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	<title>Analysen und Studien Archive - Gabriele Uhlmann</title>
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		<title>Der Preis des Guten: Wenn Hilfe zur Herrschaft wird – eine Kritik des Helfens</title>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Jul 2025 20:02:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Prolog In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Helfer als moralisches Rückgrat der Gesellschaft. Ob im Gesundheitswesen, im sozialen Bereich, in Familien oder im Ehrenamt: Helfer-Persönlichkeiten werden gefeiert für ihre Selbstlosigkeit, Aufopferung...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/der-preis-des-guten-wenn-hilfe-zur-herrschaft-wird-eine-kritik-des-helfens">Der Preis des Guten: Wenn Hilfe zur Herrschaft wird – eine Kritik des Helfens</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/a541d1af2b914b039c1278d9eb406025" alt="" width="1" height="1" />Prolog</p>
<p><strong>In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Helfer als moralisches Rückgrat der Gesellschaft. Ob im Gesundheitswesen, im sozialen Bereich, in Familien oder im Ehrenamt: Helfer-Persönlichkeiten werden gefeiert für ihre Selbstlosigkeit, Aufopferung und Nächstenliebe. Wer anderen dient, ist gut. Wer sich selbst dabei vergisst, wird oft sogar noch bewundert.</strong><br />
Doch dieser Mythos hat zwei Schattenseiten, die bislang kaum benannt werden und deren Opfer überwiegend weiblich sind: die Co-Abhängigkeit der Angehörigen und eine Gesellschaft, die von schädlicher Selbstausbeutung zusammengehalten wird. In der Literatur und im WWW gibt es vor allem Untersuchungen über das Leid der Helfer selbst, jedoch kaum eine unideologische Auseinandersetzung mit den Auswirkungen des exzessiven Helfens auf die Gesellschaft und noch weniger fundierte psychologische Informationen speziell über Partner von Menschen mit Helfersyndrom. Es gibt jedoch ein gewisses Bewusstsein in der Öffentlichkeit für die Probleme, die dabei als Kollateralschaden entstehen. Oft wird die Kritik an den Schäden jedoch als verzerrte Wahrnehmung oder Unmenschlichkeit, &#8222;Hass&#8220;, gecancelt. Der Wokeismus steht für diese Ideologie als Paradebeispiel. Wahlloses Helfen wird auch nicht selten schlicht als „Dummheit“ wahrgenommen. Die dahinterliegenden Aspekte werden jedoch kaum untersucht. Die Gender Pay Gap &#8211; besser <strong>Sex Pay Gap</strong>, denn es sind biologische Frauen, die benachteiligt werden und nicht eine Rolle oder eine Identität -, die Auswirkungen des Wokeismus auf die Politik und die Gesellschaft sind inzwischen hinreichend thematisiert, wenn auch nicht wirklich verstanden. Und was geschieht eigentlich mit den Menschen, die mit Helfern leben, was, wenn Hilfe zum identitätsstabilisierenden Selbstzweck wird? Meine These dabei ist: Das Patriarchat, die Herrschaft der Väter, hat sich seit jüngerer Zeit ein vorgeschobenes Helfer-Syndrom zugelegt und macht sich damit an der Wurzel unangreifbar. Es ist eine der Machtstrategien des Patriarchats. Dies erklärt die breite Zustimmung zu Appellen, dass die Väter die Care-Arbeit übernehmen sollen. Neoliberale Politik folgt diesem Muster, u.a. indem Mütter für ihre Rente Vollzeit zu arbeiten haben. Kurz gesagt: dass Väter die besseren Mütter seien, muss auf Biegen und Brechen gezeigt werden.</p>
<p>Der Blick der interdisziplinären Patriarchatsforschung auf diesen Komplex umfasst zwangsläufig auch die psychologischen Grundlagen der Krankheit Patriarchat, der Patriarchose<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup>, und ordnet das Helfer-Syndrom unter dem Kollektiven Stockholm-Syndrom<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup> ein, der Mittäterschaft der Entführten. Denn das Patriarchat ist ein Entführungsverbrechen, wie ich es an anderen Stellen bereits ausgeführt habe <sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup>. So hart der Begriff <em>Täter</em> auch klingen mag, es geht hier nicht um Verurteilung, um Schuldzuweisung an den Einzelnen, sondern um eine gesellschaftliche Analyse, die allen Beteiligten Erleichterung verschaffen soll. Sie ist dabei auch keine Entschuldigung, sondern die Aufforderung an alle, das Muster zu erkennen und daran zu arbeiten.</p>
<h3 id="Psych-Soz-Grundlagen">Psychologische und anthropologische Grundlagen</h3>
<p><em>Helfer-Syndrom</em> ist keine offizielle Diagnose, doch in der psychologischen Literatur gut beschrieben: ein starker Wunsch gebraucht zu werden, gepaart mit Schwierigkeiten, eigene Bedürfnisse zu erkennen oder Grenzen zu setzen. Dieser Wunsch kann so tief verwurzelt sein, dass er zur Grundlage der eigenen Identität wird. Das Helfer-Syndrom hat mitunter den Charakter einer Sucht<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>, eines Fetischismus<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup> oder einer Zwangsstörung, und die Angehörigen geraten nicht selten in den Zustand einer Co-Abhängigkeit. Die Folgen sind daher paradox: Wer übermäßig hilft, kann andere entmündigen. Wer sich selbst aufgibt, erwartet oft unausgesprochen Gegenleistungen – etwa Dankbarkeit, Loyalität oder emotionale Schonung.<br />
Ein Aspekt ist dabei die massive externale Fokussierung, wie sie von Schiefer und Köhler beschrieben wurde: „<em>Massive externale Fokussierung zeigt sich zum Beispiel durch Engagement speziell für Ausländer, Engagement in der Entwicklungs- oder Flüchtlingshilfe oder in der zwischenmenschlichen oder generellen Bevorzugung von Menschen möglichst völlig fremder Kulturen.</em>“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup> Die federführende Beteiligung des Intersektionalen Feminismus an Transaktivismus und Antisemitismus zeigt, wie geschickt es dem Patriarchat gelingt, insbesondere Frauen als nützliche Idioten einzuspannen. Die Selbstaufgabe wurzelt nicht selten in einem tiefen Selbsthass, der jedoch geleugnet wird und auf die Kritiker projiziert wird.<br />
Helfer-Persönlichkeiten richten ihre gesamte Wahrnehmung auf die Bedürfnisse anderer, um sich nicht mit den eigenen inneren Konflikten konfrontieren zu müssen oder wie im Beispiel des Intersektionalen Feminismus mit Kritik am Patriarchat anzuecken. Diese externalisierende Tendenz, die häufig aus früher Parentifizierung oder unaufgelösten Traumata stammt, führt dazu, dass sie ständig außerhalb ihrer selbst funktionieren – für andere, gegen sich. Der Primatenforscher Frans de Waal hat im Kontext der Verhaltensforschung auf den sogenannten &#8222;egoistischen Altruismus&#8220; hingewiesen: Auch Tiere helfen, wenn sie dadurch ihre soziale Sicherheit festigen. Altruismus, so de Waal, ist nie ganz eigennutzfrei (vgl. De Waal 2015) – und genau darin liegt auch in menschlichen Helferdynamiken eine unterschätzte Ambivalenz.<br />
Die Ursachen für das Helfer-Syndrom liegen in der Kindheit. Instrumentelle oder emotionale Parentifizierung haben das Kind in eine Elternrolle gezwungen. Die Traumatherapeutin Verena König schreibt: „<em>In Familien mit körperlich, psychisch oder suchtkranken Eltern gehört Parentifizierung zur Tagesordnung. Aber auch in jeder anderen Konstellation, in der Eltern emotional und körperlich nicht in ihrer Kraft sind, werden Kinder dem Druck ausgesetzt, für ihre Eltern zu sorgen und ihre Last mitzutragen.</em>“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup>
<h3 id="StrukturelleAusbeutung">Strukturelle Ausbeutung</h3>
<p>Das zeigt sich nicht nur im politischen oder familiären Bereich, sondern auch im Beruf: Der pflichtbewusste Angestellte, der freiwillig unbezahlte Überstunden macht, der selbstständige Dienstleister, der sich nicht traut, angemessene Preise zu verlangen, die freischaffende Frau, die glaubt, dass ihre Arbeit weniger wert sei, weil sie sich &#8222;zum Helfen geboren&#8220; fühlt und Angst vor dem „Nein“ hat – all das sind Ausprägungen eines strukturellen Helfer-Syndroms, das ökonomisch wirksam wird. Besonders sichtbar wird dies an der Mutter, deren unbezahlte Sorgearbeit als selbstverständlich gilt und systematisch unsichtbar bleibt. Diese Formen freiwilliger Selbstausbeutung stützen ein ökonomisches System, das auf kostenloser oder unterbezahlter Frauenarbeit fußt.<br />
So wird die Ausbeutung durch das Patriarchat nicht als Verbrechen erkannt, sondern als Tugend verklärt. Die Schuld wird dabei den Ausgebeuteten selbst zugeschoben: Sie hätten es so gewollt, sich selbst geopfert, sich nicht genug gewehrt. Helfer selbst zweifeln an sich und entwickeln zusätzlich das sog. Hochstapler-Syndrom: Sie seien eben tatsächlich nicht gut genug. Doch all das entspricht nicht den Tatsachen und es greift zu kurz. Auch das Helfer-Syndrom ist keine bewusste Wahl, keine angeborene Charaktereigenschaft, sondern die Folge früher Bindungsstörungen und sozialer Erwartung. Doch gefährlich wird es, wenn aus diesem Opferstatus ein Handlungsmuster entsteht, das andere mit in den Strudel zieht. Wenn Helfende sich als unersetzlich erleben, andere emotional abhängig machen oder sogar ihre Partnerinnen gezielt ausschließen – dann werden Opfer zu Mit-Tätern in einem perfekt abgesicherten System.</p>
<h3 id="Familiaere-Dynamiken">Familiäre Dynamiken</h3>
<p>Hilfe wird dann zur moralischen Waffe: Wer hilft, kann nicht falsch liegen. Wer kritisiert, wirkt herzlos. Und das System, das auf dieser Hilfe beruht, bleibt unanfechtbar. Was als Altruismus erscheint, entpuppt sich bei näherem Hinsehen oft als moralisch aufgeladene Machtausübung – ein Heldenkult in seiner stillsten, scheinbar friedfertigsten Form. Die Folgen: zerstörte Beziehungen, verdeckte Konkurrenz, psychische Überlastung und ein Gefühl von Illoyalität, das die Partnerschaft zersetzt.<br />
Wenn ein Partner heimlich Geld verschenkt oder verleiht, seine Zeit statt, wie vorgegeben mit Überstunden, in Wirklichkeit bei anderen verbringt, um deren Haus zu bauen, leidet eine Familie auch finanziell, ähnlich wie bei der Spielsucht.<br />
Das Helfer-Syndrom ist in vielen Fällen Teil einer transgenerationalen Weitergabe: Häufig sind es Männer, die als Kinder selbst parentifiziert wurden – etwa durch eine überforderte oder gewaltbetroffene Mutter –, die gelernt haben, emotional verfügbar zu sein, um Konflikte zu vermeiden. In patriarchalen Familienstrukturen werden solche Rollen unbewusst weitergetragen: Wenn sich der Vater in seine Helfer-Rolle zurückzieht, verschiebt er seine emotionale Energie auf die Kinder. Die Mutter erlebt sich als ausgegrenzt, emotional entwertet, und muss sich gleichzeitig rechtfertigen, wenn sie das Helfen hinterfragt. Sie lernt schlimmstenfalls, sich kleinzumachen oder zu schweigen, um nicht als &#8222;undankbar&#8220; zu gelten. Wenn zusätzlich ein Mutter-Tochter-Konflikt verliegt, wird der &#8222;helfende Vater&#8220; zum moralischen Bezugspunkt. Er kann sich in vermeintlicher Neutralität üben, womit er in Wirklichkeit die familiären Loyalitäten verschiebt. Wenn der Vater die Tochter auf seine Seite zieht, indirekt die Mutter als überforderte oder problematische Figur darstellt, wird ihre Autorität damit unterwandert und es entsteht ein Entfremdungsprozess, die Mutter steht zunehmend isoliert da. Die Tochter wird zum empathischen Gegenüber des Vaters, womit sich das Helfer-Syndrom nicht nur vererbt, es befeuert auch familiäre Spaltung im sensiblen, weil evolutionär wesentlichen Mutter-Tochter-Verhältnis. Wenn der helfende Vater als Großvater dabei auch die mütterliche Großmutter verdrängt, sofern das nicht schon der Vater der Enkel erledigt hat, wird die traditionell verkannte, evolutionäre Bindungsstruktur zwischen Großmutter, Mutter und Tochter endgültig zerschlagen. Die Großmutterthese<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup> zeigt, dass ohne die mütterliche Großmutter die Menschheit nicht ihr hohes Sozialverhalten, letztlich ihre Intelligenz hätte entwickeln können<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup>. Die väterliche Figur, der institutionalisierte Vater, tritt nicht nur zwischen die Mutter und das Kind, sondern verdrängt systematisch das matrifokale Generationenkontinuum. Das ist mehr als familiäre Dynamik – es wirkt wie ein symbolischer Endsieg des Patriarchats: die totale Herrschaft des Vaters über Herkunft, Bindung und Zukunft, auch wenn das gar nicht beabsichtigt war. Das Private ist das Politische, ob wir wollen oder nicht.</p>
<h3 id="Herrschaft-unter-dem-Banner-des-Guten">Herrschaft unter dem Banner des Guten &#8211; Rechtliche &amp; gesellschaftliche Instrumentalisierung</h3>
<p>In der erweiterten Perspektive wird deutlich, dass das Helfer-Syndrom eine strukturelle Funktion erfüllen kann: Es wird zu einer neuen tragenden Säule des väterlich dominierten Systems – des sogenannten Vaterrechts im Neo-Patriarchat. Dass Väter sich wie eine Mutter um die Kinder kümmern<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup>, gibt es erst flächendeckend, seit sich die Kleinfamilie durchgesetzt hat. Eine Scheidungsrate nahe 50% und eine hohe Trennungsrate machen sie mehr und mehr zu einem unsicheren Lebensmodell. <em>&#8222;Plötzlich wird alles unsicher: die Form des Zusammenlebens, wer wo wie was arbeitet, die Auffassungen von Sexualität und Liebe und ihre Einbindung in Ehe und Familie, die Institution der Elternschaft zerfällt in das Gegeneinander von Mutterschaft und Vaterschaft; Kinder mit der in ihnen enthaltenen, jetzt anachronistisch werdenden Bindungsintensität werden zu den letzten Partnern, die nicht gehen.&#8220;</em><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup> Mit der Familie verliert der Vater seine Fürsorgegruppe. In diesem Moment stürzt er sich regelrecht auf die Kinder und Kindeskinder und drängt ihnen seine Hilfe auf. Der Vater entdeckt plötzlich seine „Vatergefühle“. Bei Weitem nicht alle modernen Väter haben ein Helfer-Syndrom, aber spätestens im Falle der Trennung zeigen sie ein sehr ähnliches Verhaltensmuster, das gesellschaftlich mittlerweile hochangesehen ist.<br />
Indem sich der &#8222;helfende Vater&#8220; als ruhiger, zuverlässiger, stets verfügbarer Elternteil inszeniert, während die Mutter unter psychischer Belastung oder starker emotionaler Reaktion steht, entsteht ein verzerrtes Bild, das auch juristisch wirksam werden kann.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup> In familiengerichtlichen Auseinandersetzungen um Sorge- oder Umgangsrecht führt diese Dynamik nicht selten dazu, dass Müttern pauschal emotionale Instabilität oder fehlende Kooperationsbereitschaft unterstellt wird<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup> – während Väter als ruhig und sachlich gelten, weil sie ihre emotionalen Konflikte auslagern, etwa in Helferrollen gegenüber den Kindern. Dies kann – subtil, aber wirksam – zu einer Form von <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/buchbesprechung-sorgerecht-und-vaeterliche-gewalt-ein-plaedoyer-gegen-die-gleichwertigkeit-der-elternschaft-von-mutter-und-vater" target="_blank" rel="noopener">strukturellem Kindesentzug</a> führen, legitimiert durch das Bild des &#8222;verlässlichen Helfers&#8220;.<br />
Noch paradoxer wird dies vor dem Hintergrund feministischer Forderungen: Die berechtigte gesellschaftliche Debatte um mehr väterliche Beteiligung wird – in manchen Fällen – zum Verstärker eines Systems, das auf emotionaler Entwertung der Mütter basiert. Die Forderung nach Gleichstellung wird dadurch pervertiert: <strong>Nicht zwei starke Elternteile agieren gemeinsam, sondern ein systemisch aufgewerteter Helfer-Vater tritt in Konkurrenz zur emotional ausgebremsten Mutter.</strong> Die Folge: psychische Schieflagen werden überdeckt durch rechtliche Gleichstellung – und familiäre Dysbalancen als Fortschritt verbrämt.<br />
In diesem Zusammenhang lohnt sich ein weiterer kritischer Blick auf die sogenannte PAS-Diagnose (Parental Alienation Syndrome), eine Pseudo-Diagnose, die lange Zeit in Sorgerechtskonflikten als Argumentationshilfe gegen Mütter verwendet wurde. Obwohl wissenschaftlich nicht anerkannt, wurde PAS von Gerichten wiederholt herangezogen, um Müttern Entfremdung der Kinder und eine „Bindungsintoleranz“ zu unterstellen – oft in genau jenen Fällen, in denen sie sich gegen verdeckte oder offene Vereinnahmung durch den Vater zur Wehr setzten. Ähnlich problematisch ist das Konzept des &#8222;Maternal Gatekeeping&#8220;, das Müttern unterstellt, sie würden Väter bewusst aus der Elternrolle ausschließen. Tatsächlich handelt es sich häufig um den Versuch, das eigene Beziehungsgefüge zu schützen – etwa vor einer Helferdynamik, die emotional übergriffig ist. Diese Form toxischer Männlichkeit arbeitet nicht mit plumper Gewalt, sondern subtil und oberflächlich moralisch einwandfrei. Die Protagonisten dieser Väterlobby haben in der Vergangenheit erfolgreich unter Drücken auf die Tränendrüsen zahlreiche Gesetzesänderungen erwirkt, mit denen die Abschaffung der Freiheit der Mütter verbunden war und ist<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup>.</p>
<h3 id="Psych-Soz-Folgen-fuer-Angehoerige">Psychosoziale Folgen für Angehörige</h3>
<p>Für Angehörige, die mit Helfer-Persönlichkeiten leben, entstehen daraus immer häufiger Gefühle von Nutzlosigkeit, Entwertung und Ohnmacht. Sie dürfen wenig selbst entscheiden, erleben sich zunehmend als &#8222;Störfaktor&#8220; oder Belastung. Während der Helfende von außen als stark, gut und aufopferungsvoll wahrgenommen wird, erscheinen seine engsten Bezugspersonen – insbesondere Partnerinnen – in der Öffentlichkeit leicht als undankbar, überfordernd oder sogar manipulativ und narzisstisch. Diese verzerrte Außenwirkung trägt wesentlich zur inneren Vereinsamung der Betroffenen bei und verstärkt deren Rückzug.<br />
Erschwerend kommt eine gesellschaftlich tief verwurzelte Vorstellung von &#8222;Gutmenschentum&#8220; hinzu. Die pauschale Abwertung jeder Kritik an Helfer-Persönlichkeiten als Zynismus oder Herzlosigkeit verhindert, dass über ihre destruktiven Wirkungen offen gesprochen werden kann. Wer nicht bereit ist, &#8222;die andere Wange hinzuhalten&#8220; – wie es ein bekanntes Jesus-Wort fordert –, gerät schnell unter moralischen Verdacht. Doch die völlige Selbstverleugnung als Ideal von Ethik zu verklären, führt zur paradoxen Umkehr: Die Selbstlosen beherrschen mit moralischer Überlegenheit, und jene, die sich abgrenzen, gelten als schuldig.<br />
Diese Form von Co-Abhängigkeit bei Helfer-Syndrom ist bislang kaum erforscht. Sie wird in Fachkreisen gelegentlich als &#8222;unsichtbare Belastung im Nahraum von Helfern&#8220; bezeichnet, doch systematische Studien fehlen. Die mediale Aufmerksamkeit liegt fast ausschließlich auf den Belastungen der Helfenden selbst – Burnout, Depression, Erschöpfung. Dass Helfen auch eine Form von Kontrolle und Konfliktvermeidung sein kann, wird selten thematisiert.<br />
Dabei wäre genau das dringend notwendig. Denn solange das Bild des uneigennützigen Helfens unhinterfragt bleibt, fehlt der Raum für diejenigen, die darunter leiden. Und solange Co-Abhängigkeit nur im Kontext von Sucht diskutiert wird, bleiben andere zerstörerische Beziehungsmuster im Verborgenen.<br />
In vielen Fällen erkennen betroffene Partnerinnen ihre Situation erst sehr spät, oft erst, wenn sich psychische oder psychosomatische Beschwerden manifestieren: Schlafstörungen, Angstzustände, depressive Verstimmungen oder chronische Erschöpfung. Denn das ständige Rücksichtnehmen, das &#8222;Nicht-stören-Wollen&#8220; ist kein neutraler Zustand, sondern eine Anpassung an einen emotionalen Missbrauch. Es ist ein dauerhaft erhöhter emotionaler Stress, der den Organismus genauso belasten kann wie ein akuter Konflikt. Nur eben stiller, langsamer, schwerer zu fassen.<br />
Ein weiteres Problem liegt darin, dass das Umfeld der Helfer, insbesondere die Familie, häufig zur Mitinszenierung des Helferbildes beiträgt. Kinder lernen früh, dass Hilfe leisten mit Anerkennung verbunden ist, dass Zurückhaltung der eigenen Bedürfnisse ein Zeichen von Charakterstärke sei und dass emotionale Bedürfnisse &#8222;nicht stören&#8220; sollen. So entstehen familiäre Mikro-Kulturen, in denen sich das Helfer-Syndrom von Generation zu Generation weitervererbt – oft begleitet von verdeckter Schuld, unerkannten Loyalitätskonflikten und impliziten Rollenzuschreibungen.</p>
<h3 id="Fazit-und-Ausblick">Fazit &amp; Ausblick</h3>
<p>Was es braucht, ist eine differenzierte Diskussion über die dunkle Seite des Helfens. Nicht, um die Leistung von Helfern zu diskreditieren, sondern um die psychische Integrität ihrer Angehörigen ernst zu nehmen. Hilfe kann im Privaten wie im öffentlichen Raum eine toxische Wirkung entfalten. Sie ist dann gesund, wenn sie frei gespendet wird – nicht, wenn sie zur emotionalen Infrastruktur eines Systems wird, das nur funktioniert, weil andere stillschweigend mittragen.<br />
Auch aus gesellschaftlicher Perspektive ist dieses Thema brisant. In Pflegeberufen, im Ehrenamt, in familiären Versorgungsnetzwerken sind Helfer-Persönlichkeiten strukturell unentbehrlich. Die stillen Mitträger im Hintergrund – meist weiblich, oft über Jahrzehnte angepasst und leistungsbereit – bleiben unsichtbar, solange sie funktionieren. Wenn sie jedoch ausfallen, erschüttert das nicht nur das Helfersystem, sondern auch das soziale Gefüge. Das heißt: Unsere Gesellschaft ist auf das Helfer-Syndrom angewiesen – und darauf, dass niemand laut fragt, wer darunter leidet.<br />
Wer hilft, darf das reflektiert tun. Erst dann wird Hilfe wirklich menschlich. Erst dann ist sie frei.</p>
<p>Mein Dank gilt Stephanie Gogolin für die wertvollen Hinweise.<br />
Gabriele Uhlmann im Juli 2025</p>
<h2 id="Literatur">Literatur</h2>
<ul id="liste2">
<li>Beck, Ulrich: Risikogesellschaft – Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt a. M.<br />
1986. 23. Auflage. 2016</li>
<li>De Waal, Frans: Der Mensch, der Bonobo und die Zehn Gebote. Moral ist älter als Religion. Stuttgart 2015. Am. Original-Ausgabe: New York/London 2013</li>
<li>Gogolin 2019-2024: Gogolin, Stephanie: Das patriarchale Stockholmsyndrom Teil I-IV. Online-Ressourcen auf <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" rel="noopener">https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/</a> vom 06.09.2019-09.07.2024</li>
<li>Gogolin, Stephanie: Der Beginn des Neo-Patriarchats. Online-Ressource vom 12.06.2024 auf <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2024/06/12/der-beginn-des-neo-patriarchat/" target="_blank" rel="noopener">https://marthastochter.wordpress.com/2024/06/12/der-beginn-des-neo-patriarchat/</a> abgerufen am 12.07.2025</li>
<li>Haarmann, Claudia: Mütter sind eben Mütter. Was Töchter und Mütter voneinander wissen sollten. München 2019</li>
<li>Schiefer/Köhler 2025a: Schiefer, Claudia/Köhler, Andreas: Massive externale Fokussierung &amp; Helfer-Syndrom. Undatierte Online-Ressource auf: <a href="https://www.psychologie-coaching.com/externale-fokussierung-helfer-syndrom/" target="_blank" rel="noopener">https://www.psychologie-coaching.com/externale-fokussierung-helfer-syndrom/</a> abgerufen am 12.07.2025</li>
<li>Schiefer/Köhler 2025b: Schiefer, Claudia/Köhler, Andreas: Fetischismus. Undatierte Online-Ressource auf: <a href="https://www.psychologie-coaching.com/wissen-fetischismus/" target="_blank" rel="noopener">https://www.psychologie-coaching.com/wissen-fetischismus/</a> abgerufen am 12.07.2025<br />
König, Verena: Trauma und Beziehungen. Wie wir die immergleichen Bindungsmuster hinter uns lassen. München 2024</li>
<li>Schnaars, Ilka: Sorgerecht und väterliche Gewalt – Ein Plädoyer gegen die Gleichwertigkeit der Elternschaft von Mutter und Vater (Fragen an das Bundesverfassungsgericht). Rüsselsheim 2025</li>
<li>MIA e.V. 2018: Die schrittweise Abschaffung der Freiheit. Online-Ressource auf <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener">https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/</a> abgerufen am 25.10.2024</li>
<li>Mundlos, Christina: Mütter klagen an. Institutionelle Gewalt gegen Frauen und Kinder im Familiengericht. Marburg 2023</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Warum gibt es die Schwiegermutter? Neues zur Großmutterthese. Online-Ressource vom 29.10.2017 auf: <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/29/die-schwiegermutter-neues-zur-grossmutterhypothese/" target="_blank" rel="noopener">https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/10/29/die-schwiegermutter-neues-zur-grossmutterhypothese/</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Frauen – woher nehmen, wenn nicht stehlen? Über Frauenraub und seine historischen Grundlagen. Vortrag, gehalten am 3.11.2018 an der Freien Universität Berlin im Rahmen der Tagung „Frauenraub – Interdisziplinäre Tagung zum Frauenraub im Altertum“ vom 2.-3-11.2018. Online-Ressource mit Aktualisierungen auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat. Online-Ressource vom 30.05.2024 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt</a></li>
<li>Wolf, Doris: Helfer-Syndrom &#8211; Wenn Helfen zur Sucht wird. Online-Ressource vom 15.05.2024 auf <a href="https://www.palverlag.de/lebenshilfe-abc/helfersyndrom.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.palverlag.de/lebenshilfe-abc/helfersyndrom.html</a> abgerufen am 12.07.2025</li>
</ul>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;nach Dagmar Margotsdotter</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;nach Stephanie Gogolin, Vgl. Gogolin 2019-2024</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;z.B. Uhlmann 2018</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Wolf 2024</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Schiefer/Köhler 2025b</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Köhler/Schiefer 2025a</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;König, S. 103</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;bekannt als Großmutterhypothese</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2017</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Gogolin 2024</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Beck 2016, S. 180</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Schnaars 2025</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. Mundlos 2023</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;vgl. MIA e.V. 2024</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/der-preis-des-guten-wenn-hilfe-zur-herrschaft-wird-eine-kritik-des-helfens">Der Preis des Guten: Wenn Hilfe zur Herrschaft wird – eine Kritik des Helfens</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Frauen in der Politik? &#8211; Eine zielorientierte Nestbeschmutzung</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-in-der-politik-eine-zielorientierte-nestbeschmutzung</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Apr 2025 10:34:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Analysen und Studien]]></category>
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<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-in-der-politik-eine-zielorientierte-nestbeschmutzung">Frauen in der Politik? &#8211; Eine zielorientierte Nestbeschmutzung</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Bild: Gertrude Guillaume-Schack (1845-1903) <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Gertrud-Guillaume-Schack-zugeschnitten.jpg" target="_blank" rel="noopener">Gemeinfrei</a></p>
<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/0f7d0d3a925641459051917e2b203b2d" width="1" height="1" alt=""> &#8222;<em><strong>&#8230; Frau Guillaume Schack<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup> hielt im Arbeiterinnen-Verein vor etwa 300 Frauen und mehreren Männern, darunter sozialdemokratische Abgeordnete, einen Vortrag, in dem sie die Notwendigkeit betonte, daß die Frauen sich um die öffentlichen Arbeiten kümmern, daß sie das aktive und passive Wahlrecht erhielten, event. durch Strikes höhere Löhne erzielten ⁊c. In die Debatte griff ein zunächst die bekannte Frau Staegemann, welche namentlich den reichen Damen die Putzsucht vorwarf; andere Frauen traten für das Wahlrecht der Frauen ein; wenn erst Frauen im Reichstage säßen, würde es der weiblichen Arbeiterwelt besser gehen. Der sozialdemokratische Abg. Bock ist für die Bewegung der Arbeiterfrauen, rät aber davon ab, sich zuweitgesteckte Ziele zu setzen, während der ebenfalls sozialdemokratische Abg. Stolle die Frauen ermahnt, ihre Männer zur Beteiligung an der politischen Bewegung (d.i. sozialdemokratischen) anzufeuern. Unter ähnlichen Redereien schloß die Versammlung um 11 ½ Uhr nachts. So geschehen in der deutschen Residenz am Donnerstag den 12. März 1885</strong></em>&#8222;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup>  </p>
<h2 id="kap1">Kapitel 1 – Die Ausgangslage und die Quote</h2>
<p>Drei Jahre vor dieser Versammlung nannte sich die erste Frau &#8222;Feministin&#8220;, und zwar die Französin <strong>Hubertine Auclert</strong> (1848-1914), die sich als eine der ersten Frauen für das Frauenwahlrecht einsetzte.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup> Die Begründung für die Forderung war von Beginn an, dass es Frauen besser gehen solle und dass sie mehr Geld verdienen würden. Es sollten Frauen in die Politik kommen, damit konkrete Ziele im Parlament zur Sprache kommen und so die Chance besteht, dass etwas erreicht wird. Es ging also noch nicht um Parität und nicht um gleiche Teilhabe um ihrer selbst willen. Vielleicht, weil sich für Verbesserungen auch schon früh Männer einsetzen, war eine 50:50-Parität noch gar nicht im Gespräch, und die Abstimmung 1918 für das Frauenwahlrecht war ja auch eine reine Männerabstimmung. In der Theorie also braucht es nur Männer mit einer feministischen Einstellung, dann können Frauen alle Rechte haben. So provokant das ist, so wenig realistisch ist das natürlich, denn wir leben trotz gesetzlicher Gleichstellung im Patriarchat.<br />
Es war die KPD, die 1932 die Frauenquote erfand, und zwar &#8222;ein Viertel bis ein Drittel&#8220;. Erst die Grünen forderten die 50:50-Quote und setzten sie auch durch. In keiner anderen Partei haben auch die Frauen, die kein Ministeramt innehaben, so viel Macht. Die Frauenquote ist also keine urfeministische Forderung, aber sie ist eine linke. Obwohl auch längst auf der rechten Seite Frauen sitzen, ist diese Forderung noch lange nicht Konsens.<br />
Es scheint heute bei vielen Frauen der feste Glaube umzugehen, dass es in unserem Patriarchat nur deshalb keine Gleichstellung gäbe, weil es die paritätitsche Beteiligung der Frauen in der Politik noch nicht gibt. Aber stimmt das überhaupt? Frauen haben natürlich seit jeher an Politikerinnen die Erwartung, dass sie etwas für die Verbesserung von Frauenleben tun. Politikerinnen haben, da sie ohne Frauenbewegung gar nicht im Amt wären, die moralische Pflicht das auch zu tun! Alles andere wäre und ist Verrat. Dass sie diesen Grundsatz in den letzten Jahren mit Füßen treten, lässt mich an der Idee der Quote zweifeln, nicht nur das, ich halte sie für nicht zielführend, sogar kontraproduktiv und daher für rückständig. Doch meine Argumente sind nicht die üblichen vom Stammtisch, sondern die einer Patriarchatsforscherin. </p>
<h3 id="bevoelkerungsstatistik">Etwas Bevölkerungsstatistik</h3>
<p>Schon die Überprüfung der harten Zahlen lässt an der Zweckmäßigkeit der 50:50-Quote zweifeln. Die 50:50-Quote geht davon aus, dass gleich viel Frauen wie Männer existieren. Im Jahr 2022 gab es etwa 4.024.000.000 Männer und Jungen und 3.976.000.000 Frauen und Mädchen auf der Welt. Das heißt, von den ca. acht Milliarden Menschen sind 50,3 Prozent männlich und 49,7 Prozent weiblich (Stand: 2022). Der Anteil der Frauen könnte über 50% liegen, denn durch Femizide, Unterernährung der Mädchen mit Todesfolge und die Tötung von weiblichen Embryonen, steigt der Anteil der Männer weltweit.<br />
Veraltete Zahlen, die immer noch unhinterfragt herangezogen werden, veranschlagen das evolutionäre sekundäre Geschlechterverhältnis von 100 weiblichen Neugeborenen zu 107 männlichen Neugeborenen<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>, also 48,3% weiblichen und 51,7% männlichen. Neuere Zahlen veranschlagen 105 männliche Neugeborene, also 51,2%, was kaum einen Unterschied ausmacht. Wesentlich für diese Zahlen ist ein schwerer methodischer Fehler: Der Einfluss der männlichen Kontrolle auf die weibliche Reproduktion bzw. die Unterdrückung der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice">Female Choice</a><sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup> in der Ehe – die nichts anderes als Menschenzucht ist –, wurde und wird dabei aber bis heute nicht nur unterschätzt, sondern er bleibt unberücksichtigt. Einzig Zahlen aus ursprünglichen Matrifokalen<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup> sind daher vertrauenswürdig, können aber nicht erhoben werden, weil nur unkontaktierte Völker hierfür in Frage kommen. Auch Neo-Matridurate<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup>, wie die Mosuo in Südchina, haben eine patriarchale Vorgeschichte, sind also genetisch überformt und existieren noch nicht lange genug, als dass die patriarchalen Zuchteffekte aus den Genen ausgemendelt wären.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup>
In Deutschland lebten nach Statista.com im Jahr 2023 8.463.400 Menschen, davon ungefähr 42,9 Millionen Frauen und 41,8 Millionen Männer. Das entspricht einem Verhältnis von 50,7% zu 49,3%. Das sind also, anders als in der Weltbevölkerung, mehr Frauen als Männer. Aber auch hier schwand bereits in den letzten Jahrzehnten der Frauenanteil durch die Migration von überwiegend jungen Männern. Das bedeutet einerseits, dass das angeblich natürliche Geschlechterverhältnis von 50:50 falsch ist, eben das Patriarchat unberücksichtigt lässt, und andererseits, dass Deutschland scheinbar weniger patriarchal ist als der Weltdurchschnitt, sich dies aber schon bald ändern wird. </p>
<h3 id="etwas_genetik">Etwas Genetik</h3>
<p>Vereinfachend wird seit dem letzten Jahrhundert von einen 50:50-Verhältnis ausgegangen, es sei die natürliche Verteilung. Diese Annahme passt ideologisch zur patriarchalen Grundannahme der Natürlichkeit der monogamen Ehe, dem Paar. In allen kleinen Urmenschen-Populationen jedoch muss es wesentlich mehr Frauen gegeben haben, denn es waren immer die Mütter, Schwestern und Großmütter, die die im Vergleich zu anderen Arten sehr lange Kindheit begleiteten. In diesen Matrifokalen lebten auch die Brüder und Onkel der mütterlichen Linie, jedoch hatten sie biologisch gesehen eine Schutzfunktion nach außen und stellten Kontakte zu anderen Matrifokalen her, um die Exogamie in matrilokaler Ausübung zu fördern. Diese hohe Anzahl von Frauen muss &#8211; ebenso wie unser angeborenes matrifokales Sozialverhalten &#8211; in den ursprünglichen Matrifokalen genetisch verankert gewesen sein, bevor das Patriarchat im wahrsten Sinne des Wortes zuschlug. Dazu passt ein neuer jungsteinzeitlicher Befund aus der Nekropole von Panoría (Südspanien), wo doppelt so viele Frauen bestattet worden waren wie Männer.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup> Auch haben jüngst amerikanisch-chinesische Wissenschaftler ein Gen identifiziert, dass dafür verantwortlich sein soll, dass in manchen Familien nur Mädchen geboren werden. &#8222;<em>Verursacht wird die mädchenfördernde Mutation durch den Austausch nur einer einzigen Base im Code der DNA, wie das Team berichtet. Diese Punktmutation liegt in der Nähe des Gens ADAMTS14. Gene aus der ADAMTS-Familie sind dafür bekannt, an der Spermienbildung und Befruchtung beteiligt zu sein.</em>&#8222;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup> Die Entdeckung soll in der Tierzucht erprobt werden, so dass mehr Kühe als Stiere geboren werden und mehr Hühner als Hähne. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie auch beim Menschen Anwendung findet. Dann können wenige Potentaten noch zu ihren Lebzeiten zahllose Kinder mit den eigenen Genen mithilfe missbrauchter Frauenkörper produzieren, ohne dass es eine Fabrik mit sog. künstlichen Gebärmüttern braucht.<br />
Eine entsprechende Mutation, mit der Familien nur Jungen bekommen, wurde noch nicht gefunden. Gefunden wurden aber zwei weitere Mutationen, die eventuell auch an der Geschlechtsverteilung beteiligt sind. Es muss Phasen geben, in denen das heute seltene &#8222;Mädchen-Gen&#8220; gehäuft auftritt, sonst hätte es sich nicht so lange gehalten. &#8222;<em>Umgekehrt nehmen in Phasen, in denen weniger Jungs zur Welt kommen, Mutationen zu, die für mehr männliche Babys sorgen</em>“, so die Mutmaßung, die auf einer Beobachtung beruht.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup> Anderenfalls käme es nicht zu dem 50:50-Verhältnis. Diese Phasen-Theorie, entwickelt von dem britischen Evolutionstheoretiker Ronald Fisher (1890-1962)<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup>, korreliert mit dem Sinuskurvenmodell der Zukunfts- und Patriarchatsforscherin Riane Eisler, wonach im Patriarchat Zeiten starker Frauenfeindlichkeit Kriegen vorausgehen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup> Dass plötzlich mehr &#8222;Mutationen&#8220; für Jungen sorgen, muss erst noch bewiesen werden, klar ist schon jetzt, dass das patriarchale Zuchtprogramm künstlich eingreift.</p>
<p>Nun, jedes Gen hat einmal als Mutation angefangen und setzte sich als Anpassung durch. Ich vermute, dass diese heute als Mutation gesehene Besonderheit, die auf dem Chromosom Nr. 9 liegt, ursprünglich in vorpatriarchaler Zeit nicht die Ausnahme, sondern die Regel war, und zwar als Anpassung an die lange Kindheit. Das Patriarchat mit seiner Viehzüchtermentalität hat sie demnach einfach weggezüchtet, z.B. indem Töchter als minderwertig galten, die keine Brüder hatten. Damit würde sich heute die vorpatriarchale Genetik gelegentlich noch als vermeintliche Mutation zeigen.<br />
Da viele Parameter, soziale und genetische, in das Geschlechterverhältnis einfließen, ist es statistisch zwingend, dass sich die Unterschiede zwischen einzelnen Populationen verwischen, je großer die Bevölkerungszahl wird. Während Matrifokale stabil bleiben, solange keine Naturkatastrophe eintritt, führen patriarchale Populationen immer zu <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" rel="noopener" target="_blank">Überbevölkerung</a> und kompensieren Katastrophen aller Art mitunter sehr schnell und effektiv, allerdings ist die Lebensqualität dann überwiegend deutlich schlechter und <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/gewalt-garant-und-symptom-des-patriarchats" target="_blank">Gewalt</a> gehört zur Tagesordnung. Die Regel 50:50 ist also ein Effekt der patriarchalen Überbevölkerung und der Wahrscheinlichkeitsrechnung, eine erstaunliche, mathematische Annäherung an die Ideologie der Monogamie des Menschen. </p>
<h3 id="konsequenzen">Konsequenzen für die Frauenpolitik</h3>
<p>Eine Zementierung des Geschlechterverhältnisses von 50:50 in der Politik wird uns, wie oben gezeigt, im wahrsten Sinne des Wortes nicht gerecht und fördert das Patriarchat. Der sich am Gerechtigkeitsgefühl orientierende Konsens hätte mittelfristig fatale Folgen, würde sich der wachsenden Männerzahl anpassen und die Politik würde immer männerlastiger und damit auch immer patriarchaler. Das blüht uns Frauen, wenn die sogenannte Gerechtigkeit die Oberhand behält, statt das Patriarchat an seiner Wurzel (lat. <em>radix</em>) zu packen, d.h. echten <strong>radikalen Feminismus</strong> zu betreiben.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup>
Gäbe es kein Patriarchat, d.h. könnten Frauen ihre evolutionäre Female Choice frei ausüben, gäbe es weltweit nicht nur keine Überbevölkerung, sondern einen weit höheren Frauenanteil als 50%. Das monogame Paar aus Mann und Frau ist das patriarchale Konstrukt, das den biologischen Vater als Herrscher installiert und den vereinzelten Mann mit Zuwendung, Geborgenheit und Angehörigkeit versorgt. Das Konstrukt ist nachweislich dysfunktional, wogegen eine Population mit höherem Frauenanteil bzw. matrifokaler Lebensweise nachweislich stabil und in jeglicher Hinsicht gesund ist. Aus Fürsorge für die Bevölkerung, um das Patriarchat zurückzudrängen, müsste daher ein deutlich über 50%-Anteil Frauen in der Politik gefordert werden. Die Frauenquote, gefordert von Politikerinnen, war zumindest ein Schritt in diese Richtung. Aber hat das auch eine bessere Politik hervorgebracht? Insbesondere die Parteien, die eine Frauenquote eingeführt haben, sind inzwischen die Beweisführung angetreten. Die Koalitionen aus SPD, Grünen müssten demnach eine für Frauen und damit auch für die gesamte Bevölkerung entlastende Politik betreiben, und zwar nicht nur in Hinblick auf Teilhabe, sondern auf Finanzen, Gesundheit und Gewaltschutz. </p>
<p>Das Private ist politisch; kein Satz des Feminismus ist so bedeutsam. Der Soziologe Ulrich Beck schrieb dazu: &#8222;<em>Dass auch die Verhältnisse hinter den Mauern der Privatsphäre nicht immer in den traditionellen Mustern von Ehe und Familie, Männer- und Frauenrolle ablaufen müssen, hatte der historisch Kundige geahnt, musste aber erst durch Enttraditionalisierungen in das Wissen, mehr noch: in die Entscheidung hineingeholt werden. Dem Gesetzgeber steht weder das Recht noch die Möglichkeit offen, hier hineinzuregieren. Die &#8218;Nebenregierung der Privatheit&#8216; kann die Verhältnisse des Zusammenlebens ohne Gesetzesvorlage und Beschlußfassung hier und jetzt verändern und tut dies auch, wie die emporschnellenden, querliegenden, wechselnden Lebensverhältnisse verdeutlichen.</em>&#8222;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">15</sup> Eine Politik, die das Private in Ruhe lässt, ist also einerseits gut, denn so können sich Frauen das Patriarchat im Rahmen des ihnen Möglichen vom Halse halten, z.B. indem sie einfach keinen Mann ins Boot holen. Andererseits passieren gerade hinter verschlossenen Türen immer noch die schlimmsten Verbrechen an Mädchen und Frauen durch ihre Partner oder männlichen Verwandten.</p>
<p>Wir können heute sogar feststellen, dass das Private von der Politik mehr als je zuvor gesteuert wird, auch wenn lange die Forderung im Raum stand, dass die Politik sich herauszuhalten hat. Letzteres nützt vor allem Männern, das haben Feministinnen schon der ersten Stunde angemahnt und seitdem forderten sie das Wahlrecht, das Recht zur Berufstätigkeit, den Unterhalt für geschiedene Frauen, das Recht, ein Konto zu eröffnen, die Abschaffung der Vergewaltigung in der Ehe und allgemeinen Gewaltschutz. Zwar üben die meisten Ministerien direkten Einfluss auf Frauenleben aus, aber im Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie dem Justizministerium wurden und werden die wesentlichen Gesetze gemacht. In diesen Ministerien wirkten in den letzten Jahrzehnten immer wieder Frauen und die Zahl der Ministerinnen war insgesamt noch nie so hoch wie in der Legislaturzeit der Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP. Es gab zwischenzeitlich sogar 4 Ministerpräsidentinnen, <em>Manuela Schwesig</em> (MV) und <em>Anke Rehlinger</em> (Saarland, nach <em>Annegret Kramp-Karrenbauer</em>), <em>Franziska Giffey</em> (Berlin, reg. Oberbürgermeisterin), wobei die vierte, <em>Malu Dreyer</em> (RlP) nach 11 Jahren zugunsten eines Mannes aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat. Die bislang einzige Bundeskanzlerin <em>Angela Merkel</em> trat nach 16 Jahren amtsmüde zurück und wurde ebenfalls per Bundestagswahl durch einen Mann ersetzt. Mit der Bundestagswahl 2025 sitzt wieder ein Mann im Kanzleramt.</p>
<p>Was macht weibliche Politik eigentlich aus? Die FDP-Politikerin und ehemalige Justizministerin <strong>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger</strong> meint, &#8222;<em>Frauen hätten möglicherweise eine andere Führungsweise als Männer, pflegten einen gewissen Teamgedanken und das &#8218;Verständnis für die Partizipation Vieler&#8216;. Aber natürlich wollten sie auch Macht ausüben und sähen das eben nicht mehr als etwas Negatives, sondern als Gestaltungsmöglichkeit, die sie genau wie die Männer nutzen wollten.</em>&#8222;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">16</sup>
<p>Und genau hier liegt das Problem, Frauen wollen einen Teil vom Kuchen, völlig zurecht, aber es ist ein vergifteter Kuchen. Das führt letztlich zu einem Dilemma. Alle Frauen, die keine politische Macht haben, sind männergesteuert, aber Frauen in der Politik sind es erst recht. Denn das Patriarchat bleibt ja bestehen, aber nun dürfen sie andere Frauen mitbestimmen, jedoch immer im Rahmen der patriarchalen Vorgaben. Sonst kämen sie gar nicht an die Macht, würden in ihrer Parteilaufbahn von Parteifreunden und -genossen ausgebremst. Jede Frau, die mit viel feministischem Idealismus in eine Partei eingetreten ist, ist nach Jahren nicht wieder zu erkennen. Dass Frauen jetzt Politik gegen Frauen machen, gehört nun untrennbar dazu. Frauen haben also mit der Emanzipation das Recht bekommen, Frauen zu verraten, und ihr Spielraum, für Frauen etwas zu verbessern, ist beinahe ungebrochen gering. <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2025/04/Gabriele-Uhlmann_Frauen-in-der-Politik-Eine-zielorientierte-Nestbeschmutzung.pdf">26 brisante Seiten WEITERLESEN als PDF</a></p>
<h2 id="literatur">LITERATUR</h2>
<ul id="liste2">
<li>Beck, Ulrich: Risikogesellschaft – Auf dem Weg in eine andere Moderne.  Frankfurt a. M. 1986. 23. Auflage. 2016</li>
<li>Broens, Selena: Radfem. Norderstedt 2022</li>
<li>DER SPIEGEL 7/94: Lila Frevel. Niedersachsens grüne Frauenministerin Waltraud<br />
Schoppe wird von der eigenen Partei demontiert. Online-Ressource vom 13.02.1994 auf <a href="https://www.spiegel.de/politik/lila-frevel-a-369a7cc7-0002-0001-0000-000013684359" rel="noopener" target="_blank">https://www.spiegel.de/politik/lila-frevel-a-369a7cc7-0002-0001-0000-000013684359</a></li>
<li>Divale, William Tulio: Systemic Population Control in the Middle and Upper Palaeolithic: Inferences Based on Contemporary Hunter-Gatherers. In: World Archaelogy, 1972, 4, S. 222–243</li>
<li>Eberhard, Anne: Das Verbot der Leihmutterschaft ist überholt. Aus: DER SPIEGEL online vom 23.10.2024. Online-Ressource auf <a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/das-verbot-der-leihmutterschaft-ist-ueberholt-a-bb3d7cc1-cbec-45dd-9896-1905fb0674c3" rel="noopener" target="_blank">https://www.spiegel.de/politik/deutschland/das-verbot-der-leihmutterschaft-ist-ueberholt-a-bb3d7cc1-cbec-45dd-9896-1905fb0674c3</a></li>
<li>Eisler, Riane: Kelch und Schwert. Unsere Geschichte, unsere Zukunft. Weibliches und männliches Prinzip in der Geschichte. Freiamt 2005. Am. Originalausgabe 1987</li>
<li>EMMA online vom 25.10.2024: „Sexist Man Alive 2024“ geht an Strack-Zimmermann. Online-Ressource auf <a href="https://www.emma.de/artikel/sexist-man-alive-2024-geht-strack-zimmermann-341357" rel="noopener" target="_blank">https://www.emma.de/artikel/sexist-man-alive-2024-geht-strack-zimmermann-341357</a>. Printausgabe EMMA 11-12-2024, S. 98 f</li>
<li>Gersemann, Katja: Was bleibt am Ende von Annegret Kramp-Karrenbauer? Aus: Deutscher BundeswehrVerband e.V. online vom 04.01.2022 auf <a href="https://www.dbwv.de/aktuelle-themen/blickpunkt/beitrag/was-bleibt-am-ende-von-annegret-kramp-karrenbauer" rel="noopener" target="_blank">https://www.dbwv.de/aktuelle-themen/blickpunkt/beitrag/was-bleibt-am-ende-von-annegret-kramp-karrenbauer</a></li>
<li>Gogolin 2019-2024: Gogolin, Stephanie: Das patriarchale Stockholmsyndrom Teil I-IV. Online-Ressourcen auf <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank">https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/</a>vom 06.09.2019-09.07.2024</li>
<li>Gogolin 2022: Gogolin, Stephanie: Das Matrifokal – die menschenartgerechte Fürsorgegemeinschaft. Online-Ressource auf <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2022/05/05/das-matrifokal-die-menschenart-gerechte-fursorgegemeinschaft/" target="_blank">https://marthastochter.wordpress.com/2022/05/05/das-matrifokal-die-menschenart-gerechte-fursorgegemeinschaft/</a></li>
<li>Hauck, M.: Justizministerin kündigt Reform an Unterhaltsrecht: Müssen Väter bald weniger zahlen? Aus: VAMV vom 21.11.2019. Online-Ressource auf <a href="https://vamv-bw.de/justizministerin-kuendigt-reform-an-unterhaltsrecht-muessen-vaeter-bald-weniger-zahlen/" rel="noopener" target="_blank">https://vamv-bw.de/justizministerin-kuendigt-reform-an-unterhaltsrecht-muessen-vaeter-bald-weniger-zahlen/</a></li>
<li>Hitzler, Ronald: “Risiko: Eine öffentliche Inszenierung &#8211; im Rekurs auf Ulrich Beck.“ In: Sozialwissenschaftliche Informationen, 21(2), S. 102-109.<br />
Online-Ressource auf <a href="https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-54540" rel="noopener" target="_blank">https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-54540</a> abgerufen am 25.10.2024</li>
<li>Ismar, Georg: Lambrechts Silvesterbotschaft: ein Video mit Knalleffekt. Aus: SZ online vom 02.01.2022. Online-Ressource auf <a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/lambrecht-video-silvester-verteidigungsministerin-knalleffekt-1.5725689" rel="noopener" target="_blank">https://www.sueddeutsche.de/politik/lambrecht-video-silvester-verteidigungsministerin-knalleffekt-1.5725689</a></li>
<li>Kelek, Necla: Aydan Özuğuz: Es ist nicht neu&#8230; . In: EMMA Online vom 22.02.2017. Online-Ressource auf <a href="https://www.emma.de/artikel/ministerin-aydan-oezuguz-entlarvt-334201" rel="noopener" target="_blank">https://www.emma.de/artikel/ministerin-aydan-oezuguz-entlarvt-334201</a>, akt. 21.10.2024</li>
<li>Kern, Tom: Wie viel Geld braucht die Liebe? In: Spektrum Online vom 03.04.2025. Online-Ressource auf <a href="https://www.spektrum.de/news/partnerschaft-wie-viel-geld-braucht-die-liebe/2257115" rel="noopener" target="_blank">https://www.spektrum.de/news/partnerschaft-wie-viel-geld-braucht-die-liebe/2257115</a></li>
<li>Köhler, Michael: Frauen in der Politik &#8222;Wir erleben deutliche Angriffe auf die Gleichberechtigung&#8220;. DLF vom 11.11.2018. Online-Ressource auf <a href="https://www.deutschlandfunk.de/frauen-in-der-politik-wir-erleben-deutliche-angriffe-auf-100.html" rel="noopener" target="_blank">https://www.deutschlandfunk.de/frauen-in-der-politik-wir-erleben-deutliche-angriffe-auf-100.html</a></li>
<li>Krapp, Claudia: Warum manche Familien nur Töchter haben &#8211; Neu entdeckte genetische Mutation erhöht die Chance auf eine Tochter. Aus: Scinexx vom 22. Oktober 2024. Online-Ressource auf <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/warum-manche-familien-nur-toechter-haben/" rel="noopener" target="_blank">https://www.scinexx.de/news/biowissen/warum-manche-familien-nur-toechter-haben/</a></li>
<li>Kröning, Anna: Innenministerium verliert vor Gericht gegen Reichelt-Portal. Aus: Welt online vom 21.10.2024. Online-Ressource auf <a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/article254116956/Bundesinnenministerium-verliert-vor-Gericht-gegen-Reichelt-Portal.html" rel="noopener" target="_blank">https://www.welt.de/politik/deutschland/article254116956/Bundesinnenministerium-verliert-vor-Gericht-gegen-Reichelt-Portal.html</a></li>
<li>Louis, Chantal: Warum Mädchen verzweifeln. Aus: EMMA online vom 23.09.2024. Auf: <a href="https://www.emma.de/artikel/jugend-generation-angst-341211" rel="noopener" target="_blank">https://www.emma.de/artikel/jugend-generation-angst-341211</a></li>
<li>Maeße, Jens: Die vielen Stimmen des Bologna-Prozesses. Zur diskursiven Logik eines bildungspolitischen Programms. Bielefeld 2010</li>
<li>MIA e.V. 2018: Online-Ressource auf <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" rel="noopener" target="_blank">https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/</a> abgerufen am 25.10.2024</li>
<li>Neuerer, Dietmar; Delhaes, Daniel: Seehofer gibt Merkel Schuld an &#8222;gefährlichem Aufblühen der AfD&#8220;. Aus: Handelsblatt online vom 25.09.2024. Online-Ressource auf <a href="https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/afd-aufstieg-seehofer-gibt-merkel-schuld-an-gefaehrlichem-aufbluehen-der-afd/100072938.html" rel="noopener" target="_blank">https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/afd-aufstieg-seehofer-gibt-merkel-schuld-an-gefaehrlichem-aufbluehen-der-afd/100072938.html</a></li>
<li>NWVZ 1885: Neue westfälische Volks-Zeitung 9 (15.3.1885) 63, Online-Ressource auf <a href="https://zeitpunkt.nrw/ulbms/date/day/2245579?d=1885-03-15" rel="noopener" target="_blank">https://zeitpunkt.nrw/ulbms/date/day/2245579?d=1885-03-15</a></li>
<li>Schindler, Frederik: FDP will Legalisierung. Organspende erlaubt, Leihmutterschaft nicht – &#8222;Eklatanter Widerspruch&#8220;. Aus: Welt online vom 06.04.2021. Online-Ressource auf <a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/article228964093/FDP-zu-Leihmutterschaft-Frauen-muessen-das-Recht-dazu-haben.html" rel="noopener" target="_blank">https://www.welt.de/politik/deutschland/article228964093/FDP-zu-Leihmutterschaft-Frauen-muessen-das-Recht-dazu-haben.html</a></li>
<li>Schneider, Reto U.: Die künstliche Gebärmutter soll Frühgeborene retten. Sie könnte verändern, wie wir auf die Welt kommen. Aus: NZZ online vom 28.04.2023. Online-Ressource auf <a href="https://www.nzz.ch/folio/die-kuenstliche-gebaermutter-soll-fruehgeborene-retten-sie-koennte-veraendern-wie-wir-auf-die-welt-kommen-ld.1734460" rel="noopener" target="_blank">https://www.nzz.ch/folio/die-kuenstliche-gebaermutter-soll-fruehgeborene-retten-sie-koennte-veraendern-wie-wir-auf-die-welt-kommen-ld.1734460</a></li>
<li>ScienceVega 2024: Twice as many women buried in Panoría necropolis. Online-Ressource vom 30.9.2024 auf <a href="https://sciencevega.com/social-sciences-and-humanities/twice-as-many-women-buried-in-panoria-necropolis/" rel="noopener" target="_blank">https://sciencevega.com/social-sciences-and-humanities/twice-as-many-women-buried-in-panoria-necropolis/</a></li>
<li>Song, Siliang; Zhang, Jianzhi: In search of the genetic variants of human sex ratio at birth: was Fisher wrong about sex ratio evolution? Proc. R. Soc. B.29120241876 Online-Ressource auf: <a href="http://doi.org/10.1098/rspb.2024.1876" rel="noopener" target="_blank">http://doi.org/10.1098/rspb.2024.1876</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Zum 25-jährigen Jubiläum des grünen Müttermanifestes. Online-Ressource auf <a href="https://braunschweig-spiegel.de/zum-25-jaehrigen-jubilaeum-des-gruenen-muettermanifestes/" rel="noopener" target="_blank">https://braunschweig-spiegel.de/zum-25-jaehrigen-jubilaeum-des-gruenen-muettermanifestes/</a> vom 16.10.2011</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Archäologie und Macht, Norderstedt 2012</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Female Choice – unser unbekanntes Menschenrecht. Online-Ressource von 2015 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" rel="noopener" target="_blank">https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice</a></li>
<li>&#8211;	Uhlmann, Gabriele: Nazikeule Mutterkult – Wie mit Halbwissen Mütter mundtot gemacht werden und was dagegen hilft. 20.04.2017. Online-Ressource auf <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/" target="_blank">https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Pechmarie – Warum wir die Faulheit der Mädchen zum Überleben brauchen. 14.12.12017. Online-Ressource auf <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/12/14/pechmarie-warum-wir-die-faulheit-der-maedchen-zum-ueberleben-brauchen/" rel="noopener" target="_blank">https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/12/14/pechmarie-warum-wir-die-faulheit-der-maedchen-zum-ueberleben-brauchen/</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Frauen – woher nehmen, wenn nicht stehlen? Über Frauenraub und seine historischen Grundlagen. Vortrag, gehalten am 3.11.2018 an der Freien Universität Berlin im Rahmen der Tagung „Frauenraub – Interdisziplinäre Tagung zum Frauenraub im Altertum“ vom 2.-3-11.2018. Online-Ressource mit Aktualisierungen auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" rel="noopener" target="_blank">https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: 2030 – Die sog. Künstliche Gebärmutter. Online-Ressource auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter?tab=Bevoelkerungspolitik-und-Menschenproduktion" rel="noopener" target="_blank">https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter?tab=Bevoelkerungspolitik-und-Menschenproduktion</a> vom 09.06.2021</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Vom Matrifokal zum Matridurat – Der Unterschied zwischen freiem Leben und dem Überleben im Patriarchat. Online-Ressource vom 30.05.2024 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt" target="_blank">https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt</a></li>
<li>Welt 2021: &#8222;Islamismus ist keine Diskriminierung, das ist eine Terrororganisation, wenn Sie so wollen&#8220;. Online-Ressource: Welt Online vom 30.07.2021 <a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/article232824151/Saskia-Esken-Islamismus-ist-keine-Diskriminierung.html" rel="noopener" target="_blank">https://www.welt.de/politik/deutschland/article232824151/Saskia-Esken-Islamismus-ist-keine-Diskriminierung.html</a></li>
<li>Welt 2024: &#8222;Eine der schlimmsten Folgen von Merkels Kurs ist das gefährliche Aufblühen der AfD&#8220;. Online-Ressource: Welt Online vom 25.09.2024. <a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/article253688568/Seehofer-fordert-Merkel-zur-Selbstkritik-beim-Thema-Migration-auf.html" rel="noopener" target="_blank">https://www.welt.de/politik/deutschland/article253688568/Seehofer-fordert-Merkel-zur-Selbstkritik-beim-Thema-Migration-auf.html</a></li>
<li>Zeit 2016: Minister will Mütter zur Auskunft über leiblichen Vater verpflichten. Aus: Zeit online vom 29.08.2016 auf <a href="https://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-08/heiko-maas-kuckuckskinder-mutter-sexualpartner-auskunftspflicht" rel="noopener" target="_blank">https://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-08/heiko-maas-kuckuckskinder-mutter-sexualpartner-auskunftspflicht</a></li>
</ul>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gertrude Guillaume-Schack (1845-1903), geb. Schack von Wittenau, war eine Aktivistin der zweiten Internationale, Frauenrechtlerin und Gründerin des Deutschen Kulturbundes.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;NWVZ vom 15.3.1885, S. 2</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Privater Feminismus ist sicherlich so alt wie das Patriarchat. In der Französischen Revolution entwickelte sich erstmals eine Bewegung.</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Diese Zahlen erhob der amerikanische Ethnologe William Tulio Divale 1972 bei sog. Naturvölkern. Obwohl sie Populationen betreffen, die keine offene Manipulation der Reproduktion vornehmen, handelte es sich dennoch um Völker, in denen Ehen geschlossen werden, also patriarchalisierte Völker. Divale hatte die Prinzipien von Matrilinearität und Patrilinearität und deren Zustandekommen nicht durchstiegen, wie ich es bereits an anderer Stelle (Uhlmann 2012) ausgeführt habe. Die Zahlen können damit nicht den Anspruch erheben, das natürliche sekundäre Geschlechterverhältnis der Spezies Homo Sapiens widerzuspiegeln.</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sexuelle Selektion nach Darwin: vollständig freie Wahl des Sexualpartners durch die Weibchen. Siehe verlinkter Text.</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das Matrifokal bezeichnet &#8222;<em>ein real vorhandenes, naturgemäßes, dynamisches Habitat, das von Beginn des Menschseins als <strong>existenzsichernde Schutzsphäre</strong> für die Mütter und ihren Nachwuchs fungierte. In der Regel bestehend aus konsanguinen Angehörigen beiderlei Geschlechts innerhalb der frühen <strong>matrilinear und matrilokal</strong> sowie <strong>generationsübergreifend</strong> lebenden Menschengruppen. Was bedeutet: durch Geburt verwandte Menschen interagierten in ihrem Alltag in überschaubaren <strong>mutterbasierten</strong> und <strong>geschwisterbezogenen</strong> Fürsorge-Gruppen, in denen in der Regel <strong>jedes Individuum von der Geburt bis zum Tod, integriert und geborgen lebte</strong>.</em>&#8220; (Gogolin 2022)</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ich definiere das Matridurat als ein Matrifokal (vgl. Gogolin 2022), das vom Patriarchat umgeben und bedroht ist und sich erfolgreich, bewusst und resilient mit Regeln und/oder mittels Verteidigung gegen die patriarchale Einverleibung schützt.</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2024</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. ScienceVega 2024</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Song/Zhang 2024</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Krapp 2024</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;In der Studie wird noch differenziert: &#8222;<em>In most dioecious species, especially mammals, the population-level sex ratio (fraction of males) at birth, or PSR, is approximately 0.5, meaning that roughly equal numbers of males and females are born in a population. This parity is commonly explained by Fisher’s principle, an idea that can be traced back to Charles Darwin, Carl Düsing and Ronald Fisher</em>&#8222;. (Song/Zhang 2024)</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eisler 2005, S. 233</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eine gute Begriffserklärung liefert Broens 2022.</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Beck 1986, S. 369 f</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. (Köhler 2018)</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-in-der-politik-eine-zielorientierte-nestbeschmutzung">Frauen in der Politik? &#8211; Eine zielorientierte Nestbeschmutzung</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Apokalyptische Reiter reloaded – Warum Kulturen immer wieder untergehen und was das für die Gesellschaft bedeutet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jul 2024 15:41:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Im Bild: Die vier Reiter der Apokalypse (Beatus-von-Osma-Codex, 11. Jahrhundert) von Martinus (Scribe-Petrus) &#8211; Archives de la Cathédrale, Gemeinfrei Gesellschaftlicher Zerfall als Phänomen Die Archäologie beobachtet schon seit Langem, dass...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/apokalyptische-reiter-warum-gehen-kulturen-immer-wieder-unter-und-was-bedeutet-das-fuer-die-gesellschaft">Apokalyptische Reiter reloaded – Warum Kulturen immer wieder untergehen und was das für die Gesellschaft bedeutet</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Bild: Die vier Reiter der Apokalypse (Beatus-von-Osma-Codex, 11. Jahrhundert) von Martinus (Scribe-Petrus) &#8211; Archives de la Cathédrale, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=499335" target="_blank" rel="noopener">Gemeinfrei</a><br />
<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/a00aea18be514d1ea55b8d7cae8b307b" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h2 id="gesellschaftlicher-zerfall-als-phaenomen">Gesellschaftlicher Zerfall als Phänomen</h2>
<p>Die Archäologie beobachtet schon seit Langem, dass sich in Europa ab einem gewissen Zeitpunkt in der Jungsteinzeit immer neue Kulturen quasi die Klinke in die Hand gaben. Kaum war eine neue Kultur entstanden, verschwand sie auch schon wieder. Bandkeramik, Hinkelstein Kultur, Groß Gartacher Kultur, Rössener Kultur, Michelsberger Kultur etc., sie alle entstanden und verschwanden in Zeitrahmen von nur wenigen hundert Jahren. Wo die Menschen geblieben sind, war lange ein Rätsel und Gegenstand von Spekulationen, bis die Genetik zeigen konnte, dass manche Kulturen tatsächlich spurlos verschwanden, andere dagegen in neuen Kulturen aufgingen, also assimiliert wurden.</p>
<p>Der Kultur-Begriff muss dabei kurz erklärt werden. Mit z. B. der Rössener Kultur ist eine prähistorische Gemeinschaft gemeint, die eine für sie typische materielle Ausprägung zeigt. So angewendet dient der Kultur-Begriff lediglich zur Unterscheidung von Gemeinschaften über Raum und Zeit, sagt aber noch nichts über das Wesen ihrer Sozialordnungen aus. Im Folgenden gebrauche ich den schwer definierbaren Kultur-Begriff &#8211; um den Rahmen nicht zu sprengen &#8211; als die Gesamtheit des tradierten Schaffens, Erfindens, Denkens und Verhaltens, die sog. <a href="https://openevo.eva.mpg.de/teachingbase/kumulative-kultur/?lang=de" target="_blank" rel="noopener">kumulative Kultur</a>.<br />
Im medialen Sprachgebrauch wird eher nicht vom Zusammenbruch von Kulturen gesprochen, sondern von Gesellschaften, womit meist Vorstellungen von Gesellschaft verbunden sind, wie wir sie leben. Der „Untergang der Gesellschaft“ ist zudem ein Schreckgespenst, das gerne an die Wand gemalt wird. Daher müssen wir uns dieses Wort ebenfalls genauer ansehen. Eine Gesellschaft ist entgegen dem Sprachgebrauch keine natürliche Sozialordnung, sondern immer von Männern gewaltsam hergestellt und aufrechterhalten. Dabei haben sie eine spezifische Kultur hervorgebracht, die nur im Patriarchat denkbar ist. Deshalb ist die Gewalt untrennbarer Teil der patriarchalen Kultur, die eine Andro-Kultur<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup> ist. Einer Gesellschaft wird ihre Beschreibung allein über materielle Güter nicht mehr gerecht. In jeden Gegenstand kann nun potentiell auch eine höhere Bedeutung hineininterpretiert werden. Bis heute wird Gewalt und Gewaltverhalten kultiviert, was sich meist auch an den Gütern spiegelt. Kriegswaffenfunde bei einer archäologischen Grabung müssen in patriarchale Zeit datiert werden, wobei der regionale Ursprung der Waffe wie bei jedem anderen Einzelfund genauer untersucht werden muss. Bei z.B. dem Fund eines harmlosen Plastikeimers können wir darüber nachdenken, was alles geschehen musste, bis die Kultur in der Lage war, ihn herzustellen. Entsprechend muss hier auch mit einer immateriellen Gewalt-Kultur gerechnet werden. Findet sich aber ein solcher Eimer in einem bis dahin unkontaktierten Volk, muss das kein Beweis für eine Gewalt-Kultur sein.<br />
Das globale Patriarchat, auch „die Gesellschaft“ genannt, setzt sich aus vielen Einzel-Gesellschaften zusammen, die auf Stämme mit Stammvätern zurückgehen, und die jede für sich zerfallen kann, ohne dass das Patriarchat bedroht wäre. Solange irgendwo Patriarchat, sprich ein „böser Nachbar“ zu finden ist, werden Gesellschaften zerfallen und neu entstehen, weil das Patriarchat aufgrund seiner Überbevölkerung expansiv ist und jeden verwaisten Landstrich wiederbesetzt, allen Überlebenden eine neue Herrschaft überstülpt. Dabei verändert sich die materielle Kultur und die Regierung wechselt, aber aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit werden die Menschen schnell wieder zur Normalität zurückfinden. Dafür arbeitet wiederum ihr privates Patriarchat, denn es gilt: Das Private ist das Politische. Daher ist das Szenario eines Untergangs der Gesellschaft ein Phantom, solange nicht die Gemeinschaft der Unterdrückten dieser Welt erkennt, dass ihre private Lebensweise das Problem ist.<br />
Zerfällt eine bestimmte Gesellschaft, zerfällt auch ihre Kultur, und ohne die Kulturträger, die Menschen, ist alles nur noch ein archäologischer Fund. Es ist aber auch umgekehrt so, dass der Zusammenbruch einer Kultur sofort den Zusammenbruch einer Einzel-Gesellschaft nach sich zieht, die sie hervorgebracht hat, weil eine bestimmte Gesellschaft auch eine bestimmte Kultur mit einer entsprechenden Ideologie braucht, ohne die sich ihre Mitglieder in schwere Auseinandersetzungen verwickeln. Je mehr kulturelle Optionen vorhanden sind, desto größer auch die Meinungsvielfalt, die ohne sanktionierte Debattenkultur oder Unterdrückung anderer Meinungen zum Bürgerkrieg führt. Gemeint ist eigentlich immer die Frage, wie wir ein gutes Leben hinkriegen, und da unterscheiden sich im Patriarchat insbesondere Männer und Frauen fundamental. Auch Männer können sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen, dann aber geht es den Frauen noch schlechter. Die gewaltgeprägte Andro-Kultur ist der Kitt, der eine Gesellschaft zusammenhält, so paradox das klingt. Daher wird es trotz aller gutgemeinter Appelle kein Patriarchat ohne Gewalt gegen Frauen geben.<br />
Der Zusammenbruch „der Gesellschaft“ ist daher genaugenommen eine Befreiung vom Patriarchat, jedoch nur wenn dabei auch das Patriarchat aus den Köpfen verschwindet. Eine vorherige Aufklärungsbewegung erweist sich dann überlebenswichtig für die gesamte Menschheit, die Idee muss schon irgendwo <em>in petto</em> sein. Wie bereits an anderer Stelle ausgeführt, ist die Gesellschaft immer ein patriarchales, also auch hierarchisches System. Eine Andro-Kultur bringt daher auch Güter hervor, die diese Hierarchie (übersetzt „heilige Herrschaft“) nicht nur ausdrücken, sondern ihr huldigen bzw. als heilsbringend verklären. In einer akut zu zerfallen drohenden Gesellschaft wird stets auch der Ruf nach einem Heilsbringer laut. Personenkult und die Radikalisierung der religiösen Weltanschauung oder gar die Entstehung von Ersatz-Religion gehören dazu. Beide, eine Gesellschaft und ihre Andro-Kultur bedingen sich gegenseitig. Die Frage ist, ob sie aufgrund interner Probleme quasi implodiert ist, oder ob sie durch Angreifer zerstört wird.</p>
<p>Dagegen braucht unser angeborenes Sozialverhalten, die Matrifokalität, keinen kulturellen Kitt, sondern ist egalitär und friedlich und bringt Kulturtechniken hervor, die das Leben erleichtern und den Nachwuchs in jeder Hinsicht fördern und erhalten, weshalb sie an die nächste Generation weitergegeben werden. Daher müssen z.B. über einen langen Zeitraum gleichartige Gefäße oder Werkzeuge nicht bedeuten, dass ihre Ausformung die gelebte Identität der Menschen ausdrückt, sondern können auch einfach bedeuten, dass der Gegenstand optimiert war. Selbst grafische Muster können sich ohne höheren Sinn so über einen langen Zeitraum wiederholen. Ähnlich wie die Sprache verändern sich die Dinge dennoch, weil kein Mensch immer alles genau so machen kann wie ein Vorfahr. Die sich wandelnden naturräumlichen Bedingungen beeinflussen ebenfalls quasi evolutionär die Ausgestaltung von Gegenständen. Im Matrifokal wird der Wandel nicht forciert oder nur herbeigesehnt, sondern er passiert und die Menschen passen sich unbewusst an. Entsprechend verändert sich auch Erinnerung und ihre erzählte Geschichte. Die Sozialordnung des Matrifokals ist äußerst stabil und sie war über 3 Millionen Jahre Menschheitsentwicklung die optimale Lebensweise. Sie ist von innen nicht bedroht, solange sich die Menschen nicht blindlings von einer Technologie abhängig machen, die konstante naturräumliche Bedingungen voraussetzt.</p>
<h2 id="gewalt-andro-kultur">Die Gewalt als Voraussetzung von Gesellschaft und Andro-Kultur</h2>
<p>Jede Gesellschaft wird von archäologisch oder gegenwärtig unsichtbarer Gewalt zusammengehalten: von Ideologie und entsprechender häuslicher Gewalt, deren Existenz nur durch empirischen Vergleich rückgeschlossen werden kann. Das Patriarchat baut auf Gewalt gegen seine eigenen Mitglieder, zuerst gegen die Frauen, auf, es ist der sprichwörtliche falsche Film.<br />
Innerhalb eines Patriarchats sind nicht alle gleich, insbesondere werden die Frauen, die durchaus Raum gewinnen können, wenn sie sich zusammentun oder Einfluss haben und Forderungen stellen, immer wieder mehr oder weniger subtil auf ihre Plätze verwiesen. Dann haben wir es mit einem sogenannten Backlash (engl. für „Rückschlag“). Die Zukunftsforscherin Riane Eisler hat erkannt, dass jedem Krieg eine Welle der Frauenfeindlichkeit vorausging.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup> In den Nachkriegsjahrzehnten kommen die Menschen zur Besinnung, und erkennen, dass ein Krieg niemals die Lösung aller Probleme ist, um &#8211; zu vorgerückter Stunde &#8211; wieder zur patriarchalen Tagesordnung zurückzukehren. Der nächste Krieg ist damit vorprogrammiert.<br />
Zur inneren Gewalt einer Gesellschaft tritt, wenn sie nicht bald zur Auslöschung führt, immer wieder auch äußere Gewalt durch benachbarte Gesellschaften hinzu, die zweierlei Wirkungen auf die bedrohte Gesellschaft haben kann. Einerseits kann ein gemeinsamer Feind, ein Angreifer, zusammenschweißen, andererseits können sich zwei Lager bilden, von denen sich das eine tendenziell unterwerfen will, während das andere versucht, sich zu wehren, wenn alle Diplomatie zu versagen droht, mit oder ohne Erfolg. Despoten setzen gerne auf die Propaganda des Zusammenhalts, während Demokratien dazu neigen, sich darüber zu zerstreiten, wovon dann die innere Gewalt angeheizt wird. So kann ein Feind allein durch seine Drohungen eine Gesellschaft von innen zermürben. Wir erleben das gerade. Die Spirale der Gewalt, die durch gleich starke, verfeindete Gesellschaften angekurbelt wird, schweißt auch Demokratien im Innern eher zusammen, es sei denn eine starke Gruppe mahnt zum Abrüsten und löst damit eine Debatte aus.</p>
<p><strong>Eine Gesellschaft ist zwar nicht angelegt, um zu zerfallen, ganz im Gegenteil, aber sie kann nur so angelegt werden, dass sie zerfallen muss, früher oder später, weil gleich drei Faktoren gegen sie arbeiten: unser matrifokales Erbe, die innere Gewalt und die feindlichen Gesellschaften.</strong> Aus der Arbeit gegen den Zerfall ziehen im Übrigen wenige Privilegierte innerhalb der Gesellschaft Profit, nicht nur Politiker und Konzerne, sondern auch Kirchenfürsten und Militärs. Honig wird schon allein aus der Warnung vor dem Untergang gesaugt, wobei völlig andere Ziele durchgesetzt werden sollen.<br />
Der endgültige Niedergang einer Gesellschaft ist immer mit vielen Toten verbunden, denn große patriarchalisierte Menschengruppen ringen gegeneinander ums Überleben, statt zu kooperieren. Das gefürchtete Chaos, das Faustrecht bricht aus. Aber es ist äußerst selten, dass niemand übrigbleibt. Die Überlebenden werden in der Regel ihre Andro-Kultur zu restaurieren versuchen. Es braucht aber schon ein starkes ideologisches Umdenken, um etwas Neues zu probieren, um nicht wieder an denselben Fehlern unterzugehen. Der Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg ist dafür ein Beispiel. Man bemühte sich, die alten sozialen Probleme zu bekämpfen, indem der billige Wohnungsbau vorangetrieben wurde, &#8211; wovon wenige Männer reich geworden sind -, viele dieser Bauten machen heute Probleme oder mussten schon wieder abgerissen werden -, und man machte den Fehler der autogerechten Stadt. Nicht das führt zum nächsten Untergang, aber er ist bereits vorprogrammiert, weil das Patriarchat mit dem 2. Weltkrieg nicht mituntergegangen ist und seine modernen Strömungen schon wieder zerstritten sind.</p>
<h2 id="zahlen-statt-meinung">Zahlen statt Meinung – die Auswirkungen von Gewalt und Klima</h2>
<p>Die Offenbarung des Johannes machte die vier apokalypischen Reiter als die Geißel der Menschheit aus. Der erste Reiter stand für Siegeslust und Gerechtigkeit, der zweite für Krieg, der dritte für Tod und Hunger, und der vierte für Angst und Krankheit.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup> Mit Katastrophen war immer auch der Gedanke der göttlichen Reinigung verbunden, sie wurden durchaus auch als etwas Positives gesehen. Dies steht in der babylonischen Tradition des Atra-Hasis-Mythos, Vorläufer der Sintflut-Geschichte, wo Heimsuchungen als Begrenzung der Überbevölkerung durch die Götter verstanden wurden.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>
In der jüngeren Vergangenheit gab es so manche spekulative Meinung, woran der schnelle Wechsel der jungsteinzeitlichen Kulturen liegen könnte, bis die Archäologie begann, das Phänomen des Zerfalls mit naturwissenschaftlichen und mathematischen Methoden eingehend zu untersuchen. In Deutschland federführend bei der Erforschung der Entwicklung ist der Prähistoriker und Paläoklimatologe Detlef Gronenborn, der im Jahre 2011 einen signifikanten Zusammenhang zwischen Klimaeinbrüchen und Migration entdeckt hat.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup> Diese Studie habe ich vor einigen Jahren mit den Spuren der Entstehung des Patriarchats in Verbindung gebracht und konnte zeigen, dass der Beginn des Patriarchats nicht einfach mit dem Beginn der Landwirtschaft identisch ist, wie es vielfach behauptet wird, sondern ca. 3000 Jahre dazwischen liegen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">6</sup> Die Archäologie und die Archäogenetik konnten beweisen, dass die sog. Misox-Schwankung vor 8200 Jahren eine bis dahin beispiellose Migration auslöste. Aus dem gleichen Zeitraum finden sich erste Spuren von Kriegen und patrilokaler Lebensweise. Es war aber das Patriarchat selbst, das die völlig neue Dynamik aus Entstehung und Verfall von Kulturen im Gang hielt und eine Kette weiterer Migrationen &#8211; wir können auch sagen &#8211; Feldzügen nach sich zog. Es gab seitdem auch immer wieder Klimakrisen, die jedoch nur noch geringen Einfluss auf die Vorgänge hatten, denn nun war die Ideologie des Patriarchats der Motor, also geistige Gewalt, die andere Gewaltformen impliziert. Nicht das Klima allein kann für Gewalt und Untergang verantwortlich gemacht werden, es war lediglich die Initialzündung eines Prozesses, der zum Selbstläufer wurde. Es hat nun allenfalls verstärkende Wirkung.<br />
Wesentlich dabei war, dass das Patriarchat an die Viehzucht geknüpft ist, die als Reaktion auf die Hungersnot zur Zeit der Misox-Schwankung in der südrussischen Steppe erfunden wurde, und die in sich nomadisch statt sesshaft angelegt war. Das enorme Wachstum der Herden erforderte die Migration der Hirten und ihres Besitzes, und solange die sesshafte Stallhaltung mit Zuchtaustausch bzw. die teilsesshafte Transhumanz noch nicht eingeführt war, führte das an den Stammesgrenzen zu den ersten Kriegen. Die Unterdrückung der Sexualität der Frau &#8211; also Menschenzucht &#8211; und die einseitige Ernährung mit gezüchtetem Fleisch führte zu einer nie dagewesenen Überbevölkerung, wobei männliche Kinder bevorzugt wurden. Aus den überzähligen Männern generierte sich eine gewaltbereite, patriarchatsideologisch gefestigte Kriegerkaste, die zum Selbstzweck immer wieder gen Westen oder weiter nach Osten strebte. Dieser archäologisch-kulturhistorische Ansatz, der insbesondere von der Archäologin Marija Gimbutas ausformuliert wurde &#8211; als sog. Kurgan-These – ist inzwischen auf breiter Basis anerkannt und erfährt seit Jahren durch immer neue Studien weitere Bestätigung.</p>
<p>Darüber, was Kulturen oder Gesellschaften zum Zusammenbruch bringt, wurde wie angedeutet lange mit empirisch-logischen Kausalketten diskutiert. Dabei waren vor allem zwei Argumente wesentlich, gesellschaftliche Konflikte und das Klima. Die Klima-These wurde dabei immer beliebter, ja Konsens, und sie bedient mittlerweile die aktuelle Politik, geht doch die Angst um, dass der Klimawandel nicht nur Katastrophen, sondern auch eine unbeherrschbare Migrationswelle auslöst. Das vorindustrielle Klima eignet sich hervorragend, die Verantwortung auf die böse Natur zu schieben.<br />
Jedoch seit Mitte 2023 liegen Computer-Modelle vor, mit denen die Stichhaltigkeit der Argumente überprüft wurden. Ein interdisziplinäres Team unter der Leitung des russisch-US-amerikanischen Biologen, Komplexitätsforschers und Sozialwissenschaftlers Peter Turchin, dem wieder Detlef Gronenborn angehört, untersuchte die dabei simulierten Bevölkerungsdynamiken über die letzten 9000 Jahre, die, einmal angeworfen, von Kreisläufen aus boomen Kulturen und deren Zusammenbrüchen gekennzeichnet ist.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">7</sup>
Zwar wurde das Ergebnis dieser Studie sofort in einem der wichtigsten Fachmagazine publiziert, eine breitere Öffentlichkeit erfuhr aber erst ein halbes Jahr später davon, vielleicht, weil es zu unwichtig oder unspektakulär erschien. Anfang 2024 meldete die „Archäologie in Deutschland“: „<em>Eine Metastudie soll zeigen, dass der Zusammenbruch vergangener Kulturen hauptsächlich mit dem Verfall von gesellschaftlichem Zusammenhalt einhergeht.</em>“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">8</sup> Bei einer solchen Tautologie sollte es kein Wunder sein, dass die Resonanz mäßig bis gering ausfällt. Wer jetzt wenigstens erheitert weiterliest, verpasst nicht Detlef Gronenborns Auskunft, dass die Auswirkungen klimabedingter und gesellschaftlicher Faktoren in einer Simulation überprüft wurden.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">9</sup> Das hat meine Aufmerksamkeit endgültig erregt, denn ich kannte ja längst seine ältere Studie. Sollte er sich nun selbst widersprechen? Mitnichten! Die Studie bestätigt sogar seine älteren Ergebnisse, und sie ist es wert, näher angeschaut zu werden. Sie zeigt, dass der <em>Impact</em> von Klima und Gewalt (die er oben als „gesellschaftlicher Faktor“ verklausuliert hat) auf eine Gesellschaft unterschiedlich schnell abflaut. Das Klima kann eine ankurbelnde Wirkung auf die Gewalt haben, muss aber nicht. Während nach einer Klimakrise relativ bald alle Schäden an Gütern und Leben kompensiert sind und wieder Ruhe einkehren kann, wirft die Gewalt, sofern sie stattfindet, dann selbst einen Motor an. Ob Gewalt ins Spiel kommt, hängt davon ab, wie abhängig die Menschen zuvor von ihren Technologien geworden waren.<br />
Die Blaupause dafür sind die Vorgänge während und nach der Misox-Schwankung. Während die noch wildbeuterisch lebenden Männer Mitteleuropas auf die Misox-Schwankung adaptiv reagierten und nicht gewalttätig gegen die Frauen und sich selbst wurden, haben die überlebenden, ehemals matrifokalen, nun aber mutterlosen anatolischen Bauern die Kühe aus dem ehemaligen Gesamthandseigentum in die Steppe getrieben, wo sie sie erstmals der Zucht unterwarfen. Analog entführten diese verrohten Männer auch überlebende Frauen und die indigenen Frauen der Steppe und vergewaltigten sie. Als sich die so entstandene sog. Sredny-Stog-Kultur etabliert hatte und begann sich auszubreiten, stieß sie im heutigen Nord-Kasachstan auf die indigene, sesshafte Botai-Kultur und deren Pferdebesitz. Die Botai, die keine Pferdezucht, sondern Pferdehaltung betrieben, um leichter an das Fleisch und die Milch zu gelangen, lebten noch matrifokal. Nachdem die Sredny-Stog-Männer sich deren Wissen, wie ein Pferd zu zähmen und zu reiten sei, angeeignet hatten, endete der „Kontakt“ mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Massaker an den Botai. Sie wurden demnach von diesen ersten Patriarchen ausgelöscht, jedoch ohne dass die Botai-Frauen das überlebt hätten. Ich vermute, dass die Botai-Frauen, die auf einem Pferd reiten konnten, leicht hätten aus ihrer Gefangenschaft fliehen können und das Wissen auch ihren Töchtern verraten hätten. Das musste künftig verhindert werden, wie später lange Zeit den Saudi-Arabischen Frauen das Autofahren nicht gelehrt werden durfte.</p>
<p>Zu Pferde wurde schließlich die gesamte Welt patriarchalisiert, heute können Drohnen den auch für Männer nicht ungefährlichen Job der Vorväter übernehmen. Der Motor der Gewalt kommt erst zum Stillstand, wenn der letzte Kraftstoff verbraucht ist, das letzte Pulver verschossen wurde. Der totale Ressourcen-Verbrauch, aber auch die Dynamik des „Auge um Auge“-Prinzips bilden sich daran trefflich ab. Die Ideologie, die systemische und häusliche Gewalt gegen Frauen bleiben dabei aber unsichtbar. Der letzte Mann wird kinderlos bleiben, ob er sich neuerdings als Frau identifiziert oder nicht. Ohne das Wissen um die Patriarchalisierung und das gewaltsame Wesen aller Gesellschaften ist das Ergebnis der Studie nicht zu verstehen. Wenn das Patriarchat erst einmal ins Rollen geraten ist, ist es praktisch fast nicht mehr zu stoppen, auch wenn sich das Klima wieder bessert, bzw. auch gerade dann, denn günstiges Wetter fördert auch den Wohlstand, es liefert Brot und animiert zu Spielen, verhindert also Revolutionen, und ändert nichts an der Ideologie und häuslichen Gewalt. Aber dieser Umstand taucht nirgendwo auf, wenn es um dieses Thema geht. Es darf alles sein, alles wird in Erwägung gezogen, nur nicht, dass die Herrschaft der Väter, das Patriarchat, Schuld ist an seinen Untergängen.</p>
<h2 id="ersatzmann-schwarzer-tod">Ersatzmann Schwarzer Tod</h2>
<p>In der Zeit ab 5550 Jahren vor heute wurden in ganz Europa Gebiete von Angehörigen der Jamnaja-Kultur aus der Steppe Südrusslands überfallen. Die Jamnaja waren die ersten Reiternomaden, hervorgegangen aus dem Sredny-Stog-Patriarchat. Der dänische Genetiker Eske Willerslev ist davon überzeugt, dass die Ausrottung von teils 90% der Bevölkerung nicht durch deren rohe Gewalt, sondern durch die Pest getötet und die Überlebenden so genetisch überformt worden seien. „<em>Die Pest machte uns zu dem, was wir Nordeuropäer sind</em>“, sagt er in einer Fernseh-Doku.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">10</sup> Die Jamnaja hätten nicht nur die Pest, sondern eine neue Sozialordnung eingeführt, die Kleinfamilie – hier fällt erwartungsgemäß nicht das nötige Wort Patriarchat.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">11</sup> Dazu sehen wir romantische Bilder einer lachenden Mutter, die ihren Kindern zu essen gibt. Zwar haben wir es hier mit nicht weniger als der Anerkennung der Patriarchalisierung zu tun, aber die Kleinfamilie wird auf diese Weise als positive Neuerung hingestellt. Denn die Familie, die auch unter den Jamnaja vielmehr eine Großfamilie im heutigen Sinne war, der Großväter ihren Namen geben, ist das Herrschaftsgebiet des <em>Pater familias</em> (lat. für Familienvater) und damit für das Vorpatriarchat ein unzulässiger Begriff. Vor dem Patriarchat gab es keine Familienstrukturen irgendwelcher Art, sondern ausschließlich <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/vom-matrifokal-zum-matridurat-der-unterschied-zwischen-freiem-leben-und-dem-ueberleben-im-patriarchat-auszuege-aus-dem-gleichnamigen-buchprojekt" target="_blank" rel="noopener">Matrifokale</a>. Auch der Paläogenetiker Johannes Krause meint in der Doku, dass allein durch Krieg nicht so viele Menschen sterben könnten wie durch die Pest.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">12</sup> Die neue Gewalt gegen die Frauen zeigt dagegen ganz klar: das war keine friedliche Migration, sondern ein klassischer Eroberungsfeldzug mit den ihn begleitenden Vergewaltigungen. Auf die beiden &#8222;Mitbringsel&#8220; der Jamnaja hätten die Frauen gerne verzichtet. Aber es soll so aussehen: „war ja nicht alles schlecht“ unter den Jamnaja!</p>
<p>Mit dem Beginn des Patriarchats lebten deutlich weniger Menschen, es gab keinerlei Gesetze oder Moraltheologie, die die Kriegsopfer vor der Gewalt der Invasoren geschützt hätten, und die Jamnaja-Leute waren, anders als die Opfer, zu Pferde unterwegs, eine militärische Überlegenheit, die bis zur Atombombe nie wieder erreicht wurde. Dass die Jamnaja mit einer gewissen Resistenz gegen die Pest die Indigenen dann einfach aufgrund ihrer Anzahl genetisch dominierten haben sollen, blendet die unliebsame sexuelle Konkurrenz durch die indigenen Männer völlig aus. Besonders eindeutig ist da der archäogenetische Befund aus Spanien, wo vor 4500 Jahren die Hälfte der Bevölkerung durch Abkömmlinge der Jamnaja, die Glockenbecher-Leute, getötet wurde. Wenn es die Pest war, die sie tötete, warum blieben dann dort die indigenen Frauen am Leben, während die Männer umkamen? Mit Leichtigkeit hätte noch die weibliche Hälfte der Bevölkerung ausgerottet werden können, aber das haben weder die Steppenkrieger noch die Pest getan.</p>
<p>Eine Studie eines norwegischen Teams aus 2015 ergab, dass sich das Pest-Bakterium <em>Yersinia pestis</em> niemals in Europa festsetzte, sondern vor jeder Pestwelle stets aus der Steppe importiert wurde.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">13</sup> Dafür verantwortlich war ein ungünstiges Klima in der Steppe Zentralasiens:</p>
<blockquote><p>&#8222;Es ist bereits bekannt, dass Klimaeffekte zu einem Ausbruch der Pest aus schlummernden Reservoirs führen können. Kommt es zu einem besonders warmen Frühling und feuchten Sommer, können sich Nagetierpopulationen besonders stark vermehren – und mit ihnen auch ihre Flöhe, in denen die Pesterreger leben. Werden die Bedingungen anschließend wieder schlechter für die Nager, geht ihr Bestand zurück – der ihrer Flöhe aber nicht analog: Die Parasiten suchen deshalb nach Alternativen. So nehmen die hungrigen Rattenflöhe auch Vorlieb mit dem Menschen – und das Unheil nimmt seinen Lauf.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">14</sup></blockquote>
<p>Die Bevölkerungen wurden von der Pest nie vollständig dahingerafft, sondern erholten und vermehrten sich wieder. Für eine Ausrottung von 90% der Menschen in einer Region ist nicht allein die klimaabhängige Pest verantwortlich, wie es Johannes Krause glaubt. Im Gegenteil, allein Gewalt kann solche Zahlen erklären. Das bestätigt auch die neue Studie unter Peter Turchin.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">15</sup> Selbst modellhaft sollte sich die Theorie von den Epidemien, die ganze Gesellschaften auslöschen, nicht beweisen lassen. Die Studie erwähnt das am Rande. Die Forscher gehen davon aus, dass Epidemien vergleichbar dem Klima nur einen kurzfristigen Effekt nach sich ziehen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">16</sup> Die Pest muss als Ursache für die Ausrottung ganzer Kulturen ausgeschlossen werden. Auch die vollständige Ausrottung der Botai, über die wir in der o.g. Doku erfahren, die als Indigene längst immun gegen die Pest waren, kann nicht mit der Pest erklärt werden. Das Urbild der Apokalypischen Reiter waren niemand anderes als die Jamnaja-Reiter, aber nicht unabsichtlich, wie es in der o.g. Doku kolportiert wird.</p>
<h2 id="denkverbot-schuld-des-patriarchats">Das Denkverbot über die Schuld des Patriarchats, der Urväter und ihrer männlichen Erben</h2>
<p>Die Pest lenkt mit den gruseligen Vorstellungen, die mit ihr verbunden sind, von der Gewaltbereitschaft der frühen Patriarchen ab, wie generell darüber ein Denkverbot ausgesprochen wird, so auch im EU-Bericht über die bereits erwähnte Studie, nach der auf der iberischen Halbinsel vor 4500 Jahren alle indigenen Männer umkamen:<br />
&#8222;<em>Der beste Beweis dafür sind die Überreste eines Mannes und einer Frau, die in der Bronzezeit zusammen an einem Ort in Spanien begraben wurden. Die Daten zeigen, dass die Frau eine Einheimische war und die jüngsten Vorfahren des Mannes aus Mitteleuropa stammten. &#8218;Es wäre ein Fehler, zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass die iberischen Männer getötet oder gewaltsam vertrieben wurden&#8220;, so Dr. Olalde gegenüber der ‚BBC‘. ‚Die archäologischen Befunde liefern keine eindeutigen Hinweise auf einen Gewaltausbruch in dieser Zeit.‘</em>&#8222;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">17</sup>
Nein, es ist kein „Fehler“, es ist sogar notwendig. Aus der Forensik ist hinlänglich bekannt, dass einem Leichnam nicht unbedingt die Gewalt anzusehen ist, die zum Tod geführt hat. Wirft man einen Leichnam sogar den Tieren zum Fraß vor, bleibt oft noch weniger übrig als z.B. bei einer Kremation. Wären die Männer als Sklaven in die Steppe verschleppt worden, wäre ebenfalls nichts von ihnen zurückgeblieben. Es dürften sich dennoch in der Zukunft klare Beweise zeigen, dass ihnen tötliche Gewalt angetan wurde, wo und wie auch immer. Iñigo Olalde von der Harvard Medical School, Hauptautor der Studie, blendet das vollständig aus: &#8222;<em>Dies ist einer der stärksten Beweise für die sexuelle Selektion in der Vorgeschichte auf dem Gebiet der Erforschung alter DNA</em>.&#8220;<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">18</sup> Die Gewalt gegen die Frauen, die sich den Eroberern verweigerten, interessiert den Autor gar nicht. Er will glauben machen, dass die Jamnaja in friedlicher Absicht nach Spanien kamen. Warum waren sie dann bis an die Zähne bewaffnet und warum starben nur die Männer? Mit seinem evolutionistischen Argument bedient er sich der Instrumentalisierung der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">Female Choice</a>, der wahren Sexuellen Selektion. Das hat nicht nur das Potential, noch die Mörder in ein gutes Licht tauchen und die Frauen in ein schlechtes, sondern ist vor dem Hintergrund des Patriarchats, das eine „Male Choice“ gewaltsam herstellt, vollständig abzulehnen. Denn mit seiner Ideologie der Patrilinearität, welche die Female Choice unterdrücken muss und dafür gewaltsam Patrilokalität herstellt, praktiziert das von Viehzüchter-Mentalität geprägte Patriarchat gleichsam Menschenzucht, die die natürliche Evolution auszuschalten sucht. Unabhängig davon ist mehr als unwahrscheinlich, dass indigene Männer, die sich nicht mehr fortpflanzen durften, schadlos davonkamen. Der „indigene INCEL“ ist im Übrigen ein moderner Mythos, der herangezogen wird, um die Gefahr für Frauen, die von heutigen, real existierenden INCELs ausgeht, mit Pornographie und Prostitution, also wieder auf Kosten der Frauen, einzudämmen.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">19</sup>
<h2 id="der-backlash-unserer-zeit">Der Backlash unserer Zeit</h2>
<p>Die Zukunfts- und Friedensforschung kann aus der Archäologie und der Archäogenetik jene Muster ableiten, die sich im Großen wie im Kleinen ständig wiederholen, schließlich ist wie erwähnt das Private das Politische. Demnach ist es nicht nur ein vages Gefühl &#8222;spätrömischer Dekadenz&#8220; oder eine Untergangsstimmung, was gerade viele beschleicht, sondern durchaus auch eine Art kollektiver Weisheit, die aus der Erfahrung der Jahrtausende schöpft, die älter ist als die Geschichte von der troianischen Seherin Kassandra oder der apokalypischen Reiter der Offenbarung des Johannes. Die &#8222;letzte Generation&#8220; dürfte aber noch lange nicht geboren sein.<br />
Jeder Backlash sollte als Zusammenbruch eines andro-kulturellen Fortschritts, ja einer Kultur im besten Sinne gesehen werden, er ist der Krieg gegen die Frauen, eine Unkultur. Ein Beispiel ist die Familienpolitik der letzten 50 Jahre in der Bundesrepublik, insbesondere die Behandlung geschiedener Frauen und Mütter.<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">20</sup> Damit bedroht er auch unmittelbar die Gesellschaft, Männer selbst, Kinder wie Frauen. Frauen können sich auf ihren Errungenschaften nicht ausruhen, sondern müssen aufmerksam die Entwicklung beobachten, aufklären und weiterkämpfen, damit es nicht einen Schritt vorwärts und zwei zurück geht. Nichts bleibt selbstverständlich oder ist erledigt. Der aktuelle frauenfeindliche und antifeministische Backlash, der nach Riane Eisler einen baldigen Krieg als realistisch erscheinen lässt, wird gezielt von der Vaterrechtsbewegung, islamistischen und klerikalen Verbänden, NGOs und Medien, ja sogar aus dem Ausland lanciert, beworben und finanziert, während die demokratischen Parteien unter dem Druck dieser Lobbyisten Gesetze erlassen, die Frauen in prekäre Verhältnisse zwingen oder verhindern, dass sie sich befreien können. Verstärkt wird der Backlash noch, weil diese empörende Politik Teile der Bevölkerung dazu bringt, totalitäre Parteien zu unterstützen, die Abhilfe versprechen, ohne diese Versprechen halten zu wollen.<br />
Mittel und Zweck zugleich des Patriarchats ist die Ausbeutung der Frauenkörper zur Menschenproduktion, daher haben totalitäre Parteien eine rigide Familienpolitik, die Restauration der Ehe und Homophobie im Programm. In einem Backlash bilden sich in den demokratischen Parteien zunehmend totalitäre Tendenzen heraus, womit sich der Effekt selbst verstärkt, ein Beispiel ist die Trans-Propaganda für das Selbstbestimmungsgesetz und seine reale Umsetzung, die nicht nur offen gebärneidisch, stillneidisch und frauenfeindlich, sondern auch homophob ist. Nicht umsonst wird Homosexuellen im Iran „nahegelegt“, sich einer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Transsexualit%C3%A4t_im_Iran" target="_blank" rel="noopener">Trans-OP</a> zu unterziehen.<br />
Zu einem Backlash gehört die Verrohung der Männer, denen Frauen- und Homorechte herzlich egal sind. Sie werden bei Gelegenheit nicht nur Belästigungen, Sexismus und Massenvergewaltigungen inszenieren, oder Femizide begehen, sondern auch die eigene Frau schlagen und vergewaltigen, damit sie nicht aufbegehrt. Die Heiratsindustrie und Romantikwelle des angehenden 3. Jahrtausends bildet die wieder zunehmende Ausbeutung der Frauenkörper in rosigen Bildern ab. Viele Stimmen fordern die Förderung der Prostitution, auch um INCELs zu befrieden, der Euphemismus der sog. Sexarbeiterin soll den Beruf normalisieren. Der Transhumanismus der libertären Bewegung fordert die Legalisierung der Leihmutterschaft und Eizellspende und <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter" target="_blank" rel="noopener">die sog. künstliche Gebärmutter</a>, womit Mütter überflüssig gemacht werden sollen.<br />
Eins ist gewiss, jedem Backlash folgt ein Zusammenbruch, dann eine Schockstarre, ein „das konnten wir doch nicht ahnen“, dann wieder ein Aufbegehren und ein Zurückgewinn an Lebensqualität, die überwiegend durch die Arbeit der Frauen und Mütter hergestellt wird. Es sind immer nur Frauen, die entsprechende Forderungen stellen, und es muss Männer geben, die das zulassen. Das Patriarchat bewegt sich in Sinuskurven. Gerade sind wir wieder ziemlich weit unten. Es ist die Frage, ob wir noch rechtzeitig die Kurve kriegen.</p>
<p>Gabriele Uhlmann im Juli 2024</p>
<p><strong>Update 10.09.2024:</strong><br />
Eine <a href="https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/138-pest-hund" target="_blank" rel="noopener">neue Studie</a> bestätigt wieder, dass die Theorie, dass die Pest ganze Landstriche entvölkerte, nicht haltbar ist.</p>
<h2 id="literatur">LITERATUR</h2>
<ul id="liste2">
<li>AiD 1/2014: &#8222;Archäologie in Deutschland&#8220;, Heft 1/2024</li>
<li>Baudelaire, Claire: Die schrittweise Abschaffung der Freiheit. Online-Ressource des Mia e. V. vom 06.05.2018 auf <a href="https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/" target="_blank" rel="noopener">https://die-mias.de/blog/2018/05/06/die-schrittweise-abschaffung-der-freiheit/</a> abgerufen am 06.07.2024</li>
<li>Eisler, Riane: Kelch und Schwert, Kelch &amp; Schwert &#8211; Unsere Geschichte, unsere Zukunft. Weibliches und männliches Prinzip in der Geschichte. Freiburg 1985, 2005</li>
<li>EK 2019: &#8222;Wissenschaft im Trend: Wie Massenmigration Spaniens DNA transformierte.&#8220; Online-Ressource der Europäischen Kommission vom 21.03.2019 abgerufen am 01.07.2024 auf <a href="https://cordis.europa.eu/article/id/124947-trending-science-how-mass-migration-transformed-spains-dna/de" target="_blank" rel="noopener">https://cordis.europa.eu/article/id/124947-trending-science-how-mass-migration-transformed-spains-dna/de</a></li>
<li>Gronenborn, Detlef: Klimainduzierte Umweltkrisen und ihre soziopolitischen Auswirkungen auf prähistorische Gesellschaften In: Daim, F.; Gronenborn, D.; Schreg, R. (hrsg.), Strategien zum Überleben. Umweltkrisen und ihre Bewältigung. RGZM Tagungen 11., 2011, S. 111-127. Online-Ressource auf <a href="https://www.researchgate.net/publication/230704707_Klimainduzierte_Umweltkrisen_und_ihre_soziopolitischen_Auswirkungen_auf_prahistorische_Gesellschaften" target="_blank" rel="noopener">https://www.researchgate.net/publication/230704707_Klimainduzierte_Umweltkrisen_und_ihre_soziopolitischen_Auswirkungen_auf_prahistorische_Gesellschaften</a></li>
<li>Kondor <em>et al.</em>: Explaining population booms and busts in Mid Holocene Europe. Online-Ressource auf https://www.nature.com/articles/s41598-023-35920-z vom 03.06.2023 abgerufen am 01.07.2024</li>
<li>Krause-Kyora, Ben: Jungsteinzeitliches Pestbakterium verursachte kein Massensterben. Online-Ressource auf <a href="https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/138-pest-hund" target="_blank" rel="noopener">https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/138-pest-hund</a> vom 06.09.2024 abgerufen am 10.09.2024</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Explosion und Expansion. Vortrag gehalten am 17.05.2019 an der Philipps-Universität Marburg im Rahmen der Studientage „Nachhaltigkeit und Gesellschaftsformen aus kritisch geographischer Sicht“ im Fachbereich 19 Geographie. Online-Ressource auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht</a></li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Antwort auf Meike Stoverocks &#8222;Female Choice&#8220;. Online-Ressource vom 08.04.2021 auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice" target="_blank" rel="noopener">https://blog.gabriele-uhlmann.de/antwort-auf-meike-stoverock-s-female-choice</a></li>
<li>Vieweg, Martin: Die Pest war ein klimagetriebener Importschlager. Online-Ressource vom 13.02.2015 auf <a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/die-pest-war-ein-klimagetriebener-importschlager/" target="_blank" rel="noopener">https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/die-pest-war-ein-klimagetriebener-importschlager/</a> abgerufen am 01.07.2023</li>
<li>ZDF 2019: Die Geschichte von Mensch und Pferd &#8211; Equus. Doku im Rahmen der ZDF-Sendereihe TerraX &#8211; taglicht media Film-&amp;Fernsehproduktion GmbH von 2019. Online-Ressource auf <a href="https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/equus-die-geschichte-von-mensch-und-pferd-100.html?at_specific=TerraX" target="_blank" rel="noopener">https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/equus-die-geschichte-von-mensch-und-pferd-100.html?at_specific=TerraX</a> abgerufen am 09.07.2024</li>
</ul>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Begriff „Andro-Kultur“ von Stephanie Gogolin beschreibt die männlich inszenierte und dominierte Kultur des Patriarchats. Sie beinhaltet Gewalt und Experimente, die massiv in die Natur eingreifen.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Eisler 2005, S. 230 ff</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Bibel, NT, Offenbarung des Johannes, 6. Kapitel</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2019</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Gronenborn 2011</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2019</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Kondor <em>et al.</em>: 2023</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;AiD Heft 1/2024, S. 76</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. ebd., S. 77</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eske Willerslev in ZDF 2019 ab Min. 40:45.</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. ebd. Min 37:15.</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Interview Johannes Krause ebd. ab Min. 38:08</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Vieweg 2015</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ebd.</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Kondor <em>et al.</em>, S. 6</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Kondor <em>et al.</em>, S. 7</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. EK 2019</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ebd.</div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Uhlmann 2021</div><div>20&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Baudelaire 2018</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/apokalyptische-reiter-warum-gehen-kulturen-immer-wieder-unter-und-was-bedeutet-das-fuer-die-gesellschaft">Apokalyptische Reiter reloaded – Warum Kulturen immer wieder untergehen und was das für die Gesellschaft bedeutet</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Als Gott die Giftmischer schuf &#8211; eine Patriarchalisierung durch Plagiat</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/als-gott-die-giftmischer-schuf-eine-patriarchalisierung-durch-plagiat</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Aug 2021 13:34:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Analysen und Studien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bild: Schneewittchen hat in den vergifteten Apfel gebissen. Briefmarke aus dem Satz &#8222;Wohlfahrt &#8218;Schneewittchen'&#8220;, Bundesrepublik Deutschland 1962. Entwurf: Holger Börnsen. gemeinfrei. Prolog Alles fing wohl damit an, dass die AGSV...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/als-gott-die-giftmischer-schuf-eine-patriarchalisierung-durch-plagiat">Als Gott die Giftmischer schuf &#8211; eine Patriarchalisierung durch Plagiat</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/0fa672633eb04a9788fa0f7280ba01a8" alt="" width="1" height="1" /><br />
<img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-4915" title="Schneewittchen hat in den vergifteten Apfel gebissen." src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/08/1962-briefmarke-sneewittchen.jpg?w=526&#038;ssl=1" alt="Schneewittchen hat in den vergifteten Apfel gebissen."  srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/08/1962-briefmarke-sneewittchen.jpg?w=526&amp;ssl=1 526w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/08/1962-briefmarke-sneewittchen.jpg?resize=300%2C255&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 526px) 100vw, 526px" /><br />
Bild: Schneewittchen hat in den vergifteten Apfel gebissen.<br />
<span style="font-size: 9px;">Briefmarke aus dem Satz &#8222;Wohlfahrt &#8218;Schneewittchen'&#8220;, Bundesrepublik Deutschland 1962. Entwurf: Holger Börnsen. gemeinfrei.</span></p>
<h2 id="prolog">Prolog</h2>
<p>Alles fing wohl damit an, dass die AGSV Polizei NRW<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a> im Jahre 2000 in einer Beilagenbroschüre einen Text veröffentlichte, den eine mutmaßliche Verfasserin &#8222;den Männern und Frauen, die diese Welt ein Stück sicherer machen&#8220; gewidmet hatte und der &#8222;ihre Art, Danke zu sagen&#8220;, ausdrücken sollte. &#8222;Die Fantasie&#8220; habe diesen Text &#8222;erzeugt&#8220;, und so lautete er:</p>
<blockquote><p>&#8222;<strong>Als Gott die Polizei erschuf</strong></p>
<p>Am sechsten Tag ohne Rast machte Gott sich daran, Polizisten zu kreieren.</p>
<p>Ein Engel kam vorbei und sagte: &#8218;Du beschäftigtst dich aber ungewöhnlich lange mit diesem Modell&#8216;</p>
<p>Und Gott fragte: &#8218;Hast du die Kriterien gesehen, die das Modell erfüllen muss?&#8216;</p>
<p>&#8218;Ein Polizist muss in der Lage sein, fünf Kilometer durch dunkle Gassen zu rennen, Mauern und Wände heraufzuklettern, Häuser zu betreten, die der Gesundheitsminister nicht mal ansehen würde, und das alles möglichst ohne seine Uniform zu zerknittern oder zu verschmutzen. Er muss den ganzen Tag in einem zivilen Auto vor dem Haus eines Verdächtigen ausharren, gleichzeitig die Nachbarschaft nach Zeugen auskundschaften, in derselben Nacht eine Verbrechensszene untersuchen und früh am nächsten Morgen vor Gericht erscheinen und seine Aussage machen. Er muss jederzeit in Top-Kondition sein, und das nur mit schwarzem Kaffee und halb gegessenen Mahlzeiten. Und er braucht sechs Paar Hände.&#8216;</p>
<p>Der Engel schüttelte seinen Kopf und sagte: &#8218;Sechs Paar Hände&#8230; &#8211; das geht nicht.&#8216;</p>
<p>&#8218;Es sind nicht die Hände, die mir Probleme bereiten&#8216;, sagte Gott, &#8218;es sind die drei Paar Augen, die ein Polizist haben muss.&#8216;</p>
<p>&#8218;An einem ganz normalen Polizisten? Warum denn das?&#8216; fragte der Engel. Gott erklärte. &#8218;Ein Augenpaar, das durch ausgebeulte Hosentaschen sehen kann, bevor er fragte, ob er sehen darf, was drin ist (obwohl er es längst weis und wünscht, er hätte einen anderen Job angenommen).</p>
<p>Ein zweites Paar Augen an der Seite seines Kopfes, zur Sicherheit seines Partners. Und ein Paar hier vorne, das versichernd zum Verunglückten schauen kann und ihn sagen lässt: Alles wird wieder gut, obwohl er weiß, dass es nicht so ist.&#8216;</p>
<p>&#8218;Gott&#8216;, sagte der Engel und fasste ihn am Ärmel, &#8218;ruhe dich doch erst mal aus, du kannst dieses Modell doch später fertig stellen.&#8216; &#8218;Das kann ich nicht, ich habe schon ein ziemlich gutes Modell erschaffen, es kann einen 150 Kilo schweren Betrunkenen überreden, ins Polizeiauto zu steigen, ohne dass es zu Zwischenfällen kommt, und es kann eine fünfköpfige Familie mit mäßigem Gehalt durchfüttern; ich kann jetzt nicht aufgeben.&#8216;</p>
<p>Der Engel umkreiste den Polizisten sehr langsam und sah ihn sich genau an, dann sagte er:</p>
<p>&#8218;Kann dieses Modell auch denken?&#8216; &#8218;Aber natürlich&#8216;, antwortete Gott, &#8218;es kann dir die Tatbestände von tausend Verbrechen aufzählen, Verwarnungen im Schlaf aufsagen, verhaften, untersuchen, auffinden und einen Gangster schneller von der Straße holen als die Richter diskutieren, ob es berechtigt war oder nicht, während der Polizist schon den nächsten verhaftet. Und während alledem behält der Polizist noch seinen Sinn für Humor. Außerdem hat dieses Modell eine wahnsinnig gute Kontrolle über sich selbst; es ist fähig, Verbrechensszenen zu untersuchen und abzusichern, die aussehen, als wären sie der Hölle entsprungen, ohne mit der Wimper zu zucken; es kann einem Kinderschänder ein Geständnis entlocken und hat trotzdem seinen Hass unter Kontrolle, es kann die Familien von Opfern trösten und ihnen Mut zureden, obwohl die Zeitung wieder mal schreibt, Kriminelle würden nicht gerecht behandelt.&#8216;</p>
<p>Dann sah sich der Engel das Gesicht des Polizisten genauer an, er strich mit seinem Finger über die Wangen des Modells und sagte: &#8218;Siehst du´ Gott, hier ist ein Leck. Ich sagte doch, dass du dir zu viel vorgenommen hast bei diesem Modell.&#8216; &#8211; &#8218;Das ist kein Leck&#8216;, entgegnete Gott, &#8218;es ist eine Träne.&#8216; &#8218;Eine Träne? Wofür?&#8216;, wollte der Engel wissen. &#8218;Nun ja, für die aufgestauten Gefühle &#8230; für die verletzten Kameraden, für die Beschimpfungen, die er hinnehmen muss, für die Undankbarkeit und falschen Beschuldigungen, für die Frustration und Wut, für Einsamkeit, für Schmerz und Ohnmacht, für die schrecklichen Dinge, die er manchmal sieht. Für die Albträume und für die Angst.'&#8220; [sic!] <a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a></p></blockquote>
<p>Offenbar hat sich die Polizei sehr über diese Art, Danke zu sagen, gefreut, auch wenn die Frage, ob die Polizei denken könne, einiges an Selbstironie abverlangte. Doch nun, nach so langer Zeit, müssen wir die Frage erneut stellen. Denn mutmaßlich legitimierte die Polizei mit dieser Veröffentlichung ein Vergehen, für das sie offenbar aus lauter Freude und Stolz über die Beweihräucherung blind war. Worin dieses Vergehen besteht, davon handelt dieser Text und auch davon, was es im Weiteren angerichtet hat.</p>
<p>In ganz NRW und auch im Schaumburger Land verbreitet machte der Text schnell Schule. Viele Andere fühlten sich berufen, bestimmte Gruppen, die sich für die Allgemeinheit „aufopfern“, „frei nach“ diesem Vorbild zu ehren: Die Altenpflegerinnen, Erzieherinnen, Arzthelferinnen und Rettungsassistenten, später auch die Zahnarzthelferinnen und Rettungssanitäter u. v. a.. Diese Varianten verbreiten sich nun seit etlichen Jahren wie eine Epidemie mit zahllosen immer neuen Mutationen auf den Websites von z.B. Kitas, Arztpraxen, Hebammen, der Kirche oder in den Sozialen Medien.</p>
<p>Ich schaute mir zahllose Varianten an und fertigte davon spaßeshalber eine Synopse an, so wie es auch TheologInnen machen, wenn sie Bibel-Exegese betreiben und z.B. die Evangelien miteinander vergleichen, um sie zu deuten (Synopse siehe <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/08/synopse-bombeck-plagiate.pdf" target="_blank" rel="noopener">PDF</a>). Und in der Tat lesen sich diese Texte wie Bibeltexte und der Vergleich lohnt sich. Die VerfasserInnen betätigten sich wie MythenschreiberInnen, die mit jeder Überlieferung neue Veränderungen einbauen. Das Ganze hat ein solches Ausmaß angenommen, dass es mir vorkommt, als würde die Bibel gerade neu geschrieben! Und wir können davon tatsächlich lernen, wie die Bibel entstanden sein muss. Von einem Gott wurde sie jedenfalls nicht geschrieben.<br />
Aus &#8222;Gott&#8220; wurde der &#8222;liebe Gott&#8220;, &#8222;der Herr&#8220; oder &#8222;der Allmächtige&#8220; gemacht, der manchmal sogar geduzt wird, während &#8222;der Engel&#8220; immer gleichblieb. Immer wurden die Aufzählungen der &#8222;Kriterien&#8220;, &#8222;Spezifikationen&#8220;, &#8222;Wünsche&#8220;, &#8222;Lastenhefte&#8220;, &#8222;Aufgaben&#8220; oder &#8222;Anforderungsprofile&#8220; der Berufsgruppe angepasst, also z. B. &#8222;Gott antwortete: &#8218;Hast du dir das Lastenheft angesehen? Ein Rettungssanitäter muss in der Lage sein, … .'&#8220; Der Begriff &#8222;Lastenheft&#8220;<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a> ist dabei ein Indiz, dass der Text, in dem er auftaucht, möglichwerweise von einer/m IngenieurIn verbreitet wurde. Die Altenpflegerin, Erzieherin, Arzthelferin, Zahnarzthelferin etc. besitzen ein &#8222;Überlaufventil&#8220;, was vielleicht auf eine/n KlempnerIn als VerfasserIn hinweist.</p>
<h2 id="am-anfang-war-die-frau">Am Anfang war die Frau</h2>
<p>Irgendwann um 2018 tauchte auch die Variante &#8222;Frau&#8220; in den Sozialen Medien auf, wo sie massenhaft geteilt wurde. Nicht ich fand sie dort, sondern es war eine Freundin, die Balletttrainerin und ehemalige Solistin Jana Eva Ritzen. Weder sie noch ich wussten bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt etwas von der Existenz dieser großen &#8222;Textfamilie&#8220; oder ihres Ursprungs:</p>
<blockquote><p>&#8222;<strong>DIE FRAU. . . . . . . . .</strong><br />
Als Gott die Frau schuf, arbeitete er spät am 6. Tag &#8230;&#8230;.<br />
Ein Engel kam vorbei und fragte: &#8218;Warum so viel Zeit mit ihr verbringen?&#8216;<br />
Der Herr antwortete. &#8218;Hast du alle Spezifikationen gesehen, die ich treffen muss, um sie zu formen?&#8216;<br />
&#8218;Sie muss in allen möglichen Situationen funktionieren.<br />
Sie muss in der Lage sein, sich um mehrere Kinder gleichzeitig zu kümmern.<br />
Ihre Umarmung muss alles heilen können, von einem verletzten Knie bis zu einem gebrochenen Herzen.<br />
Sie muss das alles mit nur zwei Händen machen.<br />
Sie heilt sich selber und hält durch, wenn sie krank ist und kann 18 Stunden am Tag arbeiten. &#8218;<br />
DER ENGEL war beeindruckt &#8222;Nur zwei Hände &#8230;.. unmöglich!<br />
Und das ist das Standardmodell? &#8218;<br />
Der Engel kam näher und berührte die Frau &#8218;<br />
&#8218;Aber du hast sie so weich gemacht, Herr&#8216;.<br />
&#8218;Sie ist sanft&#8216;, sagte der Herr,<br />
&#8218;Aber ich habe sie stark gemacht. Du kannst dir nicht vorstellen, was sie ertragen und überwinden kann.&#8216;<br />
&#8218;Kann sie nachdenken?&#8216; fragte der Engel&#8230;<br />
Der Herr antwortete. &#8218;Sie kann nicht nur denken, sie kann argumentieren und verhandeln&#8216;<br />
Der Engel berührte ihre Wangen &#8230;.<br />
&#8218;Herr, es scheint, dass diese Schöpfung undicht ist! Du hast ihr zu viele Lasten auferlegt.&#8216;<br />
&#8218;Sie ist nicht undicht &#8230; es ist eine Träne&#8216; korrigierte der Herr den Engel &#8230;<br />
&#8218;Wofür ist das?&#8216; Fragte der Engel &#8230;..<br />
Der Herr sagte. &#8218;Tränen sind ihre Art, ihre Trauer auszudrücken, ihre Zweifel, ihre Liebe, ihre Einsamkeit, ihr Leiden und ihren Stolz.&#8216; &#8230;<br />
Das hat einen großen Eindruck auf den Engel gemacht,<br />
&#8218;Herr, du bist ein Genie. Du hast an alles gedacht.<br />
Eine Frau ist wirklich wunderbar &#8218;<br />
Der Herr antwortete . &#8218;In der Tat ist sie es.<br />
Sie hat Stärke, die einen Mann erstaunt.<br />
Sie kann mit Problemen umgehen und schwere Lasten tragen.<br />
Sie enthält Glück, Liebe und Meinungen.<br />
Sie lächelt, wenn sie schreien möchte.<br />
Sie singt, wenn sie weinen möchte, weint wenn sie glücklich ist und lacht, wenn sie Angst hat.<br />
Sie kämpft für das, woran sie glaubt.<br />
Ihre Liebe ist bedingungslos.<br />
Ihr Herz ist gebrochen, wenn ein Verwandter oder ein Freund stirbt, aber sie findet Kraft, um mit dem Leben weiterzumachen. &#8218;<br />
Der Engel fragte: Also ist sie ein perfektes Wesen?<br />
Der Herr antwortete: Nein. Sie hat nur einen Nachteil<br />
&#8218;Sie vergisst oft, was sie wert ist&#8216;.<br />
Verfasser unbekannt&#8220; [sic!]</blockquote>
<p>Jana schrieb mir, dass der Text auf einer Facebook-Seite über 1800mal ein Like oder ein Herzchen bekommen hätte, über 1700mal geteilt und über 300mal kommentiert worden sei, all das überwiegend von Frauen. Diese hätten sich davon so verstanden und wertgeschätzt gefühlt. Jana hätte das als regelrechtes Abfeiern und als Heroisierung der Leidensfähigkeit der Frau empfunden. Sie hätte davon &#8222;Würgereize&#8220; bekommen und wäre richtig wütend geworden. Sie wolle eigentlich dazu ihre Kritik posten, aber sie mache sich Sorgen, dass die Frauen, die das geherzt hatten und sich davon berührt fühlten, sich auf die Füße getreten fühlen könnten und sie angreifen würden.</p>
<p>Mein aller erster Gedanke war, dass der Text vergiftet ist, und das schrieb ich ihr zurück; vergiftet, dachte ich mir, wie der Apfel, den die böse Königin dem Schneewittchen reicht. Ich wollte nicht neudeutsch &#8222;toxisch&#8220; schreiben, denn ein Text ist von einem wahrhaftigen Menschen geschrieben und auch nicht giftig vom Himmel gefallen.<br />
Jana fragte mich darauf, ob das impliziere, dass der Mensch nichts dafür könne, wenn ein Text toxisch ist. Das ist eine gute Frage und leider lässt sie sich meiner Meinung nach nicht immer eindeutig beantworten, da wir alle Verletzungen und Haltungen in uns tragen, die an „geeigneter Stelle&#8220; unbewusst nach außen treten können, und natürlich gibt es auch böse Menschen, die ganz klar und absichtsvoll handeln.</p>
<p>Wie dem auch sei, erst konnte ich noch nicht recht in Worte fassen, was mich an dem Text stört, es hat eine Weile gedauert. Ich ahnte aber schon: Die Süße des Apfels ist die Wahrheit, dass es einerseits so ist, dass unsere Leistung nicht gewürdigt wird &#8211; weder in der Art, wie man uns begegnet, noch in finanzieller Hinsicht – und wir andererseits nach Anerkennung dursten. Damit werden wir hier geködert. Das Gift dieses Apfels befindet sich im Detail und es hat eine narkotisierende Wirkung.</p>
<p>Jana fragte mich, ob wir Menschen wirklich so blind sind, dass wir die patriarchalen Strukturen als &#8222;von der Natur&#8220; gegeben betrachten. Ich finde, ja und das ist so ein Detail: wir sind so blind &#8211; oder waren es zumindest einmal – und setzen die Natur irrigerweise mit einem männlichen, schöpfenden Vatergott gleich. Warum das so ist, und warum es nicht die Frauen waren, die das zuerst taten, darüber habe ich mir schon die Finger wund geschrieben: über das Patriarchat, das ein <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/frauen-woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" target="_blank" rel="noopener">Entführungsverbrechen</a> ist, mit dem wir alle versklavt werden und das uns mit seinen Religionen einredet, dass dies alles ganz natürlich sei. Und dass wir darauf mit dem Stockholm-Syndrom, also mit Kooperation als Überlebensstrategie, reagieren, besonders wir Frauen. Es bringt Menschen dazu, solche Texte zu schreiben und zu verbreiten und auch solchen Idealen zu huldigen.<br />
Und ich war mir ziemlich sicher, dass der Text von einem Mann geschrieben worden sein muss, und zwar einer, der sich erlaubt, eine Frau einfach anzutatschen (&#8222;Der Engel kam näher und berührte die Frau&#8220;, &#8222;Der Engel berührte ihre Wangen&#8220;), einer, der sich gerne von einer Frau bedienen lässt. So besehen haben all die Leserinnen den Zynismus nicht bemerkt, mit dem sie doch dazu aufgestachelt werden, sich NOCH mehr aufzuopfern.<br />
Wir waren uns sofort einig, dass das die totale Verhöhnung ist, denn diese Frauen im Netz sind auch noch so verblendet und bejubeln ihre eigene Ausbeutung! Jana empfand aber nicht, dass der Engel die Frau ungehörig oder lüstern berühren würde. Sie hatte das Bild einer Puppe bei der Erschaffung der Menschen &#8211; egal ob Mann oder Frau &#8211; vor Augen, und Puppen dürfe man(n) ja anfassen. DAS wiederum fand sie sogleich interessant!<br />
Ihre Wahrnehmung ist natürlich enger am Text und ich stehe dabei auch unter dem Eindruck eines Buches, das ich letztlich scharf kritisieren musste und in welchem Sexpuppen als sinnvoller Schutz vor Gewalt durch sexuell frustrierte Männer propagiert wurden. Auch wurde ich in letzter Zeit immer wieder in den Sozialen Medien auf Sexpuppen aufmerksam gemacht, die als Kinder gestaltet sind und im größten Onlinehandel bestellbar sind. Ich gehöre auch noch der Generation Frauen an, die erlebt hat, als wortwörtlich Puppe angesprochen zu werden, während ich keinen Mann kenne, dem das gleiche passiert ist. Für mich ist die Frau als Objekt männlichen Willens in diesem Text sehr deutlich und zudem sind männliche Puppen selten. Nur in der Bibel ist Adam auch so etwas wie eine Puppe, aus Lehm geknetet, wobei aber betont wird, dass Adam nach Gottes Abbild erschaffen worden sei, also kein Design ist, sondern eine perfekte Kopie, ein Klon. Damit muss Adam perfekt sein, ein Gott. Die Blasphemie ist in die Schöpfungssgeschichte untrennbar eingebaut, daher muss geglaubt werden, dass Gott die Bibel geschrieben habe und nicht veritable Männer.<br />
Der mutmaßliche Verfasser müsste also ein Alttestamentarier sein, einer, der von der männlichen Schöpfung und des Mannes als ihrer Krone überzeugt ist und der die Evolution leugnet. Dieser &#8222;geniale&#8220; Schöpfer dieses „genialen“ Textes schafft es ja auch, so viele Frauen hinters Licht zu führen.<br />
Und wenn es doch nicht ein Mann war, der das schrieb, so dachte ich mir, dann muss es eine sehr kooperative Frau gewesen sein.</p>
<h2 id="giftiges-lob">Giftiges Lob</h2>
<p>Aber das ist bei weitem noch nicht alles, die Details sind perfide versteckt, und Jana ließ auch nicht locker, sie wollte ganz genau wissen, was ihr diese Übelkeit bereitet hat. Dann wurde ihr klar, dass der Text aussagt, dass wir in dieser Beschreibung nur FAST perfekt sind, und nur, wenn wir uns in dieser Beschreibung jetzt auch noch selbst als wertvoll betrachten würden, dann wären wir perfekt.<br />
Als sie das sagte, dachte ich sofort an die Dynamik von dem Lob, das im Text mitschwingt. Ich kenne eine psychologische Studie zur Wirkung von Lob, nach der Prüflinge gar nicht von dem öffentlich zelebrierten Lob für ihre sehr gute Leistung &#8222;profitierten&#8220;, sondern diejenigen, die noch gar kein Lob erhalten hatten. Sie begannen sich noch mehr anzustrengen, um ebenfalls eine sehr gute Note zu erzielen.<a href="#_ftn4" name="_ftnref4">[4]</a></p>
<p>Das bedeutet, dass wir nicht nur angespornt werden, uns wertzuschätzen, sondern auch dazu, immer so weiter zu machen, arbeiten bis zum Umfallen, damit wir überhaupt Wertschätzung verdienen. Da wird dem dummen Esel die Möhre an der Angel vorgehalten, damit er immer weiter geht. Aber es ist völlig unmöglich, all den Ansprüchen, die täglich an uns gerichtet werden, gerecht zu werden. Wir Frauen sind dabei besonders geneigt, das für unser persönliches Versagen zu halten, daher fällt es uns schwer, uns offen wertzuschätzen. Aber es ist in Wirklichkeit die Folge des patriarchalischen Systems. Im Text steht dafür Gott, der die Frau unperfekt gemacht hat. Aber trotz noch so großen Lobes, wir werden all die Aufgaben niemals alleine lösen können! Das hat einen Grund, der auch nicht mit der Bibel erklärt werden kann, von ihr aber geleugnet wird: Wir sind als Menschen nicht perfekt an das &#8222;Biotop&#8220;, besser den Überlebensraum Patriarchat angepasst, weil uns etwas anderes evolutionär angeboren ist: ein Leben in Matrifokalität, wo es keine Überforderung gibt. Wir haben nicht wegen Gott, sondern allein dank Mutter Natur zwei Hände, und die haben all die Jahrmillionen ausgereicht, weil wir in unserer mütterlichen Sippe nie alleine auf uns gestellt waren.</p>
<p>Das Lob, die Note, der Orden, die Bewertung, die Bestätigung ist die narzisstische Strategie des patriarchalen Systems, aber auch des einzelnen Patriarchen, mit dem er sich über die zu Lobenden erhebt und mit dem er zugleich sein Ziel, dass noch mehr für ihn gearbeitet wird, erreicht. Es &#8222;profitieren&#8220; weder die Gelobten, noch die, die dem Lob nacheifern, sondern das System, für das sie arbeiten sollen. Prestige und Lob ersetzen im patriarchalen Umfeld die innige, bedingungslose Liebe. Weil wir bei all den Erwartungen nie ganz perfekt sind, werden wir süchtig nach immer mehr Bestätigung. Die Abhängigkeit wird immer stärker und auch die Ausbeutung.<br />
Das Opfer des Narzissten lernt, es sei niemals wertvoll und richtig, so wie wir Frauen es seit Jahrtausenden eingeredet bekommen und nur dann einen Wert beigemessen bekommen, wenn wir dem männlichen Anspruch gerecht werden. Für „Liebe“ müssen wir immer etwas leisten, sie wird uns nicht bedingungslos zuteil.</p>
<p>Aber da ist noch viel, viel mehr in diesem Text und jetzt wird es richtig bösartig! Da ist nämlich tatsächlich gar kein Lob und keine Wertschätzung für uns! Das ist nur unsere Interpretation des Textes, weil wir es gerne so hätten, denn wir wertschätzen uns sehr wohl, aber nur im Unterbewusstsein. Es ist unsere Projektion. Da ist tatsächlich nur das Staunen des Engels und seine Bewunderung für Gott: &#8222;Herr, du bist ein Genie. Du hast an alles gedacht.&#8220; Deshalb funktioniert auch die Strategie des Lobes wie in der Studie erklärt.<br />
Der Text appelliert &#8222;an den Gott in uns&#8220;, der uns angeblich so geschaffen hat, dass wir gottgleich &#8222;das alles mit nur zwei Händen schaffen&#8220;. Aber anstatt die Wertschätzung nun auch einzufahren zu können, muss die Frau sich wie gelähmt damit zufrieden geben, dass Gott sie einheimst! Nicht der Gott in ihr resp. die Göttin, sondern ein außenstehender Gott wird <strong>gelobt für etwas, das die Frau selbst tut</strong>, er saugt das Lob einfach ab und wird sogar zum Genie erklärt. Er reißt sich die Wertschätzung, die ihr gehört, einfach unter den Nagel. Er verweigert ihr zudem jede Selbstwertschätzung, sie darf nicht ins Bewusstsein dringen, er hat ihr ja diesen Fehler selbst eingebaut. Im Text lässt Gott sich als Genie feiern, er wird tatsächlich für seine Manipulationskünste gefeiert. Natürlich verweigert er der Frau seine Wertschätzung, er verachtet sie, auch weil sie nicht bemerkt, wie sie manipuliert wird! Sie kann es ja auch nicht, er hat sie so gemacht. Im gleichen Moment erdreistet sich dieser Zyniker resp. der zynische Verfasser, die Frau dafür zu kritisieren, nämlich, dass sie sich nicht selbst wertschätze! Das ist eine klassische Täter-Opfer-Umkehr!</p>
<p>Jana fühlte sich an dieser Stelle des Textes &#8222;aufs Schwerste missbraucht und ungerecht behandelt, weil über mich als Frau gesprochen wird wie über eine Maschine. Es ist nicht ein einziges Mal davon die Rede, was ICH will.&#8220;<a href="#_ftn5" name="_ftnref5">[5]</a> In der Tat, allein SEIN Wille geschieht. Sie arbeitet nicht für sich selbst, sondern nur für andere. Sie ist SEIN Projekt, ihr wird keine Zeit für eigene Projekte eingeräumt. Er ist das Subjekt, sie ist das Objekt, und das wird auch noch geheiligt.<br />
Jana hatte den Text von Anfang an dahingehend interpretiert, dass die Frau von Gott zwar so gebaut ist, sich so &#8222;von Natur aus&#8220; zu VERHALTEN, sich DAFÜR aber nicht wertschätzt &#8211; wie &#8222;Gott&#8220; es gerne hätte. Dazu hat Jana die weitsichtige Frage gestellt, ob es nicht der Traum des Patriarchats wäre, wenn wir Frauen uns auf dem für uns &#8222;vorgesehenen&#8220; Platz auch noch als vollwertig betrachten würden. Da kann ich nur beipflichten, denn die Erfüllung dieses Traumes wäre ja das Ende des Widerstandes gegen das Patriarchat. Wahrscheinlich hätte in diesem Moment das Patriarchat erstmals in der Erdgeschichte Einzug in die Genetik gehalten. Und weil das immer ein Traum bleiben wird, weil die <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">Female choice</a> ein Prinzip ist, das über der Genetik einer Spezies steht, gehen Männer nun einen anderen Weg, den ihnen Medizin und Technik ermöglichen. Sie machen sich von der Frau unabhängig, indem sie sich zur Frau erklären und sich Kinder über Leihmütter oder in naher Zukunft auch mit der sog. Künstlichen Gebärmutter beschaffen.</p>
<p>Jana findet, dass der Text einen Interpretationsspielraum offenlässt: &#8222;dass die Frau sich zwar nicht für das wertschätzt, wofür &#8218;Gott&#8216; sie gemacht hat, sich aber durchaus für etwas anderes wertschätzt &#8211; z.B. für das, was sie IST&#8220;<a href="#_ftn6" name="_ftnref6">[6]</a> &#8211; das ist übrigens das, was ich damit meine, dass sie sich unterbewusst sehr wohl wertschätzt – sie ergibt sich zwar in ihr &#8218;Schicksal&#8216; &#8211; es bleibt ihr ja auch fast nichts anderes übrig -, kann darin aber nichts Wertvolles für sich erkennen. Daher findet Jana auch, dass der Text exakt die Situation beschreibt, in der die meisten Frauen sich befinden und wie sie sich fühlen, und sie beklagt die falsche Reaktion auf das falsche Programm: &#8222;Doch anstatt für eine Veränderung der Umstände zu plädieren, wird die Lösung darin gesehen, wie schön es doch wäre, wenn die Frau sich für DAS einfach wertschätzen könnte. Und damit läge in diesem Text die innere Haltung der Frau nicht in der Macht Gottes.&#8220;<a href="#_ftn7" name="_ftnref7">[7]</a> Sie resümiert: &#8222;&#8218;Etwas&#8216; in uns Frauen ist stärker als &#8218;Gott&#8216;!&#8220;<a href="#_ftn8" name="_ftnref8">[8]</a><br />
Ich tue mich zwar mit Gottesvergleichen schwer, aber dass wir Frauen das starke Geschlecht sind, daran habe auch ich keine Zweifel, denn wir beweisen, dass wir den Laden am Laufen halten, obwohl alles so organisiert ist, dass wir sehr leiden. Aber auch wir haben das Recht, dass wir uns rundum wohl fühlen. Daher müssen wir selbst begreifen, wie wir manipuliert werden. Es reicht überhaupt nicht, dass wir uns einfach nur wertschätzen!</p>
<p>Jana erzählte mir dann von einem Modell zur Traumaheilung, mit der sie sich beruflich auch beschäftigt: “Im Wesentlichen trifft der Text, was bei Menschen mit Traumatisierungen in den Kernbedürfnissen ‚Einstimmung&#8216; und ‚Unabhängigkeit/Autonomie&#8216; als ‚auf Stolz basierenden Gegenidentifikationen&#8216; zum Ausdruck kommt. Diese Gegenidentifikationen haben wir wie eine zweite Haut über unsere &#8218;auf Scham basierenden Identifikationen&#8216; übergestülpt, damit wir nicht mehr spüren und fühlen müssen, wie es uns eigentlich geht und was uns am meisten Angst macht.“<a href="#_ftn9" name="_ftnref9">[9]</a><br />
Mit dem Bedürfnis ‚Einstimmung’ sei im sog. Neuroaffektiven Beziehungsmodell (&#8222;NARM&#8220;) zur Traumaheilung des Psychologen Laurence Heller<a href="#_ftn10" name="_ftnref10">[10]</a> gemeint, &#8222;dass unsere Bedürfnisse ausreichend erfüllt werden, weil unser Umfeld in der Lage ist, diese zu erkennen, sich auf sie einzustimmen und entsprechend zu handeln.&#8220;<a href="#_ftn11" name="_ftnref11">[11]</a><br />
Wäre dies in den ersten 18 Monaten unseres Lebens nicht der Fall (aus welchen Gründen auch immer &#8211; das müsse nicht zwingend mit Gewalt oder Drama zusammenhängen), entwickelten wir der Theorie zufolge Strategien, die uns das Überleben und die Bindung an die für uns zuständigen Bezugsperson(en) sichere. Diese sähe bei einer Traumatisierung in der Einstimmung folgendermaßen aus<a href="#_ftn12" name="_ftnref12">[12]</a>: &#8222;Wir haben den Zugang &#8218;zur Wahrnehmung und Äußerung unserer persönlichen Bedürfnisse&#8216;<a href="#_ftn13" name="_ftnref13">[13]</a> versperrt. Damit die Bindung zu unseren Bezugspersonen bestehen blieb, gaben wir &#8218;unsere eigenen Bedürfnisse auf, um (uns) nach den Bedürfnissen anderer zu richten, vor allem denen (unserer) Eltern.&#8216;<a href="#_ftn14" name="_ftnref14">[14]</a>&#8222;<a href="#_ftn15" name="_ftnref15">[15]</a><br />
Die Kernangst von Menschen mit Einstimmungs-Schwierigkeiten laute<a href="#_ftn16" name="_ftnref16">[16]</a>: &#8222;&#8218;Wenn ich meine Bedürfnisse äußere, werde ich zurückgewiesen und verlassen.&#8216;<a href="#_ftn17" name="_ftnref17">[17]</a>&#8222;<a href="#_ftn18" name="_ftnref18">[18]</a><br />
Diese Menschen würden sich dafür schämen, etwas zu brauchen. Sie hätten die Schlussfolgerung gezogen, dass es &#8218;falsch&#8216; sei, etwas zu brauchen.<br />
Sie würden sich abgrundtief dafür schämen, Bedürfnisse zu haben (&#8218;Auf Scham basierende Identifikation&#8216;).<a href="#_ftn19" name="_ftnref19">[19]</a>:<br />
&#8222;Weil wir den stechenden Schmerz dieser Scham verständlicherweise nicht spüren wollen (und auch niemand da ist, der uns durch dieses Gefühl hindurchbegleiten könnte), entwickeln wir eine auf Stolz basierende Gegenidentifikation, die sich darin zeigt, dass wir niemanden zu brauchen scheinen:</p>
<ul id="liste4">
<li>Wir sind mächtig stolz darauf, die starke Schulter zu sein, die für alle da ist.</li>
<li>Wir sind mächtig stolz darauf, diejenigen zu sein, die geben.</li>
<li>Wir sind mächtig stolz darauf, gebraucht zu werden und selbst niemanden zu brauchen.</li>
</ul>
<p>Bei einer Traumatisierung im Kernbedürfnis &#8218;Autonomie und Unabhängigkeit&#8216; haben wir den Zugang &#8218;zu einem authentischen Selbstausdruck&#8216;<a href="#_ftn20" name="_ftnref20">[20]</a> versperrt und reagieren &#8218;mit dem, was andere zu erwarten scheinen.&#8216;<a href="#_ftn21" name="_ftnref21">[21]</a> Damit die Bindung zu unseren Bezugspersonen bestehen blieb, gaben wir ‚die direkten Ausdrucksformen unserer eigenen Unabhängigkeit auf, um (uns) nicht verlassen oder erdrückt zu fühlen’.<a href="#_ftn22" name="_ftnref22">[22]</a>&#8222;<a href="#_ftn23" name="_ftnref23">[23]</a></p>
<p>Die Kernangst von Menschen mit Unabhängigkeit und Autonomie-Schwierigkeiten laute<a href="#_ftn24" name="_ftnref24">[24]</a>:<br />
&#8222;&#8218;Wenn mich die Leute wirklich kennen würden, würden sie mich nicht mögen.&#8216;<a href="#_ftn25" name="_ftnref25">[25]</a> Diese Menschen schämen sich dafür, so zu sein, wie sie sind. Sie haben die Schlussfolgerung gezogen, dass sie ‚falsch‘ sind (auf Scham basierende Identifikation).<br />
Eine auf Stolz basierende Gegenidentifikation zeigt sich darin, dass wir unglaublich stolz darauf sind, wieviel wir tragen und aushalten können. Wie im Text: &#8218;Sie muss in der Lage sein, sich um mehrere Kinder gleichzeitig zu kümmern. Ihre Umarmung muss alles heilen können, von einem verletzten Knie bis zu einem gebrochenen Herzen. Sie muss das alles mit nur zwei Händen machen und hält durch, wenn sie krank ist und kann 18 Stunden am Tag arbeiten.'&#8220;<a href="#_ftn26" name="_ftnref26">[26]</a></p>
<p>Weitere Merkmale der auf Stolz basierenden Gegenidentifizierung bei dieser Traumatisierung seien<a href="#_ftn27" name="_ftnref27">[27]</a>:<br />
“Wir leiden am &#8218;<em>good girl</em>&#8218;-Komplex, sind immer &#8217;nett, liebenswürdig und gefügig&#8216;<a href="#_ftn28" name="_ftnref28">[28]</a>. Groll spielt sich nur in unserem Inneren ab und wir würden diesen Groll NIEMALS einem anderen Menschen direkt gegenüber äußern. Wir haben eine furchtbare &#8218;Angst, andere zu enttäuschen&#8216;<a href="#_ftn29" name="_ftnref29">[29]</a>. Wie im Text: &#8218;Sie lächelt, wenn sie schreien möchte. Sie singt, wenn sie weinen möchte, (&#8230;) lacht, wenn sie Angst hat.'&#8220;<a href="#_ftn30" name="_ftnref30">[30]</a><br />
Auswirkungen in einer Beeinträchtigung dieses Kernausdrucks zeige sich durch Folgendes<a href="#_ftn31" name="_ftnref31">[31]</a>: &#8220;</p>
<ul id="liste4">
<li>Wir können nicht NEIN sagen. Wir können keine Grenzen setzen.</li>
<li>Wir quetschen unser eigenes Leben immer zwischen das der anderen, gehen dem, was uns wirklich am Herzen liegt, heimlich nach, aus Angst, es könnte uns von jemandem genommen werden.</li>
<li>Wir haben panische Angst davor, zu wachsen und uns (energetisch) auszudehnen.&#8220;<a href="#_ftn32" name="_ftnref32">[32]</a></li>
</ul>
<p>Diese, Janas Ausführungen lösten bei mir einen Aha-Effekt aus in Bezug auf das <a href="https://marthastochter.wordpress.com/2019/09/06/das-patriarchale-stockholm-syndrom/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kollektive Stockholm-Syndrom</a> (nach Stephanie Gogolin). Das sog. NARM-Modell erklärt gut, was mit den Menschen konkret passierte und heute immer noch aufs Neue passiert, nachdem sich das Stockholm-Syndrom durch Ur-Traumatisierung tradiert, also allgemein verinnerlicht hatte, &#8222;kollektiv&#8220; wurde. Das erste Opfer des Patriarchats, sozusagen das Ur-Opfer, war noch kein von Beginn an traumatisiertes Kind, sondern eine (wahrscheinlich fast) erwachsene Frau, die in einer matrifokalen Sippe aufgewachsen war, also auch nicht nur in den ersten 18 Monaten all das bekommen hatte, was zu einer liebevollen Bindung in der Sippe dazugehörte. Erst durch die Überforderung des Ur-Opfers, dieser Frau, ist dann der im Modell beschriebene Effekt eingetreten, nämlich, dass sie als allererste patriarchalisierte Mutter ihren eigenen Kindern nicht mehr das geben konnte, was sie einst selbst noch mitbekommen hatte. Wahrscheinlich war sie nicht stolz, sondern einfach nur froh, dass sie es überhaupt irgendwie hingekriegt hat, denn sie wusste ja noch ganz genau, was ihr fehlte. In der Folge wurden die Kinder und Kindeskinder immer wieder aufs Neue traumatisiert, wobei auch die Entführungssituation in Form der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Patrilokalit%C3%A4t" target="_blank" rel="noopener">Patrilokalität</a> erhalten blieb. Wir wissen heute nicht mehr, wie leicht es sein könnte, wir können uns nur noch mit denen vergleichen, die noch weniger Unterstützung haben oder denen, die &#8222;privilegiert&#8220; sind (Goldener Käfig).</p>
<p>Geiseln &#8211; sagen wir bei einem Banküberfall &#8211; haben Todesangst, entwickeln nach längerer Zeit aber Sympathie oder sogar Liebe für den Täter (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom" target="_blank" rel="noopener">Stockholm-Syndrom</a>). Erst dann beginnen sie zu kooperieren, ohne noch ihre Erpressung zum Stillhalten wahrzunehmen. Wenn der Täter dann ein positives Feedback gibt, z.B. Mitleid zeigt, lobt oder gar sich verliebt (<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Stockholm_syndrome#Lima_syndrome" target="_blank" rel="noopener">Lima-Syndrom</a>) &#8211; weil er beginnt, unter seiner selbstgemachten Überforderung zu leiden -, beginnt das Opfer zu glauben, alles richtig zu machen und davonzukommen; die Strategie des Opfers geht sozusagen auf, was es natürlich als solche nicht einmal erkennen muss. Das Opfer kann sich dessen aber nicht sicher sein, weil der Täter weiter eine Waffe in der Tasche hat. Die Sache beginnt daher, sich spiralförmig zu verselbstständigen. Irgendwann, wenn Liebe zum Täter ins Spiel kommt, kann sich auch Stolz entwickeln. Das Opfer ist stolz, alles richtig zu machen, es ist sogar stolz auf den Mut und &#8222;Ruhm&#8220; des Täters, der vielleicht irgendwann, so beginnt es zu glauben, auf das Opfer abfärbt.</p>
<p>Wir können hier sehen, dass und wie Stolz erst vom Patriarchat erzeugt wird. Es ist ein ganz eigenartig degeneriertes Gefühl von Freude und Erleichterung, es ist gemischt, oder sagen wir &#8222;toxisch verrührt&#8220;, mit vermeintlich besiegter Existenzangst. Es ist eine Form von Missbrauch. Wenn es dann heißt: &#8222;Darauf kannst Du stolz sein&#8220;, sollten unsere Alarmglocken zu läuten beginnen.<br />
Die sog. &#8222;auf Stolz basierende Gegenidentifikation&#8220; trifft in unserem Beispiel auch die Polizei NRW mit voller Wucht. In ihrem Stolz ist sie unfähig nach dem wahren Namen der Verfasserin zu fahnden, obwohl auch da schon spürbar ist, dass der Text nicht echt sein kann. Die Wahrheit wäre zu ernüchternd.</p>
<p>Die mentale Arbeit, die die Geisel leistet, ist Schwerstarbeit, die völlig allein zu erledigen ist. Sie muss alles, was einmal galt, über den Haufen werfen, die Wahrheit, die Selbstachtung und ihre Menschenrechte. Im patriarchalen Alltag kommt diese mentale Arbeit zur Alltagsarbeit noch hinzu. Da wir alle bis heute in jeder Generation schon bei der Geburt aus unserer Ursprungssippe gerissen werden und in der überforderten Familie aufwachsen müssen, haben wir die 18 Monate gar nicht, in denen unsere Bedürfnisse voll umfänglich gestillt werden könnten. Diese Frist empfinde ich mit meiner Erfahrung als Mutter und mit meinem Wissen als Patriarchatsforscherin auch als willkürlich, da wir von Natur aus lebenslang Menschenkinder bleiben und in unserer Sippe verbleiben würden. Heller/LaPierre erliegen hier m. E. der patriarchalen Norm, nach der die patriarchale Schonfrist einer jungen Mutter spätestens nach 18 Monaten abläuft. In der Realität hat eine Mutter aber keinerlei Schonfrist. Mindestens muss sie sofort nach der Geburt wieder einen flachen, sexy Bauch haben und ihre <em>Fuckability</em><a href="#_ftn33" name="_ftnref33">[33]</a> erneuern.<br />
Auch noch als Erwachsene, ob Frau oder Mann, erleiden wir immer neue Traumatisierung durch Lieblosigkeit und mangelnde Unterstützung, ein Umstand, den das Modell, das sich lediglich mit Entwicklungstraumen befasst, nicht abdeckt<a href="#_ftn34" name="_ftnref34">[34]</a>, der aber mit dem Kollektiven Stockholm-Syndrom seine Erklärung findet. Sind wir vielleicht gerade dabei, das eine Trauma halbwegs wegzustecken, passiert schon das nächste. Diese Kette an Traumatisierungen ist sozusagen die Waffe, die der Täter immer wieder zückt, ohne abzudrücken. Das ist der Motor der Spirale aus der Sucht nach Anerkennung und der Überforderung.</p>
<p>Im Text &#8222;Frau&#8220; wird auch noch unsere Fähigkeit nachzudenken infrage gestellt, uns, die wir als erste Opfer des Patriarchats mental und körperlich unentwegt am meisten und noch dazu unentgeltlich zu arbeiten haben! Dies passiert, indem der &#8222;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_den_physiologischen_Schwachsinn_des_Weibes" target="_blank" rel="noopener">physiologische Schwachsinn des Weibes</a>&#8220; als Mythos reproduziert wird, eine unfassbare Frechheit: Während der Engel nun bei allen Berufsgruppen nach ihrer Denkfähigkeit fragt, fragt er, ob die Frau &#8222;nachdenken&#8220; kann. Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Bei der Frau zweifelt der mutmaßliche Verfasser resp. der Engel nämlich konkret daran, dass sie logisch und in Konsequenzen denken kann, während dies bei den Berufsgruppen vorausgesetzt ist, und nur grundsätzlich nachgefragt wird, ob es sich quasi nicht um einen ferngesteuerten Roboter handelt, also ganz getreu dem literarischen Konzept des Produktdesigns. Bejubeln wir nun die vermeintliche Wertschätzung unserer Leistung, werden wir endgültig vorgeführt und dafür verhöhnt, dass wir nicht in der Lage sind, logisch zu denken und zu erkennen, wie bösartig der Text eigentlich ist, eine doppelte Verhöhnung.<br />
Im gleichen Moment dieser mentalen Übergriffigkeit kommt es auch zu der sexuellen Übergriffigkeit: Bei den Varianten &#8222;Rettungssanitäter&#8220; und &#8222;Rettungsassistenten&#8220; berührte der Engel Gott, um ihn fürsorglich zum Ausruhen aufzufordern. Alle Berufsgruppen berührte der Engel mit dem Finger, aber um die Flüssigkeit zu prüfen. Nicht so bei der Frau, die der Engel gleich zweimal anfasst, um festzustellen, wie weich sie sei und wie nass sie ist. Wir dürfen uns einen lüstern und fies grinsenden Engel mit einem Messer in der Tasche vorstellen, wie er um die Frau abschätzig herumgeht, sie ungefragt betatscht, sie aber unfähig ist, sich dagegen zu wehren, ihm vielleicht noch starr vor Angst und Wut mit den Augen folgt.</p>
<p>Wenn wir diesen giftigen Text als Wertschätzung schlucken, beweisen wir tatsächlich die Unfähigkeit uns selbst wertzuschätzen, ganz wie in der letzten Zeile. Wir werden vorgeführt und die Parasiten haben gewonnen: Der Engel hat seinen Spaß, Gott hat seinen Spaß, der Verfasser hat seinen Spaß und so mancher Leser. Wir haben alles über uns ergehen lassen. Wir sind verraten, verkauft, ausgebeutet, verhöhnt und verachtet.</p>
<p>Dabei brauchen wir gar keine Wertschätzung von den Männern, weil wir wertvoll SIND. Auch das ist uns angeboren, denn nur weil wir geliebt wurden, sind wir immer noch am Leben, und nur wir FRAUEN können Leben geben. Die Verachtung ist der pure Neid um unsere Fähigkeit.<br />
Aber es gibt auch eine Ironie in dieser Geschichte: Männer, die Geschichten schreiben, in denen fehlerfreie Männer uns absichtlich Fehler einbauen, verraten sich. Genau das tut das Patriarchat, die Herrschaft der Väter, nämlich seit seinen Anfängen. Dadurch, dass wir nicht unser angeborenes matrifokales Sozialverhalten leben dürfen, Männer wie Frauen, reagieren wir mit Krankheit und machen ungewollt schon unsere Kinder und mitunter schamlos unsere Mitmenschen krank.</p>
<p>Die Liebe, die uns von Natur aus in der Sippe freigiebig zuteil würde, weil wir SIND, wird uns Frauen im Patriarchat schon als kleines Mädchen entzogen, wenn wir die Kindheit überhaupt überleben. Wir befinden uns daher in permanenter Überlebensangst, fast wie die Geisel in der Bank. Bald fühlen wir uns tatsächlich wertlos und tun alles dafür, dass die Lieblosigkeit aufhört, interpretieren in jeden trockenen Brosamen, der uns vorgeworfen wird, ein fürstliches Mahl hinein und dienen bis zum Umfallen.<br />
Nicht ein Bankraub, sondern allein bedingungslose, verlässliche, Unterstützung bereichert nachhaltig, und nicht einfach &#8222;Lieben&#8220; oder Wohltätigkeit. Aber wer hilft, bekommt immer auch ein gutes Gefühl zurück und kann tatsächlich auch selbst solche Unterstützung erwarten. Das ist der uns allen angeborene sog. egoistische Altruismus<a href="#_ftn35" name="_ftnref35">[35]</a>, den zu leben wir uns verkneifen, weil wir längst überfordert sind. So werden Opfer zu Tätern, mindestens wegen unterlassener Hilfeleistung. Es gehört daher zum System, dass die Lieblosigkeit nicht aufhört. Es tut nur manchmal so, indem es lobt. Wir brauchen aber kein Lob, es ist Gift. Wir brauchen, dass alles so ist, dass wir uns gut fühlen können und unserem Sein Ausdruck verleihen können.<br />
Das Patriarchat ist dagegen vollkommen eigennützig, nichts geschieht ohne Hintergedanken. Hauptsache ist in der Tat das Wohl des Mannes, alles andere ist zweitrangig. Die Frau darf sich nur wohlfühlen, wenn daraus auch ein Vorteil für den Patriarchen erwächst. Daher baut Gott sich in der Bibel eine Frau, damit er nicht &#8222;alleine sei&#8220;, sprich, damit er die wesentliche Arbeit nicht selbst machen muss und sich an ihr ergötzen kann.</p>
<h2 id="der-fund-des-originals">Der Fund des Originals</h2>
<p>Um dem Ding an die Wurzel zu gehen, man nennt das übrigens auch Radikalität, machte ich mich auf die Suche nach dem mutmaßlichen Urheber, wohlbemerkt, wir beide kannten zu Beginn nur die Variante &#8222;Frau&#8220;. Ich fand zunächst stattdessen die vielen anderen Varianten dieses Textes, und auf der Suche nach der ältesten schließlich auch das PDF mit dem Text für die Polizei, VON der Polizei veröffentlicht. In der Suchmaschine meiner Wahl fand ich endlich einen Eintrag, wonach der Text auf die amerikanische Autorin ERMA BOMBECK zurückgehe und in ihrem Buch &#8222;Vier Hände und ein Herz voll Liebe (1976)&#8220; abgedruckt sei. Also eine Frau? Ich war perplex! Bei Wikipedia fand ich die Information, dass Erma Bombeck eine Hausfrau gewesen sei, die mit &#8222;humorvollen Büchern und Zeitungskolumnen große Popularität erreicht&#8220; hätte. Also eine brave, amerikanische Hausfrau, nicht durch Feminismus aufgefallen?<br />
Weit gefehlt! Wir müssen nur woanders nachsehen: Bei fembio.org gibt es eine Biographie, geschrieben von der großartigen Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch. Demnach war Erma Bombeck zwar zwischenzeitlich Hausfrau, aber sie wollte mit ihren Texten nicht das Herz anrühren oder einfach zum Lachen bringen, sondern ihre Texte waren echte Patriarchatskritik! Mit &#8222;beißendem Sarkasmus&#8220; blickte sie auf die Lebenswelt der Frauen, und ihre Kritik an Gatten und Kindern konnte &#8222;ätzend&#8220; sein. Luise Pusch trug auch einige Zitate zusammen, aus denen hervor geht, dass die gläubige Katholikin durchaus subtile und &#8222;blasphemische&#8220; Religionskritik übte: &#8222;God created man, but I could do better.&#8220;<a href="#_ftn36" name="_ftnref36">[36]</a><br />
Auf der Website der Erma Bombeck Collection<a href="#_ftn37" name="_ftnref37">[37]</a>, die übrigens das Copyright an allen ihren Texten hält (!), erfahren wir, dass sie 1949 einen Abschluss in Englisch an der katholischen University of Dayton erworben hatte und schließlich auch den Doktorgrad erreichte. Als Dozentin machte sie sich ebenfalls einen Namen. Am 22. April 2021 war ihr 25. Todestag, die 70jährige Schutzfrist für UrheberInnen läuft damit erst in 45 Jahren ab.</p>
<p>Das ist natürlich ein Paukenschlag: Eine schwere Urheberrechtsverletzung, legitimiert durch die Polizei NRW und zahllose immer schlechtere Plagiate &#8222;unbekannter VerfasserInnen&#8220;. Und es scheint meist völlig unnötig, die wahre Autorin zu nennen, wenn in seltenen Fällen doch, dann in dreister Weise „nach Erma Bombeck“ oder gar falsch geschrieben! Als ich Jana das berichtete, beschaffte sie sofort das Ebook, in dem der Text in deutscher Sprache nachzulesen ist. Er erschien ursprünglich im amerikanischen Original als Kolumne einer Zeitung, und zwar am Muttertag 1977. Der amerikanische Verlag vermarktet diesen Text übrigens als &#8222;Hommage an die Mütter&#8220;! Auf der Website einer Schweizer Kirchengemeinde erfahren wir, dass der Text mit dem Ende &#8222;die Träne, die Träne ist das Überlaufventil!&#8220; als &#8222;<a href="http://www.ref-eichberg-oberriet.ch/joomla/2017-05-15%20Predigt%20und%20Beispielgeschichte.pdf" target="_blank" rel="noopener">Muttertagsgeschichte von Erna Brombeck</a>&#8220; [sic!] in einer Predigt verlesen wurde. Da hat ein Pfarrer also seine exegetischen Hausaufgaben nicht gemacht!</p>
<p>Nun erst wurde das ganze, riesige Ausmaß der Fälschung deutlich. Der Text wurde regelrecht vergewaltigt. Es geht nämlich in Wahrheit um die MUTTER und die Aussage ist eine völlig andere:</p>
<blockquote><p>&#8222;<strong>ALS DER LIEBE GOTT DIE MUTTER SCHUF</strong></p>
<p>Als der liebe Gott die Mutter schuf, machte er bereits den sechsten Tag Überstunden.<br />
Da erschien der Engel und sagte: &#8218;Herr, Ihr bastelt aber lange an dieser Figur.&#8216;<br />
Der liebe Gott sprach: &#8218;Hast du die speziellen Wünsche auf der Bestellung gelesen?</p>
<ul id="liste4">
<li>Sie soll vollwaschbar, darf aber nicht aus Plastik sein;</li>
<li>sie soll 160 bewegliche austauschbare Teile haben;</li>
<li>sie soll von Essensresten und schwarzem Kaffee leben können;</li>
<li>sie soll einen Schoß haben, den man nicht mehr sieht, wenn sie aufsteht;</li>
<li>ihr Kuß soll alles heilen, vom Beinbruch bis zum Liebeskummer;</li>
<li>sie soll sechs Paar Hände haben.&#8216;</li>
</ul>
<p>Da schüttelte der Engel verwundert den Kopf und sagte: &#8218;Sechs Paar Hände? Das wird kaum zu machen sein, oder?&#8216;<br />
&#8218;Die Hände machen mir kein Kopfzerbrechen&#8216;, sagte der liebe Gott. &#8218;Aber die drei Paar Augen, die eine Mutter haben muß!&#8216;<br />
&#8218;Gehören die denn zum Standardmodell?&#8216; fragte der Engel.<br />
Der liebe Gott nickte.<br />
&#8218;Ein Paar, das durch geschlossene Türen blickt, während sie fragt: ›Was macht ihr Gören denn da drin?‹, obwohl sie es längst weiß.<br />
Ein zweites Paar im Hinterkopf, mit dem sie sieht, was sie nicht sehen soll, aber wissen muß.<br />
Und natürlich noch dieses Paar hier vorn, aus denen sie ein Kind ansehen kann, das sich unmöglich benimmt, und die sagen: &#8218;Ich verstehe dich und habe dich sehr lieb‹, ohne daß sie ein einziges Wort spricht.&#8216;<br />
&#8218;O Herr&#8216;, sagte der Engel und zupfte ihn leise am Ärmel. &#8218;Geht schlafen. Macht morgen weiter.&#8216;<br />
&#8218;Ich kann nicht&#8216;, sprach der liebe Gott, &#8218;denn ich bin nahe daran, etwas zu schaffen, das mir einigermaßen ähnelt.<br />
Ich habe bereits geschafft, daß sie sich selber heilt, wenn sie krank ist, daß sie eine sechsköpfige Familie mit einem Pfund Gehacktem satt bekommt und einen Neunjährigen dazu bewegen kann, sich unter die Dusche zu stellen.&#8216;</p>
<p>Der Engel ging langsam um das Modell der Mutter herum. &#8218;Zu weich&#8216;, seufzte er.<br />
&#8218;Aber zäh&#8216;, sagte der liebe Gott energisch. &#8218;Du glaubst gar nicht, was diese Mutter alles leisten und aushalten kann.&#8216;<br />
&#8218;Kann sie denken?&#8216;<br />
&#8218;Nicht nur denken, sondern sogar urteilen und Kompromisse schließen&#8216;, sagte der Schöpfer.<br />
Schließlich beugte sich der Engel vor und fuhr mit einem Finger über die Wange des Modells.<br />
&#8218;Da ist ein Leck&#8216;, sagte er. &#8218;Ich habe Euch ja gesagt, Ihr versucht, zu viel in dieses Modell hineinzupacken.&#8216;<br />
&#8218;Das ist kein Leck&#8216;, sagte der liebe Gott, &#8218;das ist eine Träne.&#8216;<br />
&#8218;Wofür ist die?&#8216;<br />
&#8218;Die fließt bei Freude, Trauer, Enttäuschung, Schmerz, Verlassenheit und Stolz.&#8216;<br />
&#8218;Ihr seid ein Genie&#8216;, sagte der Engel.<br />
Da blickte der liebe Gott traurig.<br />
&#8218;Die Träne&#8216;, sagte er, &#8218;ist nicht von mir.'&#8220;<a href="#_ftn38" name="_ftnref38">[38]</a></p></blockquote>
<p>Dieser Originaltext drückt mit dem, was über Erma Bombeck bekannt ist, keine Wertschätzung von wem auch immer aus, sondern ist beißende, sarkastische Kritik daran, was den Müttern &#8211; und nur den Müttern &#8211; aufgehalst wird, ohne dass ihnen geholfen wird und ohne, dass sie dafür entlohnt werden. Auch wenn der Text aus dem Neunzehnhundertsiebziger Jahren stammt, so zeigt doch die Statistik, dass sich daran bis heute wenig geändert hat und es den alleinerziehenden Müttern sogar noch schlechter geht. All die Herzchen in den Sozialen Medien am Plagiat &#8222;Frau&#8220; zeigen, wie groß das Ausmaß der Überlastung ist. Leider verwechseln all diese Frauen aber diese Form toxischer Männlichkeit mit Anerkennung.<br />
Der tiefgründige originale Schlusssatz &#8222;&#8218;Die Träne&#8216;, sagte er, &#8218;ist nicht von mir.'&#8220; ist die entscheidende Stelle, die dem ganzen Text erst seinen Sinn verleiht, aber er fehlt in allen von uns gefundenen Plagiaten. Welch eine unfassbare Dreistigkeit! Das Plagiat &#8222;Frau&#8220; endete mit:<br />
&#8222;Der Engel fragte: Also ist sie ein perfektes Wesen?<br />
Der Herr antwortete: Nein. Sie hat nur einen Nachteil<br />
&#8218;Sie vergisst oft, was sie wert ist&#8216;.&#8220;</p>
<p>Das sagt aus: Der Wert der Frau besteht in ihrer Arbeitsfähigkeit und <em>Fuckability</em>, sie ist nicht wertvoll aus sich selbst. Niemand hat es nötig, ihr Wertschätzung entgegenzubringen; wenn sie welche haben will, soll sie sich eben selbst wertschätzen. Ein Tritt in den Hintern.</p>
<p>Das Original &#8222;&#8218;Die Träne&#8216;, sagte er, &#8218;ist nicht von mir.'&#8220; sagt: Ihre Gefühle hat sie aus sich selbst und sie sind berechtigt, weil ihr Leben, das das Patriarchat ihr bereitet, eine Zumutung ist.<br />
Mit dem Wissen, das wir heute haben, sagt es uns auch, dass dieser Herr Gott gar keine Macht über die Mutter hat, er hat sie gar nicht selbst ersonnen. Er ist nur der schlechte Plagiator der Evolution. Und der Engel ist sein Mephistopheles.</p>
<p>Auch der sexuelle Übergriff aus dem Plagiat &#8222;Frau&#8220; ist im Original keiner. Dort streicht der Engel mit dem Finger über die Wange, um die Flüssigkeit zu prüfen. Es ist schlicht ein Warentest am Standardmodell, das in das literarische Konzept passt.<br />
Damit konnte Jana sich nun &#8222;der Interpretation des &#8218;Antatschens&#8216; zumindest öffnen&#8220;<a href="#_ftn39" name="_ftnref39">[39]</a>, weil der Engel die Frau &#8222;im Original nur 1x an der Wange berührt, während es im Frau-Text offen bleibt, wo er sie beim ersten Mal berührt, als er feststellt, sie sei zu weich.&#8220;<a href="#_ftn40" name="_ftnref40">[40]</a> Mit der Synopse wurde die Intention des Verfassers objektiv entlarvt. Da, wo er sich festhakt, wo er ausschmückt, da ist es ihm wichtig.</p>
<p>Dass die mutmaßliche Verfasserin des ersten Plagiats &#8222;Polizei&#8220; Bombecks Botschaft nicht begriffen hat, ist für die wahre Autorin tragisch bis verheerend. Diese humorige, &#8222;nette&#8220; Art, das Patriarchat zu kritisieren, hat offensichtlich nicht funktioniert, außer, dass sie sich gut verkaufen ließ, weil der Text allzu leicht missverstanden werden kann. Er nimmt vielleicht etwas Druck aus dem Kessel, aber verändern tut er nichts. Stattdessen gibt es immer wieder einen Backlash, der hier von den Plagiaten repräsentiert wird. Der ursprüngliche Sinn wird ins absolute Gegenteil verdreht. Er zielte einst auf die überlastete und unbezahlte Mutter, das unterste Glied der Gesellschaft und doch ihr wesentliches Standbein. Daraus machte der Verlag &#8222;eine Hommage an die Mütter&#8220; und die erste Plagiatorin ein Loblied auf die männliche dominierte Polizei (2000: 80% Männer<a href="#_ftn41" name="_ftnref41">[41]</a>), die, wenn auch nicht allzu hoch bezahlt, doch mit Beamtentum gut abgesichert und versorgt ist. In diesem Moment sind alle Dämme gebrochen und der Text wurde zum Freiwild. Alle Indizien sprechen dafür, dass der Text über die Frau von einem Mann geschrieben wurde, der am Ende den Triumph davongetragen hätte &#8230; wenn nicht eine Ballerina einen Würgereiz erlitten hätte.</p>
<p>Gabriele Uhlmann mit Jana Eva Ritzen, Braunschweig, August 2021</p>
<h2 id="anhang">Anhang Synopse</h2>
<p>Synopse siehe <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/08/synopse-bombeck-plagiate.pdf" target="_blank" rel="noopener">PDF</a></p>
<h2 id="update1">Anhang &#8222;Die eierlegende Wollmilchsau&#8220;, Update Oktober 2021</h2>
<p>Der Landbauernverband Schleswig-Holstein setzt auf seiner <a href="https://www.facebook.com/BauernverbandSchleswigHolstein/photos/a.329685690456055/4562232267201355/" target="_blank" rel="noopener">Facebock-Seite</a> dem Fall die Krone auf und führt uns die Viehzüchter-Mentalität des Patriarchats vor Augen. Die &#8222;eierlegende Wollmilchsau&#8220; ist zweifelos von der Textfamilie &#8222;inspiriert&#8220;. Siehe hier meine ausführliche Analyse im <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/10/eierlegende-wollmilchsau-bombeck-plagiate.pdf" target="_blank" rel="noopener">PDF als Anhang</a>.</p>
<h2 id="anmerkungen">Anmerkungen</h2>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Arbeitsgemeinschaft der Schwerbehindertenvertretungen Polizei NRW</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> <a href="https://www.agsv-polizei-nrw.de/app/download/5785416558/Als_Gott.pdf">https://www.agsv-polizei-nrw.de/app/download/5785416558/Als_Gott.pdf</a> abgerufen am 11.08.2021</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> Ein Lastenheft ist eine Auflistung aller Anforderungen bei der Entwicklung eines technischen Produktes.</p>
<p><a href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a> <a href="https://www.spektrum.de/news/wem-lob-wirklich-nutzt/1438800">https://www.spektrum.de/news/wem-lob-wirklich-nutzt/1438800</a> abgerufen am 11.08.2021</p>
<p><a href="#_ftnref5" name="_ftn5">[5]</a> Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref6" name="_ftn6">[6]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref7" name="_ftn7">[7]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref8" name="_ftn8">[8]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref9" name="_ftn9">[9]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref10" name="_ftn10">[10]</a> Heller, Laurence; LaPierre, Aline: Entwicklungstrauma heilen: Alte Überlebensstrategien lösen &#8211; Selbstregulierung und Beziehungsfähigkeit stärken &#8211; Das Neuroaffektive Beziehungsmodell zur Traumaheilung NARM. München 2013.</p>
<p><a href="#_ftnref11" name="_ftn11">[11]</a> Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref12" name="_ftn12">[12]</a> Paraphrasiert aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref13" name="_ftn13">[13]</a> Vgl. Heller/LaPierre 2013, S. 53</p>
<p><a href="#_ftnref14" name="_ftn14">[14]</a> Vgl. Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref15" name="_ftn15">[15]</a> Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref16" name="_ftn16">[16]</a> Paraphrasiert aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref17" name="_ftn17">[17]</a> Vgl. Heller/LaPierre 2013, S. 78</p>
<p><a href="#_ftnref18" name="_ftn18">[18]</a> Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref19" name="_ftn19">[19]</a> Paraphrasiert aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref20" name="_ftn20">[20]</a> Vgl. Heller/LaPierre 2013, S. 53 (s. FN 10)</p>
<p><a href="#_ftnref21" name="_ftn21">[21]</a> Vgl. ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref22" name="_ftn22">[22]</a> Vgl. ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref23" name="_ftn23">[23]</a> Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref24" name="_ftn24">[24]</a> Paraphrasiert aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref25" name="_ftn25">[25]</a> Vgl. Heller/LaPierre 2013, S. 108 (s. FN 10)</p>
<p><a href="#_ftnref26" name="_ftn26">[26]</a> Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref27" name="_ftn27">[27]</a> Paraphrasiert aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref28" name="_ftn28">[28]</a> Vgl. Heller/LaPierre 2013, S. 108 (s. FN 10)</p>
<p><a href="#_ftnref29" name="_ftn29">[29]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref30" name="_ftn30">[30]</a> Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref31" name="_ftn31">[31]</a> Paraphrasiert aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref32" name="_ftn32">[32]</a> Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref33" name="_ftn33">[33]</a> Das Wort <em>fuckability</em> bezeichnet auf derbe Weise die sexuelle Attraktivität einer Frau. Das Wort kam in den 2010er Jahren als Anglizismus auf, nachdem seit den 1990er Jahren Frauen, die sich dem männlichen sexuellen Diktat anpassen, als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/MILF_(Ausdruck)" target="_blank" rel="noopener">MILF</a> (engl. &#8222;Mother I&#8217;d Like to Fuck&#8220;) bezeichnet wurden.</p>
<p><a href="#_ftnref34" name="_ftn34">[34]</a> Die AutorInnen weisen daraufhin, dass Menschen mit einer sog. Kontakt-Überlebensstruktur unter einer &#8222;systematischen Dysregulation&#8220; und einem &#8222;eingeschränkten Resilienzspielraum&#8220; leiden, &#8222;was anfällig für spätere Traumen&#8220; mache (Vgl. Heller/LaPierre 2020, S. 59 und 164 ff). Die sog. Kontakt-Überlebensstruktur definiert die Folgen der ersten und ältesten Traumatisierung eines Kindes und passiert u.a., wenn das Weinen des Kindes dauerhaft nicht angemessen beantwortet wird.<br />
Hier besteht die Gefahr der Verharmlosung späterer Traumen, und es wird so getan, als gäbe es nichts, was sie verhindern könne. Die Resilienz wird m. E. zu oft als Allheilmittel gegen die patriarchale Überforderung beschworen. Alles sei nur eine Frage guter Erziehung, dann könne ein Mensch beinahe alles aushalten. Jedoch bei Dauerüberlastung wird jeder Mensch irgendwann krank, sei er noch so resilient ins Erwachsenenleben gestartet. Genau das passierte ja dem Ur-Opfer. Es liegt darin auch die große Gefahr, die Schuld für das Scheitern im Patriarchat der Mutter zu geben. So wird jedenfalls nur an den Symptomen herumgedoktert, statt die Ursache, nämlich die unnatürliche Institution der Familie und die zugehörige Isolation, also das Leben im Patriarchat, als krankmachend zu erkennén. Das NARM-Modell liefert gute Erklärungen und die NARM-Therapie kann Entwicklungstraumen möglicherweise tatsächlich lindern, aber eine dauerhafte Heilung, wie es der Buchtitel verspricht, ist im Patriarchat m. E. nicht möglich.<br />
Eine weitere Schwäche des Modells ist, dass bei der sog. &#8218;Liebe und Sexualität&#8216;-Überlebensstruktur&#8220; nicht die Sexuelle Selektion (<em><a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice">female choice</a></em>) berücksichtigt ist, nach der Liebe und Sexualität nicht so zusammenhängen, wie die AutorInnen es voraussetzen. Auch bezieht sich dieser von ihnen ausgemachte Typ einer Überlebensstruktur nicht auf die ersten 18 Lebensmonate, weshalb er einen auffälligen Fremdkörper im Modell darstellt. Insgesamt bedarf die Einbindung der dazugehörigen klinischen Bilder der sexuellen Verklemmung und der Hypersexualität in dieses Modell einer Überarbeitung, und sie sind meines Erachtens lediglich Symptome der &#8222;Kontakt-Überlebensstruktur&#8220;, der &#8222;Einstimmung-Überlebensstruktur&#8220;, der &#8222;Autonomie-Überlebensstruktur&#8220; und der &#8222;Vertrauen-Überlebensstruktur&#8220;, also aller anderen sog. Organisationsprinzipien, die dieses Modell kennzeichnen. Der Modellcharakter täuscht m.E. auch darüber hinweg, dass in jedem patriarchal lebenden Menschen alle genannten Überlebensstrukturen mehr oder weniger vorhanden sind, also in Mischung.</p>
<p><a href="#_ftnref35" name="_ftn35">[35]</a> Vgl. De Waal, Frans: Der Mensch, der Bonobo und die Zehn Gebote. Moral ist älter als Religion. Dt. Ausgabe Stuttgart 2015</p>
<p><a href="#_ftnref36" name="_ftn36">[36]</a> Vgl. <a href="https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/erma-bombeck/">https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/erma-bombeck/</a> abgerufen am 11.08.2021</p>
<p><a href="#_ftnref37" name="_ftn37">[37]</a> <a href="https://ermabombeckcollection.com/about/">https://ermabombeckcollection.com/about/</a> abgerufen am 11.08.2021</p>
<p><a href="#_ftnref38" name="_ftn38">[38]</a> Aus: Bombeck, Erma. Vier Hände und ein Herz voll Liebe (German Edition). Edel Elements. Ebook ohne Seitenzahlen. 1983 Englischer Original Titel: When God created Mothers. In einer Kolumne von 1977</p>
<p><a href="#_ftnref39" name="_ftn39">[39]</a> Aus privater Kommunikation mit Jana Eva Ritzen</p>
<p><a href="#_ftnref40" name="_ftn40">[40]</a> Ebd.</p>
<p><a href="#_ftnref41" name="_ftn41">[41]</a> <a href="https://www.rnd.de/politik/statistik-polizei-verzeichnet-mehr-bewerbungen-frauenanteil-steigt-BM2MPT2QSOUFM7DWHRVUN3RHAY.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.rnd.de/politik/statistik-polizei-verzeichnet-mehr-bewerbungen-frauenanteil-steigt-BM2MPT2QSOUFM7DWHRVUN3RHAY.html</a> abgerufen am 11.08.2021</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/als-gott-die-giftmischer-schuf-eine-patriarchalisierung-durch-plagiat">Als Gott die Giftmischer schuf &#8211; eine Patriarchalisierung durch Plagiat</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Patriarchat und Gewalt in Çatal Höyük?</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat-und-gewalt-in-catal-hoeyuek</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Jul 2021 17:12:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Analysen und Studien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ausgrabung von Çatal Höyük Bildquelle: Wikimedia Commons Die Meldungen in der Presse Nachdem über Jahrzehnte keinerlei Spuren von Gewalt in Çatal Höyük gefunden wurden bzw. nichts darüber berichtet wurde und...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat-und-gewalt-in-catal-hoeyuek">Patriarchat und Gewalt in Çatal Höyük?</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://vg01.met.vgwort.de/na/5ca4160dc67e4d6c96b0e14383e0043f" alt="" width="1" height="1" /><br />
<a title="Stipich Béla [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_7.JPG"><img decoding="async" class="alignnone" title="Ausgrabung in Catal Hüyük - Ausschnitt" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/04/Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_7.JPG/512px-Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_7.JPG" alt="Ausgrabung in Catal Hüyük - Ausschnitt" width="512" height="340" /></a><br />
Ausgrabung von Çatal Höyük<br />
<span style="font-size: 8px;">Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<h2 id="die-meldungen-in-der-presse">Die Meldungen in der Presse</h2>
<p>Nachdem über Jahrzehnte keinerlei Spuren von Gewalt in Çatal Höyük gefunden wurden bzw. nichts darüber berichtet wurde und Matrifokalität ohne jeden Gegenbeweis mit einer erdrückenden Fülle von Indizien evident geworden war, ging am 17. Juni 2019 ein Forscherteam unter der Leitung von Clark S. Larsen (Ohio State University) mit einer Studie an die breite Öffentlichkeit, mit der der jungsteinzeitliche Siedlungshügel nun als elender Ort geprägt von patriarchaler Überbevölkerung, Krankheit und Gewalt hingestellt wird.</p>
<p>Das online-Magazin <em>Wissenschaft.de</em> schrieb unter dem Titel „Städtische Probleme – schon vor 9000 Jahren“:</p>
<blockquote><p>„Auch was das gesundheitliche Niveau in der Proto-Stadt betrifft, fanden die Forscher Hinweise auf einen Niedergang: Offenbar litten die Bewohner unter einer hohen Infektionsrate – konkret weisen bis zu einem Drittel der Überreste die Spuren von Infektionen an den Knochen auf. Vermutlich war dies auf die hohe Bevölkerungsdichte und die mangelnde Hygiene in der engen Siedlung zurückzuführen. Die Untersuchungen der Baustrukturen zeigen in diesem Zusammenhang: In der Blütezeit wurden die Wohneinheiten ohne Zwischenräume gebaut und die Bewohner kamen und gingen über Leitern.</p>
<p>In den durch Lehm verputzen Innenräumen ging es wohl auch nicht immer gerade sauber zu: Die Forscher fanden Spuren von tierischen und menschlichen Fäkalien. ‚Die Bewohner lebten unter sehr beengten Verhältnissen, mit Müllgruben und Tierställen direkt neben einigen ihrer Häuser. Es gab also offenbar eine ganze Reihe von Hygieneproblemen, die zur Ausbreitung von Infektionskrankheiten beitragen haben könnten’, resümiert Larsen. (…)<br />
Die Untersuchung einer Stichprobe von 93 Schädeln aus Çatalhöyük ergab, dass mehr als ein Viertel die Spuren geheilter Frakturen aufwiesen. Zwölf waren sogar mehrmals Opfer geworden – mit zwei bis fünf Verletzungen im Laufe der Zeit. Mehr als die Hälfte der Opfer waren dabei Frauen (…)<br />
‚Wir fanden eine Zunahme dieser Schädelverletzungen während der mittleren Periode, als die Bevölkerung am größten und am dichtesten war’, sagt Larsen. ‚Somit könnte man interpretieren, dass die Überbevölkerung zu erhöhtem Stress und zu Konflikten innerhalb der Siedlung geführt hat’, so der Wissenschaftler.“ (<a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/staedtische-probleme-schon-vor-9000-jahren/" target="_blank" rel="noopener">Vieweg 2019</a>)</p></blockquote>
<p><strong>Wie viele Frauen also wurden verletzt und wie viele mehrfach verletzt?</strong> Überlegen Sie kurz!<br />
<span id="more-2027"></span><br />
Wer den Text nur überfliegt, zieht schon schnell mal aus so einer Meldung, dass die Hälfte aller Schädel – also rund 47 – Verletzungen aufwiesen und zudem weiblich waren. Doch es sind der Formulierung zufolge ca. 24 (93/4) Verletzte und davon wurden 12, also die ca. Hälfte, mehrmals verletzt. „Mehr als die Hälfte der Opfer“ sind weiblich – das könnten wieder mindestens 12 sein, was zur Verwirrung beiträgt – , vielleicht sind es aber auch nur 6, wenn nur die mehrfach verletzten Opfer gemeint sind, wie es das Wörtchen „dabei“ suggeriert.<br />
Es geht aus der Formulierung nicht hervor, wie viele Frauen verletzt waren, wie viele mehrfach verletzt waren und auch nicht, wie hoch der Anteil der Frauen in der Stichprobe überhaupt war. Dazu später noch einmal.<br />
Es würde mich interessieren, wie Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser, diesen Text im ersten Moment wahrgenommen haben, schreiben Sie mir bitte unten….</p>
<p>Wie dem auch sei, mit diesem Paukenschlag wird alles vom Tisch gewischt, was bisher über Çatal Höyük bekannt war. Denn mindestens bis 2010 wurde nichts über Spuren von Gewalt veröffentlicht, obwohl dies für das Gastgeberland Türkei eine große Freude gewesen wäre, ist doch schon die Ahnung von matrifokalem Leben in grauer Vorzeit ein Schreckgespenst für jeden Patriarchen.</p>
<p>Ein anderes Magazin, <em>Der Standard.at</em>, titelte &#8222;9.000 Jahre alte Steinzeit-Stadt litt an modernen urbanen Problemen“ und schrieb u.a.:</p>
<blockquote><p>’Pflanzenanbau und Tierhaltung gab es von Anfang an, doch mit wachsender Bevölkerung intensivierte sich auch die Landwirtschaft dramatisch’, sagt Larsen. Der hohe Getreideanteil bei der Ernährung führte schnell zu typischen Zivilisationskrankheiten, darunter vor allem Karies: Zehn bis 13 Prozent aller gefundenen Zähne von Erwachsenen wiesen entsprechende Schädigungen auf.<br />
Und ein weiterer anatomischer Wandel ging mit dem Wachstum einher. Knochenuntersuchungen zeigten, dass die Bewohner von Çatalhöyük mit zunehmender Ausdehnung der Siedlung immer mehr zu Fuß unterwegs waren. Die Forscher schließen daraus, dass die Weide- und Ackerflächen im Laufe der Zeit weiter von der ‚Stadt’ wegrückten. ‚Wir glauben, dass die landwirtschaftlich ausgelaugte Umgebung und Klimaveränderungen die Bevölkerung dazu zwang, immer weitere Strecken zurückzulegen, um die Siedlung versorgen zu können’, meint Larsen. ‚Das dürfte letztlich auch zum Niedergang von Çatalhöyük beigetragen haben.&#8220;<br />
(<a href="https://www.derstandard.at/story/2000105111331/9-000-jahre-alte-steinzeit-stadt-litt-an-modernen-urbanen" target="_blank" rel="noopener">Berg 2019</a>)</p></blockquote>
<p>In der Tat, wir wussten schon, dass Çatal Höyük untergegangen ist. Und zwar aufgrund des dramatischen Klimawandels, der mit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Misox-Schwankung" target="_blank" rel="noopener">Misox-Schwankung</a> vor 8200 Jahren einher ging, was vor einem Jahr bekannt wurde (Roffet-Salque <em>et al.</em> 2018). Das können wir aber nicht der Matrifokalität anlasten und mit Patrilokalität hat das auch nichts zu tun. Überbevölkerung ist ein relativer Begriff: Seit dem 12. Jtd. verloren nun sesshafte Menschen nach und nach das Wissen, sich durch Sammeln zu ernähren und entwickelten den Garten- und Ackerbau, der etwa ab 9.500 v.u.Z. (Präkeramisches Neolithikum) voll ausgeprägt war. Die völlige Abhängigkeit der Landwirtschaft von günstigem Wetter blieb über 3000 Jahre lang unbemerkt, auch der damit einhergehende Anstieg der Bevölkerung auf ein höheres Niveau war kein Problem. Aufgrund des plötzlich eintretenden Klimawandels konnten sich die Menschen nicht mehr ausreichend ernähren. Ohne eine globale Vernetzung, mit welcher Nahrung über Ländergrenzen hinweg geliefert werden kann, gab es keine Kompensationsmöglichkeit, außer der Verlagerung auf tierische Nahrung (Roffet-Salque <em>et al.</em> 2018), was offenbar auch nicht genug war. Die Probleme, mit denen Çatal Höyük zu kämpfen hätte, waren daher alles andere als modern.</p>
<p>Wir wissen auch, dass die damals in den Steppen Südrusslands beginnende Tierzucht das erste Patriachat nach sich zog. Es hat viele Klimaflüchtlinge gegeben, die die Tiere in die Steppe trieben (vgl. <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat" target="_blank" rel="noopener">Uhlmann 2019</a>) und die wir als Indoeuropäer kennen. Heute ist die Überbevölkerung ein Dauerproblem, dessen Lösung trotz immer neuer Erfindungen der Hochleistungslandwirtschaft suksessive in immer weitere Ferne rückt. Denn das Patriarchat erzeugt nicht nur eine Bevölkerungsexplosion, sondern es betreibt schweren Raubbau an den Ressourcen, so dass die Tragfähigkeit der Erde bereits überschritten ist.</p>
<p>Wir wussten auch schon lange, dass es erste Zivilisationskrankheiten gab, aber auch das ist nicht der Matrifokalität geschuldet und nimmt sich im Vergleich damit, was das Patriarchat zusätzlich anrichtet, harmlos aus. Allein die Tatsache, dass der Doppel-Hügel 2200 Jahre Bestand hatte, beweist ein weitgehend intaktes Gemeinschaftsleben, ganz so, wie es bisher entdeckt wurde.</p>
<h2 id="friedliches-catal-hoeyuek-alles-veraltet">Friedliches Çatal Höyük &#8211; Alles veraltet?</h2>
<p>Als Jahrzehnte lange, skeptische Beobachterin der Ausgrabung habe ich immer damit gerechnet, dass so etwas kommt, denn ich kenne ja meine Pappenheimer. Die Herrschende Lehre arbeitet schon lange daran, die These von der Matrifokalität Çatal Höyüks zum Einsturz zu bringen, die schon der erste Ausgräber James Mellaart (1961-1964) aufgestellt hatte. Ian Hodder, Grabungsleiter bis 2018, musste feststellen, dass sein mit Schimpf und Schande aus dem Amt geworfener Vorgänger Mellaart mit seinen wesentlichen Aussagen Recht hatte. Es war sicherlich kaum möglich, dies vor der türkischen Regierung zu vertreten und ein kurzzeitiger Grabungsstopp zwischen 2010 und 2012 lässt vermuten, dass dies auch Konsequenzen hatte. Hodder entließ große Teile des Teams, mit der Begründung, &#8222;<strong>es hätte sich auf seinen Interpretationen ausgeruht, hätte sich nicht gegenseitig herausgefordert oder hätte die Annahmen, die für selbstverständlich gehalten wurden, nicht als Herausforderung gesehen.</strong>&#8220; (<a href="https://www.sciencemag.org/news/2010/09/hodder-cleans-house-famed-atalh-y-k-dig" target="_blank" rel="noopener">Balter 2010</a>, meine Übersetzung, meine Hervorhebung. Vgl. auch Farid 2014)</p>
<p>Also Matrifokalität nicht als Herausforderung gesehen? Ein Aufruf zum Kampf gegen das, was nicht sein darf? Was hatte dieses Grabungsteam entdeckt? Hodder fasste es im letzten Grabungsbericht dieses Teams (Archive Report 2010) zusammen:</p>
<blockquote><p>„Eine weitere neue Perspektive betrifft die soziale Organisation in Çatalhöyük. Wir haben lange angenommen, dass sie ziemlich egalitär war, aber in den letzten Jahren haben wir ‚Geschichtshäuser‘ identifiziert, die mehr Bestattungen enthielten und in Bezug auf Architektur und Installationen aufwändiger waren. <strong>Man hätte erwarten können, dass von diesen speziellen Häusern mehr Kontrolle über die Produktion ausging, reichere Bestattungen in ihnen gefunden würden oder gesündere Menschen in ihnen gelebt hätten.</strong> Aber je mehr Daten hereinkamen, desto klarer wurde, dass die Geschichtshäuser in keiner Weise etwas Besonderes waren, weder was Bestattungen noch Sorgfalt anging.<strong> Dies deutet darauf hin, dass Tendenzen zur sozialen Differenzierung in Çatalhöyük stark gedämpft waren.</strong> Von den vielen anderen neuen Erkenntnissen, die aufgelistet werden könnten, möchte ich nur eine weitere erwähnen, nämlich, was das bioarchäologische Team, das an den Skeletten arbeitet, die unter den Stockwerken von Gebäuden ausgegraben wurden, herausgefunden hat. <strong>Man hätte erwarten können, dass die Einwohner von Çatalhöyük von schlechter Gesundheit waren.</strong> Es wird oft angenommen, dass sich das Wohnen in Großsiedlungen negativ auf die Gesundheit der Menschen auswirkt. Und in der Tat weist die dichte Ansammlung von Häusern in Çatalhöyük, die von ausgedehnten Abfallzonen umgeben sind, in denen menschliche und tierische Fäkalien gefunden wurden, auf schlechte hygienische Bedingungen hin. Wir wissen auch, dass Ungeziefer weit verbreitet war. <strong>Es war also eine Überraschung, dass die Gesundheit der Bewohner bei einer Vielzahl von Untersuchungen tatsächlich gut war.</strong> Es scheint so, als hätten sie eine Möglichkeit gefunden, den Unrat zu entsorgen (<strong>wir wissen, dass sie den Dreck einebneten und mit Kalkasche bedeckt haben</strong>), um die negativen Auswirkungen zu minimieren, und sie haben <strong>ihre Häuser peinlichst sauber gehalten</strong>. Wir können nicht davon ausgehen, dass sie etwas von Krankheitserregern ahnten, <strong>aber ihre Praktiken haben es ihnen ermöglicht, gesund zu bleiben</strong>.“<br />
(Hodder 2010, S. 1; meine Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
<p>Diese Beschreibungen passten immer noch sehr gut zu einem Szenario mit hohem kulturellen Standard und Egalität, wie sie nur unter Matrifokalität anzutreffen ist, wo soziale Differenzierung aber nicht aktiv gedämpft werden muss, sondern entsprechend dem angeborenen Sozialverhalten in Sippenverbänden einfach nicht vorkommen kann.</p>
<p>Die am 17. Juni 2019 veröffentlichte Studie stammt nun von einem völlig anderen Team, das – oh Wunder – auch zu völlig anderen Ergebnissen gekommen ist, wie wir oben schon gesehen haben. Mit ihr werden die Ergebnisse, die im Archive Report 2010 veröffentlicht wurden, im Grunde dementiert. Die Arbeit von 17 Jahren für die Mülltonne?</p>
<h2 id="2011-den-wildbeutern-aehnlich-zusammengelebt-keine-familien-nachweisbar">2011: &#8222;den Wildbeutern ähnlich zusammengelebt &#8211; keine Familien nachweisbar&#8220;</h2>
<p>Wie ich bei meinen weiteren Recherchen entdeckte, ist die Studie aber nur die Krönung einer Kette von Studien, die seit 2011 nach und nach erschienen und zunächst von der Presse weitgehend unerwähnt blieben, bis auf eine: Sie trägt den Titel „’Offizielle’ und ‚praktische’ Verwandtschaft: Herleitung der sozialen und der Gemeinschaftstruktur aus dem Zahnphänotyp im neolithischen Çatalhöyük, Türkei (meine Übersetzung, im Original online:<a href="https://www.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ajpa.21520" target="_blank" rel="noopener"> “Official” and &#8222;practical&#8220; kin: Inferring social and community structure from dental phenotype at Neolithic Çatalhöyük, Turkey</a>).<br />
<a href="https://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html" target="_blank" rel="noopener">Das Ergebnis der Studie</a> wurde im Online-Magazin <em>Livescience</em> (Jarus 2011) unter dem Titel „Keine Familiengräber, nur Gemeinschaftsbegräbnisse in uralter Siedlung“ (meine Übersetzung, Originaltitel: „No family plots, Just Communal Burials In Ancient Settlement“) vorgestellt. An den Zähnen aus Gräbern in Çatal Höyük konnten keine Merkmale festgestellt werden, mit denen Verwandtschaften hätten nachgewiesen werden können.<br />
Dieses Ergebnis wirkt wie ein Salomonisches Urteil. Es wurden keine Kernfamilien – also Vater, Mutter und Kind – gefunden, aber das tut dem Team nicht weh, denn auf den ersten Blick lässt es auch Matrifokalität unwahrscheinlich erscheinen.</p>
<p>Ian Hodder zeigte sich darüber erstaunt und befand, dass die Bewohner den Wildbeutern ähnlich zusammengelebt haben müssten. Vielleicht tat er das in der Hoffnung, dass sich die Menschen die Steinzeit immer noch als patriarchales Jägerparadies vorstellen, wo Männer mit Keulen die Frauen an den Haaren hinter sich herzogen. Vielleicht war das auch bewusst diplomatisch ausgedrückt. Vielleicht denkt Hodder aber auch bis heute etwas anderes als das, was er verlauten lässt. Ich hoffe, wir werden es irgendwann erfahren.</p>
<p>Für mich kann es nichts anderes bedeuten, als dass die Menschen von Çatal Höyük wie noch die altsteinzeitlichen Wildbeuter <strong>matrifokal</strong> gelebt haben müssen, und zwar aus zwei Gründen:</p>
<ol class="liste1">
<li>ist es der Menschheit angeboren, dass Kinder bei ihren Müttern aufwachsen und es ist unwahrscheinlich, dass die Kinder in Çatal Höyük ihren Müttern weggenommen wurden. Zudem sind Mütter natürlicherweise auf die Hilfe ihrer Mütter, Schwestern und Cousinen angewiesen (<a href="https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410" target="_blank" rel="noopener">Großmutter-These, Beise/Voland 2003</a>). Dieses hochsoziale Kontinuum ist das Erfolgsgeheimnis der Menschheit mit ihrer extrem langen Kindheit.</li>
<li>legen patriarchale Familien stets besonderen Wert darauf, wenn möglich zusammen bestattet zu werden. Hintergrund ist, dass der familiäre Zusammenhalt in Patrilinearität in besonderer Weise zum Ausdruck gebracht werden muss. Die Notwendigkeit dazu ergibt sich aus der Unnatürlichkeit von Patrilinearität, die künstlich und gewaltsam hergestellt werden muss, indem die Mütter in der Familie regelrecht in Geiselhaft genommen werden, wie ich es bereits <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat" target="_blank" rel="noopener">an anderer Stelle</a> dargestellt habe. Familien sind infolgedessen brüchig und das gilt es zu vertuschen und zu beschönigen. Patrilinearität dient der Legitimation des Vaters und seines Erbes.<br />
Etwas, das mit so viel Aufwand installiert wurde, wird nicht im Tod ignoriert, sondern zelebriert, um der Patrilinie einen Ort zu geben, wo sie ihre Geschichte hochhalten kann. Etwas Vergleichbares oder bildliche Kunst, die darauf hinweisen könnte, gibt es in Çatal Höyük aber nicht.</li>
</ol>
<p>Ich vermute, dass Pilloud und Larsen vor allem nachweisen wollten, dass die Kinder mit den älteren Männern engst verwandt waren, sie haben sicher die Väter gesucht, aber ohne Erfolg. Was haben wir da also vor uns? Unter Matrifokalität leben die Onkel mit den Kindern ihrer Schwestern zusammen, aber das lässt sich nicht unbedingt an den Befunden aus der Studie ablesen, es fehlt ein Mitochondrien-DNA-Abgleich (mtDNA). Die Ähnlichkeit der Sippenmitglieder ist unter der gelebten <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener">Female choice</a>, wie sie in Matrifokalität selbstverständlich ist, geringer, weil die nur über die Mutter blutsverwandten Sippenmitglieder genetisch voneinander weiter entfernt sind. Die Geschwister haben unterschiedliche Väter. Der Onkel hat damit auch einen anderen Vater als seine Schwester, ist also relativ weit von seinen Nichten und Neffen entfernt, obwohl er ihre mtDNA teilt, die nur über die Mutter vererbt wird. Größere genetische Vielfalt und nicht Endogamie (Inzucht) ist typisch für Matrifokalität. Das ist der entscheidende Unterschied zum Patriarchat, wo immer eifersüchtig darauf geachtet wird, dass eine Frau innerhalb des eigenen patrilinearen Stammes heiratet und monogam lebt. Bei einer Geschwisterehe (wie z.B. bei den ägyptischen Pharaonen) sind dann immer nur zwei Genpools beteiligt, und zwar der des Elternpaares. Unter Matrifokalität wären immer drei Genpools beteiligt, der der Mutter und die der beiden Väter. Aufgrund der chemotaktischen Inzest-Schranke kommt das so gut wie nie vor.<br />
Ob Hodder und sein neues Team dies alles vollständig durchdacht und verstanden hatten?</p>
<p>Die Studie gab damals Anlass zur Freude, bestätigte sie doch neuerlich Mellaarts Grundannahme. AutorInnen der Studie waren übrigens die Odontologin Marin A. Pilloud und der Bioarchäologe Clark S. Larson. Larsen gilt als Kapazität und war von 2001-2007 Chefredakteur eben jenes Magazins, in welchem die Studie 2011 veröffentlicht wurde, nämlich dem <em>American Journal of Physical Anthropology</em> ! Beide arbeiten seit der Entlassung des alten Teams immer wieder mit Ian Hodder zusammen und gehören auch jetzt wieder, nachdem Hodder sein Amt zurück gegeben hat und Çiler Çilingiroğlu von der Universität Izmir neue Grabungsleiterin ist, zum Studienteam. Es wurde dann für 8 Jahre ruhig um dieses Thema bis zu jenem 17. Juni 2019.</p>
<h2 id="2019-schwierigkeiten-mit-ueberbevoelkerung-gewalt-und-umweltproblemen">2019: &#8222;Schwierigkeiten mit Überbevölkerung, Gewalt und Umweltproblemen&#8220;</h2>
<p>Ich erfuhr von der neuen Studie auf der Facebook-Seite der Zeitschrift <a href="https://www.aid-magazin.de/startseite.html" target="_blank" rel="noopener"><em>Archäologie in Deutschland</em></a>, wo der entsprechende Artikel der <em>Ohio State News</em> verlinkt war (wofür hiermit gedankt sei!) und mit „Vor 9.000 Jahren, eine Gemeinschaft hatte mit modernen, urbanen Problemen zu kämpfen. Çatalhöyük hatte Schwierigkeiten mit Überbevölkerung, Gewalt und Umweltproblemen“ titelte (meine Übersetzung, <a href="https://news.osu.edu/9000-years-ago-a-community-with-modern-urban-problems/?fbclid=IwAR0-tx1IurYIziXbZWGwZ9wpuLCGKYsuuDik4T8_7tVANaK40XH9Z8LIz_E" target="_blank" rel="noopener">Originaltitel</a>).<br />
Mir fiel dabei auch besonders der folgende Satz auf:</p>
<blockquote><p>„Die Form der Verletzungen lässt darauf schließen, dass harte, runde Objekte auf die Schädel eingewirkt hatten – und Lehmkugeln in der richtigen Größe wurden ebenfalls gefunden.“<br />
(Grabmeier 2019, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Da erinnerte ich mich wieder, dass ja diese Lehmkugeln schon in den Neunziger Jahren gefunden worden waren, <a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/clay_balls/" target="_blank" rel="noopener">genauer gesagt Tausende davon</a>. Aufgrund fehlender Anzeichen für Gewalt waren sie ein Rätsel, aber das verschwieg die neue Studie. Sie wurden damals nur von manchen als Schleuergeschosse angesehen, auch als Sportgeräte konnte man sie sich vorstellen, besonders aber als Kochgeräte:</p>
<blockquote><p>„Wir sind nicht wirklich sicher, wofür sie benutzt wurden. Wir denken, sie könnten etwas mit dem Kochen zu tun haben. Denn sie wurden mit Ascheresten gefunden. Hier können Sie Asche und Kohle sehen, die wahrscheinlich von dem Feuer kamen.“<br />
(<em>Roddy Reagan in <a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/clay_balls/roddy/" target="_blank" rel="noopener">SMM 2003</a>, meine Übersetzung</em>)</p></blockquote>
<p>Die Archäologin Sonya Atalay wurde damals mit der Untersuchung der Kugeln betraut, die sie in 3 Kategorien einteilen konnte: Balloide, Minibälle und sogar „komisch“ geformt, dies alles in den unterschiedlichsten Größen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/www.smm.org/catal/media/images/mysteries/clay_balls/all_balls.jpg?w=349&#038;ssl=1" alt="Lehmkugel aus Catal Höyük - Bildquelle: https://www.smm.org"  border="0" /><br />
<span style="font-size: 9px;">Bildquelle: <a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/clay_balls/sonya/ball_types/" target="_blank" rel="noopener">https://www.smm.org/</a></span></p>
<p>Nun also sollen sie Wurfgeschosse sein, mit denen sich die Bewohner gegenseitig bewarfen und verletzten. Eine sehr steile These, denn es wurden der Studie zufolge auch nur geheilte Schädelverletzungen gefunden. Niemand wurde offenbar mit einem Stoß an den Kopf umgebracht.</p>
<p>Ich könnte mir aufgrund ihrer Menge vorstellen, dass die Lehmkugeln als Bettwärmer dienten. Denn die Winter waren kalt, so dass die Dachöffnungen sicherlich nachts geschlossen werden mussten und es daher nicht möglich war, nachts ein Feuer brennen zu lassen. Auf den <a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/clay_balls/" target="_blank" rel="noopener">Abbildungen</a> sieht man, dass sie in den Häusern nicht wild herum lagen, sondern in Clustern ordentlich abgelegt waren. Sie könnten zum Aufheizen in die Feuer gelegt worden sein, was die Brandspuren erklärt. Sowohl für diesen Zweck als auch als Wurfgeschoss hätten die BewohnerInnen genauso gut Steine nehmen können, haben sie aber nicht.</p>
<p>Die Schädelverletzungen insbesondere bei Frauen ließen sich auch ganz anders erklären, z.B. mit Stürzen von den zahllosen Leitern, über die die Häuser betreten werden mussten. Auch die begehbaren Dächer dürften öfter nachgegeben haben, denn sie waren nur von lehmverstärkten Flechtwerk abgedeckt. Sicherlich hatten die Frauen bereits damals eine größere Arbeitsbelastung und mussten über die Leitern schwere Lasten in die Häuser tragen. Dass dabei viel passieren konnte, sollte kein Wunder sein, ebenso wie das damit verbundene hohe Infektionsrisiko. Dass nach einer Dürre hungernde Menschen geringere Abwehrkräfte haben, ist auch nichts Neues, ebenso, dass sie aufgrund der allgemeinen Schwäche sich häufiger verletzten konnten. Dass die Frauen ihre Schädel-Verletzungen überlebten, zeugt aber dennoch von einer großen Fürsorge und auch einer gewissen Erfahrung, wie Wundinfektionen einzudämmen sind. Auch die allgemeine Karies-Rate von nur 10-13% zeugt von Wissen, dass und wie Zähne zu pflegen sind. Der Vergleich mit der Gegenwart zeigt, dass Larsen auch hier dramatisiert: <a href="https://www.derwesten.de/incoming/karies-ist-die-haeufigste-erkrankung-in-deutschland-id109385.html" target="_blank" rel="noopener">Laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung der deutschen Zahnärzte</a> hatte vor vierzig Jahren jeder Jugendliche im Schnitt sieben Zähne, die an Karies erkrankt waren. Gehen wir mal von 28 sichtbaren bleibenden Zähnen aus, ist das eine Rate von 25%, im Laufe des Lebens kamen dann noch die meisten anderen Zähne dazu. Viele Menschen tragen heute Vollprothesen, und das, obwohl vor 40 Jahren bereits eine Erziehung zur Zahnpflege erfolgte und Fluorzahnpasten die Regel waren.<br />
Çatal Höyük war bei weitem nicht so ein gruseliger Ort, wie er jetzt hingestellt werden soll!</p>
<h2 id="die-studie-unter-der-lupe">Die Studie unter der Lupe</h2>
<p>Noch am gleichen Tag begann ich damit, der Sache nachzugehen. Ich besorge mir natürlich immer die Originalstudien. Am von der Presse verlinkten Ort des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Peer-Review" target="_blank" rel="noopener">peer-reviewten</a> Magazins <a href="https://www.pnas.org/content/116/26/12615" target="_blank" rel="noopener">PNAS</a> befindet sich jedoch eine Bezahlschranke (<em>Paywall</em>), und wir können nur das <em>Abstract</em> lesen. Eine kostenlose Version müssen wir uns über die Suchmaschine unserer Wahl suchen und glücklicherweise werden wir auch <a href="https://www.researchgate.net/publication/333828774_Bioarchaeology_of_Neolithic_Çatalhoyuk_reveals_fundamental_transitions_in_health_mobility_and_lifestyle_in_early_farmers" target="_blank" rel="noopener">sofort fündig</a>.</p>
<p>Ich fand die wesentlichen Aussagen von der Presse gut wiedergegeben. Die Sache mit den Schädelverletzungen (vgl. oben) haben sie wie folgt ausgeführt:</p>
<blockquote><p>„Die Gemeinschaft von Çatalhöyük zeigt ein erhöhtes Maß an zwischenmenschlicher Gewalt, das durch geheilte Schädel-Depressionsfrakturen bei 25 Personen der Stichprobe von 93 Schädeln dargestellt wird (…) Insgesamt sind etwas mehr Frauen als Männer betroffen (13 gegenüber 10 bei Schädeln mit eindeutiger Geschlechtsidentifikation). Zwölf der 93 (13%) waren Mehrfachverletzte, die sich im Laufe der Zeit 2 bis 5 Verletzungen zugezogen hatten. Diejenigen mit den meisten Wiederverletzungen sind erwachsene Frauen.“ (Larsen <em>et al.</em> 2019, S. 7, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Sie haben es also fertig gebracht, 93 Schädel in die Studie aufzunehmen, von denen bei manchen das Geschlecht gar nicht festzustellen ist! So wird es simpel möglich zu behaupten, dass etwas mehr Frauen betroffen sind. Das Ergebnis bedeutet nicht, dass mindestens 7 Frauen Mehrfachverletzte waren, sondern unter den 12 Mehrfachverletzten waren mehr Frauen, die besonders viele Verletzungen erlitten, es können also auch weniger als 6 gewesen sein. Eine einfache Liste hätte geholfen, die Sache klar und deutlich zu machen, aber sie verstecken ihren Befund hinter unklaren Formulierungen. Leider fehlen auch jegliche Fotos von diesen Verletzungen.</p>
<p>Ein äußerst bedeutender Absatz der Original-Studie jedoch wird erstaunlicherweise in der Presse weggelassen:</p>
<blockquote><p>„Auf einer größeren regionalen Skala zeigt die Analyse der phänotypischen Variationen der Zähne aus Çatalhöyük und von zwei anderen zentralanatolischen neolithischen Gemeinschaften – Aşıklı Höyük und Musular – eine allgemeine Ähnlichkeit, was auf eine regional enger verwurzelte Variation hindeutet (60). Darüber hinaus gibt es in Çatalhöyük bei Männern ein Muster geringerer Unterschiede im dentalen Phänotyp als bei Frauen, das die Wahrscheinlichkeit eines <strong>patrilokalen, ehelichen Aufenthalts</strong> dokumentiert (61) und was Auswirkungen auf Personenbewegungen, Muster des Genflusses und die Strukturierung der Bevölkerung hat, basierend auf Frauen, die in die Gemeinschaft ziehen“. (Larsen <em>et al.</em> 2019; meine Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
<p>Dies bedeutet, dass nun ein Patriarchat – und damit Familien – für wahrscheinlich gehalten wird. Das ist natürlich ein noch größerer Paukenschlag! Und dem musste weiter nachgegangen werden…</p>
<p>Die beiden Literaturangaben beziehen sich auf 60 = &#8222;Pilloud <em>et al.</em> 2018&#8243; und 61 = &#8222;Königsberg 1988&#8220;. Letztere beschreibt eine schon 30 Jahre alte Methode zur Interpretation von Messdaten, die anhand von Schädeln nordamerikanischer Indianer entwickelt wurde und bis in die Gegenwart Anwendung findet. Ersteres aber ist brisant. Marin A. Pilloud, Clark S. Larsen und Kollegen hatten im Jahre 2018 an der jährlichen Konferenz der <em>American Association of Physical Anthropologists</em> teilgenommen und die obige Literaturangabe bezieht sich auf ein Poster (von zweien), das anlässlich der Konferenz gestaltet wurde und bei <a href="https://scholar.google.com/scholar_lookup?author=M.+A.+Pilloud&amp;title=Mobility+in+Neolithic+central+Anatolia%3A+A+comparison+of+dental+morphometrics+and+aDNA&amp;publication_year=2017&amp;journal=Am.+J.+Phys.+Anthropol.&amp;volume=162" target="_blank" rel="noopener">Google Scholar</a> verlinkt ist, sowie auf ein Abstract, das in einem Beiheft des <em>American Journal of Physical Anthropology</em> abgedruckt ist.</p>
<h2 id="sekundaerquellenkritik-poster-1-von-2018">Sekundärquellenkritik &#8211; Poster 1 von 2018</h2>
<p>Zur Fragestellung findet sich auf dem Poster aber lediglich folgende Angabe:</p>
<blockquote><p>“Frühere Analysen der Zahnmorphology und Maße (Aşıklı Höyük, Musular, and Çatalhöyük) weisen darauf hin, dass eine patrilokale, eheliche Residenzpraxis betrieben wurde (Pilloud 2013), was sich auf die räumlichen Bewegungen von Menschen und die Entwicklung strukturierter Gesellschaften im Laufe der Zeit auswirkt.“<br />
(Pilloud <em>et al.</em> 2018, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Die Studie von 2019 beruft sich also auf ein Poster, welches nur plakative Angaben macht und sich damit wiederum auf eine andere Quelle, und zwar von 2013 beruft, die wir uns natürlich wieder beschaffen müssen! Die Quelle ist Marin A. Pilloud, diesmal ganz alleine, die uns schon aus dem Jahre 2011 bekannt ist als diejenige, die keine Familiengräber finden konnte. Nach der Quellenangabe „S. 221-222“ waren zwei DINA4 Seiten zu erwarten. Das erstaunte mich doch sehr und dem bin ich weiter nachgegangen, erwartete ich doch eigentlich, nun endlich eine groß angelegte Studie mit Aussagen über die Zahl, das Geschlecht, den Fundort, Erhaltungszustand etc. der Zähne und Angaben über die verwendeten Methoden zu finden. Leider (oder natürlich?) ist diese Quelle nicht im Internet abrufbar.</p>
<h2 id="primaerquellenkritik-supplement-von-2013-das-duennste-brettchen-der-welt">&#8222;Primärquellen&#8220;kritik &#8211; Supplement von 2013: Das dünnste Brettchen der Welt</h2>
<p>Also habe ich meinen Universitätsbibliotheks-Account geöffnet und in der GBV-Fernleihe-Datenbank danach gesucht. Die betreffende Zeitschrift ist bei mir vor Ort nur bis zum Jahrgang 1999 einsehbar, lässt sich jedoch über Fernleihe bestellen. Dies funktionierte aber nicht und lieferte die Meldung zurück, dass ich das Heft ja in meiner Bibliothek einsehen könne. Darum musste ich mich persönlich auf den Weg in die Bibliothek machen, um das Problem dort einer Fachkraft vorzutragen. Es handele sich um einen nicht seltenen Fehler und ich könne es in der Fernleihstelle per Email melden, wo man mir helfen würde. Tatsächlich wurde der gesuchte Artikel nach ein paar Tagen von der Staatsbibliothek Berlin nach Braunschweig gesendet, der Fehler konnte aber nicht behoben werden. Die Dame am Ausleiheschalter, die ja einiges gewohnt ist, meinte „oh, das ist aber dünn“ und händigte mir drei zusammengetackerte DINA4-Seiten aus. Seite 1 war das Deckblatt der Bibliothek. Seite 2 und 3 waren die Kopien mit dem Artikel. Jedoch – die Seiten waren 3-spaltig aufgebaut und der gesuchte Text begann auf Seite 2 erst in Spalte 3 ganz unten, letzte 8 Zeilen, und endete schon wieder auf Seite 3 in der Mitte der Spalte 1. Da hat Pilloud aber „Glück“ gehabt, dass der Text, eine Ergänzung (Supplement) von vielen zu der zugehörigen Zeitschrift, der locker auf einer Postkarte Platz gefunden hätte, nicht nur auf Seite 3 abgedruckt wurde!</p>
<p><img data-recalc-dims="1" height="300" width="300" decoding="async" class="size-medium wp-image-4790 aligncenter" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/07/text.jpg?fit=300%2C300&#038;ssl=1" alt="Kopien, 2 DIN A4-Seiten" /></p>
<p>Der Kürze und Brisanz wegen kann bzw. muss ich hier den gesamten Text zitieren:</p>
<blockquote><p>“<strong>Eheliche Residenz im neolithischen Anatolien.</strong><br />
MARIN A. Pilloud. Central Identification Laboratory, Joint POW / MIA Accounting Command.<br />
Die neolithische Anlage von Çatalhöyük, Türkei (7400-5600 cal BC) ist bekannt für eine Bilderwelt mit weiblicher Symbolik, die dort entdeckt wurde, darunter die sogenannten Göttin-Figurinen. Das Vorhandensein solcher Artefakte hat einige Forscher zu dem Schluss geführt, dass in Çatalhöyük eine Art Fruchtbarkeitskult mit dem Weiblichen als zentraler Figur betrieben wurde. Diese Art der Verehrung gepaart mit der Tatsache, dass Çatalhöyük ein frühes Zentrum der Landwirtschaft war, führte andere zu der Argumention, dass Çatalhöyük eine matriarchale Gesellschaft gewesen sei. Jedoch, archäologische Untersuchungen des Ortes haben gezeigt, dass zwischen den Geschlechtern in Bezug auf Ernährung, Aktivitäten und Bestattung sehr wenig Unterschied besteht. Die vorliegende Studie prüft die Hypothese einer weiblich zentrierten Gesellschaft mittels einer Analyse des ehelichen Wohnsitzes basierend auf der Zahn-Metrik und -Morphologie. Die Daten wurden an erwachsenen Gebissen aus Çatalhöyük sowie zwei weiteren neolithischen Stätten in Anatolien, Aşıklı Höyük und Musular, gesammelt. Die Daten von Männern und Frauen wurden innerhalb von Çatalhöyük verglichen sowie zwischen den drei neolithischen Standorten, um die phänotypische Variation der Zähne zu bewerten.<br />
Innerhalb Çatalhöyük zeigen Varianz-Unterschiede in Bezug auf eine Variable, dass die Frauen mehr Variation in der Zahngröße aufweisen als die Männer. Zwischen den drei Standorten zeigten Tests in Bezug auf eine Variable, der Zahngröße, große Unterschiede bei den Männern, während die Frauen sehr ähnlich waren. Die Zahn-Morphologie identifizierte wenige Unterschiede sowohl innerhalb von Çatalhöyük als auch zwischen den drei Standorten für Mann oder Frau. Basierend auf diesen Ergebnissen scheint es, dass die Frauen das mobilere Geschlecht waren, was mit der Erwartung einer patrilokalen Gesellschaft in Einklang steht.<br />
Gefördert durch Zuschüsse von der Ohio State University, American Research Institute in der Türkei und National Geographic.“<br />
(Pilloud 2013, S. 221 f, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Was sagt uns das? <strong>Erst einmal gibt es wieder Grund zur Freude</strong>: Unbeabsichtigt hat Marin A. Pilloud ihrer Logik nach den Nachweis geführt, dass die Menschen von Aşıklı Höyük und Musular deutlich matrilokal gelebt haben müssen. Größere Ähnlichkeit der Zähne der Männer innerhalb eines Ortes und geringere Ähnlichkeit in einem weiteren Raum bedeutet, dass die Männer ortstreu seien, also patrilokal heiraten, aber nur, wenn für die Frauen etwas anderes festgestellt wird. Das war an diesen beiden Orten NICHT der Fall. Auch in Çatal Höyük war das nur für die <strong>Zahngröße</strong> festgestellt worden, nicht aber für die Form, die <strong>Morphologie</strong> der Zähne! In der Studie von 2019 wird aber behauptet – ich wiederhole: „<em>Darüber hinaus gibt es in Çatal Höyük bei Männern ein Muster geringerer Unterschiede im dentalen Phänotyp als bei Frauen, das die Wahrscheinlichkeit eines <strong>patrilokalen, ehelichen Aufenthalts</strong> dokumentiert</em>“ (Larsen <em>et al.</em> 2019, m. Ü., m. H.) Im Poster wird sogar behauptet – ich wiederhole: “<em>Vorherige Analysen der <strong>Morphology und Maße </strong>der Zähne (Aşıklı Höyük, Musular and Çatalhöyük) deuten an, dass eine patrilokale, eheliche Residenzpraxis betrieben wurde (Pilloud 2013), welche Auswirkungen auf die Bewegungen über den Raum und die Entwicklungen strukturierter Gesellschaften im Laufe der Zeit hatte.</em>“ (Pilloud <em>et al.</em> 2018, m. Ü., m. H.)</p>
<p>Es sind in Çatal Höyük nur Unterschiede in der <strong>GRÖSSE</strong> gefunden worden und an den anderen neolithischen Orten nicht einmal das. Für das viel bedeutendere Kriterium, nämlich die <strong>FORM,</strong> weist Çatal Höyük nur wenige, das heißt keine signifikaten Unterschiede auf. Damit handelt es sich hier um eine Falschaussage in dem Poster von 2018 und um eine Übertreibung („phänotypisch“) in der Studie vom 17. Juni 2019.</p>
<p>Da dem Text von Pilloud 2013 keine Tabellen beiliegen, dürfen wir uns fragen, nach welchen Kriterien die Zähne ausgesucht wurden. Wo wurden sie z.B. gefunden? Dazu keinerlei Angabe, auch nicht zur Anzahl der untersuchten Individuen.</p>
<p>Marin A. Pilloud schreibt von „sog. Göttinnen-Figurinen“, was bereits eine klare, ideologische Absage an Marija Gimbutas und James Mellaart ist, und schlimmer noch, sie wischt mit einem rhetorischen Schachzug Matrifokalität vom Tisch, in dem sie von einem Matriarchat im Sinne von Frauenherrschaft, also von Ungleichheit spricht, von der insbesondere aber Marija Gimbutas nie gesprochen hat. Dass Matrifokalität die einzige Lebensform ist, die echte Egalität ermöglicht, weiß Pilloud entweder nicht, oder sie WILL es nicht wissen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, und das habe ich leider erst jetzt bemerkt, dass sie zum Zeitpunkt dieser „Untersuchung“ und insgesamt vier Jahre für das US-Verteidigungsministerium (Central Identification Laboratory, Joint POW / MIA Accounting Command) gearbeitet hat, dessen erzpatriarchale Gesinnung wir nicht ausführen müssen.</p>
<p>Weil leider nicht immer nur Wissen erschaffen, sondern auch Wissen vorgetäuscht wird, hat die Wissenschaftsethik 12 zu erfüllende Kriterien aufgestellt. Dies sind<br />
1. Ehrlichkeit<br />
2. Objektivität<br />
3. Überprüfbarkeit<br />
4. Reliabilität<br />
5. Validität<br />
6. Verständlichkeit<br />
7. Relevanz<br />
8. Logische Argumentation<br />
9. Originalität<br />
10. Nachvollziehbarkeit<br />
11. Fairness<br />
12. Verantwortung<br />
(FH DO 2011, S. 15, <a href="https://www.springer-campus-it-onlinestudium.de/w3lmedia/W3L/Medium112698/9783868340341_Leseprobe.pdf" target="_blank" rel="noopener">online, im PDF S. 3</a>)</p>
<p>Menschen können sich auch irren, nicht nur JournalistInnen, auch ArchäologInnen stehen unter Druck. Einerseits müssen sie sensationelle Ergebnisse vorweisen, um Geld für den Fortgang einer Grabung einfordern zu können, andererseits sind die Geldgeber und Archäologen daran interessiert, dass die Grabungsergebnisse ihr Weltbild bestätigen, das ja immer ein patriarchales ist. Insbesondere die Grabungsgeschichte von Çatal Höyük, das in der Zentral-Türkei gelegen ist, ist ein Beispiel dafür, wie schnell eine Grabung für beendet erklärt wird und missliebige Archäologen entfernt werden. Nach Hodders unspektakulärem Abgang ist die Grabung wieder ganz in türkischen Händen. Ein anderes Beispiel ist die Ausgrabung in Ephesus, wo dem österreichischen Team im Jahre 2016 aus politischen Gründen die Grabungslizenz entzogen wurde (<a href="https://science.orf.at/stories/2891594/" target="_blank" rel="noopener">Sciene ORF 2018</a>). Aber das nur am Rande.</p>
<p>Das Poster 1 <em>Pilloud et al. 2018</em> wirft damit noch weitere Fragen auf.</p>
<ol class="liste1">
<li>Unter &#8222;Materialien und Methoden&#8220; wird die Tabelle 2, die nur Daten aus Aşıklı Höyük, Musular and Çatal Höyük enthält, falsch zugeordnet: „<em>Data were collected on nuDNA from a subset of Individuals from Boncuklu und Tepecik-Çiftlik (Table 2).</em>“ Die Daten zur nuDNA befinden sich jedoch in „Figure 3“. Ein einfacher Schreibfehler ist das nicht, sondern bereits Nachlässigkeit, und dies auf einem kleinen Poster, das eine Aussage von erheblicher Tragweite trifft. Der Satz lässt ein zweites Mal aufmerken. Denn die Überschrift des Posters lautet „Mobility in Neolithic Central Anatolia: A Comparison of Dental Morphometrics and aDNA“. Aber die Untersuchung der Zähne aus Çatal Höyük wurde <strong>NICHT</strong> durch eine DNA-Untersuchung abgesichert! Dies ist in gewisser Weise eine manipulative Gestaltung der Studie und ihrer Überschrift.</li>
<li>Das Poster enthält insgesamt 3 Tabellen und eine Abbildung, die möglicherweise schon 2013 von Marin A. Pilloud produziert worden sind. Hat es 4 Jahre gedauert, bis das Forscherteam, zu dem wieder Marin A. Pilloud gehörte, damit auf eine Konferenz gegangen ist? Das Poster erweckt aber den Eindruck, als seien es völlig neue Daten. Aber waren die Daten vielleicht noch so wenig aussagekräftig, dass sie weiter verwertet werden mussten oder gibt es einen anderen Grund? Denn das vorliegende Poster soll primär etwas anderes zum Ausdruck bringen. Wir lesen dort als Ergebnis (das ich abschreiben musste, weil das PDF des Posters kopiergeschützt ist):<br />
<blockquote><p>„Diese Ergebnisse legen die regionale Entwicklung von Gemeinschaften nahe, die im Laufe der Zeit begannen, miteinander zu interagieren, was schließlich zu größeren dörflichen Siedlungen führte.“<br />
(Pilloud <em>et al. </em>2018; meine Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
</li>
</ol>
<p>Pillouds „Studie“ von 2013 hat, das zeigen nun diese Tabellen im Poster 1 von 2018 (wenn es tatsächlich diejenigen sind), große Schwächen, von der Tatsache abgesehen, dass allein das Kriterium der Zahngröße zu der brisanten Aussage herangezogen werden konnte. Da ist schon einmal die geringe Anzahl und das ungleiche Geschlechterverhältnis der untersuchten Individuen. Um Residenzregeln zu beweisen, müssen gleich viele Männer wie Frauen untersucht werden. (Dieser Fehler wurde schon bei den <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/das-massaker-von-talheim" target="_blank" rel="noopener">Untersuchungen am bandkeramischen Massaker von Talheim/Neckar</a> gemacht, wo die Archäologin Ursula Eisenhauer ebenfalls Patrilokalität nachzuweisen versuchte, was ich ebenfalls entkräften konnte; vgl. Uhlmann 2012 und Düring/Wahl 2014, S. 22 f).<br />
Aber es wurden hier 56 Männer und 67 Frauen (Verhältnis 0,84) untersucht. Dass bei mehr Frauen auch mehr Unterschiede festgestellt werden, sollte uns nicht wundern. In Aşıklı Höyük wurden 11 Männer und 14 Frauen (Verhältnis 0,79) und nur in Musular gleich viele, jedoch nur 3 Männer und 3 Frauen untersucht und hier wurden auch die geringsten Unterschiede gefunden.<br />
Wir erfahren wie gesagt auch nichts darüber, an welchen Stellen die Zähne gefunden wurden, denn Çatal Höyük ist viel größer als Aşıklı Höyük und Musular. Durch gezielte Auswahl von weiblichen Zähnen an unterschiedlichen Orten, wäre das Ergebnis leicht zu manipulieren gewesen. Wir erfahren auch nichts über das mutmaßliche Alter der „Frauen“ zum Todeszeitpunkt und den Erhaltungszustand im Vergleich der Zähne untereinander. Auch Fotos wären anschaulich gewesen.</p>
<p>Der verwendete Datensatz ist leider auch nicht identisch mit dem aus der Studie von Pilloud/Larsen 2011, bei der keine Familiengräber gefunden wurden. 2011 wurden 266 Individuen einbezogen, 2013 offenbar (wenn die Tabelle im Poster von 2017 tatsächlich aus dem Jahre 2013 stammt) nur 256. Als Untermauerung einer so schwerwiegenden Aussage ist diese Quelle <em>Pilloud 2013</em> völlig ungeeignet und hat, obwohl auch sie in dem sog. peer-reviewten Fachmagazin „American Journal of Physical Anthropology“ veröffentlicht wurde, lediglich den Wert einer Zeitungsmeldung.</p>
<h2 id="sekundaerquellenkritik-poster-2-von-2018">Sekundärquellenkritik &#8211; Poster 2 von 2018</h2>
<p>Werfen wir noch einen Blick auf das <a href="https://www.researchgate.net/publication/327537029_Dental_Diversity_and_Population_Movement_in_Neolithic_Central_Anatolia" target="_blank" rel="noopener">2. Poster</a> (Philbin/Pilloud 2018), das auf der Konferenz präsentiert wurde. Es geht darin wieder um Zahn-Untersuchungen aus den gleichen Orten, nur Tepecik-Çiftlik fehlt. Die AutorInnen sind diesmal Casey S. Philbin und Marin A. Pilloud. Sie betonen in der rechten Seitenspalte, dass Clark S. Larsen Einfluss auf die Studie genommen hat. Es wurden zwei Hypothesen überprüft. 1. die neolithischen Gemeinschaften entwickelten sich regional, und 2. während des jüngeren Neolithikums gab es verstärkten Kontakt zwischen den Siedlungen und einen Genfluss. Im Ergebnis hätte sich beides bestätigt, alle Orte hätten an Diversität zugenommen. Die Zunahme an Merkmalen deute auf eine Zunahme der Komplexität der Gemeinschaft hin. Die Studie diene dem Verständnis, wie sich die Sesshaftigkeit über Europa ausgebreitet hatte, mit Anatolien als führender Rolle.<br />
Diesmal wurde kein Augenmerk auf das Geschlecht der untersuchten Individuen gelegt. Aus Çatal Höyük wurden deutlich weniger Zähne ausgewertet, nämlich nur 137, während die Anzahl aus Aşıklı Höyük mit 39 etwas mehr war und Musular mit 7 gleich blieb. Diese DNA-Untersuchungen können also keine Patrilokalität beweisen, lediglich die Vermischung der Gene in der Region, was ja auch erwartet war.</p>
<p>Wir können daraus ablesen, dass Çatal Höyük eine starke Anziehungskraft ausübte. Die Sogwirkung beweist, dass Çatal Höyük über einen sehr langen Zeitraum nicht so unwirtlich und so gewalttätig gewesen sein kann, wie es Larsen am 17. Juni 2019 verlauten ließ.<br />
Die Sogwirkung allein dem massenhaften Zuzug von Ehefrauen zuzuschreiben, ist nicht haltbar, auch hätte es dann vor Ort einen permanenten Männerüberschuss, also einen Heiratsmarkt, hätte geben müssen, wenn die Männer nicht polygam gelebt haben. Das wiederum dürfte angesichts der Bildsprache der Rauminstallationen in den Häusern kaum der Fall gewesen sein. Im Gegenteil, die Menge verbauter Bukranien (Rindergehörne), die wenn sie denn tatsächlich männliche Tiere bzw. Männer repräsentieren, ist deutlich größer als die Zahl der Frauenfiguren, neben denen sie angeordnet sind. Ich würde sie eher als Symbole der vielen Liebhaber einer Mutter ansehen. Es ist nachvollziehbar, dass die zugezogenen Frauen ihre Liebhaber vor Ort ausgewählt und getauscht haben. Aber deswegen muss frau ja nicht gleich heiraten, wie es so schön heißt.</p>
<p><a title="Elelicht [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_EL.JPG"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/08/Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_EL.JPG/512px-Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_EL.JPG" alt="Catal Hüyük EL" width="512" /></a><br />
Installation aus Çatal Höyük: Oben Urmutter in Gebärhaltung, unten Bukranien. Neben dem Ofen erkennen wir Lehmkugeln.<br />
Rekonstruktion im Museum of Anatolian Civilizations, Ankara<br />
<span style="font-size: 8px;">Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<p>Es dürfte sich daher um den Zuzug ganzer Sippen oder Teilen von Sippen gehandelt haben, wobei vor allem die Frauen es attraktiv fanden, fortan in der Metropole zu wohnen und die Zuwanderung auch der Männer maßgeblich vorantrieben. Es müssen sich daraus Vorteile für sie selbst ergeben haben, u.a., auf den ersten Blick, eine größere Auswahl an Männern. Natürlich kann so der Eindruck entstehen, es hätte sich um patrilokale Familienbeziehungen gehandelt. Mangelnde Vorstellungskraft und Rückwärtsprojektion patriarchaler Verhältnisse führen zu solchen Verlautbarungen. Auf der Basis der Beobachtung, dass in patriarchalen Gesellschaften darauf geachtet wird, dass Familienmitglieder gemeinsam bestattet werden, gehen Hodder, Larsen und Pilloud davon aus, dass von der Art der Bestattung auf die des sozialen Zusammenlebens geschlossen werden kann. Bei matrifokalen Gemeinschaften ist das aber nicht so einfach. So wissen wir aus dem matrilinearen Völkern in Amerika, Afrika und Asien, dass die Kinder oft gar nicht wissen, welche Frau ihre eigene Mutter ist (Tazi-Preve 2017, S. 155f und 2018). Es gibt dann kein Wort für Tante, sondern nur das Wort Mutter.</p>
<p>Çatal Höyük war keine Ansammlung von Parallelgesellschaften, sondern ein echter Schmelztiegel. Wir können davon ausgehen, dass die Kinder auch von Nachbarsippen mitbetreut wurden und, wenn ein Kind Waise, also mutterlos wurde, nahtlos von anderen Sippen adoptiert wurde, was aus psychologischer Sicht sicher hilfreich war. Vielleicht war ja genau das der größte Vorteil, den Kinder dort hatten, dies in der Zeit des Hungers nach der Misox-Schwankung. In großen sesshaften, matrifokalen Gemeinschaften ist demnach gar nicht zu erwarten, dass die mütterlichen Linien beieinander bestattet sind. Für altsteinzeitliche, nichtsesshafte Wildbeutergruppen dürfte dies anders gewesen sein, da die Gruppen wesentlich kleiner waren, nur aus einer Sippe bestehend, mit ca. 80-120 Personen und nicht wie in Çatal Höyük mit mehreren Tausend.</p>
<p><a title="Stipich Béla [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_Restauration.JPG"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/7b/Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_Restauration.JPG/256px-Catal_H%C3%BCy%C3%BCk_Restauration.JPG" alt="Catal Hüyük Restauration" width="256" /></a><br />
Raum aus Çatal Höyük: Unter den Schlaf-Plattformen wurden die Angehörigen bestattet. Rekonstruktion im Museum of Anatolian Civilizations, Ankara<br />
<span style="font-size: 8px;">Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<h2 id="neue-verwandtschaftsstudie-von-2019-aehnlich-den-matrilinearen-Pueblo">Neue Verwandtschaftsstudie von 2019: Ähnlich den matrilinearen Pueblo?</h2>
<p>Bei meiner Recherche entdeckte ich eine weitere 2019 erschienene, wesentlich nüchternere (<a href="https://www.mdpi.com/2073-4425/10/3/207" target="_blank" rel="noopener">und auch frei im Internet abrufbare</a>) Studie eines völlig anderen Teams polnischer, tschechischer, schwedischer und türkischer BiologInnen und ArchäologInnen. Sie untersuchten 4 benachbarte Häuser in Çatal Höyük aus der sog. Mellaart-Phase VI A und konnten dort insgesamt 10 verschiedene Mitochondrien-DNAs (mtDNA) identifizieren, also im Schnitt 2,5 mtDNAs pro Haus. Insgesamt wurden 37 Individuen untersucht, und zwar zehn aus Gebäude 96, sechs aus Gebäude 97, fünf aus Gebäude 89, und 16 aus Gebäude 80, wo nebenbei erwähnt besonders viele Installationen gefunden wurden.<br />
Davon waren viele Proben kontaminiert, so dass am Ende nur 10 Individuen berücksichtigt werden konnten. Es waren 5 Kinder und 5 Erwachsene. Es konnten nur 3 weibliche Individuen eindeutig indentifiziert werden, davon zwei Kinder. Nach der DNA konnte kein Mann zweifelsfrei identifiziert werden, nach der Morphologie ist vermutlich nur ein Mann dabei.<br />
Keine der mtDNAs kam in ein und demselben Haus mehrfach vor, aber in den 4 benachbarten Häusern fanden sich VertreterInnen von insgesamt 6 „Lineagen“ (U, K, H, W, N und X), die aber zu 10 verschiedenen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Haplotyp" target="_blank" rel="noopener">Haplotypen</a> gehörten. Alle Erwachsenen gehörten unterschiedlichen „Lineagen“ an.<br />
Im Gebäude 96 wurden eine Frau und 3 Kinder gefunden, die keine Verwandten ersten Grades waren. Dies wird wie folgt interpretiert:</p>
<blockquote><p>“Der Fall der im Gebäude 96 begrabenen Personen ist besonders interessant, da vier verschiedene mitochondriale Haplotypen darauf hindeuten, dass mindestens vier verschiedene mütterliche Abstammungslinien in der Gruppe der Personen vorlagen, die in diesem bestimmten Haus beigesetzt wurden. Eine derart hohe Variabilität mitochondrialer Haplogruppen in einer Verwandtschaftsgruppe, insbesondere bei Kindern und Frauen, <strong>könnte durch die Patrilokalität erklärt werden</strong>. Unter der Annahme, dass das Haus als für Çatal Höyük typische Struktur für 3-4 Generationen bewohnt war (…) und von einer matrilokalen oder bilateralen biologischen Verwandtschaftsgruppe bewohnt wurde, ist die Möglichkeit unplausibel, vier Individuen zu finden, die unterschiedliche mütterliche Abstammungslinien repräsentieren und die in Geschlecht und Alter zusammen passen. Zur Untermauerung dieser Interpretation sollten jedoch entweder die väterlichen Abstammungslinien analysiert werden, die in den Y-Chromosomen-Daten widergespiegelt sind, oder es ist eine genaue Schätzung der Größe der betreffenden Verwandtschaftsgruppe erforderlich. Da das Gebäude 96 nicht vollständig ausgegraben wurde (…), wurden bisher nur zehn Personen freigelegt. Es ist nicht auszuschließen, dass sich noch mehr Verstorbene unter seinem Boden befinden.“<br />
(Chyleŉski et al. 2019, S. 8)</p></blockquote>
<p>Die Ergebnisse passen natürlich gut zu der ersten Studie Pilloud/Larsen 2011 und es fällt wohltuend auf, dass erwähnt wird, dass die Ergebnisse mit den Daten der Y-Chromosomen abgesichert werden müssen und zudem die Zahl der Untersuchten unvollständig ist.<br />
Nicht ausschließlich Patrilokalität, mit der sich ja Marin A. Pilloud viel zu weit aus dem Fenster lehnt, sondern auch andere Arten des Zusammenlebens werden erwogen, z.B. wird auch ein Vergleich mit den Pueblo Nordamerikas angestellt. Dass die Pueblo matrifokal waren, wird allerdings unterschlagen. Die Siedlungen der Pueblo dienten immer wieder als Vorbild bei der Rekonstruktion des Siedlungshügels.</p>
<p><a title="Popular Science Monthly Volume 41 [Public domain], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:PSM_V41_D825_Terrace_houses_of_the_pueblo_indians_in_new_mexico.jpg"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/d2/PSM_V41_D825_Terrace_houses_of_the_pueblo_indians_in_new_mexico.jpg/256px-PSM_V41_D825_Terrace_houses_of_the_pueblo_indians_in_new_mexico.jpg" alt="PSM V41 D825 Terrace houses of the pueblo indians in new mexico" width="300" /></a><br />
Pueblo-Terrassenhäuser in New Mexiko<br />
<span style="font-size: 8px;">Bildquelle: Wikimedia Commons</span></p>
<p>Es wird auch überhaupt nicht in Betracht gezogen, dass Adoptionen häufig vorgekommen sein müssen. Wichtig ist aber der Hinweis, dass es in Tepecik-Çiftlik und Boncuklu Höyük starke Indizien für mitochondriale Verwandtschaft gibt. Auch das legt nahe, dass diese Orte noch keine Metropolen waren, sondern matrilinear gewachsene, geschlossene Gemeinschaften. Insbesondere Boncuklu Höyük wird als einer der genetischen Ursprungsorte Çatal Höyüks vermutet (Chyleŉski <em>et al.</em> 2019, S. 9).</p>
<p>Matrilokalität und Matrilinearität ist unser angeborenes Sozialverhalten. Patrilokalität und Patrilinearität, also Patriarchat, ist keine natürliche Option für den Menschen, sondern es gibt dafür immer einen unnatürlichen Grund, und zwar wirtschaftlicher Art, und es ist natürlich nicht egalitär. Die Entstehung eines Patriarchats ist an die Tierzucht in Herdenhaltung gebunden, und dafür gibt es in Çatal Höyük keine Anzeichen, lediglich Tierhaltung im kleinen Rahmen und Jagd sind belegt. Daher ist plausibel, dass die BewohnerInnen ihre gewohnte Freiheit weiterlebten, nachdem sie in Çatal Höyük angekommen waren. Çatal Höyük kann als Beleg dafür herangezogen werden, dass Matrifokalität zu größerer Toleranz unter Fremden und zu starker Gemeinschaft führen kann. Es spricht vor allem auch für meine These, dass matrifokal aufwachsende Kinder sich ihre wichtigsten Bezugspersonen selbst suchen und selber wissen, was und wen sie brauchen.</p>
<p>Eine archäologische Stätte, die derart bedeutend für die Menschheit ist, weil sie die Überreste unseres matrifokalen Erbes bewahrt, sollte, wie jeder andere Forschungsgegenstand auch verantwortungsvoll erforscht werden. Verantwortung ist in einer Zeit von wieder erstarkender patriarchaler Ideologie ein immer wichtigeres wissenschaftsethisches Kriterium.</p>
<h2 id="nachtrag">Nachtrag</h2>
<p>Am 14. April 2021 bestätigten türkische Forscher erneut die Matrifokalität jungsteinzeitlicher Siedlungen, u.a. Çatal Höyük <a href="https://www.miragenews.com/ancient-dna-hints-at-diverse-stone-age-543915/" target="_blank" rel="noopener">Zum Artikel im Magazin miragenews.com</a></p>
<h2 id="literatur">Literatur</h2>
<ul id="liste4">
<li>Balter 2010: Michael Balter: <strong>Hodder Cleans House at Famed Çatalhöyük Dig</strong>. Veröffentlicht am 2.9.2010<br />
<a href="https://www.sciencemag.org/news/2010/09/hodder-cleans-house-famed-atalh-y-k-dig">https://www.sciencemag.org/news/2010/09/hodder-cleans-house-famed-atalh-y-k-dig</a></li>
<li>Beise/Voland 2003: Jan Beise und Eckart Voland: <strong>Warum gibt es Großmütter?</strong> In: Spektrum online, veröffentlicht am 01.01.2003. <a href="https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410" target="_blank" rel="noopener">https://www.spektrum.de/magazin/warum-gibt-es-grossmuetter/829410</a></li>
<li>Berg 2019: T. Berg: <strong>9.000 Jahre alte Steinzeit-Stadt litt an modernen urbanen Problemen. In einer der ersten Großsiedlungen der Menschheit grassierten Krankheiten, Umweltzerstörung und Gewalt. Abgerufen am 15.7.2019<br />
</strong><a href="https://www.derstandard.at/story/2000105111331/9-000-jahre-alte-steinzeit-stadt-litt-an-modernen-urbanen">https://www.derstandard.at/story/2000105111331/9-000-jahre-alte-steinzeit-stadt-litt-an-modernen-urbanen</a></li>
<li>Chyleŉski <em>et al.</em> 2019: Maciej Chyleŉski , Edvard Ehler, Mehmet Somel, Reyhan Yaka, Maja Krzewiŉska, Mirosława Dabert, Anna Juras and Arkadiusz Marciniak: <strong>Ancient Mitochondrial Genomes Reveal the Absence of Maternal Kinship in the Burials of Çatalhöyük People and Their Genetic Affinities</strong>. In: Genes 2019, 10, 207; doi:10.3390/genes10030207, Published: 11 March 2019</li>
<li>Düring, Andreas; Wahl, Joachim: <strong>Agentenbasierte Computersimulationen als Schlüssel zur demographischen Struktur des bandkeramischen Massengrabs von Talheim.</strong> In: <a href="https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fbbw/article/download/44490/37955" target="_blank" rel="noopener">Fundberichte aus Badenwürttemberg, Band 34/2, Darmstadt 2014, S. 5-24</a></li>
<li>Farid 2014: Shahina Farid: <strong>‘Proportional representation’ multiple voices in archeological interpretation at Çatalhöyük</strong>. In: Robert Chapman, Alison Wylie Material Evidence: Learning from Archaeological Practice, Routledge, 05.12.2014, S. 75f</li>
<li>Grabmeier 2019: Jeff Grabmeier: <strong>9,000 years ago, a community with modern urban problems. Çatalhöyük had overcrowding, violence, environmental troubles. </strong>Ohio State News, 17.06.2019<br />
<a href="https://news.osu.edu/9000-years-ago-a-community-with-modern-urban-problems/">https://news.osu.edu/9000-years-ago-a-community-with-modern-urban-problems/</a></li>
<li>Hodder 2010: Ian Hodder: <strong>2010 SEASON REVIEW. A Decorated House Found at Çatalhöyük. In Çatalhöyük Archive Report 2010, S. 1-5</strong> <a href="http://www.catalhoyuk.com/sites/default/files/media/pdf/Archive_Report_2010.pdf">http://www.catalhoyuk.com/sites/default/files/media/pdf/Archive_Report_2010.pdf</a></li>
<li>Jarus 2011: Owen Jarus:<strong> No Family Plots, Just Communal Burials In Ancient Settlement</strong>. Live Science Contributor, veröffentlicht am 29.6.2011. Abgerufen am 15.7.2019<br />
<a href="https://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html">https://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html</a></li>
<li>Konigsberg 1988: L. W. Konigsberg: <strong>Migration models of prehistoric postmarital residence.</strong> Am. J. Phys. Anthropol. 77, 471–482 (1988).</li>
<li>Larsen <em>et al.</em> 2019: Clark Spencer Larsen, Christopher J. Knüsel, Scott D. Haddow, Marin A. Pilloud, Marco Milella, Joshua W. Sadvari, Jessica Pearson, Christopher B. Ruff, Evan M. Garofalo, Emmy Bocaege, Barbara J. Betz, Irene Dori, and Bonnie Glencross: <strong>Bioarchaeology of Neolithic Çatalhöyük reveals fundamental transitions in health, mobility, and lifestyle in early farmers</strong>. In: PNAS June 25, 2019 116 (26) 12615-12623; first published June 17, 2019 <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1904345116">https://doi.org/10.1073/pnas.1904345116</a></li>
<li>Lauer 2019: Céline Lauer: <strong>Wie Städte Gewalt erzeugen.</strong> Veröffentlicht am 25.06.2019, abgerufen am 15.07.2019<br />
<a href="https://www.welt.de/wissenschaft/plus195816815/Untergang-von-Çatalhoeyuek-Wie-Staedte-Gewalt-erzeugen.html" rel="nofollow">https://www.welt.de/wissenschaft/plus195816815/Untergang-von-Çatalhoeyuek-Wie-Staedte-Gewalt-erzeugen.html</a></li>
<li>Philbin/Pilloud 2018: Casey S. Philbin and Marin A. Pilloud Department of Chemistry, University of Nevada, Reno; Department of Anthropology, University of Nevada, Reno: <strong>Dental Diversity and Population Movement in Neolithic Central Anatolia</strong>. Conference Paper, September 2018<br />
= POSTER 2: <a href="https://www.researchgate.net/publication/327537029_Dental_Diversity_and_Population_Movement_in_Neolithic_Central_Anatolia">https://www.researchgate.net/publication/327537029_Dental_Diversity_and_Population_Movement_in_Neolithic_Central_Anatolia</a></li>
<li>Pilloud 2013: Pilloud MA. 2013. <strong>Postmarital residence in Neolithic Anatolia.</strong> In: American journal of physical anthropology Supplement S. 150, S. 221-222.</li>
<li>Pilloud <em>et al.</em> 2018: Marin A. Pilloud, Mehmet Somel, Scott D. Haddow, Christopher J. Knüsel, Clark Spencer Larsen, Mihriban Ӧzbaşaran, Omur Dilek Erdal, Douglas Baird, Jessica Pearson, Anders Götherström, Jan Storå, Mattias Jakobsson, Gülşah Merve Kılınç Füsun Özer, Dilek Koptekin, Nihan Dilşad Dağtaş: <strong>Mobility in Neolithic Central Anatolia: A Comparison of Dental Morphometrics and aDNA</strong>. Conference Paper, September 2018<br />
= POSTER 1: <a href="https://www.researchgate.net/publication/327536930_Mobility_in_Neolithic_Central_Anatolia_A_Comparison_of_Dental_Morphometrics_and_aDNA">https://www.researchgate.net/publication/327536930_Mobility_in_Neolithic_Central_Anatolia_A_Comparison_of_Dental_Morphometrics_and_aDNA</a></li>
<li>Pilloud/Larsen 2011: Marin A. Pilloud, Clark Spencer Larsen: <strong>“Official” and “practical” kin: Inferring social and community structure from dental phenotype at Neolithic Çatalhöyük, Turkey.</strong> In: In: American journal of physical anthropology, S. 145, S. 519-530. First published: 17 May 2011. <a href="https://doi.org/10.1002/ajpa.21520d">https://doi.org/10.1002/ajpa.21520d</a><br />
<a href="https://www.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ajpa.21520">https://www.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ajpa.21520</a></li>
<li>Roffet-Salque <em>et al.</em> 2018: Mélanie Roffet-Salque, Arkadiusz Marciniak, Paul J. Valdes, Kamilla Pawłowska, Joanna Pyzel, Lech Czerniak, Marta Krüger, C. Neil Roberts, Sharmini Pitter, and Richard P. Evershed: <strong>Evidence for the impact of the 8.2-kyBP climate event on Near Eastern early farmers.</strong> PNAS August 28, 2018 115 (35) 8705-8709; first published August 13, 2018 <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.1803607115">https://doi.org/10.1073/pnas.1803607115</a></li>
<li>FH DO 2011: Springer Campus IT Online-Studium in Zusammenarbeit mit der FH Dortmund 2011: <strong>Wissenschaftsethik: Qualitätskriterien</strong>.<br />
<a href="https://www.springer-campus-it-onlinestudium.de/w3lmedia/W3L/Medium112698/9783868340341_Leseprobe.pdf">https://www.springer-campus-it-onlinestudium.de/w3lmedia/W3L/Medium112698/9783868340341_Leseprobe.pdf</a></li>
<li>Science ORF 2018: <strong>Archäologen dürfen zurück nach Ephesos</strong>. <a href="https://science.orf.at/stories/2891594/">https://science.orf.at/stories/2891594/</a> Publiziert am25.01.2018</li>
<li>SMM 2003: Mysteries of Çatalhöyük 2003. Science Museum of Minnesota<br />
<a href="https://www.smm.org/catal/mysteries/" target="_blank" rel="noopener">https://www.smm.org/catal/mysteries/</a></li>
<li>Tazi-Preve 2017: Mariam Irene Tazi-Preve: <strong>Das Versagen der Kleinfamilie. Kapitalismus, Liebe und der Staat</strong>. Opladen. Berlin, Toronto 2017</li>
<li>Tazi-Preve 2018: <strong>Vereinbarkeitsdebatte. Wir müssen Familie anders denken</strong>. Interview mit Mariam Irene Tazi-Preve von Anja Wasserbäch am 06.02.2018. Stuttgarter Nachrichten.<br />
<a href="https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.vereinbarkeitsdebatte-wir-muessen-familie-anders-denken.f0e056a4-6943-4975-8fab-6bdf47e97adf.html">https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.vereinbarkeitsdebatte-wir-muessen-familie-anders-denken.f0e056a4-6943-4975-8fab-6bdf47e97adf.html</a></li>
<li>Uhlmann 2012: Gabriele Uhlmann: <strong>Das Massaker von Talheim.</strong> In: Gabriele Uhlmann: Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte. Norderstedt 2012</li>
<li>Uhlmann 2019: Online-Ressource <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat" target="_blank" rel="noopener">Patriarchat- Definition, Geschichte und Symptome</a></li>
<li>Vieweg 2019: Martin Vieweg: <strong>Städtische Probleme – schon vor 9000 Jahren.</strong><br />
<a href="https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/staedtische-probleme-schon-vor-9000-jahren/">https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/staedtische-probleme-schon-vor-9000-jahren/</a> Veröffentlicht am 17. Juni 2019</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/patriarchat-und-gewalt-in-catal-hoeyuek">Patriarchat und Gewalt in Çatal Höyük?</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Das Massaker von Talheim</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/das-massaker-von-talheim</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Jul 2021 13:59:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Analysen und Studien]]></category>
		<category><![CDATA[Anthropologie]]></category>
		<category><![CDATA[Archäologie]]></category>
		<category><![CDATA[Bandkeramik]]></category>
		<category><![CDATA[Buch "Archäologie und Macht"]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Interdisziplinäre Patriarchatsforschung]]></category>
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		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
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		<category><![CDATA[Matrilokalität]]></category>
		<category><![CDATA[Patrilokalität]]></category>
		<category><![CDATA[Talheim]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Massaker von Talheim ist das prominenteste Beispiel für die beginnende Gewalt in Mitteleuropa um ca. 5000 v.u.Z. und damit für die beginnende Patriarchalisierung. Das Massaker, welches am Ende der...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/das-massaker-von-talheim">Das Massaker von Talheim</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Massaker von Talheim ist das prominenteste Beispiel für die beginnende Gewalt in Mitteleuropa um ca. 5000 v.u.Z. und damit für die beginnende Patriarchalisierung. Das Massaker, welches am Ende der Bandkeramischen Kultur stattgefunden hat, wird auch von der Herrschenden Lehre als einer der ersten Kriegsschauplätze bezeichnet.</strong></p>
<p><a href="https://i0.wp.com/www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/geschichte/urundfrueg/steinz/talheim/fundsituation.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="bild" title="Massaker von Talheim" src="https://i0.wp.com/www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/geschichte/urundfrueg/steinz/talheim/fundsituation.jpg?w=300" alt="Massaker von Talheim"  border="0" /></a><br />
<span class="abb">Foto: © Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart</span></p>
<p>An diesem Fund hatten die Ur- und Frühgeschichte und die Naturwissenschaft Hand in Hand gearbeitet, um zu beweisen, dass die Jungsteinzeit Mitteleuropas mit ihrer sesshaften, bäuerlichen Lebensweise von Anfang an patriarchalisch geprägt gewesen sei, also schon 500 Jahre früher als das Datum des Massakers.</p>
<p>Der naturwissenschaftliche Befund, der Patrilokalität bezeugen soll, steht im krassen Gegensatz zu den kulturellen Hinterlassenschaften der Bandkeramischen Kultur. Daher hatte ich erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der Schlussfolgerungen, die aus den Datensätzen der Untersuchungen gezogen wurden. Ich habe dann analysiert und in meinem Buch &#8222;Archäologie und Macht&#8220; (siehe rechte Spalte) dokumentiert, wie die vermeintliche Beweisführung strategisch aufgebaut wurde und wie im Einzelnen argumentiert wird. Erstaunlich war dabei, wie schlampig anthropologische Methoden angewendet wurden und wie leichtfertig mit den Befunden umgegangen wurde, um die Hypothese zu bestätigen. Ergebnis meiner Recherchen ist, dass am Ende gar nichts bewiesen wurde, die Untersuchungsergebnisse also nicht für eine solide These verwertbar sind, aber deutliche Hinweise auf Matrilokalität ignoriert wurden.</p>
<p>Dass sich lange niemand über diesen Skandal empört hatte, ist bezeichnend für unseren Wissenschaftsbetrieb, auch dafür, wie gründlich Forschungsberichte gelesen werden und wie blind den Aussagen von Experten vertraut wird. Zwei Jahre nach Veröffentlichung meiner Analyse erschien &#8211; von der Öffentlichkeit unbemerkt &#8211; im Band 34/2 der &#8222;Fundberichte aus Badenwürttemberg&#8220; (Esslingen 2014, S. 22 f), der Artikel <a class="textlink" href="https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fbbw/article/view/44490/37955" target="_blank" rel="noopener">&#8222;Agentenbasierte Computersimulation als Schlüssel zur demographischen Struktur des bandkeramischen Massengrabes von Talheim.&#8220;</a> Darin stellten Joachim Wahl (Universität Tübingen), der federführend an der Talheimforschung beteiligt war, sowie der Archäologe Andreas Düring (Universität Oxford) fest:</p>
<blockquote><p>&#8222;In der Zwischenzeit wurden mehrere, z. T. auf archäometrischen Analysen basierende, auch fiktionale Versuche unternommen, um &#8222;Familien&#8220; oder andere, auf Ähnlichkeiten basierende Gruppierungen innerhalb der 34 ausgegrabenen Talheimer Lebendpopulation aufzudecken,<strong>41</strong> die sich jedoch aufgrund von Überschneidungen, unvollständigen Datensätzen oder sonstigen Unsicherheiten sämtlich als unbefriedigend erwiesen haben. Auch eine angenommene, generell höhere Ähnlichkeit aller vorgefundenen Individuen ließe sich nur mit Hilfe breiter angelegter, vergleichender, überregionaler Studien abklären.<strong>42</strong>&#8222;.</p>
[ebd. <strong>FN 41</strong> &#8222;Vgl. Wahl/König 1987 (Anm. 3). &#8211; Alt et al. 1995 (Anm. 9). &#8211; Eisenhauer 2003 (Anm. 3). &#8211; Wahl/Strien 2009 (Anm. 9) &#8211; T. D. Price/J. Wahl/R. A. Bentley, Isotopic Evidence for Mobility and Group Organization Among Neolithic Farmers at Talheim, Germany, 5000 BC. Europ. Journal Arch. 9, 2006, 259-284. Zusammengestellt in Wahl/Trautmann 2012 (Anm. 3).</p>
<p>ebd. <strong>FN 42 Vgl. G. Uhlmann, Archäologie und Macht. Zur Instrumentalisierung der Ur- und Frühgeschichte (Norderstedt 2012)</strong>&#8222;]</blockquote>
<p>Der Artikel wurde auch <a class="textlink" href="https://www.academia.edu/19528481/A_massacred_village_community_Agent-based_modelling_sheds_new_light_on_the_demography_of_the_Neolithic_mass_grave_of_Talheim" target="_blank" rel="noopener">ins Englische</a> übersetzt.</p>
<p>Die von mir kritisierte Interpretation des Befundes entspringt m. E. der patriarchalischen Ideologie: Das Patriarchat soll von dem Verdacht freigesprochen werden, unnatürlich und gewalttätig zu sein, und wird stattdessen als der Motor für Kultur schlechthin aufgebaut. Die Tatsache, dass seit Abschluss der Talheimforschung besonders viele Ausstellungen zur Jungsteinzeit stattfanden, nährt den Verdacht, dass diese der schnellen Verbreitung genau dieser These dienten, denn in keinem Ausstellungskatalog fehlten mehr entsprechende Literaturhinweise und Hinweise auf die vermeintliche Patrilokalität der gesamten bandkeramischen ja sogar frühneolithischen Kultur, die uns durch ihre wunderschön dekorierten Gefäße bezaubert.</p>
<p>Weitere ABBILDUNGEN finden Sie hier:</p>
<p>Homepage der &#8218;Zentrale für Unterrichtsmedien&#8216;:<br />
<a class="textlink" href="http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/geschichte/urundfrueg/steinz/talheim/" target="_blank" rel="noopener">http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/geschichte/urundfrueg/steinz/talheim/</a></p>
<p>Homepage des &#8218;Museums im Deutschhof&#8216; Heilbronn, wo die Funde heute ausgestellt sind:<br />
<a class="textlink" href="http://www.museen-heilbronn.de/museum/sonderausstellungen/rueckblick/archaeologie/tatort_talheim/" target="_blank" rel="noopener">http://www.museen-heilbronn.de/museum/sonderausstellungen/rueckblick/archaeologie/tatort_talheim/ </a></p>
<p>Homepage der Stadt Talheim mit Abbildungen zur musealen Aufbereitung des Massakers:<br />
<a class="textlink" href="http://www.talheim.de/ceasy/modules/cms/main.php5?cPageId=46" target="_blank" rel="noopener">http://www.talheim.de/ceasy/modules/cms/main.php5?cPageId=46</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/das-massaker-von-talheim">Das Massaker von Talheim</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>2030 &#8211; Die sog. künstliche Gebärmutter</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Jun 2021 16:45:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Analysen und Studien]]></category>
		<category><![CDATA[Buch: Der Gott im 9. Monat]]></category>
		<category><![CDATA[Female Choice]]></category>
		<category><![CDATA[Gebärneid]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Mutter]]></category>
		<category><![CDATA[Mütterpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Skandal]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter">2030 &#8211; Die sog. künstliche Gebärmutter</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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				<div class="col span_12 section-title text-align-center extra-padding"><h2>
<h1 style="text-align: center">2030 &#8211; Die sog. Künstliche Gebärmutter</h1>
</h2></div><div class="clear"></div><div class="img-with-aniamtion-wrap center" data-max-width="100%" data-max-width-mobile="default" data-shadow="none" data-animation="fade-in" >
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	<p style="text-align: center;"><span class="abb">Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/waagsociety/43735489180/in/album-72157702679660524/" target="_blank" rel="noopener">Exhibition ‘Chronic Health: If not us then who?’</a> by <a href="https://www.flickr.com/photos/waagsociety/" target="_blank" rel="noopener">Waag</a> is licensed under <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/?ref=ccsearch&amp;atype=rich" target="_blank" rel="noopener">CC BY-NC-SA 2.0</a></span></p>
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		<div id="sidebar" data-nectar-ss="" class="wpb_wrapper"><h2 class="wpb_heading wpb_widgetised_column_heading">Translator</h2>
			
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			<div id="tab-was-wurde-bisher-bezahlt" role="tabpanel" aria-labelledby="tab-title-was-wurde-bisher-bezahlt" tabindex="0" data-tab-icon="" class="wpb_tab ui-tabs-panel wpb_ui-tabs-hide clearfix">
				
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	<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/0bd0ce8b9b62482fa9da88c77fdc4751" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h1>Was wird da von der EU gefördert?</h1>
<p><span style="font-size: 30px; font-weight: bold;">U</span>nter Federführung der <a href="https://www.tue.nl/en/research/research-groups/cardiovascular-biomechanics/artificial-womb/" target="_blank" rel="noopener">Universität Eindhoven</a> (Niederlande) wird an der Entwicklung der sog. KÜNSTLICHEN GEBÄRMUTTER geforscht. Der Projektkoordinator Prof. Guid Oei (Technische Universität Eindhoven) sagte in einer Pressemitteilung:</p>
<blockquote><p>
„Es ist unser Ziel, extrem frühgeborenen Babys mit unserer künstlichen Gebärmutter dabei zu helfen, die kritische Zeit von 24 bis 28 Wochen zu überstehen … Mit jedem Tag, an dem sich in einer künstlichen Gebärmutter ein Fötus von 24 Wochen entwickelt, steigen seine Überlebenschancen. Wenn wir in der Lage sind, die fetale Entwicklung dieser Kinder in der künstlichen Gebärmutter auf 28 Wochen zu verlängern, können wir das größte Risiko einer vorzeitigen Sterblichkeit auf 15 % reduzieren.“
</p></blockquote>
<p>Quelle: <a href="https://cordis.europa.eu/article/id/411541-brave-new-world-artificial-womb-prototype-offering-hope-for-premature-babies/de" target="_blank" rel="noopener">https://cordis.europa.eu/article/id/411541-brave-new-world-artificial-womb-prototype-offering-hope-for-premature-babies/de</a></p>
<p>Die sog. künstliche Gebärmutter ist ein Roboter, in dem ein Fötus, der eigentlich nicht lebensfähig wäre, monatelang herangezüchtet werden soll.</p>
<p><strong>Es handelt sich NICHT um ein künstliches Organ, das der Mutter eingepflanzt werden könnte. Hier sollen Kinder mit Gewalt ins Leben gezerrt werden.</strong></p>
<h1>Wieviel Geld fließt bereits?</h1>
<p>Die EU fördert das Projekt mit einem Gesamtbudget von 2 876 131,25 EURO.<br />
Diese Summe verteilt sich auf die Projektbeteiligten wie folgt:</p>
<ul id="liste4">
<li>Technische Universität Eindhoven (Niederlande), EU-Beitrag € 792 500</li>
<li>Universitätsklinikum Aachen (Deutschland), EU-Beitrag € 831 943,75</li>
<li>Lifetec Group BV (Niederlande), EU-Beitrag € 451 875</li>
<li>Politecnico di Milano Italien, EU-Beitrag € 400 000</li>
<li>Nemo Healthcare BV (Niederlande), EU-Beitrag € 399 812,50</li>
</ul>
<p>Quelle: <a href="https://cordis.europa.eu/project/id/863087/de" target="_blank" rel="noopener">https://cordis.europa.eu/project/id/863087/de</a></p>
<p>Die niederländische Zeitung &#8222;Eindhovens Dagblatt&#8220; veröffentliche ein <a href="https://www.ed.nl/economie/miljoenen-om-eindhovense-kunstbaarmoeder-verder-te-ontwikkelen~abb38260/" target="_blank" rel="noopener">Foto von der Vorstellung des Entwurfes der künstlichen Gebärmutter</a>.</p>
<p>Das Projekt startete am 1. Oktober 2019 und läuft zunächst bis zum 30. September 2024. Es ist zu erwarten, dass ein Antrag auf Verlängerung der Förderung gestellt werden wird.</p>
<p><strong>Die UnterzeichnerInnen dieser <a href="https://www.openpetition.eu/petition/online/keine-weiteren-eu-gelder-fuer-die-entwicklung-der-sog-kuenstlichen-gebaermutter" target="_blank" rel="noopener">Petition</a> fordern die EU-Kommission auf, jegliche Förderung dieses und auch ähnlicher Projekte einzustellen und derartige Versuche an Menschen und Tieren zu ächten! (Die Zeichnungsfrist ist beendet.)</strong></p>
<p><span style="color: #ff0000;">Ich distanziere mich von openPetition.</span> Meine Petition wendet sich in seinem Kern gegen den Transhumanismus, der naturfeindlichen, technokratischen Ideologie, die versucht die Realität der Körperlichkeit auszulöschen. Zu dieser Ideologie gehört auch der Transaktivismus, der gerade &#8211; von einer internationalen Kampagne gestützt und finanziert &#8211; das sog. Selbstbestimmungsgesetz #SelfID durchsetzt, bzw. das von Grünen und FPD eingebracht wird. Der Widerstand der SPD ist geschmolzen. In den sog. Sozialen Medien können wir die totalitären Methoden beobachten, mit denen KritikerInnen mundtot gemacht werden sollen, zB ein Plakat &#8222;Kill TERFs&#8220;. Von TransideologInnen als TERF entmenschlicht zeigen die KritikerInnen auf, dass die SelfID die feministischen Errungenschaften wie Frauenhäuser, Frauencafes, Frauenquote etc. null und nichtig macht, aber auch die seit Jahrhunderten bestehenden Frauenräume, wie Wasch- und Duschräume, Frauentoiletten u. ä. abschafft. Das Gesetz erlaubt Kindern Hormonbehandlungen und Operationen und wird daher zahllose junge Menschen verstümmeln und unwiderruflich unfruchtbar machen. Jede Statistik über tätliche Gewalt an Frauen sowie strukturelle Gewalt und Benachteiligung von Frauen wird unmöglich gemacht. Frauen, die sagen, dass nur Frauen Frauen sind, wurden in Ländern mit SelfID bereits vor Gericht gezerrt und mit hohen Strafen belegt. Die Ideologie ist homophob, denn es sollen homosexuelle Menschen operiert werden, um wieder ins Bild zu passen.<br />
Die WählerInnen sind sich großenteils aufgrund der universellen Propaganda, der Regenbogen-Beflaggung und Falschinformation, auch und gerade durch die öffentlich-rechtlichen Medien der Tragweite dieses so tolerant tuenden Gesetzes nicht im Ansatz bewusst, noch nicht einmal, wenn inzwischen geleugnet wird, dass es nur zwei Geschlechter gibt. Die Transideologie redet von Vielfalt und bewegt sich doch nur im Rahmen der zwei Geschlechterstereotypen. Dieser innere Widerspruch zeigt, dass es sich um eine gebärneidische Männerrechtsbewegung handelt. Während Frauen nun FLINTA sein müssen, bleiben Männer Männer und können sich aussuchen, was sie sein wollen. Es hat den Charakter eines Ermächtigungsgesetzes. Die künstliche Gebärmutter steht für Männer bereits in den Startlöchern. <strong>Nun springt auch openPetition auf den Trans Train auf und hat die Petition gegen das drohende Gesetz gesperrt:</strong> <a href="https://www.openpetition.de/petition/online/verhinderung-des-frauenfeindlichen-selbstbestimmungsgesetzes-jetzt" target="_blank" rel="noopener">https://www.openpetition.de/petition/online/verhinderung-des-frauenfeindlichen-selbstbestimmungsgesetzes-jetzt</a> Das ist eine Bankrott-Erklärung der Demokratie, die von der Diskussion über Gesetzesvorschläge lebt!<br />
<span style="color: #ff0000;">Ich distanziere mich daher von diesem Portal. </span>Meine Petition liegt im Petitionsausschuss des Bundestages zur Bearbeitung. Wir brauchen openPetition nicht mehr. Ich werde Sie hier über den Ausgang informieren.<br />
Ich rechne damit, dass nun auch meine Petition gesperrt wird. Sollte das tatsächlich der Fall sein, bitte ich Sie, darauf zu reagieren. Auch bitte ich Sie Ihre/n Abgeordnete/n anzuschreiben, wenn Sie, wie ich, das Selbstbestimmungsgesetz ablehnen. Für weitere Informationen empfehle ich die Website <a href="https://www.evaengelken.de/blog/" target="_blank" rel="noopener">https://www.evaengelken.de/blog/</a> , wo u.a. die Strategiepapiere zu lesen sind und die Machenschaften aufgezeigt werden.</p>
<p>Ohne die Frauenrechte sind die Menschenrechte Makulatur!</p>
</div>




			</div> 
			<div id="tab-worum-geht-es-was-spricht-dagegen" role="tabpanel" aria-labelledby="tab-title-worum-geht-es-was-spricht-dagegen" tabindex="0" data-tab-icon="" class="wpb_tab ui-tabs-panel wpb_ui-tabs-hide clearfix">
				
<div class="wpb_text_column wpb_content_element " >
	<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/0bd0ce8b9b62482fa9da88c77fdc4751" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h1>Worum geht es und mit welchen Auswirkungen ist zu rechnen?</h1>
<p><strong>Es geht uns alle an!</strong></p>
<h2>Worum geht es?</h2>
<p>Die &#8222;künstliche Gebärmutter&#8220; bedeutet, dass ein normalerweise nicht lebensfähiger Fötus oder gar <strong>Embryo</strong> in einem dem Uterus nachempfundenen <strong>Gerät</strong> heranwächst, dabei über Schläuche mit Nährstoffen und Antibiotika am Leben gehalten und nach Abschluss der Prozedur aus ihr entnommen wird.</p>
<p>Menschliche Geborgenheit, dem Kind im Mutterleib über zahllose, großenteils noch unbekannte Stoffe und über Geräusche vermittelt, und das natürliche Miterleben des Lebens der Mutter finden dabei nicht statt, auch wenn es über die fleischfarbene Beleuchtung und Lautsprecher versucht wird zu simulieren.</p>
<h2>Gesundheitliche Auswirkungen</h2>
<p>Die Evolution hat mit der Mutter und ihrem Körper optimale Voraussetzungen hervorgebracht, ein gesundes Kind zur Welt kommen zu lassen. Die Entstehung eines Kindes wird in der Natur maßgeblich von der <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice" target="_blank" rel="noopener"><em>Female Choice</em></a> der Frau initiiert und während der Schwangerschaft von der Cryptic Female Choice begleitet. Dabei entscheidet sie bzw. ihr Körper, ob, wie und wann das Kind zur Welt kommt. Das grundlegendste Menschenrecht ist, von einer Mutter ausgetragen und geboren zu werden! Dazu gehört untrennbar auch das Recht, in Würde zu sterben.</p>
<p>Es sind bei weitem nicht alle Wirkungen des mütterlichen Körpers und seiner Abläufe sowie der Lebensführung der werdenden Mutter (Epigenetik) auf das Kind erforscht. Alle diese Wirkungen sind für das Kind existentiell und gehören zusammen. <strong>Das Fehlen eines dieser &#8222;Bausteine&#8220; verursacht Schäden am Kind.</strong> Es ist zu erwarten, dass während der gesamten Zeit, die der Fötus in der &#8222;künstlichen Gebärmutter&#8220; verbringt, auch während seiner <strong>Entnahme</strong> und danach Tests durchgeführt werden. Dabei kann die Maschine nur nach dem Prinzip &#8222;<strong>Versuch und Irrtum</strong>&#8220; weiterentwickelt werden. Niemand kann die Qual des Kindes dabei messen.</p>
<p>Es ist bekannt, dass Kinder, die mittels Reproduktionsmedizin Welt kommen, signifikant mehr gesundheitliche Probleme haben. <a href="https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2018-09/kuenstliche-befruchtung-zeugung-kinderwunsch-fortpflanzung-kinder-gesundheit">https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2018-09/kuenstliche-befruchtung-zeugung-kinderwunsch-fortpflanzung-kinder-gesundheit</a><br />
&#8222;Die Grenze zur Lebensfähigkeit ist trotz aller zur Verfügung stehenden modernsten Techniken zwischen der 23. und 25. Schwangerschaftswoche (SSW) erreicht. Bei Kindern, die vor der <strong>25. Woche</strong> geboren werden, besteht das Risiko von mäßigen bis schweren Behinderungen.&#8220; <a href="https://www.frauenaerzte-im-netz.de/schwangerschaft-geburt/frueh-und-fehlgeburt/" target="_blank" rel="noopener">Quelle: frauenaerzte-im-netz.de (meine Hervorhebung)</a>. Das hier kritisierte Projekt bezieht sich auf die 24. Woche. Noch in späteren SSW sind die folgenden Risiken gegeben: &#8222;&#8230; Entwicklungsstörungen, Seh- und Hörschäden, Krampfanfälle und chronische Lungenprobleme treten bei den sehr kleinen Frühgeborenen häufiger auf.&#8220; <a href="https://www.frauenaerzte-im-netz.de/schwangerschaft-geburt/frueh-und-fehlgeburt/" target="_blank" rel="noopener">Quelle: frauenaerzte-im-netz.de (meine Hervorhebung)</a>. Dieses insgesamt extrem hohe Risiko wird mit der sog. künstlichen Gebärmutter, sobald sie in den Menschenversuch eintritt, in Kauf genommen.<br />
Die Natur bürdet keiner Mutter eine solche Last auf. Mit ihrer <em>Cryptic Female Choice</em> beendet sie eine Schwangerschaft nicht umsonst häufig vorzeitig. Ärzte können Schäden weder voraussagen, noch kennen sie ihre Patientinnen, deren Verfassung und deren Unterstützungsnetzwerk gut genug, um die Entscheidung für diese Methode treffen zu können. Sie werden sich selbst vertraglich absichern. Alles andere wird auf Treu und Glauben ablaufen. Ein durch solche Menschenexperimente geschädigtes Kind wird lebenslang Medikamente und Hilfsmittel brauchen, ohne jede Aussicht auf Heilung.</p>
<h2>Gesellschaftliche Auswirkungen</h2>
<p>Abgesehen von den erheblichen gesundheitlichen Risiken wird die Zulassung der sog. künstlichen Gebärmutter ebenso unkontrollierbare gesellschaftliche Auswirkungen haben.</p>
<p><strong>Es ist vorhersehbar, dass versucht werden wird, immer jüngere Föten oder gar Embryos künstlich aufzuziehen.</strong> Die Lücke, die bisher zwischen künstlicher Befruchtung und dem Brutkasten besteht &#8211; künftig vielleicht der &#8222;künstlichen Gebärmutter&#8220; mit einem Fötus darin &#8211; kann dann geschlossen werden. <strong>Die Mutter wird so auf das Ei reduziert.</strong> Die willkürliche Verabschiedung von der <em>Female Choice</em> macht Männer auch von Frauen unabhängig und das Kind zum <strong>Design-Objekt</strong>. Für die industrielle <strong>Menschenzucht</strong> würde der Weg frei. Dieser Eingriff in die Evolution und seine gesellschaftlichen Folgen sind nicht zu überblicken und daher eine inhumane Verantwortungslosigkeit. Diese Risiken zu verharmlosen oder zu leugnen ist Größenwahn.</p>
<p>Schon jetzt kontrollieren Teile der Wirtschaft die Politik. Die Technologie der &#8222;künstlichen Gebärmutter&#8220; wird zu einer Machtverschiebung führen. Siehe nächster Tab &#8222;Berechtigte Angst vor Hoch-Risiko-Forschung&#8220;.</p>
<h3>Fragwürdiger &#8222;Lebensschutz&#8220;</h3>
<p>Den sog. Lebensschützern liefert die sog. künstliche Gebärmutter ein neues Argument: Abtreibung sei nun zu verbieten, weil das Kind ja auch außerhalb des Körpers weiterwachsen könne. Auch würde die Mutter im Falle einer Frühstgeburt nicht mehr mitreden dürfen. Aus einer Option, die die &#8222;künstliche Gebärmutter&#8220; scheinbar anbietet, würde dann <strong>Zwang</strong>.<br />
Eine Frau, die eine Abtreibung wünscht, würde dann gezwungen, sich einer riskanten Bauchoperation unterziehen, die eine Kaiserschnitt-Narbe hinterließe und mit Risiken für eine spätere Schwangerschaft behaftet wäre. Sie müsste damit leben, dass ihr Kind gegen ihren Willen gezüchtet würde und von fremden Eltern großgezogen wird. Wie es dem Kind damit ginge, ist dabei &#8222;egal&#8220;. Es ist auch vorhersehbar, dass daher wieder mehr heimliche, riskante Abtreibungsversuche unternommen würden.</p>
<h3>Kriminelle Energien entfesseln</h3>
<p>Ist diese von ihrem Wesen her sowieso schon <strong>missbrauchende Technologie</strong> (vorgeburtlicher Missbrauch) erst einmal in der Welt, werden Kriminelle sie übernehmen, denn der Markt verspricht exorbitante Gewinne. Schwangeren könnten die Babys aus dem Leib gerissen werden, um reichen Kinderlosen zu einem Kind zu verhelfen, so wie es heute schon beim illegalen Organhandel passiert. Jeder <strong>Päderast</strong> könnte sich so sein Kind selbst generieren, ob es gesund ist oder nicht, wäre dann auch &#8222;egal&#8220;. Frauen könnten engagiert werden, ihren kleinen Embryo gegen Geld herzugeben, was die <strong>Leihmutterschaft</strong> <strong>attraktiver und noch lukrativer</strong> macht mit noch mehr Schwangerschaften in immer kürzerer Zeit. Das &#8222;falsche&#8220; Geschlecht kann dann einfach im Müll entsorgt werden. Schließlich könnten selbst die unbefruchteten Eier der Frau gewaltsam entrissen und/oder verkauft werden. <strong>Das Projekt fördert Frauenfeindlichkeit und gefährdet das Leben von Frauen.</strong></p>
<p>Die Überbevölkerung auf der Erde geht bereits auf das Konto der gewaltsamen Aushebelung der <em>Female Choice</em> durch die unnatürliche, patriarchale Lebensweise. Die Reproduktionsmedizin führte in vielen Ländern zu Frauenmangel durch vorgeburtlichen <strong>Gynozid</strong>. Die &#8222;künstliche Gebärmutter&#8220; kann dem weiter Vorschub leisten.</p>
<p>Die Reproduktionsmedizin treibt die <strong>Abschaffung der Mutter</strong> weiter voran und stilisiert sich als Wohltäter. Die Normalität der <strong>totalen Technisierung des Körpers</strong> wird in <strong>Salami-Taktik</strong> in die Köpfe implementiert. Eine Welt ohne Mütter macht dem <strong>Patriarchat</strong> den Weg frei.<br />
<strong>Die misogyne Ausbeutung des Frauenkörpers wird mit der &#8222;künstlichen Gebärmutter&#8220; nicht überwunden, sondern weiter verschärft. Das bevorstehende Leid der betroffenen Menschenkinder ist unermesslich.</strong></p>
</div>




			</div> 
			<div id="tab-was-schon-moeglich-ist-lebende-tiere-aus-dem-labor-von-der-befruchtung-an" role="tabpanel" aria-labelledby="tab-title-was-schon-moeglich-ist-lebende-tiere-aus-dem-labor-von-der-befruchtung-an" tabindex="0" data-tab-icon="" class="wpb_tab ui-tabs-panel wpb_ui-tabs-hide clearfix">
				
<div class="wpb_text_column wpb_content_element " >
	<h1>Was schon möglich ist. Lebende Tiere aus dem Labor von der Befruchtung an</h1>
<p>&nbsp;</p>
<h2>Leben<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/0bd0ce8b9b62482fa9da88c77fdc4751" alt="" width="1" height="1" />de Mäusebabys mit zwei Vätern und einer Leihmutter</h2>
<p>Im März 2023 wurde bekannt, dass japanische WissenschaftlerInnen Hautzellen von männlichen Mäusen in Eizellen umgewandelt haben.</p>
<blockquote><p>
&#8222;Diese Eizellen wurden mit Spermien anderer männlicher Mäuse befruchtet. Die entstandenen Embryos trug anschließend eine weibliche Maus als Leihmutter aus.&#8220; Aus: <a href="https://www.spektrum.de/news/maeusebabys-mit-zwei-vaetern-geboren/2120406" target="_blank" rel="noopener">Spektrum Online</a> vom 15.03.2023
</p></blockquote>
<p>Siehe auch: Veröffentlichung von Kenta Murakami <em>et al.</em>, Universität Osaka, im Fachmagazin <a href="https://www.nature.com/articles/s41586-023-05834-x" target="_blank" rel="noopener">Nature</a></p>
<p>Es wird betont, dass es schon Mäuse mit zwei Müttern gäbe. Der neue Ansatz öffnet Männern künftig wieder eine neue Möglichkeit, Frauen auszubeuten. Mutter ist rechtlich, wer das Kind geboren hat, aber das hat dann keine Bedeutung mehr. Dass für zwei Mäuseväter noch eine Leihmutter benötigt wird, steht nicht in der Schlagzeile.</p>
<h2>Lebende Mäuse von der Befruchtung an aus dem Labor</h2>
<p>Im März 2021 präsentierten ForscherInnen vom Weizmann Institute of Science in Israel <a href="https://www.nature.com/articles/s41586-021-03416-3" target="_blank" rel="noopener">im Nature-Magazine</a> lebende Mäuse, die in einer künstlichen Umgebung von der Befruchtung an gezüchtet wurden. Die <a href="https://www.nytimes.com/2021/03/17/health/mice-artificial-uterus.html" target="_blank" rel="noopener">New York Times</a> berichtet weiter:</p>
<blockquote><p>
&#8222;Aber die Arbeit könnte schließlich über Mäuse hinausgehen. <a href="https://www.nature.com/articles/s41586-021-03356-y" target="_blank" rel="noopener">Zwei weitere Veröffentlichungen</a>, die am Mittwoch in Nature veröffentlicht wurden, berichten über Versuche, die auf diese Weise in die Nähe von frühen menschlichen Embryonen kommen. Natürlich, sagte Dr. Meissner, ist die Erzeugung menschlicher Embryonen noch Jahre entfernt – wenn es überhaupt erlaubt ist. Derzeit sehen Wissenschaftler im Allgemeinen davon ab, menschliche Embryonen über 14 Tage nach der Befruchtung hinaus zu untersuchen.&#8220; (Aus: <a href="https://www.nytimes.com/2021/03/17/health/mice-artificial-uterus.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.nytimes.com/2021/03/17/health/mice-artificial-uterus.html</a> <sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">1</sup>)
</p></blockquote>
<h2>Lebende Lämmer ab dem 105. Trächtigkeitstag (Beschränkung aufgrund des Tierschutzgesetzes)</h2>
<p>2017 wurde das sog. <strong>BioBag System</strong> des Teams um Alan W. Flake vom Children’s Hospital in Philadelphia in der Presse mit bereits fertigen, lebenden Lämmern präsentiert.</p>
<blockquote><p>
Wir haben 5 Föten von 105 bis 108 Trächtigkeitstagen 25–28 Tage lang und 3 Föten von 115 bis 120 Trächtigkeitstagen 20–28 Tage lang untersucht. Die längsten Läufe wurden nach 28 Tagen aufgrund von Einschränkungen des Tierprotokolls und nicht aufgrund von Instabilität beendet, was darauf hindeutet, dass die Unterstützung dieser frühen Föten über 4 Wochen hinaus beibehalten werden könnte. (aus: <a href="https://www.nature.com/articles/ncomms15112" target="_blank" rel="noopener">https://www.nature.com/articles/ncomms15112</a>: <sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">2</sup>)
</p></blockquote>
<p><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/7a/Nature_Communications_Biobag_system_design.jpg" alt="This file is licensed under the Creative Commons Attribution 4.0 International license." width="512" /><br />
<span class="abb">Bild: Partridge, E., Davey, M., Hornick, M.<em> et al.</em> An extra-uterine system to physiologically support the extreme premature lamb. Nat Commun 8, 15112 (2017). <a href="https://doi.org/10.1038/ncomms15112" target="_blank" rel="noopener">https://doi.org/10.1038/ncomms15112</a>. <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nature_Communications_Biobag_system_design.jpg">Creative Commons Attribution 4.0 International license.</a></span></p>
<hr />
<p><span style="color: #c93c7e; font-size: 18pt;">Um diesen TAB zu verlinken, benutzen Sie bitte diese Adresse: </span>https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter?tab=Was-schon-moeglich-ist-Lebende-Tiere-aus-dem-Labor-von-der-Befruchtung-an</p>
</div>




			</div> 
			<div id="tab-methode-ethische-zweifel-und-skepsis-zerstreuen" role="tabpanel" aria-labelledby="tab-title-methode-ethische-zweifel-und-skepsis-zerstreuen" tabindex="0" data-tab-icon="" class="wpb_tab ui-tabs-panel wpb_ui-tabs-hide clearfix">
				
<div class="wpb_text_column wpb_content_element " >
	<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/0bd0ce8b9b62482fa9da88c77fdc4751" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h1>Der rettende Strohhalm? Alles umfassend durchdacht?</h1>
<p><span style="font-size: 30px; font-weight: bold;"><br />
S</span>o sehr das Anliegen nachvollziehbar wäre, ergeben sich bei genauerer Betrachtung ethische Fragen und Zweifel. Unter Vorspiegelung, das Leid von Eltern lindern zu wollen, wird auf Kosten unschuldiger Kinder geforscht. Anstelle Probleme zu lösen, wird neues Leid geschaffen.<br />
<strong>Das Technikprojekt &#8222;künstliche Gebärmutter&#8220; gaukelt leidenden Menschen einen rettenden Strohhalm vor. Das ist zynisch!</strong><br />
Leider ließ sich die Politik von Lobbyisten überzeugen und verschwendet Millionen von Steuergeldern dafür. Ethikräte, die solches durchwinken, legimitieren ein Verbrechen an der Menschheit.<br />
Auf der Facebook-Seite des Máxima Medisch Centrum gab es anscheinend nur Applaus für das Projekt. Eine Antwort darauf, ob berücksichtigt worden sei, was es mit der Bindung von Mutter und Kind mache, wenn sich das Baby wochenlang in einer künstlichen Gebärmutter befände, und welche psychischen Folgen es in späterem Alter gäbe, wenn das Kind wochenlang von einem unnatürlichen Uterus umgeben sei, wurde vom Máxima Medisch Centrum knapp beantwortet: <strong>&#8222;Ja, das wurde berücksichtigt.&#8220;</strong></p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-4297" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/06/fb-thread.jpg?w=668&#038;ssl=1" alt=""  srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/06/fb-thread.jpg?w=668&amp;ssl=1 668w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/06/fb-thread.jpg?resize=300%2C106&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 668px) 100vw, 668px" /><br />
<span class="abb">Screenshot: <a href="https://www.facebook.com/maximamedischcentrum/posts/2565633853494508" target="_blank" rel="noopener">https://www.facebook.com/maximamedischcentrum/posts/2565633853494508</a></span></p>
<p>Im Werbevideo (siehe Tab oben) &#8222;Künstliche Gebärmutter: Traum oder Albtraum?&#8220; finden wir keinerlei selbstkritische Töne, auch wenn der Titel das verspricht.</p>
<p>Mit einer Immunisierungsstrategie beteiligt sich auch das Goetheinstitut Italien am Aufbau eines positiven Images dieser Forschung:</p>
<blockquote><p>
„Künstliche Gebärmütter werden zur Realität, aber wir sollten davor keine Angst haben. Das Bild der künstlichen Gebärmutter ist von dystopischen Science-Fiction-Szenarien geprägt. Denken wir an die Brutstätten in Brave New World oder der menschlichen Batteriefarm in Matrix. Wir assoziieren die Technologie mit Totalitarismus und allem, was unmenschlich und unnatürlich ist. Aber in unserer Zeit könnten künstliche Gebärmütter das Leben von Babys retten.“<br />
Aus: <a href="http://web.archive.org/web/20201130170920/https://www.goethe.de/ins/it/de/kul/leb/mvm/21834392.html" target="_blank" rel="noopener">http://web.archive.org/web/20201130170920/https://www.goethe.de/ins/it/de/kul/leb/mvm/21834392.html</a>
</p></blockquote>
<p>Ebenfalls im Jahre 2017 wurde die Öffentlichkeit mit einer künstlichen Gebärmutter für Tiere konfrontiert, die bereits in den Tierversuch gegangen ist. Das sog. <strong>BioBag System</strong> (siehe vorheriger Tab) wurde in der Presse mit bereits fertigen, lebenden Lämmchen präsentiert. Mit unkritischen, Hoffnung weckenden Artikeln, die suggerieren, dass es allein um die Behandlung von Frühchen ginge, wird die Methode beworben (zum Marketing, siehe auch nächste Tabs):</p>
<blockquote><p>
&#8222;Neue Experimente an frühgeborenen Lämmern zeigen erste Erfolge mit einer künstlichen Gebärmutter.&#8220; Aus: <a href="https://www.familie.de/kleinkind/gesundheit/kuenstliche-gebaermutter-bio-bag/" target="_blank" rel="noopener">https://www.familie.de/kleinkind/gesundheit/kuenstliche-gebaermutter-bio-bag/</a>
</p></blockquote>
<p>Dass die süßen Lämmchen keine Frühchen waren, sondern den Muttertieren herausoperiert wurden, erfahren wir hier nicht.</p>
<blockquote><p>
„Prinzipiell ließen sich die Erkenntnisse dennoch auf Menschen übertragen, ist Thomas Kohl, Leiter des Deutschen Zentrums für Fetalchirurgie &amp; minimal-invasive Therapie (DZFT), Gießen überzeugt. Man müsse der Methode genug Zeit geben, sich zu entwickeln, was sicherlich nicht ohne Probleme umsetzbar sein wird.“<br />
Aus: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/74312/Fetogenese-Frueh-geborene-Laemmer-reifen-in-kuenstlicher-Fruchtblase-heran
</p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wir müssen der Methode weder Zeit geben, noch diese Verlautbarungen glauben! Wir können uns gegen die Technisierung der Geburt entscheiden, weil wir dies nicht wollen!<br />
</strong></p>
</div>




			</div> 
			<div id="tab-marketing-mit-dem-mitleid-mit-fruehchen-und-ihren-muettern" role="tabpanel" aria-labelledby="tab-title-marketing-mit-dem-mitleid-mit-fruehchen-und-ihren-muettern" tabindex="0" data-tab-icon="" class="wpb_tab ui-tabs-panel wpb_ui-tabs-hide clearfix">
				
<div class="wpb_text_column wpb_content_element " >
	<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/0bd0ce8b9b62482fa9da88c77fdc4751" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h2>Mit Mitleid Geschäfte machen und gefährliche Forschung</h2>
<p>Dass Frühchen mit der sog. künstlichen Gebärmutter gerettet werden, ist reines <strong>Marketing</strong>. Es wird auf die Tränendrüse gedrückt. Es geht in Wirklichkeit um den Ersatz der Mutter und einen riesigen Markt.</p>
<p>Das ebenfalls niederländische <strong>Par-tu-ri-ent</strong>-Gebärbehälter-Projekt (siehe Tab) zeigt keine Rettung, sondern eine Aufzucht von Anfang an,  reagiert zeitlich gesehen auf die bereits veröffentlichen Tierversuche und läuft parallel mit dem Menschen-Projekt. Es ist klar, dass die &#8222;Rettung&#8220; immer kleinerer Föten und Embryonen versucht werden wird, <strong>denn eine selbstgesteckte Grenze kann es bei der Logik der sog. künstlichen Gebärmutter gar nicht geben</strong>. So äußern sich die WissenschaftlerInnen selbst und so wird in der Presse darüber geschrieben.</p>
<p>Marketing ist hier notwendig, weil die EU-Kommission von der Notwendigkeit der Finanzierung überzeugt werden muss. Ethische Belange kann die EU außen vor lassen, daher kann reines Marketing auch zielführend sein. Die EU hat zwar einen <a href="https://ec.europa.eu/info/about-european-commission/service-standards-and-principles/ethics-and-good-administration/commissioners-and-ethics/independent-ethical-committee_de" target="_blank" rel="noopener">unabhängigen Ethikausschuss</a>, seine Aufgaben liegen aber nicht in den politischen Inhalten, sondern lediglich in der Kontrolle der Abgeordneten:</p>
<blockquote><p>
<strong>Aufgabe des Ausschusses</strong><br />
Als beratendes Gremium der Kommission nimmt der unabhängige Ethikausschuss dazu Stellung, ob für die Zeit nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt geplante Tätigkeiten der Kommissionsmitglieder mit den Verträgen vereinbar sind.<br />
Der Präsident kann den Rat des unabhängigen Ethikausschusses auch zu sonstigen ethischen Fragen im Zusammenhang mit dem Verhaltenskodex für die Mitglieder der Europäischen Kommission einholen.&#8220; <a href="https://ec.europa.eu/info/about-european-commission/service-standards-and-principles/ethics-and-good-administration/commissioners-and-ethics/independent-ethical-committee_de" target="_blank" rel="noopener">Quelle</a>
</p></blockquote>
<p>Leidende Mütter von Sternenkindern wünschen sich natürlich, dass ihre Kinder hätten gerettet werden können. Das ist sehr verständlich. Ein Kind zu verlieren, ist das Schlimmste. Auch der Wunsch, ewig zu leben und kein Leid erleben zu müssen, ist sehr alt. Es gibt kein Marketing für das Leid, nur welches dagegen, es boomen die Erlöserlehren.<br />
Der Preis, der dafür zu zahlen ist, ist aber nicht nur ein privater, sondern ein gesamtgesellschaftlicher. Der Versuch das Leid zu eliminieren, erzeugt immer neues Leid an anderer Stelle, oft ein vielfach größeres, weil Probleme sehr komplex sind.<br />
Der <strong>Missbrauch</strong> der künstlichen Gebärmutter ist dem Ansinnen bereits innewohnend, denn ohne Menschenversuch wird das Gerät keine offizielle Zulassung bekommen. Anders als bei Medikamenten oder Impfungen, wo immer Freiwillige getestet werden, muss das Gerät an Unfreiwilligen, nämlich den Kindern getestet werden. Das ist unethisch, noch dazu diese Technologie weiteren Missbrauch vorhersehbar nach sich ziehen wird.</p>
<p>Nichts eignet sich für Marketing besser als das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kindchenschema" target="_blank" rel="noopener">Kindchenschema</a>: Mit entsprechenden Bildern lassen sich KundInnen für ein Produkt gewinnen. Der bereits erfolgte Tierversuch an Lämmern ist daher kein Zufall. Als süßes, wolliges Schmusetier gehört das Lamm zu den beliebtesten Tieren überhaupt und mit dem Lamm Gottes, als Schäflein in der Herde des Guten Hirten, wir sind an diesen Mensch-Tier-Vergleich gewöhnt.</p>
<p>Es geht hier nur vordergründig um die Rettung von Kindern, es sollen sogar leidende Eltern daran beteiligt werden, das Produkt weiterzuentwickeln, ohne dass ihnen bewusst gemacht wird, was sie da unterstützen. Das ist perfide und menschenverachtend.</p>
<p>Die sog. künstliche Gebärmutter ist ein gigantisches Geschäft und wird eine Machtverschiebung nach sich ziehen (siehe Tab &#8222;Berechtigte Angst vor Hoch-Risiko-Forschung). Aber wir werden für die großen Zusammenhänge blind gemacht.</p>
</div>




			</div> 
			<div id="tab-werbe-video-fuer-die-sog-kuenstliche-gebaermutter" role="tabpanel" aria-labelledby="tab-title-werbe-video-fuer-die-sog-kuenstliche-gebaermutter" tabindex="0" data-tab-icon="" class="wpb_tab ui-tabs-panel wpb_ui-tabs-hide clearfix">
				<div id="fws_6ac1120611b63" data-midnight="" data-column-margin="default" class="wpb_row vc_row-fluid vc_row inner_row"  style=""><div class="row-bg-wrap"> <div class="row-bg" ></div> </div><div class="row_col_wrap_12_inner col span_12  left">
	<div  class="vc_col-sm-12 wpb_column column_container vc_column_container col child_column no-extra-padding inherit_tablet inherit_phone "   data-padding-pos="all" data-has-bg-color="false" data-bg-color="" data-bg-opacity="1" data-animation="" data-delay="0" >
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<div class="wpb_text_column wpb_content_element " >
	<h1 class="title style-scope ytd-video-primary-info-renderer">Hier gelangen Sie zum offiziellen Werbe-Video &#8222;Artificial womb : Dream or nightmare?&#8220; &#8222;Künstliche Gebärmutter: Traum oder Albtraum?&#8220; auf Youtube.</h1>
</div>




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	</div>
	</div> 
</div></div><a href="https://youtu.be/ai8X3Tc-jN8"  data-style="default" data-parent-hover="" data-font-style="p" data-color="default" class="play_button large nectar_video_lightbox pp"><span><span class="screen-reader-text">Play Video</span><span class="play"><span class="inner-wrap inner"><svg role="none" version="1.1"
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			</div> 
			<div id="tab-das-par-tu-ri-ent-gebaerbehaelter-projekt-der-universitaet-arnheim" role="tabpanel" aria-labelledby="tab-title-das-par-tu-ri-ent-gebaerbehaelter-projekt-der-universitaet-arnheim" tabindex="0" data-tab-icon="" class="wpb_tab ui-tabs-panel wpb_ui-tabs-hide clearfix">
				
<div class="wpb_text_column wpb_content_element " >
	<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/0bd0ce8b9b62482fa9da88c77fdc4751" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h2>Das Par-tu-ri-ent-Gebärbehälter-Projekt der Universität Arnheim</h2>
<p>Im Jahre 2017 präsentierten Studierende der Universität Arnheim (Niederlande) ihr Design-Projekt &#8222;<a href="http://www.parturient.artez.nl/products.html" target="_blank" rel="noopener"><span id="u396">P</span>ar-tu-ri-ent Pod</a>&#8220; <em>(parturient</em>, lat. &#8222;Gebärende&#8220;, <em>pod</em>, engl. Behälter). In einem inzwischen gelöschten Text hieß es:</p>
<blockquote><p>
&#8222;How far do we dare to go? Imagine a future where current limits of procreation no longer exist, but where life can be created and harvested in a new way. A future where natural pregnancy is replaced by an artificial womb.<br />
Will conventional pregnancy still be needed? And if not, what will be the consequences? Design, innovation, technology and ethics all play a part in this project that speculates on future feelings and values that identify our humanity.&#8220; <a href="https://web.archive.org/web/20170711222148/http://www.parturient.artez.nl/" target="_blank" rel="noopener">Quelle</a>
</p></blockquote>
<p>Bei diesem Projekt ging es nicht darum, Leben zu retten, sondern einen formschönen Behälter zu kreieren, der es ermöglicht, die Mutter von allen &#8222;Lasten&#8220; der Schwangerschaft zu befreien, um ungestört dem Beruf weiter nachgehen zu können. Das Baby soll dabei anfangs in einem Ei-artigen Etui herumgetragen werden, um später in einem durchsichtigen Möbelstück zuhause weiterzuwachsen.<br />
Zu dem Projekt gehört eine Website (siehe screenshots), als handele es sich um ein bereits käufliches Produkt. Auch wenn das Projekt durchaus kritisch gemeint war, sei die Frage erlaubt, ob es damit nicht selbst zum positiven Image einer solchen Technologie beträgt und Menschen an den Gedanken gewöhnt, und sie ihn lieb gewinnen.</p>
<div id="attachment_4556" style="width: 310px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-4556" class="size-medium wp-image-4556" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/06/parturient1.jpg?resize=300%2C151&#038;ssl=1" alt="" width="300" height="151" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/06/parturient1.jpg?resize=300%2C151&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/06/parturient1.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-4556" class="wp-caption-text">Screenshot Pa-tu-ri-ent <a href="http://www.parturient.artez.nl/products.html" target="_blank" rel="noopener">Quelle</a></p></div>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_4557" style="width: 310px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-4557" class="size-medium wp-image-4557" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/06/parturient2.jpg?resize=300%2C151&#038;ssl=1" alt="" width="300" height="151" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/06/parturient2.jpg?resize=300%2C151&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2021/06/parturient2.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-4557" class="wp-caption-text">Screenshot Pa-tu-ri-ent <a href="http://www.parturient.artez.nl/products.html" target="_blank" rel="noopener">Quelle</a></p></div>
<p>Die Gewöhnung schon kleiner Kinder an den Gedanken, ein Kind in der Tasche mit sich herum zu tragen, begann bereits mit dem aus Japan stammenden <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tamagotchi" target="_blank" rel="noopener">Tamagotchi</a>. Es wird als harmloses Kinderspielzeug mit Milliardengewinnen verkauft und soll angeblich Kinder zu mehr Fürsorglichkeit erziehen.</p>
<p><a title="Tomasz Sienicki &#091;user: tsca, mail: tomasz.sienicki at gmail.com&#093;, CC BY-SA 3.0 &lt;http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/&gt;, via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tamagotchi_0124_ubt.jpeg"><img decoding="async" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/f/f2/Tamagotchi_0124_ubt.jpeg/512px-Tamagotchi_0124_ubt.jpeg" alt="Tamagotchi 0124 ubt" width="300" /></a><br />
Bild: Tamagotchi <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tamagotchi_0124_ubt.jpeg" target="_blank" rel="noopener">Quelle</a></p>
</div>




			</div> 
			<div id="tab-zeitplan-wann-soll-es-losgehen" role="tabpanel" aria-labelledby="tab-title-zeitplan-wann-soll-es-losgehen" tabindex="0" data-tab-icon="" class="wpb_tab ui-tabs-panel wpb_ui-tabs-hide clearfix">
				
<div class="wpb_text_column wpb_content_element " >
	<p>&#8222;Der Zeitplan des EU-Projekts sieht vor, dass der Prototyp im nächsten Jahr [2024] fertiggestellt ist. 2026 wird die Technik überprüft, und die präklinischen Tests beginnen. 2028 müssen die ethischen Richtlinien ausgehandelt sein, und 2030 soll der Inkubator 2.0 – noch ein neuer Name – erstmals im Krankenhaus zum Einsatz kommen.&#8220; Aus: <a href="https://www.nzz.ch/folio/die-kuenstliche-gebaermutter-soll-fruehgeborene-retten-sie-koennte-veraendern-wie-wir-auf-die-welt-kommen-ld.1734460" target="_blank" rel="noopener">https://www.nzz.ch/folio/die-kuenstliche-gebaermutter-soll-fruehgeborene-retten-sie-koennte-veraendern-wie-wir-auf-die-welt-kommen-ld.1734460</a></p>
<p><span style="font-size: 36pt;">2030</span> findet demnach der erste <strong>Menschenversuch</strong> mit der sog. künstlichen Gebärmutter statt! An einem Frühgeborenen. Dessen Vater sein Kind dafür hergibt. Dessen in diesem extremen Moment unzurechnungsfähige Mutter dem zustimmt. Dessen/deren Zukunft völlig ungewiss ist.</p>
</div>




			</div> 
			<div id="tab-bevoelkerungspolitik-und-menschenproduktion" role="tabpanel" aria-labelledby="tab-title-bevoelkerungspolitik-und-menschenproduktion" tabindex="0" data-tab-icon="" class="wpb_tab ui-tabs-panel wpb_ui-tabs-hide clearfix">
				
<div class="wpb_text_column wpb_content_element " >
	<h1>Bevölkerungspolitik und Menschenproduktion</h1>
<p>Während sich eine Mehrheit der Wissenschaftler darüber einig ist, dass Überbevölkerung die größte Bedrohung für die Menschheit darstellt, versuchen Männer wie Elon Musk, Ängste zu schüren, dass die Welt vom Geburtenrückgang bedroht sei: &#8222;Wir sollten uns viel mehr Sorgen über den Bevölkerungszusammenbruch machen &#8230; UN-Prognosen sind völliger Unsinn. Multiplizieren Sie einfach die Geburten des letzten Jahres mit der Lebenserwartung. Angesichts des Abwärtstrends bei der Geburtenrate ist dies der beste Fall, sofern es nicht umgekehrt wird.&#8220; (Via Google Übersetzer)<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">3</sup> Und er macht sich Sorgen, dass es nicht genügend Menschen gäbe, um den Mars zu besiedeln:</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-5357" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2022/12/musk.jpg?resize=300%2C134&#038;ssl=1" alt="" width="300" height="134" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2022/12/musk.jpg?resize=300%2C134&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2022/12/musk.jpg?w=596&amp;ssl=1 596w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><br />
Dafür bekam er Zehntausende Likes von Menschen, die das für einen Scherz hielten und auch von solchen, die ganz dieser Meinung waren. Nun veröffentlichte auch der preisgekrönte, in Deutschland ausgebildete jemenitische Wissenschaftskommunikator und Biotechnologe Hashem Al-Ghaili sein visionäres Projekt, die Menschenfabrik &#8222;EctoLife&#8220; (Slogan &#8222;Reinventing evolution&#8220;), in der 30.000 Kinder pro Jahr in künstlichen Gebärmüttern heran wachsen sollen, die Welt zu retten. Ein Möchtegern-Heilsbringer, ein Wichtigtuer, ein Scherzkeks oder ein menschenverachtender Geschäftemacher?</p>
<p><iframe class="youtube-player" width="1080" height="608" src="https://www.youtube.com/embed/O2RIvJ1U7RE?version=3&#038;rel=1&#038;showsearch=0&#038;showinfo=1&#038;iv_load_policy=1&#038;fs=1&#038;hl=de-DE&#038;autohide=2&#038;wmode=transparent" allowfullscreen="true" style="border:0;" sandbox="allow-scripts allow-same-origin allow-popups allow-presentation allow-popups-to-escape-sandbox"></iframe></p>
<p>Video veröffentlicht von Hashem Al-Ghaili am 09.12.2022 auf youtube.de</p>
<p>Diese Dystopie erinnert schon sehr an die Armee aus Orks aus &#8222;Herr der Ringe&#8220;, die mutterlos aus Schleim geboren werden und die alle männlich sind. Viele Männer lieben offenbar solche schon biblisch anmutenden Phantasien einer Schöpfung. Und manche Männer haben das Geld, sie Wirklichkeit werden zu lassen. Eine Welt ohne Frauen, das ist der Endsieg des Patriarchats. Viele EthikerInnen warnen davor, aber die Bundesregierung gibt vor, es gäbe doch diesen Forschungsbedarf zum Wohl von Frühgeborenen:</p>
<blockquote><p>
&#8222;Das EU-finanzierte Projekt „Perinatales Lebenserhaltungssystem: Integration von Technolo­ gien für die klinische Umsetzung&#8220; wird im Rahmen des EU Forschungsrahmenprogramms Horizont 2020 (Maßnahme: EXCELLENT SCIENCE &#8211; Future and Emerging Technologies [FET]) vom 01.10.2019 bis 30.09.2024 durch die EU gefördert. Im Rahmen des Projektes wird beabsich­ tigt ein neues System zur Behandlung von Frühgeborenen (vor der 28. Schwangerschafts­ woche) zu entwickeln, um deren Überlebenschancen zu erhöhen und die durch eine Frühge­ burt bedingten gesundheitlichen Langzeitfolgen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurologische Erkrankungen, Atem- und Stoffwechselprobleme) zu vermeiden. Frühgeburten vor der 28. Schwangerschaftswoche besitzen statistisch ein geringe Überlebensrate, woraus sich ein medi­ zinischer Bedarf für eine effiziente Versorgung von zu früh Geborenen ergibt. Das zu entwickelnde System soll im Rahmen des Forschungsprojektes eine künstliche Plazenta mit Sauerstoff- und Nährstoffaustausch, eine kontinuierliche nichtinvasive Überwachung der Parameter des Fötus, eine fötale Testpuppe zur Simulation des Neugeborenen und eine ent­ sprechende rechnergestützte Modellierung beinhalten. &#8230;<br />
In Deutschland bearbeitet der Deutsche Ethikrat gemäß seinem gesetzlichen Auftrag ethische, gesellschaftliche, naturwissenschaftliche, medizinische und rechtliche Fragen sowie die voraussichtlichen Folgen für Individuum und Gesellschaft, die sich im Zusammenhang mit der Forschung und den Entwicklungen insbesondere auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften und ihrer Anwendung auf den Menschen ergeben. Zu seinen Aufgaben gehören insbesondere die Information der Öffentlichkeit und die Förderung der Diskussion in der Gesellschaft, die Erarbeitung von Stellungnahmen sowie von Empfehlungen für politisches und gesetzgeberi­ sches Handeln für die Bundesregierung und den Deutschen Bundestag.<br />
Hierbei wurden in der Vergangenheit auch Fragestellungen zur Reproduktionsmedizin bear­beitet, wobei die Thematik zur medizinischen Versorgung von zu früh Geborenen oder zu Lebenserhaltungssystemen für zu früh Geborene bisher nicht aufgegriffen wurde.<br />
Die Bundesregierung sieht vor diesem Hintergrund und im Hinblick auf die Verantwortung der EU-Kommission für die EU-Forschungsförderung keinen Anlass für eine Beendigung der bereits laufenden EU-Finanzierung der Forschung und Entwicklung der sogenannten &#8218;künst­lichen Gebärmutter&#8216; einzutreten.&#8220;</p>
<p>Aus: Antwortschreiben des Leiters der Abteilung 2 des BMBF ,,Europäische und internationale Zusam­menarbeit in Bildung und Forschung&#8220; Armin Reinartz an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages vom 17.10.2022, betreffend EU-Forschung zur künstlichen Gebärmutter, hier: Eingabe der Frau Gabriele Uhlmann, Braunschweig, Bezug nehmend auf Pet 2-20-15-2211-008403
</p></blockquote>
<p>Den ganzen Text der Antwort finden Sie unter dem Tab <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter?tab=Antwort-des-Petitionsauschusses" target="_blank" rel="noopener">Antwort des Petitionsausschusses</a>.</p>
<p>Die kritiklose Wiedergabe dieses perfiden Marketings und der Verfall des Ethikrates sind besorgniserregend. Dass es bei dem von der EU geförderten Projekt nur um die Rettung von Menschenleben gehe, ist angesichts der völlig ernst gemeinten Dystopie hoffnungslos naiv. Oder will die EU, dass die Dystopie Realität wird und es wird bereits mit entsprechenden Unternehmen kollaboriert? An die Möglichkeit, dass die sog. künstliche Gebärmutter eines Tages Wirklichkeit wird &#8211; gegen alles, was jetzt noch dagegen zu sprechen scheint &#8211; glaubt das BMBF jedenfalls fest.</p>
<p>Lesen Sie weitere Informationen über Elon Musks Umtriebe auf www.dailymail.co.uk:</p>
<p><a href="https://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-11529371/Could-BIRTHING-PODS-solve-Elon-Musks-fears-population-collapse.html" target="_blank" rel="noopener">Could BIRTHING PODS solve Elon Musk&#8217;s fears of a population collapse? Scientist unveils creepy concept video of human farms with hundreds of transparent artificial wombs that replicate a mother&#8217;s uterus</a></p>
<p>sowie</p>
<p><a href="https://www.dailymail.co.uk/health/article-10995389/Elon-Musks-ramblings-Earths-collapsing-birth-rate-TRUE.html" target="_blank" rel="noopener">Elon Musk&#8217;s ramblings about Earth&#8217;s collapsing birth rate are TRUE but experts dismiss doom-mongering that human race is in imminent danger&#8230; so what IS behind the so-called &#8218;baby bust&#8216;?</a>.</p>
<h1><strong>Historische Bevölkerungspolitik und Menschenproduktion</strong></h1>
<p>Bevölkerungspolitik geht immer zu Lasten der Bevölkerung, das hat die Vergangenheit ausnahmslos gezeigt. Sobald den Frauen die natürliche Steuerung der Reproduktion durch repressive Maßnahmen gegen die <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/female-choice">Female Choice</a> entrissen wird, werden zu viele Kinder geboren, denen die Eltern keine Zukunft bieten können.<br />
In der Frühzeit des Patriarchats kam es zu einer <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/explosion-und-expansion-wie-vatermacht-die-welt-unterjocht">ersten Bevölkerungsexplosion</a> durch die Massenvergewaltigungen, die die ersten Viehzüchter unter der matrifokalen Urbevölkerung begangen. Die sog. Indoeuropäisierung war eine Massenmigration gewaltbereiter junger Männer, die in den Steppen ihrer Väter kein Auskommen mehr hatten. Zu Warlords geworden überfielen sie das Alte Europa, vergewaltigten die Frauen und ermordeten die Männer. Von diesen Steppenkriegern wurden die Frauen ins Patriarchat gezwungen. Jetzt mussten sie Kinder kriegen, viele Söhne, die ihrerseits zu Soldaten wurden. Seitdem wären Kriege, Seuchen und Hunger die einzige Art der Geburtenkontrolle geblieben, wäre es den römischen Männern nicht gestattet gewesen, ihre Kinder zu töten und hätten Frauen nicht die Empfängnisverhütung erfunden.</p>
<p>Die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler Gunnar Heinsohn und Otto Steiger zeigten 1985 in ihrem Weltbestseller &#8222;Die Vernichtung der weisen Frauen<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">4</sup>, welche katastrophalen, nachhaltigen Folgen das Verbot der Empfängnisverhütung und der Abtreibung durch die Katholische Kirche hatte. Der kirchlich und staatlich gewollte Geburtenanstieg, der zu der Bevölkerungsexplosion führte, mit der wir es heute zu tun haben, war die Folge der bis dahin beispiellosen Hexenjagd &#8211; der Tötung der Hebammen und deren Verhütungswissen -, der Einschüchterung der Bevölkerung. Er hatte ein nie dagewesenes Elend zur Folge, das zur gewaltsamen Kolonisation der bekannten Welt und zu den Auswanderungswellen führte. Mit den Migranten verbreitete sich auch weltweit die gefährliche Ideologie der Heiligkeit des menschlichen Lebens, mit der Empfängnisverhütung und Abtreibung auch weltweit zu einem Verbrechen wurde.</p>
<p>Schon im Jahre 1972 veröffentlichte der Club of Rome seine Studie „Die Grenzen des Wachstums“<sup class="modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop ">5</sup>, mit der er vor dem ungebremsten Wachstum der Weltbevölkerung warnte. Damals lebten 3,84 Milliarden Menschen, im Jahr 2022 wurden die 8 Milliarden erreicht. Dem Menschenverachter Elon Musk ist das immer noch nicht genug. Ihm soll das gesamte Weltall Untertan sein.</p>
<p>Die EU fördert nun solche Bestrebungen, indem sie die Ideologie vertritt, dass Forschung nicht gebremst werden dürfe und sie unbedingt dem Wohle der Menschheit diene.</p>
<hr />
<p>Um diesen TAB zu verlinken, benutzen Sie bitte diese Adresse: https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter?tab=Bevoelkerungspolitik-und-Menschenproduktion</p>
</div>




			</div> 
			<div id="tab-berechtigte-angst-vor-hoch-risiko-forschung-dem-transhumanismus-die-stirn-bieten" role="tabpanel" aria-labelledby="tab-title-berechtigte-angst-vor-hoch-risiko-forschung-dem-transhumanismus-die-stirn-bieten" tabindex="0" data-tab-icon="" class="wpb_tab ui-tabs-panel wpb_ui-tabs-hide clearfix">
				
<div class="wpb_text_column wpb_content_element " >
	<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/0bd0ce8b9b62482fa9da88c77fdc4751" alt="" width="1" height="1" /></p>
<h1>Wir sollen keine Angst haben&#8230;</h1>
<p><strong>&#8222;Künstliche Gebärmütter werden zur Realität&#8220; darf uns die CEO und Gründerin von &#8222;Trends Eurasia&#8220; <a href="http://web.archive.org/web/20210605150210/https://re-publica.com/de/member/7992" target="_blank" rel="noopener">Liwen Qin</a> auf der Homepage des <a href="https://www.goethe.de/ins/it/de/kul/leb/mvm/21834392.html" target="_blank" rel="noopener">Goethe-Institutes Italien</a> androhen. Gleichzeitig &#8222;sollten wir davor keine Angst haben&#8220;.</strong></p>
<p><span style="font-size: 30px; font-weight: bold;">W</span>ir sollen vor der Methode der &#8222;künstlichen Gebärmutter&#8220; keine Angst haben, weil das die Geschäfte stört.<br />
Die Freiheit der Technokraten endet aber da, wo die Freiheit des Rests der Menschheit anfängt. In der Nichtanerkennung dieses Naturgesetzes liegt die innere Widersprüchlichkeit und Unlogik des Libertarismus begründet, der zunehmend in den Liberalismus sickert und den sog. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Transhumanismus" target="_blank" rel="noopener">Transhumanismus</a>, für den die Technologie der sog. künstlichen Gebärmutter steht, auf der politischen Agenda hat. Die Ethik in der Wissenschaft, die den Vertretern dieser Ideologie im Wege ist, ist dafür da, diejenigen, die nicht gefragt werden, und diejenigen, die gar nicht gefragt werden können &#8211; die Kinder und Ungeborenen -, davor zu schützen. Der Transhumanismus wird längst von führenden Ethikern als gefährlichste Idee angesehen.</p>
<p>Schon im Jahre 1986 beschrieb der berühmte Soziologe Ulrich Beck, wie wir von Wissenschaft und Wirtschaft systematisch daran gewöhnt werden, Risiken beiseite zu schieben und zu verharmlosen. Die Immunisierung der ForscherInnen gegen Kritik durch Ansprechen von Sorgen und Ängsten der KritikerInnen, wie hier durch das italienische Goetheinstitut, beruht auf einer technokratischen Mentalität und einer erschreckenden Sorglosigkeit (die natürlich geleugnet wird):</p>
<blockquote><p>
„Die ‚Irrationalität‘ der ‚abweichenden‘ öffentlichen Risiko-‚wahrnehmung‘ liegt dann darin, daß in den Augen der Techniker die Mehrheit der Bevölkerung sich noch wie Ingenieurstudenten im ersten Semester oder davor benimmt. Sie sind zwar ignorant, aber gutwillig, bemüht, aber ahnungslos. In diesem Bild setzt sich die Bevölkerung aus lauter einzelnen Möchtegern-Ingenieuren zusammen, die noch nicht über genügend Kenntnisse verfügen. Man muß sie nur mit technischen Details vollstopfen, dann wird sie sich dem Standpunkt und der Einschätzung der Experten über die technische Handhabbarkeit und damit Risikolosigkeit der Risiken anschließen. Proteste, Ängste, Kritik Widerstände in der Öffentlichkeit sind ein <em>reines Informationsproblem</em>. Wenn die Leute nur wüßten, was Techniker wissen und wie sie denken, wären sie beruhigt – oder sind eben hoffnungslos irrational.<br />
Diese Auffassung ist <em>falsch</em>. Selbst in ihren hochmathematisch-statistischen oder technologischen Einkleidungen enthalten Aussagen über Risiken der Art: <em>so wollen wir leben </em>also Aussagen, die nur in einer <em>permanenten Grenzverletzung</em> von Natur- und Technikwissenschaften <em>allein </em>entschieden werden können.“ (Aus: Ulrich Beck. Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Suhrkamp 1986, S. 76 f.)
</p></blockquote>
<p>Genau dieses Vollstopfen mit Details passiert gerade. Auch die Verlautbarung aus dem Deutschen Zentrum für Fetalchirurgie &amp; minimal-invasive Therapie (siehe Tab &#8222;Ethische Zweifel werden verharmlost) gehört zur dieser Strategie. Ulrich Beck erklärt:</p>
<blockquote><p>
„Gleichzeitig werden die Instrumente der <em>definitorischen</em> Risiko-‚bewältigung‘ geschärft und die entsprechenden Äxte geschwungen: Diejenigen, die die Risiken aufzeigen, werden als ‚Miesmacher‘ und Risikoproduzenten diffamiert. Man hält ihre Darstellung der Risiken für ‚nicht erwiesen‘. Die Auswirkungen für Mensch und Umwelt, die sie aufzeigen für ‚maßlos übertrieben‘. Mehr Forschung sei nötig, bevor man wisse, was der Fall sei und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden können. … Das Vertrauen in Wissenschaft und Forschung wird beschworen. Deren Rationalität habe bislang noch für alle Probleme Lösungen gefunden. Wissenschaftskritik und Zukunftsängste werden demgegenüber als ‚Irrationalismus‘ gebrandmarkt. Sie seien die eigentlichen Ursachen allen Übels. “ (Aus: Ulrich Beck. Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Suhrkamp 1986, S. 60 f.)
</p></blockquote>
<p>Ulrich Beck warnte eindringlich:</p>
<blockquote><p>
„Dort, wo die Gefahr zur Normalität wird, nimmt diese dauerhaft institutionalisierte Gestalt an. Insofern bereiten Modernisierungsrisiken das Feld vor für eine partielle <em>Neuverteilung der Macht</em> – teilweise unter Beibehaltung der formellen Zuständigkeiten, teilweise unter ihrer ausdrücklichen Änderung.“ (Aus: Ulrich Beck. Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Suhrkamp 1986, S. 104)
</p></blockquote>
<p>Das bedeutet, dass diejenigen, die die Technologie beherrschen, einst auch den Umgang mit ihr bestimmen und der Bevölkerung kaum noch ein Mitspracherecht einräumen werden.</p>
<p>Hier geht es um unser Leib und Leben, das buchstäblich zum Spielball der Technokraten wird. Wir können uns hier im eigenen Interesse fragen:</p>
<p>&#8211; Wem geben wir hier <strong>eine beinahe gottgleiche Macht</strong>?</p>
<p>&#8211; <strong>Wollen</strong> wir das überhaupt?</p>
<h3>&#8222;Wenn nicht wir, wer dann?&#8220;</h3>
<p>&#8230;so lautet übersetzt der Titel der begleitenden Ausstellung auf der das Foto oben gemacht wurde. Diese Mentalität sagt das Gegenteil aus wie die bekannte Redewendung &#8222;wenn ich es nicht tue, macht es ein anderer&#8220; und kommt doch zum gleichen Ergebnis. Sie ist eine Selbstlegitimation und sie hat bereits viele riskante und ethisch fragwürdige, teils auch illegale Forschungen (z. B. den <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/ein-akt-tiefster-frauenverachtung-der-vorgeburtliche-missbrauch-des-he-jiankui-und-die-bewertung-durch-sog-ethik-experten" target="_blank" rel="noopener">Einsatz der Genschere zur Manipulation des Erbgutes von menschlichen Embryonen durch den Chinesen He Jiankui</a>) hervorgebracht &#8211; oft mit katastrophalen Folgen. Das Argument ist kein demokratisches, sondern ein totalitär libertäres. Er setzt eigenmächtig Andere einem unkalkulierbaren Risiko aus, ohne, dass diesen ein Mitspracherecht eingeräumt wird. Vieles was in den Science-Fiction-Büchern steht, beginnt auf diese Weise Realität zu werden, so auch Becks Voraussagen. Ist die Idee erst einmal in der Welt, sind diejenigen nicht weit, die versuchen, sie mit perfiden Mitteln umzusetzen.</p>
<p><strong>Dem gilt es mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten!</strong></p>
</div>




			</div> 
			<div id="tab-antwort-des-petitionsauschusses" role="tabpanel" aria-labelledby="tab-title-antwort-des-petitionsauschusses" tabindex="0" data-tab-icon="" class="wpb_tab ui-tabs-panel wpb_ui-tabs-hide clearfix">
				
<div class="wpb_text_column wpb_content_element " >
	<h1>Antwort des Petitionsausschusses</h1>
<p>Lesen Sie hier die <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2022/12/Antwortschreiben-des-Petitionsausschusses.pdf" target="_blank" rel="noopener">Stellungnahme des Bundesministeriums für Bildung und Forschung</a> (PDF-Datei) vom 17.10.2022, auf die der Petitionsausschuss verweist. Das Anschreiben trägt das Datum vom 8.11.2022.</p>
<p>Inzwischen geht die Propaganda für die sog. künstliche Gebärmutter weiter. <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter?tab=Bevölkerungspolitik-und-Menschenproduktion">Lesen Sie hier über die Visionen</a> von Elon Musk und Hashem Al-Ghaili sowie über deren perfide bevölkerungspolitische Begründung, über die in der englischen Presse am 12.12.2022 berichtet wurde.</p>
</div>




			</div> 
			<div id="tab-literatur" role="tabpanel" aria-labelledby="tab-title-literatur" tabindex="0" data-tab-icon="" class="wpb_tab ui-tabs-panel wpb_ui-tabs-hide clearfix">
				
<div class="wpb_text_column wpb_content_element " >
	<p><img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/0bd0ce8b9b62482fa9da88c77fdc4751" alt="" width="1" height="1" /><br />
Online-Artikel</p>
<ul id="liste4">
<li><a href="https://www.nzz.ch/folio/die-kuenstliche-gebaermutter-soll-fruehgeborene-retten-sie-koennte-veraendern-wie-wir-auf-die-welt-kommen-ld.1734460" target="_blank" rel="noopener">Die künstliche Gebärmutter soll Frühgeborene retten. Sie könnte verändern, wie wir auf die Welt kommen</a><br />
von Reto U. Schneider, in: NZZ online vom 28.04.2023</li>
<li><a href="https://www.frauenaerzte-im-netz.de/schwangerschaft-geburt/frueh-und-fehlgeburt/" target="_blank" rel="noopener">Früh- und Fehlgeburt</a><br />
Aus: Frauenärzte im Netz vom 27.09.2018</li>
<li><a href="https://www.discovermagazine.com/health/how-close-are-we-to-making-babies-from-bone-marrow" target="_blank" rel="noopener">How Close Are We To Making Babies from Bone Marrow?</a><br />
von Jillian Mock, in: Discover Magazine vom 10. August 2020</li>
<li><a href="https://www.derstandard.de/story/2000098817006/die-muttermaschine" target="_blank" rel="noopener">Die Muttermaschine</a><br />
von Olivera Stajić, in: Der Standard vom 4. März 2019</li>
<li><a href="https://www.aerzteblatt.de/archiv/29919/Reproduktionsmedizin-Zwischen-Trauma-und-Tabu" target="_blank" rel="noopener">Reproduktionsmedizin: Zwischen Trauma und Tabu</a><br />
Dtsch Arztebl 2001; 98(51-52): A-3430 / B-2889 / C-2685</li>
<li><a href="https://spectrum.ieee.org/biomedical/devices/the-ultimate-incubator-the-brave-new-world-of-bionic-babies" target="_blank" rel="noopener">The Ultimate Incubator: The Brave New World of Bionic Babies</a><br />
von Katarina Zimmer, in: IEEE Spectrum vom 30.3.2021</li>
<li><a href="https://www.thieme.de/viamedici/klinik-faecher-gynaekologie-und-geburtshilfe-1533/a/die-revolution-der-reproduktion-33708.htm" target="_blank" rel="noopener">Die Revolution der Reproduktion</a><br />
von Inge Wünnenberg, in: Thieme online vom 16.08.2017</li>
<li><a href="https://www.dailymail.co.uk/health/article-10995389/Elon-Musks-ramblings-Earths-collapsing-birth-rate-TRUE.html" target="_blank" rel="noopener">Elon Musk’s ramblings about Earth’s collapsing birth rate are TRUE but experts dismiss doom-mongering that human race is in imminent danger… so what IS behind the so-called ‚baby bust‘?</a><br />
von Emily Craig, in: Mail online vom <span class="article-timestamp article-timestamp-published">13.07.2022</span></li>
<li><a href="https://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-11529371/Could-BIRTHING-PODS-solve-Elon-Musks-fears-population-collapse.html" target="_blank" rel="noopener">Could BIRTHING PODS solve Elon Musk’s fears of a population collapse? Scientist unveils creepy concept video of human farms with hundreds of transparent artificial wombs that replicate a mother’s uterus</a><br />
von Stacy Liberatore, in: Mail online vom <span class="article-timestamp article-timestamp-published">12.12.2022</span></li>
</ul>
<p>Bücher / Zeitschriftenartikel</p>
<ul id="liste4">
<li>Corea, Gina: MutterMaschine &#8211; Reproduktionstechnologien &#8211; von der künstlichen Befruchtung zur künstlichen Gebärmutter. Frankfurt a. M. 1988</li>
<li>Heinsohn, Gunnar; Steiger, Otto: Die Vernichtung der weisen Frauen. Hexenverfolgung – Menschenproduktion – Kinderwelten – Bevölkerungswissenschaft. Herbstein 1985</li>
<li>Horney, Karen: The Flight from Womanhood: The Masculinity-Complex in Women as Viewed by Men and by Women. In:  International Journal of Psychoanalysis 1926. 7:324–39.</li>
<li>Meadows, Donella; Meadows, Dennis; Randers, J.; Behrens III, W.: Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit. Aus dem Amerikanischen von Hans-Dieter Heck. Stuttgart 1972</li>
<li>Murphy, Julien S.: Is Pregnancy Nessessary? Feminist Concerns about Ectogenesis. In: Bequaert Holmes, Helen; Purdy, Laura Martha: Feminist Perspectives in Medical Ethics. Indiana University Press. 1992</li>
<li>Oakley, Ann: The Captured Womb. A History of the Medical Care of Pregnant Women. Oxford 1984</li>
<li>Pohl, Rolf: Feindbild Frau. Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen. Hannover 2004</li>
<li>Schmölzer, Hilde: Die abgeschaffte Mutter. Der männliche Gebärneid und seine Folgen. Wien 2005</li>
<li>Treusch-Dieter, Gerburg: Von der sexuellen Rebellion zur Gen- und Reproduktionstechnologie. (Habilitationsschrift). Konkursbuch, Tübingen 1990</li>
<li>Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat. Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt. Norderstedt 2015</li>
</ul>
</div>




			</div> 
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</div></div>
		<div id="fws_6ac11206341c9"  data-column-margin="default" data-midnight="dark"  class="wpb_row vc_row-fluid vc_row"  style="padding-top: 0px; padding-bottom: 0px; "><div class="row-bg-wrap" data-bg-animation="none" data-bg-animation-delay="" data-bg-overlay="false"><div class="inner-wrap row-bg-layer" ><div class="row-bg viewport-desktop"  style=""></div></div></div><div class="row_col_wrap_12 col span_12 dark left">
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			<div class="wpb_wrapper">
				<a class="nectar-button large regular accent-color  regular-button"  role="button" style=""  href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/impressum-datenschutz" data-color-override="false" data-hover-color-override="false" data-hover-text-color-override="#fff"><span>IMPRESSUM | DATENSCHUTZ</span></a><div id="fws_6ac112063500e" data-midnight="" data-column-margin="default" class="wpb_row vc_row-fluid vc_row inner_row"  style=""><div class="row-bg-wrap"> <div class="row-bg" ></div> </div><div class="row_col_wrap_12_inner col span_12  left">
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<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;But the work might eventually extend beyond mice. <a class="css-1g7m0tk" title="" href="https://www.nature.com/articles/s41586-021-03356-y" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Two other papers</a> <a class="css-1g7m0tk" title="" href="https://www.nature.com/articles/s41586-021-03372-y" target="_blank" rel="noopener noreferrer">published in Nature</a> on Wednesday report on attempts that edge near creating early human embryos in this way. Of course, Dr. Meissner said, creation of human embryos is years away — if it is permitted at all. For now, scientists generally refrain from studying human embryos beyond 14 days of fertilization.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;We have run 5 fetuses from 105 to 108 days of gestation for 25–28 days, and 3 fetuses from 115 to 120 days of gestation for 20–28 days. The longest runs were terminated at 28 days due to animal protocol limitations rather than any instability, suggesting that support of these early gestational animals could be maintained beyond 4 weeks. </div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Elon Musk via Twitter an 18.01.1022</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&#8222;Heinsohn, Gunnar; Steiger, Otto: Die Vernichtung der weisen Frauen. Hexenverfolgung – Menschenproduktion – Kinderwelten – Bevölkerungswissenschaft. Herbstein 1985</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Meadows, Donella; Meadows, Dennis; Randers, J.; Behrens III, W.: Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit. Aus dem Amerikanischen von Hans-Dieter Heck. Stuttgart 1972</div><p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/die-sog-kuenstliche-gebaermutter">2030 &#8211; Die sog. künstliche Gebärmutter</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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		<title>Machen Männer Frauen krank? – Die wahren Zusammenhänge von Gesundheit, Familienstand und Arbeit</title>
		<link>https://blog.gabriele-uhlmann.de/machen-maenner-frauen-krank-die-wahren-zusammenhaenge-von-gesundheit-familienstand-und-arbeit</link>
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		<dc:creator><![CDATA[GUhlmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Nov 2017 17:08:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Altsteinzeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Photo by Melanie Wasser on Unsplash Aus Spaß wird Ernst In den letzten Tagen ging durch die Sozialen Netzwerke eine Schlagzeile der Frauenzeitschrift ELLE-online: &#8222;Jetzt ist es wissenschaftlich bestätigt: Männer...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/machen-maenner-frauen-krank-die-wahren-zusammenhaenge-von-gesundheit-familienstand-und-arbeit">Machen Männer Frauen krank? – Die wahren Zusammenhänge von Gesundheit, Familienstand und Arbeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/j8a-TEakg78?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Melanie Wasser</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
<img decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/77c02e66fe7146deb3db734e09852a55" width="1" height="1" alt=""></p>
<h3 id="Aus-Spaß-wird-Ernst">Aus Spaß wird Ernst</h3>
<p>In den letzten Tagen ging durch die Sozialen Netzwerke eine Schlagzeile der Frauenzeitschrift ELLE-online: &#8222;<a href="http://www.elle.de/maenner-machen-frauen-krank" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jetzt ist es wissenschaftlich bestätigt: Männer machen Frauen psychisch krank!</a>&#8220; Die Resonanz war groß; Frauen versahen den Artikel mit einem schallend lachenden Smily und schrieben, dass sie &#8222;es ja schon immer gewusst&#8220; hätten, oder, dass sie &#8222;ohne Partner schon lange pumperlgsund&#8220; seien. Indirekt schwang bei den Kommentaren mit, dass es ihnen nicht nur um Depression, sondern allgemein um Krankheit geht. Und auch ELLE-online scheint das so zu sehen, denn die Internetseite trägt den Titel „Männer machen Frauen krank“. Was die ELLE da so sicher macht, dazu kommen wir später. Wäre die Krankheit von Frauen aber nicht so ein schwerwiegendes Problem, dann hätte die Schlagzeile wahrscheinlich nicht eine so eine große Aufmerksamkeit erregt.</p>
<p>Ich beschäftige mich mit dem Thema Gesundheit schon sehr lange und sammle wissenschaftliche Artikel und Studien, die gesellschaftspolitische Relevanz besitzen. Daher weiß ich, dass solche Aussagen mit Vorsicht zu genießen sind. Das Thema hat in Wahrheit so viel Brisanz und ist so ernst, dass es geradezu fahrlässig ist, die Sache leichtfertig zu behandeln und einen &#8222;Scherz-Artikel&#8220; daraus zu machen.</p>
<p>Auch wenn es manche nicht wahrhaben wollen, es ist ganz allgemein eine Tatsache, dass wir Frauen in besonderem Maße leidgeprüfte Wesen sind. Frau und Leid sind fast schon synonym. Menstruationsschmerzen, PMS, Geburtsschmerzen, Wechseljahrsbeschwerden, Blasenentzündungen, Inkontinenz, Reizdarm, Endometriose, Fibromyalgie, Lymphödem, Thromboseneigung, Depressionen, PTBS, Panikattacken und so weiter. Manches ist Veranlagung, vieles ist Geburtsfolge, manches ist auf andere &#8211; manchmal sehr schlimme &#8211; Weise erworben. Fast immer hat es mit dem spezifischen Frauenleben zu tun. Es gibt aber auch Frauen, die nichts von alledem kennen, oder solche, die eine chronische Krankheit haben, welche keine Schmerzen verursacht und gut eingestellt ist. Unter den Berufstätigen gibt es einige von ihnen, die scheinbar schwerelos durchs Leben gleiten. Sie besitzen eine besonders gute Resilienz.</p>
<p>Um nur einmal im Leben ein Kind zu bekommen, hat manche Frau mitunter 40 Jahre lang, manchmal sogar noch länger, jeden Monat starke Schmerzen. Das durchschnittliche Alter bei der Menopause liegt bei 51 Jahren. Die Zahlen schwanken sehr. Jedenfalls verliert sie viel Blut und erleidet häufig einen folgenreichen Eisenmangel, der nur schwer auszugleichen ist und oft gar nicht diagnostiziert wird. Die Krankenkasse zahlt nur in seltenen Fällen. Von der leider immer noch peinlichen Kleckserei und Geruchsentwicklung, die es aufwändig zu verhindern gilt, ganz zu schweigen. Auch der Vater des Kindes zahlt kein Schmerzensgeld, und versucht manchmal sogar ihr das schwer erarbeitete Kind, an dem er so wenig Anteil hat, zu entreißen.</p>
<p>Was Natur ist, muss ausgehalten werden. Das ist die gerechte Strafe Gottes (welcher im Übrigen selbst ein gebärender Vater sein will)! Ja, wenn sie Schmerzen hat, ist sie selbst Schuld, es gibt doch Tabletten, und es soll ja wie gesagt Frauen geben, die das nicht haben. Was können denn Gesellschaft und Väter dafür?! Tatsächlich finden sich in einer Handtasche jede Menge Tampons, Binden, Schmerztabletten und andere Dinge, die der Frau das (Über-)Leben im Patriarchat ermöglichen. Die Gesellschaft hat sehr viel damit zu tun und der Frauenkörper ist ein kultureller Körper, dessen Integrität ständig infrage gestellt wird, ganz in Gegensatz zum männlichen.</p>
<h3 id="Die-Schmerzensfrau-eine-sehr-kleine-Kulturgeschichte">Die Schmerzensfrau &#8211; eine sehr kleine Kulturgeschichte</h3>
<p>Wenn Männer also tatsächlich Frauen krank machen, wie all die Leserinnen im Internet es spüren, dann sind Frauen schon sehr lange krank, nämlich ungefähr 8000 Jahre, und das muss sich in der Geschichte niedergeschlagen haben und nicht erst heute. Ein Blick in die Bibel und wir werden fündig. Eva wird nach dem Sündenfall mit Geburtsschmerzen bestraft, Adam dagegen mit Arbeit. Das ist interessant, denn heute bekommen Frauen nicht nur unter Schmerzen Kinder, sondern müssen zusätzlich auch zur Arbeit. So will es jedenfalls die Politik, die damit die Strafe Gottes sogar noch übertrifft. Das passiert ausgerechnet in einer Zeit, in der die Bevölkerung beginnt, umzudenken gegen den Zwang zur Arbeit und mit der Forderung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Diese Forderung hat bemerkenswerterweise mehr AnhängerInnen als die Forderung nach einem Müttergehalt und Mütterrente!</p>
<p>Die Katholiken gedenken der Madonna mit den sieben Schmerzen, der Schmerzensmutter immer am 15. September. Diese sieben Schmerzen beziehen sich aber im Wesentlichen auf den Leidensweg ihres Sohnes Jesus, an dem sie als Mutter natürlich mitleiden muss. Das erste Leid ist die Prophezeiung des Simeon, dass ihre Seele von einem Schwert durchbohrt werde. Leid und Mitleiden scheinen in der Maria eins zu sein. Das Schwert symbolisiert aber auch einen vollendeten Muttermord, wenn man so will, das Ende des Leids der Mutter und &#8230;den Endsieg des Patriarchats. Wir sehen an diesem Beispiel, dass das Patriarchat eine bizarre Logik verfolgt, die den Namen nicht verdient.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Madonna mit den sieben Schmerzen, Loretokapelle mit Schwarzer Madonna bei Bad Zurzach, eigenes Werk" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/schmerzensmutter-badzurzach1.jpg?resize=300%2C427&#038;ssl=1" alt="Madonna mit den sieben Schmerzen, Loretokapelle mit Schwarzer Madonna bei Bad Zurzach, eigenes Werk" width="300" height="427" /><br />
Foto: Madonna mit den sieben Schmerzen, Loretokapelle mit Schwarzer Madonna (Hintergrund) bei Bad Zurzach/Schweiz (Gabriele Uhlmann)</p>
<p>Maria war höchstens 12 Jahre alt, als sie Jesus gebar. Denn im Judentum gilt ein Mädchen nur so lange als Jung(e)frau. Das Leid, das ihr selbst im erzpatriarchalischen Israel wegen ihrer unehelichen Schwangerschaft &#8211; aus einer Vergewaltigung und Kinderschändung &#8211; zuteil geworden ist, wurde durch die Lügengeschichte von Mariä Empfängnis vollverschleiert. Wo sie sonst geächtet und zu Tode bestraft worden wäre, muss sie nun „nur“ sieben Schmerzen erleiden, die mit denen ihres Sohnes identisch sind. Selbst Schuld ist sie, so die patriarchalische Denke! Ihr Leid hängt eindeutig mit Männern zusammen, nämlich mit ihrem Vergewaltiger und mit den Männern, die ihren Sohn hingerichtet haben. Mutterleid ist unbeschreiblich, und so manche zerbricht daran. Nicht so Maria, die später noch weitere Kinder bekommen wird, und als Schmerzensheldin gefeiert wird. Maria hält aus, Maria hält durch. Sie weint, aber nicht über sich selbst, sondern über ihren Sohn. Damit ist sie seit jeher ein Vorbild für alle Gläubigen, nicht aber für Frauen, die etwas verändern wollen. Im wahren Leben werden oder sind viele Frauen wegen einer Vergewaltigung oder Missbrauchs im Kindesalter erwerbsunfähig. In der Bibel wird stillschweigend davon ausgegangen, dass Joseph Maria ernährte.</p>
<p>In der weiblichen Literaturgeschichte heben sich besonders die Schwestern Charlotte, Emily und Anne Brontë ab, die in der ersten Hälte des 19. Jh. lebten und alle drei sehr früh starben. Ihre Bücher sind Denkmäler des Frauenleids ihrer Zeit. Schon ihre Mutter starb 38-jährig ein Jahr nach der Geburt von Anne. Die Gesundheit der Kinder litt unter der anschließenden Unterbringung im Pensionat, weshalb sie auch oft Zeit zu Hause verbrachten. Ihr Vater, ein Dorfpfarrer, verlangte von ihnen später, als Gouvernanten zu arbeiten, um ihrem Bruder Branwell das Studium zu ermöglichen. Sie hatten keine Freude an diesem Beruf, und litten unter den Arbeitsbedingungen, die sie körperlich und psychisch krank machten. Viel lieber wollen sie daheim und zusammen Autorinnen sein, aber dahin war es im frauenfeindlichen, victorianischen Zeitalter ein weiter Weg. Sie pflegten auch die kranke Kinderfrau bis an deren Lebensende. An ihrem eigenen Ende hatten sie nicht viel von ihrem Ruhm, der sich schließlich doch noch einstellte. Charlotte starb mit 39 während und wegen ihrer Schwangerschaft, Emily starb mit 30 an einer Lungenentzündung und Anne mit 29 an Tuberkulose. Ihr Vater überlebte alle seine Kinder (auch Branwell, 31) und wurde für die Zeit sehr alt. (vgl. Maletzke 2008) Wie wäre ihr Leben verlaufen, hätte die Mutter noch lange gelebt?<br />
<a title="Branwell Brontë [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AThe_Bront%C3%AB_Sisters_by_Patrick_Branwell_Bront%C3%AB_restored.jpg"><img decoding="async" title="Anne, Emily, and Charlotte Brontë" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/ab/The_Bront%C3%AB_Sisters_by_Patrick_Branwell_Bront%C3%AB_restored.jpg/256px-The_Bront%C3%AB_Sisters_by_Patrick_Branwell_Bront%C3%AB_restored.jpg" alt="Anne, Emily, and Charlotte Brontë" width="256" /></a><br />
Bild: Anne, Emily und Charlotte Brontë, Gemälde von Branwell Brontë, ca. 1834</p>
<p>In unserer modernen Welt der Hochleistungsmedizin stirbt nur noch ausnahmsweise jemand sehr früh und wer krank ist, hat trotzdem meist noch ein langes Leben vor sich. Damit rückt das Problem der Erwerbsminderung und -unfähigkeit in den Vordergrund. Wer krank ist, der ist von Arbeitslosigkeit und Armut bedroht. Unsere Leistungsgesellschaft folgt der Philosophie, dass nur der, der arbeitet, auch ein Recht auf ein gutes Leben hat. Vermögende werden in unserem Gesundheitssystem bevorzugt behandelt, und zahlen nicht einmal in die gesetzlichen Krankenkassen ein. Sie können sich in ihrer Freizeit besser regenerieren und für Körperpflege mehr Geld ausgeben. Wer mehr Geld hat, ist in der Regel schneller wieder gesund. Berufstätige Frauen besitzen eine höhere sog. Bewältigungskompetenz und bessere sog. Bewältigungsstrategien bei Belastungen aller Art. Ihre Resilienz, ihre gute Gesundheit macht sie zu dem, was sie sind. Gesundheit und finanzielle Sicherheit stehen in einer engen Wechselbeziehung zu einander.<br />
Aber jeder Kranke steht unter Generalverdacht, stinkfaul zu sein, und es sich auf Kosten anderer nett zu machen. Nun sind Kranke doppelt gestraft, denn sie leiden unter ihrer Krankheit und gut leben dürfen sie auch nicht. Vater Staat hat eine komplexe, sogenannte Sozialpolitik hervorgebracht, die alles tut, um sich davor zu drücken, sich um die kranken Mitglieder der Gesellschaft so zu kümmern, dass sie am allgemeinen Leben und Wohlstand teilhaben können. Zwar gibt es mittlerweile viele Initiativen für ein barrierefreies Leben, was Körperbehinderten zugute kommt, aber psychisch Kranke sind immer noch allein gelassen und obendrein stigmatisiert. Wenn es stimmt, dass Männer Frauen psychisch krank machen, dann wären Männer noch viel unmittelbarer an Frauenarmut beteiligt, als bisher gedacht.</p>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/440091_web_r_by_maren-bec39fler_pixelio-de.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Altersarmut ist weiblich" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/440091_web_r_by_maren-bec39fler_pixelio-de.jpg?resize=266%2C400&#038;ssl=1" alt="Altersarmut ist weiblich" width="266" height="400" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Foto: Maren Beßler / pixelio.de</span></p>
<p>Die eingangs genannten Frauenleiden, die unmittelbar mit der Gebärfähigkeit zu tun haben, haben wie die Depression nicht selten Erwerbsminderung bis hin zur Berufsunfähigkeit zur Folge. Das fällt nur deshalb nicht auf, weil viele Frauen aufgrund ihrer Beschwerden gar nicht erst versuchen, einen Beruf auszuüben. Und so fallen sie aus der Arbeitslosenstatistik heraus.</p>
<h3 id="tabu-kranke-frau">Tabu Kranke Frau</h3>
<p>Ich weiß, das lesen Feministinnen gar nicht gern, aber es ist an der Zeit, nicht nur über die Mehrwertsteuer von Binden und Tampons zu reden („<a href="http://taz.de/Petition-der-Woche/!5459147/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bluten für die Gesellschaft</a>“), sondern auch über die leidvolle Wahrheit eines Frauenlebens. <strong>Sprechen wir also endlich auch einmal über das letzte Tabu der Frauenbewegung: die kranke Frau.<br />
</strong><br />
Frauen sind, wie milliardenfach bewiesen, nicht wegen ihres Geschlechts weniger für eine Tätigkeit geeignet, und sind nicht „das kranke Geschlecht“. Ganz im Gegenteil, schon von Geburt an sind Mädchen lebensfähiger und stabiler als Jungen. Das männliche Immunsystem ist dagegen lebenslang anfälliger, weil ihm der Östrogenschutz fehlt (Kieselbach 2017).<br />
<strong>Frauen werden anders krank und sie haben andere Bedürfnisse als Männer.</strong> <strong>Sie werden auch krank, weil ihre Bedürfnisse übergangen werden.</strong> So haben Frauen im Laufe ihres Lebens vielfältige Beschwerden, die zwar nicht lebensgefährlich sind, aber in den Bereich des Normalen versetzt werden und gleichzeitig auf fatale Weise tabuisiert sind. Ob und inwieweit diese Tabus und ihre Verdrängung die Beschwerden erst herbeiführen, sollte dringend einmal untersucht werden.</p>
<p>Wie auch immer, in der einseitig auf Männer ausgerichteten Arbeitswelt fühlen sich viele Frauen den ganzen Tag nicht gut, und würden am liebsten nach Hause gehen und sich hinlegen. Frauenbeschwerden betreffen eher den Bauch und die Tabuzone ihres Intimbereiches. Sie schränken die Leistungsfähigkeit, die ein stressig gestalteter Beruf erfordert, erheblich ein. Viele Frauen gehen damit nie zur Ärztin und arrangieren sich notgedrungen irgendwie, weil</p>
<ul id="liste2">
<li>das &#8222;normal&#8220; ist,</li>
<li>es die Kasse sowieso nicht zahlt,</li>
<li>schon die Mutter &#8222;das&#8220; hatte und &#8222;nicht dran gestorben&#8220; ist,</li>
<li>sie wissen, dass die Medizin dafür noch kein Heilmittel kennt,</li>
<li>sie es aus Scham immer wieder verschieben,</li>
<li>sie Angst vor Zurückweisung, Papierkram und Gerichtsverfahren haben.</li>
</ul>
<p>Viele Frauen würden es auch niemals zugeben, dass sie sich täglich zur Arbeit quälen, weil es heutzutage <em>en vogue</em> ist, die multitaskingfähige Powerfrau raushängen zu lassen und keinerlei Schwäche zu zeigen. Denn sie laufen Gefahr, <a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-11/sexismus-buero-arbeit-maenner-frauen-beziehung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sich den Männern gegenüber lächerlich zu machen.</a> <strong>Weibliche Krankheit oder &#8222;Unpässlichkeit&#8220; wurde seit jeher dazu ausgeschlachtet, Frauen aus der Berufswelt herauszuhalten. Aus diesem Grund verdrängt die Frauenbewegung die Tatsachen.</strong> Aber das ist ein großer Fehler; ein #metoo-Aufschrei ist auch in Bezug auf Frauenkrankheit überfällig.</p>
<p>Viele Frauen sind erwerbsgemindert. Erwerbsminderung bedeutet nicht, das eine Frau nicht arbeiten kann, sondern, dass sie nicht in die Anforderungen einer Firma passt, bzw. sie aufgrund ihrer Beschwerden nur kurzzeitig arbeiten kann oder nicht schnell genug oder nur zu bestimmten Tageszeiten. Entweder bleibt eine Kranke ganz zuhause oder schleppt sich in die Firma, es gibt nur schwarz oder weiß. Aber eine dauernd fehlende Mitarbeiterin? Welche ArbeitgeberInnen und welche KollegInnen machen das (lange) mit? Fakt ist deshalb oft, dass eine Erwerbsminderung identisch ist mit Erwerbsunfähigkeit, also auch Berufsunfähigkeit. Auch Berufsunfähigkeit muss erst einmal bewiesen werden, und das ist nicht leicht. Die Ignoranz gegenüber dieser Realität spart Kassen und Versicherungen wahrscheinlich Milliarden.</p>
<h3 id="auswegsackgasse">Ausweg Ehe – Sackgasse Ehe</h3>
<p>Beschwerden sind ein wichtiger Grund, warum viele Frauen am liebsten nur Teilzeit arbeiten, trotz der trüben Aussicht auf eine geringe Rente oder die sogenannte Grundversorgung. Was liegt da näher, als auch nach anderweitiger Versorgung Ausschau zu halten? “In guten und in schlechten Zeiten, bei Gesundheit und Krankheit, bis dass der Tod Euch scheidet“, so lautet das klassische Eheversprechen, auf das sich Frauen lange verlassen konnten, allerdings nur halbwegs. Die Ehe ist traditionell eine Versorgungseinrichtung, die aber nur ein schwacher Ersatz ist für die zerstörte matrilineare Sippe, die Frauen in Europa mancherorts noch bis vor 4500 Jahren bedingungslos und voll absicherte. Frauen, die das patriarchale System nicht mehr ändern konnten und können, waren und sind meist noch heute auf die Ehe angewiesen. Bis vor kurzem funktionierte das, viel mehr schlecht als recht, aber immerhin (noch) irgendwie. Nur beim Ausbruch aus dem patriarchalischen Zwang zur Monogamie, der die Vaterschaft sicherstellen soll, also bei Ehebruch (Stichwort <em><a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">female choice</a></em>), kam eine Scheidung infrage. Welche sich den väterlichen Bedingungen nicht unterordnete, bekam gar nichts mehr, wurde ausgepeitscht oder gleich umgebracht, welche sich züchtig verhielt, wurde manchmal sogar mit Pelzen und Juwelen überhäuft.</p>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/cristian-newman-141875.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1255" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/cristian-newman-141875.jpg?resize=600%2C410&#038;ssl=1" alt="" width="600" height="410" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/cristian-newman-141875.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/cristian-newman-141875.jpg?resize=300%2C205&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/tnxRFtXI9dI?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Cristian Newman</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Seit einigen Jahren ist es mit der Versorgung nicht mehr weit her. Konnte eine Frau auch nach einer Scheidung noch bis vor kurzem Unterhaltsansprüche geltend machen, muss sie heute wieder arbeiten gehen. Es sei denn, sie ist erwerbsunfähig. Wenn sie Pech hat, entzieht sich der Exmann auch dann der Zahlungsverpflichtung. Möglich ist ihm das nämlich, und der Staat zahlt dann einen Unterhaltsvorschuss. Die Ehe soll &#8222;nach dem Willen des Gesetzgebers&#8220; keine Versorgerehe mehr sein, auch nicht für Mütter, daher wird nun auch das Ehegattensplitting infrage gestellt. Heiraten lohnt dann gar nicht mehr. Aber das ist nicht der Untergang des Abendlandes! Denn es wird Druck ausgeübt, dass die Mutter den Kindsvater benennt, um ihm das Sorgerecht zu sichern. <a href="http://www.deutschlandfunkkultur.de/elterliche-sorge-den-vaetern-die-rechte-den-muettern-die.1005.de.html?dram%3Aarticle_id=320034" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das fesselt sie wieder an ihn, ganz so als sei sie mit ihm verheiratet.</a> Existenziell bleibt die Frau aber auf sich selbst zurückgeworfen und vom guten Willen des Kindsvaters abhängig, wenn sie ihr Kind nicht in fremde Hände geben will.</p>
<p>In der Geschichte der Menschheit ist das einzigartig und brandneu. Kein Mensch, besonders keine Frau ist daran angepasst, denn wir sind soziale Wesen durch und durch. <strong>&#8222;Sozial&#8220; bedeutet nicht, miteinander zu whatsappen oder einen Hartz4-Antrag zu stellen, sondern uns gegenseitig zu helfen, und zwar lebenslang wirksam, verlässlich und bedingungslos.</strong> Wir sind so, weil unsere Kinder so lange brauchen, um erwachsen zu werden. Aus diesem Grund würden wir von Natur aus nicht patriarchal, sondern matrilinear leben, und nicht in Familien, sondern in matrilinear/matrilokalen Sippen (vgl. Blaffer Hrdy 2010b). Die Vereinbarkeit von Arbeit und Kinderpflege wäre problemlos gewährleistet. Unter diesen Bedingungen wurde der Mensch ein intelligentes, erfinderisches Wesen. Dass uns heute der Boden unter den Füßen weggerissen ist, ist der wahre Grund, warum Menschen nicht selten an ihrer Lebenssituation erkranken.<br />
<strong><br />
</strong>Kranke Frauen sind gegenüber kranken Männern noch in gewissem Vorteil &#8211; sofern sie nicht von Behinderung betroffen sind &#8211; denn sie können heiraten und sich unter Berufung auf ihre Mutterschaft und Krankheit versorgen lassen. Kein Wunder, dass eine Studie aus den USA (Waldron <em>et al. </em>1982), an welcher Hausfrauen über einen Zeitraum von fast 20 Jahren teilnahmen, Folgendes herausfand:</p>
<blockquote><p>&#8222;<strong>Stabilere und gesündere Frauen beteiligen sich eher am Arbeitsmarkt und bleiben &#8211; wenn sie die Wahl haben &#8211; auch länger erwerbstätig als labilere und weniger gesunde Frauen.</strong>&#8220; (paraphr. nach Gavranidou 1993, S. 237)</p></blockquote>
<p>Die weltweit wichtigste Expertin auf dem Gebiet der „sozialen und verhaltensbedingten Ursachen von Geschlechtsunterschieden bei Gesundheit und Sterblichkeit“, die amerikanische Biologin Ingrid Waldron, die diese Studie federführend auflegte, betont, <strong>dass diese labilen und weniger gesunden Frauen sich ihr Befinden nicht „nur“ eingebildet hatten</strong>. Das wurde durch deren nachgewiesene höhere Sterblichkeit am Ende der Untersuchungszeit bewiesen. Sie sagt damit natürlich nicht, dass Hausfrauen grundsätzlich krank sind, sondern lediglich, dass kranke Frauen dazu neigen, sich in der Ehe abzusichern &#8211; ich muss das nur dazu sagen, weil es Hausfrauen gibt, die das falsch verstehen und sich diskriminiert fühlen, wie ich es vor einiger Zeit erleben durfte.<br />
Ingrid Waldron war 1989 auch an einer Meta-Studie beteiligt, die eine Zusammenschau der Untersuchungen vieler Kollegen lieferte. Dort schreibt sie:</p>
<blockquote><p>&#8222;Jennings <em>et al.</em> zeigten zuerst, dass (&#8230;) beschäftigte Frauen gesünder waren als Hausfrauen. Insbesondere war es weniger wahrscheinlich, dass erwerbstätige Frauen berichteten, dass ihre Gesundheit schlechter war als die der anderen Frauen im gleichen Alter, und dies galt sogar für Analysen, die die Anzahl der Tage chronischer Krankheit und eingeschränkter Aktivität mit einbezogen. Die Beziehung zwischen Gesundheits- und Beschäftigungsstatus wurde erneut getestet, diesmal ausgenommen der Frauen, die berichteten, dass ihre Gesundheit ihren Beschäftigungsstatus beeinflusste. Insbesondere schloß die zweite Analyse Hausfrauen aus, die berichteten, daß ihre schlechte Gesundheit ein sehr oder mäßig wichtiger Grund für ihre Nichtanstellung sei. In dieser Analyse drehte sich die Beziehung zwischen Beschäftigungsstatus und Gesundheit um, wobei Hausfrauen jetzt einen besseren Gesundheitszustand angaben als erwerbstätige Frauen.“ (Repetti et al. 1989, S. 1395, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Die Behauptung, dass (Ehe-)Männer Frauen psychisch krank machen würden, ist damit eine unzulässige Pauschale. Dennoch erkranken in Deutschland doppelt so viele Frauen an Depressionen wie Männer (vgl. Kontio 2012). Die Studie, auf die sich die ELLE-online bezog, stammt von der Universität Padua (Trevisan <em>et al.</em> 2016) und untersuchte Daten älterer Menschen, wobei deutliche Unterschiede zwischen verwitweten Frauen und Männern festgestellt wurden. Die Schlussfolgerungen der Psychiaterin Caterina Trevisan wurden in der ELLE-online wiedergegeben:</p>
<blockquote><p>„Es ist also der viel zu hohe Anspruch an uns selbst, schier Unmögliches leisten zu wollen, der uns irgendwann umhaut. Denn selbst, wenn wir merken, dass alles über uns zusammenbricht und wir schon gar nicht mehr wissen, wie wir es managen sollen, versuchen wir es doch. Unsere eigenen Bedürfnisse haben wir dabei schon längst aus den Augen verloren. Ernste Warnhinweise wie Schlafmangel, Migräne oder Rückenschmerzen werden selbstverständlich ignoriert. Während es Männern nach einer Trennung richtig schlecht geht, blühen die meisten Frauen regelrecht auf. Die Begründung der Forscher: Weil Frauen sich ab dem Moment nicht mehr um zwei Leben kümmern müssen, was Wäsche, Haushalt und Organisation betrifft, fällt ein großer Teil der Verantwortung ab. Dadurch werden sie entspannter und haben zudem wieder mehr Zeit, sich ihren Hobbies, Freunden und sich selbst zu widmen. Männern geht es hingegen nachweisbar schlechter als vorher, weil sie sich um eben diese Dinge nun selbst kümmern müssen. Natürlich sollst du dich nun nicht sofort von deinem Freund trennen, um gesünder zu leben. Aber Psychologen raten Frauen dringlich dazu, in Beziehungen häufiger klare Ansagen zu machen, damit die Arbeit gleichmäßig verteilt wird – und die Zeit einzufordern, sich nur mit sich beschäftigen zu dürfen.“ (Koopmann 2017)</p></blockquote>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1239" title="depression" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/hanna-morris-277321.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Depression" width="600" height="400" /><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/CIVe9Ff2l1w?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Hanna Morris</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Damit scheint es, als sei die Therapie gegen Depressionen ganz simpel. Ist die weibliche Depression aber wirklich nur auf die mangelnde Mithilfe der Männer im Haushalt zurückzuführen? Die Psychologin Ursula Nuber meint dagegen:</p>
<blockquote><p>&#8222;Frauen haben eine viel höhere Beziehungsbedürftigkeit als Männer. Sie definieren sich und ihr Wohlbefinden über ihre Beziehungen zu anderen. Und genau dieses Gefühl der Abhängigkeit kann zur Depression führen&#8220;. (Nuber 2012)</p>
<p>&#8222;’Frauen haben sehr viel mehr Grund zum Grübeln als Männer, weil es in ihrem Leben mehr Anlässe zu Sorge gibt’ (&#8230;) Dazu kommt, dass sie längere Antennen als Männer haben und sensibel Leid und Nöte anderer wahrnehmen. ‚Die Sorgen der Mitmenschen werden schnell zu ihren Sorgen.’ Männer tun das nicht – so das klare Fazit.&#8220; (vgl. Kontio 2012)</p></blockquote>
<p>Die Beziehungsarbeit der Frauen ist der Kitt, der die patriarchale Gesellschaft, die Frauen krank macht, zusammenhält. Der Lohn ist die Depression, Mütterrente gibt es nicht. Die Krankheit ist ganz klar eine Reaktion auf das System, das nicht unserer artgerechten Lebensweise folgt, und keine bedingungslose Versorgung anbietet.</p>
<h3 id="machen-frauen-maenner-krank">Machen Frauen Männer krank?</h3>
<p>Auch Männer sind heute überfordert, wie es die amerikanische Soziologin Christin Munsch in den USA bei einer neuen Untersuchung herausfand. Die Studie verwendet Daten des ‚National Longitudinal Survey of Youth’ aus den Jahren 1997 bis 2011, um die Auswirkungen der Haushaltseinkommensdynamik auf das psychische Wohlbefinden und die Gesundheit in einer national repräsentativen Stichprobe von verheirateten Personen im Alter von 18 bis 32 Jahren zu untersuchen. Als wichtigstes Ergebnis stellt sie fest:</p>
<blockquote><p>„Unsere Studie trägt zu einer wachsenden Anzahl von Forschungsarbeiten bei, die zeigen, wie schädlich geschlechtsspezifische Erwartungen auch für Männer sind. Von Männern wird erwartet, dass sie der Ernährer sind, aber die Versorgung der eigenen Familie mit wenig oder gar keiner Unterstützung hat negative Auswirkungen.“ (ASA 2016, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Wir dürfen nicht vergessen, dass es einst Männer waren, die dieses System selbst installiert haben. Noch bis 1977 konnten Männer in Deutschland Frauen Berufstätigkeit verbieten, und die meisten taten das auch. Es war Jahrtausende lang für Männer die Quelle ihres Selbstbewusstseins, dass ihre Frau „nicht arbeiten musste“ und sie von ihnen abhängig war. Einerseits wird jetzt festgestellt, dass die Männer völlig überfordert sind mit ihrer Rolle, andererseits sind es die Männer selbst, die ihre Macht mit übelsten Mitteln wie dem Sexismus verteidigen. Die Journalistin Jana Hensel schreibt über die weit verbreiteten Herrenwitze im Büro:</p>
<blockquote><p>&#8222;Dieses Lachen ist in Wahrheit eine Geste der Demütigung und Unterwerfung, ein Versuch der Vertreibung, der in letzter Konsequenz sagen will: Eine Frau gehört hier nicht her, eine Frau gehört nicht dazu. Ich glaube keinem Mann, der behauptet, die Aggression so eines Lachens nicht zu bemerken. Sexismus im Büro ist eine alltägliche und ziemlich eingeübte männliche Kommunikationsform, die den Zweck hat, die eigene Macht zu sichern. Frauen, zumal wenn sie selbstbewusst auftreten, stören nämlich in den Augen vieler Männer den normalen Betriebslauf, sie verändern die Routinen, die Rituale, die Übereinkünfte. Sie mischen sich ein. Noch dazu mit einer oft anderen Art zu sprechen, zu denken, zu Entscheidungen zu gelangen. Und sie könnten besser sein als man selbst. Sie könnten eines Tages der Chef sein.<br />
Der Aufstieg der Frauen bereitet den meisten Männern Angst. Dass Frauen in großen Zahlen und mit viel Selbstbewusstsein seit einigen Jahren in die Arbeitswelt drängen, eine Sphäre, die bis vor wenigen Jahrzehnten ganz selbstverständlich ihnen gehörte, und dass der Zeitgeist dabei ganz auf der Seite der Frauen steht, versetzt viele Männer in Panik. Ich habe diese Panik in vielen Momenten gespürt, ich habe sie bei Kollegen genauso gesehen wie bei Freunden. Immer wieder droht sie dann aufzuflammen, wenn eigentlich harmlose Meinungsverschiedenheiten in grundsätzliche Auseinandersetzungen münden, wenn Kritik damit endet, dass einem gänzlich die Kompetenz abgesprochen wird.<br />
Man darf diese Angst nicht unterschätzen, man darf sie nicht bagatellisieren. Sie hat gute Gründe: Denn die Arbeitswelt ist für Männer, anders für Frauen, der fast einzige Bereich im Leben, aus denen sie Sinn schöpfen, der ihnen eine Identität und Halt gibt. Familien können, anders als für Frauen, Männern diese Stabilität nicht ersetzen. Wenn Männer ihren Einfluss in der Arbeitswelt einbüßen, dann bleibt ihnen nicht mehr viel. So einen Verlust als schmerzhaft zu beschreiben bedeutet gleichsam, ihn zu kleinzureden. Dieser Verlust ist ein existentieller.&#8220; (Hensel 2017)</p></blockquote>
<p>Männer besitzen wenig Bewusstsein für ihr selbst fabriziertes Leid, so lange sie es mit Macht kompensieren können. Es sind mächtige, egoistische Männer &#8211; neoliberale, globalisierungssüchtige CEOs – die uns die Probleme bereiten. Aber immer weniger Durchschnittsmänner haben Macht und immer weniger wollen sie eigentlich haben, denn Macht im Kleinen ist mit Verantwortung verbunden, während sich die Mächtigen ganz oben davon befreit haben. Viele Männer haben auch keine sicheren Arbeitsplätze mehr und verdienen weniger. Deshalb müssen viele Frauen heute berufstätig sein, ob sie wollen oder nicht, es wird aber auch moralischer Druck ausgeübt. Es waren die Frauen und Männer der Gender Studies, die aus falsch verstandenem Mitleid mit den „armen, rechtlosen Vätern“, angeführt von einer maskulistischen, gewaltbereiten Gurkentruppe, dafür gesorgt haben, dass die lästigen Mütter spätestens nach einer Scheidung wieder arbeiten müssen oder sich in Armut und die Kinder automatisch in der Kita oder im sog. Wechselmodell wiederfinden. Den Frauen wird allein die Schuld gegeben, für alles. Nach einer Scheidung wollen und sollen Männer wieder mit einer anderen Frau Kinder haben können, sollen wieder väterlich über sie bestimmen können, aber es fehlt den Männern an allem, was sie dazu befähigt, ein gutes Leben für ihre Familie herzustellen, nämlich das natürliche, mütterliche Netzwerk bedingungsloser Liebe und ein in diesem Sinne aufgeklärtes Problembewusstsein &#8230; und alles Elend beginnt von vorne.</p>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/alex-iby-278048a.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1252" title="Frau zwischen Wänden" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/alex-iby-278048a.jpg?resize=350%2C468&#038;ssl=1" alt="Frau zwischen Wänden" width="350" height="468" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/alex-iby-278048a.jpg?w=350&amp;ssl=1 350w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/alex-iby-278048a.jpg?resize=224%2C300&amp;ssl=1 224w" sizes="(max-width: 350px) 100vw, 350px" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/mJOCYM6NV_A?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Alex Iby</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span></p>
<h3 id="Machen-sich-Hausfrauen-an-ihrer-Gesundheit-schuldig">Machen sich Hausfrauen an ihrer Gesundheit schuldig?</h3>
<p>Um allen gerecht zu werden, sollen Frauen, die offenbar allen in jeder Lebenslage nur zur Last fallen, vollzeit berufstätig sein, müssen sich dort aber Sexismus gefallen lassen. Um es den Frauen schmackhaft zu machen, ihre Einstellung zu manipulieren, und vor allem den Politikern Argumente zu liefern, wird behauptet, dass Berufstätigkeit Frauen gesünder mache, ein wahrer Hohn. Die eben genannte Psychiaterin Christin Munsch tutet in dieses Horn.</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Versorgerrolle hat den umgekehrten Effekt für Frauen, wenn es um das psychologische Wohlbefinden geht. Es hat sich gebessert, weil sie einen größeren wirtschaftlichen Beitrag leisten. Umgekehrt verschlechterte ihr psychologisches Wohlbefinden, wenn sie weniger zum Familieneinkommen beitrugen. (&#8230;) Munsch führt diesen unterschiedlichen psychologischen Nutzen auf kulturelle Erwartungen an Männer und Frauen zurück: &#8222;’Männer, die viel mehr Geld verdienen als ihre Partnerinnen, können sich mit einem Gefühl der Verpflichtung und der Sorge um den Erhalt des Status als Ernährer mit dem Broterwerb begnügen’, sagt Munsch. ‚Frauen hingegen können den Broterwerb als Chance oder Wahlmöglichkeit ansehen. Sie können Stolz empfinden, ohne sich zu sorgen, was andere sagen werden, wenn sie es nicht können oder nicht durchhalten (&#8230;) eine gute Nachricht, wenn man bedenkt, dass beide, Ehemann und Ehefrau, normalerweise arbeiten. ‚Unsere Studie zeigt, dass die Entkoppelung von Ernährerrolle von der Männlichkeit konkrete Vorteile für Männer und Frauen hat’, sagt Munsch. ‚Während das psychische Wohlbefinden und die Gesundheit von Männern tendenziell zunehmen, wenn ihre Frauen mehr wirtschaftliche Verantwortung übernehmen, verbessert sich auch das psychische Wohlbefinden von Frauen, wenn sie mehr wirtschaftliche Verantwortung übernehmen.’&#8220; (ASA 2016, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Ist das wirklich eine gute Nachricht? Hier wird das Wohl des Vaters ganz offen gegen den Rest der Familie aufgewogen. Im Patriarchat geht es letztlich immer nur um das Wohl des Vaters. Jetzt seien es also die (Haus-)frauen, die Männer krank machen! Während Männer als Ernährer nun regelrecht psychisch krank werden, werden Frauen als Ernährerinnen angeblich einfach nur zufrieden und stolz? Aber was ist mit den Frauen, die ihre Arbeit weder als Chance noch als Wahlmöglichkeit noch als gutes Leben wahrnehmen? So etwas kommt in Munschs Denken nicht vor. Stolz scheint für sie ein erstrebenswertes Ziel zu sein. Stolz hebt von anderen ab, aber Stolz ist auch narzisstisch. Und Patriarchat macht ja immer irgendeinen stolz, bisher vor allem die Männer, deren Stolz die Welt längst in die Katastrophe getrieben hat. Und: Dummheit. Die wächst ja bekanntlich mit Stolz auf einem Holz. Was ist, wenn es eines Tages aufgrund des enormen gesellschaftlichen Drucks weibliche Vollbeschäftigung gibt und sie so selbstverständlich ist, dass es keine Chancen mehr braucht und Frauen keine Wahl mehr haben? Dann kann Stolz nicht mehr aufkommen – es sei denn alle Männer bleiben nun zuhause bei den Kindern &#8211; und dann sind die Frauen nur noch die „Dummen“, denn sie werden weiterhin Mütter, mit ihrem ganzen Körper und ihrer Seele, und werden noch kränker als die Männer. Mutterschaft ist nämlich keine Rolle, die frau ablegen kann, Vaterschaft dagegen sehr wohl. Heutzutage sind Mütter zum Wohle des Vaters längst am Rande der Erschöpfung. Aber zum Glück arbeitet das Patriarchat ja schon an der künstlichen Gebärmutter, die die lästige Mutter überflüssig macht.</p>
<p>Berufstätige Mütter müssen viel Arbeit an andere delegieren, übrigens schlechtbezahlte Frauen, meist, weil die eigene Mutter, die gar nichts bekäme, auch berufstätig ist oder weit weg wohnt. So fällt am Ende zwar weniger Haus- und Familienarbeit an, aber ein schlechtes Gewissen den Kindern gegenüber bleibt. Gegen das schlechte Gewissen, das wir ja nur haben, weil wir von Natur aus matrifokal sind, wird inzwischen intensiv mit dubiosen Studien Gehirnwäsche betrieben, nach denen Mütter ihren Kindern sogar schaden.</p>
<p>Schon seit längerem liefern auch zahlreiche deutsche Studien, die sich mit der Lebensqualität von Hausfrauen und berufstätigen Müttern befassen, PolitikerInnen Argumente. Hier wurden keine Vorher-Nachher Untersuchungen angestellt, sondern Frauen aus ihrer Situation heraus befragt und daraus Kausalketten konstruiert. Folgender Satz ist symptomatisch:</p>
<blockquote><p>&#8222;Nach unseren Ergebnissen ist daher festzuhalten, dass Berufstätigkeit von Frauen, insbesondere von Schwangeren und Müttern in hohem Ausmaß zu besserer Gesundheit, höherer Lebenszufriedenheit und deutlich gesünderer Bewältigung von Lebensanforderungen führt.&#8220; (Quelle: Borchert, Cotlatz 1992)</p></blockquote>
<p>Es macht sich demnach im Umkehrschluss eine Frau nicht nur an der Gesundheit ihres Mannes schuldig, sondern auch an ihrer eigenen, wenn sie nur Hausfrau ist. Die Vertauschung von Ursache und Wirkung, die Ingrid Waldron schon entlarvt hatte, wird uns hier geschickt untergejubelt. Etwas anderes dringt auch nicht mehr an die Öffentlichkeit. Die Botschaften solch unseriöser Forschung werden schon seit langem über Frauenzeitschriften lanciert, wie in diesem Beispiel, als es in der BRIGITTE um den Themenkreis Endometriose ging:</p>
<blockquote><p><em>&#8222;(&#8230;) Wer am Arbeitsplatz häufig wegen Regelschmerzen fehlt, stößt auf kaum Verständnis. So streben Frauen mit schweren Verläufen sogar die Frühverrentung an. ‚Dabei geht es berufstätigen Endometriose-Patientinnen nachweislich besser.’, sagt Iris Brandes. ‚Das Problem ist nicht ihr Job, sondern die Therapie: Mit der richtigen Behandlung können Frauen arbeiten.’ Doch die finden viele erst am Ende eines langen Leidensweges: auf der Reha-Station einer der wenigen auf Endometriose spezialisierten Kliniken. Dort kann die Suche nach einer individuell passenden Schmerz- und Hormonbehandlung mit Ratschlägen zur Ernährung, Bewegungs- und Körpertherapie kombiniert werden. (&#8230;)</em>&#8220;<br />
(Baumgart in: Brigitte 9/2009)</p></blockquote>
<p>Die Botschaft lautet: „Frauen, reißt Euch zusammen, geht zur Arbeit und alles wird gut.“ Oder noch schöner „es geht Euch schlecht, WEIL ihr nicht arbeitet.“ Tabletten schlucken das ganze Arbeitsleben hindurch und Operationen sollen es ermöglichen. Dass Chemie kein normales Wohlbefinden herstellen kann, ist ja jeder Frau bewusst. Schlimmer ist, dass wir uns damit neue Probleme einhandeln. Schon durchschnittliche <a href="https://generation-pille.com/byebyepille/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pillen-Nutzerinnen</a> wissen das.<br />
<a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/maira-gallardo-330697.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/maira-gallardo-330697.jpg?resize=300%2C200&#038;ssl=1" alt="" width="300" height="200" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/ix645sk3r3g?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Maira Gallardo</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Auch die im Artikel zitierte Medizinökonomin Iris Brandes vertauschte unzulässigerweise Ursache und Wirkung. Denn Frauen, die eine leichte Endometriose haben, gehen auch häufiger in den Beruf, dies aber auch nicht ohne Schmerztabletten. Ihre Behauptung, dass die Endometriose zufriedenstellend behandelbar sei, ist schlicht weg nicht wahr. Tatsächlich geht es vielen Endometriose-Patientinnen bis heute auch mit Therapie so schlecht, dass Selbsthilfegruppen und Internet-Foren regen Zulauf haben, und sie nicht berufstätig sein können. Auf der Homepage der amerikanischen „Endometriosis Association“ können wir daher immer noch lesen:</p>
<blockquote><p>&#8222;<em>Je stärker der hormonelle Eingriff um so ausgeprägter die Nebenwirkungen. Daher wird der Einsatz von GnRH -Agonisten heute kritisch gesehen. Alternativmedizinische Konzepte wie die TCM (traditionelle chinesische Medizin/ u.a. Akupunktur) können vielen Frauen eine nebenwirkungsfreie Behandlung anbieten. (&#8230;) Bei Fällen von schwerer Endometriose kann es aber sogar nach Radikaloperationen oder den Wechseljahren zum Wiederauftreten der Erkrankung im Zusammenhang mit einer Hormonersatztherapie oder noch vorhandener körpereigener Hormonproduktion kommen. Daher empfehlen manche Sachverständige, während einer kurzen Zeit nach der Entfernung der Eierstöcke auf eine Hormonersatztherapie zu verzichten. </em>(&#8230;) <em>Vielleicht werden wir eines Tages dieses komplexe Krankheitsbild verstehen und eine Lösung für alle Unklarheiten, Schmerzen und Frustrationen, die dieses Leiden mit sich bringt, finden.&#8220; (Endometriosis Association 1999)</em></p></blockquote>
<p>Früher konnte sich eine Frau mit Bauchschmerzen ins Bett legen, heute soll sie sich zur Arbeit quälen. Es ist wirklich kein Wunder: Viele Frauen mit Endometriose sind Hausfrauen oder arbeiten Teilzeit; sie sind auf die Versorgung durch ihren Partner angewiesen. Aber: Das Teuflische an der Endometriose ist, dass betroffene Frauen oft Schmerzen beim Sex haben. Anders als bei den meisten anderen Krankheiten haben sie damit genau bei der Sache Schwierigkeiten, wofür die Ehe einst erfunden wurde! Die Ehe dient ja der Kontrolle der Sexualität der Frau und der Verfügbarkeit ihres Körpers, bzw. der Unterdrückung ihrer <em>female choice</em>, und ist die Basis der Herrschaft des Vaters, kurz des Patriarchats. Daher muss sie ihrem Manne exklusiv und jederzeit zur Verfügung zu stehen und soll auch noch Freude zur Schau stellen. Heute ist die Vergewaltigung in der Ehe zwar verboten. Eine Frau, die ihrem Manne aber nicht &#8222;dienlich&#8220; sein kann und will, ist ständig von Scheidung bedroht, was ihr Verhalten wiederum beeinflusst. Und so kommt es, dass Frauen auch heute Dinge tun, die sie nicht wollen, und die sie noch kränker machen. Im Übrigen gilt das auch für Frauen, die beim Sex immer eine Blasenentzündung bekommen. Es gibt hierbei einen deutlichen Zusammenhang mit der missachteten <em>female choice</em> (vgl. Uhlmann 2015). Gleiches gilt auch für das gerade erst öffentlich gewordene Krankheitsbild der <a href="http://wienerin.at/home/lieben/psyche/5103156/Postkoitale-Dysphorie_Depressiv-nach-dem-Sex-Das-koennte-der-Grund" target="_blank" rel="noopener noreferrer">postkoitalen Dysphorie</a>, deren Ursachen nur wenig verstanden werden, weil die <em>female choice</em> in der Schulmedizin bisher nicht vorkommt. Betroffenen Frauen bleibt oft nur die Berufstätigkeit ohne männlichen Lebenspartner oder ein sehr einsichtiger Partner, den frau lange suchen muss.</p>
<p>Abgesehen von diesen, das Sexualleben einer Partnerschaft störenden Krankheiten, schützt die Partnerschaft kranke Frauen offenbar recht gut vor krankheitsbedingtem sozialem Abstieg. Ingrid Waldron legte Ende der Neunziger Jahre drei weitere Studien auf, mit denen sie die Zusammenhänge von Krankheit und Ehe untersuchte, ausgehend von der Beobachtung, dass verheiratete Erwachsene im Allgemeinen gesünder sind als unverheiratete Erwachsene. Alle drei Studien untersuchten dieselbe Gruppe von 3.331 Frauen, eine große nationale Stichprobe aus den USA, die in die „National Longitudinal Surveys of Young Women“ (nationale Langzeituntersuchung an jungen Frauen) einfloss. Die Frauen waren zu Beginn zweier aufeinanderfolgender fünfjähriger Nachbeobachtungsintervalle (<em>Follow-up</em> 1978-1983 und <em>Follow-up</em> 1983-1988) 24-34 Jahre alt.<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8816016" target="_blank" rel="noopener noreferrer" id="die-erste-studie">Die erste Studie</a> überprüfte, ob „die Ehe mit guter Gesundheit verbunden ist, weil sie gesundheitsfördernde Wirkungen hat (Heiratsschutzeffekte) und / oder weil gesündere Personen eher heiraten und verheiratet bleiben (Heiratsselektionseffekte).“ Sie kam zu folgendem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die Auswertungen der (&#8230;) Daten deuten darauf hin, dass es signifikante Heiratsschutzwirkungen gab, jedoch nur bei Frauen, die nicht angestellt waren. <strong>Insbesondere bei Frauen, die nicht berufstätig waren, hatten verheiratete (&#8230;) bessere Gesundheitstrends als unverheiratete.</strong> Es scheint, dass die Ehe als alternative Quelle finanzieller und sozialer Unterstützung gesundheitsfördernde Wirkungen für Frauen hatte, die nicht berufstätig waren. <strong>(&#8230;) Insbesondere Frauen, die eine bessere Gesundheit hatten, waren anfänglich eher verheiratet und erlebten weniger wahrscheinlich eine Scheidung, was aber nur für Frauen gilt, die nicht in Vollzeit und nur während des ersten Follow-up-Intervalls beschäftigt waren.</strong> Es ist augenscheinlich, dass bei Frauen, die nicht berufstätig waren, Heiratsschutzeffekte und Heiratsselektionseffekte zum Unterschied (&#8230;) im Familienstand beitrugen. <strong>Im Gegensatz dazu wurden bei Frauen, die Vollzeit beschäftigt waren, weder Heiratsschutz- noch Heiratsselektionseffekte beobachtet.</strong> Wie erwartet, zeigen die Daten, dass die Unterschiede in der Gesundheit je nach Familienstand sehr groß waren, und für Frauen, die nicht erwerbstätig waren, hoch signifikant waren, wohingegen sie für erwerbstätige Frauen viel kleiner und oft nicht signifikant waren. <strong>Frauen, die weder verheiratet noch berufstätig waren, hatten eine besonders schlechte Gesundheit.</strong> Zusätzliche Beobachtungen deuten darauf hin, dass <strong>Frauen, die weder verheiratet noch berufstätig waren, unter mehreren wechselseitigen Benachteiligungen litten, darunter schlechte Gesundheit, niedrige Einkommen und soziodemographische Merkmale, die Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche nach sich zogen.&#8220;</strong> (Waldron <em>et al.</em> 1996, meine paraphrasierte Übersetzung, Verkürzungen dienen der Verständlichkeit, meine Hervorhebungen)</p></blockquote>
<p>Die Ausgangsannahme der gesundheitsfördernden Wirkung der Ehe wurde damit nur für wenig oder nicht berufstätige Frauen bestätigt. Während leicht kranke Hausfrauen in der Ehe sogar gesünder werden, haben schwer kranke Frauen auf dem Heiratsmarkt wenig Chancen. Vollzeit berufstätig profitiert keine Frau von der Ehe.<br />
Es ist ja ganz klar, dass Frauen, die aufgrund ihrer Verfassung in die Ehe gezwungen sind, um abgesichert zu sein, auch nicht besonders glücklich sind, aber doch immerhin glücklicher als ohne jede Sicherheit, was sich natürlich positiv auswirken muss. Gleichzeitig hatten es kranke Ehefrauen viel schwerer, überhaupt einen Partner zu finden, so dass sie wahrscheinlich einfach nur froh und dankbar sind, und sich das Gefühl von Sicherheit positiv auswirkt.</p>
<p><a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9351156" target="_blank" rel="noopener noreferrer" id="die-zweite-studie">Die zweite Studie</a> überprüfte, ob „sich der Familienstand auf die Gesundheit zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten Frauen unterschiedlich auswirkt“. Sie kam zu folgendem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>&#8222;(&#8230;) Wegen körperlicher Beeinträchtigungen und allgemeiner Gesundheitsprobleme tendierten im ersten Follow-up-Intervall nie verheiratete Frauen zu schlechterer Gesundheit als geschiedene und getrennte Frauen. <strong>Für psychosomatische Symptome gab es jedoch keine tendenziellen Unterschiede zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten Frauen des Follow-up-Intervalls auch nicht für irgendeine andere gesundheitliche Messgröße im zweiten Follow-up-Intervall.</strong> Unsere Analysen der Daten zeigten nur wenige signifikante Unterschiede im Gesundheitszustand zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten Frauen. <strong>Zusammengenommen weisen die Ergebnisse unserer Studie und früherer Studien darauf hin, dass Unterschiede zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten Frauen je nach Alter und/oder Kohorte variieren können.</strong> Die augenscheinlichen Befunde für die 1970er und 1980er Jahre legen nahe, dass bei älteren Frauen geschiedene und getrennte Frauen möglicherweise schädlichere gesundheitliche Auswirkungen davon trugen als nie verheiratete Frauen; bei jüngeren Frauen war dieser Unterschied jedoch möglicherweise nicht vorhanden oder möglicherweise aufgehoben worden.&#8220; (Vgl. Waldron <em>et al.</em> 1997, meine paraphrasierte Übersetzung, Verkürzungen dienen der Verständlichkeit, meine Hervorhebungen)</p></blockquote>
<p>Anders gesagt bedeutet das: Dass nie verheiratete Frauen häufiger körperlich krank sind, bestätigt noch einmal die Ergebnisse der ersten Studie, nach der sie schwerer einen Partner finden. Was die psychosomatischen Symptome angeht, vergleicht Waldron Getrennte und nie Verheiratete und stellt fest, dass sie ähnlich gesund oder krank sind. Dieser Befund entspricht im Grunde der Munsch-Studie, aber nur wenn wir voraussetzen, dass diese nie Verheirateten gesunde, berufsorientierte Frauen waren. Auf körperliche und psychosomatische Beschwerden gemeinsam bezogen, verwischte jeder Unterschied zwischen nie verheirateten Frauen und geschiedenen und getrennten. Wird das Alter der Frauen mitberücksichtigt, differenziert sich das Bild noch einmal. Je früher sich eine Frau trennte, desto weniger litt offenbar ihre Gesundheit darunter.</p>
<p><a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9785695" target="_blank" rel="noopener noreferrer" id="die-dritte-studie">Die dritte Studie</a> überprüfte insgesamt vier Hypothesen „über die Auswirkungen von Beschäftigung, Heirat und Mutterschaft auf die allgemeine körperliche Gesundheit von Frauen (&#8230;) Diese Hypothesen sagen voraus, wie der Gesundheitseffekt jeder Rolle variiert, abhängig von den spezifischen Rollenmerkmalen und den anderen Rollen, die eine Frau innehat.“ (Waldron <em>et al. </em>1998)</p>
<p>Die 1. Hypothese ging davon aus, „dass Beschäftigung und Ehe ähnliche Ressourcen zur Verfügung stellen (z. B. Einkommen und soziale Unterstützung), und infolgedessen können Beschäftigung und Ehe sich in ihren vorteilhaften Wirkungen auf die Gesundheit gegenseitig ersetzen.“ Die Untersuchung führte zu folgendem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>„Wie vorhergesagt, stellten wir fest, dass die Beschäftigung bei unverheirateten Frauen positive Auswirkungen auf die Gesundheit hatte, bei verheirateten Frauen jedoch nur geringe oder gar keine Auswirkungen. In ähnlicher Weise hatte die Ehe nur für Frauen, die nicht erwerbstätig waren, gesundheitsfördernde Wirkungen.&#8220; (Waldron <em>et al. </em>1998, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Die 2. Hypothese ging davon aus, dass erwerbstätige Mütter eine Doppelbelastung erfahren, was zu schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit führt. Dazu kam es zu folgendem Ergebnis:</p>
<blockquote><p>&#8222;Wir fanden jedoch nur <strong>sehr wenige Beweise dafür, dass die Kombination von Beschäftigung und Mutterschaft zu schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit führte.</strong>&#8220; (Waldron <em>et al. </em>1998, meine Übersetzung, meine Hervorhebung)<strong><br />
</strong></p></blockquote>
<p>Im Gegensatz zu den Vorhersagen der 3. Hypothese, der &#8222;Rollenüberforderungshypothese&#8220;,</p>
<blockquote><p>&#8222;<strong>scheint es, dass weder längere Arbeitszeiten noch mehr Kinder schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben.</strong>&#8220; (Waldron <em>et al.</em> 1998, meine Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
<p>Wie durch die 4. Hypothese vorhergesagt,</p>
<blockquote><p>&#8222;schien <strong>das jüngere Alter bei der ersten Geburt</strong>, insbesondere eine Geburt im Teenageralter, zu schädlicheren Gesundheitsfolgen zu führen.&#8220; (Waldron <em>et al.</em> 1998, meine paraphrasierte Übersetzung, meine Hervorhebung)</p></blockquote>
<p>Anders gesagt bedeutet das: Diese Ergebnisse bestätigen die erste und zweite Studie. Sie liefern nicht den Nachweis, dass die Berufstätigkeit verheiratete Frauen gesünder mache, aber auch nicht kränker. Wie wir ja inzwischen wissen, sind die Frauen, die in den Beruf gehen, überwiegend von vorne herein gesund. Die Studie liefert auffälligerweise kaum Beweise, dass eine Doppelbelastung krank macht. Darüber hat sich auch Ingrid Waldron gewundert. Das steht auch im Kontrast zu Caterina Trevisans Behauptung, dass mehr Mithilfe des Mannes im Haushalt vor Krankheit schützt. Aber Waldron ahnt sehr wohl  &#8211; wie wir alle eigentlich &#8211; dass viele berufstätige Mütter insbesondere kleiner Kinder am Rande der Erschöpfung sind (vgl. Repetti <em>et al.</em> 1989, S. 1394 u. 1399). Aber selbst die Kinderzahl hat der Studie zufolge keinerlei Auswirkungen auf die Gesundheit. &#8222;Nur sehr wenige Beweise&#8220; bedeutet zwar nicht &#8222;keine Beweise&#8220;, wenn wir aber bedenken, dass diese meisten Frauen 1. als Berufstätige eher von vorne herein gesund sind, 2. die Zahl ihrer Kinder selbst bestimmen können, 3. aufgrund ihrer Berufstätigkeit Zugang zu Hilfsangeboten haben, 4. sie Hausarbeit delegieren können, 5. sie das Geld haben, teure Gesundheitsangebote wahrzunehmen und 6. oft die Option haben, auch in Teilzeit zu gehen, ist das nicht verwunderlich.<br />
Ein sehr junges Alter bei der ersten Geburt ist dagegen meist eine unfreiwillige Situation. Dass hier gesundheitliche Schwierigkeiten auftreten, kann unterschiedliche Gründe haben, die aber vor allem im Umfeld der Mutter zu suchen sind, jedenfalls ist sie in Anbetracht der prekären Situation, in die sie meist gerät, zwangsläufig überfordert.</p>
<h3 id="die-patriarchale-realitaet-macht-frauen-krank">Die patriarchale Realität macht Frauen krank</h3>
<p><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/scott-webb-386701.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Mehrparteienhaus" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/scott-webb-386701.jpg?resize=300%2C445&#038;ssl=1" alt="Mehrparteienhaus" width="300" height="445" /></a></p>
<p><span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/sgMdt0sTi0s?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Scott Webb</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
<br />
Wir wissen, dass vieles, was Frauen krank macht, direkt mit der Partnerschaft zu tun hat: die Konflikte mit dem Ehemann, der indirekt aufrechterhaltene Zwang zum Geschlechtsverkehr bzw. die sexuelle Unfreiheit, ein schnarchender Ehemann, herrschsüchtige Schwiegereltern, häusliche Gewalt u. v. m.. Letzteres wurde jüngst vom BKA untersucht, mit dem Ergebnis, dass die Familie der gefährlichste Ort für Frauen und Kinder ist. Krankmachend ist auch die für das Patriarchat typische Wohnsituation. Nachbarschaftsstreit und Isolation in engen Wohnungen oder im Golden Käfig, trägt das seine dazu bei. Es ist aber auch nicht von der Hand zu weisen, dass Berufstätigkeit Frauen krank macht, und zwar vor dem Hintergrund der durch und durch patriarchalen Philosophie der Berufswelt, einer Welt, die von Männern für Männer gemacht wurde und in die Frauen sich nun integrieren (sollen).</p>
<p>Krank machende Faktoren der Arbeit selbst sind bekanntermaßen &#8211; das gilt für beide Geschlechter &#8211; lange Arbeitszeit, Schichtarbeit, schwere körperliche Arbeit oder überwiegend sitzende Tätigkeiten, Kontakt mit Giftstoffen oder Krankheitserregern, das Arbeitsklima unter den Kollegen, die Führungsqualitäten des Chefs/der Chefin, unverschämte Kunden, mangelnde Lohngerechtigkeit und die Einstellung zur Arbeit. In einer Studie der Ohio State University aus dem Jahre 2016 wurde nun festgestellt, dass zuviel Arbeit vor allem Frauen krank macht. Sie untersuchten eine Gruppe von 7492 Personen aus der „National Longitudinal Survey of Youth“, die 32 Jahre Berufserfahrung hatten (1978 bis 2009)</p>
<blockquote><p>&#8222;Diese Studie zielt darauf ab, das chronische Krankheitsrisiko im Zusammenhang mit längerer Arbeit in Stundenplänen für acht schwerwiegende chronische Krankheiten zu bewerten: Herzerkrankungen, Nicht-Hautkrebs, Arthritis, Diabetes, chronische Lungenerkrankungen, Asthma, chronische Depression und Bluthochdruck. (&#8230;) Die regelmäßige Arbeit über 32 Jahre hinweg war signifikant mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen, Hautkrebs, Arthritis und Diabetes assoziiert. Das beobachtete Risiko war bei Frauen viel größer als bei Männern. (&#8230;) Langfristige Arbeitszeitpläne über viele Jahre erhöhen das Risiko für bestimmte chronische Krankheiten, insbesondere für Frauen.&#8220; (Dembe <em>et al.</em> 2016)</p></blockquote>
<p>Frauen sind auch häufiger krankgeschrieben als Männer, obwohl sie bekanntermaßen mehr auf ihre Gesundheit achten und sich besser ernähren:</p>
<blockquote><p>„Der Krankenstand der weiblichen Versicherten ist mit durchschnittlich 4,2 Prozent – wie auch in den Vorjahren – höher als der der männlichen Versicherten (3,7 Prozent). Wie der Altersverlauf zeigt, liegt der Krankenstand der Frauen praktisch in allen Altersgruppen über dem der Männer. Der höhere Krankenstand von Frauen ist im Wesentlichen auf eine höhere Fallhäufigkeit (121,3 Fälle bei Frauen gegenüber 104,0 Fällen bei Männern je 100 Versichertenjahre) zurückzuführen.“ (Storm 2017, S. 14)</p></blockquote>
<p>Frauen leben auch länger als Männer, halten also trotz aller Schwierigkeiten länger durch. Sie sind als Berufstätige möglicherweise auch deshalb gesünder, <strong>weil</strong> sie sich häufiger krankschreiben lassen und sich so vor krankmachender Arbeit besser schützen. Sie scheuen sich weniger, sich krankschreiben zu lassen, denn sie haben meist feine Antennen dafür, was sie sich zumuten können, und oft sind sie nicht Alleinverdienerinnen, die um ihren Job fürchten müssten. Aber Frauen lassen sich noch viel zu wenig krankschreiben. Viele werden erst richtig krank, <em>weil</em> sie es sich nicht leisten können, weil sie <em>nicht krank</em> werden dürfen. Im Übrigen auch nicht ihre Kinder! Sehr kleine Kinder sind besonders anfällig und leiden besonders darunter, aber ausgerechnet sie werden in der Kita dauerhaft vielen Erregern ausgesetzt, die sie obendrein an ihre Eltern und Erzieherinnen weitergeben. Eine vergleichbare Ansteckungsgefahr hat es in der Evolution nie gegeben, und die <a href="http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/58634/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Medizin fängt jetzt erst an zu verstehen, was das anrichten kann</a>. Wenn das Kind krank wird oder wenn die Kita schließen muss, bleibt der Mutter oft nur noch, sich selbst krank zu melden, weil ihre Urlaubstage und vertraglich geregelten kindbedingten Fehlzeiten, die viel zu knapp bemessen sind, schon verbraucht sind. Manchen mag das wie eine die Gesellschaft ausbeutende Trickserei vorkommen, aber sie sollten dran denken, dass Mütter die Berufstätigen von morgen großziehen, die eines Tages auch die Rente erarbeiten.</p>
<h3 id="Schon-die-Maedchen-werden-krank-gemacht">Schon die Mädchen werden krank gemacht – Kinderarbeit und Drill</h3>
<p>Wir Frauen werden schon früh trainiert, uns anzupassen. Die Schule nimmt auf die Beschwerden von Mädchen keine Rücksicht. In der aktuellen <a href="https://www.kiggs-studie.de/deutsch/home.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) des Robert-Koch-Instituts</a> lesen wir:</p>
<blockquote><p>&#8222;In der Altersgruppe der 14- bis 17-Jährigen schätzten Mädchen ihre Lebensqualität signifikant niedriger ein als gleichaltrige Jungen. In den beiden jüngeren Altersgruppen war kein Geschlechterunterschied in der Lebensqualitätseinschätzung zu beobachten.&#8220; (Ellert et al. 2014, S. 801)</p></blockquote>
<p>Alle Jugendlichen leiden unter chronischem, von der Schule aufgezwungenem Schlafmangel und Stress, dies ausgerechnet in einer Zeit, wo sich das Gehirn noch entwickeln muss. Aber Mädchen sind besonders leidgeprüft. Es ist tatsächlich kein Geheimnis, dass Mädchen in den ersten Tagen der Menstruation oft starke Schmerzen haben und häufig dem Unterricht fernbleiben oder nicht den Anforderungen folgen können. Das Horrorszenario überhaupt ist ein Blutfleck auf der Kleidung, das es um jeden Preis zu vermeiden gilt, aber der <a href="https://www.mynfp.de/unregelmaessiger-zyklus" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zyklus</a> ist unberechenbar, und schon greifen Mädchen zur Pille.<br />
Ständig unter Konkurrenz versuchen sie ihre sexuelle Attraktivität auch durch aufwändiges Herausputzen zu steigern, evolutionär gesehen, um baldigst schwanger zu werden. So betrachtet ist es kein Wunder, dass &#8222;Germany&#8217;s Next Topmodel&#8220; so erfolgreich ist. Die KiGGS-Studie zeigt nun, dass rund jedes fünfte Kind einzelne Symptome einer Essstörung aufweist. Obendrein empfand sich fast jedes zweite Mädchen zwischen 11 und 17 Jahren als zu dick (vgl. Burger 2017). Das Schönheitsideal hat nichts mit den evolutionären Erfordernissen zu tun. Aber nicht Heidi Klum ist daran Schuld, sondern das patriarchale System, in dem junge Frauen verzweifelt nach einem guten Leben suchen müssen. Doch alle gemeinsam arbeiten daran, das zu verhindern. Die zunehmenden Fälle von Magersucht zeigen, dass Mädchen dem Druck nicht mehr gewachsen sind. Trotz aller Schwierigkeiten „ihren Mann zu stehen“ und gleichzeitig eine attraktive Frau zu sein, schaffen die Allerwenigsten. Dass Mädchen keinen Hass auf ihren Körper entwickeln, ist schon die Ausnahme.</p>
<p><span style="font-size: 8px;"><a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/henrique-felix-113544.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1267" title="ein dünnes Süppchen" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/henrique-felix-113544.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="ein dünnes Süppchen" width="600" height="400" srcset="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/henrique-felix-113544.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/henrique-felix-113544.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><br />
Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/JVkGUwTYQag?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Henrique Félix</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Die amerikanische Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy klärt uns darüber auf, dass natürlicherweise die Mädchen am wenigsten arbeiten, die alten Frauen dagegen am meisten:</p>
<blockquote><p>„Bei einigen Jäger-Sammler-Gruppen wie den Pumé in Venezuela beispielsweise beginnt die Durchschnittsfrau erst mit Mitte zwanzig, ihre Nahrung für sich selbst zu sammeln. (&#8230;) Selbst wenn sie harte Arbeit leisten, etwa Knollen ausgraben, buddeln Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren weniger Knollen in einer Stunde aus als ältere Frauen, die schon über 40 sind. Wenn die Nahrung ins Lager zurückgetragen wird, sind es am Ende aus irgendeinem Grunde immer die starken jungen Frauen, die die leichtesten Lasten tragen. (&#8230;) Teenager sind (&#8230;) unter Umständen nicht mit ganzem Herzen bei der Sache, selbst dann nicht, wenn es sich um eine leichte Aufgabe handelt. (&#8230;) Es ist so, als schonen Teenager sich für etwas Besseres – was unter dem Gesichtspunkt der Fortpflanzung auch tatsächlich so ist. (&#8230;) Moderne Mütter machen grimmige Witze über den Narzissmus der jungen Frauen, ihre Ich-Bezogenheit, Unruhe und ihre Fixiertheit auf das andere Geschlecht. Doch von ihrem Standpunkt aus gesehen arbeiten die Mädchen um die Zeit der Menarche auf ihre Weise hart: sie programmieren nämlich ihren Hypothalamus und ihre Eierstöcke neu (&#8230;) Heranwachsende haben mitunter Erwartungen und setzen Prioritäten, die sich stark von denen der Eltern unterscheiden. Auch wenn sie den Grund dafür nicht kennen, werden sie, wenn es hart auf Hart kommt, ihr eigenes Fortpflanzungspotenzial nicht zu Gunsten eines fremden Babys aufs Spiel setzen. „Kinderarbeit, das soll wohl ein Witz sein“, lamentiert eine Mutter (&#8230;) ermüdet vom Widerstand ihrer Tochter gegen jede Hausarbeit.“ (Blaffer Hrdy 2010a, S. 316 f)</p></blockquote>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Mädchen auf dem Jahrmarkt" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/annie-gray-401017.jpg?resize=600%2C400&#038;ssl=1" alt="Mädchen auf dem Jahrmarkt" width="600" height="400" /><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/_O6xCs0P-NI?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Annie Gray</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Mädchen interessieren sich jedoch bei weitem nicht nur für Jungen, sondern sind schon lange bevor sie Mutter werden damit beschäftigt, <a href="http://www.spektrum.de/news/kinder-koennen-auch-ohne-vater-gluecklich-aufwachsen/1479737" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ein helfendes Netzwerk zu schaffen</a>. Sarah Blaffer Hrdy schreibt dazu:</p>
<blockquote><p>„Beginnend im Mädchenalter, werden Frauen mit zunehmendem Alter immer geschickter darin, Freundschaften zu schließen. Diese Neigungen wurzeln anders als bei Männern nicht in dem Bestreben, Jagdgefährten oder Waffenbrüder zu finden. Ob bewusst oder nicht, suchen Frauen nach ‚Schwestern’, die ihnen bei der Versorgung ihrer Kinder zur Seite stehen. Selbst der starke Drang, sich beliebt zu machen und ‚dazuzugehören’, der bei Mädchen im Teenageralter so unverkennbar ist und der zur Folge hat, dass sie äußerst empfindlich darauf regieren, was andere von ihnen denken, aber auch, dass sie sehr konkurrenzorientiert sind und andere rücksichtslos ausschließen, hat möglicherweise viel mit dem Aufbau von Bindungen zutun, die in den Umwelten unserer Vorfahren für die erfolgreiche Aufzucht von Kindern von entscheidender Bedeutung gewesen sein dürften.“ (Blaffer Hrdy 2010b, S. 372 f)</p></blockquote>
<p>Das Netzwerken ist für Frauen evolutionär gesehen eine brandneue und daher sehr anstrengende Arbeit, weil sie ursprünglich in ein bestehendes, funktionierendes Netzwerk, nämlich die matrilineare Sippe, hineingeboren wurden. Männer sind dagegen seit Urzeiten daran gewöhnt, mit fremden Männern Kontakt aufzunehmen und bildeten einst Jagdkollektive. Mittlerweile ist klar, dass das Überleben der Gruppe nicht vom Jagderfolg abhing, sondern vom Sammeltalent der Frauen. Es wurde nur selten ein großes Tier erbeutet. Männer gingen zur Jagd, um mit dem Gejagten angeben zu können. Ein erfolgreicher Mann hatte mitunter häufiger Liebhaberinnen. (vgl. Blaffer Hrdy 2010a, S. 312 u. 332)</p>
<p>Ich sehe das steinzeitliche Netzwerk der Männer als ein Werkzeug der <em>female choice</em> an. Das Netzwerk der untereinander nicht verwandten Männer war die Eintrittskarte jedes Einzelnen in die Sippe des Anderen. Nur wer zum Netzwerk gehörte, war vertrauenswürdig genug, sich den Frauen nähern zu dürfen. Das Netzwerk lieferte nicht nur neue Männer, es schützte auch vor Übergriffen.</p>
<p>Im Patriarchat, wo es keine matrilineare Sippe mehr gibt, ist es für Mädchen überlebensnotwendig geworden, ein Netzwerk aus eigentlich fremden, konkurrierenden Frauen aufzubauen. Evolutionär darauf nicht vorbereitet, läuft das nicht ohne Schwierigkeiten ab und die Netzwerke sind äußerst instabil. Zickenkrieg, Stutenbissigkeit und auch die männlichen Freunde, die überall dabei sind und obendrein eine Herausforderung für die <em>female choice</em> sind, erschweren die Herstellung von Frauenfreundschaften. Was früher von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ablief, wird durch das Internet offensichtlich. Cybermobbing ist unter Mädchen weit verbreitet und macht viele Mädchen krank.<br />
<a href="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/jacob-townsend-440823.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" title="Junge Frauen in Trennung" src="https://i0.wp.com/blog.gabriele-uhlmann.de/wp-content/uploads/2017/11/jacob-townsend-440823.jpg?resize=600%2C421&#038;ssl=1" alt="Junge Frauen in Trennung" width="600" height="421" /></a><br />
<span style="font-size: 8px;">Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/sOK08OmFu04?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Jacob Townsend</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></span><br />
Das von Mädchen mühsam und unter Einsatz ihrer Gesundheit aufgebaute Netzwerk wird mit dem Ende der Schulzeit zerstört, nämlich indem sie ihre Ausbildung nach Möglichkeit weit entfernt absolvieren sollen. Später müssen sie oft in einer anderen Stadt berufstätig sein, was dann bedeutet, dass auch die während der Ausbildung neu geknüpften Netzwerke zerstört werden. Was bedeutet es für das Gefühl der Selbstwirksamkeit einer jungen Frau, wenn das, was ihr am wichtigsten ist, immer wieder zerstört wird? Vielleicht ist die Kompensation dieses Effekts der wahre Grund, warum Mädchen zunächst bessere Noten erzielen als Jungen, im Berufsleben aber wieder in der zweiten Reihe stehen. Das Patriarchat verhindert den Aufbau dauerhafter weiblicher Netzwerke und sorgt für eine weitgehende Isolation. Im Laufe ihres Lebens zerbricht so Manche, die einst so hoffnungsvoll begann.</p>
<p>Die Gebärfähigkeit oder die Größe des sozialen Netzwerkes waren bei den Studien über arbeitende Frauen kein Kriterium für Gesundheit, obwohl das aus medizinischer und verhaltensbiologischer Sicht so ist. Es wurde aber angenommen, dass berufstätige Frauen größere Netzwerke hätten, und deshalb gesünder seien. Dem ist jedoch nicht so, und je mehr Hilfe sie brauchen, desto weniger haben sie:</p>
<blockquote><p>„Die Netzwerkarbeit ist (&#8230;) für viele Frauen nicht so einfach und so lohnend wie für Männer. NetzwerkforscherInnen konnten nachweisen, das berufstätige Frauen mit kleinen Kindern Zeit- und Energierestriktionen unterliegen, die einen negativen Einfluss auf die Größe und das Kontaktvolumen ihrer persönlichen Netzwerke haben (&#8230;).“ (Tonn 2015, S. 180)</p></blockquote>
<p>Das Vorhandensein von Netzwerken oder die Möglichkeit solche zu bilden dürfte also auch entscheidend für die gesundheitlichen Auswirkungen der Berufstätigkeit von Frauen sein.</p>
<p>Wie wir oben erfahren haben, arbeiten bei den Naturvölkern die älteren Frauen am meisten, also auch nicht die Frauen, die gerade kleine Kinder haben. Aber heute wird genau das von jungen Müttern verlangt, nachdem man ihnen alle Netzwerke zerstört hat. Das Potential, das ältere Frauen natürlicherweise noch haben, wurde im Patriarchat vorzeitig verbraucht und kann daher kaum erkannt werden. Sie sind erschöpft, und insbesondere die, die berufstätig waren, unternehmen lieber Kreuzfahrten, als ihren Töchtern zu helfen. Jetzt, sagen sie, seien sie auch mal dran. Sie waren es also während ihres ganzen Berufsleben nicht! Die, die sich einen Egotrip nicht leisten können, verbringen ein Alter im Abseits, wenn die Töchter weit entfernt wohnen. Das Patriarchat hat alles auf den Kopf gestellt. Ein gutes Leben ist damit für Mütter unmöglich gemacht. Wir meinen trotzdem häufig, alles zu haben, nennen uns zufrieden, aber wir wissen nicht, was uns entgangen ist!</p>
<p>Wie es sich schon bei Mädchen abzeichnet, haben Frauen evolutionär bedingt andere Prioritäten als Männer. Die Gesundheit einer Frau im Arbeitsleben hängt in ganz entscheidendem Maße davon ab, ob sie ihre Arbeit als sinnstiftend empfindet und freiwillig macht. Frauen sind von Natur aus viel wählerischer als Männer. Sie müssen so sein, weil sie in höherem Maße Verantwortung tragen. Die <em>female choice</em> und die richtigen Entscheidungen im Alltag, z.B. Wohnort oder Ernährung, all dies ist für Frauen extrem wichtig, weil sie für die nächste Generation mitentscheiden müssen. Warum sollte es bei der Arbeit anders sein und vor allem: warum sollte sich eine Frau festlegen müssen? Wird das alles übergangen, werden Frauen krank, das bestätigen auch die Studien:</p>
<blockquote><p>&#8222;Eine Analyse (&#8230;) spricht dafür, dass Erwerbsbeteiligung nur für verheiratete Frauen mit einer positiven Einstellung zur Erwerbstätigkeit einen positiven Einfluss auf die selbstverordnete allgemeine Gesundheit hat. Verschiedene Querschnittsstudien haben auch gefunden, dass die Verbindung von Berufstätigkeit und guter Gesundheit für diejenigen Frauen stärker ist, die eine positive Einstellung zur Berufstätigkeit haben oder für Frauen, die eine solche dem Hausfrauendasein vorziehen. (&#8230;) Zusammengefasst deuten diese Befunde daraufhin, dass Berufstätigkeit positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat, wenn es eine Übereinstimmung zwischen der Einstellung der Frauen zu oder dem Wunsch nach Berufstätigkeit und ihrem tatsächlichen Rollenstatus gibt.&#8220; (Repetti <em>et al.</em> 1989, S. 1397, meine Übersetzung)</p></blockquote>
<p>Wer eine überzeugte Hausfrau dazu zwingt, berufstätig zu werden, fügt ihr Schaden zu. Es ist nicht anderes, als wolle man eine Soziologin dazu zwingen, Ingenieurin zu sein. Gleiches gilt, wenn man eine berufsorientierte Frau dazu zwingt, Hausfrau zu sein. Es verbietet sich demnach jede Einmischung in die Lebensgestaltung von Frauen. Stattdessen muss dem Patriarchat auf den tiefsten Grund gegangen werden. Damit meine ich die Philosophie, die die Matrifokalität, das natürliche Schutz- und Netzwerk der Frau, vollverschleiert und sogar abtötet, und Vaterschaft und Familie zu einer Sache der Gerechtigkeit erklärt. Auf dem gleichen Altar der Gerechtigkeit fordert der Feminismus Gleichberechtigung. Es ist aber so, dass Gleichberechtigung nicht identisch ist mit Egalität, und sie verhindert Egalität sogar. Rechte werden vergeben &#8211; und zwar nicht ohne den Segen der Männer &#8211; und können von ihnen wieder genommen werden, solange sie die Gewalt und Macht des Vaters besitzen.</p>
<p>Die Mädchen bzw. Frauen werden schon früh gedrillt, trotz ihrer Beschwerden und Bedürfnisse zu funktionieren, in einer Weise, wie es Jungen bzw. Männern unbekannt ist. Ihre spezifischen Bedürfnisse, auch die von Kindern, werden mit Füßen getreten. Die Leistungsgesellschaft bietet nicht die Sicherheit, die junge Frauen bewusst oder unbewusst suchen und tatsächlich auch brauchen, wenn sie tatsächlich Mutter werden. Junge Frauen spüren überall, wie ihnen der schwankende Boden unter den Füßen ganz weggerissen wird.<br />
Der Feminismus hat erreicht, dass Frauen sich jetzt selbst erforschen dürfen und unendlich viele Tatsachenverdrehungen richtig stellen können. Wünschenswert wäre, dass sie es auch schonungslos tun! Wir wissen jetzt immerhin, dass Frauen, die vergewaltigt wurden, nicht selbst Schuld sind. Was aber Bedürfnisse angeht, klafft weiterhin eine riesige Lücke zwischen soziologischen Wunschträumen und medizinischer und soziologischer Realität. Daher wird noch mehr Zwang aufgebaut, statt ihn zu hinterfragen. Es ist, wie wir gesehen haben, ganz einfach, die Gruppe der Hausfrauen mit Statistik in Misskredit zu bringen und Druck auf sie auszuüben. Sie sind mittlerweile das Feindbild Nummer eins. Um Geld zu sparen, singen PolitikerInnen &#8211; unterstützt durch eine Clique bezahlter SoziologInnen &#8211; das alte Lied von der Eigenverantwortlichkeit. Das System baut darauf, dass alle gesund sind und es auch bleiben, und es gilt, das nicht sein kann, was nicht sein darf. Chronisch Schwerkranke erhalten zwar gewisse Hilfen, vegetieren aber am Existenzminimum herum und haben so keine Möglichkeit, ihre schlechte Lebensqualität durch Freizeitgestaltung zu verbessern. Besonders kranke Frauen werden diskriminiert. Frauen, die aufgrund von typischen Frauenbeschwerden im Grunde erwerbsunfähig sind, werden sogar als faul oder eingebildet krank abgestempelt. Ihr gesellschaftlicher Beitrag als Hausfrau und Mutter wird nicht honoriert. Ihnen hilft nicht einmal eine Berufsunfähigkeitsversicherung, weil sie theoretisch ja noch arbeiten könnten.</p>
<p>Das Ehegattensplitting, das heute übrigens auch gleichgeschlechtlichen Ehen zugutekommt, ist im Grunde eine Anerkennung dafür, dass eine wirtschaftlich besser gestellte Person eine andere absichert. Aber Politikerinnen und Forscherinnen legen leider viel zu oft ihren eigenen Maßstab an alle anderen Frauen an. Zwar sehen sie völlig zu Recht ein Problem darin, dass viele Frauen in und von der Partnerschaft abhängig sind, interessanterweise aber nicht, wenn Männer sich entscheiden, Hausmann zu werden. Es offenbart sich darin das uralte Ziel des Patriarchats, die Mutter abzuschaffen (vgl. Uhlmann 2015a). Statt die weibliche Care-Arbeit zu vergüten, wird Druck ausgeübt, den sie angeblich problemlos auf noch Schwächere abwälzen können: die Kinder. Erste Alarmsignale, dass Kinder immer häufiger und immer früher krank werden, gibt es schon heute.<br />
Einen Ausweg aus der Situation unter den Bedingungen des Patriarchats bzw. der Väter gibt es nicht. Matrifokales Leben ist dagegen zielführend, arbeitet nicht gegen die Natur und hat nichts mit <a href="https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2017/03/20/nazikeule-mutterkult-wie-mit-halbwissen-muetter-mundtot-gemacht-werden-und-was-dagegen-hilft/">Mutterkult</a> zu tun.</p>
<h3 id="literatur">Literatur</h3>
<p>Baumgart, Julia: Im Job bleiben aber wie? Rubrik Gesundheit: Endometriose. Das vernachlässigte Leiden. In: Brigitte 9/2008</p>
<p>Blaffer Hrdy, Sarah: Mutter Natur. Die weibliche Seite der Evolution. Berlin 2010 (engl. Originalausgabe 1999) (2010a)</p>
<p>Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und Andere. Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat. Berlin 2010 (engl. Originalausgabe 2009) (2010b)</p>
<p>Borchert, Henning; Cotlatz, Jürgen: Empirische Analysen zu weiblichen Lebenssituationen und Gesundheit. In: Leokadia Brüderl, Bettina Paetzold (Hrsg.) Frauenleben zwischen Beruf und Familie. Psychosoziale Konsequenzen für Persönlichkeit und Gesundheit. Weinheim München 1992</p>
<p>Bundesrepublik Deutschland: Flyer der Bundesregierung. Gender Mainstreaming. Was ist das? Berlin 2006.</p>
<p>Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Mädchen und Jungen in Deutschland. Lebenssituationen, Unterschiede, Gemeinsamkeiten. Berlin 2008</p>
<p>Burger, Kathrin Magersucht: Warum nehmen Essstörungen zu? In: Spektrum der Wissenschaft online vom 24.02.2017<br />
<a href="http://www.spektrum.de/news/essstoerungen-wie-magersucht-nehmen-zu/1439050" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.spektrum.de/news/essstoerungen-wie-magersucht-nehmen-zu/1439050</a></p>
<p>Dembe, Allard E.; Yao, Xiaoxi: Chronic Disease Risks From Exposure to Long-Hour Work Schedules Over a 32-Year Period. In: Journal of Occupational &amp; Environmental Medicine: September 2016 &#8211; Volume 58 &#8211; Issue 9 &#8211; p 861–867.<br />
Doi: 10.1097/JOM.0000000000000810<br />
<a href="http://journals.lww.com/joem/Citation/2016/09000/Chronic_Disease_Risks_From_Exposure_to_Long_Hour.2.aspx" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://journals.lww.com/joem/Citation/2016/09000/Chronic_Disease_Risks_From_Exposure_to_Long_Hour.2.aspx</a></p>
<p>Donner, Susanne: Wenn harmlose Erreger psychisch krank machen. Aus: Bild der Wissenschaft online. 09.05.2007<br />
<a href="http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/58634/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/58634/</a></p>
<p>Ellert, U., Brettschneider A.-K.; Ravens-Sieberer, U.; KiGGS Study Group: Gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse der KiGGS-Studie – Erste Folgebefragung (KiGGS Welle 1) Bundesgesundheitsblatt 2014 · 57:798–806<br />
DOI 10.1007/s00103- 014 -1978- 4<br />
<a href="http://edoc.rki.de/oa/articles/rewpcO0jJpaCw/PDF/20mHufW2LSvbQ.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://edoc.rki.de/oa/articles/rewpcO0jJpaCw/PDF/20mHufW2LSvbQ.pdf</a></p>
<p>Endometriosis Association, Inc: Aufklärung Unterstützung Forschung. Flyer Issued 1980, Revised Milwaukee 1999<br />
<a href="http://www.endometriosisassn.org/brochures/german.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.endometriosisassn.org/brochures/german.pdf</a></p>
<p>Franke, Mirijam: Kampf der Geschlechter: Macht Arbeit nur Frauen krank? Auf:<br />
<a href="https://arbeits-abc.de/viel-arbeit-macht-frauen-krank/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://arbeits-abc.de/viel-arbeit-macht-frauen-krank/</a> abgerufen am 15.11.2017</p>
<p>Gavranidou, Maria: Wohlbefinden und Erwerbstätigkeit im Familienverlauf. In: Bernhard Nauck (Hrsg.) Lebensgestaltung von Frauen. Eine Regionalanalyse zur Integration von Familien- und Erwerbstätigkeit im Lebensverlauf. Weinheim; München 1993</p>
<p>Gelitz, Christiane: <span class="article-heading">Kinder können auch ohne Vater glücklich aufwachsen. Aus: Spektrum der Wissenschaft online vom 05.07.2017<br />
<a href="http://www.spektrum.de/news/kinder-koennen-auch-ohne-vater-gluecklich-aufwachsen/1479737" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.spektrum.de/news/kinder-koennen-auch-ohne-vater-gluecklich-aufwachsen/1479737</a><br />
</span></p>
<p>Hensel, Jana: Lachen als Geste der Demütigung. In: Zeit online vom 14.11.2017<br />
<a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-11/sexismus-buero-arbeit-maenner-frauen-beziehung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-11/sexismus-buero-arbeit-maenner-frauen-beziehung</a></p>
<p>Nuber, Ursula: Wer bin ich ohne dich?: Warum Frauen depressiv werden &#8211; und wie sie zu sich selbst finden. Frankfurt 2012</p>
<p>Kieselbach, Janne: Warum Männer tatsächlich leichter krank werden. Aus: Sciene ORF online. 13.11.2017<br />
<a href="http://science.orf.at/stories/2877788">http://science.orf.at/stories/2877788</a></p>
<p>Kontio, Carina: Depression. Machen Männer Frauen krank? Aus: Handelsblatt online vom 27.09.2012<br />
<a href="http://www.handelsblatt.com/unternehmen/beruf-und-buero/buero-special/depression-machen-maenner-frauen-krank/7176326.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.handelsblatt.com/unternehmen/beruf-und-buero/buero-special/depression-machen-maenner-frauen-krank/7176326.html</a></p>
<p>Koopmann, Anna-Lena: Jetzt ist es wissenschaftlich bestätigt: Männer machen Frauen psychisch krank! ELLE online vom 09. November 2017<br />
<a href="http://www.elle.de/maenner-machen-frauen-krank" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.elle.de/maenner-machen-frauen-krank</a></p>
<p>Maletzke, Elsemarie: Das Leben der Brontës. Frankfurt a.M. Leipzig 2008</p>
<p>ASA. American Sociological Association online: Being the Primary Breadwinner is Bad for Men’s Psychological Well-Being and Health. 9.8.2016:<br />
<a href="http://www.asanet.org/press-center/press-releases/being-primary-breadwinner-bad-mens-psychological-well-being-and-health" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.asanet.org/press-center/press-releases/being-primary-breadwinner-bad-mens-psychological-well-being-and-health</a></p>
<p>Repetti; Rena L.; Matthews, Karen A.; Waldron, Ingrid: Employment and Women’s Health. Effects of Paid Employment on Women’s Mental and Physical Health. In: American Psychologist Nov. 1989 Vol. 44, No. 11, 1394-1401</p>
<p>Robert Koch-Institut: Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KIGGS). Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey. Mai 2007.</p>
<p>Ruhdorfer, Karoline: Elterliche Sorge. Den Vätern die Rechte, den Müttern die Pflichten. Aus: Deutschlandfunk Kultur online vom 18.05.2015<br />
<a href="http://www.deutschlandfunkkultur.de/elterliche-sorge-den-vaetern-die-rechte-den-muettern-die.1005.de.html?dram:article_id=320034" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.deutschlandfunkkultur.de/elterliche-sorge-den-vaetern-die-rechte-den-muettern-die.1005.de.html?dram:article_id=320034</a></p>
<p>Storm, Andreas (Hrsg.): DAK Gesundheitsreport 2017. Beiträge zur Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung (Band16). Hamburg 2017<br />
<a href="https://www.dak.de/dak/download/gesundheitsreport-2017-1885298.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.dak.de/dak/download/gesundheitsreport-2017-1885298.pdf</a></p>
<p>Trevisan, Caterina <em>et al.</em>: Marital Status and Frailty in Older People: Gender Differences in the Progetto Veneto Anziani Longitudinal Study. In: Journal of Women’s Health. Volume 25, Number 6, 2016<br />
DOI: 10.1089/jwh.2015.5592<br />
<a href="http://online.liebertpub.com/doi/pdf/10.1089/jwh.2015.5592" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://online.liebertpub.com/doi/pdf/10.1089/jwh.2015.5592</a></p>
<p>Tonn, Julia Jane: Frauen in Führungspositionen: Ursachen der Unterrepräsentanz weiblicher Führungskräfte in Unternehmen. Heidelberg 2015</p>
<p>Uhlmann, Gabriele: Der Gott im 9. Monat – Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt. Norderstedt 2015. (2015a)</p>
<p>Uhlmann, Gabriele: Female choice – unser Menschenrecht. Online seit 2015. (2015b)<br />
<a href="http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm</a></p>
<p>Waldron, Ingrid; Herold, Joan; Dunn, Dennis: How valid are self-report measures for evalutating relationships between women’s Health and labor force participation? In: Women &amp; Health Vol.7(2) Summer 1982.<br />
DOI:<a href="https://doi.org/10.1300/J013v07n02_06" target="_blank" rel="noopener noreferrer">10.1300/J013v07n02_06</a></p>
<p>Waldron, Ingrid; Hughes, Mary Elizabeth; Brooks, Tracy L.: Marriage protection and marriage selection&#8211;prospective evidence for reciprocal effects of marital status and health. In: Social Science and Medicine 1996 Jul; 43(1):113-23.<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8816016" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8816016</a></p>
<p>Waldron, Ingrid; Weiss, Christopher C.; Hughes, Mary Elizabeth: Marital status effects on health: are there differences between never married women and divorced and separated women? Social Science and Medicine 1997 Nov;45(9):1387-97.<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9351156" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9351156</a></p>
<p>Waldron, Ingrid; Weiss, Christopher C.; Hughes, Mary Elizabeth: Interacting effects of multiple roles on women&#8217;s health. Journal of health and social behavior.1998 Sep;39(3):216-36.<br />
<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9785695" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9785695</a></p>
<p>Wrusch, Paul: Petition der Woche. Bluten für Deutschland. Aus: TAZ online. 11.11.2017<br />
<a href="http://taz.de/Petition-der-Woche/!5459147/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://taz.de/Petition-der-Woche/!5459147/</a></p>
<p><strong>Auch zu empfehlen:</strong></p>
<ul id="liste2">
<li>Hering, Sabine; Maierhof, Gudrun. Die unpässliche Frau: Sozialgeschichte der Menstruation und Hygiene von 1860 bis 1985. Pfaffenweiler 1991.</li>
<li>Kolip, Petra (Hrsg.) Weiblichkeit ist keine Krankheit. Die Medikalisierung körperlicher Umbruchphasen im Leben von Frauen. Weinheim München 2000</li>
<li>Kühn-Mengel, Helga: &#8222;Die mündige „Patientin&#8220;? Vortrag der PatientInnenbeauftragten Berlin auf der 11. AKF-Jahrestagung, 13./14. November 2004, Berlin</li>
<li>Schindele, Eva: Pfusch an der Frau: Krankmachende Normen-Überflüssige Operationen-Lukrative Geschäfte. Frankfurt am Main 1996.</li>
<li>Schumann, Claudia: „Weiblichkeit ist keine Krankheit &#8211; was ist für Frauen gesund?“. Vortrag beim 26. Bremener Schafferinnenmahl 9.11.2000.</li>
<li>Sigel, Mira: &#8222;Wahnsinnsfrauen&#8220; – Psychische Krankheit als Mittel zur Diskriminierung von Frauen, die sich der gesellschaftlich vorgesehenen Rolle verwehren. Online-Ressource auf <a href="https://web.archive.org/web/20211027205948/https://diestoerenfriedas.de/wahnsinnsfrauen/" rel="noopener" target="_blank">https://web.archive.org/web/20211027205948/https://diestoerenfriedas.de/wahnsinnsfrauen/</a> vom 01.03.2016 abgerufen am 20.11.2017</li>
<li>Steinle-Paul, Elisabeth: &#8222;Weiblichkeit ist keine Krankheit &#8211; Über die Gesundheit in den Lebensphasen&#8220;. Vortrag anlässlich der Eröffnung des Frauentages der VHS Karlsruhe von, Stuttgart 2002</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de/machen-maenner-frauen-krank-die-wahren-zusammenhaenge-von-gesundheit-familienstand-und-arbeit">Machen Männer Frauen krank? – Die wahren Zusammenhänge von Gesundheit, Familienstand und Arbeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://blog.gabriele-uhlmann.de">Gabriele Uhlmann</a>.</p>
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