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	<title>Gabriele Uhlmann</title>
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		<title>Buchbesprechung &#8211; Sorgerecht und väterliche Gewalt &#8211; Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht)</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/buchbesprechung-sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt-ein-plaedoyer-gegen-die-gleichwertigkeit-der-elternschaft-von-mutter-und-vater</link>
		
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		<pubDate>Fri, 29 May 2026 13:25:37 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Cover: Sorgerecht und väterliche Gewalt &#8211; Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht) von Ilka Schnaars erschienen 2025 im Christel Göttert Verlag...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/buchbesprechung-sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt-ein-plaedoyer-gegen-die-gleichwertigkeit-der-elternschaft-von-mutter-und-vater">Buchbesprechung &#8211; Sorgerecht und väterliche Gewalt &#8211; Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/381d97b9871e447cbd1ef5d080caae60" alt="" width="1" height="1" /><br />
<img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-5284" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2026/04/Sorgerecht_Schnaars_Cover_500.png?w=200&#038;ssl=1" alt=""  /><br />
<span style="font-size: 12px;">Cover: Sorgerecht und väterliche Gewalt &#8211; Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht) von Ilka Schnaars <a href="https://www.christel-goettert-verlag.de/produkt/sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt/" target="_blank" rel="noopener">erschienen 2025 im Christel Göttert Verlag</a></span></p>
<p><strong>&#8222;Das Kind braucht keine Mutter, solange es einen Vater hat&#8220;</strong>.</p>
<p><strong>Diese Überzeugung ist nicht nur die der Leihmutterschaftsindustrie, der Erfinder der künstlichen Gebärmutter oder der Vaterrechtler. Sie ist im Kern die Haltung des Bundesverfassungsgerichtes (BVerfG), das im Jahre 2010 ein dementsprechend wirksames Urteil sprach, das für die Familiengesetzgebung wegweisend wurde. Zu dieser bedrückenden und zugleich wachrüttelnden Bilanz kommt die Juristin und Sozialpädagogin Ilka Schnaars, die mit ihren Fragen an das BVerfG eine nachhaltige Wende im gegenwärtigen Denken über das Elternrecht anmahnt.</strong></p>
<p>Die völlige Verdrehung der Tatsachen &#8211; als sei es die Mutter, die zu viel Macht habe und ihrem Kinde schade &#8211; ermöglichte es moralisch, den Vater als von den Gesetzen diskriminiert hinzustellen. In dieser Moral, so legt es Ilka Schnaars frei, hat sich das BVerfG von einem vorangegangenen Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) überzeugen lassen, nämlich, dass die Ungleichbehandlung von nichtehelichen und ehelichen Vätern eben jene Diskriminierung darstelle, und ihm im Namen der Gleichberechtigung auch gleiches Elternrecht zuzugestehen sei. Diese Haltung folgt der Überzeugung von der Richtigkeit der völligen Gleichbehandlung generell von Müttern und Vätern, welche wiederum von der verfassungsgemäßen Gleichbehandlung von Frauen und Männern abgeleitet wurde. War das Urteil nicht eine nicht zu beanstandende, ja sogar überfällige Herstellung von Gerechtigkeit? Ilka Schnaars zeigt, wie schädlich es sich in Wirklichkeit für Mutter und Kind ausgewirkt hat. Die verheerenden Folgen beweisen: es handelte sich um einen Kurzschlussgedanken, der sogar zum Fremdschämen ist. Denn ein Vater ist nicht einfach nur ein Mann mit Kind und eine Mutter ist nicht einfach nur eine Frau mit Kind. Die Differenzierung mag vordergründig fein oder gar belanglos für die Gleichberechtigung sein, doch in der Realität hat ihre Entdifferenzierung nicht nur für die betroffenen, alleinerziehenden Mütter und Kinder verheerende Konsequenzen, sondern für alle Mütter und Kinder, und damit auch perspektivisch für alle Frauen.</p>
<h2 id="leichtfertig-positives-vaterbild-des-bverfg">Das leichtfertig positive Vaterbild des Bundesverfassungsgerichts</h2>
<p>Mutter und Vater kommen auf völlig unterschiedliche Weise zu ihrem Eltern-Status: die Mutter durch die Geburt, der Vater durch das Gesetz. Blind für diese Realität, die nach Auffassung von Ilka Schnaars zu einer rechtlich ungleichen Gewichtung der juristischen Bewertung der Elternschaft von Mutter und Vater führen müsste, und auch blind für die zunehmende oft tödlich endende Gewalt der Väter gegenüber Müttern und Kindern ist das BVerfG dabei von einem ausschließlich positiven Vaterbild geleitet, von der Überzeugung der unendlichen Güte des Vaters und der vollkommenen Redlichkeit seiner Absichten, die er auf der Basis des Vaterrechtes ausüben können muss. Wer es nicht glauben will, Ilka Schnaars präsentiert die entsprechenden Gesetzeskommentare, die einen fassungslos zurücklassen.<br />
Der einfältige Vater-Mythos, der auch dem sog. Neuen Vater den Weg bereitet hatte, wurde niemals im großen Stil von der Realität bestätigt, und wird es auch niemals werden können. Was den Wenigsten nämlich bewusst ist, ist die Tatsache, dass die Institution der Vaterschaft allein auf der Macht über die Frauen beruht, wobei Männer Frauen zwingen müssen, sich ihnen unterzuordnen und anzupassen, damit sie von ihrer Vaterschaft überhaupt erfahren. Oberflächlich passiert das im Rechtsstaat nicht mit Gewalt, sondern mit der Gewalt des Gesetzes und der patriarchalen Tradition seit der unnatürlichen Entstehung des Patriarchats.<br />
Im Moment der Zerrüttung der Partnerschaft auf Augenhöhe erst wird die Gewalt spürbar und sichtbar. Keine Frau kann wissen, zu was sich der &#8222;Märchenprinz&#8220; und spätere Vater ihrer Kinder einmal entpuppt, sollte die Beziehung in Schieflage geraten. Die meisten Frauen schlagen im Namen der Romantik alle Warnungen in den Wind, ein traditionell erwartetes Verhalten, dass den Vätern, denen sie sich mit der Bekanntgabe der Vaterschaft ausliefern, in die Hände spielt.</p>
<p>Dass Frauen in der frühen Bundesrepublik auf Drängen des wachsenden Feminismus immer weiter von vaterrechtlichen Diskriminierungen und Unterdrückungsmechanismen befreit wurden, und wie dies nun zurückgedreht wurde, ist ein wichtiger Bestandteil der Recherchen zu diesem Buch, zeigen sie doch, dass wir schon einmal weiter waren und die neue Gesetzgebung zum Sorgerecht nicht auf der Basis von Unwissenheit oder gar einer deutlichen Besserung der Väter entstanden ist. Die von Ilka Schnaars gezeigten Folgen bestätigen nun auf drastische Weise die ununterbrochene Notwendigkeit der differenzierten Sicht auf Mutter und Vater.</p>
<h2 id="die-guten-gruende-der-muetter">Die guten Gründe der Mütter werden ignoriert und kriminalisiert</h2>
<p>Nicht nur alle Frauen, die ohne den Vater für ihr Kind sorgen wollen, &#8211; weil sie ihn z.B. kaum kennen oder weil er gewalttätig ist, &#8211; haben ihre guten Gründe, ein gemeinsames Sorgerecht abzulehnen. Daran muss Ilka Schnaars wiederholt erinnern, denn offenbar darf es nicht sein, dass Mütter Gründe haben; diesen Eindruck gewinnt man, wenn man die Gesetzesartikel im Vorher und Nachher vergleicht. Auch die Mütter, die sich einst entschieden hatten, mit dem Vater ihres Kindes zu leben, haben immer gute Gründe, wenn sie dem Vater keinen Anteil am Sorgerecht überlassen. Trotzdem sind Frauen, die das gemeinsame Sorgerecht ablehnen, eine sehr kleine Gruppe, wie Ilka Schnaars es ebenso betont, Boshaftigkeit ist kein Motiv für Frauen, dem Vater das Kind &#8222;vorzuenthalten&#8220;. Es wirkt vor allem der gesellschaftliche Druck, dass Mütter die Väter ins Boot holen, den sie selbst als &#8222;freien Willen&#8220; wahrnehmen. Man könnte zwar meinen, dass Menschen im 21. Jahrhundert sich einig darüber sind, dass keine Frau gezwungen sein sollte, mit einem Mann zusammenzuleben oder mit ihm Abmachungen über ihr Kind treffen zu müssen, wenn sie mit ihm nichts zu tun haben will. Dies kann sich auch nur nachteilig auf das Kind auswirken, das ist sogar juristischer Konsens. Aber ausgerechnet der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ist da aber anderer Meinung. Die Interessen und Rechte der Mutter sind demnach zweitrangig bis bedeutungslos. So sieht es nun auch das BVerfG und wähnt deshalb das Kindeswohl von der Mutter unabhängig, aber &#8211; und das ist bezeichnend &#8211; vom Vater unbedingt abhängig.<br />
Daher sind es nun auch die Familiengesetze selbst, die Druck auf die Mütter ausüben und daher die besten Gründe liefern, den Kindsvater niemals bekannt zu geben. Dies ist eine Schlussfolgerung, die übrigens immer mehr Frauen ziehen.</p>
<h2 id="blinder-fleck-des-egmr">Der blinde Fleck des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte</h2>
<p>Wie konnte es dazu kommen, dass der EGMR eine solche Haltung eingenommen hat, wohlbemerkt im 21. Jahrhundert? Ilka Schnaars entdeckte den fatalen Fehler im Dickicht der Geschichte dieser Familiengesetzgebung, den man nur mit unendlich viel Wohlwollen als &#8222;Denkfehler&#8220; bezeichnen kann. Sicher nicht nur auf Drängen von Vaterrechtlern wurden beide Augen zugedrückt. Schon Jahre zuvor, Ende 1997 hatte der Gesetzgeber eheliche mit nicht ehelichen Kindern gleichgesetzt, ein tatsächlich überfälliger Schritt, der von einer großen Mehrheit bis heute getragen wird, und uneheliche Kinder aus der Stigmatisierung holte. Der Gesetzgeber beließ &#8211; und das ist entscheidend &#8211; die Pflicht der Gegenseitigkeit der Sorge der Eltern aber exklusiv in der Ehe. Daher sind unverheiratete Eltern nur dem Kind gegenüber verpflichtet. Auf die große Bedeutung dieses Details, das der EGMR einfach &#8222;übersehen&#8220; hat, nagelt Ilka Schnaars das BVerfG mit ihren Fragen fest. Bekanntermaßen hat die unverheiratete Mutter für mindestens drei Jahre Anspruch auf den sog. Betreuungsunterhalt, weitere Ansprüche hat sie aber nicht. Die Ehe war deshalb lange ein besonderer Schutzraum, der derjenigen Mutter lebenslang finanzielle Sicherheit gewährte, die einen Mann zum sog. Familienvater machte. Jedoch wurde dieser Schutz wieder eingedampft, angefangen beim 2008 weitgehend gestrichenen Unterhalt nach einer Scheidung. Mit dem Urteil des BVerfG 2010 wurde die Bedeutung der Ehe für die Elternschaft marginalisiert und damit auch der Schutzraum der alleinerziehenden, also nicht verheirateten Mütter, so paradox es klingen mag. Denn nach der alten Gesetzeslage schützte sie ihre Nicht-Heirat vor dem Zugriff des Vaters auf ihr Kind und damit auf sie. Der Kindsvater kann seit der Entscheidung des BVerfG 2010 in jeder Konstellation Macht über Mutter und Kind ausüben, wo er vorher von der Eheschließung oder der Entscheidung der unverheirateten Mutter abhängig war. Dass das Vaterrecht Gewalt gegen die Mutter ist, wird dabei offensichtlich.</p>
<h2 id="sorgerecht-ist-institutionelle-gewalt">Das deutsche Sorgerecht ist Institutionelle Gewalt</h2>
<p>Mit dem Urteil setzte eine in der Bundesrepublik beispiellose Flut an Prozessen gegen Mütter ein, die nun nicht mehr verhindern können, dass ihnen der nichteheliche Vater das Sorgerecht vollständig entziehen kann, dies ohne, dass er dafür nachweisen muss, dass das Kindeswohl durch das alleinige Sorgerecht der Mutter in Gefahr sei. Ilka Schnaars hat aufgedeckt, wie es passieren konnte, dass diese neue und zugleich ewig gestrige Gewalt durch „Vater Staat“ &#8211; der Fachbegriff ist &#8222;institutionelle Gewalt&#8220; &#8211; zur alltäglichen Gewalt und Trennungsgewalt der Väter, die bekanntermaßen bis zum Femizid reichen kann, hinzutreten konnte. Sie beweist, wie das BVerfG selbst mit seinem Urteil das Grundgesetz, nach welchem die Mutter eigentlich besonderen Schutz genießt, konterkariert. Möglich war dies nur, weil es alle überdeutlichen Stoppzeichen und warnenden Expertisen einfach übersehen durfte.</p>
<blockquote><p>&#8222;Der Schutz, den Mütter gemäß Art. 6 Abs. 4 GG erfahren sollten, wird ihnen nicht gewährt, wenn die Gewalt vom Staat ausgeht, der die Interessen der Väter umsetzen will, statt die Mütter vor Übergriffen zu schützen&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup></blockquote>
<p>Deutlicher kann man es nicht sagen. Das Bundesverfassungsgericht als Hauptadressat des Buches wird daher nochmals auf der Basis wohlbekannter Studien daran erinnert, wie das Kindeswohl gefährdet wird, wenn das Wohl der Mutter aus dem Blickfeld gerät.</p>
<h2 id="kriminalisierung-verbrieften-rechts">Die Kriminalisierung der mütterlichen Ausübung ihres verbrieften Rechts</h2>
<p>Dass Mütter gute Gründe haben, dem Kindsvater das Sorgerecht vorzuenthalten und dies nichts mit &#8222;Macht&#8220; und &#8222;Dominanzverhalten&#8220; zu tun hat, lässt sich &#8211; das ist das bedrückende dabei &#8211; mit eben jenen Umfragen beweisen, die seinerzeit das Bundesjustizministerium (BMJ) in Auftrag gab, um das Verhalten von Müttern zu untersuchen, die das Sorgerecht nicht mit dem Kindsvater teilen wollen. Dabei ging es offenbar nicht um Verständnis, sondern um die Findung von Ansatzpunkten, wie die Gründe der Mütter entwertet werden können. Die Ergebnisse wurden vom BMJ dazu einfach von den Füßen auf den Kopf gestellt, und lieferten dem Gesetzgeber und den Vätervereinen das gewünschte Argument, die Entrechtung und, ja, letztlich die Versklavung der Mütter zu fordern und zu rechtfertigen. Blind für die Gewalterfahrungen von Müttern unterstellen auch das BVerfG und das BMJ den Müttern Machtgebaren, Boshaftigkeit, &#8222;Bindungsintoleranz&#8220; und eine willkürliche Entfremdungsabsicht. Mit dem Begriff der &#8222;Zustimmungsverweigerung&#8220; wird von BVerfG, BMJ und auch dem EGMR suggeriert, dass Mütter, die einfach nur von ihrem verbrieften Recht auf Verzicht<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup> des gemeinsamen Sorgerechts Gebrauch machen, eine strafbare Handlung begehen. Ihrer Empörung darüber gibt Ilka Schnaars mit ihren bohrenden Fragen an das BVerfG Raum. Auch wenn das BMJ eingeräumt hatte, dass diese Studie mit Vorsicht zu behandeln sei, verschwand diese Mahnung anschließend spurlos im Nebel der Rechtsfindungsbegründungen. Im Ergebnis darf der Vater einen Antrag auf das Sorgerecht stellen, selbst, wenn ihn die Mutter gar nicht näher kennt. Weil aus Sicht des BVerfG bisher &#8222;zu wenig&#8220; gemeinsame Sorge von den Müttern zugelassen wird, soll sich die Mutter nun mit diesem Mann einig werden, obwohl sie mit ihm gar nichts zu tun haben will.</p>
<h2 id="sorgerecht-wirkt-wie-zwangsheirat">Das Sorgerecht wirkt wie eine staatlich verordnete Zwangsheirat</h2>
<p>Es wirkt wie eine staatlich verordnete Zwangsheirat, sie sollen ein Paar werden, um ihre Elternschaft zu leben. Es ist Ilka Schnaars‘ Klarheit, mit der sie die Dinge auf den Punkt bringt, die dieses Plädoyer so überzeugend macht.<br />
Dem BVerfG war natürlich bekannt, dass schon bei der alten Gesetzgebung festgestellt wurde, dass ein Streit zwischen den Eltern dem Kindeswohl nicht zuträglich ist. Es ist schon eine Binsenweisheit, dass ein Gerichtsverfahren gegen die Mutter einen solchen Streit überhaupt erst auslöst, wenn er diesen nicht schon längst beweist. Dieser Widerspruch wurde aber vom Gesetzgeber vollständig ignoriert. Ein solches Verfahren darf nun einer Mutter, die gerade erst geboren hat, die noch stillt, zugemutet werden, ein Stress, der sich unmittelbar auch auf das Kind auswirkt. Diese empörende Behandlung von Müttern passiert im 21. Jahrhundert &#8211; auf dem Altar der Gleichberechtigung. Dass eine Mutter ihr Kind abstillen muss, damit der Vater das neue Recht auf &#8222;sein Kind&#8220; wahrnehmen kann, ist an Menschenfeindlichkeit kaum zu überbieten, und das sagt Ilka Schnaars auch in aller Deutlichkeit.<br />
Das Vaterbild des BVerfG ist &#8222;seltsam frei von Eigeninteressen der Väter&#8220;, wie sie es ausdrückt, der Vater erscheint dort als &#8222;<em>per se</em> gut&#8220;. Während nun das Bedürfnis des Vaters auf &#8222;sein Kind&#8220; oberste Priorität genießt, werden der Mutter keine eigenen Bedürfnisse mehr zugestanden. Es wird aber dem Kind ein Bedürfnis nach dem Vater angedichtet, dessen Erfüllung das sog. Kindeswohl erst herstelle. Ein Eigeninteresse der Mutter an Sicherheit und Ruhe für sich und ihr Kind ist aus Sicht des BVerfG offenbar irrelevant und schädlich. Dies steht zwar nicht explizit in den Texten, aber Ilka Schnaars schält diese versteckte Haltung meisterhaft aus ihnen heraus.</p>
<h2 id="das-primat-der-mutter-und-deren-diskriminierung">Das natürliche Primat der Mutter und deren Diskriminierung</h2>
<p>Die Autorin weist explizit darauf hin, dass selbst das heute noch geltende Recht eigentlich davon ausgeht, dass das Recht der Mutter das primäre ist, weil es auf der natürlichen Basis beruht, nämlich, dass sie es ist, die mit dem Kind schwanger ist, es gebiert, nährt und mit ihm vom Embryo an eine enge Bindung hat. Deswegen waren die nicht verheiratete Mutter und der Kindesvater folgerichtig in ihrem Elternrecht nicht gleichberechtigt. Die natürliche Abhängigkeit des Vaters von der Mutter, die damit nicht nur begründet ist, sondern sich außerhalb jeder Machtkategorie, also auch außerhalb von Diskriminierung bewegt, soll heute trotzdem unter Berufung auf Gleichberechtigung von Mann und Frau aufgehoben sein. Dabei, das ist wesentlich, wird Diskriminierung erst hergestellt, nämlich die Diskriminierung der Mutter! Das Vaterrecht ist ein juristisches Konstrukt, das sich nicht mit dem natürlichen Recht der Mutter vereinbaren lässt. Daher verletzt das geltende Familienrecht die Menschenrechte der Mutter und ist somit verfassungswidrig, das ist die logische Schlussfolgerung, die Ilka Schnaars dem BVerfG mit ihrer Analyse entgegenschleudert. Das BVerfG sollte eigentlich neutral sein, statt einseitig Vaterrechte zu vertreten, während es den grundgesetzlich zugestandenen Schutz der Mütter ignoriert, das ist der Kern des Plädoyers. Der Ausschluss des nichtehelichen Vaters vom Zugang zur elterlichen Sorge stellte nie einen schwerwiegenden Eingriff in das Elternrecht des Vaters dar.</p>
<h2 id="leihmutterschaft-versklavung-durch-sorgerecht">Leihmutterschaft und Versklavung durch das deutsche Sorgerecht</h2>
<p>Die heute geltende Gesetzgebung macht Frauen quasi zu Leihmüttern, noch deutlicher: Sklavinnen der Väter. Dieser Vergleich, den Schnaars zieht, ist zutreffend, weil Mütter heute nicht nur gegen ihren Willen, sondern sogar ohne Anhörung ihr Sorgerecht verlieren, nicht, weil sie ihrem Kind Schaden zufügen würden, sondern weil es das Familiengericht so beschließen darf, wenn der Vater einen entsprechenden Antrag stellt. Allein die Tatsache, dass sie den Kindsvater ablehnt &#8211; dies wohlbemerkt immer aus gutem Grund – wird nun häufig als Kindeswohlgefährdung wegen &#8222;Bindungsintoleranz&#8220;, so die Begriffsschöpfung der Vaterrechtler, ausgelegt. Jetzt haben Mütter keine faire Chance mehr, sich zu wehren und wie auch immer sie sich verhalten, es kann nur falsch sein: Wenn der Kindsvater einen Antrag auf Sorgerecht stellt, ist der Schaden für das Kind vorprogrammiert, entweder, weil das Kind mit Unterstützung der Mutter mit einem ihm fremden Mann eine Beziehung aufbauen muss, mit dem die Mutter spätestens mit Beginn des Prozesses zerstritten ist, oder weil es seine Mutter samt seiner Muttermilch verliert. Dies alles passiert, als wäre der Schaden, den der prozessbedingte Stress ausgerechnet in der sensibelsten Phase der Säuglingszeit anrichtet, nicht schon genug. Das Kindeswohl ist – nun wird es überdeutlich &#8211; zum Vehikel für das Vaterrecht mutiert. Im Namen des &#8222;Kindeswohls&#8220; wird das Kindeswohl <em>ad absurdum</em> geführt.<br />
Ilka Schnaars führt dazu in einem eigenen Kapitel den Nachweis, wie der Schlüsselbegriff &#8222;Kindeswohl&#8220; vorgeschoben wurde, um das reklamierte Wohl des Vaters durchzusetzen, das – der Anständige versteht jetzt – nichts als Machtgebaren und Gier ist, und das die einmal errungene Gleichberechtigung sogar rückgängig macht. Dazu erklärt sie nicht nur, was unter Kindeswohl zu verstehen ist, sondern auch, warum es vom Mutterwohl abhängt und deshalb vom Vaterrecht bedroht ist. Wie makaber das Urteil des BVerfG und die daran anschließende Familiengesetzgebung in Wirklichkeit sind, weist Ilka Schnaars am Begriff des Elternrechtes des Vaters nach, das in Beton gegossen zu sein scheint, dies, ob es ein geschriebenes Gesetz gibt oder nicht. Es begründet sich in der patriarchal geprägten Gesellschaft selbst, es ist eine Selbstreferenz, die die Natur der Mutterschaft und der exklusiven Mutter-Kind-Bindung einfach ignoriert. Es sollte klar sein, dass es kein Menschenrecht ist, ein Kind zu haben, aber es ist ein Menschenrecht, dass Mütter zum Vater ihres Kindes auf Distanz gehen können.</p>
<h2 id="rueckabwicklung-der-muetterrechte">Rückabwicklung der Mütterrechte auf dem Altar der Gleichberechtigung</h2>
<p>Schon 1968 hatte das Bundesverfassungsgericht anerkannt, dass das Elternrecht auch der Mutter des nichtehelichen Kindes zusteht. So bizarr das klingen mag, das musste tatsächlich erst einmal erkannt, erklärt und verankert werden, da &#8222;Frau und Recht offenbar eine zwielichtige Angelegenheit sind&#8220;, wie Ilka Schnaars es so treffend wie ironisch feststellt. Der alte, dem Patriarchat innewohnende Biologismus, dass das Kind dem Vater gehöre, während die Mutter nur das Gefäß seines &#8222;Samens&#8220; sei, wurde damals endlich per Gesetz entkräftet und damit dem Menschenrecht der Mutter und des Kindes nach Jahrtausenden Patriarchat Rechnung getragen. Schnaars erinnert notwendigerweise immer wieder daran, dass das BVerfG nun versucht hat, das Rad der Geschichte rückwärtszudrehen. Es zeigt sich uns auf erschreckende Weise, wie die feministische Forderung nach Gleichberechtigung von Mann und Frau jetzt gegen die Mütter gewendet wird, ein dreister Willkürakt des BVerfG, gegen den sich in großer Mehrheit die betroffenen Mütter empören, ohne dass sie gehört würden. Die Gesetzgebung beweist uns – das sollte eigentlich sowieso klar sein -, dass das Patriarchat allein durch die Gewaltherrschaft explizit der Väter über die Mütter begründet ist und nicht durch die zahllosen Auswüchse des Machismo und der Romantik, die doch nur Symptome sind, die den Motor aber am Laufen halten, solange die Frauen nicht in den Gebärstreik treten.</p>
<h2 id="Macht-durch-geschichtsvergessenheit">Macht durch aktives Vergessen weiblicher Geschichte</h2>
<p>Familiengesetzgebung ist kein &#8222;Gedöns&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup>, das zeigt sich hier wieder einmal deutlich. Da die Gruppe der alleinerziehenden Mütter bisher keine eigene Lobby hatte &#8211; leider auch nicht unter den bekannten Feministinnen &#8211; und sich entsprechende Verbände<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup> erst in den letzten Jahren formiert haben, wird es wohl noch eine Weile dauern, bis die unerträgliche Ungerechtigkeit auch von der Politik erkannt wird. Leider haben bereits einmal niedergeschriebene Erkenntnisse eine nur sehr kurze Halbwertszeit, sie werden einfach &#8222;vergessen&#8220;. Die Errungenschaften der Frauen, die Aufdeckung ihrer beklemmenden Geschichte im Patriarchat und der Kampf um die Gleichberechtigung werden vom Patriarchat durch Nichtbeachtung, Verdrehung und Instrumentalisierung wirkungslos gemacht. Sobald die Väter Rechte verlieren, die sie zusammen mit dem Patriarchat gewaltsam installiert hatten, nutzen sie die Geschichtsvergessenheit, um alles rückgängig zu machen. Ilka Schnaars wendet ihre Kritik auch gegen all diejenigen Frauen wie Männer, die behaupten, die heutige Familiengesetzgebung sei ein Schritt in Richtung Gleichberechtigung von Mann und Frau, insbesondere ein Fortschritt für die Frau. Sie zeigt auf bewegende Weise, dass das Gegenteil der Fall ist, und nicht nur sie bleibt in Fassungslosigkeit zurück, wie es möglich ist, dass Frauen für ihre eigenen Belange so blind sein können.</p>
<h2 id="wirkung">Wirkung</h2>
<p>Seit Inkrafttreten dieses menschenunwürdigen Familiengesetzes vor 13 Jahren standen Mütter hilflos da, wenn sie zu verstehen versuchten, was ihnen und ihrem Kind da angetan wird &#8211; wie es sein kann, dass Unrecht zu Recht erklärt wurde. Ilka Schnaars bringt jetzt &#8211; als erste Autorin überhaupt &#8211; Licht in den Nebel der Rechtsverdrehung und erklärt Schritt für Schritt, wie es dazu kommen konnte: Mit Feststellungen, die plötzlich nicht mehr galten, mit Aberkennung der Selbstbestimmung der Mutter und ihrer diskriminierenden Diffamierung durch das BVerfG selbst, sowie durch schrittweise Marginalisierung des Schutzes der unverheirateten Mütter, die schon einmal in der Geschichte der Bundesrepublik durch ihr alleiniges Sorgerecht frei waren.</p>
<p>So bedrückend die Fakten auch sind, Ilka Schnaars leitet sicher und verständlich durch den Dschungel der Rechtsentwicklung, die die so empörende Ignoranz des Bundesverfassungsgerichtes und des Gesetzgebers zur Schau stellt. Menschlich integer und mit einer gehörigen Prise Galgenhumor spricht sie aus, was einem dabei unweigerlich durch den Kopf geht. Das Buch ist nicht nur eine Botschaft an das BVerfG, ein dringendes Plädoyer, sondern es ist so spannend zu lesen wie ein Thriller, der leider keine raffinierte Fiktion ist, sondern ungeschminkt die gesetzgeberische Willkür und die dadurch entstandene, täglich erlittene Realität darstellt.</p>
<p><strong>Sorgerecht und väterliche Gewalt &#8211; Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht) von Ilka Schnaars <a href="https://www.christel-goettert-verlag.de/produkt/sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt/" target="_blank" rel="noopener">erschienen 2025 im Christel Göttert Verlag</a></strong></p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-5284" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2026/04/Sorgerecht_Schnaars_Cover_500.png?w=200&#038;ssl=1" alt=""  /></p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Schnaars 2025, S. 299</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zum fragwürdigen Begriff des &#8222;Verzichts&#8220; schreibt Ilka Schnaars in privater Korrespondenz: &#8222;Sie verzichtet damit auf Unterstützung&#8220;.</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;wie es Gerhard Schröder nach seiner Wahl zum niedersächsischen Ministerpräsidenten einmal ausdrückte</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;z.B. Die MIAs <a href="https://die-mias.de/" target="_blank" rel="noopener">https://die-mias.de/</a></div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/buchbesprechung-sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt-ein-plaedoyer-gegen-die-gleichwertigkeit-der-elternschaft-von-mutter-und-vater">Buchbesprechung &#8211; Sorgerecht und väterliche Gewalt &#8211; Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht)</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Einführung in die Patriarchatsforschung &#8211; ein Videokurs</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/einfuehrung-in-die-patriarchatsforschung-ein-videokurs</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Jan 2026 18:13:45 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Einführung in die Patriarchatsforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Großmutterhypothese]]></category>
		<category><![CDATA[Jana Eva Ritzen]]></category>
		<category><![CDATA[Mutterwunde]]></category>
		<category><![CDATA[Narzissmus]]></category>
		<category><![CDATA[online-kurs Patriarchatsforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Patriarchatsforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jana Eva Ritzen spricht mit Gabriele Uhlmann über&#8230; &#8230;die Patriarchalisierung, das Patriarchat und was davor war. Zum Kurs &#8222;Einführung in die Patriarchatsforschung&#8220; gelangen Sie über diesen Link. Mit dem Klick...</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2026/06/kurs_bis_8-8-26.jpeg?w=300&#038;ssl=1" alt="Kurs: Einführung in die Patriarchatsforschung"  /></p>
<p><span style="font-size: 18pt;"><strong>Jana Eva Ritzen spricht mit Gabriele Uhlmann über&#8230;</strong></span></p>
<p><span style="font-size: 18pt;">&#8230;die Patriarchalisierung, das Patriarchat und was davor war.</span></p>
<p>Zum Kurs &#8222;Einführung in die Patriarchatsforschung&#8220; gelangen Sie über diesen <a href="https://www.digistore24.com/redir/635651/guhlmann494" target="_blank" rel="noopener">Link</a>. Mit dem Klick auf diesen Link verlassen Sie meine Website (<a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/impressum-datenschutz#disclaimer">mein Disclaimer</a>) und gelangen zu Jana Eva Ritzens Website.</p>
<p><strong>Der Kurs ist kostenpflichtig. Vom 24.07.-08.08.2026 wird jedes Gespräch einzeln freigeschaltet und steht jeweils 48 Stunden zur Verfügung. Wer das Angebot nutzen möchte, muss daher bis zum 24.07., 17:30 Uhr gebucht haben. Danach ist nur noch das Gesamtpaket erhältlich.</strong></p>
<p>Inhalt der Gespräche:</p>
<div class="wrapper">
<ul id="liste2">
<li><em>Female Choice &#8211; Die verdrängte Grundlage von Vertrauen, Bindung und Gewaltfreiheit</em></li>
<li><em>Matrifokalität &#8211; Warum mütterzentrierte Systeme patriarchale Macht unmöglich machten</em></li>
<li><em>Entstehung des Patriarchats</em></li>
<li><em>Religion als Machtinstrument</em></li>
<li><em>Matrifokalität heute &#8211; … und warum ihr Fortbestehen bis heute als Bedrohung gilt</em></li>
<li><em>Patriarchat heute &#8211; subtiler, globaler, psychologisch raffinierter</em></li>
<li><em>Biologie als Machtinstrument</em></li>
<li>Bonus 1: <em>Ist unsere Gesellschaft narzisstisch?</em></li>
<li>Bonus 2: <em>Die Großmutter(hypo)these</em></li>
</ul>
</div>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Großmutter-Hypothese? Großmutter-These!</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/grossmutter-hypothese-grossmutter-these</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Oct 2025 12:58:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Anthropologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bild: &#8222;Großmutter und Enkelin&#8220; Ausschnitt aus einem Holzstich von Ludwig Richter (1803-1864) Die Entdeckung der evolutionären Rolle der Großmutter Der Sinn der Menopause sei, dass Mütter schneller wieder schwanger werden...</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bild: &#8222;Großmutter und Enkelin&#8220; Ausschnitt aus einem Holzstich von Ludwig Richter (1803-1864)<img decoding="async" style="display: none !important;" src="https://vg01.met.vgwort.de/na/ac227f65dc774c44a0a2c636ffe53a47" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h2 id="die-entdeckung-der-evolutionaeren-rolle-der-großmutter">Die Entdeckung der evolutionären Rolle der Großmutter</h2>
<p>Der Sinn der Menopause sei, dass Mütter schneller wieder schwanger werden können, wenn ihnen post-menopausale Frauen bei der Kinderpflege helfen. Dies war im Jahre 1998 die zentrale Aussage der Anthropologin Kristen Hawkes, die als Begründerin der Großmutter-Hypothese bekannt wurde. Auf diesen Gedanken kam sie bei Untersuchungen an dem Wildbeuter-Volk der Hazda in Tansania. Hawkes folgte damit der Auffassung, dass der evolutionäre Erfolg einer Art von der Zahl ihrer Nachkommen abhängt. Mit ihrer Hypothese<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup> erregte Hawkes im Jahre 2004 zwar Aufmerksamkeit, es kamen aber schnell Zweifel auf, denn es gibt artübergreifend neben einer hohen Populationsgröße auch andere Überlebensstrategien. Es hat sich insbesondere für uns Menschen gezeigt, dass eine hohe Kinderzahl sogar belastend ist und zu einer weltweiten Überbevölkerung geführt hat. Der Verdienst für die Wissenschaft besteht nun rückblickend vor allem darin, dass Hawkes das Thema als Erste aufs Tapet brachte und andere ForscherInnen inspirierte, daran weiterzuforschen.</p>
<h2 id="warum-gibt-es-die-grossmutter">Warum gibt es die Großmutter?</h2>
<p>Im Jahre 2003 fragten Jan Beise und Eckard Voland erneut „Warum gibt es Großmütter?“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup> und überprüften die Hypothese anhand von Kirchenbüchern aus dem 19. Jh. von der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Krummh%C3%B6rn" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Halbinsel Krummhörn</a>. Sie fanden überraschenderweise eine erhöhte Kindersterblichkeit, wenn die väterliche Großmutter mit im Hause lebte, salopp gesagt, wenn die Mutter ihre Schwiegermutter am Halse hatte. Die Sterblichkeit war sogar noch höher, als wenn keine der beiden Großmütter mit im Hause wohnte. Die geringste Sterblichkeit war also gegeben, wenn nur die mütterliche Großmutter bei der Kinderpflege mithalf. Damit wurde deutlich, dass es nicht egal ist, welche Großmutter mit im Hause lebt. Die Anwesenheit der mütterlichen Großmutter hat einen positiven Effekt auf das Überleben ihrer Enkelkinder. Das ist der wahre evolutionäre Grund für die Menopause. Kristen Hawkes These musste in dieser Weise modifziert werden und bekam nun politische Relevanz.</p>
<p>Die korrigierte Großmutter-Hypothese führte weiter ein Schattendasein, weil die Evolutionsbiologie &#8211; wie wir noch sehen werden &#8211; sich nicht von der Vorstellung trennen wollte, dass die Schwiegermutter den Fortpflanzungserfolg erhöhe, dies eingedenk der zunehmenden Überbevölkerung. Die großmütterliche Leistung war und ist den „Herren der Schöpfung“ suspekt, zumal der Großvater nun außen vor bleibt. So sehr die Herrschende Lehre die Großmutter-Hypothese zu ignorieren sucht, so groß sind aber auch die Zweifel an der Richtigkeit der positiven Bewertung der Schwiegermutter. Daher werden immer wieder Studien aufgelegt, die den Zusammenhang von Mutter, Großmüttern und Enkelkindern untersuchen.</p>
<h2 id="warum-gibt-es-die-Schwiegermutter">Warum gibt es die Schwiegermutter?</h2>
<p>Die Frage muss nun zu vorderst lauten, warum es die Schwiegermutter gibt, wenn sie doch so schädlichen Einfluss auf ihre Enkelkinder ausübt. Denn die Evolution selektiert nichts im großen Stil, was dem Nachwuchs auch nur ansatzweise schaden könnte. Das wäre ja das Ende aller Arten. Die Anwesenheit der Schwiegermutter deutet daraufhin, dass jemand in die Evolution eingegriffen hat, ohne die weitreichenden Folgen erahnen zu können. Und sie ist ein Anzeichen, dass es mit unserer Art zu Ende geht, trotz und wegen der Überbevölkerung.</p>
<p>Eine Antwort auf die Frage kann nur die unabhängige, interdisziplinäre Patriarchatsforschung liefern, denn sie allein stellt bisher die Natürlichkeit der Schwiegermutter infrage, gerade WEIL diese so einen negativen Einfluss ausübt: Die Existenz der Schwiegermutter ist an die Ehe gebunden und sie war seit dieser Erfindung sogar DIE Garantin für das Funktionieren der stets patriarchalen Familie, denn sie ersetzte die seitdem ausgeschlossene Großmutter mütterlicherseits sowie alle anderen Angehörigen der Mutter. Sie war nie ein Tausendsassa, sondern hat seit jeher nur ein Ziel: Die Sicherstellung der Vaterschaft ihrer Söhne. Ohne die Kenntnis seiner genetischen Kinder kann kein Vater Macht über sie ausüben und auch nicht über andere. Die Herrschaft der Väter, das Patriarchat, muss daher die Mutter regelrecht gefangen nehmen. Zu Recht wird vom Gefängnis der Ehe gesprochen.<br />
Aufseherin war von Beginn an die Schwiegermutter, die sich im Alltag an der sexuellen Kontrolle der jungen Ehefrau, die sie eigentlich als Eindringling wahrnahm, beteiligte, und die sie misstrauisch beäugte. In dieser <strong>Patrilokalität</strong> genannten Zwangslage lebten alle Frauen noch bis vor 100 Jahren, besonders wenn ihre Ehemänner noch Bauern geblieben waren. Das war aber nicht immer so. Diese Lebensweise kam zuerst bei den viehnomadischen Völkern auf, sie haben sie gewaltsam über die Welt verbreitet und bis heute erhalten.</p>
<p>In der Situation der Patrilokalität waren bzw. sind die jungen Mütter den sexuellen Ansprüchen des Ehemannes schutzlos ausgeliefert. Die Ehefrau und Mutter hat ihren Körper zur Verfügung zu stellen, im Gegenzug wird sie mitversorgt. Ein gutes Leben hat sie nicht. Einerseits hat sie häufig Konkurrenz von Nebenfrauen, andererseits ist sie nur geduldet, weil es ohne sie nun mal nicht geht. Die Schwiegermutter versucht, ihre Schwiegertochter, die oft schon mit der Menarche verheiratet wurde, zu erziehen bzw. ihr ihre Kultur aufzuzwingen. Die von vorne herein gestörte Beziehung der beiden führt zu enormem Stress der jungen Mutter und auch deren Kinder. Eine gestresste Mutter hat weniger Milch, wird häufiger krank und erleidet eher Fehlgeburten. Den Kindern geht es entsprechend schlecht. Dies bestätigt die Krummhörn-Studie. Die eheliche Verpflichtung führt zu beinahe jährlichen Geburten, vielen sterbenden Kindern und auch nicht selten zum Tod der Mutter unter der Geburt. Seit der Durchsetzung der Ehe seit grob 8000 Jahren bekommen Frauen wesentlich mehr Kinder als sie unter natürlichen Bedingungen jemals bekommen haben. Das Patriarchat ist unmittelbar für die Überbevölkerung verantwortlich. In Ländern mit hohem medizinischem Standard ist diese Nebenwirkung seit 50 Jahren durch die Pille weitgehend abgestellt. In den meisten Ländern aber ist Empfängnisverhütung unerwünscht, beleidigt sie ja die männliche Potenz.</p>
<h2 id="leben-in-matrifokalitae-unser-angeborenes-sozialverhalten">Leben in Matrifokalität &#8211; Unser angeborenes Sozialverhalten</h2>
<p>Im Gegensatz zu den patriarchalen Verhältnissen bekommt eine Mutter, die unter matrifokalen, also natürlichen Bedingungen lebt, deutlich weniger Kinder und auch nur etwa alle fünf Jahre. Die Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy fand heraus, dass Stillen nach Bedarf, also rund um die Uhr, die Ovulation hemmt.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup> Unter natürlichen Bedingungen sind kleine Kinder also eine wirksame Empfängnisverhütung, ein logischer evolutionärer Schutz der enormen Investitionen in ein Menschenkind. Die Lebensweise, unter der die <em><a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">female choice</a></em> frei gelebt wird<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>, hat auch weniger sexuellen Verkehr zur Folge<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup>. Automatisch ist damit eine konstante Bevölkerungszahl sichergestellt. Das kleine Kind hat, weil es nicht schon als Säugling von einem Geschwisterchen Konkurrenz bekommt, eine deutlich höhere Überlebenschance; im Übrigen auch die Mutter selbst. Zum Überleben trägt besonders auch die Hilfe der mütterlichen Großmutter und der Alloeltern, das sind die weiblichen und männlichen Mitglieder der matrilinearen Sippe, bei.<br />
Wie wir es aus rezenten matrifokalen Gemeinschaften wissen, verhindert die Großmutter nicht die freie Sexualität ihrer Tochter, sondern schützt und unterstützt sie bei Bedarf. So richtet z.B. die Mosuo-Mutter in ihrem Haus ein „Blumenzimmer“ ein, wo die Tochter tun und lassen kann, was sie will, und theoretisch vor unerwünschten Übergriffen geschützt ist. Übergriffe finden aufgrund der matrifokalen Sozialisation der Männer auch gar nicht statt, womit Frauen doppelt geschützt sind. Die mütterliche Großmutter verhindert damit nicht eine höhere Kinderzahl, sondern sie dient <em>female choice</em>, die, wenn sie konsequent gelebt wird, erst bewirkt, dass die mütterliche Großmutter im Hause lebt. Die Hilfe der Großmutter ist also nur ein Teilaspekt des komplexen Schutzsystems Matrifokalität, das die Herrschende Lehre bis heute nicht verstehen will. Ihre Menopause ist jedoch ein schlagendes Indiz der Matrifokalität.<br />
In matrifokalen Gemeinschaften spielen im Übrigen die äußeren Bedingungen eine größere Rolle. Während es in der Altsteinzeit der Sammler/Fischer/Jäger nur eine sehr geringe Population auf gleichbleibendem Niveau gab, ermöglichte die Erfindung der Landwirtschaft in Subsistenz einen Anstieg der Population, die dann auf einem höheren Niveau wiederum gleich blieb.</p>
<p>Sarah Blaffer Hrdy konnte die korrigierte Großmutterhypothese problemlos in ihre eigene These, veröffentlicht in ihrem Buch „Mothers and Others. Evolutionary Origins of Mutual Understanding“ (2009), deutsch „Mütter und andere. Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat“ (2010), integrieren, ja sie war eine wichtige Basis. Dieses Werk ist eine umfassende, stichhaltige Begründung und Darstellung unserer natürlichen matrifokalen Lebensweise.</p>
<h2 id="die-grossmuetterliche-geburtenkontrolle-schutz-vor-ueberbevoelkerung">Die großmütterliche Geburtenkontrolle &#8211; Schutz vor Überbevölkerung</h2>
<p>Am 27.09.2017 akzeptierte die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Royal_Society" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Royal Society</a> eine Metastudie<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup> der anthropologischen Arbeitsgruppe Susanne Huber, Patricia Zahourek und Martin Fieder von der Universität Wien mit dem Titel <a href="http://dx.doi.org/10.1098/rsos.170544" target="_blank" rel="noopener noreferrer">‚Mit der eigenen oder der Mutter des Ehemanns im Haushalt zu leben, ist mit einer geringeren Kinderzahl assoziiert: eine kulturübergreifene Analyse‘</a>. In ihrer Pressemitteilung teilte die Arbeitsgruppe der Studie (im Folgenden „Wiener Studie“) mit:</p>
<blockquote><p>„Frauen, die mit ihrer eigenen Mutter oder ihrer Schwiegermutter in einem gemeinsamen Haushalt leben, haben durchschnittlich weniger Kinder als jene, die nur mit ihrem Partner zusammenleben. Das haben evolutionäre AnthropologInnen um Martin Fieder von der Universität Wien in einer interkulturellen Analyse auf Basis von Daten von über 2,5 Millionen Frauen herausgefunden. EvolutionsbiologInnen gingen bislang vom Gegenteil aus.“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup></blockquote>
<p>Dieser Befund will auf den ersten Blick so gar nicht zur Krummhörn-Studie von Breise/Voland passen, wonach das Leben mit der Schwiegermutter die denkbar schlechteste Konstellation ist und das Leben mit der mütterlichen Großmutter die beste. Doch Vorsicht, in der Wiener Studie geht es nicht um die Überlebenchancen von geborenen Kindern, sondern lediglich um die Zahl der Geburten einer Frau. Dabei relativiert die Wiener Studie die Leistung der mütterlichen Großmutter, ja sie scheint sogar die Schwiegermutter zu rehabilitieren, indem sie sie jetzt mit der mütterlichen Großmutter auf eine Stufe stellt. Am Ende zählt nun vor allem die Quantität, und nicht welcher emotionaler und gesundheitlicher Aufwand betrieben wurde, um diese Quantität zu erreichen. Dennoch sind jetzt beide Großmütter auf der Anklagebank. Es scheint mir, als solle hier die Kernfamilie aus Vater, Mutter und Kindern propagiert werden. Und es scheint, dass die Royal Society genau dies honoriert.</p>
<p>In der Publikation der Wiener Studie wird Sarah Blaffer Hrdy &#8211; <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2016/10/14/zum-artikel-stark-als-paar-im-spektrum-der-wissenschaft-heft-april-2015/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">wie in der Vergangenheit bereits schon einmal</a> &#8211; falsch interpretiert:</p>
<blockquote><p>„Kaplan […] berechnete, dass ein Kind von der Geburt bis zum Alter von 18 Jahren einen Überschuss von 10-13 Millionen Kalorien konsumiert. Es ist weitgehend anerkannt, dass die Unterstützung der Mutter ihren reproduktiven Output und das Überleben ihrer Kinder erhöht (…). Übereinstimmend damit formulierte Hrdy (…) die Hypothese der gemeinschaftlichen Aufzucht: Mütter sind in Gruppen eingebunden, in der <strong>nicht nur der biologische Vater</strong>, sondern auch eine Vielfalt an Individuen den Kindern Resourcen zur Verfügung stellen.“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup></blockquote>
<p>Erstens ist diese Darstellung verzerrend, denn Blaffer Hrdy hat die Ernährungsthese Kaplans nur am Rande erwähnt, während sie die Großmutterhypothese von Kristen Hawkes &#8211; welche im Literaturverzeichnis der Wiener Studie übrigens keinerlei Erwähung findet &#8211; als zentralen Bestandteil ihrer These rezipierte. Blaffer Hrdy verfolgt keinerlei Kulturmaterialismus, sondern kommt der Logik der Notwendigkeiten, die unsere Physiologische Frühgeburt nach sich zieht, auf die Spur.</p>
<p>Zweitens ist diese Darstellung dahingehend falsch, als dass Blaffer Hrdy seit Erscheinen ihres Buches „Mother and Others“ offiziell <strong>nicht</strong> mehr davon ausgeht, dass der altsteinzeitliche Kindsvater mit in der Sippe bzw. mit seinen genetischen Kindern lebt. Ja, sie zählt ihn nicht einmal zum Kreise der Alloeltern! Ihr Buch „Mother Nature“, das die Wiener Studie ebenfalls aufführt, ist damit veraltet, was die Wiener ForscherInnen aber nicht berücksichtigen.</p>
<p>Blaffer Hrdys Fehler war, ihre zentrale Aussage von „Mothers und Others“ in eine Fußnote zu verbannen. Sie schreibt dort:</p>
<blockquote><p>„<em>Ich gehörte übrigens zu denjenigen, die schon frühzeitig davon überzeugt waren, dass Menschenaffen zur Patrilokalität neigten. Ich änderte meine Meinung im Verlauf der Arbeit an ‚Mutter Natur’.</em>“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup></blockquote>
<p>Aufgrund dieses zwischenzeitlichen, notwendigen Sinneswandels geriet das Buch „Mother Nature“ leider reichlich verwirrend und widersprüchlich. Die Frage ist allerdings, ob die New York Times sonst ihre Bücher derart gelobt hätte, aber das nur am Rande.</p>
<p>Blaffer Hrdy geht auf der Basis der Großmutterthese und der Tatsache der <em>female choice</em> (Small 1995) sowie ihrer eigenen anthropologischen Forschung von der Matrilinearität der Menschheit als einzig natürlicher Lebensweise aus. Sie schreibt in „Mütter und Andere“:</p>
<blockquote><p>„Ungeachtet dogmatischer Verlautbarungen, wonach Menschen für gewöhnlich ‚eine patrilokale Familienstruktur besitzen’, weil ‚Söhne in traditionellen Gesellschaften in der Nähe ihrer Familien bleiben, während Töchter fortziehen’, wird diese grundlegende Aussage über die menschliche Natur nicht von Daten über Menschen gestützt, die tatsächlich als Jäger-Sammler leben.“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup></blockquote>
<p>Die Wiener Studie ist nun eine Momentaufnahme der Gegenwart, die nicht geeignet ist die Verhältnisse vor über 100 Jahren wie bei der Krummhörn-Studie wiederzuspiegeln. Die Wiener schreiben:</p>
<blockquote><p>“Über alle Länder hinweg lebt die Mehrheit der Frauen nur mit ihrem Ehepartner im Haushalt. Nur im Irak lebt die Mehrheit der Paare mit der Mutter des Ehemanns im Haushalt (53,15%), gefolgt von Pakistan (41,2%). In allen anderen untersuchten Ländern liegt die Häufigkeit des Lebens mit der Mutter des Ehemanns im Haushalt zwischen 1,5% (USA) und 20,5% (Rumänien). Das Leben mit der eigenen Mutter der Frau im Haushalt ist die am wenigsten verbreitete Lebensform, die von 0,8% (Malawi) bis zu 17,2% (Thailand) reicht.“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup></blockquote>
<p>Wie ist es dazu gekommen, was hat sich in den letzten 100 Jahren verändert? Die sexuelle Kontrolle durch die Schwiegermutter spielte nach Gewöhnung an das Patriarchat und durch die religiöse Indoktrination eine immer geringere Rolle. Scheidung und Ehebruch wurden allgemein behindert bzw. geächtet. Derart „befriedet“ blieb das Paar auch ohne die Kontrolle der väterlichen Familie resp. der Schwiegermutter beisammen, auch wenn in der Ehe Krieg herrschte. Mit der Industrialisierung und Landflucht sowie heute der modernen Mobilität zogen und ziehen Ehepaare immer öfter in andere Städte fernab aller Großeltern. Die Ehe wird nun aus Verliebtheit geschlossen, wirtschaftliche Aspekte bzw. die Eheanbahnung durch die Eltern spielt nur noch eine sehr geringe Rolle. Paare verlassen ihre Elternhäuser, um auswärts das materielle Glück zu suchen, sofern sie es nicht schon haben. So ist es kein Wunder, dass die Mehrzahl aller Paare nicht mehr in Patrilokalität lebt und die Soziologie um eine neue Lebensform „bereichert“ wurde, die <strong>Neolokalität</strong>, bei der der besser verdienende Ehepartner den Wohnort bestimmt. Im weiter bestehenden Patriarchat ist dies meistens der Ehemann, was der Begriff jedoch verschleiert.</p>
<p>Wir sehen an diesen Zahlen auch, wie sehr das Patriarchat über die Welt verbreitet wurde und sogar, wo es herkommt, nämlich aus viehzüchternomadischen Gebieten. Mit der Auflösung der Patrilokalität wurde das Patriarchat jedoch nicht beseitigt, sondern es zeigt sich daran im Gegenteil seine Verschärfung. Es ist ideologisch gefestigt und durch die Isolierung des Paares mit seinen Kindern wird dieses abhängiger vom Staatspatriarchat, mit dem die Sache immer fester gezurrt wird.</p>
<p>Die Wiener fanden, wie eingangs gesagt, heraus, dass die Anwesenheit einer Großmutter die Kinderzahl negativ beeinflusst. Die meisten Kinder bekamen diejenigen Mütter, die alleine mit Ehemann und Kindern in der Wohnung leben. Es wurde allerdings nicht diskutiert, dass Großeltern, zu denen ja im Übrigen auch oft noch der Großvater gehört, oft keinen Sex in „ihrer“ Wohnung dulden, aber auch Paare die Anwesenheit ihrer Eltern als beim Sex störend empfinden. Eine Tatsache ist auch, dass die Frau bei Abwesenheit der Großeltern dem Ehemann schutzlos ausgeliefert ist, was die hohen Zahlen häuslicher Gewalt veranschaulichen. Ohne Zeugen lässt sich besser gewaltsam zeugen.</p>
<h2 id="die-muetterliche-großmutter-das-unbekannte-wesen">Die mütterliche Großmutter, das unbekannte Wesen</h2>
<p>Die Wiener kamen nicht umhin, auch die Verhältnisse in matrifokalen Gemeinschaften zu beleuchten. Dass in Äthiopien gefunden wurde, dass Kinder in matrilokalen Gemeinschaften, wo die mütterliche Großmutter immer anwesend ist, eine höhere Überlebenschance haben, wurde erfreulicherweise erwähnt. Dies bestätigt den Befund von der Halbinsel Krummhörn des 19. Jhs., auch wenn dort neben Patrilokalität die Neolokalität herrschte. Aufgrund des ungenauen Lesens des letzten Buches von Sarah Blaffer Hrdy und der Ignoranz gegenüber der natürlichen Matrifokalität muss sich die Wiener Arbeitsgruppe aber bankrott erklären und sie tut es auch:</p>
<blockquote><p>“Im Vergleich zu ihrem Einfluss auf das Überleben von Kindern werden die Auswirkungen beider, der Anwesenheit der mütterlichen und väterlichen Großmutter, auf die Fruchtbarkeit weniger gut verstanden. Die meisten Untersuchungen zu mütterlichen Großmüttern zeigen einen positiven Einfluss auf die Fruchtbarkeit ihrer Tochter (…). In einer Metaanalyse fanden Sear &amp; Coall (…) dagegen, dass nur in über 30% der 39 untersuchten Studien die Anwesenheit der eigenen Mutter, aber in etwa 70% der Studien die Anwesenheit der Schwiegermutter einen pro-natalen Effekt hat.“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup></blockquote>
<p>Was ist hier nun wieder los? Wieder wurde gelesen, was sie lesen wollten. Das Paper, das einen positiven Einfluss der mütterlichen Großmutter auf die Fruchtbarkeit, also die Geburtenzahl ihrer Tochter, postulieren soll, beschäftigt sich ausschließlich mit dem Überlebenchancen der Kinder und titelt: „Who keeps children alive? A review of the effects of kin on child survival“. Autorinnen sind Rebecca Sear und Ruth Mace. Die Untersuchung bestätigt im Grunde auch das Ergebnis von der Halbinsel Krummhörn. Eine kleine Ausnahme unter vielen macht eine Untersuchung von Sear an Familien des Cheva-Volkes im bäuerlichen Malawi. Als Anmerkung finden wir dort: &#8222;Mgms borderline but significant at p&lt;.05 for girls only; mat aunts − in families where women own resources, + where men do; divorce −“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup> Das bedeutet übersetzt, dass sich die Mithilfe der mütterlichen Großmütter signifikant negativ auswirkt, aber nur grenzwertig, und nur bei einer Scheidung oder wenn die Mutter die Resourcen selbst verdienen muss.<br />
Wir haben es hier mit einer patriarchalen Gesellschaft zu tun. Die Überlebensrate ist für Mädchen schlechter, was auf deren Unterversorgung zurückgeht, wie wir sie in vielen Kulturen vorfinden. Die Mütter sind mitunter doppelt belastet, d.h. sie müssen auf dem Feld arbeiten, weshalb eine Großmutter mithelfen muss. Dass für die Überlebensrate hier allein die mütterliche Großmutter verantwortlich gemacht wird, ist schon sehr bizarr, denn offensichtlich gibt es in dieser Kultur einen mutwilligen Gynozid, den allein das von Männern installierte System, aber nicht die mütterliche Großmutter zu verantworten hat. Was gibt es da nicht zu verstehen, außer, dass wir uns darüber erschrecken müssen, in welchem Ausmaß Frauen zu Dienerinnen des Patriarchats gemacht wurden!</p>
<p>Das andere Paper wurde ebenfalls von Rebecca Sear, diesmal in Cooperation mit David Coall, verfasst (2011): „How much does family matter? Cooperative breeding and the demographic transition“. Wieder kommen sie zu ähnlichen Ergebnissen. Hier wird die Ausnahme erwähnt:</p>
<blockquote><p>“Väter und Großmütter sind nicht immer vorteilhaft für Kinder. Eine Studie fand, dass die Anwesenheit von Vätern die Sterblichkeit von Mädchen erhöhte (bäuerliches Äthiopien: Gibson 2008); <strong>eine fand einen schädlichen Effekt der mütterlichen Großmütter</strong> (bäuerliches Malawi: Sear 2008); und zwei fanden schädliche Effekte der väterlichen Großmutter [historische Studien in Deutschland und Japan: Beise 2002; Sorenson Jamison et al. 2002]. Familiäre Beziehungen können manchmal eher durch Konflikte als durch Kooperation gekennzeichnet sein.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup></blockquote>
<p>Widersprächen sich die beiden Papers grundlegend, so hätten die AutorInnen das erwähnen müssen und sicher auch getan. Davon ist aber keine Rede, statt dessen beruft sich das neuere Paper auf die Tabellen des älteren.<br />
Die Wiener AutorInnen sehen den Unterschied zwischen einer mütterlichen Großmutter, die in einer neolokalen Familie mithilft &#8211; also zur Tochter gezogen ist &#8211; und einer matrilinearen Gemeinschaft, wo diese Großmutter immer anwesend ist, nicht deutlich genug. Vor allem haben sie das Phänomen nicht verstanden, dass die mütterliche Großmutter in matrifokalen Gemeinschaften mit einer geringeren Geburtenzahl assoziiert ist, sie aber nicht deren Ursache ist. Bedeutsam ist letztlich, dass sich sogar noch in der patriarchalen Familie ihr Einfluss überwiegend positiv auf die Überlebensrate auswirkt. Der Grund dafür ist ihr starkes Engagement für ihre Gene.</p>
<p>Der bei FamilienpolitikerInnen beliebte Satz „Frauen, die mehr Hilfe bei der Erziehung haben, bekommen auch mehr Kinder“ ist natürlicherweise falsch bzw. trifft keine evolutionäre Aussage. Im Patriarchat ist eine hohe Kinderzahl aber gewünscht, denn Kinder mehren den Reichtum, aber Rücksicht auf die Gesundheit und die Gefühle der Beteiligten wird nicht genommen, auch nicht auf die Belastbarkeit von Mutter Natur. Sie hatte einst eine natürliche Geburtenkontrolle eingebaut, die dem Patriarchat jedoch zuwider läuft. Das ist die <em>female choice</em>. Patriarchen wollen die lebenslange freie Wahl der Frau nicht akzeptieren und lassen die von ihnen selbst geschaffenen Ungereimtheiten ein „Rätsel“ sein, mit dem sie sich sogar noch schmücken können. Hätten die Wiener AutorInnen sich mit den Entdeckungen von Sarah Blaffer Hrdy eingehend beschäftigt und die unabhängige interdisziplinäre Patriarchatsforschung berücksichtigt, hätten sie beschreiben können, dass eine Frau unter diesen natürlichen Bedingungen ihre <em>female choice</em> lebt und DESHALB weniger Kinder bekommt als im Patriarchat. Ein große Schwäche und keine Stärke der Wiener Studie ist also, dass sie dieses Problem mit dem einem Satz erledigt, dass es nicht verstanden sei.</p>
<h2 id="patriarchat-die geburtenrate-steigt">Patriarchat &#8211; Die Geburtenrate steigt</h2>
<p>Während also die Kinder mit einer mütterlichen Großmutter die höheren Überlebenschancen haben, ist bei einer anwesenden Schwiegermutter die Geburtenrate deutlich höher. Die Zahl der unter der Schwiegermutter verstorbenen Kinder wird durch die Vatermacht-bedingt erhöhte Geburtenrate überkompensiert, womit die Gesamtzahl der überlebenden Kinder steigt und damit auch die Zahl der Bevölkerung. Damit sieht es so aus, als sei das System Schwiegermutter erfolgreicher. Aber die Überbevölkerung gibt es nicht wegen der Schwiegermutter, sondern trotz der Schwiegermutter. Denn nach wie vor steigen die Weltbevölkerungszahlen an, auch ohne Schwiegermutter.</p>
<p>Die Studie lässt zumindest hoffen, dass der Wunsch, das „große Rätsel“ zu verstehen, auch irgendwann zu der Erkenntnis führt, dass es seine Richtigkeit damit hat, dass Mütter bei ihren Müttern leben und dort auch ihre Kinder bekommen. Die Diskrepanzen nimmt die Wiener Arbeitsgruppe aber nur zum Anlass zur Sammlung von noch mehr Daten, nämlich von 2 478 383 verheirateten Frauen zwischen 15 und 34 Jahren, anstatt sich mit dem Effekt der sexuellen Unterdrückung der Frau auf die Bevölkerungszahl zu beschäftigen.<br />
Sie stellt keine Überlegungen an zu der Frage, wie wünschenwert eine hohe Kinderzahl für Mensch und Natur eigentlich ist, ja es kommt mir so vor, als hielten sie eine hohe Kinderzahl für einen Segen.</p>
<p>Was machen die Wiener also mit ihren Zahlen? Wie gehen sie mit der von ihnen rezipierten Literatur um? Wie lautet ihre Quintessenz aus all ihren Tabellen und Kurven?</p>
<blockquote><p>&#8222;’Wir nehmen an, dass zwei Faktoren für dieses Ergebnis ausschlaggebend sind: Fortpflanzungskonkurrenz und Konkurrenz um Ressourcen zwischen Müttern bzw. Schwiegermüttern und den Töchtern bzw. Schwiegertöchtern’, so Fieder weiter. Eine Konkurrenz um Ressourcen sei auch deshalb sehr wahrscheinlich, da Datenmaterial aus einigen Entwicklungsländern in die Analysen eingeflossen ist. Und Fortpflanzungskonkurrenz als Grund für die geringere Zahl an Kindern im Haushalt wird bei besonders jungen Großmüttern schlagend: Da sie selbst noch Kinder bekommen können und daher möglicherweise eher ihr eigenes Kind als die Kinder ihrer Tochter oder Schwiegertochter großziehen wollen, scheinen sie in Konkurrenz mit ihnen zu treten“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">15</sup>.</p></blockquote>
<p>Mit dieser Aussage, mit dem Begriff &#8222;Fortpflanzungskonkurrenz&#8220; wird suggeriert, dass die Schwiegermutter schon immer eine evolutionäre Bedeutung besessen habe. Dass dem nicht der Fall ist, wissen wir jetzt. Es ist aber ein Faktum, dass es das Patriarchat ist, das mit der Unterdrückung der <em>female choice</em> in die Evolution eingreift und die Schwiegermutter etabliert hat. Aber nicht die Schwiegermutter allein, sondern das Patriarchat gefährdet den Fortbestand der Art, die nicht nur gezüchtet, sondern zunehmend an die Technik angepasst und damit von ihr abhängig gemacht wird. Es steht und fällt alles mit der Verfügbarkeit der natürlichen Ressourcen. Es ist allerdings völlig ungefährlich, die Ergebnisse der Studie ausgerechnet auf eine Ressourcen-Konkurrenz zwischen Mutter und Großmüttern zurückzuführen, also auf ein kulturmaterialistisches Problem. Konkurrenz belebt ja angeblich das Geschäft. Diese Denke folgt ganz dem patriarchalen Wachstumswahn. Und das muss die Royal Society natürlich ebenfalls honorieren.</p>
<p>Das heiße Eisen wird mit der Studie nicht angefasst, aber überzeugen können die Schlussfolgerung auch nicht mehr. Die richtigen Schlussfolgerungen muss jeder für sich alleine ziehen. Und da das kaum jemand macht, wird es vorerst dabei bleiben, dass frei von der Leber behauptet werden kann, dass Menschen Patrilokalität bevorzugen<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">16</sup>, eine Halbwahrheit, die dringend der Aufklärung bedarf.</p>
<p>Die Medien, die die Aussagen der Wiener Studie gar nicht verstanden haben und offensichtlich vollends verwirrt wurden, bringen sie mit Schlagzeilen unter die Leute, die allein die Schwiegermutter in ein schlechtes Licht stellen, damit aber nur auf den ersten Blick die Ergebnisse der Krummhörn-Studie neu auflegen: „Weniger Kinder durch ‚Schwiegermutter-Effekt’“ (<a href="http://science.orf.at/stories/2874226/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://science.orf.at/stories/2874226/</a>), „Weniger Kinder bei Schwiegermutter im Haus“ (<a href="http://www.krone.at/595291" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.krone.at/595291</a>), “Ist die Schwiegermutter im Haus gibt’s weniger Kinder“ (<a href="http://www.20min.ch/wissen/news/story/Ist-die-Schwiegermutter-im-Haus--gibts-weniger-Kinder-30328267" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.20min.ch/wissen/news/story/Ist-die-Schwiegermutter-im-Haus&#8211;gibts-weniger-Kinder-30328267</a>)<br />
Der Schwiegermutterkonflikt verkauft sich besser, und wir wissen heute aufgrund der hohen Zahlen häuslicher Gewalt an Frauen und Kindern, dass die Familie kein guter Ort, sondern der gefährlichste Ort auf Erden ist.</p>
<h2 id="die-menopause-bei-anderen-arten">Die Menopause bei anderen Arten</h2>
<p>Man glaubte lange, dass nur Menschenfrauen in die Menopause kommen, dann entdeckte man auch bei den Zahnwalarten, nämlich Kurzflossen-Grindwalen, Kleinen Schwertwalen, Orcas, Narwalen und seit 2018 auch Belugas, dass die Weibchen in die Menopause kommen.<br />
2023 wurde sie auch bei Schimpansen-Weibchen beobachtet, 2025 meldete die MPG diesen Befund auch für die Gorillas. Dass die Menopause der Säugetiere noch so wenig erforscht ist, erklärt die Max-Planck-Gesellschaft mit dem Aufwand:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die nach der Fortpflanzungsphase verbleibende Lebensdauer lässt sich in freier Wildbahn nur schwer dokumentieren, da hierfür detaillierte Informationen über das Alter der Tiere sowie die Erhebung jahrzehntelanger Daten bei langlebigen Arten erforderlich wären. Für die Dokumentation der &#8218;Menopause&#8216; (definiert als eine physiologische, dauerhafte Einstellung der Menstruation aufgrund des Verlusts der Eierstockfunktion) wäre zudem eine detaillierte Hormonanalyse notwendig.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">17</sup></blockquote>
<p>Mit der Entschlüsselung des Genoms 2012 ist klar, dass nicht die Bonobo, sondern doch die Schimpansen unsere nächsten Verwandten sind. Während Bonobo aus ihrer mütterlichen Gruppe abwandern, tun das Schimpansenweibchen nicht. Wie wir leben die Schimpansen ein ein matrifokales Sozialverhalten. Dabei gibt es jedoch die Besonderheit, dass postmenopausale Schimpansinnen sich wenig oder nicht um ihre Enkel kümmern, obwohl diese Phase ca. ein Fünftel ihres Lebens einnimmt. Dies ist jedoch kein Gegenbeweis für die Großmutter-Hypothese, wie manchmal postuliert, sondern zeigt, dass die Postmenopause der gemeinsamen Vorfahrinnen von <em>Homo Sapiens</em> und <em>Pan troglodytes</em> (Gemeiner Schimpanse) schon vor der Enkelfürsorge evolviert worden war. Nur weil sie schon da war, konnte sich auch die Enkelfürsorge mit der immer länger werdenden Kindheit herausbilden, was die &#8222;Huhn-oder-Ei-Frage&#8220; folgerichtig beantwortet. Die Bedeutung der postmenopausalen Hominidenweibchen für die Gruppe bestand mit großer Wahrscheinlichkeit in ihrer Lebenserfahrung.<br />
Wenig überraschend ist, dass auch die genannten Wal-Arten matrifokal um eine Urgroßmutter leben.</p>
<h2 id="literatur">Literatur</h2>
<ul id="liste2">
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und andere. Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat. Berlin 2010.</li>
<li>Blaffer Hrdy, Sarah: Mother Nature. Maternal Instincts and How They Shape the Human Species. New York 2000</li>
<li>Beise, Jan; Voland, Eckart: <a href="http://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Warum gibt es Großmütter?</a> In: Spektrum der Wissenschaft 1|2003. S. 48-53.</li>
<li>Engelhardt, Sacha C.; Bergeron, Patrick; Gagnon, Alain; Dillon, Lisa; Pelletier, Fanie: Using Geographic Distance as a Potential Proxy for Help in the Assessment of the Grandmother Hypothesis. Vom 07.02.2019 DOI:<a href="https://doi.org/10.1016/j.cub.2019.01.027">https://doi.org/10.1016/j.cub.2019.01.027</a>, siehe dazu auch: <a href="https://derstandard.at/2000097723454/Forscher-finden-Beleg-fuer-die-Grossmutter-Hypothese" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://derstandard.at/2000097723454/Forscher-finden-Beleg-fuer-die-Grossmutter-Hypothese</a></li>
<li>Hawkes, Kristen: Human longevity: The grandmother effect. Editorial. Nature 2004 (428):128-9. doi:<a href="https://dx.doi.org/10.1038%2F428128a" target="_blank" rel="noopener noreferrer">10.1038/428128a</a><br />
<a href="http://www.nature.com/nature/journal/v428/n6979/full/428128a.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.nature.com/nature/journal/v428/n6979/full/428128a.html</a></li>
<li>Huber, Susanne; Zahourek, Patricia; Fieder, Martin: „Living with own or husband’s mother in the household is associated with lower number of children: a cross-cultural analysis. R.Soc.opensci. 4: 170544. 2017<br />
<a href="http://dx.doi.org/10.1098/rsos.170544" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://dx.doi.org/10.1098/rsos.170544</a><br />
<a href="http://rsos.royalsocietypublishing.org/content/royopensci/4/10/170544.full.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://rsos.royalsocietypublishing.org/content/royopensci/4/10/170544.full.pdf</a></li>
<li>MPG 2025: Berggorilla-Weibchen hören lange vor ihrem Lebensende mit der Fortpflanzung auf &#8211; Nach der Geburt des letzten Nachwuchses leben weibliche Tiere noch lange. Online-Ressource der Max-Planck-Gesellschaft vom 13.1.2025 auf <a href="https://www.mpg.de/25547012/1013-evan-berggorilla-weibchen-hoeren-lange-vor-ihrem-lebensende-mit-der-fortpflanzung-auf-150495-x" target="_blank" rel="noopener">https://www.mpg.de/25547012/1013-evan-berggorilla-weibchen-hoeren-lange-vor-ihrem-lebensende-mit-der-fortpflanzung-auf-150495-x</a></li>
<li>Sear, Rebecca; Mace, Ruth: Who keeps children alive? A review of the effects of kin on child survival. In: Evol. Hum. Behav. 29,1–18. 2008<br />
<a href="http://dx.doi.org/10.1016/j.evolhumbehav.2007.10.001" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://dx.doi.org/10.1016/j.evolhumbehav.2007.10.001</a></li>
<li>Sear, Rebecca; Coall, David. 2011 How much does family matter? Cooperative breeding and the demographic transition. Pop. Dev. Rev. 37, 81–112. 25.01.2011 doi:10.1111/j.1728-4457.2011.00379.x</li>
<li>Small, Meredith M.: Female Choices. Sexual Behavior of Female Primates. Cornell University Press (Oktober 1995)</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: <a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">female choice – unser unbekanntes Menschenrecht</a> online-Resource 2015</li>
<li>(UW) Universität Wien Medienportal: (Schwieger-)Mutter im Haus: Weniger Kinder. Veröffentlicht am 25.10.2017<br />
<a href="https://medienportal.univie.ac.at/presse/aktuelle-pressemeldungen/detailansicht/artikel/schwieger-mutter-im-haus-weniger-kinder/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://medienportal.univie.ac.at/presse/aktuelle-pressemeldungen/detailansicht/artikel/schwieger-mutter-im-haus-weniger-kinder/</a></li>
</ul>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hawkes 2004</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Beise/Voland 2003</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Blaffer Hrdy 2000</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. Small 1995</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. Uhlmann 2015</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Huber <em>et al.</em> 2017</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;UW 2017</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;UW 2017, S. 2; meine Übersetzung und Hervorhebung</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Blaffer Hrdy 2010, Fußnote 20, S. 448</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Blaffer Hrdy 2010, S. 336</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Huber/Zahourek/Fieder, S. 6; meine Übersetzung</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Huber/Zahourek/Fieder, S. 2; meine Übersetzung</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sear/Mace 2008, S.6, Tab. 2A</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sear/Coall 2011, S. 88; meine Übersetzung und Hervorhebung</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;UW 2017</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;„that humans generally favour patrilocal female dispersal“; Huber/Zahourek/Fieder, S. 6</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;MPG 2025</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/grossmutter-hypothese-grossmutter-these">Großmutter-Hypothese? Großmutter-These!</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Der Preis des Guten: Wenn Hilfe zur Herrschaft wird – eine Kritik des Helfens</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/der-preis-des-guten-wenn-hilfe-zur-herrschaft-wird-eine-kritik-des-helfens</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Jul 2025 20:02:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Analysen und Studien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Prolog In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Helfer als moralisches Rückgrat der Gesellschaft. Ob im Gesundheitswesen, im sozialen Bereich, in Familien oder im Ehrenamt: Helfer-Persönlichkeiten werden gefeiert für ihre Selbstlosigkeit, Aufopferung...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/der-preis-des-guten-wenn-hilfe-zur-herrschaft-wird-eine-kritik-des-helfens">Der Preis des Guten: Wenn Hilfe zur Herrschaft wird – eine Kritik des Helfens</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/a541d1af2b914b039c1278d9eb406025" alt="" width="1" height="1" />Prolog</p>
<p><strong>In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Helfer als moralisches Rückgrat der Gesellschaft. Ob im Gesundheitswesen, im sozialen Bereich, in Familien oder im Ehrenamt: Helfer-Persönlichkeiten werden gefeiert für ihre Selbstlosigkeit, Aufopferung und Nächstenliebe. Wer anderen dient, ist gut. Wer sich selbst dabei vergisst, wird oft sogar noch bewundert.</strong><br />
Doch dieser Mythos hat zwei Schattenseiten, die bislang kaum benannt werden und deren Opfer überwiegend weiblich sind: die Co-Abhängigkeit der Angehörigen und eine Gesellschaft, die von schädlicher Selbstausbeutung zusammengehalten wird. In der Literatur und im WWW gibt es vor allem Untersuchungen über das Leid der Helfer selbst, jedoch kaum eine unideologische Auseinandersetzung mit den Auswirkungen des exzessiven Helfens auf die Gesellschaft und noch weniger fundierte psychologische Informationen speziell über Partner von Menschen mit Helfersyndrom. Es gibt jedoch ein gewisses Bewusstsein in der Öffentlichkeit für die Probleme, die dabei als Kollateralschaden entstehen. Oft wird die Kritik an den Schäden jedoch als verzerrte Wahrnehmung oder Unmenschlichkeit, &#8222;Hass&#8220;, gecancelt. Der Wokeismus steht für diese Ideologie als Paradebeispiel. Wahlloses Helfen wird auch nicht selten schlicht als „Dummheit“ wahrgenommen. Die dahinterliegenden Aspekte werden jedoch kaum untersucht. Die Gender Pay Gap &#8211; besser <strong>Sex Pay Gap</strong>, denn es sind biologische Frauen, die benachteiligt werden und nicht eine Rolle oder eine Identität -, die Auswirkungen des Wokeismus auf die Politik und die Gesellschaft sind inzwischen hinreichend thematisiert, wenn auch nicht wirklich verstanden. Und was geschieht eigentlich mit den Menschen, die mit Helfern leben, was, wenn Hilfe zum identitätsstabilisierenden Selbstzweck wird? Meine These dabei ist: Das Patriarchat, die Herrschaft der Väter, hat sich seit jüngerer Zeit ein vorgeschobenes Helfer-Syndrom zugelegt und macht sich damit an der Wurzel unangreifbar. Es ist eine der Machtstrategien des Patriarchats. Dies erklärt die breite Zustimmung zu Appellen, dass die Väter die Care-Arbeit übernehmen sollen. Neoliberale Politik folgt diesem Muster, u.a. indem Mütter für ihre Rente Vollzeit zu arbeiten haben. Kurz gesagt: dass Väter die besseren Mütter seien, muss auf Biegen und Brechen gezeigt werden.</p>
<p>Der Blick der interdisziplinären Patriarchatsforschung auf diesen Komplex umfasst zwangsläufig auch die psychologischen Grundlagen der Krankheit Patriarchat, der Patriarchose<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup>, und ordnet das Helfer-Syndrom unter dem Kollektiven Stockholm-Syndrom<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup> ein, der Mittäterschaft der Entführten. Denn das Patriarchat ist ein Entführungsverbrechen, wie ich es an anderen Stellen bereits ausgeführt habe <sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup>. So hart der Begriff <em>Täter</em> auch klingen mag, es geht hier nicht um Verurteilung, um Schuldzuweisung an den Einzelnen, sondern um eine gesellschaftliche Analyse, die allen Beteiligten Erleichterung verschaffen soll. Sie ist dabei auch keine Entschuldigung, sondern die Aufforderung an alle, das Muster zu erkennen und daran zu arbeiten.</p>
<h3 id="Psych-Soz-Grundlagen">Psychologische und anthropologische Grundlagen</h3>
<p><em>Helfer-Syndrom</em> ist keine offizielle Diagnose, doch in der psychologischen Literatur gut beschrieben: ein starker Wunsch gebraucht zu werden, gepaart mit Schwierigkeiten, eigene Bedürfnisse zu erkennen oder Grenzen zu setzen. Dieser Wunsch kann so tief verwurzelt sein, dass er zur Grundlage der eigenen Identität wird. Das Helfer-Syndrom hat mitunter den Charakter einer Sucht<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>, eines Fetischismus<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup> oder einer Zwangsstörung, und die Angehörigen geraten nicht selten in den Zustand einer Co-Abhängigkeit. Die Folgen sind daher paradox: Wer übermäßig hilft, kann andere entmündigen. Wer sich selbst aufgibt, erwartet oft unausgesprochen Gegenleistungen – etwa Dankbarkeit, Loyalität oder emotionale Schonung.<br />
Ein Aspekt ist dabei die massive externale Fokussierung, wie sie von Schiefer und Köhler beschrieben wurde: „<em>Massive externale Fokussierung zeigt sich zum Beispiel durch Engagement speziell für Ausländer, Engagement in der Entwicklungs- oder Flüchtlingshilfe oder in der zwischenmenschlichen oder generellen Bevorzugung von Menschen möglichst völlig fremder Kulturen.</em>“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup> Die federführende Beteiligung des Intersektionalen Feminismus an Transaktivismus und Antisemitismus zeigt, wie geschickt es dem Patriarchat gelingt, insbesondere Frauen als nützliche Idioten einzuspannen. Die Selbstaufgabe wurzelt nicht selten in einem tiefen Selbsthass, der jedoch geleugnet wird und auf die Kritiker projiziert wird.<br />
Helfer-Persönlichkeiten richten ihre gesamte Wahrnehmung auf die Bedürfnisse anderer, um sich nicht mit den eigenen inneren Konflikten konfrontieren zu müssen oder wie im Beispiel des Intersektionalen Feminismus mit Kritik am Patriarchat anzuecken. Diese externalisierende Tendenz, die häufig aus früher Parentifizierung oder unaufgelösten Traumata stammt, führt dazu, dass sie ständig außerhalb ihrer selbst funktionieren – für andere, gegen sich. Der Primatenforscher Frans de Waal hat im Kontext der Verhaltensforschung auf den sogenannten &#8222;egoistischen Altruismus&#8220; hingewiesen: Auch Tiere helfen, wenn sie dadurch ihre soziale Sicherheit festigen. Altruismus, so de Waal, ist nie ganz eigennutzfrei (vgl. De Waal 2015) – und genau darin liegt auch in menschlichen Helferdynamiken eine unterschätzte Ambivalenz.<br />
Die Ursachen für das Helfer-Syndrom liegen in der Kindheit. Instrumentelle oder emotionale Parentifizierung haben das Kind in eine Elternrolle gezwungen. Die Traumatherapeutin Verena König schreibt: „<em>In Familien mit körperlich, psychisch oder suchtkranken Eltern gehört Parentifizierung zur Tagesordnung. Aber auch in jeder anderen Konstellation, in der Eltern emotional und körperlich nicht in ihrer Kraft sind, werden Kinder dem Druck ausgesetzt, für ihre Eltern zu sorgen und ihre Last mitzutragen.</em>“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup>
<h3 id="StrukturelleAusbeutung">Strukturelle Ausbeutung</h3>
<p>Das zeigt sich nicht nur im politischen oder familiären Bereich, sondern auch im Beruf: Der pflichtbewusste Angestellte, der freiwillig unbezahlte Überstunden macht, der selbstständige Dienstleister, der sich nicht traut, angemessene Preise zu verlangen, die freischaffende Frau, die glaubt, dass ihre Arbeit weniger wert sei, weil sie sich &#8222;zum Helfen geboren&#8220; fühlt und Angst vor dem „Nein“ hat – all das sind Ausprägungen eines strukturellen Helfer-Syndroms, das ökonomisch wirksam wird. Besonders sichtbar wird dies an der Mutter, deren unbezahlte Sorgearbeit als selbstverständlich gilt und systematisch unsichtbar bleibt. Diese Formen freiwilliger Selbstausbeutung stützen ein ökonomisches System, das auf kostenloser oder unterbezahlter Frauenarbeit fußt.<br />
So wird die Ausbeutung durch das Patriarchat nicht als Verbrechen erkannt, sondern als Tugend verklärt. Die Schuld wird dabei den Ausgebeuteten selbst zugeschoben: Sie hätten es so gewollt, sich selbst geopfert, sich nicht genug gewehrt. Helfer selbst zweifeln an sich und entwickeln zusätzlich das sog. Hochstapler-Syndrom: Sie seien eben tatsächlich nicht gut genug. Doch all das entspricht nicht den Tatsachen und es greift zu kurz. Auch das Helfer-Syndrom ist keine bewusste Wahl, keine angeborene Charaktereigenschaft, sondern die Folge früher Bindungsstörungen und sozialer Erwartung. Doch gefährlich wird es, wenn aus diesem Opferstatus ein Handlungsmuster entsteht, das andere mit in den Strudel zieht. Wenn Helfende sich als unersetzlich erleben, andere emotional abhängig machen oder sogar ihre Partnerinnen gezielt ausschließen – dann werden Opfer zu Mit-Tätern in einem perfekt abgesicherten System.</p>
<h3 id="Familiaere-Dynamiken">Familiäre Dynamiken</h3>
<p>Hilfe wird dann zur moralischen Waffe: Wer hilft, kann nicht falsch liegen. Wer kritisiert, wirkt herzlos. Und das System, das auf dieser Hilfe beruht, bleibt unanfechtbar. Was als Altruismus erscheint, entpuppt sich bei näherem Hinsehen oft als moralisch aufgeladene Machtausübung – ein Heldenkult in seiner stillsten, scheinbar friedfertigsten Form. Die Folgen: zerstörte Beziehungen, verdeckte Konkurrenz, psychische Überlastung und ein Gefühl von Illoyalität, das die Partnerschaft zersetzt.<br />
Wenn ein Partner heimlich Geld verschenkt oder verleiht, seine Zeit statt, wie vorgegeben mit Überstunden, in Wirklichkeit bei anderen verbringt, um deren Haus zu bauen, leidet eine Familie auch finanziell, ähnlich wie bei der Spielsucht.<br />
Das Helfer-Syndrom ist in vielen Fällen Teil einer transgenerationalen Weitergabe: Häufig sind es Männer, die als Kinder selbst parentifiziert wurden – etwa durch eine überforderte oder gewaltbetroffene Mutter –, die gelernt haben, emotional verfügbar zu sein, um Konflikte zu vermeiden. In patriarchalen Familienstrukturen werden solche Rollen unbewusst weitergetragen: Wenn sich der Vater in seine Helfer-Rolle zurückzieht, verschiebt er seine emotionale Energie auf die Kinder. Die Mutter erlebt sich als ausgegrenzt, emotional entwertet, und muss sich gleichzeitig rechtfertigen, wenn sie das Helfen hinterfragt. Sie lernt schlimmstenfalls, sich kleinzumachen oder zu schweigen, um nicht als &#8222;undankbar&#8220; zu gelten. Wenn zusätzlich ein Mutter-Tochter-Konflikt verliegt, wird der &#8222;helfende Vater&#8220; zum moralischen Bezugspunkt. Er kann sich in vermeintlicher Neutralität üben, womit er in Wirklichkeit die familiären Loyalitäten verschiebt. Wenn der Vater die Tochter auf seine Seite zieht, indirekt die Mutter als überforderte oder problematische Figur darstellt, wird ihre Autorität damit unterwandert und es entsteht ein Entfremdungsprozess, die Mutter steht zunehmend isoliert da. Die Tochter wird zum empathischen Gegenüber des Vaters, womit sich das Helfer-Syndrom nicht nur vererbt, es befeuert auch familiäre Spaltung im sensiblen, weil evolutionär wesentlichen Mutter-Tochter-Verhältnis. Wenn der helfende Vater als Großvater dabei auch die mütterliche Großmutter verdrängt, sofern das nicht schon der Vater der Enkel erledigt hat, wird die traditionell verkannte, evolutionäre Bindungsstruktur zwischen Großmutter, Mutter und Tochter endgültig zerschlagen. Die Großmutterthese<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup> zeigt, dass ohne die mütterliche Großmutter die Menschheit nicht ihr hohes Sozialverhalten, letztlich ihre Intelligenz hätte entwickeln können<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup>. Die väterliche Figur, der institutionalisierte Vater, tritt nicht nur zwischen die Mutter und das Kind, sondern verdrängt systematisch das matrifokale Generationenkontinuum. Das ist mehr als familiäre Dynamik – es wirkt wie ein symbolischer Endsieg des Patriarchats: die totale Herrschaft des Vaters über Herkunft, Bindung und Zukunft, auch wenn das gar nicht beabsichtigt war. Das Private ist das Politische, ob wir wollen oder nicht.</p>
<h3 id="Herrschaft-unter-dem-Banner-des-Guten">Herrschaft unter dem Banner des Guten &#8211; Rechtliche &amp; gesellschaftliche Instrumentalisierung</h3>
<p>In der erweiterten Perspektive wird deutlich, dass das Helfer-Syndrom eine strukturelle Funktion erfüllen kann: Es wird zu einer neuen tragenden Säule des väterlich dominierten Systems – des sogenannten Vaterrechts im Neo-Patriarchat. Dass Väter sich wie eine Mutter um die Kinder kümmern<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup>, gibt es erst flächendeckend, seit sich die Kleinfamilie durchgesetzt hat. Eine Scheidungsrate nahe 50% und eine hohe Trennungsrate machen sie mehr und mehr zu einem unsicheren Lebensmodell. <em>&#8222;Plötzlich wird alles unsicher: die Form des Zusammenlebens, wer wo wie was arbeitet, die Auffassungen von Sexualität und Liebe und ihre Einbindung in Ehe und Familie, die Institution der Elternschaft zerfällt in das Gegeneinander von Mutterschaft und Vaterschaft; Kinder mit der in ihnen enthaltenen, jetzt anachronistisch werdenden Bindungsintensität werden zu den letzten Partnern, die nicht gehen.&#8220;</em><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup> Mit der Familie verliert der Vater seine Fürsorgegruppe. In diesem Moment stürzt er sich regelrecht auf die Kinder und Kindeskinder und drängt ihnen seine Hilfe auf. Der Vater entdeckt plötzlich seine „Vatergefühle“. Bei Weitem nicht alle modernen Väter haben ein Helfer-Syndrom, aber spätestens im Falle der Trennung zeigen sie ein sehr ähnliches Verhaltensmuster, das gesellschaftlich mittlerweile hochangesehen ist.<br />
Indem sich der &#8222;helfende Vater&#8220; als ruhiger, zuverlässiger, stets verfügbarer Elternteil inszeniert, während die Mutter unter psychischer Belastung oder starker emotionaler Reaktion steht, entsteht ein verzerrtes Bild, das auch juristisch wirksam werden kann.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup> In familiengerichtlichen Auseinandersetzungen um Sorge- oder Umgangsrecht führt diese Dynamik nicht selten dazu, dass Müttern pauschal emotionale Instabilität oder fehlende Kooperationsbereitschaft unterstellt wird<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup> – während Väter als ruhig und sachlich gelten, weil sie ihre emotionalen Konflikte auslagern, etwa in Helferrollen gegenüber den Kindern. Dies kann – subtil, aber wirksam – zu einer Form von <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/buchbesprechung-sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt-ein-plaedoyer-gegen-die-gleichwertigkeit-der-elternschaft-von-mutter-und-vater" target="_blank" rel="noopener">strukturellem Kindesentzug</a> führen, legitimiert durch das Bild des &#8222;verlässlichen Helfers&#8220;.<br />
Noch paradoxer wird dies vor dem Hintergrund feministischer Forderungen: Die berechtigte gesellschaftliche Debatte um mehr väterliche Beteiligung wird – in manchen Fällen – zum Verstärker eines Systems, das auf emotionaler Entwertung der Mütter basiert. Die Forderung nach Gleichstellung wird dadurch pervertiert: <strong>Nicht zwei starke Elternteile agieren gemeinsam, sondern ein systemisch aufgewerteter Helfer-Vater tritt in Konkurrenz zur emotional ausgebremsten Mutter.</strong> Die Folge: psychische Schieflagen werden überdeckt durch rechtliche Gleichstellung – und familiäre Dysbalancen als Fortschritt verbrämt.<br />
In diesem Zusammenhang lohnt sich ein weiterer kritischer Blick auf die sogenannte PAS-Diagnose (Parental Alienation Syndrome), eine Pseudo-Diagnose, die lange Zeit in Sorgerechtskonflikten als Argumentationshilfe gegen Mütter verwendet wurde. Obwohl wissenschaftlich nicht anerkannt, wurde PAS von Gerichten wiederholt herangezogen, um Müttern Entfremdung der Kinder und eine „Bindungsintoleranz“ zu unterstellen – oft in genau jenen Fällen, in denen sie sich gegen verdeckte oder offene Vereinnahmung durch den Vater zur Wehr setzten. Ähnlich problematisch ist das Konzept des &#8222;Maternal Gatekeeping&#8220;, das Müttern unterstellt, sie würden Väter bewusst aus der Elternrolle ausschließen. Tatsächlich handelt es sich häufig um den Versuch, das eigene Beziehungsgefüge zu schützen – etwa vor einer Helferdynamik, die emotional übergriffig ist. Diese Form toxischer Männlichkeit arbeitet nicht mit plumper Gewalt, sondern subtil und oberflächlich moralisch einwandfrei. Die Protagonisten dieser Väterlobby haben in der Vergangenheit erfolgreich unter Drücken auf die Tränendrüsen zahlreiche Gesetzesänderungen erwirkt, mit denen die Abschaffung der Freiheit der Mütter verbunden war und ist<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup>.</p>
<h3 id="Psych-Soz-Folgen-fuer-Angehoerige">Psychosoziale Folgen für Angehörige</h3>
<p>Für Angehörige, die mit Helfer-Persönlichkeiten leben, entstehen daraus immer häufiger Gefühle von Nutzlosigkeit, Entwertung und Ohnmacht. Sie dürfen wenig selbst entscheiden, erleben sich zunehmend als &#8222;Störfaktor&#8220; oder Belastung. Während der Helfende von außen als stark, gut und aufopferungsvoll wahrgenommen wird, erscheinen seine engsten Bezugspersonen – insbesondere Partnerinnen – in der Öffentlichkeit leicht als undankbar, überfordernd oder sogar manipulativ und narzisstisch. Diese verzerrte Außenwirkung trägt wesentlich zur inneren Vereinsamung der Betroffenen bei und verstärkt deren Rückzug.<br />
Erschwerend kommt eine gesellschaftlich tief verwurzelte Vorstellung von &#8222;Gutmenschentum&#8220; hinzu. Die pauschale Abwertung jeder Kritik an Helfer-Persönlichkeiten als Zynismus oder Herzlosigkeit verhindert, dass über ihre destruktiven Wirkungen offen gesprochen werden kann. Wer nicht bereit ist, &#8222;die andere Wange hinzuhalten&#8220; – wie es ein bekanntes Jesus-Wort fordert –, gerät schnell unter moralischen Verdacht. Doch die völlige Selbstverleugnung als Ideal von Ethik zu verklären, führt zur paradoxen Umkehr: Die Selbstlosen beherrschen mit moralischer Überlegenheit, und jene, die sich abgrenzen, gelten als schuldig.<br />
Diese Form von Co-Abhängigkeit bei Helfer-Syndrom ist bislang kaum erforscht. Sie wird in Fachkreisen gelegentlich als &#8222;unsichtbare Belastung im Nahraum von Helfern&#8220; bezeichnet, doch systematische Studien fehlen. Die mediale Aufmerksamkeit liegt fast ausschließlich auf den Belastungen der Helfenden selbst – Burnout, Depression, Erschöpfung. Dass Helfen auch eine Form von Kontrolle und Konfliktvermeidung sein kann, wird selten thematisiert.<br />
Dabei wäre genau das dringend notwendig. Denn solange das Bild des uneigennützigen Helfens unhinterfragt bleibt, fehlt der Raum für diejenigen, die darunter leiden. Und solange Co-Abhängigkeit nur im Kontext von Sucht diskutiert wird, bleiben andere zerstörerische Beziehungsmuster im Verborgenen.<br />
In vielen Fällen erkennen betroffene Partnerinnen ihre Situation erst sehr spät, oft erst, wenn sich psychische oder psychosomatische Beschwerden manifestieren: Schlafstörungen, Angstzustände, depressive Verstimmungen oder chronische Erschöpfung. Denn das ständige Rücksichtnehmen, das &#8222;Nicht-stören-Wollen&#8220; ist kein neutraler Zustand, sondern eine Anpassung an einen emotionalen Missbrauch. Es ist ein dauerhaft erhöhter emotionaler Stress, der den Organismus genauso belasten kann wie ein akuter Konflikt. Nur eben stiller, langsamer, schwerer zu fassen.<br />
Ein weiteres Problem liegt darin, dass das Umfeld der Helfer, insbesondere die Familie, häufig zur Mitinszenierung des Helferbildes beiträgt. Kinder lernen früh, dass Hilfe leisten mit Anerkennung verbunden ist, dass Zurückhaltung der eigenen Bedürfnisse ein Zeichen von Charakterstärke sei und dass emotionale Bedürfnisse &#8222;nicht stören&#8220; sollen. So entstehen familiäre Mikro-Kulturen, in denen sich das Helfer-Syndrom von Generation zu Generation weitervererbt – oft begleitet von verdeckter Schuld, unerkannten Loyalitätskonflikten und impliziten Rollenzuschreibungen.</p>
<h3 id="Fazit-und-Ausblick">Fazit &amp; Ausblick</h3>
<p>Was es braucht, ist eine differenzierte Diskussion über die dunkle Seite des Helfens. Nicht, um die Leistung von Helfern zu diskreditieren, sondern um die psychische Integrität ihrer Angehörigen ernst zu nehmen. Hilfe kann im Privaten wie im öffentlichen Raum eine toxische Wirkung entfalten. Sie ist dann gesund, wenn sie frei gespendet wird – nicht, wenn sie zur emotionalen Infrastruktur eines Systems wird, das nur funktioniert, weil andere stillschweigend mittragen.<br />
Auch aus gesellschaftlicher Perspektive ist dieses Thema brisant. In Pflegeberufen, im Ehrenamt, in familiären Versorgungsnetzwerken sind Helfer-Persönlichkeiten strukturell unentbehrlich. Die stillen Mitträger im Hintergrund – meist weiblich, oft über Jahrzehnte angepasst und leistungsbereit – bleiben unsichtbar, solange sie funktionieren. Wenn sie jedoch ausfallen, erschüttert das nicht nur das Helfersystem, sondern auch das soziale Gefüge. Das heißt: Unsere Gesellschaft ist auf das Helfer-Syndrom angewiesen – und darauf, dass niemand laut fragt, wer darunter leidet.<br />
Wer hilft, darf das reflektiert tun. Erst dann wird Hilfe wirklich menschlich. Erst dann ist sie frei.</p>
<p>Mein Dank gilt Stephanie Gogolin für die wertvollen Hinweise.<br />
Gabriele Uhlmann im Juli 2025</p>
<h2 id="Literatur">Literatur</h2>
<ul id="liste2">
<li>Beck, Ulrich: Risikogesellschaft – Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt a. M.<br />
1986. 23. Auflage. 2016</li>
<li>De Waal, Frans: Der Mensch, der Bonobo und die Zehn Gebote. Moral ist älter als Religion. Stuttgart 2015. Am. Original-Ausgabe: New York/London 2013</li>
<li>Gogolin 2019-2024: Gogolin, Stephanie: Das patriarchale Stockholmsyndrom Teil I-IV. Online-Ressourcen auf <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" rel="noopener">https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/</a> vom 06.09.2019-09.07.2024</li>
<li>Gogolin, Stephanie: Der Beginn des Neo-Patriarchats. Online-Ressource vom 12.06.2024 auf <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2024/06/12/der-beginn-des-neo-patriarchat/" target="_blank" rel="noopener">https://marthastochter.wordpress.com/2024/06/12/der-beginn-des-neo-patriarchat/</a> abgerufen am 12.07.2025</li>
<li>Haarmann, Claudia: Mütter sind eben Mütter. Was Töchter und Mütter voneinander wissen sollten. München 2019</li>
<li>Schiefer/Köhler 2025a: Schiefer, Claudia/Köhler, Andreas: Massive externale Fokussierung &amp; Helfer-Syndrom. Undatierte Online-Ressource auf: <a href="https://www.psychologie-coaching.com/externale-fokussierung-helfer-syndrom/" target="_blank" rel="noopener">https://www.psychologie-coaching.com/externale-fokussierung-helfer-syndrom/</a> abgerufen am 12.07.2025</li>
<li>Schiefer/Köhler 2025b: Schiefer, Claudia/Köhler, Andreas: Fetischismus. Undatierte Online-Ressource auf: <a href="https://www.psychologie-coaching.com/wissen-fetischismus/" target="_blank" rel="noopener">https://www.psychologie-coaching.com/wissen-fetischismus/</a> abgerufen am 12.07.2025<br />
König, Verena: Trauma und Beziehungen. Wie wir die immergleichen Bindungsmuster hinter uns lassen. München 2024</li>
<li>Schnaars, Ilka: Sorgerecht und väterliche Gewalt – Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht). Rüsselsheim 2025</li>
<li>MIA e.V. 2018: Die schrittweise Abschaffung der Freiheit. Online-Ressource auf <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener">https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/</a> abgerufen am 25.10.2024</li>
<li>Mundlos, Christina: Mütter klagen an. Institutionelle Gewalt gegen Frauen und Kinder im Familiengericht. Marburg 2023</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Warum gibt es die Schwiegermutter? Neues zur Großmutterthese. Online-Ressource vom 29.10.2017 auf: <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/29/die-schwiegermutter-neues-zur-grossmutterhypothese/" target="_blank" rel="noopener">https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/29/die-schwiegermutter-neues-zur-grossmutterhypothese/</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Frauen – woher nehmen, wenn nicht stehlen? Über Frauenraub und seine historischen Grundlagen. Vortrag, gehalten am 3.11.2018 an der Freien Universität Berlin im Rahmen der Tagung „Frauenraub – Interdisziplinäre Tagung zum Frauenraub im Altertum“ vom 2.-3-11.2018. Online-Ressource mit Aktualisierungen auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat. Online-Ressource vom 30.05.2024 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt</a></li>
<li>Wolf, Doris: Helfer-Syndrom &#8211; Wenn Helfen zur Sucht wird. Online-Ressource vom 15.05.2024 auf <a href="https://www.palverlag.de/lebenshilfe-abc/helfersyndrom.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.palverlag.de/lebenshilfe-abc/helfersyndrom.html</a> abgerufen am 12.07.2025</li>
</ul>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;nach Dagmar Margotsdotter</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;nach Stephanie Gogolin, Vgl. Gogolin 2019-2024</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;z.B. Uhlmann 2018</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Wolf 2024</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Schiefer/Köhler 2025b</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Köhler/Schiefer 2025a</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;König, S. 103</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;bekannt als Großmutterhypothese</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2017</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Gogolin 2024</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Beck 2016, S. 180</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Schnaars 2025</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. Mundlos 2023</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. MIA e.V. 2024</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/der-preis-des-guten-wenn-hilfe-zur-herrschaft-wird-eine-kritik-des-helfens">Der Preis des Guten: Wenn Hilfe zur Herrschaft wird – eine Kritik des Helfens</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Frauen in der Politik? &#8211; Eine zielorientierte Nestbeschmutzung</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-in-der-politik-eine-zielorientierte-nestbeschmutzung</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Apr 2025 10:34:11 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-in-der-politik-eine-zielorientierte-nestbeschmutzung">Frauen in der Politik? &#8211; Eine zielorientierte Nestbeschmutzung</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Bild: Gertrude Guillaume-Schack (1845-1903) <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Gertrud-Guillaume-Schack-zugeschnitten.jpg" target="_blank" rel="noopener">Gemeinfrei</a></p>
<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/0f7d0d3a925641459051917e2b203b2d" width="1" height="1" alt=""> &#8222;<em><strong>&#8230; Frau Guillaume Schack<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup> hielt im Arbeiterinnen-Verein vor etwa 300 Frauen und mehreren Männern, darunter sozialdemokratische Abgeordnete, einen Vortrag, in dem sie die Notwendigkeit betonte, daß die Frauen sich um die öffentlichen Arbeiten kümmern, daß sie das aktive und passive Wahlrecht erhielten, event. durch Strikes höhere Löhne erzielten ⁊c. In die Debatte griff ein zunächst die bekannte Frau Staegemann, welche namentlich den reichen Damen die Putzsucht vorwarf; andere Frauen traten für das Wahlrecht der Frauen ein; wenn erst Frauen im Reichstage säßen, würde es der weiblichen Arbeiterwelt besser gehen. Der sozialdemokratische Abg. Bock ist für die Bewegung der Arbeiterfrauen, rät aber davon ab, sich zuweitgesteckte Ziele zu setzen, während der ebenfalls sozialdemokratische Abg. Stolle die Frauen ermahnt, ihre Männer zur Beteiligung an der politischen Bewegung (d.i. sozialdemokratischen) anzufeuern. Unter ähnlichen Redereien schloß die Versammlung um 11 ½ Uhr nachts. So geschehen in der deutschen Residenz am Donnerstag den 12. März 1885</strong></em>&#8222;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup>  </p>
<h2 id="kap1">Kapitel 1 – Die Ausgangslage und die Quote</h2>
<p>Drei Jahre vor dieser Versammlung nannte sich die erste Frau &#8222;Feministin&#8220;, und zwar die Französin <strong>Hubertine Auclert</strong> (1848-1914), die sich als eine der ersten Frauen für das Frauenwahlrecht einsetzte.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup> Die Begründung für die Forderung war von Beginn an, dass es Frauen besser gehen solle und dass sie mehr Geld verdienen würden. Es sollten Frauen in die Politik kommen, damit konkrete Ziele im Parlament zur Sprache kommen und so die Chance besteht, dass etwas erreicht wird. Es ging also noch nicht um Parität und nicht um gleiche Teilhabe um ihrer selbst willen. Vielleicht, weil sich für Verbesserungen auch schon früh Männer einsetzen, war eine 50:50-Parität noch gar nicht im Gespräch, und die Abstimmung 1918 für das Frauenwahlrecht war ja auch eine reine Männerabstimmung. In der Theorie also braucht es nur Männer mit einer feministischen Einstellung, dann können Frauen alle Rechte haben. So provokant das ist, so wenig realistisch ist das natürlich, denn wir leben trotz gesetzlicher Gleichstellung im Patriarchat.<br />
Es war die KPD, die 1932 die Frauenquote erfand, und zwar &#8222;ein Viertel bis ein Drittel&#8220;. Erst die Grünen forderten die 50:50-Quote und setzten sie auch durch. In keiner anderen Partei haben auch die Frauen, die kein Ministeramt innehaben, so viel Macht. Die Frauenquote ist also keine urfeministische Forderung, aber sie ist eine linke. Obwohl auch längst auf der rechten Seite Frauen sitzen, ist diese Forderung noch lange nicht Konsens.<br />
Es scheint heute bei vielen Frauen der feste Glaube umzugehen, dass es in unserem Patriarchat nur deshalb keine Gleichstellung gäbe, weil es die paritätitsche Beteiligung der Frauen in der Politik noch nicht gibt. Aber stimmt das überhaupt? Frauen haben natürlich seit jeher an Politikerinnen die Erwartung, dass sie etwas für die Verbesserung von Frauenleben tun. Politikerinnen haben, da sie ohne Frauenbewegung gar nicht im Amt wären, die moralische Pflicht das auch zu tun! Alles andere wäre und ist Verrat. Dass sie diesen Grundsatz in den letzten Jahren mit Füßen treten, lässt mich an der Idee der Quote zweifeln, nicht nur das, ich halte sie für nicht zielführend, sogar kontraproduktiv und daher für rückständig. Doch meine Argumente sind nicht die üblichen vom Stammtisch, sondern die einer Patriarchatsforscherin. </p>
<h3 id="bevoelkerungsstatistik">Etwas Bevölkerungsstatistik</h3>
<p>Schon die Überprüfung der harten Zahlen lässt an der Zweckmäßigkeit der 50:50-Quote zweifeln. Die 50:50-Quote geht davon aus, dass gleich viel Frauen wie Männer existieren. Im Jahr 2022 gab es etwa 4.024.000.000 Männer und Jungen und 3.976.000.000 Frauen und Mädchen auf der Welt. Das heißt, von den ca. acht Milliarden Menschen sind 50,3 Prozent männlich und 49,7 Prozent weiblich (Stand: 2022). Der Anteil der Frauen könnte über 50% liegen, denn durch Femizide, Unterernährung der Mädchen mit Todesfolge und die Tötung von weiblichen Embryonen, steigt der Anteil der Männer weltweit.<br />
Veraltete Zahlen, die immer noch unhinterfragt herangezogen werden, veranschlagen das evolutionäre sekundäre Geschlechterverhältnis von 100 weiblichen Neugeborenen zu 107 männlichen Neugeborenen<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>, also 48,3% weiblichen und 51,7% männlichen. Neuere Zahlen veranschlagen 105 männliche Neugeborene, also 51,2%, was kaum einen Unterschied ausmacht. Wesentlich für diese Zahlen ist ein schwerer methodischer Fehler: Der Einfluss der männlichen Kontrolle auf die weibliche Reproduktion bzw. die Unterdrückung der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice">Female Choice</a><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup> in der Ehe – die nichts anderes als Menschenzucht ist –, wurde und wird dabei aber bis heute nicht nur unterschätzt, sondern er bleibt unberücksichtigt. Einzig Zahlen aus ursprünglichen Matrifokalen<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup> sind daher vertrauenswürdig, können aber nicht erhoben werden, weil nur unkontaktierte Völker hierfür in Frage kommen. Auch Neo-Matridurate<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup>, wie die Mosuo in Südchina, haben eine patriarchale Vorgeschichte, sind also genetisch überformt und existieren noch nicht lange genug, als dass die patriarchalen Zuchteffekte aus den Genen ausgemendelt wären.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup>
In Deutschland lebten nach Statista.com im Jahr 2023 8.463.400 Menschen, davon ungefähr 42,9 Millionen Frauen und 41,8 Millionen Männer. Das entspricht einem Verhältnis von 50,7% zu 49,3%. Das sind also, anders als in der Weltbevölkerung, mehr Frauen als Männer. Aber auch hier schwand bereits in den letzten Jahrzehnten der Frauenanteil durch die Migration von überwiegend jungen Männern. Das bedeutet einerseits, dass das angeblich natürliche Geschlechterverhältnis von 50:50 falsch ist, eben das Patriarchat unberücksichtigt lässt, und andererseits, dass Deutschland scheinbar weniger patriarchal ist als der Weltdurchschnitt, sich dies aber schon bald ändern wird. </p>
<h3 id="etwas_genetik">Etwas Genetik</h3>
<p>Vereinfachend wird seit dem letzten Jahrhundert von einen 50:50-Verhältnis ausgegangen, es sei die natürliche Verteilung. Diese Annahme passt ideologisch zur patriarchalen Grundannahme der Natürlichkeit der monogamen Ehe, dem Paar. In allen kleinen Urmenschen-Populationen jedoch muss es wesentlich mehr Frauen gegeben haben, denn es waren immer die Mütter, Schwestern und Großmütter, die die im Vergleich zu anderen Arten sehr lange Kindheit begleiteten. In diesen Matrifokalen lebten auch die Brüder und Onkel der mütterlichen Linie, jedoch hatten sie biologisch gesehen eine Schutzfunktion nach außen und stellten Kontakte zu anderen Matrifokalen her, um die Exogamie in matrilokaler Ausübung zu fördern. Diese hohe Anzahl von Frauen muss &#8211; ebenso wie unser angeborenes matrifokales Sozialverhalten &#8211; in den ursprünglichen Matrifokalen genetisch verankert gewesen sein, bevor das Patriarchat im wahrsten Sinne des Wortes zuschlug. Dazu passt ein neuer jungsteinzeitlicher Befund aus der Nekropole von Panoría (Südspanien), wo doppelt so viele Frauen bestattet worden waren wie Männer.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup> Auch haben jüngst amerikanisch-chinesische Wissenschaftler ein Gen identifiziert, dass dafür verantwortlich sein soll, dass in manchen Familien nur Mädchen geboren werden. &#8222;<em>Verursacht wird die mädchenfördernde Mutation durch den Austausch nur einer einzigen Base im Code der DNA, wie das Team berichtet. Diese Punktmutation liegt in der Nähe des Gens ADAMTS14. Gene aus der ADAMTS-Familie sind dafür bekannt, an der Spermienbildung und Befruchtung beteiligt zu sein.</em>&#8222;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup> Die Entdeckung soll in der Tierzucht erprobt werden, so dass mehr Kühe als Stiere geboren werden und mehr Hühner als Hähne. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie auch beim Menschen Anwendung findet. Dann können wenige Potentaten noch zu ihren Lebzeiten zahllose Kinder mit den eigenen Genen mithilfe missbrauchter Frauenkörper produzieren, ohne dass es eine Fabrik mit sog. künstlichen Gebärmüttern braucht.<br />
Eine entsprechende Mutation, mit der Familien nur Jungen bekommen, wurde noch nicht gefunden. Gefunden wurden aber zwei weitere Mutationen, die eventuell auch an der Geschlechtsverteilung beteiligt sind. Es muss Phasen geben, in denen das heute seltene &#8222;Mädchen-Gen&#8220; gehäuft auftritt, sonst hätte es sich nicht so lange gehalten. &#8222;<em>Umgekehrt nehmen in Phasen, in denen weniger Jungs zur Welt kommen, Mutationen zu, die für mehr männliche Babys sorgen</em>“, so die Mutmaßung, die auf einer Beobachtung beruht.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup> Anderenfalls käme es nicht zu dem 50:50-Verhältnis. Diese Phasen-Theorie, entwickelt von dem britischen Evolutionstheoretiker Ronald Fisher (1890-1962)<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup>, korreliert mit dem Sinuskurvenmodell der Zukunfts- und Patriarchatsforscherin Riane Eisler, wonach im Patriarchat Zeiten starker Frauenfeindlichkeit Kriegen vorausgehen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup> Dass plötzlich mehr &#8222;Mutationen&#8220; für Jungen sorgen, muss erst noch bewiesen werden, klar ist schon jetzt, dass das patriarchale Zuchtprogramm künstlich eingreift.</p>
<p>Nun, jedes Gen hat einmal als Mutation angefangen und setzte sich als Anpassung durch. Ich vermute, dass diese heute als Mutation gesehene Besonderheit, die auf dem Chromosom Nr. 9 liegt, ursprünglich in vorpatriarchaler Zeit nicht die Ausnahme, sondern die Regel war, und zwar als Anpassung an die lange Kindheit. Das Patriarchat mit seiner Viehzüchtermentalität hat sie demnach einfach weggezüchtet, z.B. indem Töchter als minderwertig galten, die keine Brüder hatten. Damit würde sich heute die vorpatriarchale Genetik gelegentlich noch als vermeintliche Mutation zeigen.<br />
Da viele Parameter, soziale und genetische, in das Geschlechterverhältnis einfließen, ist es statistisch zwingend, dass sich die Unterschiede zwischen einzelnen Populationen verwischen, je großer die Bevölkerungszahl wird. Während Matrifokale stabil bleiben, solange keine Naturkatastrophe eintritt, führen patriarchale Populationen immer zu <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" rel="noopener" target="_blank">Überbevölkerung</a> und kompensieren Katastrophen aller Art mitunter sehr schnell und effektiv, allerdings ist die Lebensqualität dann überwiegend deutlich schlechter und <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gewalt-garant-und-symptom-des-patriarchats" target="_blank">Gewalt</a> gehört zur Tagesordnung. Die Regel 50:50 ist also ein Effekt der patriarchalen Überbevölkerung und der Wahrscheinlichkeitsrechnung, eine erstaunliche, mathematische Annäherung an die Ideologie der Monogamie des Menschen. </p>
<h3 id="konsequenzen">Konsequenzen für die Frauenpolitik</h3>
<p>Eine Zementierung des Geschlechterverhältnisses von 50:50 in der Politik wird uns, wie oben gezeigt, im wahrsten Sinne des Wortes nicht gerecht und fördert das Patriarchat. Der sich am Gerechtigkeitsgefühl orientierende Konsens hätte mittelfristig fatale Folgen, würde sich der wachsenden Männerzahl anpassen und die Politik würde immer männerlastiger und damit auch immer patriarchaler. Das blüht uns Frauen, wenn die sogenannte Gerechtigkeit die Oberhand behält, statt das Patriarchat an seiner Wurzel (lat. <em>radix</em>) zu packen, d.h. echten <strong>radikalen Feminismus</strong> zu betreiben.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup>
Gäbe es kein Patriarchat, d.h. könnten Frauen ihre evolutionäre Female Choice frei ausüben, gäbe es weltweit nicht nur keine Überbevölkerung, sondern einen weit höheren Frauenanteil als 50%. Das monogame Paar aus Mann und Frau ist das patriarchale Konstrukt, das den biologischen Vater als Herrscher installiert und den vereinzelten Mann mit Zuwendung, Geborgenheit und Angehörigkeit versorgt. Das Konstrukt ist nachweislich dysfunktional, wogegen eine Population mit höherem Frauenanteil bzw. matrifokaler Lebensweise nachweislich stabil und in jeglicher Hinsicht gesund ist. Aus Fürsorge für die Bevölkerung, um das Patriarchat zurückzudrängen, müsste daher ein deutlich über 50%-Anteil Frauen in der Politik gefordert werden. Die Frauenquote, gefordert von Politikerinnen, war zumindest ein Schritt in diese Richtung. Aber hat das auch eine bessere Politik hervorgebracht? Insbesondere die Parteien, die eine Frauenquote eingeführt haben, sind inzwischen die Beweisführung angetreten. Die Koalitionen aus SPD, Grünen müssten demnach eine für Frauen und damit auch für die gesamte Bevölkerung entlastende Politik betreiben, und zwar nicht nur in Hinblick auf Teilhabe, sondern auf Finanzen, Gesundheit und Gewaltschutz. </p>
<p>Das Private ist politisch; kein Satz des Feminismus ist so bedeutsam. Der Soziologe Ulrich Beck schrieb dazu: &#8222;<em>Dass auch die Verhältnisse hinter den Mauern der Privatsphäre nicht immer in den traditionellen Mustern von Ehe und Familie, Männer- und Frauenrolle ablaufen müssen, hatte der historisch Kundige geahnt, musste aber erst durch Enttraditionalisierungen in das Wissen, mehr noch: in die Entscheidung hineingeholt werden. Dem Gesetzgeber steht weder das Recht noch die Möglichkeit offen, hier hineinzuregieren. Die &#8218;Nebenregierung der Privatheit&#8216; kann die Verhältnisse des Zusammenlebens ohne Gesetzesvorlage und Beschlußfassung hier und jetzt verändern und tut dies auch, wie die emporschnellenden, querliegenden, wechselnden Lebensverhältnisse verdeutlichen.</em>&#8222;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">15</sup> Eine Politik, die das Private in Ruhe lässt, ist also einerseits gut, denn so können sich Frauen das Patriarchat im Rahmen des ihnen Möglichen vom Halse halten, z.B. indem sie einfach keinen Mann ins Boot holen. Andererseits passieren gerade hinter verschlossenen Türen immer noch die schlimmsten Verbrechen an Mädchen und Frauen durch ihre Partner oder männlichen Verwandten.</p>
<p>Wir können heute sogar feststellen, dass das Private von der Politik mehr als je zuvor gesteuert wird, auch wenn lange die Forderung im Raum stand, dass die Politik sich herauszuhalten hat. Letzteres nützt vor allem Männern, das haben Feministinnen schon der ersten Stunde angemahnt und seitdem forderten sie das Wahlrecht, das Recht zur Berufstätigkeit, den Unterhalt für geschiedene Frauen, das Recht, ein Konto zu eröffnen, die Abschaffung der Vergewaltigung in der Ehe und allgemeinen Gewaltschutz. Zwar üben die meisten Ministerien direkten Einfluss auf Frauenleben aus, aber im Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie dem Justizministerium wurden und werden die wesentlichen Gesetze gemacht. In diesen Ministerien wirkten in den letzten Jahrzehnten immer wieder Frauen und die Zahl der Ministerinnen war insgesamt noch nie so hoch wie in der Legislaturzeit der Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP. Es gab zwischenzeitlich sogar 4 Ministerpräsidentinnen, <em>Manuela Schwesig</em> (MV) und <em>Anke Rehlinger</em> (Saarland, nach <em>Annegret Kramp-Karrenbauer</em>), <em>Franziska Giffey</em> (Berlin, reg. Oberbürgermeisterin), wobei die vierte, <em>Malu Dreyer</em> (RlP) nach 11 Jahren zugunsten eines Mannes aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat. Die bislang einzige Bundeskanzlerin <em>Angela Merkel</em> trat nach 16 Jahren amtsmüde zurück und wurde ebenfalls per Bundestagswahl durch einen Mann ersetzt. Mit der Bundestagswahl 2025 sitzt wieder ein Mann im Kanzleramt.</p>
<p>Was macht weibliche Politik eigentlich aus? Die FDP-Politikerin und ehemalige Justizministerin <strong>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger</strong> meint, &#8222;<em>Frauen hätten möglicherweise eine andere Führungsweise als Männer, pflegten einen gewissen Teamgedanken und das &#8218;Verständnis für die Partizipation Vieler&#8216;. Aber natürlich wollten sie auch Macht ausüben und sähen das eben nicht mehr als etwas Negatives, sondern als Gestaltungsmöglichkeit, die sie genau wie die Männer nutzen wollten.</em>&#8222;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">16</sup>
<p>Und genau hier liegt das Problem, Frauen wollen einen Teil vom Kuchen, völlig zurecht, aber es ist ein vergifteter Kuchen. Das führt letztlich zu einem Dilemma. Alle Frauen, die keine politische Macht haben, sind männergesteuert, aber Frauen in der Politik sind es erst recht. Denn das Patriarchat bleibt ja bestehen, aber nun dürfen sie andere Frauen mitbestimmen, jedoch immer im Rahmen der patriarchalen Vorgaben. Sonst kämen sie gar nicht an die Macht, würden in ihrer Parteilaufbahn von Parteifreunden und -genossen ausgebremst. Jede Frau, die mit viel feministischem Idealismus in eine Partei eingetreten ist, ist nach Jahren nicht wieder zu erkennen. Dass Frauen jetzt Politik gegen Frauen machen, gehört nun untrennbar dazu. Frauen haben also mit der Emanzipation das Recht bekommen, Frauen zu verraten, und ihr Spielraum, für Frauen etwas zu verbessern, ist beinahe ungebrochen gering. <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2025/04/Gabriele-Uhlmann_Frauen-in-der-Politik-Eine-zielorientierte-Nestbeschmutzung.pdf">26 brisante Seiten WEITERLESEN als PDF</a></p>
<h2 id="literatur">LITERATUR</h2>
<ul id="liste2">
<li>Beck, Ulrich: Risikogesellschaft – Auf dem Weg in eine andere Moderne.  Frankfurt a. M. 1986. 23. Auflage. 2016</li>
<li>Broens, Selena: Radfem. Norderstedt 2022</li>
<li>DER SPIEGEL 7/94: Lila Frevel. Niedersachsens grüne Frauenministerin Waltraud<br />
Schoppe wird von der eigenen Partei demontiert. Online-Ressource vom 13.02.1994 auf <a href="https://www.spiegel.de/politik/lila-frevel-a-369a7cc7-0002-0001-0000-000013684359" rel="noopener" target="_blank">https://www.spiegel.de/politik/lila-frevel-a-369a7cc7-0002-0001-0000-000013684359</a></li>
<li>Divale, William Tulio: Systemic Population Control in the Middle and Upper Palaeolithic: Inferences Based on Contemporary Hunter-Gatherers. In: World Archaelogy, 1972, 4, S. 222–243</li>
<li>Eberhard, Anne: Das Verbot der Leihmutterschaft ist überholt. Aus: DER SPIEGEL online vom 23.10.2024. Online-Ressource auf <a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/das-verbot-der-leihmutterschaft-ist-ueberholt-a-bb3d7cc1-cbec-45dd-9896-1905fb0674c3" rel="noopener" target="_blank">https://www.spiegel.de/politik/deutschland/das-verbot-der-leihmutterschaft-ist-ueberholt-a-bb3d7cc1-cbec-45dd-9896-1905fb0674c3</a></li>
<li>Eisler, Riane: Kelch und Schwert. Unsere Geschichte, unsere Zukunft. Weibliches und männliches Prinzip in der Geschichte. Freiamt 2005. Am. Originalausgabe 1987</li>
<li>EMMA online vom 25.10.2024: „Sexist Man Alive 2024“ geht an Strack-Zimmermann. Online-Ressource auf <a href="https://www.emma.de/artikel/sexist-man-alive-2024-geht-strack-zimmermann-341357" rel="noopener" target="_blank">https://www.emma.de/artikel/sexist-man-alive-2024-geht-strack-zimmermann-341357</a>. Printausgabe EMMA 11-12-2024, S. 98 f</li>
<li>Gersemann, Katja: Was bleibt am Ende von Annegret Kramp-Karrenbauer? Aus: Deutscher BundeswehrVerband e.V. online vom 04.01.2022 auf <a href="https://www.dbwv.de/aktuelle-themen/blickpunkt/beitrag/was-bleibt-am-ende-von-annegret-kramp-karrenbauer" rel="noopener" target="_blank">https://www.dbwv.de/aktuelle-themen/blickpunkt/beitrag/was-bleibt-am-ende-von-annegret-kramp-karrenbauer</a></li>
<li>Gogolin 2019-2024: Gogolin, Stephanie: Das patriarchale Stockholmsyndrom Teil I-IV. Online-Ressourcen auf <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank">https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/</a>vom 06.09.2019-09.07.2024</li>
<li>Gogolin 2022: Gogolin, Stephanie: Das Matrifokal – die menschenartgerechte Fürsorgegemeinschaft. Online-Ressource auf <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2022/05/05/das-matrifokal-die-menschenart-gerechte-fursorgegemeinschaft/" target="_blank">https://marthastochter.wordpress.com/2022/05/05/das-matrifokal-die-menschenart-gerechte-fursorgegemeinschaft/</a></li>
<li>Hauck, M.: Justizministerin kündigt Reform an Unterhaltsrecht: Müssen Väter bald weniger zahlen? Aus: VAMV vom 21.11.2019. Online-Ressource auf <a href="https://vamv-bw.de/justizministerin-kuendigt-reform-an-unterhaltsrecht-muessen-vaeter-bald-weniger-zahlen/" rel="noopener" target="_blank">https://vamv-bw.de/justizministerin-kuendigt-reform-an-unterhaltsrecht-muessen-vaeter-bald-weniger-zahlen/</a></li>
<li>Hitzler, Ronald: “Risiko: Eine öffentliche Inszenierung &#8211; im Rekurs auf Ulrich Beck.“ In: Sozialwissenschaftliche Informationen, 21(2), S. 102-109.<br />
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<li>Ismar, Georg: Lambrechts Silvesterbotschaft: ein Video mit Knalleffekt. Aus: SZ online vom 02.01.2022. Online-Ressource auf <a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/lambrecht-video-silvester-verteidigungsministerin-knalleffekt-1.5725689" rel="noopener" target="_blank">https://www.sueddeutsche.de/politik/lambrecht-video-silvester-verteidigungsministerin-knalleffekt-1.5725689</a></li>
<li>Kelek, Necla: Aydan Özuğuz: Es ist nicht neu&#8230; . In: EMMA Online vom 22.02.2017. Online-Ressource auf <a href="https://www.emma.de/artikel/ministerin-aydan-oezuguz-entlarvt-334201" rel="noopener" target="_blank">https://www.emma.de/artikel/ministerin-aydan-oezuguz-entlarvt-334201</a>, akt. 21.10.2024</li>
<li>Kern, Tom: Wie viel Geld braucht die Liebe? In: Spektrum Online vom 03.04.2025. Online-Ressource auf <a href="https://www.spektrum.de/news/partnerschaft-wie-viel-geld-braucht-die-liebe/2257115" rel="noopener" target="_blank">https://www.spektrum.de/news/partnerschaft-wie-viel-geld-braucht-die-liebe/2257115</a></li>
<li>Köhler, Michael: Frauen in der Politik &#8222;Wir erleben deutliche Angriffe auf die Gleichberechtigung&#8220;. DLF vom 11.11.2018. Online-Ressource auf <a href="https://www.deutschlandfunk.de/frauen-in-der-politik-wir-erleben-deutliche-angriffe-auf-100.html" rel="noopener" target="_blank">https://www.deutschlandfunk.de/frauen-in-der-politik-wir-erleben-deutliche-angriffe-auf-100.html</a></li>
<li>Krapp, Claudia: Warum manche Familien nur Töchter haben &#8211; Neu entdeckte genetische Mutation erhöht die Chance auf eine Tochter. Aus: Scinexx vom 22. Oktober 2024. Online-Ressource auf <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/warum-manche-familien-nur-toechter-haben/" rel="noopener" target="_blank">https://www.scinexx.de/news/biowissen/warum-manche-familien-nur-toechter-haben/</a></li>
<li>Kröning, Anna: Innenministerium verliert vor Gericht gegen Reichelt-Portal. Aus: Welt online vom 21.10.2024. Online-Ressource auf <a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/article254116956/Bundesinnenministerium-verliert-vor-Gericht-gegen-Reichelt-Portal.html" rel="noopener" target="_blank">https://www.welt.de/politik/deutschland/article254116956/Bundesinnenministerium-verliert-vor-Gericht-gegen-Reichelt-Portal.html</a></li>
<li>Louis, Chantal: Warum Mädchen verzweifeln. Aus: EMMA online vom 23.09.2024. Auf: <a href="https://www.emma.de/artikel/jugend-generation-angst-341211" rel="noopener" target="_blank">https://www.emma.de/artikel/jugend-generation-angst-341211</a></li>
<li>Maeße, Jens: Die vielen Stimmen des Bologna-Prozesses. Zur diskursiven Logik eines bildungspolitischen Programms. Bielefeld 2010</li>
<li>MIA e.V. 2018: Online-Ressource auf <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" rel="noopener" target="_blank">https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/</a> abgerufen am 25.10.2024</li>
<li>Neuerer, Dietmar; Delhaes, Daniel: Seehofer gibt Merkel Schuld an &#8222;gefährlichem Aufblühen der AfD&#8220;. Aus: Handelsblatt online vom 25.09.2024. Online-Ressource auf <a href="https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/afd-aufstieg-seehofer-gibt-merkel-schuld-an-gefaehrlichem-aufbluehen-der-afd/100072938.html" rel="noopener" target="_blank">https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/afd-aufstieg-seehofer-gibt-merkel-schuld-an-gefaehrlichem-aufbluehen-der-afd/100072938.html</a></li>
<li>NWVZ 1885: Neue westfälische Volks-Zeitung 9 (15.3.1885) 63, Online-Ressource auf <a href="https://zeitpunkt.nrw/ulbms/date/day/2245579?d=1885-03-15" rel="noopener" target="_blank">https://zeitpunkt.nrw/ulbms/date/day/2245579?d=1885-03-15</a></li>
<li>Schindler, Frederik: FDP will Legalisierung. Organspende erlaubt, Leihmutterschaft nicht – &#8222;Eklatanter Widerspruch&#8220;. Aus: Welt online vom 06.04.2021. Online-Ressource auf <a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/article228964093/FDP-zu-Leihmutterschaft-Frauen-muessen-das-Recht-dazu-haben.html" rel="noopener" target="_blank">https://www.welt.de/politik/deutschland/article228964093/FDP-zu-Leihmutterschaft-Frauen-muessen-das-Recht-dazu-haben.html</a></li>
<li>Schneider, Reto U.: Die künstliche Gebärmutter soll Frühgeborene retten. Sie könnte verändern, wie wir auf die Welt kommen. Aus: NZZ online vom 28.04.2023. Online-Ressource auf <a href="https://www.nzz.ch/folio/die-kuenstliche-gebaermutter-soll-fruehgeborene-retten-sie-koennte-veraendern-wie-wir-auf-die-welt-kommen-ld.1734460" rel="noopener" target="_blank">https://www.nzz.ch/folio/die-kuenstliche-gebaermutter-soll-fruehgeborene-retten-sie-koennte-veraendern-wie-wir-auf-die-welt-kommen-ld.1734460</a></li>
<li>ScienceVega 2024: Twice as many women buried in Panoría necropolis. Online-Ressource vom 30.9.2024 auf <a href="https://sciencevega.com/social-sciences-and-humanities/twice-as-many-women-buried-in-panoria-necropolis/" rel="noopener" target="_blank">https://sciencevega.com/social-sciences-and-humanities/twice-as-many-women-buried-in-panoria-necropolis/</a></li>
<li>Song, Siliang; Zhang, Jianzhi: In search of the genetic variants of human sex ratio at birth: was Fisher wrong about sex ratio evolution? Proc. R. Soc. B.29120241876 Online-Ressource auf: <a href="http://doi.org/10.1098/rspb.2024.1876" rel="noopener" target="_blank">http://doi.org/10.1098/rspb.2024.1876</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Zum 25-jährigen Jubiläum des grünen Müttermanifestes. Online-Ressource auf <a href="https://braunschweig-spiegel.de/zum-25-jaehrigen-jubilaeum-des-gruenen-muettermanifestes/" rel="noopener" target="_blank">https://braunschweig-spiegel.de/zum-25-jaehrigen-jubilaeum-des-gruenen-muettermanifestes/</a> vom 16.10.2011</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Archäologie und Macht, Norderstedt 2012</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Female Choice – unser unbekanntes Menschenrecht. Online-Ressource von 2015 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" rel="noopener" target="_blank">https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice</a></li>
<li>&#8211;	Uhlmann, Gabriele: Nazikeule Mutterkult – Wie mit Halbwissen Mütter mundtot gemacht werden und was dagegen hilft. 20.04.2017. Online-Ressource auf <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/" target="_blank">https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Pechmarie – Warum wir die Faulheit der Mädchen zum Überleben brauchen. 14.12.12017. Online-Ressource auf <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/12/14/pechmarie-warum-wir-die-faulheit-der-maedchen-zum-ueberleben-brauchen/" rel="noopener" target="_blank">https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/12/14/pechmarie-warum-wir-die-faulheit-der-maedchen-zum-ueberleben-brauchen/</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Frauen – woher nehmen, wenn nicht stehlen? Über Frauenraub und seine historischen Grundlagen. Vortrag, gehalten am 3.11.2018 an der Freien Universität Berlin im Rahmen der Tagung „Frauenraub – Interdisziplinäre Tagung zum Frauenraub im Altertum“ vom 2.-3-11.2018. Online-Ressource mit Aktualisierungen auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" rel="noopener" target="_blank">https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: 2030 – Die sog. Künstliche Gebärmutter. Online-Ressource auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter?tab=Bevoelkerungspolitik-und-Menschenproduktion" rel="noopener" target="_blank">https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter?tab=Bevoelkerungspolitik-und-Menschenproduktion</a> vom 09.06.2021</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat. Online-Ressource vom 30.05.2024 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt" target="_blank">https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt</a></li>
<li>Welt 2021: &#8222;Islamismus ist keine Diskriminierung, das ist eine Terrororganisation, wenn Sie so wollen&#8220;. Online-Ressource: Welt Online vom 30.07.2021 <a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/article232824151/Saskia-Esken-Islamismus-ist-keine-Diskriminierung.html" rel="noopener" target="_blank">https://www.welt.de/politik/deutschland/article232824151/Saskia-Esken-Islamismus-ist-keine-Diskriminierung.html</a></li>
<li>Welt 2024: &#8222;Eine der schlimmsten Folgen von Merkels Kurs ist das gefährliche Aufblühen der AfD&#8220;. Online-Ressource: Welt Online vom 25.09.2024. <a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/article253688568/Seehofer-fordert-Merkel-zur-Selbstkritik-beim-Thema-Migration-auf.html" rel="noopener" target="_blank">https://www.welt.de/politik/deutschland/article253688568/Seehofer-fordert-Merkel-zur-Selbstkritik-beim-Thema-Migration-auf.html</a></li>
<li>Zeit 2016: Minister will Mütter zur Auskunft über leiblichen Vater verpflichten. Aus: Zeit online vom 29.08.2016 auf <a href="https://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-08/heiko-maas-kuckuckskinder-mutter-sexualpartner-auskunftspflicht" rel="noopener" target="_blank">https://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-08/heiko-maas-kuckuckskinder-mutter-sexualpartner-auskunftspflicht</a></li>
</ul>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gertrude Guillaume-Schack (1845-1903), geb. Schack von Wittenau, war eine Aktivistin der zweiten Internationale, Frauenrechtlerin und Gründerin des Deutschen Kulturbundes.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;NWVZ vom 15.3.1885, S. 2</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Privater Feminismus ist sicherlich so alt wie das Patriarchat. In der Französischen Revolution entwickelte sich erstmals eine Bewegung.</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Diese Zahlen erhob der amerikanische Ethnologe William Tulio Divale 1972 bei sog. Naturvölkern. Obwohl sie Populationen betreffen, die keine offene Manipulation der Reproduktion vornehmen, handelte es sich dennoch um Völker, in denen Ehen geschlossen werden, also patriarchalisierte Völker. Divale hatte die Prinzipien von Matrilinearität und Patrilinearität und deren Zustandekommen nicht durchstiegen, wie ich es bereits an anderer Stelle (Uhlmann 2012) ausgeführt habe. Die Zahlen können damit nicht den Anspruch erheben, das natürliche sekundäre Geschlechterverhältnis der Spezies Homo Sapiens widerzuspiegeln.</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sexuelle Selektion nach Darwin: vollständig freie Wahl des Sexualpartners durch die Weibchen. Siehe verlinkter Text.</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das Matrifokal bezeichnet &#8222;<em>ein real vorhandenes, naturgemäßes, dynamisches Habitat, das von Beginn des Menschseins als <strong>existenzsichernde Schutzsphäre</strong> für die Mütter und ihren Nachwuchs fungierte. In der Regel bestehend aus konsanguinen Angehörigen beiderlei Geschlechts innerhalb der frühen <strong>matrilinear und matrilokal</strong> sowie <strong>generationsübergreifend</strong> lebenden Menschengruppen. Was bedeutet: durch Geburt verwandte Menschen interagierten in ihrem Alltag in überschaubaren <strong>mutterbasierten</strong> und <strong>geschwisterbezogenen</strong> Fürsorge-Gruppen, in denen in der Regel <strong>jedes Individuum von der Geburt bis zum Tod, integriert und geborgen lebte</strong>.</em>&#8220; (Gogolin 2022)</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich definiere das Matridurat als ein Matrifokal (vgl. Gogolin 2022), das vom Patriarchat umgeben und bedroht ist und sich erfolgreich, bewusst und resilient mit Regeln und/oder mittels Verteidigung gegen die patriarchale Einverleibung schützt.</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2024</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. ScienceVega 2024</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Song/Zhang 2024</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Krapp 2024</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;In der Studie wird noch differenziert: &#8222;<em>In most dioecious species, especially mammals, the population-level sex ratio (fraction of males) at birth, or PSR, is approximately 0.5, meaning that roughly equal numbers of males and females are born in a population. This parity is commonly explained by Fisher’s principle, an idea that can be traced back to Charles Darwin, Carl Düsing and Ronald Fisher</em>&#8222;. (Song/Zhang 2024)</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eisler 2005, S. 233</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eine gute Begriffserklärung liefert Broens 2022.</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Beck 1986, S. 369 f</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. (Köhler 2018)</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-in-der-politik-eine-zielorientierte-nestbeschmutzung">Frauen in der Politik? &#8211; Eine zielorientierte Nestbeschmutzung</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Apokalyptische Reiter reloaded – Warum Kulturen immer wieder untergehen und was das für die Gesellschaft bedeutet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jul 2024 15:41:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Analysen und Studien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Bild: Die vier Reiter der Apokalypse (Beatus-von-Osma-Codex, 11. Jahrhundert) von Martinus (Scribe-Petrus) &#8211; Archives de la Cathédrale, Gemeinfrei Gesellschaftlicher Zerfall als Phänomen Die Archäologie beobachtet schon seit Langem, dass...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/apokalyptische-reiter-warum-gehen-kulturen-immer-wieder-unter-und-was-bedeutet-das-fuer-die-gesellschaft">Apokalyptische Reiter reloaded – Warum Kulturen immer wieder untergehen und was das für die Gesellschaft bedeutet</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Bild: Die vier Reiter der Apokalypse (Beatus-von-Osma-Codex, 11. Jahrhundert) von Martinus (Scribe-Petrus) &#8211; Archives de la Cathédrale, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=499335" target="_blank" rel="noopener">Gemeinfrei</a><br />
<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/a00aea18be514d1ea55b8d7cae8b307b" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h2 id="gesellschaftlicher-zerfall-als-phaenomen">Gesellschaftlicher Zerfall als Phänomen</h2>
<p>Die Archäologie beobachtet schon seit Langem, dass sich in Europa ab einem gewissen Zeitpunkt in der Jungsteinzeit immer neue Kulturen quasi die Klinke in die Hand gaben. Kaum war eine neue Kultur entstanden, verschwand sie auch schon wieder. Bandkeramik, Hinkelstein Kultur, Groß Gartacher Kultur, Rössener Kultur, Michelsberger Kultur etc., sie alle entstanden und verschwanden in Zeitrahmen von nur wenigen hundert Jahren. Wo die Menschen geblieben sind, war lange ein Rätsel und Gegenstand von Spekulationen, bis die Genetik zeigen konnte, dass manche Kulturen tatsächlich spurlos verschwanden, andere dagegen in neuen Kulturen aufgingen, also assimiliert wurden.</p>
<p>Der Kultur-Begriff muss dabei kurz erklärt werden. Mit z. B. der Rössener Kultur ist eine prähistorische Gemeinschaft gemeint, die eine für sie typische materielle Ausprägung zeigt. So angewendet dient der Kultur-Begriff lediglich zur Unterscheidung von Gemeinschaften über Raum und Zeit, sagt aber noch nichts über das Wesen ihrer Sozialordnungen aus. Im Folgenden gebrauche ich den schwer definierbaren Kultur-Begriff &#8211; um den Rahmen nicht zu sprengen &#8211; als die Gesamtheit des tradierten Schaffens, Erfindens, Denkens und Verhaltens, die sog. <a href="https://openevo.eva.mpg.de/teachingbase/kumulative-kultur/?lang=de" target="_blank" rel="noopener">kumulative Kultur</a>.<br />
Im medialen Sprachgebrauch wird eher nicht vom Zusammenbruch von Kulturen gesprochen, sondern von Gesellschaften, womit meist Vorstellungen von Gesellschaft verbunden sind, wie wir sie leben. Der „Untergang der Gesellschaft“ ist zudem ein Schreckgespenst, das gerne an die Wand gemalt wird. Daher müssen wir uns dieses Wort ebenfalls genauer ansehen. Eine Gesellschaft ist entgegen dem Sprachgebrauch keine natürliche Sozialordnung, sondern immer von Männern gewaltsam hergestellt und aufrechterhalten. Dabei haben sie eine spezifische Kultur hervorgebracht, die nur im Patriarchat denkbar ist. Deshalb ist die Gewalt untrennbarer Teil der patriarchalen Kultur, die eine Andro-Kultur<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup> ist. Einer Gesellschaft wird ihre Beschreibung allein über materielle Güter nicht mehr gerecht. In jeden Gegenstand kann nun potentiell auch eine höhere Bedeutung hineininterpretiert werden. Bis heute wird Gewalt und Gewaltverhalten kultiviert, was sich meist auch an den Gütern spiegelt. Kriegswaffenfunde bei einer archäologischen Grabung müssen in patriarchale Zeit datiert werden, wobei der regionale Ursprung der Waffe wie bei jedem anderen Einzelfund genauer untersucht werden muss. Bei z.B. dem Fund eines harmlosen Plastikeimers können wir darüber nachdenken, was alles geschehen musste, bis die Kultur in der Lage war, ihn herzustellen. Entsprechend muss hier auch mit einer immateriellen Gewalt-Kultur gerechnet werden. Findet sich aber ein solcher Eimer in einem bis dahin unkontaktierten Volk, muss das kein Beweis für eine Gewalt-Kultur sein.<br />
Das globale Patriarchat, auch „die Gesellschaft“ genannt, setzt sich aus vielen Einzel-Gesellschaften zusammen, die auf Stämme mit Stammvätern zurückgehen, und die jede für sich zerfallen kann, ohne dass das Patriarchat bedroht wäre. Solange irgendwo Patriarchat, sprich ein „böser Nachbar“ zu finden ist, werden Gesellschaften zerfallen und neu entstehen, weil das Patriarchat aufgrund seiner Überbevölkerung expansiv ist und jeden verwaisten Landstrich wiederbesetzt, allen Überlebenden eine neue Herrschaft überstülpt. Dabei verändert sich die materielle Kultur und die Regierung wechselt, aber aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit werden die Menschen schnell wieder zur Normalität zurückfinden. Dafür arbeitet wiederum ihr privates Patriarchat, denn es gilt: Das Private ist das Politische. Daher ist das Szenario eines Untergangs der Gesellschaft ein Phantom, solange nicht die Gemeinschaft der Unterdrückten dieser Welt erkennt, dass ihre private Lebensweise das Problem ist.<br />
Zerfällt eine bestimmte Gesellschaft, zerfällt auch ihre Kultur, und ohne die Kulturträger, die Menschen, ist alles nur noch ein archäologischer Fund. Es ist aber auch umgekehrt so, dass der Zusammenbruch einer Kultur sofort den Zusammenbruch einer Einzel-Gesellschaft nach sich zieht, die sie hervorgebracht hat, weil eine bestimmte Gesellschaft auch eine bestimmte Kultur mit einer entsprechenden Ideologie braucht, ohne die sich ihre Mitglieder in schwere Auseinandersetzungen verwickeln. Je mehr kulturelle Optionen vorhanden sind, desto größer auch die Meinungsvielfalt, die ohne sanktionierte Debattenkultur oder Unterdrückung anderer Meinungen zum Bürgerkrieg führt. Gemeint ist eigentlich immer die Frage, wie wir ein gutes Leben hinkriegen, und da unterscheiden sich im Patriarchat insbesondere Männer und Frauen fundamental. Auch Männer können sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen, dann aber geht es den Frauen noch schlechter. Die gewaltgeprägte Andro-Kultur ist der Kitt, der eine Gesellschaft zusammenhält, so paradox das klingt. Daher wird es trotz aller gutgemeinter Appelle kein Patriarchat ohne Gewalt gegen Frauen geben.<br />
Der Zusammenbruch „der Gesellschaft“ ist daher genaugenommen eine Befreiung vom Patriarchat, jedoch nur wenn dabei auch das Patriarchat aus den Köpfen verschwindet. Eine vorherige Aufklärungsbewegung erweist sich dann überlebenswichtig für die gesamte Menschheit, die Idee muss schon irgendwo <em>in petto</em> sein. Wie bereits an anderer Stelle ausgeführt, ist die Gesellschaft immer ein patriarchales, also auch hierarchisches System. Eine Andro-Kultur bringt daher auch Güter hervor, die diese Hierarchie (übersetzt „heilige Herrschaft“) nicht nur ausdrücken, sondern ihr huldigen bzw. als heilsbringend verklären. In einer akut zu zerfallen drohenden Gesellschaft wird stets auch der Ruf nach einem Heilsbringer laut. Personenkult und die Radikalisierung der religiösen Weltanschauung oder gar die Entstehung von Ersatz-Religion gehören dazu. Beide, eine Gesellschaft und ihre Andro-Kultur bedingen sich gegenseitig. Die Frage ist, ob sie aufgrund interner Probleme quasi implodiert ist, oder ob sie durch Angreifer zerstört wird.</p>
<p>Dagegen braucht unser angeborenes Sozialverhalten, die Matrifokalität, keinen kulturellen Kitt, sondern ist egalitär und friedlich und bringt Kulturtechniken hervor, die das Leben erleichtern und den Nachwuchs in jeder Hinsicht fördern und erhalten, weshalb sie an die nächste Generation weitergegeben werden. Daher müssen z.B. über einen langen Zeitraum gleichartige Gefäße oder Werkzeuge nicht bedeuten, dass ihre Ausformung die gelebte Identität der Menschen ausdrückt, sondern können auch einfach bedeuten, dass der Gegenstand optimiert war. Selbst grafische Muster können sich ohne höheren Sinn so über einen langen Zeitraum wiederholen. Ähnlich wie die Sprache verändern sich die Dinge dennoch, weil kein Mensch immer alles genau so machen kann wie ein Vorfahr. Die sich wandelnden naturräumlichen Bedingungen beeinflussen ebenfalls quasi evolutionär die Ausgestaltung von Gegenständen. Im Matrifokal wird der Wandel nicht forciert oder nur herbeigesehnt, sondern er passiert und die Menschen passen sich unbewusst an. Entsprechend verändert sich auch Erinnerung und ihre erzählte Geschichte. Die Sozialordnung des Matrifokals ist äußerst stabil und sie war über 3 Millionen Jahre Menschheitsentwicklung die optimale Lebensweise. Sie ist von innen nicht bedroht, solange sich die Menschen nicht blindlings von einer Technologie abhängig machen, die konstante naturräumliche Bedingungen voraussetzt.</p>
<h2 id="gewalt-andro-kultur">Die Gewalt als Voraussetzung von Gesellschaft und Andro-Kultur</h2>
<p>Jede Gesellschaft wird von archäologisch oder gegenwärtig unsichtbarer Gewalt zusammengehalten: von Ideologie und entsprechender häuslicher Gewalt, deren Existenz nur durch empirischen Vergleich rückgeschlossen werden kann. Das Patriarchat baut auf Gewalt gegen seine eigenen Mitglieder, zuerst gegen die Frauen, auf, es ist der sprichwörtliche falsche Film.<br />
Innerhalb eines Patriarchats sind nicht alle gleich, insbesondere werden die Frauen, die durchaus Raum gewinnen können, wenn sie sich zusammentun oder Einfluss haben und Forderungen stellen, immer wieder mehr oder weniger subtil auf ihre Plätze verwiesen. Dann haben wir es mit einem sogenannten Backlash (engl. für „Rückschlag“). Die Zukunftsforscherin Riane Eisler hat erkannt, dass jedem Krieg eine Welle der Frauenfeindlichkeit vorausging.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup> In den Nachkriegsjahrzehnten kommen die Menschen zur Besinnung, und erkennen, dass ein Krieg niemals die Lösung aller Probleme ist, um &#8211; zu vorgerückter Stunde &#8211; wieder zur patriarchalen Tagesordnung zurückzukehren. Der nächste Krieg ist damit vorprogrammiert.<br />
Zur inneren Gewalt einer Gesellschaft tritt, wenn sie nicht bald zur Auslöschung führt, immer wieder auch äußere Gewalt durch benachbarte Gesellschaften hinzu, die zweierlei Wirkungen auf die bedrohte Gesellschaft haben kann. Einerseits kann ein gemeinsamer Feind, ein Angreifer, zusammenschweißen, andererseits können sich zwei Lager bilden, von denen sich das eine tendenziell unterwerfen will, während das andere versucht, sich zu wehren, wenn alle Diplomatie zu versagen droht, mit oder ohne Erfolg. Despoten setzen gerne auf die Propaganda des Zusammenhalts, während Demokratien dazu neigen, sich darüber zu zerstreiten, wovon dann die innere Gewalt angeheizt wird. So kann ein Feind allein durch seine Drohungen eine Gesellschaft von innen zermürben. Wir erleben das gerade. Die Spirale der Gewalt, die durch gleich starke, verfeindete Gesellschaften angekurbelt wird, schweißt auch Demokratien im Innern eher zusammen, es sei denn eine starke Gruppe mahnt zum Abrüsten und löst damit eine Debatte aus.</p>
<p><strong>Eine Gesellschaft ist zwar nicht angelegt, um zu zerfallen, ganz im Gegenteil, aber sie kann nur so angelegt werden, dass sie zerfallen muss, früher oder später, weil gleich drei Faktoren gegen sie arbeiten: unser matrifokales Erbe, die innere Gewalt und die feindlichen Gesellschaften.</strong> Aus der Arbeit gegen den Zerfall ziehen im Übrigen wenige Privilegierte innerhalb der Gesellschaft Profit, nicht nur Politiker und Konzerne, sondern auch Kirchenfürsten und Militärs. Honig wird schon allein aus der Warnung vor dem Untergang gesaugt, wobei völlig andere Ziele durchgesetzt werden sollen.<br />
Der endgültige Niedergang einer Gesellschaft ist immer mit vielen Toten verbunden, denn große patriarchalisierte Menschengruppen ringen gegeneinander ums Überleben, statt zu kooperieren. Das gefürchtete Chaos, das Faustrecht bricht aus. Aber es ist äußerst selten, dass niemand übrigbleibt. Die Überlebenden werden in der Regel ihre Andro-Kultur zu restaurieren versuchen. Es braucht aber schon ein starkes ideologisches Umdenken, um etwas Neues zu probieren, um nicht wieder an denselben Fehlern unterzugehen. Der Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg ist dafür ein Beispiel. Man bemühte sich, die alten sozialen Probleme zu bekämpfen, indem der billige Wohnungsbau vorangetrieben wurde, &#8211; wovon wenige Männer reich geworden sind -, viele dieser Bauten machen heute Probleme oder mussten schon wieder abgerissen werden -, und man machte den Fehler der autogerechten Stadt. Nicht das führt zum nächsten Untergang, aber er ist bereits vorprogrammiert, weil das Patriarchat mit dem 2. Weltkrieg nicht mituntergegangen ist und seine modernen Strömungen schon wieder zerstritten sind.</p>
<h2 id="zahlen-statt-meinung">Zahlen statt Meinung – die Auswirkungen von Gewalt und Klima</h2>
<p>Die Offenbarung des Johannes machte die vier apokalypischen Reiter als die Geißel der Menschheit aus. Der erste Reiter stand für Siegeslust und Gerechtigkeit, der zweite für Krieg, der dritte für Tod und Hunger, und der vierte für Angst und Krankheit.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup> Mit Katastrophen war immer auch der Gedanke der göttlichen Reinigung verbunden, sie wurden durchaus auch als etwas Positives gesehen. Dies steht in der babylonischen Tradition des Atra-Hasis-Mythos, Vorläufer der Sintflut-Geschichte, wo Heimsuchungen als Begrenzung der Überbevölkerung durch die Götter verstanden wurden.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>
In der jüngeren Vergangenheit gab es so manche spekulative Meinung, woran der schnelle Wechsel der jungsteinzeitlichen Kulturen liegen könnte, bis die Archäologie begann, das Phänomen des Zerfalls mit naturwissenschaftlichen und mathematischen Methoden eingehend zu untersuchen. In Deutschland federführend bei der Erforschung der Entwicklung ist der Prähistoriker und Paläoklimatologe Detlef Gronenborn, der im Jahre 2011 einen signifikanten Zusammenhang zwischen Klimaeinbrüchen und Migration entdeckt hat.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup> Diese Studie habe ich vor einigen Jahren mit den Spuren der Entstehung des Patriarchats in Verbindung gebracht und konnte zeigen, dass der Beginn des Patriarchats nicht einfach mit dem Beginn der Landwirtschaft identisch ist, wie es vielfach behauptet wird, sondern ca. 3000 Jahre dazwischen liegen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup> Die Archäologie und die Archäogenetik konnten beweisen, dass die sog. Misox-Schwankung vor 8200 Jahren eine bis dahin beispiellose Migration auslöste. Aus dem gleichen Zeitraum finden sich erste Spuren von Kriegen und patrilokaler Lebensweise. Es war aber das Patriarchat selbst, das die völlig neue Dynamik aus Entstehung und Verfall von Kulturen im Gang hielt und eine Kette weiterer Migrationen &#8211; wir können auch sagen &#8211; Feldzügen nach sich zog. Es gab seitdem auch immer wieder Klimakrisen, die jedoch nur noch geringen Einfluss auf die Vorgänge hatten, denn nun war die Ideologie des Patriarchats der Motor, also geistige Gewalt, die andere Gewaltformen impliziert. Nicht das Klima allein kann für Gewalt und Untergang verantwortlich gemacht werden, es war lediglich die Initialzündung eines Prozesses, der zum Selbstläufer wurde. Es hat nun allenfalls verstärkende Wirkung.<br />
Wesentlich dabei war, dass das Patriarchat an die Viehzucht geknüpft ist, die als Reaktion auf die Hungersnot zur Zeit der Misox-Schwankung in der südrussischen Steppe erfunden wurde, und die in sich nomadisch statt sesshaft angelegt war. Das enorme Wachstum der Herden erforderte die Migration der Hirten und ihres Besitzes, und solange die sesshafte Stallhaltung mit Zuchtaustausch bzw. die teilsesshafte Transhumanz noch nicht eingeführt war, führte das an den Stammesgrenzen zu den ersten Kriegen. Die Unterdrückung der Sexualität der Frau &#8211; also Menschenzucht &#8211; und die einseitige Ernährung mit gezüchtetem Fleisch führte zu einer nie dagewesenen Überbevölkerung, wobei männliche Kinder bevorzugt wurden. Aus den überzähligen Männern generierte sich eine gewaltbereite, patriarchatsideologisch gefestigte Kriegerkaste, die zum Selbstzweck immer wieder gen Westen oder weiter nach Osten strebte. Dieser archäologisch-kulturhistorische Ansatz, der insbesondere von der Archäologin Marija Gimbutas ausformuliert wurde &#8211; als sog. Kurgan-These – ist inzwischen auf breiter Basis anerkannt und erfährt seit Jahren durch immer neue Studien weitere Bestätigung.</p>
<p>Darüber, was Kulturen oder Gesellschaften zum Zusammenbruch bringt, wurde wie angedeutet lange mit empirisch-logischen Kausalketten diskutiert. Dabei waren vor allem zwei Argumente wesentlich, gesellschaftliche Konflikte und das Klima. Die Klima-These wurde dabei immer beliebter, ja Konsens, und sie bedient mittlerweile die aktuelle Politik, geht doch die Angst um, dass der Klimawandel nicht nur Katastrophen, sondern auch eine unbeherrschbare Migrationswelle auslöst. Das vorindustrielle Klima eignet sich hervorragend, die Verantwortung auf die böse Natur zu schieben.<br />
Jedoch seit Mitte 2023 liegen Computer-Modelle vor, mit denen die Stichhaltigkeit der Argumente überprüft wurden. Ein interdisziplinäres Team unter der Leitung des russisch-US-amerikanischen Biologen, Komplexitätsforschers und Sozialwissenschaftlers Peter Turchin, dem wieder Detlef Gronenborn angehört, untersuchte die dabei simulierten Bevölkerungsdynamiken über die letzten 9000 Jahre, die, einmal angeworfen, von Kreisläufen aus boomen Kulturen und deren Zusammenbrüchen gekennzeichnet ist.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup>
Zwar wurde das Ergebnis dieser Studie sofort in einem der wichtigsten Fachmagazine publiziert, eine breitere Öffentlichkeit erfuhr aber erst ein halbes Jahr später davon, vielleicht, weil es zu unwichtig oder unspektakulär erschien. Anfang 2024 meldete die „Archäologie in Deutschland“: „<em>Eine Metastudie soll zeigen, dass der Zusammenbruch vergangener Kulturen hauptsächlich mit dem Verfall von gesellschaftlichem Zusammenhalt einhergeht.</em>“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup> Bei einer solchen Tautologie sollte es kein Wunder sein, dass die Resonanz mäßig bis gering ausfällt. Wer jetzt wenigstens erheitert weiterliest, verpasst nicht Detlef Gronenborns Auskunft, dass die Auswirkungen klimabedingter und gesellschaftlicher Faktoren in einer Simulation überprüft wurden.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup> Das hat meine Aufmerksamkeit endgültig erregt, denn ich kannte ja längst seine ältere Studie. Sollte er sich nun selbst widersprechen? Mitnichten! Die Studie bestätigt sogar seine älteren Ergebnisse, und sie ist es wert, näher angeschaut zu werden. Sie zeigt, dass der <em>Impact</em> von Klima und Gewalt (die er oben als „gesellschaftlicher Faktor“ verklausuliert hat) auf eine Gesellschaft unterschiedlich schnell abflaut. Das Klima kann eine ankurbelnde Wirkung auf die Gewalt haben, muss aber nicht. Während nach einer Klimakrise relativ bald alle Schäden an Gütern und Leben kompensiert sind und wieder Ruhe einkehren kann, wirft die Gewalt, sofern sie stattfindet, dann selbst einen Motor an. Ob Gewalt ins Spiel kommt, hängt davon ab, wie abhängig die Menschen zuvor von ihren Technologien geworden waren.<br />
Die Blaupause dafür sind die Vorgänge während und nach der Misox-Schwankung. Während die noch wildbeuterisch lebenden Männer Mitteleuropas auf die Misox-Schwankung adaptiv reagierten und nicht gewalttätig gegen die Frauen und sich selbst wurden, haben die überlebenden, ehemals matrifokalen, nun aber mutterlosen anatolischen Bauern die Kühe aus dem ehemaligen Gesamthandseigentum in die Steppe getrieben, wo sie sie erstmals der Zucht unterwarfen. Analog entführten diese verrohten Männer auch überlebende Frauen und die indigenen Frauen der Steppe und vergewaltigten sie. Als sich die so entstandene sog. Sredny-Stog-Kultur etabliert hatte und begann sich auszubreiten, stieß sie im heutigen Nord-Kasachstan auf die indigene, sesshafte Botai-Kultur und deren Pferdebesitz. Die Botai, die keine Pferdezucht, sondern Pferdehaltung betrieben, um leichter an das Fleisch und die Milch zu gelangen, lebten noch matrifokal. Nachdem die Sredny-Stog-Männer sich deren Wissen, wie ein Pferd zu zähmen und zu reiten sei, angeeignet hatten, endete der „Kontakt“ mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Massaker an den Botai. Sie wurden demnach von diesen ersten Patriarchen ausgelöscht, jedoch ohne dass die Botai-Frauen das überlebt hätten. Ich vermute, dass die Botai-Frauen, die auf einem Pferd reiten konnten, leicht hätten aus ihrer Gefangenschaft fliehen können und das Wissen auch ihren Töchtern verraten hätten. Das musste künftig verhindert werden, wie später lange Zeit den Saudi-Arabischen Frauen das Autofahren nicht gelehrt werden durfte.</p>
<p>Zu Pferde wurde schließlich die gesamte Welt patriarchalisiert, heute können Drohnen den auch für Männer nicht ungefährlichen Job der Vorväter übernehmen. Der Motor der Gewalt kommt erst zum Stillstand, wenn der letzte Kraftstoff verbraucht ist, das letzte Pulver verschossen wurde. Der totale Ressourcen-Verbrauch, aber auch die Dynamik des „Auge um Auge“-Prinzips bilden sich daran trefflich ab. Die Ideologie, die systemische und häusliche Gewalt gegen Frauen bleiben dabei aber unsichtbar. Der letzte Mann wird kinderlos bleiben, ob er sich neuerdings als Frau identifiziert oder nicht. Ohne das Wissen um die Patriarchalisierung und das gewaltsame Wesen aller Gesellschaften ist das Ergebnis der Studie nicht zu verstehen. Wenn das Patriarchat erst einmal ins Rollen geraten ist, ist es praktisch fast nicht mehr zu stoppen, auch wenn sich das Klima wieder bessert, bzw. auch gerade dann, denn günstiges Wetter fördert auch den Wohlstand, es liefert Brot und animiert zu Spielen, verhindert also Revolutionen, und ändert nichts an der Ideologie und häuslichen Gewalt. Aber dieser Umstand taucht nirgendwo auf, wenn es um dieses Thema geht. Es darf alles sein, alles wird in Erwägung gezogen, nur nicht, dass die Herrschaft der Väter, das Patriarchat, Schuld ist an seinen Untergängen.</p>
<h2 id="ersatzmann-schwarzer-tod">Ersatzmann Schwarzer Tod</h2>
<p>In der Zeit ab 5550 Jahren vor heute wurden in ganz Europa Gebiete von Angehörigen der Jamnaja-Kultur aus der Steppe Südrusslands überfallen. Die Jamnaja waren die ersten Reiternomaden, hervorgegangen aus dem Sredny-Stog-Patriarchat. Der dänische Genetiker Eske Willerslev ist davon überzeugt, dass die Ausrottung von teils 90% der Bevölkerung nicht durch deren rohe Gewalt, sondern durch die Pest getötet und die Überlebenden so genetisch überformt worden seien. „<em>Die Pest machte uns zu dem, was wir Nordeuropäer sind</em>“, sagt er in einer Fernseh-Doku.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup> Die Jamnaja hätten nicht nur die Pest, sondern eine neue Sozialordnung eingeführt, die Kleinfamilie – hier fällt erwartungsgemäß nicht das nötige Wort Patriarchat.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup> Dazu sehen wir romantische Bilder einer lachenden Mutter, die ihren Kindern zu essen gibt. Zwar haben wir es hier mit nicht weniger als der Anerkennung der Patriarchalisierung zu tun, aber die Kleinfamilie wird auf diese Weise als positive Neuerung hingestellt. Denn die Familie, die auch unter den Jamnaja vielmehr eine Großfamilie im heutigen Sinne war, der Großväter ihren Namen geben, ist das Herrschaftsgebiet des <em>Pater familias</em> (lat. für Familienvater) und damit für das Vorpatriarchat ein unzulässiger Begriff. Vor dem Patriarchat gab es keine Familienstrukturen irgendwelcher Art, sondern ausschließlich <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt" target="_blank" rel="noopener">Matrifokale</a>. Auch der Paläogenetiker Johannes Krause meint in der Doku, dass allein durch Krieg nicht so viele Menschen sterben könnten wie durch die Pest.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup> Die neue Gewalt gegen die Frauen zeigt dagegen ganz klar: das war keine friedliche Migration, sondern ein klassischer Eroberungsfeldzug mit den ihn begleitenden Vergewaltigungen. Auf die beiden &#8222;Mitbringsel&#8220; der Jamnaja hätten die Frauen gerne verzichtet. Aber es soll so aussehen: „war ja nicht alles schlecht“ unter den Jamnaja!</p>
<p>Mit dem Beginn des Patriarchats lebten deutlich weniger Menschen, es gab keinerlei Gesetze oder Moraltheologie, die die Kriegsopfer vor der Gewalt der Invasoren geschützt hätten, und die Jamnaja-Leute waren, anders als die Opfer, zu Pferde unterwegs, eine militärische Überlegenheit, die bis zur Atombombe nie wieder erreicht wurde. Dass die Jamnaja mit einer gewissen Resistenz gegen die Pest die Indigenen dann einfach aufgrund ihrer Anzahl genetisch dominierten haben sollen, blendet die unliebsame sexuelle Konkurrenz durch die indigenen Männer völlig aus. Besonders eindeutig ist da der archäogenetische Befund aus Spanien, wo vor 4500 Jahren die Hälfte der Bevölkerung durch Abkömmlinge der Jamnaja, die Glockenbecher-Leute, getötet wurde. Wenn es die Pest war, die sie tötete, warum blieben dann dort die indigenen Frauen am Leben, während die Männer umkamen? Mit Leichtigkeit hätte noch die weibliche Hälfte der Bevölkerung ausgerottet werden können, aber das haben weder die Steppenkrieger noch die Pest getan.</p>
<p>Eine Studie eines norwegischen Teams aus 2015 ergab, dass sich das Pest-Bakterium <em>Yersinia pestis</em> niemals in Europa festsetzte, sondern vor jeder Pestwelle stets aus der Steppe importiert wurde.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup> Dafür verantwortlich war ein ungünstiges Klima in der Steppe Zentralasiens:</p>
<blockquote><p>&#8222;Es ist bereits bekannt, dass Klimaeffekte zu einem Ausbruch der Pest aus schlummernden Reservoirs führen können. Kommt es zu einem besonders warmen Frühling und feuchten Sommer, können sich Nagetierpopulationen besonders stark vermehren – und mit ihnen auch ihre Flöhe, in denen die Pesterreger leben. Werden die Bedingungen anschließend wieder schlechter für die Nager, geht ihr Bestand zurück – der ihrer Flöhe aber nicht analog: Die Parasiten suchen deshalb nach Alternativen. So nehmen die hungrigen Rattenflöhe auch Vorlieb mit dem Menschen – und das Unheil nimmt seinen Lauf.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup></blockquote>
<p>Die Bevölkerungen wurden von der Pest nie vollständig dahingerafft, sondern erholten und vermehrten sich wieder. Für eine Ausrottung von 90% der Menschen in einer Region ist nicht allein die klimaabhängige Pest verantwortlich, wie es Johannes Krause glaubt. Im Gegenteil, allein Gewalt kann solche Zahlen erklären. Das bestätigt auch die neue Studie unter Peter Turchin.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">15</sup> Selbst modellhaft sollte sich die Theorie von den Epidemien, die ganze Gesellschaften auslöschen, nicht beweisen lassen. Die Studie erwähnt das am Rande. Die Forscher gehen davon aus, dass Epidemien vergleichbar dem Klima nur einen kurzfristigen Effekt nach sich ziehen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">16</sup> Die Pest muss als Ursache für die Ausrottung ganzer Kulturen ausgeschlossen werden. Auch die vollständige Ausrottung der Botai, über die wir in der o.g. Doku erfahren, die als Indigene längst immun gegen die Pest waren, kann nicht mit der Pest erklärt werden. Das Urbild der Apokalypischen Reiter waren niemand anderes als die Jamnaja-Reiter, aber nicht unabsichtlich, wie es in der o.g. Doku kolportiert wird.</p>
<h2 id="denkverbot-schuld-des-patriarchats">Das Denkverbot über die Schuld des Patriarchats, der Urväter und ihrer männlichen Erben</h2>
<p>Die Pest lenkt mit den gruseligen Vorstellungen, die mit ihr verbunden sind, von der Gewaltbereitschaft der frühen Patriarchen ab, wie generell darüber ein Denkverbot ausgesprochen wird, so auch im EU-Bericht über die bereits erwähnte Studie, nach der auf der iberischen Halbinsel vor 4500 Jahren alle indigenen Männer umkamen:<br />
&#8222;<em>Der beste Beweis dafür sind die Überreste eines Mannes und einer Frau, die in der Bronzezeit zusammen an einem Ort in Spanien begraben wurden. Die Daten zeigen, dass die Frau eine Einheimische war und die jüngsten Vorfahren des Mannes aus Mitteleuropa stammten. &#8218;Es wäre ein Fehler, zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass die iberischen Männer getötet oder gewaltsam vertrieben wurden&#8220;, so Dr. Olalde gegenüber der ‚BBC‘. ‚Die archäologischen Befunde liefern keine eindeutigen Hinweise auf einen Gewaltausbruch in dieser Zeit.‘</em>&#8222;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">17</sup>
Nein, es ist kein „Fehler“, es ist sogar notwendig. Aus der Forensik ist hinlänglich bekannt, dass einem Leichnam nicht unbedingt die Gewalt anzusehen ist, die zum Tod geführt hat. Wirft man einen Leichnam sogar den Tieren zum Fraß vor, bleibt oft noch weniger übrig als z.B. bei einer Kremation. Wären die Männer als Sklaven in die Steppe verschleppt worden, wäre ebenfalls nichts von ihnen zurückgeblieben. Es dürften sich dennoch in der Zukunft klare Beweise zeigen, dass ihnen tötliche Gewalt angetan wurde, wo und wie auch immer. Iñigo Olalde von der Harvard Medical School, Hauptautor der Studie, blendet das vollständig aus: &#8222;<em>Dies ist einer der stärksten Beweise für die sexuelle Selektion in der Vorgeschichte auf dem Gebiet der Erforschung alter DNA</em>.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">18</sup> Die Gewalt gegen die Frauen, die sich den Eroberern verweigerten, interessiert den Autor gar nicht. Er will glauben machen, dass die Jamnaja in friedlicher Absicht nach Spanien kamen. Warum waren sie dann bis an die Zähne bewaffnet und warum starben nur die Männer? Mit seinem evolutionistischen Argument bedient er sich der Instrumentalisierung der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">Female Choice</a>, der wahren Sexuellen Selektion. Das hat nicht nur das Potential, noch die Mörder in ein gutes Licht tauchen und die Frauen in ein schlechtes, sondern ist vor dem Hintergrund des Patriarchats, das eine „Male Choice“ gewaltsam herstellt, vollständig abzulehnen. Denn mit seiner Ideologie der Patrilinearität, welche die Female Choice unterdrücken muss und dafür gewaltsam Patrilokalität herstellt, praktiziert das von Viehzüchter-Mentalität geprägte Patriarchat gleichsam Menschenzucht, die die natürliche Evolution auszuschalten sucht. Unabhängig davon ist mehr als unwahrscheinlich, dass indigene Männer, die sich nicht mehr fortpflanzen durften, schadlos davonkamen. Der „indigene INCEL“ ist im Übrigen ein moderner Mythos, der herangezogen wird, um die Gefahr für Frauen, die von heutigen, real existierenden INCELs ausgeht, mit Pornographie und Prostitution, also wieder auf Kosten der Frauen, einzudämmen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">19</sup>
<h2 id="der-backlash-unserer-zeit">Der Backlash unserer Zeit</h2>
<p>Die Zukunfts- und Friedensforschung kann aus der Archäologie und der Archäogenetik jene Muster ableiten, die sich im Großen wie im Kleinen ständig wiederholen, schließlich ist wie erwähnt das Private das Politische. Demnach ist es nicht nur ein vages Gefühl &#8222;spätrömischer Dekadenz&#8220; oder eine Untergangsstimmung, was gerade viele beschleicht, sondern durchaus auch eine Art kollektiver Weisheit, die aus der Erfahrung der Jahrtausende schöpft, die älter ist als die Geschichte von der troianischen Seherin Kassandra oder der apokalypischen Reiter der Offenbarung des Johannes. Die &#8222;letzte Generation&#8220; dürfte aber noch lange nicht geboren sein.<br />
Jeder Backlash sollte als Zusammenbruch eines andro-kulturellen Fortschritts, ja einer Kultur im besten Sinne gesehen werden, er ist der Krieg gegen die Frauen, eine Unkultur. Ein Beispiel ist die Familienpolitik der letzten 50 Jahre in der Bundesrepublik, insbesondere die Behandlung geschiedener Frauen und Mütter.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">20</sup> Damit bedroht er auch unmittelbar die Gesellschaft, Männer selbst, Kinder wie Frauen. Frauen können sich auf ihren Errungenschaften nicht ausruhen, sondern müssen aufmerksam die Entwicklung beobachten, aufklären und weiterkämpfen, damit es nicht einen Schritt vorwärts und zwei zurück geht. Nichts bleibt selbstverständlich oder ist erledigt. Der aktuelle frauenfeindliche und antifeministische Backlash, der nach Riane Eisler einen baldigen Krieg als realistisch erscheinen lässt, wird gezielt von der Vaterrechtsbewegung, islamistischen und klerikalen Verbänden, NGOs und Medien, ja sogar aus dem Ausland lanciert, beworben und finanziert, während die demokratischen Parteien unter dem Druck dieser Lobbyisten Gesetze erlassen, die Frauen in prekäre Verhältnisse zwingen oder verhindern, dass sie sich befreien können. Verstärkt wird der Backlash noch, weil diese empörende Politik Teile der Bevölkerung dazu bringt, totalitäre Parteien zu unterstützen, die Abhilfe versprechen, ohne diese Versprechen halten zu wollen.<br />
Mittel und Zweck zugleich des Patriarchats ist die Ausbeutung der Frauenkörper zur Menschenproduktion, daher haben totalitäre Parteien eine rigide Familienpolitik, die Restauration der Ehe und Homophobie im Programm. In einem Backlash bilden sich in den demokratischen Parteien zunehmend totalitäre Tendenzen heraus, womit sich der Effekt selbst verstärkt, ein Beispiel ist die Trans-Propaganda für das Selbstbestimmungsgesetz und seine reale Umsetzung, die nicht nur offen gebärneidisch, stillneidisch und frauenfeindlich, sondern auch homophob ist. Nicht umsonst wird Homosexuellen im Iran „nahegelegt“, sich einer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Transsexualit%C3%A4t_im_Iran" target="_blank" rel="noopener">Trans-OP</a> zu unterziehen.<br />
Zu einem Backlash gehört die Verrohung der Männer, denen Frauen- und Homorechte herzlich egal sind. Sie werden bei Gelegenheit nicht nur Belästigungen, Sexismus und Massenvergewaltigungen inszenieren, oder Femizide begehen, sondern auch die eigene Frau schlagen und vergewaltigen, damit sie nicht aufbegehrt. Die Heiratsindustrie und Romantikwelle des angehenden 3. Jahrtausends bildet die wieder zunehmende Ausbeutung der Frauenkörper in rosigen Bildern ab. Viele Stimmen fordern die Förderung der Prostitution, auch um INCELs zu befrieden, der Euphemismus der sog. Sexarbeiterin soll den Beruf normalisieren. Der Transhumanismus der libertären Bewegung fordert die Legalisierung der Leihmutterschaft und Eizellspende und <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter" target="_blank" rel="noopener">die sog. künstliche Gebärmutter</a>, womit Mütter überflüssig gemacht werden sollen.<br />
Eins ist gewiss, jedem Backlash folgt ein Zusammenbruch, dann eine Schockstarre, ein „das konnten wir doch nicht ahnen“, dann wieder ein Aufbegehren und ein Zurückgewinn an Lebensqualität, die überwiegend durch die Arbeit der Frauen und Mütter hergestellt wird. Es sind immer nur Frauen, die entsprechende Forderungen stellen, und es muss Männer geben, die das zulassen. Das Patriarchat bewegt sich in Sinuskurven. Gerade sind wir wieder ziemlich weit unten. Es ist die Frage, ob wir noch rechtzeitig die Kurve kriegen.</p>
<p>Gabriele Uhlmann im Juli 2024</p>
<p><strong>Update 10.09.2024:</strong><br />
Eine <a href="https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/138-pest-hund" target="_blank" rel="noopener">neue Studie</a> bestätigt wieder, dass die Theorie, dass die Pest ganze Landstriche entvölkerte, nicht haltbar ist.</p>
<h2 id="literatur">LITERATUR</h2>
<ul id="liste2">
<li>AiD 1/2014: &#8222;Archäologie in Deutschland&#8220;, Heft 1/2024</li>
<li>Baudelaire, Claire: Die schrittweise Abschaffung der Freiheit. Online-Ressource des Mia e. V. vom 06.05.2018 auf <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener">https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/</a> abgerufen am 06.07.2024</li>
<li>Eisler, Riane: Kelch und Schwert, Kelch &amp; Schwert &#8211; Unsere Geschichte, unsere Zukunft. Weibliches und männliches Prinzip in der Geschichte. Freiburg 1985, 2005</li>
<li>EK 2019: &#8222;Wissenschaft im Trend: Wie Massenmigration Spaniens DNA transformierte.&#8220; Online-Ressource der Europäischen Kommission vom 21.03.2019 abgerufen am 01.07.2024 auf <a href="https://cordis.europa.eu/article/id/124947-trending-science-how-mass-migration-transformed-spains-dna/de" target="_blank" rel="noopener">https://cordis.europa.eu/article/id/124947-trending-science-how-mass-migration-transformed-spains-dna/de</a></li>
<li>Gronenborn, Detlef: Klimainduzierte Umweltkrisen und ihre soziopolitischen Auswirkungen auf prähistorische Gesellschaften In: Daim, F.; Gronenborn, D.; Schreg, R. (hrsg.), Strategien zum Überleben. Umweltkrisen und ihre Bewältigung. RGZM Tagungen 11., 2011, S. 111-127. Online-Ressource auf <a href="https://www.researchgate.net/publication/230704707_Klimainduzierte_Umweltkrisen_und_ihre_soziopolitischen_Auswirkungen_auf_prahistorische_Gesellschaften" target="_blank" rel="noopener">https://www.researchgate.net/publication/230704707_Klimainduzierte_Umweltkrisen_und_ihre_soziopolitischen_Auswirkungen_auf_prahistorische_Gesellschaften</a></li>
<li>Kondor <em>et al.</em>: Explaining population booms and busts in Mid Holocene Europe. Online-Ressource auf https://www.nature.com/articles/s41598-023-35920-z vom 03.06.2023 abgerufen am 01.07.2024</li>
<li>Krause-Kyora, Ben: Jungsteinzeitliches Pestbakterium verursachte kein Massensterben. Online-Ressource auf <a href="https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/138-pest-hund" target="_blank" rel="noopener">https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/138-pest-hund</a> vom 06.09.2024 abgerufen am 10.09.2024</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Explosion und Expansion. Vortrag gehalten am 17.05.2019 an der Philipps-Universität Marburg im Rahmen der Studientage „Nachhaltigkeit und Gesellschaftsformen aus kritisch geographischer Sicht“ im Fachbereich 19 Geographie. Online-Ressource auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Antwort auf Meike Stoverocks &#8222;Female Choice&#8220;. Online-Ressource vom 08.04.2021 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice</a></li>
<li>Vieweg, Martin: Die Pest war ein klimagetriebener Importschlager. Online-Ressource vom 13.02.2015 auf <a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/die-pest-war-ein-klimagetriebener-importschlager/" target="_blank" rel="noopener">https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/die-pest-war-ein-klimagetriebener-importschlager/</a> abgerufen am 01.07.2023</li>
<li>ZDF 2019: Die Geschichte von Mensch und Pferd &#8211; Equus. Doku im Rahmen der ZDF-Sendereihe TerraX &#8211; taglicht media Film-&amp;Fernsehproduktion GmbH von 2019. Online-Ressource auf <a href="https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/equus-die-geschichte-von-mensch-und-pferd-100.html?at_specific=TerraX" target="_blank" rel="noopener">https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/equus-die-geschichte-von-mensch-und-pferd-100.html?at_specific=TerraX</a> abgerufen am 09.07.2024</li>
</ul>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Begriff „Andro-Kultur“ von Stephanie Gogolin beschreibt die männlich inszenierte und dominierte Kultur des Patriarchats. Sie beinhaltet Gewalt und Experimente, die massiv in die Natur eingreifen.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Eisler 2005, S. 230 ff</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Bibel, NT, Offenbarung des Johannes, 6. Kapitel</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2019</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Gronenborn 2011</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2019</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Kondor <em>et al.</em>: 2023</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;AiD Heft 1/2024, S. 76</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. ebd., S. 77</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eske Willerslev in ZDF 2019 ab Min. 40:45.</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. ebd. Min 37:15.</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Interview Johannes Krause ebd. ab Min. 38:08</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Vieweg 2015</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ebd.</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Kondor <em>et al.</em>, S. 6</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Kondor <em>et al.</em>, S. 7</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. EK 2019</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ebd.</div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2021</div><div>20&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Baudelaire 2018</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/apokalyptische-reiter-warum-gehen-kulturen-immer-wieder-unter-und-was-bedeutet-das-fuer-die-gesellschaft">Apokalyptische Reiter reloaded – Warum Kulturen immer wieder untergehen und was das für die Gesellschaft bedeutet</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat.</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 May 2024 15:03:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Altsteinzeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bild: Die Prinzessinnengruppe links Luise, rechts Friederike. Gipsausführung von 1795 in der Friedrichswerderschen Kirche, Berlin. Von Johann Gottfried Schadow Das Matrifokal Es fehlte lange für das &#8222;vorpatriarchale&#8220; Habitat der Menschheit,...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat">Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/0382958f2d7a4786988eae044a681ded" alt="" width="1" height="1" /><br />
Bild: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Prinzessinnengruppe" target="_blank" rel="noopener">Die Prinzessinnengruppe</a> links Luise, rechts Friederike. Gipsausführung von 1795 in der Friedrichswerderschen Kirche, Berlin. Von <a title="Johann Gottfried Schadow, CC BY-SA 3.0 &lt;http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/&gt;, via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Schadow-Prinzessinnen.jpg">Johann Gottfried Schadow</a></p>
<h2 id="matrifokal">Das Matrifokal</h2>
<p>Es fehlte lange für das &#8222;vorpatriarchale&#8220; Habitat der Menschheit, das die Altsteinzeit und die frühe Jungsteinzeit einschließt, ein Begriff, der ohne diese ausschließende Nennung des Patriarchats auskommt. Auch für matrifokale Gemeinschaften aus der Zeit nach der Patriarchalisierung stand nur der unbrauchbare Begriff &#8222;<a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann" target="_blank" rel="noopener">Matriarchat</a>&#8220; zur Verfügung. Daher hat die Patriarchatsforscherin Stephanie Gogolin für die &#8222;matrifokale Gemeinschaft&#8220; den Begriff <strong>DAS MATRIFOKAL</strong> definiert:</p>
<blockquote><p>&#8222;Als <strong><em>Das Matrifokal</em></strong> bezeichne ich ein real vorhandenes, naturgemäßes, dynamisches Habitat, das von Beginn des Menschseins als <strong>existenzsichernde Schutzsphäre</strong> für die Mütter und ihren Nachwuchs fungierte. In der Regel bestehend aus konsanguinen Angehörigen beiderlei Geschlechts innerhalb der frühen <strong>matrilinear und matrilokal</strong> sowie <strong>generationsübergreifend</strong> lebenden Menschengruppen. Was bedeutet: durch Geburt verwandte Menschen interagierten in ihrem Alltag in überschaubaren <strong>mutterbasierten</strong> und <strong>geschwisterbezogenen</strong> Fürsorge-Gruppen, in denen in der Regel <strong>jedes Individuum von der Geburt bis zum Tod, integriert und geborgen lebte</strong>.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup></blockquote>
<p>Das Matrifokal ist keine Gesellschaft, kein Herrschaftsgebilde, also kein Matriarchat, sondern eine zeitgleich mit der Entwicklung der Gattung <em>Homo</em> natürlich gewachsene Sozialordnung, die maximale Sicherheit bei maximal möglicher Freiheit gewährleistet. Das Sexualleben der Frau spielt sich innerhalb der Schutzsphäre des Matrifokals ab, in welcher vertrauenswürdige, fremde Männer aus dem Jagdkollektiv stets vorübergehend zu Gast sind. Die natürliche Exogamie<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup> wird also matrilokal ausgeübt, was nicht nur Inzucht verhindert, sondern vor Übergriffen schützt. Alle Frauen des Matrifokals leben daher ihre Female Choice frei und haben damit auch die Wahl, kinderlos zu bleiben. Das männliche Werbeverhalten zielt auf die Female Choice ab, die primär vom Körper des Mannes, seinem Charme und seiner guten sozialen Einbindung abhängt. Die Frauen gehen deshalb auch aktiv auf die Männer zu. Die Kinder kennen ihren genetischen Vater nicht und das gesamte Matrifokal steht ihnen als Bezugspersonen zur Verfügung, aus denen sie sich ihre &#8222;Lieblingsmenschen&#8220;, die natürlich konsanguin verwandt sind, selbst aussuchen. Wesentlich ist, dass die Männer im Matrifokal keinen Anspruch auf ihre genetischen Kinder erheben können, da diese anderswo in anderen Matrifokalen aufwachsen.<br />
Die Schwestern leben und arbeiten zusammen; kinderlose Schwestern und die Brüder gehören selbstverständlich zum Netzwerk der helfenden Hände. Meist sind die Männer und männlichen Jugendlichen unter sich und sie verlassen häufig für mehrere Tage das Lager, wobei sie nicht nur jagen, sondern auch sammeln und kochen, was sie von ihren Müttern gelernt haben. Auch temporär kinderlose Frauen tun sich zusammen, um zu jagen. Die Mitverantwortung und Betreuung der jüngeren Brüder und größeren Neffen sowie die Beschaffung von Wildbret obliegen jedoch überwiegend den männlichen Mitgliedern des Matrifokals. Kunst, Musik und Spaßmacherei, Zelt- oder Hausbau machen Männer zu egalitären Mitgliedern des Matrifokals. Sie können aus ihren Tätigkeiten keinen Machtanspruch ableiten, weil auch die Frauen diese Fähigkeiten besitzen und ausüben. Schwere Arbeit wird eher von den älteren Frauen nach der Menopause übernommen. Gefährliche Arbeit erledigen eher die Männer, wobei ihre Körperkraft und Kooperation sie schützt. Es gibt keine Festlegung in Bezug auf ein sog. soziales Geschlecht, wie es das Patriarchat kennt. Die überlebenswichtige intensive Bindung und Unterstützung zwischen den Generationen, insbesondere der Frauen, dazu auch Feste, bei denen Frauen und Männer zusammenkommen und bei denen gemeinsam gekocht und erzählt wird, sowie gegenseitiges Beschenken hält die Gemeinschaft zwanglos zusammen. Im Matrifokal gibt es kein Erbrecht, mit dem der Besitz in der nächsten Generation auf eine bestimmte Person vererbt oder in eine bestimmte Richtung abgeführt werden kann. Weil es kein klar abgegrenztes Generationen-Denken gibt, geht der Besitz kontinuierlich an alle über. Die Widerstandskraft der Gemeinschaft gegen Gefahren aller Art ergibt sich aus ihrem Zusammenhalt und ihrer bedingungslosen Zusammenarbeit. Es ist nicht notwendig, dass einzelne Männer einzelne Frauen beschützen. Die verschiedenen Matrifokale sind über das Schenken, eine Tauschökonomie und das freie Sexualverhalten verbunden, so dass kein Boden für Feindschaften bereitet wird.</p>
<h2 id="inuns">Die Matrifokalität in uns</h2>
<p>Unsere Matrifokalität ist ein Effekt des Naturgesetzes <em>Female Choice</em> sowie der langen Kindheit. Es ist daher nicht möglich, sie wegzuzüchten. Unser angeborenes Sozialverhalten hat nie aufgehört zu existieren und steuert unbewusst gegen die Herrschaft der Väter, das Patriarchat. Was dem Individuum angeboren ist, wird auch immer da sein! In jeder Familie, jeder Gesellschaft gibt es daher unauflösbare soziale Konflikte, die in ihrer penetranten Wiederholung höchst rätselhaft erscheinen: der Schwiegermutterkonflikt, der übrigens auch ein Schwiegerkinderkonflikt ist, Kontaktabbruch, der Egoismus der Älteren, der Nachbarschaftsstreit, natürlich alle Partnerkonflikte und besonders die häusliche Gewalt; dazu traurige Unausweichlichkeiten wie Umzüge, der Auszug von Zuhause, der Wechsel der Schule/Schulfreunde, das Empty-Nest-Syndrom, die Einsamkeit im Alter. Besonders die Enttäuschungen zeigen, wie groß das Bedürfnis ist, anders zu leben: die Mutter, die allein zuhause mit dem Baby sitzt, Eifersucht, Verrat und Trennungen. Wenn es sich trotzdem plötzlich einmal sehr stimmig anfühlt, ist es meist nicht von langer Dauer. Im Patriarchat befinden sich Matrifokale stets knapp vor ihrer Wiederentstehung: Alleinerziehende Mütter, Großmütter, die ihre Töchter nach deren Niederkunft unterstützen, und Schwestern, die fest zusammenhalten.</p>
<p>Die moderne Gesetzgebung unterbindet Matrifokalität immer noch ganz offen, erzeugt aber durch den Glauben an die Rechtmäßigkeit des hierarchischen Systems den Eindruck, von Gerechtigkeit im Sinne von Gleichheit geleitet zu sein. Das Patriarchat usurpiert so zu großen Teilen die natürliche Bindung der Geschwister durch Geburt und wertet die mütterliche Beziehung zum Kindsvater auf, die allein auf der genetischen Zusammensetzung des Kindes basiert, denn Gefühle allein können täuschen und sind keine Garantie.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup>
<p>Unsere Matrifokalität bricht sich immer wieder Bahn, aber in unserer Gesellschaft existiert dieses Wissen nicht. Sie lässt sich dennoch instrumentalisieren und damit gegen uns verwenden. Die zentrale Rolle spielt hier der <strong>Neid</strong>, der im Sprachgebrauch auch mit Eifersucht gleichgesetzt und ambivalent behandelt wird. Der Neid ist die Folge von Ungleichheit, die von unserem matrifokalen Erbe zutiefst abgelehnt wird, denn sie bedroht die Existenz der Gemeinschaft. Die Wirtschaft jedoch lebt vom Neid, er ist erwünscht als Triebfeder, noch mehr zu konsumieren und wird von der Werbung absichtsvoll geschürt. Dennoch ist er gesellschaftlich nicht anerkannt, weil Neid sich auch und vor allem gegen Besitzende richtet. Männlicher <strong>Gebärneid</strong> dagegen ist nicht verpönt, ja nicht einmal bewusst, weil er kaum erkennbar in den Religionen kultiviert ist, dabei ist er das eigentliche Grundproblem: Er ist als göttliche Schöpferkraft verkleidet, auch wenn noch nie ein Mann geboren hat.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup> Es muss geglaubt werden und der Glaube ist zu respektieren, er macht uns angeblich zu besseren Menschen. Desinformation nach dem Haltet-den-Dieb-Prinzip ist für das Patriarchat überlebenswichtig. Dazu gehört heute, im modernen Patriarchat, dass Frauen, die die Geburt als ihre Urkompetenz beschreiben, bzw. sich als deren natürliche Besitzende betonen, als unemanzipiert hingestellt werden. Diese Bestrafung der unbotmäßigen Richtigstellung der biologischen Tatsache trifft hart, wenn Frauen sich nicht bewusst sind, was da mit ihnen gemacht wird: Wo Männer sich lange mit dem Schöpfer &#8211; also dem vaterrechtmäßigen Besitzer der Zeugung, der Geburt und des Kindes &#8211; identifizierten, können sie sich heute zusätzlich auf das Gleichheitsgebot berufen. Die Aussage „Männer können gebären“ gilt heute als politisch korrekt, als &#8222;<em>woke</em>&#8220; (engl. für &#8222;aufgewacht&#8220;), obwohl es das genaue Gegenteil ist, eine neue Form der Religion. Die dem Gleichheitsgrundsatz folgende Aussage &#8222;das Kind braucht den Vater genauso wie die Mutter&#8220; wird regelmäßig von Vaterrechtlern kolportiert. Beides dient der Aufrechterhaltung der Vaterschaft als Institution, ist also das genaue Gegenteil von Emanzipation. Artgemäß wäre die Aussage, dass alle Kinder auch den Kontakt mit männlichen Bezugspersonen brauchen, diese sind aber nur dann kein Risiko, wenn sie konsanguin, also über die Mutter verwandt sind, und diese Matrilinearität auch konsequent leben. Die evolvierte Matrifokalität gewährleistet Menschenkindern maximalen Schutz.</p>
<p>Die Vater-Religion dient der Weismachung, Mütter und Frauen generell seien mit ihrem Freiheitsdrang im Unrecht. Im laizistischen Staat wird diese Maxime beibehalten, indem die Gewalt des Gesetzes Mütter nötigt. Mütter sind erpressbar, sobald sie eine tiefe Bindung zu ihren Kindern haben und den Vater (resp. den Staat) über seine Vaterschaft informieren (müssen), was fast immer der Fall ist. Die wirtschaftliche Schlechterstellung der Mutter macht sie vom Vater abhängig, ob verheiratet oder nicht. Deshalb keine tiefe Bindung zu den Kindern aufzubauen, ist genauso wenig emanzipiert, ja sogar eine Vergewaltigung des Selbst, die zu Lasten der Kinder geht und ein permanent schlechtes Gewissen erzeugt, ein Ruf unserer Matrifokalität.<br />
Wenn Paare heute heiraten, heiraten sie meist mit &#8222;Rückenwind&#8220;, d.h. dass sich die Frauen bis zur ersten Schwangerschaft die Option offenhalten, sich wieder zu trennen. Sie ordnen den Partner unbewusst als Fremden ein und behalten sich ebenso unbewusst ihre Female Choice bis zur Ehe vor. Schwangerschaften treten häufig auch im Moment der Trennung auf, wenn die Beziehung eigentlich schon zu Ende ist. Mit Beginn der Schwangerschaft wird die patriarchalisierte Mutter aber nicht das Weite suchen, um in Ruhe ihr Kind zu bekommen und aufzuziehen, sondern ist mit dem Kindsvater loyal, und lässt zu, dass er zu &#8222;seinem Kind&#8220; eine Beziehung aufbaut. Die Forderung, Väter noch stärker in die Erziehung einzubeziehen, klingt feministisch, ist aber eine Falle, die oft erst erkannt wird, wenn die Trennung ansteht, manchmal schon früher, nämlich wenn der Vater nur noch Augen für seine kleine Prinzessin hat statt für seine Ehefrau. Dann beginnt die Mutter, ihn wieder als das zu sehen, was er immer war, ein Fremder, dem sie einmal begegnet ist. Das Kind aber gerät in einen schweren Loyalitätskonflikt. Loyalität ist immer eine moralische Forderung, die im Großklima des Patriarchats einen Menschen einem anderen verpflichtet, sie nimmt in Geiselhaft. Dabei kann sich der Vater dieser Loyalität leicht entziehen, hat er doch die Loyalität des Gesetzes auf seiner Seite. Anders ausgedrückt: Da die Mutter <strong>ist</strong>, der Vater sich jedoch <strong>macht</strong><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup> und über die Mutter und das Kind dominiert, ist die Loyalität einseitig auf ihn gerichtet. Der Loyalitätskonflikt des Kindes beruht darin, dass es sich der Mutter zugehörig fühlt, aber den Vater nicht enttäuschen will. Mit Liebe hat das nur wenig zu tun.</p>
<h2 id="radfem">Radikaler Feminismus &#8211; der lauteste Ruf unserer Matrifokalität</h2>
<p>Ist der Leidensdruck groß genug, beginnen selbst Mütter, die den väterlichen Führungsanspruch bisher nicht infrage gestellt haben, ihre erlernten Grundsätze aufzugeben. Während und unmittelbar nach Kriegen, in Verelendung, bei Untreue und häuslicher Gewalt wird Frauen und Müttern ihre Lage bewusst. Trotz drohender Gewalt versuchen sie dann, aus ihren Käfigen auszubrechen. Das ist noch kein Feminismus, keine mentale Befreiung, nicht die Absicht das Problem für alle Frauen grundsätzlich abzustellen. Dass das Private das Politische ist, können Frauen nur begreifen, wenn sie das Tabu, darüber offen zu sprechen, brechen und ihre Lage nicht mehr als persönliches Versagen begreifen, sondern als Ergebnis des Vater-Dogmas.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup> Feministische Ziele müssen Stück für Stück gemeinschaftlich erkämpft werden. In der westlichen Welt erleben Frauen aber auch immer wieder ihre Entrechtung, den unvermeidlichen Backlash des Patriarchats, während sie in den extremen Patriarchaten nur selten aufstehen. Unsere matrifokalen Grundhaltungen der Mütterlichkeit, der Fürsorge für andere Menschen und der Liebe zum Frieden werden dabei immer wieder in erpresserischer Weise gegen die Frauen verwendet, und sie liefern sich dem aus, wenn sie aufgrund mangelnder Aufklärung nicht erkennen, wie sehr sie sich damit selbst schaden, wenn ihre vermeintlich feministische Fürsorge den Männern resp. Vätern gilt. Dagegen steht: &#8222;Die Medien und die Meute sind sich nie zu schade, um ihren Frauenhass mit irgendeiner guten Begründung öffentlich zu machen&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup>, wie Regula Stämpfli es formuliert.</p>
<p>Es ist in der weltweiten patriarchalen Geschichte aber mehrmals passiert, dass nicht nur einzelne Verbesserungen oder Anpassungen durchgesetzt wurden, sondern echte reale und mentale Befreiung geschah und Matrifokale neu entstanden sind. Es war wiederholt Frauen oder gar Schwestern die Flucht aus ihrer traumatisierenden Lage gelungen und sie hatten es fortan unterlassen, bei ihren sexuellen Kontakten wieder den Vater mitzudenken. Diese Entscheidungen führten unabdinglich zu heute noch lebenden matrifokalen Großgemeinschaften, in denen die dort hineingeborenen Jungen die Freiheit der Mütter und ihrer Schwestern als natürlich erleben dürfen und auch als Erwachsene nichts anderes von den Frauen erwarten. Bekanntere Beispiele sind die Tuareg der Sahara, ein Berbervolk, das als Besonderheit hirtennomadisch und trotzdem matrifokal lebt, sowie die Mosuo in Südchina, die von Ackerbau und Tierhaltung leben.</p>
<h2 id="jungsteinzeit">Jungsteinzeitliche Resilienz, jungsteinzeitliche Entmenschlichung</h2>
<p>Ein ursprüngliches Matrifokal kann dagegen aus der noch matrifokalen Jungsteinzeit herübergerettet und längst vom Patriarchat umgeben sein. Solche Matrifokale befinden sich mit hoher Sicherheit noch unter den unkontaktierten, isolierten Völkern.<br />
Ein neu entdecktes prähistorisches Beispiel liefert Erkenntnisse über die Besiedlung der überaus wild-, fisch- und pflanzenreichen Westsibirischen Taiga. Sie zeigen, dass sich die dort lebenden Wildbeuter-Gemeinschaften während der Misox-Schwankung<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup> mit Befestigungen, die übrigens zu den ältesten Festungen der Welt zählen, gegen die Angriffe schützen mussten und genötigt waren, hinter ihren Mauern sesshaft zu werden, so in den jüngst untersuchten Siedlungen Amnya und Imnegan.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup>
Diese neuen Funde unterscheiden sich wiederum erheblich von denen aus der Jungsteinzeit Südost- und Mitteleuropas. Die sich hier aus Südosteuropa ausbreitende Bandkeramische Kultur war nicht indigen, sondern sie wurde von ehemalig indigenen anatolischen Klimaflüchtlingen getragen, die noch matrifokal lebten, sich an verschiedenen Stellen entlang ihrer Migrationsroute niederließen und mehrere neue Kulturen entwickelten. Mit den BandkeramikerInnen hielt um 5.500 v.u.Z. in Mittel-, Süd- und Westeuropa das Neolithikum Einzug, die Jungsteinzeit mit Ackerbau und Tierhaltung, ohne dass die indigenen Wildbeuter-Matrifokale sich gegen die Neuankömmlinge schützen mussten, sie bauten keine Verteidigungsanlagen. In Mitteleuropa lebten sie über einen Zeitraum von 2000 Jahren in friedlicher Koexistenz, wobei es zu ersten Kontakten kam. Auf der iberischen Halbinsel kam es noch deutlich früher zu einer friedlichen Vermischung der beiden Gruppen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup> Die BandkeramikerInnen begannen vereinzelt, ihre Toten in denselben Höhlen wie die WildbeuterInnen zu bestatten. Das baldige Ende der Bandkeramischen Kultur zeichnete nur 500 Jahre nach ihrer Ankunft ab, als infolge einer weiteren Klimakatastrophe und Hungersnot einzelne überlebende Männer Nutztiere aus den Siedlungen stahlen und in den Mittelgebirgen mit deren Zucht begannen. Dies löste eine erste Welle der Selbstpatriarchalisierung aus, bei der Frauen geraubt und deren Brüder getötet wurden, und zwar sowohl unter den BandkeramikerInnen als auch WildbeuterInnen. Unter den Toten des Massakers von Talheim aus der Untergangszeit der Bandkeramischen Kultur fehlten fast alle Frauen im gebärfähigen Alter, die auf einem regulären Friedhof statistisch zu erwarten gewesen wären, während sich unter den toten Männern zwei fanden, die archaische Züge trugen, also von ein oder zwei WildbeuterInnen abstammten. Ihre Anwesenheit belegt, dass sie sich mit den BandkeramikerInnen bestens verstanden hatten und sie diesen wohl auch ihr Wissen vermittelten, wie man sich aus der Natur Mitteleuropas ernährt, was in Zeiten der Not äußerst angesehen und willkommen gewesen sein muss.<br />
Mit immer mehr Massakern verschwanden nicht nur die Bandkeramik, sondern auch die Nachfolgekulturen bis 4.500 v.u.Z., nämlich Hinkelstein, Groß Gartacher und Rössener Kultur. Die neolithische Bevölkerung schrumpfte in der Kaltphase zwischen 4.500 und 4.400 v.u.Z. nochmals erheblich, während die nicht sesshaften WildbeuterInnen keine Ernährungsengpässe erlitten, weil sie in günstigere Lagen ausweichen konnten. Insbesondere vielen Wildbeuterinnen, die mit ihrem Heil- und Pflanzenwissen sehr willkommen waren, gelang nun verstärkt der Eintritt in die prekären jungsteinzeitlichen Siedlungen, wo sie die geraubten Frauen ersetzten und auch die Landwirtschaft erlernten.<br />
Eine neue genetische Studie<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup> zeigt, dass sich im Pariser Becken vor 7000 Jahren ein ähnlicher Vorgang wie in Mitteleuropa abgespielt hatte. Das Gräberfeld von Gurgy &#8218;Les Noisats&#8216; zeigt eine bereits patrilineare Bevölkerung, die offenbar auf einen einzelnen &#8222;Gründervater&#8220;, richtiger: Verbrecher, zurückgeht, der kultisch verehrt wurde. Die dort gefundene vermeintliche Monogamie der Frauen UND der Männer aus sieben Generationen zeigt, dass die Söhne von Nebenfrauen nicht mitbestattet waren, sondern entweder in den Krieg gezogen waren und nicht zurückkehrten oder ermordet und nicht mitbestattet wurden. Alle Töchter wurden dagegen in die Fremde verheiratet.<br />
Es ist möglich, dass es dieser Stamm war, der die Fluchtbewegung auslöste, die nach einer Phase von 100-150 Jahren nach Untergang der Rössener Kultur im südlichen Mitteleuropa zur Herausbildung der Michelsberger Kultur führte. Diese neolithische Kultur nutzte verlassene Siedlungen nach, wie es an vielen Fundhorizonten ablesbar ist. Die Tierhaltung wurde hier zunehmend im großen Stil betrieben, erkennbar an den Ansammlungen von Kreisgrabenanlagen. Diese Kultur fällt durch die offensichtliche Egalität auf, ablesbar an Gräbern und Behausungen. Die Häuser wurden mit Reliefs aus Brüsten und die typische Keramik mit Knubben, die Brüste symbolisieren, verziert. Auch WildbeuterInnen wurden erneut integriert, aber nach knapp 1000 Jahren um 3500 v.u.Z. endete auch diese Kultur, nicht ohne wieder von den letzten WildbeuterInnen überlebt zu werden.<br />
In den südlicheren Nachfolgekulturen der nächsten 500 Jahre &#8211; auf heute west- bis mitteldeutschem Gebiet die Wartberg-Kultur, die durch Verteidigungsanlagen auffällt, und im Süden die Horgener und Chamer Kulturen &#8211; gingen die letzten Matrifokale der WildbeuterInnen auf. Im nördlichen Mitteleuropa bildete sich um schon 4200 v.u.Z. die Trichterbecher Kultur aus, die von der später eingewanderten Kugelamphoren-Kultur teilüberlagert wurde, welche ebenfalls noch das matrifokale Leben kannte. Sie assimilierte die Ertebølle-Kultur bereits keramischer WildbeuterInnen. Um ca. 3.000 v.u.Z. lebten in Mitteleuropa keine WildbeuterInnen mehr, ihre Nachfahren waren nun BäuerInnen. Um 2800 v.u.Z. gingen alle matrifokalen Kulturen nördlich der Alpen durch die patriarchale Schnurkeramische Kultur unter, die sich von Osten her ausbreitete und die Indoeuropäisierung einleitete.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup> Die Matrifokale West- und Südeuropas gingen im Zuge der Indoeuropäisierung unter. Ob und wie lange es in Eurasien noch Matrifokale in Insellage gab, ist noch nicht geklärt.</p>
<h2 id="uebergang">Übergangspatriarchate</h2>
<p>Patrilinearität muss über Patrilokalität hergestellt werden, daher finden sich heute weltweit keine patrilinearen Völker, die in regelmäßig Matrilokalität leben. Trotzdem gibt es noch Völker, die nicht vollständig patriarchalisiert sind. Bei vielen Ethnien, in denen die Mutter mit dem Vater ihrer Kinder zusammenwohnt, liegt Uxorilokalität vor, d.h. das Paar lebt vorübergehend bei den Eltern der Ehefrau, hier geht es um die Verlässlichkeit der Versorgung. Diese Gemeinschaften bezeichne ich als <strong>Übergangspatriarchat</strong>. Ein Übergangspatriarchat ist eine Gesellschaft<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup>, die noch deutlich <strong>matrifokale Züge</strong> trägt. Hier können wir sozusagen dem Prozess der Patriarchalisierung bei der Arbeit zusehen, der einsetzt, wenn kein <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" target="_blank" rel="noopener">Frauenraub</a> im Spiel ist. In vielen dieser ehemaligen Matrifokale haben Missionare dafür gesorgt, dass die genetischen Väter mit &#8222;ihren Kindern&#8220; zusammenleben. Die Kinder sollen lernen, einen Vater zu haben. Die Väter wirken in der Gemeinschaft wie plötzlich entartete Zellen, die sich langsam ausbreiten. Bei den !Kung San in der Kalahari hat sich daher auch eine komplexe Streitkultur entwickelt, wo vorher kaum gestritten wurde. Bei den Yequana in Venezuela &#8222;sind Frauen und Kinder besonders bemüht, ihr Bestes zu geben&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup>, wenn der Vater anwesend ist und die Mädchen werden dazu ermuntert, den Vater zu bedienen. Der Mann als Vater macht Probleme, sobald er auftaucht.</p>
<p>Im Verlauf der Menschheitsgeschichte haben wir es mit ursprünglichen, migrierten und auch vom Patriarchat umstellten oder sich in Insellage befindlichen matrifokalen Gemeinschaften zu tun. Sie alle können den Namen &#8222;Matrifokal&#8220; tragen. Es ist aber für solche, die noch nach Beginn der Patriarchalisierung existierten oder existieren, nicht ohne Weiteres ersichtlich, ob es sich um ursprüngliche oder sogar neu entstandene Matrifokale handelt. Matrifokale der vorpatriarchalen Zeit waren Jahrhunderttausende nicht der unmittelbaren Bedrohung ausgesetzt und mussten keine Strategie zu ihrem Schutz vorhalten. Davon unterscheiden sich alle späteren Matrifokale erheblich, denn sie müssen sich gegen den Patriarchalisierungsdruck schützen. Von diesem Umstand ist abhängig, wieviel Freiheit ihnen noch blieb oder bleibt. Daher erscheint es mir nicht angemessen, sie undifferenziert als &#8222;Matrifokal&#8220; zu bezeichnen. Wie also nennen wir solche Gemeinschaften, wenn nicht &#8211; denn dieser Begriff ist ja zu vermeiden &#8211; &#8222;Matriarchat&#8220;? Dazu noch eine Vorüberlegung.<br />
Um ungestört in Matrilokalität und Matrilinearität zu überleben, müssen sich Matrifokale den verschiedenen, patriarchalen Herausforderungen stellen. Beim <strong>Avunkulat</strong> (lat. <em>avunculus</em>, der Mutterbruder) ist der genetische Vater noch bedeutungslos und die Mutter wohnt bei ihrem Bruder, der die &#8222;Vaterrolle&#8220; für seine Neffen und Nichten innehat, d.h. als männliche Bezugsperson fungiert. Hier steht die Vererbung des Besitzes im Vordergrund, d.h., dass die Brüder begonnen haben, den Besitz zu privatisieren und ihre Schwestern werden quasi darauf trainiert, mit einem Mann in einer Ehe zu leben, die freilich noch eine Pseudoehe ist. Die Matrilokalität ist hier bereits durch eine &#8222;<strong>Fraternilokalität</strong>&#8220; (lat. <em>frater</em>, der Bruder; der Begriff ist nicht etabliert) ersetzt und die Matrilinearität nimmt sozusagen einen Umweg über den Bruder. Diese Lebensweise ist bereits eine Anpassung an das umliegende oder erobernde Patriarchat, das das ursprüngliche Matrifokal mit der Idee der männlichen Dominanz und des Besitzes angesteckt hat, also eine Spielart des Patriarchates und ebenso kein Matriarchat. Jüngst wurde das Avunkulat für die <a href="https://www.spektrum.de/news/fuerstengraeber-aus-sueddeutschland-die-dna-der-keltenfuersten/2218598" target="_blank" rel="noopener">Keltenfürsten der Hallstattzeit</a> (800 bis 450 v. Chr.) genetisch nachgewiesen, bei denen die sog. Fürstinnen als &#8222;<em>King-Mums</em>&#8220; und gleichzeitig als &#8222;<em>King-Sisters</em>&#8220; identifiziert wurden.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">15</sup> Warum nicht nur die patriarchalische biologistisch-dynastische Erklärung, also die Sicherung der väterlichen Gene, dafür herangezogen werden darf, sondern vor allem die uralte Matrifokalität Berücksichtigung finden muss, hatte Gerhard Bott bereits am Beispiel der pharaonischen <strong>Bilinearität</strong> erläutert.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">16</sup>
<h2 id="matridurat">Überdauernde Matrifokale – das Matridurat und das Neo-Matridurat</h2>
<p>Heutige reine Matrifokale leben oft in Reservaten, die sich nicht friedlich ausdehnen lassen, ohne die patriarchalen Menschen an den Grenzen von der Matrifokalität zu überzeugen. Ein schon verheiratetes Paar kann dabei nicht auf Aufnahme und Unterstützung ins Matrifokal hoffen, denn das führt unweigerlich zu Konflikten. Allem voran sind es aber die jungen Frauen, auf die bestimmte Maßnahmen abzielen müssen, wenn sich eine matrifokale Gemeinschaft nicht aufgeben will, denn sie alle sind Garantinnen der Zukunft. Das Patriarchat wirkt anziehend, sei es durch die materiellen Verlockungen, sei es durch einen attraktiven Mann, die größte Gefahr. Es muss also das Verbot ausgesprochen werden, dass junge Frauen keine Kontakte ins Patriarchat pflegen dürfen. Dies aber ist in Bezug auf die unter Matrifokalität gelebte Female Choice bereits widersinnig, eine Beschränkung, die wiederum kontraproduktiv wirken muss, denn jede Reglementierung dieser Art erzeugt insbesondere bei Jugendlichen Widerstand.<br />
Zur Lösung des Problems der Differenzierung solcher im Patriarchat überlebenden Matrifokale von den ursprünglichen Matrifokalen, habe ich den Begriff <strong>MATRIDURAT</strong> (lat. <em>durare</em>, andauern) entwickelt: Ein Matridurat ist ein Matrifokal, das vom Patriarchat umgeben und bedroht ist und sich erfolgreich, bewusst und resilient mit Regeln und/oder mittels Verteidigung gegen die patriarchale Einverleibung schützt. Im Gespräch mit Stephanie Gogolin wurde mir zudem klar, dass auch Matridurate, die von ehemals patriarchalen Frauen neu gegründet wurden, gesondert gekennzeichnet werden müssen, ich nenne sie daher <strong>NEO-MATRIDURAT</strong>.<br />
Die Mosuo sind meines Wissens das einzige Matridurat, das durch Überlieferung als neugegründet abgesichert ist, sie sind ein Neo-Matridurat. Wie ich es an anderer Stelle<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">17</sup> ausgeführt habe, sind sie Nachkommen von Frauen, die aus der nomadischen Viehzüchtergesellschaft der Mongolischen Steppe stammten. Es ist ihnen während eines Eroberungsfeldzuges ihrer Männer gelungen, zu entkommen und in dem abgelegenen Gebiet um den Lugosee, ein Gebirgssee auf dem Yunnan-Guizhou-Plateau, neu anzufangen, ohne den alten Fehler der Patrilinearität zu wiederholen. Sie leben das Prinzip der <em>tisese</em><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">18</sup>, was in westlichen Schriften als &#8222;Besuchsehe&#8220; bezeichnet wird, jedoch Sex ohne soziale oder wirtschaftliche Bindung an einen Mann meint. Ob die Mosuo-Frauen damals aus Erfahrung wussten, was genau das Problem ist, nämlich die gewaltsam aufrechterhaltene Vaterschaft, oder ob es eine psychologische Vermeidungsstrategie war, ist unbekannt. Da Matrifokalität angeborenen ist, hat jedenfalls das Heraushalten fremder Männer zu einem neuen Matrifokal geführt. Für die Tuareg in der Sahara existiert keine vergleichbare Überlieferung, jedoch wurden sie gegen ihren Willen islamisiert und mussten sich den arabischen Handelsstrukturen anpassen, so dass ihr Wirtschaftssystem heute nach außen patriarchalisch ist, während ihr Sozialsystem matrifokal geblieben ist. Ob es sich bei der jungsteinzeitlichen Michelsberger Kultur um ein Matridurat oder ein Neo-Matridurat handelte, ist noch zu klären.</p>
<h2 id="aussicht">Aussicht</h2>
<p>Die Neo-Matridurate zeigen, dass die Menschheit dem Patriarchat nicht so ausgeliefert ist, wie weithin angenommen, sie machen Hoffnung auf mehr. Daher ist ihre differenzierte Benennung so wichtig. Deutlich ist auch, dass wir sie als Übergangsform verstehen müssen, solange die Female Choice nicht weltweit gesichert ist. Es kann aber nicht Ziel sein, sie nur unter Denkmalschutz zu stellen, dann werden es erfahrungsgemäß trotzdem immer weniger. Patriarchat ist theoretisch umkehrbar, aber in der Realität aufgrund der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">Überbevölkerung</a> und der vollständigen Besiedelung noch des letzten Winkels nur schwer auf humane bzw. friedliche Art zurückzudrängen und umzuwandeln. Ohne die Stärkung der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">Female Choice</a>, ohne weltweite Aufklärung über sie und auch ohne die Durchsetzung der freien Empfängnisverhütung und Abtreibung kommt das Ziel nicht in Reichweite. Es sind die Frauen, die sich mental und körperlich befreien müssen, aber es sind die Männer, die das Unterfangen der Frauen anerkennen und schützen müssen, in der Einsicht, dass es sich nicht nur um unser kulturelles Welterbe handelt, matrifokal zu leben, sondern um unser aller Menschenrecht, unser eigentliches Sein. Nur solche Männer können auch mit Recht das Prädikat &#8222;Feminist&#8220; für sich beanspruchen.<br />
Wenn wir von dem abweichen, was uns angeboren ist, fügen wir uns Schaden zu. Kultur ist nicht in der Lage, dies vollständig zu kompensieren, chronifiziert die Komplexe sogar noch. Matridurate beweisen, dass ein Wechsel zurück zu unserem angeborenen Sozialverhalten möglich ist. <strong>Es bedarf dazu keiner Anpassungsleistung, wie sie uns das Patriarchat abverlangt,</strong> es raubt uns daher keine Energien, sondern erfordert lediglich wissenschaftliche und soziale Anerkennung.</p>
<p>Danke, Stephanie, für Deine wertvollen Hinweise und Bemerkungen!<br />
Braunschweig, 30.05.2024</p>
[Update am 04.06.2024 (Matrilinearität der Keltenfürsten)! An dieser Stelle ein globales Danke an <a href="https://denkmalpflege-bw.academia.edu/DirkKrausse" target="_blank" rel="noopener">apl. Prof. Dr. Dirk Krausse</a> und <a href="https://www.eva.mpg.de/de/archaeogenetik/mitarbeiterinnen/johannes-krause/" target="_blank" rel="noopener">Prof. Dr. Johannes Krause</a>!]
<p>&nbsp;</p>
<h2 id="literatur">Literatur</h2>
<ul id="liste2">
<li>Bott, Gerhard: Die Erfindung der Götter &#8211; Essays zur Politischen Theologie. Norderstedt 2009</li>
<li>Dönges, Jan: Die DNA der Keltenfürsten. In Spektrum der Wissenschaft online. Online-Ressource auf <a href="https://www.spektrum.de/news/fuerstengraeber-aus-sueddeutschland-die-dna-der-keltenfuersten/2218598" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/news/fuerstengraeber-aus-sueddeutschland-die-dna-der-keltenfuersten/2218598</a>, abgerufen am 04.06.2024</li>
<li>Gogolin, Stephanie: Wie alles begann – eine grundlegende Betrachtung zur Matrifokalität. Online-Ressource vom 27.02.2021 abgerufen am 23.02.2023 auf <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2021/02/27/wie-alles-begann-eine-grundlegende-betrachtung-zur-lebendigen-matrifokalitat/" target="_blank" rel="noopener">https://marthastochter.wordpress.com/2021/02/27/wie-alles-begann-eine-grundlegende-betrachtung-zur-lebendigen-matrifokalitat/</a></li>
<li>Gogolin, Stephanie; Uhlmann, Gabriele: Gibt oder gab es matriarchale Gesellschaften? Eine notwendige Stellungnahme von Stephanie Gogolin und Gabriele Uhlmann. Online-Ressource vom 12.02.2022 abgerufen am 23.02.2023 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann</a></li>
<li>Liedloff, Jean: Auf der Suche nach dem verlorenen Glück &#8211; Gegen die Zerstörung unserer Glücksfähigkeit in der frühen Kindheit. München 1991.</li>
<li>MPG 2023: Oldest human genome from southern Spain &#8211; A human genome from the Ice Age refuge in southern Spain. Online-Ressource vom 12.06.2020 auf <a href="https://www.mpg.de/19953334/0228-evan-human-genome-from-southern-spain-150495-x" target="_blank" rel="noopener">https://www.mpg.de/19953334/0228-evan-human-genome-from-southern-spain-150495-x</a>, abgerufen am 04.03.2023</li>
<li>MPG 2024: Wie waren die Kelten in Baden-Württemberg verwandt?, Online-Ressource vom 03.06.2024, <a href="https://www.mpg.de/21993103/0530-evan-verwandtschaft-und-herkunft-der-kelten-in-baden-wuerttemberg-150495-x" target="_blank" rel="noopener">https://www.mpg.de/21993103/0530-evan-verwandtschaft-und-herkunft-der-kelten-in-baden-wuerttemberg-150495-x</a>, abgerufen am 04.06.2024</li>
<li>Rivollat, M., Rohrlach, A.B., Ringbauer, H. <em>et al.</em>: Extensive pedigrees reveal the social organization of a Neolithic community. Nature (2023). <a href="https://doi.org/10.1038/s41586-023-06350-8" target="_blank" rel="noopener">https://doi.org/10.1038/s41586-023-06350-8</a></li>
<li>Schnaars, Ilka: Sorgerecht und väterliche Gewalt. Rüsselsheim am Main 2025</li>
<li>Schreiber, Tanja <em>et al.</em>: Steinzeitfestungen in der sibirischen Taiga. In: Archäologie in Deutschland 6/2022 S. 14-19</li>
<li>Shih, Chuan-kang: Tisese and It’s Anthropological Significance. Issues around the Visiting Sexual System among the Moso. In: L’Homme<i>.</i> Nr. 154–155: Question de parenté, April–September 2000, S. 697–712. Online-Ressource auf <a class="external text" href="https://journals.openedition.org/lhomme/56" target="_blank" rel="nofollow noopener">lhomme.revues.org</a></li>
<li>Stämpfli, Regula in: #diepodcastin: Isabel Rohner &amp; Regula Stämpfli on Lidia Poet, links/rechts, Wagenknecht/Schwarzer, Chiara Ferragni, sexistischer Karneval, MediaToo &amp; CultureToo. Online-Ressource auf<br />
<a href="https://diepodcastin.de/2023/02/18/diepodcastin-isabel-rohner-regula-stampfli-on-lidia-poet-linksrechts-wagenknechtschwarzer-chiara-ferragni-sexistischer-karneval-mediatoo-culturetoo/" target="_blank" rel="noopener">https://diepodcastin.de/2023/02/18/diepodcastin-isabel-rohner-regula-stampfli-on-lidia-poet-linksrechts-wagenknechtschwarzer-chiara-ferragni-sexistischer-karneval-mediatoo-culturetoo/</a> abgerufen am 23.02.2023</li>
<li>Universität Mainz 2013: Mitteleuropäer haben gemischte Ahnen. Online-Ressource vom 11.10.2013 abgerufen am 23.02.2023 auf <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitteleuropaeer-haben-gemischte-ahnen/" target="_blank" rel="noopener">https://www.scinexx.de/news/biowissen/mitteleuropaeer-haben-gemischte-ahnen/</a> abgerufen am 23.02.2023</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat &#8211; Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt. Norderstedt 2015</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Der radikalste Feminismus: Leben in Matrifokalität. In: Störenfriedas &#8211; Feminismus radikal gedacht. Norderstedt 2018</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Explosion und Expansion &#8211; Wie Vatermacht die Welt unterjocht. Vortrag gehalten am 17.5.2019 an der Philipps-Universität Marburg im Rahmen der Studientage &#8222;Nachhaltigkeit und Gesellschaftsformen aus kritisch geographischer Sicht&#8220; im Fachbereich 19 Geographie. Online-Ressource vom 29.04.2021 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht</a></li>
<li>Uhlmann 2020: Uhlmann, Gabriele: Von den Mosuo lernen – Wie frau sich aus dem Patriarchat befreien kann. Online-Ressource vom 19.02.2020 auf<br />
<a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2020/02/19/von-den-mosuo-lernen-wie-frau-sich-aus-dem-patriarchat-befreien-kann/" target="_blank" rel="noopener">https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2020/02/19/von-den-mosuo-lernen-wie-frau-sich-aus-dem-patriarchat-befreien-kann/</a></li>
<li>Wolters, Andreas: Mutter durch Geburt – Vater durch Gesetz, Ordnungsmuster der Vergesellschaftung. Roßdorf bei Darmstadt 2018</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Gogolin 2021 und Gogolin 2022</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der soziologische Begriff der &#8222;Exogamie&#8220; wird gemeinhin als &#8222;Heiratsregel&#8220; verstanden, bezieht sich also auf den patriarchalisierten Menschen. In der Biologie wurde er unkritisch übernommen, um natürliches Sexualverhalten zu beschreiben. Es gibt keinen anderen unkontaminierten Begriff dafür. Durch Berücksichtigung der Female Choice und ihrer chemotaktischen Inzestschranke lässt sich das Problem umgehen. Siehe dazu Bott 2009, S. 57 ff.</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Schnaars 2025</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2015</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Wolters 2018 und Schnaars 2025</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2018</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kontext siehe Stämpfli 2023, Min 25:29</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Klimakatastrophe vor 8200 Jahren, die die zu diesem Zeitpunkt bereits 3200 Jahre alte, fatale Abhängigkeit von Landwirtschaft offenbar werden ließ. Vgl. Uhlmann 2019</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Schreiber <em>et al.</em> 2022</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. MPG 2023</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Rivollat <em>et al.</em> 2022</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2019 und Universität Mainz 2013</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zum Begriff der Gesellschaft siehe Gogolin/Uhlmann 2020</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Liedloff 1991, S. 130</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. MPG 2024</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Bott 2009, S. 97 ff u. 419 ff</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2020</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. Shih 2000</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat">Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat.</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Das Wachtelexperiment oder der Mythos von der Hackordnung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Oct 2022 11:48:05 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Bild: Weibliche Wachtel (Coturnix coturnix) Bildquelle: Wikimedia commons, user: Mnolf Prolog Hobby-Geflügelhalter Ingo[1] schrieb vor einiger Zeit in ein Soziales Medium, dass es ja Menschen gäbe, die nicht viel denken,...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/das-wachtelexperiment-oder-der-mythos-von-der-hackordnung">Das Wachtelexperiment oder der Mythos von der Hackordnung</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" style="display: none !important;" src="https://vg01.met.vgwort.de/na/08555898c2c84cf7a7088d1031795cf9" alt="" width="1" height="1" /><br />
<img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-5284" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2022/10/800px-weibliche_wachtel_coturnix_coturnix.jpg?resize=500%2C375&#038;ssl=1" alt="" width="500" height="375" /><br />
Bild: Weibliche Wachtel (Coturnix coturnix)<br />
<span style="font-size: 9px;">Bildquelle: Wikimedia commons, user: Mnolf</span></p>
<h2 id="prolog">Prolog</h2>
<p><strong>Hobby-Geflügelhalter Ingo<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a> schrieb vor einiger Zeit in ein Soziales Medium, dass es ja Menschen gäbe, die nicht viel denken, und er finde, es sei bei den Wachteln kaum besser. Dies sei seine Weisheit des Tages.</strong></p>
<p>Ich wurde darauf aufmerksam, weil mir immer wieder Mensch/Tier-Vergleiche auffallen, wenn z.B. in einer Tier-Doku vom Hirschen die Rede ist, der „auf dem Platz als Chef seinen Harem zusammen hält“, wenn „das Silberrückenmännchen als Patriarch die Gorilla-Gruppe beherrscht“ oder auch „die Störche sich ein Leben lang treu bleiben“. Die Herstellung solcher Analogien dient leider viel zu oft der Rechtfertigung unseres eigenen Verhaltens. Die Projektionen von Mensch auf Tier und umgekehrt sind immer falsch. Wie sollen sie auch richtig sein, kennen doch die weitaus meisten Dokumentatoren, Journalisten und auch Naturwissenschaftler nicht einmal mehr unser eigenes <a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">natürliches Verhalten</a> (Vgl. Uhlmann 2015).</p>
<p>Es ging Ingo aber erstmal um die „Dummheit der Tiere“, insbesondere der Wachteln. In meiner Gewissheit, dass Tiere zwar nicht lesen und schreiben können, aber trotzdem weise sind, nämlich der Weisheit von Mutter Natur folgen, erhob ich stellvertretend für die Wachteln, die übrigens zu den Hühnervögeln gehören, spontan Einspruch und schrieb, dass ich der „Weisheit des Tages“ leider nicht zustimmen könne. Immerhin haben Wachteln nie irgendeine Gehirnwäsche durchlaufen und können sich noch auf ihren gesunden Wachtelverstand verlassen. Sie unterdrücken sich nicht, haben nie Kriege angezettelt und zerstören nicht die Umwelt. Denn Tiere leben nicht im Patriarchat, &#8211; und der Mensch nebenbei gesagt von Natur aus auch nicht, hätte er sich nicht vom technischen Fortschritt abhängig gemacht, um dann dessen Opfer bzw. Opfer der eigenen Intelligenz zu werden.</p>
<p>Ich finde, wir können uns an den Wachteln ein Beispiel nehmen und an allen anderen Tieren natürlich auch. Nein, der Mensch ist nicht die Krone der Schöpfung.</p>
<p>Ingo meinte darauf, dass das, was sein Wachtelhahn mit den Hennen mache, schon etwas von Unterdrückung hätte. Auf Nachfrage schrieb er: „Er hackt ihnen in den Nacken (Hackordnung!), was teilweise zu üblen Wunden führt.“</p>
<p>Dass ein Hahn so etwas macht, hatte ich noch nie gehört. Ingos Hinweis in Klammern auf die Hackordnung kam mir daher spanisch vor. In meiner Erinnerung gilt sie allgemein vor allem für die Hennen, während Hähne für Kämpfe bekannt sind. Ich halte keine Hühner, aber das knuffige Geflügel war mir schon immer sehr sympathisch. Dass sie notorisch gewalttätig sein sollen, habe ich nie so erkennen können, wann immer ich freilaufende Hühner sah. Das bestätigt auch ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung online über Hühner in Gefangenschaft, der eine das Gruseln lehrt:</p>
<blockquote><p>“Zu Hühnerkannibalismus kommt es vor allem bei der Bodenhaltung. Wenn Hühner dort ihre Eier nicht im Schutz von abgedunkelten Nestern legen können, müssen sie sich direkt nach dem Legen wieder unter ihren Artgenossen tummeln. ‚Die Kloake der Tiere ist dann noch ausgestülpt und zieht mit ihrem roten Glanz die Aufmerksamkeit anderer Tiere auf sich’, beschreibt Aigner (ein professioneller Hühnerhalter) den Auftakt zu einem blutrünstigen Schauspiel. Andere Hühner picken dann auf die Henne ein. Sobald der erste Tropfen Blut erscheint, geraten die Tiere in einen wahren Blutrausch.“ (Fischer 2010, S.2)</p></blockquote>
<p>Die sog. Hackordnung kannte ich schon aus dem Biologieunterricht der 5. Klasse. Der Lehrer zeigte uns damals Bilder von fast federlosen Hennen und von kämpfenden Hähnen. Derart zugerichtete Exemplare habe ich bei wild lebenden Hühnern in Naturfilmen aber nie gesehen. Dass das Phänomen irgendwie menschengemacht sein muss, wurde mir erst nach der Klassenarbeit klar, in der eine Fangfrage lautete, wieviele Hähne sich auf einem Hühnerhof befänden, wozu wir eine Begründung unserer Antwort schreiben sollten. Ich schrieb, dass es zwei sein müssten, damit die Hähne miteinander kämpfen können. Da „artgerechte Haltung“ damals in den Siebzigern noch nicht in Mode war, bekam ich dafür null Punkte. Ich bin jetzt 53, erinnere mich aber, als wäre es gestern gewesen, weil Biologie zu meinen Lieblingsfächern gehörte und ich mich sehr über den Lehrer geärgert habe. Ich finde noch heute, dass das vor allem eine pädagogische Null-Leistung war. Mittlerweile glaube ich, dass er auch keine Ahnung hatte, was es wirklich mit der Hackordnung auf sich hat.</p>
<h3 id="hackordnung">Hackordnung? Können wir das wirklich sehen?</h3>
<p>Ingos Wachtel-Problem nahm ich nun nach all den Jahren zum Anlass intensiver Recherche. Dass die sog. Hackordnung erst in den Neunzehnhundertzwanziger Jahren von dem norwegischen Forscher Thorleif Schjelderup-Ebbe (1894-1976) beschrieben wurde, zeigt mir, dass dieses Verhalten tatsächlich gar nicht so offensichtlich ist, wie es scheint. Seit seine These in den Fünfziger Jahren allgemein verbreitet wurde, glaubten Menschen plötzlich überall, eine Hackordnung bei ihren Hühnern erkennen zu können. Das Wort Hackordnung wurde sogar zu einem Synonym für die Hierarchie in der menschlichen Gesellschaft. Die Menschen sehen, was sie sehen wollen. Ein schönes Beispiel dafür ist dieser Film:</p>
<p><iframe class="youtube-player" width="1080" height="608" src="https://www.youtube.com/embed/5VdXUK2W5-Y?version=3&#038;rel=1&#038;showsearch=0&#038;showinfo=1&#038;iv_load_policy=1&#038;fs=1&#038;hl=de-DE&#038;autohide=2&#038;wmode=transparent" allowfullscreen="true" style="border:0;" sandbox="allow-scripts allow-same-origin allow-popups allow-presentation allow-popups-to-escape-sandbox"></iframe></p>
<p>Video veröffentlicht von bettelhuhn am 16.04.2010 auf youtube.de</p>
<p>Es gibt aber auch leise Kritik am „Modell der Hackordnung“ wie in diesem Forum: <a href="http://www.huehner-info.de/forum/showthread.php/73375-Kritik-am-Modell-der-Hackordnung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.huehner-info.de/forum/showthread.php/73375-Kritik-am-Modell-der-Hackordnung</a></p>
<p>Tatsachlich hacken sich wilde Hühner praktisch nicht. Sie picken auf dem Boden nach Nahrung, brüten, glucken, reinigen ihr Gefieder im Staub oder ruhen sich aus. Werden allerdings fremde Hühner in eine Horde (auch Schar oder Herde) gesetzt, gibt es ordentlich Streit, aber das ist menschengemacht. In der Paarungszeit kämpfen die Hähne, um den Weibchen ihre Potenz zu demonstrieren, wie bei vielen anderen Arten auch. Wenn überhaupt, gibt es unter den Hennen Streit ums Futter oder einen Platz im Sandbad. Dabei bleibt es meist bei einem „auf das konkurrierende Tier losgehen“, um es zu verscheuchen. Manchmal wird nach ihm der Kopf gereckt, was wie Picken aussieht, oft ist es nur es Drängeln und Schubsen. Im Englischen heißt es auch nicht „Hackordnung“, wie sie von Schjelderup-Ebbe während seiner Zeit in Deutschland in den Dreißiger Jahren selbst genannt wurde, sondern Pick-Ordnung (pecking order statt hacking order). Eigentlich muss es „Scheuchen“ oder „Drängeln“ heißen. Ein Video zeigt das Verhalten, das beileibe nicht so dramatisch ist, wie der Name „Hackordnung“ suggeriert.</p>
<p><iframe class="youtube-player" width="1080" height="608" src="https://www.youtube.com/embed/tsaw9t1bE0k?version=3&#038;rel=1&#038;showsearch=0&#038;showinfo=1&#038;iv_load_policy=1&#038;fs=1&#038;hl=de-DE&#038;autohide=2&#038;wmode=transparent" allowfullscreen="true" style="border:0;" sandbox="allow-scripts allow-same-origin allow-popups allow-presentation allow-popups-to-escape-sandbox"></iframe></p>
<p>Video veröffentlicht von HenDaisy am 10.05.2011 auf youtube.de</p>
<p>Was in der Allgemeinheit nicht angekommen ist, auch nicht in der gymnasialen Lehre, ist eine andere wichtige Beobachtung Schjelderup-Ebbes, nämlich, dass das Scheuchen und Drängeln von den Haushühnern nicht konsequent nach einer feststehenden Ordnung betrieben wird. Der Forscher will z.B. Dreiecksbildungen beobachtet haben. Danach „hackte“ Huhn A das Huhn B, welches Huhn C „hackte“, das wiederum Huhn A „hackte“. Bei den meisten belesenen Hühnerhaltern und -züchtern ist diese These bekannt, und sie behaupten, das beobachten zu können. Sie berichten aber auch, dass die Unruhe davon abhinge, <strong>welche</strong> <strong>Tiere</strong> gerade an einem Platz versammelt sind. Zudem änderten sich die Verhältnisse unter den Tieren immer wieder mal. Hühnerhalter beobachten auch, dass Hühner ein und desselben Geleges bestens miteinander auskommen. Und trotzdem ziehen die Hühnerexperten nicht die richtigen Schlüsse, denn das Dogma Hackordnung scheint beinahe unumstößlich.</p>
<p>Das Dogma führt zu vielen Fragezeichen, weshalb widersprüchliche Informationen verbreitet werden wie in diesem Beispiel:</p>
<blockquote><p>„Wie bereits erwähnt, bestehen oftmals zwischen Alt- und Junghennen erhebliche Unterschiede. Althennen treten viel selbstbewusster in der neuen Herde auf. Unter den Hähnen ist die Machtstellung noch betonter als bei den Hennen, da die Vorrechte des Hahnes noch größer sind. Sind mehrere Hähne in einer Herde, ist die Rangfolge in der Regel auch immer linear, d.h. A zu B zu C usw..</p>
<p>Das ist sehr bedeutend. Verliert ein dominanter Hahn aus irgendeinem Grund seine Stellung, kann das oft dazu führen, dass dieser Hahn nicht nur in der Rangordnung einen Platz weiter hinten einnehmen muss. sondern dass es sogar dazu kommt, dass dieser anschließend erkrankt.</p>
<p>Im Zuchtstamm nimmt der Hahn unter natürlichen Bedingungen den ersten Rang ein. Ihm fügen sich die Hennen. Während der Fortpflanzungzeit, d. h. <strong>fast das gesamte Jahr</strong> macht der Hahn aber von seinem Hackrecht nicht Gebrauch. In der Mauser ist es anders. Da hackt er auch die Hennen vom Futter weg. Vielleicht ist dies auch ein Regelmechanismus, da der Hahn sehr viel neues Gefieder zu bilden und Körpersubstanzen aufzubauen hat.“ (Golze 2007, S. 13; meine Hervorhebung)</p></blockquote>
<p>Kritik an der Projektion menschlichen Machtdenkens auf die Tierwelt äußerte schon in den Neunzehnhundertsiebziger Jahren die sog. Kritische Psychologie<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a>:</p>
<blockquote><p>„(…) in den Ausführungen über Dominanz werden Beobachtungen an domestizierten Tieren und wildlebenden Tieren meist undifferenziert zusammengeworfen, ja, die Resultate von Untersuchungen an domestizierten Tieren haben sogar zu den grundsätzlichen Modellvorstellungen geführt, unter denen seitdem Dominanz-Subordinanz-Beziehungen überhaupt betrachtet werden. Richtungsbestimmend waren hier die Pionier-Untersuchungen von SCHJELDERUP-EBBE (von 1922 an) über das Rangordnungsverhalten am Haushuhn, die die Konzeption der ‚Hackordnung’ erbrachten und eine Vielzahl weiterer Untersuchungen an Hühnern nach sich zogen, wodurch die Vorstellungen über Eigenart und Bedeutung der Dominanz im allgemeinen maßgeblich geprägt wurden.</p>
<p>Verallgemeinerungen von domestizierten Tieren auf wildlebende Tiere im Hinblick auf das Verhältnis Dominanz-Führerschaft erscheinen uns indessen weitgehend unzulässig.“ (Holzkamp-Osterkamp 1981, S. 172)</p></blockquote>
<p>Als häufigste Argumente, warum dagegen die Hackordnung biologisch unbedingt sinnvoll sein müsse, fand ich:</p>
<p>1. Die Hackordnung sorge für soziale Ruhe in der Hühnerhorde.</p>
<p>2. Die Hackordnung lege eine Rangordnung fest und ranghohe Tiere übernähmen Aufgaben.</p>
<p>3. Die Hackordnung sichere den Fortbestand der Art.</p>
<p>Diese Argumente wirken erst einmal wie Totschlagargumente; aber was ist davon wirklich zu halten? Im Einzelnen:<span id="more-5275"></span></p>
<p>1. Dass die sog. Hackordnung für soziale Ruhe sorge, ist ein Zirkelschluss, denn es wird ja vorausgesetzt, dass die sog. Hackordnung permant ausgetragen wird, ja geradezu archetypisch für die Hühnerhorde sei. Damit verbreitet sie selbst „Unruhe“. Es handelt sich also nicht einmal um Ordnung, sondern um Unordnung. Es würde „die Ruhe“ weniger stören, wenn sich die Hühner immer gegenseitig den Vortritt ließen oder sich anstellen würden, bis sie an der Reihe sind. Wir kennen das ja von der englischen Bushaltstelle. Wer zuerst da ist, steigt zuerst ein, ohne deshalb ein besserer Mensch zu sein. In Deutschland herrscht immer Gedränge, auch ohne dass dabei eine Rangordnung ausgehandelt würde. Wer zuerst eingestiegen ist, steigt nicht automatisch zuerst aus. Die Hühner probieren es immer wieder, jedes Tier ist erst einmal egoistisch. Sie akzeptieren keine Rangodnung am Futternapf, sondern stellen die Dominanz ständig infrage. Als Ausnahme von der Regel weichen manche Hühner dennoch schon von selbst, wenn sie ein bestimmtes Huhn heran nahen sehen. Aber das muss nichts mit Rang zu tun haben, sondern ist vor allem ein Lernprozess. Die Tiere kennen sich ja und wissen das Aggressionspotential des anderen Tieres einzuschätzen.</p>
<p>Die Ruhe wird nicht von einer Rangordnung oder Dominanz durchgesetzt, sondern sie herrscht dann, wenn der Anlass für Unruhe fehlt, z.B. die Fütterung. Damit kommen wir automatisch zu Argument 2.</p>
<p>2. Die Hackordnung lege eine Rangordnung fest und ranghohe Tiere übernähmen Aufgaben.</p>
<p>Die Kritische Psychologie erklärt, warum das so unhaltbar ist:</p>
<blockquote><p>“Eine im Vergleich zur Dominanz weit weniger gründlich untersuchte Form gelernter Komplementärbeziehungen ist die sog. ‚Führerschaft’; von Führerschaft in reiner Form spricht man dann, wenn in einem Verband ein individuelles Tier eine Reihe von ‚Verpflichtungen’ (‚Obligationen’) übernimmt, ohne die entsprechenden Privilegien, wie sie als für die Dominanzordnung charakteristisch angesehen werden, zu haben. Faktisch ist die Führerschaft meist als &#8218;Anführerschaft&#8216; eines Verbandes bei der Raumorientierung, auch bei Angriff oder Flucht, untersucht worden; als &#8218;Führer&#8216; wurde dabei meist jenes Tier bezeichnet, das eine bestimmte räumliche Position einnimmt, sich nämlich an der Spitze eines sich bewegen den Verbandes befindet. Jedoch sind, wenn auch seltener, andere Momente der ‚Führerschaft’, wie der Schutz des Verbandes o.ä. hervor gehoben worden; die &#8218;Führer&#8216; haben häufig die Funktion von ‚Vorbildern’ oder ‚Modellen’ beim Aufsuchen oder Vermeiden bestimmter Gegebenheiten etc. (…) Über die Art und Weise, in der die Tiere zu ihrer &#8218;Führungsposition&#8216; gelangen, also über Positionsbestimmungen mit der gleichen Funktion wie die Rangkämpfe bei den Dominanzordnungen, ist in Untersuchungsberichten kaum etwas zu finden. Lediglich über <em>artspezifische Geschlechtsgebundenheit</em> der Führerschaft werden Aussagen gemacht: Bei vielen Arten können nur Tiere eines Geschlechts Führungspositionen übernehmen; so führen bei Haustauben, vielen Affen, Wildpferden usw. männliche Tiere, bei Rotwild, Gemsen, afrikanischen Elefanten usw. weibliche Tiere den Zug oder die Herde an (…). – Hinsichtlich der Gliederungsform der durch &#8218;Führerschaft&#8216; charakterisierten Verbände wird nicht viel mehr gesagt, als daß solche Verbände flexibler seien als Organisationen, die auf Grund von Dominanz-Subordinanz organisiert sind. – Mit Bezug auf den biologischen Sinn der Führerschaft wird z.B. auf den <em>integrierenden, die Effektivität bestimmter biologisch notwendiger Leistungen des sozialen Verbandes erhöhenden Einfluß der Führerschaft </em>hingewiesen (…) Sehr vieles spricht dafür, daß das Phänomen der &#8218;Führerschaft&#8216; in der Forschung zu Unrecht vernachlässigt, die Bedeutung der Dominanz dagegen weit überschätzt wird (…). Als Grund dafür wird etwa angegeben, daß Dominanzverhalten leicht bei im Käfig gehaltenen Tieren untersucht werden kann, Führerschaftsverhalten dagegen nur in der natürlichen Umwelt der Tiere (…). Führerschaft kann nur auftreten, wenn ein Tierverband unter natürlichen Lebensbedingungen bestimmte Aktivitäten im Funktionskreis der Lebenssicherung, etwa der Raumorientierung, des Schutzes, des Angriffs, der Flucht, der Verteidigung vollzieht, nicht aber, wenn der Verband im Käfig von all diesen Aktivitäten abgeschnitten ist. In der Gefangenschaft sind die Tiere quasi auf die Rivalität und die daraus sich ergebenden Verhaltensweisen &#8218;zurückgeworfen&#8216;; in den hier entstehenden &#8218;Zwangssozietäten&#8216; ist demnach Dominanz-Subordinanz die einzige ‚übrigbleibende’ Organisationsform.“ (Holzkamp-Osterkamp 1981, S. 171 f.)</p></blockquote>
<p>Kurz gesagt, Stärke hat nichts mit Weisheit zu tun und ist deshalb als Kriterium für die Rangordnung ungeeignet. Jedenfalls bei den Tieren. Es sind die erfahrenen Tiere und Tiere eines bestimmten Geschlechts, die die Leitung übernehmen, und die anderen nehmen das so hin. Nicht Egoismus allein, sondern Altruismus gepaart mit Egoismus halten die Gruppe am Leben. Ohne sie kann auch das Individuum nicht überleben.</p>
<p>Die Rangordnung der Hühnervögel ist weder rein linear noch pyramidenförmig. Hähne und Hennen bilden die beiden Untergruppen. Innerhalb der Hennen ist immer eine ältere Henne, die erfahren genug und noch „rüstig“ ist, das Leittier. Bei den Hähnen kommt es auf die Kraft im Hahnenkampf an und oft ist der Sieger auch der älteste. Den „stolzen Hahn“ gibt es aber nicht. Manchmal werden Hühner beobachtet, die gemeinsam einen „dreisten Junghahn“ traktieren. Dass die Hähne in der Hack- resp. Rangordnung noch über den Hennen stehen, ist so nicht haltbar. Dies ergibt sich auch aus der Betrachtung von Argument 3:</p>
<p>3. „Die Hackordnung sichert die Erhaltung der Art“ ist ein besonders hartnäckiger Allgemeinplatz angelehnt an Darwins Evolutionslehre. So soll die Beobachtung, dass „stärkere“ Hühner oft mehr Nachwuchs haben, Darwins „Survival of the Fittest“ auch veranschaulichen. Aber der Lehrsatz, den Darwin so gar nicht gemeint hat, hat sich überholt. Wir wissen heute, dass einfach die Angepassten überleben und diese müssen nicht einmal die Angepasstesten sein (Vgl. Maturana/Varela 1987, S. 125). Drei Fragen am Beispiel der Hühner zeigen, warum die These der Arterhaltung schließlich aufgegeben wurde: Warum verändern sich die Arten über die Jahrzehntausende, obwohl die Perfektesten für den Arterhalt verantwortlich sein sollen? Warum legen Hühner vermeintlich niederen Ranges trotzdem Eier und brüten erfolgreich? Warum ändert sich die vermeintliche Rangordnung, wo doch die Genetik jedes Individuums gleich bleibt?</p>
<p>Das Scheuchen und Drängeln unter den Hühnern hat ganz andere Gründe als die Arterhaltung. Es tritt nicht umsonst vermehrt an Futterplätzen auf. Hühner, die mehr Eier legen, brauchen mehr Energie, d.h. sie haben mehr Hunger. Wir alle wissen es und Ärzte können es bestätigen: Hunger macht aggressiv. Dieses Verhalten wurde evolutionär selektiert, denn wer Hunger hat und sich nicht um Nahrung bemüht, wird verhungern. Bei knapper Nahrung muss der Antrieb immer größer werden. Das führt unter Umständen dazu, dass ein Lebewesen seinen Artgenossen Nahrung stiehlt oder sie vom Futter verdrängt, was sehr gierig wirken kann. Hungrige Lebewesen drängeln sich vor, weil sie mehr brauchen, und können daher auch dominanter wirken, was manche dann für „Stärke“ halten. Wenn sich ein Huhn nicht sofort auf das Futter stürzt, könnte man meinen, es stünde in der Hackordnung ganz unten. Dass es weniger Hunger haben könnte, wird dabei gar nicht in Betracht gezogen.</p>
<p>Hühner, die sich gut vordrängeln können, legen deshalb nicht mehr Eier. Es ist umgekehrt, Ursache und Wirkung wurden vertauscht. Denn die Legepotenz ist angeboren. Es handelt sich um eine individuell unterschiedlich ausgeprägte Fähigkeit, die genetisch verankert ist und daher durch Zucht gesteigert werden kann (vgl. Vieweg 2017). In der Hühnerhorde brüten alle halbwegs gesunden Hühner, unabhängig davon, wie dominant sie wirken. Sonst würde die Haltung weniger dominanter Hühner auch nur sinnloses Geld kosten.</p>
<p>Auch das Sandbad werde gerne von der ranghöchsten Henne besetzt, so las ich es im Internet. Das feste Sandbad ist eine Erfindung der Hühnerhaltung und ein Sandbad, das nur eine Henne fasst, ist eindeutig zu klein bemessen. Zwar ist es richtig, dass Hühner auch in der freien Natur Sandbäder lieben, aber das Vergnügen ist nicht der evolutionäre Grund und sie suchen sich immer neue Sandbäder. Das Sandbad befreit von juckenden Parasiten. Wie der Hunger macht auch Juckreiz aggressiv und natürlich lässt sich ein Huhn mit quälendem Juckreiz ungern aus dem Sandbad vertreiben: Es hat einen guten Grund, seinen Platz zu verteidigen.</p>
<p><a title="By Sini Merikallio (Flickr: Hiekkakylpy) [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AHiekkakylpy.jpg"><img decoding="async" title="Haushühner beim Sandbad" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/af/Hiekkakylpy.jpg/512px-Hiekkakylpy.jpg" alt="Haushühner beim Sandbad" width="600" /></a></p>
<p>Haushühner (<em>Gallus gallus</em>) beim Sandbad, Bildquelle: wikimedia commons, user: Sini Merikallio</p>
<p>Der Hahn bzw. die Hähne stünden in der Hackordnung ganz oben, habe ich ebenfalls sehr oft gelesen. Evolutionär wäre es allerdings wenig sinnvoll, würde der Hahn alle Hühner vom Futterplatz verdrängen, wie ein Patriarch in Arabien, der seine Frauen als Letzte essen lässt. Und tatsächlich, der Hahn ist fast immer als Letzter dran. Wenn die Hühner in der Eibildungsphase sind und das ist die meiste Zeit, haben sie mehr Hunger. Patriarchen machen daraus gönnerhaft: „er lässt ihnen den Vortritt“. Wenn er in der Mauser ist, braucht allerdings auch er deutlich mehr Energie, so dass er sich vordrängelt. Das ahnen wie oben gesehen mittlerweile die Geflügelzüchter.</p>
<p>Welches Huhn am Ende aller Tage die meisten Nachkommen haben wird, steht in den Sternen. Aber es wird aus der falsch verstandenen Evolutionslehre Legitimation für politische Hierarchie und Führerschaft gezogen. Legitimiert wird damit nichts anderes als das menschliche Patriarchat.</p>
<p><a title="By attributed to / in the style of Melchior d'Hondecoeter (1636–1695) (http://www.hampel-auctions.com) [Public domain], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ARooster_(in_the_style_of_Hondecoeter).jpg"><img decoding="async" title="Der stolze Hahn, Öl auf Leinwand. 91,5 x 80 cm. Von Melchior d'Hondecoeter (1636–1695)" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/41/Rooster_%28in_the_style_of_Hondecoeter%29.jpg/512px-Rooster_%28in_the_style_of_Hondecoeter%29.jpg" alt="Der stolze Hahn, Öl auf Leinwand. 91,5 x 80 cm. Von Melchior d'Hondecoeter (1636–1695)" width="512" /></a></p>
<p>&#8222;Der stolze Hahn&#8220;, Öl auf Leinwand. 91,5 x 80 cm. Von Melchior d&#8217;Hondecoeter (1636–1695)</p>
<h2>Wachteln emanzipieren sich nicht, sie leben ihr eigenes Leben</h2>
<p>Ingo dachte an die sog. Hackordnung, als sein Hahn die Hühner traktierte. Dass es das nicht sein konnte, ahnte ich schon während der Unterhaltung, denn Drängeln und Scheuchen erfüllt seinen Zweck vollkommen, dies ohne Brutalität. „Naja, ich meine, wie soll sich ein Tier in Gefangenschaft psychisch gesund verhalten? In der freien Natur würden sich die Hühner das sowieso nicht bieten lassen“, schrieb ich zurück. Und ich dachte darüber nach, dass wir, die wir uns alle in einem Zwangssystem befinden, Gefangene sind. Ich hatte auch schon eine Idee, wo das Problem liegt, denn meiner Erfahrung nach ist es immer das Gleiche, was Menschen nicht berücksichtigen: die <em>female choice</em>.</p>
<p>Ich öffnete eben schnell <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wachtel_(Art)" target="_blank" rel="noopener noreferrer">wikipedia</a> mit dem Stichwort „Wachtel“ und fand sofort das Erwartete: „Wachteln sind polygam. Jedes Männchen verpaart sich mit jedem beliebigen Weibchen, das das Männchen aufsucht und lockt. Wirbt ein Weibchen gleichzeitig um mehrere Männchen, kann es unter den Männchen auch zu Kämpfen kommen.“ Das postete ich ins Soziale Medium, nicht ohne es mit den Fakten über die sexuelle Selektion, die mit der <em><a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">female choice</a></em> identisch ist, zu verlinken und zu kommentieren: „Die Gefangenschaft unterdrückt die <em>female choice</em> der Wachtelhühner. Die <em>female choice</em> ist der Garant für und das Geheimnis des friedlichen Zusammenlebens aller Lebewesen. Wobei der Hahnenkampf kein Krieg ist, sondern Teil der Selektion.“ Ich schlug vor, noch weitere Wachtelhähne in das Gehege zu setzen.</p>
<p>Leider habe ich nie erfahren, ob das Problem gelöst werden konnte.</p>
<p>Die Angelegenheit begann, mich über die sog. Hackordnung hinaus zu interessieren. Ich fand in den Texten, dass sich Wachtel-Experten darin einig sind, dass Wachtelweibchen die Wählenden sind, nicht monogam leben und die Hähne sich nicht an der Brut beteiligen. Gemäß der evolutionären <em>female choice</em> hatte ich auch nicht erwartet, dass der Hahn das Vorrecht der Wahl hat.</p>
<p>Besonders interessant ist, dass die Wachtelhühner sich auch auf das Urteil von Kolleginnen verlassen und sich mit dem Hahn paaren, der sich eben mit einer anderen Henne gepaart hatte.</p>
<blockquote><p>“Seit kurzem ist bekannt, daß Weibchen manchmal auch eine ganz andere Strategie anwenden. Statt selbst einen Partner auszusuchen, kopieren sie die Wahl anderer Weibchen. Ein solches Weibchen beobachtet ein anderes Weibchen bei der Partnerwahl und kopuliert anschließend mit demselben Männchen. Es &#8218;verläßt sich&#8216; somit auf das &#8218;Urteilsvermögen&#8216; des anderen Weibchens. Das Kopieren ist inzwischen bei drei Fischarten nachgewiesen, beim Guppy (Poecilia reticulata), beim Japanischen Medaka (Oryzias latipes) und beim Breitflossenkärpfling (Poecilia latipinna, Abb. unten), zudem aber auch bei drei Vogelarten, beim Birkhuhn (Tetrao tetrix, Abb. links), beim Wermutshuhn (Centrocercus urophasianus) und bei der Japanischen Wachtel (Corturnix coturnix). Es handelt sich bei diesen Vögeln ausschließlich um Arten, bei denen sich das Männchen an der Brutpflege nicht beteiligt.“ (Witte 1999, S. 47)</p></blockquote>
<p>Danach ist die <em>female choice</em> also nicht nur die Sache eines Weibchens, sondern auch der Kooperation der Weibchen, etwas, was wir für die sich angeblich ständig hackenden Hühner gar nicht erwarten würden. In gewisser Hinsicht ähnelt das Sexualverhalten der Gemeinen Wachtel tatsächlich dem von uns Menschen. Dieses Kopierverhalten beobachte ich auch bei uns Frauen. Fast jede Frau kennt eine, die ihr den Partner auszuspannen versuchte.</p>
<p>Wie wir sind Wachteln von Natur aus nicht monogam und auch die Väter haben kein angeborenes Interesse an ihrem leiblichen Nachwuchs. Dennoch können wir nicht 1:1 projizieren. Die leiblichen Menschenväter leben natürlicher Weise nicht mit in der Sippe und die Mütter sind auf die Hilfe der Großmutter, Schwestern und Brüder angewiesen. (vgl. Blaffer Hrdy 2010) Aber wie könnte es anders sein, obwohl die leiblichen Wachtelväter mit in der Gruppe leben, ist es ihnen völlig egal, welche ihre Kinder sind, und sie beteiligen sich nicht an der Brutpflege. Dass ein Hahn mit mehreren Nestern gleichzeitig überfordert sein muss, ist ja auch sonnenklar. Aber die Wissenschaft scheint das zu wundern und bemerkt es als Phänomen.</p>
<p>Die Wacheln machen, was sie wollen, und die Weibchen sind auch hier die Regisseurinnen der Sexualität (vgl. Prum 2017). Sie verhalten sich genauso wenig nach Lehrbuch, wie die Haushühner. In einer von einem spanischen Team beobachteten wilden Population zeigten die Tiere individuelles Verhalten.</p>
<blockquote><p>„57% of the females studied (n = 14) showed mate-switching, whereas 22% of the males were serially polygynous, successively forming pairs with a series of females. The fitness of females with mate-switching, measured in terms of clutch size and hatching success, did not differ from that of females bonded with one male.“ (Rodríguez-Teijeiro et al. 2003, S. 291)</p></blockquote>
<p>Am Rande gesagt: Das „Mate-switching“ (engl. &#8222;Wechsel des Sexual-Partners&#8220;), die Polygamie der Weibchen (Polyandrie) ist das Komplement zur Polygamie der Männchen (Polygynie). Polygamie bedeutet bei Tieren aber nicht einseitigen Zwang des anderen Geschlechts zur Monogamie, wie es polygame Patriarchen mit der Hochzeit durchsetzen!</p>
<p>Indem Ingo die Wachtelhennen zur Monogamie gezwungen hat, hat er im Gehege das Patriarchat eingeführt, in diesem Fall ein polygynes Patriarchat. Den Hühnern fehlte nun die Auswahl und der Hahn hatte keine Konkurrenz mehr, was sicherlich auch zu seiner Überforderung geführt hat. Er zeigt nun übersteigertes Dominanzverhalten und wird so frauenfeindlich wie es Patriarchen nun einmal sind.</p>
<h2>Wehe, Frauen lernen von den Wachtelhühnern!</h2>
<p>Bei <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wachtel_(Art)" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wikipedia</a> überraschte mich die Mitteilung: „Das Fleisch der Wachtel (<em>Coturnix coturnix</em>) kann unter bestimmten Bedingungen giftig sein. Grund hierfür dürfte sein, dass sich Wachteln von Pflanzen ernähren, die für den Menschen, nicht jedoch für die Wachtel selber giftig sind. Um welche Pflanzen es sich genau handelt, ist ungeklärt. (…) Die Vergiftung durch Wachtelfleisch wird schon in der Bibel beschrieben (siehe Num 11,31-34)“</p>
<p>Der angeführte Bibeltext liest sich wie folgt:</p>
<blockquote><p>Num 11,29 Doch Mose sagte zu ihm (Josua): Willst du dich für mich ereifern? Wenn nur das ganze Volk des Herrn zu Propheten würde, wenn nur der Herr seinen Geist auf sie alle legte!</p>
<p>Num 11,30 Dann ging Mose mit den Ältesten Israels in das Lager zurück.</p>
<p>Num 11,31 Darauf brach ein Wind los, den der Herr geschickt hatte, und trieb Wachteln vom Meer heran. Er warf sie auf das Lager, einen Tagesmarsch weit in der einen Richtung und einen Tagesmarsch weit in der anderen Richtung rings um das Lager; zwei Ellen hoch lagen sie auf dem Erdboden.</p>
<p>Num 11,32 Da stand das Volk auf und sammelte die Wachteln ein, den ganzen Tag und die ganze Nacht und den ganzen folgenden Tag. Jeder sammelte mindestens zehn Hómer. Sie legten sie rings um das Lager zum Dörren aus.</p>
<p>Num 11,33 Sie hatten aber das Fleisch noch zwischen den Zähnen, es war noch nicht gegessen, da entbrannte der Zorn des Herrn über das Volk und der Herr schlug das Volk mit einer bösen Plage.</p>
<p>Num 11,34 Daher nannte man den Ort Kibrot-Taawa (Giergräber), da man dort die Leute begrub, die von der Gier gepackt worden waren.</p>
<p>Quelle: <a href="https://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/bibel/num11.html">https://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/bibel/num11.html</a></p></blockquote>
<p>Belege für die Giftigkeit der Wachtel sind wenige Papers von griechischen und türkischen Autoren. Die Griechen (Tsironi et al. 2004) raten lediglich, in bestimmten Notfällen an die Wachtelgiftigkeit zu denken, die in mediterranen Gebieten beobachtet werde und nennen als Beispiel die Bibel! Der Grieche Theodore Ouzounellis stützt sich auf seine Beobachtungen, die wir aber online nicht nachlesen dürfen. <a href="http://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/352148">http://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/352148</a><br />
Die Türkische Ärztegruppe (vgl. Korkmaz et al. 2011) erwähnt, dass Wachteln giftig werden, wenn sie Schierlingssamen fressen, dies auf dem Durchzug von Norden nach Süden. Die Wachtel-Vergiftung wird Coturnismus genannt, nach dem lateinischen Namen für die Gemeine Wachtel, Coturnix coturnix. Sie ist selten und verursacht eine Auflösung quergestreifter Muskelfasern (Rhabdomyolyse) und Nierenversagen. Das Schierlingsgift, das für die Wachtel unschädlich ist, gelangt in das Muskelfleisch. Erst so kann der Verzehr einer Wachtel lebensgefährlich werden. Ansonsten ist die Wachtel harmlos, und wird ja auch zum Verzehr in Gehegen gehalten, wo sie natürlich nicht mit Schierlingssamen gefüttert wird.</p>
<p>Der Mythos von der grundsätzlichen Giftigkeit der Wachteln wird künstlich am Leben gehalten und übertrieben. Es sollten damit vielerorts Wilderer abgehalten werden. Der Schriftsteller Jean Paul schrieb 1826 beispielsweise:</p>
<blockquote><p>“Ich habe dir neulich zu berichten vergessen, daß die Wachteln in Neapel acht Tage lang nach ihrer Ankunft aus Afrika giftig zu genießen sind, und ich las es selbst erst im FERBER; allein nachher kann sie jede Wöchnerin essen, wenn sie mit Korn gefüttert worden. Es schadet nicht viel, dass die streichenden Edelleute aus Paris auch einen gewissen Gift als Rückfracht heim bringen, den man unter dem Namen der französischen atheistischen Philosophie recht allgemein scheuet: sie bleiben auch nicht lange giftig, besonders wenn man sie auslacht und nicht bekriegt.“ (Jean Paul 1826, S. 237)</p></blockquote>
<p>Die Wachteln müssen den Priestern, die die Mythologien verfasst haben, sowieso suspekt gewesen sein. Die Priester stammten aus den patriarchalen Hirtennomadenstämmen und als solche waren sie in der Herdenhaltung von Schafen bewandert. Sie brachten den verheerendsten Mensch/Tiervergleich überhaupt hervor: Der Herr ist Dein Hirte. Die Schafe als Sinnbild für Friedfertigkeit, Dummheit und Herdentrieb brauchten in der Zuchtherde auch nur einen einzigen Widder. Der dreht nicht durch, wenn er keine Konkurrenz hat wie ein Wachtelhahn. Die <em>female choice</em> der Schafe konnte in der Zuchtherde bequem außer Kraft gesetzt werden, so dass es aussah, als beherrsche der Widder als polygyner Patriarch die weiblichen Tiere. Dass die Wachteln dagegen unbedingt mehrere Hähne brauchten, passte nicht in das polygyne Patriarchat des Nahen Ostens. Weibchen, die sich Männchen nehmen wie und wann sie wollen? Das passt nicht zu einem Viehzüchter-Patriarchat und sie konterkarieren zudem die Geschichte von der Arche Noah, wo alle Tiere paarweise vorkommen. Wehe, Frauen lernen von den Wachtelhühnern!</p>
<p>Im patriarchalen Verständnis der abrahamitischen Religionen leben Wachteln in Sünde. Aber immerhin bekamen sie im Mythos einen Herrscher, der sie in Schach hält. Der Wachtelkönig ist zwar nicht mit der Wachtel verwandt, sondern gehört zu den Rallenvögeln, sein Name geht aber auf alte Vorstellungen zurück, nach denen er Anführer der Wachteln sei. Er ähnelt der Wachtel, ist aber größer. Weil er oft zusammen mit Wachteln gefangen wurde &#8211; man verwendete dazu Netze aus sog. Wachtelgarn – hielt man ihn für den König der Wachteln. Diese Volksetymologie zeigt wie sehr patriarchalisierte Menschen dazu neigen, besonders Hierarchien auf Tiere zu übertragen, als solle die Natürlichkeit der patriarchalen Hierarchie im Umkehrschluss bewiesen werden.</p>
<p><a title="By Ron Knight from Seaford, East Sussex, United Kingdom (Corn Crake (Crex crex)) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ACrex_crex%2C_Beachy_Head_1.jpg"><img decoding="async" title="Wachtelkönig (Crex crex)" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/1b/Crex_crex%2C_Beachy_Head_1.jpg/512px-Crex_crex%2C_Beachy_Head_1.jpg" alt="Wachtelkönig (Crex crex)" width="512" /></a></p>
<p>Wachtelkönig (Crex crex), Bildquelle: wikimedia commons, user: MPF</p>
<h3 id="redewendungen">Wenn Redewendungen gewendete Wahrheit verwenden</h3>
<p>Die Hackordnung als Synonym für die Hierarchie ist eine der Rückwärtsprojektionen von Tier auf Mensch. Die Vögel werden im Übrigen dafür besonders gerne genommen, denn sie leben meist in Paaren, wenn auch nur selten lebenslang. Der Hausbau junger Eltern wird als Nestbau bezeichnet und viele Eltern werfen ihre Kinder aus dem Nest oder kümmern sich um das Nesthäkchen besonders intensiv. Schlechte Eltern gelten als Rabeneltern und gute Mütter als Glucke, oft negativ konnotiert. Kinder, die das Elternhaus verlassen, gelten als flügge. Die, die das nicht tun, werden als Nesthocker bezeichnet. Wir fliegen auf Dinge, die uns besonders interessieren, und fühlen uns flügellahm, wenn wir erschöpft sind. Männer fühlen sich gerne als Hahn im Korb oder es schwillt ihnen der Kamm, wenn sie sich ärgern, und sie sind eitel wie ein Pfau. Ein betrogener Ehemann ist ein Hahnrei. Frauen werden als dumme Hühner oder blöde Gans beschimpft. Die <em>Spinatwachtel</em> bezeichnet verächtlich eine ältere Frau. Und nicht die Mutter gebiert die Kinder, sondern es ist der Storch, der sie bringt. Demnach müssten wir alle Störche sein.</p>
<p>Wie auch immer die Vergleiche ausfallen, wir sind eine andere Spezies und wir leben von Natur aus in matrilinearen Sippenverbänden und nicht in Paaren. Die Gehirnwäsche aber läuft von Kindesbeinen an. Menschliche Dummheit liegt vor allem darin begründet. Es ist das Patriarchat, das für das „Spatzenhirn“ vieler Menschen verantwortlich ist, und das Wachtelexperiment zeigt, dass auch Tiere „verblöden“, wenn sie zu Patriarchen gemacht werden.</p>
<p>Oft haben solche Redewendungen allerdings uralte Wurzeln und sind nicht nur Projektionen. Der Storch (Geburt), die Taube (friedliches und glückliches Leben in Wohlstand, Beistand) und die Eule (Tod) waren Begleittiere der germanischen Muttergöttin Holda, die auf die altsteinzeitliche Urmutter zurück geht, uns bekannt als Frau Holle. Und ich vermutete, dass das auch für die Wachtel gilt, wozu ich allerdings weder bei Jacob Grimm noch bei Erika Timm Hinweise fand. Es gibt dafür dennoch sehr viele starke Indizien.</p>
<p>Mit dem Ruf „Fürchte Gott, trau auf Gott“ sollte die Wachtel gegen Blitzschlag schützen. In der germanischen Religion wurde der Wettergott Donar, der Sohn der Holda, für Blitzeinschläge verantwortlich gemacht, und Holda konnte davor schützen. „Im Oldenburger Münsterland ist die Wachtel, Kütjeblick, Tütjeblick, saterl. Roggefugel noch ein heiliges Tier; sie zu töten ist Sünde. Ihr Ruf ist vorbedeutend für den Preis des Roggens.“ (paraphr. nach Strackerjahn 1909) Der Wachholder, der regional auch Wachtel heißt und wie der Holunder Pflanze der Holda ist, symbolisiert als Machandelboom in Grimms Märchen die Große Mutter. Auf eine mythologische Verbindung der Wachtel mit Frau Holle und ihrem Brunnen könnte auch der thüringische Familienname Wachtelborn hinweisen. Nicht zuletzt könnte die merkwürdige „Spinatwachtel“ ein Hinweis auf die Große Mutter sein, die an ihrem Spinnrad sitzt.</p>
<p>Im Aberglauben wird den Wachteln immer noch Zauberkräfte zugesprochen: Bei Vollmond wachsen ihre Köpfe. Der Schlag einer Wachtel in der Nacht prophezeit den Tod, der diesen hört. Bei den Sinti und Roma Siebenbürgens gilt die Wachtel als weiblicher Teufelsvogel. Milch auf ein Feld zu spritzen, gilt als Mittel gegen die Vergiftung der Kühe mit sog. Wachtelkraut, welches durch Wachteln giftig geworden sein soll. Als Nivashi-Töchter sollen sie das Getreide stehlen, wogegen es hilft, an jeder Ecke des Feldes eine Wachtel oder wenigstens die Feder eines schwarzen Huhnes zu vergraben. Dieser Brauch hat auch auf die rumänische Landbevölkerung Siebenbürgens abgefärbt. (Vgl. von Wlislocki 1890, S. 208 f)</p>
<p>Dies sind starke Hinweise auf einen vorchristlichen, weiblichen Glaubensinhalt, der in christlicher Zeit dämonisiert wurde.</p>
<p>Bei den Römern und Griechen war Wachtelgehirn ein spezifisches Mittel gegen die Epilepsie, ohne jemals Wirkung entfaltet zu haben. Die Wachteln standen ihres Mutes und ihrer Kampfeslust wegen in großem Ansehen. In einem Mythos zur Entstehung der „Wachtelinsel Ortygia“ wird die Tochter des Koios mit dem Namen Asteria von Zeus in eine Wachtel verwandelt und er stürzt sie wie einen Felsen ins Meer, als sie sich seinen Annäherungsversuchen verweigert. Dabei ensteht die Insel. Die Botschaft des Patriarchats an alle Frauen lautet: Wehe, ihr lebt eure <em>female choice</em>! Das Beispiel zeigt ganz deutlich, dass es im Mythos nur vordergründig um die Erklärung der Welt geht. Mythen bzw. Glaubensinhalte verarbeiten ernsthafte psychiatrische Erkrankungen.</p>
<h3 id="mythos">Der Mythos und sein Mythograph</h3>
<p>So wie die Wachtel zum Mythos wurde, ist auch die sog. Hackordnung der Hühnervögel ein Mythos und Thorleif Schjelderup-Ebbe ist ihr Hohepriester. Er studierte nicht nur Zoologie, sondern schrieb auch Novellen und Kinderbücher. Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt! Dass Thorleif gerne fabulierte, entdeckte der Ethologe John Price (1995) nach einem psychologisch sehr aufschlussreichen Interview mit dessen Sohn Dag, nämlich dass seine Behauptung, er hätte der Royal Society of London angehört, dem renommiertesten wissenschaftlichen Bund in England, falsch war, und er stattdessen Mitglied der Royal Society of Arts of London war, des Kunstbundes also, schlicht erkauft mit Eintrittsgeld.</p>
<p>Schjelderup-Ebbe erlebte nicht mehr den wissenschaftlichen Aufstieg seiner als Dissertation ausgearbeiteten These, der lediglich Beobachtungen während seiner frühen Kindheit zugrunde lagen! Aber Schuld daran war seines Sohnes Dag (und dem Schreiberling bei wikipedia) zufolge natürlich eine Frau, die erste Professorin Norwegens (deren Namen wikipedia nicht nennt), die Zoologin Kristine Bonnevie, eine emanzipierte, sozialistische Frau, die gegen ihn stetig intrigiert haben soll. Er stand aufgrund einer Zuflüsterung bei ihr zunächst unter Verdacht, einen anonymen, denunzierenden Artikel gegen sie geschrieben zu haben. (Bald wurde mit dem Zoologiestudenten und späteren Novellisten Sigurd Hoel der wahre Täter entlarvt.) Dass sie und im Übrigen auch die (von wikipedia nicht erwähnten) männlichen Professoren in ganz Norwegen ihm die Anerkennung verweigerten, dürfte daran gelegen haben, dass man sich damals noch der gravierenden Schwächen der Arbeit bewusst war. Um seine weitere Existenz musste sich die Professorin offenbar auch keine Sorgen machen, und so lehnte sie die Arbeit ab: „No, your work is quite different. In any case you don’t need the job, you have money (…)“ (Bonnevie zitiert in Price 1995, S. 1). Sein Sohn Dag machte einst daraus, dass sein Vater Opfer der Hackordnung in der biologischen Hierarchie geworden sei (Price 1995, S. 1).</p>
<p><a title="By Rude &amp; Hilfling [No restrictions or CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AKristine_Bonnevie_portrait.jpg"><img decoding="async" title="Kristine Bonnevie, Biologin und erste Professorin Norwegens. Portrait" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/2b/Kristine_Bonnevie_portrait.jpg/256px-Kristine_Bonnevie_portrait.jpg" alt="Kristine Bonnevie, Biologin und erste Professorin Norwegens. Portrait" width="256" /></a></p>
<p>Kristine Bonnevie, Biologin und erste Professorin Norwegens</p>
<p>Schjelderup-Ebbes sog. Hackordnung wurde von der Herrschenden Lehre schließlich doch rezipiert, und zwar durch den „Papst der Verhaltensforschung“ und „Gänsemutter“ Konrad Lorenz, der nicht nur suggerierte, er hätte sie entdeckt (vgl. Baeumer 1964), sondern später auch wegen seines Festhaltens an der sozialdarwinistischen Lehre der NS-Diktatur kritisiert wurde. Nach Lorenz’ Denkmalssturz wird jetzt dem Thorleif Schjelderup-Ebbe gehuldigt.</p>
<p>Wider besseres Wissen wird die Hackordnung nicht laut und deutlich revidiert, meiner Überzeugung nach aus zwei Gründen. Zum Einen lassen sich Menschen gerne ein X für ein U vormachen. Das Gehirn versucht, nach dem gesunden Menschenverstand falsche Behauptungen irgendwie zu integrieren. Menschen wollen glauben und nicht in permanentem Misstrauen und Zweifel leben. Wenn viele etwas sagen, dann kann es ja nicht falsch sein. Die Psychiatrie nennt das Normopathie (vgl. z.B. Maaz 2017). Zum Anderen erfüllt die sog. Hackordnung in dieser Gesellschaft mehr als den Zweck rein biologischer Erklärungen, lässt sie sich doch aufs Herrlichste missbrauchen, um das System, in dem wir leben, zu rechtfertigen. Sie ist ein Biologismus, der dringend der Entlarvung bedarf.</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Name geändert.</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Entwickelt in den Neunzehnhundertsiebziger Jahren in der Psychologischen Fakultät an der Freien Universität Berlin</p>
<h3>Literatur</h3>
<ul id="liste4">
<li>Baeumer, Erich: Das „dumme“ Huhn. Stuttgart 1964</li>
<li>Blaffer Hrdy, S.: Mütter und Andere. Wie uns die Evolution zu sozialen Wesen gemacht hat. Berlin 2010</li>
<li>Fischer, K.: Wenn Hühner zu Kannibalen werden. Aus: <a href="http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/landwirtschaft-und-ethik-wenn-huehner-zu-kannibalen-werden-1.296883" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/landwirtschaft-und-ethik-wenn-huehner-zu-kannibalen-werden-1.296883</a> vom 17.5.2010</li>
<li>Golze, Manfred: Rangordnung im Zuchtstamm. In: Geflügelzeitung 22/2007<br />
<a href="http://www.brahmazucht.eu/Lesesaal/Zucht/Rangordnung.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.brahmazucht.eu/Lesesaal/Zucht/Rangordnung.pdf</a></li>
<li>Grimm, Jacob: Deutsche Mythologie. Göttingen 1835</li>
<li>Holzkamp-Osterkamp, Ute: Grundlagen der psychologischen Motivationsforschung Band 1, Campus, Frankfurt am Main/ New York 1975. 3. Aufl. 1981 <a href="http://www.kritische-psychologie.de/files/uo1975a.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.kritische-psychologie.de/files/uo1975a.pdf</a></li>
<li>Korkmaz, İlhan et al.: Quail Consumption can be Harmful. In: The Journal of Emergency Medicine. November 2011Volume 41, Issue 5, Pages 499–502.<br />
DOI: <a href="http://dx.doi.org/10.1016/j.jemermed.2008.03.045" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://dx.doi.org/10.1016/j.jemermed.2008.03.045</a></li>
<li>Maturana, Humberto R./ Varela, Francisco J.: Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens. Bern 1987</li>
<li>Maaz, Hans-Joachim: Das falsche Leben: Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft. München 2017</li>
<li>Paul, Jean: Jean Paul&#8217;s sämmtliche Werke, Bände 16-20. Berlin 1826. Bd. 1</li>
<li>Price, John: A Remembrance of Thorleif Schjelderup-Ebbe. In: <em>Human Ethology Bulletin.</em> 1995, 10 (1), S. 1–6.<br />
<a href="http://www.johnprice.me.uk/assets/doc/papers/32.%20A%20remembrance%20of%20Schjelderup-Ebbe.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.johnprice.me.uk/assets/doc/papers/32.%20A%20remembrance%20of%20Schjelderup-Ebbe.pdf</a></li>
<li>Prum, Richard O.: The Evolution of Beauty. How Darwin’s Forgotten Theory of Mate Choice Shapes the Animal World – and Us. New York 2017</li>
<li>Rodríguez-Teijeiro, J. D. et al.: Pair Bonding and Multiple Paternity in the Polygamous Common Quail <em>Coturnix coturnix.</em><em> In: Ethology International Yournal of Behavioural Biology. </em>Volume 109, Issue 4, 1. April 2003. p. 291–302<br />
DOI: <a href="http://10.1046/j.1439-0310.2003.00873.x" target="_blank" rel="noopener noreferrer">10.1046/j.1439-0310.2003.00873.x</a></li>
<li>Strackerjahn, Ludwig: Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg. 2. Band, 2. Buch, 4. Abschnitt. Oldenburg 1909. Erstdruck: Oldenburg (Stalling) 1867.</li>
<li>Timm, Erika: Frau Holle, Frau Percht und verwandte Gestalten: 160 Jahre nach Jacob Grimm aus germanistischer Sicht betrachtet. Stuttgart 2003</li>
<li>Tsironi, Maria et al.: The patient with rhabdomyolysis: Have you considered quail poisoning? In: CMAJ August 17, 2004 vol. 171 no. 4<br />
<a href="http://www.cmaj.ca/content/171/4/325" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.cmaj.ca/content/171/4/325</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Female choice – unser unbekanntes Menschenrecht. Braunschweig 2015<br />
<a href="http://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice</a></li>
<li>Vieweg, Martin: Warum legen Hühner so viele Eier. In: Bild der Wissenschaft. Wissenschaft.de vom 12.04.2017<br />
<a href="http://www.wissenschaft.de/leben-umwelt/biologie/-/journal_content/56/12054/17167530/Warum-legen-H%C3%BChner-so-viele-Eier%3F/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.wissenschaft.de/leben-umwelt/biologie/-/journal_content/56/12054/17167530/Warum-legen-H%C3%BChner-so-viele-Eier%3F/</a></li>
<li>von Wlislocki, Heinrich: Vom wandernden Zigeunervolke. Bilder aus dem Leben der Siebenbürger Zigeuner. Hamburg 1890</li>
<li>Witte, Klaudia: Weibchen kopieren Weibchen bei der Partnerwahl. In: Forschung an der Universität Bielefeld 19/1999<br />
<a href="http://www.uni-bielefeld.de/presse/fomag/s46_50_witte.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.uni-bielefeld.de/presse/fomag/s46_50_witte.pdf</a></li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/das-wachtelexperiment-oder-der-mythos-von-der-hackordnung">Das Wachtelexperiment oder der Mythos von der Hackordnung</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Gibt oder gab es matriarchale Gesellschaften? Eine notwendige Stellungnahme von Stephanie Gogolin und Gabriele Uhlmann</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann</link>
		
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		<pubDate>Wed, 24 Aug 2022 15:30:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>“Matriarchale Gesellschaften“ ist ein Begriff, der uns oft begegnet, wenn eigentlich von Matrifokalität, unserem angeborenen Sozialverhalten, gesprochen wird oder von indigenen Ethnien, deren kulturelles Alltagsgeschehen noch im matrifokalem Kontext stattfindet....</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann">Gibt oder gab es matriarchale Gesellschaften? Eine notwendige Stellungnahme von Stephanie Gogolin und Gabriele Uhlmann</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg01.met.vgwort.de/na/f7721289c1d343a0b68d3198a6187ec5" alt="" width="1" height="1"><strong>“Matriarchale Gesellschaften“ ist ein Begriff, der uns oft begegnet, wenn eigentlich von Matrifokalität, unserem angeborenen Sozialverhalten, gesprochen wird oder von indigenen Ethnien, deren kulturelles Alltagsgeschehen noch im matrifokalem Kontext stattfindet. Von „matriarchalen Gesellschaften“ wird aber auch gern gesprochen, wenn die oberste Gottheit eine Göttin war oder ist und die Frauen „selbstbewusst“ und „emanzipiert“ gewesen sein sollen. „Matriarchale Gesellschaften“ seien egalitär und friedlich und manchmal stünde eine Königin oder sogar ein König an ihrer Spitze, die ihre Untertanen weise regierten.</strong></p>
<p>Die führende Mariarchatsforscherin Heide Göttner-Abendroth setzt der Definition von Matriarchat als „Herrschaft der Mütter“ eine eigene dagegen:</p>
<blockquote><p>&#8222;<em>Die begriffliche Verwirrung geht auf die scheinbare Parallele der Begriffe ‚Patriarchat’ und ‚Matriarchat’ zurück. Doch der Schein trügt! In sprachlicher Hinsicht muss man keineswegs der üblichen, vorurteilshaften Übersetzung des Begriffs als ‚Herrschaft der Mütter’ folgen. Das griechische Wort ‚arché’ hat nämlich eine doppelte Bedeutung und heißt sowohl ‚Anfang’ als auch ‚Herrschaft’. Der Begriff ‚Matriarchat’ bedeutet daher korrekt übersetzt ‚am Anfang die Mütter’, und das trifft die Sache. Im Falle der patriarchalen Gesellschaftsform ist hingegen die Übersetzung mit ‚Herrschaft der Väter/Männer’ zutreffend.</em>“<!--<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup></blockquote>
<p>Auf diese Weise erfährt man jedoch nicht, dass es der niederländische Rechtsethnologe George Alexander Wilken war, der die Bezeichnung <em>Matriarchat</em> 1884 einführte. In seinem Buch <em>Das Matriarchat (Das Mutterrecht) bei den alten Arabern</em> schrieb er:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Frage nach einem ursprünglichen Matriarchat (Mutterrecht) hat in letzter Zeit die Aufmerksamkeit Vieler auf sich gelenkt. Man weiß, was darunter verstanden werden muss. Das Matriarchat ist die Verwandtschaft durch die Mutter, wie das Patriarchat (Vaterrecht) die durch den Vater ist; bei jenem wird die Abstammung ausschließlich in der weiblichen, bei diesem in der männlichen Linie verfolgt. Von diesen beiden ist die mütterliche Verwandtschaft die am meisten ursprüngliche. Man könnte behaupten, dass sie einer der Phasen ist, welche das Familienleben überall in seiner Entwicklung durchlaufen hat.&#8220;<!--<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup></blockquote>
<p>Wilken sagte damit, dass ein Matriarchat ein umgedrehtes Patriarchat sei, dies, weil er nicht verstanden hatte, dass <em>Patrilinearität</em> (&#8222;männliche Linie&#8220;) nicht einfach der natürliche Gegenpart zur <em>Matrilinearität</em> (&#8222;weibliche Linie&#8220;) ist. Denn Matrilinearität ist die unmittelbare Folge der angeborenen <em>Matrilokalität</em> (Kinder bleiben bei der Mutter) unserer Spezies. Männer stellten eine kulturelle Ideologie von Patrilinearität dagegen. Und nur wenn sie zusätzlich <em>Patrilokalität</em> (Kinder müssen beim Vater wohnen) erzwingen, wird aus der Idee auch eine stabile Realität. Zwar bezieht Wilken sich in der Tat auf den Ursprung, aber er setzt den Begriff mit Bachofens „Mutterrecht“ gleich und schafft damit die Grundlage für die Begriffsverwirrung und angeblich „scheinbare Parallele“. Denn schon bei Bachofen haben wir die Verknüpfung von Recht und Herrschaft.<br />
Der Patriarchatsforscher Gerhard Bott schrieb dazu in der Antwort auf einen Leserinnenbrief, nach dem Bachofen deutlich gemacht habe, dass aus &#8222;dem gebärenden Muttertum&#8220; eben nicht &#8222;Weiberherrschaft&#8220; aufsteige, sondern &#8222;die allgemeine Brüderlichkeit aller Menschen, deren Bewusstsein und Anerkennung mit der Ausbildung der Paternität untergehe&#8220;, (sie zitiert Bachofen, 1954, S. 89) das Folgende:</p>
<blockquote><p>&#8222;<em>Das &#8218;</em><strong>Mutterrecht</strong><em>’ ist für Bachofen <strong>immer</strong> grausam und negativ. (&#8230;) Aus Bachofens ‚</em><strong>Mutterrecht</strong><em>&#8218; geht (&#8230;) eindeutig hervor, dass er immer dann, wenn er vom </em><strong>MutterTUM</strong><em> spricht, nicht etwa die fürchterliche Zeit des </em><strong>MutterRECHTS</strong> <em>meint, sondern die ‚<strong>befriedete Zeit</strong></em>’<em>, <strong>nach der ‚</strong></em><strong>Versöhnung</strong><em><strong>’</strong> der Frauen mit dem Primat der Männer. Er bezieht sich damit auf jene &#8218;gute&#8216; Zeit, <strong>die nach dem Ende des </strong></em><strong>Mutterrechts</strong><em><strong>, der </strong></em><strong>Gynaikokratie</strong><em><strong> oder ‚</strong></em><strong>Weiberherrschaft</strong><em><strong>&#8218;</strong>, ihren Anfang nahm, und zwar durch die ‚Versöhnung’ der Frau mit dem Mann. Erst in der vaterrechtlichen monogamen Ehe, in der sich die Frau dem Mann ‚</em><strong>lustvoll</strong><em>’. unterordnet, wurde das ‚</em><strong>Durchdringen</strong><em>’ der Frau zum ‚</em><strong>Muttertum</strong><em>’ möglich. Das &#8218;</em><strong>Mutterrecht</strong><em>’, hingegen stellt Bachofen durchgehend als negativen ZERR-Spiegel des ‚</em>Vaterrechts<em>&#8218;, des Patriarchats, dar.</em>&#8222;<!--<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup></blockquote>
<p>Schon Bachofens Begriff der <em><strong>Brüder</strong>lichkeit</em> hätte aufmerken lassen müssen, dass da etwas grundsätzlich nicht stimmig ist. <span id="more-5239"></span>Der Begriff „<strong>Recht</strong>“ selbst zeigt auf eine nicht egalitäre Absprache. Denn Recht, auch das sogenannte Mutterrecht, setzt bereits so was wie eine Gesetzeslage (wiederholbare Abmachung oder angeordnetes Gebot) voraus, die verbindlich für bestimmte Interessengruppen und exponierte Personen festgelegt und für diese einzufordern sind. <strong>Im Naturkontext gibt es keine Rechte</strong>, sondern nur natürliche Effekte, die in evolutionären Abläufen wirksam sind. Beispiel: Das Muttertier zieht ihr Junges auf und wird dabei von einer sie umgebenden Gruppe unterstützt (aus einem angeborenen, epigenetisch hinterlegten, Reflex heraus) oder es ist in der Lage, ihren Nachwuchs selbst zu verteidigen und optimal zu beschützen (siehe einige Raubtiere, hier die größeren Katzenarten). Ein Muttertier kann sich beispielsweise auf kein Recht berufen, ihr Junges störungsfrei aufzuziehen &#8211; es muss selbst dafür sorgen bzw. wird bei bestimmten Spezies vor allem der Säugetiere von einer Nähegemeinschaft unterstützt. Die Mensch lebte lange genug innerhalb eines Naturgeschehens, um eine bio-soziale Alltagsethik zu entwickeln, die eine egalitäre Gemeinschaft hervorbrachte und als erfolgreiche Überlebensstrategie epigenetisch verankerte &#8211; auf <strong>geschwisterlich</strong>er Basis, sowie <strong>mütterzentriert</strong> und vor allem <strong>generationsübergreifend</strong>.</p>
<p>Der Begriff <strong><em>Mutterrecht </em></strong>ist also der patriarchösen Vorstellungswelt der letzten Jahrhunderte entsprungen und ist in seiner Variante <em>Matriarchat</em> eine ähnlich missverständliche Wortschöpfung.</p>
<p>Ein <em>Recht</em> ist nicht nur als allgemeines Bekanntsein determiniert, sondern gilt auch nicht für jeden. Ein Recht zieht als Einrichtung eine Art Exekutive nach sich, die eingeführtes Recht und Gesetz beaufsichtigt, dessen Einhaltung kontrolliert und gegebenenfalls Sanktionen durchführt.</p>
<p><em>Matriarchat</em> (als angenommene Gesellschaftsform) sowie<em> Mutterrecht</em> (als eine Art konstituierte Überlieferung) setzt als inhaltlicher Begriff die organisierte Form einer (An)Leitung zur Steuerung des <strong>kollektiven Verhaltens </strong>voraus &#8211; sowie eine Art übergeordnetes Schema, was wiederum einen stringenten komplexen Kommunikationsfluss erforderlich macht, wie wir ihn nicht aus der Natur, sondern nur von Herrschaftsstrukturen her kennen. Eine (Groß)Gesellschaft, die auf dem Primat der Männer basiert, hat nichts mehr mit dem <strong>Naturgeschehen einer auf die Mutter bezogenen Gemeinschaftsform</strong> zu tun, die evo-biotisch, also damit menschenartgerecht agiert und sich als beginnende Kulturgemeinschaft an überliefertem Brauchtum orientiert, das keinerlei Recht oder Gesetz unterworfen ist.</p>
<p><strong><em>Ein Recht zu haben,</em></strong> setzt eine Kontrolle der Einhaltung voraus und eine Art Gremium, das die Einhaltungen der Rechte überwacht. Sobald der Begriff <em>Recht </em>ins Spiel kommt, schwingt Instruktion und Herrschaft mit. Nur das willkürliche Herrschaftsverhalten fordert eine Steuerung durch festgelegte Rechte und willkürliche gesetzlich festgelegte Privilegien heraus.</p>
<p>Eine egalitär lebende, auf gegenseitiger Fürsorge beruhende (Mütter)Gemeinschaft bedarf keiner festgelegten (auf Gebote und Gesetzes gestützte) Rechte, hier werden Unstimmigkeiten oder Ungerechtigkeiten ausgeräumt, indem Absprachen im Konsens das Zusammenleben im Sinne einer lebenswerten Gemeinsamkeit ausbalanciert werden.</p>
<h4>Die Göttin-Heros-Theorie, eine nicht beweisbare Hypothese</h4>
<p>Göttner-Abendroth greift das Mutterrecht des Erzpatriarchen Bachofen auf und verschärft noch das Problem mit ihrer Göttin-Heros-Theorie: Sie zeichnet damit das Vollbild einer patriarchalen Gesellschaft, aber mit weiblichem Vorzeichen, nach der das <strong>bronzezeitliche</strong> sumerische Ritual der <em>Heiligen Hochzeit</em> das zentrale matriarchale Fest sei. Aus der Warte der Evolutionstheorie stellt es jedoch eine Missachtung der <a href="https://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener"><em>female choice</em></a> dar, womit es sich um die Vergewaltigung der Priesterin handelt, und auch kulturwissenschaftlich muss es als Initialisierung der königlichen und damit väterlichen Macht gewertet werden. Göttner-Abendroth aber deutet das Wilkensche Matriarchat positiv. Die Unterscheidung sei, dass die Königin/der König nicht grausam sei, sondern eine mütterlich-weise Leitung innehabe. Damit füttert sie unbeabsichtigt aber in fataler Weise den Mythos vom Matriarchat als Frauenherrschaft.</p>
<p>Es sprechen aber alle Indizien dafür, dass die Bronzezeit mit ihrer voll ausgebildeten Kriegstechnik die erste Epoche mit einem flächendeckenden Patriarchat gewesen ist, mit nicht egalitären Hierarchien, ersten Kriegen (beginnend in der Späten Jungsteinzeit), Sklavenhalterei, fundamentaler Frauenunterdrückung und Besitztum des Kindes. All das wurde in den beginnenden kapitalistischen Wirtschaftsstrukturen etabliert. Mit der Schrift, die die Sumerer als angeblich erste <em>Hochkultur</em> ausweist, überlieferten sie ihre in Stein gehauene Königsliste und damit ein rein patrilineares, also auch nach Wilkens, patriarchales Weltbild. Wirkliche Patrilinearität geht immer mit dem völligen Verlust an Selbstbestimmung für die Frau und Mutter einher, und ist damit der Hauptmarker der Patriarchose.</p>
<p><a title="HJunghans [CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sumerische_K%C3%B6nigsliste.JPG"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/52/Sumerische_K%C3%B6nigsliste.JPG/256px-Sumerische_K%C3%B6nigsliste.JPG" alt="Sumerische Königsliste" width="256"></a><br />
<span style="font-size:10px;">Sumerische Königsliste, Larsa/Tell Senkerech (Irak), 1740 v. Chr., Ton, Museum Oxford.<br />
Siehe auch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sumerische_K%C3%B6nigsliste" target="_blank" rel="noopener">Sumerische Königsliste bei Wikipedia</a></span>.</p>
<p>Allerdings besteht Heide Göttner-Abendroths großes Verdienst darin, das Volk der Mosuo in Europa bekannt gemacht und damit Beweismaterial geliefert zu haben, dass es Männern nicht schlechter geht, wenn sie keine Macht besitzen. Die Mosuo leben matrilokal und matrilinear, und die Vaterschaft bedeutet ihnen nichts. Kapitalismus ist ihnen unbekannt, denn sie leben subsistent in einer von der Natur begünstigten Umwelt.<br />
Die Mosuo begehen keine Heilige Hochzeit und es gibt keine Königin. Wichtige Entscheidungen, die oft auch erst das patriarchale Umland aufnötigt, werden im Konsens getroffen. Erst auf Befehl der chinesischen Regierung erhielten Männer das Amt des Bürgermeisters. Von den Modernen Matriarchatsforscherinnen werden die Mosuo als „Matriarchale Gesellschaft“ bezeichnet.</p>
<h4><strong>Aber ist es sinnvoll ein solches Zusammenleben eine Gesellschaft zu nennen?</strong> <strong>Und was überhaupt ist eine Gesellschaft?</strong></h4>
<p>Befragen wir das Internet, so zeichnet sich ein sehr facettenreiches Meinungsbild, je nachdem, welche Disziplin zu Rate gezogen wird, ob Soziologie, Ethnologie, Staats- oder Wirtschaftsrecht.</p>
<p>Gerhard Bott zog es daher vor, ausgehend von der Begriffsgeschichte, die auf das Zunftrecht der Handwerker mit ihren Lehrlingen, Gesellen, Jungmeistern und Altmeistern zurückgeht, Gesellschaft als eine hierarchische, männerbündische Organisation anzusehen, die er, wie schon der Philosoph Friedrich Schleiermacher, klar von <em>Gemeinschaft</em> abgrenzte<!--<a href="#_ftn4" name="_ftnref4">[4]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>.</p>
<p><strong>Eine Gesellschaft hat eine hierarchische Struktur. Sie wird durch Gewalt(en) und Verwaltung zusammengehalten. Wir finden hier keine zwingende, die Gesellschaft kennzeichnende Verwandtschaft innerhalb der Bevölkerung. </strong></p>
<p>Gesellschaft ist ein<strong> pluralistisches </strong>(politisches, wirtschaftliches sowie Personen bezogenes alltägliches)<strong> Geschehen</strong> in einem begrenzten Territorium bzw. einem ideellen Hoheitsgebiet.<br />
Die ersten, durch Eroberung entstandenen Staatsgebilde (Herrschaftsbereiche) sind die Basis dessen, was wir heute unter <strong><em>Gesellschaft </em></strong>verstehen. Zuvor gab es eine gewachsene indigene Grundbevölkerung, die in der Regel noch keine übergeordnete politische Struktur besaß und sich wie das evolutionäre Lebenssystem selbstorganisierend darstellte, indem notwendige Anpassungen um des Überlebens willen umgesetzt wurden.</p>
<p>Die Archäologin Marija Gimbutas hat mit ihrer inzwischen von der Genetik bestätigten Kurgan-These nachgewiesen, dass die jungsteinzeitlichen, noch matrifokalen Kulturen von Kriegern aus der Steppe Südrusslands unterworfen wurden. Die seitdem Herrschenden sind dabei immer die Abkömmlinge oder Günstlinge der einstmaligen Eroberer aller in der Gesellschaft versammelten <em>Volksgruppen</em> und <em>Kulturen</em>. Sie legte Wert darauf, die vorpatriarchalen Kulturen nicht als Gesellschaft, sondern als Zivilisationen zu benennen. Sie schrieb dazu in ihrem Buch über die Jungsteinzeit im Alten Europa &#8222;Die Zivilisation der Göttin&#8220;:</p>
<blockquote><p>&#8222;<em>Ich lehne die Ansicht ab, dass der Begriff Zivilisation nur auf androkratische Kriegergesellschaften angewendet werden dürfe. Die generative Basis jeder Zivilisation liegt in ihrem jeweiligen Maß an künstlerischem Schaffen, ästhetischen Errungenschaften, immateriellen Werten und Freiheit, die das Leben sinnvoll und lebenswert machen, sowie in einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Die Jungsteinzeit in Europa war keine Zeit &#8218;vor der Zivilisation&#8216; (Before civilization &#8211; so der Titel eines 1973 erschienenen Buches von Colin Renfrew über Europa zur Jungsteinzeit und Kupferzeit); sie war vielmehr wirklich eine Zivilisation im besten Sinne des Wortes. </em>(&#8230;)<em>.</em>&#8222;<!--<a href="#_ftn5" name="_ftnref5">[5]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup></blockquote>
<p>Im Grunde nimmt also Gimbutas auch hier eine Neudefinition vor, allerdings ohne Verwirrung zu stiften, denn sie kann sich auf die seit Kant und Goethe landläufig positive Konnotation des Adjektivs „zivilisiert“ im Gegensatz zu „unmoralisch“ berufen. Zudem findet sich ungeachtet der historischen Entwicklung in der Sprache eine Abgrenzung der <em>Zivilgesellschaft</em>, also des <em>Bürgertums</em>, vom Militär.<br />
Das Problem ist ein grundsätzliches. Unsere Wirtschafts-, Umgangs- sowie literarische Sprache ist patriarchal. Sie geht auf die Eroberer aus der Steppe, die Viehzüchternomaden waren, zurück. Daher ist sie von Metaphern aus der Viehzucht durchdrungen, insbesondere, wenn es um die Beziehung der Menschen zueinander geht, wie z.B. bei <em>Erziehung, Beziehung</em> und <em>Unzucht</em> oder im Begriff von <em>Zucht und Ordnung</em>. Nachdem sich Ursprachen quasi organisch entwickelt hatten, wurde mit der Patriarchalisierung Sprache von oben vorgeschrieben und damit über große Flächen vereinheitlicht als das, was wir heute „Indoeuropäische Sprachfamilie“ nennen. Sie zeigt sich in Form von einzuhaltenden Sprachformeln (wie Herrscheranreden) und auch das generische Maskulinum stammt aus dieser Zeit. In dem Herrschaftsgebiet, in dem es anfangs nur mündliche Überlieferung gab, war Kontrolle nur mit einer gut organisierten Verwaltung und möglichst einheitlichen Sprache möglich. Die patriarchalisierte Sprache trug dazu bei, unser angeborenes Sozialverhalten, die Matrifokalität, in Vergessenheit zu bringen.</p>
<p>Der veraltete Begriff des <em>Oheims</em>, des Bruders der Mutter, gehört wie auch die <em>Geschwister</em> zu den letzten Resten matrifokalen Verständnisses von verwandtschaftlichem Zusammenleben. Das Wort kennt kaum noch jemand. Allgegenwärtig ist dagegen das Wort <em>Onkel</em>, mit dem sich der <em>Oheim</em> sprachlich durch nichts mehr vom Vaterbruder unterscheidet. Die noch weniger bekannte <em>Muhme</em> als die Bezeichnung der Mutterschwester, ist aus dem Sprachgebrauch fast vollständig verschwunden. Die <em>Muhme</em> besaß vielfach eine besondere Bedeutung. Sie galt da, wo es keine Großmutter im Wohnumfeld (mehr) gab, als Beimutter und manche Frau schätzte sich glücklich, wenn ihre (unverheiratete und Kinderlose) Schwester mit in ihrem Haushalt lebte. Die Patrilokalität war/ist für jede Frau eine strapaziöse Lebensvariante. Die Muhme wurde gern als Patin für ein Kind (wohl vor allem für eine Tochter) genommen und die Pate oder Gode oder die immer noch im hessischen Raum übliche Götti, erhielt so gemeinsam mit der Mutter ein matrifokales Feeling, dessen sie sich meist nicht bewusst waren/sind. Sie folgten damit nur ihrem menschen-mütterlichen Instinkt.</p>
<p>Für das verwandtschaftliche Zusammenleben gibt es heute die Begriffe <em>Familie</em>, <em>Blutsverwandtschaft, Geschlecht, Verwandtschaft, Sippe,</em> <em>Clan, Stamm, und Angehörige</em>.</p>
<p><strong>Familie </strong>definiert sich im ursprünglichen (römischen) Sinn lediglich als Hausgemeinschaft und somit als der Herrschaftsbereich eines (privilegierten) Mannes – Familie ist <strong>keine</strong> konsanguine Zugehörigkeit für alle beteiligten Personen.<br />
Derzeit finden wir unter dem Begriff der Familie die verschiedensten Ableitungen. Im Sinne der Kleinfamilie wird eine alleinerziehende Mutter mit Kindern genauso als Familie bezeichnet, wie ein kinderloses Paar. Der Ausdruck Großfamilie bezieht sich heute eher auf die Anzahl (der Kinder), als auf einen generationsübergreifenden Status, bei dem die väterlichen Großeltern mit im Hause wohnen.</p>
<p><strong>Blutsverwandtschaft</strong> (oder durch Geburt verwandt, vornehm auch <strong>Geblüt</strong>) ist nur im matrilinearen Sinne schlüssig. Hier beziehen wir uns ausschließlich auf die direkte Herkunft innerhalb der weiblichen plazentaren Fortpflanzungslinie, daher bin ich auch als Frau mit meinem Bruder blutsverwandt, mit meinem Vater jedoch nicht (allerdings kann jedeR diesen Punkt sehen wie sie möchte).</p>
<p>Ein <strong>Geschlecht</strong> bezeichnet miteinander über die väterliche Linie Verwandte, die sich auf einen gemeinsamen adligen Stammvater zurückführen. Es entspricht einer Großfamilie, die hier jedoch aufgrund von Eroberungen und Heiratspolitik nicht auf ein geografisches Gebiet begrenzt ist. In neuerer Zeit kommt der Begriff auch im Bürgertum zur Anwendung, wenn der Stammvater in der Gesellschaft Bedeutung erlangt hat und seine Nachkommen sein Lebenswerk fortführen oder gewisse Bekanntheit erreicht haben.<strong><br />
</strong></p>
<p><strong>Verwandtschaft</strong> meint heute sowohl Blutsverwandte als auch durch Bereitschaftserklärung verbundene Zusammenlebende, also bei Heirat, Adoption, Pflegschaft, Beziehungsformen aller Art. Umgangssprachlich ist der Begriff der Verwandtschaft in heutiger Anwendung viel weitreichender, als im gesetzlichen oder juristischen Sinne.</p>
<p>Die <strong>Sippe</strong> wird heute soziologisch praktisch nur als patrilineares Verwandtschaftssystem verstanden, wenngleich der Begriff in der Bevölkerung eher auf die Mutterlinie bezogen ist, und zwar als <em>Sippschaft</em>, die jedoch eine negative Konnotation hat. Die Bedeutung als Mutterlinie geht auf das Althochdeutsche zurück, wo das Wort &#8222;kunni&#8220; für die Sippe steht. Dieses Wort geht wiederum auf die Ur-Silbe &#8222;kun&#8220; zurück, die &#8222;Vulva&#8220; oder &#8222;Frau&#8220; bedeutet, z.B. indoeuropäisch Lateinisch &#8222;cunnus&#8220; für die Vulva und im ureuropäischen Baskischen &#8222;gun&#8220; für Frau.<!--<a href="#_ftn6" name="_ftnref6">[6]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup>
<p>Der <strong>Clan</strong> ist ein (pseudo)patrilinearer Verbund von mehreren Patrilokalitäten (Familien), die einen begrenzten Lebensraum miteinander teilen und einem patriarchalen Kodex unterworfen sind. Es ist üblich, auch sogenannte matriarchale Gruppierungen als Clans zu bezeichnen, weil sie sich heute mit einen Kodex gegen die Patriarchalisierung zur Wehr setzen müssen. Dazu gehört der mütterliche Rat, sich nicht mit Männern des patriarchalen Umlandes zu verpartnern, um nicht von deren Ideologie unterminiert zu werden.</p>
<p>Der <strong>Stamm</strong> impliziert die Auffassung der sogenannten männlichen Abstammung, eine bis in unser letztes Jahrhundert nicht genetisch nachweisbare Patrilinearität, die sich auf einen mythischen Urvater, aber auch auf ein weibliches Tierwesen, und dessen Sohn zurückführt. Daher ist dieser Begriff in Bezug auf die Matrifokalität, unserem angeborenen Sozialverhalten, ebenfalls unbrauchbar.</p>
<p>Als <strong>Angehörige</strong> werden heute die entweder unmittelbar (durch Geburt) verwandten, aber auch angeheiratete oder anderweitig (mit und ohne Bereitschaftserklärung) einer Lebens- bzw. Wohngemeinschaft zugehörige Personen verstanden. (Ohne eigene Bereitschaft &#8211; z.B. ein junges Kind wird nicht wirklich gefragt, ob es der neuen Lebenspartnerschaft der Mutter beitreten will.)</p>
<p>Für das matrifokale Verwandtschaftssystem gibt es keinen solchen anerkannten, feststehenden Begriff, außer, dass es als „Kultur mit matrilokalen Residenzregeln“ und „Matrilinearität“ besprochen wird. Am ehesten passt der Begriff der Sippe, der jedoch rehabilitiert und attributiv spezifiziert werden muss. Die<strong> matrilokale und matrilineare Sippe</strong> können wir als eine generationsübergreifende, geschwisterliche und sich aufeinander beziehende Gemeinschaft aller in unmittelbarer Nähe lebenden Gruppierungen, verorten. Sippe deutet hier die direkte mütterliche Bindung an (laut Wahrig Wörterbuch: Gesamtheit der Blutsverwandten). Die konsanguinen<!--<a href="#_ftn7" name="_ftnref7">[7]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup> Angehörigen, die <strong>Sipplinge</strong>, sind über Mutterbindung miteinander verwandt und damit matrifokal.</p>
<p>Matrifokale Völker leben demnach in matrilokalen und matrilinearen Sippen. Nach dem zur Verfügung stehenden Vokabular leben solche über die Mutter nicht verwandten Sippen, die sich sexuell und materiell oder in Ideen austauschen, in <em>Gemeinschaft. </em>Für das außerpatriarchale Leben aller Menschen gibt es bislang keinen unpolitischen, <strong>eindeutigen</strong> Begriff. Stephanie Gogolins Wortschöpfung „<strong><em>das Matrifokal</em></strong>“ behebt diesen Mangel.</p>
<p><em>Das Matrifokal</em> ist ihre Bezeichnung für das naturgemäße Bindungssystem der Menschen (der menschlichen Mutter) in einem real vorhandenen, dynamischen Habitat<!--<a href="#_ftn8" name="_ftnref8">[8]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup>, welches von Beginn des Menschseins als <strong>existenzsichernde Schutzsphäre</strong> <strong>für</strong> Mütter <strong>und</strong> ihren Nachwuchs fungierte.</p>
<p>Matrifokale bestehen aus den konsanguinen Angehörigen (beiderlei Geschlechts), innerhalb der matrilinear und matrilokal sowie generationsübergreifend lebenden frühen Menschengruppen. Das bedeutet: durch Geburt verwandte Menschen interagierten in ihrem Alltag in einer überschaubaren, <strong>mutterbasierten</strong> und <strong>geschwisterbezogenen Fürsorge- also Nähegemeinschaft</strong>, in der <strong>jedes Individuum integriert und geborgen lebte</strong>. Das Matrifokal ist die naturgemäße, menschenartgerechte Fürsorgegemeinschaft.</p>
<p>Matrifokalität – ist unser ur-natürliches Dasein im evolutionär entstandenen Kontinuum des Menschseins und unser angeborenes Sozialverhalten<!--<a href="#_ftn9" name="_ftnref9">[9]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup>.</p>
<p><strong><em>Die Menschheit wurde in einem Matrifokal geboren</em></strong> – in einer unmittelbaren Nähe- und mütterlichen Fürsorgegruppe. Diese Form des Zusammenlebens der Spezies Mensch beruht auf biologisch angelegter Bindung, ist also die natürliche, durch Evolution entstandene menschliche Überlebensstrategie. Das Matrifokal ist die Basis des menschenartgerechten Kontinuums.</p>
<p>Die Mosuo leben demnach in Matrifokalen. Sie sollten nicht als Gesellschaft verallgemeinert werden. Auch die Kulturen der vorpatriarchalen Zeit waren keine Gesellschaft. Das laut oder deutlich zu sagen, erregt jedoch regelmäßig den Protest der Matriarchatsforscherinnen, die den Begriff <em>Gesellschaft</em> offenbar für ein Prädikat, einen Ehrentitel halten. Für Heide Göttner-Abendroth ist <em>Matriarchat</em> nach eigener Aussage ein <strong>Kampfbegriff</strong>, also ein politischer Begriff. Daher wird er auch und insbesondere der vorpatriarchalen Zeit, als die Matrifokale noch nicht um ihre Existenz gegen das Patriarchat kämpfen mussten, nicht gerecht.</p>
<p>Ein weiterer Denkfehler der „Matriarchatsfrauen“ besteht darin, zu glauben, dass eine Königin mit ihren Untertanen und Besitztümern Egalität auf dem Programm hätte. Da, wo Macht ist, ist auch Machtmissbrauch nicht weit. Da, wo es Herrschaft gibt, ent- und besteht inhumane Hierarchie. Rechte, die Gleichheit garantieren sollen, können jederzeit von einer herrschenden Persönlichkeit oder Gruppierung zurückgenommen werden. <strong><em>Egalität</em> darf daher nicht mit <em>Gleichberechtigung</em> verwechselt werden. </strong>Gemäß obiger Ausführungen kann Gleichberechtigung nur eine Rechtsform sein aber keine natürliche Eigenschaft.</p>
<h4><strong>Im Mainstream ist <em>Matriarchat</em> ein Schimpfwort</strong></h4>
<p>Wie bereits angedeutet, gelten im allgemeinen Verständnis „Matriarchale Gesellschaften“ als noch viel schlimmer als das Patriarchat, denn dort würden ja Männer unterdrückt. Frauen zu unterdrücken wäre nach dieser Logik völlig in Ordnung. Zu diesem Umkehrkehrschluss kommt mann aber nicht, leider auch nicht die Frauen. Die so unbedingt beschworenen „Matriarchalen Gesellschaften“ hat es nie gegeben. Daher kann auch niemand wissen, ob eine matriarchale Gesellschaft schlimmer wäre als eine patriarchale Gesellschaft. Ein Beispiel einer solchen Umkehrung der Verhältnisse ist der Umgang mit dem „Megxit“ (Austritt von Prinz Harry und Herzogin Meghan aus dem engl. Königshaus). Darüber schreibt die Journalistin Margarete Stokowski:</p>
<blockquote><p>„‚Die Zeit’ schreibt: ’Früher endeten die Märchen so, dass die Frauen den Prinzen heiraten durften, im modernen Märchen entführen sie ihn aus dem Palast, um fortan in Kanada zu leben.’ Eine Entführung also.“<!--<a href="#_ftn10" name="_ftnref10">[10]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup></blockquote>
<p>Das entspräche natürlich dem Mythos vom schrecklichen Matriarchat. Solange ein Mann „seine Frau“ „entführt“, solange ist das völlig in Ordnung. Der Euphemismus für diese Entführung ist die „<strong>Heimführung der Braut</strong>“. Dass ein Partner dem anderen folgt, wird natürlich nicht als Entführung gewertet, sondern als <em>normal</em> angesehen. Die Betroffenen (in der Regel die Frau) unterwerfen sich dabei (den Interessen des männlichen) Partners. In der Soziologie wird das <em>Patrilokalität</em> genannt, was als Begriff ebenso harmlos daher kommt, wie wir es schon bei Wilken beobachtet haben. Die Ehe ist in der Tat eine Entführung der Frau, denn unser angeborenes Sozialverhalten kennt keine Patrilokalität, sondern nur Matrilokalität, die wiederum keinen Vater kennt. Der Megxit zeigt: erst, wenn es einen Mann trifft, er also heimgeführt wird, erkennen die Leute, dass es sich um eine Entführung handelt.</p>
<p>Dem Mann mutet man das im sozialen Alltag<!--<a href="#_ftn11" name="_ftnref11">[11]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup> nicht zu. Es ist allein dem Sohne vorbehalten, lebenslang bei seiner Mutter wohnen zu bleiben, er darf die Mutter-Kind-Bindung solange leben, wie er will, die Tochter aber nicht. Die Mutter-Sohn-Dyade, bis heute verehrt in Maria mit dem Jesuskinde und ihren religionshistorischen Vorläufern, ist in gewisser Weise der letzte Rest gelebter Matrifokalität, aber unter dem Dach der Väterlichkeit. Im Gegensatz dazu muss die Tochter ihre natürlichen Bindungen lösen, insbesondere die zur <strong>Mutter. Von jedem Mädchen, jeder Frau wird erwartet, dass sie sich einem (nicht verwandten) Mann (oder einer anderen Person) auf Lebenszeit anschließt</strong>, als wäre sie kein fühlendes Wesen mit einem Begriff von „zuhause“, „Heimat“ oder „Familie“, oder wie wir das sonst auch immer nennen mögen, als sei sie eine Sache, die klaglos den Besitzer wechselt. Auch die moderne Grausamkeit eines verordneten sog. Wechselmodells gehört hier hin. Das Kind wird wie eine Sache eventuell jahrelang zwischen den getrennten Eltern hin und her gereicht.</p>
<p>Es ist für alle, Männer, Frauen und Kinder, in der Regel ein schwerer persönlicher Einschnitt, aus den vertrauten Bindungen gerissen zu werden. Das wird in unserem kulturellen Verständnis verdrängt. Mobilität gilt sogar als Ausdruck einer anzustrebenden Unabhängigkeit. Tatsächlich gerät die Mutter durch Mobilität in noch größere Abhängigkeit vom Kindsvater, da sie ihr seit Kindheit aufgebautes, vertrautes Netzwerk verliert.</p>
<p>Gesellschaftsleben ist eine nicht naturgemäße Form des menschlichen Zusammenlebens und je komplexer und damit unübersichtlicher eine Gesellschaft für das Individuum ist, desto ungeborgener muss es in ihr leben. Wir haben hier bereits den verstörenden Effekt, dass sich die Mensch per se in den bestehenden gesellschaftlichen Zusammenhängen verlassen fühlt.</p>
<h4>Das kollektive Stockholmsyndrom</h4>
<p>Die patriarchal performte Gesellschaft ist ein einziges Geiseldrama und damit ein Verbrechen, dessen Opfer wir alle sind. Was wiederum bedeutet, wir konnten in diesen Verhältnissen nur halbwegs überleben, indem wir ein kollektives Stockholmsyndrom entwickelten. Im westlichen Kulturkreis ist es üblich, in die vorhandene Patrilokalität hineingeboren zu werden. Da die sogenannte Patrilinearität ohnehin nur ein gewaltsam aufrecht gehaltenes Ideengebäude ist, sind nach wie vor Angstauslöser, Denkgebote und Tabus erforderlich, um das Stockholmsyndrom zu füttern. Nur über die geistige und gefühlsmäßige Hörigkeit gegenüber den Geiselnehmern, ist die anonyme Masse der Gesellschaft steuerbar.</p>
<p>Das kollektive Stockholmsyndrom, ohne das die Patriarchose nicht dauerhaft funktionieren würde, entstand unter den Bedingungen von Heimatlosigkeit, Kriegsschrecken, Gefangenschaft, Verschleppung, Sklaverei und als deren zivilisiert geltenden Form, der Ehe &#8211; die Zugehörigkeit zu <strong>einem</strong> Mann.</p>
<p>Die gewaltsam eingeführten patriarchalen Strukturen vereinzelten Menschen, die sich wiederum in Interessengruppen auf androzentrierter Basis zusammenschlossen oder in die Unterdrückung gezwungen wurden. Hier traf es vor allem und allen voran <strong>die Leben erhaltende Frau</strong> – <strong><em>die Mutter. </em></strong>Und eigentlich noch bevor sie Mütter wurden &#8211; die Töchter der „Anderen“ waren ab nun der Kern der Begierde, die Beute. Die von den ersten Geiselnehmern verschleppten Töchter sind die Mütter, die uns ihr überlebensnotwendig entwickeltes Stockholmsyndrom vererbten, auch indem sie es wie ein Brauchtum pflegten.<br />
Die Unterwerfung unter die Gewaltstrukturen des uns umgebenden gesellschaftlichen Aggregatzustandes ist Teil unserer weiblichen Identität geworden. Wir sind kulturell auf den Mann geprägt, da er als patriarchaler Herrschaftsvertreter seine Vorgaben als Gesetzmäßigkeiten festlegt, bestimmt, kontrolliert und durchsetzt.</p>
<p>Ein entscheidender Hinweis auf unsere exzellente Konditionierung wird in dem Beispiel sichtbar, dass kaum eine alleinerziehende Mutter, die es in unserer Gesellschaft zuhauf gibt, auf die Idee kommt, mit ihren Kindern zu ihrer Mutter zurückzukehren und vielleicht noch ihre Schwester mit ins Boot zu holen. Selbst wenn die Großmutter auch ohne Mann lebt, kommt es zu keinen wirklichen matrifokalen Allianzen. Das Dogma des angeblich „natürlichen Biotops“ <em>Gesellschaft </em>ist zu stark in uns verankert – durch permanente Gehirnwäsche und väterlichen Territorialanspruch, selbst wenn diese Väter als Person im Lebensraum von Müttern und Kindern gar nicht mehr vorkommen.</p>
<p>Die Gesellschaft in die wir hineingeboren wurden, die uns erzieht und züchtigt, ist der Nährboden für das Stockholmsyndrom, das uns nicht selbstbestimmt denken und handeln lässt. In einem <strong><em>Matrifokal</em></strong> gäbe es keine Bedrohungssituationen und beides wäre völlig unspektakulär möglich.</p>
<h4>FAZIT</h4>
<p>Es gab weder matriarchale noch matrifokale Gesellschaften. Gesellschaft ist ein Gebilde, bestehend aus teilweise anonym interagierenden Gruppierungen und bindungslos gemachten Einzelpersonen in einem ansonsten unverbindlichen System, das durch ideologische Vorgaben gesteuert wird. Es gab im naturgemäßen menschlichem Kontinuum keine zugewiesene Zugehörigkeit, wie wir sie heute verinnerlicht haben, sondern eine gewachsene, muttergebundene Angehörigkeit. In einer Gesellschaft sind Menschen in der Regel nicht verwandt im Sinne einer unmittelbaren geburtlichen Zu- bzw. Angehörigkeit, obwohl solche Konstellationen in gesellschaftlichen Strukturen vorhanden sind und auch sein müssen, um die menschliche Reproduktion innerhalb der Gesellschaft zu sichern. Gesellschaft ist eine Errungenschaft patriarchaler Herrschaft und deren bindungsloser Ideologie.</p>
<p>Als Kennzeichnung von Gesellschaft finden wir sozio-kulturell-politische Labels vor wie patriarchal, feudal, Sklaven haltend oder die modernen Formen des Kapitalismus oder Imperialismus<strong>.</strong> In diese illustre Reihe sollen Gemeinschaften gestellt werden, die von Matriarchatsforscherinnen als „matriarchale Gesellschaft<em>“</em> bezeichnet werden. Dieses Bestreben wäre also wirklich zu überdenken.<br />
Wir hoffen damit deutlich gemacht zu haben, dass wir nicht mit anderen Denkerinnen konkurrieren, sondern aufklären möchten und an einer konstruktiven Definitionsarbeit interessiert sind. Im Allgemeinen leiden Frauen an einem Mangel an Loyalität und gegenseitiger Akzeptanz, weshalb es auch für forschende Frau nicht einfach ist, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Schließen möchten wir daher mit einen Zitat von Mirna Funk:</p>
<blockquote><p>“Wir machten ein bisschen Small-Talk, bestellten Getränke und das Essen, und als alles nach 15 Minuten auf dem Tisch stand, sagte sie zu mir: ‚Ich finde die Quote unnötig. Sexismus habe ich noch nie erlebt, sondern nur große Unterstützung von Männern erfahren. Das größte Problem sind die Frauen selbst. Sie stehen sich im Weg, sind illoyal und schaden sich gegenseitig.’ Ich starrte auf meinen Teller, rollte traurig die Pasta auf meine Gabel, verdrehte vor Erschöpfung die Augen, ohne dass sie es sehen konnte, und antwortete nur: ‚Ja, das mit der fehlenden Loyalität ist wirklich schade.’“<!--<a href="#_ftn12" name="_ftnref12">[12]</a>--><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup></blockquote>
<p>Lüneburg und Braunschweig 12.02.2020</p>
<p>Lesen Sie bitte im Anschluss an diesen Text das Update, mit dem die Fragestellung geklärt wird, wie wir matrifokale Gemeinschaften nennen können: <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt">Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat</a>.</p>
<p><!--<strong>Anmerkungen</strong>

<a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> <a href="https://www.goettner-abendroth.de/matriarchat/der-begriff-matriarchat/">https://www.goettner-abendroth.de/matriarchat/der-begriff-matriarchat/</a> abgerufen am 27.01.2020

<a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> <a href="http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/ssg/content/pageview/421896?query=matriarchat">http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/ssg/content/pageview/421896?query=matriarchat</a> abgerufen am 27.01.2020

<a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> <a href="http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/mutterrecht-versus-muttertum-bei-bachofen.html">http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/mutterrecht-versus-muttertum-bei-bachofen.html</a> abgerufen am 27.01.2020

<a href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a> Aus privater Korrespondenz mit Gabriele Uhlmann

<a href="#_ftnref5" name="_ftn5">[5]</a> Gimbutas, Marija: <em>Die Zivilisation der Göttin</em>, Frankfurt a.M. 1996 (am. Originalausg. 1991)

<a href="#_ftnref6" name="_ftn6">[6]</a> Vgl. Fester, Richard: Das Protokoll der Sprache. In: Weib und Macht. Fünf Millionen Jahre Urgeschichte der Frau. 3. Aufl., Frankfurt 1983, S. 79-106

<a href="#_ftnref7" name="_ftn7">[7]</a> Konsanguine Angehörige sind durch Geburt in Matrilinearität verbunden. (abgeleitet von dem Begriff <em>cognati consanguinii</em> - „von der Mutter her“ siehe Bott, Gerhard, <em>Die Erfindung der Götter</em>, S. 350)

<a href="#_ftnref8" name="_ftn8">[8]</a> Wohnplatz von Ur- und Frühmenschen

<a href="#_ftnref9" name="_ftn9">[9]</a> Zitat von Gabriele Uhlmann - „Matrifokalität ist keine Gesellschaftsform, sondern unser angeborenes Sozialverhalten.“

<a href="#_ftnref10" name="_ftn10">[10]</a> <a href="https://www.spiegel.de/kultur/meghan-markle-die-eigentliche-queen-kolumne-a-9cbe281d-72ae-413c-bf27-f423cfbfb98a">https://www.spiegel.de/kultur/meghan-markle-die-eigentliche-queen-kolumne-a-9cbe281d-72ae-413c-bf27-f423cfbfb98a</a> abgerufen am 21.01.2020

<a href="#_ftnref11" name="_ftn11">[11]</a> Gerät ein Mann im patriarchösen Milieu in Gefangenschaft oder in Sklaverei, wird ihm jedoch, auch als Kind, jedes Leid zugemutet.

<a href="#_ftnref12" name="_ftn12">[12]</a> <a href="https://editionf.com/wie-gehe-ich-mit-frauen-um-die-feminismus-unnoetig-finden/">https://editionf.com/wie-gehe-ich-mit-frauen-um-die-feminismus-unnoetig-finden/</a> abgerufen am 7.2.2020
--></p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://www.goettner-abendroth.de/matriarchat/der-begriff-matriarchat/">https://www.goettner-abendroth.de/matriarchat/der-begriff-matriarchat/</a> abgerufen am 27.01.2020</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/ssg/content/pageview/421896?query=matriarchat">http://menadoc.bibliothek.uni-halle.de/ssg/content/pageview/421896?query=matriarchat</a> abgerufen am 27.01.2020</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/mutterrecht-versus-muttertum-bei-bachofen.html">http://gerhardbott.de/zu-den-palaeolithischen-homines-sapientes/mutterrecht-versus-muttertum-bei-bachofen.html</a> abgerufen am 27.01.2020</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Aus privater Korrespondenz mit Gabriele Uhlmann</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gimbutas, Marija: <em>Die Zivilisation der Göttin</em>, Frankfurt a.M. 1996 (am. Originalausg. 1991)</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Fester, Richard: Das Protokoll der Sprache. In: Weib und Macht. Fünf Millionen Jahre Urgeschichte der Frau. 3. Aufl., Frankfurt 1983, S. 79-106</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Konsanguine Angehörige sind durch Geburt in Matrilinearität verbunden. (abgeleitet von dem Begriff <em>cognati consanguinii</em> &#8211; „von der Mutter her“ siehe Bott, Gerhard, <em>Die Erfindung der Götter</em>, S. 350)<br />
</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wohnplatz von Ur- und Frühmenschen</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zitat von Gabriele Uhlmann &#8211; „Matrifokalität ist keine Gesellschaftsform, sondern unser angeborenes Sozialverhalten.“</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://www.spiegel.de/kultur/meghan-markle-die-eigentliche-queen-kolumne-a-9cbe281d-72ae-413c-bf27-f423cfbfb98a">https://www.spiegel.de/kultur/meghan-markle-die-eigentliche-queen-kolumne-a-9cbe281d-72ae-413c-bf27-f423cfbfb98a</a> abgerufen am 21.01.2020</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gerät ein Mann im patriarchösen Milieu in Gefangenschaft oder in Sklaverei, wird ihm jedoch, auch als Kind, jedes Leid zugemutet.</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href="https://editionf.com/wie-gehe-ich-mit-frauen-um-die-feminismus-unnoetig-finden/">https://editionf.com/wie-gehe-ich-mit-frauen-um-die-feminismus-unnoetig-finden/</a> abgerufen am 7.2.2020</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-oder-gab-es-matriarchale-gesellschaften-eine-notwendige-stellungnahme-von-stephanie-gogolin-und-gabriele-uhlmann">Gibt oder gab es matriarchale Gesellschaften? Eine notwendige Stellungnahme von Stephanie Gogolin und Gabriele Uhlmann</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Gibt es menschliche Rassen? Von Zeugung, Erziehung, Zucht und Züchtigung.*</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Nov 2021 13:49:15 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung">Gibt es menschliche Rassen? Von Zeugung, Erziehung, Zucht und Züchtigung.*</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg01.met.vgwort.de/na/ec3ed5ea7b5d4679bb28eb38a65403f2" alt="" width="1" height="1" />Das Interview <a href="https://www.sueddeutsche.de/wissen/genetik-rassen-ueberfremdung-1.4692679" target="_blank" rel="noopener">&#8222;&#8218;Wir waren alle mal schwarz'&#8220;</a> mit dem Untertitel &#8222;Der Zoologe Martin Fischer und der Paläogenetiker Johannes Krause erklären, wieso es keine menschlichen &#8218;Rassen&#8216; gibt &#8211; und warum die Angst vor einer &#8218;Überfremdung&#8216; falsch ist&#8220; von Felix Hütten (Süddeutsche Zeitung Online vom 24.11.2019) sowie der Artikel <a href="https://www.faz.net/aktuell/wissen/leben-gene/gibt-es-menschliche-rassen-genetische-unterschiede-erklaert-13917542.html" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Gibt es menschliche Rassen&#8220;</a> von Jörg Albrecht (FAZ Online vom 17.11.2015), die beide sehr lesenswert sind, waren für mich Anlass mich einmal zu diesem brisanten Thema zu äußern, denn beide lassen leider einen wesentlichen Punkt vermissen, nämlich die Zucht des Menschen durch den Menschen im Patriarchat.</p>
<h2 id="verschieden-und-doch-gleich">Verschieden und doch gleich</h2>
<p>Natürlich haben wir unterschiedliche Gene: die Afrikaner haben einen wesentlich geringeren Neanderthaler-Anteil<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup>, den Europäern fehlt überwiegend das Denisova-Gen<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup>. Den Männern fehlen ca. 1000 Gene auf dem Y-Chromosom, und wir sehen alle anders aus, was ja in den Genen festgelegt ist. Aber das ist auch egal, denn wir teilen alle dasselbe angeborene Sozialverhalten, die MATRIFOKALITÄT. Sie hat in der Urgeschichte dafür gesorgt, dass wir uns friedlich vermischten! Denn Matrifokalität macht neugierig auf Menschen mit anderen Genen. Dieses Verhalten ist evolutionär durch die Sexuelle Selektion (nach Darwin), auch <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">Female Choice</a> genannt, abgesichert und dient auf natürliche Weise der Auffrischung des Gen-Pools.</p>
<h2 id="die-zucht-erschafft-rassen">Die Zucht erschafft Rassen</h2>
<p>Der Rasse-Begriff soll für Menschen keine Anwendung mehr finden. RASSEN beschreiben aber weniger natürliche Unterschiede, als vielmehr ZUCHTMERKMALE, die durch aufgezwungene Isolation und künstliche Selektion entstehen. Leider gehören auch wir Menschen inzwischen zu solchen Zuchtrassen, und zwar seit ca. <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht#misox" target="_blank" rel="noopener">8200 Jahren</a>. Das sind die patrilinearen STÄMME, die die Gesamtheit aller patriarchal lebenden Menschen bilden.</p>
<p>Erst durch das gewaltsam installierte PATRIARCHAT im Viehzüchternomadentum kam die Idee der Rasse auf. Männer begannen Tiere zu züchten, indem sie weibliche Tiere festbanden und so ermöglichten, dass ausgesuchte männliche Tiere sie vergewaltigen konnten. Dabei produzierten sie nicht nur bestimmte Merkmale, sondern auch eine Überbevölkerung der Tiere und wurden dadurch zu Kapitalisten (lat. <em>caput</em>=Kopf).<br />
Dieses Vorbild wendeten Männer auch auf die Frauen an und tun es bis heute.</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-media-max-width="560">
<p dir="ltr" lang="en">Islamic regime iman: “Women are animals created by Allah to be used by men.</p>
<p>Women are no different from cows, sheep, horses, or mules. God made women resemble humans so they wouldn’t frighten men.”</p>
<p>Why do they hate women so much?! <a href="https://t.co/q6WnzfpyFK">pic.twitter.com/q6WnzfpyFK</a></p>
<p>— Dr. Maalouf ‏ (@realMaalouf) <a href="https://twitter.com/realMaalouf/status/1851365057071808859?ref_src=twsrc%5Etfw">October 29, 2024</a></p>
<p><a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/impressum-datenschutz" target="_blank" rel="noopener">Zur Datenschutzerklärung</a></p></blockquote>
<p><script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script><br />
Sie produzier(t)en auf diese Weise die Überbevölkerung der Menschheit, den Hauptgrund für Migration. Bei der Menschenzucht, die mit der gewaltsamen Installation der Vaterschaft begann, kann noch der Großvater Einfluss auf die genetische Zusammensetzung seiner Enkelkinder nehmen, indem er seine Tochter zwangsverheiratet, oder sie so erzieht (das Wort <em>Erziehung</em> stammt von Zucht ab, das Wort <em>Vater</em> bedeutet indoeurop. &#8222;Hirte&#8220; und &#8222;Führer&#8220;), dass sie &#8222;freiwillig&#8220; nach seinem Willen handelt. Die Töchter haben sich wählen zu lassen, von Söhnen anderer Männer, die &#8222;standesgemäß&#8220; sind. Die Rassenlehre treibt das Patriarchat auf die Spitze, indem bewusst nur innerhalb der Ethnie/des Stammes geheiratet werden darf.<br />
Wenn wir uns ansehen, wie das Patriarchat in Mitteleuropa entstanden ist (siehe <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">Marburger Vortrag</a>), nämlich durch die Migration gewaltbereiter Viehzüchternomaden, dann ist gut vorstellbar, dass Menschen am Ende der Jungsteinzeit panische Angst vor Einwanderung bekommen hatten. Denn in dieser Zeit der Entstehung des Patriarchats war sie meist mit (Massen)mord und Totschlag zum Zwecke der Vergewaltigung und Entführung der Frauen verbunden (wiss. Nachweise im Vortrag). Ist diese Angst möglicherweise traumatogen epigenetisch verankert worden, und haben deshalb so viele Menschen Angst vor Flüchtlingen?<br />
Wenn auch die meisten in friedlicher Absicht und aus echter Not kommen, und ihnen geholfen werden muss, ist die Angst vor ihnen leider immer noch nicht völlig unberechtigt, denn immer noch wandern überwiegend Männer ein, und zwar aus Ländern mit einer extrem frauenfeindlichen Mentalität und entsprechender Überbevölkerung. Unsere feministischen Errungenschaften werden plötzlich wieder infrage gestellt, wenn z.B. SchulleiterInnen Mädchen verbieten, kurze Röcke zu tragen, damit sie die männlichen Mitschüler nicht reizen, oder wenn das Kopftuch bei Kindern erlaubt bleibt und das Gesetz sogar Polygamie zulässt. Das alles zu kritisieren ist kein Rassismus, sondern radikale Patriarchatskritik, die Rassismus- und Sexismuskritik beeinhaltet. Dazu kommt der patriarchale Backlash als Reaktion auf die berechtigten und legitimen Autonomiebestrebungen der Mütter: PolitikerInnen, die auf Druck gewaltbereiter Vaterrechtler Gesetze verabschieden, die alleinerziehende Mütter und deren Kinder aushungern und an den Kindsvater fesseln, selbst, wenn er gewalttätig ist oder keinen Cent bezahlt. RichterInnen, die in Täter-Opfer-Umkehr Müttern das Sorgerecht entziehen, weil sie vor Gericht seine Gewalt thematisiert.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone wp-image-5142 size-full" title="Das schwarze Quadrat der Black-Life-Matters-Bewegung" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/11/blackouttuesday-everylifematters.png?resize=300%2C300&#038;ssl=1" alt="Das schwarze Quadrat der Black-Life-Matters-Bewegung" width="300" height="300" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/11/blackouttuesday-everylifematters.png?w=300&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/11/blackouttuesday-everylifematters.png?resize=100%2C100&amp;ssl=1 100w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/11/blackouttuesday-everylifematters.png?resize=140%2C140&amp;ssl=1 140w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/11/blackouttuesday-everylifematters.png?resize=120%2C120&amp;ssl=1 120w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<h2 id="sexismus-ist-der-ur-rassismus">Sexismus ist der Ur-Rassismus</h2>
<p>Rassismus und Diskriminierung hat viele offensichtliche Gesichter, aber alle Aufklärung war bislang erfolglos. Eine wesentliche Grundannahme, die zum normalen Leben der weitaus meisten Menschen gehört &#8211; ein Dogma &#8211; bewirkt, dass in der Mitte der Gesellschaft ein latenter Rassismus vorhanden ist, aus dem immer wieder schamloser und gewalttätiger Rassismus aufblüht. Wir können mit dem heutigen Wissen den Rassisten den Wind endgültig aus den Segeln nehmen, weil deren menschenverachtende Haltung und Argumentation auf als falsch erkannten evolutionären Annahmen basiert. Aber alle gutgemeinten Artikel thematisieren das noch zu benennende Dogma leider nicht, sie gehen nicht an die Wurzel. Darum sind unter Anderem die Wirkungen der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">Female choice</a> bei Rassisten gänzlich unbekannt: Es hat zum Beispiel absolut nichts mit Epigenetik zu tun, wenn Neonazis Angst haben, dass Ausländer ihnen die Frauen wegnehmen könnten, als wären die Frauen irgend jemandes Besitz! Das ist in der Tat reinster Rassismus, aber es ist auch immer Sexismus. Sexismus ist der Ur-Rassismus.</p>
<h2 id="menschenzucht-die-viehzuechtermentalitaet-des-patriarchats">Menschenzucht: Die Viehzüchtermentalität des Patriarchats</h2>
<p>Es ist erfreulich, dass sich Wissenschaftler zu der fatalen Idee der Rasse äußern. Mir fällt aber auf, dass keinem Wissenschaftler wirklich bewusst ist, dass wir Menschen uns selber züchten. Nicht nur Nazis wollen Menschen züchten. Ganz normale Bürger beteiligen sich sogar aktiv daran, ohne es zu wollen:<span id="more-5114"></span></p>
<ul id="liste2">
<li>Alle Menschen, die aus Prinzip sexuell treu sind</li>
<li>Eltern, die die Jungfräulichkeit für einen Wert halten</li>
<li>Väter und Brüder, die ihre Tochter/Schwester bewachen und ihr den Freund vorschreiben oder verbieten</li>
<li>Solche, die nicht wollen, dass ihre Tochter &#8222;irgendeinen dahergelaufenen&#8220; Partner hat, sondern nur einen standesgemäßen</li>
<li>Eltern, die ihre Tochter ermahnen, einen reichen oder besonders intelligenten Mann zu heiraten</li>
<li>Eltern, die ihre Tochter religiös erziehen, damit sie nicht vor der Ehe Sex hat oder einen Menschen anderer Konfession heiratet</li>
<li>Eltern, die es nicht ertragen können, wenn ihre Kinder nicht so sind, wie sie sich das vorstellen</li>
<li>Eltern, die an ihren Kindern mit allen Mitteln herum erziehen</li>
<li>Ganz normale Eltern, die die Sexualität ihrer Tochter kommentieren</li>
<li>Menschen, die Reproduktionsmedizin anwenden</li>
<li>Menschen, die den Kindern den Namen des Vaters geben</li>
<li>usw. usw.</li>
</ul>
<h4><strong>All das erinnert an die Mentalität von Tierzüchtern<br />
</strong></h4>
<p>Das Kind im Patriarchat ist nicht aus momentaner Zuneigung von Frau und Mann entstanden, sondern aus klarem Kalkül, es ist ein Zuchtprodukt, versehen mit dem Brandzeichen des Vaters.</p>
<p><a title="Sini Merikallio [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Astutus.jpg"><img decoding="async" class="alignnone" title="Vergewaltigung einer Stute unter der Zucht. Quelle: Wikimedia Commons, user: Sini Merikallio" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/e/e7/Astutus.jpg/512px-Astutus.jpg" alt="Vergewaltigung einer Stute unter der Zucht. Quelle: Wikimedia Commons, user: Sini Merikallio" width="512" height="421" /></a><br />
<span style="font-size: 10px;">Bild: Vergewaltigung einer Stute unter der Zucht. Quelle: Wikimedia Commons, user: Sini Merikallio</span></p>
<p>Jede Einmischung in die Sexualität einer Frau ist Menschenzucht, also Rassismus. Wir müssen auch den Begriff der Vergewaltigung erweitern. Wie sollen wir es sonst nennen, wenn eine Frau, die nicht frei wählen kann, mit einem bestimmten Mann Sex haben soll und muss? Das <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" rel="noopener">kollektive Stockholm-Syndrom</a> ist der Grund, warum Frauen sich das gefallen lassen.</p>
<h2 id="staatsrassismus">Staatsrassismus</h2>
<p>Schon Bevölkerungspolitik ist Menschenzucht. Denn die Politik will,</p>
<ul id="liste2">
<li>dass Frauen mehr Kinder bekommen</li>
<li>dass Akademikerinnen mehr Kinder bekommen als Frauen, die bildungsfern sind</li>
<li>dass Frauen ihre Kinder unbedingt von ein und demselben Vater bekommen, also Alleinerziehende züchtigt</li>
<li>dass Frauen den Vater ihrer Kinder nennen, und Kinder damit ihre Herkunft kennen sollen</li>
<li>usw. usw.</li>
</ul>
<p>Frauenhäuser berichten, dass es viele Frauen gibt, die den Familiennachzug nach Deutschland nutzen, um sich hier von ihrem Ehemann zu befreien. Aber wir dürfen ihnen nicht helfen, solange sie nicht schon drei Jahre hier leben.</p>
<blockquote><p>Für Nicht-EU-Bürgerinnen kann die Trennung von ihrem Mann wegen häuslicher Gewalt besondere Probleme bedeuten, denn häufig haben sie kein eigenständiges Aufenthaltsrecht. Hat jedoch ihre eheliche Lebensgemeinschaft mindestens drei Jahre lang rechtmäßig in Deutschland bestanden, wird ein eigenständiges, von den Voraussetzungen des Familiennachzuges unabhängiges Aufenthaltsrecht anerkannt bzw. verlängert (§ 31 Aufenthaltsgesetz).</p>
<p>Quelle: <a href="https://www.ms.niedersachsen.de/startseite/frauen_gleichstellung/wer_schlagt_muss_gehen/migrantinnen-und-haeusliche-gewalt-14107.html" target="_blank" rel="noopener">Niedersächisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, &#8222;Migrantinnen und häusliche Gewalt&#8220;</a></p></blockquote>
<p>Dieses Gesetz ist rassistisch, weil es die Frau zum rechtlosen Anhängsel ihres Gatten macht. Es anerkennt nicht ihre sexuelle Freiheit, nicht ihre Menschenwürde und schützt dafür die gewalttätigen und rassistischen Ehemänner. Möglich ist dies, weil unser Grundgesetz die Ehe schützt und damit das Patriarchat. Unser Grundgesetz hat einen grundrassistischen Anspruch.<br />
Unser Grundgesetz besiegelt damit auch die Gewalt gegen Frauen. Denn nur mit Gewalt, ob gesetzlich, moralisch, psychisch oder tätlich kann eine Frau dazu gebracht werden, lebenslang beim Vater ihres/r Kindes/r zu verharren oder ihn nur über seine Vaterschaft aufzuklären. Heute kommt die Gewalt in Form der Gehirnwäsche Romantik daher oder als Gerechtigkeitsgefühl und Gleichheitsideologie. Der Status der Mutterschaft wird zur Rolle erklärt und damit der eigentlichen Vaterrolle angeglichen. Das festigt den Vater in einer Zeit, in der durch sexuelle Befreiungsversuche die Vaterschaft in Gefahr geriet. So wendet sich der Feminismus schließlich gegen die Frau.</p>
<p>Rassismus war nicht zuerst da. Zuerst war die Unterdrückung aller weiblichen Lebewesen da. Der Ur-Rassismus ist der Glaube, dass Frauen ihre Sexualität dem Dogma der Vaterschaft unterzuordnen haben. Und wir lernen daraus, dass es kein Patriarchat ohne Rassismus geben kann, wie es auch kein Patriarchat ohne Gewalt gibt. Nazismus ist da nur die Spitze des Eisberges!</p>
<h2 id="rassismus-keule">Rassismus-Keule</h2>
<p>Nicht jede ablehnende Haltung ist Rassismus. Der Aufschrei kommt vor allem aus den Reihen der sog. identitären Linken, den Woken. All jenen Menschen ist dieser Artikel ins Tagebuch geschrieben. Die Rassismus-Keule ist wie die <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/" target="_blank" rel="noopener">Mutterkult-Keule</a> meistens hilflose Rhetorik von Menschen, die eigentlich Gutes wollen, aber das Kind mit dem Bade ausschütten. Sie wollen, teilweise ohne es selbst zu wissen, das Patriarchat bekämpfen. Die Unwissenheit über die <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat" target="_blank" rel="noopener">Entstehung des Patriarchats</a> führt dazu, dass sich am Ende das Patriarchat immer wieder durchsetzt. Statt, dass sich Menschen über eine Sache einig werden können, zerfleischen sie sich bis aufs Blut und alles bleibt beim alten.<br />
Es gibt leider auch viele selbsterklärte Rassismus-Gegner, die explizit nicht das Patriarchat bekämpfen wollen, sondern die Kritik <strong>ihres</strong> Patriarchats. Das Patriarchat ist, das habe ich in meinen Texten mehrfach ausgeführt, ein Entführungsverbrechen. Es ist damit auch ein <strong>Ver</strong>führungsverbrechen, aber wir wissen oder merken überwiegend nicht, was mit uns Tag für Tag geschieht. Die Patriarchatskritik ist pure Selbstverteidigung, wozu auch jede Frau das Recht hat, aber sie muss fundiert sein, sonst wendet sie sich, leicht gegen uns.<br />
Es sollte klar werden, dass die vorschnelle Verwendung des Wortes &#8222;Rassismus&#8220; vor dem Hintergrund und in Ausnutzung der allgemeinen Verwirrung geschieht. Verführung kann daher von allen Seiten als Propaganda eingesetzt werden und verwirrt immer weiter. Die Ursache für die Verwirrung ist ein patriarchales Denkverbot, nämlich, <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2019/01/21/gar-nicht-einfach-die-vaterschaft-als-erklaerung-fuer-alle-menschengemachten-probleme/" target="_blank" rel="noopener">dass die Vaterschaft nicht zum Menschsein gehört, und die Ursache für Entführung und Verführung ist</a>.</p>
<h2 id="unsere-afrikanischen-wurzeln">Unsere afrikanischen Wurzeln</h2>
<p>Ja, wir alle waren einmal schwarz. Die erste Kunst Europas, die altsteinzeitlichen Urmutterstatuetten zeigen eine dunkelhäutige, kraushaarige, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Steatopygie" target="_blank" rel="noopener">steatopyge</a> Frau. Dazu gibt es kein männliches Pendant, weil die Vaterschaft, als Urvater symbolisiert, noch unbekannt war.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone wp-image-5143" title="Urmutter-Statuetten: Lespugue (Frankreich), 25.000 Jahre; Willendorf (Österreich), 23.000 Jahre; Grimaldi (Italien), 21.000 Jahre; Gagarino (Russland), 18.000 Jahre. Collage: Gabriele Uhlmann" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/11/urmeutter2.webp?resize=533%2C213&#038;ssl=1" alt="Urmutter-Statuetten: Lespugue (Frankreich), 25.000 Jahre; Willendorf (Österreich), 23.000 Jahre; Grimaldi (Italien), 21.000 Jahre; Gagarino (Russland), 18.000 Jahre. Collage: Gabriele Uhlmann" width="533" height="213" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/11/urmeutter2.webp?resize=300%2C120&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/11/urmeutter2.webp?resize=1024%2C410&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/11/urmeutter2.webp?resize=770%2C309&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/11/urmeutter2.webp?w=1150&amp;ssl=1 1150w" sizes="(max-width: 533px) 100vw, 533px" /></p>
<p><span style="font-size: 12px;">Bild: Urmutter-Statuetten: Lespugue (Frankreich), 25.000 Jahre; Willendorf (Österreich), 23.000 Jahre; Grimaldi (Italien), 21.000 Jahre; Gagarino (Russland), 18.000 Jahre. Collage: Gabriele Uhlmann</span></p>
<p>Unsere afrikanischen Wurzeln hat die amerikanische Patriarchatsforscherin Lucia Chiavola Birnbaum in ihrem <a href="https://books.google.de/books?id=ku8VZKrESuUC&amp;lpg=PP1&amp;dq=dark%20mother%20book&amp;hl=de&amp;pg=PP1#v=onepage&amp;q=dark%20mother%20book&amp;f=false" target="_blank" rel="noopener">Buch &#8222;Dark Mother&#8220;</a> wunderbar ausgeführt. Diese Wurzeln schlagen sich noch in der Darstellung der Madonna nieder, deren erste europäische Darstellung in der Höhle von Brucoli auf Sizilien ebenfalls schwarz war. Auch alle Schwarzen Madonnen sind von ihr abgeleitet. Doch die Madonna zeigt sich nur mit einem Sohn. Was bedeutet das für uns Frauen? Nur Söhne haben im Patriarchat das Privileg lebenslang mit ihrer Mutter leben zu dürfen. Die uralte, evolutionär notwendige Großmutter-Mutter-Tochter-Verbindung ist gekappt. Maria mit dem Kinde ist Ausdruck dieser Zwangslage. Wo die Matrilinearität zerstört ist, ist die Mutter-Sohn-Dyade der letzte Rest natürlicher Bindung im Familienverband. Denn in der matrifokalen Sippe leben die Söhne ebenfalls lebenslang bei der Mutter, <strong>aber eben auch die Töchter!</strong><br />
Im Patriarchat dreht sich alles um den Vater, wir haben einen ausgeprägten Vaterkult, der seit der Bronzezeit durch den Sonnen- und Wettergott repräsentiert war. Die Verehrung der Mutter ist inzwischen viertrangig, erst nach Vater, Sohn und Heiligem Geist ist sie dran. Der Herr ist Dein Hirte, und da haben wir ihn wieder, den Viehzüchter!</p>
<h2 id="anmerkung-zur-ueberschrift">Anmerkung zur Überschrift</h2>
<p>* Die Mutter ist im Patriarchat nur Zeugin der Zeugung durch den Mann. Zur Wortfamilie &#8222;Zucht&#8220; siehe die Abstammung im <a href="https://books.google.de/books?id=XaWdCgAAQBAJ&amp;pg=PA781&amp;lpg=PA781&amp;dq=zeuge%20zucht%20indogermanisch&amp;source=bl&amp;ots=J8T71Ak3j2&amp;sig=ACfU3U23bVVoBvHhdGyBKYw8qCcv6QbaUA&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ved=2ahUKEwjX-Ov-yu7lAhWPPFAKHWsyA4YQ6AEwAXoECAkQAQ&amp;fbclid=IwAR2GQCIVkJgaOzL14eCHsNuRNeMBWp4glBxuNFy3P3Y1udkvyd2e-4onll0#v=onepage&amp;q=zeuge%20zucht%20indogermanisch&amp;f=false" target="_blank" rel="noopener">Vergleichenden Wörterbuch der indogermanischen Sprachen</a> von Julius Pokorny (hrsg.)</p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Im afrikanischen Genom sind <a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/afrikaner-mehr-neandertaler-als-gedacht/" target="_blank" rel="noopener">Spuren von Neanderthaler-DNA</a> gefunden worden, die wahrscheinlich durch Re-Import aus Europa vor 20.000 Jahren nach Afrika kamen.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe: <a href="https://www.mpg.de/15935178/1023-evan-019609-fruehe-ostasiaten" target="_blank" rel="noopener">https://www.mpg.de/15935178/1023-evan-019609-fruehe-ostasiaten</a></div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gibt-es-menschliche-rassen-von-zeugung-erziehung-zucht-und-zuechtigung">Gibt es menschliche Rassen? Von Zeugung, Erziehung, Zucht und Züchtigung.*</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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