteln, den <strong>Gewalten</strong>, aufrecht erhalten (siehe <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gewalt-garant-und-symptom-des-patriarchats" target="_blank" rel="noopener">extra Essay</a>).</p>
<h2 id="das-patriarchat-ist-nicht-das-was-die-meisten-glauben">Das Patriarchat ist nicht das, was die meisten glauben</h2>
<p>Das Patriarchat wurde nicht geschaffen, um Männer von Care-Arbeit (Kinder- und Angehörigen-Pflege und Hausarbeit) zu befreien und auch nicht, um Väter in die Care-Arbeit einzubeziehen. Die Care-Arbeit hat erstaunlich wenig mit dem Patriarchat zu tun, außer dass sie nicht bezahlt wird und die Mutter keine Unterstützung ihrer mütterlichen Ursprungssippe erwarten kann. Daher ist das Patriarchat auch nicht zu Ende, wie es heute oft behauptet wird, <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2019/01/21/gar-nicht-einfach-die-vaterschaft-als-erklaerung-fuer-alle-menschengemachten-probleme/" target="_blank" rel="noopener"> es verschärft sich im Gegenteil immer weiter</a>.<br />
Warum also herrschen Väter, und warum hören sie nicht einfach auf damit, obwohl es bei Männern wie Frauen und auf unserem Planeten großen Schaden anrichtet? Warum sind Frauen weiter benachteiligt, auch wenn sie als emanzipiert gelten?</p>
<h2 id="entfuehrungsverbrechen-patriarchat-geschichte">Das Patriarchat ist NICHT unser angeborenes Sozialverhalten, sondern ein Entführungsverbrechen &#8211; Entstehung und Geschichte</h2>
<p>Entgegen landläufiger Meinung ist der Beginn des Patriarchats <strong>nicht</strong> mit dem Beginn der Landwirtschaft identisch, sondern die Landwirtschaft begann über 3000 Jahre vorher, vor über 12.000 Jahren. Auch noch nach Beginn der ersten Patriarchate <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">vor ca. 8200 Jahren</a> gab es vielerorts außerhalb der Steppen <a href="https://www.mdr.de/wissen/archaeologie-fruehgeschichte/landwirtschaft-bedeutet-nicht-automatisch-ungleichheit-100.html" target="_blank" rel="noopener">matrifokale Dorfgemeinschaften</a>.</p>
<p>Das Patriarchat ist nicht natürlich, <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">sondern es entstand gewaltsam</a>, speziell mit <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" target="_blank" rel="noopener">Entführungen bzw. Frauenraub</a>, begleitet von Vergewaltigungen und Bestrafung von Frauen und Mädchen, aber auch der Ermordung aller nicht patriarchalen Männer, die das zu verhindern suchten. Ziel der Täter war die Sicherstellung der <strong> genetischen Vaterschaft</strong> zur Ausübung der <strong>sozialen Vaterschaft</strong>, was nur mit Kontrolle der weiblichen Sexualität und der unter diesen Bedingungen gezeugten Kinder möglich war und ist. Dabei ging es von Beginn an nicht um die Wahrnehmung fürsorglicher Aufgaben, sondern um Machtausübung. Aufgrund der Betonung des Wertes der väterlichen Gene wohnt dem Patriarchat nicht nur untrennbar der Sexismus, sondern auch der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung" target="_blank" rel="noopener">Rassismus</a> inne. Sexismus ist dabei die Basis des Rassismus.</p>
<p>Vor der Entstehung des Patriarchats wohnten Kinder nicht bei ihrem Vater, weil er aufgrund der <a href="https://www.amazon.de/Mütter-Andere-Evolution-sozialen-gemacht/dp/3827008859" target="_blank" rel="noopener">matrifokalen Sozialstruktur von <i>Homo sapiens</i></a> unbekannt war.</p>
<p>Die ersten Patriarchen postulierten die Vaterschaft als ihr Recht und erhoben das <strong>Vaterrecht</strong> zum allein gültigen Recht, womit sich das Patriarchat in den Folgegenerationen normalisierte, verselbständigte und tradierte.<br />
Die Kontrolle dieses Rechtes kann nur unter <strong>Patrilokalität</strong> ausgeübt werden, d.h. die Kinder und die Mutter werden gezwungen, beim Vater zu wohnen und gehören ihm auch. Es etablierten sich entsprechende Gesetze und Werte unter einer männerzentrierten Religion. Bis heute führt ein Ehemann sprichwörtlich seine frischgebackene Ehefrau &#8222;heim&#8220;. Darin ist der Ursprung in den initialen Entführungen erkennbar.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Frauenraub: Raub der Sabinerinnen. Albrecht Dürer, 1495, Tusche auf Karton" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/sabinerinnen.jpg?resize=300%2C210&#038;ssl=1" alt="Frauenraub - Raub der Sabinerinnen - Albrecht Dürer" width="300" height="210" /><br />
<span class="abb">Bild: Frauenraub: Raub der Sabinerinnen. Albrecht Dürer, 1495, Tusche auf Karton</span></p>
<h2 id="symptome">Symptome</h2>
<p>Wenn die Flucht aus dem Gefängnis der <strong>Patrilokalität</strong> nicht gelang, war Kooperation die Überlebensstrategie der ersten Opfer, also der Frauen. Über sie kam es zur Mitopferschaft der Töchter und Söhne. Alle weiteren Nachkommen unterlagen dieser Dynamik und wurden Opfer und Täter zugleich. Dies führte schließlich zum Vergessen des Urverbrechens. Dabei wurde die von <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gewalt-garant-und-symptom-des-patriarchats" target="_blank" rel="noopener">Gewalt und tiefsitzenden Ängsten</a> geprägte <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann" target="_blank" rel="noopener">Gesellschaft</a> aufgebaut, die die Menschheit in Klassen einteilt. <strong>Kriege</strong> um Land, Wasser, <strong>Ideologien</strong> bzw. <strong>Religionen</strong> finden nun statt. <strong>Überbevölkerung</strong> und <strong>Elend</strong> gehören dazu wie auch <strong>Epidemien</strong>. <strong>Versklavung</strong> findet ihren ersten Ausdruck in der <strong>Unterdrückung der Frau</strong> und weitet sich über <strong>unterworfene Völker</strong> aus.<br />
<strong>Sexismus </strong>und darauf auch <strong>Rassismus, Ableismus</strong> und <strong>Homophobie</strong> haben ihren Ursprung im <strong>Zuchtgedanken</strong>, der aus der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung" target="_blank" rel="noopener"><strong>Viehzucht</strong></a> entsprang. <strong>Misogynie</strong> und <strong>häusliche Gewalt</strong> wurzeln im Anspruch, dass die Frau und Mutter dem Wohl des Mannes und Vaters stets zu dienen habe. Auch die Kinder müssen sich dem Anspruch unterwerfen, ihm nur Freude zu bereiten, daraus resultiert <strong>Kinderfeindlichkeit und Gewalt jeder Art gegen Kinder</strong>. An die Stelle der bedingungslosen Liebe sind die brüchige <strong>Solidarität</strong> und die erpresserische <strong>Loyalität</strong> (frz. <em>loi</em> = Gesetz) getreten: Weder Eltern noch Kinder können für sich beanspruchen, bedingungslos zu lieben. Die Urbedingung ist genetische väterliche Abstammung, alle weiteren ergeben sich aus der Erpressungssituation heraus.<br />
Das psychologische Phänomen des <b>Stockholm-Syndroms</b>, das bei Entführungsopfern regelmäßig auftritt und zur Kooperation mit dem Täter führt, ist die &#8222;rätselhafte&#8220; Ursache für die Kooperation auch der Frauen mit dem Patriarchat und für seine Tradition. (Link 1: nach Stephanie Gogolin &#8211; <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 1</a>, Link 2: nach Stephanie Gogolin &#8211; <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/10/13/das-patriarchale-stockholm-syndrom-teil-ii/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 2</a>), Link 3: nach Stephanie Gogolin &#8211; <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2020/01/18/das-patriarchale-stockholm-syndrom-teil-iii/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom Teil 3</a>, Link 4: <a href="https://www.welt.de/geschichte/article134678970/So-wehren-sich-gefangene-Frauen-gegen-die-Peiniger.html" target="_blank" rel="noopener">Peer-reviewte Studie aus HUMAN NATURE</a>, Link 5: <a href="https://www.researchgate.net/publication/267777559_Fitness_Costs_of_Warfare_for_Women" target="_blank" rel="noopener">Original-Studie zum Download</a>, Link 6: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Begriff bei Wikipedia</a>)</p>
<p>Erst seit Beginn des Patriarchats werden Menschen auch nach ihrem Vater gefragt, denn sein Bekanntsein verschaffte nun einem Menschen Ansehen und meist auch <strong>Erbrechte</strong>. Lange war ein uneheliches Kind rechtlos. Dadurch entstand ein gefühltes Recht des Kindes, seinen Vater zu kennen. Ansehen und meist auch Wohlstand ziehen patriarchalisierte Menschen aus ihrer <strong>Patrilinearität</strong>, d.h. sie können sich auf einen <strong>Stammvater</strong> der <strong>Familie</strong> zurückführen, dessen Nachnamen sie tragen und dessen <strong>Lebenswerk</strong> sie oft fortführen.<br />
Der Nachname der Mutter wird nur selten als Doppelname vererbt, verschwindet aber spätestens in der nächsten Generation.<br />
Erst die Befreiung der Mütter aus dem Gefängnis der <strong>Ehe</strong> holte das gefühlte Recht des Mannes, seine genetischen Kinder kennen und erziehen zu dürfen, wieder an die Oberfläche, denn ein Mann ohne Kinder kann seine väterliche Linie nicht fortführen, verliert dadurch Einfluss auf die nächste Generation und läuft Gefahr, spätestens im Alter ohne Angehörige zu sein, die ihn versorgen. Vaterrechtler setzten daher durch, dass das <strong>Recht des Kindes auf Kenntnis des Vaters</strong> auch gesetzlich verankert ist.<br />
Beide Rechte, das des Kindes und das des Vaters auf gegenseitige Kenntnis, bestärken sich nun gegenseitig, und nehmen die sich trennende Mutter in wieder <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Geiselhaft</strong></a>. Das Patriarchat ist bis heute ein <b>Entführungsverbrechen</b>.</p>
<p>Das Patriarchat wäre nicht existent, zögen Männer keine Vorteile aus ihrer Vaterschaft. Mit Beginn des Patriarchats waren das rein wirtschaftliche Vorteile. Das zugehörige System heißt <strong>Kapitalismus</strong>, ein Name, der seinen Ursprung in der Viehzucht verrät, mit der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">die ersten Patriarchate</a> errichtet wurden.<br />
Das lateinische Wort &#8222;caput&#8220;, von dem sich das &#8222;Kapital&#8220; ableitet, bedeutet &#8222;Kopf&#8220;, gemeint ist die Zahl der Tierköpfe und der Köpfe, über die ein Patriarch herrscht.<br />
Die polytheistischen Religionen der Antike und die abrahamitischen Weltreligionen sind <strong>Viehzüchter-Religionen</strong> mit Göttern in Stiergestalt (oder andere männliche Nutztiere außer dem Schwein) oder in späteren Stadien alleinherrschende Götter, die zunehmend keine anderen neben sich dulden, und schließlich als Hirte und/oder Töter von Drachen, Kindern und Ungläubigen auftreten.<br />
Das erste Paar der Götterwelt ist noch eine Muttergöttin, All-Göttin oder Große Göttin mit ihrem <strong>Sohngeliebten (resp. Vegetationsgott)</strong>, mit dem sich jeder Patriarch identifizierte, bis sie zur Tochter eines <strong>Wettergottes</strong> oder <strong>Mondgottes</strong> degradiert wird. Auch im Buddhismus, Hinduismus und Shintoismus sind <strong>Muttermord</strong>, <strong>Gebärneid</strong>, <strong>Stillneid, Menstruationsneid</strong> und <strong>Dämonisierung der Frau</strong> verschlüsselt und ritualisiert, während die Viehzüchterideologie zu einer rigiden <strong>Menschenzucht-Ideologie</strong> mit noch strengerer Reglementierung der weiblichen Sexualität umgewandelt wurde. Ersatzreligionen wie die Transideologie tragen ihren Hass auf Frauen und ihren Neid offen zur Schau. Eine pragmatische Haltung zur Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele sowie <strong>Missionierung </strong>und <strong>Indokrinierung</strong> gehört zu allen patriarchalen Religionen wie auch Ideologien.</p>
<p>In der sog. <a href="https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/risikogesellschaft/4019" target="_blank" rel="noopener">Risikogesellschaft</a> (nach U. Beck), wie wir sie heute leben, in der Frauen scheinbar unabhängig werden können und damit die Familie aus Sicht der Männer in Gefahr gerät, besteht der Vorteil der Vaterschaft für Männer darin, in Unabhängigkeit von einer Frau und Mutter nicht Gefahr zu laufen, alleine zu bleiben.</p>
<p>Die Erfahrungswerte und Zahlen über die Lage der Mädchen und Frauen, Mütter und Kinder, speziell auch der alleinerziehenden Mütter in unserer Gesellschaft, werden vor diesem Hintergrund fassbar und als Symptom unseres Patriarchats begreifbar.</p>
<h2 id="matrifokalitaet-ist-unser-angeborenes-sozialverhalten">Matrifokalität ist unser angeborenes Sozialverhalten</h2>
<p>Angeboren ist uns jedoch ein <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt" target="_blank" rel="noopener">matrifokales Sozialverhalten</a> in <b>Matrilokalität</b> und <b>Matrilinearität</b>. Das Naturgesetz, das in der Evolution auf das Wohl des Nachwuchses und seiner Mütter ausgerichtet ist, wird im Patriarchat ausgehebelt und der Sozialverband auf <strong>das Wohl des Vaters</strong> ausgerichtet.<br />
Die angeborene Matrifokalität arbeitet im Untergrund weiter, so dass es einerseits zu Inkompatibilitäten kommt, z.B. dem <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/29/die-schwiegermutter-neues-zur-grossmutterhypothese/" target="_blank" rel="noopener">Schwiegermutterkonflikt</a>, andererseits <a href="https://wp.me/p3b3Fy-Dy" target="_blank" rel="noopener">macht sich das Patriarchat viele matrifokale Eigenschaften zunutze</a>, wie unser existentielles Bedürfnis, in einem Sozialverband zu leben und uns zu kümmern. Das tun wir im Patriarchat, wie unsicher die Familie und andere Konstrukte auch sein mögen.</p>
<h2 id="der-patriarchalisierte-mensch-erforscht-sich-selbst">Der patriarchalisierte Mensch erforscht sich selbst</h2>
<p>Dass nicht die Mütter herrschen, wurde seit Jahrtausenden damit erklärt, dass dies von den Göttern &#8211; und später von dem einen Gott &#8211; gewollt sei. Den angeblichen <strong>Willen der Götter</strong>, verbreitet von angeblich <strong>heiligen Männern</strong>, machten sich die <strong>Gläubigen</strong> zu eigen, entsprach er doch auch der schon länger etablierten Lebenswirklichkeit.<br />
Eine denkbare Gleichheit der Geschlechter kam daher nicht infrage. Sie wurde zwar später an manchen Stellen in den <strong>Heiligen Schriften</strong> postuliert, dies jedoch nur um die Frau an ihren Platz zu verweisen, an dem sie scheinbar gleichberechtigt war, in ihren spezifischen Rechten und <strong>Pflichten</strong> als Ehefrau und Mutter, nicht aber als autonomes Wesen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Der gute Hirte - Kirche Allermöhe" src="https://i0.wp.com/www.gabriele-uhlmann.de/images/patriarchat/guterhirte.jpg?resize=290%2C406&#038;ssl=1" alt="Der gute Hirte - Kirche Allermöhe" width="290" height="406" border="0" /><br />
<span class="abb">Bild: Das verlorene Schaf (Der gute Hirte), Willi Langbein, 1930 (Kirche Allermöhe)</span></p>
<p>Die europäische <strong>Aufklärung</strong> im 18. Jh. führte zu einer Neubewertung der Glaubensvorstellungen, mitausgelöst durch die Verheerungen der <strong>Hexenverfolgung</strong> unter Federführung der Kirchen.<br />
Der beginnende Atheismus, der von patriarchalisch geprägten Denkern getragen wurde, suchte die entstandene Lücke zu schließen und bediente sich der gerade entstandenen Evolutionslehre Darwins. Darwin postulierte für alle Lebewesen einen &#8222;Kampf ums Dasein&#8220;, eine Vorstellung, die von den sog. <strong>Sozialdarwinisten</strong> auf die Beziehung von Mann und Frau angewendet wurde, als sei es ein Naturgesetz, dass es irgendwann keine Frauen mehr gäbe, sondern nur noch Männer. Es wurde also postuliert, dass der Mensch, insbesondere der Mann, von Natur aus gewalttätig sei, und die Frau daher unterlegen sein muss.<br />
Mit dem Glauben an das &#8222;<strong>Recht des Stärkeren</strong>&#8220; wurde das Patriarchat neu legitimiert, das mit der Aufweichung der einst starken Festung des Gott-Vater-Glaubens ins Wanken geraten war. Das Patriarchat wurde und wird seitdem vielfach, wenn nicht als gottgegeben, so doch als naturgegeben vorausgesetzt.</p>
<p>In meinem <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/matrifokal.htm" target="_blank" rel="noopener">Aufsatz zur Geschichte der Erforschung der Matrifokalität</a> auf dieser Homepage habe ich bereits dargestellt, welche Entwicklung sich daran anschloss, die einerseits mit dem Werk des Rechtshistorikers und Kulturanthropologen Johann Jakob Bachofen und andererseits mit den archäologischen Funden <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/venusvomhohlefels.htm" target="_blank" rel="noopener">sogenannter Venus-Figuren</a> aus der Altsteinzeit ausgelöst wurde.</p>
<p>Nach dem Ende des Feminismus alter Prägung widmen sich heute fast alle Fachbereiche unter der Bezeichnung &#8222;Gender Studies&#8220; der Frage, was dem Patriarchat fachspezifisch entgegenzusetzen sei. Mit Ausnahme der Medizin werden evolutionäre, biologische Aspekte stets ausgeklammert und als biologistisch abgewertet. Stattdessen wird versucht, eine Strategie zu entwickeln, wie mittels politischer Meinungsbildung oder Sprache Gleichberechtigung herzustellen sei. In den Naturwissenschaften wird nicht selten versucht, das kulturelle Verhalten weiblicher und männlicher Primaten untereinander und auch mit dem des patriarchalisierten Menschen als gleich darzustellen. Demnach sei alles nur eine Frage von Kultur und nicht von Verbrechen. Auf diese Weise waschen die Gender Studies das Patriarchat rein, und statt es zu beenden, werden Vorlagen geliefert, es weiter zu verschärfen.</p>
<p>Dass es <strong>Monogamie</strong> und <strong>Eheschließung</strong>, also die Familie, schon in der Altsteinzeit gegeben hätte, ist von den Gender Studies nie infrage gestellt worden. Mit dieser Rückdatierung des Patriarchats in die Anfänge der Menschheit waren die Gender Studies für das System interessant geworden, wo zuvor der Feminismus das Patriarchat zurückzudrängen begann. Entsprechend viel Geld wurde in diese Pseudowissenschaft gepumpt.</p>
<p>Die neue Ideologie, die in den Universitäten erdacht wurde, wurde mit dem Amsterdamer Vertrag von 1997/1999 in der EU-Politik als sog. <strong>Gender Mainstreaming</strong> fest verankert. Da die Gender Studies staatlich finanziert sind, war von Beginn an Skepsis angebracht, dass hiermit das Patriarchat zu beenden wäre. Es stellte sich in der Tat heraus, dass das Gender Mainstreaming zum Wohle der Wirtschaft zur Anpassung der Frau an die männliche Lebensweise führte, und Kinder dabei nur als Störfaktor angesehen werden. Als die Frauen in die Arbeitswelt drängten, sanken die Löhne drastisch, so dass heute ein Gehalt allein nicht mehr ausreicht, eine Familie zu ernähren. Mit dem Hinweis auf die Sachzwänge der Globalisierung wird dieser Umstand verschleiert.</p>
<p>Neue Denkanstöße kommen seit einigen Jahren aus der sog. Citizen Science, der unabhängigen Bürgerforschung. Mit der hier angesiedelten <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/brgerinnenwissenschaft-citizen-science-patriarchatsforschung" target="_blank" rel="noopener">kritischen Patriarchatsforschung</a> wurde begonnen, interdisziplinär, unter Einbeziehung der Anthropologie, also der menschlichen Evolution und Biologie, die Entstehung und Aufrechterhaltung des Patriarchats zu untersuchen und zu verstehen. Heute gilt daher die Unterdrückung der sog. <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener"><em>female choice</em></a> als Basis des Patriarchats und als sein einzig sicheres Erkennungszeichen. Es wurde deutlich, dass das besondere, soziale Miteinander des Menschen seine Wurzeln in der matrifokalen, also matrilokalen und matrilinearen SIPPE hat, die vom Patriarchat zerstört wurde, so dass die Mehrheit der Menschen, aber immer noch nicht alle, in patrilinearen Gruppen, den FAMILIEN, patrilokal leben. Es konnte damit nicht nur der Widerspruch aufgelöst werden, dass der Mensch einerseits gewalttätig werden kann und Kriege führt, und andererseits als höchst sozial gilt. Es wurde mit dem Wissen, dass die Mütter aus ihrem urmütterlichen Schutzraum gerissen wurden und den Vätern und deren Familie fortan ausgeliefert waren, erklärbar, warum Frauen und Kinder, letztlich also auch die Männer, im Patriarchat leiden und gleichzeitig, warum ausgerechnet die Religionen dies rechtfertigen.</p>
<h2 id="die-patriarchale-ideologie-gestern-und-heute">Die patriarchale Ideologie gestern und heute</h2>
<p>Das Patriarchat wurde vor <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">ca. 8200 Jahren (Misox-Klimaschwankung)</a> mit der Erfindung des Viehnomadismus in den Steppengebieten errichtet. Die Frau wurde in die Ehe gezwungen und sie hatte ihrem Ehemann vor allem Söhne zu gebären und ihm und seiner Herde zu folgen. Unsere <strong>indoeuropäische Sprache</strong>, die aus der Steppe stammt, ist entsprechend durchsetzt mit Metaphern aus der Tierzucht. Eine Frau, die ihre <em>female choice</em> frei lebt, also selbstgewählte, wechselnde Sexualpartner hat, wird als &#8222;unzüchtig&#8220; (sinngemäß: sich der Zucht entziehend) oder &#8222;zügellos&#8220; bezeichnet. Es handelte sich um eine bis dahin unbekannte Denk- und Lebensweise, in der sich der Mann seiner väterlichen Linie bewusst geworden war (Patrilinearität) und daher die Frauen und Kinder zwang, bei ihm zu wohnen (Patrilokalität). Damit begann er, Menschen wie ein Schöpfergott nach seinem Willen zu züchten.<br />
Bei der Tierzucht passierte der größte Irrtum der Menschheit, nämlich, dass die Frau nur <strong>das Gefäß männlichen Samens</strong> sei. Zu teuer und obendrein meist unwillig war die Frau für den Mann zur Last geworden, Ursache des <strong>tiefen Hasses auf die Frauen</strong>, sowie männlicher Überheblichkeit und des Machtstrebens. Als Ziel des Patriarchats ist in den Heiligen Schriften die <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/petition-gegen-die-sog-kuenstliche-gebaermutter" target="_blank" rel="noopener"><strong>Abschaffung der Mutter</strong></a> erkennbar, deren Metapher &#8222;<strong>Fruchtbarkeitsgöttin</strong>&#8220; sukzessive durch einen allmächtigen, d.h. <strong>unsterblichen, menstruierenden, gebärenden und stillenden Gott</strong> ersetzt wurde.<br />
Dieses Ziel erschien wie oben erwähnt im Sozialdarwinismus neu verpackt wieder an der Oberfläche patriarchalen Denkens. In unserer Zeit wird es durch die <strong>Reproduktionsmedizin</strong> mit Legalisierung der Leihmutterschaft und Eizellspende, der Entwicklung der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter" target="_blank" rel="noopener">sog. künstlichen Gebärmutter</a>, der <a href="https://netzfrauen.org/2015/07/23/nestle-besitzt-patente-auf-muttermilch-und-banken-haben-babynahrung-fuer-sich-entdeckt/" target="_blank" rel="noopener">Patentierung der Muttermilch</a>, der <strong>Fremdbetreuung der Kinder</strong> u.a. vorangetrieben, mitgetragen auch von einem falsch verstandenen Feminismus, der die Frau von dieser vermeintlich lästigen und undankbaren Aufgabe zu befreien sucht.<strong> Dass es das Patriarchat auf die besonders kostbare Fähigkeit der Frau, Mutter zu werden, abgesehen hat, wurde vom Feminismus nicht erkannt und von den Gender Studies ausgeblendet. </strong>Eine Frau, die ihr Frausein über ihre Fähigkeit, Mutter zu werden, definiert, <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/" target="_blank" rel="noopener">wird als biologistisch abgewertet</a>, sind da ja die <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2021/05/11/gegen-selbstbestimmungsgesetz-selfid-und-abschaffung-des-biologischen-geschlechts-fur-korperliche-integritat-aller-menschen-jetzt-handeln-es-eilt/" target="_blank" rel="noopener">Männer, denen das ermöglicht werden soll</a>. Tatsächlich wächst die väterliche Macht auch um so mehr, als die Bindung zum Kind immer enger wird. So begrüßenswert das auf den ersten Blick erscheint, <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener">so fatal wirkt sich das auf die Freiheit der Mutter und ihr Recht am Kinde aus</a>.<br />
Neue Begriffe wie &#8222;Bindungsintoleranz&#8220; (der Mutter unterstellter Versuch, das Kind dem Vater zu entfremden) und &#8222;neurotische Mutter-Kind-Symbiose&#8220; (nach Sigmund Freud) werden als Argumente angeführt, um Müttern das Kind direkt wegnehmen zu können. <a href="https://taz.de/Inobhutnahme-durch-das-Jugendamt/!5599059/" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Inobhutnahme&#8220; ist der euphemistische Begriff für diesen Kinderraub.</a><br />
Wenn eine Mutter ihr Kind dann einfach mitnimmt, ohne den Vater über den Verbleib zu unterrichten, dann gilt das vor dem patriarchalen Gesetz nicht als Befreiung, was es ja eigentlich ist, sondern in Verdrehung der Tatsachen als Entführung.</p>
<p>Die Strategie ist denkbar einfach. Das Kind gilt im Geiste als Besitz des Vaters. Die Mutterschaft wird der Frau unerträglich gemacht, dann von ihr abgelehnt und vom Patriarchat scheinheilig diffamiert. So kann die Mutterschaft der Frau weggenommen werden, um die Supervaterschaft, den Endsieg des Patriarchats, Wirklichkeit werden zu lassen. In den Heiligen Schriften ist dieses Ziel von Gott-Vater längst umgesetzt.</p>
<p>Was will der Patriarch mit dieser Fähigkeit anfangen? Wird sie ihm einst nicht ebenso lästig und unangenehm wie der patriarchalisierten Frau? Mit der Supervaterschaft sucht er Unsterblichkeit, die ihm zur totalen Macht fehlt. Dabei spielt es keine Rolle, wie das Leben der so gezeugten Kinder aussehen wird oder wie sie sich fühlen. Wesentlich wird sein, dass diese Kinder funktionieren und die Macht und den Reichtum des Patriarchen weiter mehren. Während matrifokale Menschen dazu anleiten, was das Kind zum Leben braucht, leitet der Patriarch dazu an, was das Kind braucht, um wie er zu werden. Bedingungslose Liebe ist ihm fremd. Er kompensiert sie mit Materialismus. Nur die Natur kann diesen Machenschaften Grenzen setzen, zerstört er doch zunehmend seine Lebensgrundlage.</p>
<h2 id="schlussbemerkung">Schlussbemerkung</h2>
<p>Erst mit der kritischen Patriarchatsforschung steht nun dieses neue Wissen zur Verfügung, mit dem nicht nur die Gender Studies als patriarchales Instrument entlarvt werden. Sie entzieht sowohl dem antifeministischen Maskulismus als auch den Theologien und dem <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/" target="_blank" rel="noopener">Nazismus</a> den Nährboden. Die Natur stellt sich jetzt nicht mehr als feindliche, zu überwindende &#8222;Barbarei&#8220; dar, sondern als Raum wahrer Gleichberechtigung, den es neu zu entdecken gilt.</p>
<p>Tieferen Einblick und weiterführende Literaturhinweise liefern diese Homepage, mein Blog <strong><a class="textlink" href="http://wahrscheinkontrolle.wordpress.com" target="_blank" rel="noopener">Wahrscheinkontrolle</a></strong> und u.a. meine beiden Bücher</p>
<ul id="liste4">
<li><a href="https://www.bod.de/buchshop/der-gott-im-9-monat-gabriele-uhlmann-9783738639018" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Der Gott im 9. Monat. Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt.&#8220;</a></li>
<li><a href="https://www.bod.de/buchshop/archaeologie-und-macht-gabriele-uhlmann-9783844814200" target="_blank" rel="noopener">Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte.</a></li>
</ul>
<p>&#8230; sowie die Faktensammlung und Buchtipps auf der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/" target="_blank" rel="noopener">Startseite</a>.<br />
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"articleSection" : "Merkmal und Gemeinsamkeit aller Patriarchate ist das Vaterrecht. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gesellschaften in der Ausgestaltung der Gesetze, des Zusammenlebens, der Kultur und des Wirtschaftens. Wie es der Begriff \"Patriarchat\", der wörtlich übersetzt \"Herrschaft der Väter\" bedeutet, bereits anklingen lässt, haben wir es einerseits mit Herrschern und Beherrschten zu tun, mit Unterdrückern und Unterdrückten, Tätern und Opfern. Andererseits stehen nicht Männer im Fokus, sondern explizit Väter. Ein Mann, der einer Familie aus einer oder mehreren Ehefrauen und deren ehelichen Kindern vorsteht bzw. über sie als sein Eigentum bestimmt, wird als Patriarch bezeichnet. Daher kommt es verbreitet zu der Ansicht, dass wir in Europa nicht mehr im Patriarchat leben. In Deutschland gibt es jedoch ein dezidiertes Vaterrecht, das im Grundgesetz verankert ist. Ehe und Familie, also die Orte der Ausübung des Vaterrechts, sind sogar besonders geschützt. Das Patriarchat wird weltweit sowohl gewaltsam als auch mit rechtsstaatlichen Mitteln, den Gewalten, aufrecht erhalten (siehe extra Artikel). Das Patriarchat wurde nicht geschaffen, um Männer von Care-Arbeit (Kinder- und Angehörigen-Pflege und Hausarbeit) zu befreien und auch nicht, um Väter in die Care-Arbeit einzubeziehen. Die Care-Arbeit hat erstaunlich wenig mit dem Patriarchat zu tun, außer dass sie nicht bezahlt wird und die Mutter keine Unterstützung ihrer mütterlichen Ursprungssippe erwarten kann. Daher ist das Patriarchat auch nicht zu Ende, wie es heute oft behauptet wird, es verschärft sich im Gegenteil immer weiter. Das Patriarchat ist nicht das, was die meisten glauben Daher ist es auch nicht zu Ende, wie es heute oft behauptet wird, es verschärft sich im Gegenteil immer weiter. Warum also herrschen Väter, und warum hören sie nicht einfach auf damit, obwohl es bei Männern wie Frauen und auf unserem Planeten großen Schaden anrichtet? Warum sind Frauen weiter benachteiligt, auch wenn sie als emanzipiert gelten? Das Patriarchat ist NICHT unser angeborenes Sozialverhalten, sondern ein Entführungsverbrechen Das Patriarchat ist nicht natürlich, sondern es entstand gewaltsam, speziell mit Entführungen bzw. Frauenraub, begleitet von Vergewaltigungen und Bestrafung von Frauen und Mädchen, aber auch der Ermordung aller nicht patriarchalen Männer, die das zu verhindern suchten. Ziel der Täter war die Sicherstellung der genetischen Vaterschaft zur Ausübung der sozialen Vaterschaft, was nur mit Kontrolle der weiblichen Sexualität und der unter diesen Bedingungen gezeugten Kinder möglich war und ist. Dabei ging es von Beginn an nicht um die Wahrnehmung fürsorglicher Aufgaben, sondern um Machtausübung. Aufgrund der Betonung des Wertes der väterlichen Gene wohnt dem Patriarchat nicht nur untrennbar der Sexismus, sondern auch der Rassismus inne. Sexismus ist dabei die Basis des Rassismus. Vor der Entstehung des Patriarchats wohnten Kinder nicht bei ihrem Vater, weil er aufgrund der matrifokalen Sozialstruktur von Homo sapiens unbekannt war. Die ersten Patriarchen postulierten die Vaterschaft als ihr Recht und erhoben das Vaterrecht zum allein gültigen Recht, womit sich das Patriarchat in den Folgegenerationen normalisierte, verselbständigte und tradierte. Die Kontrolle dieses Rechtes kann nur unter Patrilokalität ausgeübt werden, d.h. die Kinder und die Mutter werden gezwungen, beim Vater zu wohnen und gehören ihm auch. Es etablierten sich entsprechende Gesetze und Werte unter einer männerzentrierten Religion. Bis heute führt ein Ehemann sprichwörtlich seine frischgebackene Ehefrau \"heim\". Darin ist der Ursprung in den initialen Entführungen erkennbar. Wenn die Flucht nicht gelang, war Kooperation die Überlebensstrategie der ersten Opfer, also der Frauen. Über sie kam es zur Mitopferschaft der Töchter und Söhne. Alle weiteren Nachkommen unterlagen dieser Dynamik und wurden Opfer und Täter zugleich. Dies führte schließlich zum Vergessen des Urverbrechens. Das psychologische Phänomen des Stockholm-Syndroms, das bei Entführungsopfern regelmäßig auftritt und zur Kooperation mit dem Täter führt, ist die \"rätselhafte\" Ursache für die Kooperation auch der Frauen mit dem Patriarchat und für seine Tradition (Link 1: Peer-reviewte Studie aus HUMAN NATURE, Link 2: Original-Studie zum Download Link 3: Begriff bei Wikipedia, Link 4: nach Stephanie Gogolin - Stockholm-Syndrom Teil 1, Link 5: nach Stephanie Gogolin - Stockholm-Syndrom Teil 2). Erst seit Beginn des Patriarchats werden Menschen auch nach ihrem Vater gefragt, denn sein Bekanntsein verschaffte nun einem Menschen Ansehen und meist auch Erbrechte. Lange war ein uneheliches Kind rechtlos. Dadurch entstand ein gefühltes Recht des Kindes, seinen Vater zu kennen. Ansehen und meist auch Wohlstand ziehen patriarchalisierte Menschen aus ihrer Patrilinearität, d.h. sie können sich auf einen Stammvater zurückführen, dessen Nachnamen sie tragen und dessen Lebenswerk sie oft fortführen. Der Nachname der Mutter wird nur selten als Doppelname vererbt, verschwindet aber spätestens in der nächsten Generation. Erst die Befreiung der Mütter aus dem Gefängnis der Ehe holte das gefühlte Recht des Mannes, seine genetischen Kinder kennen und erziehen zu dürfen, wieder an die Oberfläche, denn ein Mann ohne Kinder kann seine väterliche Linie nicht fortführen, verliert dadurch Einfluss auf die nächste Generation und läuft Gefahr spätestens im Alter ohne Angehörige zu sein, die ihn versorgen. Vaterrechtler setzten daher durch, dass das Recht des Kindes auf Kenntnis des Vaters auch gesetzlich verankert ist. Beide Rechte, das des Kindes und das des Vaters auf gegenseitige Kenntnis, bestärken sich nun gegenseitig, und nehmen die sich trennende Mutter in wieder gefühlte Geiselhaft. Das Patriarchat ist bis heute ein Entführungsverbrechen. Das Patriarchat wäre nicht existent, zögen Männer keine Vorteile aus ihrer Vaterschaft. Mit Beginn des Patriarchats waren das rein wirtschaftliche Vorteile. Das zugehörige System heißt Kapitalismus, ein Name, der seinen Ursprung in der Viehzucht verrät, wo das Patriarchat tatsächlich begann. Das lateinische Wort \"caput\" bedeutet \"Kopf\", gemeint ist die Zahl der Tierköpfe und der Köpfe über die ein Patriarch herrscht. In der sog. Risikogesellschaft (nach U. Beck), wie wir sie heute leben, in der Frauen scheinbar unabhängig werden können und damit die Familie aus Sicht der Männer in Gefahr gerät, besteht der Vorteil der Vaterschaft für Männer darin, in Unabhängigkeit von einer Frau und Mutter nicht Gefahr zu laufen alleine zu bleiben. Die Erfahrungswerte und Zahlen über die Lage der Mädchen und Frauen, Mütter und Kinder, speziell auch der alleinerziehenden Mütter, in unserer Gesellschaft, werden vor diesem Hintergrund fassbar und als Symptom unseres Patriarchats begreifbar. Matrifokalität ist unser angeborenes Sozialverhalten Angeboren ist uns jedoch ein matrifokales Sozialverhalten in Matrilokalität und Matrilinearität. Das Naturgesetz, das in der Evolution auf das Wohl des Nachwuchses und seiner Mütter ausgerichtet ist, wird im Patriarchat ausgehebelt und der Sozialverband auf das Wohl des Vaters ausgerichtet. Die angeborene Matrifokalität arbeitet im Untergrund weiter, so dass es einerseits zu Inkompatibilitäten kommt, z.B. dem Schwiegermutterkonflikt, andererseits macht sich das Patriarchat viele matrifokale Eigenschaften zunutze, wie unser existentielles Bedürfnis, in einem Sozialverband zu leben. Das tun wir im Patriarchat, wie unsicher die Familie und andere Konstrukte auch sein mögen. Der patriarchalisierte Mensch erforscht sich selbst Dass nicht die Mütter herrschen, wurde seit Jahrtausenden damit erklärt, dass dies von den Göttern - und später von dem einen Gott - gewollt sei. Den angeblichen Willen der Götter, verbreitet von angeblich heiligen Männern, machten sich die Gläubigen zu eigen, entsprach er doch auch der schon länger etablierten Lebenswirklichkeit. Eine denkbare Gleichheit der Geschlechter kam daher nicht infrage. Sie wurde zwar später an manchen Stellen in den Heiligen Schriften postuliert, dies jedoch nur um die Frau an ihren Platz zu verweisen, an dem sie scheinbar gleichberechtigt war, in ihren spezifischen Rechten und Pflichten als Ehefrau und Mutter, nicht aber als autonomes Wesen. Die europäische Aufklärung im 18. Jh. führte zu einer Neubewertung der Glaubensvorstellungen, mitausgelöst durch die Verheerungen der Hexenverfolgung unter Federführung der Kirchen. Der beginnende Atheismus, der von patriarchalisch geprägten Denkern getragen wurde, suchte die entstandene Lücke zu schließen und bediente sich der gerade entstandenen Evolutionslehre Darwins. Darwin postulierte für alle Lebewesen einen \"Kampf ums Dasein\", eine Vorstellung, die von den sog. Sozialdarwinisten auf die Beziehung von Mann und Frau angewendet wurde, als sei es ein Naturgesetz, dass es irgendwann keine Frauen mehr gäbe, sondern nur noch Männer. Es wurde also postuliert, dass der Mensch, insbesondere der Mann, von Natur aus gewalttätig sei, und die Frau daher unterlegen sein muss. Mit dem Glauben an das \"Recht des Stärkeren\" wurde das Patriarchat neu legitimiert, das mit der Aufweichung der einst starken Festung des Gott-Vater-Glaubens ins Wanken geraten war. Das Patriarchat wurde und wird seitdem vielfach, wenn nicht als gottgegeben, so doch als naturgegeben vorausgesetzt. In meinem Aufsatz zur Geschichte der Erforschung der Matrifokalität auf dieser Homepage habe ich bereits dargestellt, welche Entwicklung sich daran anschloss, die einerseits mit dem Werk des Rechtshistorikers und Kulturanthropologen Johann Jakob Bachofen und andererseits mit den archäologischen Funden sogenannter Venus-Figuren aus der Altsteinzeit ausgelöst wurde. Nach dem Ende des Feminismus alter Prägung widmen sich heute fast alle Fachbereiche unter der Bezeichnung \"Gender Studies\" der Frage, was dem Patriarchat fachspezifisch entgegenzusetzen sei. Mit Ausnahme der Medizin werden evolutionäre, biologische Aspekte stets ausgeklammert und als biologistisch abgewertet. Stattdessen wird versucht, eine Strategie zu entwickeln, wie mittels politischer Meinungsbildung oder Sprache Gleichberechtigung herzustellen sei. In den Naturwissenschaften wird nicht selten versucht, das kulturelle Verhalten weiblicher und männlicher Primaten untereinander und auch mit dem des patriarchalisierten Menschen als gleich darzustellen. Demnach sei alles nur eine Frage von Kultur und nicht von Verbrechen. Auf diese Weise waschen die Gender Studies das Patriarchat rein, und statt es zu beenden, werden Vorlagen geliefert, es weiter zu verschärfen. Dass es Monogamie und Eheschließung, also die Familie, schon in der Altsteinzeit gegeben hätte, ist von den Gender Studies nie infrage gestellt worden. Mit dieser Rückdatierung des Patriarchats in die Anfänge der Menschheit waren die Gender Studies für das System interessant geworden, wo zuvor der Feminismus das Patriarchat zurückzudrängen begann. Entsprechend viel Geld wurde in diese Pseudowissenschaft gepumpt. Die neue Ideologie, die in den Universitäten erdacht wurde, wurde mit dem Amsterdamer Vertrag von 1997/1999 in der EU-Politik als sog. Gender Mainstreaming fest verankert. Da die Gender Studies staatlich finanziert sind, war von Beginn an Skepsis angebracht, dass hiermit das Patriarchat zu beenden wäre. Es stellte sich in der Tat heraus, dass das Gender Mainstreaming zum Wohle der Wirtschaft zur Anpassung der Frau an die männliche Lebensweise führte, und Kinder dabei nur als Störfaktor angesehen werden. Als die Frauen in die Arbeitswelt drängten, sanken die Löhne drastisch, so dass heute ein Gehalt allein nicht mehr ausreicht, eine Familie zu ernähren. Mit dem Hinweis auf die Sachzwänge der Globalisierung wird dieser Umstand verschleiert. Neue Denkanstöße kommen seit einigen Jahren aus der sog. Citizen Science, der unabhängigen Bürgerforschung. Mit der hier angesiedelten kritischen Patriarchatsforschung wurde begonnen, interdisziplinär, unter Einbeziehung der Anthropologie, also der menschlichen Evolution und Biologie, die Entstehung und Aufrechterhaltung des Patriarchats zu untersuchen und zu verstehen. Heute gilt daher die Unterdrückung der sog. female choice als Basis des Patriarchats und als sein einzig sicheres Erkennungszeichen. Es wurde deutlich, dass das besondere, soziale Miteinander des Menschen seine Wurzeln in der matrifokalen, also matrilokalen und matrilinearen SIPPE hat, die vom Patriarchat zerstört wurde, so dass die Mehrheit der Menschen, aber immer noch nicht alle, in patrilinearen Gruppen, den FAMILIEN, patrilokal leben. Es konnte damit nicht nur der Widerspruch aufgelöst werden, dass der Mensch einerseits gewalttätig werden kann und Kriege führt, und andererseits als höchst sozial gilt. Es wurde mit dem Wissen, dass die Mütter aus ihrem urmütterlichen Schutzraum gerissen wurden und den Vätern und deren Familie fortan ausgeliefert waren, erklärbar, warum Frauen und Kinder, letztlich also auch die Männer, im Patriarchat leiden und gleichzeitig, warum ausgerechnet die Religionen dies rechtfertigen. Patriarchale Ideologie und ihre Folgen Das Patriarchat wurde vor ca. 8200 Jahren (Misox-Klimaschwankung) mit der Erfindung des Viehnomadismus in den Steppengebieten errichtet. Die Frau wurde in die Ehe gezwungen und sie hatte ihrem Ehemann vor allem Söhne zu gebären und ihm und seiner Herde zu folgen. Unsere indoeuropäische Sprache, die aus der Steppe stammt, ist entsprechend durchsetzt mit Metaphern aus der Tierzucht. Eine Frau, die ihre female choice frei lebt, also selbstgewählte, wechselnde Sexualpartner hat, wird als \"unzüchtig\" (sinngemäß: sich der Zucht entziehend) oder \"zügellos\" bezeichnet. Es handelte sich um eine bis dahin unbekannte Denk- und Lebensweise, in der sich der Mann seiner väterlichen Linie bewusst geworden war (Patrilinearität) und daher die Frauen und Kinder zwang, bei ihm zu wohnen (Patrilokalität). Damit begann er, Menschen wie ein Schöpfergott nach seinem Willen zu züchten. Bei der Tierzucht passierte der größte Irrtum der Menschheit, nämlich, dass die Frau nur das Gefäß männlichen Samens sei. Zu teuer und obendrein meist unwillig war die Frau für den Mann zur Last geworden, Ursache des tiefen Hasses auf die Frauen, sowie männlicher Überheblichkeit und des Machtstrebens. Als Ziel des Patriarchats ist in den Heiligen Schriften die Abschaffung der Mutter erkennbar, deren Metapher \"Fruchtbarkeitsgöttin\" sukzessive durch einen allmächtigen, d.h. unsterblichen, menstruierenden, gebärenden und stillenden Gott ersetzt wurde. Dieses Ziel erschien wie oben erwähnt im Sozialdarwinismus neu verpackt wieder an der Oberfläche patriarchalen Denkens. In unserer Zeit wird es durch die Reproduktionsmedizin, die Patentierung der Muttermilch, die Fremdbetreuung der Kinder u.a. vorangetrieben, mitgetragen auch von einem falsch verstandenen Feminismus, der die Frau von dieser vermeintlich lästigen und undankbaren Aufgabe zu befreien sucht. Dass es das Patriarchat auf die besonders kostbare Fähigkeit der Frau, Mutter zu werden, abgesehen hat, wurde vom Feminismus nicht erkannt und von den Gender Studies ausgeblendet. Eine Frau, die ihr Frausein über ihre Fähigkeit, Mutter zu werden, definiert, wird als biologistisch abgewertet, sind da ja die Männer, denen das ermöglicht werden soll. Tatsächlich wächst die väterliche Macht auch um so mehr, als die Bindung zum Kind immer enger wird. So begrüßenswert das auf den ersten Blick erscheint, so fatal wirkt sich das auf die Freiheit der Mutter und ihr Recht am Kinde aus. Neue Begriffe wie \"Bindungsintoleranz\" (der Mutter unterstellter Versuch, das Kind dem Vater zu entfremden) und \"neurotische Mutter-Kind-Symbiose\" (nach Sigmund Freud) werden als Argumente angeführt, um Müttern das Kind direkt wegnehmen zu können. \"Inobhutnahme\" ist der euphemistische Begriff für diesen Kinderraub. Wenn eine Mutter ihr Kind dann einfach mitnimmt, ohne den Vater über den Verbleib zu unterrichten, dann gilt das vor dem patriarchalen Gesetz nicht als Befreiung, was es ja eigenlich ist, sondern in Verdrehung der Tatsachen als Entführung. Die Strategie ist denkbar einfach. Das Kind gilt im Geiste als Besitz des Vaters. Die Mutterschaft wird der Frau unerträglich gemacht, dann von ihr abgelehnt und vom Patriarchat scheinheilig diffamiert. So kann die Mutterschaft der Frau weggenommen werden, um die Supervaterschaft, den Endsieg des Patriarchats, Wirklichkeit werden zu lassen. In den Heiligen Schriften ist dieses Ziel von Gott-Vater längst umgesetzt. Aber was will der Patriarch mit dieser Fähigkeit? Wird sie ihm einst nicht ebenso lästig und unangenehm wie der patriarchalisierten Frau? Mit der Supervaterschaft sucht der Mann Unsterblichkeit, die ihm zur totalen Macht fehlt. Dabei spielt es keine Rolle, wie das Leben der so gezeugten Kinder aussehen wird oder wie sie sich fühlen. Wesentlich wird sein, dass diese Kinder funktionieren und die Macht und den Reichtum des Patriarchen weiter mehren. Liebe ist dem Patriarchen fremd. Er kompensiert sie mit Materialismus. Doch die Natur wird diesen Machenschaften einst Grenzen setzen, zerstört er doch zunehmend seine Lebensgrundlage, unsere Mutter Erde."
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<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat">Patriarchat &#8211; Definition, Entstehung, Geschichte und Symptome</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Ein Akt tiefster Frauenverachtung. Der vorgeburtliche Missbrauch des He Jiankui und die Bewertung durch sog. Ethik-Experten</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/ein-akt-tiefster-frauenverachtung-der-vorgeburtliche-missbrauch-des-he-jiankui-und-die-bewertung-durch-sog-ethik-experten</link>
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		<pubDate>Tue, 04 Dec 2018 17:13:12 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="http://vg01.met.vgwort.de/na/bd8cc9a4eeea4b06883b064f6313ab7a" alt="" width="1" height="1" /><strong>Nun ist es passiert, nicht unerwartet, aber unerwartet schnell. In der Tat, die Wirklichkeit des Patriarchats ist immer noch schlimmer, als es sich anständige Menschen ausdenken können. Crispr/Cas9, das Genom-Editier-Werkzeug, auch Gen-Schere genannt, wird im ersten Menschenversuch getestet. Schnipp/schnapp und schon war der Neue Mensch gebastelt, mit einem Gen, das gegen eine HIV-Infektion immun machen soll.</strong></p>
<p>Was das denn mit dem Patriarchat zu tun habe, höre ich es schon wieder rufen, man könne die Männer doch nicht für alles verantwortlich machen, da sind ja auch immer Frauen beteiligt! Ja, es waren leider zwei Frauen, die die Genschere erfanden, die französische Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier und die amerikanische Biochemikerin Jennifer Doudna. Sie sind auch nicht die ersten Frauen, die eine teuflische Technologie auf dem Weg brachten, ich erinnere hier nur an Marie Curie, die die Radioaktivität entdeckte, und Lise Meitner, die Entdeckerin der Kernspaltung.<br />
Die Entdeckung der Radioaktivität und der Gene waren unschuldige Anfänge, die Kernspaltung und die Gentechnik sind der Missbrauch, Missbrauch an Mutter Natur, in diesem Fall vertreten durch die zwei Zwillingsschwestern Nana und Lulu, um die es hier geht.<br />
Immer wieder stößt der Mensch an seine Grenzen. Dass der Mensch eine Fehlkonstruktion sei, weil er nicht zum System passt, hatten die patriarchal kontrollierte Wissenschaft und auch schon Frauen festgestellt, die sich ja zu allererst im Patriarchat entfremdet fühlen müssen. Deshalb kann nun unter dem Deckmantel der Gesundheitsfürsorge der Neue Mensch gezüchtet werden. Das Patriarchat macht sich jede noch so nüchterne Entdeckung zunutze, Mutter Natur nach seinem Bilde zu formen, jeder Ethik zum Trotze.</p>
<p>Der chinesische Biotechnologe He Jiankui von der Universität Schenzen, der den Missbrauch an den Zwillingsschwestern mit der Genschere durchgeführt hat, sagt: “Wenn ich es nicht tue, tut es jemand anderes.“<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a> Recht hat er, leider. Trotzdem gibt ihm das nicht das natürliche Recht, zu tun, was technisch möglich ist, schon gar nicht ohne die Einwilligung der Betroffenen. Schon die Frage, ob sich dafür jemand zur Verfügung stellt, ist ein unmoralisches Angebot.</p>
<blockquote><p>„Direkte Versuche am Menschen können nur als verrückt beschrieben werden“<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a>.</p></blockquote>
<p>Das unterschrieben 122 chinesische Forscher. „Die Genauigkeit des von He Jiankui genutzten Verfahrens der Genschere Crispr/Cas und dessen Wirkungsweise seien ein sehr kontroverses Thema unter Wissenschaftlern. ‚Aber die potenziellen Risiken und Schäden für die gesamte Menschheit, die durch einen ungerechtfertigten Einsatz des Verfahrens in der Zukunft entstehen können, sind unermesslich.&#8217;“<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a>, so gibt die FAZ deren Schreiben wieder.</p>
<p>“Die Versuche seien ein schwerer Schlag für die weltweite Reputation der chinesischen Wissenschaft’“<a href="#_ftn4" name="_ftnref4">[4]</a>, sorgen sich die Chinesen auch, was irgendwie nicht dazu passt und wobei wir aufmerken sollten!</p>
<p>Schon lange treibt auch die diversen Ethikkommissionen in der westlichen Welt ein wages Gefühl von Unrechtmäßigkeit an, die sie in der Wissenschaft ausmachen können.<br />
Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg meldet sich also zu Wort. Es handele sich „um unverantwortliche Menschenversuche“<a href="#_ftn5" name="_ftnref5">[5]</a>. Und weiter:</p>
<blockquote><p>„Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind solche Versuche und auch Ankündigungen auf Schärfste zu kritisieren“<a href="#_ftn6" name="_ftnref6">[6]</a> „Die Neben- und Spätfolgen sind noch unabsehbar und schwer zu kontrollieren.“<a href="#_ftn7" name="_ftnref7">[7]</a></p></blockquote>
<p>Das bedeutet ja nichts anderes, als dass es grundsätzlich verantwortlich und ethisch vertretbar sei, solche Menschenversuche zu machen, aber offenbar nicht so und nicht zu diesem Zeitpunkt: „Die Nachricht kommt einen Tag vor dem internationalen Gipfel zum ‚Human Genome Editing’, der am Dienstag an der Universität Hongkong stattfinden wird.“<a href="#_ftn8" name="_ftnref8">[8]</a> „Sollte es sich bewahrheiten, dass ein mithilfe von Crispr genmanipuliertes Baby erzeugt worden ist, wäre dies für die Wissenschaft ein Super-Gau. Dass ausgerechnet am Tag vor dem weltweiten Wissenschaftsgipfel in Hongkong, der über den verantwortlichen Umgang mit genome editing beim Menschen berät, ein solches Experiment bekannt wird, kann ja fast nur als Affront gegenüber dem Ansinnen verantwortlicher Wissenschaft gewertet werden.“<a href="#_ftn9" name="_ftnref9">[9]</a>, sagt Dabrock in der FAZ.</p>
<p>Das eigentliche Problem besteht für die Ethikkommission also darin, dass ein Chinese es gewagt hat, gegen das Ok der Herrschenden Lehre seine Visionen auszuleben, denn, wenn es eine regelmäßige Tagung zum „Human Genome Editing“ gibt, dann bedeutet das nichts anderes, als dass es schon lange gemacht wird und es nur eine Frage der Zeit ist, bis es schön geredet ist. Ein Machtverlust für gewisse Herren.</p>
<p>„’Ein unnötiger Skandal’“<a href="#_ftn10" name="_ftnref10">[10]</a>, so bringt das der Medizinethiker und Medizinjurist und Mitglied des Deutschen Ethikrates Jochen Taupitz auf den Punkt. Aber er meint:</p>
<blockquote><p>„Die Menschenexperimente in China könnten uns die Begründung für ein Verbot von Keimbahneingriffen unter den Füßen wegziehen. Die Rechtslage ist auch international unbefriedigend. Wir müssen reden.“<a href="#_ftn11" name="_ftnref11">[11]</a></p></blockquote>
<p><span id="more-1630"></span>Welchen unnötigen Skandal meint er also? Taupitz schreibt: „Diese Versuche halten schon aus rein medizinischer Sicht einer verantwortbaren Nutzen-Risiko-Abwägung nicht stand – selbst wenn sich im Nachhinein zeigen sollte, dass keine unbeabsichtigten Veränderungen an anderen Stellen des Erbguts herbeigeführt wurden.“<a href="#_ftn12" name="_ftnref12">[12]</a></p>
<p>Die Ethik verkommt offenbar zusehends zu einer Mathematik von Kosten und Nutzen und verrät damit ihre eigentliche Aufgabe, das ist für mich ein Skandal! Stimmt der Nutzen, dann wird &#8222;es&#8220; gemacht, auf Teufel komm raus. Doch wann ist der Nutzen höher als die Kosten? Wer bestimmt das? Offenbar ist der patriarchale Geist derart entstellt, dass auch jedes Expertentum in Bezug auf die Menschenwürde verloren gegangen ist. Und daher reden alle durcheinander und am Ende muss das Los entscheiden. Dabrock sagt: „Die Menschheit muss ein Mitspracherecht haben. Immerhin handelt es sich um einen Eingriff in die biologische Grundlage des Menschen.“<a href="#_ftn13" name="_ftnref13">[13]</a> „Eingriffe in die Keimbahn des Menschen beträfen nicht nur einen Einzelnen, sondern potentiell alle seine Nachkommen.“<a href="#_ftn14" name="_ftnref14">[14]</a></p>
<p>Es ist immer sehr gnädig, wenn die Herrschenden den Beherrschten ein Mitspracherecht einräumen, meist wenn sie mit ihrem Latein am Ende sind. Das bedeutet aber nicht, dass die Beherrschten es besser wüssten: die sechs Elternpaare, die ihre Gameten für diesen Menschenversuch zu Verfügung stellen, gehören dazu.<br />
Beherrschte sind weder autonom noch dürfen sie über sich selbst entscheiden. Das Ergebnis steht oft schon fest z.B. durch Tatsachenschaffung; Stuttgart21 ist dafür ein schönes Beispiel. Jede/r Einzelne muss sich dann dem Diktat der Meinung der Mehrheit beugen, wie fundiert diese auch immer ist, siehe Brexit.</p>
<p>Schon lange ist das Patriarchat Konsens, und die Leidenden melden sich manchmal auch zu Wort, was oft erheblichen Mutes bedarf, siehe #metoo. Aber leider sind dies nicht immer Worte radikaler Kritik, sondern oft nur Worte der Verständnisses für ihren Peiniger. Das Stockholm-Syndrom bezeichnet diese Solidarität und auch Kooperation mit dem Entführer. Aber es ist ja kein Einzeltäter auszumachen, der für alles verantwortlich ist.<br />
Es hat auch nicht die ganze Menschheit ein Mitspracherecht, sondern nur Auserwählte, die auf das zugrunde liegende Paradigma der Macht geschworen haben. Daher bleibt es beim Leid, bei heuchlerischen Sonntagsreden gegen das Leid, bei Charity, die das schlechte Gewissen beruhigt, oder bei wirkungsloser „Homöopathie“ gegen das Leid: Leid mit ähnlichem Leid bekämpfen, angeblich im Namen der Gesundheit.</p>
<p>Ich habe bei Facebook von Männern und Frauen gelesen, dass sie sich freuen würden, dass nun endlich etwas Wirksames gegen HIV gefunden sei, es sei doch gut für die Gesundheit. Sie halten He Jiankui für einen Wohltäter. Es gab auch schon wieder mehr als einen Shitstorm gegen KritikerInnen. Taupitz meint dagegen: „Eine Infektion mit dem HI-Virus ist heute sehr gut in den Griff zu bekommen: Warum also ein derart risikoreicher Eingriff in das Erbgut mit unabsehbaren Auswirkungen auch auf nachfolgende Generationen? Hier scheint allein der Wunsch chinesischer Wissenschaftler leitend gewesen zu sein, in die Schlagzeilen zu kommen – gleichgültig, um welchen moralischen Preis.“<a href="#_ftn15" name="_ftnref15">[15]</a></p>
<h2><span style="color: #ff0000;">Es ist angesichts des gerade wieder einmal aufkochenden Protests gegen Gewalt an Frauen, Mädchen und Kindern erschreckend, dass kein sog. Ethik-Experte und kein Journalist bemerkt, ja es völlig egal zu sein scheint, dass hier zwei Mädchen gequält werden!</span></h2>
<p>Wo bleibt der feministische Aufschrei? Mit Zustimmung der Eltern drang He Jiankui mit der Genschere in den entstehenden Körper der Mädchen ein, und wird damit zum Urvater aller ihrer künftigen HIV-immunen Kindeskinder werden. Für diese völlig neue Form des Sexualverbrechens gibt es noch keinen Namen.</p>
<p>Was soll nun aus diesen armen Mädchen werden, die schon vorgeburtlich einen Missbrauch erlebten? Sie haben das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben, aber wenn sie nicht schon vorher krank werden, würde jedenfalls ihre Sexualität unter Beobachtung der Medizin stehen. Da das Patriarchat Frauen noch nie ein freies, selbstbestimmtes Leben zugebilligt hat, juckt es offenbar niemanden. Nein, es ist weder biologisch noch intentionell ein Zufall, dass keine männlichen Zwillinge dafür benutzt wurden. Noch einmal: die Wirklichkeit ist immer noch schlimmer, als es sich anständige Menschen ausdenken können. Natürlich wird die Medizinethik nach der Salamitaktik in wenigen Jahren um weitere Scheiben urmenschlicher Moral beraubt worden sein. Es steht zu befürchten, dass die beiden Mädchen Nana und Lulu, wie sie nun heißen, ihre Sexualität nicht ohne Gewalt erleben, denn es muss ja nachgesehen werden, ob&#8217;s wirkt. Über weitere Gewaltanwendung, z.B. die Entnahme ihrer Eier, gelingt unkompliziert der Zugriff auf <strong>alle</strong> ihre Kinder bzw. auch die Verhinderung, dass Männer einst dieses Gen tragen werden, womit die Sache außer Kontrolle geriete.</p>
<p>Ja, warum eigentlich ausgerechnet HIV, wo es doch andere Sorgen gibt? Taupitz tappt im Dunkeln, und kann sich offenbar nicht vorstellen, dass immer alles noch schlimmer sein kann, als wir es uns vorstellen. Seine Vermutung ist keine Erklärung, denn mit jedem anderen Gen wäre der Menschenversuch genauso spektakulär gewesen und in die Schlagzeilen gekommen. Meine Befürchtung geht in Richtung „immer noch schlimmer“: HIV ist der Hauptgrund, warum Freier ein Kondom benutzen. Das keimfreie Bordell wäre noch spektakulärer als ein paar Menschen mit einem veränderten Gen! Besonders in China, wo durch die Einkind-Politik und den vorgeburtlichen Gynozid, zu viele Jungs geboren werden, ist das ein großer Antrieb.</p>
<p>Es geht hier jedenfalls nicht einfach um ein Gen und die Gesundheit, es geht um abgrundtiefe Misogynie. Was schon lange vor der Geburt der Mädchen außer Kraft gesetzt wurde, wie übrigens bei jeder reproduktionsmedizinischen Prozedur und auch in der patriarchal erzwungenen Monogamie, ist die Sexuelle Selektion der Evolution. Sie wird auch <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>female choice</em></a> genannt, weil es immer die Weibchen und Frauen sind, die die Auswahl treffen, ob und mit welchen Partnern sie Nachkommen haben. Schon Darwin hatte das entdeckt und wurde dafür abgestraft. Seine Entdeckung unterminierte das Dogma des Patriarchats und hätte den Frauen ihr Menschenrecht zurück gegeben, hätten die Patriarchen, die angeblich der Aufklärung verschrieben waren, nicht das <em>Survival of the Fittest</em> zum obersten Prinzip erhoben.</p>
<p>Mittlerweile gibt es viele Erkenntnisse, wie die <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>female choice</em></a> auch im Inneren des Körpers wirkt und welche überragende Bedeutung dem Organismus der Frau sowie auch dem Ei bei der Fortpflanzung zukommt. Mit der Entdeckung, dass der Mann „sein Kind“ nicht „zeugt“, es sich nicht um eine Befruchtung im wörtlichen Sinne handelt, und dass das Kind allein Fleisch und Blut der Mutter ist, kommen weder Wissenschaft noch PolitikerInnen bis heute zurecht.<a href="#_ftn16" name="_ftnref16">[16]</a> Die Ethik hat sich auf die Fahne geschrieben, dass das Vaterrecht ein Menschenrecht sei. Das Patriarchat baut auf der Ausbeutung des Körpers und der Arbeitskraft der Frau und Mutter auf. Die Rechte des Vaters am Kind, also das Vaterrecht, können nur deshalb von der Ethik hochgehalten werden, weil sie mit der Ausbeutung einverstanden ist.<br />
Die <em>female choice</em> kommt in der Ethik dagegen gar nicht vor und daher tappen Ethiker im Dunkeln, mit welchem Argument sie alle Mathematik von Kosten und Nutzen aushebeln können, wenn sie es denn überhaupt wollen. Der Ethik fehlt es schlicht an einem an die Wurzel des Übels gehenden Feminismus. Die Menschenwürde entspringt dem Leib der Mutter, dem Geburtsrecht jedes Kindes, der Vater hat damit nichts zu tun.</p>
<p>Das Patriarchat ist nicht natürlich, nicht vom Himmel gefallen und auch von keinem Gott installiert worden. Es ist weder heil/ig noch ein zu schützendes Kulturgut. Die ersten Patriarchen waren die Viehzüchter in der Steppe und den Bergregionen. Sie unternahmen <a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/vortrag3.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Frauenraubzüge</a> und massakrierten die uralten matrifokalen Sippen, um an Frauen heranzukommen, sie zu vergewaltigen und sie in die Steppen und Berge zu entführen. Wir alle sind Nachkommen dieser Entführungsopfer, die, wie es z.B. beim <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Romulus_und_Remus#Der_Raub_der_Sabinerinnen" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Raub der Sabinerinnen</a> anklingt, vom <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stockholm-Syndrom</a> befallen wurden. Auch wir leben bis heute in diesem Sinne, denn die von uns bis heute gegen unsere Natur gelebte <strong>Patrilinearität</strong> und <strong>Patrilokalität </strong> &#8211; die Säulen des Patriarchats &#8211; in der Ehe sind nichts anderes als Frauenraub und über die Mütter auch Kinderraub.</p>
<p>Spätestens seit der Jungsteinzeit wussten Männer um ihren Beitrag an einer Schwangerschaft, aber in unserer angeborenen Matrifokalität lebt es sich frei, sicher und versorgt, ohne jede Kosten-Nutzen-Rechnung, so dass keine Nutzanwendung dafür gegeben war. Das änderte sich mit der Viehzucht, zu deren Voraussetzung es auch gehörte, dass Männer Söhne haben. Jeder Sohn lebte seitdem den Plan seines Vaters, der selbst schon eine Frau entführte.</p>
<p>Das alles sprengt &#8211; ich weiß das &#8211; die Vorstellungskraft normaler Bürger. Ich möchte Ihnen liebe Leserin, lieber Leser daher den Dokumentarfilm „Die stolzen Reiter von Lesotho“ von Eberhard Rühle (2012) ans Herz legen:</p>
<p><iframe class="youtube-player" width="1080" height="608" src="https://www.youtube.com/embed/VlfBfxQEExA?version=3&#038;rel=1&#038;showsearch=0&#038;showinfo=1&#038;iv_load_policy=1&#038;fs=1&#038;hl=de-DE&#038;autohide=2&#038;wmode=transparent" allowfullscreen="true" style="border:0;" sandbox="allow-scripts allow-same-origin allow-popups allow-presentation allow-popups-to-escape-sandbox"></iframe></p>
<p>Der Film veranschaulicht nicht nur, wie Viehzüchter ein Patriarchat errichten, sondern auch wie Patrilokalität und Patrilinearität bis heute ohne jede Rücksicht auf die junge Mutter und ihr Kind umgesetzt und bewertet wird, nämlich als für Mann und Staat selbstverständliches Opfer. Es geht uns alle an, nicht nur die Frau des „stolzen Reiters“. Denn was bedeutet es für Kinder, mit einer leidenden Mutter groß zu werden! Die Epigenetik selbst liefert uns erschütternde Erkenntnisse, wie sich das Leid von einer Generation auf die nächste vererbt. Die Kosten-Nutzen-Rechnung geht nur kurzfristig für die Männer auf, langfristig bringt diese Mathematik die Menschheit in existentielle Gefahr.</p>
<p>Das Schwerverbrechen Patriarchat wurde über eine ihm entsprechene Ideologie und Ethik zum Normalen. Schon gar nicht den Theologen geht es um das Wohl ihrer Schäfchen. Wäre das anders, wäre das Patriarchat längst abschafft. Es geht Patriarchen zu allererst um ihr eigenes Wohl, dem alles andere untergeordnet wird, daher blüht die Doppelmoral, daher werden manchmal auch Frauen vorgelassen. Ein willkommener Nebeneffekt ist, dass es dadurch nur noch schwerer durchschaubar wird.</p>
<p>Wissenschaftler wie He Jiankui wollen nicht nur Ruhm. Sie wollen ein Schöpfer sein, um ihren <a href="https://www.amazon.de/Gott-Monat-mütterlichen-Gebärfähigkeit-männlichen/dp/3738639012" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gebärneid</a> zu kompensieren, ein monotheistischer Gott, der die Mütter nicht mehr braucht und der sich jede aufwändige Entführung oder Brautwerbung &#8211; beides führt zu Patrilinearität &#8211; sparen kann. He Jiankui schwingt sich sogar zum Schöpfer einer neuen Rasse auf. Er, der Urvater zweier Urmütter: Das ist größenwahnsinnige patriarchale Mythologie at its best! Eingefleischte Patriarchen tun nicht nur verrückte Sachen, sie SIND verrückt und sie sind Frauenhasser, die in eine Klinik gehören und nicht in verantwortungsvolle Positionen.</p>
<p>Es ist offensichtlich, wie sehr der Umgang mit Frauen und Kindern &#8211; ja der ganzen Menschheit &#8211; vom Geist der Tierzucht geprägt ist, und dies nicht nur in der Hirtentheologie. Nana und Lulu stehen auch stellvertretend für die ganze Menschheit, die sowieso schon lange gezüchtet wird, seit die <em>female choice</em> vor 8000 Jahren von Männern mit dem Dogma der Monogamie außer Kraft gesetzt wurde. Der Versuch der „Selbstoptimierung“ der Menschheit ist schon im Ansatz schiefgegangen: Patriarchat bringt Überbevölkerung wie bei einer Schafherde, die immer unnatürlich groß ist. Es verursacht seit seinem Beginn Krieg, Umweltzerstörung sowie Epidemien und typische Krankheiten wie Psychopathie, Narzissmus, Machiavellismus u.a.. Aber anstatt, dass das analysiert und abgestellt wird, anstatt dass endlich das Vaterrecht als ursächlich unglückbringend entlarvt wird, wird an den Symptomen herumgebastelt. Daher wird es grundsätzlich von einer Mehrheit der Wissenschaftler nicht infrage gestellt, Manipulationen am Erbgut von Lebewesen vorzunehmen, wie Dr. Kiran Musunuru von der University of Pennsylvania, der im folgenden Video sagt, dass es noch zu früh sei für den Menschenversuch, es gäbe noch zu viele Risiken und zu wenig Nutzen.<a href="#_ftn17" name="_ftnref17">[17]</a></p>
<p><iframe class="youtube-player" width="1080" height="608" src="https://www.youtube.com/embed/C9V3mqswbv0?version=3&#038;rel=1&#038;showsearch=0&#038;showinfo=1&#038;iv_load_policy=1&#038;fs=1&#038;hl=de-DE&#038;autohide=2&#038;wmode=transparent" allowfullscreen="true" style="border:0;" sandbox="allow-scripts allow-same-origin allow-popups allow-presentation allow-popups-to-escape-sandbox"></iframe></p>
<p>He Jiankui, den wir oben im Vorschaubild des Videos sehen, sieht das anders, für diesen narzisstischen Psychopathen ist der Nutzen unmittelbar.</p>
<p>Auch für Patrilinearität musste einst ein unmittelbarer Nutzen her, nämlich die Viehzucht, aber bis heute überwiegen die Nachteile für Tier UND Mensch, und dabei wird es bleiben. Trotzdem tut sich nichts, weil kaum jemand weiß, dass das Patriarchat nicht unsere natürliche Lebensweise ist. <a href="https://www.amazon.de/Gott-Monat-mütterlichen-Gebärfähigkeit-männlichen/dp/3738639012" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Es lebt daher das Dogma, das Männer zu gebärenden Göttern zu machen versucht.</a></p>
<p>Der Erforschung der Natur folgt im Patriarchat unweigerlich erst ihre Dienstbarmachung und dann ihre Zerstörung. Jede Manipulation der Natur, jede technologische Erfindung schafft früher oder später neue Probleme. Daher müssen wir unseren Kulturoptimismus begraben. Auch die Natur schlägt immer wieder zurück, z.B. mit Naturkatastrophen und Krankheiten. Patriarchen müssen die Natur als Verschwörung gegen sich und ihr System wahrnehmen. Schon die Mythologie des Altertums wimmelt von Dämonisierungen der Mutter Natur, die zu ermorden sei. Die Mutter ist zum universellen Feindbild geworden und ist zu eliminieren. Dabei ist die Existenz der Menschheit nichts anderes als ein Ergebnis der friedlich waltenden Evolution, eben der Natur. Etwa 291.800 Jahre lang war die Menschheit nicht von sich selbst bedroht, bis zu dem Zeitpunkt vor ca. 8200 Jahren (sog. Misox-Schwankung des Klimas) als die ersten Patriarchen, die mit den ersten Viehzüchtern identisch sind, auf den Plan traten.</p>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2018/12/saint_michael_and_the_dragon.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1665" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2018/12/saint_michael_and_the_dragon.jpg?resize=516%2C534&#038;ssl=1" alt="Der Erzengel Michael tötet die Urmutter in Gestalt des Drachen" width="516" height="534" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2018/12/saint_michael_and_the_dragon.jpg?w=516&amp;ssl=1 516w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2018/12/saint_michael_and_the_dragon.jpg?resize=290%2C300&amp;ssl=1 290w" sizes="(max-width: 516px) 100vw, 516px" /></a><br />
Im Bild: Der Erzengel Michael tötet die Urmutter in Gestalt des Drachen.<br />
Unbekannter spanischer Maler &#8211; Metropolitan Museum NY, Gemeinfrei.</p>
<p>Das Patriarchat besteht seitdem &#8211; im Grunde wie der IS &#8211; aus einer Unzahl von Einzeltätern (Frauen sind wie immer mitgemeint), nur wenige treten nach außen als ihre Vertreter auf. Aber da das Patriarchat nicht als Terrororganisation gilt, obwohl es das ist, hält jeder Einzeltäter als Buhmann hin, und deckt somit das System dahinter.</p>
<p>Aber ja, es ist eine besonders perfide Verschwörung, die da im Gange ist, das Patriarchat. Aber das Endziel ist noch nicht erreicht, denn immer noch braucht es Frauen, die Kinder gebären. An der <a href="https://www.sueddeutsche.de/wissen/geburtsmedizin-laemmer-wachsen-in-kuenstlicher-gebaermutter-1.3477748" target="_blank" rel="noopener noreferrer">künstlichen Gebärmutter</a> wird allerdings auch schon gearbeitet. Es geht immer noch schlimmer!</p>
<p>Die Ethik hat sich selbst als Legitimationsapparat des Patriarchats entlarvt. Als Skandal gilt, dass Gesetze übertreten werden. Was Menschenwürde ist, was Menschenrechte sind, wurde vergessen. Der Zuchtwahn gilt als ethisch vertretbar, wenn die Kosten-Nutzen-Abwägung stimmt. Das Patriarchat ist sogar so größenwahnsinnig, dass es die Kosten bis in alle Ewigkeit einschätzen zu können glaubt.<br />
Haben wir denn die Menschenversuche der Nazis vergessen?  Besteht rückblickend ihr Verbrechen nur darin, keine Ethikkommission befragt zu haben?</p>
<p>Das Naturrecht der Frau wird mit Füßen getreten, und damit dann auch das Naturrecht der Menschheit. Das ist kein Skandal, sondern eine Katastrophe von apokalyptischem Ausmaß.</p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>N.N.: Genschere bei Menschen: Wissenschaftlerprotest in China gegen Versuch mit Zwillingsmädchen. Aus: FAZ online. <a href="http://www.faz.net/aktuell/wissen/crispr-erstmals-genetisch-veraenderte-babys-in-china-geboren-15909650.html">http://www.faz.net/aktuell/wissen/crispr-erstmals-genetisch-veraenderte-babys-in-china-geboren-15909650.html</a>, abgerufen am 2.12.2018</p>
<p>Taupitz, Jochen: Genveränderte Babys : „Ein unnötiger Skandal“. Aus: FAZ online. http://www.faz.net/aktuell/wissen/genveraenderte-babys-ein-unnoetiger-skandal-15911623.html, 27.11.2018, abgerufen am 2.12.2018</p>
<p>Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat. Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt. Norderstedt 2015</p>
<p><strong>Fußnoten:</strong></p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Zitiert nach AP 2018, <a href="https://youtu.be/C9V3mqswbv0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://youtu.be/C9V3mqswbv0</a></p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Zitiert nach N.N. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> N.N. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a> Zitiert nach N.N. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref5" name="_ftn5">[5]</a> Zitiert nach N.N. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref6" name="_ftn6">[6]</a> Zitiert nach N.N. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref7" name="_ftn7">[7]</a> Zitiert nach N.N. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref8" name="_ftn8">[8]</a> N.N. 2018, 2. Internationale Tagung ‚Human Genome Editing’ am 27.-29.11.2018 <a href="http://www.nationalacademies.org/gene-editing/2nd_summit/index.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.nationalacademies.org/gene-editing/2nd_summit/index.htm</a></p>
<p><a href="#_ftnref9" name="_ftn9">[9]</a> Zitiert nach N.N. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref10" name="_ftn10">[10]</a> Zitiert nach Taupitz 2018</p>
<p><a href="#_ftnref11" name="_ftn11">[11]</a> Taupitz 2018</p>
<p><a href="#_ftnref12" name="_ftn12">[12]</a> Taupitz 2018</p>
<p><a href="#_ftnref13" name="_ftn13">[13]</a> Zitiert nach N.N. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref14" name="_ftn14">[14]</a> N.N. 2018</p>
<p><a href="#_ftnref15" name="_ftn15">[15]</a> Taupitz 2018</p>
<p><a href="#_ftnref16" name="_ftn16">[16]</a> Vgl. Georg Reischel <a href="https://konzept-der-vaterschaft.blogspot.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://konzept-der-vaterschaft.blogspot.com/</a></p>
<p><a href="#_ftnref17" name="_ftn17">[17]</a> Vgl. AP 2018, <a href="https://youtu.be/C9V3mqswbv0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://youtu.be/C9V3mqswbv0</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/ein-akt-tiefster-frauenverachtung-der-vorgeburtliche-missbrauch-des-he-jiankui-und-die-bewertung-durch-sog-ethik-experten">Ein Akt tiefster Frauenverachtung. Der vorgeburtliche Missbrauch des He Jiankui und die Bewertung durch sog. Ethik-Experten</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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